Montag, 14. Oktober 2019

25. Februar bis 03. MĂ€rz 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine fĂŒr den 25. Februar bis 03. MĂ€rz 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps fĂŒr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

Mehr Veranstaltungen vor Ort finden Sie ins unseren Kalendern auf allen Blogseiten im MenĂŒ Nachbarschaft im MenĂŒ “Termine”. [Weiterlesen…]

Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist – wie Tageszeitungen tagtĂ€glich „bescheißen“


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. April 2011. (red) Wenn Tageszeitungen ĂŒber die PlagiatsaffĂ€ren „zu Guttenberg“ und aktuell Koch-Mehrin berichten, sollten sie allergrĂ¶ĂŸte ZurĂŒckhaltung ĂŒben. Denn gerade Zeitungsredaktionen plagieren tĂ€glich in großem Umfang. Das SchmĂŒcken mit „fremden Federn“ gehört zum TagesgeschĂ€ft. Ein Unrechtsbewusstsein darf als „nicht-vorhanden“ bewertet werden.

Von Hardy Prothmann

Dem BetrĂŒger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zu recht die DoktorwĂŒrde aberkannt worden. Er hat schamlos und vermutlich vorsĂ€tzlich fremdes geistiges Eigentum anderer Autoren als sein eigenes ausgegeben.

Aktuell steht die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der Kritik. Auch sie soll sich bei anderen „bedient“ haben. Die Plattrom „Vroniblog Wiki“ hat schon auf 32 von 207 Seiten ihrer Doktorarbeit Plagiate entdeckt. Auch Veronica Saß, Tochter von Edmund Stoiber, soll gnadenlos abgeschrieben haben. Und man kann davon ausgehen, dass weitere prominente Namen folgen werden.

Die grĂ¶ĂŸten und systematischen Plagiatoren sind die Tageszeitungen

Bei der Suche nach „skrupellosen Abkupferern“ wird ĂŒbersehen, dass tĂ€glich massenhaft Plagiate „unters Volk“ gebracht werden – durch Tageszeitungen. Denn die allermeisten Redakteure und freien Mitarbeiter haben ĂŒberhaupt keine Probleme damit, fremde Texte als ihre eigenen auszugeben.

Ein Beispiel gefĂ€llig? Heute haben die Weinheimer Nachrichten einen sehr umfangreichen Text auf Seite 11 veröffentlicht: „Wer versiegelt, der zahlt kĂŒnftig mehr.“ Es handelt sich dabei zu fast 100 Prozent um eine Pressemitteilung der Stadt Weinheim, die kostenfrei zur VerfĂŒgung gestellt worden ist. Zwar steht am Anfang des Artikels, dass die Verwaltung etwas „mitgeteilt“ hat und auch am Ende steht: „…heißt es abschließend in der Pressemitteilung.“

TagtĂ€gliches Plagiieren: Die Weinheimer Nachrichten ĂŒbernehmen mehr oder weniger 1:1 Pressemitteilungen, ohne diese korrekt als solche auszuzeichnen. Klicken Sie auf die Grafik, um den gesamten Text als PDF anzuzeigen.

Reichen diese „Hinweise“ aber aus, um klar zu erkennen, dass er komplette Text eine Pressemitteilung ist? Weder ein Durchschnittsleser noch ein Textprofi kann unmissverstĂ€ndlich erkennen, wer der wahre Urheber ist.

Kennzeichnungspflicht? Fehlanzeige!

Urheber ist in diesem Fall der Pressesprecher der Stadt Weinheim, Roland Kern – ein gelernter Journalist, der sehr fleißig und kompetent ĂŒber die AktivitĂ€ten der Stadtverwaltung und das Geschehen in der Stadt schreibt. Das ist sein Job und den macht er hervorragend.

Das kann man von der Redaktion der Weinheimer Nachrichten nicht behaupten. Nicht nur heute, sondern stĂ€ndig druckt das Blatt die Texte aus der Feder von Roland Kern oder anderen Urheber mehr oder weniger 1:1 ab. Das allein ist noch nicht „ehrenrĂŒhrig“, wohl aber das Fehlen einer korrekten Quellenangabe.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verlangt unmissverstÀndlich, Ziffer 1, Richtlinie 1.3:

Pressemitteilungen mĂŒssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion veröffentlicht werden.

Warum steht nicht einfach am Anfang oder Ende des Textes: „Pressemitteilung der Stadt Weinheim“? Ganz einfach, weil die Redaktion so tut, als handle es sich um einen redaktionellen Text. Denn schließlich zahlt der Abonnent nicht fĂŒr abgedruckte Pressemitteilungen, sondern fĂŒr eigene redaktionelle Inhalte. Die Art und Weise, wie die Weinheimer Nachrichten eine vermeintliche „Kennzeichnung“ vornehmen, darf eindeutig als unzureichend bezeichnet werden.

Blaue Markierungen sind Streichungen, grĂŒne EinfĂŒgungen - mit minimalsten Bearbeitungen "eignen sich Redaktionen" Texte an und veröffentlichen sie als redaktionell-journalistische Leistung.

Korrekt kennzeichnen heißt glaubwĂŒrdig sein

Auch wir veröffentlichen Pressemeldungen der Stadt Weinheim, die von Roland Kern geschrieben worden sind. Im Unterschied zu den Weinheimer Nachrichten kennzeichnen wir die Texte aber korrekt und unmissverstÀndlich und tÀuschen den Lesern nicht eine redaktionell-journalistische Leistung vor.

Im Vorspann findet sich bei uns ein KĂŒrzel „pm“ – das steht ausweislich unseres Impressums fĂŒr „Pressemitteilung“. Weiter stellen wir ÃƓbernahmen in voller LĂ€nge eine unmissverstĂ€ndliche Zusatzinformatoin voran: Entweder steht „Pressemitteilung von…“ oder „Information von…“ vor einem solchen Artikel.

Manchmal veröffentlichen wir auch Texte unter dem Namen des jeweiligen Autoren. „Von Roland Kern“, steht dann vor dem Text und am Ende des Artikels informieren wir die Leserinnen und Leser darĂŒber, wer der Autor ist. „Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim“, steht dann da.

Warum wir das tun? Der erste Grund heißt Ehrlichkeit. Wir geben nicht etwas als unsere Leistung aus, was nicht unsere Leistung ist. Der zweite Grund: Durch die Nennung der Quelle wird deutlich, welche Interessen hier veröffentlicht werden. Der dritte Grund ist Anerkennung: Wir nennen selbstverstĂ€ndlich den geistigen Urheber. Der vierte Grund ist ein gesundes Misstrauen: Wir ĂŒbermitteln eine fremde Botschaft in Treu und Glauben – sollte ein Fehler oder gar eine TĂ€uschung vorliegen, ist der Urheber klar benannt.

So wie der MM-Redakteur Hans-JĂŒrgen Emmerich „arbeiten“ viele: Eine Pressemitteilung wird ein wenig umgestellt und umformuliert und schwubsdiwups wird daraus ein „Redakteursbericht“. Quelle: MM

„zg“ ist ein Vielschreiber

Die Weinheimer Nachrichten stehen mit dieser Plagiatspraxis nicht alleine da. Besonders dreist sind auch Mitarbeiter des Mannheimer Morgens. Hier werden „umformulierte“ Pressemitteilungen gerne mal als „Redakteursbericht“ veröffentlicht (siehe dazu: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?„)

Einer der fleißigsten „Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgens ist ein Autor, der das KĂŒrzel „zg“ benutzt. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein AutorenkĂŒrzel, steht aber schlicht und ergreifend fĂŒr „zugeschickt“. Das heißt, jeder dieser „zg“-Texte ist keine redaktionell-journalistische Leistung, sondern nur eine TextĂŒbernahme. Nirgendwo weist die Zeitung darauf hin, welche Art von Urheber sich hinter „zg“ verbirgt. Andere Zeitungen verwenden andere KĂŒrzel.

Patchwork-Journalismus – Copy&Paste ist AlltagsgeschĂ€ft

Gerne werden auch „Agenturberichte“ zusammengefasst. Das heißt, der Journalist bedient sich mehrerer „Quellen“ von Agenturtexten, kopiert die Inhalte irgendwie zu einem Patchwork-Artikel zusammen und schreibt seinen eigenen Namen ĂŒber den Text. Als „ehrlich“ kann schon gelten, wer wenigstens „Mit Material von…“ ans Ende des Artikels schreibt. Welche Teile der Texte aus welchem „Material“ stammen, ob es 10 oder 90 Prozent des Inhalts sind, ist fĂŒr den Leser nicht erkennbar. HĂ€ufig wird die Nennung des „Materials“ auch gerne mal vergessen.

Und es sind alle Ressorts betroffen: Politik, Wirtschaft, Sport, Lokales, Kultur. Nicht nur Profis können Plagiate relativ leicht erkennen, wenn man auf folgendes achtet: Je weniger Quellen explizit genannt sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Text in Teilen oder komplett plagiiert wurde. So einfach ist das. Denn seriöse Journalisten achten sehr sorgfÀltig darauf, die Quellen zu benennen.

„Beispiele fĂŒr Plagiate in Wissenschaft und Medien gibt es viele“, schreiben die Soziologen der Uni Bielefeld, Sebastian Sattler und Floris van Veen, in ihrem Text „Veröffentliche oder stirb“ fĂŒr die Medienfachzeitschrift „Message“:

„Auffallend rar hingegen ist die Forschung zum Textklau im Journalismus. Das verwundert, fĂŒhrt man sich den Schaden vor Augen: Leser werden nicht authentisch und transparent informiert, aber trotzdem zur Kasse gebeten.“

Textklau ist kaum erforscht – kein Wunder

Die Forscher wundern sich, dass es kaum Forschung zu dem Thema „Textklau im Journalismus“ gibt. Das aber ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, dass viele Medien-Professuren eng mit Medien-VerbĂ€nden und -Verlagen verbunden sind. Wer also sollte an einem solchen Forschungsvorhaben interessiert sein? Oder anders gefragt: Wer wĂŒrde ein niederschmetterndes Ergebnis veröffentlichen? Die, die es selbst betrifft? Wohl kaum.

Die Forscher folgern, dass dies der GlaubwĂŒrdigkeit von Journalismus schadet. Umgekehrt gilt: Der Ehrliche ist der dumme. Wer dreist kopiert und abschreibt ist vermeintlich erfolgreicher, als derjenige, der sich nicht mit fremden Federn schmĂŒckt. Und da eine KrĂ€he der anderen kein Auge aushakt, wird diese Praxis des institutionalisierten Textklaus schaarenweise und vollstĂ€ndig unverschĂ€mt betrieben.

Plagiat = Raub der Seele

So werden tagtĂ€glich in Deutschland Zeitungen und andere Medien von „Journalisten“ gefĂŒllt und von Redakteuren verantwortet, die entweder nie einen Funken Berufsehre in sich hatten oder diese im Lauf der Zeit „verloren“ haben. Ganz im Gegenteil handelt es sich um Banditen, um RĂ€uber, wie sich anhand der Definition von „Plagiat“ bei Wikipedia nachlesen lĂ€sst:

Ein Plagiat (von lat. plagium, „Menschenraub“, „Raub der Seele“[1]) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes. Dies kann sich auf eine wortwörtliche ÃƓbernahme, eine Bearbeitung, oder auch die Darstellung von Ideen oder Argumenten beziehen.

Anmerkung:
ZurĂŒck zur „Wissenschaft“: Die Arbeit an diesem Text wurde kurz von 15:00 Uhr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 mögliche Plagiatsstellen in der Arbeit von Frau Koch-Mehrin martkiert worden. Um 17:30 Uhr fanden sich bereits 37 Stellen. 😉

Heddesheims Hauptamtsleiter Julien Christof ist Freizeitjournalist, Blogger, WahlkÀmpfer. Mit dem Segen seines Chefs


Heddesheim/Osterburken, 24. MĂ€rz 2011. (red) BĂŒrgermeister Michael Kessler hat ein Problem mit neuen Medien: „Twitterei“ und Blogs sind ihm suspekt. Auch Journalisten sind im suspekt. Journalisten, die neue Medien benutzen, findet er gar „ekelhaft„. Sein Hauptamtsleiter Julien Christof hingegen ist ein Experte. Er nutzt die neuen Medien rege – als ĂŒberzeugter CDU-Parteimann, Mitglied des Kreisvorstands, Pressesprecher, Internetbeauftragter und aktiver WahlkĂ€mpfer im Landtagswahlkampf. Und betĂ€tigt sich dann und wann auch noch als Journalist. Das macht er selbstverstĂ€ndlich alles in seiner Freizeit.

Julien Christof findet es gut, die GrĂŒnen als "Dagegen-Partei" zu benennen. Quelle: JU NOK Facebook

Als Hauptamtsleiter gibt Julien Christof immer den neutralen Beamten in Diensten der Gemeinde. Sobald er Freizeit hat, ist er aber ein glĂŒhender Parteisoldat in Diensten der CDU.

Nicht einfach ein Mitglied, auch nicht einfach ein aktives Mitglied  – nein, Julien Christof mischt ganz vorne mit.

AusgefĂŒllte Freizeit als Journalist und Blogger

In seinem Heimatort Osterburken ist er stellvertretender Vorsitzender, er ist im Vorstand der Jungen Union Neckar-Odenwald-Kreis aktiv und Pressesprecher der agilen Truppe. Die betreiben verschiedene CDU-Blogs, inklusive Twitter und Facebook. Herr Christof benutzt beim Twittern auch gerne mal Pseudonyme, „Mephjizzo“ beispielsweise.

Außerdem ist er im Kreisvorstand der CDU Neckar-Odenwald-Kreis, dort als „Beauftragter fĂŒr Presse und Öffentlichkeitsarbeit.“

Die erledigt er fleißig. So schreibt er unter anderem fĂŒr die Rhein-Neckar-Zeitung und fĂŒr die FrĂ€nkischen Nachrichten. Die FrĂ€nkischen Nachrichten wiederum gehören zur Dr. Haas-Gruppe, zu der auch der Mannheimer Morgen gehört. Und sogar in der SĂŒdwestpresse Ulm ist ein „Julien Christof“ mit journalistischen TĂ€tigkeiten zu finden – vielleicht gibt es aber auch mehrere „Julien Christof“, die zufĂ€llig in der selben Gegend als Journalisten tĂ€tig sind.

Herr Christof beschreibt seine journalistische TĂ€tigkeit auf Anfrage so:

„Ich habe im Jahr 2001 als 16-JĂ€hriger ein gymnasiales Schulpraktikum bei der
Lokalredaktion Buchen der Rhein-Neckar-Zeitung absolviert. Seitdem bin ich
dort unregelmĂ€ĂŸig als freier Mitarbeiter tĂ€tig. Dabei war ich bereits fĂŒr
den Lokalteil, die Jugendseite und die Fußballberichterstattung im Einsatz.

Mit Aufnahme meines Studiums an der FH Kehl im Jahr 2005 habe ich die
journalistische TĂ€tigkeit reduziert. Momentan schreibe ich gelegentlich
Artikel fĂŒr die Lokalteile des Bereichs Buchen. Es gibt fĂŒr meinen Heimatort
Osterburken einen freien Mitarbeiter, den ich ab und an vertrete. Der
neueste Artikel war vergangene Woche ĂŒber die Vereinsehrungen der Stadt
Osterburken, insgesamt hat die TĂ€tigkeit natĂŒrlich auch aus ZeitgrĂŒnden
geringen Umfang.“

WahlkÀmpfer Julien Christof (3. von links) am Parteistand in Sennfeld. Quelle: JU NOK Facebook

Einen „geringen Umfang“ also. Also so eine Art kleiner Nebenjob. Den erledigt er trefflich – als Pressesprecher der CDU schreibt er gleichzeitig auch gerne als Journalist ĂŒber die CDU. Die frohen Botschaften erscheinen dann in der Zeitung. In diesem Fall aber unter dem KĂŒrzel JC.

Christof ist mal Pressesprecher, mal Journalist, mal beides.

Eventuell könnte es sein, dass man als Leser einfach nicht verwundert sein soll, wenn Julien Christof ĂŒber sich selbst und seine CDU und deren Erfolge in einem „journalistischen“ Medium schreibt. Denn ĂŒber die CDU schreibt Herr Christof dann doch schon hĂ€ufiger, was er aber als „geringen Umfang“ versteht.

Eine solche TĂ€tigkeit muss genehmigt werden, wenn beispielsweise nach §62 Absatz 2, Nr. 2 des Landesbeamtengesetz folgendes zu befĂŒrchten ist:

(2) Die Genehmigung ist zu versagen, wenn zu besorgen ist, dass durch die NebentÀtigkeit dienstliche Interessen beeintrÀchtigt werden. Ein solcher Versagungsgrund liegt insbesondere vor, wenn die NebentÀtigkeit

  1. die Beamtin oder den Beamten in einen Widerstreit mit den dienstlichen Pflichten bringen kann oder
  2. die Unparteilichkeit oder Unbefangenheit der Beamtin oder des Beamten beeinflussen kann oder

Herr Christof beantwortet und Anfrage aber mit einem anderen Paragrafen und bestĂ€tigt, dass BĂŒrgermeister Michael Kessler ĂŒber die journalistischen NebentĂ€tigkeiten informiert ist und diese genehmigt hat (sonst dĂŒrfte er diese ja nicht ausĂŒben).

Eine journalistische TĂ€tigkeit muss nach § 63 Abs. 1 und 2 des Landesbeamtengesetzes angezeigt werden, in bestimmten FĂ€llen nach Abs. 3 auch nicht. Diese ist meinem Dienstvorgesetzten bekannt.

Absatz 3 betrifft „schriftstellerische, wissenschaftliche, kĂŒnstlerische oder VortragstĂ€tigkeiten“, all das ist Journalismus nicht. Journalismus ist ein sogenannter freier Beruf, der nach § 63, Absatz 1, Nr. 1 a) genehmigungspflichtig ist.

AusgefĂŒllte Freizeit als engagierter Pro-Stuttgart21-Demonstrant und CDU-WahlkĂ€mpfer

Als wĂŒrde ihn der Job als junger und noch gar nicht so lange im Amt befindlicher Hauptamtsleiter kaum auslasten, reichen diese FreizeitbetĂ€tigungen aber noch lange nicht. Hauptamtsleiter Privatmann Julien Christof ist mitten im Landtagswahlkampf – als Mitglied des „AK Wahlkampf“ von Kandidat Peter Hauk, der im Neckar-Odenwald-Kreis antritt. Der Ex-Minister gilt mit seiner Funktion als CDU-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag als Nummer 2 hinter MinisterprĂ€sident Mappus und gilt als rabenschwarzer CDU-Hardliner.

Julien Christof (rechts vorne) vor einer Pro-Stuttgart21-Demo zusammen mit Peter Haus (2. von links). Quelle: JU NOK Facebook

Als aktiver WahlkĂ€mpfer und Mitglied des „Team Hauk“ kommt Julien Christof in seiner Freizeit viel rum. Er fĂ€hrt zur Pro-Stuttgart21-Demo nach Stuttgart, hilft am Wahlkampfstand aus und plant mit anderen zusammen in der „Arbeitsgruppe Wahlkampf“ die Auftritte des „Schwarzen Peter“, wie sich Peter Hauk gerne nennen lĂ€sst.

Christof und der Schwarze Peter

Auch die Website „Der schwarze Peter“ wird durch die Junge Union Neckar-Odenwald-Kreis betrieben, bei dem Herr Christof im Vorstand tĂ€tig ist.

Der wiederum hatte im Herbst in Hirschberg verkĂŒndet, dass es „dem Land Baden-WĂŒrttemberg Wurscht sein kann, ob Stuttgart 21 jetzt zehn oder fĂŒnfzehn Milliarden Euro kostet“ – damit ist er der Zeit voraus. Im Moment liegen die SchĂ€tzungen bei sechs bis sieben Milliarden Euro, nachdem Stuttgart21 ursprĂŒnglich mal zwei Milliarden kosten sollte.

SelbstverstĂ€ndlich muss man annehmen, dass Julien Christofs diverse NebentĂ€tigkeiten und Engagements nicht die „Unparteilichkeit und Unbefangenheit des Beamten beeinflussen können“, denn sonst dĂŒrfte er diese TĂ€tigkeiten ja nicht ausĂŒben, mĂŒsste also sein Dienstherr, Michael Kessler, ihm diese untersagen.

„Es ist nicht verboten, sich politisch zu engagieren“, sagt Christof.

Julien Christof sieht keine Befangenheit, ganz im Gegenteil antwortet er auf unsere Anfrage:

„Seit einigen Jahren bin ich Mitglied der Jungen Union Adelsheim/Osterburken im Neckar-Odenwald-Kreis. Dort bin ich stellvertretender Ortsvorsitzender sowie im Kreisvorstand. Einer meiner BeweggrĂŒnde fĂŒr die Mitgliedschaft war mein Interesse fĂŒr die Kommunalpolitik und Politik allgemein. Generell halte ich es fĂŒr gut, wenn sich junge Menschen fĂŒr Politik interessieren und auch politisch engagieren, egal ob und in welcher (demokratischen) Partei; zum Auftrag der Parteien vgl. § 1 des Parteiengesetzes.

Nach den Beamtengesetzen ist es Beamten nicht verboten, sich politisch zu engagieren oder Parteimitglied zu sein, denn das Grundgesetz und hier speziell die Meinungsfreiheit gelten auch fĂŒr Menschen, die im öffentlichen Dienst tĂ€tig sind. Auch erstreckt sich die Mitgliedschaft nicht auf Heddesheim oder den Rhein-Neckar-Kreis, sondern den Nachbarkreis.“

Julien Christof (links) demonstriert in seiner Freizeit fĂŒr Stuttgart21. Quelle: JU NOK Facebook

Engagement ist gut und richtig, ebenso die Sache mit der Meinungsfreiheit. Herr Christof verweist vollkommen zu recht auf das Grundgesetz – auch wenn er es sonst nicht so damit hĂ€lt und beispielsweise auf Anordnung oder freiwillig (das ist nicht bekannt) in öffentlichen Gemeinderatssitzungen GemeinderĂ€te observiert und aus seiner Sicht „problematische“ MeinungsĂ€ußerungen sofort seinem Chef, dem BĂŒrgermeister Kessler meldet, der sich dann jedesmal unter Verwendung von Worten wie „unanstĂ€ndig“, „wĂŒrdelos“ und „respektlos“ ereifert.

Christof „gefĂ€llt“ die CDU-Seite: Die-dagegen-Partei

Vielleicht verstehen Herr Kessler und Herr Christof „Unparteilichkeit“ und „Unbefangenheit“ ja auch nur sehr eindimensional und nicht so ganz allgemein.

Wiederum vermutlich nur in seiner Freiheit ist Herr Christof auch bei Facebook aktiv. Hier kann man durch Klicken der SchaltflĂ€che „GefĂ€llt mir“ seine Stimmung zum Ausdruck bringen (siehe erstes Bild). Herrn Christof gefĂ€llt unter anderem ein Eintrag mit Hinweis auf die Website „Die-dagegen-Partei“ – eine Website die von der „CDU Deutschlands“ unter Vorsitz von Frau Bundeskanzelerin Merkel verantwortet wird.

Die Facebook-Seite wiederum ist eindeutig von der Jungen Union Neckar-Odenwald-Kreis verantwortet und man darf vermuten, dass Herr Christoph hier in seiner Freizeit auch aktiv mitwirkt. Auf der CDU-eigenen-Seite „Die-dagegen-Partei“ schließt sich dann der Kreis zu Heddesheim – auch hier wird ein Dagegen-Projekt der GrĂŒnen aufgefĂŒhrt:

„Gewerbeansiedlung

In Heddesheim bei Mannheim sind die GrĂŒnen gegen die Ansiedlung eines Logistikunternehmens. Mit dem Projekt könnten bis zu 1.000 neue ArbeitsplĂ€tze entstehen. Bei einer BĂŒrgerbefragung hatte sich eine Mehrheit fĂŒr die Ansiedlung ausgesprochen.
(Demo-Aufruf der GrĂŒnen Heddesheim fĂŒr den 06.11.2010)“

Jetzt könnte man vermuten, dass die Berliner CDU entweder sehr gute Rechercheure hat, um herauszubekommen, zu welcher Demo die „GrĂŒnen Heddesheim“ am 06. November 2010 aufgerufen haben. Oder man könnte vermuten, dass die CDU auch Rechercheure vor Ort hat – Herrn Christof ist das Recherchieren als Nebenerwerbsjournalist sicher nicht gĂ€nzlich fremd.

Ob den Heddesheimer GrĂŒnen dieses „Engagement“ gefĂ€llt und sie kĂŒnftig glauben, Herr Christof sei „unparteilich“, ist mal dahin gestellt. Aber vielleicht hat ja auch ein anderer CDU-Mann, beispielsweise der Internet-Experte Reiner Hege oder gar die stellvertretende BĂŒrgermeisterin Ursula Brechtel den Tipp gegeben.

Auch Heddesheim ist in der Dagegen-Kartei der CDU

Interessant ist der Konjunktiv „könnten entstehen“ und der Ausdruck „Mehrheit“ fĂŒr einen Stimmenvorsprung von 40 Stimmen bei einer „BĂŒrgerbefragung„. Auch so bringt man komplexe kommunalpolitische VorgĂ€nge und „Interesse fĂŒr Kommunalpolitik“ auf ein kurzes Karteikartenformat.

Gut vernetzte CDU - sogar Heddesheim hat es ins "Dagegen-Angebot" der "CDU Deutschlands" geschafft. Quelle: die-dagegen-partei.de

Offen ist nun die Frage, wie mit der Aussage umzugehen ist, dass Herr Christof sich nur „im Nachbarkreis“ politisch so massiv engagiert, wenn sein Kandidat auch in diesem Kreis auftritt – dazu noch in Hirschberg, dem Nachbarort von Heddesheim, der ebenfalls von einer „Gewerbeansiedlung“ betroffen sein wird.

Julien Christof als "Beauftragter fĂŒr Presse und Öffentlichkeitsarbeit" des CDU-Kreisverbands Neckar-Odenwald. Quelle: CDU NOK

Und seine vielfĂ€ltigen AktivitĂ€ten im Internet schließen diese „Kreise“ oder heben sie vielmehr auf, weil diese Informationen nicht an Kreisgrenzen halt machen, sondern wie gezeigt selbst bis nach Berlin reichen und von dort wieder zurĂŒck.

Parteiliche Freizeit vs. unparteiliche Arbeitszeit?

Herr BĂŒrgermeister Michael Kessler wiederum wird sich die Frage gefallen lassen mĂŒssen, ob er das „freizeitliche Treiben“ seines Hauptamtsleiters weiterhin so genehmigt oder nicht eventuell etwas „unverschĂ€mt“ und „respektlos“ findet – mal ganz abgesehen von der Frage, ob man tatsĂ€chlich davon ausgehen kann, dass Herr Christof seine „FreizeitbeschĂ€ftigungen“ und seine Pflicht zur Unparteilichkeit als Beamter sauber trennen kann.

Insgesamt muss Herr Christof viel Freizeit haben, denn als Anschrift gibt er die Mauritiusstraße in Osterburken an. Zwischen seinem Wohnort und seinem Arbeitsort im Rathaus am Fritz-Kessler-Platz liegen je nach gewĂ€hlter Fahrtstrecke 105-120 Kilometer – die schnellste Strecke dauert einfach 1 Stunde 17 Minuten. Aber das ist theoretisch – denn es geht ĂŒber die A6 und die ist stĂ€ndig zu.

Wer vermutet, dieses „freizeitliche Engagement“ diene nur dem „Interesse fĂŒr die Kommunalpolitik und Politik allgemein“, wie Herr Christof uns geschrieben hat, muss respektvoll anerkennen, welch „herausragenden“ Einsatz dieser junge Mann doch so bringt. Und das alles in der Freizeit.

Wer vermutet, dieses Engagement könne vielleicht der „Beförderung“ auf höhere Weihen dienen ebenso wie der Hauptamtsleiterposten, der nur ein Zwischenjob fĂŒr den ehrgeizigen CDU-Mann sei, naja, der wird sich mit ziemlicher Sicherheit vom BĂŒrgermeister Kessler sagen lassen mĂŒssen, dass das eine „unerhörte Vermutung“ ist.

Julien Christof (rechts) beim Gruppenbild. Quelle: JU NOK Facebook