Dienstag, 19. Januar 2021

Gastbeitrag: Schön, wie die Disteln auf dem Pfenning-Acker blĂŒhen

Heddesheim, 29. Juni 2011. (red) Was war das eine Aufregung, als der Gemeinderat und NaturschĂŒtzer Kurt Klemm die sinnloswe Spitzung des GelĂ€ndes am Rundweg angeprangert hat. Der CDU-Fraktionssprecher Dr. Joseph Doll schrieb einen wĂŒtenden Leserbrief, BĂŒrgermeister Kessler schalt Klemm einen „missionarischen Ereiferer“ und der Landwirt und CDU-Gemeinderat Reiner Hege verteidigte als „Experte“ die Giftspritzung und machte die Distel zum Erzfeind des Bauern. Doch die wĂ€chst und gedeiht nun auf dem „Pfenning-GelĂ€nde“ – sehr zur Freude des NaturschĂŒtzers und Vogelfreunds Kurt Klemm. Denn die Distel ist eine schöne Futterpflanze.

Von Kurt Klemm

Eigentlich hĂ€tte ich es nicht fĂŒr möglich gehalten, dass sich das jetzige Plangebiet von Pfenning als ein Naturparadies aus zweiter Hand entwickeln wĂŒrde. Wer die letzten Tage an dem Gebiet vorbeikam, sah ein sich wogendes BlĂŒtenmeer der Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) auf deren BlĂŒten sich unzĂ€hlige Insekten am Nektar labten.

Aber auch fĂŒr viele Tagfalter ist der jetzige BlĂŒtenstand die wichtigste Nahrungsquelle. Selbst der in den letzten Jahren rar gewordene Stieglitz (Carduelis carduelis), auch Distelfink, genannt, holt sich dort die halbreifen Samen fĂŒr seine Brut. Ohne den halbreifen Samen der verschiedenen Distelarten wĂ€re sein ÃƓberleben nicht möglich.

Zur Zeit kann man bei der Acker-Kratzdistel drei verschiedene BlĂŒtenstĂ€nde sehen, von der BlĂŒte zum halbreifen Samen bis zum hygroskopischen Haarkelch (Pappus), der als Schirmchenflieger mit einer Sinkgeschwindigkeit von nur 26/Sekunde, bei einem gĂŒnstigem Aufwind ĂŒber 10 Kilometer fliegen kann. Die Acker-Kratzdistel, ansonsten erbarmungslos als Unkraut Nr. 1 mit Pestiziden bekĂ€mpft, lassen unsere Landwirte, zum GlĂŒck fĂŒr die Natur, dieses Jahr, speziell auf dem Pfenning-Areal, in Ruhe wachsen und gedeihen.

Denkt man zurĂŒck an das letzte Jahr, an den Rundweg hinter dem Vogelschutzgebiet, wo ebenfalls die Acker-Kratzdistel wuchs und die Gemeinde mit einer umfangreichen Giftspritzaktion Unkraut-Vernichtungsmittel ausbrachte, was riesengroße Wellen schlug, kann man sich eigentlich nur wundern.

BlĂŒhende Distelfelder freuen Kurt Klemm und geben Vögeln Futter. Bild: Kurt Klemm

Was hatten dazu unsere Landwirte im Gemeinderat fĂŒr schlimme Szenarien ausgemalt. Vielleicht können sich einige noch an meine Warntafeln zu der Unkrautspritzung erinnern. Eine Aktion, die sich dann im Nachhinein durch die Veröffentlchung hier im Blog und eine Recherche des „MM“ als vollkommen richtig erwies.

Was wurde meine Aktion damals in der Gemeinderatsitzung von unserem BĂŒrgermeister gescholten. Worte wie „missionarischer ÃƓbereifer und als RĂ€cher der Enterbten aufschwingen, waren zu hören (im Protokoll so nachzulesen).

Heute bin ich froh, wenn ich auf das Pfenning-Areal blicke. In Sachen Natur scheint da alles Friede, Freude, Eierkuchen zu sein und ich hoffe instÀndig, dass dies auch noch lange so bleibt.

Die Aufregung vom letzten Jahr, ĂŒber den Samenflug der Acker-Kratzdistel, die Pestizidspritzung, war vollkommen umsonst, angesichts der jetzigen Situation, oder?

Kurt Klemm protestierte im Oktober gegen die Distelspritzung ohne Warnung. Klicken Sie auf das Bild, um den Beitrag zu lesen.

 

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Gemeinderat in der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. Er gehört zu den MitgrĂŒndern des Vogelparks und ist der Naturschutzbeauftragte der Vogelfreunde- und Pfleger, die vor kurzem fĂŒr ihre herausragende Arbeit mit dem AZ-Naturschutzpreis ausgezeichnet worden sind.

Kurt Klemm „hat die Schnauze voll“

Guten Tag!

Heddesheim, 15. Oktober 2010. Kurt Klemm, Vogelfreund und NaturschĂŒtzer, hat „die Schnauze voll“. Wieder einmal hat „die Gemeinde“, respektive BĂŒrgermeister Michael Kessler, wider die Natur gehandelt, sagt er. Deswegen handelt er nun gegen die „Vergiftung“.

Von Hardy Prothmann

klemm

Kurt Klemm protestiert gegen aus seiner Sicht unnötigen Gifteinsatz. Bild: privat

Der Gemeinderat (parteilos, Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) Kurt Klemm ist „sauer“, so richtig sauer. Auf der Wiese hinter dem Vogelpark, wo das neue TeilstĂŒck des Rundwegs um den Badesee angelegt wurde, ist „Gift gesprĂŒht worden“, sagt er.

„Seit ewigen Zeiten prangere ich das an“, sagt Klemm. Er meint das Spritzen von „Unkrautvernichtungsmitteln“. Diese „UnkrĂ€uter“ seien wichtige Nahrungsgrundlage fĂŒr viele Insekten und die wiederum fĂŒr die Vögel. „Aber der will nichts verstehen und macht, was er will“, sagt Klemm und meint BĂŒrgermeister Michael Kessler.

Kurt Klemm hat sich deshalb zu einer privaten Protestaktion entschlossen. Auf der gespritzten Wiese hat er Warnschilder aufgestellt: „Vorsicht Gift“.