Freitag, 24. November 2017

Eine Woche Pause beim Heddesheimblog und der MM dreht voll auf

Bratwurstjournalismus f├╝r alle

weisswuerste

Top-Journalismus vom Mannheimer Morgen f├╝r Top-informierte B├╝rger/innen. Lesen Sie unbedingt den ganzen Artikel – einfach auf die Grafik klicken.

Wieso gibt man sich in Heddesheim mit Nicht-Information zufrieden?

Manipulierte ├ľffentlichkeit

Heddesheim, 08. M├Ąrz 2014. (red) Was die Zeitung berichtet, ist die Wahrheit. Ist das so? Das glauben wirklich nur noch sehr naive Menschen.

Informationen, die nicht berichtet werden, sind oft entscheidender. Denn was nicht ├Âffentlich wird, das hat auch nicht stattgefunden.
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Ortsvereinschef Hege unterwirft sich Kessler

CDU ohne eigenen Kandidaten

Heddesheim, 17. Januar 2013. (red) Soviel ist ab heute sicher. Die CDU Heddesheim ist nicht in der Lage, einen eigenen Kandidaten ins Rennen um das B├╝rgermeisteramt zu schicken. Laut Mannheimer Morgen unterst├╝tzt die ├Ârtliche CDU „bedingungslos“ den amtierenden B├╝rgermeister. Das verwundert nicht wirklich – denn die „Bedingungen“ sind vermutlich schon „ausgehandelt“. [Weiterlesen…]

Was Sie vom MM, Pfenning und der Verwaltung erwarten k├Ânnen und was nicht

Das (Des-)Informations-Kartell

MM Pfenning

Der Mannheimer Morgen „informiert“ mit einer „zugesendeten“ Mitteilung auf Seite vier im Regionalteil ohne jegliche Eigenrecherche – unabh├Ąngiger Journalismus geht anders. Dr├Ąngende und wesentliche Fragen werden nicht gestellt und schon gar nicht beantwortet. Quelle: Morgenweb.de

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 04. September 2013. (red) In der heutigen Ausgabe des Mannheimer Morgen k├Ânnen Sie eine kurze Nachricht lesen: „Pfenning verliert einen Gro├čkunden“. Diese Nachricht ist mehr als aufschlussreich – wenn man sie hintergr├╝ndig betrachtet. [Weiterlesen…]

"Ent"t├Ąuschende "Berichterstattung"

Geprothmannt: Bagatell- vs. Kollateralschaden

Bleiben am Ende nur noch Tr├╝mmer? Journalismus war mal ein angesehener Beruf - heute ist das Image besch├Ądigt. Archivbild

 

Mannheim/Viernheim/Rhein-Neckar, 18. Juni 2012. (red) Es gibt einen Brand, die Feuerwehr l├Âscht diesen schnell. Der Schaden bleibt eigentlich ├╝berschaubar und doch nicht. Das „Opfer“ ist das „Scheck In-Center“ in Viernheim. Aber es kommt noch ein weiteres hinzu, dass mit allem gar nichts zu tun hat: Die Bev├Âlkerung. Der Schadensverursacher: Journalisten. Der Schaden: Glaubw├╝rdigkeitsverlust in unbekanntem Ausma├č.

Von Hardy Prothmann

Der Ruf von Journalisten ist nicht der beste. Vollkommen zurecht. Sie fragen sich jetzt, wieso ein Journalist dem eigenen Berufsstand ein schlechts Zeugnis ausstellt? Die Antwort ist ganz einfach: Nur wenn man sich nach vorne verteidigt, kann man hoffen, weitere Sch├Ąden zu verhindern. Das ist durchaus egoistisch gedacht. Denn ich und meine Mitarbeiter achten sehr auf bestm├Âgliche Qualit├Ąt unserer Informationen – egal, ob wir ├╝ber leichte Themen wie Feste und Aktivit├Ąten berichten oder ├╝ber anspruchsvolle wie Kultur und Wirtschaft oder Politik und Sport.

Ganz klar machen auch seri├Âse Journalisten Fehler. Wenn diese passieren, sollten die Leserinnen und Leser aber dar├╝ber informiert werden. Doch das tun die meisten Medien nicht. Auch klar: Wenn wir einen Rechtschreibfehler entdecken oder auf Fehler hingewiesen werden, verbessern wir den auch ohne eine Korrekturmeldung, wenn es sich um eine Bagatelle handelt. Berichte mit kapitalen Fehlern legen wir in der Kategorie „Korrektur“ ab, damit Leserinnen und Leser sofort und ohne lange Suche eine zun├Ąchst fehlerhafte Berichterstattung sowie die Korrektur finden k├Ânnen. Auf dem Heddesheimblog sind dort seit dem Start vor drei Jahren „nur“ acht von ├╝ber 2.500 Berichten als fehlerhaft gekennzeichnet. Wir ├Ąrgern uns ├╝ber jeden Fehler und haben diese korrigiert.

Falscher Eindruck vermittelt

Der Mannheimer Morgen hat aktuell ├╝ber einen Brand im Viernheimer Scheck In-Center „berichtet“. Der „Bericht“ ist mit dem K├╝rzel „bhr“ gekennzeichnet. Der unbedarfte Leser denkt jetzt: „Ok, jemand, dessen Namen mit bhr abgek├╝rzt wird, war vor Ort oder nach sich zumindest telefonisch oder auf anderem Weg die Informationen besorgt, gepr├╝ft und dann seinen Bericht verfasst.“ Doch dieser naheliegende Gedanke ist in diesem Fall und leider viel zu oft ein Fehler. Denn kein Journalist des MM war vor Ort und es wurde auch sonst nichts recherchiert.

Tats├Ąchlich wurde also keine „journalistische Leistung“ erbracht. Durch das geschickte Setzen von An- und Abf├╝hrungszeichen liest sich der Text, als habe „bhr“ mit dem Pressesprecher der Feuerwehr Viernheim gesprochen, denn er zitiert ihn ja „w├Ârtlich“. Tats├Ąchlich ist dieser Eindruck aber eine T├Ąuschung. Auf Nachfrage best├Ątigte uns der Pressesprecher Andreas Schmidt, dass er mit niemandem vom MM in dieser Sache gesprochen hat:

Die haben automatisch eine email mit dem Pressetext bekommen, wie alle Redaktionen, die das wollen.

Ist die Nachricht aber falsch? Ja und nein. Sie erweckt den falschen Eindruck, als habe der Journalist mit dem Pressesprecher gesprochen. Und sie erweckt den Eindruck, der Journalist habe selbst├Ąndig recherchiert und den Bericht selbst verfasst. Die Fakten sind aus Sicht der Feuerwehr sicher zutreffend. Die Mutma├čung ├╝ber die Schadensh├Âhe ist es nicht.

Die Originalmeldung der Feuerwehr. Quelle: FFW Viernheim

 

Die geguttenbergte Version im Mannheimer Morgen. Quelle: SHM

Geguttenbergter Journalismus ist Betrug am Leser

Diese Form „journalistischer“ Arbeit ist g├Ąngig in vielen Redaktionen: Bei Zeitungen, Magazinen, im Radio und Fernsehen und im Internet. Man nimmt frei zug├Ąngliche Informationen, „etikettiert“ sie ein wenig um und schon hat man einen „eigenen“ redaktionellen Bericht. Das ist und bleibt Betrug am Leser.

Sie fragen sich, warum das passiert? Warum andere Redaktionen so verfahren? Warum es nicht alle ehrlich und transparent wie wir mit unseren Blogs berichten? Fragen Sie die Redaktion Ihres Vertrauens. Ich versichere Ihnen, man wird Sie nicht sonderlich ernst nehmen. Erst, wenn Sie das Abo k├╝ndigen wollen.

Wir tun das, was eigentlich eigentlich selbstverst├Ąndlich sein sollte. Wir benennen n├Ąmlich immer deutlich die Quelle, wie auch in diesem Fall ist der Text mit „Information der Feuerwehr Viernheim“ klar gekennzeichnet worden. Das hat mehrere Gr├╝nde. Der wichtigste: Wir respektieren die Arbeit von anderen. Wir schm├╝cken uns nicht mit „fremden Federn“. Der n├Ąchste Grund ist: Wo bei uns „Redaktion“ draufsteht, ist auch Redaktion drin. Daf├╝r sind wir verantwortlich. Und ein ebenfalls sehr wichtiger Grund ist: Wir k├Ânnen nur daf├╝r einstehen, was wir selbst recherchiert haben. Wir wollen uns weder fremde Inhalte aneignen, noch darin enthaltene Fehler.

Der Einsatzbericht der Feuerwehr beispielsweise ist ├╝berwiegend korrekt – hat aber den Eindruck eines gro├čen Schadens hinterlassen. Viele Kunden blieben heute deswegen dem Markt fern. Wir haben die Meldung ebenso gebracht, waren aber bis 14:00 Uhr das einzige Medium, das einen Reporter vor Ort hatte, um sich ein Bild zu machen und haben danach umgehend berichtet, dass es f├╝r Kunden keine Einschr├Ąnkungen gibt und der Schaden eher ├╝berschaubar ist.

Au├čerdem konnten wir recherchieren, dass in diesem Fall wohl eine „Klarstellung“ in der morgigen Ausgabe der Zeitung folgen soll – man darf gespannt sein. Denn die Scheck In-L├Ąden geh├Âren zur Edeka-Gruppe. Und dort ist man „not amused“ ├╝ber den scheinbar redaktionellen Bericht im Mannheimer Morgen. Die Edeka selbst ist ein sehr gro├čer Kunde der Zeitung und d├╝rfte pro Jahr Anzeigen im Wert von einigen Millionen Euro bei der Zeitung schalten. Ich versichere Ihnen, dass man bei der Zeitung in diesem Fall den ├ärger sehr ernst nimmt. Aber nicht, weil man „journalistisch“ besser oder wenigstens „korrekt“ arbeiten will, sondern um den Umsatz nicht zu gef├Ąhrden.

Bagatell- vs. Kollateralschaden

Nach dem Brand ist im Scheck In – anders als im Feuerwehrbericht gemutma├čt – nur ein „Bagatellschaden“ entstanden. Dieser Schaden wurde unn├Âtig durch Umsatzausf├Ąlle f├╝r das Unternehmen vergr├Â├čert. Der gro├če Kollateralschaden entsteht aber durch den allt├Ąglichen Guttenberg-Journalismus, bei dem nach Lust und Laune geklaut und abgekupfert, umetikettiert und abgeschrieben wird. Sie halten diesen „Fall“ f├╝r eine Bagatelle? Ist er nicht, weil er nur ein Beispiel f├╝r eine systematische T├Ąuschung vieler Mediennutzer ist. (Haben Sie die „Jogi“-F├Ąlschung bei der EM mitbekommen? Das ZDF zeigte eine „Live-Berichterstattung“, in die Aufnahmen hineingeschnitten wurden, die vor dem Spiel, also nicht „live“ entstanden sind. Das hat zu heftiger Kritik gef├╝hrt. FAZ: „Die Regie spielt falsch„)

Einen Brandschaden kann man beseitigen – eine besch├Ądigte Glaubw├╝rdigkeit ist nur schwer wieder zu bereinigen.

Darunter leiden aber nicht nur die Schummler, sondern auch alle, die sich gr├Â├čte M├╝he geben, einen herausragende oder zumindest ehrlichen Journalismus zu bieten. Leider tun das immer weniger und der f├╝r die Gesellschaft und Demokratie so wichtige Journalismus verliert weiter an Ansehen. Da k├Ânnen sich Politiker und Journalisten die Hand geben – aber es gibt auch in der Politik „anst├Ąndige“ Leute.

Die Leserinnen und Leser k├Ânnen ebenso wie Unternehmen aber deutlich machen, ob sie Qualit├Ąt wollen oder nicht.

Bei einer Wahl macht macht das mit einer Stimme. Im Markt hat man auch Macht: Minderwertige Produkte kann man abbestellen oder muss sie nicht kaufen. Und Werbung kann man im glaubw├╝rdigen Umfeld schalten, wo sie auch am besten wirkt.

Weitere Informationen:

Wie aus einer gemeindlichen Pressemitteilung ein Redakteursbericht wird, lesen Sie hier: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?

Wie die RNZ einen PR-Text eines Politikers zu einem Redakteursbericht macht, lesen Sie hier: „Nachgefragt: Wie wird aus einer politischen PR-Meldung ein redaktioneller Text in der RNZ?

In Sachen Guttenberg war die mediale Emp├Ârung gro├č. Dabei sind viele Medien selbst sehr erfahren in Plagiaten. „Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist ÔÇô wie Tageszeitungen tagt├Ąglich ÔÇťbeschei├čenÔÇŁ

Ein unabh├Ąngiger Reporter berichtet ├╝ber eine SPD-Hauptversammlung. Weit gefehlt. Der Reporter ist selbst Mitglied im Ortsverein. „Was von der Berichterstattung der RNZ unter dem K├╝rzel ÔÇťstuÔÇŁ zu halten ist

Auch wir machen Fehler – und reagieren angemessen: „Urheberrecht vermutlich missachtet

 

Anm. d. Red.: Um Missverst├Ąndnissen vorzubeugen: Die Freiwillige Feuerwehr wird ausdr├╝cklich nicht kritisiert. Die hat wie so oft ihren Job gemacht und einen gr├Â├čeren Schaden verhindert.

MM lobhudelt weiter

Neues von der Baustelle: Folge 9. Pfenning informiert „ausgew├Ąhlt“

"Pfenning"-Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger: Sagt immer nur so viel, wie er muss und h├Ąufig auch nur irgendwas, was sp├Ąter wieder ganz anders ist. Archivbild.

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 09. M├Ąrz 2012. Der Mannheimer Morgen f├Ąhrt mit seiner unkritischen Jubel-Berichterstattung in Sachen „Pfenning“ fort. Das war nicht anders zu erwarten. Und „Pfenning“ bedient die Zeitung exklusiv – unsere Redaktion wird vom „neuen, guten Nachbarn“ ausgegrenzt und nicht informiert. Folglich gilt das auch f├╝r unsere Leserinnen und Leser. Der Grund ist einfach: Wir berichten zu kritisch und Kritik ist nicht erw├╝nscht.

Von Hardy Prothmann

Das ist er also, der neue, gute Nachbar „Pfenning“. Ein Unternehmen, das bewusst in Kauf nimmt, gro├če Teile der Heddesheimer Bev├Âlkerung nicht zu erreichen. N├Ąmlich alle die, die den Mannheimer Morgen nicht abonniert haben und das sind sehr viele.

Dabei wei├č Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger sehr genau, dass die H├Ąlfte des Ortes gegen die montr├Âse, 650 Meter lange Bebauung auf 20 Hektar bestem Ackergel├Ąnde war. Nachdem der Bebauungsplan aber gegen alle klugen und kritischen Einw├Ąndungen durchgesetzt war, sah und h├Ârte man nichts mehr von Pfenning. Auch der Baustart wurde bis auf eine l├Ąppische Pressemeldung nicht kommuniziert.

Gesch├Ânte Berichte

Ab und an wirft „Pfenning“ mal einen Brocken hin und der MM schnappt ihn dankbar auf – immerhin hat „Pfenning“ ja auch schon einiges an Anzeigen dort geschaltet.

So erfahren die Zeitungsleser also, in welcher Reihenfolge die Hallen gebaut werden. Erst der n├Ârdliche Teil, von Ost nach West, dann der s├╝dliche Teil. Daf├╝r werden Fertigsystemteile des Bayerischen Unternehmens Max B├Âgl verbaut. B├Âgl hat sich auf diese Bauweise spezialisiert. Dazu gibt es Informationen, dass ein paar hundert Bauteile, St├╝tzen und Platten verbaut werden. Und rund 80 Bauarbeiter besch├Ąftigt sind, bis zu 300 sollen es im Sommer werden.

Wenn man sich Referenzobjekte auf der B├Âgl-Homepage anschaut, darf man berechtigte Zweifel haben, ob das „Pfenning“-Gel├Ąnde tats├Ąchlich Ende 2013/Anfang 2014 fertig gestellt sein wird, wie Uwe Nitzinger im Mannheimer Morgen behaupten darf.

Im s├╝dlichen Teil zur Benz-Stra├če hin wird ein Teil der Hallen 18 Meter hoch – wer hier was einlagern wird? Keine Information. Die Schiene kommt dann, wenn sie jemand braucht – also irgendwann oder nie. Die Schienenandienung war eins der Hauptargumente der CDU f├╝r die Logistikansiedlung. Jetzt erf├Ąhrt man, dass mindestens „36-Monate“ Vorlauf n├Âtig seien, falls denn mal jemand Interesse haben k├Ânnte.

Fragw├╝rdige ├äu├čerungen

Ebenso darf Nitzinger behaupten, niemand h├Ątte was davon gemerkt, dass „Pfenning schon da ist“ und das mit „Lkw-Verkehr“. Dazu wird unwidersprochen der Bauverkehr mit angeblich bis zu 800 Lkw-Bewegungen in der Spitze verglichen. Das ist haneb├╝chen.

Nat├╝rlich wei├č man schon lange, dass die Bauarbeiten begonnen haben – wir bringen aktuell unsere neunte Folge zur Baustelle. Im Gewerbegebiet werden Laternenmasten umgefahren und die Stra├čen sind h├Ąufig verdreckt – wie das halt so ist in der N├Ąhe von Baustellen. Wer allerdings f├╝r die Stra├čenreinigung aufkommt, ob „Pfenning“ oder der Steuerzahler? Wer wei├č, dazu gibt es keine Informationen.

Daf├╝r erh├Ąlt man aber einen Eindruck, wie das sein wird, wenn t├Ąglich hunderte zus├Ątzliche Lkw hier unterwegs sein werden. Im Hirschberger Kreisel ist der Aspahlt schwer besch├Ądigt und vor der Auf-/Abfahrt auf die A5 auf Hirschberger Seite hat sich eine deutliche Absenkung gebildet, die auf Reparatur wartet. Unsere Recherchen hierzu haben ergeben, dass das Regierungspr├Ąsidium zust├Ąndig ist, die Sache ans Landratsamt weitergereicht hat, aber keiner wei├č oder sagen kann, wann diese Sch├Ąden, die auch unfallgef├Ąhrlich sein k├Ânnen, behoben werden.

Offene Fragen

Uwe Nitzinger darf ├╝ber Kekse und Schokolade reden, die der neue Kunde „Kraft Foods“ hier lagern will. Ob der neue Kunde und die damit verbundenen Vertr├Ąge das „Pfenning“-Projekt ├╝berhaupt erst finanzierbar gemacht haben, wird nicht gefragt.

Es war schon seltsam, wie der strahlende Chef Karl-Martin Pfenning erst eine 100 Millionen-Euro-Investition verk├╝ndete, dann aber trotz Baugenehmigung nichts passierte. Es gab viele Ger├╝chte, ob die Finanzierung geplatzt sei. Harte Fakten gibt es nicht, weil der eigentliche Investor die Phoenix 2010 GbR ist – ein zwei-Mann-„Unternehmen“, das nicht publizit├Ątspflichtig ist.

Weiter darf Nitzinger behaupten, man halte sich an den Verkehrslenkungsvertrag – dabei werden immer wieder gro├če „Pfenning“-Lkw gesichtet, die durch den Ort fahren. Und die Aussage: „Der Verkehr kommt aus der Ferne und geht in die Ferne“, wird gar nicht erst vom MM aufgegriffen.

Leere Versprechen

Herzig ist die Information, es w├╝rde keinen regionalen Verkehr geben. Also nicht von Pfenning. Wenn Waren beispielsweise f├╝r Edeka eingelagert und von Edeka ausgeliefert werden, dann ist das ja kein „Pfenning“-Verkehr. Und wenn die regionalen Versorgungs-Lkw bis zu 12 Tonnen schwer sind, gilt f├╝r die auch nicht der Verkehrslenkungsvertrag. Wer immer noch an all die „Versprechungen“ glaubt, ist selbst schuld.

Angeblich sollen f├╝r den Kunden Kraft Foods zweihundert Leute arbeiten – davon aber die H├Ąlfte als Leihkr├Ąfte. Die Zahl „bis zu 1.000 Arbeitspl├Ątze“, mit der B├╝rgermeister Kessler, die CDU, SPD und FDP f├╝r das Projekt geworben haben, f├Ąllt in diesem Zusammenhang nicht mehr. Und – ach ja – vier Ausbildungspl├Ątze halte „Pfenning“ nach wie vor frei f├╝r Heddesheimer Berufsanf├Ąnger – bislang habe sich aber niemand gefunden, der zu „Pfenning“ passt. Das soll man alles so glauben, denn es steht ja in der Zeitung.

Ausgew├Ąhlte G├Ąste

Am 23. M├Ąrz gibt es eine „symbolische Grundsteinlegung“ – f├╝r ausgew├Ąhlte G├Ąste. Wir sind bislang noch nicht eingeladen worden und vermuten, dass es dabei bleibt. Der Mannheimer Morgen darf sicherlich in der ersten Reihe sitzen, damit man auch jedes Wort exakt so mitschreibt, wie man das von seiten der Verwaltung und Pfenning will.

Das wird so erwartet und auch erf├╝llt.

Zeitungsstreik: Journalismus hei├čt, Fragen zu stellen

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Die streikenden Redakteure beim MM stehen unter Druck – einerseits durch die Forderungen der Verleger. Aber ganz immens auch, weil das Produkt Zeitung nicht mehr ankommt. 1.500 Abos hat der MM im zweiten Quartal verloren. Die Auflage ist im Sinkflug. Auch das Anzeigengesch├Ąft leidet. Der Vertrauensverlust der Leserinnen und Leser ist enorm. Angeblich streiken die Redakteure f├╝r „Qualit├Ąt“ und fordern „Solidarit├Ąt“. Man muss fragen, was sie damit meinen.

Von Hardy Prothmann

Dass ich insbesondere den Mannheimer Morgen massiv kritisiere, ist bekannt. W├╝rde ich in Stuttgart, in Mosbach, in Heidelberg, in Karlsruhe, in Bruschal, in Ludwigshafen oder Neustadt an der Bergstra├če leben, w├╝rde ich mir andere Zeitungen kritisch anschauen.

Vermutlich w├╝rde ich im Sinne der Leserinnen und Leser meiner Blogs auch an anderen Orten und damit Verbreitungsgebieten von Monopol-Zeitungen viel Kritik an der Berichterstattung ├╝ben k├Ânnen. Denn der Lokaljournalismus befindet sich in einer tiefen Krise.

Tats├Ąchlich kann ich aber am besten die Zeitungen beurteilen, deren Nachrichten ich durch eigene Recherchen ├╝berpr├╝fen kann. Das sind der Mannheimer Morgen, die Weinheimer Nachrichten und die Rhein-Neckar-Zeitung. Und alle kommen oft nicht gut weg, wobei klar gesagt werden muss, dass der MM besonders problematisch ist.

Meine Kritik an der Zeitung ist massiv, aber sie ist auch begr├╝ndet.

Aktuell haben streikende MM-Redakteure Kommentare gel├Âscht – denn Kritik oder andere als „gewogene“ Nachrichten sind nicht erw├╝nscht. So einfach kommen die streikenden Redakteure nicht davon. Sie k├Ânnen nicht so tun, als ob sie kritisch w├Ąren und gleichzeitig Informationen l├Âschen oder ignorieren.

Sie fordern Solidarit├Ąt, schlie├čen aber nicht gew├╝nschte Meinungen aus. Das geht so nicht.

Wer f├╝r Meinungsfreiheit und Qualit├Ąt der Berichterstattung vorgeblich eintritt, muss selbst auch aushalten k├Ânnen, sich der Kritik stellen und transparent informieren.

Ãœber verschiedene Kontakte erhalte ich abenteuerlichste Informationen, was die MM-Redakteure von meiner inhaltlichen Kritik halten. Auf einen anonymen Kommentar habe ich dem Dumpfsinn entsprechend, aber trotzdem umfangreich geantwortet.

Die in dem anonymen Kommentar ├Ąu├čerst dumm unterstellten „Motive“ sind haneb├╝chen.

Ich habe mich deshalb in einem Kommentar auf Facebook an einen Redakteur gewandt, von dem ich eine hohe Meinung habe und davon ausgehe, dass er sich Fragen und Kritik stellt.

Es ist der Versuch eines Dialogs. Sicher nicht ohne Provokation. Aber mit der M├Âglichkeit zu Antworten, die die Zeitung und alle MM-Redakteure den Leserinnen und Lesern lange und l├Ąngst schuldig sind.

Der Redakteur wurde von mir ausgew├Ąhlt, weil ich vor zwanzig Jahren gut mit ihm zusammen gearbeitet habe und ich seine damals kritische Haltung sch├Ątzte. Und er ist aktiv am Streik beteiligt. Man kann ihn auf Fotos sehen und er postet auf Facebook.

Seit siebzehn Jahren haben wir nichts mehr miteinander zu tun. Wie gesagt, es ist ein Experiment – ich wei├č nicht, wie der Mann heute „tickt“, aber ich habe Hoffnung.

Denn eigentlich w├╝rde ich mir w├╝nschen, dass der MM eine st├Ąrkere Konkurrenz bietet, eine gr├Â├čere Herausforderung.

Der MM und meine Blogs haben eine Schnittmenge – also Menschen, die sowohl die Zeitung lesen, als auch die von mir verantworteten Blogs. Die Leserinnen und Leser, die nur meine Blogs lesen, wissen nicht, was in der Zeitung berichtet wird und umgekehrt.

Ich habe ├╝berhaupt keine Probleme, auf gute Stories im MM zu verweisen – sie m├╝ssen aber gut sein. Dann w├╝rde ich sogar empfehlen, die Zeitung zumindest tagesaktuell zu kaufen. Daf├╝r muss ich aber ├╝berzeugt sein, dass sich das f├╝r meine Leserinnen und Leser lohnt.

Hier sind die Fragen. Der Name ist unkenntlich gemacht, weil er nicht viel zur Sache tut. Jeder mit Facebook-Zugang wird ihn schnell recherchieren k├Ânnen, was vollkommen O.K. ist, da er ja unter Klarnamen ├Âffentlich sichtbar dort schreibt.

Vielleicht ist das ein Ansatz, um einen Austausch ├╝ber „qualitativen Journalismus“ in Gang zu bringen. Vielleicht auch nicht.

Viele Fragen - ob es Antworten geben wird?

Erg├Ąnzung

Heute hat Thorsten Hof reagiert. Er schreibt folgendes:

Facebook informiert per email ├╝ber einen Kommentar - weil die streikenden MM-Redakteure sich abschotten, ist eine direkte Antwort nicht m├Âglich.

Ich h├Ątte ja gerne darauf reagiert. Da aber mittlerweile nicht nur f├╝r meinen Hardy Prothmann-Account der Zugang zur „Streikmorgen“-Seite gesperrt ist, sondern die Pinnwand f├╝r alle „Nicht-Freunde“ gesperrt wurde, kann ich leider nicht auf Facebook darauf reagieren.

Die „Vorgeschichte“, die Herr Hof anspricht, meint den Kommentar „Das Drama der journalistischen Prostitution“, den ich im Februar 2010 auf dem http://heddesheimblog.de ver├Âffentlicht habe. Thema des Textes war die Kritik an einer dauerhaft unkritischen, gef├Ąlligen Berichterstattung durch die Redakteurin Anja G├Ârlitz.

Gegen diesen Text ist Frau G├Ârlitz juristisch vorgegangen. Insgesamt habe ich rund 5.000 Euro Anwalts- und Gerichtskosten bezahlen m├╝ssen. Ein Versuch der „g├╝tlichen“ Regelung wurde nicht unternommen.

Der Anwalt von Frau G├Ârlitz wollte zudem ein Ordnungsgeld von 3.000 Euro gegen mich durchsetzen, das Gericht hat das zur├╝ckgewiesen und ein Ordnungsgeld von 300 Euro verh├Ąngt.

Der Hintergrund: Zun├Ąchst wurde ich ├╝ber meine Privatadresse abgemahnt. Die weitere Post ging aber an mein Mannheimer B├╝ro, dass ich damals f├╝r mehrere Wochen nicht besucht hatte. Daher hatte ich s├Ąmtliche Einspruchfristen verpasst und mich entschieden, aus Kostengr├╝nden die mittlerweile erlassene Einstweilige Verf├╝gung zu akzeptieren. Der Anwalt von Frau G├Ârlitz hat das Maximum an Geb├╝hren angesetzt und der Versuch mit dem Ordnungsgeld zeigen eindeutig, dass es weniger um die „Ehre“ ging als darum, einen wirtschaftlichen Maximalschaden zu erzielen.

Interessant ist die Haltung von Herr Hof schon: Ein einziger Text vor eineinhalb Jahren ist ihm Grund genug, die Haltung der MM-Redakteure zu rechtfertigen. Das zeigt sehr sch├Ân den Korpsgeist dieser Bagage (danke f├╝r den Hinweis auf den Tippfehler, ist korrigiert).

Statt mit eigenen Leistungen zu gl├Ąnzen, sucht man Tippfehler, baggert den Graben aus und erh├Âht den Schutzwall auf Facebook. Auch nicht schlecht. ­čśë

 

Streikende MM-Zeitungsredakteure: Wer oder was nicht passt, wird gel├Âscht

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. ├â┼ôberall im L├Ąndle streiken Zeitungsredakteure. Durchaus mit unterschiedlichem „Berufs“ethos. W├Ąhrend die einen unzutreffende Informationen korrigieren, l├Âschen die anderen zutreffende Informationen, die ihnen nicht passen. Was wiederum aber zum Image dieser speziellen „Redakteure“ passt. Wer sich Gedanken macht, ob er wirklich „Solidarit├Ąt“ mit den streikenden Redakteuren beim Mannheimer Morgen haben kann, sollte wissen, welche Haltung diese „Journalisten“ vertreten. Schade f├╝r die gutgl├Ąubigen K├╝nstler wie Xavier Naidoo, die auf die Verlogenheit hereinfallen.

Von Hardy Prothmann

Nochmal zur Erinnerung. Zeitungsredakteure sind im Ausstand, weil Berufseinsteiger nicht mehr mit rund 3.000 Euro Gehalt bei 14 Monatsgeh├Ąltern und einer 35-Stunden-Woche beginnen sollen, sondern mit bis zu 25 Prozent weniger. Und andere auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten sollen, was rund f├╝nf Prozent weniger bedeutet.

Ich habe heute gegen 17:30 Uhr zwei Kommentare auf der Facebook-Seite der streikenden MM-Redakteure gepostet:

Auch die ARD hat im Morgenmagazin ├╝ber den Streik berichtet. http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video953858.html

Und kurz darauf:

Weitere Hintergr├╝nde zu meiner Haltung hier. http://archiv.heddesheimblog.de/2011/08/02/in-eigener-sache-reaktionen-auf-den-beitrag-im-ard-morgenmagazin/

Die Kommentare waren nur f├╝r Stunden zu sehen, bis sie getilgt worden sind.

Gegen 19:30 Uhr waren nicht nur die beiden Kommentare verschwunden, sondern scheinbar die komplette Facebook-Seite. Zumindest f├╝r mich, denn ich wurde „geblockt“. Als geblockte Person ist die Seite nicht mehr aufrufbar. Das Zeichen war ein eindeutig. Kommentare von Hardy Prothmann sind auf der Seite der MM-Redakteure offensichtlich nicht erw├╝nscht.

Kommentare gel├Âscht - Nutzer blockiert. So sieht Meinungsvielfalt und Transparenz in den Augen der streikenden MM-Redakteure aus.

„Gef├Ąllt mir sehr, toll, unterst├╝tzenswert, super“ als Kommentar bleibt erlaubt.

Die Erkl├Ąrung ist vermutlich einfach: In den vergangenen zwei Jahren habe ich die Zeitung immer wieder mit Verfehlungen konfrontiert. Der MM an sich ist mir egal, aber ich kritisiere schlechte Recherche, unterschlagene Meldungen oder abgepinselte Pressemitteilungen. Oder thematisiere die st├Ąndige Bratwurstberichterstattung, die nichts weiter tut, als mit verschwurbelten Texten ├╝ber Wetterg├Âtter zu fantasieren. Schlechte Zust├Ąnde zu kritisieren, sollte eine journalistische Grundtugend sein. Und es darf keine „Bei├čhemmung“ gegen├╝ber ├Ąu├čerst schlechtem „Journalismus“ geben.

Das passt nat├╝rlich ├╝berhaupt nicht zum Selbstbild, denn immerhin streiken die MM-Redakteure ja f├╝r „Qualit├Ątsjournalismus“ (zumindest, was sie darunter verstehen) und f├╝r eine entsprechende Bezahlung.

Die MM-Redakteure behaupten sogar, dass es um die „Zukunft des Qualit├Ąsjournalismus“ ginge:

Auf der Blogseite liest sich das etwas ehrlicher – da gehts ├╝berwiegend ums Geld und ganz zum Schluss ein bisschen um „die Demokratie“. Und angeblich streiken sie auch f├╝r „unsere Leser“.

Um was geht es? Um Demokratie? Eher doch ums Geld.

Tats├Ąchlich halten die streikenden MM-Redakteure aber „unseren Lesern“ missliebige Informationen vor. Oder warum l├Âschen sie sonst Kommentare, die weder beleidigend noch anst├Â├čig sind? Sondern zus├Ątzliche Informationen enthalten, mit den sich Leserinnen und Leser eine eigene Meinung bilden k├Ânnen? Mal abgesehen davon, dass es in beiden verlinkten Informationen gar nicht „direkt“ um die streikenden MM-Redakteure selbst ging und ich im ARD-Interview sogar die Verlegerseite ordentlich kritisiert habe?

Oder darf├é┬á nicht Meinung sein, was nicht der Meinung der streikenden MM-Redakteure entspricht? Oder d├╝rfen die keine Stimme haben, die man nicht leiden kann? Ist es das, was diese Redakteure mit „wir streiken f├╝r unsere Leser“ meinen? Unter Transparenz, Meinungsvielfalt? Unter „Kritik“ und streitbarem Journalismus?

MM-Streiker vs. Tagblatt-Streiker

Ganz anders der Umgang bei den Streikenden vom „Schw├Ąbischen Tagblatt“. Die verlinken von sich aus auf den ARD-Beitrag, allerdings mit einer fehlerhaften Information und nennen mit einen „bloggenden Ex-Redakteur“. Ich korrigiere das h├Âflich und verlinke ebenfalls zwei Texte, die aus Sicht der Zeitungsredakteure sicher nicht „angenehm“ sind.

Die Reaktion ist anst├Ąndig: Der Kommentar wird frei geschaltet, der Fehler korrigiert. Auch wenn ich nicht wei├č, wie die Berichterstattungsqualit├Ąt des Schw├Ąbischen Tagblatts ist, habe ich zumindest durch diese Verhalten einen positiven Eindruck gewonnen. Das ist das einzig zu erwartende Verhalten.

Die Streikenden beim Schw├Ąbischen Tagblatt haben Kritik zugelassen.

Immerhin: Man k├Ânnte auch annehmen, dass vielleicht nur die MM-Streikenden f├╝r die „L├Âsch-Aktion“ verantwortlich sind, die die Facebook-Seite betreuen. Aber das w├Ąre nur eine billige Ausrede f├╝r die Gesamt-Baggage.

Wer einen Funken Ehre im Leib hat, was ich bei vielen nicht vermute, m├╝sste sofort auf diese Aktion reagieren und sein Missfallen ausdr├╝cken. Das aber ist doch mehr als unwahrscheinlich. (Ich bin fast sicher, dass sich niemand f├╝r diese „L├Âsch“-Aktion entschuldigt oder sie kritisiert.)

Leider haben die MM-Redakteure im Ausstand noch nicht verstanden, dass sie l├Ąngst nicht mehr alleine „Meinungen bilden“, also nicht mehr bestimmen k├Ânnen, ├╝ber wen und was sie wie informieren oder was sie lieber „unterdr├╝ckt“ sehen wollen.

Das Internet macht die Welt transparenter. Und zeigt, wie dumm oder hilflos manche Journalisten, die eigentlich daran mitwirken sollten, reagieren.

Absurd wird es, wenn dieser Haufen das Wort „Qualit├Ątsjournalismus“ f├╝hrt. Sie stehen weder f├╝r Qualit├Ąt noch Journalismus noch f├╝r die Kombination aus beidem.

Ich unterst├╝tze die Forderungen der Verleger kein bisschen – aber im Fall der MM-Streikenden w├Ąre ich sogar mit der ein oder anderen fristlosen K├╝ndigung vollkommen einverstanden.

Es w├Ąre sicher kein allzu gro├čer Verlust.

Denn die MM-Redakteure fordern Solidarit├Ąt, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Dieser Kommentar wartet immer noch auf Freischaltung.

Solidarit├Ąt mit dem journalistischen Prekariat, den "Freien"? Nicht bei den streikenden MM-Redakteuren.

P.S.
Das Internet l├Ąsst sich nicht so einfach kontrollieren, „verehrte Kollegen“, wie ihr das denkt. Und das ist gut so. Schlecht ist: Das habt ihr leider noch nicht verstanden und vermutlich werdet ihr das auch nicht verstehen.

Zeitungsstreik: Solidarit├Ąt? Wieso, weshalb, warum?

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Die streikenden Zeitungsredakteure fordern Solidarit├Ąt ein. Denn ihnen drohen Lohnk├╝rzungen und schlechtere Arbeitsbedingungen. Doch ist deren „Emp├Ârung“ wirklich nachvollziehbar? Haben sie sich „Solidarit├Ąt“ verdient?

Von Hardy Prothmann

Es gibt sie noch, die sehr guten Redakteure. Vereinzelt. Aber deren Einfluss ist gering. Sie haben schon l├Ąngst keine Lobby mehr und im Zweifel finden die, die kritisch berichten und die Folgen tragen m├╝ssen, keine Solidarit├Ąt bei den „Kollegen“. Der Gesamtzustand der Branche ist desolat.

Ob der Kommentar jemals frei geschaltet wird? Knapp acht Stunden nach dem Erstellen auf der MM-Streikseite wartet er immer noch auf "Freischaltung".

Es gibt genau eine Perspektive, unter der man die Emp├Ârung der streikenden Zeitungsredakteure verstehen kann: Noch verdienen die meisten Verlage satte Renditen, h├Ąufig im zweistelligen Bereich. Wenn die Arbeitgeber vor diesem Hintergrund bis zu 25 Prozent unter dem bisherigen Tarif Berufsanf├Ąnger besch├Ąftigen wollen, dann ist das skandal├Âs und grob sittenwidrig. Damit endet die eine Perspektive.

Honorardumping ist der Normalzustand

Die anderen sehen so aus:

Skandal├Âse „Auftragsverh├Ąltnisse“ sind der „Normalzustand“, mit dem man die Einkommensituation von vielen freien Journalisten oder „Mitarbeitern“ beschreiben kann.

Deswegen hat es sich auch schon mit meiner Solidarit├Ąt gegen├╝ber den Zeitungsredakteuren. Ich werfe den meisten von ihnen Kumpanei, Mitt├Ąterschaft, Honorar-Dumping, Untertanentum, Eitelkeit, ├â┼ôberheblichkeit, Weltentr├╝cktheit und Respektlosigkeit vor. Sie sind Teil eines mafiosen Systems und haben solange still gehalten, solange sie ihren Teil der Beute abbekommen haben. Jetzt sind sie im Streik, weil ihnen ihr „Anteil“ zu klein scheint.

Und ich wei├č, wovon ich rede. Denn ich bin seit 20 Jahren freier Journalist und meine „Abnehmer“ waren ├╝ber 18 Jahre lang Redakteure. Mit vielen davon habe ich sehr gut zusammengearbeitet. Fr├╝her. Doch die Zeiten haben sich ge├Ąndert. Die Zusammenarbeit wurde immer schwieriger – nicht unbedingt, aber auch inhaltlich. Vor allem aber wirtschaftlich.

HorrorHonorargeschichten

1994 bin ich nach drei Jahren mit meinem Universit├Ątsabschluss vom lokalen in den ├╝berregionalen Journalismus gewechselt. Denn nur dort waren einigerma├čen gute Honorare zu erwirtschaften.

Was ich niemals erlebt habe, war ein „Bonus“ f├╝r eine au├čergew├Âhnlich gute Arbeit, der mir einfach angeboten oder ├╝berwiesen worden w├Ąre. Was ich ab und an erleben durfte, waren ein klein wenig h├Âhere Honorare, wenn ich diese mit guten Argumenten nachgefordert hatte. Was ich meistens erlebt habe, waren „Honorare“ die ihrem Namen keine Ehre machten. Die Zeilen- oder Beitragshonorare waren niemals ├╝ppig, selten gut, oft „gingen sie grad so“, meist waren sie nicht akzeptabel. Jedenfalls, wenn man davon leben wollte.

Beim Mannheimer Morgen habe ich 55 Pfenning (27 Cent) die Zeile „verdient“. Brutto. Ein mittlerer zweispaltiger Bericht mit 80 Zeilen ergab demnach 44 Deutsche Mark. Rechnete man im Schnitt eine Stunde Wegstrecke, 1,5 Stunden Schreiben, 1,5 Stunden vor Ort, eine Stunden Vor- und Nachbereitung, kam man auf einen Stundenlohn von 8,80 Deutsche Mark.

In den drei Jahren beim MM habe ich rund 1.000 Artikel geschrieben. Ich war als „freier Mitarbeiter“ damit ganz gut „im Gesch├Ąft“. Einwandfreie Qualit├Ąt wurde selbstredend immer erwartet. Alle Artikel wurden ver├Âffentlicht. Manchmal waren 100 Zeilen bestellt, 70 wurden abgedruckt und nur 70 wurden zun├Ąchst bezahlt. Weil ich gut war und gebraucht wurde, hatte meine Intervention Erfolg – ich bekam die bestellten und abgelieferten Zeilen bezahlt, sollte dazu aber gegen├╝ber anderen Mitarbeitern stillschweigen.

In diesen drei Jahren ist es mir in einem einzigen Monat gelungen, 1.700 Deutsche Mark zusammenzuschreiben. Der Grund: Viele Redakteure waren in Urlaub, also gab es mehr als sonst zu tun und es gab ein paar spannende Themen und viele Vereinsfeste. Damals war ich 25 Jahre alt. Im Schnitt habe ich rund 800 Mark mit meinem freien Journalismus verdient. Brutto.

„Das Thema kriegen wir nicht durch.“

Davon musste ich ein Auto unterhalten, ein B├╝ro, Computer, Telefon. Irgendeine „Kostenpauschale“ stand nicht zur Disposition. Ein paar Redakteure bestellten ab und an zehn Zeilen mehr als sie f├╝r den Abdruck vorgesehen hatten. Die 5,5 Mark waren sowas wie ein „Anerkennung“, weil ich immer einsatzbereit war.

Termine kamen aus der Redaktion, die meisten Themenvorschl├Ąge von mir. Meist wurden sie angenommen, aber immer wieder h├Ârte ich den Satz: „Das Thema kriegen wir nicht durch.“

Ab 1994 ├Ąnderten sich meine Verh├Ąltnisse mit einem Artikel f├╝r Die Zeit. Dort erhielt ich 2,8 Mark die Zeile und sogar ein Fotohonorar von 150 Euro. Zusammen waren das f├╝r einen „Job“ 430 Euro. Das war sensationell. Fortan konzentrierte ich mich auf gr├Â├čere Zeitungen, Wochenzeitungen, Magazine sowie ├╝berwiegend den ARD-H├Ârfunk, der am l├Ąngsten ganz gut bezahlte und auch heute noch akzeptable Honorare bietet.

Und ich habe oft „Angebote“ ausgeschlagen, die immer wieder angefragt wurden, weil ich den „Markt“ nicht kaputt machen wollte. Unter 350 Mark habe ich keine Magazinseite geschrieben. Niemals unter einer Mark eine Zeile (au├čer f├╝r die taz, die 70 Pfenning die Zeile zahlte).

Dazu habe ich an Zeitschriftenentwicklungen mitgewirkt, das brachte am meisten Geld, Redaktionsvertretungen gemacht, Vortr├Ąge und Seminare gehalten.

Um auf das Einstiegsgehalt eines Zeitungsredakteurs von damals rund 4.000 Mark Brutto zu kommen, musste ich rund 6.000 Mark verdienen und zus├Ątzlich Geld f├╝r die „Infrastruktur“ wie Auto, Telekommunikation, Computer, Kamera. Manchmal hat das funktioniert, manchmal nicht.

Nochmal zur Verdeutlichung: Bei 55 Pfenning pro Zeile und 150 Zeilen t├Ąglich w├Ąre ich bei einer 5-Tage-Woche auf 1.650 Mark gekommen. Rechnet man noch sechs Wochen Urlaub ein, w├Ąren rund 1.440 Mark brutto geblieben. Krank durfte man nicht werden, Nein sagen auch nicht. Und es gab damals Zeitungen, die nur 25 Pfenning pro Zeile zahlten.

Durch meinen Wechsel in die „h├Âhere Honorarliga“ war ich in der gl├╝cklichen Lage, nicht jeden Mist machen zu m├╝ssen, sondern mir Themen und Auftr├Ąge aussuchen zu k├Ânnen.

Die meisten Kollegen versuchten, irgendwie eine Festanstellung zu bekommen. Nicht, um journalistisch interessanter arbeiten zu k├Ânnen, sondern um versorgt zu sein.

Doch die „T├Âpfe“ f├╝r „Honorare“ wurden zunehmend geringer. Viele Kollegen klagten nur noch, schlugen sich mehr schlecht als recht durch, auch ich hatte Einbu├čen, aber es ging noch ganz gut.

FAZ: 70 Cent pro Zeile sind „normal“

Als ich 2003 einen exklusiven Text mit einem enormen Rechercheaufwand geschrieben hatte, bekam ich 70 Euro ├╝berwiesen. F├╝r einen 100-zeiligen Artikel. Also 70 Cent pro Zeile. Ich habe mich daraufhin beim Herausgeber Nonnenmacher beschwert, der mir zur├╝ckgeschrieben hat, dass dies einem „durchaus ├╝blichen Honorar“ entspr├Ąche, ich aber eine Nachzahlung von 90 Euro erhielte. Eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr gew├╝nscht.

Als ich 2004 zuf├Ąllig zum Tsunami auf der thail├Ąndischen Insel Phuket war, berichtete ich 18 Tage lang f├╝r mehrere deutsche Medien. Darunter Spiegel, Spiegel Online, Spiegel TV, Focus, Handelsblatt, Zeit, tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Welt, SWR und noch ein paar andere. In knapp drei Wochen habe ich rund 15.000 Euro Umsatz gemacht.

Ich war 16-20 Stunden im Einsatz, habe am Tag nach der Katastrophe 600 Leichen gez├Ąhlt, um die Zahl der Opfer absch├Ątzen zu k├Ânnen, habe unter anderem eine Reportage ├╝ber die Arbeit der DVI-Teams (Desaster Victims Identification) geschrieben, Tage im Krankenhaus verbracht und ├╝ber das Leid und die Hoffnung berichtet.

5.000 Euro die Woche? Kein schlechtes „Honorar“. Doch zu welchem Preis? F├╝r welchen Einsatz? H├Ątte ich ein „psychologisches“ Problem bekommen, einen Unfall erlitten – wer h├Ątte f├╝r mich gesorgt? Es gibt f├╝r freie Journalisten selten eine Kostenerstattung und so gut wie nie eine Absicherung durch die „Auftraggeber“. Aber es gibt noch Jobs f├╝r alle die, die „gut“ verdienen wollen – ├╝berall da, wo es gef├Ąhrlich ist. Denn da gehen die Redakteure nicht hin.

Tagess├Ątze von unter 250 Euro habe ich niemals akzeptiert. Mein Normalsatz waren 350 Euro. Heutzutage sind 75 Euro kein Ausnahmefall.

Lokalberichterstattung ist Ausbeutung auf h├Âchstem Niveau

Im „Lokalen“ sieht es am bittersten aus. Da bleiben f├╝r Freie meist nur die „Krumen“. Feste und Vereine. Eben alles das, wof├╝r sich die Redakteure meist zu schade sind. Plus Abend- und Wochenendtermine, weil die meisten Redakteure dann frei haben. H├Ąufig sind das Rentner, die nicht unbedingt dazu verdienen m├╝ssen oder Hausfrauen. Oder ehemalige Praktikanten wie ich, die dann f├╝r Hungerl├Âhne Zeilen schinden und anfangen, irgendwas blumig zu erdichten.

Zeitungsredakteure geben das in Auftrag, nehmen es ab und ver├Âffentlichen diesen Schund. Diese Bratwurstberichterstattung ├╝ber Wetterg├Âtter, allgemeine Zufriedenheit, k├╝hlen Gerstensaft und leckere Bratw├╝rste. Sie suchen die N├Ąhe der „M├Ąchtigen“ und schreiben den meisten nach dem Maul – au├čer, der Herr Verleger oder der Chefredakteur haben jemand „auf dem Kieker“ – der wird dann „runtergeschrieben“. Ansonsten dient man sich an.

Redakteure bilden den unsolidarischst-vorstellbaren Haufen

Es gibt keinen unsolidarischeren Haufen als diese Zeitungsredakteure, die sich einen Dreck drum scheren, wie es „ihren“ freien Mitarbeitern geht. Meist erlebt man Arrogantlinge, die vor Selbst├╝berheblichkeit kaum noch laufen k├Ânnen und mit ihrer Schere im Kopf st├Ąndig bem├╝ht sind, keinen ├âÔÇ×rger zu bekommen, statt „Anwalt des Lesers“ zu sein und „Missst├Ąnde aufzudecken“. Sie halten sich f├╝r „unabh├Ąngig“ – wie wenig sie das sind, zeigt ihr Streik.

Redakteure, die es genie├čen, hoffiert zu werden, die selbstverst├Ąndlich immer ihre „Extra-Wurst“ einfordern, sich auf Reisen einladen lassen, sich beschenken lassen und „Presserabatte“ einfordern. Und ihr Sal├Ąr gerne mal mit einer „Moderation“ aufarbeiten und gar nicht so selten in ihrer Freizeit „Berichte“ f├╝r Unternehmen oder Politiker schreiben, die sie als „Pressemitteilung“ dieser Unternehmen oder Politiker dann als „Grundlage“ f├╝r ihre „journalistischen Berichte“ verwenden.

Sie agieren dabei genauso, wie viele Chefredakteure und Redaktionsleiter, die in teure Hotels zu wichtigen Konferenzen eingeladen werden, wo Unternehmen, Politiker, Verb├Ąnde und Lobbyisten dann „Themenstrecken“ und Anzeigenbuchungen aushandeln. Und vor allem, ├╝ber was nicht berichtet wird.

Man kann vermuten, dass einige Redakteure bei Tageszeitungen journalistisch auch einfach zu inkompetent sind, um dieses Zusammenh├Ąnge verstehen zu wollen, geschweige denn zu sehen. Man liegt aber auch richtig, wenn man annimmt, dass viele dies schweigend zur Kenntnis nehmen und wissen, was sie und was sie nicht zu berichten haben.

Transparenz ├╝ber die Hintergr├╝nde ihrer Arbeit findet man von den Redakteuren in den Zeitungen so gut wie niemals.

Und diese Leute fordern nun Solidarit├Ąt. Also einen Zusammenhalt, eine Haltung?

Arrogante Verlogenheit

Wer sich und andere ├╝ber Jahrzehnte selbst bel├╝gt, kann wahrscheinlich die eigene Verlogenheit irgendwann nicht mehr erkennen.

Mit dem Blick von au├čen sehe ich aber keinen Grund, mich mit diesen Leuten zu solidarisieren, von denen ich und die allermeisten freien Journalisten in Deutschland niemals „Solidarit├Ąt“ erfahren haben.

Und wenn Leserinnen und Leser w├╝ssten, wie respektlos und despektierlich sich „Redakteure“ oft ├╝ber ihre Kunden auslassen – sie w├Ąren entsetzt. „Die da drau├čen“ sind f├╝r viele Redakteure einfach nur dumme Leute. Solange es kaum eine M├Âglichkeit gab, die „Kontrolleure“ zu kontrollieren, mussten die Leute „glauben, was in der Zeitung steht“.

Das Internet hat das ver├Ąndert – heute gibt es so viele Quellen und so viele M├Âglichkeiten sich per email, Facebook oder anderen Medien zu informieren und auszutauschen. Und es gibt viele Redakteure, die ihre Verachtungshorizont auf das Internet ausgeweitet haben, wo man angeblich „nur Dreck findet“. Und es gibt nicht wenige, die stolz darauf sind, dass sie das Internet nicht benutzen.

Darin unterscheiden sie sich nicht von denen, gegen die sie gerade streiken – die Verleger als Arbeitsgeber.

Nachtrag:
Alle Redakteure, mit denen ich gut zusammengearbeitet habe und dies weiterhin tue, schlie├če ich selbstverst├Ąndlich aus und hoffe, dass sie ihren schweren Stand weiter halten k├Ânnen.

Gl├Ąserner Gemeinderat: Wer oder was ist eigentlich „Pseudo“?

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 27. Juli 2011. (red) In der Gemeinderatssitzung habe ich einen erweiterten Antrag gestellt, den B├╝rgermeister Michael Kessler als „Pseudo“-Antrag bezeichnet hat. Was Pseudo ist und wer Pseudo ist, dar├╝ber kann man trefflich diskutieren.

Von Hardy Prothmann

Herr B├╝rgermeister Kessler unterstellt mir, ich h├Ątte einen „Pseudo“-Antrag gestellt. Herr Kessler, der hoffentlich wei├č, dass „Pseudo“ so viel wie „falsch“ oder „gelogen“ hei├čt, wei├č hoffentlich, was er tut, wenn er solche ├âÔÇ×u├čerungen t├Ątigt.

Er unterstellt einem unabh├Ąngigen freien Gemeinderat, dass dieser „L├╝gen“-Antr├Ąge stellt, um es mal zu ├╝bersetzen.

Partei- und fraktionslos: Hardy Prothmann, Foto: sap

Was ist der Inhalt meines „L├╝gen“-Antrags? Ganz einfach. Das Unternehmen Edeka S├╝dwest plant ein richtig gro├čes Getr├Ąnkelager in Heddesheim. Wieder werden daf├╝r 80.000 Hektar Ackerland vernichtet. Muss das so sein oder gibt es eine andere L├Âsung. Um meinen Antrag zu erkl├Ąren, hole ich aus:

Wie auch bei der „Pfenning“-Entscheidung wird von Arbeitspl├Ątzen und Gewerbesteuer gesprochen und die Edeka-Erweiterung mit Wohl und Wehe Heddesheims begr├╝ndet: Kommt die Erweiterung ist das „Wohl“, kommt sie nicht, ist das „Wehe“.

Wohl und Wehe.

Ein gewichtiges Argument des B├╝rgermeisters Kessler und seiner Abnickerfraktionen war, dass man erst den Hauptsitz von Edeka verloren habe und ab diesem Sommer auch das Fleischwerk. Man brauche den „regional-verwurzelten“ Investor „Pfenning“, der neue Arbeitspl├Ątze schaffen und viel Gewerbesteuer zahlen werde, um das zu kompensieren und sogar noch zu erweitern. Ob will jemand, dass man Hallenbad, Spielpl├Ątze und andere wohlt├Ątige Angebote schlie├čen muss?

Wie zu jedem guten M├Ąrchen geh├Ârt die Angst zur Geschichte und die wurde trefflich von CDU, SPD und FDP unter F├╝hrung von Michael Kessler gestreut. Doch es gibt auch eine Geschichte hinter der Geschichte. Herr Kessler und viele der Abnicker-Gemeinder├Ąte wussten seit langem, dass Edeka unter Umst├Ąnden eine Erweiterung plant. Davon haben sie w├Ąhrend des „Pfenning“-Entscheidungsprozesses aber nie etwas gesagt.

Zuf├Ąlle gibts…

Kaum ist der „Pfenning“-Bebauungsplan rechtskr├Ąftig geworden, nimmt Edeka Kontakt zur Gemeide auf und kurz darauf werden Pl├Ąne vorgestellt, dass Edeka erweitern m├Âchte. Das habe sich alles so ganz zuf├Ąllig ergeben. Das kann man glauben oder nicht.

Man kann auch weiterhin glauben, dass „Pfenning“ seine regionalen Standorte in Heddesheim konzentriert, den Unternehmenssitz hierher verlagert, bis zu 1.000 Arbeitspl├Ątze schafft und kr├Ąftig Gewerbesteuer zahlt. Man kann das aber auch nicht glauben und wenigstens zur Zeit stehen die Zeichen eher auf „nicht glauben“.

Es gibt auch Leute, die sind unersch├╝tterlich in ihrem Glauben, geradezu fanatisch. Dazu geh├Ârt auch der SPD-Fraktionsvorsitzende J├╝rgen Merx, der im aktuellen Mitteilungsblatt in blumigen Zeilen seinem Glauben Ausdruck verleiht. Man sei bei Pfenning direkt gewesen und dort wurde versichert, dass alles so geschieht, wie angek├╝ndigt. Wie beruhigend.

Zwar hat das Unternehmen vor kurzem selbst dem Mannheimer Morgen Auskunft gegeben, dass man zun├Ąchst keine Konzentration mehr plane, sondern „Neugesch├Ąft“ und gut Ding Weile haben will. Herr Merx glaubt anscheinend dem MM nicht und hat sich entschlossen, seinen Tr├Ąumen nachzuh├Ąngen. Das brachte er auch im Gemeinderat zum Ausdruck, was f├╝r „Lacher“ im Zuschauerraum sorgte. Herr Merx sagte an den Zuschauerraum gewandt: „Es freut mich, dass sie mich beachten.“

Glaubensfragen.

Man darf f├╝rn Herrn Merx hoffen, dass sich die Vorsilbe „be“ nicht in ein „ver“ verwandelt.

Jetzt kann man glauben oder denken – das sind zwei verschiedene Zug├Ąnge zur Welt. Ich habe als Gemeinderat die Aufgabe, das Wohl der Gemeinde nach M├Âglichkeiten zu f├Ârdern oder Schaden (Wehe) abzuwenden.

Deswgen habe ich mich auch konsequent gegen eine „Pfenning“-Ansiedlung ausgesprochen und als klar war, dass man gegen die Mehrheit keine Chance hat, habe ich mit den Gr├╝nen zusammen versucht, diese Fehlentscheidung m├Âglichst ertr├Ąglich zu gestalten. Nur durch unsere kritische Haltung wurden Zugest├Ąndnisse gemacht, die sonst nicht gemacht worden w├Ąren.

B├╝rgermeister Kessler und die Abnicker haben alles getan, um m├Âglichst unkritisch „Pfenning“ voranzubringen und siehe da: Es passiert genau nichts. Der MM verk├╝ndete, dass „im April die Bagger rollen“. Vier Monate sp├Ąter „renaturiert“ sich das Gel├Ąnde und „Pfenning“ k├╝ndigt an, es laufe alles nach Plan. Ist das so? Das kann man glauben oder nicht.

Pseudo-Antrag?

Jetzt will Edeka erweitern, die haben Geld und die habens eilig. Mein Gedanke ist ein naheliegender: Das „Pfenning“-Gel├Ąnde ist entwickelt, aber „Pfenning“ hat vermutlich Schwierigkeiten, dass Projekt umzusetzen. „Pfenning“ will „Neugesch├Ąft“ ansiedeln. Wer eins und eins zusammenz├Ąhlen kann, versteht meinen Gedanken: Es gibt das Gel├Ąnde, es gibt einen Bebauungsplan, Edeka hat es eilig und Geld und will in Heddesheim bleiben… Warum sollte man nicht mal dr├╝ber sprechen, ob Edeka nicht auf dem „Pfenning“-Gel├Ąnde seine Getr├Ąnkehallen hinstellen kann. Das kommt der „Eile“ entgegen, das Gel├Ąnde ist entwickelt, „Pfenning“ hat wieder Luft und wenigstens die Edeka wird Arbeitspl├Ątze bieten und hoffentlich Gewerbesteuer zahlen. Und ein gro├čes St├╝ck Ackerland wird nicht verbraucht, sondern bleibt erhalten.

Diesen Gedanken wertet B├╝rgermeister Kessler als „L├╝ge“, als „falsch“ ab. Ohne Begr├╝ndung, einfach so. In der Sitzung sagt er, ich k├Ânne das nur sagen, weil ich den Besichtigungstermin bei Edeka nicht wahrgenommen habe. Die Faktenlage sei eine andere. Daraufhin bitte ich den B├╝rgermeister, mich und die ├ľffentlichkeit doch aufzukl├Ąren, was die Fakten seien. Er sagt daraufhin, dass er sich von mir nicht zu Aussagen zwingen lasse. Wieder mal ein „Lehrst├╝ck“ in Sachen Demokratie, ├ľffentlichkeit und Transparenz des Herrn Michael Kessler. Es wird noch nicht einmal der Versuch gemacht, eine vielleicht bessere L├Âsung zu finden. Oder wei├č Herr Kessler schon wieder mehr als der Gemeinderat?

Spekulationen.

Auf meine Frage, wann er den beabsichtige, den Gemeinderat und die ├ľffentlichkeit ├╝ber die neuen Entwicklungen bei „Pfenning“ zu informieren, antwortet er, dass er sich an „Spekulationen“ nicht beteilige. Aha. Dem MM hat er auf Anfrage gesagt, dass er die Entwicklung begr├╝├če und man Unternehmen auch eine gewisse „Flexibilit├Ąt“ zugestehen m├╝ssen. Jetzt kann man spekulieren, was er damit meint.

├â┼ôberhaupt geht es in beiden Prozessen insgesamt um „Spekulationen“ – was, wer, wie spekuliert? Die aufmerksamen B├╝rgerinnen und B├╝rger haben dazu sicher ihre Meinung.

Mein Antrag ist also nach Auffassung von B├╝rgermeister Kessler eine L├╝ge oder falsch.

Die Zukunft wird zeigen, was von den Versprechungen ├╝brig bleibt. Und auf wen oder was das Wort „Pseudo“ zutreffen wird.

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist ehrenamtlicher, partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich f├╝r das redaktionelle Angebot von heddesheimblog.de.

Gl├Ąserner Gemeinderat: Gr├╝nes „Schaumschlagen“? Wer Verantwortung will, muss sie auch ├╝bernehmen

Heddesheim/Viernheim/Rhein-Neckar, 18. Juli 2011. Am Freitag vermeldete der MM, dass „Pfenning“ seine Lager „vorerst“ nicht in Heddesheim „zentralisiert“. Die Konsequenz ist klar – „Pfenning“ begeht Wortbruch. Das war zu erwarten. Die Frage ist, was von den „Gr├╝nen“ zu erwarten ist. Klar ist, dass von CDU, SPD und FDP keine Fragen zu erwarten sind.

Von Hardy Prothmann

„Ich habe lange gedacht, Sie sind ein Gr├╝ner“, sagte mir vor ein paar Wochen ein Gemeinderat der Freien W├Ąhler in Hirschberg am Rande einer Veranstaltung. Ich fragte ├╝berrascht zur├╝ck: „Wieso?“ Der Gemeinderat antwortete: „Naja, die Gr├╝nen sind bei Ihnen ja gut weggekommen. Siehe Pfenning.“

Ich antwortete: „Die Gr├╝nen waren nach ihrer „urspr├╝nglichen Zustimmung“ zu „Pfenning“ die einzigen, die mit ihrer kritischen Haltung eine vern├╝nftige Position eingenommen haben. Ich habe dar├╝ber berichtet und auch dar├╝ber, was CDU, SPD und FDP f├╝r eine Haltung vertreten. Glauben Sie, dass deren Erwartungen zutreffen?“

Verwunderung.

„Nat├╝rlich nicht“, sagte der Gemeinderat, und weiter: „Als Sie den Steinle verhauen haben, hab ich mich echt gewundert und mich gefragt, was der Grund ist.“ Ich habe geantwortet: „Ganz einfach. Herr Steinle hat als GLH-Fraktionssprecher mir und meiner Redaktion gedroht. Das geht so nicht, egal, welche Partei oder wer sonst auch immer das versucht. Da bin ich farbenblind.“

Der Gemeinderat sagte: „Das habe ich jetzt verstanden. Aber wo stecke ich Sie jetzt hin?“ Ich sagte: „Dahin, wohin ich geh├Âre. Ich bin Journalist und berichte unabh├Ąngig und an Fakten orientiert.“ „Aber Sie sind doch auch Gemeinderat?“ „Ja“, sagte ich: „Ausschlie├člich in Heddesheim und da halte ich das genauso. Unabh├Ąngigkeit ist ein hohes Gut.“ Der Gemeinderat lachte und stie├č mit mir auf den Satz an. Und er und ich haben darunter verstanden, was wir jeder f├╝r sich darunter verstehen wollten.

Leserbriefschreiber.

Heute hat der MM einen Leserbrief des Gr├╝nen-Gemeinderats G├╝nther Heinisch ver├Âffentlicht:

Leserbriefe schreiben kann jeder - politisch aktiv zu werden, ist schon schwerer. Quelle: MM

Denkfehler.

Auch die Gr├╝nen in Heddesheim denken tendenziell, dass ich eher mit „ihrer Politik“ einverstanden bin, aber das ist ein Denkfehler. Ich bin mit Fakten einverstanden, die ich verstehen und vertreten kann. Grunds├Ątzlich finde ich weniger Verkehr, umweltschonende Wirtschaft, Atomausstieg, erneuerbare Energien, ein gerechteres Schulsystem, Transparenz und Informationsfreiheit und manche andere Positionen der Gr├╝nen „gut“. Aber nicht, weil sie „gr├╝n“ sind, sondern weil sie vern├╝nftig sind.

Ich war mit Herrn Heinisch in Kontakt und habe mich mit ihm ├╝ber den Artikel der Zeitung vom 15. Juli 2011 und den dort leider nicht dokumentierten Folgen „ausgetauscht“. Und ich habe ihm klar und deutlich gesagt, was ich als B├╝rger und Gemeinderatskollege von ihm und den Gr├╝nen erwarte: Verantwortung.

Zweitst├Ąrkste Fraktion auf der Suche nach Anerkennung.

Die Gr├╝nen haben urspr├╝nglich angeblich wegen des „Gleises“ dem „Pfenning“-Projekt zugestimmt. Dann gab es ├âÔÇ×rger und Aufregung, die Gr├╝nen waren zwischen „f├╝r die Gemeinde“ und „gegen Verkehr“ hin und hergerissen. Letztlich haben sie sich mit der IG neinzupfenning gegen „Pfenning“ entschieden und wurden mit drei Sitzen mehr oder 100 Prozent Zugewinn bei der Kommunalwahl 2009 „belohnt“. Es war ein „fundamentales Wahlergebnis“. Sie stellen mit sechs Sitzen nun die zweitst├Ąrkste Fraktion in Heddesheim. Fast h├Ątten sie gar sieben Sitze erreicht.

Seither agieren die Gr├╝nen im Spannungsfeld zwischen „Anerkennung“ im Gemeinderat (unter „Kollegen“) und „Anerkennung“ in der Bev├Âlkerung. Tats├Ąchlich haben Sie als einzige politische Fraktion eine kritische Haltung eingenommen und dadurch Zugest├Ąndnisse erreicht. So bei Details der Bauplanung, dem Verkehrsgutachten oder mit dem Verkehrslenkungsvertrag.

Seither wurden die Gr├╝nen hart angegangen von den anderen Gemeinder├Ąten und vor allem von B├╝rgermeister Michael Kessler, der fast in jeder Sitzung „ausrastet“ und wenig souver├Ąn vor allem den Gr├╝nen und mir ins Wort f├Ąllt, kommentiert und sich unverhohlen feindselig zeigt.

Einordnen = Unterordnen?

Diese aggressive Phalanx schlaucht. Vor allem, wenn man den Wunsch hat, „gemeinsam“ gute L├Âsungen zu finden.

Die Gr├╝nen haben leider keine Wahl. Wenn sie „gemeinsam“ mit der CDU, SPD und FDP entscheiden wollen, m├╝ssen sie sich unterordnen. Denn CDU und SPD sind „angefressen“ ob ihrer Verluste und werden es bleiben. Auch, weil sie sich ├╝ber ihre Fehlentscheidung im Klaren sind und weil sie wissen, dass die B├╝rger das wissen. Dass die Gr├╝nen und die Rest-FDP aus Frank Hasselbring und Ingrid Kemmet politisch gar nicht zusammenpassen, muss fast nicht erw├Ąhnt werden.

Die Gr├╝nen haben gegen ihre Ablehnung des „Pfenning“-Projekts hart gearbeitet und die „Konditionen“ so gut es ging verbessert. Wenn die Gr├╝nen nun nichts gegen die sich abzeichnende Entwicklung unternehmen, war diese Arbeit vergebens. Und letztlich bleibt nur, dass sie sich f├╝gen. Dass sie ein „harmonisches“ Verh├Ąltnis im Gemeinderat anstreben und sich anpassen.

Glaubw├╝rdigkeit.

Mit sechs von 23 Sitzen haben sie die M├Âglichkeit, eine au├čerordentliche Gemeinderatssitzung einzuberufen. Und Fragen zur aktuellen Entwicklung zu stellen. Und sie k├Ânnen Antr├Ąge stellen und die Verwaltung beauftragen zu pr├╝fen, ob man „Pfenning“ nicht zwingen kann, seine Zusagen einzuhalten. Ob das gelingt, ist eine andere Frage. Man muss es politisch versuchen, wenn man glaubw├╝rdig bleiben will.

Ein Leserbrief, wie ihn Herr Heinisch geschrieben hat (├╝brigens nur an den MM und nicht auch an unsere Redaktion) ist letztlich nur „Wortgepl├Ąnkel“.

(Leider m├╝ssen wir immer wieder feststellen, dass sich gewisse Leute auf dem heddesheimblog Argumente und Haltungen holen und sich dann durch einen „Zeitungsabdruck“ „best├Ątigt“ f├╝hlen – vielleicht w├Ąre es an der Zeit, einfach mal einen Lernschritt zu machen und zu erkennen, dass es um Informationen und Argumente geht und nicht um Holz oder Bildschirm.)

Entscheidungen werden im Gemeinderat getroffen. Dort k├Ânnen Fragen gestellt werden, die beantwortet werden. So oder so. Dort k├Ânnen Antr├Ąge gestellt werden, die angenommen oder abgelehnt werden.

Gr├╝ne auf dem Weg ins Schaumschlagen?

Wenn die Gr├╝nen jetzt nicht die ihnen zur Verf├╝gung stehende Macht nutzen, ├╝ber eine au├čerordentliche Gemeinderatssitzung klare Stellungnahmen einzuholen und ein konsequentes Vorgehen gegen den Wortbrecher „Pfenning“ zu fordern, kann man sie getrost vergessen.

Dann war in Sachen „Pfenning“ alles nur „Schaumschl├Ągerei“ und „Gepumpe“, aber keine ernstzunehmende Opposition.

Bei der B├╝rgerbefragung hat die H├Ąlfte der Bev├Âlkerung das „Pfenning“-Projekt abgelehnt. 40 Stimmen mehr wurden „missbraucht“, um eine „Zustimmung“ zu propagieren. Damals waren die Gr├╝nen entt├Ąuscht ├╝ber die anderen Fraktionen.

Ohne einen aktuellen politischen Einsatz wird diese H├Ąlfte der Bev├Âlkerung mehr als entt├Ąuscht von den Gr├╝nen sein m├╝ssen und es kann als sicher gelten, dass die sechs Sitze bei der n├Ąchsten Wahl „Geschichte“ sind.

Um es klar festzuhalten: Ein „Leserbriefchen“ oder eine ├âÔÇ×u├čerung am Ende einer Gemeinderatssitzung zu „Anfragen“ sind eine M├Âglichkeit, ein wenig „Wind“ zu machen, aber unverbindlich zu bleiben.

Erwartungen.

Ich erwarte von den Gr├╝nen eine verbindliche und klare Haltung und ich erwarte, dass sie die ihnen zur Verf├╝gung stehenden M├Âglichkeiten nutzen. Wenn „Pfenning“ ohne Widerstand unter den „neuen Bedingungen“ baut, haben sich alle „Bef├╝rchtungen“ bewahrheitet. Und es war nichts „positiv“, wie G├╝nther Heinisch schreibt.

Ob es aber sein muss, dass „nichts mehr positiv“ wird, h├Ąngt von den Gr├╝nen ab und ob sie sich einbringen wollen, ob sie weiterhin gestalten wollen.

Tun sie das nicht, entt├Ąuschen sie alle, die geglaubt haben, dass die Gr├╝nen tats├Ąchlich gegen die „Logistik-Ansiedlung Pfenning“ sind. Die geglaubt haben, dass die Gr├╝nen die einzige Partei ist, die „aufpasst“.

Dann muss man davon ausgehen, dass die Gr├╝nen sich „arrangieren“ und f├╝gen.

Die Gr├╝nen m├╝ssen sich entscheiden, was sie wirklich wollen – die gro├če Rede zu schwingen, Schaum zu schlagen oder konsequent politisch zu agieren. Wer Verantworung will, muss auch bereit sein, sie zu ├╝bernehmen.

Und wie immer gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

P.S. A propos – die Gr├╝ne Liste Hirschberg hat auch „Schaum geschlagen“ in Sachen „Verkehrsgutachten“ – man wollte klagen und au├čer der Klage zum Klagenwollen ist nichts passiert. Und die IG neinzupfenning hat sich schon seit Herbst 2010 ├Âffentlich nicht mehr geregt.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich f├╝r dieses redaktionelle Angebot und seit 2009 partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim. Er hat sich umfassend mit dem Projekt auseinandergesetzt und nach sorgf├Ąltiger Pr├╝fung zu Vor- und Nachteilen dieser Ansiedlung wegen erheblicher Zweifel an der Seriosit├Ąt der Aussagen von „Pfenning“ gegen das Projekt entschieden und in allen Punkten abgelehnt.

Pfenning: Zusagen des „vertrauensw├╝rdigen Partners“ aus der Region gelten nicht mehr

Heddesheim, 15. Juli 2011. (red) Der Mannheimer Morgen macht heute mit drei Texten zum „Pfenning“-Projekt auf – oder dem, was davon ├╝brig ist: „Bestehende Lager ziehen vorerst nicht um“, hei├čt die ├â┼ôberschrift des Haupttextes. Und sogar ein Kommentar wird geschrieben. Und sogar die „Vertrauensfrage“ gestellt – leider kommt die Zeitung wie immer zu sp├Ąt und windelweich daher. Wie gewohnt, hat auch B├╝rgermeister Kessler f├╝r alles „Verst├Ąndnis“ und sieht den Wortbruch ganz im Gegenteil sogar „positiv“. Welche Interessen vertritt dieser Mann eigentlich?

Von Hardy Prothmann

Man m├Âchte gerne die Gesichter gewisser Gemeinder├Ąte, sagen wir eines Herrn Doll, eines Herrn Hasselbring und eines Herrn Merx sehen, wenn diese sich heute gem├╝tlich an den Tisch setzen und sich von ihren Frauen den Kaffee bringen lassen.

Sie schlagen die Zeitung auf, ihr ach-so-geliebtes Heimatorgan, wo alles immer so nett und sch├Ân ist und alle dankbar sind, ein Duft von Bratwurst auf tollen Festen vertr├Âmt wird und der Wettergott gn├Ądig ist.

Die Ãœberschrift:

„Pfenning: Bestehende Lager ziehen vorerst nicht um“

wird eventuell auf den Magen schlagen und „Bauchschmerzen“ ausl├Âsen – und zwar nicht durch zu starken Kaffee, sondern durch die Erkenntnis, dass vermutlich nichts von dem, was sie sich selbst und anderen beharrlich eingeredet haben, zutreffen wird.

Pfenning bricht Wort – das war klar

Die Frage war einfach: "Sie gehen fest davon aus, dass Sie nach Heddesheim kommen werden?". Die Antwort war noch einfach: "Ja" - 2009 hat uns Uwe Nitzinger ein Interview gegeben und Dinge behauptet, die 2011 nicht mehr stimmen. Klicken Sie auf das Bild, um das Interview zu lesen.

Die Herren und alle die anderen Wortf├╝hrer und Hurra-Rufer m├╝ssen langsam aber sicher „ein Einsehen“ haben, dass sie sich selbst und andere get├Ąuscht haben. Die Entschuldigung, sie seien get├Ąuscht worden, wird man nicht gelten lassen.

Denn zu gro├č und zu genau war die Kritik im Vorfeld an dieser unheiligen Entscheidung, die mit einer politischen „Mehrheitswillen“-Deutung der B├╝rgerbefragung anhand von 40 Stimmen absolut oder 0,7 Prozentpunkten relativ 2009 mit Manipulationsfragen der SPD durchgezogen worden ist.

Die CDU, die SPD und die FDP sind verantwortlich f├╝r alles, was an unangenehmen „Wahrheiten“ noch so kommt, aus Richtung „Pfenning“.

Das „regional-verwurzelte“ Unternehmen pflanzt nicht um. Die eindeutige, unmissverst├Ąndliche und klare Ansage des Unternehmens war aber: Wir konzentrieren unsere verteilten Standorte in Heddesheim. Das war unmissverst├Ąndlich und stand nicht zur Debatte. Ebenso der Umzug von 650 Mitarbeitern.

Optimal gelaufen – jetzt wird optimiert

Die Aussagen im Artikel des MM von heute belegen das Gegenteil – auch wenn es dem Artikel nicht anzumerken ist, ob auch nur eine konkrete Frage in dieser Richtung ├╝berhaupt gedacht worden ist.

Damit steht das ganze Konstrukt zur politische Debatte – was freilich auch nicht in dem Artikel steht. Denn schlie├člich hat der MM durch seine Jubel-Berichterstattung auch seinen Teil der Verantwortung an dem Debakel. Der Wortbruch wird nicht thematisiert – „Pfenning“ darf sich „erkl├Ąrend“ ├Ąu├čern, wie die Firma das will.

Denn rechtlich ist die Sache nach Ortsrecht entschieden. „Pfenning“ hat einen g├╝ltigen Bebauungsplan in der Tasche und kann sich Jahre Zeit lassen oder auch andere bauen lassen – solange man sich an die Vorgaben h├Ąlt, ist alles kein Problem. (Auch wenn noch ein Normenkontrollantrag anh├Ąngig ist, mit ungewissem Ausgang.)

Die unkritische Mehrheit im Gemeinderat unter F├╝hrung von B├╝rgermeister Michael Kessler hat alles durchgewunken und alles getan, um „Pfenning“ den Hof zu machen. „Pfenning“ hatte es erst ganz eilig und wollte 2013 fertig sein:

„Wir m├╝ssen expandieren“,

sagte Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger damals (siehe Interview auf dem heddesheimblog). Davon ist heute keine Rede mehr. Heute wird „optimiert“. Man hat keine Eile mehr, hei├čt es in dem Bericht des MM.

Puff – da waren sie dahin, die ganzen sch├Ânen Versprechungen.

Jetzt folgt die Quittung. Wenn „Pfenning“ an andere untervermietet, sind deren Standorte auch andere. Abgerechnet wird da, wo die Firmensitze der Mieter sind – nicht jedoch in Heddesheim. Die Arbeit wird in Heddesheim gemacht – aber die Einkommensteuerzulage findet nicht hier statt. Ebensowenig die Gewerbesteuer. Der Zuzug von Arbeitnehmern findet nicht statt. Deren Kinder gehen nicht auf die Johannes-Kepler-Schule, pardon, Karl-Drais-Schule. Es kommt keine Kaufkraft in den Ort. ├ľrtliche Handwerker k├Ânnen ihre Pl├Ąne, an dem Projekt Arbeit zu finden, erstmal vertagen.

Puff – da waren sie dahin, die „bis zu 1.000“ Arbeitspl├Ątze und die „erheblichen Gewerbesteuerzahlungen“. Das waren vor allem die Argumente eines Herrn Kessler und seiner Abnicker-Fraktionen. Aus der Traum.

Und der Verkehrslenkungsvertrag? Denn kann man wahrscheinlich getrost in der Pfeife rauchen, wenn Unternehmen fahren, die weder „Pfenning“ sind, noch f├╝r „Pfenning“ arbeiten. Vermutlich kann jeder mit seinen 40-Tonnern durch den Ort donnern, wie er will. Subunternehmer f├╝r Subunternehmer f├╝r Subunternehmer.

Und die Verlagerung des Firmensitzes? Laut MM-„Information“ soll die kommen, wenn „Pfenning“ umgezogen ist. Wenn „Pfenning“ aber gar nicht umzieht und „Neugesch├Ąft“ macht, wie es im Artikel steht? Dann braucht es auch keinen Firmensitz in Heddesheim – mal abgesehen davon, dass man nun merkt, dass sich „Pfenning“ eh nicht an Zusagen h├Ąlt und das vermutlich auch nie vorhatte.

Und B├╝rgermeister Kessler? Den befragt die MM-Redakteurin brav wie immer und zitiert ihn mit Verst├Ąndnis:

„Das muss man einem Unternehmen zugestehen, solche Optimierungsm├Âglichkeiten zu nutzen.“

In wessen Interesse handelt eigentlich „B├╝rgermeister“ Kessler?

Die Frage f├╝r Heddesheimer B├╝rgerinnen und B├╝rger ist, wie viel „Verst├Ąndnis“ man einem solchen B├╝rgermeister noch „zugestehen“ sollte? Handelt der Mann im Interesse Heddesheims und seiner B├╝rger? Oder hat er ganz andere Interessen?

Und ja, er sei ├╝ber die „Pl├Ąne“ informiert, zitiert ihn die Zeitung. Gut zu wissen. Der Gemeinderat ist es nicht. Und der Gemeinderat ist das oberste Organ der Gemeinde, nicht der B├╝rgermeister. Auch wenn der sich f├╝r die Gemeinde h├Ąlt.

Der Kommentar von Frau G├Ârlitz ist l├Ącherlich:

„Dass schon das Bebauungsplanverfahren so lange dauern w├╝rde, hatten die Viernheimer weder auf der Rechnung, noch selbst zu verantworten“,

schreibt sie in der Mitte des Textes und am Ende:

„Was von dem, was 2009 versprochen wurde, gilt noch? „Pfenning“ ist am Zug diese Frage zu beantworten. (…) Aus eigenem Interesse – und nicht erst auf Nachfrage.“

War die Dame seit 2009 in Gedanken woanders? „Pfenning“ handelt ausschlie├člich in eigenem Interesse und hat Nachfragen nicht oder nur d├╝rftig beantwortet oder auf gro├čen Druck. Glaubt vor G├Ârlitz tats├Ąchlich, dass sich daran etwas ├Ąndert? Nat├╝rlich hat „Pfenning“ mit seiner Intransparenz Verantwortung f├╝r einen Vertrauensverlust. Wie auch die „Ja-Sager“-Fraktionen.

War „Pfenning“ nur ein K├Âder f├╝r einen Immobiliendeal?

„Pfenning“ hat die Baugenehmigung in der Tasche und es kann dem Unternehmen egal sein, was die Heddesheimer von dessen Winkelz├╝gen halten. Die einzige Gefahr droht noch durch den Normenkontrollantrag eines einzelnen B├╝rgers, der klagewillig ist und sich das leistet.

Die Gemeinde Hirschberg hat in Sachen „Kreisel“-Gutachten eine Klage├╝berlegung zur├╝ckgezogen. Das Regierungspr├Ąsidium ein Gleis genehmigt, dass vermutlich auch nie gebaut wird.

Und „Pfenning“? War „Pfenning“ nur der K├Âder? Grundst├╝ckseigent├╝mer ist die Phoenix 2010 GbR von zwei Gesch├Ąftsleuten, die f├╝r sagenhaft g├╝nstige 47 Euro den Quadratmeter ein Filet-Grundst├╝ck erster Sahne erhalten haben. Samt g├╝ltigem Bebauungsplan. Ein aus deren Sicht grandioser Immobiliendeal – nat├╝rlich erst, wenn sie den Goldschatz ver├Ąu├čert haben.

Nicht vorstellbar? Warten wir es ab. Welcher Abnicker-Gemeinderat wird Nein sagen, wenn es hei├čt: „Tja, die Pl├Ąne waren anders, jetzt machen wir es anders. Wollt ihr, dass die ganze Arbeit umsonst war?“ Glaubt da wirklich jemand an „Einspruch“ oder sogar „Widerstand“? Im Leben nicht. Und wenn, w├Ąre er sowieso nutzlos.

Vielleicht ist alles auch ganz anders und „Pfenning“ hat sich verhoben. Auch das kann sein.

Und damit sind wir wieder bei Herrn Doll (CDU), Herrn Hasselbring (FDP) und Herrn Merx (SPD) . Die Fraktionssprecher werden erkl├Ąren m├╝ssen, dass sie besserwisserisch, ├╝berheblich und unkritisch ein Mega-Projekt bef├╝rwortet haben, dass sie nie verstanden haben.

Sollten sie es verstanden haben, haben sie die B├╝rger get├Ąuscht. Aus diesem Dilemma kommen sie nicht mehr heraus.

Wie auch immer – der Morgenkaffee wird nicht schmecken und „Bauchschmerzen“ sind garantiert.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich f├╝r dieses redaktionelle Angebot und seit 2009 partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim. Er hat sich umfassend mit dem Projekt auseinandergesetzt und nach sorgf├Ąltiger Pr├╝fung zu Vor- und Nachteilen dieser Ansiedlung wegen erheblicher Zweifel an der Seriosit├Ąt der Aussagen von „Pfenning“ gegen das Projekt entschieden und in allen Punkten abgelehnt.
In Sachen journalistischer Berichterstattung waren im Herbst 2010 drei Interviewanfragen an Herrn Nitzinger gegangen – einen Terminvorschlag von Seiten der Firma hat es nicht gegeben. Herr Nitzinger hatte entweder zu viel zu tun oder war in Urlaub.

Zeitungsstreik: „Finger weg vom Mantel“


Wer ist wir und bittet "um Verst├Ąndnis"? Das ist die einzige Information heute zum Streik der Angestellten beim MM. Gehts d├╝rftiger?

Mannheim/Rhein-Neckar, 28. Juni 2011. (red) ├â┼ôberall in Baden-W├╝rttemberg streiken zur Zeit Redakteure, Drucker und Verlagsangestellte. Der Grund: Die schamlose Forderung der Verleger, Tarifvertr├Ąge nicht nur nicht zu erh├Âhen, sondern im Gegenteil deutliche Einkommenseinbu├čen zu aktzeptieren. Die Zeitungsbranche├é┬á ist einer massiven Krise. Den Streik werden die Verleger gewinnen – wenn nicht, werden die Redaktionen umgebaut und die Verlage w├Ąhlen die Tarifflucht.

Von Hardy Prothmann

Beim „Mannheimer Morgen“ ist es der Tag der Volont├Ąre, freien Mitarbeiter und Praktikanten: Sie d├╝rfen endlich einmal ihr K├Ânnen unter Beweis stellen, w├Ąhrend 65 der 80 gestandenen Redakteure im Streiklokal sitzen und das weitere Vorgehen beraten. Vier Druckseiten d├╝nner ist das Blatt am Freitag. Horst Roth, Chefredakteur und Mitglied der Gesch├Ąftsleitung, ├Ąrgert sich ├╝ber den Ausstand: „Bei jedem Streik stehen wir in der ersten Reihe.“

So beginnt ein Bericht auf Spiegel Online am 30. Januar 2004. ├â┼ôber 2.000 der damals noch 14.000 Zeitungsredakteure waren damals im Ausstand. Die Forderungen der Gewerkschaften dju (Deutsche Journalisten-Union in ver.di) und DJV (Deutscher Journalistenverband) sind fast bescheiden zu nennen: Sie wollen, dass die Manteltarifvertr├Ąge f├╝r Redakteure, Drucker und Verlagsangestellte nicht angetastet werden. Also so eine Art Nullrunde.

20-25 Prozent weniger fordern die Verleger

Ganz anders die Verleger: Sie wollen neue tarifliche Regelungen und 20-25 Prozent weniger zahlen. Ein Redakteur steigt heute mit rund 3.200 Euro Brutto ein, nach zehn Jahren verdient er etwa 4.500 Euro brutto. Ein Beruftseinsteiger hat heutzutage typischerweise ein Studium hinter sich und eine ein bis dreij├Ąhrige Volontariatszeit, meist kommen ein bis zwei Jahre Praktika und freie Mitarbeit hinzu. Das bedeutet eine knapp zehnj├Ąhrige Ausbildung mit einem aus Verlegersicht angemessen Einstiegsgehalt von dann 2.400 Euro brutto.

2004 zitiert Spiegel online einen Redakteur der S├╝ddeutschen Zeitung:

Rainer Olbert, Nachrichtenredakteur der „S├╝ddeutschen Zeitung“, der wie 180 seiner Kollegen im S├╝ddeutschen Verlag die Arbeit niederlegte, l├Ąsst das Argument des FAZ-Betriebsrats nicht gelten: „Die Zeitungsverleger d├╝rfen die schwierige wirtschaftliche Lage nicht dazu nutzen, einen Horrorkatalog aufzustellen.“ Hinnehmbar sei eine Lohnerh├Âhung, die nur die Inflation ausgleiche, inakzeptabel sei aber, Leistungen zu k├╝rzen, sagt er.

Wie m├╝ssen die Arbeitnehmer in Verlagen heute die Lage sehen, wenn die Forderungen 2004 schon der „Horror“ waren? Als Super-Horror? Als Lohn-Gau?

Gerhard Vohs, Mannheimer ver.di-Sektret├Ąr im Fachberich 8 (Medienbetrieben, Journalismus, Kulturellen Einrichtungen, Bildender und Darstellender Kunst, Literatur und Musik, Druckindustrie, Papier, Pappe und Kunststoffverarbeitenden Betrieben, Betrieben der industriellen Dienstleistung) bringt die Forderung auf den Punkt: „Finger weg vom Mantel“.

Hei├čt, keine K├╝rzungen bei Urlaubsgeld – momentan erhalten Redakteure 14 Monatsgeh├Ąlter bei einer 35-Stunden-Woche. „2007 und 2008 waren Spitzenjahre f├╝r die Verlage, 2009 bis heute konnten die Zeitungen wohl nicht in gleichem Ma├če vom Aufschwung profitieren wie die erzeugende Industrie, aber immer noch wird gut verdient.“

Zweistellige Umsatzrenditen bei Verlagen

Wie gut, l├Ąsst sich nicht genau sagen, weil die Verlage sich nicht in die Karten schauen lassen. Mitte der Neunziger galten Umsatzrenditen von ├╝ber 20 Prozent noch fast als „normal“, mittlerweile m├╝ssen sich viele Verlag mit „nur noch“ zehn bis f├╝nfzehn Prozent „zufrieden geben“.

Auch wenn das Produkt nicht vollwertig ist - der Abonnent zahlt trotzdem. Quelle: Impressum MM

Um die Gewinne hoch zu halten werden die Redaktionen immer mehr ausged├╝nnt – redaktionelle Inhalte werden mit Pressemitteilungen und Vereintexten gef├╝llt. Freie Mitarbeiter f├╝hlen die Zeilen f├╝r einen Hungerlohn. Am ├╝belsten wird den meist freien Fotografen mitgespielt, die technisch immer auf der H├Âhe der Zeit sein m├╝ssen und nur noch Minimalsthonorare erhalten, wenn nicht freie Mitarbeiter ohne Fotografiekenntnisse die Bilder vor Ort gleich mitmachen.

Der dumme ist der Kunde

Laut Gerhard Vohs sind rund 80 Prozent der 80 Redakteure beim Mannheimer Morgen gestern und heute im Ausstand. Bei der Rhein-Neckar-Zeitung haben sich die Kollegen nicht angeschlossen, dort sei man „verunsichert“. Vohs sagt: „Die Stimmung ist fast ├╝berall in Baden-W├╝rttemberg so, dass wir vielleicht sogar eine ganze Woche in den Streik gehen k├Ânnten, das wird dann bitter, weil keine vorgefertigten Texte mehr da sind und nur noch echte Notausgaben erscheinen k├Ânnten.“

In den Zeitungen selbst wird kaum ├╝ber die Streik berichtet, die die eigene Branche betreffen.

Egal, wie die Verhandlungen ausgehen – die Abonnenten zahlen unabh├Ąngig vom Produkt und den Inhalten den vollen Preis. Auch hier zeigen die Verleger sich knallhart. Wem das nicht gef├Ąllt, kann nat├╝rlich das Abo k├╝ndigen. Bei den Tarifverhandlungen haben dju und DJV meist klein beigegeben – zu gro├č ist der Druck im Arbeitsmarkt. Abo-K├╝ndigungen aber f├╝rchten die Verleger, denn die Auflage diktiert immer noch die unversch├Ąmten Anzeigenpreise.

Ausgliedern als ultima ratio

Landauf- landab haben viele Verlage schon vorgemacht, wie sie damit umgehen, wenn die Gewerkschaften nicht spuren. Dann werden Redaktionen kurzerhand entlassen und neue GmbHs gegr├╝ndet, bei denen die Redakteure sich dann mit teil 40-prozentiger Einkommenseinbu├čen wieder verdingen k├Ânnen.

Wer nicht spurt, fliegt raus und kann sicher sein, nirgendwo anders einen Job zu erhalten – es sei denn, zu noch schlechteren Bedingungen.

Gl├Ąserner Gemeinderat: Herr Roth, ver├Âffentlichen Sie nur „genehme“ Leserbriefe?

Heddesheim/Mannheim, 10. Juni 2011. (red/pm) Der Mannheimer Morgen ist die gr├Â├čte Monopol-Zeitung der Kurpfalz – immer noch, obwohl die Zeitung (wie fast alle Zeitungen) seit Jahren Auflage und Leser verliert. Sicher h├Ąngt das auch mit der teils mangelhaften Qualit├Ąt des Produkts zusammen. Und einem Journalismus, der sich fragen lassen muss, wie „unabh├Ąngig“ er denn tats├Ąchlich ist. Der MM hat beispielsweise kein Interesse an kritischen Leserbriefen, die auch seine eigene Rolle hinterfragen.

Von Hardy Prothmann

Ein objektiver, unabh├Ąngiger Journalismus ist steht an Meinungsvielfalt interessiert. Das ist das Salz in der t├Ąglichen Nachrichtensuppe. Guter Journalismus ist stets bem├╝ht, m├Âglichst viele Menschen zu erreichen – auch aus gesch├Ąftlichen Gr├╝nden, je mehr Leser man erreicht, desto besser l├Ąsst sich das journalistische Produkt vermarkten.

Der Chefredakteur Horst Roth hat kein Interesse an Meinungsvielfalt. Das entspricht einer durchaus weit verbreiteten Haltung. Redaktionen entscheiden nicht mehr danach, was objektiv wichtig ist und die Menschen wissen sollten – zu oft lassen sie sich dabei freiwillig durch Parteien, Lobbyisten, Verb├Ąnde und nat├╝rlich Anzeigenkunden lenken. Oder die eigene Meinung, die wichtiger als die Lesermeinung ist.

Hinweis des MM. Quelle: MM

Dass eine „streibare Demokratie“ auch „Streit-“ im Sinne einer „Debattenkultur“ voraussetzt, ist in vielen Redaktionen l├Ąngst keine selbstverst├Ąndliche Haltung mehr. Zur „guten Sitte“ geh├Ârt normalerweise die Darstellung der unterschiedlichen Sichtweisen – journalistisch gesehen erh├Âht das die Spannung und das Interesse.

Eine Monopolzeitung muss das nat├╝rlich weniger ber├╝cksichtigen – ohne Konkurrenz kann sie sich erlauben, sich der gepflegten Langeweile hinzugeben. Da guter Journalismus auch teuer ist, die Verleger zweistellige Traumrenditen erwarten, nehmen Zeitungen gerne alles mit, was kostenlos ist. Schauen Sie mal aufmerksam auf die Artikel, wie viele mit „zg“ gezeichnet sind. Das hei├čt „zugeschickt“ – ist also kein redaktioneller Inhalt, wird aber als solcher f├╝r teuer Geld verkauft. Manchmal schreiben Redakteure ein paar S├Ątze um und ver├Âffentlichen das dann unter ihrem Namen – das ist Betrug am Leser.

Mein Leserbrief zu einem Kommentar der Redakteurin Anja G├Ârlitz wird – obwohl kostenloser Inhalt – nicht ver├Âffentlicht. Und obwohl er sicher f├╝r „Spannung“ sorgen w├╝rde. Das Problem scheint zu sein, dass ich darin auch den Mannheimer Morgen kritisisere und die Zeitung keinen Mumm hat, sich dieser Kritik zu stellen. Sie finden den Brief im Anhang.

Vielleicht gibt es aber andere Gr├╝nde. Deswegen habe ich den Chefredakteur, Herrn Roth, angeschrieben, um diese in Erfahrung zu bringen. Leider muss ich vermuten, dass ich keine Antwort erhalte, was auch auch eine Antwort ist.

Sch├Âne Pfingsten w├╝nscht
Ihr

Den Leserbrief an den MM finden Sie hier.

Klicken Sie auf die Grafik f├╝r eine gr├Â├čere Darstellung.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist inhaltlich verantwortlich f├╝r dieses journalistische Angebot. In Heddesheim ist er partei- und fraktionsfreier, ehrenamtlicher Gemeinderat.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit – der Fall Kachelmann ist beispielhaft f├╝r den „Fall“ des Mannheimer Morgens


Journalistisch nur verloren und nichts gewonnen hat vor allem der MM. Quelle: MM

Mannheim/Rhein-Neckar/Deutschland, 31. Mai 2011 (red) ├â┼ôberall in Deutschland wurde gestern schon ├╝ber den Freispruch von J├Ârg Kachelmann berichtet. Der Prozess um eine mutma├čliche Vergewaltigung hat seit gut einem Jahr deutschlandweit Schlagzeilen gemacht. Bunte, Focus, Bild und Spiegel haben die Berichterstattung „vorangetrieben“. Ein wenig auch die Agenturen. Mit Sicherheit auch „das Internet“. Keine Rolle hingegen spielte der Mannheimer Morgen.

Von Hardy Prothmann

Um eines klipp und klar festzustellen: Die meisten gro├čen Medien haben im „Fall Kachelmann“ nicht nur versagt, sondern deutlich gemacht, wie erb├Ąrmlich es um den „Journalismus“ in Deutschland bestellt ist. Allen voran Alice Schwarzer, die sich f├╝r sich f├╝r Bild ins Zeug gelegt hat und Gisela Friedrichsen f├╝r den Spiegel.

Schl├╝pfriger Journalismus

Scheckbuch-Journalismus ├â┬í la Bunte, 50.000 Euro f├╝r ein Interview mit einer Ex-Geliebten, die schl├╝pfrige Details erz├Ąhlt, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Prozess an sich zu tun haben, ist nur Blick in den pornografischen Abgrund des „Unterhaltungsjournalismus“ gewesen.

Bis heute fehlt eine Distanzierung durch den „allseits geachteten“ Dr. Hubert Burda ├╝ber die Verfehlungen in und durch seine Medien in diesem „spektakul├Ąren“ Prozess.

Verlierer-Journalismus

Der Mannheimer Morgen kommentiert heute: „Nur Verlierer.“ Und urteilt wahr und richtig. Der angebliche Vergewaltiger Kachelmann ist ein Verlierer. Das angebliche Vergewaltigungsopfer, eine Radiomoderatorin, ist eine Verliererin. Das Mannheimer Landgericht ist ein Verlierer. Die Staatsanwaltschaft ist eine Verliererin.

Und der Mannheimer Morgen hat auf ganzer Linie versagt und verloren. Der lokale Platzhirsch spielte journalistisch auch nicht den Hauch ein Rolle in diesem Drama. Kennen Sie eine exklusive Meldung der Zeitung in dem Fall? Eine Nachricht von Bedeutung? Die eine Rolle gespielt h├Ątte? Die etwas oder jemanden bewegt h├Ątte? Nein? Ich auch nicht.

Die Presseerkl├Ąrung des Landgerichts besch├Ąftigt sich fast nur am Rande mit dem Prozess und dem Urteil. Zentraler Inhalt ist ein Frontalangriff auf „die Medien“.

Frontalangriff auf die Medien

Und dieser Angriff aus der Verteidigungsposition heraus ist sogar nachvollziehbar. Die Richter waren in ungekanntem Ausma├č Teil der Berichterstattung. Vor allem negativer. Wie fatal unprofessionell die Richter sich verhalten haben, reflektieren sie dabei nicht. Sonst m├╝ssten sie sich ja nicht in diesem unerwarteten Ma├č beschweren und rechtfertigen.

Dieser Frontalangriff galt mit Sicherheit nicht dem Mannheimer Morgen. Der hat sich weder durch schl├╝prige Details noch durch andere Informationen hervorgetan, sondern alle anderen Medien in seinem Vorgarten spielen und eine riesige Verw├╝stung anrichten lassen.

Journalistischer Ehrgeiz? Kein Funke

Nicht einmal war der Funke eines journalistischen Ehrgeizes erkennbar. Der Wille, mit solider Recherche oder starker Meinung oder Lokalkompetenz so exklusiv und ├╝berzeugend zu sein, dass andere „gen├Âtigt“ werden zu schreiben: „Wie der Mannheimer Morgen berichtet…“

(Falls es doch einmal in einem Jahr gelungen sein sollte, erkenne ich das nach in Kenntnissetzung an und bitte um Hinweis auf Korrektur bevor eine mit Kosten verbundene Abmahnung geschrieben werden sollte.)

Heute morgen werden die Menschen in den Spiegel schauen und sich vielleicht die ein oder andere Frage dabei stellen.

Der Strafverteidiger Johann Schwenn wird vermutlich denken: Guter Job!

J├Ârg Kachelmann wird denken: Nein, danke.

Alice Schwarzer wird denken: Doch!

Gisela Friedrichsen wird denken: Wie ungerecht!

Die Radiomoderatorin wird denken: (Nicht-├Âffentlich)

Stefan Eisner (unbekannter MM-Redakteur, der den Kommentar geschrieben hat.) denkt: Nur Verlierer.

Horst Roth, der MM-Chefredakteur wird denken…

Keine Ahnung, was Herr Roth denkt.

Vermutlich denkt er. Irgendwas. Dass er auch nur im Ansatz dar├╝ber nachgedacht hat, wie man diesen Prozess journalistisch „top“ begleitet, darf man getrost in Frage stellen. Und wenn das so gewesen sein sollte, war er leider nicht erfolgreich.

Lordsiegelbewahrer der gepflegten Bratwurstberichterstattung

Herr Roth darf sich gerne aber als „Lordsiegelbewahrer“ f├╝hlen, denn er f├╝hrt eine lange Tradition fort. Ob „K├Ânigsmord der SPD„, Peter Graf-Prozess, Flowtex-Skandal, aktuell Bilfinger & Berger und die Nigeria-Connection – seit nunmehr fast 15 Jahren ist der Mannheimer Morgen kaum mehr in der Lage, eine „Nachrichtenquelle“ f├╝r andere Medien zu sein.

Terminberichterstattung, Fasnacht, Vereine, Bratwurstjournalismus und „desh├Ąmmerschunimmersogemacht“ bestimmen die journalistische Minderleistung dieser ehemals geachteten Zeitung.

Dabei ist Mannheim ein deutsche Metropole. Eine Top-Stadt, in der „was geht“ – immer wieder. Mit 300.000 Einwohnern ist die Stadt nicht sehr gro├č, aber sie hat gro├čes Potenzial. Politisch, kulturell, wirtschaftlich und sportlich.

Der Mannheimer Morgen bildet das leider so gut wir gar nicht ab. Er bedient die lokalen Zirkel und vor allem seinen Terminkalender, schaut dabei hilflos der sinkenden Auflage zu und feiert sich selbst daf├╝r… Wof├╝r? Vermutlich, dass es ihn ├╝berhaupt noch gibt.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit ist kaum an einer anderen Zeitung so „dokumentierbar“ wie am Mannheimer Morgen.

 

Vergurkte Berichterstattung – Panikmache made by „Qualit├Ątsjournalismus“


Mannheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 28. Mai 2011. (red) Die Erregung ├╝ber Erreger hat zwei Ursachen – einerseits ein Qualit├Ątsproblem bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Andererseits ein Qualit├Ątsproblem bei der Erzeugung von Nachrichten. Die Verbraucher sind verunsichert – als Konsumenten von Nahrungsmitteln. Dabei sollten sie als Konsumenten von Informationen viel vorsichtiger sein. W├Ąhrend man dem Darmkeim auf der Spur ist und erkrankte Patienten behandelt, zeigt sich, dass der Journalismus als Massenprodukt chronisch krank ist und vielleicht auch chronisch krank macht.

Von Hardy Prothmann

Bildblog.de listet die millionenfach gelesenen falschen Schlagzeilen auf. Quelle: bildblog.de

Viele Spiegel-Leser fangen hinten an: „Dem R├╝cken die Stirn bieten“ (├ľffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach), „Ehrliche Personen gesucht, auch Akademiker“ (Kleinanzeige Rheinpfalz), „Senioren sind mit 35 noch sehr r├╝stig“ (Rhein-Zeitung) und andere Kuriosit├Ąten gibt es im „Hohlspiegel“ zu lesen. Die Patzer, ob im Redaktionellen oder im Anzeigenteil sind teils wirklich am├╝sant bis saukomisch.

Gar nicht am├╝siert sind die Verbraucher ├╝ber kontaminiertes Gem├╝se, das beim Verzehr zur Infektion mit dem EHEC-Keim f├╝hren kann, woraus sich ein lebensbedrohliches h├Ąmolytisch-ur├Ąmischen Syndrom (HUS) ergeben kann.

Ebenfalls nicht am├╝siert, sondern stinksauer sind Landwirte und Handel.

Kaninchen, Kommunalpolitik, Killerkeime

In den meisten Redaktionen arbeiten keine kenntnisreichen Mediziner, die alles ├╝ber EHEC und HUS wissen. Vor allem in Lokal- und Regionalmedien arbeiten ├╝berwiegend Journalisten, die von der Kaninchenz├╝chterschau bis zur Kommunalpolitik ├╝ber alle m├Âglichen Themen berichten m├╝ssen. Sie sind aber meist auch keine kenntnisreichen Kaninchenz├╝chter oder Kommunalpolitiker.

Das m├╝ssen sie auch nicht sein. Die einfache L├Âsung, um die Welt zu verstehen, ist der gesunde Menschenverstand. Und den kann man durch Recherche erweitern, wenn es um Spezialwissen geht. Eine einfache Regel lautet: Informationen immer durch eine zweite Quelle ├╝berpr├╝fen.

Die Weinheimer Nachrichten warnen vor Salat und Tomaten "aus" Norddeutschland - wer warnt die Leser vor falschen Informationen? Quelle: WNOZ

Es gibt aber noch eine andere L├Âsung und die f├╝hrt zum Dauerd├╝nnpfiff vieler Redaktionen: Man l├Ąsst das mit dem ├╝berpr├╝fen weg und verl├Ąsst sich lieber auf andere. Im „gro├čen“ Teil der Zeitung, also Politik, Wirtschaft und Sport werden Informationen der Nachrichtenagenturen ungepr├╝ft ├╝bernommen. Der Glaube an die Korrektheit dieser Informationen ist immer noch sehr hoch. Dazu kommen Zeit- und Arbeitsdruck – eine ├â┼ôberpr├╝fungsrecherche findet nicht mehr statt.

Krankheitsverlauf einer Meldung

Am Mittwochabend, den 25. Mai 2011, schickt die Deutsche Presseagentur eine Meldung zu EHEC an die Redaktionen. Diese Meldung wird am n├Ąchsten Tag landauf, landab in millionenfach verteilten Zeitungen stehen. Darin werden die Experten vom Robert-Koch-Institut (RPI) (angeblich) zitiert:

„Vorsorglich sollte man auf rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland komplett verzichten.“

Tats├Ąchlich ist das Zitat falsch. Nicht vor dem Verzehr von Gem├╝se „aus Norddeutschland“, sondern vor dem Verzehr „in Norddeutschland“ wurde in der Pressemitteilung des RKI gewarnt:

(…) empfehlen RKI und BfR ├╝ber die ├╝blichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und Gem├╝se hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren.

Millionenfach verbreitete "D├╝nnpfiff"-Meldung - auch der MM warnt vor Gem├╝se "aus" Norddeutschland. Quelle: MM

Die Worte „in“ und „aus“ sind klein. Man k├Ânnte jetzt sagen: „Darum so ein Aufheben zu machen, ist doch dibbelschisserig.“ Tats├Ąchlich ist der vom Mediensystem erzeugte Schaden aber maximal. Verbraucher in ganz Deutschland sind verunsichert und die deutsche Landwirtschaft sowie der Handel haben einen massiven ├Âkonomischen Schaden, weil Tomaten, Salat und Gurken kaum noch gekauft werden. Diese Produkte sind frisch und verderblich – was nicht verkauft wurde, muss entsorgt werden.

Vergurkte Berichterstattung

Auch in der Metropolregion ver├Âffentlichen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung die verseuchte inhaltlich falsche dpa-Meldung ohne Qualit├Ątskontrolle. Dabei w├Ąre die denkbar einfach: Ein Klick auf Robert-Koch-Institut f├╝hrt direkt zur Quelle.

Doch daf├╝r muss man wachsam sein und Informationen aufmerksam „verarbeiten“. Bei einem Redakteur muss die Alarmglocke anspringen, wenn er „rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland“ liest. Kann das sein? Denn die Konsequenz ist weitreichend. Dieses Gem├╝se wird sich nicht mehr verkaufen lassen. Auch andernorts wird sich Gem├╝se nicht mehr verkaufen lassen, wenn nicht klipp und klar feststeht „woher“ dieses stammt.

Kaum Herkunftsnachweise – kaum Kennzeichnungen

Leider nutzen viele Menschen das „geistige Nahrungsmittel“ Zeitung nicht mit derselben Aufmerksamkeit. Sie w├╝rden dann n├Ąmlich viel h├Ąufiger fragen, „woher“ die Informationen stammen, die ihnen da vorgesetzt werden.

Aufmerksame Leser wissen l├Ąngst, dass gro├če Teile im „gro├čen Teil“ der Zeitung nicht gegenrecherchierte Agentur- oder PR-Meldungen sind. Und selbst wenn es eigenst├Ąndig verfasste Artikel sind, gibt es h├Ąufig nur eine Quelle und die ist ebenfalls h├Ąufig auch noch tendenzi├Âs.

Auch die Lokal- und Regionalteile der Zeitungen sind voll von Informationen unbekannter Herkunft. Oft werden sie gar nicht angegeben oder verschleiert. Das K├╝rzel „zg“ beispielsweise steht f├╝r „zugeschickt“.

Zeitungsartikel als „C“-Ware

Was die Zeitungen gerne als „1A-Ware“ verkaufen, ist in wirklich nur „B“- oder „C“-Ware, ein wenig umverpackt und aufgeh├╝bscht, aber im Kern einfach nur ein Massenprodukt nicht lokaler oder regionaler Herkunft. Die Zeitungen k├Ânnen diese Agenturmeldungen billiger einkaufen, als wenn sie selbst Redakteure recherchieren lie├čen oder sogar ganz umsonst, wenn sie Pressemitteilungen ver├Âffentlichen. Oder sogar noch etwas verdienen, wenn sie als Artikel getarnte „PR-„Meldungen abdrucken.

Teuer bezahlen muss das der Kunde.

Die medienkritische und immer wieder lesenswerte Internetseite „Bildblog“ berichtete, dass die dpa und andere Agenturen klammheimlich in weiteren Meldungen das Wort „aus“ durch die korrekte Zitierung „in“ ersetzt haben. Ein deutlicher Hinweis an die Leserinnen und Leser fehlt im Mannheimer Morgen, in den Weinheimer Nachrichten und der Rhein-Neckar-Zeitung sowie vermutlich in allen deutschen Zeitungen.

Denn im „Fehler unterstellen“ sind deutsche Medien f├╝hrend – im Fehler eingestehen sind sie Schlusslicht. Qualit├Ąt geht anders. Doch vor einer Darmspiegelung hat das System Angst – man sp├╝rt die Geschw├╝re und will gar nicht genau wissen, wie schlimm es um den Patienten Zeitung schon steht.

Der Gurkenskandal wird vor├╝bergehen, der mediale D├╝nnpfiff wird bleiben. Die Ansteckungsgefahr innerhalb des Mediensystems ist enorm hoch.

Die RNZ berichtet am 26. Mai 2011 die falsche Information "aus Norddeutschland". Quelle: RNZ

Einen Tag sp├Ąter hei├čt es korrekt "in" - eine Klarstellung an die Leser fehlt. Quelle: RNZ

MM: Trauriger Bericht ├╝ber traurigen Tag

Heddesheim, 06. April 2011. (red) Der Mannheimer Morgen berichtet heute ├╝ber einen „traurigen Tag f├╝r die Gemeinde“ – und schl├Ągt ein weiteres Kapitel seiner Non-Sense-Berichterstattung auf.

Von Hardy Prothmann

„Ein St├╝ck Kultur und Tradition“, geht verloren, hei├čt es heute im Mannheimer Morgen ├╝ber das vermeintliche „Aus“ f├╝r den Tabakstandort.

Das schreibt die Zeitung, die das Wort „Tabakgemeinde“ in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 248 in 206 Artikeln benutzt hat. Allein in den vergangen Jahren wurde das Synonym „Tabakgemeinde“ f├╝r Heddesheim in 130 Artikeln insgesamt 159 Mal verwendet.

"Heimatt├╝melige" Berichterstattung. Quelle: MM

Absurd, denn 2007 waren es noch sieben, zuletzt waren es noch vier landwirtschaftliche Betriebe, die in Heddesheim noch Tabak angebaut haben, vor allem den Badischen Geudertheimer, einen Zigarrentabak und Virgin. Ãœbrig bleibt Alois Bach, der noch ein wenig Virgin anbaut.

Die Produktionsfl├Ąche f├╝r den Tabakanbau, der seinen H├Âhepunkt 1939 (sic!) hatte, lag damals bei gut 300 Hektar und 2007 nur noch bei 55 Hektar. Die 20 Hecktar Anbaufl├Ąche, die k├╝nftig mit einem der gr├Â├čten Logistizentren der Region („Pfenning“) bebaut sein werden, galten als bester „Tabakgrund“.

Im Ort gibt es noch einige Tabakscheunen, die mehr oder weniger nur zum Trocknen der Pflanzen nutzbar sind. Der Tabakanbau gilt als knochenharte Arbeit – vor allem die Ernte ist kr├Ąftezehrend und aufwendig. Solange das aber gutes Geld brachte, baute man die Pflanze eben an.

Seit vielen Jahren ist der Tabakanbau aber schon l├Ąngst kein echtes Gesch├Ąft mehr, sondern lebte nur von massiven Subventionen. Rund 6 Euro pro Kilo w├╝rde der Heddesheimer Tabak auf dem Weltmarkt kosten. Der marktf├Ąhige Preis liegt bei zwei Euro. Der Tabak wurde also bis Ende 2009 mit zwei Dritteln subventioniert. Durch Steuergelder.

Auch von Nicht-Rauchern. Und von einer Europ├Ąischen Union, die sich dem Nicht-Raucher-Schutz verschrieben hat. Absurd? Ganz sicher. Aber Realit├Ąt. Die Tabakindustrie wurde verpflichtet 3 bis 5 Prozent der Einnahmen f├╝r Rauchschutzinformationen auszugeben. W├Ąhrend Erzeuger mit zwei Dritteln subventioniert wurden, sagt die Gro├čhandelsfirma Jakob Metz KG im pf├Ąlzischen Herxheim. Dort hat man auch schon reagiert und die Landwirte bauen nun Kr├Ąuter an.

Gleichzeitig liegen die „Folgekosten“ im mehrstelligen Milliardenbereich bei der Behandlung von Krankheiten durch Tabakmissbrauch.

Was also, bitte sch├Ân, ist „traurig“ daran, wenn auf Heddesheimer Gemarkung der Tabakbau nun mehr oder weniger eingestellt ist? Die Gemeinde Heddesheim ist schon seit Jahrzehnten keine Gemeinde mehr, die vom Tabak lebt.

Rupert Bach - auch sein Betrieb baut keinen Tabak mehr an, weil es sich nicht mehr lohnt.

Der Mannheimer Morgen vewendete den Begriff Tabakgemeinde diametral inflation├Ąr zur tats├Ąchlichen Situation in den vergangenen Jahren. Warum, bleibt sein Geheimnis. Eine Erkl├Ąrung w├Ąre, dass er es „heimatt├╝meln“ lassen will. Selbst im aktuellen Bericht wird am Ende des Textes „ein Funken Optimismus sp├╝rbar“. So sind sie meist konstruiert, die Texte jenseits von Sinn und Verstand – am Ende muss immer alles gut werden oder sein.

Ist es traurig, dass die Bauern keine absurd hohen Subventionen mehr bekommen? Ganz sicher nicht, weil die Subventionspolitik schon lange von vielen als Skandal begriffen wird und es kaum noch vermittelbar ist, warum eine kleine Gruppe von Wirtschaftsbetrieben insgesamt die h├Âchsten Zuwendungen erh├Ąhlt.

Ist es traurig, dass osteurop├Ąische Erntehelfe keinen Knochenjob mehr machen m├╝ssen? Das ist sicherlich bedauerlich f├╝r die Arbeiter, die hier zwar Hungerl├Âhne erhalten, die aber in ihrer Heimat die Familien ern├Ąhren.

Ist es traurig, dass 20 Hektar bestes Ackerland f├╝r den Bau eines Logistikzentrums auf alle Zeit vernichtet werden? Das ist eine Frage der Perspektive. Ganz sicher nicht aus Sicht des Heddesheimer B├╝rgermeisters Michael Kessler und der Mehrheit im Gemeinderat, die durch das Logistikzentrum die „Zukunft Heddesheims“ als „gesichert“ versprechen.

Derselbe B├╝rgermeister Kessler lobt zu jeder anderen Gelegenheit den Ort als „Sportgemeinde“ – wie man Tabak und Rauchen und Sport als gleichzeitige Identifikationsmerkmale f├╝r ein und dieselbe Gemeinde unter einen „Hut bekommen soll“, muss niemand verstehen. Es bleibt absurd.

Homepage der Gemeinde Heddesheim. Bretter von Tabakscheunen und eine stilisierte Scheune als Logo halten die "Tradition" des Tabakbaus hoch. Quelle: Gemeinde Heddesheim

„Bald erinnert nur noch der Tabakbrunnen, der als Denkmal gesetzt wurde, an diese vergangene Zeit“, schreibt der MM weiter. Auch das ist ausgemachter Bl├Âdsinn. Die Gemeinde Heddesheim hat sich gerade ein „neues“ Corporate Design gegeben – mit stilisierten Tabakscheunen, die an die „gute, alte Zeit“ erinnern sollen.

Klar, es gibt sie noch, vereinzelt, die Tabakscheunen im Ort- unn├╝tzige Geb├Ąude, die l├Ąngst ihre Aufgabe verloren haben und f├╝r kaum einen anderen Zweck zu gebrauchen sind. Selbst ein Landwirt wie Rupert Bach hatte in den vergangenen Jahren seinen Tabak in speziellen Zelten getrocknet. Das war effektiver als in den „traditionellen Scheunen“.

Die „jungen Landwirte m├╝ssen sich neue Aufgabengebiete suchen“, hei├čt es weiter in der Zeitung. Auch das ist nur bedingt richtig – die jungen Landwirte haben das l├Ąngst getan und bauen zur Zeit eine Biogas-Anlage auf dem Gel├Ąnde der Familie Rupert Bach.

Dort wird Industriemais zu Biogas verarbeitet werden. Mit Romantik oder „Naturverbundenheit“ hat die moderne Landwirtschaft nur noch in den seltensten F├Ąllen etwas zu tun. Landwirtschaft war lange Zeit eine subventionierte Lebensmittel erzeugende Wirtschaft und wandelt sich nun in Teilen zu einer Energiewirtschaft.

Und mit der Zeit wird die Einsicht wachsen, dass eine „Biogas-Anlage“ nur wenig mit „Bio=Gut“ zu tun hat. Diese Anlagen erzeugen keine „Bio-Lebensmittel“, daf├╝r aber CO2, besser bekannt als Treibhausgas.

Diese Zusammenh├Ąnge will oder kann der Mannheimer Morgen nicht darstellen. Wenn Sie noch Abonnent der Zeitung sein sollten, schreiben Sie doch mal die Redaktion an und fragen Sie nach. Die Antwort – so sie denn kommen sollte – d├╝rfen Sie gerne an uns weiterreichen.

Gastbeitrag: „Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein.“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/W├╝rzburg, 29. M├Ąrz 2011. (Main-Post/red) Die W├╝rzburger Main-Post leistet sich einen „Leser-Anwalt“. Anton Sahlender, Mitglied der Chefredaktion, nimmt Leserfragen und -beschwerden entgegen, pr├╝ft die Inhalte und ver├Âffentlicht im Anschluss die Ergebnisse. Ein vorbildlicher Service, wie wir meinen.

Vorbemerkung: Aktuell geht es um einen B├╝rgermeister, der seiner gesetzlich festgelegten Auskunftspflicht nicht nachkommt. Die Main-Post hat deshalb sogar eine Klage angestrengt und gewonnen. Die Reaktionen sind „schmerzhaft“ f├╝r die Zeitung – es werden b├Âse Unterstellungen ge├Ąu├čert und Abos abbestellt. Nur, weil die Zeitung die Presse- und damit die Meinungsfreiheit verteidigt, gegen einen B├╝rgermeister, der sich nicht an die Gesetze h├Ąlt und den Artikel 5 Grundgesetz ├╝ber die Meinungsfreiheit und das Presserecht mit F├╝├čen tritt.

"Leseranwalt" Anton Sahlender sorgt f├╝r Transparenz bei der W├╝rzburger Main-Post. Quelle: MP

Von Anton Sahlender, Leseranwalt der Main-Post

Der Leseranwalt: Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein – f├╝r Betroffene und f├╝r Redaktionen

Je nachhaltiger Journalisten ihre Freiheiten nutzen, desto mehr m├╝ssen sie selbst ertragen k├Ânnen. Denn der Presse Freiheit ist auch schmerzhaft. Zuerst f├╝r Betroffene, dann aber oft auch f├╝r Redaktionen.

Hier aktuelle Kostproben: Der B├╝rgermeister einer Kleinstadt wird in der Zeitung h├Ąufig f├╝r seine Amtsf├╝hrung kritisiert. ├â┼ôber einen langen Zeitraum gibt er dazu immer wieder neu Anlass. Er pflegt eine wenig b├╝rgerfreundliche Geheimhaltung von Amtshandlungen und kommt seiner Auskunftspflicht gegen├╝ber Medien nur unzureichend nach. Das sagt nicht nur die Redaktion, sondern auch das Verwaltungsgericht in einer Entscheidung.

Auskunftpflichten gegen├╝ber Journalisten sind B├╝rgermeistern und Amtsleitern per Gesetz vorgeschrieben. Medien m├╝ssen in einer Demokratie ungehindert ├╝ber politisches und amtliches Handeln informieren k├Ânnen. In der Kleinstadt ist die Folge der redaktionellen Nachhaltigkeit f├╝r B├╝rgers Information nicht nur Lob. Proteste und sogar Abbestellungen sind eingetroffen. Darunter Zuschriften, in denen der Redaktion Menschenjagd und allerlei weitere journalistische Tods├╝nden vorgeworfen werden. Au├čerdem schimpft man: Die Zeitung schade der ganzen Stadt.

Ein anderer B├╝rgermeister wollte letzte Woche verbieten, dass Informationen ├╝ber den Haushalt, die er an Journalisten verk├╝ndete, ver├Âffentlicht werden, bevor der Stadtrat sie beschlossen hat. Diese Zeitung mochte Lesern aber nicht nur vollendete Tatsachen bieten. Sie hat gleich berichtet. Des B├╝rgermeisters Androhung presserechtlicher Schritte blieb wirkungslos: Denn Redaktionen haben die (Presse-)Freiheit, selbst ├╝ber die Bedeutung einer Nachricht zu entscheiden und somit dar├╝ber, wann sie erscheint.

Zu meiner Sammlung von Reaktionen auf die Freiheit, auch Meinungen vielf├Ąltig zu vertreten, geh├Ârt neuerdings diese Klage: „Lesen Sie die ├Ątzenden und abf├Ąlligen Kommentare eines Henry Stern gegen Franz Josef Strau├č und alle Nachfolger. Gewollt h├Ąssliche Bilder unserer Kanzlerin Merkel und b├Âsartige Karikaturen eines Dieter Hanitzsch schlagen in die gleiche Kerbe. ├â┼ôberparteilichkeit stelle ich mir anders vor.“ – Ich ahne das Wie dieser Vorstellung. ├â┼ôberdies war Strau├č schon nicht mehr unter uns, als Henry Stern M├╝nchner Korrespondent wurde.

Das waren Momentaufnahmen, keine Klagen. Journalisten muss man nicht m├Âgen. Verst├Ąndnis f├╝r Pressefreiheit in einer Demokratie aber, die muss jeder ertragen k├Ânnen. Mit der Abbestellung einer Zeitung kann man sie jedenfalls nicht abschaffen.“

Anmerkung der Redaktion:
Wir stehen mit Anton Sahlender vor allem ├╝ber Facebook in regelm├Ą├čigem Kontakt und sind in journalistischen Fragen nicht immer einer Meinung ;-).

Aber wir unterst├╝tzen nat├╝rlich gerne als Berufskollegen aus Solidarit├Ąt die Haltung hinter dieser Ver├Âffentlichung und haben darum gebeten, den Text ├╝bernehmen zu d├╝rfen. Herr Sahlender hat dem umgehend zugestimmt.

Wir handeln aber auch nicht ganz uneigenn├╝tzig, sondern im Interesse unserer Leserinnen und Leser, da wir das Ph├Ąnomen von auskunftsunwilligen Beh├Ârden sehr gut kennen. Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler ist so ein „Spezialfall“, der seiner Auskunftspflicht erst nachgekommen ist, nachdem er einen durch uns veranlassten „freundlichen Hinweis“ erhalten hat. Bis heute versucht er weiterhin unsere Arbeit mit allen m├Âglichen Mitten zu behindern.

Unterst├╝tzt wird er dabei vom Mannheimer Morgen – einer Zeitung der Solidarit├Ąt unter Journalisten nichts gilt. Ganz im Gegenteil. Man hat den Eindruck, dass es der Zeitung sehr recht ist, wenn „die Konkurrenz“ Probleme hat und man sich dadurch einen Vorteil verspricht. Das ist bedauerlich, liegt aber allein im Ermessen der Zeitung und geh├Ârt anscheinend zur „Unternehmenskultur“.

Der Mannheimer Morgen ist dabei in guter Gesellschaft – viele deutsche Monopolzeitungen haben sich mit ├Ârtlichen „Interessenvertretern“ aus Politik und Wirtschaft verbandelt. Dementsprechend manipuliert ist die Berichterstattung. Siehe Stuttgart21 beispielsweise. (stern ├╝ber den Filz von Politik, Geld und Medien)

Die Haltung der Main-Post ist aus unserer Sicht vorbildlich und entspricht dem, was man als Leserin oder Leser von Medien erwarten k├Ânnen muss: Eine unabh├Ąngige und kritische Berichterstattung.

Heddesheims Hauptamtsleiter Julien Christof ist Freizeitjournalist, Blogger, Wahlk├Ąmpfer. Mit dem Segen seines Chefs


Heddesheim/Osterburken, 24. M├Ąrz 2011. (red) B├╝rgermeister Michael Kessler hat ein Problem mit neuen Medien: „Twitterei“ und Blogs sind ihm suspekt. Auch Journalisten sind im suspekt. Journalisten, die neue Medien benutzen, findet er gar „ekelhaft„. Sein Hauptamtsleiter Julien Christof hingegen ist ein Experte. Er nutzt die neuen Medien rege – als ├╝berzeugter CDU-Parteimann, Mitglied des Kreisvorstands, Pressesprecher, Internetbeauftragter und aktiver Wahlk├Ąmpfer im Landtagswahlkampf. Und bet├Ątigt sich dann und wann auch noch als Journalist. Das macht er selbstverst├Ąndlich alles in seiner Freizeit.

Julien Christof findet es gut, die Gr├╝nen als "Dagegen-Partei" zu benennen. Quelle: JU NOK Facebook

Als Hauptamtsleiter gibt Julien Christof immer den neutralen Beamten in Diensten der Gemeinde. Sobald er Freizeit hat, ist er aber ein gl├╝hender Parteisoldat in Diensten der CDU.

Nicht einfach ein Mitglied, auch nicht einfach ein aktives Mitglied├é┬á – nein, Julien Christof mischt ganz vorne mit.

Ausgef├╝llte Freizeit als Journalist und Blogger

In seinem Heimatort Osterburken ist er stellvertretender Vorsitzender, er ist im Vorstand der Jungen Union Neckar-Odenwald-Kreis aktiv und Pressesprecher der agilen Truppe. Die betreiben verschiedene CDU-Blogs, inklusive Twitter und Facebook. Herr Christof benutzt beim Twittern auch gerne mal Pseudonyme, „Mephjizzo“ beispielsweise.

Au├čerdem ist er im Kreisvorstand der CDU Neckar-Odenwald-Kreis, dort als „Beauftragter f├╝r Presse und ├ľffentlichkeitsarbeit.“

Die erledigt er flei├čig. So schreibt er unter anderem f├╝r die Rhein-Neckar-Zeitung und f├╝r die Fr├Ąnkischen Nachrichten. Die Fr├Ąnkischen Nachrichten wiederum geh├Âren zur Dr. Haas-Gruppe, zu der auch der Mannheimer Morgen geh├Ârt. Und sogar in der S├╝dwestpresse Ulm ist ein „Julien Christof“ mit journalistischen T├Ątigkeiten zu finden – vielleicht gibt es aber auch mehrere „Julien Christof“, die zuf├Ąllig in der selben Gegend als Journalisten t├Ątig sind.

Herr Christof beschreibt seine journalistische T├Ątigkeit auf Anfrage so:

„Ich habe im Jahr 2001 als 16-J├Ąhriger ein gymnasiales Schulpraktikum bei der
Lokalredaktion Buchen der Rhein-Neckar-Zeitung absolviert. Seitdem bin ich
dort unregelm├Ą├čig als freier Mitarbeiter t├Ątig. Dabei war ich bereits f├╝r
den Lokalteil, die Jugendseite und die Fu├čballberichterstattung im Einsatz.

Mit Aufnahme meines Studiums an der FH Kehl im Jahr 2005 habe ich die
journalistische T├Ątigkeit reduziert. Momentan schreibe ich gelegentlich
Artikel f├╝r die Lokalteile des Bereichs Buchen. Es gibt f├╝r meinen Heimatort
Osterburken einen freien Mitarbeiter, den ich ab und an vertrete. Der
neueste Artikel war vergangene Woche ├╝ber die Vereinsehrungen der Stadt
Osterburken, insgesamt hat die T├Ątigkeit nat├╝rlich auch aus Zeitgr├╝nden
geringen Umfang.“

Wahlk├Ąmpfer Julien Christof (3. von links) am Parteistand in Sennfeld. Quelle: JU NOK Facebook

Einen „geringen Umfang“ also. Also so eine Art kleiner Nebenjob. Den erledigt er trefflich – als Pressesprecher der CDU schreibt er gleichzeitig auch gerne als Journalist ├╝ber die CDU. Die frohen Botschaften erscheinen dann in der Zeitung. In diesem Fall aber unter dem K├╝rzel JC.

Christof ist mal Pressesprecher, mal Journalist, mal beides.

Eventuell k├Ânnte es sein, dass man als Leser einfach nicht verwundert sein soll, wenn Julien Christof ├╝ber sich selbst und seine CDU und deren Erfolge in einem „journalistischen“ Medium schreibt. Denn ├╝ber die CDU schreibt Herr Christof dann doch schon h├Ąufiger, was er aber als „geringen Umfang“ versteht.

Eine solche T├Ątigkeit muss genehmigt werden, wenn beispielsweise nach ├é┬ž62 Absatz 2, Nr. 2 des Landesbeamtengesetz folgendes zu bef├╝rchten ist:

(2) Die Genehmigung ist zu versagen, wenn zu besorgen ist, dass durch die Nebent├Ątigkeit dienstliche Interessen beeintr├Ąchtigt werden. Ein solcher Versagungsgrund liegt insbesondere vor, wenn die Nebent├Ątigkeit

  1. die Beamtin oder den Beamten in einen Widerstreit mit den dienstlichen Pflichten bringen kann oder
  2. die Unparteilichkeit oder Unbefangenheit der Beamtin oder des Beamten beeinflussen kann oder

Herr Christof beantwortet und Anfrage aber mit einem anderen Paragrafen und best├Ątigt, dass B├╝rgermeister Michael Kessler ├╝ber die journalistischen Nebent├Ątigkeiten informiert ist und diese genehmigt hat (sonst d├╝rfte er diese ja nicht aus├╝ben).

Eine journalistische T├Ątigkeit muss nach ├é┬ž 63 Abs. 1 und 2 des Landesbeamtengesetzes angezeigt werden, in bestimmten F├Ąllen nach Abs. 3 auch nicht. Diese ist meinem Dienstvorgesetzten bekannt.

Absatz 3 betrifft „schriftstellerische, wissenschaftliche, k├╝nstlerische oder Vortragst├Ątigkeiten“, all das ist Journalismus nicht. Journalismus ist ein sogenannter freier Beruf, der nach ├é┬ž 63, Absatz 1, Nr. 1 a) genehmigungspflichtig ist.

Ausgef├╝llte Freizeit als engagierter Pro-Stuttgart21-Demonstrant und CDU-Wahlk├Ąmpfer

Als w├╝rde ihn der Job als junger und noch gar nicht so lange im Amt befindlicher Hauptamtsleiter kaum auslasten, reichen diese Freizeitbet├Ątigungen aber noch lange nicht. Hauptamtsleiter Privatmann Julien Christof ist mitten im Landtagswahlkampf – als Mitglied des „AK Wahlkampf“ von Kandidat Peter Hauk, der im Neckar-Odenwald-Kreis antritt. Der Ex-Minister gilt mit seiner Funktion als CDU-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag als Nummer 2 hinter Ministerpr├Ąsident Mappus und gilt als rabenschwarzer CDU-Hardliner.

Julien Christof (rechts vorne) vor einer Pro-Stuttgart21-Demo zusammen mit Peter Haus (2. von links). Quelle: JU NOK Facebook

Als aktiver Wahlk├Ąmpfer und Mitglied des „Team Hauk“ kommt Julien Christof in seiner Freizeit viel rum. Er f├Ąhrt zur Pro-Stuttgart21-Demo nach Stuttgart, hilft am Wahlkampfstand aus und plant mit anderen zusammen in der „Arbeitsgruppe Wahlkampf“ die Auftritte des „Schwarzen Peter“, wie sich Peter Hauk gerne nennen l├Ąsst.

Christof und der Schwarze Peter

Auch die Website „Der schwarze Peter“ wird durch die Junge Union Neckar-Odenwald-Kreis betrieben, bei dem Herr Christof im Vorstand t├Ątig ist.

Der wiederum hatte im Herbst in Hirschberg verk├╝ndet, dass es „dem Land Baden-W├╝rttemberg Wurscht sein kann, ob Stuttgart 21 jetzt zehn oder f├╝nfzehn Milliarden Euro kostet“ – damit ist er der Zeit voraus. Im Moment liegen die Sch├Ątzungen bei sechs bis sieben Milliarden Euro, nachdem Stuttgart21 urspr├╝nglich mal zwei Milliarden kosten sollte.

Selbstverst├Ąndlich muss man annehmen, dass Julien Christofs diverse Nebent├Ątigkeiten und Engagements nicht die „Unparteilichkeit und Unbefangenheit des Beamten beeinflussen k├Ânnen“, denn sonst d├╝rfte er diese T├Ątigkeiten ja nicht aus├╝ben, m├╝sste also sein Dienstherr, Michael Kessler, ihm diese untersagen.

„Es ist nicht verboten, sich politisch zu engagieren“, sagt Christof.

Julien Christof sieht keine Befangenheit, ganz im Gegenteil antwortet er auf unsere Anfrage:

„Seit einigen Jahren bin ich Mitglied der Jungen Union Adelsheim/Osterburken im Neckar-Odenwald-Kreis. Dort bin ich stellvertretender Ortsvorsitzender sowie im Kreisvorstand. Einer meiner Beweggr├╝nde f├╝r die Mitgliedschaft war mein Interesse f├╝r die Kommunalpolitik und Politik allgemein. Generell halte ich es f├╝r gut, wenn sich junge Menschen f├╝r Politik interessieren und auch politisch engagieren, egal ob und in welcher (demokratischen) Partei; zum Auftrag der Parteien vgl. ├é┬ž 1 des Parteiengesetzes.

Nach den Beamtengesetzen ist es Beamten nicht verboten, sich politisch zu engagieren oder Parteimitglied zu sein, denn das Grundgesetz und hier speziell die Meinungsfreiheit gelten auch f├╝r Menschen, die im ├Âffentlichen Dienst t├Ątig sind. Auch erstreckt sich die Mitgliedschaft nicht auf Heddesheim oder den Rhein-Neckar-Kreis, sondern den Nachbarkreis.“

Julien Christof (links) demonstriert in seiner Freizeit f├╝r Stuttgart21. Quelle: JU NOK Facebook

Engagement ist gut und richtig, ebenso die Sache mit der Meinungsfreiheit. Herr Christof verweist vollkommen zu recht auf das Grundgesetz – auch wenn er es sonst nicht so damit h├Ąlt und beispielsweise auf Anordnung oder freiwillig (das ist nicht bekannt) in ├Âffentlichen Gemeinderatssitzungen Gemeinder├Ąte observiert und aus seiner Sicht „problematische“ Meinungs├Ąu├čerungen sofort seinem Chef, dem B├╝rgermeister Kessler meldet, der sich dann jedesmal unter Verwendung von Worten wie „unanst├Ąndig“, „w├╝rdelos“ und „respektlos“ ereifert.

Christof „gef├Ąllt“ die CDU-Seite: Die-dagegen-Partei

Vielleicht verstehen Herr Kessler und Herr Christof „Unparteilichkeit“ und „Unbefangenheit“ ja auch nur sehr eindimensional und nicht so ganz allgemein.

Wiederum vermutlich nur in seiner Freiheit ist Herr Christof auch bei Facebook aktiv. Hier kann man durch Klicken der Schaltfl├Ąche „Gef├Ąllt mir“ seine Stimmung zum Ausdruck bringen (siehe erstes Bild). Herrn Christof gef├Ąllt unter anderem ein Eintrag mit Hinweis auf die Website „Die-dagegen-Partei“ – eine Website die von der „CDU Deutschlands“ unter Vorsitz von Frau Bundeskanzelerin Merkel verantwortet wird.

Die Facebook-Seite wiederum ist eindeutig von der Jungen Union Neckar-Odenwald-Kreis verantwortet und man darf vermuten, dass Herr Christoph hier in seiner Freizeit auch aktiv mitwirkt. Auf der CDU-eigenen-Seite „Die-dagegen-Partei“ schlie├čt sich dann der Kreis zu Heddesheim – auch hier wird ein Dagegen-Projekt der Gr├╝nen aufgef├╝hrt:

„Gewerbeansiedlung

In Heddesheim bei Mannheim sind die Gr├╝nen gegen die Ansiedlung eines Logistikunternehmens. Mit dem Projekt k├Ânnten bis zu 1.000 neue Arbeitspl├Ątze entstehen. Bei einer B├╝rgerbefragung hatte sich eine Mehrheit f├╝r die Ansiedlung ausgesprochen.
(Demo-Aufruf der Gr├╝nen Heddesheim f├╝r den 06.11.2010)“

Jetzt k├Ânnte man vermuten, dass die Berliner CDU entweder sehr gute Rechercheure hat, um herauszubekommen, zu welcher Demo die „Gr├╝nen Heddesheim“ am 06. November 2010 aufgerufen haben. Oder man k├Ânnte vermuten, dass die CDU auch Rechercheure vor Ort hat – Herrn Christof ist das Recherchieren als Nebenerwerbsjournalist sicher nicht g├Ąnzlich fremd.

Ob den Heddesheimer Gr├╝nen dieses „Engagement“ gef├Ąllt und sie k├╝nftig glauben, Herr Christof sei „unparteilich“, ist mal dahin gestellt. Aber vielleicht hat ja auch ein anderer CDU-Mann, beispielsweise der Internet-Experte Reiner Hege oder gar die stellvertretende B├╝rgermeisterin Ursula Brechtel den Tipp gegeben.

Auch Heddesheim ist in der Dagegen-Kartei der CDU

Interessant ist der Konjunktiv „k├Ânnten entstehen“ und der Ausdruck „Mehrheit“ f├╝r einen Stimmenvorsprung von 40 Stimmen bei einer „B├╝rgerbefragung„. Auch so bringt man komplexe kommunalpolitische Vorg├Ąnge und „Interesse f├╝r Kommunalpolitik“ auf ein kurzes Karteikartenformat.

Gut vernetzte CDU - sogar Heddesheim hat es ins "Dagegen-Angebot" der "CDU Deutschlands" geschafft. Quelle: die-dagegen-partei.de

Offen ist nun die Frage, wie mit der Aussage umzugehen ist, dass Herr Christof sich nur „im Nachbarkreis“ politisch so massiv engagiert, wenn sein Kandidat auch in diesem Kreis auftritt – dazu noch in Hirschberg, dem Nachbarort von Heddesheim, der ebenfalls von einer „Gewerbeansiedlung“ betroffen sein wird.

Julien Christof als "Beauftragter f├╝r Presse und ├ľffentlichkeitsarbeit" des CDU-Kreisverbands Neckar-Odenwald. Quelle: CDU NOK

Und seine vielf├Ąltigen Aktivit├Ąten im Internet schlie├čen diese „Kreise“ oder heben sie vielmehr auf, weil diese Informationen nicht an Kreisgrenzen halt machen, sondern wie gezeigt selbst bis nach Berlin reichen und von dort wieder zur├╝ck.

Parteiliche Freizeit vs. unparteiliche Arbeitszeit?

Herr B├╝rgermeister Michael Kessler wiederum wird sich die Frage gefallen lassen m├╝ssen, ob er das „freizeitliche Treiben“ seines Hauptamtsleiters weiterhin so genehmigt oder nicht eventuell etwas „unversch├Ąmt“ und „respektlos“ findet – mal ganz abgesehen von der Frage, ob man tats├Ąchlich davon ausgehen kann, dass Herr Christof seine „Freizeitbesch├Ąftigungen“ und seine Pflicht zur Unparteilichkeit als Beamter sauber trennen kann.

Insgesamt muss Herr Christof viel Freizeit haben, denn als Anschrift gibt er die Mauritiusstra├če in Osterburken an. Zwischen seinem Wohnort und seinem Arbeitsort im Rathaus am Fritz-Kessler-Platz liegen je nach gew├Ąhlter Fahrtstrecke 105-120 Kilometer – die schnellste Strecke dauert einfach 1 Stunde 17 Minuten. Aber das ist theoretisch – denn es geht ├╝ber die A6 und die ist st├Ąndig zu.

Wer vermutet, dieses „freizeitliche Engagement“ diene nur dem „Interesse f├╝r die Kommunalpolitik und Politik allgemein“, wie Herr Christof uns geschrieben hat, muss respektvoll anerkennen, welch „herausragenden“ Einsatz dieser junge Mann doch so bringt. Und das alles in der Freizeit.

Wer vermutet, dieses Engagement k├Ânne vielleicht der „Bef├Ârderung“ auf h├Âhere Weihen dienen ebenso wie der Hauptamtsleiterposten, der nur ein Zwischenjob f├╝r den ehrgeizigen CDU-Mann sei, naja, der wird sich mit ziemlicher Sicherheit vom B├╝rgermeister Kessler sagen lassen m├╝ssen, dass das eine „unerh├Ârte Vermutung“ ist.

Julien Christof (rechts) beim Gruppenbild. Quelle: JU NOK Facebook


Die parteiische Zeitung steuert die Wahrnehmung und manipuliert die freie Meinungsbildung


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 15. M├Ąrz 2011. (red) Unsere Analyse hat eine absolut CDU-dominierte Berichterstattung durch den Mannheimer Morgen ergeben. Was hei├čt das f├╝r die Landtagswahl?

Von Hardy Prothmann

Die kommende Landtagswahl wird spannend. Quelle: LpB.

Unsere Prognose ist klar: Der CDU-Kandidat Georg Wacker wird den Wahlkreis Weinheim gewinnen.

Einige der Gr├╝nde sind klar: Die regierenden Parteien sind immer im Vorteil gegen├╝ber der Opposition.

Und je d├Ârflich-traditioneller es zugeht, um so sicherer gewinnt die CDU. Orte wie Hirschberg, Ladenburg und Heddesheim passen in das Schema. Sie liegen zwar im Speckg├╝rtel der Gro├čstadt, sind aber bislang h├Ąufig noch d├Ârflich-traditionell bestimmt.

Georg Wacker f├╝hrt "bevorzugt". Bild: CDU

Trotzdem gibt es einen Umbruch – nicht nur wegen Stuttgart21, sondern vor allem wegen der ver├Ąnderten Arbeits- und Lebensbedingungen. Und vor allem wegen der ver├Ąnderten Kommunikation – erst durch die Telekommunikation, dann durch das Internet.

Als „stabiler“ Faktor der Kommunikation wird immer noch die Zeitung begriffen. Die ist im s├╝ddeutschen Raum traditionell eher konservativ und „st├╝tzt“ dementsprechend auch die vermeintlichen W├╝nsche der Leser.

Uli Sckerl (Gr├╝ne) wird am wenigsten berichtet. Foto: hirschbergblog.de



Unsere quantitative Analyse der Berichterstattung ├╝ber die Kandidaten im Mannheimer Morgen hat ein eklatantes Missverh├Ąltnis von Bedeutung und Berichterstattung ├╝ber die Kandidaten ergeben.

Der Kandidat Georg Wacker (CDU) dominiert mit gro├čem Abstand die Berichte – rein quantitativ gesehen. Aber diese mediale Dominanz verschafft ihm nat├╝rlich enorme Vorteile bei der Wahl.

Interessant ist der Kandidat Gerhard Kleinb├Âck (SPD). Er liegt in unserer Betrachtung zwar hinter Georg Wacker auf Platz zwei – aber unsere Betrachtung ist keine diffizile wissenschaftliche Auswertung.

Bei genauer Betrachtung hat Herr Kleinb├Âck im Rhein-Neckar-Teil des Mannheimer Morgens vor allem im Februar jede Menge „Punkte“ durch die Debatte um eine Fu├čg├Ąngerzone in Ladenburg geholt.

Dadurch hat er sich von den anderen zwei Kandidaten abgesetzt – es w├Ąre allerdings ein Trugschluss zu glauben, dass er auch in der „Breite“ eine h├Âhere Wahrnehmung erhalten h├Ątte. Die Wahrnehmung ist auf die Fu├čg├Ąngerzonen-Debatte begrenzt.

Ohne diese Aufmerksamkeit w├Ąre Herr Kleinb├Âck wahrscheinlich mindestens um eine „halbe Note“ abgest├╝rzt – zumindest, was die Berichterstattung im Mannheimer Morgen angeht.

Gerhard Kleinb├Âck - hat in Ladenburg aufgeholt. Bild: SPD

Viel muss nicht gleichzeitig „gut“ hei├čen – Herr Kleinb├Âck hat sich durch einige seiner Auftritte und Forderungen keinen Gefallen getan, was ausgiebig im Mannheimer Morgen berichtet wurde. In der Rhein-Neckar-Zeitung kommt Herr Kleinb├Âck meist sehr gut weg, schlie├člich ist der „Ladenburger Korrespondent“ ein aktives SPD-Mitglied.

Umgekehrt hat der Kandidat Hans-Ulrich Sckerl (Gr├╝ne) bundesweit f├╝r Schlagzeilen gesorgt, weil er Mitglied im Untersuchungsausschuss zur Aufkl├Ąrung des „brutalen“ Polizeieinsatzes Ende September 2010 war. Hunderte von Verletzten aus den Reihen der Stuttgart21-Gegner hatte es gegeben. Und Sckerl war auch bundesweit in der Presse zitiert in Sachen Verdeckter Ermittler in Heidelberg. Ein Polizist hatte Studenten ausgespitzelt.

Doch diese „landespolitischen Themen“ haben in einem Provinzblatt wie dem Mannheimer Morgen kein gro├čes Gewicht – schon gar nicht im Regionalteil.

Stattdessen schiebt sich hier eine im Vergleich vollkommen bedeutungslose Hinterb├Ąnklerin, wie man Frau Dr. Birgit Arnold (FDP) bewertet werden kann, noch vor den vielzitierten und beachteten Gr├╝nen-Politiker Sckerl.

Mit einer objektiven Berichterstattung, die sich an Inhalten und Relevanz der Themen orientiert, hat die Berichterstattung im Mannheimer Morgen meist wenig zu tun. Viel eher mit der der Best├Ątigung der „redaktionellen Linie“, die es aber nicht gibt, weil die Redaktion keine Linie hat.

Beim MM wird von „oben“ durchgereicht, was und wer „ins Blatt“ kommt. Georg Wacker ist der Spitzenkandidat, der „bevorzugt“ berichtet wird.

Die anderen fallen demgegen├╝ber klar ab, auch wenn Herr Kleinb├Âck kurz eine „B├╝hne“ geboten wurde.

Das System der provinziellen Berichterstattung hat lange funktioniert – jedenfalls solange es kein Internet gegeben hat. Langsam aber sicher verschieben sich die Aufmerksamkeiten.

Mit ziemlicher Sicherheit darf man annehmen, dass die apokalyptischen Zust├Ąnde in Japan „vor Ort“ eine kleine Rolle spielen werden – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass gerade die baden-w├╝rttembergische CDU die Atomenergie ohne Zweifel immer unterst├╝tzt hat.

Herr Wacker taugt als „Ausstiegskandidat“ ebensowenig wie Frau Dr. Arnold. Entweder hatten sie keine oder eine linientreue Haltung zur Atomenergie.

Im Mannheimer Morgen ist die Hinterb├Ąnklerin Arnold wichtiger als der Innenexperte Sckerl. Foto: hirschbergblog.de

Falls Sie sich ├Ąu├čern und in der Zeitung mit Aussagen zu einem Ausstieg zitiert werden sollten, darf man das getrost als „dummes Geschw├Ątz“ abtun, weil sie erstens keine Einflusstr├Ąger in der Sache sind und zweitens wenig Ahnung haben.

Gerhard Kleinb├Âck hingegen hat eine klare Linie bezogen – auch in unserer Umfrage unter Landtagskandidaten und seinem Beitrag „Was mir sonst wichtig ist…“. F├╝r ihn war vor Wochen schon der Atomausstieg eine klare Pr├Ąferenz.

Uli Sckerl ist vollkommen unverd├Ąchtig in Sachen Atompolitik einen Schlingerkurs zu fahren. Er fordert den Ausstieg schon lange konsequent und vern├╝nftig.

Das Problem aus seiner Sicht muss dabei sein, dass er im Gegensatz zu Herrn Wacker nur zu einem Drittel in der Zeitung ├╝berhaupt stattfindet.

Interessant ist, dass die Gr├╝nen teils konservativer als die „Konservativen“ sind, was die Medien angeht – deren Engagement in „alternativen“ Medien wie Internetauftritten, Foren und Blogs ist weitaus „├╝berzeugender“ als das der Gr├╝nen.

Noch bestimmen vielerorts die Zeitungen die „Wahrnehmung“ und manipulieren diese als Monopolisten.

Doch das wird sich ├Ąndern. Im Wettbewerb um Wahrnehmung beschreiten alle ein neues Feld mit dem neuen Medium Internet.

Und wer eine Google-Abfrage zu den Kandidaten macht, stellt fest, dass Georg Wacker auch hier mit ├╝ber 40.000 Treffern weit vorne liegt, vor Herrn Kleinb├Âck mit 27.000 Treffern und vor Frau Dr. Arnold mit 24.000 Treffern. Uli Sckerl landet bei gut 7.000 Treffern.

Obwohl der MM hier nicht direkt manipulieren kann, tr├Ągt doch die Dominanz der Berichterstattung, die auch im Internet gez├Ąhlt wird, dazu bei.

Die restliche fehlende Aufmerksamkeit ist selbstverschuldet.