Sonntag, 19. November 2017

Gemeinderat stimmt Mitfinanzierung zum Ausbau zu

Ein Schritt in Richtung S-Bahn

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Der Ausbau des Bahnhofs Heddesheim/Hirschberg wird immer teurer. Bild: heddesheimblog.de

Heddesheim, 19. Dezember 2013. (red/ld/csk) 429.000 Euro wird sich die Gemeinde Heddesheim voraussichtlich den Ausbau des Bahnhofs Heddesheim/Hirschberg auf S-Bahn-Standard kosten lassen. Der Gemeinderat stimmte der Mitfinanzierung zum Ausbau zu. 2011 lagen die veranschlagten Kosten noch bei 402.000 Euro. Die im Zuge des Ausbaus geplanten Aufz├╝ge sind in der vorliegenden Kostenrechnung mit einer hohen F├Ârderung durch Bund oder Land veranschlagt. Sollte diese F├Ârderung ausbleiben, beh├Ąlt sich die Gemeinde vor, ├╝ber die Aufz├╝ge separat zu entscheiden. [Weiterlesen…]

Vom Anschein einer B├╝rgerbeteiligung

Das Leidbild beim Leitbild

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Nachdem die „beteiligten B├╝rger“ auf die B├╝hne gingen – sa├č fast niemand mehr im Saal.

 

Heddesheim, 21. September 2013. (red/pro) 45 Leits├Ątze sollen die k├╝nftige Entwicklung des Dorfes mitbestimmen. Erarbeitet von rund 80 Personen. Aber ist das wirklich B├╝rgerbeteiligung? Oder nur der Anschein davon? Immerhin – es gibt nun etwas schriftlich, wenngleich die Leitbild-Brosch├╝re viele Fragen aufwirft. [Weiterlesen…]

Ergebnisse des B├╝rgerbeteiligungsprozesses ver├Âffentlicht

Das neue Leitbild der Gemeinde Heddesheim

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Rund 80 B├╝rger/innen haben bei der Entwicklung der Leits├Ątze mitgewirkt.

 

Heddesheim, 21. September 2013. (red/aw) Heddesheim hat 45 Leits├Ątze f├╝r die Zukunft der Gemeinde ver├Âffentlicht. Sie sind das Ergebnis des B├╝rgerbeteiligungsprozesses, der im November 2012 gestartet worden war. Das Leitbild soll vor allem den Gemeinderat in den kommenden Jahren bei verschiedensten Anl├Ąssen begleiten. Ins B├╝rgerhaus kamen am Montag rund 160 B├╝rger/innen zur Pr├Ąsentation. [Weiterlesen…]

B├╝rgebeteiligung zum neuen Leitbild der Gemeinde

Mitglieder der Arbeitsgruppen ausgelost

Heddesheim, 21. Dezember 2012. (red/ld) Der Gemeinderat hat in seiner gestrigen Sitzung die Mitglieder der Arbeitsgruppen f├╝r den B├╝rgerbeteiligungsprozess ausgelost. B├╝rgermeister Michael Kessler freute sich ├╝ber die rege Teilnahme bei der letzten B├╝rgerversammlung. Die Mitglieder werden nun per Post benachrichtigt. Die erste konstituierende Sitzung der Arbeitsgruppen findet am 28. Januar 2013 statt. Das neue Leitbild der Gemeinde wird bei der zweiten B├╝rgerversammlung am 16. September vorgestellt.

Die erste B├╝rgerversammlung war ein Erfolg.

sagte Harald Hofmann┬ávom Institut f├╝r angewandte Betriebsp├Ądagogik (IfaBP), der den Prozess koordiniert. Die rege Beteiligung und die R├╝ckmeldungen der Zufallsauswahl zeigten, dass die B├╝rger bereit sind, an ihrer Gemeinde zu arbeiten.

Je zehn Mitglieder aus der B├╝rgerschaft sollten die f├╝nf Arbeitsgruppen besetzen: F├╝nf davon wurden aus den Freiwilligen gelost, die sich bei der B├╝rgerversammlung am 27. November freiwillig gemeldet hatten. Die restlichen f├╝nf wurden zuf├Ąllig ausgesucht und angeschrieben. Wo sich weniger als f├╝nf von ihnen zur├╝ckgemeldet hatten, wurde aus den freiwilligen Meldungen der B├╝rgerversammlung ausgelost.

Die neuen Mitglieder der Arbeitsgruppen werden ab heute per Post benachrichtigt. Die erste Zusammenkunft findet am 28. Januar 2013 in einer konstituierenden Sitzung statt. Dann werden Gruppenmoderatoren und Schriftf├╝hrer gew├Ąhlt. Das Ergebnis, ein neues Leitbild der Gemeinde, soll in der zweiten B├╝rgerversammlung am 16. September vorgestellt werden.

Wer an dem neuen Leitbild mitarbeiten will, ohne Mitglied einer Arbeitsgruppe zu sein, kann die informellen Wege nutzen und den Mitgliedern Ideen liefern, die sie anschlie├čend einbringen k├Ânnen, sagte Hofmann:

Es besteht auch die M├Âglichkeit, Gruppenmitglieder anzusprechen und ihnen Ideen zu unterbreiten.

Gro├čer Andrang bei der B├╝rgerversammlung

Auftakt f├╝r B├╝rgerbeteiligung

Interessierte B├╝rger vor den St├Ąnden zu den Themenbereichen.

 

Heddesheim, 27. November 2012. (red/ld) Die Gemeinde kann B├╝rgerbeteiligung, stellte B├╝rgermeister Michael Kessler bei der B├╝rgerversammlung gestern Abend fest. Rund 140 Ortsans├Ąssige waren im B├╝rgerhaus zusammengekommen, um ihre Mitarbeit an einem Leitbild f├╝r die Gemeinde anzubieten. Bereits im Oktober hatte der Gemeinderat bei einer Klausurtagung Leits├Ątze f├╝r die zuk├╝nftige Entwicklung formuliert. Das Viernheimer Institut f├╝r angewandte Betriebsp├Ądagogik (IfaBP) koordiniert den Prozess. Erste Ergebnisse soll es im Juli 2013 geben. Das Leitbild soll dem Gemeinderat als Richtlinie f├╝r dessen Entscheidungen dienen.

Von Lydia Dartsch

Positiv ├╝berrascht zeigten sich gestern die rund 140 Besucher der B├╝rgerversammlung zum Auftakt ┬ádes B├╝rgerbeteiligungsprozesses, der zu einem neuen Leitbild der Gemeinde f├╝hren soll. „Es macht Spa├č, wenn man das volle Haus sieht“, freute sich B├╝rgermeister Michael Kessler und hob hervor, dass die Gemeinde bereits Erfahrungen mit B├╝rgerbeteiligung gemacht habe:

Beispielsweise mit der B├╝rgerbefragung, die wir durchf├╝hren mussten.

Rund 140 B├╝rgerinnen und B├╝rger kamen zur Veranstaltung.

Auch in anderen, kleineren Projekte habe er erfahren, dass B├╝rgerbeteiligung funktioniere. Au├čerdem seien Gemeinderat und die Verwaltung ja keine Insel, sondern lebten vom Kontakt mit den Heddesheimern.

Ein Leitbild f├╝r Heddesheim

Ein Leitbild f├╝r Heddesheim soll entstehen. F├╝nf Arbeitsgruppen werden daf├╝r gebildet, die bis Juli 2013 das Leitbild der Gemeinde erarbeiten sollen. Als Orientierung daf├╝r dienen die Leits├Ątze, die der Gemeinderat in einer Klausurtagung im Oktober beschlossen hat. ┬áSie dienen als Rahmenvorschlag, betonte Harald Hofmann vom IfaBP, der den Prozess koordiniert:

Die Leits├Ątze k├Ânnen frei ver├Ąndert, ├╝berarbeitet oder auch verworfen werden.

Die f├╝nf Arbeitsgruppen zu den Themen „Soziales – Kinder, Jugend, Familie, Senioren und Demographischer Wandel“, „Vereine, Sport und Freizeit“, „Ortsentwicklung, Verkehr, Gewerbe und Handel“ sowie „Umwelt- und Naturschutz und Landwirtschaft“ und „Geschichte und Kultur“ bestehen aus bis zu 15 Mitgliedern. „Das ist etwa die Gruppengr├Â├če, in der Diskussionen Sinn machen“, erkl├Ąrte Hofmann den Besuchern des Abends. Zwei der Mitglieder kommen aus dem Gemeinderat, sind aber nicht stimmberechtigt. Ein Mitglied der Verwaltung und zwei sachkundige Mitglieder geh├Âren dazu, sowie zehn weitere Mitglieder aus der B├╝rgerschaft. F├╝nf von ihnen werden aus den Bewerbern der gestrigen Versammlung ausgew├Ąhlt, f├╝nf weitere per Zufallsauswahl aus der Heddesheimer Bev├Âlkerung.

Heddesheimer zeigen sich motiviert

B├╝rgermeister Kessler (links) und Harald Hofmann pr├Ąsentierten Inhalt und Ablauf.

Im Januar beginnt die Arbeitsphase der Bürgerbeteiligung. Erste Ergebnisse soll es im Juli 2013 geben. Das erarbeitete Leitbild sei  für den Gemeinderat nicht rechtlich bindend, betonten Hofmann und Kessler. Es sei aber eine Richtlinie, an der sich der Gemeinderat in seinen Entscheidungen orientieren wolle.

Die Stimmung unter den Heddesheimern war motiviert: Gleich nach der Einf├╝hrung bildeten sich Menschentrauben um die einzelnen Tische der Arbeitsgruppen.

Ich erhoffe mir eine neue Lebendigkeit,

sagte uns eine Teilnehmerin, die sich gleichzeitig ├╝berrascht zeigte angesichts der vielen B├╝rgerinnen und B├╝rger im Saal. Ein anderer Teilnehmer w├╝nschte sich:

dass der Zusammenhalt in der Gemeinde und der l├Ąndliche Charakter gest├Ąrkt wird.

Ein Leitbild f├╝r Heddesheim sei besonders wichtig, damit man wisse, wof├╝r die Gemeinde steht, sowie eine gefestigte Identit├Ąt der Heddesheimer erhofften sich die Besucher des Abends.

Weitere Informationen zur B├╝rgerbeteiligung gibt es auf der Homepage der Gemeinde Heddesheim.

Heddesheim will B├╝rger an neuem Leitbild beteiligen

„Ich m├Âchte Ihnen die Angst nehmen“

Heddesheim, 24. Mai 2012. (red) Der Gemeinderat hat heute beschlossen, dass man unter Beteiligung der B├╝rger ein zukunftsf├Ąhiges Leitbild erarbeitet.

Von Hardy Prothmann

Der Betriebsp├Ądagoge Harald Hofmann vom Viernheimer B├╝ro ifabp sagte gleich zu Beginn:

Ich m├Âchte Ihnen die Angst nehmen, dass B├╝rgerbeteiligung sie als Gemeinder├Ąte entmachtet.

Dies sei auf keinen Fall die Folge. Viel eher seien B├╝rgerbeteiligungen durchweg positiv zu bewerten – am Ende entscheide der Gemeinderat als politisches Gremium.

Es sollen in einem Workshop „Gemeinsamkeiten der Fraktionen“ gefunden werden, „fraktions├╝bergreifende L├Âsungen“, die „von allen mitgetragen“ w├╝rden. Ziel sei ein „gemeinsames Zukunftsbild“.

Die Firma w├╝rde die Moderation ├╝bernehmen. Weiter sollen zwei B├╝rgerversammlungen durchgef├╝hrt werden, in denen die Zwischenergebnisse die Ergebnisse der Workshops vorgestellt werden:

Hier k├Ânnen Sie R├╝ckmeldungen und Impulse mit aufnehmen.

Die definierten Ziele w├╝rden dann weiter ausgebaut, danach erfolge die zweite B├╝rgerversammlung. Dann w├╝rden Arbeitsgruppen aus B├╝rgern und Gemeider├Ąten gebildet. Die Ergebnisse w├╝rden dann redaktionell bearbeitet und als Brosch├╝re pr├Ąsentiert.

In Ilvesheim hatte das B├╝ro ein solches Verfahren durchgef├╝hrt:

Dabei sind 20.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden entstanden – es gibt also viel zu tun.

Die Auswahl der B├╝rger obliege dem Gemeinderat per Auswahl, per ├Âffentlichem Aufruf, ├╝ber die Einwohnermeldeliste:

Bislang haben wir keine schlechte Erfahrungen mit „Lobbyismus“ gemacht.

Der Start soll im Oktober 2012 sein. Bis dahin k├Ânne man Minimal- oder Maximalziele definieren. Ende Januar/Anfang Februar solle die erste B├╝rgerversammlung stattfinden und dann w├╝rde man nach einem halben Jahr kurz vor den Sommerferien oder danach die zweite Versammlung abhalten.

Aus Sicht von Hofmann identifizierten sich die B├╝rger mehr mit der Gemeinde durch ein solches Verfahren und ein erarbeitetes Leitbild.

CDU-Gemeinderat Walter Gerwien sagte:

Ich musste schon an Leitbildverfahren teilnehmen. Die Ergebnisse blieben dann liegen. Das ist Geldverschwendung.

Gr├╝nen-Gemeinderat Andreas Schuster sagte:

Wie bekommt man die B├╝rger dazu sich zu engagieren? Und wie geht man mit B├╝rgeranliegen um, die vielleicht nicht dem Gemeinderat in der Mehrheit gefallen?

Das sei eine Frage der Transparenz und es komme darauf an, wer den Prozess wie handhabt und welche Chancen man dem Projekt gibt, sagte Hofmann:

Wenn das negativ beurteilt wird, dann wird es schwer. Das h├Ąngt auch davon ab, wieviel Angst es in den Gremien gibt.

Gemeinderat Kurt Klemm sagte:

Sollten nicht auch die B├╝rger die Chance haben, Ideen vorzustellen?

Das sei absolut gew├╝nscht – deren Vorschl├Ąge k├Ânnten dann eingearbeitet werden. Gemeinderat Uli Kettner wollte wissen, wie man den mit „strittigen“ Dingen umgehe und ob die Gefahr bestehe, dass gewisse Themen unterdr├╝ckt werden.

Herr Hofmann meinte, wenn es Einigung gibt, dass man im Workshop einen „gesch├╝tzten Raum“ sucht – dann k├Ânnte man Inhalte kontrovers disktuieren. Der erste Workshop sei der Einstieg ins Verfahren.

Der Vorschlag von G├╝nther Heinisch eine „Einwohnerbeteiligung“ auch f├╝r ausl├Ąndische Einwohner durchzuf├╝hren, wurde von B├╝rgermeister Kessler abgeb├╝gelt: „Das geh├Ârt jetzt nicht hier her.“

FDP-Gemeinderat Frank Hasselbring sagte, er begr├╝├če den Prozess und sehe die B├╝rger als „Kunden der Gemeinde“. Mit der „B├╝rgerbeteiligung“ beschreite man Neuland.

SPD-Gemeinderat J├╝rgen Merx sieht das als „spannende Geschichte“. Die Gr├╝nen betonten ebenfalls, dass sie dem Projekt zustimmen.

Zun├Ąchst wurden 10.000 Euro f├╝r den Prozess genehmigt.

Der B├╝rgermeister lie├č aufgrund der Stellungnahmen nicht abstimmen.

Nach Schluss des Tagesordnungspunkts konnte man erkennen, was er von der Beteiligung h├Ąlt:

So, beim n├Ąchsten Punkt wird es jetzt wieder handfest.

Landrat Dallinger im Interview zur Finanzlage: „Wir stehen vor vielen Unw├Ągbarkeiten im Sozialetat.“


Kreistagssitzung am 11. Oktober 2011 in Edingen-Neckarhausen: Der Haushaltsentwurf 2012 wurde angenommen.

Guten Tag!

Edingen-Neckarhausen/Rhein-Neckar, 16. Oktober 2011 (red) Am vergangenen Dienstag tagte der Kreisrat in Edingen-Neckarhausen. Hauptthema: Der Haushaltsentwurf 2012. Landrat Stefan Dallinger (CDU) stellte den Haushalt in einer halbst├╝ndigen Rede vor: Oberstes Ziel ist die Reduzierung der Verschuldigung auf 100 Millionen Euro bis Ende 2015.

Von Hardy Prothmann

Insgesamt umfasst der Haushalt ein Volumen von rund 512 Millionen Euro f├╝r das Jahr 2012 – rund 28 Millionen mehr als f├╝r das Jahr 2011. Am Jahresende wird der Kreis voraussichtlich 115,5 Millionen Euro Schulden haben. Bis 2015 sollen der Schuldenstand auf 100 Millionen Euro gesenkt werden.

Landrat Stefan Dallinger, seit 2010 im Amt als Nachfolger von J├╝rgen Sch├╝tz, hat erstmals „Leits├Ątze“ definiert. So sollen neben den gesetzlichen Aufgaben die Themenkomplexe Jugend und Soziales, Bildung, nachhaltige Finanzwirtschaft, Klimaschutz und Wirtschaftsf├Ârderung eine besondere Beachtung finden.

Der Kreisrat nahm den Entwurf an. Jetzt wird der Entwurf in den Fachaussch├╝ssen nochmals beraten und soll am 13. Dezember 2011 verabschiedet werden.

Landrat Dallinger betonte, dass ihm an einer finanziellen Entlastung der Kommunen gelegen sei, was in diesem und im kommenden Jahr auch durch h├Âhere Steuereinnahmen und einer kleinen Senkung der Kreisumlage um 0,5 Prozentpunkte auf dann 31 Prozentpunkte auch m├Âglich ist.

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Die Spielr├Ąume sind nicht gro├č – vor allem im Sozialbereich gibt es „feste Kosten“ von knapp 162 Millionen Euro netto, ohne Personalkosten. In diesem Jahr wendet der Kreis erstmalig das neue Kommunale Haushalts- und Rechnungswesen an und startete mit einer „Er├Âffnungsbilanz“. Danach verf├╝gt der Kreis ├╝ber ein Basiskapitalverm├Âgen von 156,5 Millionen Euro – was wenig ist. Allerdings sind hier Immobilienwerte nicht eingerechnet, da diese an den Eigenbetrieb „Bau und Verm├Âgen“ ausgegliedert sind. Das ist leider wenig transparent.

Im Rhein-Neckar-Kreis (RNK) leben rund 537.000 Menschen in 54 Kommunen – womit der RNK der einwohnerreichste Kreis Baden-W├╝rttembergs und der f├╝nftgr├Â├čte in Deutschland ist.

Im Interview mit unserer Redaktion stellt Landrat Stefan Dallinger die Lage des Kreises aus seiner Sicht dar (Anm. d. Red.: „Wir bitten die leichte Unsch├Ąrfe infolge technischer Probleme zu entschuldigen).

Wir dokumentieren au├čerdem die Rede des Landrats bei der Kreistagssitzung in Edingen-Neckarhausen:

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Der B├╝rgermeister muss darauf achten, die Gemeinde nicht zu spalten

Heddesheim, 06. Oktober 2009.

Prof. Dr. Hans-Georg Wehling ist einer der renommiertesten Gelehrten der Republik in Sachen Kommunalpolitik. Der Honorarprofessor der Universit├Ąt T├╝bingen war├é┬áLeiter der Abteilung „Publikationen“ bei der Landeszentrale f├╝r politische Bildung Baden-W├╝rttemberg. Er ist Verfasser des Buches „Der B├╝rgermeister in Baden-W├╝rttemberg“ und zahlreicher anderer Publikationen.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Professor Wehling. Die Heddesheimer Bev├Âlkerung war gleichzeitig zur Bundestagswahl am 27. September 2009 zu einer B├╝rgerbefragung aufgerufen. Gefragt wurde, ob die B├╝rger den Ausbau von Gewerbe und Arbeitspl├Ątzen und eine Ansiedlung des Logisitik-Unternehmens Pfenning wollen oder nicht. Wie interpretieren Sie das Ergebnis?
Hans-Georg Wehling: „Das Ergebnis ist insgesamt sehr eindeutig. Die Mehrheit der Heddesheimer will Entwicklung, die H├Ąlfte der B├╝rgerschaft lehnt allerdings die Ansiedlung der Firma Pfenning ab.“

Prof. Dr. Hans-Georg Wehling ist Experte f├╝r Kommunalpolitik. Bild: privat

Prof. Dr. Hans-Georg Wehling ist Experte f├╝r Kommunalpolitik. Bild: privat

M├╝ssen die lokalen Politiker die Ergebnisse f├╝r eine politische Bewertung ernst nehmen?
Wehling: „In der Baden-W├╝rttembergischen Gemeindeordnung ist eine B├╝rgerbefragung nicht vorgesehen. Demnach ist das Ergebnis nicht bindend. Allerdings wollte der Heddesheimer Gemeinderat die Meinung der B├╝rger h├Âren. Somit entsteht eine politische Verbindlichkeit.“

Der B├╝rgermeister muss darauf achten, die Gemeinde nicht zu spalten.

Was bedeutet das?
Wehling: „B├╝rgermeister und Gemeinderat sollten darauf achten, dass die Gemeinde hinter den geplanten Projekten steht. In der vorliegenden Situation gibt es zwar eine sehr knappe Zustimmung – die andere H├Ąlfte lehnt das Projekt aber ab. Der B├╝rgermeister muss darauf achten, die Gemeinde nicht zu spalten.“

Das ist aber nicht so einfach. Immerhin will doch die andere H├Ąlfte das, was die andere nicht will. Was kann man vom B├╝rgermeister in der Sache erwarten?
Wehling: „Dass er den Willen der B├╝rger respektiert und seine eigene Position deutlicher rechtfertigt. Die B├╝rger wollen eine Entwicklung des Gewerbegebiets. Aber eine H├Ąlfte will keine so gro├če Logistikansiedlung vor der Haust├╝r.“

Aus Sicht des B├╝rgermeisters und wahrscheinlich aus Sicht der knappen Mehrheit des Gemeinderats ist die geplante Ansiedlung des Unternehmens „Pfenning“ aber gut f├╝r die Gemeinde.
Wehling: „Das ist nicht unbedingt nachvollziehbar. Ein solches Unternehmen bringt wenig qualifizierte Arbeitspl├Ątze und voraussichtlich nur geringe Gewerbesteuereinnahmen. Eine solche Ansiedlung passt eher in einen anderen gewerblichen Raum.“

Wer nichts anderes erarbeitet hat, greift auf das zur├╝ck, was er hat.

Das sehen B├╝rgermeister, Teile des Gemeinderats und das Unternehmen anders.
Wehling: „Klar, wenn der B├╝rgermeister und der Gemeinderat keine anderen M├Âglichkeiten erarbeitet haben. Dann greift man auf das zur├╝ck, was man hat.“

Eine grunds├Ątzliche Frage: Sollten Gemeinden darauf achten, ihre Gewerbegebiete auszuweiten, um ihre Kosten finanzieren zu k├Ânnen?
Wehling: „Kleinere und mittlere Gemeinden in Ballungsr├Ąumen sind eher gut beraten, sich auf den Zuwachs von Einwohnern zu konzentrieren, das bringt mehr, als der Zuwachs von Gewerbe. Fl├Ąchenfressende Ansiedlungen mit m├Âglichen Verschandelungen der Landschaft, die den Wohnwert der Gemeinde beeintr├Ąchtigen, sind kontraproduktiv.“

Normalerweise wird W├╝nschen von Firmen mit Weltruf
quasi automatisch statt gegeben.

Haben Sie einen Beleg f├╝r diese Aussage?
Wehling: „Nehmen Sie das Beispiel Metzingen. Dort wurde per B├╝rgerentscheid der Bau eines Logistikzentrums verhindert, obwohl es sich um einen gro├čen lokalen Arbeitgeber, eine Firma von Weltruf handelte. Normalerweise wird solchen Erweiterungsw├╝nschen quasi automatisch statt gegeben.“

Wie ging das?
Wehling. „Der B├╝rgermeister wollte die Ansiedlung, viele B├╝rger nicht. Der B├╝rgermeister wollte diese Halle und hat argumentiert: Wenn wir das nicht machen, verlieren wir auch andere Arbeitspl├Ątze. Nach der Niederlage ist der B├╝rgermeister zur├╝ckgetreten, obwohl er dies nicht mit dem B├╝rgerentscheid verbunden hat. Das ist zu respektieren.“

In Heddesheim wird wild gerechnet. Theoretisch gibt es im Rat eine Mehrheit f├╝r die Ansiedlung von 12:9 Stimmen inklusive B├╝rgermeister und 11:9, wenn der B├╝rgermeister sich enth├Ąlt. Ist solch eine knappe Mehrheit demokratisch in Ordnung?
Wehling: „Nach der Gemeindeordnung ja. Aus Sicht des B├╝rgermeisters w├Ąre eine Enthaltung ein ganz enormer Prestige- und damit Machtverlust. Das k├Ąme einer Flucht aus der Verantwortung gleich. B├╝rgermeister stehen f├╝r etwas, sie enthalten sich nicht. Wenn der B├╝rgermeister mit so einer knappen Mehrheit ein Projekt „durchdr├╝ckt“, riskiert er m├Âglicherweise seine Wiederwahl.“

Der B├╝rgermeister ist aufgerufen, Zuversicht zu vermitteln.

Was w├╝rden Sie erwarten?
Wehling: „Der B├╝rgermeister sollte die Situation positiv nutzen und erkennen, dass ein Entscheidung gegen die H├Ąlfte der B├╝rger den Ort spalten wird – wenn das nicht schon l├Ąngst der Fall ist. Es m├╝ssen Alternativen gesucht werden. Der B├╝rgermeister ist an dieser Stelle aufgerufen, Zuversicht zu vermitteln. Daf├╝r hat er einen guten Beleg: Die B├╝rger wollen Entwicklung – nur nicht diese.“

Moment, es geht ja nicht nur um eine psychologische Stimmung, sondern konkret um Einnahmen f├╝r die Gemeinde und die sehen durch die Finanzkrise nicht gut aus.
Wehling: „Die erste Frage ist: Droht der Gemeinde ein Kollaps? Geht es der Gemeinde schlecht?“

Heddesheim hat weniger als 400 Euro Verschuldung pro Kopf.
Wehling: „Das ist eine beruhigende Ausgangsposition und kein Grund, in Panik zu verfallen aufgrund der Finanzkrise.“

Das sehen in Heddesheim nicht alle so.
Wehling: „Die Krise trifft alle Kommunen, aber das bedeutet nicht, dass diese nicht nach vorne in die Zukunft schauen k├Ânnen.“

Gemeinden ohne „Wir“-Gef├╝hl werden irgendwann geschluckt.

Was meinen Sie?
Wehling: „Schauen Sie sich die Entwicklung von Ladenburg an.“

Genauer bitte.
Wehling: „Beispielsweise b├╝rgermeisterliche Prestige-Objekte. Ladenburg hat kein Hallenbad. Warum? Weil der B├╝rgermeister Reinhold Schultz seinerzeit der Meinung war, dass es genug davon in der Umgebung gibt und das Geld besser in andere Projekte investiert werden kann. Auch die Bauh├Âhen wurden begrenzt, um das Profil der Gemeinde auch sichtbar zu erhalten, schon aus der Ferne. Die Stadt hat damit an Charakter gewonnen und profitiert heute davon.“

Welchen Profit meinen Sie?
Wehling: „Ladenburg ist eine attraktive Gemeinde mit hohem Wohnwert und einer klaren Identit├Ąt und hat sich dadurch auf Jahrzehnte ihre Eigenst├Ąndigkeit bewahrt. Andere Gemeinden, die kein „Wir“-Gef├╝hl haben, werden in der Regel irgendwann „geschluckt“ und sind dann Stadtteile. Das raubt die M├Âglichkeit f├╝r eigenst├Ąndige Entscheidungen.“

Wie kann man dem entgegen steuern?
Wehling: „Indem man wei├č, was man will. Daf├╝r braucht es eine hohe Identifikation mit dem Ort und seinen Zielen. Die Frage ist: Wo wollen wir hin, wer wollen wir sein? Wer darauf eine Antwort hat, kann selbst gestalten.“

Siehe auch: Streitthemen k├Ânnen die Wahlbeteiligung erh├Âhen

Wir brauchen ein Leitbild f├╝r die Gemeinde


Guten Tag!

Heddesheim, 18. September 2009. Bei der BUND-Informationsveranstaltung forderte der Volkswirt Michael Bowien ein Leitbild f├╝r die Gemeinde. Darin enthalten: Eine Idee und ein Ziel, wo man hinwill – anstatt orientierungslos den erstbesten Bewerber zu nehmen.

Das Video dauert etwa 10 Minuten.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
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Volles B├╝rgerhaus – Heddesheimer informieren sich ├╝ber Argumente gegen die Pfenning-Ansiedlung


Guten Tag!

Heddesheim, 17. September 2009. Rund 350 G├Ąste informierten sich gestern auf der Informationsveranstaltung vom Bund f├╝r Umwelt- und Naturschutz im B├╝rgerhaus. Gastredner der IG neinzupfenning und dem Ortsverband der Gr├╝nen waren geladen. Aus verschiedenen Perspektiven kritisierten die Pfenning-Gegner das Projekt unter heftigem Applaus der G├Ąste.

Dr. Kurt Fleckenstein informierte aus der Sicht des Landschaftsarchitekt ├╝ber die geplante „Pfenning“-Ansiedlung: „Wir k├Ânnen dieses geplante Projekt nur im Zusammenhang mit den bereits bestehenden Belastungen sehen – und die sind enorm. Wenn wir den Ort weiter mit Verkehr belasten, unsere organisch gewachsene Siedlungsstruktur und den Landschaftsraum mit diesem Projekt massiv einschr├Ąnken, werden immer mehr B├╝rger unser Heddesheim verlassen. Wer es sich leisten kann, wird wegziehen, also die einkommensstarken B├╝rger. Damit wird ein Wertverfall von H├Ąusern und Wohnungen einhergehen. Und der Gemeinde werden die Steuereink├╝nfte und Umlagen dieser Haushalte fehlen.“

„Der Charakter der Wohngemeinde wird sich zur Industriegemeinde wandeln.“ Kurt Fleckenstein

„Eines der wichtigsten Argumente f├╝r Pfenning sind die Gewerbesteuereinnahmen. Dabei wei├č der B├╝rgermeister selbst, dass die Gewerbesteuer nur einen Anteil von 10-15 Prozent an den Einnahmen der Gemeinde ausmacht. Zum Vergleich: der Gewerbesteueranteil liegt bei 120 Euro, der Einkommenssteueranteil je Einwohner liegt bei 500 Euro – ohne die zus├Ątzlichen Abgaben, die die Einwohner noch in die Gemeindekasse zahlen. Die Gemeinde ist also gerade nicht von m├Âglichst hohen Gewerbesteuereinnahmen abh├Ąngig, sondern von m├Âglichst vielen Einwohnern mit guten oder sehr guten Einkommensverh├Ąltnissen. Um diese Steuerquelle sollten wir uns vor allem bem├╝hen.“

Kurt Fleckenstein analysierte die Situation Heddesheims dabei aus verschiedenen Perspektiven: „Heddesheim ist ├╝berwiegend kleinteilig entwickelt und hat kaum st├Ądtebauliche S├╝nden bis auf das S├╝ba- und das Hirschhochhaus. Sollte Pfenning kommen, kommt eine vollst├Ąndig unpassende, unma├čst├Ąbliche Ansiedlung und die Wohngemeinde Heddesheim wird sich schlagartig in eine Industriegemeinde verwandeln. Der Charakter des Ortes wird ins Gegenteil verkehrt.“

Weiter kritisierte Kurt Fleckenstein: „Wenn Pfenning kommt, setzen wir alles auf eine Karte. Wir verzichten auf unsere letzte gro├če Entwicklungsfl├Ąche und machen die Entwicklung unseres Gewerbegebiets von einem Betrieb abh├Ąngig. Das wird noch verst├Ąrkt, wenn Pfenning den zweiten Bauabschnitt realisiert. Und wenn Pfenning dort nichts realisiert, wird auch niemand anders sich dort ansiedeln, in direkter Nachbarschaft eines riesigen Logistikzentrums. Nicht nur der Ort, auch das Gewerbegebiet wird durch Pfenning dominiert werden. Die Frage ist, ob wir das wirklich wollen.“

„Wo wollen wir eigentlich hin? Was ist unser Leitbild?“ Michael Bowien

SPD-Gemeinderat Michael Bowien kritisierte in seinem Vortrag, dass „die geplante Pfenning-Ansiedlung im Schweinsgalopp durchgezogen werden soll“. „Anstatt dar├╝ber nachzudenken, wo man als Gemeinde hin will, hat man nach der Edeka-Absage f├╝r das Fleischwerk den erstbesten Bewerber genommen.“

Der Gemeinde „fehlt es an einem Leitbild, wie sie sich wohin entwickeln will“, sagte Michael Bowien. Dabei wies er darauf hin, dass es doch eine Art Leitbild g├Ąbe, aber eines, ├╝ber das man keine Kontrolle habe: „18 Gemeinden haben ihre hoheitlichen Rechte der Fl├Ąchennutzung in die H├Ąnde des Regionalverbands Rhein-Neckar abgegeben. Der entscheidet nun, wie unsere Fl├Ąchen ausgewiesen werden.“

Im Fl├Ąchennutzungsplan sei eine Art Leitbild zu erkennen, sagte Michael Bowien und zitierte: „Der Boden ist in unserem Verbandsgebiet zu einem knappen Gut geworden. Vor allem, wenn man die Artenvielfalt entlang der Bergstra├če und des Neckars sowie der weiteren Gew├Ąsser erhalten will. Sichtbeziehungen aus den Wohngebieten und von der Bergstra├če erfordern die Vernetzung von Freir├Ąumen. Das ist ein wesentliches Element der Landschafts-├âÔÇ×sthetik in unserem Gebiet. Hierf├╝r ist ein Fl├Ąchenbewusstsein zu entwickeln und zu kommunizieren.“

Weiter verwies Michael Bowien darauf, dass der Fl├Ąchennutzungsplan expliziert sagt: „In Mannheim und Heidelberg aber auch in Schwetzingen bestehen erhebliche Wiedernutzunspotentiale, mit denen eine breite Palette von Entwicklungsm├Âglichkeiten geboten wird.“

„Hohe Konflikte bei Boden – Klima – Landschaft.“ Fl├Ąchennutzungsplan

Die Gemeinde wiederum beziehe sich immer wieder auf den Fl├Ąchennutzungsplan und argumentiere, dass das Gewerbegebiet dort als „besonders f├╝r Logistik geeignet“ definiert werde: „Genauso steht aber im Fl├Ąchennutzungsplan folgendes: Konflikt zu Boden: Hoch. Konflikt zu Klima / Luft: Hoch. Konflikt zu Landschaft: Hoch.“

Weiter zitierte Michael Bowien den B├╝rgermeister Michael Kessler aus der RNF-Sendung vom August 2009: „Wir k├Ânnen nicht bei uns Gewerbeansiedlungen in einer Gr├Â├če umsetzen, die unseren Ort erdr├╝cken. Das w├Ąre sicherlich falsch, es muss passen zu unserem Ort.“

Michael Bowien pl├Ądierte f├╝r ein Nein zu Pfenning und ein Leitbild f├╝r die Gemeinde: „Heddesheim versteht sich in erster Linie als Wohngemeinde, familienfreundlich mit breit gef├Ąchertem Sport-Angebot. Gewerbefl├Ąchen sollen im Sinne echter Nachhaltigkeit entwickelt werden. Das k├Ânnten Unternehmen sein, die sich erneuerbaren Energien widmen oder auch die Ansiedlung von Forschungseinrichtungen.“

Der BUND-Gesch├Ąftsf├╝hrer Rhein-Neckar-Odenwald, Matthias Weyland, war als Ersatzredner f├╝r Richard Landenberger eingesprungen, der erk├Ąltungsbedingt nicht sprechen konnte.

Matthias Weyland forderte eine nachhaltige Entwicklung der Heddesheimer Gewerbegebiete: „Voraussetzung daf├╝r ist eine Analyse unserer gegenw├Ąrtigen Situation: Welche Betriebe, Gewerke, Dienstleistungen gibt es? Dabei m├╝ssen wir nicht einzelne Betriebe betrachten, sondern auch das gesamte Gewerbegebiet – sonst kann man keine nachhaltigen Entwicklungen f├Ârdern.“

„Wir brauchen ein Fl├Ąchenmanagement, das brach liegende Fl├Ąchen reaktiviert.“ Matthias Weyland

Wichtig sei es, die Vernetzung im Gewerbegebiet zu f├Ârdern und zu erg├Ąnzen: „Wir werden damit niemals ein geschlossenes Roh- und Werkstoffsystem erreichen k├Ânnen, aber wir werden die gegenw├Ąrtige Situation enorm verbessern. Das ist ein konkretes Ziel f├╝r eine nachhaltige Entwicklung.“

Vor allem der Bereich Energiegewinnung – und bezug stehe im Vordergrund: „Woher wird welche Art von Energie bezogen? Welche und wie viel Energie wird bei der Produktion verbraucht? Welche Energieeinsparpotenziale gibt es? Wie k├Ânnen diese gef├Ârdert werden?“

F├╝r den Fl├Ąchenverbrauch appellierte Matthias Weyland, nicht einfach weitere Fl├Ąchen zu versiegeln, sondern vorhandene, brach liegende Fl├Ąchen neu zu nutzen: „Wir brauchen ein Fl├Ąchenmanagement, das vor allem fr├╝her genutzte Fl├Ąchen im Blick hat, die reaktiviert werden k├Ânnen. Das ist sicher nicht der einfache Weg – aber mit Sicherheit der richtige.“

Weiter f├╝hrte Matthias Weyland den Wasserverbrauch, die Schadstoffemissionen sowie die Verkehrsstr├Âme an: „Es gibt zu viele Fragen zu diesen zentralen Themen, die noch nicht beantwortet werden k├Ânnen, weil sich niemand ausreichend um die damit verbundenen Probleme und m├Âglichst nachhaltige L├Âsungen gek├╝mmert hat. Das muss sich ├Ąndern.“

„Der t├Ągliche Verkehrskollaps ist mit Pfenning programmiert.“ G├╝nther Heinisch

Der Gr├╝nen-Gemeinderat G├╝nther Heinisch stellte die Verkehrsproblematik anhand eines konkreten Beispiels zur Diskussion: die Belastungen der Heddesheimer Stra├čen und Kreisverkehre.

G├╝nther Heinisch griff dabei das Verkehrsgutachten an: „Der Edeka-Kreisverkehr im Gewerbegebiet kann angeblich den Pfenning-Verkehr locker verkraften. Doch bei einer Mehrbelastung von durchschnittlich 600 Lkw-Fahrten allein durch die Firma Pfenning und dem weiteren neuen Verkehr werden sich schnell die strukturbedingten M├Ąngel des hier realisierten Kreisverkehres in seiner Funktionalit├Ąt auftun.“

Weiter betonte G├╝nther Heinisch, dass der Kreisel nicht isoliert betrachtet werden d├╝rfen: „Wir m├╝ssen die Wechselwirkungen zwischen dem Kreisel im Hirschberger Gewerbegebiet, unserem Kreisverkehr und eventuell zwei neuen Kreisverkehren betrachten: Die Abst├Ąnde dazwischen sind viel zu gering und die Dimension der Kreisel ist zu klein. Der t├Ągliche Kollaps zu Sto├čzeiten ist hier programmiert.“

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Sieben Thesen eines Sozialdemokraten zu „Pfenning“


Gastbeitrag: Michael Bowien

Vorbemerkung: Nachdem die SPD-Fraktion in Heddesheim mehrheitlich leider immer noch f├╝r das Pfenning-Projekt votiert und dies auch in ihrer offiziellen Stellungnahme zur B├╝rgerbefragung zum Ausdruck bringt, m├Âchte ich an dieser Stelle meine Minderheits-Position darlegen, f├╝r die ich weiterhin innerhalb und au├čerhalb meiner Partei werbe.

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Gemeinderat Michael Bowien (SPD). Bild: hblog

1. Heddesheim ist f├╝r Pfenning ein optimaler Standort, aber Pfenning ist f├╝r Heddesheim nur ein zwar m├Âgliches, aber schlechtes Projekt, in dem die Nachteile deutlich ├╝berwiegen.

2. Der Fl├Ąchennutzungsplan weist das fragliche Gel├Ąnde zwar als Gewerbegebiet, insbesondere geeignet f├╝r Logistik, aus. Zugleich stellt der Fl├Ąchennutzungsplan den Konfliktgehalt einer solchen Widmung zu den verschiedenen Umweltzielen aber als hoch dar.

3. Dieser Widerspruch in sich wird im Fl├Ąchennutzungsplan letztlich nicht aufgel├Âst. In einer solchen Situation ist die Gemeinde aufgefordert, durch ein den Fl├Ąchennutzungsplan erg├Ąnzendes eigenes Leitbild zu kl├Ąren, inwieweit sie tats├Ąchlich bereit ist, die ├Âkologischen Ziele zu opfern oder welchen Entwicklungs-Alternativen sie den Vorzug gibt.

4. Dabei sollten zwei Dinge im Vordergrund stehen: a) der Charakter der Gemeinde Heddesheim als Wohngemeinde und b) die gro├čen Herausforderungen, denen wir uns gegen├╝bersehen: Sicherung der Energieversorgung und Klimaschutz.

zu a):
Es kann nicht Ziel sein, die Wohngemeinden im Umland der Gro├čst├Ądte nachtr├Ąglich zu industrialisieren. Ein bestimmtes Ausma├č an kleinem und mittlerem Gewerbe ist zul├Ąssig und notwendig, aber Industrieansiedlung ist Aufgabe der Gro├čst├Ądte. Im Mannheimer Hafen (Rheinauhaufen und Friesenheimer Insel) stehen gro├če Fl├Ąchen zur Verf├╝gung.

Das Ausma├č des Pfenning-Projekts mit seiner Einrichtung von BimSch-f├Ąhigen Chemie-Lagern kommt jedoch einer Industrialisierung gleich.

zu b):
Die gro├čen globalen Herausforderungen, denen wir uns gegen├╝bersehen und die auch im Partei- bzw. Wahl-Programm der SPD eine wichtige Rolle spielen, hei├čen: Sicherung der Energieversorgung und Klimaschutz. Diese Probleme werden aber nicht in Stuttgart, Berlin oder Br├╝ssel gel├Âst. Dort kann nur an Stellschrauben des gesetzlichen Ordnungsrahmens gedreht werden.

F├╝r die tats├Ąchliche Problem-Bew├Ąltigung gilt: global denken, lokal handeln. Nur im konkreten Handeln vor Ort k├Ânnen die Probleme angegangen werden.

Ich pl├Ądiere daher f├╝r ein Leitbild, in dem folgende Akzente wesentlich sind:

  • die Weiterentwicklung der Gemeinde Heddesheim insgesamt als familienfreundliche und sport-orientierte Wohngemeinde
  • die Weiterentwicklung der Gewerbefl├Ąchen im Sinne echter Nachhaltigkeit

(Stichworte dazu: Ansiedlung von Einrichtungen aus Forschung und Wissenschaft, die sich mit erneuerbaren Energien oder Klimaschutz befassen; Errichtung eines Blockheizkraftwerks oder eines Biomassekraftwerks -was beides wesentlich weniger Fl├Ąche verbrauchen w├╝rde als f├╝r Pfenning vorgesehen- und Anbindung an die ├Ârtliche Energieversorung u.a.m.)

5. Pfenning w├╝rde s├Ąmtliche Fl├Ąchenreserven der Gemeinde Heddesheim f├╝r sich beanspruchen. Pfenning steht damit nicht nur im Konflikt mit den im Fl├Ąchennutzungsplan selbst verankerten Umweltzielen, sondern beraubt uns auch auf unabsehbare Zeit der M├Âglichkeit, alternative zukunftstr├Ąchtige L├Âsungen auf den fraglichen Fl├Ąchen zu entwickeln.

6. Als Sozialdemokraten k├Ąmpfen wir f├╝r L├Âhne, die ein menschenw├╝rdiges Dasein erm├Âglichen. Die Logistik-Branche ist aber ihrer Natur nach -was von Pfenning auch immer wieder betont wird- starken saisonalen Schwankungen unterworfen und besch├Ąftigt daher zu einem ├╝berdurchschnittlich hohen Anteil Saison- und Leih-Arbeitskr├Ąfte, Mini-Jobber und „Sub-Unternehmer“. Also ungesicherte Jobs, mit denen h├Ąufig nur ein Zubrot verdient werden kann. (Nicht umsonst wehrt Hr. Nitzinger jede Frage nach der genauen Zahl und Zusammensetzung der Arbeitspl├Ątze regelm├Ą├čig ab).

Das hei├čt selbstverst├Ąndllich nicht, dass die Wirtschaft insgesamt auf solche Arbeitspl├Ątze verzichten k├Ânnte. Es hei├čt aber, dass die Gemeinde Heddesheim angesichts der Tatsache, dass sie bereits jede Menge Logistik beherbergt (Edeka, Sch├╝chen, Hermes, UPS …), nicht den kompletten Rest an Gewerbe-Fl├Ąche auch noch der Logistik widmen und damit zu einer Logistik-Monokultur werden sollte.

7. Es geht letztlich nicht um eine blo├če Ablehnung von Pfenning, sondern um die Entwicklung echter Alternativen. Um zukunftsf├Ąhige, nachhaltige Projekte, die dem Gemeinwohl Heddesheims tats├Ąchlich dienen. Ich pl├Ądiere daher jetzt f├╝r ein Nein zu Pfenning und danach f├╝r die Erarbeitung eines angemessenen Leitbilds und die Umsetzung entsprechender Projekte.

Damit bin ich ├╝brigens gar nicht besonders originell. Es gibt in Deutschland schon eine Reihe von Kommunen und Kreisen, die sich in diese Richtung orientieren, sogar etliche, die sich um eine hundertprozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien bem├╝hen bzw. dies bereits geschafft haben, sogenannte 100%-EE-Regionen.

Es wird Zeit, dass wir in Heddesheim diese Diskussion nicht l├Ąnger verschlafen, sondern uns dieser Bewegung anschlie├čen. Stellen wir die Vision einer 100%-EE-Kommune der Monokultur der LKWs entgegen!

Hat die Gemeinde Heddesheim ein Leitbild oder hat sie keins?

Guten Tag!

Heddesheim, 18. August 2009. Der SPD-Gemeinderat Michael Bowien stellte in der Gemeinderatssitzung vom 03. August 2009 Fragen zum Leitbild der Gemeinde. B├╝rgermeister Michael Kessler wies die Fragen zur├╝ck und erkl├Ąrte, die Gemeinde habe sich mit einem Leitbild sehr wohl auseinander gesetzt. Das heddesheimblog hat dies nachrecherchiert.

Von Hardy Prothmann

Die Redaktion stellte folgende Frage:

„Herr B├╝rgermeister, Sie haben im „Dialogkreis“ gesagt, dass die Gemeinde ein durch Sie und den Gemeinderat definiertes Leitbild habe. Wir haben versucht, dieses auf der Internetseite der Gemeinde zu finden. Entspricht der Text: „Wir ├╝ber uns“ diesem Leitbild oder gibt es einen weiteren Text dazu?“

Herr Kessler hat uns auf diese Fragen geantwortet:

„Ich habe im Gemeinderat wie im Dialogkreis gesagt, dass im Zuge├é┬áder intensiven Diskussion ├╝ber die Auswirkungen des├é┬ádemografischen Wandels, der Gemeinderat ├╝ber die zuk├╝nftigen├é┬áAufgaben und Strategien zur Bew├Ąltigung dieser Aufgaben ein├é┬áPapier (Umgang mit dem demographischen Wandel) einstimmig├é┬áverabschiedet hat. Diese Strategie wurde in einer├é┬áGemeinderatssitzung wie auch beim B├╝rgertag der ├ľffentlichkeit├é┬ávorgestellt.

Die umfassende Ausarbeitung steht seit dieser Zeit auf unserer├é┬áHomepage. Die letzten Wochen im zug├Ąnglichen Archiv, seit dieser├é┬áWoche wieder im Bereich Aktuelles.├é┬áDar├╝ber hinaus finden des ├ľfteren Diskussionen ├╝ber strategische├é┬áHerangehensweisen im Gemeinderat statt. Sicher wird Gelegenheit├é┬ásein in den n├Ąchsten Monaten das ein und andere Thema├é┬áaufzugreifen.“

Die Redaktion hat sich das Papier „Analyse und Umgang mit dem Demographischen Wandel in Heddesheim“ angeschaut. Darin hei├čt es: „Die Verwaltung hat eine├é┬áProjektgruppe gebildet, die eine Ist-Aufnahme zu verschiedenen Handlungsans├Ątzen erstellt├é┬áhat.“ Im Kern arbeitet das Papier die Bertelsmannstudie „Demographischer Wandel“ ab und vergleicht durchschnittliche Angaben mit den Gegebenheiten in Heddesheim. Weiter werden daraus m├Âgliche Handlungsans├Ątze genannt.

Ein Leitbild ist das definitiv nicht.

Der SPD-Gemeinderat Michael Bowien hatte folgende Fragen:

  • Wo will die Gemeinde in 10-15 Jahren stehen?
  • Wenn man zu den schon vorhandenen Logistikunternehmen Spedition Sch├╝chen, UPS, Hermes und Edeka noch Pfenning dazu nimmt, w├Ąre Heddesheim definitiv eine Logistikgemeinde.├é┬áWill sich die Gemeinde als reiner Logistik-Standort definieren?
  • Oder will sich die Gemeinde noch Optionen offen halten und andere zukunftstr├Ąchtige Gewerbeansiedlungen aus dem Bereich IT, erneuerbare Energien oder Biotechnologie ansiedeln?

B├╝rgermeister Michael Kessler gab keine Antwort auf die Frage, sondern sagte: „Das ist jetzt hier nicht der Ort in eine Sachdiskussion einzustimmen. Sie sind neu im Gemeinderat und k├Ânnen nicht wissen, dass wir ein Leitbild sehr wohl diskutiert haben.“

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
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