Donnerstag, 27. Februar 2020

Thomas - die MĂ€nnerkolumne

Gibt es ein Shopping-Gen bei Frauen?

Das Zeichen fĂŒr die MĂ€nnlichkeit. Quelle: Wikipedia.

Rhein-Neckar, 26. MĂ€rz 2012. Seit Herbst 2009 veröffentlicht Gabi ihre Kolumne. Thomas ist ein Stammleser. Woche fĂŒr Woche liest er Gabis Kolumne – vor kurzem hat es ihn gepackt: Es soll auch mal die mĂ€nnliche Seite auf den Tisch kommen. Jetzt wieder. Thomas versucht sich heute an an der Frage: Gibt es ein Shopping-Gen bei Frauen?

Jetzt habe ich wieder viele Wochen geschwiegen und mir so Schwachsinnstexte wie ĂŒber den Tupperabend reingezogen, immer in der Hoffnung, dass mal etwas WĂŒrze in die Mann-Frau-Diskussion kommt.

Nehmen wir doch Mal das Shopping-Verhalten des weiblichen Geschlechts unter die Lupe.

Und glauben Sie mir, ich weiß worĂŒber ich schreibe, schließlich bin ich verheiratet und habe zwei Töchter.

Eines ist klar: Dieses Verhalten wird ihnen praktisch in die Wiege gelegt. Meine Töchter ging schon im Kindergartenalter mit Freuden in die Stadt und wo zog es sie hin: In die Spielwarenabteilungen der KaufhĂ€user und genauer in die Regale, in denen sie die neueste Ausstattung fĂŒr Barbie und Baby Born finden konnte. Und das ist erst der unsĂ€gliche Anfang.

In der PubertĂ€t wirken GeschĂ€fte wie H&M, New Yorker oder Hollister – Vorsicht, da wirds teurer – magnetisch, aber Gottlob außer dem vĂ€terlichen Geldbeutel wollen die MĂ€dchen von meiner Seite kaum einen Beistand.

Anders ist es da mit der Angetrauten. Meine Frau, und ich liebe und schÀtze sie sehr, ist geradezu versessen aufs Shoppen.

Ist sie alleine unterwegs, durchstreift sie stundenlang die LĂ€den nach passenden „Kleinigkeiten“, wie sie das so schön nennt. Das kann ein T-Shirt sein oder auch ein hĂŒbsches Tuch, ein GĂŒrtel – „genau in der Farbe, wie ich ihn schon immer gesucht habe“ oder auch nur ein neuer Nagellack. Alles Dinge, die sie garantiert nicht braucht und die ich dann auch noch erkennen und kommentieren muss, wenn sie sie trĂ€gt.

„Schatz, das steht Dir aber besonders gut“

Habe ich die erste HĂŒrde genommen und ihr neues Shirt entdeckt, reicht es bei weitem nicht, „neu, was“ zu sagen, sondern da muss zumindest ein „Schatz, das steht Dir aber besonders gut“ ĂŒber meine Lippen kommen, sonst ist der Abend gelaufen.

Das ist auch so typisch Frau, die Verbindung von Aufmerksamkeit und echter Zuneigung zu knĂŒpfen. Bin ich im Stress und mit meinem Kopf schon bei der Arbeit und vergesse sie beim Abschied zu kĂŒssen, kann das ohne Probleme in einen Streit „à la unsere Beziehung ist nicht mehr wichtig fĂŒr dich“ ausarten.

Und da MĂ€nner, und da nehme ich mich nicht aus, Ă€ußerst konfliktscheu in GefĂŒhlsfragen sind, versuche ich das tunlichst zu vermeiden. KĂŒsse sie liebevoll beim Abschied und beim Heimkommen und wenn sie mir strahlend entgegentritt, versuche ich es mit der Bemerkung „warst du beim Friseur, deine Haare sehen einfach toll aus“. Damit treffe ich oft ins Schwarze und wenn nicht, habe ich ihr dennoch ein Kompliment gemacht.

Aber nun gut, wir waren ja beim Shoppen und meine Frau liebt es, wenn ich sie begleite.

Meine Damen, wissen Sie eigentlich, wie elend sich ein Kerl auf den StĂŒhlen neben der Umkleidekabine fĂŒhlt? Den schadenfrohen – aber manchmal auch nachfĂŒhlenden – Blicken der vorĂŒbergehenden MĂ€nner ausgesetzt und dem Blick der eigenen Frau, wenn sie aus der Kabine kommt.

Ich bin jetzt ganz ehrlich, oft versichere ich ihr ganz schnell, dass das ausgesuchte KleidungsstĂŒck ganz großartig aussieht, nur um dieser Tortur zu entkommen.

Gefangener im SchuhgeschÀft

Das Ganze wird nur noch gesteigert durch den Besuch eines SchuhgeschÀfts.

„Was meinst du, Schatz, passen die Pumps oder Stiefeletten besser zu meinem neuen Hosenanzug“, fragt sie mit erwartungsvollem Blick wĂ€hrend sie mir die Schuhe vorfĂŒhrt.

„Ich wĂŒrde die Pumps nehmen“, sage ich, weil ich weiß, sie erwartet ein Statement. „Meinst Du wirklich, ich glaube die Stiefeletten passen besser“, entgegnet sie.

„Ja, du hast Recht, nimm die Stiefeletten“, antworte ich folgsam. „Ach, ich weiß nicht, vielleicht doch besser die Pumps 
“

Das geht dann endlos so weiter, werde ich ungeduldig, laufe ich Gefahr, dass sie sich gar nicht entscheidet und wir noch ein weiteres GeschÀft aufsuchen. Beharre ich auf meine erste Entscheidung, kann das eine endlose Diskussion zur Folge haben.

So befinde ich mich in einer Endlosschleife und habe nur das dringende BedĂŒrfnis, irgendwo in Ruhe – und am besten allein – ein Bier zu trinken.

Versuche ich sie meinerseits mit in einen Baumarkt zu schleppen, verweist sie mich darauf, dass unser Sohn gerne einen MÀnnerausflug machen und sie dabei nicht stören möchte.

Ist Shoppen genetisch verankert?

Insgeheim vermute ich, dass Shoppen bei Frauen genetisch verankert ist, direkt vom Beerensammeln zur Einkaufmall. Wer vollgepackt mit vielen TĂŒten nach Hause kommt, war erfolgreich.

Diese Analyse macht auf alle FĂ€lle klar, dass Frauen und MĂ€nner in vielerlei Hinsicht nicht zueinander passen können. Und wĂŒrden Frauen das einsehen, könnte auch alles hervorragend laufen.

Meldet sich ihr Shopping-BedĂŒrfnis, sollten sie sich eine Freundin schnappen und dies mit ihr stundenlang zelebrieren und nicht mit aller Gewalt den Ehemann mitschleppen, da ist Frust vorprogrammiert. Das ist Ă€hnlich wie bei Liebesfilmen – aber das ist jetzt ein anderes Thema.

WĂ€ren Frauen so einsichtig wie MĂ€nner, könnten wir uns alle viel Ärger sparen, davon bin ich ĂŒberzeugt und das musste jetzt mal gesagt sein.

Anmerkung der Redaktion:

Thomas ist Ende Vierzig, lebt in der Region Rhein-Neckar, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Gabis Kolumne

Wie To-Do-Listen den Alltag organisieren oder auch durcheinander bringen

//

 

Guten Tag!

Heddesheim, 06. April 2010. To-Do-Listen helfen, das Leben zu organisieren. Von wegen, meint Gabi – sie sind mindestens genauso hilfreich, alles mĂ€chtig durcheinander zu bringen.

Haben Sie eine To-Do-Liste? Ich habe gleich mehrere und das macht mich manchmal ganz schön fertig.

todo

To-Do oder auch "Tue es!".

ZunĂ€chst gibt es da meine persönliche „RĂ€um-den-Schreibtisch-auf-Liste“. Da drauf gehört u. a. ÃƓberweisungen tĂ€tigen, das Einreichen von Rezepten bei der Kasse, das Abheften meiner KontoauszĂŒge und Rechnungen, die KĂŒndigung von Abos oder Vereinszugehörigkeiten.

Die Telefonliste ist die schwierigste.

Dann habe ich eine Telefonliste. Wie oft verabschiedet man sich mit den Worten: „Ich ruf’ dich dieser Tage an.“ Nur bitte, wann? Vormittags bin ich bei der Arbeit, nachmittags kĂŒmmere ich mich um Kinder und Haushalt und bis ich mit allem fertig bin, habe ich weiß Gott keine Lust mehr, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

Zumal schon allein die ganzen Geburtstagsanrufe einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine wirklich gute, alte Freundin möchte ich seit drei Monaten anrufen. Und je lĂ€nger ich warte, umso lĂ€nger wird auch das GesprĂ€ch ausfallen, das aber auch schon nach einem Monat Warterei eigentlich zu lang fĂŒr meinen Zeitplan ist. Mit der Liste wĂ€chst also auch gleichsam mein schlechtes Gewissen.

Ich liebe meine WĂ€scheliste.

Dann gibt es eine Liste, die sich den hausfraulichen Pflichten widmet. Dazu gehört zum Beispiel ein Stapel mit KleidungsstĂŒcken, die ausgebessert werden mĂŒssen. An Hemden fehlen Knöpfe, T-Shirts haben kleine Risse, Futtertaschen haben Löcherñ€©

Diese To-Do-Liste ist die unproblematischste: Dieser Stapel liegt ganz hinten in der WaschkĂŒche und ich muss gestehen, zuweilen sind die Kinder aus den Klamotten herausgewachsen, wenn ich mich endlich dazu aufraffen konnte, aktiv zu werden. 🙂

Auf dieser Liste finden sich auch die Punkte, die Schubladen im Regal des Abstellraums zu sortieren und die KĂŒchenschrĂ€nke auszuwischen.

Auf einer weiteren Liste stehen all’ die BĂŒcher, die ich noch dringend lesen und die Filme, die ich auf keinen Fall verpassen möchte. Hier vermerke ich auch TheaterstĂŒcke und Ausstellungen, die ich im vergangenen Jahr allesamt nicht gesehen habe.

Problem-Liste.

Die Liste „Rund-ums-Haus“ hat außer meinem inneren Schweinehund noch ein weiteres Handicap eingebaut: Hierzu benötige ich meist die Hilfe meines Mannes.

Hier findet man so spannende Aufgaben, wie den Wasserhahn im Garten austauschen, die ausgeschlagenen KĂŒhlschrankscharniere erneuern, Regale anbringen oder den Keller aufzurĂ€umen. FĂŒr die Autos habe ich keine Liste: die macht mein Mann.

Denn hat man seine eigenen VerdrĂ€ngungsstrategien mal ĂŒberwunden, möchte man gerne Taten folgen lassen. Sprich, man steht am Samstagmorgen bereit und möchte nun umsetzen, was allzu lang aufgeschoben wurde. Doch siehe da, auch mein Herzallerliebster ist ein wahrer VerdrĂ€ngungskĂŒnstler und schiebt, was meiner Meinung nach nicht mehr zu schieben ist.

Und was ist das Resultat? Richtig, es kracht. Mit „du wolltest doch“ und „wir hatten doch ausgemacht“ kommt man schnell ins Fahrwasser sich gegenseitig VersĂ€umnisse der Verpflichtungen zuzuweisen. „Die Katzen hĂ€tten schon lĂ€ngst zum Impfen gemusst“, ist da ein gleich großes Vergehen wie „du wolltest doch den RasenmĂ€her reparieren“.

Und wie aus der Pistole geschossen, werfen wir uns die Listen um die Ohren, die wir jeweils fĂŒr den anderen erstellt haben. Und die sind ziemlich lange.

Nach einem reinigenden Gewitter und genĂŒgend Schmollzeit beginnen wir beide wieder mit dem „Abarbeiten“. Der RasenmĂ€her wurde repariert und die Katzen geimpft.

Doch kaum ist das eine oder andere von einer Liste gestrichen, wird, wie von Zauberhand, ein neuer Punkt ergÀnzt.

Und so hangeln wir uns von Liste zu Liste, von Punkt zu Punkt und die Zeit ist immer zu knapp.

Die To-Do-Liste ist die Lösung fĂŒr die Probleme, die ich ohne sie nicht hĂ€tte.

Eine richtige Lösung habe ich dafĂŒr noch nicht gefunden.

Als Anregung sagte kĂŒrzlich eine Bekannte beim FrĂŒhstĂŒck, sie habe auf dem „Schwarzen Brett“ im Supermarkt gelesen: „Mann fĂŒr alle möglichen Arbeiten zu vermieten“.

„Das ist doch die Lösung“, sagte und hoffte sie, kĂŒnftig den samstĂ€glichen Streit mit ihrem Mann zu vermeiden.

Na, ob sie sich da nun mal nicht tÀuscht.
gabi

„Fakten“ als „Auftrag“? Die Berichterstattung des MM

Guten Tag!

Heddesheim, 06. MĂ€rz 2010. Die Berichterstattung des Mannheimer Morgen (MM) in Sachen „Pfenning“ ist weitgehend frei von Recherche und Fakten. Das Ă€ndert sich auch nicht, wenn der MM dann mal „recherchiert“. Denn die Zeitung tut nur so, als ob.

Von Hardy Prothmann

Der Mannheimer Morgen berichtete am 04. MĂ€rz unter der ÃƓberschrift: „Gleis: „PrĂŒfung“ oder „Zusage“ – oder beides?“ ĂŒber Fragen der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen zum angeblich geplanten Gleisanschluss an das geplante Logistikzentrum „Pfenning“:
„An dieser Machbarkeit meldeten die GrĂŒnen erhebliche Zweifel an. Dagegen hatte das Logistikunternehmen im Vorfeld mehrfach, u. a. in einem „MM“-Interview im Mai 2009, versichert: „Die Zusage der Bahn gibt es.“

0410pfenning

Dokumentation: Die "GefÀlligkeitsberichterstattung" geht weiter unter dem Deckmantel von "Recherche". Quelle: MM

Hintergrund: Die GrĂŒnen hatten beantragt, das Bebauungsplanverfahren so lange auszusetzen, bis es Klarheit ĂŒber einen realistischen, zeitnahen Gleisanschluss gibt (siehe unseren Bericht).

Weiter berichtet die MM-Redakteurin Anja Görlitz ĂŒber ihre RecherchebemĂŒhungen:
„Auf eine erste Anfrage des „MM“ bei der Bahn im vergangenen Jahr hatte es geheißen: „Keine Auskunft zu Kundenbeziehungen.“ Auf unsere erneute Nachfrage in dieser Woche, ob der Gleisanschluss an der geplanten Stelle möglich ist, antwortete nun ein Sprecher: „Die technische und betriebliche Machbarkeit sind zurzeit noch in der PrĂŒfung.“ Allerdings sei man „mit der entsprechenden Firma (Pfenning, d. Red) in guten VerhandlungsgesprĂ€chen“ und selbst „an der Entwicklung des Gleisanschlusses interessiert“.“

Der MM bleibt hartnĂ€ckig und will es wissen. Die Recherchethese lautet: „PrĂŒfung“ ist aber eben nicht gleich „Zusage“. Widerspricht die Bahn-Auskunft also den bisherigen Aussagen des Logistikunternehmens?“

Recherchethese: Kein Widerspruch!

Der MM ĂŒberprĂŒft seine These und fragt nach – bei „Pfenning“, wo sonst?:
„Der „MM“ hat bei „Pfenning“ um Stellungnahme gebeten. „Es gibt keinen Widerspruch“, sagte daraufhin Pfenning-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger gestern. Offiziell habe die Bahn noch keinen „unterschriebenen Planungsauftrag“, dementsprechend antworte ein „offizieller“ Pressesprecher auf eine „offizielle“ Presseanfrage nur mit dem, „was Fakt ist“.“

„Fakt ist“ nach dem Bericht die Aussage, dass es eine PrĂŒfung gibt. Das allerdings ist nur die EinschĂ€tzung der „Fakten“ zu einer Aussage eines „offiziellen Pressesprechers“ zu einer „offiziellen Presseanfrage“. (Die Frage, ob es auch „inoffizielle Pressesprecher“ und „inoffizielle Presseanfragen“ gibt, lĂ€sst der MM unbeantwortet, Anm. d. Red.)

Zur Absicherung der Recherche bemĂŒht der MM einen SachverstĂ€ndigen – den GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Unternehmensgruppe „Pfenning“, Uwe Nitzinger:
„Aus der fĂŒr den Gleisanschluss zustĂ€ndigen Fachabteilung habe man aber die klare Aussage „Ja, das geht“, so Nitzinger. „Die grundsĂ€tzliche Machbarkeit ist gegeben, jetzt geht es um die Detailplanung.“

„Pfenning“: Frage beschĂ€ftigt uns nicht!

„Ja, es geht also“, transportiert der Bericht des MM. Doch was, wenn aus einem „es geht“ ein „es geht nicht“ wird? Der MM hakt nach:
„Auf die Frage, ob „Pfenning“ gegebenenfalls auch ohne Gleisanschluss nach Heddesheim kĂ€me, antwortete der GeschĂ€ftsfĂŒhrer: „Mit dieser Frage beschĂ€ftigen wir uns nicht. Wir haben nirgendwo ein Signal bekommen, dass sich an der Machbarkeit des Anschlusses etwas geĂ€ndert haben sollte.“

Na dann. Soll wohl heißen, „Machbarkeit=100 Prozent Realisierung“. Da sich die Firma „Pfenning“ nicht mit der Frage beschĂ€ftigt, stellt der MM auch weitere Fragen ein und lĂ€sst nochmals den Experten Nitzinger ran, wenn auch ĂŒberwiegend in indirekter Rede:
„Derzeit wĂŒrden in Viernheim im Jahresdurchschnitt 15 bis 20 Waggons tĂ€glich ĂŒber die Schiene angenommen. „Im Sommer mehr, im Winter weniger“, so Nitzinger. Platz-KapazitĂ€t bestehe am derzeitigen Standort, um dreimal tĂ€glich neun Waggons zu stellen. Im Sommer erreiche man zuweilen mehr als das Maximum dessen, was demnach ĂŒber das Gleis abgewickelt werden könne. Mit der geplanten Erhöhung der Stellmöglichkeit auf 18 Waggons in Heddesheim wolle man diese „Spitzen bewĂ€ltigen“ und ĂŒberdies die Möglichkeit haben, neue, „gleis-affine“ Kunden zu gewinnen.“

In der nĂ€chsten Folge der Rechercheserie erklĂ€rt der MM dann sicherlich auch, warum die Aussage „Sommer mehr, Winter weniger“ auf die Lieferung von Waschmitteln (der Hauptkunde, der ĂŒber die Bahn „Pfenning“ beliefert, ist Henkel) zutrifft. Wahrscheinlich, weil im Sommer mehr geschwitzt wird als im Winter und deshalb mehr gewaschen und deshalb mehr Waschmittel benötigt wird, oder so.

Was der MM leider nicht recherchiert hat.

Schade nur, dass der MM bei seiner Recherche ĂŒbersehen hat, dass ein anderes Medium die Frage zur „Machbarkeit“ bereits am 09. Mai 2009 beantwortet hat. Damals sagte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der „Pfenning“-Gruppe, Uwe Nitzinger, dass die Verhandlungen mit der Bahn „in trockenen TĂŒchern seien“.

Konkret hießen die Fragen und Antworten damals in unserem Interview am 09. Mai 2009: (Unterhalb des „Pfenning“-Lkw-Bildes im Interview)
Wie steht es mit den Verhandlungen mit der Bahn? Dauern die an oder stehen Sie vor einem Abschluss?
Nitzinger: „Die sind in trockenen TĂŒchern. Die Bahn hat da ganze Arbeit geleistet. Sie können sich vorstellen, wie kompliziert eine Lösung ist, wenn Sie wissen, dass immer nur kurze Zeitfenster bleiben, um die ZĂŒge auf die Strecke zu bringen, weil auf der Linie der ICE entlang rauscht. Wir werden drei Gleise haben, eins zu den Hallen, eins fĂŒr die leeren Waggons und eins fĂŒr die Loks zum Rangieren.“

Wer bezahlt das und wie teuer ist der Bau?
Nitzinger: „Wir. Das kostet uns rund 2,5 Millionen Euro.“

Immerhin hatte Pfenning schon vier Monate vor dem Gemeinderatsbeschluss zur Ansiedlung Anfang 2009 diesen Gleisanschluss bei der Bahn im September 2008 „prĂŒfen“ lassen.

Wieso heute, fast eineinhalb Jahre spĂ€ter, die „PrĂŒfung“ immer noch „lĂ€uft“ und anscheinend nichts „in offiziellen trockenen TĂŒchern“ ist, beantwortet der MM-Artikel nicht.

Das war auch nicht die Aufgabenstellung. Die hieß vermutlich, als Botschaft zu verbreiten: „Zweifel? Keine! Die Zusage gibt es!“

Gabis Kolumne

Die Socken-Plage

//

Guten Tag!

Heddesheim, 08. Februar 2010. Manche Menschen denken, dass sie Probleme haben. Manche haben tatsĂ€chlich ein Problem – mit was auch immer. Gabi hat ein ganz konkretes Problem und das heißt: Socken. Die Socken-Plage ist sogar ein ganz und gar unlösbares Problem, meint zumindest Gabi. Immer montags.

Sie wissen schon, dass ich nicht gerne bĂŒgle. Was ich noch weit mehr verabscheue ist das Sortieren von Socken.

HĂ€tten meine Lieben bunte Socken – rote, gelbe, grĂŒne -, wĂ€re das Socken-Chaos vielleicht noch spaßig. Aber: Bis auf meine Tochter tragen alle anderen schwarze bis dunkelblaue oder dunkelgraue Socken. (Sie wissen schon: Weiße Tennissocken gehen gar nicht…)

Doch das Zusammenlegen dieser „KleidungsstĂŒcke“ artet alle paar Tage in ein nervenzerreißendes Puzzlespiel aus.

Fies: Die blöden Socken sehen irgendwie alle gleich aus.

Denn: WÀren die Socken wenigstens alle gleich, könnte man sie beliebig paaren.

Doch Socken sind so unterschiedlich wie die Menschen. So muss man nach den Unterschieden suchen, um das jeweilige Pendant zu entdecken.

Das Fiese dabei: Sie sehen fast gleich aus. Das Detail, das Besondere entscheidet, welche Socke zur anderen gehört.

Die Folge: Wer mit einem verschiedenen paar Socken durch die Welt lĂ€uft, ist entweder genial, verrrĂŒckt oder… schlampig.

Wer ist schon genial? Und wer will schon eine der anderen Optionen ziehen? Oder dafĂŒr verantwortlich sein? Und wer will sich schon auf seine Socken reduzieren lassen?

Ordentliche Menschen tragen ordentliche Socken. Wer ist dafĂŒr verantwortlich? Ich.

Ordentlich gesockt durchs Leben zu Laufen ist also wichtig. Das Sockenzusammenlegen ist eine Aufgabe, die ĂŒber das Image entscheidet.

Stellen Sie sich mal vor, wenn Sie oder jemand, fĂŒr den Sie verantwortlich sind, im Fernsehen gezeigt wird und die Kamera zeigt „unordentliche“ Socken? Da kann man sagen, was man will, sich verhalten, wie man will… Die Socken entscheiden. (Ich gucke immer auf die Socken, Sie nicht?)

Wer die Socke nicht achtet, der verliert.

Sockenzusammenlegen ist also eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Hinderlich ist: Beim Waschen gehen aus unerfindlichen GrĂŒnden immer wieder welche verloren. Die „bessere HĂ€lften“ fristen dann einsam und verlassen in meinem WĂ€schekorb ihr Singledasein und warten auf einen Partner, der wahrscheinlich nie zurĂŒckkehrt.

Irgendwann habe ich mal in einer Frauenzeitschrift gelesen, dass zwischen WĂ€schetrommel und Waschmaschine eine LĂŒcke entstehen kann und die Socke hierdurch verschwindet und dann durch den Abfluss in die Kanalisation gezogen wird.

Horror: Vereinsamte Socken finden nie mehr zueinander.

Schaurige Vorstellung. Irgendwo da draußen treffen sich dann all die einzelnen Socken und suchen verzweifelt nach ihrem Partner, den sie nie mehr wieder finden.

(Arni löst das Sockenzusammenlegenproblem so)

Da sich dieser Socken-Sortier-Horror wöchentlich bei mir wiederholt, wollte ich gerne von meinen Kolleginnen wissen, wie sie diese hausfrauliche Herausforderung bezwingen.

„Ich mach das ganz einfach“, erzĂ€hlte die eine, „wir haben im Bad einen großen Korb stehen und da werfe ich die frisch gewaschenen, einzelnen Socken meiner Jungs und meines Mannes hinein, die mĂŒssen sich die schon selbst zusammensuchen. Jahrelang habe ich mich damit gequĂ€lt, vor allem, dass die Socken immer falsch herum in der WĂ€sche landen. Damit ist jetzt Schluss: Ich dreh’ sie nicht mehr um und lege sie nicht mehr zusammen.“

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal echt emanzipiert und konsequent. In meiner Phantasie stelle ich mir einen riesigen Korb voller Socken vor.

LösungsansÀtze, die mir nichts, aber auch gar nichts nutzen.

„Und wie machst Du das?“, fragte ich meine Ă€ltere Kollegin. „Na ja, wir sind ja nur noch zu zweit, da ist das nicht mehr so aufwĂ€ndig. Ich lege die Socken paarweise zusammen, stecke sie nur am Bund leicht zusammen und sortiere sie nebeneinander und farblich abgestimmt in die Schublade meines Mannes. Socken verwinden nie bei uns und mein Mann dreht sie natĂŒrlich auch auf die richtige Seite bevor sie im WĂ€schekorb landen“, gibt sie bereitwillig Auskunft.

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal ordentlich. Aber irgendwie habe ich ihr nicht geglaubt. Denn das Problem des „Sockenlochs“ in der Waschmaschine hat sie ausgeklammert.

Eine jĂŒngere, noch kinderlose Kollegin hörte uns aufmerksam zu und schĂŒttelte dann den Kopf: „Was ihr euch Probleme macht… Wir haben das ganz einfach gelöst. Die Socken meines Freundes sind alle schwarz und von der gleichen Marke, ich trage nur NylonstrĂŒmpfe oder seine Socken.“

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal strukturiert. So, denke ich, habe ich das vor meiner Zeit als Mutter und Hausfrau auch gemacht.

„Konsequent, ordentlich, strukturiert“ schwirrt es mir durch den Kopf.

Ich habe keinen Freund, sondern einen Mann und außerdem noch Kinder. Ich kann nicht anders: Ich bin fĂŒr alle da. Auch als Sockenumdreherin.

Meine Frage wurde nicht beantwortet: Was fange ich jetzt mit diesen Informationen an?

Stelle ich jetzt einen Korb im Bad auf und riskiere, dass mein Sohn mit ungleichen Socken (das wĂŒrde er tun) als verrĂŒckt abgestempelt wird? Niemals!

Werfe ich alle Socken weg und kaufe neue, die nach Farbe und Marke den einzelnen Familienmitgliedern farblich zugeordnet werden? Dann dĂŒrfte ich niemals mehr die Socken der MĂ€nner anziehen, weil ich meine noch nicht zusammengelegt habe. Vollkommen unpraktisch!

Wann wird es endlich Sommer? = Sockenfreie Zeit

Oder erziehe ich meine Familie dazu, die Socken paarweise und umgedreht in den WĂ€schekorb zu werfen und danke es ihnen mit farblich sortierten Sockenschubladen? Utopische Vorstellung – das mit der Erziehung.

Keine dieser Lösungen kommt also fĂŒr mich in Frage, da bleibt nur eins: Ich freue mich auf den Sommer, da tragen zumindest meine Tochter und ich – und ab und an auch die MĂ€nner – keine Socken.

Das reduziert das Problem, also die Socken-Plage, zumindest fĂŒr einige Monate um mindestens 50 Prozent.

gabi