Samstag, 11. Juli 2020

Erstes KunstfrĂŒhstĂŒck des Heddesheimer Kunstvereins - Dia-Vortrag zu Frida Kahlo

„Das dramatische Leben einer tollen KĂŒnstlerin“

Heddesheim, 22. MĂ€rz 2012. (red/sap) Kunst- und kulinarischer Genuss passen gut zusammen, das konnte man am vergangenen Samstag, 17. MĂ€rz 2012, bei dem ersten KunstfrĂŒhstĂŒck des Heddesheimer Kunstvereins feststellen. Mit der Heidelberger Kunsthistorikerin Yvonne Weber hatte man eine gute Wahl getroffen, sie hielt einen hervorragenden Dia-Vortrag zu dem spannenden Thema „Frida Kahlo“.

Von Sabine Prothmann

Veronika Drop, die Vorsitzende des Heddesheimer Kunstvereins, freut sich, dass das 1. Heddesheimer KunstfrĂŒhstĂŒck so gut angenommen wird:

Wir sind ausverkauft.

Alle 30 PlÀtze in der kleinen Galerie im Alten Rathaus waren besetzt, einige Interessierte konnten keinen Platz mehr ergattern.

Die mexikanische KĂŒnstlerin „Frida Kahlo“ war Gegenstand des Dia-Vortrags von Yvonne Weber. Die Bilder dieser KĂŒnstlerin seien untrennbar mit ihrem Schicksal und ihrer Biografie verbunden, sagte die Kunsthistorikerin. Und erzĂ€hlte anhand der großartigen Bilder und von Fotografien vom Leben dieser AusnahmekĂŒnlerin und -frau.

Frida Kahlo wurde am 06. Juli 1907 in Mexiko geboren, doch die Mexikanerin mit Pforzheimer Wurzeln verlegte ihr Geburtsdatum kurzerhand auf den 07. Juli 1910, nicht aus Eitelkeit, sondern um „neugeboren zu sein mit dem Beginn der mexikanischen Revolution“, erzĂ€hlt Weber.

Frida Kahlo hatte ein kurzes, aber bewegtes Leben:

„Es ist das dramatische Leben einer tollen KĂŒnstlerin.“

Mit sechs Jahren erkrankt sie an der KinderlĂ€hmung, ein Bein bleibt dadurch entstellt und verkĂŒrzt, sie wird deswegen lange Röcke oder Hosen tragen.

Die Kunsthistorikerin Yvonne Weber bei dem Dia-Vortrag zu Frida Kahlo.

Mit 18 Jahren verunglĂŒckt sie schwer bei einem Busunfall, eine Metallstange bohrt sich durch ihren Unterleib. Monatelang liegt sie nahezu bewegungsunfĂ€hig in einem Ganzkörpergips im Bett. Niemand rechnet damit, dass sie wieder laufen können wird. In dieser Zeit verliert sie ihren Verlobten und somit ihre erste Liebe. Der Unfall, obwohl es ihr durch ihren eisernen Willen gelingt, wieder laufen zu lernen, wird ihr Leben prĂ€gen. Mehr als 25 Operationen muss sie sich unterziehen, es wir ihr verwehrt bleiben, ein Kind auszutragen. Schmerzen werden zum stĂ€ndigen Wegbegleiter und am Ende ihres Lebens, mit 47 Jahren, wird sie sich kaum noch aus dem Bett bewegen können.

Aber der Unfall ist auch der Beginn ihres kĂŒnstlerischen Wirkens. Ans Bett gefesselt, auf dem RĂŒcken liegend, beginnt sie zu malen. Das erste Bild, ein Selbstportrait, malt sie, um ihren Verlobten Alejandro zurĂŒck zu gewinnen.

„Surreal sind meine Bilder nicht“

Selbstportraits werden auch ein Drittel ihrer Bilder ausmachen. Ihre Malerei ist der Volkskunst zugewandt, der Votivmalerei. Es finden sich immer wieder surreale Elemente, doch „surreal sind meine Bilder nicht“, soll Frida Kahlo gesagt haben, erzĂ€hlt Yvonne Weber. Die kunsthistorische Einordnung ist nicht ganz einfach.

Frida ist eine von vier Schwestern, sie ist die dritte Tochter, und der engste Kontakt besteht zu Cristina, der jĂŒngsten Schwester. Das VerhĂ€ltnis zur Mutter ist nicht herzlich, gestillt wurde sie von einer indianischen Amme, was sie auch in einem Bild festhĂ€lt. Den unbĂ€ndigen Lebenswillen hat sie von ihrem Vater, der als Fotograf arbeitet und Epileptiker ist.

Noch vor ihrem Unfall, mit 15 Jahren, besucht sie eine Schulvorbereitung fĂŒr die UniversitĂ€t. Hier lernt sie den berĂŒhmten Maler Diego Rivera kennen, der in ihrer Schule ein Fresko malt. Er ist hĂ€sslich und 20 Jahre Ă€lter, die Leute werden spĂ€ter ĂŒber das Paar sagen, „die Taube und die Kröte“, aber die 17-JĂ€hrige Frida beschließt:

Ich werde ein Kind mit Diego haben.

Diego Rivera fĂŒhrt die junge Frida in KĂŒnstlerkreise ein. Sie heiraten, als sie 22 Jahre ist. Er ist 43 Jahre alt, das ist 1926. Sie versprechen sich keine Treue, aber LoyalitĂ€t. Und Frida profitiert, zumindest kĂŒnstlerisch, von dieser Ehe.

1930 ist sie schwanger. Als Folge des Unfalls verliert sie dieses Kind. Weitere Fehlgeburten werden folgen. Diego Rivera und Frida verlassen die Kommunistische Partei, im selben Jahr gehen sie nach Amerika, wo Diego eine Auftragsarbeit fĂŒr die Ford-Werke in Detroit verwirklichen soll.

Die Bilder zeugen von der Lebensgeschichte

Frida Kahlo wird sich nie in Amerika wohlfĂŒhlen. Sie ist wieder schwanger und wieder verliert sie das Kind. Ein eindrucksvolles GemĂ€lde zeugt von diesem traumatischen Erlebnis. Yvonne Weber sagt:

Man kann ihre Bilder nicht ohne die Lebensgeschichte betrachten.

Die beiden Welten, SĂŒd- und Nordamerika, verarbeitet sie in Bildern. Es ist augenfĂ€llig, welcher Welt sie den Vorzug gibt.

Frida und Diego kehren nach Mexiko zurĂŒck. Sie sind sich gegenseitig untreu. Doch dann erwischt Frida ihn mit ihrer Schwester Cristina und damit wird die LoyalitĂ€t zerstört und sie verlĂ€sst ihn.

In Folge hat sie AffÀren mit einem Bildhauer, mit einem Fotografen, mit Trotzkin, mit Frauen. 1939 holt André Breton Frida Kahlo zu einer surrealistischen Ausstellung nach Paris.

Im selben Jahr will sich Diego die Scheidung. Frida schneidet sich die Haare ab, das, was er immer an ihr geliebt hat – auch das verewigt sie in einem Bild. Es geht ihr sehr schlecht.

Doch kein Jahr spĂ€ter heiratet sie Diego erneut. Sie schließen einen Vertrag, es gibt keinen Sex mehr unter den Eheleuten.

1943 bekommt Frida Kahlo einen Lehrstuhl an der Kunsthochschule. Es geht ihr körperlich immer miserabler, sie liegt immer wieder im Gipskorsett, sie ist inzwischen wieder in ihr Geburtshaus, ins „Blaue Haus“, gezogen. Diego folgt. Ihre Schmerzen werden immer bohrender und sie kann kaum noch das Bett verlassen. Ihre Vorlesungen hĂ€lt sie zuhause. Sie muss immer wieder operiert werden. In ihrer Malerei taucht ein neues Genre auf: Stillleben.

1946 erhĂ€lt sie den Nationalpreis fĂŒr das Bild „Moses“ und 1953 hat sie ihre erste Einzelausstellung in Mexiko. Sie wird in ihrem Bett zur Ausstellung gebracht. Im selben Jahr wird ihr rechter Fuß amputiert.

1954 stirbt sie in Folge einer LungenentzĂŒndung.

Gelungener Auftakt – Appetit auf mehr

Es ist keine leichte Kost, was Yvonne Weber, beim 1. Heddesheimer KunstfrĂŒhstĂŒck prĂ€sentiert. Aber sie macht es locker und dabei eindringlich und versöhnlich. In ihrem Dia-Vortrag zeigt sie anschaulich das Werk und das Leben dieser außergewöhnlichen KĂŒnstlerin und Frau.

Die 30 Besucher sind begeistert. Die Veranstaltung hat Appetit auf mehr gemacht, auf mehr FrĂŒhstĂŒck und auf mehr Kunst. Gerne beim nĂ€chsten Mal auch mit einer gemeinsamen GesprĂ€chsrunde.