Dienstag, 12. Dezember 2017

Unklare Zukunft der Schlecker-Märkte

For you. Vor Ort. Vorbei?

Wie lange gibt es den Schleckermarkt vor Ort noch? Wie viele verlieren Ihre Arbeitsplätze? Was, wenn es nur noch einen Versorgen im Ort gibt? Viele Fragen - keine Antworten.

 

Rhein-Neckar, 24. Januar 2012 (red/jt) Nach Bekanntwerden der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker herrscht große Unsicherheit Рbei Mitarbeitern und bei Kunden. Welche Filialen bleiben bestehen, wo gibt es Schließungen, wer verliert seinen Job? Auch die Metropolregion Rhein-Neckar ist betroffen.

Die Schlecker-Pleite kostet deutschlandweit vermutlich 30.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Viele davon auch in der Region Rhein-Neckar. Im benachbarten Neckar-Odenwald-Kreis hat das Filialsterben bereits angefangen. Die Filiale in Seckach hat laut Rhein-Neckar-Zeitung bereits zum 24. Dezember 2011 ihre T√ľren geschlossen. Auch die Filialen Buchen, Osterburken und H√∂pfingen wurden bereits 2011 dicht gemacht.

In der Metropolregion Rhein-Neckar gibt es ebenfalls erste Opfer unter den Filialen. In Ilvesheim schlie√üt man zum 08. Februar die T√ľren. Die Regale sind schon gro√üenteils leer ger√§umt.

Ungewiss ist die Zukunft der dortigen Mitarbeiter. „Vermutlich werden wir zun√§chst Krankheitsvertretung in den Nachbarfilialen machen“, sagt uns eine Mitarbeiterin. Erfahren habe man von der Schlie√üung √ľbrigens erst vor einer Woche.

Um uns ein genaueres Bild von der Lage vor Ort machen zu können, haben wir auch die Filialen in Edingen-Neckarhausen, Heddesheim und Ladenburg persönlich besucht.

Presse nicht erw√ľnscht

In Ladenburg verweist man mich direkt an die Filialleiterin. Die Dame ist um die 50 Jahre alt. Sie r√§umt gerade Regale ein. Fragen m√∂chte sie keine beantworten. Die anderen Mitarbeiter sehen verstohlen zu uns her√ľber. Antworten gibt es hier keine, bis auch diese: „Die Presse ist hier nicht erw√ľnscht.“

Klare Auskunft in Ladenburg:

 

√Ąhnlich die Reaktion in Heddesheim. Auch dort verweist man an die Filialleitung. Antworten? Fehlanzeige. Die Nummer der Pressesprecherin k√∂nne man uns geben. Diese Auskunft gibt es zwischen T√ľr und Angel. Von einem Fax oder Brief schreibt die Filialleiterin die Nummer ab. Dazu kommt sie nicht mal aus ihrem B√ľro hervor. Sie reicht einen kleinen Zettel mit einer Handynummer darauf. Selbst der Name der Ansprechperson fehlt.

Auf die Nachfrage, ob man denn schon etwas zum Schicksal der Filiale wei√ü, verweist man mich mit einem L√§cheln und Augenzwinkern an die Pressestelle. „Netter Versuch!“, soll das wohl hei√üen.

Verunsicherte Kunden

In Edingen-Neckarhausen antwortet mir ein Mitarbeiter. Die Filialleitung l√§sst sich nicht blicken. Der Mitarbeiter scheint besorgt. Von der Insolvenz habe man durch die Firmenleitung erfahren, ungef√§hr zur gleichen Zeit als es auch in den Medien bekannt wurde. Viele Kunden seien verunsichert, w√ľrden nachfragen, ob die Filiale erhalten bleibt.

Der Ilvesheimer Markt wird schließen - wann ist noch unklar.

 

Von der Schließung in Ilvesheim weiß man hier bereits. Wenn die Presse positiv berichtet, könnte das vielleicht helfen. Eine diffuse Hoffnung. Tatsache ist, neben dem Edeka-Markt ist die Schleckerfiliale die einzige Einkaufsmöglichkeit am Ort. Im Ortsteil Neckarhausen wurde der dortige Drogeriemarkt schon vor einiger Zeit geschlossen.

Ein Passant erzählt uns, die Filiale sei so etwas wie ein Tante Emma Laden.

Das ist das einzige Geschäft direkt hier im Ortskern!

Viele √§ltere Menschen wohnen in Edingen, der Weg zum Industriegebiet ist f√ľr sie zu weit und zu beschwerlich. Als wir ein Bild der Filiale machen, witzelt ein weiterer Passant:

„Sie machen wohl das letzte Bild, was?“

Keine Informationen durch die Pressestelle

Zur√ľck in der Redaktion versuchen wir die Pressestelle zu erreichen. Der Anruf unter der uns mitgeteilten Telefonnummer bleibt erfolglos. Wie zu erwarten. Per email fragen wir erneut nach.

Bitte haben Sie Verst√§ndnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen √ľber einzelne M√§rkte, St√§dte oder Regionen treffen k√∂nnen.

Das ist der Informationsgehalt der erhaltenen Antwort. Einen Namen des Pressesprechers sucht man hier √ľbrigens vergebens. Die Mail ist lediglich mit „Pressestelle Schlecker“ unterzeichnet.

 

Deutschlandweite Kritik

Das Thema „Schlecker“ ist zur Zeit fast √ľberall zu finden. Die Unternehmerfamilie Schlecker steht stark in der Kritik. Auch Trigema-Chef Wolfgang Grupp geht hart mit Anton Schlecker ins Gericht.

Gegen√ľber der „WirtschaftWoche“ √§usserte er, Schlecker habe das Geld, das er mithilfe seiner Besch√§ftigten verdient habe, f√ľr sich behalten. Weiter kritisierte er:

Hier werden diejenigen belohnt, die dem Größenwahn und der Gier frönen, während die Anständigen die Dummen sind.

Laut Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) soll nun eine sogenannte Planinsolvenz in die Tat umgesetzt werden. Dabei handelt es sich um ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung. Das Unternehmen legt dem Insolvenzrichter dabei ein Sanierungskonzept vor, mit dem es entschuldet werden soll.

Die Familie Schlecker k√∂nnte so Eigent√ľmer der Kette bleiben. Wichtig dabei ist: Der Insolvenzverwalter √ľbernimmt nur die Aufsicht bei einem solchen Verfahren. Die Gesch√§ftsf√ľhrung bleibt weiter im Amt.

Danach w√ľrde auch die Gesch√§ftsf√ľhrung Pl√§ne vorlegen wie es mit Filialschlie√üungen, Stellenabbau und Kostensenkungen weitergeht, nicht der Insolvenzverwalter.

Auf der Facebook-Seite des Unternehmens kommentiert eine Nutzerin das angek√ľndigte Planinsolvenzverfahren wie folgt:

Das rettet unsere Arbeitsplätze auch nicht mehr. Danke Anton.

Laut Spiegel geht es aber nicht nur um die Arbeitspl√§tze, auch die Geh√§lter sind in Gefahr. Mit einer Planinsolvenz kann das Unternehmen auch die bestehenden Tarifvertr√§ge mit ver.di ausserplanm√§ssig k√ľndigen. Schlecker w√§re sonst bis Juni an einen Besch√§ftigungssicherungs-Tarifvertrag gebunden gewesen, der Entlassungen nicht m√∂glich macht.

Seit 2010 waren die Kinder von Firmengr√ľnder Anton Schlecker f√ľr eine Neuausrichtung des Unternehmens zust√§ndig.

Sie versprachen mehr Offenheit – umgesetzt wurde die aber nicht. Das zeigen solche versteckten Schachz√ľge im Insolvenzverfahren ebenso, wie der mangelhafte Umgang mit Presse und √Ėffentlichkeit.

Kundenn√§he und unternehmerische Verantwortung f√ľr die Mitarbeiter geht anders.

Gabis Kolumne

Ist Kundenorientierung ein deutsches Fremdwort?

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Guten Tag!

Heddesheim, 25. Oktober 2010. Einkaufen gehen macht oft √ľberhaupt keinen Spa√ü mehr. Unfreundliche und desinteressierte Verk√§ufer sind ein √É‚Äěrgernis, findet Gabi. Aber es geht auch anders.

Ich war vor ein paar Wochen in einem Medienfachhandel – und die Betonung liegt hier auf Fachhandel – und wollte eine neue CD kaufen. Nach erfolglosem Suchen wandte ich mich dort an einen Mitarbeiter: Entschuldigen Sie, wo finde ich √Ę‚ā¨¬¶?“. Ohne, dass mich der Mann √ľberhaupt anschaute, meinte er, „n√§chster Gang ganz vorne“. „Danke“ murmelte ich und dachte mir, etwas freundlicher w√§re auch okay gewesen. Die CD habe ich nicht gefunden, gekauft habe ich gar nichts, aber mich umso mehr ge√§rgert.
Mit einer Freundin war ich vergangenen Monat in einer Parf√ľmerie. Sie wollte ein bestimmtes – und nicht g√ľnstiges – Make-up kaufen. Unwillig suchte die Verk√§uferin – nachdem sie es sich nicht nehmen lie√ü, uns mit abf√§lligen Blicken zu mustern – in einer Schublade, „welche Farbe?“, wollte sie wissen. „Ich wei√ü die Nummer nicht, aber vielleicht kann ich es ja auch mal sehen“, merkte meine Freundin an. Umst√§ndlich und genervt √∂ffnete die Parf√ľmerie-Fachangestellte die Verpackung. „Na, hier wird man ja gut beraten“, rutschte mir raus.

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Eine deutsche Einkaufsstraße - ob alle Kunden wohl gut bedient werden?

Szenenwechsel: Ein Bekleidungsgesch√§ft. Ich hatte eine h√ľbsche Jacke entdeckt, die leider etwas zu gro√ü war. Auf den St√§ndern suchte ich vergeblich nach der richtigen Gr√∂√üe. Hilfesuchend blickte ich mich um. Am Ende des Ganges standen zwei Verk√§uferinnen scheinbar in eine angeregte Unterhaltung vertieft. „Entschuldigung“, unterbrach ich die beiden, „vielleicht k√∂nnen Sie mir ja helfen, gibt es die Jacke noch eine Gr√∂√üe kleiner?“. „Da muss ich ins Lager“, antwortete eine der Verk√§uferinnen, machte aber keine Anstalten, dies auch wirklich zu tun. „Danke, hat sich erledigt“, sagte ich, hing die Jacke zur√ľck auf die Stange und verlie√ü das Gesch√§ft.

In den USA wird man als Kunden richtig gut behandelt

„Ich war im Sommer in den USA“, erz√§hlt mir eine gute Freundin, „da wirst du richtig gut behandelt in den Gesch√§ften, im Supermarkt bekommst du sogar die T√ľten eingepackt, da ist es richtig gehend ein Schock, wenn man wieder in Deutschland ist“.

Woran liegt das, frage ich mich, ich kann mir kaum vorstellen, dass die Jobs im Supermarkt in den USA so viel besser bezahlt sind. Sind die Amerikaner freundlicher? Oder einfach kundenorientierter?

Vor einer Woche war ich in einer Buchhandlung. Ich durchst√∂berte die Regale, bl√§tterte in dem einen oder anderen Buch und hatte eigentlich nicht vor etwas zu kaufen. „Das m√ľssen Sie unbedingt lesen“, h√∂rte ich eine Mitarbeiterin des Buchladens zu mir sagen, die beobachtet hatte, dass ich den Inhalt eines Buches studierte und es gerade wieder in das Regal zur√ľckstellen wollte. „Das ist eines der sch√∂nsten B√ľcher, das ich kenne, ich konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen“. Die Frau l√§chelte mich herzlich an und ging weiter.

Ich kaufte das Buch und fand es wunderschön, ob es das schönste war, das ich je gelesen hatte, könnte ich jetzt nicht behaupten, aber die Art, wie es mir empfohlen wurde, hatte mit äußerst gut gefallen.

Ein wenig Aufmerksamkeit von beiden Seiten, macht den Alltag angenehmer

Deswegen ging ich vor zwei Tagen nochmals in den Buchladen und suchte nach der Verk√§uferin. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte mich ein Mitarbeiter. „Nein, ich m√∂chte zu Ihrer Kollegin“, sagte ich, nachdem ich „meine“ Verk√§uferin entdeckt hatte. Diese erschrak sichtlich.

„Ich m√∂chte Ihnen danken f√ľr die Buchempfehlung, es hat mir sehr viel Spa√ü gemacht, die Geschichte zu lesen“, sagte ich, l√§chelte und ging weiter. Konnte aber gerade noch sehen, wie sehr sie sich dar√ľber freute.

Mein Besuch der Buchhandlung hat mich keineswegs gänzlich mit der Dienstleistungsbereitschaft im deutschen Einzelhandel ausgesöhnt, aber es hat mir gezeigt, dass es so auch gehen kann. Und ein wenig Aufmerksamkeit von beiden Seiten macht den Alltag um ein Vielfaches angenehmer.

gabi