Samstag, 23. Juni 2018

GefĂ€hrdet ein ZuckerwĂŒrfel die öffentliche Ordnung?

„Der macht aus ein paar Bienchen einen Verwaltungselephanten“

 

Heddesheim, 26. Juli 2013. (red) BĂŒrgermeister Michael Kessler liefert mal wieder Anlass zum FremdschĂ€men. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag fĂŒhrte er lang aus, wieso das Objekt des Heddesheimer KĂŒnstlers Kurt Fleckenstein ein öffentliches Ärgernis darstelle und eine unzumutbare Gefahr darstelle. „Unglaublich viele Bienen“ wĂŒrden den WĂŒrfel anfliegen und damit sei die Sicherheit von SpaziergĂ€ngern massiv bedroht. Und ob man aus Lebensmitteln Kunst machen mĂŒsse, sei auch eine Frage, meinte BĂŒrgermeister Kessler, der offensichtlich kein besonderes Kunstwissen hat. [Weiterlesen…]

17 KĂŒnstler und zwei Schulklassen stellten am Badesee aus

Kunst am See

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Installation von Hildegard Peetz bei der Ausstellung „Kunst am See“ des Kunstvereins Heddesheim

Heddesheim, 22. Juli 2013. (red/sw) 19 KĂŒnstler und Gruppen sind am Wochenende dem Aufruf der Vorsitzenden des Kunstvereins Heddesheim gefolgt und zur ersten Freiluft-Ausstellung „Kunst am See“ gekommen. Trotz des heißen Wetters scheuten Kunstinteressierte den Weg dorthin nicht.

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Der Kunstverein lÀdt zum Kunstweg am Badesee

Ein Fernseher am Heddesheimer See? – Nein, ein Fern-See-Her!

Heddesheim, 18. Juli 2013 (red/sw) Viele KĂŒnstler aus der Region und zwei Schulklassen folgen am Wochenende dem Aufruf von Frau Veronika Drop, Vorsitzende des Heddesheimer Kunstvereins. Ein Besuch der Ausstellung „Kunst am See“ lohnt sich allemal!
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Auf den Spuren der Unbeugsamkeit


Das Mittelalter ist kein Epoche - es ist die menschliche Natur.

Guten Tag!

Heddesheim, 03. Juli 2011. Margret Wagener, Eva Martin-Schneider, Heide Raiser, Heidi Rei, Lioba Geier, Gudrun Libnau sowie die Acapellagruppe Aylin Can, Sophie Grossmann, Rita Rössling mit Eva Martin- Schneider befanden sich auf der Spurensuche unbeugsamer Frauen. Unter dem Titel „Starke Frauen – Verletzte Seelen“, durchstreifte die Heddesheimner Literaturgruppe mit UnterstĂŒtzung der Acapellagruppe 2000 Jahre der Unbeugsamkeit von der Griechischen Antike bis zu einer fiktionalen Zeit 2050.

Von Sabine Prothmann

„Mittelalter ist keine Epoche es ist der Name der menschlichen Natur“, heißt es ganz zum Schluss bei der Szenischen Lesung auf dem Heddesheimer Dorfplatz am Mittwoch, 22. Juni 2011.

Schon im April 2010 hatte die Heddesheimer Literaturgruppe um die Schauspielerin und Regisseurin Eva Martin-Schneider gemeinsam mit dem Heddesheimer Kunstverein unter dem Titel „Hexen, Heiler und SĂŒndenböcke“ dieses StĂŒck aufgefĂŒhrt. Doch die AuffĂŒhrung am 22. Juni bekam durch das Ambiente des Dorfplatzes an der alten Scheune einen ganz besonderen Charme verliehen.

GemĂ€lde und Skulpturen des Heddesheimer KĂŒnstlers Bernd Gerstner aus dem Zyklus „Verletzte Seelen“ gestalteten eindringlich den Platz vor der alten Tabakscheune.

100 StĂŒhle wurden aufgestellt, doch sie reichen nicht aus fĂŒr die Zuschauer, die sich mit auf diese Reise begeben wollen.

Die Darstellerinnen und der Chor sind in schwarzen GewĂ€ndern und dunkelrote Schals gekleidet. Die AtmosphĂ€re ist fast gespenstisch, es erklingt „Menag Jamport Em“ von Djivan Gasparyan. Die Frauen bilden einen Kreis, Feuer zischt in einem Kessel. Vergangene Riten scheinen lebendig zu werden.

Das Publikum wird sofort in Bann gezogen.

Eine Zeitreise in die Unbeugsamkeit beginnt

Die Zeitreise beginnt mit „Antigone“ von Sophokles, die Ungehorsame, die ihren Bruder begraben hat. Sie stellt ihr Gewissen ĂŒber das Gebot des König Kreon. Sie ist bereit dafĂŒr ihr Leben zu lassen. Die erste Unbeugsame in einer langen Reihe von unbeugsamen, starken Frauen.

Und fĂŒhrt weiter in die Zeit der Hexenverfolgung vom 14. bis zum 17. Jahrhundert. Hexen werden angeklagt und verurteilt. Es sind Frauen, wie Johanna von OrlÚans, die verbrannt wurde oder Agnes Bernauer, die man ertrĂ€nkte. Es sind Frauen, die stark und tapfer sind, die ihre Meinung Ă€ußern, die helfen und heilen oder einfach auch nur anders aussehen. Es sind „verletzte Seelen“.

Die Hexenprozesse werden durch das intensive Spiel der Literaturgruppe lebendig.

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Unkonventionelles Ambiente.

Es wird ein Auszug aus dem „Hexenhammer“ vorgelesen, ein Werk, das zur Legitimation der Hexenverfolgung im Jahre 1487 veröffentlicht wurde. Das geht unter die Haut.

13 Frauen werden ermordet

Dann der Sprung ins vergangene Jahrhundert, in die Zeit des Nationalsozialismus. Angst, Obrigkeitsglaube fĂŒhrte zur Denunziation. Zwischen 1933 und 1945 wurden im GefĂ€ngnis Plötzensee 2.891 Todesurteile vollstreckt, darunter Mitgliedern der Roten Kapelle. Am 5. August 1943 werden 13 Frauen am Plötzensee in Berlin ermordet.

Die Literaturgruppe stellt sechs Kurzbiografien, unter anderem auch die der Heidelberger ReformpĂ€dagogin und WiderstandskĂ€mpferin Elisabeth von Thadden, vor. Es sind Frauen aus dem Widerstand, es sind starke Frauen. Es sind „verletzte Seelen“.

Es dauert noch an

Die Zeit rĂŒckt immer nĂ€her, Hexenverfolgungen zwischen 1970 und 2010. Eindringlich werden Nachrichten aus Asien, Afrika und SĂŒdamerika vorgetragen. Tod, Krankheit, schlechtes Wetter und schon wird die Hexe ausgemacht. Die Verfolgung macht auch vor Kindern keinen Halt. Es ist die Hexenverfolgung der Gegenwart.

Die letzte Station der Zeitreise ist das Jahr 2050, die Protagonistinnen spielen eine Szene aus dem TheaterstĂŒck „Corpus Delicti“ von Juli Zeh.

Die Zuschauer werden mitgenommen in eine Gerichtsverhandlung gegen Mia Holl wegen methodenfeindlicher Umtriebe.

Der Staat kontrolliert das Individuum. Mia Holl hat sich schuldig gemacht, sie hat ihren Bruder geliebt, ihren Verstand gebraucht und sich versucht unabhÀngig zu machen. Sie hat sich den Kontrollsystemen der Gesellschaft verweigert.

Und es geht weiter?

Mia Holl wird als schuldig verurteilt. Sie soll eingefroren werden. Sie ist eine starke Frau und eine „verletzte Seele“.

Mit großer IntensivitĂ€t spielen die Darstellerinnen ihre Rollen, eindringlich verkörpern sie die Frauengestalten. Es ist großes Theater, was hier auf dem Heddesheimer Dorplatz geboten wird.

Großartig sind auch die MusikstĂŒcke, die die einzelnen Zeitabschnitte verbinden. Die Acapellagruppe mit den SĂ€ngerinnen Aylin Can, Sophie Grossmann, Rita Rössling, Eva Martin- Schneider zeigt eine beeindruckende Leistung.

„Isabella“ von Corvus Corax und das Chorlied „Tourdion“ (französisches Sauflied von Pierre Attaingnant von 1530) umrahmen die Hexenverfolgung vom 14, bis 17. Jahrhundert. Das „BĂŒrgerlied“ von Max Reger, das 1848 zur Revolution geschrieben wurde, fĂŒhrt zu der Zeit des Nationalsozialismus.

SpĂ€testens mit dem jiddischen Lied „Doss Kelbl“ von Shalom Secunda (1940) gelingt es den SĂ€ngerinnen das Publikum völlig zu begeistern.

Mit der tschechische Volksweise „Dobra noc“ liefert der Chor noch einen fantastischen Abschluss.

Die Protagonistinnen bekommen frenetischen Applaus und beweisen einmal mehr, dass die Literaturgruppe um Eva Martin-Schneider auf hohem Niveau und unkonventionell arbeitet.

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„Es sind die Augenblicke, die ich sammle“ – Vernissage im Alten Rathaus


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Heddesheim/Ladenburg, 10. Mai 2011 (red) Die Ausstellung, die zur Zeit im Alten Rathaus gezeigt wird, ist mit dem Titel „Sagenhafte GegensĂ€tze“ betitelt. Sagenhaft ist der Zyklus zu den Nibelungen, die die KĂŒnstlerin Renate Huthoff ausstellt. Im Gegensatz dazu stehen die Objekte und Skulpturen der KĂŒnstlerin Maria-Ilse Lörincz. Es ist ein „Mythos der Moderne“. Am Samstag wurde die Ausstellung mit einer Vernissage von der neuen Vorsitzenden des Heddesheimer Kunstvereins, der KĂŒnstlerin Veronika Drop, eröffnet.

Von Sabine Prothmann

Die musikalische Begleitung und die einfĂŒhrenden Worte kamen von dem Ladenburger Maler und Musiker Rudolf Klee, der damit der Vernissage einen weiteren kunstvollen Glanzpunkt verlieh.

Die „Edition Nibelungen“ zeigt auf neun Fotoradierungen die Geschichte der Nibelungen. Die geborene Mannheimerin, Renate Huthoff, lebt in Lampertheim und hat ihr Atelier in Worms, in der Stadt der Nibelungen. Die allgegenwĂ€rtige PrĂ€senz dieser Sage hat die KĂŒnstlerin zu diesen Bildern veranlasst. Ausgangspunkt ist immer ein Foto, das sich weiterentwickelt, wie in dem Bild „Wie er einen Lindwurm erschlagen mit seiner Hand“.

Die Fotografie der Siegfried-Skulptur scheint lebendig zu werden und mit dem Dolch in der Hand erschlĂ€gt er den schwarzen Drachen. In Rot leuchtet das Auge und die Zunge schießt aus dem Maul wĂ€hrend sich das Blut ĂŒber den Boden ergießt. Um dieses Ergebnis zu erreichen, bringt Huthoff drei Platten ĂŒbereinander und mit Hilfe eines chemischen Verfahrens entstehen die Mehrfarbradierungen. In Grautönen und tiefem Schwarz, akzentuiert durch intensives Rot. So trĂ€gt Kriemhild bei dem „Streit der Königinnen“ ein blutrotes Kleid.

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle.“

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle“, sagt die KĂŒnstlerin. So hĂ€lt jedes Bild einen wichtigen Augenblick der Sage fest, beginnt bei einem Foto und entwickelt eine Handlung. Dabei hat sie tief in den Archiven gegraben, sich mit den Nibelungen und der nordischen Edda beschĂ€ftigt.

Und so wurde ihre „Edition Nibelungen“ auch in das Heimatjahrbuch 2011 der Stadt Worms aufgenommen.

Huthoff hat auch zwei Rotuli mitgebracht, Papierrollen, die sich aufgerollt ĂŒber je 6,70 Meter erstrecken. Mit Papier, Kohle, Filzstift, Graphit, Tusche und WĂ€scheklammern bewaffnet setzte sich die KĂŒnstlerin unter alte OlivenbĂ€ume in Griechenland. Spontane Zeichnungen sind entstanden, „ich erfĂŒhle fĂŒr mich, das Leben im Baum“, erzĂ€hlt Renate Huthoff. Bizarre Formen, mal figurativ, mal abstrakt, scheinen lebendig zu werden, sich zu wandeln.

Es ist, als wenn man auf der Erde liegt und Wolkenformationen betrachtet, sagt Rudolf Klee in seiner EinfĂŒhrung.

Dazu im Gegensatz die Plastiken aus Bronze der KĂŒnstlerin Maria-Ilse Lörincz, die im Wachsausschmelzverfahren gegossen wurden. Maria-Ilse Lörincz kam 2007 ĂŒber den Steinguss-Bildhauerworkshop auf dem Dilsberg zu der Bronze.

Die ausgestellten Plastiken entstanden in den folgenden Jahren bei der Brandenburger Bildhauer-Sommerakademie in Straußberg. Die KĂŒnstlerin lebt und arbeitet in Ladenburg.

Die Suche nach der Urform.

Es ist die Suche nach der Urform, die sich verÀndert, sich entwickelt.

Viele der Objekte haben ein Außen und ein Innen. Bögen scheinen in das Innere des Kunstwerks zu fĂŒhren und erinnern fasst an die das Gewölbe einer Kathedrale, wobei der Wechsel der Form, mal rund, mal eckig wieder zu einem Bruch dieser Assoziation fĂŒhrt.

Betrachtet man eine Kathedrale von Außen ist sie eine Skulptur, betritt man sie, erlebt man sie als Raum, erklĂ€rt Rudolf Klee.

Es ist der Dialog von FlĂ€che und Form und von Raum und Material, der die KĂŒnstlerin antreibt. „Ich mache Skizzen und daraus entsteht das Objekt“, erst dann gibt sie ihren Plastiken Namen.

So ist auch der „Krieger“ entstanden. Das Material wurde geformt und gebogen und eine Figur mit Speer in der Hand wurde „geboren“. Lörincz bezeichnet das Ergebnis als die Abbildung des Prozesses.

Die sieben Bronzeplastiken und die beiden Steinguss-Objekte laden den Betrachter ein, sich auf den Weg zu machen und den Schaffensprozess zu verfolgen und zu empfinden. Sie lassen Raum fĂŒr eigene Interpretationen.

„Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar.“

Beide KĂŒnstlerinnen „machen sichtbar“, sagt Rudolf Klee und zitiert seinen Namensvetter Paul Klee: „Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar“ und schlĂ€gt damit auch die BrĂŒcke zwischen den so scheinbar unterschiedlichen Kunstwerken.

WĂ€hrend Huthoff die bildnerischen Ereignisse sichtbar mache, die Botschaft aus dem Innersten ziehe, setze Lörincz den Innen- und Außenraum in Beziehung.

Beide KĂŒnstlerinnen schaffen Meisterwerke, sie beherrschen die Kunst und die Technik, so Klee. „Denn Kunst kommt von Können, kĂ€me sie von Wollen, hieße sie Wulst“.

Als bekennender Romantiker spielt Klee wunderbar romantische eigene StĂŒcke, aber auch Teile von Rodrigos Concierto de Aranjuez und von Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert, dem „schönsten Klavierkonzert, was ich kenne“. Und nebenbei bekommen die Besucher der Vernissage einen kleinen Exkurs in die Musiklehre. Und das GefĂŒhl drei begeisternden KĂŒnstlern begegnet zu sein und einem „Gesamtkunstwerk“ beigewohnt zu haben.

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Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Weitere Infos: Die KĂŒnstlerin Veronika Drop löste als Vorsitzende des Kunstvereins Martine Herm ab, die aus gesundheitlichen GrĂŒnden ihr Amt abgeben musste. Drop ist gebĂŒrtige RheinlĂ€nderin und lebt seit 30 Jahren in Heddesheim. Sie ist seit der GrĂŒndung des Vereins, 2006, Mitglied.

„Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“ – Hommage an Hilde Domin

Guten Tag!

Heddesheim, 15. November 2010. Im Alten Rathaus wurde am Sonntag, den 14. November 2010, die Ausstellung „Hommage an Hilde Domin“ eröffnet. Die Heddesheimer KĂŒnstlerin Veronika Drop zeigt sehr persönliche Bilder zu den Gedichten der Heidelberger Schriftstellerin.

Von Sabine Prothmann

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Die KĂŒnstlerin Veronika Drop mit ihrem "Lieblingsbild".

Mit der Ausstellung „Hommage an Hilde Domin“ endet das Jahr fĂŒr den Heddesheimer Kunstverein, so der Heddesheimer KĂŒnstler Bernd Gerstner bei seiner BegrĂŒĂŸung. Mit Veronika Drop stellt, wie es einmal jĂ€hrlich Tradition sei, eine KĂŒnstlerin aus den eigenen Reihen aus. Mit gut 70 Besuchern waren die AusstellungsrĂ€ume in der Rathausgalerie gut gefĂŒllt. Ein toller Erfolg fĂŒr Veronika Drop und fĂŒr den Heddesheimer Kunstverein.

In den AusstellungsrÀumen des Heddesheimer Kunstvereins hÀngen 21 Bilder von Veronika Drop, die sie innerhalb eines Jahres von 2006 bis 2007 zu den Gedichten von Hilde Domin geschaffen hat. Die Bilder sind in Acryl und Eitempera auf Leinwand gemalt. Es ist Drops AnnÀherung an die Gedichte und Person Hilde Domin.

Auf der Spur von Hilde Domin

Die Lyrikerin Hilde Domin habe bei ihren Lesungen ihre Gedichte immer zweimal gelesen, sagt Veronika Drop: „Ich habe die Gedichte oft zehnmal und mehr gelesen und die Bilder immer und immer wieder ĂŒbermalt, bis ich dachte, jetzt bin ich auf der Spur.“

In ihrer EinfĂŒhrung erzĂ€hlt die gebĂŒrtige RheinlĂ€nderin, die schon lange in Heddesheim lebt und Mitglied des Kunstvereins ist, vom Leben der „Exilschriftstellerin“:

Hilde Domin wurde als Hilde Löwenstein, Tochter eines Rechtsanwaltes und einer ausgebildeten SĂ€ngerin 1909 in Köln geboren. Zum Jura-Studium ging sie zunĂ€chst nach Heidelberg, spĂ€ter nach Köln, Bonn und Berlin und 1931 wieder zurĂŒck nach Heidelberg, wo sie auch ihren Mann, den Altphilologie- und ArchĂ€ologiestudenten Erwin Walter Palm kennenlernte.

1932 reiste das jĂŒdische Paar zunĂ€chst zum Studium nach Rom, das nach Ernennung Hitlers zum Reichskanzler zur ersten Exilstation wurde. Als sie auch in Italien nicht mehr bleiben konnten, flĂŒchteten sie nach London und von dort schließlich in die Dominikanische Republik. Dort wirkte Domin als Assistentin ihres Mannes und unterrichtete Deutsch.

Erste schriftstellerische Versuche startete sie 1946. Der Tod der Mutter und die Krise in ihrer Ehe fĂŒhrten dann zu den ersten Veröffentlichungen 1951 – als Anfang und Heimkehr.

FĂŒnf Jahre spĂ€ter kehrten sie in ihre alte Heimat, nach Heidelberg, zurĂŒck. Inzwischen nannte sie sich „Domin“ zu Ehren ihrer Exilheimat, der Dominikanischen Republik. Seit 1961 arbeitete Hilde Domin als freie Schriftstellerin. Ihr Werk wurde in mehr als 20 Sprachen ĂŒbersetzt.

Im Wintersemester 1987/88 hielt sie als vierte Frau nach Ingeborg Bachmann, Marie Luise Kaschnitz und Christa Wolf die Frankfurter Poetik-Vorlesungen.

Zu ihrem 95. Geburtstag 2004 wurde Hilde Domin die EhrenbĂŒrgerwĂŒrde der Stadt Heidelberg verliehen. Bereits 1992 stiftete die Stadt ihr zu Ehren den alle drei Jahre vergebenen Literaturpreis „Literatur im Exil, der seit ihrem Tod „Hilde-Domin-Preis fĂŒr Literatur im Exil“ heißt. 2006 wurde sie Ehrenmitglied des P.E.N.-Club des Exils.

2006 stirbt die Lyrikerin in Heidelberg und wird auf dem Bergfriedhof neben ihrem 1988 verstorbenen Ehemann beigesetzt.

Auf der Grabplatte steht: „Wir setzten den Fuß in die Luft und sie trug“.

In ihren Gedichten und Schriften rief die Exilschriftstellerin immer wieder zum Neuanfang auf. Ihr Grundvertrauen sei ihr nicht verloren gegangen, so Drop. Domin gehörte nie zur Avantgarde. Ihre Klarheit, Ehrlichkeit und UnabhĂ€ngigkeit gefallen der KĂŒnstlerin Veronika Drop.

Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“

Pastellfarbene Töne, Wolken, die sich tĂŒrmen, dazwischen Halt gebende Linien – „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“, ist das Lieblingsbild der Malerin Veronika Drop.

„Erst sollte in den Wolken eine Treppe entstehen, doch ich habe immer und immer wieder mit Eitempera darĂŒber gemalt bis das Bild so entstanden ist“, erzĂ€hlt Drop. Dieses Bild sei ihr persönlichstes, weil es auch Situationen in ihrem Leben beschreibt. Mutig sein, den Fuß ins Unbekannte setzen – und feststellen, es trĂ€gt.

„Seit ich lebe, habe ich einen Stift in die Hand genommen“, erzĂ€hlt Drop. Eine Reihe von Ausstellungen gibt davon Zeugnis. 2006 habe sie intensiv angefangen, sich mit Hilde Domin zu beschĂ€ftigen und „ich wollte immer mehr ĂŒber sie erfahren“. Innerhalb eines Jahres sind die 21 ausgestellten Bilder entstanden.

Auch die anderen Bilder sprechen von persönlichen Erfahrungen. Es sind die der Lyrikerin, der Malerin und die des Betrachters. Drop gibt ihren Bildern die Titel von Domins Gedichten. Sie erzĂ€hlen von Emotionen und Lebenserfahrungen, von „Versöhnung“, „Tröstung“, „Aufbruch ohne Gewicht“.

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"Harte fremde HĂ€nde". Eine Collage.

Lesung am kommenden Sonntag

In „Harte fremde HĂ€nde“ hat Veronika Drop Fotografien von Hilde Domin eingewoben. Eine Collage, die immer und immer wieder ĂŒbermalt wurde. Wie aus Fenstern schaut die Schriftstellerin hervor. Die Worte des Gedichts fließen ĂŒber das Bild.

Unter dem Dach der Rathausgalerie haben die Besucher die Möglichkeit, den Film von Anna Ditges „Ich will dich“ – eine Begegnung mit Hilde Domin, anzuschauen.

Die Ausstellung ist noch bis 12. Dezember, sonntags von 14 bis 17 Uhr, geöffnet. Am kommenden Sonntag, 21. November, liest Marion Tauschwitz, Autorin von „Dass ich sein kann, wie ich bin – Hilde Domin. Die Biografie“. Die Veranstaltung beginnt um 14.30 Uhr.

Viel Freude mit den Fotos.

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„Es steht ohne FĂŒĂŸe und spricht ohne Mund“

Guten Tag!

Heddesheim, 27. Oktober 2010. Die Literaturgruppe des Heddesheimer Kunstvereins lud am Tag der Bibliotheken (22. Oktober 2010) zu einem kreativen Projekt in die GemeindebĂŒcherei ein: Schwarze Kutten, „scharfe Waffen“, BĂŒcherratten, Kabinett des Schreckens und eine jungfrĂ€uliche Bibliothekarin gab es zu erleben.

Von Sabine Prothmann

„Hungriger greif’ nach dem Buch: es ist eine Waffe“.  Das Zitat von Bertold Brecht hĂ€ngt, in großen Lettern auf ein Plakat geschrieben, im Treppenhaus des BĂŒrgerhauses. Die Veranstaltung am vergangenen Freitag ist ausverkauft. 45 Leute sind am Tag der Bibliotheken in die Heddesheimer GemeindebĂŒcherei gekommen, um sich in die Welt der BĂŒcher, Bibliotheken und Bibliothekarinnen entfĂŒhren zu lassen. Keiner weiß genau, was ihn erwartet. Die AtmosphĂ€re ist neugierig und spannungsgeladen.

Eine Reise durch die Geschichte des Buches

„Buch, Buche“, schallt es von der Treppe des BĂŒrgerhauses herab. Auf den Stufen zur GemeindebĂŒcherei werden die Zuhörer und Zuschauer von den sieben Mitgliedern der Literaturgruppe des Kunstvereins in schwarzen Kutten empfangen.

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Szenische Lesung in der GemeindebĂŒcherei anlĂ€sslich "BĂŒcherwelten". Bild: heddesheimblog.de

„Das Buch: ein geschriebenes und gedrucktes Werk, das aus mehreren zu einer Ganzheit verbundenen BlĂ€ttern oder Bogen besteht“. PrĂ€gnante, kurze Texte nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch die Geschichte des Buches; Papyrusrollen bei den Ägyptern, Holzdruck im spĂ€ten Mittelalter, das Papier kommt im spĂ€ten 12. Jahrhundert ĂŒber Arabien nach Spanien. Dann die Revolution 1453 Johannes von Gutenberg erfindet den Buchdruck.

„Es steht ohne FĂŒĂŸe und spricht ohne Mund“ und so ist der Abend eine Hommage an das geschriebene Wort, an die Geschichten und Welten, in die der Leser entfĂŒhrt wird:“Je mehr ich las, umso nĂ€her brachten die BĂŒcher mir die Welt, umso heller und bedeutsamer wurde das Leben fĂŒr mich ..“. (Maxim Gorki)

Lore Urban, Lioba Geier, Heide Raiser, Eva Martin-Schneider, Dörthe Klumb, Heidi Rei und Eva Maria Wustmann, die Leiterin der GemeindebĂŒcherei, verfĂŒhren und fĂŒhren. Mit Wortfetzen, Textpassagen und Musik locken sie die Zuhörer immer höher immer weiter bis in die durch Kerzenschein anheimelnde BĂŒcherei. Die Illumination eines prasselnden Feuers, die Vorleserin im Sessel, aus den Regalen formen sich Worte – die VorfĂŒhrung ist Lesung und TheaterstĂŒck zugleich.

Eine Axt fĂŒr das gefrorene Meer in uns, sagt Kafka

Mit „lasst alles stehen und liegen und kommt in das Kabinett des Schreckens“ beendet Eva Martin-Schneider die erste Pause. Das Weinglas und der heiße Kaffe bleiben stehen, die Besucher werden in die KinderbĂŒcherei getrieben. Es ist Schulstunde. Es ist eine Lesestunde aus Ulla Hahns „Das verborgene Wort“. Komisch, eindringlich, bedrohlich. Und: „Ein Buch muss eine Axt sein fĂŒr das gefrorene Meer in uns“. sagt Franz Kafka.

Und „ab in die Kiste“ schickt Eva Martin-Schneider die toten BĂŒcher der alten Meister.

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Knabbernde, gierige, ungezogene Ratten werden lebendig, steigen aus Sam Savages Buch „Firmin: ein Rattenleben“. Und zumindest fĂŒr Ratten haben BĂŒcher einen NĂ€hrwert. Das eindrucksvolle Spiel der Mitglieder der Literaturgruppe ist schreiend komisch und zugleich atemberaubend intensiv.

Die Bibliothekarin – eine geschlechtslose, alte Jungfer

Auf einem BĂŒcherwagen wird sie hereingerollt, „eine geschlechtslose, alte Jungfer, unansehnlich ohne Saft und Kraft“. Eva Maria Wustmann verkörpert die Bibliothekarin, eine Außenseiterin mit Brille und Mittelscheitel, mausgrau. Leute, „die zu sonst keinem Beruf taugen und keine Familie haben“. Ihr verschmitztes LĂ€cheln straft die Wort LĂŒgen.

Die Literaturgruppe hatte sich mit ihrer vierten Produktion ein ehrgeiziges Ziel gesetzt und erreicht. Sie hat die Besucher des Abends unterhalten, verwirrt und zum Nachdenken gebracht.

Aus vielen BĂŒchern haben die Damen ihre Texte zusammengeschrieben und damit einen ganz besonderen Abend geschaffen und bewiesen, Literatur ist lebendig und bewegt.

Gelesen wurde unter anderem aus den Romanen von Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten, Carlos Ruis Zafon: Der Schatten des Windes, Walter Moers: Die Stadt der trĂ€umenden BĂŒcher, Johann Wolfgang von Goethe: Faust und Ulla Hahn: Das verborgene Wort.

Weiter so, auf die nĂ€chste AuffĂŒhrung kann man nur gespannt sein.

Viel Freude mit den Fotos:
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Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Kunstverein: „Ganz andere Ausstellung als gewohnt.“

Guten Tag

Heddesheim, 26. September 2010. (Redaktionstipp!) Wer bei der neuen Ausstellung des Kunstvereins das ÃƓbliche erwartet… Bilder, die an der Wand hĂ€ngen, Skulpturen, die im Raum stehen… von KĂŒnstlern, die in der Region bekannt sind, wird irritiert sein, denn die Ausstellung, die der Heddesheim Kunstverein seit dem vergangen Sonntag und noch bis zum 17. Oktober zeigt, ist diesmal etwas ganz anderes. Und das ist gut so, findet Roland Schmitt, 2. Vorsitzender des Kunstvereins.

Von Sabine Prothmann

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Ungewohnte Installation - fĂŒr junge Leute gedacht.

Es ist ein erklĂ€rtes Ziel des Kunstvereins, „nicht nur etablierte KĂŒnstler zu zeigen, sondern auch diejenigen, die noch ganz am Anfang stehen“, und diese wolle man auch finanziell unterstĂŒtzen, so Schmitt. „Wir wollen junge Leute dafĂŒr interessieren, dass es das auch gibt“.

Die Ausstellung „Farben und Formen – Arbeiten vor Ort“ zeigt Objekte und Zeichnungen der beiden jungen Kunststudentinnen Carolina Brack und Nicole Klimaschka.

Installationen vor Ort.

Papierbahnen scheinen das Dachgeschoss der Rathausgalerie nachzubilden, nachzuformen. Innerhalb von sechs Wochen sind direkt vor Ort die Installationen von Nicole Klimaschka entstanden. Die freiberufliche Architektin wurde 1972 geboren und studiert seit 2008 an der Freien Kunstakademie Mannheim.

Ihre Objekte formt sie aus Skizzenpapier, das sie mit Kleister stabilisiert und mit FĂ€den zusammennĂ€ht. Sie hat das GebĂ€lk des Alten Rathauses abgeformt und als Dublette neben die Holzbalken gehĂ€ngt. Lange weiße Leitern aus Transparentpapier liegen, stehen und hĂ€ngen im Raum, es sind die Abformungen der Leiter die zum Rathausturm fĂŒhrt und die der Besucher durch eine geöffnete TĂŒr sehen kann. Das Material hat in seiner Weißheit und Transparenz etwas Leichtes. Fasst man es an, und das darf und soll man, ist man erstaunt wie stabil es sich durch den Kleister und die NĂ€hte zeigt.

„Einzelne im Ausstellungsraum befindlichen Holzstreben des GebĂ€lks möchte ich abformen und die geformten Objekte neu platzieren. Durch das Abdecken von Dialogstreben und das Abformen einer Sprossentreppe möchte ich einen anderen, neuen Raum bilden und auf die angrenzenden RĂ€ume verweisen“, so beschreibt die KĂŒnstlerin ihre Vorgehensweise im alten Heddesheimer Rathaus.

„Abformungen.“

Alte Koffer aus den 50er Jahren und seit Anfang der 90er Jahre Aufbewahrungsort fĂŒr Architekturskizzen waren der Anstoß zu den „Abformungen“ der KĂŒnstlerin Nicole Klimaschka: „Ich entdeckte das Transparentpapier mit meinen alten Architekturzeichnungen als plastisches Material“. Es entstanden Matroschka-Figuren und Kofferobjekte.

Diese abgeformten Koffer hat sie auch nach Heddesheim mitgebracht.

„Abformen“ bedeutet fĂŒr die KĂŒnstlerin das BeschĂ€ftigen mit dem Thema Familie, das Weitergeben von Konflikten und Ängsten an die nĂ€chste Generation und die Suche nach Behausung und eigenem Raum.

ÃƓber die Wendeltreppe steigt man in die Welt der KĂŒnstlerin Carolina Brack. Brack studiert ebenfalls an der Freien Kunstakademie Mannheim.

„Seit 2007 arbeitet sie an einem Konzept das auf zeichnerischen sowie malerischen Kompositionselementen basiert und sich bis heute konsequent von der BildflĂ€che in den Raum entwickelt.“ (Dr. Rolf Lauter, ehemaliger Direktor der Mannheimer Kunsthalle)

Die Bilder im Vorraum des obersten Stockwerks zeigen abstrakte Bildwelten, die landschaftliche Motive, Bergformationen, BĂ€ume, FlĂŒsse und WĂ€lder in weichen Farben erahnen lassen.

Der Raum ist ein Kunstwerk aus vielen.

Gleich dahinter, verwandelt sich der Raum unter dem Dach des Rathauses in einen Mikrokosmos aus Formen und Farben. Wie Amöben schweben filigran geschnittene Elemente von der Decke. Musik und Lichtprojektionen geben den Objekten der KĂŒnstlerin eine fast unwirkliche AtmosphĂ€re. Mal meint man Fische, Korallen oder Blumen zu erkennen. Alles ist in Bewegung in einer Welt aus Licht und Schatten, Farben und Formen. Auf den ausgeschnittenen Kartonelementen befinden sich gezeichnete und gemalte abstrakte Farbkompositionen.

In einer Nische wirft ein Projektor eine Videoarbeit der Kunststudentin an die WĂ€nde, wo man fast assoziativ Motive zu erkennen glaubt. Der ganze Raum scheint ein einziges Kunstwerk bestehend aus vielen zu sein.

Mit dieser Ausstellung beschreitet der Heddesheimer Kunstverein sicherlich neue Wege und der Betrachter muss sich darauf einlassen: Es lohnt sich.

Info: Die Ausstellung ist bis 17. Oktober immer sonntags von 14 bis 17 Uhr in der Galerie im Alten Rathaus geöffnet.

Viel Freude mit den Fotos:

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