Dienstag, 19. Juni 2018

Ergebnisse des BĂŒrgerbeteiligungsprozesses veröffentlicht

Das neue Leitbild der Gemeinde Heddesheim

leitbild heddesheim-130916- IMG_9915

Rund 80 BĂŒrger/innen haben bei der Entwicklung der LeitsĂ€tze mitgewirkt.

 

Heddesheim, 21. September 2013. (red/aw) Heddesheim hat 45 LeitsĂ€tze fĂŒr die Zukunft der Gemeinde veröffentlicht. Sie sind das Ergebnis des BĂŒrgerbeteiligungsprozesses, der im November 2012 gestartet worden war. Das Leitbild soll vor allem den Gemeinderat in den kommenden Jahren bei verschiedensten AnlĂ€ssen begleiten. Ins BĂŒrgerhaus kamen am Montag rund 160 BĂŒrger/innen zur PrĂ€sentation. [Weiterlesen…]

Ringstraßen-Debatte

AufklĂ€rung fĂŒr Kessler

Heddesheim, 24. September 2012. (red/pro) Der Gemeinderat will Daten anfordern, um die PriorisierungseinschĂ€tzung der Ringstraßen-Erweiterung einsehen zu können. Man darf gespannt sein, welche Daten ĂŒbermittelt werden und welche SchlĂŒsse man daraus ziehen kann. Klar ist: Vor 2020 geht nichts in Sachen Ringstraße. Und klar ist auch, wer die politische Verantwortung trĂ€gt: Die alte CDU-Landesregierung im Allgemeinen und Herr Kessler im Besonderen.

Kommentar: Hardy Prothmann

BĂŒrgermeister Michael Kessler ist zwar parteilos, fĂ€hrt aber auf einem schwarz-rot-gelben Ticket. Richtig komisch ist, dass ausgerechnet er nun „AufklĂ€rung“ fordert. „Pfenning“ wurde vorbereitet, in nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen und dann in öffentlicher Sitzung mit dem Aufstellungsbeschluss zementiert. Einflussmöglichkeiten fĂŒr die BĂŒrger? Keine Chance.

Der Meister der Intransparenz und der nicht-Öffentlichkeit geriert sich nun zum „AufklĂ€rer“. Was fĂŒr ein Treppenwitz. Aber zu den Fakten.

Im Mai 2009 haben wir Harald Protz, Leiter des Referats Straßenplanung, zu den einzelnen Schritten befragt und welche Bedingungen erfĂŒllt sein mĂŒssen, bis die Umgehungsstraße tatsĂ€chlich fertig sein wird (das Interview können Sie hier nachlesen):

Was Harald Protz im GesprĂ€ch mit dem Heddesheim-Blog nicht klĂ€ren kann, ist die Finanzierung und die Bauzeit, weil das zum jetzigen Zeitpunkt unwĂ€gbare Faktoren sind. Der Abschluss des Planfestellungsverfahrens fĂ€llt in die Zeit der Landtagswahlen – danach gibt es einen neuen Landeshaushalt, wie dort welche Mittel verteilt sein werden, ist unklar. Die Bauzeit der Umgehungsstraße dĂŒrfte etwa drei Jahre betragen.

Die Auskunft von Herrn Protz war also korrekt. Es gab Landtagswahlen, die CDU ist nach fast 60 Jahren Regierungszeit abgewĂ€hlt worden und die neue grĂŒn-rote Landesregierung steht vor den TrĂŒmmern der CDU-Regenschaft: 734 „Straßenbauprojekte“ wurden „begonnen“. Der dafĂŒr benötigte Gesamtetat: 2,5 Milliarden Euro. Sofern das reicht. Wenn wie in Schriesheim oder NeckargemĂŒnd nachfinanziert werden muss, sind es auch schnell 5 Milliarden Euro. So gut wie keines dieser Projekte ist durchfinanziert. Es sind hohle Versprechungen, angefangene Straßen, angefangene Planungen, gebaute BrĂŒcken ohne AnschlĂŒsse. Lauter hohle Versprechungen. Es ist ein einziges Desaster.

Landesrechnungshof: Straßenhaushalt stark belastet

Ich kann mich noch gut an den CDU-Gemeinderat Rainer Hege erinnern, als dieser den Ex-MinisterprĂ€sidenten Stefan Mappus wĂ€hrend des Wahlkampfs 2011 in Heddesheim empfangen hat. Stolz wie Bolle war Hege. So aufgepumpt stolz, dass ihm schier die Reifen seines Traktors zu platzen drohten. Wie ein König wurde Mappus empfangen – mittlerweile deutet alles daraufhin, dass man ihn wie einen Dieb vom Hof jagen muss. Das hat Herr Hege aber noch nicht realisiert.

Vielleicht hilft ihm sein Parteifreund Dr. Josef Doll dabei. Der könnte  ihm erklĂ€ren, was diese EinschĂ€tzung des „Impulsprogramms“ der CDU durch den Landesrechnungshofs bedeutet:

Der Rechnungshof hat das Programm geprĂŒft. Max Munding, PrĂ€sident des Rechnungshofs, fasst das Ergebnis der PrĂŒfung wie folgt zusammen: „Das Impulsprogramm war schlecht durchgerechnet. Mit den viel zu niedrigen KostenansĂ€tzen nahm die Straßenbauverwaltung in Kauf, dass fĂŒr die Finanzierung der allgemeine Straßenbauhaushalt in großem Umfang herhalten muss. Dies wird dort letztlich zulasten des Straßenerhalts gehen.“

Das zustĂ€ndige Innenministerium hatte 2008 vier Maßnahmen mit geschĂ€tzten Gesamtkosten von 99 Millionen Euro fĂŒr das Programm vorgeschlagen. Die fehlenden 39 Millionen Euro sollten ĂŒber den originĂ€ren Haushalt fĂŒr Straßenbau finanziert werden. Bis 2011 sind die geschĂ€tzten Bauausgaben fĂŒr die vier Maßnahmen jedoch auf 140 Millionen Euro gestiegen. Drei Maßnahmen sind im Bau: Ortsumfahrung Schriesheim (Regierungsbezirk Karlsruhe); Westtangente Konstanz (Regierungsbezirk Freiburg); Ortsumfahrung Darmsheim (Regierungsbezirk Stuttgart). Die Ortsumfahrung Bermatingen/Salem-Neufrach (Regierungsbezirk TĂŒbingen) wird noch geplant.

Die Umsetzung der Maßnahmen des Impulsprogramms wird den Straßenbauhaushalt in den nĂ€chsten Jahren stark belasten. Die fehlenden Mittel können nur aus den Erhaltungsmitteln fĂŒr Landesstraßen aufgefangen werden. Dies ist rechtlich zulĂ€ssig, da die HaushaltsansĂ€tze fĂŒr den Erhalt sowie fĂŒr Aus- und Neubau der Landesstraßen gegenseitig deckungsfĂ€hig sind. Es fĂŒhrt aber dazu, dass die fĂŒr 2012 im Staatshaushaltsplan fĂŒr den Straßenerhalt notwendigen und veranschlagten 100 Millionen Euro nicht vollstĂ€ndig zweckentsprechend eingesetzt werden können. Dringende Erhaltungsarbeiten bei den Landesstraßen mĂŒssen daher aufgeschoben werden.

Wille zum Sparen vs. Lust am Prahlen

Die grĂŒn-rote Landesregierung hat fĂŒr die nĂ€chsten zehn Jahre im Generalsverkehrsplan 380 Millionen Euro fĂŒr Landesstraßen vorgesehen. Das sind im Schnitt knapp 40 Millionen Euro pro Jahr und wird nicht reichen. Die neue Regierung zeigt aber im Gegensatz zur alten RealitĂ€tssinn und den Willen zum Sparen statt die Lust am Prahlen.

Geradezu hinterhĂ€ltig ist der Vorwurf, den der FDP-Gemeinderat Hasselbring gebracht hat, die „GrĂŒnen wollen keine Straßen bauen“. Sie können ebensowenig wie die CDU die Straßen bauen, die die CDU den Menschen vorgelogen hat. Das ist die Wahrheit. Und Herr Hasselbring schafft es wieder nicht ĂŒber das Format eines stĂ€nkernden Nörglers hinauszukommen.

Wer so krakelt und Investitionen verspricht, ohne Geld dafĂŒr zu haben, muss Schulden machen. Und das auf Kosten der nachfolgenden Generationen. Die aber sind viel mehr an intelligenten Verkehrssystemen interessiert. Sie wollen ebenso wie die Alten mobil sein. Aber nicht nur auf Straßen, sondern vermehrt mit dem ÖPNV und mit kurzen Wegen.

Vielerorts haben Umgehungen dazu beigetragen, dass der innerörtliche Handel gelitten hat. Was klar ist. Der Verkehr und damit die Menschen, fahren am Ort vorbei. Die Lastwagenfahrer im Ort halten nicht beim BĂ€cker – die stinken, machen LĂ€rm und krank, die Straßen kaputt und fahren durch. Und darum wird es in Zukunft gehen mĂŒssen: Den richtigen Verkehr in den Ort zu lenken und den falschen raus zu halten.

Kessler nicht Herr der Ringstraße

Die Ringstraße hat fĂŒr Herrn Kessler eine politische Bedeutung. Deswegen ist er auch so sauer. Denn hier lĂ€uft was „verkehr-t“. Wie wir im Rahmen der Gerichtsverhandlung gegen den Bebauungsplan berichtet haben, wird „Pfenning“ mit „Partnern“ kooperieren. Dazu gehört auch Kraftverkehr Nagel in Ladenburg. Die kleinen und grĂ¶ĂŸeren Lkw dieser „Kooperation“ werden durch den Ort fahren mĂŒssen, um Waren hin und her zu transportieren. Und die Menschen werden darunter leiden. Und es wird viele gefĂ€hrliche Situationen geben. Und die Immobilien entlang der Werderstraße werden enorm an Wert verlieren. Ebenso wie die Versprechungen von Herrn Kessler.

Soviel zur AufklĂ€rung. Auch BĂŒrgermeister Kessler hat sich auf die Versprechungen der CDU, hier auch Herrn Georg Wacker, verlassen und fĂŒhlt sich nun verlassen. Denn die Ringstraße hatte er auf dem Plan, um „Pfenning“ und Edeka anzubinden. Aus keinem anderen Grund. Ob die Straße kommt oder nicht, ist dem Verkehrserzeuger vermutlich egal. Aber er ist extrem sauer, dass es keinen Wacker mehr gibt, der sagt: „Die Ringstraße ich auf einem guten Weg.“

Kessler steht sogar noch „alleiner“ da, denn auch der Regionalverband hat die Ringstraße in seiner „Wunschliste“ nicht aufgefĂŒhrt.

P.S. Dass die Heddesheimer GrĂŒnen nur dem Wunsch nach AufklĂ€rung zur Stuttgarter Studie zugestimmt haben, enttĂ€uscht und lĂ€sst eine mangelnde Vorbereitung vermuten. Es wĂ€re angebracht gewesen, das Planungsdesaster der frĂŒheren CDU-Regierung und die hohlen Versprechungen umfangreich zu thematisieren. Aber dafĂŒr gibt es ja das Heddesheimblog.de.

Beim Heckenschnitt geht es „ganz sicher“ um eine Machtdemonstration

Heddesheim, 02. November 2011. (red) Am morgigen Donnerstag wird die Hecke um das Biotop des Vogelparks auf mehreren hundert Metern zurĂŒckgeschnitten. Angeblich geht es um die „Sicherheit“ der FußgĂ€nger. TatsĂ€chlich darf man das bezweifeln. Und andere GrĂŒnde vermuten.

Von Hardy Prothmann

Dass BĂŒrgermeister Michael Kessler „grĂŒn nicht grĂŒn ist“, braucht man kaum jemandem zu erklĂ€ren.

Der derzeit amtierende BĂŒrgermeister gilt als „Betonkopf“. BĂŒsche, StrĂ€ucher, Hecken – die Natur bedeutet Herrn Michael Kessler nicht viel. Er baut lieber oder lĂ€sst bauen, auch wenn bei seinem Lieblingsprojekt „Pfenning“ irgendwie nichts vorwĂ€rts geht.

Beton gegen Natur

Der Heddesheimer Gemeinderat Kurt Klemm ist so ziemlich das Gegenteil von Herrn Kessler. Dem Vogelfreund und NaturschĂŒtzer ist jedes Unkraut lieber als Beton.

Und der Zoff um den HeckenrĂŒckschnitt rund um das Biotop des Vogelparks ist das beste Beispiel, um diesen Systemwiderspruch zu belegen.

Kurt Klemm ist einer der GrĂŒnder des Vogelparks. Seit ĂŒber 50 Jahren haben sich die Vereinsmitglieder ehrenamtlich eingebracht und den intaktesten Flecken Natur geschaffen, den Heddesheim zu bieten hat. Eine Naturoase am Badesee. Den grĂ¶ĂŸten Teil davon darf niemand betreten. Er gehört der wilden Natur, nicht den Menschen. Als RĂŒckzug fĂŒr die wenigen Wildtiere, die Heddesheim geblieben sind. Ein Eingriff findet nicht statt.

Doch das stimmt nicht ganz. Das GelÀnde gehört der Gemeinde, der Vogelverein hat es nur gepachtet. Das GelÀnde gehört also allen Heddesheimerinnen und Heddesheimern, aber einer hat den absoluten Besitzanspruch. Michael Kessler.

Dessen Vater ist Legende im Ort, all die großen Projekte des Gemeinwohls, Sportzentrum, Schwimmbad, Badesee, sind untrennbar mit dem Namen Fritz Kessler verbunden. Seinem Sohn Michael bleibt nur die Verwaltung des Erbes. Oder das Zubetonieren der Natur.

Der GĂŒllelaster braucht den ganzen Weg - fĂŒr FußgĂ€nger ist kaum Platz. Deswegen soll die Vogelparkhecke beschnitten werden. An anderer Stelle wird es keine "Ausweichmöglichkeiten" geben. Bild: privat

Als wollte Michael Kessler sich das Erbe einvernehmen, plant er einen „umfassenden“ Rundweg um den Badesee. DafĂŒr wĂ€re er auch mitten durchs Biotop „gegangen“ – doch das wurde verhindert. So muss er den Weg um Badesee und Vogelpark herum „gestalten“.

Aktuell wird bald ein weiterer Wegeabschnitt fertig sein. Und es gab immer Streit, weil Kessler zu nah ans Biotop ran will. Er bedrĂ€ngt es geradezu. Diese NatĂŒrschĂŒtzer… was mag er ĂŒber sie denken?

Der RĂŒckschnitt der Biotop-Hecken ist wie ein Schnitt ins Fleisch der VogelschĂŒtzer-Seelen. BĂŒrgermeister Michael Kessler muss wissen, wie weh es den engagierten Vereinsmitgliedern tun muss, wenn sie wieder ein StĂŒck Natur opfern mĂŒssen.

HeckenschĂŒtze vs. HeckenschĂŒtzer

Die Hecken bieten Schutz und Nahrung – nicht nur fĂŒr Vögel. Der RĂŒckschnitt ist ein Einschnitt – nein, eigentlich ein „RĂŒckschritt“. Denn ĂŒber Jahrzehnte sind die Hecken gewachsen, in ein, zwei Tagewerken werden sie „begradigt“, „in Form“ gebracht. Aus Sicht der VogelschĂŒtzer ist es ein Schnitt ins Fleisch ihrer ÃƓberzeugung: Möglichst viel Natur der Natur zu ĂŒberlassen.

Das Argument, die FußgĂ€nger brĂ€uchten einen „Ausweg“ fĂŒr die sichere Passage, ist nur vorgeschoben. Jeder im Ort, der sich fĂŒr die VorgĂ€nge interessiert, weiß, dass Herrn Kessler die Vogelfreunde ein Dorn im Auge sind. Denn sie haben sich gegen sein Betonprojekt „Pfenning“ ausgesprochen. Und dass, obwohl einige bei der Gemeinde beschĂ€ftigt sind oder waren. Also bei ihm, dem BĂŒrgermeister, der von sich denkt und sagt, dass ihm die Gemeinde gehört.

So viel Zivilcourage muss „begrenzt“ und zurĂŒckgeschnitten werden.

Umso mehr, als ein ehemaliger „Bediensteter“ nun als ehrenamtlicher Gemeinderat im höchsten Gremium der Gemeinde mitwirkt: Kurt Klemm, der als Hausmeister fĂŒr die Gemeinde tĂ€tig war und nun im Ruhestand ist. Und einer, der es immer wieder wagt, dem BĂŒrgermeister zu widersprechen. Einer, der Fragen stellt, statt stumm abzunicken. Einer, der sich jenseits der großbĂŒrgermeisterlichsten Ideen aller Zeiten ganz anders engagiert. Mit Besinnung. Einer, der keinen RĂŒckschnitt als Fortschritt begreift.

Wer sich vor Ort selbst ein Bild macht, erkennt sofort die schwache Argumentationslage.

Wenn es wirklich darum ginge, den SpaziergĂ€ngern einen „Ausweichraum“ zu schaffen, um „gefĂ€hrliche Begegnungen“ mit Fahrzeugen auf dem Wirtschaftsweg zu vermeiden, dann mĂŒssten nicht nur die Hecken am Vogelpark weichen und ein „Schotterrasen“ neben der Fahrbahn angelegt werden.

Wenn dem so wĂ€re, mĂŒsste neben allen landwirtschaftlichen Wegen ein solcher „Schotterrasen“ angelegt werden, auf dem die SpaziergĂ€nger neben der Fahrbahn laufen könnten. Denn ausgerechnet vor Ort am Vogelpark ist mehr als genug Platz fĂŒr FußgĂ€nger, um ein Fahrzeug mit einem Schritt zur Seite passieren zu lassen.

Einsicht vs. FahrlÀssigkeit

TatsĂ€chlich mĂŒssen FußgĂ€nger sonst meistens „in den Acker treten“, wenn sie an anderer Stelle ausweichen wollen – vor allem Fahrzeugen, die hier eigentlich gar nicht fahren dĂŒrften, deren „Anlieger“-Status durchaus bezweifelt werden darf und die die Wege nutzen, um „abzukĂŒrzen“.

Auch das Argument der „Einsicht“ – also auf den landwirtschaftlichen Weg – ist durchschaubar. Wer keine Einsicht hat, schaut vorsichtig. Ob FußgĂ€nger oder Autofahrer. Tut weder der eine noch der andere das, handelt man fahrlĂ€ssig. Schafft man nun „Einsicht“, können zumindest Autos und Traktoren schneller fahren, denn sie sehen ja, ob da jemand steht oder lĂ€uft oder nicht.

Und darum scheint es zu gehen: Nicht das Spazieren zu befördern, sondern das Verkehren. Die Fahrzeuge sollen Platz bekommen.

BĂŒrgermeister Michael Kessler weiß, dass jeder „RĂŒckschnitt“ am Biotop einen Eingriff in die Seelen der VogelschĂŒtzer bedeutet. Die Heddesheimerinnen und Heddesheimer sollten das genau verstehen, sonst verstehen sie nicht, was der wahre „Antrieb“ ist.

Es geht um Macht. Und deren Demonstration. Ohne Sinn und Sinnlichkeit. Es geht gegen die Natur anderer, die nicht fĂŒr die „Macht“ sind.

Es geht um Durchsetzung von Interessen – angeblich im Sinne der Gemeinde. TatsĂ€chlich im Unsinn desjenigen, der sich dafĂŒr hĂ€lt.

Oder auch um die Bedienung der Landwirtschaftslobby, die „sehr gut“ im Gemeinderat vertreten ist. Vor allem beim Abnicken.

Wer nun vermutet, dass ein Interesse das andere bedient – tja, der hat eine Meinung. Und die lĂ€sst sich nicht so leicht zurĂŒckschneiden wie eine Hecke.

Wer meint, es gehe unter dem „vorgeschĂŒtzen“ Argument der „Sicherheit“ um eine Art „Revanche der Macht“, tja, der darf diese Meinung haben und sich vor Ort selbst ein Bild machen.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das Heddesheimblog und selbst ehrenamtlicher Gemeinderat. Er ist als partei- und fraktionsfreier Gemeinderat stĂ€ndig mit der WillkĂŒr und Missachtung des BĂŒrgermeisters Michael Kesslers konfrontiert und kritisiert diesen fĂŒr dessen Intransparenz und seine heillose Leitung des Gemeinderats – 2009 hat Hardy Prothmann als unabhĂ€ngier Kandidat die Wahlliste der FDP mit herausragendem Vorsprung gewonnen. Zur Aufstellung auf der FDP-Liste sagt er heute: „Das ist einer meiner grĂ¶ĂŸten Fehler gewesen, fĂŒr die ich mich sehr schĂ€me. Ich bin parteilos und bleibe das. Die FDP hat mich gefragt, ob ich mich auf deren Liste als Kandidat bewerben wĂŒrde. Ich kann nur betonen, dass ich nichts mit dieser Partei und schon gar nicht mit diesem seelenlosen Ortsverband zu tun habe und froh wĂ€re, nicht auf dieser Liste gestanden zu haben.“

„Große Verneigung vor diesen Weinheimer Landwirten“

Der Sprecher des Weinheimer Bauernverbands, Fritz Pfrang (2. von links), kritisiert den FlĂ€chenfraß.

Guten Tag!

Heddesheim/Weinheim, 21. Oktober 2011 (red) Der Heddesheimer Gemeinderat und UmweltschĂŒtzer Kurt Klemm prangert in seinem Gastbeitrag die Verantwortungslosigkeit Heddesheimer Landwirte an und lobt die Entschlossenheit Weinheimer Bauern, ihr Land zu verteidigen. Er fĂŒhlt sich bei der Entwicklung „Breitwiesen“ in Weinheim an „Pfenning“ in Heddesheim erinnert. Seit Fazit: „Beton kann man nicht essen.“

Leserbrief: Kurt Klemm

Große Verneigung vor diesen Weinheimer Landwirten, die den rigorosen FlĂ€chenverbrauch in unserer Region anprangern. Die Worte von Fritz Pfrang, Weinheimer Bauernverband, dass man sich nicht der eigenen Entwicklungsmöglichkeiten berauben lassen will und man sich der Verantwortung fĂŒr die nĂ€chste Generation durchaus bewusst ist, muss in den Ohren einiger Heddesheimer Bauern und besonders der Spitze des Bauernverbandes, wie blanker Hohn klingen.

Gerade in einem Dorf wie Heddesheim, wo landwirtschaftliche Tradition Hunderte von Jahren zurĂŒckreicht, wird mit angeblich halbherzigem Bedauern, bestes Ackerland einer Gemeinde und damit ungewisser Zukunft geopfert.

Versprechungen von 1.000 ArbeitsplĂ€tzen, hohen Gewerbesteuern und vieles mehr sind seit ĂŒber einem Jahr nur Traumgespinste von CDU, SPD und FDP und eines BĂŒrgermeisters.

Selbst die Weinheimer CDU-StadtrĂ€tin Susanne Tröscher sieht die Ansiedelung von Pfenning auf Heddesheimer Grund als eine Investition auf wackeligen FĂŒĂŸen. Ob sie recht hat?

Erinnerungen an die AnfĂ€nge der Pfenninggeschichte, als eine Heddesheimer CDU-GemeinderĂ€tin den immensen FlĂ€chenverbrauch anprangerte und prompt Ärger mit der eigenen Fraktion bekam, kommen da wieder.

Bleibt zu hoffen, dass dieser tapferen Frau aus Weinheim nicht gleiches widerfÀhrt. Bauer Fritz Pfrang prangerte die VorgÀnge als einen ruinösen Wettkampf der Gemeinden, zulasten ihrer FlÀchen an, ja sogar von undurchsichtiger Politik innerhalb der Verwaltung ist die Rede. Wie sich doch die Praktiken der Kommunen gleichen.

Ich hoffe nur, dass dieser Protest nicht nur in Weinheim wahrgenommen wird, denn alle, die gegen diesen sinnlosen Verbrauch bester AckerflĂ€chen sind, sollten sich angesprochen fĂŒhlen.

Beton kann man noch nicht essen.

Dokumentation:
Vor der Sitzung des Weinheimer Gemeindrats fuhren 23 Landwirte vor dem Rolf-Engelbrecht-Haus in Weinheim mit ihren Schleppern vor, die mit Schildern wie „Stoppt den FlĂ€chenfraß“ ihren Protest zum Ausdruck gebracht haben. Kurz vor der Sitzung hielt der Sprecher der Weinheimer Landwirte, Fritz Pfrang, eine kĂ€mpferische Rede: „Es wird der Stadtverwaltung nicht gelingen, die Herausgabe unseres Eigentums zu erzwingen.“

Zur Zeit steht in Heddesheim die erneute Aufgabe von Ackerland zur Debatte – Edeka plant ein neues GetrĂ€nkelager, Dutzende von Hektar Ackerland werden dieser zum Opfer fallen. Der Rat hat dafĂŒr den Weg frei gemacht.

Im Heddesheimer Gemeinderat sitzen zwei Vollerwerbslandwirte, Reiner Hege und Volker Schaaf (beide CDU), die die Entwicklung begrĂŒĂŸen. Kritik am FlĂ€chenverbrauch Ă€ußern die Heddesheimer Landwirte nicht. Angst um ihre Zukunft scheinen sie auch nicht zu haben. Mehrere andere Gemeinderatsmitglieder haben familiĂ€r einen landwirtschaftlichen Hintergrund – auch hier ist keine Kritik zu hören.

Ganz im Gegenteil Ă€ußerte sich einer der beiden CDU-Landwirte gestern in der Pause der Gemeinderatssitzung in Heddesheim im GesprĂ€ch: „Wenn einer schon 150 Wohnungen hat, dann kĂ€mpft es sich leicht fĂŒr irgendsoeinen Acker. Ich sage jetzt nicht, dass das so ist, ich kenne die VerhĂ€ltnisse nicht, aber das kann man ja annehmen, dass das so sein könnte. Man muss das immer im VerhĂ€ltnis sehen.“

Fast 400 Artikel zu „Pfenning“ finden Sie hier.

„Vor wem soll man sich fĂŒrchten? Vor den Umweltheinis oder Monsanto & Co?“ Alexander Spangenberg im Interview ĂŒber leckere Produkte und notwendige Handlungen


6. BĂŒrgenland Regionalmarkt - sehr gut besucht dank schönem Wetter, aber auch großem Interesse der Besucher.

Ladenburg/Rhein-Neckar, 26. September 2011. (red) Alexander Spangenberg ist eine Art Aktivist. Er kĂ€mpft mit anderen zusammen fĂŒr eine gentechnikfreie Region. Er ist Vorsitzender des BUND Ladenburg und einer der MitbegrĂŒnder von „BĂŒrger fĂŒr eine gentechnikfreie Landwirtschaft in der Kurpfalz“, kurz „BĂŒrGenLand“.

Er ist aber auch Unternehmensberater und Stadtrat in Ladenburg. Aktuell haben wieder rund 20 Aussteller beim 6. Regionalmarkt „BĂŒrgenland“ Produkte aus der Region angeboten – nicht alles ist „Bio“, aber vielleicht auf dem Weg dahin. WĂ€hrenddessen arbeiten finanzkrĂ€ftige Industrien mit weitreichendem Einfluss am Gegenteil davon, wie ein ARTE-Dokumentationsfilm zeigt.

Interview: Hardy Prothmann

Der 6. BĂŒrgenland Regionalmarkt hatte im Vergleich zum vergangenen Jahr GlĂŒck mit dem Wetter. Wie lief es sonst aus Ihrer Sicht, Herr Spangenberg?

Alexander Spangenberg: Wir haben viel Zuspruch bei der Bevölkerung und viel Lob erhalten. Vor allem haben wir die Kosten reinholen können, was auch sehr positiv ist.

Die Aussteller kommen aus der Region – ist die Nachfrage groß?

Spangenberg: Anfangs war es sehr mĂŒhsam, vor allem hier vor Ort bei den landwirtschaftlichen Betrieben aus Ladenburg. Das sind konventionell wirtschaftende Betriebe, die wohl Sorge hatten, dass die „Umweltheinis“ wieder Ärger machen. Mittlerweile hat sich diese Skepsis in eine gute Kooperation verwandelt. Aktuell haben wir 20 Aussteller und weiten gerne aus, sofern qualitĂ€tsvolle Produkte angeboten werden. BĂŒrgenland ist nicht einfach nur lecker – sondern notwendig.

Der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) wurde von Ihnen zur Landwirtschaftspolitik der neuen Regierung befragt. Sie fragten zur gentechnikfreien Zone, zur Landschaftspflege und zur Förderung von neuen Biobetrieben sowie zu Biogasanlagen. Was denken Sie ĂŒber die Antworten?

Alexander Spangenberg am Mikro: Informieren ist alles.

Spangenberg: Herr Sckerl versicherte, dass die Regierung alles tun wird, um gentechnikfreie Zonen zu realisieren, was uns natĂŒrlich zusagt. Was fehlt, sind verbindliche KreistagsbeschlĂŒsse und konkrete Förderungen. Wir werden sehen, was daraus wird.

Was die Landschaftspflege angeht, hat Uli Sckerl eine Umschichtung der entsprechenden Budgets zugesichert – im Rahmen der Möglichkeiten.

Die Entwicklung bei „Biogas“ gefĂ€llt uns ĂŒberhaupt nicht.

Das Thema Biogas treibt uns sehr um. Einerseits ist Biogas eine nachhaltige Form der Energieerzeugung, andererseits gefĂ€llt uns die Entwicklung ĂŒberhaupt nicht. Es kann nicht sein, dass Felder nur noch fĂŒr den Maisanbau genutzt werden, der dann in die Anlagen geht. Diese „Vermaisung“ der Landschaft fĂŒhrt zu einer Bedrohung der Artenvielfalt und zu Monokulturen, was wir definitiv ablehnen. Auch hier will Sckerl gegensteuern: Da bin ich aber sehr skeptisch. Hier ist AufklĂ€rung Ă€ußert wichtig und auf Bundesebene eine VerĂ€nderung der „EinspeisevergĂŒtung“ fĂŒr den erzeugten Strom.

Sie sind in engem Kontakt mit den Besuchern, die man durchaus als sehr interessiertes Publikum bezeichnen kann. Was hört man denn von denen?

Spangenberg: Vor allem sehr viele GlĂŒckwĂŒnsche zu den von uns bis hier erreichten Ergebnissen, wie dem Anbaustopp von MON810, dem genverĂ€nderten Mais des Monopolisten Monsanto vor unserer HaustĂŒr. Die haben wir aus der Region vertreiben können.

Das bedeutet aber nicht, dass wir uns in Ruhe zurĂŒcklehnen können. Allein bei der europĂ€ischen Kommission in BrĂŒssel sind ĂŒber zwanzig GVO-Konstrukte (Gentechnisch verĂ€nderter Organismus) in der Zulassung. Darunter wiederum MON810.

Was können BUND und BĂŒrgenland dagegen tun?

BĂŒrgenland wird von Umweltaktivisten getragen: Hier im Bild Alexander Spangenberg und Anke Antary, Mitglied der GrĂŒnen in Heddesheim.

Spangenberg: Informationen sammeln und weitergeben. Druck auf Abgeordente ausĂŒben und nicht locker lassen. Das sind bescheidene Mittel, die aber enorme Auswirkungen haben können. In Bayern musste beispielsweise ein Imker seine komplette Honig-Ernte vernichten, weil sie mit Pollen von MON810-Mais verunreinigt waren.

Der Imker hat sich erfolglos durch alle Instanzen in Deutschland geklagt, erst vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof hat er Recht und damit Anspruch auf Schadensersatz fĂŒr die verseuchte und dann vernichtete Ernte bekommen . Es braucht leider viele von diesen tapferen VorkĂ€mpfern, um gegen die Gentechnik-Lobby aus Landwirtschaft und Politik etwas ausrichten zu können.

ÃƓber 80 Prozent der europĂ€ische Bevölkerung lehnen Gentechnik in der Landwirtschaft ab. Das ist eine starke Basis – leider steht dagegen der weltweit vernetzte Lobbyismus.

Nach dem Regionalmarkt ist vor dem Regionalmarkt. Was macht BĂŒrgenland sonst?

Spangenberg: Wir informieren kontinuierlich die Kommunen und werben fĂŒr unsere Ideen. Um die Jugend zu erreichen gehen wir zu den OberstufenschĂŒlern der Gymnasien der Region. Denn der Lobbyismus der großen Konzerne dringt bereits bis in die Schulen vor.

So schickt die BASF zum Beispiel einen Bus in die Schulen, genannt Gen-Lab, hier wird fĂŒr Gen-Technik geworben und die Gefahren werden selbstverstĂ€ndlich klein geredet. Am Beispiel des Amflora-Skandals wird das deutlich. Die als Industriekartoffeln verĂ€nderte Pflanze wurde zunĂ€chst nur als StĂ€rke-Pflanze zugelassen. Eine Verunreinigung lĂ€sst sich aber nicht verhindern.

Die genverĂ€nderte Kartoffel „Amflora“ wĂ€chst auch da, wo sie nicht hingehört.

So wĂ€chst die Amflora-Kartoffel auch da, wo sie nicht hingehört. Aus diesen GrĂŒnden hatte die BASF eine zweite Zulassung als Nahrungsmittel nachgeschoben. Geradezu mantraartig wird der Begriff der „Koexistenz“ dahergebetet, also die Behauptung, gentechnisch verĂ€nderte und konventionelle Pflanzen könnten problemlos bei ausreichendem Abstand angebaut werden.

TatsĂ€chlich ist die BASF noch nicht mal in der Lage, in ihrem Kartoffelkeller Ordnung zu halten – dort wurden zwei GVO-Kartoffeln einfach mal verwechselt. Die Gefahr des Dilletantismus kommt zu den unabwĂ€gbaren Risiken hinzu.

GemĂŒse aus der Region: GemĂŒsebauerin Christiane Ernst bedient Kunden.

Was hat BĂŒrgenland in Zukunft vor?

Spangenberg: Ein heißes Thema ist das ebenfalls von Monsanto entwickelte Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat. Das ist das derzeit weltweit meist verkaufte Herbizid – viele von Monsanto entwickelte Genpflanzen sind resistent gegen dieses Gift. So schließt sich fĂŒr Monsanto die Verwertungskette – man verkauft eine GVO-Pflanze plus das passende Herbizid.

Inzwischen hĂ€ufen sich aber alarmiernde Meldungen, dass das Gift in Tieren und Menschen nachgewiesen werden kann und schwere GesundheitsschĂ€den sind nicht ausgeschlossen. DarĂŒber wollen wir verstĂ€rkt aufklĂ€ren.

BĂŒrgenland dient allen.

Wer kann Mitglied bei BĂŒrgenland werden?

Spangenberg: Alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, alle Kommunen, alle Organisationen – unser Anliegen dient schließlich allen. Wir sind als Verein in der GrĂŒndung – bislang reicht eine formlose ErklĂ€rung zur Teilnahme und UnterstĂŒtzung. MitgliedsbeitrĂ€ge gibt es noch nicht. Wir freuen uns also ĂŒber Zuschriften.

Dokumentation:
„BĂŒrGenLand“ ist bislang eine Arbeitsgemeinschaft, die sich fĂŒr eine gentechnikfreie Landwirtschaft einsetzt. Informationen finden Sie hier: BĂŒrgenland. Mitglieder kommen aus der gesamten Region.

Information von Greenpeace ĂŒber Monsanto und Gentechnik.

Arte-Film ĂŒber Monsanto: Mit Gift und Genen

GlĂ€serner Gemeinderat: Wer oder was ist eigentlich „Pseudo“?

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 27. Juli 2011. (red) In der Gemeinderatssitzung habe ich einen erweiterten Antrag gestellt, den BĂŒrgermeister Michael Kessler als „Pseudo“-Antrag bezeichnet hat. Was Pseudo ist und wer Pseudo ist, darĂŒber kann man trefflich diskutieren.

Von Hardy Prothmann

Herr BĂŒrgermeister Kessler unterstellt mir, ich hĂ€tte einen „Pseudo“-Antrag gestellt. Herr Kessler, der hoffentlich weiß, dass „Pseudo“ so viel wie „falsch“ oder „gelogen“ heißt, weiß hoffentlich, was er tut, wenn er solche Äußerungen tĂ€tigt.

Er unterstellt einem unabhĂ€ngigen freien Gemeinderat, dass dieser „LĂŒgen“-AntrĂ€ge stellt, um es mal zu ĂŒbersetzen.

Partei- und fraktionslos: Hardy Prothmann, Foto: sap

Was ist der Inhalt meines „LĂŒgen“-Antrags? Ganz einfach. Das Unternehmen Edeka SĂŒdwest plant ein richtig großes GetrĂ€nkelager in Heddesheim. Wieder werden dafĂŒr 80.000 Hektar Ackerland vernichtet. Muss das so sein oder gibt es eine andere Lösung. Um meinen Antrag zu erklĂ€ren, hole ich aus:

Wie auch bei der „Pfenning“-Entscheidung wird von ArbeitsplĂ€tzen und Gewerbesteuer gesprochen und die Edeka-Erweiterung mit Wohl und Wehe Heddesheims begrĂŒndet: Kommt die Erweiterung ist das „Wohl“, kommt sie nicht, ist das „Wehe“.

Wohl und Wehe.

Ein gewichtiges Argument des BĂŒrgermeisters Kessler und seiner Abnickerfraktionen war, dass man erst den Hauptsitz von Edeka verloren habe und ab diesem Sommer auch das Fleischwerk. Man brauche den „regional-verwurzelten“ Investor „Pfenning“, der neue ArbeitsplĂ€tze schaffen und viel Gewerbesteuer zahlen werde, um das zu kompensieren und sogar noch zu erweitern. Ob will jemand, dass man Hallenbad, SpielplĂ€tze und andere wohltĂ€tige Angebote schließen muss?

Wie zu jedem guten MĂ€rchen gehört die Angst zur Geschichte und die wurde trefflich von CDU, SPD und FDP unter FĂŒhrung von Michael Kessler gestreut. Doch es gibt auch eine Geschichte hinter der Geschichte. Herr Kessler und viele der Abnicker-GemeinderĂ€te wussten seit langem, dass Edeka unter UmstĂ€nden eine Erweiterung plant. Davon haben sie wĂ€hrend des „Pfenning“-Entscheidungsprozesses aber nie etwas gesagt.

ZufĂ€lle gibts…

Kaum ist der „Pfenning“-Bebauungsplan rechtskrĂ€ftig geworden, nimmt Edeka Kontakt zur Gemeide auf und kurz darauf werden PlĂ€ne vorgestellt, dass Edeka erweitern möchte. Das habe sich alles so ganz zufĂ€llig ergeben. Das kann man glauben oder nicht.

Man kann auch weiterhin glauben, dass „Pfenning“ seine regionalen Standorte in Heddesheim konzentriert, den Unternehmenssitz hierher verlagert, bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze schafft und krĂ€ftig Gewerbesteuer zahlt. Man kann das aber auch nicht glauben und wenigstens zur Zeit stehen die Zeichen eher auf „nicht glauben“.

Es gibt auch Leute, die sind unerschĂŒtterlich in ihrem Glauben, geradezu fanatisch. Dazu gehört auch der SPD-Fraktionsvorsitzende JĂŒrgen Merx, der im aktuellen Mitteilungsblatt in blumigen Zeilen seinem Glauben Ausdruck verleiht. Man sei bei Pfenning direkt gewesen und dort wurde versichert, dass alles so geschieht, wie angekĂŒndigt. Wie beruhigend.

Zwar hat das Unternehmen vor kurzem selbst dem Mannheimer Morgen Auskunft gegeben, dass man zunĂ€chst keine Konzentration mehr plane, sondern „NeugeschĂ€ft“ und gut Ding Weile haben will. Herr Merx glaubt anscheinend dem MM nicht und hat sich entschlossen, seinen TrĂ€umen nachzuhĂ€ngen. Das brachte er auch im Gemeinderat zum Ausdruck, was fĂŒr „Lacher“ im Zuschauerraum sorgte. Herr Merx sagte an den Zuschauerraum gewandt: „Es freut mich, dass sie mich beachten.“

Glaubensfragen.

Man darf fĂŒrn Herrn Merx hoffen, dass sich die Vorsilbe „be“ nicht in ein „ver“ verwandelt.

Jetzt kann man glauben oder denken – das sind zwei verschiedene ZugĂ€nge zur Welt. Ich habe als Gemeinderat die Aufgabe, das Wohl der Gemeinde nach Möglichkeiten zu fördern oder Schaden (Wehe) abzuwenden.

Deswgen habe ich mich auch konsequent gegen eine „Pfenning“-Ansiedlung ausgesprochen und als klar war, dass man gegen die Mehrheit keine Chance hat, habe ich mit den GrĂŒnen zusammen versucht, diese Fehlentscheidung möglichst ertrĂ€glich zu gestalten. Nur durch unsere kritische Haltung wurden ZugestĂ€ndnisse gemacht, die sonst nicht gemacht worden wĂ€ren.

BĂŒrgermeister Kessler und die Abnicker haben alles getan, um möglichst unkritisch „Pfenning“ voranzubringen und siehe da: Es passiert genau nichts. Der MM verkĂŒndete, dass „im April die Bagger rollen“. Vier Monate spĂ€ter „renaturiert“ sich das GelĂ€nde und „Pfenning“ kĂŒndigt an, es laufe alles nach Plan. Ist das so? Das kann man glauben oder nicht.

Pseudo-Antrag?

Jetzt will Edeka erweitern, die haben Geld und die habens eilig. Mein Gedanke ist ein naheliegender: Das „Pfenning“-GelĂ€nde ist entwickelt, aber „Pfenning“ hat vermutlich Schwierigkeiten, dass Projekt umzusetzen. „Pfenning“ will „NeugeschĂ€ft“ ansiedeln. Wer eins und eins zusammenzĂ€hlen kann, versteht meinen Gedanken: Es gibt das GelĂ€nde, es gibt einen Bebauungsplan, Edeka hat es eilig und Geld und will in Heddesheim bleiben… Warum sollte man nicht mal drĂŒber sprechen, ob Edeka nicht auf dem „Pfenning“-GelĂ€nde seine GetrĂ€nkehallen hinstellen kann. Das kommt der „Eile“ entgegen, das GelĂ€nde ist entwickelt, „Pfenning“ hat wieder Luft und wenigstens die Edeka wird ArbeitsplĂ€tze bieten und hoffentlich Gewerbesteuer zahlen. Und ein großes StĂŒck Ackerland wird nicht verbraucht, sondern bleibt erhalten.

Diesen Gedanken wertet BĂŒrgermeister Kessler als „LĂŒge“, als „falsch“ ab. Ohne BegrĂŒndung, einfach so. In der Sitzung sagt er, ich könne das nur sagen, weil ich den Besichtigungstermin bei Edeka nicht wahrgenommen habe. Die Faktenlage sei eine andere. Daraufhin bitte ich den BĂŒrgermeister, mich und die Öffentlichkeit doch aufzuklĂ€ren, was die Fakten seien. Er sagt daraufhin, dass er sich von mir nicht zu Aussagen zwingen lasse. Wieder mal ein „LehrstĂŒck“ in Sachen Demokratie, Öffentlichkeit und Transparenz des Herrn Michael Kessler. Es wird noch nicht einmal der Versuch gemacht, eine vielleicht bessere Lösung zu finden. Oder weiß Herr Kessler schon wieder mehr als der Gemeinderat?

Spekulationen.

Auf meine Frage, wann er den beabsichtige, den Gemeinderat und die Öffentlichkeit ĂŒber die neuen Entwicklungen bei „Pfenning“ zu informieren, antwortet er, dass er sich an „Spekulationen“ nicht beteilige. Aha. Dem MM hat er auf Anfrage gesagt, dass er die Entwicklung begrĂŒĂŸe und man Unternehmen auch eine gewisse „FlexibilitĂ€t“ zugestehen mĂŒssen. Jetzt kann man spekulieren, was er damit meint.

ÃƓberhaupt geht es in beiden Prozessen insgesamt um „Spekulationen“ – was, wer, wie spekuliert? Die aufmerksamen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger haben dazu sicher ihre Meinung.

Mein Antrag ist also nach Auffassung von BĂŒrgermeister Kessler eine LĂŒge oder falsch.

Die Zukunft wird zeigen, was von den Versprechungen ĂŒbrig bleibt. Und auf wen oder was das Wort „Pseudo“ zutreffen wird.

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist ehrenamtlicher, partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich fĂŒr das redaktionelle Angebot von heddesheimblog.de.

Aufstellungsbeschluss fĂŒr Edeka-Erweiterung gefasst

Gut einprĂ€gen: Wenn die Edeka-Hallen stehen, ist dieser Blick auf die Bergstraße und Leutershausen "historisch".

Guten Tag!

Heddesheim, 29. Juli 2011. (red) Die Edeka-Erweiterung um ein GetrĂ€nke-Hochregallager ist in der Gemeinderatssitzung am 28. Juli 2011 gefasst worden. Der Antrag von Hardy Prothmann, das GesprĂ€ch mit „Pfenning“ zu suchen, wurde vom BĂŒrgermeister Michael Kessler als „Pseudo-Antrag“ verstanden.

Dem Antrag „Der Gemeinderat beschließt die Aufstellung des Bebauungsplans „Unteres BĂ€umelgewann“ gemĂ€ĂŸ §2 Abs. 1 BauGB“ stimmte der Gemeinderat mehrheitlich zu. Drei RĂ€te der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen stimmten dagegen, der partei- und fraktionsfreie Gemeinderat Hardy Prothmann enthielt sich der Stimme. Das Gebiet umfasst eine FlĂ€ch von ca. 8,2 Hektar (80.000 Quadratmeter).

Die Edeka SĂŒdwest plant im SĂŒden des Standorts eine Erweiterung mit Hochregallagerhallen von bis zu 19 Metern Höhe. Gemeinderat Kurt Klemm (GrĂŒne) kritisierte den FlĂ€chenverbrauch und stimmte dagegen. Der GrĂŒnen-Gemeinderat verlas eine Stellungnahme der Fraktion, die wir am Ende des Artikels dokumentieren. Darin wird die unterschiedliche Haltung der GrĂŒnen-RĂ€te angesprochen, aber auch der Zweifel an „guten Beziehungen“ des Unternehmens angebracht seien, schließlich seien Hauptsitz und Fleischwerk von Heddesheim weg verlagert worden.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende JĂŒrgen Merx sagte:

„Es wir nie eine lebenslage Garantie geben“,

und befĂŒrwortete die geplante Erweiterung im Sinne der SPD-Fraktion. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Frank Hasselbring sagte:

„Man kann negative Dinge mit Gewalt suchen. Dem Argument zum FlĂ€chenverbrauch können wir so nicht zustimmen, die GrĂŒnen haften einer alter Denkweise an.“

Die FDP lobte die Erweiterung, ebenso die CDU-Fraktion.

Der partei- und fraktionsfreie Gemeinderat Hardy Prothmann stellte den Antrag, die Entscheidung zu verschieben und Edeka zu bitten, mit den „Pfenning“-Investoren GesprĂ€che aufzunehmen, ob man angesichts der aktuellen Entwicklung nicht dort das Lager errichten könne:

„Wenn es zutrifft, dass „Pfenning“ nicht kommt und an dritte Firmen Hallen vermieten möchte, wĂ€re es doch eine ÃƓberlegung wert, ob Edeka nicht ein solcher Kunde sein könnte. Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Gebiet ist entwickelt, es gibt keinen langwierigen Planunsprozess, die Verwaltung ist entlastet und „Pfenning“, die offensichtlich Schwierigkeiten haben, haben mit Edeka einen solventen Kunden. Gleichzeitig wird der FlĂ€chenverbrauch eingeschrĂ€nkt.“

BĂŒrgermeister Michael Kessler bewertete das als „Pseudo-Antrag“ und bewies damit wieder einmal seine feindselige Haltung gegenĂŒber dem demokratischen Recht eines unabhĂ€ngigen Gemeinderats, einen erweiterten Antrag stellen zu dĂŒrfen. Eine herablassende Kommentierung druch den sitzungsleitenden BĂŒrgermeister ist in der Gemeindeordnung nicht definiert. Der Antrag enthielt vier Ja-Stimmen und eine Enthaltung – die Mehrheit lehnte ihn ab.

Nach dem Aufstellungsbeschluss ist die Möglichkeit eines BĂŒrgerentscheids nicht mehr gegeben. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Frank Hasselbring hatte in der vorherigen Sitzung beantragt, diesen schnell zu fassen, „noch vor der Sommerpause“. Hasselbring ist auch vehementester BefĂŒrworter der „Pfenning“-Ansiedlung. Die Verwaltung betonte in ihrer Vorlage die „BĂŒrgerbeteiligung“, also eine Vorstellung in öffentlicher Gemeinderatssitzung und zwei Veranstaltungen im BĂŒrgerhaus.

Angeblich hat Edeka noch keine GrundstĂŒcke gekauft und die weitere Entwicklung der geplanten Bebauung ist davon abhĂ€ngig, ob der Nachbarschaftsverband einer Umdefinition des GelĂ€ndes zustimmt. Bislang ist das Gebiet noch nicht als Bauland definiert. Im Zuge eines „Parallelverfahrens“.

„Derzeit besteht noch ein Zielkonflikt mit den Vorrangausweisungen „SchutzbedĂŒrftiger Bereich fĂŒr die Landwirtschaft“ sowie „Regionale GrĂŒnzĂ€sur“,

heißt es in der Beschlussvorlage. Und:

„FĂŒr das Zielabweichungsverfahren beim zustĂ€ndigen RegierungsprĂ€sidium Karlsruhe dĂŒrften gute Erfolgsaussichten bestehen. Im Verfahren zur Fortschreibung des Regionalplans beabsichtigt der Verband Region Rhein-Neckar, die Vorrangsausweisungen im Bereich der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets zurĂŒckzunehmen.“

Weiter wurde in der Sitzung beschlossen, die BebauungsplĂ€ne „Hasenstock“ und „Im Eigentum“ in den Bebauungsplan „Industriegebiet Bundesbahnhof II“ zu integrieren (Raiffeisen-GelĂ€nde). Im Zuge von „beschleunigten Verfahren“ wird beispielsweise auf eine „UmweltprĂŒfung“ und eine „Anhörung“ verzichtet, was Kurt Klemm kritisierte. BĂŒrgermeister Kessler beantwortete das so:

„Aus einer grundsĂ€tzliche Haltung heraus die Anfertigung eines Umweltberichts zu fordern, geht ĂŒber das Ziel hinaus.“

Der Bebauungsplan wurde bei zwei Gegenstimmen der GrĂŒnen angenommen. Auch Hardy Prothmann hatte dem zugestimmt, da aus seiner Sicht ein bestehender Bebauungsplan angepasst worden ist und der Wunsch der Edeka, die BetriebsstĂ€tten zu verĂ€ndern, nachvollziehbar ist.

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist ehrenamtlicher, partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich fĂŒr das redaktionelle Angebot von heddesheimblog.de.

Klicken Sie auf die Datei fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung.

 

Klicken Sie auf die Grafik fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung.

 

Kreisbrandleitung sieht Waldbrandgefahr im Rhein-Neckar-Kreis entspannt


Guten Tag!

Rhein-Neckar-Kreis, 29. April 2011. (red) Die anhaltende Trockenheit im Rhein-Neckar-Kreis macht nicht nur den Landwirten zu schaffen. In einigen Gebieten steigt nach drei Wochen Trockenheit auch die Gefahr von BrĂ€nden und das nicht nur in Waldgebieten. In Belgien hat ein Großbrand aktuell rund 1.000 Hektar Naturschutzgebiet vernichtet. Im GesprĂ€ch mit dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Axel Schuh wird klar, dass nicht nur das trockene Wetter die Gefahrenlage verschĂ€rft.

Von Christiane Eisele

Unser GesprĂ€ch mit Axel Schuh beginnt ĂŒberraschend. Auf unsere Bitte, mit uns ĂŒber die vermehrten GrasnarbenbrĂ€nde im Kreis und die vielerorts vermeldete erhöhte Brandgefahr zu sprechen, reagiert Herr Schuh in bezug auf Nordbaden nĂ€mlich eher entspannt: „Es gibt derzeit keine erhöhte Brandgefahr. Durch die Regenschauer der letzten beiden Tage hat sich Lage zudem deutlich entspannt“.

Im Internet könne man das leicht selbst recherchieren, erklĂ€rt er und verweist uns auf das Angebot des Deutschen Wetterdienstes (DWD), das er auch gleich selbst aufruft. Dort stellt der DWD wĂ€hrend der Waldbrandsaison (MĂ€rz - Oktober) tĂ€glich aktualisierte Waldbrandgefahrenprognosen fĂŒr Deutschland bereit. DafĂŒr muss man allerdings genau wissen, wo man suchen soll: DWD, Spezielle Nutzer, Landwirtschaft, Agrarwetter, Waldbrandgefahrenindex.

Regionale Parameter.

Die Prognose erfolgt mittels des sogenannten M-68-Modells, das international gĂŒltig ist und die WaldbrandgefĂ€hrdung in Stufen von 1 (sehr geringe Gefahr) bis 5 (sehr hohe Gefahr) darstellt. FĂŒr die Prognose nach dem M-68-Modell spielt außer meteorologischen Parametern auch der Vegetationsstand eine wesentliche Rolle.

Visualisierte GefÀhrdung. Quelle: DWD

Dass der aktuelle Gefahrenstand beim DWD im Rhein-Neckar-Raum mit 3-4 (mittlere bis hohe Gefahr) angeben wird, beunruhigt Herrn Schuh nicht ĂŒber GebĂŒhr: „Es gibt dabei regionale Unterschiede, die man berĂŒcksichtigen muss. Im Westen des Rhein-Neckar-Raumes ist die Brandgefahr etwas höher, durch die leichten Sandböden trocknen die Pflanzen schneller aus und sind dadurch leichter entflammbar.“

Auch sei es von Bedeutung ob es „einen grĂ¶ĂŸeren Nadelwaldbestand gibt, der naturgemĂ€ĂŸ am Boden einen höheren Anteil organisches Material hat, das sich leichter entzĂŒnden kann.“

Im Rhein-Neckar-Raum gibt es auch einige kleinere AnbauflĂ€chen Miscanthus (Schilfgras) das „da es in pelletierter Form zu Heizmaterial verarbeitet und in Biogasanlagen verwendet wird, leichter austrocknet und dann auch potentiell leichter entzĂŒndlich ist, bei der Beurteilung der Brandgefahr eine Rolle spielt“.

5-10 GrasnarbenbrÀnde pro Woche.

Axel Schuh ist stellvertretender Kreisbrandmeister im Rhein-Neckar-Kreis. Bild: Feuerwehr

Herr Schuh betont aber, dass seitens der Feuerwehr keine erhöhte Alarmbereitschaft besteht, „es bewegt sich alles noch in einem fĂŒr dieses Jahreszeit normalem Rahmen“

Dass es bei der derzeitigen Trockenheit zu deutlich mehr GrasnarbenbrĂ€nden kommt, ist fĂŒr Herrn Schulz aus Sicht der Feuerwehren auch nicht besorgniserregend. „Wir haben hier derzeit etwa 5-10 GrasnarbenbrĂ€nde pro Woche. Normal sind im Zeitraum April-Mai etwa 1-2 BrĂ€nde. Aber diese vermehrten BrĂ€nde verteilen sich auf 106 Abteilungen und sind deshalb fĂŒr uns kein Problem“.

Verursacher werden meist nicht identifiziert.

Die Ursachen der BrĂ€nde, die auf den GrĂŒnstreifen und Feldern neben Landstraßen und Autobahnen aufflammen, sind bekannt: „Meistens sind das achtlos aus den Autofenster geworfene Zigarettenkippen. Oder Weißglasflaschen, deren Scherben wie BrennglĂ€ser gerade gemĂ€hte FlĂ€chen mit trockenem Pflanzenmaterial entzĂŒnden.“  Die Verursacher solch fahrlĂ€ssig verursachter BrĂ€nde werden aber so gut wie nie identifiziert.

Einige BrĂ€nde entstehen auch als Unfallfolgen, “ wenn kleine Scherben aus geborstenen Scheiben im Feld neben den Autostraßen zurĂŒckbleiben.“ Nicht immer entstehen solche BrĂ€nde also aus Unachtsamkeit, „auch SelbstentzĂŒndung kommt hin und wieder vor“.

Die Gefahr von WaldbrĂ€nden in der Waldbrandsaison (MĂ€rz bis Oktober) steigt ebenfalls mit der Dauer der Trockenheit. Um prĂ€ventiv gegenzusteuern gibt es die Landeswaldgesetze der einzelnen BundeslĂ€nder. „Dort ist geregelt, dass offenes Feuer nur im Abstand von mehr als 100 Metern zur Waldgrenze entzĂŒndet werden darf und rauchen im Wald nicht gestattet ist.“

Appell an die Vernunft.

Axel Schuh rĂ€t, Raucher und ZĂŒndler, die sich im Wald nicht an diese Bestimmungen halten, anzusprechen und an Ihre Vernunft zu appellieren. „Sollten die sich trotzdem nicht an die Vorschriften halten, sollte man das Forstamt informieren. Oft ist es allerdings schwierig da jemanden zu erreichen, dann bleibt nur ein Anruf bei der Polizei.“ Die Feuerwehr ist in solchen FĂ€llen nicht zustĂ€ndig: „Wir sind erst zustĂ€ndig, wenn es brennt.“

Wer sind denn diese Leute, die so unvernĂŒnftig mit offenem Feuer im oder in der NĂ€he des Waldes hantieren? „Das sind zum Großteil normalerweise pflichtbewusste BĂŒrger, denen gar nicht bewusst ist, welche Gefahren ihr Handeln mit sich bringt. In einigen wenigen FĂ€llen spielt auch Alkohol eine Rolle, wenn so sorglos unachtsam gezĂŒndelt wird.“

Kein Problem sieht Axel Schuh an Orten, an den zum Beispiel das Grillen mit offenem Feuer erlaubt ist. „Besondere Vorkehrungen mĂŒssen an diesen Orten nicht getroffen werden. Gartenfeuer, zum Beispiel das Verbrennen von Schnittgut, mĂŒssen angemeldet werden.“ Grillfreunde sind also an öffentlichen GrillplĂ€tzen auf der sicheren Seite.

Trotz der anhaltenden Trockenheit ist im Rhein-Neckar Raum also nicht von einer besorgniserregenden Gefahrenlage auszugehen. Und wenn sich jeder an die Vorschriften hĂ€lt, seine Zigarettenkippen und Flaschen nicht in Feld Wald und Flur entsorgt und sich zum Grillen an die dafĂŒr vorgesehen PlĂ€tze begibt, dann muss auch die Feuerwehr selbst bei dieser Trockenheit nur selten ausrĂŒcken.

Dokumentation: Jede Menge EU-Subventionen auch fĂŒr Heddesheimer Bauern


Heddesheim, 06. April 2011. (red) Aufgrund unserer Berichterstattung hat uns eine Leserin Archivmaterial zukommen lassen. Diese Informationen waren bis Oktober 2010 ĂŒber das Internet fĂŒr jedermann einsehbar. Wir dokumentieren Subventionszahlungen an Heddesheimer Landwirte aus dem Jahr 2009.

Aufgrund einer Klage hessischer Landwirte prĂŒft die EU, inwieweit solche Daten weiter veröffentlicht werden dĂŒrfen. Auch das ist wieder ein Fall (ĂŒber-)staatlicher AbsurditĂ€t und Intransparenz.

Erkleckliche Summen aus EU-Töpfen fĂŒr Heddesheimer Landwirte. Klicken Sie auf die Grafik, um das komplette PDF-Dokument zu öffnen. Quelle: Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung

Erkleckliche BetrÀge auch nach Heddesheim

ÃƓber 500.000 Euro haben demnach Heddesheimer Landwirte an Subventionsgeldern im Jahr 2009 erhalten. Darunter auch zwei GemeinderĂ€te der CDU mit erklecklichen BetrĂ€gen. Normale Angestellte reiben sich bei solchen Summen die Augen.

Das Wirtschaftsmagazin Impulse hatte ĂŒber die Klage im Februar berichtet:

„Schecke hat dafĂŒr gesorgt, dass seit Ende 2010 keine Subventionsdaten von Landwirten mehr im Internet veröffentlicht werden. Der EuGH hat auf seine Klage hin eine Klausel gekippt, die die umfassende Information ĂŒber alle Agrarbeihilfen vorschrieb (Az.: C-92/09). Die Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ließ sofort alle entsprechenden Daten sperren. Ab dem FrĂŒhjahr sollen zwar grĂ¶ĂŸere Aktiengesellschaften, GmbHs oder Genossenschaften, die Agrarzahlungen erhalten, wieder im Netz aufgelistet werden. Die Daten kleiner Familienbetriebe und mittelstĂ€ndischer Unternehmen hingegen bleiben geheim, bis die EU-Kommission eine Neuregelung fĂŒr alle 27 EU-Mitgliedsstaaten gefunden hat.“

Es geht um Transparenz. Nach der Informationsfreiheitsrichtlinie dĂŒrfen sich BĂŒrger, Firmen und Journalisten erkundigen, wofĂŒr welche Summen an Steuergeldern verwendet werden.

Doch diese ist beispielsweise in Baden-WĂŒrttemberg noch nicht umgesetzt – kein Wunder, sind doch Landwirte eine traditionelle WĂ€hler-Klientel der CDU und die hatte ja bis vor kurzem das Sagen im LĂ€ndle.

Die taz aus Berlin hatte im November nach dem Urteil geschrieben:

„Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat die öffentliche Internetdatenbank mit den Namen der EmpfĂ€nger von EU-Agrarsubventionen in Deutschland sperren lassen. Der EuropĂ€ische Gerichtshof (EuGH) habe ihre Bedenken gegen die Veröffentlichung bestĂ€tigt, teilte die CSU-Politikerin am Dienstag mit. Die Luxemburger Richter hatten wenige Stunden zuvor geurteilt, dass die Behörden aus DatenschutzgrĂŒnden kĂŒnftig nicht alle EmpfĂ€nger veröffentlichen dĂŒrften.“

Von außen betrachtet, fragt man sich: Moment mal, Ilse Aigner ist bayerische CSU-Politikerin, sieht „ihre Sicht bestĂ€tigt“, geklagt haben aber zwei Bauern aus Hessen. Man könnte jetzt vermuten, dass das irgendwie miteinander zusammenhĂ€ngt.

6.000.000.000 Euro

Vermutlich tut es das auch. Nur kurze Zeit waren die Daten öffentlich. Und das Schweigen sowie die Intransparenz haben GrĂŒnde. Anfang 2006 schreibt das „Greepeace-Journal“ ĂŒber das „Schweige-Kartell“:

„6.000.000.000 – sechs Milliarden Euro: Diese stattliche Summe fließt jedes Jahr als EU-Subventionen in die Taschen der deutschen Agrarbetriebe. Das ist bekannt. Wer aber wofĂŒr wie viel dieses Geldsegens aus BrĂŒssel einstreicht – darĂŒber breitet sich der Mantel des Schweigens.“

Download des Dokuments ĂŒber Subventionszahlungen an Heddesheimer Landwirte 2009.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

MM: Trauriger Bericht ĂŒber traurigen Tag

Heddesheim, 06. April 2011. (red) Der Mannheimer Morgen berichtet heute ĂŒber einen „traurigen Tag fĂŒr die Gemeinde“ – und schlĂ€gt ein weiteres Kapitel seiner Non-Sense-Berichterstattung auf.

Von Hardy Prothmann

„Ein StĂŒck Kultur und Tradition“, geht verloren, heißt es heute im Mannheimer Morgen ĂŒber das vermeintliche „Aus“ fĂŒr den Tabakstandort.

Das schreibt die Zeitung, die das Wort „Tabakgemeinde“ in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 248 in 206 Artikeln benutzt hat. Allein in den vergangen Jahren wurde das Synonym „Tabakgemeinde“ fĂŒr Heddesheim in 130 Artikeln insgesamt 159 Mal verwendet.

"HeimattĂŒmelige" Berichterstattung. Quelle: MM

Absurd, denn 2007 waren es noch sieben, zuletzt waren es noch vier landwirtschaftliche Betriebe, die in Heddesheim noch Tabak angebaut haben, vor allem den Badischen Geudertheimer, einen Zigarrentabak und Virgin. ÃƓbrig bleibt Alois Bach, der noch ein wenig Virgin anbaut.

Die ProduktionsflĂ€che fĂŒr den Tabakanbau, der seinen Höhepunkt 1939 (sic!) hatte, lag damals bei gut 300 Hektar und 2007 nur noch bei 55 Hektar. Die 20 Hecktar AnbauflĂ€che, die kĂŒnftig mit einem der grĂ¶ĂŸten Logistizentren der Region („Pfenning“) bebaut sein werden, galten als bester „Tabakgrund“.

Im Ort gibt es noch einige Tabakscheunen, die mehr oder weniger nur zum Trocknen der Pflanzen nutzbar sind. Der Tabakanbau gilt als knochenharte Arbeit – vor allem die Ernte ist krĂ€ftezehrend und aufwendig. Solange das aber gutes Geld brachte, baute man die Pflanze eben an.

Seit vielen Jahren ist der Tabakanbau aber schon lĂ€ngst kein echtes GeschĂ€ft mehr, sondern lebte nur von massiven Subventionen. Rund 6 Euro pro Kilo wĂŒrde der Heddesheimer Tabak auf dem Weltmarkt kosten. Der marktfĂ€hige Preis liegt bei zwei Euro. Der Tabak wurde also bis Ende 2009 mit zwei Dritteln subventioniert. Durch Steuergelder.

Auch von Nicht-Rauchern. Und von einer EuropĂ€ischen Union, die sich dem Nicht-Raucher-Schutz verschrieben hat. Absurd? Ganz sicher. Aber RealitĂ€t. Die Tabakindustrie wurde verpflichtet 3 bis 5 Prozent der Einnahmen fĂŒr Rauchschutzinformationen auszugeben. WĂ€hrend Erzeuger mit zwei Dritteln subventioniert wurden, sagt die Großhandelsfirma Jakob Metz KG im pfĂ€lzischen Herxheim. Dort hat man auch schon reagiert und die Landwirte bauen nun KrĂ€uter an.

Gleichzeitig liegen die „Folgekosten“ im mehrstelligen Milliardenbereich bei der Behandlung von Krankheiten durch Tabakmissbrauch.

Was also, bitte schön, ist „traurig“ daran, wenn auf Heddesheimer Gemarkung der Tabakbau nun mehr oder weniger eingestellt ist? Die Gemeinde Heddesheim ist schon seit Jahrzehnten keine Gemeinde mehr, die vom Tabak lebt.

Rupert Bach - auch sein Betrieb baut keinen Tabak mehr an, weil es sich nicht mehr lohnt.

Der Mannheimer Morgen vewendete den Begriff Tabakgemeinde diametral inflationĂ€r zur tatsĂ€chlichen Situation in den vergangenen Jahren. Warum, bleibt sein Geheimnis. Eine ErklĂ€rung wĂ€re, dass er es „heimattĂŒmeln“ lassen will. Selbst im aktuellen Bericht wird am Ende des Textes „ein Funken Optimismus spĂŒrbar“. So sind sie meist konstruiert, die Texte jenseits von Sinn und Verstand – am Ende muss immer alles gut werden oder sein.

Ist es traurig, dass die Bauern keine absurd hohen Subventionen mehr bekommen? Ganz sicher nicht, weil die Subventionspolitik schon lange von vielen als Skandal begriffen wird und es kaum noch vermittelbar ist, warum eine kleine Gruppe von Wirtschaftsbetrieben insgesamt die höchsten Zuwendungen erhÀhlt.

Ist es traurig, dass osteuropĂ€ische Erntehelfe keinen Knochenjob mehr machen mĂŒssen? Das ist sicherlich bedauerlich fĂŒr die Arbeiter, die hier zwar Hungerlöhne erhalten, die aber in ihrer Heimat die Familien ernĂ€hren.

Ist es traurig, dass 20 Hektar bestes Ackerland fĂŒr den Bau eines Logistikzentrums auf alle Zeit vernichtet werden? Das ist eine Frage der Perspektive. Ganz sicher nicht aus Sicht des Heddesheimer BĂŒrgermeisters Michael Kessler und der Mehrheit im Gemeinderat, die durch das Logistikzentrum die „Zukunft Heddesheims“ als „gesichert“ versprechen.

Derselbe BĂŒrgermeister Kessler lobt zu jeder anderen Gelegenheit den Ort als „Sportgemeinde“ – wie man Tabak und Rauchen und Sport als gleichzeitige Identifikationsmerkmale fĂŒr ein und dieselbe Gemeinde unter einen „Hut bekommen soll“, muss niemand verstehen. Es bleibt absurd.

Homepage der Gemeinde Heddesheim. Bretter von Tabakscheunen und eine stilisierte Scheune als Logo halten die "Tradition" des Tabakbaus hoch. Quelle: Gemeinde Heddesheim

„Bald erinnert nur noch der Tabakbrunnen, der als Denkmal gesetzt wurde, an diese vergangene Zeit“, schreibt der MM weiter. Auch das ist ausgemachter Blödsinn. Die Gemeinde Heddesheim hat sich gerade ein „neues“ Corporate Design gegeben – mit stilisierten Tabakscheunen, die an die „gute, alte Zeit“ erinnern sollen.

Klar, es gibt sie noch, vereinzelt, die Tabakscheunen im Ort- unnĂŒtzige GebĂ€ude, die lĂ€ngst ihre Aufgabe verloren haben und fĂŒr kaum einen anderen Zweck zu gebrauchen sind. Selbst ein Landwirt wie Rupert Bach hatte in den vergangenen Jahren seinen Tabak in speziellen Zelten getrocknet. Das war effektiver als in den „traditionellen Scheunen“.

Die „jungen Landwirte mĂŒssen sich neue Aufgabengebiete suchen“, heißt es weiter in der Zeitung. Auch das ist nur bedingt richtig – die jungen Landwirte haben das lĂ€ngst getan und bauen zur Zeit eine Biogas-Anlage auf dem GelĂ€nde der Familie Rupert Bach.

Dort wird Industriemais zu Biogas verarbeitet werden. Mit Romantik oder „Naturverbundenheit“ hat die moderne Landwirtschaft nur noch in den seltensten FĂ€llen etwas zu tun. Landwirtschaft war lange Zeit eine subventionierte Lebensmittel erzeugende Wirtschaft und wandelt sich nun in Teilen zu einer Energiewirtschaft.

Und mit der Zeit wird die Einsicht wachsen, dass eine „Biogas-Anlage“ nur wenig mit „Bio=Gut“ zu tun hat. Diese Anlagen erzeugen keine „Bio-Lebensmittel“, dafĂŒr aber CO2, besser bekannt als Treibhausgas.

Diese ZusammenhĂ€nge will oder kann der Mannheimer Morgen nicht darstellen. Wenn Sie noch Abonnent der Zeitung sein sollten, schreiben Sie doch mal die Redaktion an und fragen Sie nach. Die Antwort – so sie denn kommen sollte – dĂŒrfen Sie gerne an uns weiterreichen.

„Die Pflanzen leiden unter der Hitze“ – dĂŒrftige Weizenernte, der Heddesheimer Tabak vor dem Aus

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Juli 2010. Die Wetterbedingungen bringen den Heddesheimer Bauern fĂŒr dieses Jahr keine guten Ernten – der Mai war zu feucht und zu kalt, die Hitze der vergangenen Wochen bei gleichzeitigem Wassermangel hat den Weizen frĂŒher reifen lassen.

weizen

ÃƓberall wird zur Zeit der Weizen eingebracht - zurĂŒck bleiben die Strohballen. Bild: heddesheimblog.de

Seit einigen Tagen wird der Weizen geerntet, „8-10 Tage zu frĂŒh“, sagt Rupert Bach: „Das Korn ist notreif. Durch die Hitze hat es sich zu frĂŒh entwickelt.“ Das heißt: Nicht Ähren konnten voll ausreifen, der Ertrag liegt 5-10 Prozent unter der Erwartung. Die QualitĂ€t reicht nur fĂŒr Futterweizen, was nochmals einen Preisabschlag bedeutet. Das Korn konnte nicht genug Eiweiß einlagern.

rbach

Landwirt Rupert Bach: "Zu viel Hitze, zu wenig Wasser." Bild: heddesheimblog.de

Weizen wird je nach GĂŒte in die Klassen A und B eingeteilt – alles darunter ist Futterweizen mit entsprechenden PreisabschlĂ€gen.

„Wir kommen dabei noch glimpflich weg“, sagt Bach, „gerade entlang der Bergstraße, wo spĂ€ter angebaut wird, werden die ErtrĂ€ge noch schlechter sein.“ Die Erwartung war zunĂ€chst eine andere: „Wir rechneten mit SpitzenertrĂ€gen, doch dann kam die Hitzeperiode.“

Auch beim Tabak sieht es nicht gut aus: „Die Pflanzen leiden unter der Hitze.“ ÃƓberhaupt der Tabak: Nachdem die Regulierung fĂŒr Tabakpreise mit dem vergangenen Jahr ausgelaufen ist, befinden sich die vier Heddesheimer Tabakbauern „im ersten Jahr der Marktordnung“, sagt Alois Bach (nicht verwandt mit Rupert Bach), der Vorsitzende der Tabakbauern: „Der Markt wird die Preise richten.“

Wie knallhart das GeschĂ€ft ist, zeigen die Preise: „Am Markt wird das Kilo teils mit 1,80 Dollar gehandelt. Wir brauchen 3,50 Euro, um wirtschaftlich arbeiten zu können.“ FĂŒr die Tabaksorte Burley war das das Aus. Der wird hier nicht mehr angebaut. ÃƓbrig geblieben sind der Badische Gaudertheimer und Virgin: „DafĂŒr haben wir einen zwei-Jahres-Vertrag zu noch akzeptablen Preisen. Ob es einen Anschluss gibt oder wir als Unternehmer das Risiko des Anbaus eingehen werden, ist derzeit völlig offen“, sagt Alois Bach.

Sein Kollege Rupert Bach baut den Zigarrentabak Badischer Gaudertheimer an: „Nur noch auf 50 Prozent der sonstigen FlĂ€che.“ Virgin wird fĂŒr Zigaretten gebraucht: „Ob und wie wir hier auf dem Weltmarkt mithalten können, mĂŒssen wir sehen“, sagt Alois Bach: „Ich finde es sehr schade, dass diese Kulturpflanze nach ĂŒber 400 Jahren Anbau in unserer Region vor dem Aus steht. Aber das ist politisch so gewollt.“

„Tabak ist mit nichts zu vergleichen“, sagte Bach: „Vielleicht noch mit Wein oder Spargel. Auch hier ist der Anbau sehr arbeitsintensiv, was die Preise ausmacht, aber auch Gewinn bringt.“ Da die staatliche Preisregulierung aber weggefallen ist, weiß niemand, wie sich die Preise entwickeln werden: „Und es braucht entsprechende Investitionen. Jeder Landwirt muss als Unternehmer selbst entscheiden, ob er das Risiko eingehen will.“

Vier Pflanzhelfer arbeiten mit.

Pflanzhelfer beim Setzen der Tabakpflanzen. Bild: heddesheimblog.de

Der Kreislauf der Globalisierung macht also auch nicht vor Heddesheim halt und erstreckt sich in weitere LĂ€nder – aus denen die Hilfsarbeiter und SaisonkrĂ€fte kommen: „Wir haben schon Stellen reduziert, wie alle“, sagt Alois Bach. 100 Tonnen Tabak haben die Heddesheimer Landwirte bis vergangenes Jahr produziert, dieses Jahr noch die HĂ€lfte. Im kommenden Jahr wird es in Heddesheim vielleicht keinen Tabakanbau mehr geben.

TÃƓV prĂŒfte landwirtschaftliche Zugmaschinen

Guten Tag!

Heddesheim, 28. Januar 2010. Am Anfang des Jahres prĂŒft der TÃƓV SĂŒd mit seinem mobilen Dienst vor Ort landwirtschaftliche Maschinen. Auf dem Parkplatz vor dem Heddesheimer Badesee wurden am Dienstag insgesamt 20 landwirtschaftliche Fahrzeuge geprĂŒft.

Text und Fotos: Horst Pölitz

P1030282

Traktor-TÃƓV-Termin. Bild: hblog

Zuerst werden die Beleuchtungseinrichtungen ĂŒberprĂŒft. Danach kommen die Lenkung und ÃƓbertragungsteile dran. Gerade diese Bauteile werden durch die Arbeit im Feld enorm beansprucht. NatĂŒrlich werden auch die Reifen auf Alterungsrisse und Profiltiefe begutachtet. Auch die tragenden Teile werden selbstverstĂ€ndlich genau inspiziert. Danach folgt eine Fahrprobe, bei der auch die Bremsen kontrolliert werden.

Herr Schmitt, mĂŒssen Landmaschinen auch alle zwei Jahre zur amtlichen PrĂŒfung?
Berthold Schmitt: „Maschinen bis 40 km/h mĂŒssen alle zwei Jahre vorstellig werden. Jedes Jahr ist eine PrĂŒfung erforderlich, wenn sie bis 50 Stundenkilometer schnell fahren können.“

Was wird geprĂŒft?
Schmitt: „Lenkung, ÃƓbertragungsteile, Spurstangenköpfe, Bereifung, Lichttechnik, Hand- oder Feststellbremse und Bremskontrolle.“

Wie prĂŒfen Sie die Bremsen? Ich sehe hier keine Bremskontrolleinrichtung.
Schmitt: „Wir machen eine Fahrprobe mit Bremskontrolle. Hierbei ist wichtig, dass die RĂ€der gleichmĂ€ssig blockieren und nicht ausbrechen.“

Gibt es hÀufig Beanstandungen?
Schmitt: „Nein, die Fahrzeughalter gehen sorgfĂ€lltig mit ihrem GerĂ€t um. Denn die Maschinen mĂŒssen Geld verdienen.“

Wieviel Landmaschinen haben sie diese Woche geprĂŒft?
Schmitt: „In Heddesheim waren es zwanzig Zugmaschinen, in Hirschberg zehn. In Weinheim und Schriesheim zusammen achtundzwanzig.“

Wie ist das mit MĂ€hdreschern? Fahren Sie zu den Haltern?
Schmitt: “ Alle Fahrzeuge, die kein amtliches Kennzeichen tragen, fallen nicht unter die PrĂŒfungspflicht. Aber an der Seite von MĂ€hdreschern mĂŒssen Name und Adresse gut sichtbar angebracht werden.“

Was kostet eine PrĂŒfung und wird Abgasuntersuchung durchgefĂŒhrt?
Schmitt: „Eine Abgasuntersuchung gibt es bei landwirtschatlich genutzten Fahrzeugen nicht. Die amtliche PrĂŒfplakette und PrĂŒfungsbericht kosten zusammen 33,70 Euro inklusive Mehrwertsteuer“.

[nggallery id=82]
Anm. d. Red.: Die Fotostrecke zeigt eine TÃƓV-PrĂŒfung vom Mittwoch, den 27. Januar 2010 auf dem Festplatz in Schriesheim.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

„Tabakbau ist harte Arbeit“

Rupert Bach ist Bauer in der 3. Generation. Der Landwirtschaftsmeister bestellt rund 100 Hektar AckerflĂ€che rund um Heddesheim. Der Tabak bringt am meisten Geld – aber auch die meisten RĂŒckenschmerzen, sagt Rupert Bach. Ein echter Hellesemer.

PortrÀt und Fotos: Hardy Prothmann

Generationen: Rupert Bach, Schwiegervater Otto Schmidt, Sohn Stefan Bach.

Generationen: Rupert Bach, Schwiegervater Otto Schmidt, Sohn Stefan Bach.

Am 2. Mai 2009 hat Rupert Bach (Jg. 1957) den ersten Tabak gepflanzt: „Jedes Jahr Ende April, Anfang Mai ist die Pflanzzeit“, sagt er. Dann geht es schnell: Innerhalb von vierzehn Tagen mĂŒssen die jungen Pflanzen gesetzt werden.

Mit von der Partie ist sein Sohn Stefan (26), ebenfalls Landwirtschaftsmeister und auch der Schwiegervater Otto Schmidt, der trotz seiner 79 Jahre noch rĂŒstig mithilft.

Aussiedlerhof

1969 sind die Bachs raus gezogen, aus dem Ort in die Aussiedlerhöfe hinterm Badesee in den Brunnenweg: „Im Ort war zu wenig Platz. Gerade fĂŒr Betriebe mit Viehwirtschaft ging das nicht mehr“, sagt Bach, dem es hier draußen im friedlichen Idyll gut gefĂ€llt.

 Rupert Bach fÀhrt den Traktor, hinter im sitzen vier Pflanzhelfer, die den Tabak in die

Rupert Bach fÀhrt den Traktor, hinter im sitzen vier Pflanzhelfer, die den Tabak in die Pflanzmaschine einsetzen.

Rund 100 Hektar AckerflĂ€che bewirtschaften die Bachs, rund 90 Prozent davon sind gepachtet. Getreide, ZuckerrĂŒben, Mais, Tabak, Spargel und andere Pflanzen bestimmen die Fruchtfolge auf den Feldern.

Jedes Jahr wird gewechselt, bis frĂŒhestens nach vier bis jĂŒnf Jahren eine Pflanze wieder auf denselben Acker kommt: „Das muss so sein. Die meisten Pflanzen wachsen sonst nicht gescheit“, sagt Rupert Bach, der auch SachverstĂ€ndiger im Verband sĂŒddeutscher ZuckerrĂŒbenbauern ist.

Vierzehn Tage, dann ist der Tabak gepflanzt.

Vierzehn Tage, dann ist der Tabak gepflanzt.

Noch 17 Landwirtschaftsbetriebe in Heddesheim

Und Vorsitzender der 17 Landwirtschaftsbetriebe, die Heddesheim noch hat. In den vergangenen Jahren haben 15 Betriebe geschlossen – meist, weil es keine Nachfolge gab.

Als einziger Betrieb haben die Bachs mit rund 30 Mastbullen noch Schlachtvieh auf dem Hof. Und 350 HĂŒhner. Ein Huhn wird etwa 1 3/4-Jahre alt und legt in dieser Zeit rund 450 Eier bevor es in den Suppentopf kommt. Ein paar in den eigenen, der Großteil wird verkauft.

„Spargel und Tabak sind am eintrĂ€glichsten.“

„Am eintrĂ€glichsten sind fĂŒr uns der Spargel und der Tabak“, sagt Rupert Bach. Auf einem Hektar zieht er Spargel, auf sechs Hektar Tabak. Die Jungpflanzen kultivieren die Bachs selbst. Auch die Ehefrau und die Schwiegermutter arbeiten mit – die ganze Familie eben.

„Der Tabak ist eine unglaubliche Pflanze“, sagt er leidenschaftlich. „Im Mai gesetzt ist er im Sommer reif zur Ernte. Es gibt kaum eine andere Pflanze, die das schafft. Hinzu kommt die riesige BlattoberflĂ€che des Tabaks.“

Vier Pflanzhelfer arbeiten mit.

Vier Pflanzhelfer arbeiten mit.

„Tabak ist die grĂ¶ĂŸte Sauerstofffabrik“

So paradox das fĂŒr Nichtraucher klingen mag: „Tabak ist mit Abstand die grĂ¶ĂŸte Sauerstofffabrik unter allen Kulturpflanzen.“

FĂŒnfzehn bis zwanzig BlĂ€tter bildet eine Pflanze aus. Geerntet wird in Handarbeit: „DafĂŒr gibt es noch keine Maschinen.“ Dabei helfen vier rumĂ€nische Gastarbeiter. Erst wird er gebrochen, dann bĂŒndelweise zusammengenĂ€ht, dann zum Trocknen aufgehangen. Auf die typischen Tabakscheunen, wie sie noch in Heddesheim stehen, ist der Bauer nicht mehr angewiesen. Er hat seit einiger Zeit Trockenzelte.

„Die Arbeit ist sehr hart. Im August in der Hitze, alles von Hand – da tut abends der RĂŒcken mĂ€chtig weh“, sagt Rupert Bach.
Er erinnert sich: „FĂŒr mich war das als Kind nicht so schön, denn mit der Tabakernte, bei der ich helfen musste, war die schönste Zeit im Jahr, der Sommer, vorbei.“

RĂŒstig: Schwiegervater Otto Schmidt hilft mit 79 Jahren noch mit.

RĂŒstig: Schwiegervater Otto Schmidt hilft mit 79 Jahren noch mit.

Der Badische Geudertheimer, so heißt die Sorte, wird nach dem Trocknen als Schnittgut fĂŒr Zigarren verwendet. Entsprechend gut ist die QualitĂ€t und damit der wirtschaftliche Ertrag.

In den kommenden Jahren wird der Sohn Stefan den Hof vom Vater ĂŒbernehmen. Er ist dann die 4. Generation und wie der Vater mit Leib und Seele Landwirt: „Das ist meine Arbeit“, sagt er. Und lacht.