Donnerstag, 21. September 2017

Sind Kraft Foods-Produkte f├╝r die Region bestimmt?

Ist keine Anwort auch eine Antwort?

Heddesheim, 27. September 2012. (red) Als „bedeutenden Kunden“ bezeichnete unl├Ąngst „Pfenning“ den Neukunden „Kraft Foods“, der gro├če Teile des neuen Logistikzentrums in Beschlag nimmt. Bekannte Marken von Kraft Foods sind der Frischk├Ąse „Philadelphia“ oder die aufgekaufte Marke „Jacobs-Kaffee“.

In einer Meldung hei├čt es:

Von Heddesheim aus werden k├╝nftig Kunden in S├╝ddeutschland mit Kraft Foods-Produkten beliefert. pfenning logistics ├╝bernimmt als Partner des zweitgr├Â├čten Lebensmittelherstellers der Welt in seinem neuen ÔÇ×multicube rhein-neckarÔÇť neben Lagerung und Kommissionierung auch das Co-Packing f├╝r S├╝ddeutschland. Das bedeutet, dass dort neben der bedarfsgerechten Zusammenstellung der einzelnen Paletten f├╝r die Kunden beispielsweise auch die Displays f├╝r Verkaufsaktionen zusammengestellt werden.

Fr├╝her hie├č es von Seiten „Pfennings“ aus:

Die Waren kommen aus der Ferne und gehen in die Ferne.

Da man mittlerweile daran gewohnt ist, dass Aussagen des Unternehmens nur halb oder anders oder gar nicht gelten, haben wir uns um 18. September erstmals bei der Pressestelle von Kraft Foods erkundigt, f├╝r welche M├Ąrkte denn die in Heddesheim gelagerten Waren bestimmt sind. Am 25. September haben wir die Anrage wiederholt mit Frist bis heute. Bislang liegt noch nicht einmal eine Eingangsbest├Ątigung vor – erstaunlich f├╝r einen der gr├Â├čten Nahrungsmittelkonzerne der Welt.

Dokumentation unserer Anfrage:

Das Logistik-Unternehmen „Pfenning“ wirbt ├Âffentlich mit Ihrem Unternehmen als Hauptkunden im neuen Logistiklager „Multicube“ in Heddesheim. Der Bau dieses Lagers hat kommunalpolitisch hohe Wellen geschlagen und den Ort gespalten.

Nat├╝rlich sind die B├╝rgerinnen und B├╝rger an Informationen interessiert, was dort eingelagert wird und welche Belastungen durch Verkehr mit diesem Logistiklager verbunden sind.

Pfenning hatte immer damit geworben, dass die dort eingelagerten Waren aus der Ferne kommen und in die Ferne gehen.

Welche Waren lagert das Unternehmen dort ein?

K├Ânnen Sie beziffern, wie viele Tonnen Ware pro Jahr hier umgeschlagen werden?

Wir w├╝rden nun gerne wissen, f├╝r welche M├Ąrkte die von Kraft Foods in Heddesheim eingelagerten Artikel bestimmt sind? Sind diese f├╝r weiter┬á entfernte M├Ąrkte bestimmt oder werden sie regional distribuiert?

Wir vermuten, dass ausschlie├člich K├╝hl-Lkw eingesetzt werden. Ist das zutreffend?

Wird es jahreszeitlich gesehen „Spitzenzeiten“ geben oder ist die Belieferung eher kontinuerlich?

Wie viele Lkw werden t├Ąglich Ware anliefern?

Welche Art Lkw wird die Ware abtransportieren?

├ťber welchen Zeitraum wurden die Vertr├Ąge mit Pfenning geschlossen?

„Vor wem soll man sich f├╝rchten? Vor den Umweltheinis oder Monsanto & Co?“ Alexander Spangenberg im Interview ├╝ber leckere Produkte und notwendige Handlungen


6. B├╝rgenland Regionalmarkt - sehr gut besucht dank sch├Ânem Wetter, aber auch gro├čem Interesse der Besucher.

Ladenburg/Rhein-Neckar, 26. September 2011. (red) Alexander Spangenberg ist eine Art Aktivist. Er k├Ąmpft mit anderen zusammen f├╝r eine gentechnikfreie Region. Er ist Vorsitzender des BUND Ladenburg und einer der Mitbegr├╝nder von „B├╝rger f├╝r eine gentechnikfreie Landwirtschaft in der Kurpfalz“, kurz „B├╝rGenLand“.

Er ist aber auch Unternehmensberater und Stadtrat in Ladenburg. Aktuell haben wieder rund 20 Aussteller beim 6. Regionalmarkt „B├╝rgenland“ Produkte aus der Region angeboten – nicht alles ist „Bio“, aber vielleicht auf dem Weg dahin. W├Ąhrenddessen arbeiten finanzkr├Ąftige Industrien mit weitreichendem Einfluss am Gegenteil davon, wie ein ARTE-Dokumentationsfilm zeigt.

Interview: Hardy Prothmann

Der 6. B├╝rgenland Regionalmarkt hatte im Vergleich zum vergangenen Jahr Gl├╝ck mit dem Wetter. Wie lief es sonst aus Ihrer Sicht, Herr Spangenberg?

Alexander Spangenberg: Wir haben viel Zuspruch bei der Bev├Âlkerung und viel Lob erhalten. Vor allem haben wir die Kosten reinholen k├Ânnen, was auch sehr positiv ist.

Die Aussteller kommen aus der Region – ist die Nachfrage gro├č?

Spangenberg: Anfangs war es sehr m├╝hsam, vor allem hier vor Ort bei den landwirtschaftlichen Betrieben aus Ladenburg. Das sind konventionell wirtschaftende Betriebe, die wohl Sorge hatten, dass die „Umweltheinis“ wieder ├âÔÇ×rger machen. Mittlerweile hat sich diese Skepsis in eine gute Kooperation verwandelt. Aktuell haben wir 20 Aussteller und weiten gerne aus, sofern qualit├Ątsvolle Produkte angeboten werden. B├╝rgenland ist nicht einfach nur lecker – sondern notwendig.

Der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen) wurde von Ihnen zur Landwirtschaftspolitik der neuen Regierung befragt. Sie fragten zur gentechnikfreien Zone, zur Landschaftspflege und zur F├Ârderung von neuen Biobetrieben sowie zu Biogasanlagen. Was denken Sie ├╝ber die Antworten?

Alexander Spangenberg am Mikro: Informieren ist alles.

Spangenberg: Herr Sckerl versicherte, dass die Regierung alles tun wird, um gentechnikfreie Zonen zu realisieren, was uns nat├╝rlich zusagt. Was fehlt, sind verbindliche Kreistagsbeschl├╝sse und konkrete F├Ârderungen. Wir werden sehen, was daraus wird.

Was die Landschaftspflege angeht, hat Uli Sckerl eine Umschichtung der entsprechenden Budgets zugesichert – im Rahmen der M├Âglichkeiten.

Die Entwicklung bei „Biogas“ gef├Ąllt uns ├╝berhaupt nicht.

Das Thema Biogas treibt uns sehr um. Einerseits ist Biogas eine nachhaltige Form der Energieerzeugung, andererseits gef├Ąllt uns die Entwicklung ├╝berhaupt nicht. Es kann nicht sein, dass Felder nur noch f├╝r den Maisanbau genutzt werden, der dann in die Anlagen geht. Diese „Vermaisung“ der Landschaft f├╝hrt zu einer Bedrohung der Artenvielfalt und zu Monokulturen, was wir definitiv ablehnen. Auch hier will Sckerl gegensteuern: Da bin ich aber sehr skeptisch. Hier ist Aufkl├Ąrung ├Ąu├čert wichtig und auf Bundesebene eine Ver├Ąnderung der „Einspeiseverg├╝tung“ f├╝r den erzeugten Strom.

Sie sind in engem Kontakt mit den Besuchern, die man durchaus als sehr interessiertes Publikum bezeichnen kann. Was h├Ârt man denn von denen?

Spangenberg: Vor allem sehr viele Gl├╝ckw├╝nsche zu den von uns bis hier erreichten Ergebnissen, wie dem Anbaustopp von MON810, dem genver├Ąnderten Mais des Monopolisten Monsanto vor unserer Haust├╝r. Die haben wir aus der Region vertreiben k├Ânnen.

Das bedeutet aber nicht, dass wir uns in Ruhe zur├╝cklehnen k├Ânnen. Allein bei der europ├Ąischen Kommission in Br├╝ssel sind ├╝ber zwanzig GVO-Konstrukte (Gentechnisch ver├Ąnderter Organismus) in der Zulassung. Darunter wiederum MON810.

Was k├Ânnen BUND und B├╝rgenland dagegen tun?

B├╝rgenland wird von Umweltaktivisten getragen: Hier im Bild Alexander Spangenberg und Anke Antary, Mitglied der Gr├╝nen in Heddesheim.

Spangenberg: Informationen sammeln und weitergeben. Druck auf Abgeordente aus├╝ben und nicht locker lassen. Das sind bescheidene Mittel, die aber enorme Auswirkungen haben k├Ânnen. In Bayern musste beispielsweise ein Imker seine komplette Honig-Ernte vernichten, weil sie mit Pollen von MON810-Mais verunreinigt waren.

Der Imker hat sich erfolglos durch alle Instanzen in Deutschland geklagt, erst vor dem Europ├Ąischen Gerichtshof hat er Recht und damit Anspruch auf Schadensersatz f├╝r die verseuchte und dann vernichtete Ernte bekommen . Es braucht leider viele von diesen tapferen Vork├Ąmpfern, um gegen die Gentechnik-Lobby aus Landwirtschaft und Politik etwas ausrichten zu k├Ânnen.

├â┼ôber 80 Prozent der europ├Ąische Bev├Âlkerung lehnen Gentechnik in der Landwirtschaft ab. Das ist eine starke Basis – leider steht dagegen der weltweit vernetzte Lobbyismus.

Nach dem Regionalmarkt ist vor dem Regionalmarkt. Was macht B├╝rgenland sonst?

Spangenberg: Wir informieren kontinuierlich die Kommunen und werben f├╝r unsere Ideen. Um die Jugend zu erreichen gehen wir zu den Oberstufensch├╝lern der Gymnasien der Region. Denn der Lobbyismus der gro├čen Konzerne dringt bereits bis in die Schulen vor.

So schickt die BASF zum Beispiel einen Bus in die Schulen, genannt Gen-Lab, hier wird f├╝r Gen-Technik geworben und die Gefahren werden selbstverst├Ąndlich klein geredet. Am Beispiel des Amflora-Skandals wird das deutlich. Die als Industriekartoffeln ver├Ąnderte Pflanze wurde zun├Ąchst nur als St├Ąrke-Pflanze zugelassen. Eine Verunreinigung l├Ąsst sich aber nicht verhindern.

Die genver├Ąnderte Kartoffel „Amflora“ w├Ąchst auch da, wo sie nicht hingeh├Ârt.

So w├Ąchst die Amflora-Kartoffel auch da, wo sie nicht hingeh├Ârt. Aus diesen Gr├╝nden hatte die BASF eine zweite Zulassung als Nahrungsmittel nachgeschoben. Geradezu mantraartig wird der Begriff der „Koexistenz“ dahergebetet, also die Behauptung, gentechnisch ver├Ąnderte und konventionelle Pflanzen k├Ânnten problemlos bei ausreichendem Abstand angebaut werden.

Tats├Ąchlich ist die BASF noch nicht mal in der Lage, in ihrem Kartoffelkeller Ordnung zu halten – dort wurden zwei GVO-Kartoffeln einfach mal verwechselt. Die Gefahr des Dilletantismus kommt zu den unabw├Ągbaren Risiken hinzu.

Gem├╝se aus der Region: Gem├╝sebauerin Christiane Ernst bedient Kunden.

Was hat B├╝rgenland in Zukunft vor?

Spangenberg: Ein hei├čes Thema ist das ebenfalls von Monsanto entwickelte Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat. Das ist das derzeit weltweit meist verkaufte Herbizid – viele von Monsanto entwickelte Genpflanzen sind resistent gegen dieses Gift. So schlie├čt sich f├╝r Monsanto die Verwertungskette – man verkauft eine GVO-Pflanze plus das passende Herbizid.

Inzwischen h├Ąufen sich aber alarmiernde Meldungen, dass das Gift in Tieren und Menschen nachgewiesen werden kann und schwere Gesundheitssch├Ąden sind nicht ausgeschlossen. Dar├╝ber wollen wir verst├Ąrkt aufkl├Ąren.

B├╝rgenland dient allen.

Wer kann Mitglied bei B├╝rgenland werden?

Spangenberg: Alle B├╝rgerinnen und B├╝rger, alle Kommunen, alle Organisationen – unser Anliegen dient schlie├člich allen. Wir sind als Verein in der Gr├╝ndung – bislang reicht eine formlose Erkl├Ąrung zur Teilnahme und Unterst├╝tzung. Mitgliedsbeitr├Ąge gibt es noch nicht. Wir freuen uns also ├╝ber Zuschriften.

Dokumentation:
„B├╝rGenLand“ ist bislang eine Arbeitsgemeinschaft, die sich f├╝r eine gentechnikfreie Landwirtschaft einsetzt. Informationen finden Sie hier: B├╝rgenland. Mitglieder kommen aus der gesamten Region.

Information von Greenpeace ├╝ber Monsanto und Gentechnik.

Arte-Film ├╝ber Monsanto: Mit Gift und Genen