Dienstag, 12. Dezember 2017

Gabis Kolumne

Liebesbriefe – Jedes B├Ąndchen steht f├╝r eine bestimmte Zeit

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Guten Tag!

Heddesheim, 29. November 2010. Auf dem Speicher gibt es eine Blechkiste, darin liegen, fein s├Ąuberlich in Stapel sortiert und mit unterschiedlich farbigen B├Ąndchen zusammengehalten, alte Briefe – Liebesbriefe, versteht sich. Dokumente der Sehnsucht und der gro├čen Gef├╝hle. Schade, dass es in Zeiten von email das kaum noch gibt, meint Gabi.

Briefe

Liebesbriefe - jedes B├Ąndchen steht f├╝r eine bestimmte Zeit.

Bei der Vorstellung, dass vielleicht irgendwann meine Tochter die hei├čen Liebesschw├╝re, die dramatischen Abschiedsworte lesen wird, wird mir ganz hei├č und gleichzeitig bedauere ich die heutige Generation, die sich ihre Zuneigung nur mehr per sms oder per facebook verk├╝ndet. Denn diese Worte werden irgendwann endg├╝ltig, zumindest f├╝r die n├Ąchste Generation, verloren sein – denn digitale Liebesgr├╝├če kann man nicht zusammenbinden.

Verborgene Briefe erz├Ąhlen eine Geschichte

Ich erinnere mich noch gut, als meine Kusinen und ich nach dem Tod unserer Gro├čmutter zwischen alten Bildern und Ansichtskarten zwei Briefe entdeckt haben, die eine Geschichte erz├Ąhlten, die wir nicht kannten. War der gute Freund der Familie f├╝r unsere Gro├čmutter mehr gewesen, hatte sie sich diese Leidenschaft verboten oder sie gar heimlich ausgelebt? Wir waren elektrisiert und aufgeregt, w├╝rden wir noch mehr finden, k├Ânnten wir das Geheimnis l├╝ften. „Lasst gut sein“, sagte meine Tante, „wenn sie gewollt h├Ątte, dass wir mehr erfahren, h├Ątte sie daf├╝r gesorgt“.

Meine Briefe wird meine Tochter lesen d├╝rfen, sie bergen keine gro├čen Geheimnisse, sie erz├Ąhlen nur meine Geschichte mit den kleinen und gro├čen Dramen, die das Leben so mit sich bringen.

Mein erster Freund beklebte seine Liebesbeteuerungen mit „Liebe ist ..“- Aufklebern, zugegebenerma├čen etwas albern, aber da waren wir auch erst 15 Jahre. Ein rosa B├Ąndchen markiert diese fr├╝he Zeit.

Der Bundeswehr verdanke ich einen stattlichen Stapel

Einen stattlichen Stapel habe ich der Bundeswehr zu verdanken. Mein damaliger Freund, er 19, ich 16 Jahre, leistete seinen Dienst im hohen Norden und telefonieren war damals endlos teuer und Gespr├Ąche bei der Bundeswehr auf dem Gang oder vor den Ohren der ganzen Familie – schnurlose Telefone waren erst im Kommen – zu f├╝hren war alles andere als intim – und Handys gab es noch lange nicht. Wir schrieben uns gegenseitig 2 bis 3 Briefe die Woche, da kommt in 18 Monaten schon allerhand zusammen. Dieser Stapel ist sehr dick und mit einem roten Band markiert.

W├Ąhrend meines Studiums hatte ich einen Freund, der drei Monate in England einen Sprachkurs machte. Selbstredend wurden viele Worte auf Papier ├╝ber den ├âÔÇ×rmelkanal geschickt.

Ich wei├č noch allzu gut, mit welchem Gef├╝hl man morgens zum Briefkasten gerannt ist, wie gro├č das Entz├╝cken ob eines Briefes und wie herb die Entt├Ąuschung, ob der g├Ąhnenden Leere war.

Auf die letzten Worte kommt es an.

Und der Liebesbriefkenner wei├č, worauf es ankommt: Richtig, auf die letzten S├Ątze. Ein Brief ist dann besonders gelungen, wenn am Ende die Liebe beteuert wird, der Briefschreiber sehns├╝chtig klingt und einsam und schmachtend auf das Wiedersehen wartet.

Lange Landschaftsbeschreibungen sind tot langweilig und abt├Ârnend, die Beschreibung von tollen Partys oder netten Bekanntschaften f├╝hrt zur tiefen Depression.

Der Stapel mit den englischen Briefmarken kann sich auf alle F├Ąlle sehen lassen, auch wenn wir in dieser Zeit doch schon h├Ąufiger zum Telefon gegriffen haben und die Landschaftsbeschreibungen teilweise ├â┼ôberhand nahmen. Hier habe ich ein dunkelrotes Samtband drum gebunden.

Dicke Briefe voller Sehnsucht

Am Ende meines Studiums ging ich f├╝r ein Semester nach Wien. Mein Freund hatte inzwischen gewechselt. Dicke Umschl├Ąge, gef├╝llt mit Sehnsucht und kleiner Schrift auf vielen Seite flatterten in meine Studentenbude. Es waren die sch├Ânsten Briefe, die ich je bekommen habe, allein deswegen h├Ątte ich ihn heiraten sollen, aber er war nicht „der Richtige“ trotz allÔÇÖ der sch├Ânen Worte. Seinen Briefstapel habe ich mit einem lila Band geschm├╝ckt.

Als ich meinen Mann kennenlernte, hatte die Zeit der Emails und Handys schon begonnen. Briefe haben wir uns vor allem dann geschrieben, wenn es wirklich „ernst“ wurde, wenn man sich die Worte gut ├╝berlegen musste, und das machen wir auch heute noch so.

Aber auch einige, besonders sch├Âne, emails habe ich ausgedruckt und aufgehoben, ein Band habe ich nicht drum gebunden.

gabi