Dienstag, 21. November 2017

28. Oktober bis 03. November 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine fĂŒr den 28. Oktober bis 03. November 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps fĂŒr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite. [Weiterlesen…]

Große BemĂŒhungen fĂŒr den Erhalt der Natur

Erneut große Auszeichnung erhalten

Heddesheim, 15. April 2013. (red/pm) Bei der FrĂŒhjahrstagung des Landesverbandes Deutscher WaldvogelschĂŒtzer und Pfleger Baden WĂŒrttemberg e.V. am 13. April 2013 in Ketsch, konnte unser 1.Vorsitzender Werner Dostal aus den HĂ€nden des VerbandsprĂ€sidenten Herbert Geitner eine große Auszeichnung entgegennehmen. [Weiterlesen…]

BUND Heddesheim engagiert sich auch 2013 fĂŒr den Naturschutz

VermĂŒllte Biotope und ein zerstörtes Insektenhotel

Heddesheim, 20. Februar 2013. (red/zef) Auch fĂŒr das Jahr 2013 stehen bei der Ortsgruppe Heddesheim des Bunds fĂŒr Umwelt und Naturschutz in Deutschland große Herausforderungen an: Die Biotope sind teilweise heftig vermĂŒllt, das Insektenhotel wurde erneut zerstört. Auf der Jahreshauptversammlung stellte die Ortsgruppe die Weichen, um dies zu meistern.

Von Ziad-Emanuel Farag

Am Samstag, den 23. Februar, sĂ€ubert die BUND-Gruppe Heddesheim die Biotope. Maria Landenberger, Vorsitzende der Ortsgruppe, Ă€ußert sich hierzu optimistisch:

Gut 20 Personen aus Heddesheim haben letztes Jahr sehr viel MĂŒll aus den Biotopen entfernt. Es haben sehr viele mit angepackt, die zum Teil gar nicht Mitglied der Ortsgruppe sind. Das hat uns sehr gefreut. Auch in diesem Jahr hoffen wir wieder auf viele tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung. Besonders in den LandgrĂ€ben können wir jede helfende Hand gebrauchen. Es ist erschreckend, dass jedes Jahr ÖlfĂ€sser auftauchen.

Ihre GrundstĂŒcke möchte die Ortsgruppe pflegen und so weitere FlĂ€chen unberĂŒhrter Natur schaffen. Dabei stören momentan wildwuchernde Brombeeren und Kirschen, die der restlichen Vegetation kaum Platz lassen. Hierbei soll auch das Insektenhotel wieder aufgebaut werden. Wie 2009 wurde es auch 2012 zerstört.

Der Vorstand der BUND-Gruppe Heddesheim (von links nach rechts): Dr. Klaus Wagner (stellvertretender Vorsitzender und Kassenwart) Johanna Fath und Richard Landenberger (KassenprĂŒfer) und Maria Landenberger (Vorsitzende)

Insgesamt kann man aber mit der Bilanz fĂŒr 2012 zufrieden sein: Am 26. Juli 2012 konnten am Badesee in Heddesheim ZwergfledermĂ€use in freier Wildbahn beobachtet werden. Es stand außerdem eine KrĂ€uterwanderung in Hemsbach an. Die reiche Flora und Fauna des Odenwaldes erwies sich hierfĂŒr als reichhaltiger Schatz.

Das Ganze stieß auf so eine große Resonanz, dass es in diesem Jahr auch eine fĂŒr Eltern und ihre Kinder stattfinden wird. Ebenfalls wird es eine Aktion geben, bei der Kinder zusammen mit ihren Eltern PfĂ€hle bauen, die die einzelnen GrundstĂŒcke begrenzen sollen.

Die gute Arbeit 2012 schlug sich auch in den Vorstandswahlen nieder: Maria Landenberger als erste Vorsitzende und Dr. Klaus Wagner als Kassenwart und ihr Stellvertreter wurden einstimmig wiedergewÀhlt.

 

Gastbeitrag zur Biotop-Vernichtung am Badesee

Der vergitterte Blick

Dieser wichtige Lebensraum fĂŒr Tiere wurde fĂŒr den "freien Blick" abgeholzt. Bild: Kurt Klemm

 

Heddesheim, 13. Januar 2012. Der Heddesheimer VogelschĂŒtzer und Naturschutzbeauftragte des Vogelvereins, Kurt Klemm, hat sich das abgeholzte StĂŒck am Badesee selbst angeschaut und ist entsetzt. Verschiedene NaturschutzverbĂ€nde wurden von ihm alarmiert, ebenso die Untere Naturschutzbehörde. Sein Gastbeitrag ist ein dringender Appell, der Natur Schutz zu gewĂ€hren, statt sie in Form zu schneiden.

Von Kurt Klemm

Kurt Klemm zeigt Futterangebote fĂŒr Vögel in seinem Garten.

Das beste Beispiel wie man mit Artenschutzmaßnahmen nicht verfahren soll, hat sich wieder einmal unser BĂŒrgermeister Michael Kessler geleistet.

Auf seine persönliche Anordnung hin, wurde eine ca. 200 m lange Uferbewachsung am nordöstlichen Ende des Badesees abgeholzt und so dem Erdboden gleichgemacht, damit man beim Spaziergang den Badesee gittermĂ€ĂŸig einsehen kann.

Wer von denen, die angeblich als BĂŒrger unserer Gemeinde solche Forderungen an den Gemeindechef stellen, nennt sich allen ernstes „Naturfreund“?

Hier wird ein vollkommen intaktes Biotop einfach nur mal so vernichtet, um „Naturfreunden“, einen freien Blick durch eine meterhohe Gitterwand auf den See zu gewĂ€hren.

Gutachten zur Artenvielfalt

In einem Gutachten, das unser BM von dem Vogelschutzgebiet des Vogelvereins 2007 erstellen ließ, um die Vogelwelt dort genau kartiert zu haben, heißt es von dem Gutachter:

Im Verlaufe der Bestandserhebung wurden 43 Vogelarten beobachtet, von denen 22 Arten nach gĂ€ngigen Vorgaben als Brutvögel einzustufen sind. Die ĂŒbrigen 21 Arten nutzen das Gebiet als Nahrungshabitat oder als Rastgebiet wĂ€hrend des Vogelzuges.

Weiter heißt es in einem Auszug aus diesem Gutachten:

Die Verteilung der Brutreviere lĂ€sst erkennen, dass der gesamte Gehölzbestand als Bruthabitat genutzt wird Die höchste Revierdichte wurde im sĂŒdlichen Teil des Gehölzbestandes festgestellt.

Das ist genau die Stelle, wo der Übergang des Vogelschutzgebietes in diese Uferbewachsung geht, die jetzt vernichtet worden ist.

Wozu werden fĂŒr viel Geld solche Gutachten erst erstellt, um am Ende statt Lebensraumschutz, den SpaziergĂ€ngern einen vergitterten Panoramablick auf den See zu gewĂ€hren?

Zwei Sichtfenster in diesem Heckenbereich hÀtten es auch getan.

Vernichtung von Artenvielfalt

Lebensraumverlust ist die Vernichtung der Feldraine, Rodung von Hecken und Feldgehölzen, dies wiederum fĂŒhrt zu Nahrungsmangel, fehlenden Schutz-und Deckungsmöglichkeiten vor Beutegreifern, keine BrutplĂ€tze, Artenarmut.

Hinzu kommt noch der geradezu verschwenderische FlĂ€chenverbrauch, wie bei Pfenning, Edeka und die BauplĂ€tze „Mitten im Feld“, all diese Verluste kann die Natur nicht mehr kompensieren, am Ende bleibt nur noch der Verlust der Artenvielfalt. Aber ohne Artenvielfalt verliert auch der Mensch sein irdisches Dasein.

Was sind das fĂŒr Menschen, die sich einfach an der Schöpfung Gottes vergreifen, nur um sich vermeintliche Vorteile auf eine bessere Aussicht zum See zu verschaffen?

Angesichts der meterhohen GitterzĂ€une, fragte ein besorgter BĂŒrger an, ob hier angesichts der mannshohen Gitterlaufwege demnĂ€chst Gefangene aus GuantĂĄnamo einquartiert wĂŒrden.

Aber machen Sie sich bitte selbst ein Bild und urteilen sie dann ĂŒber dieses StĂŒck Rundweg am nordöstlichen Ende des Badesees. Ich freue mich auf ihre Resonanz im Heddesheimblog.

Wie grĂŒĂŸten die Gladiatoren ihren CĂ€sar oder BM noch: „Morituri te salutant“.

Zur Person:
Kurt Klemm ist parteiloser Gemeinderat und Mitglied der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. FĂŒr seine NaturschutzaktivitĂ€ten ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

Beim Heckenschnitt geht es „ganz sicher“ um eine Machtdemonstration

Heddesheim, 02. November 2011. (red) Am morgigen Donnerstag wird die Hecke um das Biotop des Vogelparks auf mehreren hundert Metern zurĂŒckgeschnitten. Angeblich geht es um die „Sicherheit“ der FußgĂ€nger. TatsĂ€chlich darf man das bezweifeln. Und andere GrĂŒnde vermuten.

Von Hardy Prothmann

Dass BĂŒrgermeister Michael Kessler „grĂŒn nicht grĂŒn ist“, braucht man kaum jemandem zu erklĂ€ren.

Der derzeit amtierende BĂŒrgermeister gilt als „Betonkopf“. BĂŒsche, StrĂ€ucher, Hecken – die Natur bedeutet Herrn Michael Kessler nicht viel. Er baut lieber oder lĂ€sst bauen, auch wenn bei seinem Lieblingsprojekt „Pfenning“ irgendwie nichts vorwĂ€rts geht.

Beton gegen Natur

Der Heddesheimer Gemeinderat Kurt Klemm ist so ziemlich das Gegenteil von Herrn Kessler. Dem Vogelfreund und NaturschĂŒtzer ist jedes Unkraut lieber als Beton.

Und der Zoff um den HeckenrĂŒckschnitt rund um das Biotop des Vogelparks ist das beste Beispiel, um diesen Systemwiderspruch zu belegen.

Kurt Klemm ist einer der GrĂŒnder des Vogelparks. Seit ĂŒber 50 Jahren haben sich die Vereinsmitglieder ehrenamtlich eingebracht und den intaktesten Flecken Natur geschaffen, den Heddesheim zu bieten hat. Eine Naturoase am Badesee. Den grĂ¶ĂŸten Teil davon darf niemand betreten. Er gehört der wilden Natur, nicht den Menschen. Als RĂŒckzug fĂŒr die wenigen Wildtiere, die Heddesheim geblieben sind. Ein Eingriff findet nicht statt.

Doch das stimmt nicht ganz. Das GelÀnde gehört der Gemeinde, der Vogelverein hat es nur gepachtet. Das GelÀnde gehört also allen Heddesheimerinnen und Heddesheimern, aber einer hat den absoluten Besitzanspruch. Michael Kessler.

Dessen Vater ist Legende im Ort, all die großen Projekte des Gemeinwohls, Sportzentrum, Schwimmbad, Badesee, sind untrennbar mit dem Namen Fritz Kessler verbunden. Seinem Sohn Michael bleibt nur die Verwaltung des Erbes. Oder das Zubetonieren der Natur.

Der GĂŒllelaster braucht den ganzen Weg - fĂŒr FußgĂ€nger ist kaum Platz. Deswegen soll die Vogelparkhecke beschnitten werden. An anderer Stelle wird es keine "Ausweichmöglichkeiten" geben. Bild: privat

Als wollte Michael Kessler sich das Erbe einvernehmen, plant er einen „umfassenden“ Rundweg um den Badesee. DafĂŒr wĂ€re er auch mitten durchs Biotop „gegangen“ – doch das wurde verhindert. So muss er den Weg um Badesee und Vogelpark herum „gestalten“.

Aktuell wird bald ein weiterer Wegeabschnitt fertig sein. Und es gab immer Streit, weil Kessler zu nah ans Biotop ran will. Er bedrĂ€ngt es geradezu. Diese NatĂŒrschĂŒtzer… was mag er ĂŒber sie denken?

Der RĂŒckschnitt der Biotop-Hecken ist wie ein Schnitt ins Fleisch der VogelschĂŒtzer-Seelen. BĂŒrgermeister Michael Kessler muss wissen, wie weh es den engagierten Vereinsmitgliedern tun muss, wenn sie wieder ein StĂŒck Natur opfern mĂŒssen.

HeckenschĂŒtze vs. HeckenschĂŒtzer

Die Hecken bieten Schutz und Nahrung – nicht nur fĂŒr Vögel. Der RĂŒckschnitt ist ein Einschnitt – nein, eigentlich ein „RĂŒckschritt“. Denn ĂŒber Jahrzehnte sind die Hecken gewachsen, in ein, zwei Tagewerken werden sie „begradigt“, „in Form“ gebracht. Aus Sicht der VogelschĂŒtzer ist es ein Schnitt ins Fleisch ihrer ÃƓberzeugung: Möglichst viel Natur der Natur zu ĂŒberlassen.

Das Argument, die FußgĂ€nger brĂ€uchten einen „Ausweg“ fĂŒr die sichere Passage, ist nur vorgeschoben. Jeder im Ort, der sich fĂŒr die VorgĂ€nge interessiert, weiß, dass Herrn Kessler die Vogelfreunde ein Dorn im Auge sind. Denn sie haben sich gegen sein Betonprojekt „Pfenning“ ausgesprochen. Und dass, obwohl einige bei der Gemeinde beschĂ€ftigt sind oder waren. Also bei ihm, dem BĂŒrgermeister, der von sich denkt und sagt, dass ihm die Gemeinde gehört.

So viel Zivilcourage muss „begrenzt“ und zurĂŒckgeschnitten werden.

Umso mehr, als ein ehemaliger „Bediensteter“ nun als ehrenamtlicher Gemeinderat im höchsten Gremium der Gemeinde mitwirkt: Kurt Klemm, der als Hausmeister fĂŒr die Gemeinde tĂ€tig war und nun im Ruhestand ist. Und einer, der es immer wieder wagt, dem BĂŒrgermeister zu widersprechen. Einer, der Fragen stellt, statt stumm abzunicken. Einer, der sich jenseits der großbĂŒrgermeisterlichsten Ideen aller Zeiten ganz anders engagiert. Mit Besinnung. Einer, der keinen RĂŒckschnitt als Fortschritt begreift.

Wer sich vor Ort selbst ein Bild macht, erkennt sofort die schwache Argumentationslage.

Wenn es wirklich darum ginge, den SpaziergĂ€ngern einen „Ausweichraum“ zu schaffen, um „gefĂ€hrliche Begegnungen“ mit Fahrzeugen auf dem Wirtschaftsweg zu vermeiden, dann mĂŒssten nicht nur die Hecken am Vogelpark weichen und ein „Schotterrasen“ neben der Fahrbahn angelegt werden.

Wenn dem so wĂ€re, mĂŒsste neben allen landwirtschaftlichen Wegen ein solcher „Schotterrasen“ angelegt werden, auf dem die SpaziergĂ€nger neben der Fahrbahn laufen könnten. Denn ausgerechnet vor Ort am Vogelpark ist mehr als genug Platz fĂŒr FußgĂ€nger, um ein Fahrzeug mit einem Schritt zur Seite passieren zu lassen.

Einsicht vs. FahrlÀssigkeit

TatsĂ€chlich mĂŒssen FußgĂ€nger sonst meistens „in den Acker treten“, wenn sie an anderer Stelle ausweichen wollen – vor allem Fahrzeugen, die hier eigentlich gar nicht fahren dĂŒrften, deren „Anlieger“-Status durchaus bezweifelt werden darf und die die Wege nutzen, um „abzukĂŒrzen“.

Auch das Argument der „Einsicht“ – also auf den landwirtschaftlichen Weg – ist durchschaubar. Wer keine Einsicht hat, schaut vorsichtig. Ob FußgĂ€nger oder Autofahrer. Tut weder der eine noch der andere das, handelt man fahrlĂ€ssig. Schafft man nun „Einsicht“, können zumindest Autos und Traktoren schneller fahren, denn sie sehen ja, ob da jemand steht oder lĂ€uft oder nicht.

Und darum scheint es zu gehen: Nicht das Spazieren zu befördern, sondern das Verkehren. Die Fahrzeuge sollen Platz bekommen.

BĂŒrgermeister Michael Kessler weiß, dass jeder „RĂŒckschnitt“ am Biotop einen Eingriff in die Seelen der VogelschĂŒtzer bedeutet. Die Heddesheimerinnen und Heddesheimer sollten das genau verstehen, sonst verstehen sie nicht, was der wahre „Antrieb“ ist.

Es geht um Macht. Und deren Demonstration. Ohne Sinn und Sinnlichkeit. Es geht gegen die Natur anderer, die nicht fĂŒr die „Macht“ sind.

Es geht um Durchsetzung von Interessen – angeblich im Sinne der Gemeinde. TatsĂ€chlich im Unsinn desjenigen, der sich dafĂŒr hĂ€lt.

Oder auch um die Bedienung der Landwirtschaftslobby, die „sehr gut“ im Gemeinderat vertreten ist. Vor allem beim Abnicken.

Wer nun vermutet, dass ein Interesse das andere bedient – tja, der hat eine Meinung. Und die lĂ€sst sich nicht so leicht zurĂŒckschneiden wie eine Hecke.

Wer meint, es gehe unter dem „vorgeschĂŒtzen“ Argument der „Sicherheit“ um eine Art „Revanche der Macht“, tja, der darf diese Meinung haben und sich vor Ort selbst ein Bild machen.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das Heddesheimblog und selbst ehrenamtlicher Gemeinderat. Er ist als partei- und fraktionsfreier Gemeinderat stĂ€ndig mit der WillkĂŒr und Missachtung des BĂŒrgermeisters Michael Kesslers konfrontiert und kritisiert diesen fĂŒr dessen Intransparenz und seine heillose Leitung des Gemeinderats – 2009 hat Hardy Prothmann als unabhĂ€ngier Kandidat die Wahlliste der FDP mit herausragendem Vorsprung gewonnen. Zur Aufstellung auf der FDP-Liste sagt er heute: „Das ist einer meiner grĂ¶ĂŸten Fehler gewesen, fĂŒr die ich mich sehr schĂ€me. Ich bin parteilos und bleibe das. Die FDP hat mich gefragt, ob ich mich auf deren Liste als Kandidat bewerben wĂŒrde. Ich kann nur betonen, dass ich nichts mit dieser Partei und schon gar nicht mit diesem seelenlosen Ortsverband zu tun habe und froh wĂ€re, nicht auf dieser Liste gestanden zu haben.“

Nehmen Sie die VogelfĂŒtterung wieder auf, damit es keinen stummen FrĂŒhling gibt


Das Usutu-Virus hat der Amsel schwer zu schaffen gemacht.

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 29. Oktober 2011. Dem Heddesheimer Vogel-Experten Kurt Klemm wurden allein in diesem Sommer rund 300 tote Amseln gemeldet, die vermutlich ĂŒberwiegend durch das Usutu-Virus eingegangen sind. Deshalb hatte der VogelschĂŒtzer im Sommer dazu aufgefordert, keine Vögel zu fĂŒttern, um eine gegenseitige Infektion an Futterstellen zu vermeiden. FinkenbestĂ€nde wurden durch einen Einzeller dezimiert.
Die Vögel, die durchgehalten haben und ĂŒberwintern, dĂŒrften infektionsfrei sein, denn der HauptĂŒbertrĂ€ger, die StechmĂŒcke, fĂ€llt als ÃƓbertrĂ€ger aus. Deshalb ruft Kurt Klemm zur VogelfĂŒtterung ĂŒber den Winter auf, denn viele Vögel finden in der freien Natur lĂ€ngst nicht mehr genug Nahrung.

Von Kurt Klemm

Der Tod vieler drosselartiger Vögel, zu der auch die Amsel gehört, hat alle Vogelfreunde tief erschĂŒttert. Kaum ein melodischer Gesang war in der Natur, vom Sommer bis jetzt, zu hören. Beim morgendlichen Gang durch den Garten herrschte eine gespenstige Ruhe, so dass ein stummer FrĂŒhling im kommenden Jahr nicht auszuschließen ist. Schuld daran ist das Usutu-Virus.

Das Usutu Virus, stammt aus Afrika und verdankt seinen Namen einem Fluss in „Swasiland“. Das Virus kann vermutlich durch infizierte Zugvögel oder durch StechmĂŒcken nach Europa gekommen sein. Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts fĂŒr Tropenmedizin (BNI) in Hamburg wurde der Erreger bei einem Schnelltest bei einer Amsel aus Birkenau (Hessen) nachgewiesen. „Wenige Tage danach ist das Virus bei vier Amseln in Mannheim sowie in Dossenheim in Baden-WĂŒrttemberg entdeckt worden, dies bestĂ€tigte das Friedrich-Loeffler-Institut“, laut Wikipedia. „Betroffen sind auch Sperlinge und Eulen.“

Nach den Verlustmeldunge,n die ich alleine aus dem Rhein-Neckar-Kreis erhielt, wurden mehr als 300 tote Amseln aufgefunden.

Aber die aufgefundenen toten Vögel, sind nur die Spitze des Eisberges, da sich die meisten erkrankten Tiere instinktmĂ€ĂŸig im GebĂŒsch verkriechen, so dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Wie hoch genau, das werden wir erst in den nĂ€chsten Jahren erfahren. Es ist offen, inwieweit sich die VogelbestĂ€nde davon erholen werden.

Auch in unseren NachbarlĂ€nder, Österreich (2001-2002), Schweiz (2006), Ungarn (2008) und Italien (2009) hat es in den vergangenen Jahren ein Massensterben unter den Amseln gegeben. Der BNI-Virologe Jonas Schmidt-Chanasit Leiter der virologischen Diagnostik, hat daher wenig gute Nachrichten: „So ein Vogelsterben kann mehrere Jahre andauern, bis die Tiere immun sind.“

Das Virus kann auch auf den Menschen ĂŒbertragen werden, so wie es 2009 in Italien erstmals der Fall war. In Deutschland ist bisher kein ĂŒbergreifen auf den Menschen festgestellt worden.

Bei den Singvögeln und hier hauptsĂ€chlich bei den GrĂŒnfinken grassierte ein Einzeller namens „Trichomonas gallinae“ und fĂŒhrte in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin zu großen Verlusten. Dieser Erreger, der von Tauben ĂŒbertragen wird, hat in diesem Jahr auch bei uns in Nordbaden neben den drosselartigen Vögeln, besonders bei unseren Finken große BestĂ€nde vernichtet.

Da beim Usutu-Virus der HauptĂŒbertrĂ€ger StechmĂŒcken sind, dĂŒrfen die Tierliebhaber ihre gefiederten Freunde wieder fĂŒttern, da vom Futterhaus keine Gefahr mehr ausgeht.

Zur Person:
Kurt Klemm ist Heddesheimer und anerkannter VogelschĂŒtzer. Der MitgrĂŒnder des Heddesheimer Vogelparks und Mitglied der Vogelfreunde setzt sich darĂŒber hinaus intensiv fĂŒr den Umwelt- und Naturschutz ein. Er ist Mitglied der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen im Heddesheimer Gemeinderat.

FĂŒr RĂŒckfragen steht Ihnen Kurt Klemm telefonisch zur VerfĂŒgung: 06203-9585824

PortrÀt Kurt Klemm

Höchste Auszeichnung: AZ-Naturschutzpreis fĂŒr die Heddesheimer Vogelfreunde

VDW-Naturschutzpreis fĂŒr Kurt Klemm

„Große Verneigung vor diesen Weinheimer Landwirten“

Der Sprecher des Weinheimer Bauernverbands, Fritz Pfrang (2. von links), kritisiert den FlĂ€chenfraß.

Guten Tag!

Heddesheim/Weinheim, 21. Oktober 2011 (red) Der Heddesheimer Gemeinderat und UmweltschĂŒtzer Kurt Klemm prangert in seinem Gastbeitrag die Verantwortungslosigkeit Heddesheimer Landwirte an und lobt die Entschlossenheit Weinheimer Bauern, ihr Land zu verteidigen. Er fĂŒhlt sich bei der Entwicklung „Breitwiesen“ in Weinheim an „Pfenning“ in Heddesheim erinnert. Seit Fazit: „Beton kann man nicht essen.“

Leserbrief: Kurt Klemm

Große Verneigung vor diesen Weinheimer Landwirten, die den rigorosen FlĂ€chenverbrauch in unserer Region anprangern. Die Worte von Fritz Pfrang, Weinheimer Bauernverband, dass man sich nicht der eigenen Entwicklungsmöglichkeiten berauben lassen will und man sich der Verantwortung fĂŒr die nĂ€chste Generation durchaus bewusst ist, muss in den Ohren einiger Heddesheimer Bauern und besonders der Spitze des Bauernverbandes, wie blanker Hohn klingen.

Gerade in einem Dorf wie Heddesheim, wo landwirtschaftliche Tradition Hunderte von Jahren zurĂŒckreicht, wird mit angeblich halbherzigem Bedauern, bestes Ackerland einer Gemeinde und damit ungewisser Zukunft geopfert.

Versprechungen von 1.000 ArbeitsplĂ€tzen, hohen Gewerbesteuern und vieles mehr sind seit ĂŒber einem Jahr nur Traumgespinste von CDU, SPD und FDP und eines BĂŒrgermeisters.

Selbst die Weinheimer CDU-StadtrĂ€tin Susanne Tröscher sieht die Ansiedelung von Pfenning auf Heddesheimer Grund als eine Investition auf wackeligen FĂŒĂŸen. Ob sie recht hat?

Erinnerungen an die AnfĂ€nge der Pfenninggeschichte, als eine Heddesheimer CDU-GemeinderĂ€tin den immensen FlĂ€chenverbrauch anprangerte und prompt Ärger mit der eigenen Fraktion bekam, kommen da wieder.

Bleibt zu hoffen, dass dieser tapferen Frau aus Weinheim nicht gleiches widerfÀhrt. Bauer Fritz Pfrang prangerte die VorgÀnge als einen ruinösen Wettkampf der Gemeinden, zulasten ihrer FlÀchen an, ja sogar von undurchsichtiger Politik innerhalb der Verwaltung ist die Rede. Wie sich doch die Praktiken der Kommunen gleichen.

Ich hoffe nur, dass dieser Protest nicht nur in Weinheim wahrgenommen wird, denn alle, die gegen diesen sinnlosen Verbrauch bester AckerflĂ€chen sind, sollten sich angesprochen fĂŒhlen.

Beton kann man noch nicht essen.

Dokumentation:
Vor der Sitzung des Weinheimer Gemeindrats fuhren 23 Landwirte vor dem Rolf-Engelbrecht-Haus in Weinheim mit ihren Schleppern vor, die mit Schildern wie „Stoppt den FlĂ€chenfraß“ ihren Protest zum Ausdruck gebracht haben. Kurz vor der Sitzung hielt der Sprecher der Weinheimer Landwirte, Fritz Pfrang, eine kĂ€mpferische Rede: „Es wird der Stadtverwaltung nicht gelingen, die Herausgabe unseres Eigentums zu erzwingen.“

Zur Zeit steht in Heddesheim die erneute Aufgabe von Ackerland zur Debatte – Edeka plant ein neues GetrĂ€nkelager, Dutzende von Hektar Ackerland werden dieser zum Opfer fallen. Der Rat hat dafĂŒr den Weg frei gemacht.

Im Heddesheimer Gemeinderat sitzen zwei Vollerwerbslandwirte, Reiner Hege und Volker Schaaf (beide CDU), die die Entwicklung begrĂŒĂŸen. Kritik am FlĂ€chenverbrauch Ă€ußern die Heddesheimer Landwirte nicht. Angst um ihre Zukunft scheinen sie auch nicht zu haben. Mehrere andere Gemeinderatsmitglieder haben familiĂ€r einen landwirtschaftlichen Hintergrund – auch hier ist keine Kritik zu hören.

Ganz im Gegenteil Ă€ußerte sich einer der beiden CDU-Landwirte gestern in der Pause der Gemeinderatssitzung in Heddesheim im GesprĂ€ch: „Wenn einer schon 150 Wohnungen hat, dann kĂ€mpft es sich leicht fĂŒr irgendsoeinen Acker. Ich sage jetzt nicht, dass das so ist, ich kenne die VerhĂ€ltnisse nicht, aber das kann man ja annehmen, dass das so sein könnte. Man muss das immer im VerhĂ€ltnis sehen.“

Fast 400 Artikel zu „Pfenning“ finden Sie hier.

Von Vögeln und Fischen


Guten Tag!

Heddesheim, 30. MĂ€rz 2011. Kurt Klemm, Vogelkenner und passionierter NaturschĂŒtzer war bei den Heddesheimer Sportfischern zu Gast, um einen Vortrag zu halten. Klemm, alles andere als ein trockener Theoretiker, wĂ€hlte einen ungewöhnlichen Weg, um den Fischern den Naturschutz nĂ€her zu bringen: Er zeigte einen wunderbaren Film.

Von Christiane Eisele

Es ist bereits dĂ€mmrig, als ich das Vereinsheim der Heddesheimer Sportfischer erreiche. Um die Fischer bei ihrer dem Vortrag vorangehenden Mitgliederversammlung nicht zu stören, beschließe ich, noch ein bisschen draußen zu warten.

Ich lehne mich an das GelĂ€nder des VereinsgelĂ€ndes und schaue auf den ruhigen See. Es ist die „blaue Stunde“. Das Licht wirft ein zartes Leuchten auf den See, Wasservögel tauchen nach ihrem Abendessen, in den umliegenden StrĂ€uchern und BĂ€umen singen noch einige Vögel. Ich fĂŒhle, wie ich mich entspanne.

Kurt Klemm, der noch ein bisschen Luft schnappen will, bevor er beginnt, gesellt sich zu mir. Wir beginnen ein leises GesprĂ€ch, in dessen Verlauf ich mit seiner Hilfe vieles entdecke, was mir vorher gar nicht aufgefallen ist. Da ist die Ufer-Steilwand, in der noch vor drei Jahren ein PĂ€rchen Eisvögel gebrĂŒtet hat, bis Unbekannte mit Stöcken in den Brutröhren herumstocherten und das Weibchen auf dem Gelege töteten.

Eisvogel, Haubentaucher, Blessrallen

Die NaturschĂŒtzer haben nun eine kĂŒnstliche, nicht zugĂ€ngliche Wand angelegt und hoffen, dass sich dort wieder ein Eisvogelpaar ansiedelt. Kurt Klemm erzĂ€hlt mir aus dem Leben der vor uns im See ausdauernd tauchenden Haubentaucher, der kleinen schwarzen Blessrallen mit ihrem weißen Hornschildchen auf der Stirn und von dem Stockentenpaar, das ruhig seine Bahnen ĂŒber den See zieht.

Der Vogel, der im Baum ĂŒber uns singt, ist eine Nachtigall, erfahre ich. Kurt Klemm kennt den See und seine Tiere genau, als GrĂŒndungsmitglied des Heddesheimer Sportfischervereins fĂŒhlt er sich den Fischern auch heute noch sehr verbunden und es ist ihm ein BedĂŒrfnis mit ihnen ĂŒber den Erhalt der Artenvielfalt zu sprechen und ĂŒber das, was sie dafĂŒr tun können.

Wundervoller Ausblick

In der Pause nach der Mitgliederversammlung bis zu Kurt Klemms FilmvorfĂŒhrung komme ich im liebevoll ausgebauten, gerĂ€umigen Vereinsheim mit einigen Fischern ins GesprĂ€ch. Ihre Augen leuchten, als sie mir von der Schönheit des Sees erzĂ€hlen und mir den wunderbaren Ausblick aus den großen Fenstern des Vereinsheims zeigen. Weit ĂŒber den See hinaus reicht der Blick, bis zu den beleuchteten Burgen an der Bergstraße, ein Anblick, den sie immer wieder aufs Neue genießen.

Der Film, den Kurt Klemm zeigt, ist vor einiger Zeit im WDR gelaufen: „Die Wupper – Amazonas im Bergischen Land„. Die Wupper, bis 1930 biologisch vollkommen tot durch die Einleitung von Industrie-Unrat, hat sich sich mittels eines einfachen und preisgĂŒnstigen Konzepts wieder zu einem lebendigen Biotop entwickelt: Der Renaturierung.

Eindrucksvoller Naturfilm des WDR: Die Wupper

Der Fluss und die ihn umgebende Landschaft wurde weitgehend sich selbst ĂŒberlassen, es gab kaum Eingriffe mehr, die Einleitung von AbwĂ€ssern wurde verboten. Bis heute hat sich die Flusslandschaft vollkommen erholt, in der Wupper leben beispielsweise wieder Eschen, die nur in den saubersten GewĂ€ssern zu finden sind.

Eindrucksvolle Bilder

Mit wunderbaren, klaren Bildern erzÀhlt der Film von dem einzigartigen Zusammenspiel der Natur, zeigt eindrucksvolle Bilder vom Leben der dort heimischen Fische, Vögel, Insekten, SÀugetiere und Pflanzen. Kurt Klemm kommentiert den Film gelegentlich, macht auf Tiere aufmerksam, denen die Fischer auch am Heddesheimer See begegnen. Als ein Eisvogel zu sehen ist, erzÀhlt ein Fischer, dass der noch am See lebende mÀnnliche Vogel eines Abends auf der Spitze seiner Angel Platz genommen hat, um von dort Ausschau nach Fischen zu halten.

Der Film kommt an, das VerstĂ€ndnis der Fischer fĂŒr das Zusammenspiel der Natur und die Bereitschaft, aktiv zum Naturschutz beizutragen, ist groß.

Nach dem Film bleibt Kurt Klemm sitzen und spricht den Film und sein Anliegen mit den Anwesenden noch einmal durch. Es ist ihm wichtig, dass die Sportfischer beispielsweise ihre AngelplĂ€tze sauber halten, sich mit leisen Schritten den GewĂ€ssern nĂ€hern und das Geschrei zeternder Vögel, die ihr Gelege schĂŒtzen wollen, verstehen und darauf RĂŒcksicht nehmen.

Leidenschaft

Eingestreute Anglerwitze, eigene Naturerlebnisse, Kochrezepte fĂŒr WildkrĂ€uter und Erfahrungen mit einer weitgehend verstĂ€ndnislosen Ortsverwaltung gegenĂŒber den BedĂŒrfnissen der hier heimischen Flora und Fauna machen seine AusfĂŒhrungen ĂŒberaus lebendig, man spĂŒrt die Leidenschaft und Begeisterung, die diesen Mann antreibt.

Bei den Sportfischern ist Klemms Anliegen an diesem Abend auf mehr als fruchtbaren Boden gefallen, denn man bittet ihn, regelmĂ€ĂŸig wiederzukommen und auch der Fischerjugend von der Natur zu erzĂ€hlen. Kurt Klemm hat sich in der Naturverbundenheit dieser Menschen nicht getĂ€uscht.

Kurt Klemm wird sich zunÀchst voraussichtlich mit einem Programm an der Jugendfreizeit der Fischer ab 30. Juli 2011 beteiligen.

„Un Ruh is“ – Pfenning lĂ€sst klammheimlich Acker umgraben, auf dem keine Nutzpflanze mehr wachsen wird

Heddesheim, 29. MĂ€rz 2011. (red) Der „gute Nachbar“, der sich so sehr auf Heddesheim freut, ist ein „seltsamer“ Nachbar. Einer, der Dinge tut, die andere nicht verstehen. Aber das ist nicht schlimm – er tut das als „Nachbar“ nur zum besten von allen. Auch wenn man das nicht versteht.

Von Helle Sema

Irgendwann vor ĂŒber einer Woche zog ein Traktor seine Runden und pflĂŒgte und pflĂŒgte.

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Rund 200.000 Quadratmeter gepflĂŒgte Erde. Zur Saat vorbereitet. Hier wachsen Logistikhallen.

In der ehemalige „Tabakgemeinde“ Heddesheim kennt man das. Der Ort ist umgeben von Feldern, die von ganz wenigen Bauern noch bestellt werden. Es gibt immer weniger Bauern, weil es immer weniger Felder gibt.

An diesem mittelschönen Tag hatte der Bauer, man sagt es sei der „Kemmet“ gewesen, viel zu pflĂŒgen. Rund 200.000 Quadratmeter. DafĂŒr sitzt man lang auf dem Trekker. Nördlich der Benzstraße. Da wo frĂŒher Tabak gepflanzt wurde und irgendwann mal „Pfenning“ oder was auch immer stehen soll.

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UngemĂŒtlich: Hier siedelt sich weder Hamster noch Vogel an.

Der Bauer zog beharrlich seine Runden und der Pflug warf die Erde auf. Dicke Schollen ließ er zurĂŒck. Unebenheit, Unruhe.

WofĂŒr, warum, weshalb?

WofĂŒr? Warum? Weshalb? In der guten Muttererde, einem der besten Böden auf Heddesheimer Gemarkung, wird nie mehr etwas wachsen. Irgendwann wird sie abgetragen und auf irgendeinen Wall geschĂŒttet.

Warum macht der Bauer sich die Arbeit? Ist er sentimental? Hat er den Acker verwechselt? Ist es eine Form von Protest? Vollkommen sinnlos, wie man lĂ€ngst weiß? Oder nur ganz lapidar ein Auftrag? Wie fĂŒhlt man sich als Bauer, wenn man einen Acker pflĂŒgt, auf dem nur noch Logistik wachsen soll?

Wir haben nicht den Bauern gefragt, der diese blödsinnige Arbeit gegen Geld gemacht hat, sondern diejenigen, die den Bauern diese blödsinnige Arbeit machen lassen. Also den guten neuen Nachbarn, der sich angeblich so sehr auf Heddesheim freut, das Unternehmen „Pfenning“.

„Verschiedene Personen haben berichtet, dass das komplette GelĂ€nde der geplanten Ansiedlung gepflĂŒgt wurde.

DafĂŒr gibt es sicherlich GrĂŒnde.

WĂŒrden Sie uns die bitte mitteilen?

Weiter sollten angeblich Mitte MÀrz die Bauarbeiten losgehen, tatsÀchlich scheinen aber die ArchÀologen bis Anfang Mai auf dem GelÀnde zu sein.

Können Sie einen Termin angeben, wann die Bauarbeiten tatsÀchlich beginnen?

Und da wir ja nicht so oft Kontakt haben, gestatten Sie mir noch die Frage, ob Sie vom RegierungsprĂ€sidium schon was zum Gleis erfahren haben oder bis wann Sie damit rechnen?“

Das war am 23. MÀrz 2011. Eine Woche spÀter haben wir noch immer keine Antwort.

Als wir ein paar Bauern fragen, welchen Sinn es macht, einen Acker zu pflĂŒgen, auf dem nie mehr etwas wachsen soll, ist die Antwort eindeutig.

Sinnlos

Wir bekommen sie sofort: „Das ist sinnlos.“

Wir fragen nach: „Naja, vielleicht gibt es irgendein Gesetz?“

Und bekommen eine Antwort: „Man muss die Äcker in Ordnung halten. Aber das ist nicht der Grund.“

Wir fragen: „Was ist der Grund?“

Es gibt eine Gegenfrage: „Was denken Sie?“

Wir sagen: „Keine Ahnung.“.

Vielleicht nistet sich sonst was ein

Die Bauern sagen: „Ist doch klar. Solange man die Möglichkeit hat, das zu machen, macht man es auch. Das ist Bauland. Sonst nistet sich vielleicht was ein, was die Bauarbeiten behindert. Jetzt nistet sich nichts mehr ein.“

Wir sagen: „Achso, ja das macht Sinn. Keine Vögel und so. Oder Hamster.“

Die Bauern sagen: „Genau. Aber das geht auch anders. Ich hĂ€tte das nicht so gemacht, denn in der aufgeworfenen Erde zu arbeiten, ist jetzt schwieriger, da kommt man nicht so leicht durch. Und Hamster? Hab ich noch nie gesehen. FrĂŒher hießen die bei uns „Konwörmer“.“

Wieso, wollen wir wissen?

Die Bauern sagen: „Halt KornwĂŒrmer, weil da, wo die GĂ€nge waren, kaum Korn gewachsen ist. FrĂŒher hieß es: Wond Ă€nner sieschd, nemschd de Schbade un Ruh is. Heute ist das anders. Aber Hamster gibt es hier nicht.“

Irgendwie klingt das gar nicht verwunderlich.

Und irgendwie klingt das so, als wenn es weder Hamster noch irgendwelches anderes Viehzeug auf dem Acker geben soll.

„Un Ruh is“

Der Bauer hat seinen „Job gemacht“, dafĂŒr Geld bekommen „un Ruh is“.

SpaziergĂ€nger, die hier langkommen und sich fragen, was hier wohl „wachsen wird“, werden sich in einigen Monate wundern.

FrĂŒher war es Tabak, der zum Wohlstand der Gemeinde Heddesheim beitrug.

Die Zeiten sind vorbei. Morgen wird es Logistik sein, die hier aus dem Boden sprießt.

Angeblich zum Wohl der Gemeinde.

Ach – und als Nachtrag an die AnwĂ€lte der Firma Pfenning, die ja schließlich auch das Feld der Abmahnungen bestellen wollen: Wir nehmen nur an, dass ein (ehemaliger) Bauer von Ihnen beauftragt wurde, das „weite Feld“ zu pflĂŒgen. Eventuell hat er ja nur den Acker verwechselt oder hat aus nostalgischen GrĂŒnden seine Runden gezogen. Quasi als nette Geste, damit der neue, gute Nachbar wegen blöder Hamster oder Vögel auch ja keinen Ärger bekommt.

So ist das in Heddesheim. Hier wird alles klammheimlich vorgepflĂŒgt. Seien Sie willkommen.

acker11

Blöde Kurve, da kommt ein 40-Tonner kaum rum. Deswegen macht die Gemeinde die Kreuzung auch besser befahrbar. Denn bald sollen tÀglich dutzende 40-Tonner möglichst ohne Tempoverlust hier schnell durchkommen.

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„Die Vögel brauchen uns.“

Guten Tag!

Heddesheim, 14. April 2010. Der FrĂŒhling kommt, wenn auch regnerisch. Die Vögel zwitschern. Alles scheint wie immer zu sein. Die Natur erwacht, die Jahreszeiten nehmen ihren Lauf. Ist das so? Der Naturschutzbeauftragte der Vogelfreunde und -pfleger, Kurt Klemm, sagt: Nein. „Die Vögel brauchen uns.“

Interview: Hardy Prothmann

Herr Klemm, der FrĂŒhling ist da, die Vögel zwitschern. Finden die schon genug zu fressen?

Kurt Klemm: „In einer Feldflur wie Heddesheim, die dermaßen ausgerĂ€umt ist, gibt es so gut wie keine Wildpflanzen mehr, die manche abschĂ€tzig als „Unkraut“ bezeichnen. Diese Wildpflanzen sind die ErnĂ€hrungsgrundlage fĂŒr viele körnerfressenden Vögel. Die Vögel haben MĂŒhe, genug zum Fressen zu finden.“

Welche Vögel sind das beispielsweise?

Klemm: „Der GrĂŒnfink, der BluthĂ€nfling, Girlitz, Stieglitz. Diese Vögel sind auf halbreife SĂ€mereinen bei der Aufzucht ihrer Jungvögel angewiesen. Sie brauchen Löwenzahn, Vogelmiere, Spitzwegerich, Breitwegerich, Wiesenknopf, Wegwarte. Diese Samen sind ein prĂ€chtiges Futter, die alles enthalten, was die Jungen brauchen.“

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Specht und Meisen im Winter werden durch "ZufĂŒtterung" unterstĂŒtzt - auch im Sommer brauchen viele Vögel "UnterstĂŒtzung". Bild: privat

Wollen Sie damit sagen, dass Gartenbesitzer kein Unkraut mehr jĂ€ten dĂŒrfen?

Klemm: „SelbstverstĂ€ndlich können die Menschen ihre Blumen und Beete pflegen, aber es ist sicherlich möglich, eine kleine naturbelassene Ecke im Garten fĂŒr unsere Vögel zur VerfĂŒgung zu stellen. Was fĂŒr die Menschen „Unkraut“ ist, ist fĂŒr die Vögel Futter, also Nahrung.“

Eine „Unkrautecke“ im Garten liefert Nahrung.

Soll oder muss man die Vögel auch in der Zeit von FrĂŒhjahr bis Herbst fĂŒttern oder werden diese dadurch vom Menschen abhĂ€ngig?

Klemm: „Man spricht nicht von FĂŒttern, sondern von ZufĂŒttern. Das ist sehr sinnvoll, damit genug Futter zur Jungenaufzucht zur VerfĂŒgung steht. Die Vögel werden dadurch nicht abhĂ€ngig. In England beispielsweise ist das ZufĂŒttern weit verbreitet. Die Folgen sind nur positiv, weil der ArtenrĂŒckgang gestoppt werden konnte und gefĂ€hrdete Vogelarten dadurch gerettet werden konnten.“

Welches Futter sollte man anbieten?

Klemm: „Auf jeden Fall kein Winterfutter, dort sind zu große tierische Fettanteile enthalten, die leicht ranzig werden können. Die Industrie hat auch durch die positiven englischen Erfahrungen ein Sommerfutter entwickelt. Das gibt es seit vier Jahren und ist im Fachhandel erhĂ€ltlich, in Heddesheim beispielsweise beim Raiffeisenmarkt.“

In vielen BaumĂ€rkten gibt es jetzt das Winterfutter sehr gĂŒnstig?

Klemm: „Damit sollen die LagerbestĂ€nde verkauft werden. Dieses Futter ist ungeeignet und ich empfehle, dieses nicht zu kaufen. Auf meine Intervention hin hat ein Marktleiter sich auf meine Argumente eingelassen und das Futter nicht mehr angeboten. Diese Einsicht fand ich sehr respektabel. Alternativ kann man sich auch Schrotfutter bei einer MĂŒhle besorgen. Das ist gĂŒnstig zu bekommen und ideal fĂŒr unsere Spatzen.“

Der Hunger treibt es rein – und die Vögel verenden daran.

Kann man auch aus dem Haushalt Reste verfĂŒttern?

Klemm: „Auf keinen Fall, alle gĂ€ngigen Lebensmittel sind fĂŒr die Vögel ungeeignet. GewĂŒrzte Lebensmittel sind das reine Gift. Vögel fressen nicht, was Menschen essen.“

Man kann doch aber immer wieder Vögel an MĂŒlleimern sehen, die fressen sogar Pommes.

Klemm: „Daran erkennt man die Not der Vögel, die so groß ist, dass sie aus schierem Hunger auch ungeeignete Nahrung aufnehmen. Was man nicht sieht, ist, wie viele daran elendig zugrunde gehen. Durch das Salz, GewĂŒrze und ranziges Fett.“

Was ist mit den Insektenfressern?

Klemm: „Hier gibt es ein dramatisches Problem, das wiederum mit dem Öko-Kreislauf zu tun hat. Viele Insektenfresser brauchen Schmetterlings- und Falterraupen. Die wiederum legen ihre Eier bevorzugt an die Brennnessel. Die aber wird mit UnkrautbekĂ€mpfungsmittel vernichtet. Und damit auch die Raupen und damit die Nahrung fĂŒr die Vögel. Das ist ein Riesenproblem.“

Wie kann man es lösen?

Klemm: „Wenn jeder Gartenbesitzer einen Quadratmeter fĂŒr Brennnessel zur VerfĂŒgung stellt, wĂ€re den Vögeln sehr geholfen. Auch Gemeinden könnten Brennnesselfelder stehen lassen und nicht immer sofort mĂ€hen. Ich kĂ€mpfe seit Jahren dafĂŒr, dass die Gemeinde sich hier einsichtig verhĂ€lt.“

klemm

Kurt Klemm hat in seinem Garten alles gemacht, damit sich der Vogel an sich, aber auch viele Insekten als Vogelfutter wohl fĂŒhlen. Bild: heddesheimblog

Soll man auch zufĂŒttern?

Klemm: „Das kann man. Viele Meisen und Finken beispielsweise ziehen ausschließlich mit Raupen ihre Jungen groß. Wer vermutet, dass ein Nest in der Umgebung besteht, kann beispielsweise lebende MehlwĂŒrmer anbieten, das ist ein Festschmaus fĂŒr die Vogeljungen. Der Spatz wiederum ist ein nĂŒztlicher SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer und hat sich auf BlattlĂ€use spezialisiert. Ein Nistkasten im Garten fĂŒr den Sperling ersetzt die Giftspritze.“

Der Spatz ersetzt die Giftspritze.

Wo und wie sollte man Futter anbieten?

Klemm: „Lebendfutter immer an einem trockenen, ĂŒberdachten Platz. Doch Achtung: Auch die MehlwĂŒrmer mĂŒssen gefĂŒttert werden. Wer sich dafĂŒr interessiert, kann sich fĂŒr eine Beratung an die Vogelfreunde wenden, hier erhĂ€lt man auch die WĂŒrmer zu gĂŒnstigen Preisen.“

Und was gibt es beim Körnerfutter zu beachten?

Klemm: „Ich empfehle hier nicht aus WerbegrĂŒnden, sondern aus KompetenzgrĂŒdnen den Raiffeisenmarkt. Hier gibt es alles, was der Vogelliebhaber braucht. Dazu gibt es eine kostenfrei eine gute Beratung, weil der Markt von uns, also den Vogelfreunden, gut und gerne beraten worden ist.“

Link:
Vogelfreunde und -pfleger 1960 e.V.

Der Freund der Vögel

Kurt Klemm ist ein leidenschaftlicher Mensch. Seine Begeisterung gilt der Natur. Seine Liebe zu den Vögeln hat er bereits als Junge entdeckt.

von Hardy Prothmann

„Ich versuche, den Menschen die Natur nĂ€her zu bringen“, sagt Kurt Klemm (62). Das klingt bescheiden, ist es auch, aber irgendwie auch nicht. Denn er versucht es nicht nur, sondern er hat Erfolg damit.

Kurt Klemm mit einem Spatz: das das Findelkind hat er groß gezogen. Bild: privat

Kurt Klemm mit einem Spatz: das "Findelkind" hat er groß gezogen. Bild: privat

1960 grĂŒndete sein Vater mit anderen den Verein der Vogelfreunde e.V. in Heddesheim. Heute, 49 Jahre spĂ€ter, unterhĂ€lt der Verein seit 1973 ein Vogelschutzgebiet. 1978 kam der Vogelpark hinzu. Mit viel MĂŒhe hat sich der Verein weiteres GelĂ€nde dazu erkĂ€mpft, eine Streuobstwiese und ein StĂŒck naturbelassen Wald zwischen dem Park und dem Badesee. Der Wald wurde vom Verein erst aufgeforstet.

Das ist ein Naturschutzgebiet.“ Kurt Klemm

Die Gemeinde nennt das GelĂ€nde „Naherholungsgebiet“. Kurt Klemm sagt: „Das ist ein Naturschutzgebiet.“ Dieser Unterschied ist ihm sehr wichtig.

Kurt Klemm als Junge mit einer KrÀhe auf dem Arm. Bild: privat

Kurt Klemm als Junge mit einer KrÀhe auf dem Arm. Bild: privat

Das heddesheimblog trifft Kurt Klemm im Vogelpark. „Sehen Sie unsere Storchenkinder? Die sind jetzt drei Wochen alt. In zwei, höchstens drei Wochen werden sie flĂŒgge und das erste Mal ihr Nest verlassen“, sagt Kurt Klemm. Weiter erzĂ€hlt er, dass die Jungstörche, solange sie noch im Netz hocken, „beringt“ werden mĂŒssen: „Die Jungen bekommen dann eine Nummer und zum Tag des Storchs können die Heddesheimer Kinder dann eine Patenschaft fĂŒr den Storch erhalten. Sie erfahren dann, wie es ihrem Storch so geht und wo er gesichtet wird.“

Drei Junge hat das Paar, die werden bald beringt. Bild: pro

Drei Junge hat das Paar, die werden bald "beringt". Bild: pro

Allerdings mĂŒssen die Paten Geduld haben: „Wenn die Jungstörche groß genug sind und ihre lange Reise nach Afrika antreten, werden sie wahrscheinlich erst in drei Jahren wieder zurĂŒckkommen, dann sind sie geschlechtsreif und suchen sich hier einen Partner.“

Faszinierende Vogelwelt

Kurt Klemm fĂŒhrt durch den Park. Zu jedem Vogel hat er mindestens eine Geschichte zu erzĂ€hlen. Manche Vögel hat der Verein angeschafft, andere wurden gebracht, manchmal verletzt in der Natur gefunden, oft aber abgegeben von ehemaligen Besitzern, die mit den Tieren ĂŒberfordert waren.

„Guten Tag“, begrĂŒĂŸen uns die Mittelbeos. „Hallo.“ Beos sind die „SprachkĂŒnstler“ unter den Vögeln und können erstaunlich echt andere Stimmen imitieren: „Was wenige wissen, fast alle Vögel sind sogenannte Spötter. Selbst ich falle manchmal drauf rein, wenn ich vermeintlich einen Pirol höre und in Wirklichkeit ist es ein Star, der den Pirol nachahmt.“

Der prachtvollste Heddesheimer: der Pfau im Vogelpark. Bild: pro

Der prachtvollste Heddesheimer: der Pfau im Vogelpark. Bild: pro

Plötzlich lacht der „lachende Hans“, der eigentlich in Australien lebt: „Die Aborigines sagen ĂŒber den Hans, dass er die Aufgabe hat, den Menschen gute Laune zu bringen. Außerdem verehren sie ihn, weil er Giftschlangen frißt.“ Kurt Klemm hofft, dass zutrifft, was er vermutet: „Wenn mich nicht alles tĂ€uscht, hat das PĂ€rchen ein Nest gebaut und brĂŒtet.“

Intensive Beziehungen zwischen Mensch und Tier

Kurt Klemms Augen leuchten – sie sind halt seine Leidenschaft, die Vögel. „Hier haben wir den Tschilp. Den Spatz habe ich aufgepĂ€ppelt. Wir versuchen zwar, Wildvögel wieder auszuwildern. Bei dem Piepmatz hat das nicht geklappt. Der ist nun schon drei Jahre bei uns und will einfach nicht mehr weg.“ Vögel können intensive Bindungen an den Menschen entwickeln. Umgekehrt gilt das auch, wenn man sich Kurt Klemm anschaut.

„Kennen Sie die? Das ist ein ganz ungewöhnlicher Vogel, die Streifengans. Die hĂ€lt den absoluten Höhenrekord. Bei ihren Wanderungen ĂŒberfliegt sie den Himalaya und schafft ĂŒber 9000 Höhenmeter, weil sie es irgendwie hinkriegt, ihr Blut zu verdĂŒnnen und dadurch in der Lage ist, da oben noch zu atmen.“ Kurt Klemm schĂŒttelt den Kopf: unvorstellbar, aber so faszinierend ist die Natur.

WĂ€hrend der Brutzeit werden die Störche mit EintageskĂŒken versorgt. Bild: pro

WĂ€hrend der Brutzeit werden die Störche mit "EintageskĂŒken" versorgt. Bild: pro

Jetzt kommt Ulrich Landenberger, im Hauptberuf Schulhausmeister, auch seine Leidenschaft gilt den Vögeln. Und mit ihm kommt der Papa Storch angeflogen. Die beiden MĂ€nner lachen: „Guck ihn Dir an, wahrscheinlich hat er schon mein Auto erkannt und weiß genau, dass es Futter gibt“, sagt Landenberger.
Er hat einen Eimer mit „EintageskĂŒken“ dabei. Er fĂŒttert KĂŒken und manchmal Fische in der Brutphase zu, „damit die kleinen Störche auch genug von ihren Eltern bekommen, falls die Jagd mal nicht so erfolgreich ist“, sagt er.

Ulrich Landenberger bringt die Beute fĂŒr die Störche: EintageskĂŒken.

Ulrich Landenberger bringt die "Beute" fĂŒr die Störche: EintageskĂŒken. Bild: pro

Und tatsĂ€chlich, kaum sind die (toten) KĂŒken in einem speziellen Eimer gelandet, kommen die Störche zum Fressen: „Wir mussten uns diese Lösung mit dem Eimer ausdenken, weil sonst die KrĂ€hen und die Elstern sich ĂŒber die KĂŒken hermachen wĂŒrden“, sagt Landenberger. Der Eimer ist hoch und mit einem Deckel verschlossen. In der Mitte gibt es ein Loch, sodass nur die Störche mit ihren langen SchnĂ€beln die „Beute“ am Boden erreichen können.

Natur pur: das Biotop der Vogelfreunde

Jetzt geht es weiter ins „Biotop“, einem Feuchtgebiet hinter dem Vogelpark. Kurt Klemm redet unaufhörlich, kann zu jeder Pflanze, an der wir vorbei kommen, etwas erzĂ€hlen: „Wir lassen das tote Holz liegen. Denn darin entwickeln sich Insekten, die wiederum sind die Nahrung fĂŒr die Vögel.“

Kennt sich aus: Kurt Klemm im Feuchtgebiet. Bild: pro

Kennt sich aus: Kurt Klemm im Feuchtgebiet. Bild: pro

Wir kommen am Seeufer an, hier hat die Jugendgruppe der Vogelfreunde Bruthöhlen fĂŒr den Eisvogel, den Vogel des Jahres 2009, Bruthöhlen gebaut: „Unsere Jugend ist wirklich klasse, die sind sehr aktiv“, sagt Klemm.

Irgendwelche Idioten schaden dem Eisvogel

„Vor zwei Jahren haben irgendwelche Idioten im geschlossenen Teil des Sees mit einem Stock ein Eisvogelweibchen erschlagen und die Brut zerstört. Dabei ist auch das Ufer abgerutscht, wo sie gebrĂŒtet haben, deswegen haben wir das hier gebaut. Allerdings zu spĂ€t fĂŒr die diesjĂ€hrige Brutzeit. Wir hoffen, dass im nĂ€chsten Jahr der Eisvogel kommt.“

Die Vogelfreunde-Jugend hat fĂŒr den Eisvogel Bruthöhlen gebaut. Bild: pro

Die Vogelfreunde-Jugend hat fĂŒr den Eisvogel Bruthöhlen gebaut. Bild: pro

Dann erzĂ€hlt er, dass die Eisvögel „SchachtelbrĂŒter“ sind. Sie haben immer zwei Brutröhren, das Weibchen legt ihre Eier in die eine und 14 Tage spĂ€ter nochmal welche in die zweite Höhle: „Das ist eine ÃƓberlebensstrategie. Viele Eisvögel kommen nicht durch einen strengen Winter. Weil die Eltern sich die Aufzucht teilen, gibt es mehr Jungvögel und das sichert den Fortbestand.“ Natur ist eben nicht nur schön, sondern auch gnadenlos.

ÃƓberall ist Kuckucksspucke

Nach dem Biotop geht es in die Streuobstwiese. Das GelĂ€nde hat der Verein ebenfalls von der Stadt gepachtet und „renaturiert“ es seit 1999. „Mittlerweile wachsen hier wieder verschiedenste Pflanzen, die wichtig fĂŒr den ökologischen Kreislauf sind“, sagt Kurt Klemm und erklĂ€rt unaufhörlich redend, welcher Vogel welche GrĂ€ser und Beeren frisst und freut sich ĂŒber die „Kuckucksspucke“, Nester, die ĂŒberall bevozugt an Disteln hĂ€ngen. Dort kleben sie und sind durch die Distel geschĂŒtzt: In den Nestern entwickelt sich die Blutzickade. Die heißt so, weil ihre Farbe eben „blutrot“ ist und ist das Insekt des Jahres 2009.

In den weißen Spucke-Tropfen entwickelt sich die Blutzickade, das Insekt des Jahres 2009. Bild: pro

In den weißen "Spucke"-Tropfen entwickelt sich die Blutzickade, das Insekt des Jahres 2009. Bild: pro

„Es gibt zu wenig naturbelassene Wiesen. Die Bauern mĂŒssen auch ihr Brot verdienen, das ist ganz klar. Aber dadurch, dass sie die Wiesen wegen der Heugewinnung mĂ€hen, zerstören sie zwangslĂ€ufig auch viele Nester der Insekten“, sagt Klemm. Und rauben Schutzraum: „Wir haben in Heddesheim auch Feldrehe, das wissen nicht viele. Ich vermute, dass die auch gerne hier auf der Wiese vorbeikommen.“ Deswegen wird hier nur einmal im Jahr gemĂ€ht und zwar Ende August.  Dann ist die Brutzeit vorbei.

Dankbar fĂŒr „LĂ€rchenfenster“

Besonders freut er sich, wenn die Bauern seiner Bitte folgen, und auf ihren Feldern ein wenig Natur unberĂŒhrt lassen: „Rainer Hege bin ich sehr dankbar, weil er ungefĂ€hr ein Dutzend „LĂ€rchenfenster“ stehen gelassen hat“, sagt Kurt Klemm, der sich besonders darĂŒber freut, dass die Vögel diese BrutrĂ€ume sofort „bezogen“ haben. Die Fenster sind unbewirtschaftete, ein paar Quadratmeter große Stellen auf den Äckern, wo die Jungvögel Raum haben, sich zu entwickeln.

Hier auf der Streuobstwiese gibt es viele Angebote: „Sitzwarte“ fĂŒr die Greifvögel, ein weiterer Horst fĂŒr Störche, eine Trockenmauer fĂŒr Eidechsen, Bienenstöcke, Nester fĂŒr Hornissen und Erdhummeln. „Die sind noch nicht angenommen worden“, sagt Kurt Klemm. „Bei den Hornissen- und Hummelnestern werden wir nachhelfen mĂŒssen und den Imker fragen, ob er uns Völker da rein setzen kann.“

Vier Bienenvölker leben auf der Streuobstwiese. Hornissen und Erdhummeln sollen sich hier auch ansiedeln. Bild: pro

Vier Bienenvölker leben auf der Streuobstwiese. Hornissen und Erdhummeln sollen sich hier auch ansiedeln. Bild: pro

Umgeben ist die Wiese mit vielen BeerenstrĂ€uchern. „Das ist unglaublich wichtig fĂŒr die Vögel. Das ist alles Nahrung. Der Holunder, der Sanddorn, der Feuerdorn und der Weißdorn beispielsweise. Ohne ein solches Angebot kommen die Vögel nicht durch den Winter.

Nach drei Stunden ist der Rundgang mit Kurt Klemm zu Ende. Und er hat wieder mal erreicht, was ihm das Wichtigste auf der Welt ist: Die Natur den Menschen nÀher zu bringen. Mit Leidenschaft.

Die Vogelfreunde im Internet: hier.

Zur Person:
Kurt Klemm (62) ist ein gebĂŒrtiger Hellesemer, verheiratet und hat einen Sohn. Der gelernte Dreher arbeitete spĂ€ter als Kontrolltechniker und war die vergangenen 32 Jahre Angestellter der Gemeinde Heddesheim. 20 Jahre lang verwaltete er die Nordbadenhalle. Sein frĂŒheres Hobby Marathonlauf ĂŒbt er nicht mehr aus, aber die Fotografie ist immer noch „sein liebstes Hobby“. NatĂŒrlich sind seine Lieblingsmotive die Vögel und andere Tiere.

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Kandidat fĂŒr die Gemeinderatswahl auf der Liste von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. Rainer Hege ist Kandidat auf der Liste der CDU.
Dieser Artikel steht in keinem Zusammenhang mit der Kommunalwahl 2009.

So eine Bienenhitze

Flucht vor die HaustĂŒr: Heddesheimer Bienen ist es im Stock zu warm. Bild: pro

Flucht vor die "HaustĂŒr": Heddesheimer Bienen ist es am 25. Mai im Stock viel zu heiß gewesen. Bild: pro