Mittwoch, 20. Juni 2018

Sind Kraft Foods-Produkte fĂŒr die Region bestimmt?

Ist keine Anwort auch eine Antwort?

Heddesheim, 27. September 2012. (red) Als „bedeutenden Kunden“ bezeichnete unlĂ€ngst „Pfenning“ den Neukunden „Kraft Foods“, der große Teile des neuen Logistikzentrums in Beschlag nimmt. Bekannte Marken von Kraft Foods sind der FrischkĂ€se „Philadelphia“ oder die aufgekaufte Marke „Jacobs-Kaffee“.

In einer Meldung heißt es:

Von Heddesheim aus werden kĂŒnftig Kunden in SĂŒddeutschland mit Kraft Foods-Produkten beliefert. pfenning logistics ĂŒbernimmt als Partner des zweitgrĂ¶ĂŸten Lebensmittelherstellers der Welt in seinem neuen „multicube rhein-neckar“ neben Lagerung und Kommissionierung auch das Co-Packing fĂŒr SĂŒddeutschland. Das bedeutet, dass dort neben der bedarfsgerechten Zusammenstellung der einzelnen Paletten fĂŒr die Kunden beispielsweise auch die Displays fĂŒr Verkaufsaktionen zusammengestellt werden.

FrĂŒher hieß es von Seiten „Pfennings“ aus:

Die Waren kommen aus der Ferne und gehen in die Ferne.

Da man mittlerweile daran gewohnt ist, dass Aussagen des Unternehmens nur halb oder anders oder gar nicht gelten, haben wir uns um 18. September erstmals bei der Pressestelle von Kraft Foods erkundigt, fĂŒr welche MĂ€rkte denn die in Heddesheim gelagerten Waren bestimmt sind. Am 25. September haben wir die Anrage wiederholt mit Frist bis heute. Bislang liegt noch nicht einmal eine EingangsbestĂ€tigung vor – erstaunlich fĂŒr einen der grĂ¶ĂŸten Nahrungsmittelkonzerne der Welt.

Dokumentation unserer Anfrage:

Das Logistik-Unternehmen „Pfenning“ wirbt öffentlich mit Ihrem Unternehmen als Hauptkunden im neuen Logistiklager „Multicube“ in Heddesheim. Der Bau dieses Lagers hat kommunalpolitisch hohe Wellen geschlagen und den Ort gespalten.

NatĂŒrlich sind die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger an Informationen interessiert, was dort eingelagert wird und welche Belastungen durch Verkehr mit diesem Logistiklager verbunden sind.

Pfenning hatte immer damit geworben, dass die dort eingelagerten Waren aus der Ferne kommen und in die Ferne gehen.

Welche Waren lagert das Unternehmen dort ein?

Können Sie beziffern, wie viele Tonnen Ware pro Jahr hier umgeschlagen werden?

Wir wĂŒrden nun gerne wissen, fĂŒr welche MĂ€rkte die von Kraft Foods in Heddesheim eingelagerten Artikel bestimmt sind? Sind diese fĂŒr weiter  entfernte MĂ€rkte bestimmt oder werden sie regional distribuiert?

Wir vermuten, dass ausschließlich KĂŒhl-Lkw eingesetzt werden. Ist das zutreffend?

Wird es jahreszeitlich gesehen „Spitzenzeiten“ geben oder ist die Belieferung eher kontinuerlich?

Wie viele Lkw werden tÀglich Ware anliefern?

Welche Art Lkw wird die Ware abtransportieren?

Über welchen Zeitraum wurden die VertrĂ€ge mit Pfenning geschlossen?

„Vor wem soll man sich fĂŒrchten? Vor den Umweltheinis oder Monsanto & Co?“ Alexander Spangenberg im Interview ĂŒber leckere Produkte und notwendige Handlungen


6. BĂŒrgenland Regionalmarkt - sehr gut besucht dank schönem Wetter, aber auch großem Interesse der Besucher.

Ladenburg/Rhein-Neckar, 26. September 2011. (red) Alexander Spangenberg ist eine Art Aktivist. Er kĂ€mpft mit anderen zusammen fĂŒr eine gentechnikfreie Region. Er ist Vorsitzender des BUND Ladenburg und einer der MitbegrĂŒnder von „BĂŒrger fĂŒr eine gentechnikfreie Landwirtschaft in der Kurpfalz“, kurz „BĂŒrGenLand“.

Er ist aber auch Unternehmensberater und Stadtrat in Ladenburg. Aktuell haben wieder rund 20 Aussteller beim 6. Regionalmarkt „BĂŒrgenland“ Produkte aus der Region angeboten – nicht alles ist „Bio“, aber vielleicht auf dem Weg dahin. WĂ€hrenddessen arbeiten finanzkrĂ€ftige Industrien mit weitreichendem Einfluss am Gegenteil davon, wie ein ARTE-Dokumentationsfilm zeigt.

Interview: Hardy Prothmann

Der 6. BĂŒrgenland Regionalmarkt hatte im Vergleich zum vergangenen Jahr GlĂŒck mit dem Wetter. Wie lief es sonst aus Ihrer Sicht, Herr Spangenberg?

Alexander Spangenberg: Wir haben viel Zuspruch bei der Bevölkerung und viel Lob erhalten. Vor allem haben wir die Kosten reinholen können, was auch sehr positiv ist.

Die Aussteller kommen aus der Region – ist die Nachfrage groß?

Spangenberg: Anfangs war es sehr mĂŒhsam, vor allem hier vor Ort bei den landwirtschaftlichen Betrieben aus Ladenburg. Das sind konventionell wirtschaftende Betriebe, die wohl Sorge hatten, dass die „Umweltheinis“ wieder Ärger machen. Mittlerweile hat sich diese Skepsis in eine gute Kooperation verwandelt. Aktuell haben wir 20 Aussteller und weiten gerne aus, sofern qualitĂ€tsvolle Produkte angeboten werden. BĂŒrgenland ist nicht einfach nur lecker – sondern notwendig.

Der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) wurde von Ihnen zur Landwirtschaftspolitik der neuen Regierung befragt. Sie fragten zur gentechnikfreien Zone, zur Landschaftspflege und zur Förderung von neuen Biobetrieben sowie zu Biogasanlagen. Was denken Sie ĂŒber die Antworten?

Alexander Spangenberg am Mikro: Informieren ist alles.

Spangenberg: Herr Sckerl versicherte, dass die Regierung alles tun wird, um gentechnikfreie Zonen zu realisieren, was uns natĂŒrlich zusagt. Was fehlt, sind verbindliche KreistagsbeschlĂŒsse und konkrete Förderungen. Wir werden sehen, was daraus wird.

Was die Landschaftspflege angeht, hat Uli Sckerl eine Umschichtung der entsprechenden Budgets zugesichert – im Rahmen der Möglichkeiten.

Die Entwicklung bei „Biogas“ gefĂ€llt uns ĂŒberhaupt nicht.

Das Thema Biogas treibt uns sehr um. Einerseits ist Biogas eine nachhaltige Form der Energieerzeugung, andererseits gefĂ€llt uns die Entwicklung ĂŒberhaupt nicht. Es kann nicht sein, dass Felder nur noch fĂŒr den Maisanbau genutzt werden, der dann in die Anlagen geht. Diese „Vermaisung“ der Landschaft fĂŒhrt zu einer Bedrohung der Artenvielfalt und zu Monokulturen, was wir definitiv ablehnen. Auch hier will Sckerl gegensteuern: Da bin ich aber sehr skeptisch. Hier ist AufklĂ€rung Ă€ußert wichtig und auf Bundesebene eine VerĂ€nderung der „EinspeisevergĂŒtung“ fĂŒr den erzeugten Strom.

Sie sind in engem Kontakt mit den Besuchern, die man durchaus als sehr interessiertes Publikum bezeichnen kann. Was hört man denn von denen?

Spangenberg: Vor allem sehr viele GlĂŒckwĂŒnsche zu den von uns bis hier erreichten Ergebnissen, wie dem Anbaustopp von MON810, dem genverĂ€nderten Mais des Monopolisten Monsanto vor unserer HaustĂŒr. Die haben wir aus der Region vertreiben können.

Das bedeutet aber nicht, dass wir uns in Ruhe zurĂŒcklehnen können. Allein bei der europĂ€ischen Kommission in BrĂŒssel sind ĂŒber zwanzig GVO-Konstrukte (Gentechnisch verĂ€nderter Organismus) in der Zulassung. Darunter wiederum MON810.

Was können BUND und BĂŒrgenland dagegen tun?

BĂŒrgenland wird von Umweltaktivisten getragen: Hier im Bild Alexander Spangenberg und Anke Antary, Mitglied der GrĂŒnen in Heddesheim.

Spangenberg: Informationen sammeln und weitergeben. Druck auf Abgeordente ausĂŒben und nicht locker lassen. Das sind bescheidene Mittel, die aber enorme Auswirkungen haben können. In Bayern musste beispielsweise ein Imker seine komplette Honig-Ernte vernichten, weil sie mit Pollen von MON810-Mais verunreinigt waren.

Der Imker hat sich erfolglos durch alle Instanzen in Deutschland geklagt, erst vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof hat er Recht und damit Anspruch auf Schadensersatz fĂŒr die verseuchte und dann vernichtete Ernte bekommen . Es braucht leider viele von diesen tapferen VorkĂ€mpfern, um gegen die Gentechnik-Lobby aus Landwirtschaft und Politik etwas ausrichten zu können.

ÃƓber 80 Prozent der europĂ€ische Bevölkerung lehnen Gentechnik in der Landwirtschaft ab. Das ist eine starke Basis – leider steht dagegen der weltweit vernetzte Lobbyismus.

Nach dem Regionalmarkt ist vor dem Regionalmarkt. Was macht BĂŒrgenland sonst?

Spangenberg: Wir informieren kontinuierlich die Kommunen und werben fĂŒr unsere Ideen. Um die Jugend zu erreichen gehen wir zu den OberstufenschĂŒlern der Gymnasien der Region. Denn der Lobbyismus der großen Konzerne dringt bereits bis in die Schulen vor.

So schickt die BASF zum Beispiel einen Bus in die Schulen, genannt Gen-Lab, hier wird fĂŒr Gen-Technik geworben und die Gefahren werden selbstverstĂ€ndlich klein geredet. Am Beispiel des Amflora-Skandals wird das deutlich. Die als Industriekartoffeln verĂ€nderte Pflanze wurde zunĂ€chst nur als StĂ€rke-Pflanze zugelassen. Eine Verunreinigung lĂ€sst sich aber nicht verhindern.

Die genverĂ€nderte Kartoffel „Amflora“ wĂ€chst auch da, wo sie nicht hingehört.

So wĂ€chst die Amflora-Kartoffel auch da, wo sie nicht hingehört. Aus diesen GrĂŒnden hatte die BASF eine zweite Zulassung als Nahrungsmittel nachgeschoben. Geradezu mantraartig wird der Begriff der „Koexistenz“ dahergebetet, also die Behauptung, gentechnisch verĂ€nderte und konventionelle Pflanzen könnten problemlos bei ausreichendem Abstand angebaut werden.

TatsĂ€chlich ist die BASF noch nicht mal in der Lage, in ihrem Kartoffelkeller Ordnung zu halten – dort wurden zwei GVO-Kartoffeln einfach mal verwechselt. Die Gefahr des Dilletantismus kommt zu den unabwĂ€gbaren Risiken hinzu.

GemĂŒse aus der Region: GemĂŒsebauerin Christiane Ernst bedient Kunden.

Was hat BĂŒrgenland in Zukunft vor?

Spangenberg: Ein heißes Thema ist das ebenfalls von Monsanto entwickelte Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat. Das ist das derzeit weltweit meist verkaufte Herbizid – viele von Monsanto entwickelte Genpflanzen sind resistent gegen dieses Gift. So schließt sich fĂŒr Monsanto die Verwertungskette – man verkauft eine GVO-Pflanze plus das passende Herbizid.

Inzwischen hĂ€ufen sich aber alarmiernde Meldungen, dass das Gift in Tieren und Menschen nachgewiesen werden kann und schwere GesundheitsschĂ€den sind nicht ausgeschlossen. DarĂŒber wollen wir verstĂ€rkt aufklĂ€ren.

BĂŒrgenland dient allen.

Wer kann Mitglied bei BĂŒrgenland werden?

Spangenberg: Alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, alle Kommunen, alle Organisationen – unser Anliegen dient schließlich allen. Wir sind als Verein in der GrĂŒndung – bislang reicht eine formlose ErklĂ€rung zur Teilnahme und UnterstĂŒtzung. MitgliedsbeitrĂ€ge gibt es noch nicht. Wir freuen uns also ĂŒber Zuschriften.

Dokumentation:
„BĂŒrGenLand“ ist bislang eine Arbeitsgemeinschaft, die sich fĂŒr eine gentechnikfreie Landwirtschaft einsetzt. Informationen finden Sie hier: BĂŒrgenland. Mitglieder kommen aus der gesamten Region.

Information von Greenpeace ĂŒber Monsanto und Gentechnik.

Arte-Film ĂŒber Monsanto: Mit Gift und Genen