Freitag, 10. Juli 2020

Rhein-Neckar-Kreis: Umweltverbände fordern die Bevölkerung zum mitmachen auf

Offenlage des Einheitlichen Regionalplans Rhein-Neckar 2020

Einheitlicher Regionalplan Rhein-Neckar 2020

 

Rhein-Neckar-Kreis, 13. Juni 2012. (red/cr) Seit dem 11. Juni liegt der Regionalplan Rhein-Neckar 2020 √∂ffentlich aus. Nun rufen die Umweltverb√§nde BUND, NABU und das Umweltforum Mannheim die Bev√∂lkerung auf, sich mit Anregungen und Kommentaren zu beteiligen. Die Verb√§nde k√§mpfen f√ľr ein nachhaltiges Planungskonzept in der Region.

Vom 11. Juni bis zum 20. August wird der einheitliche Regionalplan Rhein-Neckar 2020 offengelegt. Der Regionalplan bildet die rechtliche Grundlage f√ľr die r√§umliche Entwicklung der Region. Das schlie√üt vor allem Wohn- und Gewerbegebiete ein, umfasst aber auch das Stra√üen- und Schienennetz.

Abkehr vom motorisierten Individualverkehr

Da Nutzungsm√∂glichkeiten bereits im Regionalplan festgeschrieben werden, sehen die Umweltverb√§nde BUND, NABU und das Umweltforum Mannheim schon dort die Gelegenheit fr√ľhzeitig Impulse f√ľr k√ľnftige Projekte zu geben oder dagegen zu intervenieren. Gemeinsam haben sie ein f√ľnf Punkte umfassendes Positionspapier vorgelegt.

Darin fordern sie eine nachhaltige und zukunftsf√§hige Regionalentwicklung. Unter anderem m√∂chten die Verb√§nde Vorrangsfl√§chen f√ľr den Natur- und Umweltschutz. F√ľr eine klimafreundliche Mobilit√§t verlangen sie eine gute Vernetzung des √∂ffentlichen Personennahverkehrs, sowie gut ausgebaute Rad- und Fu√üwege. Im Strombereich wird f√ľr die Metropolregion eine Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030 gefordert.

Beteiligung der √Ėffentlichkeit

Deshalb fordern sie die Bev√∂lkerung auf, sich mit Anregungen und Kommentaren einzubringen. Diese k√∂nnen bis zum 03. September schriftlich,¬†elektronisch oder per email (einheitlicher.regionalplan@vrrn.de ) an den Verband Region Rhein-Neckar gerichtet werden. Dar√ľber hinaus ist eine Einsichtnahme an folgenden Stellen zu den jeweils orts√ľblichen Dienstzeiten m√∂glich:

  • in der Gesch√§ftsstelle des Verbandes Region Rhein-Neckar, P7 20-21, 4. OG,¬†68161 Mannheim
  • in den Dienstr√§umen der Kreisverwaltungen und Landrats√§mter
  • Bad D√ľrkheim, Informations-Counter im Foyer, Philipp-Fauth-Stra√üe 11,67098 Bad D√ľrkheim
  • Bergstra√üe, B√ľrgerb√ľro, Graben 15, 64646 Heppenheim
  • Germersheim, Hauptgeb√§ude ‚Äď Information, Luitpoldplatz 1, 76726 Germersheim
  • Neckar-Odenwald-Kreis, Raum Nr. 2.110, Renzstra√üe 7, 74821 Mosbach
  • Rhein-Neckar-Kreis, Baurechtsamt, Zimmer 419, Kurpfalzring 106, 69123 Heidelberg-Pfaffengrund
  • Rhein-Pfalz-Kreis, Kreishaus, Raum C 419¬†(im¬†4. OG),¬†Europaplatz 5, 67063 Ludwigshafen
  • S√ľdliche Weinstra√üe, Untere Landesplanungsbeh√∂rde, Zimmer 311, An der Kreuzm√ľhle 2, 76829 Landau

sowie bei den Stadtverwaltungen der kreisfreien Städte bzw. Stadtkreise

  • Frankenthal (Pfalz), Verwaltungsgeb√§ude Neumayerring 72, Zimmer 321, 67227 Frankenthal (Pfalz)
  • Heidelberg, Technisches B√ľrgeramt, Prinz Carl, Kornmarkt 1, 69117 Heidelberg
  • Landau in der Pfalz, Stadtbauamt Landau, B√ľrgerb√ľro, Zimmer 2, K√∂nigstra√üe 21, 76829 Landau
  • Ludwigshafen am Rhein, Rathaus, Rathausplatz 20, 67059 Ludwigshafen
  • Mannheim, Beratungszentrum Bauen und Umwelt, Collinistra√üe 1, 68161 Mannheim
  • Neustadt an der Weinstra√üe, Stadthaus I, Foyer vor Zimmer 104, Marktplatz 1, 67433 Neustadt a.d.W.
  • Speyer, Abt. Stadtplanung, 3. OG, Zimmer 301, Maximilianstr. 100, 67346 Speyer
  • Worms, Rathaus am Marktplatz, Abt. 6.1 Stadtplanung und Bauaufsicht, 1. OG, Raum 133, 67547 Worms

Neues von der Baustelle: Folge 3 – Hektische Eidechsenrettung wegen „bedauerlichem Fehler“

Heddesheim, 22. November 2011. (red) Obwohl „Pfenning“ zugesichert hatte, den √∂stlichen Teil des Baugebiets bis M√§rz 2012 nicht zu bearbeiten, wurde dort heute auf einem rund 350 Quadratmeter gro√üen Streifen Erde abgeschoben. In diesem Streifen √ľberwintern Zauneidechsen. Der gr√ľne Gemeinderat Kurt Klemm schlug Alarm, der Naturschutzbund (Nabu)-Eidechsenexperte Bernd Gremlica raste aus Mannheim heran und forderte den Baggerfahrer auf, weitere Arbeiten sofort zu unterlassen. Kurz darauf trafen auch der Gutachter Dirk Bernd (Lindenfels) sowie „Pfenning“-Gesch√§ftsf√ľhrer Uwe Nitzinger vor Ort ein.

Neues von der Baustelle

Neues von der Baustelle

Bernd Gremlica und Kurt Klemm sind sauer: „Der Baggerfahrer ist ja nur der Sch√ľtze Arsch, der macht nur, was man ihm auftr√§gt“, kommentiert der Nabu-Eidechsenexperte Gremlica die Situation: Rund 350 Quadratmeter Eidechsen-Habitat sind platt gemacht.

Vor den beiden liegt ein gro√üer Streifen brauner Erde: „Wenn hier Eidechsen waren, sind sie jetzt platt“, sagt Kurt Klemm. Der Rest ist nicht zitabel.

Die beiden hatten im Gespr√§ch mit dem Gutachter Dirk Bernd aus Lindenfels noch im September abgemacht, dass dieser seinen Auftraggeber „Pfenning“ anh√§lt, das √∂stliche Gebiet bis einschlie√ülich M√§rz 2012 nicht zu bearbeiten, um die dort gesichteten und dokumentierten Zauneidechsen schadlos √ľberwintern zu lassen. Anfang April sollen die streng gesch√ľtzten Echsen eingefangen und dann an anderer Stelle ausgesetzt werden.

„Bedauerlicher Fehler“

Dirk Bernd best√§tigte die Vereinbarung und sprach gegen√ľber den Natursch√ľtzern von einem „bedauerlichen Fehler“. Er beriet sich kurz mit dem „Pfenning“-Gesch√§ftsf√ľhrer Uwe Nitzinger, der sich uns gegen√ľber mehr als wortkarg gab und keine Stellung nehmen wollte.¬†„Immobilien-Chef“ Dietmar Wollnitz stritt wie zu erwarten zun√§chst jeden Fehler ab. Die beiden waren wohl wegen des drohenden √Ąrgers ebenfalls schnell herbeigeeilt, passierten die Natursch√ľtzer und parkten ihre Autos aber „in sicherer Entfernung“ von Klemm und Gremlica.

Letztlich steht aber doch fest, dass vor Ort „Fakten geschaffen“ worden sind und die Erdarbeiten gegen die getroffene Vereinbarung versto√üen haben. Das wiederum ist nicht wirklich eine neue Erfahrung in Zusammenhang mit dem „Vorzeigeunternehmen“ „Pfenning“.

Immerhin: Der Nabu-Experte Bernd Gremlica und der Natursch√ľtzer Kurt Klemm haben bei weiteren Besch√§digungen mit einer Anzeige gedroht, das zeigte Wirkung. „Pfenning“ soll sich nun verpflichtet haben, zum Ausgleich des Schadens an anderer Stelle eine Ausgleichsfl√§che zu besorgen und zu bezahlen.

Schade nur, dass die Bagger- und Betonmentalit√§t der „Pfenning“-Leute sich heute wieder best√§tigt hat. Der neue „Nachbar“ scheint fest entschlossen, keine Freundschaft mit dem Ort schlie√üen zu wollen, sondern sich wie gewohnt √ľber Vereinbarungen hinwegzusetzen und nur auf Druck zu reagieren.

Kurt Gremlica und Kurt Klemm haben durch ihre beherzte Reaktion einen schlimmeren Eingriff verhindert. Hinter ihnen liegt das platt gemachte Eidechsen-Habitat.

 

Interview mit Christiane K√∂hler (NABU): „Amphibien erf√ľllen eine wichtige Funktion im Naturhaushalt“


Krötenwarnschild am Straßenrand - Foto: NABU / H. May

Krötenwarnschild am Straßenrand - Foto: NABU / H. May

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 24. M√§rz 2011. (cm) Jeder Autofahrer kennt sie. Kleine Z√§une am Fahrbahnrand. Sie dienen dazu, Amphibien vor dem √ÉŇďberqueren der Stra√üe zu hindern, damit sie nicht zum Opfer vorbeifahrender Autos werden. Manchmal werden sogar ganze Stra√üen gesperrt. Doch wieso dieser Aufwand? Welche Funktion erf√ľllen diese Tiere im √Ėkosystem? Wir haben mit Christiane K√∂hler, Gesch√§ftsf√ľhrerin des Naturschutzbundes Deutschland f√ľr den Bereich Rhein-Neckar-Odenwald gesprochen.

Interview: Christian M√ľhlbauer

Jedes Jahr werden Stra√üen gesperrt oder Schutzz√§une aufgebaut, um Kr√∂tenwanderungen zu erm√∂glichen. Wieso ist es so wichtig die Tiere zu sch√ľtzen? Der Aufwand ist ja verh√§ltnism√§√üig gro√ü.

Christiane K√∂hler: „Zum einen ist es aus Tierschutz-Gr√ľnden wichtig, die Tiere nicht einfach sinnlos zu t√∂ten, indem Sie √ľberfahren werden. Zum anderen erf√ľllen Amphibien eine wichtige Funktion im Naturhaushalt, sie tragen dazu bei, dass Schad-Insekten dezimiert werden und sind selbst wichtige Nahrung f√ľr viele Wirbeltiere.“

Was ist eigentlich die Ursache f√ľr die Wanderung?

K√∂hler: „Amphibien sind eine sehr urspr√ľngliche Tiergruppe am √ÉŇďbergang vom Wasser- zum Landleben. Sie m√ľssen zur Fortpflanzung noch das Wasser aufsuchen, da bei Ihnen eine sogenannte „√§u√üere Befruchtung“ stattfindet. Das hei√üt, Eizellen und Spermien werden nicht im K√∂rper √ľbertragen, sondern sie werden ins Wasser abgegeben und treffen sich dort au√üerhalb des K√∂rpers der Tiere. Auch die Kaulquappen ben√∂tigen Wasser zu ihrer Entwicklung. Andererseits k√∂nnen die erwachsenen Tiere, wenn sie sich an Land verteilen wesentlich mehr Nahrung finden, als wenn alle Tiere im Teich bleiben w√ľrden. Daher wandern sie nach der Paarung weg vom Teich.“

Die Kr√∂ten wandern ja stets √ľber „diesselbe“ Route. Woher wissen die Tiere, wo sie hin m√ľssen?

K√∂hler: „Das Wanderverhalten an sich ist gut untersucht, doch wie beispielsweise die Erdkr√∂te, unsere h√§ufigste Kr√∂tenart, Jahr f√ľr Jahr das gleiche Gew√§sser wiederfindet, ist noch nicht endg√ľltig gekl√§rt. Dass sie den Laichplatz sehen ist unm√∂glich, weil die Winterquartiere meist √ľber einen Kilometer entfernt liegen. Da sie bei der Wanderung andere Gew√§sser durchqueren, ist die Orientierung anhand von „Feuchtigkeitswerten“ auszuschlie√üen. Auch die Vermutung, dass sich Amphibien durch ihren Geruchssinn orientieren, ist durch Verfrachtungsversuche widerlegt worden. Weitere Vermutungen, wie die Orientierung auf Grundlage der Landschaftskenntnis, der Erdanziehung oder der Navigation anhand von Himmelsk√∂rpern konnten bis heute nicht bewiesen werden.“

Wie lange dauert so eine Krötenwanderung?

K√∂hler: „Die Dauer der Kr√∂tenwanderung insgesamt und auch die des einzelnen Tieres ist sehr stark von der Witterung abh√§ngig. Kr√∂ten wandern in der Regel nur, wenn es abends zu Beginn der D√§mmerung noch mindestens 7 Grad Celsius warm ist und wenn es feucht und nicht zu windig ist. Das liegt daran, dass alle Amphibien eine empfindliche feuchte Haut haben, die nicht austrocknen darf. Zudem sind sie wechselwarm und w√§ren bei zu niedrigen Temperaturen einfach zu unbeweglich.
In der Regel dauert die Hinwander-Zeit zum Teich f√ľr eine gesamte Kr√∂tenpopulation etwa 14 Tage. Die einzelnen Tiere brauchen vom Winterversteck bis zum Teich mehrere Tage.“

Welche Entfernung legen die Kr√∂ten bei dieser Wanderung zur√ľck?

K√∂hler: „Die Entfernung ist abh√§ngig von der Entfernung des Winterversteckes zum Teich. Erdkr√∂ten k√∂nnen bis zu 1200 m weit wandern, die kleinen Molche nur wenige 100 m weit.“

Wie ist es um den Bestand der Kröten bestellt?

K√∂hler: „Die Populationsentwicklung der Kr√∂tenbest√§nde ist lokal sehr unterschiedlich. Einzelne Vorkommen, die schon fast erloschen waren, haben sich in den letzten Jahren erholt. Einige konnten durch die Neuanlage von Teichen durch den Naturschutzbund gerettet werden. Insgesamt gesehen ist der Trend aber leider negativ. Die Autofahrer nehmen oft keine R√ľcksicht, auf den Stra√üen kommen jedes Jahr hunderte Amphibien um. Zudem werden die Populationen durch Nahrungsmangel, das Zusch√ľtten von Kleingew√§ssern und den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft geschw√§cht.“

Welche Funktion erf√ľllen die Tiere im √Ėkosystem?

K√∂hler: „Amphibien fressen eine Vielzahl von Insekten und Schnecken, welche zum Teil auch Sch√§dlinge f√ľr den Menschen darstellen. Zudem sind sie selbst wichtige Nahrung f√ľr gro√üe Fische und V√∂gel wie zum Beispiel Graureiher und Storch.“

Kann eine Kr√∂tenwanderung auf nicht-gesperrten Stra√üen f√ľr Autofahrer auch gef√§hrlich werden?

K√∂hler: „Falls es zu einer massenhaften Kr√∂tenwanderung auf bestimmten Strecken kommt, und sehr viele Tiere √ľberfahren werden, kann es auch f√ľr die Autofahrer gef√§hrlich werden. Die √ľberfahrenen Tiere bilden schnell eine schmierige Masse auf der Stra√üe, wodurch Autofahrer ins Schleudern kommen k√∂nnen.“

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Gift-Einsatz: „Der Einsatz von Herbiziden ist kontraproduktiv“

Guten Tag!

Heddesheim, 25. Oktober 2010. Die Gemeindeverwaltung Heddesheim will √ľberhaupt keinen Fehler in der Gift-Spritzaktion erkennen – vor kurzer Zeit wurde eine Fl√§che, auf der eine Wildblumenwiese entstehen soll mit dem Wirkstoff MCPA gespritzt, um „Disteln“ zu bek√§mpfen. NABU-Sprecher Paul Hennze erkl√§rt im Interview, warum das absolut falsch ist. Dass Bauern die Distel auf Feldern bek√§mpfen, findet er zwar nicht richtig, kann aber die Sicht der Bauern zumindest verstehen. Im Fall der Blumenwiese fehlt ihm jedes Verst√§ndnis. Der Gemeinde bietet er Beratung an.

Herr Hennze, die Gemeinde Heddesheim plant eine Wildblumenwiese auf einem ehemaligen Acker anzulegen, wird das klappen?
Paul Hennze: „Die meisten Wildblumen lieben magere B√∂den, die sind schwer zu finden in unserer Region. Ackerb√∂den sind grunds√§tzlich hoffnungslos √ľberd√ľngt.“

hennze

Paul Henze kl√§rt √ľber Naturschutz auf. Bild: privat

Sie meinen, es wird nichts mit der Bl√ľtenpracht?
Hennze: „Es gibt auch Pflanzen, die stickstoffreiche B√∂den lieben, beispielsweise die Brennessel und Distel. Die sind gleichzeitig hervorragende Futterpflanzen f√ľr Raupen, die wiederum zu Schmetterlingen werden. Die Schmetterlinge best√§uben andere Bl√ľtenpflanzen und Raupen und Schmetterlinge sind eine tolle Nahrung f√ľr V√∂gel.“

Disteln sind n√ľtzliche Pflanzen.

Disteln sind also n√ľtzliche Pflanzen?
Hennze: „Auf alle F√§lle.“

In Heddesheim wurden die Disteln auf Anordnung des B√ľrgermeisters auf diesem Gel√§nde gerade totgespritzt, weil die angeblich das Hochkommen der Wildblumen behindern w√ľrden.
Hennze: „So ein Quatsch. Wie gesagt werden nur wenige Wildblumen √ľberhaupt wachsen, aber nicht wegen der Disteln, sondern wegen der √ÉŇďberd√ľngung. Und Disteln bl√ľhen wundersch√∂n. F√ľr mich klingt das schon makaber, dass man bl√ľhende Pflanzen, die zudem sehr n√ľtzlich sind, tot spritzt, um bl√ľhende Pflanzen zu s√§hen.“

gift

Das Gift tötet die Distel - und noch jede Menge andere Pflanzen.

Gibt es weitere positive Eigenschaften der Distel?
Hennze: „Ja. Die Distel bl√ľht sehr sp√§t, also zu einer Zeit, in der die Bl√ľte der meisten anderen Pflanzen schon vorbei ist und bietet somit weiterhin eine Nahrungsgrundlage f√ľr Insekten. Und wenn man die Stauden stehen l√§sst, sind deren Samen die Nahrung f√ľr teils schon verschwundene Vogelarten wir den Distelfink oder H√§nflinge.“

Vor allem die Bauern bekämpfen aber die Distel.
Hennze: „Das ist bedauerlich, aber aus deren Sicht zu verstehen. Ein hoher Distelbesatz in einem Weizenfeld vermindert die Qualit√§t der Ernte und damit den Erl√∂s f√ľr den Bauern.“

Macht es deshalb Sinn, auch in der N√§he von √É‚Äěckern Disteln zu bek√§mpfen?
Hennze: „√ÉŇďberhaupt nicht. Die Distel l√§sst sich nicht bek√§mpfen. Sie l√§sst sich nur t√∂ten, kommt aber immer wieder. Die √É‚Äěcker werden dementsprechend gespritzt – ob da in der Nachbarschaft Disteln wachsen oder nicht, spielt keine gro√üe Rolle.“

MCPA tötet nicht nur die Distel, sondern auch andere Kräuter.

Nach Auskunft der Gemeindeverwaltung hat die Spritzaktion nur die Disteln getötet.
Hennze: „Dann gucken Sie mal auf die Wirkung von MCPA, au√üer der Distel werden noch jede Menge andere Kr√§uter abget√∂tet, die aus Sicht der Bauern „Unkr√§uter“ sind, aus Sicht des Naturschutzes aber Nutzpflanzen. Mal ehrlich: Man kann doch froh sein, wenn √ľberhaupt was w√§chst.“

Warum?
Hennze: „Durch die intensive Landwirtschaft gibt es kaum noch Bl√ľtenpflanzen. Und wo keine Bl√ľten sind, verschwinden viele Insekten, unter anderem die Biene, einer der wichtigsten Best√§uber. Das hat Auswirkungen auf das gesamte √Ėko-System. Ab Juni haben Insekten gro√üe Schwierigkeiten, Bl√ľten in ausreichender Menge zu finden, sie verhungern oder ziehen weiter.“

Die Anwendung von Herbiziden ist kontraproduktiv.

Zur√ľck zur Wildblumenwiese. Wir lange wird es dauern, bis die Wirklichkeit wird?
Hennze: „Das kann bis zu 15 Jahre dauern. Man kann den Boden im Lauf von Jahren etwas ausmagern, indem man m√§ht und das M√§hgut beispielsweise in eine Biogasanlage gibt. Dennoch sollte man nicht die gesamte Fl√§che auf einmal m√§hen, sondern im Interesse der von „Unkraut“samen lebenden V√∂gel (z.b.H√§nfling) jedes Jahr einen anderen Teil der Fl√§che vom M√§hen aussparen. Man kann Sand unterpfl√ľgen und nach und nach ver√§ndert sich die Natur von selbst. Die Anwendung von Herbiziden ist kontraproduktiv. Deren Einsatz ist √ľberhaupt nicht gerechtfertigt. Wenn die Gemeinde dazu Beratung ben√∂tigt, stehen wir gerne bereit, um beispielsweise einen Pflegeplan zu erstellen.“

Info:
Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) ist eine „Nicht-Regierungsorganisation“ (NGO), die sich dem Schutz und dem Verst√§ndnis f√ľr die Natur verschrieben hat. Der NABU-Bezirksverband Rhein-Neckar-Odenwald umfasst 11 NABU-Gruppen im Rhein-Neckar-Kreis und 7 NABU-Gruppen im Neckar-Odenwald-Kreis sowie die Stadtgruppen Heidelberg und Mannheim mit insgesamt rund 6000 Mitgliedern. Paul Hennze ist einer der Mannheimer Sprecher.

Internet:
www.nabu-mannheim.de
NABU Rhein-Neckar-Odenwald

Video: Jungstörche im Vogelpark sind beringt

Guten Tag!

Heddesheim, 05. Juni 2010. (red) Das heddesheimblog zeigt im Video exklusive Bilder der Jungstörche im Vogelpark. Helmut Stein, Leiter der Vogelwelt des Luisenparks, hat unsere Kamera hoch ins Nest mit- und den Nachwuchs aufgenommen.

beringung

Helmut Stein beringt junge Störche im Vogelpark. Bild: heddesheimblog

Wollen Sie einen Blick in die Kinderstube der Storchenfamilie werfen? Das k√∂nnen Sie in unserem Video. Am Mittwoch, den 2. Juni 2010 waren Helmut Stein, Leiter der Vogelwelt im Mannheimer Luisenpark und Dietmar Matt vom Naturschutzbund Deutschland, Rhein-Neckar Odenwald, in Heddesheim, um die f√ľnf Jungst√∂rche zu beringen.

Die gute Nachricht: Die f√ľnf Jungv√∂gel sind in bester Verfassung. Eine schlechte Nachricht gibt es leider auch: Vor einigen Tagen ist allerdings ein Jungvogel aus dem Netz gesto√üen worden – die Gr√ľnde sind unbekannt.

Die Ringe bekommen die Jungvögel ans rechte Bein oberhalb des Gelenks. Mit einem Fernglas können Vogelbeobachter die Nummern ablesen und den Standort der Vögel melden.

Am 13. Juni 2010 ist wieder Storchentag bei den Vogelfreunden im Vogelpark. Vor allem Kinder haben Spa√ü, eine Patenschaft f√ľr einen der Jungst√∂rche zu √ľbernehmen. Daf√ľr gibt es eine Urkunde und Informationen, wo und wann die V√∂gel auf ihrer Reise in den S√ľden und zur√ľck gesehen werden.

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das heddesheimblog