Freitag, 17. November 2017

Geprothmannt: Warum der Titel-Entzug richtig ist und weitere Konsequenzen haben sollte

Diebstahl zerst├Ârt den Glauben und die W├╝rde – nicht nur der Diebe

Rhein-Neckar, 11. Februar 2013. Karl-Theordor zu Guttenberg (CSU), Silvana Koch-Mehrin (FDP), Annette Schavan (CDU) sind ganz unterschiedliche Typen von Politiker/inen und haben doch eins gemein: Sie haben bei Erlangung der Doktorw├╝rde get├Ąuscht und geklaut oder stehen im begr├╝ndeten Verdacht, sich die geistigen Leistungen anderer zum eigenen Nutzen angeeignet zu haben. Aktuell ist Frau Schavan ihren Posten als Bundesgesundheitsministerin los. Ihr R├╝cktritt war richtig – doch vieles l├Ąuft falsch. Beispielsweise die Debatte ├╝ber ein politisches Wirken und einen „Fehler“ in der Vergangenheit. Diese „Fehler“ dauern bis heute an und es w├Ąre von Vorteil, wenn man daraus lernt und Konsequenzen zieht. Sonst bringt die Debatte nichts.

Von Hardy Prothmann

Plagiatoren stehlen die geistige Leistungen anderer und nutzen sie zum eigenen Vorteil. Immer wieder. Sofort durch Diebstahl und T├Ąuschung beim Erstellen einer „Arbeit“. Sp├Ąter immer wieder, jeden Tag, an dem sie den Titel tragen und sich beim Titel nennen lassen, den Titel als Ausweis ihrer Qualifikation f├╝r die eigene Karriere nutzen.

Plagiatoren gab es schon in der Antike

Plagiatoren gab es schon immer – sie sind Teil der Kulturgeschichte. Ein „Plagi?rius“ ist in der urspr├╝nglichen Bedeutung ein „Menschenr├Ąuber“ oder „Seelenverk├Ąufer“. Bereits in der Antike wurden Plagiatoren verachtet und es gab schon damals „Plagiatsj├Ąger“, die Diebe geistigen Eigentums ├╝berf├╝hrt haben – ebenso wie Kritiker der Plagiatsj├Ąger, die diesen „Kleingeistigkeit“ unterstellten.

Diese Argumentation, wenn der J├Ąger zum Gejagten wird, ist dumm und kennt jeder Journalist, der ├╝ber Verfehlungen anderer Menschen berichtet. Sehr oft gibt es Unterstellungen ├╝ber die „niederen Motive“ der Berichterstatter – gerne wird dabei vergessen, dass die Verfehlung vor dem Bericht dar├╝ber begangen worden ist. Aktuell wird der Plagiatsj├Ąger Martin Heidingsfelder teils in ein schlechtes Licht ger├╝ckt – l├Ąsst er sich doch teuer von „unbekannten Auftraggeber“ daf├╝r bezahlen, Promotionen auf wissenchaftliche Redlichkeit zu ├╝berpr├╝fen.

Na und? Staatsanw├Ąte werden auch bezahlt, um Informationen zu Schuld oder Unschuld eines Beschuldigten zu sammeln. Rechtsanw├Ąlte daf├╝r, Argumente f├╝r oder gegen jemanden zu finden und zu begr├╝nden. Gutachter, um festzustellen, wer der Verursacher eines Unfalls war.

Gelehrte oder Geleerte?

Fest steht, dass die Universit├Ąten Bayreuth (zu Guttenberg), D├╝sseldorf (Schavan) und Heidelberg (Koch-Mehrin) den jeweiligen Doktortitel nach Pr├╝fung entzogen haben. Wenn dagegen geklagt wird, wie aktuell durch Frau Koch-Mehrin, dient die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht nicht dazu, den Doktortitel inhaltlich zu best├Ątigen oder abzulehnen, sondern nur, ob die Universit├Ąt einen Verfahrensfehler begangen hat. Und hier wird es sehr eklig.

Die Plagiatoren haben andere gesch├Ądigt und – noch viel schlimmer – die Glaubw├╝rdigkeit derer, die sauber arbeiten. Die sich anstrengen, die korrekt zitieren, sich nicht mit fremden Federn schm├╝cken und im Sinne des Geistes der Wissenschaften f├╝r die Forschung und f├╝r die Gesellschaft eine herausragende Arbeit abliefern. Eine an die man „glauben“ kann und die geeignet ist, die „W├╝rde“ der Wissenschaft zu wahren. Beides Glaube und W├╝rdigkeit werden durch Plagiatoren dieses Kalibers – in den h├Âchsten ├ämtern unserer Demokratie oder herausragenden Parteifunktionen nachhaltig gesch├Ądigt.

Daraus entsteht ein Kollateralschaden, der zu noch mehr Politikverdrossenheit f├╝hrt:

Ich glaube keinem von denen mehr,

haben sicher sehr viele Menschen resigniert beschlossen, nachdem sie erst irritiert ├╝ber die Vorw├╝rfe waren, dann an die W├╝rde der Beschuldigten glaubten, um sp├Ąter mitzuerleben, wie w├╝rdelos und unglaubhaft sich diese „Vorzeige“-Personen pr├Ąsentierten.

Besch├Ąmung ohne Scham

Das ist besch├Ąmend. F├╝r die Wissenschaft, f├╝r die Menschen, die an Vorbilder glauben, f├╝r die bestohlenen Urheber. Die Betr├╝ger – denn nichts anderes sind Plagiatoren – verhalten sich unversch├Ąmt. Was soll man anderes erwarten? Von jemandem, der die Hochschulreife (Abitur) erlangt hat, meist ein mindestens f├╝nf Jahre langes Studium absolviert hat und dann noch eine mehrj├Ąhrige Promotionsphase hinter sich gebracht hat? Jemand, der in Summe mehr als 20 Jahre in Ausbildung bis zum „Doktor“ ist und behauptet, er habe etwas „├╝bersehen“ oder „unabsichtlich“ gehandelt, l├╝gt entweder oder beweist damit, dass er nach all der Zeit nichts verstanden hat und allein deshalb schon nicht „den Doktor“ als Titel verdient.

Es ist gut und richtig, dass diese Betr├╝ger nun zittern m├╝ssen, dass ihnen jemand auf die Schliche kommt. Und es ist gut und richtig, wenn alle „Doktoren“ ab sofort wieder zur eigentlich selbstverst├Ąndlichen, peinlichen Genauigkeit zur├╝ckfinden.

Redaktionsintern haben wir dar├╝ber diskutiert – durchaus mit unterschiedlichen Positionen. Ein Ergebnis ist aber klar: Auch die Wissenschaft als System, also die Universit├Ąten und ihre Professoren m├╝ssen auf die Plagiatorenskandale reagieren. Sie sind mit verantwortlich, genau zu pr├╝fen, ob wissenschaftliche Standards eingehalten worden sind. Sie m├╝ssen selbst das System der Plagiate abschaffen. Wie viele Professoren gibt es, die die Arbeit ihrer Studenten f├╝r „eigene Arbeiten“ „auswerten“ – ohne die Urheber zu nennen?

Klare Haltung: Ordentliche Zitation ist Pflicht

In unserer Redaktion ist es selbstverst├Ąndlich, dass die Urheber genannt werden. Auch, wenn ein Autor die Hauptarbeit macht und ein anderer in Teilen (wesentlich) mitwirkt. Die Zitation fremder Quellen ist Pflicht. Da gibt es kein Vertun, sondern die klare Ansage, dass Quellen immer ordentlich benannt werden – die einzige (seltene) Ausnahme ist, dass wir zum Schutz der Quellen diese nicht nennen oder verschleiern (m├╝ssen). Jeder Mitarbeiter wird dar├╝ber informiert, dass ein Kopieren fremder Inhalte das Ende der Mitarbeit bedeutet.

Diese redaktionelle Haltung ist nicht selbstverst├Ąndlich. Das Mediensystem ist noch viel versauter, was Plagiate angeht, als die Wissenschaft. Hier wird t├Ąglich im gro├čen Stil geklaut und get├Ąuscht. Und ausgerechnet diese Medien spielen sich als „Moralw├Ąchter“ auf. Das erinnert leider teils an absurdes Theater.

F├╝r Medien gelten andere Produktionsma├čst├Ąbe als f├╝r die Wissenschaft – wir schreiben keine Artikel mit einem Wust von Fu├čnoten mit Quellenhinweisen. Das ist auch meist nicht n├Âtig, weil die Zahl der Quellen f├╝r einen Artikel ├╝berschaubar bleibt und im Text hinreichend gekennzeichnet werden kann.

Eine Frage des Anstands

Wer wie informiert oder wer wie einen Titel anstrebt, muss sich immer die Frage der eigenen Verantwortung stellen und im Zweifel Antworten geben oder Konsequenzen ziehen. Frau Schavan hat das gemacht – sie ist zur├╝ckgetreten. Soll man sie daf├╝r respektieren? Ich finde nicht. Man nimmt das zur Kenntnis. Weder die Entwicklung bis zum R├╝cktritt noch die Anf├Ąnge ihrer Karriere als „Doktor“ begr├╝nden die Einsch├Ątzung eines „ehrvollen Verhaltens“.

Das verdienen Menschen, die sich t├Ąglich alle M├╝he geben, ihre Arbeit anst├Ąndig zu machen. Menschen, die andere Menschen als Vertreter w├Ąhlen, weil sie glauben, dass sie von diesen in W├╝rde und Verantwortlichkeit vertreten werden. Menschen, die sich niemals trauen w├╝rden, andere zu „beschei├čen“ – aus Sorge um den eigenen Ruf, den der Familie, der Kollegen, des Vereins oder f├╝r wen auch immer sie verantwortlich sind.

Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist – wie Tageszeitungen tagt├Ąglich „beschei├čen“


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. April 2011. (red) Wenn Tageszeitungen ├╝ber die Plagiatsaff├Ąren „zu Guttenberg“ und aktuell Koch-Mehrin berichten, sollten sie allergr├Â├čte Zur├╝ckhaltung ├╝ben. Denn gerade Zeitungsredaktionen plagieren t├Ąglich in gro├čem Umfang. Das Schm├╝cken mit „fremden Federn“ geh├Ârt zum Tagesgesch├Ąft. Ein Unrechtsbewusstsein darf als „nicht-vorhanden“ bewertet werden.

Von Hardy Prothmann

Dem Betr├╝ger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zu recht die Doktorw├╝rde aberkannt worden. Er hat schamlos und vermutlich vors├Ątzlich fremdes geistiges Eigentum anderer Autoren als sein eigenes ausgegeben.

Aktuell steht die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der Kritik. Auch sie soll sich bei anderen „bedient“ haben. Die Plattrom „Vroniblog Wiki“ hat schon auf 32 von 207 Seiten ihrer Doktorarbeit Plagiate entdeckt. Auch Veronica Sa├č, Tochter von Edmund Stoiber, soll gnadenlos abgeschrieben haben. Und man kann davon ausgehen, dass weitere prominente Namen folgen werden.

Die gr├Â├čten und systematischen Plagiatoren sind die Tageszeitungen

Bei der Suche nach „skrupellosen Abkupferern“ wird ├╝bersehen, dass t├Ąglich massenhaft Plagiate „unters Volk“ gebracht werden – durch Tageszeitungen. Denn die allermeisten Redakteure und freien Mitarbeiter haben ├╝berhaupt keine Probleme damit, fremde Texte als ihre eigenen auszugeben.

Ein Beispiel gef├Ąllig? Heute haben die Weinheimer Nachrichten einen sehr umfangreichen Text auf Seite 11 ver├Âffentlicht: „Wer versiegelt, der zahlt k├╝nftig mehr.“ Es handelt sich dabei zu fast 100 Prozent um eine Pressemitteilung der Stadt Weinheim, die kostenfrei zur Verf├╝gung gestellt worden ist. Zwar steht am Anfang des Artikels, dass die Verwaltung etwas „mitgeteilt“ hat und auch am Ende steht: „…hei├čt es abschlie├čend in der Pressemitteilung.“

Tagt├Ągliches Plagiieren: Die Weinheimer Nachrichten ├╝bernehmen mehr oder weniger 1:1 Pressemitteilungen, ohne diese korrekt als solche auszuzeichnen. Klicken Sie auf die Grafik, um den gesamten Text als PDF anzuzeigen.

Reichen diese „Hinweise“ aber aus, um klar zu erkennen, dass er komplette Text eine Pressemitteilung ist? Weder ein Durchschnittsleser noch ein Textprofi kann unmissverst├Ąndlich erkennen, wer der wahre Urheber ist.

Kennzeichnungspflicht? Fehlanzeige!

Urheber ist in diesem Fall der Pressesprecher der Stadt Weinheim, Roland Kern – ein gelernter Journalist, der sehr flei├čig und kompetent ├╝ber die Aktivit├Ąten der Stadtverwaltung und das Geschehen in der Stadt schreibt. Das ist sein Job und den macht er hervorragend.

Das kann man von der Redaktion der Weinheimer Nachrichten nicht behaupten. Nicht nur heute, sondern st├Ąndig druckt das Blatt die Texte aus der Feder von Roland Kern oder anderen Urheber mehr oder weniger 1:1 ab. Das allein ist noch nicht „ehrenr├╝hrig“, wohl aber das Fehlen einer korrekten Quellenangabe.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verlangt unmissverst├Ąndlich, Ziffer 1, Richtlinie 1.3:

Pressemitteilungen m├╝ssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion ver├Âffentlicht werden.

Warum steht nicht einfach am Anfang oder Ende des Textes: „Pressemitteilung der Stadt Weinheim“? Ganz einfach, weil die Redaktion so tut, als handle es sich um einen redaktionellen Text. Denn schlie├člich zahlt der Abonnent nicht f├╝r abgedruckte Pressemitteilungen, sondern f├╝r eigene redaktionelle Inhalte. Die Art und Weise, wie die Weinheimer Nachrichten eine vermeintliche „Kennzeichnung“ vornehmen, darf eindeutig als unzureichend bezeichnet werden.

Blaue Markierungen sind Streichungen, gr├╝ne Einf├╝gungen - mit minimalsten Bearbeitungen "eignen sich Redaktionen" Texte an und ver├Âffentlichen sie als redaktionell-journalistische Leistung.

Korrekt kennzeichnen hei├čt glaubw├╝rdig sein

Auch wir ver├Âffentlichen Pressemeldungen der Stadt Weinheim, die von Roland Kern geschrieben worden sind. Im Unterschied zu den Weinheimer Nachrichten kennzeichnen wir die Texte aber korrekt und unmissverst├Ąndlich und t├Ąuschen den Lesern nicht eine redaktionell-journalistische Leistung vor.

Im Vorspann findet sich bei uns ein K├╝rzel „pm“ – das steht ausweislich unseres Impressums f├╝r „Pressemitteilung“. Weiter stellen wir ├â┼ôbernahmen in voller L├Ąnge eine unmissverst├Ąndliche Zusatzinformatoin voran: Entweder steht „Pressemitteilung von…“ oder „Information von…“ vor einem solchen Artikel.

Manchmal ver├Âffentlichen wir auch Texte unter dem Namen des jeweiligen Autoren. „Von Roland Kern“, steht dann vor dem Text und am Ende des Artikels informieren wir die Leserinnen und Leser dar├╝ber, wer der Autor ist. „Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim“, steht dann da.

Warum wir das tun? Der erste Grund hei├čt Ehrlichkeit. Wir geben nicht etwas als unsere Leistung aus, was nicht unsere Leistung ist. Der zweite Grund: Durch die Nennung der Quelle wird deutlich, welche Interessen hier ver├Âffentlicht werden. Der dritte Grund ist Anerkennung: Wir nennen selbstverst├Ąndlich den geistigen Urheber. Der vierte Grund ist ein gesundes Misstrauen: Wir ├╝bermitteln eine fremde Botschaft in Treu und Glauben – sollte ein Fehler oder gar eine T├Ąuschung vorliegen, ist der Urheber klar benannt.

So wie der MM-Redakteur Hans-J├╝rgen Emmerich „arbeiten“ viele: Eine Pressemitteilung wird ein wenig umgestellt und umformuliert und schwubsdiwups wird daraus ein „Redakteursbericht“. Quelle: MM

„zg“ ist ein Vielschreiber

Die Weinheimer Nachrichten stehen mit dieser Plagiatspraxis nicht alleine da. Besonders dreist sind auch Mitarbeiter des Mannheimer Morgens. Hier werden „umformulierte“ Pressemitteilungen gerne mal als „Redakteursbericht“ ver├Âffentlicht (siehe dazu: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?„)

Einer der flei├čigsten „Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgens ist ein Autor, der das K├╝rzel „zg“ benutzt. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein Autorenk├╝rzel, steht aber schlicht und ergreifend f├╝r „zugeschickt“. Das hei├čt, jeder dieser „zg“-Texte ist keine redaktionell-journalistische Leistung, sondern nur eine Text├╝bernahme. Nirgendwo weist die Zeitung darauf hin, welche Art von Urheber sich hinter „zg“ verbirgt. Andere Zeitungen verwenden andere K├╝rzel.

Patchwork-Journalismus – Copy&Paste ist Alltagsgesch├Ąft

Gerne werden auch „Agenturberichte“ zusammengefasst. Das hei├čt, der Journalist bedient sich mehrerer „Quellen“ von Agenturtexten, kopiert die Inhalte irgendwie zu einem Patchwork-Artikel zusammen und schreibt seinen eigenen Namen ├╝ber den Text. Als „ehrlich“ kann schon gelten, wer wenigstens „Mit Material von…“ ans Ende des Artikels schreibt. Welche Teile der Texte aus welchem „Material“ stammen, ob es 10 oder 90 Prozent des Inhalts sind, ist f├╝r den Leser nicht erkennbar. H├Ąufig wird die Nennung des „Materials“ auch gerne mal vergessen.

Und es sind alle Ressorts betroffen: Politik, Wirtschaft, Sport, Lokales, Kultur. Nicht nur Profis k├Ânnen Plagiate relativ leicht erkennen, wenn man auf folgendes achtet: Je weniger Quellen explizit genannt sind, umso h├Âher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Text in Teilen oder komplett plagiiert wurde. So einfach ist das. Denn seri├Âse Journalisten achten sehr sorgf├Ąltig darauf, die Quellen zu benennen.

„Beispiele f├╝r Plagiate in Wissenschaft und Medien gibt es viele“, schreiben die Soziologen der Uni Bielefeld, Sebastian Sattler und Floris van Veen, in ihrem Text „Ver├Âffentliche oder stirb“ f├╝r die Medienfachzeitschrift „Message“:

„Auffallend rar hingegen ist die Forschung zum Textklau im Journalismus. Das verwundert, f├╝hrt man sich den Schaden vor Augen: Leser werden nicht authentisch und transparent informiert, aber trotzdem zur Kasse gebeten.“

Textklau ist kaum erforscht – kein Wunder

Die Forscher wundern sich, dass es kaum Forschung zu dem Thema „Textklau im Journalismus“ gibt. Das aber ist nicht verwunderlich, wenn man wei├č, dass viele Medien-Professuren eng mit Medien-Verb├Ąnden und -Verlagen verbunden sind. Wer also sollte an einem solchen Forschungsvorhaben interessiert sein? Oder anders gefragt: Wer w├╝rde ein niederschmetterndes Ergebnis ver├Âffentlichen? Die, die es selbst betrifft? Wohl kaum.

Die Forscher folgern, dass dies der Glaubw├╝rdigkeit von Journalismus schadet. Umgekehrt gilt: Der Ehrliche ist der dumme. Wer dreist kopiert und abschreibt ist vermeintlich erfolgreicher, als derjenige, der sich nicht mit fremden Federn schm├╝ckt. Und da eine Kr├Ąhe der anderen kein Auge aushakt, wird diese Praxis des institutionalisierten Textklaus schaarenweise und vollst├Ąndig unversch├Ąmt betrieben.

Plagiat = Raub der Seele

So werden tagt├Ąglich in Deutschland Zeitungen und andere Medien von „Journalisten“ gef├╝llt und von Redakteuren verantwortet, die entweder nie einen Funken Berufsehre in sich hatten oder diese im Lauf der Zeit „verloren“ haben. Ganz im Gegenteil handelt es sich um Banditen, um R├Ąuber, wie sich anhand der Definition von „Plagiat“ bei Wikipedia nachlesen l├Ąsst:

Ein Plagiat (von lat. plagium, „Menschenraub“, „Raub der Seele“[1]) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes. Dies kann sich auf eine wortw├Ârtliche ├â┼ôbernahme, eine Bearbeitung, oder auch die Darstellung von Ideen oder Argumenten beziehen.

Anmerkung:
Zur├╝ck zur „Wissenschaft“: Die Arbeit an diesem Text wurde kurz von 15:00 Uhr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 m├Âgliche Plagiatsstellen in der Arbeit von Frau Koch-Mehrin martkiert worden. Um 17:30 Uhr fanden sich bereits 37 Stellen. ­čśë

Verteidigungsminister zu Guttenberg ist zur├╝ckgetreten


Guten Tag!

Rhein-Neckar/Berlin, 01. M├Ąrz 2011. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist zur├╝ckgetreten. Um 11:16 Uhr verk├╝ndete der wegen Plagiatsvorw├╝rfen in Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit in die Kritik geratene CSU-Politiker seinen R├╝ckzug von allen politischen ├âÔÇ×mtern. Kanzlerin Merkel war im Vorfeld von ihm informiert worden. F├╝r die Landtagswahlen in Baden-W├╝rttemberg und Rheinland-Pfalz kommen Aff├Ąre und R├╝cktritt zur „Unzeit“.

Von Hardy Prothmann

Karl-Theodor zu Guttenberg ist am 01. M├Ąrz 2011 von seinem Amt als Verteidigungsminister zur├╝ckgetreten. Bild: wikipedia/Peter Weis

„Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens“, sagte Guttenberg bei seiner Stellungnahme zu seinem R├╝cktritt, die per Telefon im Sender n-tv ├╝bertragen wurde. F├╝r eine Live├╝bertragung per Kamera war die Ank├╝ndigung offenbar zu pl├Âtzlich gekommen. „Ich gehe ihn nicht nur wegen der Diskussion ├╝ber meine Doktorarbeit, sondern auch wegen der Frage, ob ich die Anspr├╝che , die ich selbst an mich stelle, noch erf├╝llen kann“, berichtet Spiegel Online.

Offensichtlich ist der Druck auf den „Shooting-Star“ der konservativen Parteien zu gro├č gewesen. Die Vorw├╝rfe wiegen schwer: zu Guttenberg habe nur ein m├Ą├čiges 1. Juristisches Staatsexamen abgelegt, sei dann mit „Sondergenehmigung“ zur Promotion zugelassen worden und habe dann zum einen den Parlamentarischen Dienst unzul├Ąssiger Weise mit Recherchen besch├Ąftigt sowie in hunderten von F├Ąllen Zitate von Quellen in seiner Doktorarbeit nicht kenntlich gemacht.

Zun├Ąchst wurde er von einer Welle der Sympathie bez├╝glich seiner Person gest├╝tzt. Besonders die Bild-Zeitung gab dem Minister mediale R├╝ckendeckung. Auch aus der Partei wurden zun├Ąchst alle Vorw├╝rfe als „l├Ącherlich“ zur├╝ckgewiesen. Auch der Doktorvater, der „renommierte“ Jurist Peter H├Ąberle bezeichnete die Plagiatsvorw├╝rfe zun├Ąchst als „absurd“, sprach dann aber von „schwerwiegenden M├Ąngeln“.

Mehrere zehntausend Wissenschaftler hatten sich in einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt und sprachen von „Verh├Âhnung“ aller wissenschaftlicher Mitarbeiter, wenn die Behauptung aufrecht erhalten w├╝rde, zu Guttenberg habe nicht „bewusst get├Ąuscht“.

Zun├Ąchst hatten rund 80 Professoren der Ludwig-Maximilians-Universit├Ąt hatten sich am 24. Februar 2011 an den Bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) gewandt und hatten ein „klares Bekenntnis zu wissenschaftlichen Standards“ verlangt, was dieser auch unumwunden best├Ątigt hat.

Mehrere Initiativen und massive Kritik letztlich auch aus den Reihen der CDU und CSU haben letztlich den Druck auf Karl-Theodor zu Guttenberg am Ende so erh├Âht, dass er heute seinen R├╝cktritt verk├╝nden musste: „Ich habe die Grenzen meiner Kr├Ąfte erreicht“, sagte zu Guttenberg vor der „Hauptstadtpresse“.

F├╝r die Landtagswahlk├Ąmpfe in Baden-W├╝rttemberg und Rheinland-Pfalz d├╝rfte der R├╝cktritt deutliche Folgen f├╝r die CDU und FDP haben. Beide Parteien haben sich kritiklos an zu Guttenberg positioniert und den Plagiator mit deutlichen Bekenntnissen gest├╝tzt.

„Er hat einen Fehler gemacht, er hat sich entschuldigt und steht dazu“, sagte Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus (CDU) noch am Montag in Stuttgart. Das spreche f├╝r eine gewisse Gr├Â├če.

„Auch in st├╝rmischen Zeiten stehen wir ganz eng zusammen“, sagte CDU-Generalsekret├Ąr Thomas Strobl laut Medienberichten. Er freue sich auf die acht Auftritte des Verteidigungsministers im baden-w├╝rttembergischen Wahlkampf. zu Guttenberg sei eine „herausragende Pers├Ânlichkeit“.

Politische Strategen rechnen mit Verlusten von bis zu sechs Prozent durch den R├╝cktritt des Ministers. Besonders in Baden-W├╝rttemberg gilt der Wahlausgang als „eng“ – in Umfragen lag eine Koalition von B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen und SPD zeitweise knapp ├╝ber der Regierungskoalition aus CDU und FDP. Diese „Prognose“ k├Ânnte sich nun deutlicher in Richtung Gr├╝n/Rot verschieben.

Gabis Kolumne

Gibt es endlich Glamour im deutschen Pr├Ąsidentenamt?

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Guten Tag!

Heddesheim, 12. Juli 2010. Die Amis haben ihre Obamas, die Franzosen ihren Sarkosy mit seiner Carla Bruni, viele europ├Ąische L├Ąnder haben K├Ânige und Prinzessinnen und endlich, endlich haben wir die Wulffs, sagt Gabi.

Ich m├Âchte den Einsatz der anderen Bundespr├Ąsidentengattinnen nicht schm├Ąlern, ganz im Gegenteil, Mildred Scheel hat sich vorbildlich f├╝r die Krebsforschung eingesetzt und auch die anderen Damen, ob Frau von Weizs├Ącker, Frau Carstens, Frau Herzog oder Frau K├Âhler haben viel Wohlt├Ątiges unters Volk gebracht. Aber Glamourfaktor? Gleich null. Erst jetzt haben wir eine richtige First Lady.

Die Wulffs sind junge Menschen mit Vergangenheit.

Brav und seri├Âs, wenn nicht sogar bieder kamen sie daher – wie man es f├╝rÔÇÖs Amt ja auch erwartet. Doch nun hat sich das gewandelt. Mit den Wulffs ist eine jungdynamische Familie ins Schloss Bellevue bzw. in eine Dahlemer Villa eingezogen, inklusive kleiner Kinder. Die Wulffs sind jung und trotzdem Menschen mit Vergangenheit – Kinder aus vergangenen Partnerschaften und ein gemeinsames Kind – eben Menschen, wie du und ich.

Und genau, das macht ja auch den Glamourfaktor aus, es sind keine hehren Lichtgestalten ohne Fehler, sondern Menschen mit Krisen und jetzt aber mit Erfolgen.

Das schillernde Leben der franz├Âsischen First Lady, Carla Bruni, interessiert uns doch bei weitem mehr als die neuesten Reformen ihres Mannes. Hat sie einen Geliebten, leidet sie unter der mickrigen Gr├Â├če von Nicolas, bekommen sie noch ein Kind? Wo kauft sie ihre bezaubernde Gaderobe? AllÔÇÖ diese Fragen besch├Ąftigen unsere Nachbarn, die Grande Nation, deutlich mehr als die Unruhen in den Beaulieus.

Mit den Wulffs wird Politik was zum Anfassen.

Kaum waren die Obamas ins Wei├če Haus einzogen, mutma├čten die Amerikanern, Michelle sei schwanger, doch wahrscheinlich musste sie nur zu viele H├Ąppchen auf Staatsempf├Ąngen essen. Und landesweit wurde ├╝ber die Anschaffung und den Namen des Pr├Ąsidentenhundes diskutiert.

Ganz zu schweigen f├╝r welche Schlagzeilen die Spr├Âsslinge des europ├Ąischen Hochadels sorgen. Hatten diese Jahrhunderte lang fast inzestu├Âs untereinander geheiratet, sorgen die adligen Nachkommen jetzt f├╝r Schlagzeilen mit Liebesehen aus dem Volk.

Die Queen hat es dabei besonders schwer erwischt, drei ihrer vier Kinder wurden geschieden und der Kronprinz fl├╝sterte seiner langj├Ąhrigen Geliebten durchÔÇÖs Telefon, dass er gern ihr Tampon sei, lie├č sich st├╝mperhaft dabei abh├Âren, wurde von seiner bulimischen und kaufs├╝chtigen Ehefrau geschieden. Die daraufhin in den Heiligenstatus erhoben wurde, jede Titelseite schm├╝ckte und mit ihrem arabischen Geliebten in Paris, von Paparazzis gehetzt, zu Tode kam – kein Wunder, dass hier die Yellow Press auf ihre Kosten kam.

Aber auch die anderen Jungadligen lie├čen sich nicht lumpen, der norwegische Kronprinz freite und ehelichte ein alleinerziehendes Partygirl, der katholische Felipe, der sich eine Ehe mit einem schwedischen Unterw├Ąschemodell noch verbieten lie├č, heiratete eine geschiedene Fernsehmoderatorin, die ihm nur T├Âchter geb├Ąrt und t├Ąglich d├╝nner wird.

Klatsch und Tratsch gibt es europaweit – nur nicht bei uns oder demn├Ąchst doch?

Und dieser Tage heiratete die schwedische Kronprinzessin ihren Fitnesstrainer – wo kommen wir da hin? Genau in die Klatschpresse.

Der Adel wurde bei uns bekanntlich ja abgeschafft und dem Volk blieben M├Ąnner in schwarzen Anz├╝gen Ende 60, Anfang 70, deren Frauen, wenn ├╝berhaupt, nur am Rande und durch ihre Wohlt├Ątigkeit und dann im dunkelblauen Kost├╝m eine Rolle spielten.

Den ersten Schritt in die Glamour-Richtung machte Altbundeskanzler Schr├Âder. Brioni-Anz├╝ge, Cohiba-Zigarren und die vierte Frau lie├čen die deutsche Klatschpresse jubilieren. Seine Doppelhaush├Ąlfte in Hannover machte dies jedoch schon fast wieder zunichte, vor allem, wenn man sich von der Bild dabei erwischen l├Ąsst, wie man samstags die Hecke schneidet.

Wie man das richtig macht, zeigen die Obamas, wenn Michelle mit gro├čem Presseaufgebot ihr Gem├╝sebeet anpflanzt.

Wir wollen die Reichen, Klugen und Sch├Ânen, bitte zum Anfassen, aber auf keinen Fall banal.

Und sp├Ątestens seit Angela Merkel das Zepter der Macht ├╝bernommen hat, hoffen wir nicht mehr auf skandaltr├Ąchtige Schlagzeilen, sondern hoffen nur, dass sie ihr Pfarrerstochter-Image nicht unbedingt auf der Weltb├╝hne ausleben muss.

Der erste Lichtblick nach langer Dunkelheit, war der Aufstieg Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg zum Verteidigungsminister. Erstens hatten wir endlich mal wieder einen Adligen in einem hohen Amt (mit wunderbar vielen Vornamen, die sich kein Mensch merken kann) und zweitens hat seine junge und h├╝bsche Frau alles, was man f├╝r die Glamourwelt braucht. Ja, aber leider, wurde er bzw. sein Amt ziemlich schnell und stark kritisiert und zweitens ist der Minister eben nur ein Minister, nicht mal ein Ministerpr├Ąsident, vielleicht einmal Kanzler, aber auf jeden Fall kein Staatsoberhaupt.

Und nun, haben wir die Wulffs und mit ihnen eine First Family, Bettina (bei Wikipedia steht noch sehr wenig – das wird sich ├Ąndern). Da wird innig gek├╝sst und es wird zum Amtsantritt eine Party gefeiert – das gabs noch nie. Das ist sensationell. Und angeblich soll der kleine Sohn ein Spielzimmer im Schloss Bellevue bekommen.

Kuss-Bild, Designer-Kleid, Plausch und R├╝hrung.

Das Kuss-Bild nach der Pr├Ąsidentenwahl zierte alle Gazetten und die gelernte Medienreferentin lie├č verlauten, dass sie sich auf einen Plausch mit Michelle Obama freue, aber die N├Ąhe zum Volk nicht verlieren m├Âchte. Ihr Styling war beim Amtsantritt perfekt und stilvoll und von einem deutschen Designer entworfen. Die Bilder mit ihren beiden kleinen Kindern r├╝hrte die Nation und lie├č die Beliebtheit ihres Mannes gleich auf der Skala nach oben schnellen.

„Die Liebe ist in Schloss Bellevue eingezogen“ titelte eine gro├če deutsche Tageszeitung.

„Was interessiert das alles, wichtig ist doch, dass Christian Wulff sein Amt als Bundespr├Ąsident verantwortungsvoll und gut wahr nimmt“, merkte ein guter Bekannter an.

Da hat er bestimmt Recht, aber es ist auch gut, wenn es in der deutschen Politik mal ein wenig menschelt und gerne auch mit Glamour.

gabi