Donnerstag, 02. April 2020

Offener Brief an die CDU: „Das ist Volksverdummung!“

Guten Tag Herr Wittneben, sehr geehrte CDU Heddesheim,

spätestens nach Ihrer, vielleicht sogar gutgemeinten, Wurfsendung zum Thema Pfennig ist eine Stimmvergabe an einen CDU Kandidaten nächste Woche unmöglich geworden:

Sie werfen der IG Nein-zu-Pfenning „verdrehte oder unwahre Argumente“ (Zitat) vor. Sie selber sind Dank Ihrer Wurfsendung noch viel schlimmer!

Die 7 Fragen / Aussagen sind absolute Volksverdummung!

Hier meine Begründung:

1) „Arbeitsplätze sind mir wichtig.“: Clevere Formulierung, da jeder normal denkende Mensch zuerst anerkennend nicken wird. Was hat dies mit der Ansiedlung der Firma Pfenning zu tun? Natürlich nichts. Mit der Ansiedlung dieser Firma kommt es, betriebswirtschaftlich absolut sinnvoll, zu gewünschten Synergieeffekten, so dass zumindest in der Verwaltung sogar Arbeitsplätze wegfallen könnten. Arbeitsplätze werden hier nicht neu geschaffen, die jetzigen Arbeitnehmer fahren morgens anstatt nach Viernheim halt nach Heddesheim. Dies gilt auch für die Ausbildungsplätze (siehe Punkt 5) Von den Sub-Unternehmen, die überhaupt keinen Mehrwert bringen und nur die Luft mit Ihren Trucks verpesten, ganz zu schweigen.

2) „Der Erhalt unserer öffentlichen Einrichtungen ist mir wichtig.„: Natürlich, dieser Hinweis suggeriert, dass a) in Heddesheim alle öffentliche Einrichtungen geschlossen werden müssen, wenn Pfenning nicht kommt und b) Pfenning überhaupt nennenswerte Steuern zahlt.

3) „Solide Gemeindefinanzen sind mir wichtig.“: Was soll eigentlich immer diese Anhäufung von Selbstverständlichkeiten? Natürlich sind solide Finanzen im Gemeindehaushalt immer wichtig. Warum stellen Sie sich als CDU nicht hin und sagen: Die Firma Pfenning zahlt uns auf Jahre konstante und hohe Steuern, so daß die Gemeindefinanzen stets solide sind. Dies können Sie nicht, da Sie es ja nicht wissen, ob dies der Fall ist. Hier spielt nur das Prinzip Hoffnung eine Rolle.

Nach meinem Recherchen tritt die Firma Pfenning im Gewerbegebiet als Mieter(!) auf, zahlt also an eine (Tochter-)firma Miete, so dass es hier zu einer Gewinnverrechnung kommt. Sehr clever von diesem Logistik-Unternehmen. Aber die Gemeinde geht, was Gewerbesteuer betrifft, hier wahrscheinlich auf Jahre leer aus.

4) „Ich akzeptiere eine Erhöhung des Durchgangsverkehrs auf der Ringstraße.“ Wenigstens hier bleiben sie ehrlich. Als direkter Ringstraßenbewohner kann ich hier natürlich nur dagegen sein. Alle Immobilien in 100 Meter Radius zur Ringstraße werden quasi über Nacht weniger wert sein. Die Ringstraße wurde damals nicht für so viele Lkw entworfen. Ansonsten hätte man entweder den Lärmschutz verstärkt oder einer Ansiedlung bis zur Straße seitens der Gemeinde gar nicht zugestimmt.

Sehr geehrte CDU-Gemeinderatsmitglieder und die, die es werden wollen:
Haben Sie an die untragbare Gefährdung der Fußgänger gedacht?
Schon jetzt ist es für ältere Mitbürger und Kinder lebensgefährlich von der Ahornstrasse z.B. zum Hallenbad, Baggersee oder Eislaufbahn zu kommen. Ein Wunder, dass hier noch nicht mehr passiert ist. Hier fehlt (und dies wird durch die Zunahme des LKW Verkehrs noch verstärkt) entweder eine Unterführung oder eine Ãœberführung für Radfahrer und Fußgänger. Und kommen sie mir nicht mit der Ampel bei der Kepler-Schule. Von der Ahornstrasse ist diese über 300 Meter weiter weg und keine Alternative.

5) „Arbeitsplätze für unsere Jugend sind mir wichtig.“: Dasselbe Problem wie oben: Ein allgemeiner Hinweis, dem jeder zustimmen kann, wird hier auf den Einzelfall übertragen. Billig, billig!

Ich gehe hier mit jedem von Ihnen eine Wette ein: Es wird aufgrund der Ansiedlung kein Azubi mehr eingestellt als früher. Ich wünsche zukünftigen Auszubildenden aus Heddesheim eine erfolgreiche Bewerbung bei der Firma Pfennig in Viernheim! Ich denke die Entfernung nach Viernheim nimmt jeder Auszubildende gerne in Kauf. Warum sollte die Ansiedlung mehr Ausbildungsplätze bringen? Dies unterstellt ja wohl Ihre Aussage.

6) „Eine, für die Gemeinde risikofreie Entwicklung….ist mir wichtig.“: Ja, aber Gewerbetreibende, die weniger Fläche
verbrauchen sind mir noch wichtiger. Ein Beton-Schandfleck für Heddesheim ist kilometerweit sichtbar. Ein Gewerbemix mit vielen kleineren Unternehmen unterschiedlichster Prägung ist mittelfristig finanziell sogar besser, da das Risiko breiter gestreut wird. Bei kleineren Unternehmen werden auch nicht so horrende Erschließungskosten zu zahlen sein.

7) „Der Wandel von Ackerland hin zu gewerblich genutzter Fläche ist für mich akzeptabel.“: Und wieder: ja im allgemeinen schon (zumal diese Fläche, schon immer als Gewerbegebiet ausgewiesen war). Im besonderen aber nein! Diese Betonburg ist einfach 10 Nummern zu groß. Schauen Sie bitte mal Richtung Bergstraße. Schon die Erweiterung der EDEKA war grenzwertig. Mit der Firma Pfennig setzt man sogar noch einen drauf. Betonwände soweit das Auge reicht. Aber ich kann ja dann nach Ladenburg fahren, wenn ich die Bergstraße sehen möchte…

Fazit: Die Firma Pfennig ist für Heddesheim eine Nummer zu groß. Die Nachteile überwiegen bei Weitem. Um eines klar zu stellen: Ich habe nichts gegen die Firma Pfenning an sich. Betriebswirtschaftlich kann man zu Standortfrage nur gratulieren. Durch den neuen geplanten Standort verschafft man sich Wettbewerbsvorteile gegenüber den anderen Logistik Firmen. Nur die Auswirkungen für die Heddesheimer Bürger sind nicht akzeptabel. Verbaute Fläche, zersiedelte Landschaft, mehr Dreck mehr Lärm. Viele Minuszeichen, die Sie als Vertreter der Bürger einfach übergehen.

Deshalb sage ich: Nein zu Pfennig und nein zur CDU Heddesheim!!

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Warmuth