Donnerstag, 02. April 2020

„Pfenning“ wirbt mit Online-Prospekt und Rehen auf Kr├Ąuterwiesen

Heddesheim/Viernheim/Rhein-Neckar, 13. April 2011. (red) Die KMP Holding, Muttergesellschaft von „pfenning logistics“, wirbt im Internet mit einer aufw├Ąndigen Pr├Ąsentation des geplanten Logistikzentrums. Die hat sicherlich viel Geld geskostet – und das, obwohl „Pfenning“ heftig sparen muss. Denn der Umsatz 2009 ist abermals eingebrochen – um 7,3 Prozent. Das Unternehmen, das laut B├╝rgermeister Michael Kessler und der Mehrheit im Gemeinderat die Zukunft Heddesheims sichern soll, hat enorm zu k├Ąmpfen. Arbeitspl├Ątze wurden abgebaut, die Umsatzrendite liegt bei 0,9 Prozent. Eine Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht.

Von Hardy Prothmann

Vorweg – Sie sollten mindestens ├╝ber DSL 3000 verf├╝gen, selbst dann wird der Aufruf dieser vollkommen unn├Âtigen Programmierung zum Geduldsspiel. „Pfenning“ pr├Ąsentiert unter http://www.bestplace-morespace.com einen Art „Online-Prospekt“ f├╝r das geplante Logistikzentrum.

Neu ist daran eigentlich nichts. So hat Pfenning seit Jahren exakt 1.850 Mitarbeiter und der Umsatz 2009 liegt nach Prospekt bei 204 Millionen Euro.

Ein kleiner Blick ins Handelsregister verr├Ąt, dass es 2008 insgesamt 1.852 Mitarbeiter waren und 2009 nur noch 1.810.

Nach „offiziellen“ Angaben behauptete „Pfenning“ im Jahr 2008 insgesamt 220 Millionen Euro Umsatz gemacht zu haben, in der Bilanz stehen nur 169,5 Millionen Euro. F├╝r 2009 behauptet „Pfenning“ insgesamt 204 Millionen Euro Umsatz gemacht zu haben, in der Bilanz stehen nur 157,1 Millionen Euro.

Zur Bilanz 2008 hatten wir bereits nachgefragt: Die Auskunft war, man habe noch andere Beteiligungen, die f├╝r die 50 Millionen Differenz beim Umsatz gesorgt h├Ątten. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Deshalb kann man sich nur auf die vorhandenen Zahlen st├╝tzen und die sehen mies aus.

Zwar hat die Unternehmensgruppe 2009 laut Bilanz einen Gewinn von knapp 1,4 Millionen Euro gemacht (2008: 20.000 Euro), wer sich aber die Zahlen etwas genauer anschaut, erkennt, dass rund 1,1 Millionen Euro weniger f├╝rs Personal ausgegeben wurden – und das bei einer Firma, die versprochen hat, neue Arbeitspl├Ątze nach Heddesheim zu bringen. Was noch nicht mal falsch sein muss, vielleicht werden die neuen Arbeitspl├Ątze ja so schlecht bezahlt, dass unterm Strich hier nochmals gespart werden kann. Beispielsweise wurde die Aufwendungen f├╝r die Altersvorsorge um das Doppelte oder eine halbe Million Euro zur├╝ckgefahren.

Bei den Aufwendungen f├╝r Roh, Hilfs- und Betriebsstoffe wurden ganze sieben Millionen Euro eingespart – ein Hinweis, dass hier Ausgaben nicht get├Ątigt wurden und der Sparstrumpf ganz eng gezogen wurde. Lapidar ├╝bersetzt: Man schiebt den ├ľlwechsel halt ein bisschen raus. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass fast alle „Vorr├Ąte“ teils bis um ein Drittel zur├╝ckgefahren wurden.

Auch der Aufwand f├╝r bezogene Leistungen ging um gut zehn Prozent oder drei Millionen Euro zur├╝ck – sprich. Firmen, die „Pfenning“ als Kunden haben, mussten den G├╝rtel auch enger schnallen. Auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen gingen um 2,4 Millionen Euro oder ebenfalls knapp 10 Prozent zur├╝ck. Und es wurden rund eine Million Euro weniger Zinsen gezahlt. Vielleicht, weil weniger Schulden da sind, kann aber auch gut sein, dass man die Bank gebeten hat, die Zinsen sp├Ąter zu zahlen.

Insgesamt darf man die Zahlen durchaus so interpretieren, dass sparen, sparen, sparen angesagt war. „Pfenning“ nennt das „Konsolidierung“.

Ein interessanter Satz steht unter „Preisdumping“:

„Parallel zu unserer eigenen Flotte bedienen wir uns schon immer bei entsprechenden Transportunternehmen, um unsere ben├Âtigten Spitzenkapazit├Ąten abdecken zu k├Ânnen.“

├â┼ôbersetzt hei├čt das, Pfenning f├Ąhrt einen Grundfahrzeugpark und bedient sich anderer Logistiker, um „Spitzen“ zu bedienen. Die Heddesheimer B├╝rgerinnen und B├╝rger erinnern sich, dass es laut Pfenning├é┬á mindestens zwei Spitzen im Jahr gibt: im Fr├╝hjahr und vor Weihnachten. Dann fahren also vermehrt nicht-„Pfenning“-Lkw ├╝ber die Ringstra├če und „vielleicht“ auch durch den Ort. Das ist die Zeit f├╝r die Aufpasser, die sich dann Kennzeichen notieren, um feststellen zu lassen, ob „Pfenning“ den „Verkehrslenkungsvertrag“ bricht. Die Gemeindekasse f├╝r soziale Zwecke wird sich dann ├╝ber 20 Euro je Versto├č freuen, sofern diese „festgestellt“ werden.

Gr├╝ne Wiese als "Ausstiegsperspektive" - sollte "Pfenning" pleite gehen, k├Ânnten Rehe k├╝nftig regengesch├╝tzt in hochmodernen Hallen weiden. Quelle: KMP Holding

Ebenfalls interessant ist auch dieser Satz zum Personal:

„Aufgrund des Konjunktureinbruches ist jedoch eine Entspannung am Arbeitsmarkt beim gewerblichen Fahrpersonal zu verzeichnen.“

Hei├čt, die Leute suchen Arbeit und schaffen sicherlich auch f├╝r wenig Geld.

Als Prognose erwartet der Konzern laut Bilanzbericht f├╝r 2010 eine „Konsolidierung“ auf dem Niveau von 2009 – sprich, der Umsatz wird nicht wachsen. Da „Pfenning“ den Gro├čkunden Henkel verloren hat, darf man gespannt sein, wie die tats├Ąchlichen Zahlen aussehen werden.

Mit einer Umsatzrendite von 0,9 Prozent ist Pfenning, naja, nicht gerade das, was man ein „erfolgreiches Unternehmen“ nennt. Anders ausgedr├╝ckt, von 100 Euro Umsatz bleiben nach Abszug aller Ausgaben 90 Cent „Gewinn“ in der Tasche.

Zur├╝ck zur Pr├Ąsentation: Geht es nach Pfenning, k├Ânnten die Hallen im Notfall auch als „Renaturierungsgebiet“ genutzt werden – aber vielleicht ist das einfach wieder nur eine Fehlinterpretation.