Mittwoch, 22. Mai 2019

Ifok-Moderator spricht ĂŒberraschend offen ĂŒber seinen klaren Auftrag

Herr Ingerfeld und die Hanseln

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 11. September 2012. (red) Der Ifok-Moderator Andreas Ingerfeld hat auf einer Veranstaltung der Deutschen Logistik-Zeitung einen Vortrag gehalten. Darin erklĂ€rt er, wie man als Unternehmer seine Investition schĂŒtzt und „die Hanseln“ dazu bekommt, zu erkennen, dass der Investor ein WohltĂ€ter ist. Unterm Strich geht es um ein Ziel, wenn die Ifok antritt – die Durchsetzung der InvestitionsplĂ€ne gegen einen möglichen bĂŒrgerlichen Widerstand. Als Paradebeispiel bezieht sich der Spin-Doctor auf den Planungsprozess zu „Pfenning“.

Von Hardy Prothmann

Wer tatsĂ€chlich jemals geglaubt hat, die Ifok moderiere neutral, ist nach dem Vortrag von Andreas Ingerfeld schlauer. Vor Logistik-Fachleuten erlĂ€utert der „Kommunikationsspezialist“ umfassend, worum es geht.

Ein Unternehmer, ein WohltĂ€ter der Menschheit, möchte etwas bauen und wird zu unrecht angefeindet und es werden „unwahre Behauptungen“ aufgestellt. Von WutbĂŒrgern, die allerdings keinen roten Bart mehr haben und auch nicht einer marxistisch-leninistischen Gruppe angehören, sondern Porsche Cayenne fahren, GeschĂ€ftsfĂŒhrer sind und ein freistehendes Einfamilienhaus auf 1.000 Quadratmeter GrundstĂŒck haben. Und die sind zudem noch sehr gut vernetzt.

WĂ€hrend frĂŒher eine VereinsgrĂŒndung fĂŒr eine BĂŒrgerinitiative sehr lange dauerte und teuer war, funktioniert das heute Ruck-zuck. Und gerade Branchen mit einem „nicht so guten Leumund“, wie die Logistikbranche, hĂ€tte damit ein großes Problem. SelbstverstĂ€ndlich vergisst Herr Ingerfeld nicht darauf hinzuweisen, wer bei solchen Problemen helfen kann: professionelle „Dialog“-Moderatoren wie er von der Ifok oder vergleichbare Unternehmen. Aber niemals der eigene Pressesprecher, dem glauben die Hanseln nĂ€mlich nicht, ist er doch Angestellter des WohltĂ€ters, der zum SchlechttĂ€ter diffamiert wird. Die entscheidende Frage lautet:

Trauen Sie Ihrem Kommunikator zu, dass am Ende das Logistikzentrum auch gebaut werden kann?

Kaum jemand in der Zuhörerrunde glaubt das. So war auch die Situation in Heddesheim. Alles passte. Der BĂŒrgermeister Michael Kessler strahlte, der WohltĂ€ter Karl-Martin Pfenning strahlte, der Mannheimer Morgen jubelte, die „Zukunft Heddesheims ist gesichert“. Zwar war bis dato nicht bekannt, dass diese Zukunft gefĂ€hrdet war. Aber es hörte sich alles so gut an. Doch dann kamen die Hanseln ins Spiel, die sogar den Namen des WohltĂ€ters missbrauchen: Die „IG Nein zu Pfenning“.

Und jetzt hat der WohltĂ€ter ein Problem. Erstens versteht er nicht, warum er angefeindet wird und zweitens versteht er nicht, wie er mit diesen Störenfrieden umgehen soll. Dabei hat der Unternehmer doch das beste vor, „belastet seine GmbH bis an die Schmerzgrenze“ und „dann kommt mit einem Mal eine Verzögerung und die kostet Sie jeden Tag Geld“:

Und dann kommt auf einmal so eine BĂŒrgerinitiative und handelt nicht rechtens, sondern gibt sehr subjektive Meinungen wieder.

Subjektive Meinungen sind also aus Sicht des Spin-Doctors „nicht rechtens“. Aber „brandgefĂ€hrlich“. Wer sich dagegen rechtfertige, hat verloren:

Die BĂŒrger sind der David und Sie sind der Goliath. Sie werden nicht recht bekommen. Das ist ein PhĂ€nomen, mit dem Sie pragmatisch umgehen mĂŒssen. Es geht nicht um die Frage, ist das rechtens. Es ist so.

Andreas Ingerfeld weiß die Lösung:

Sie mĂŒssen den BĂŒrgern das GefĂŒhl geben, dass Sie sie ernst nehmen. Ich wĂŒrde einen Schritt weitergehen: Sie mĂŒssen sie ernst nehmen.

Andreas Ingerfeld lacht wie sein Publikum ĂŒber diesen köstlichen Witz und wird dann wieder ernst:

Wer betroffen ist, hat recht.

Das Problem, alle wollen alles, aber nicht da, „wo es mir den Blick verbaut“. Und dann gibt es die neuen Medien – die sind schnell und haben einen „Mobilisierungsgrad, von dem Sie nur trĂ€umen“:

Und bis Sie reagieren können, ist der grĂ¶ĂŸte Bullshit ĂŒber Facebook schon verbreitet worden.

Immerhin stellt er das Baurechtsverfahren in Zweifel, das stamme noch aus Preußens Zeiten und funktioniere heute nicht mehr so.

Die nÀchste entscheidende Frage ist:

Was können Sie tun? Einen vernĂŒnftigen Dialog fĂŒhren.

Ingerfeld erklĂ€rt weiter, dass man klar machen muss, ĂŒber was man redet. Nicht ĂŒber alles, sondern ĂŒber „Ihr Thema“. Die Aspekte werden sortiert. Die KonsensflĂ€che ausgearbeitet und dann StĂŒck fĂŒr StĂŒck von der Agenda runtergenommen. Und dann schafft man „Einigkeit“. Übrig bleiben „Grundsatzfragen“.

Wieder lobt Ingerfeld „Pfenning“:

Die haben was gemacht, was sensationell war. Die haben eine Zusage gegeben, dass die Lkw nicht durch den Ort fahren. Die Bauarbeiten haben mittlerweile begonnen.

Und wenn dann der Vorwurf kommt, der Mediator sei vom Unternehmen oder der Gemeinde bezahlt, ist es gut gelaufen:

Das ist das beste was Ihnen passieren kann. Jetzt wird der Mediator beschimpft und nicht mehr Sie. Sie können sich zurĂŒcklehnen, der ist dafĂŒr da beschimpft zu werden. Der ist dafĂŒr da, sich da rauszukĂ€mpfen.

Der Mediator mĂŒsse sich auch mal gegen den Auftraggeber stellen, sonst glaubt ihm niemand. Wie das geht, sagt Herr Ingerfeld nicht. Eine denkbare Lösung ist ein verabredeter Konflikt. Der Unternehmer knickt nach außen hin bei einem Punkt ein, macht ZugestĂ€ndnisse, die der Mediator nutzt, um seine GlaubwĂŒrdigkeit zu untermauern. Das kann ein Verkehrslenkungsvertrag sein oder ein anderer „Nebenkriegsschauplatz“. Motto: Verliere einen Kampf und gewinne die Schlacht.

Das Ziel eines Dialogverfahrens der Ifok ist nicht, wie behauptet, eine moderierte, neutrale Hilfe zur Entscheidungsfindung, die völlig offen ist. Die Gemeinde Heddesheim hat 35.000 Euro Steuergelder an Ifok bezahlt, um die Stimmungslage so zu verĂ€ndern, dass das Ziel, der Bau von „Pfenning“ erreicht wird. „Pfenning“ hat ordentlich Anzeigen im Medienverbund des Mannheimer Morgen gebucht. Die Berichterstattung war unkritisch und „Pfenning“-freundlich.

Die Ifok hat ihren Zweck nur bedingt erfĂŒllt. Bei einer BĂŒrgerbefragung stimmten 50,35 Prozent fĂŒr das Projekt, 49,65 Prozent dagegen. Diese „Mehrheit“ von 0,7 Prozentpunkten waren real 40 Stimmen. Setzt man das Honorar an, also knapp 1.000 Euro fĂŒr jede Stimme.

Den Rest hat die Mehrheit aus BĂŒrgermeister, CDU, SPD und FDP erledigt: Das grĂ¶ĂŸte Bauvorhaben in der Geschichte der Gemeinde und ein sehr großes in der Region wurde entgegen der „guten Sitte, bedeutende Projekt mit großer Mehrheit zu beschließen“ mit der Ă€ußerst knappen Mehrheit von 12:9 Stimmen beschlossen.

Das Bensheimer Spin-Doctor-Unternehmen Ifok ist in der Region gut vernetzt und war in Mannheim beispielsweise in Sachen Stadtbahn Nord aktiv.

IFOK-Dialog eine Farce?

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Januar 2011. Der teure Einsatz des Beratungsunternehmens war Teil der „BĂŒrgerbeteiligung“ im Ansiedlungsverfahren „Pfenning“ in Heddesheim. Wie sich eineinalb Jahre spĂ€ter herausstellt, definiert die IFOK den „Erfolg“ mit einer „knappen Mehrheit“ fĂŒr das Projekt. Die IFOK pflegt beste Kontakte zu Pfenning, der KLOK, dem LogBW und dem Wirtschaftsministerium. Es stellt sich die Frage, ob es hier um ein System von „Seilschaften“ geht.

Angeblich sollte es einen „ergebnisoffenen“ Dialog geben, als die IFOk im Juli 2009 fĂŒr 35.000 Euro engagiert wurde, um die Lage in Heddesheim zu beruhigen.

TatsĂ€chlich stellte die IFOK selbst am 10. November 2010 beim „3. Logistik-Kongress Baden-WĂŒrttemberg“ eine „knappe Mehrheit“ fĂŒr das Projekt als Erfolg dar. ÃƓber die Variante, was gewesen wĂ€re, wenn die „knappe Mehrheit“ dagegen gewesen wĂ€re, wird kein Wort geĂ€ußert.

Beauftragt wurde die IFOK durch einen Gemeinderatsbeschluss vor der Kommunalwahl 2009, bei der die CDU zwei Ratssitze verloren hat und die SPD und FDP je einen. Die GrĂŒnen konnten drei Sitze hinzugewinnen, zudem gibt es einen freien MandatstrĂ€ger. DarĂŒber hinaus hat vor allem die CDU massive Stimmverluste der einzelnen Kandidaten hinnehmen mĂŒssen.

Lange nach diesem Dialog wird deutlich, wie eng gewisse Interessen miteinander verflochten sind. So ist der IFOK-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Jochen Tscheulin im Kuratorium der Heinrich-Vetter-Stiftung. Pikant: Gegen den Namensgeber gibt es noch nicht bestĂ€tigte VorwĂŒrfe, dass dieser sich wĂ€hrend des Dritten Reichs am Vermögen von Juden bereichert haben soll.

Netzwerk von Logistik-Freunden. SelbstverstÀndlich dabei: die "Pfenning-Mutter" KMP Holding GmbH. Quelle: LogBW

Auch die Duale Hochschule Mannheim ist mit ihm Boot: Die GeschĂ€ftsstelle des Logistiknetzwerks Baden-WĂŒrttemberg ist in Mannheim an der Dualen Hochschule, vertreten durch den Professor Michael Schröder. Der hatte die „Pfenning“-Gegner als „Taliban“ im „Wirtschaftsmagazin econo“ (an dem der Mannheimer Morgen beteiligt ist) verunglimpft und sich bis heute nicht dafĂŒr entschuldigt.

Weiter sind der Regionalverband und die Metropolregion Rhein-Neckar Teil der Logistik-UnterstĂŒtzer. Und das Wirtschaftsministerium Baden-WĂŒrttemberg, vertreten durch den Minister Ernst Pfister. Hier wurde das „Kooperationszentrum Logistik e.V. (KLOK e.V.)“ ins Leben gerufen und mit Mitteln des EuropĂ€ischen Fonds fĂŒr regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von 500.000 Euro bezuschusst. Ziel ist ein „Logistik-Netzwerk“ „LogBW„.

Ein Netzwerk-Partner der KLOK ist die KMP Holding GmbH (Karl-Martin Pfenning), die Muttergesellschaft von „pfenning logistics GmbH“. Karl-Martin Pfenning ist Mitinhaber der „Phoenix 2010 GmbH“, die TrĂ€ger des Bauvorhabens in Heddesheim ist.

Die vielfÀltigen Verbindungen sind sicher nicht zufÀllig, sondern könnten auf ein System von Seilschaften hindeuten.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Offener Brief an Jochen Tscheulin von der IFOK

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Januar 2011. Die IFOK feiert den „Dialog“ in Heddesheim als Erfolg. Auf einem Logistik-Kongress. Die angeblich „neutrale“ Firma verdient ihr Geld damit, in scheinbar ergebnisoffenen „Dialogen“ den „Dampf“ aus strittigen Projekte zu bekommen. Hardy Prothmann schreibt in einem offenen Brief an einen der IFOK-GeschĂ€ftsfĂŒhrer, Jochen Tscheulin. Denn die beiden haben mal zusammen studiert und wĂ€ren fast Freunde geworden.

Von Hardy Prothmann

Lieber Jochen,

ich hoffe, es geht Dir gut. Wir haben uns ja schon gut sechszehn Jahre nicht mehr gesehen. Erst 2009 habe ich erfahren, dass Du erfolgreich Karriere gemacht hast und einer der IFOK-GeschĂ€ftsfĂŒhrer bist.

Unsere Freundschaft damals war noch nicht gereift und ich dachte mir, dass es besser ist, im Frieden verschiedene Wege zu gehen, weil wir teils doch sehr unterschiedliche Einstellungen hatten.

Das hat sich viele Jahre spĂ€ter bestĂ€tigt – ich auf der einen Seite mit einem „lokalen Blog, das kritisch berichtet„, wie Ihr das in Eurem Vortrag beim „Logistik Kongress 2010“ in Stuttgart bezeichnet und auf der anderen Seite Du mit Deinem Spin-Doctor-Unternehmen, das angeblich „neutral“ Konflikte löst.

Ich bin nicht enttĂ€uscht – Ă€rgere mich aber ein bisschen.

Ganz ehrlich? Ich bin nicht enttĂ€uscht, sondern sehe mich in meiner Haltung Dir gegenĂŒber bestĂ€tigt. Ein bisschen Ă€rgert mich, dass Deine Firma, die ohne die „kritische Berichterstattung eines lokalen Blogs“ niemals diesen Auftrag in Höhe von 35.000 Euro (oder sogar mehr?) bekommen hĂ€tte, nicht einmal in der Lage ist, das Wort „heddesheimblog“ zu schreiben.

Soviel Anstand hĂ€tte ich schon erwartet. Auf ein Danke-Schön fĂŒr das viele Geld bestehe ich da gar nicht. Aber Roß und Reiter zu nennen sollte doch fĂŒr eine Firma möglich sein, die sich angeblich dem „offenen Dialog“ verschrieben hat. Und auch die ErwĂ€hnung der jĂ€mmerlichen Berichterstattung im Mannheimer Morgen wĂ€re einen Satz wert gewesen, aber wahrscheinlich ist das nicht im Sinne der Auftraggeber und auch nicht in Deinem.

Ihr schreibt das wirklich hĂŒbsch auf und analytisch brillant, wie und warum es zu Konflikten kommt und habt da eine lukrative GeschĂ€ftsidee vermarktet: Die bornierte Sturheit von machtbesessenen BĂŒrgermeistern, Politikern und sonstigen FunktionĂ€ren oder verstĂ€ndnislosen GeschĂ€ftsfĂŒhrern oder „Investoren“ bietet jede Menge „Beratungsbedarf“, der sicherlich sehr, sehr, sehr gut bezahlt wird. Immerhin gehts bei solchen Projekten ja auch um sehr viel Geld.

Aber selbst die besten machen Fehler. So auch Du und Deine Dialog-Truppe.

FĂŒr wen war was eigentlich schon "klar"? Solche SĂ€tze können auch als Hohn aufgefasst werden. Quelle: IFOK

Erst zu behaupten, es gĂ€be keine AbhĂ€ngigkeit vom Auftraggeber (Gemeinde Heddesheim, respektive der BĂŒrgermeister Michael Kessler) ist schon wenig glaubwĂŒrdig gewesen. Dann aber auf einem Logistik-Kongress einen Vortrag ĂŒber den „Erfolg“ in Heddesheim zu halten, das ist ein strategischer Fehler. Denn damit ist allen, selbst den begriffstutzigsten Menschen klar, dass der „Erfolg“ das Erreichen einer „knappen Mehrheit“ von BĂŒrgerstimmen fĂŒr das Projekt war.

Nicht mehr und nicht weniger.

Viel Geld fĂŒr Blabla.

Oder wĂ€ret Ihr auch zu dem Logistik-Kongress eingeladen worden, hĂ€tte eine „knappe Mehrheit“, konkret 40 BĂŒrgerstimmen oder 0,7 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen das Projekt gestimmt? Wohl kaum. Und im ĂŒbrigen haben wir beide dasselbe studiert, deswegen weiß ich, dass Du weißt, dass ein solches Votum als nicht erfolgreich gesehen werden muss und keine demokratische Legitimation haben kann, denn das Projekt wird gegen die HĂ€lfte des Ortes durchgefĂŒhrt.

Da sind weitere Konflikte programmiert und so ist das auch gekommen. Soviel zum Erfolg.

Ihr von der IFOK habt das Geld genommen, ein bisschen Blabla gemacht, Schaubilder gezeichnet und gebetsmĂŒhlenhaft den „offenen Ausgang“ beschworen – wie man sieht, sind der Wirtschaftsminister Pfister, der Logistik-Lobbyist der Dualen Hochschule Mannheim Schröder und nicht zuletzt Karl-Martin Pfenning so sehr zufrieden, dass Ihr (sicher nochmals gegen Geld) einen Vortrag halten durftet.

Und irgendwie stellt sich dann heraus, dass die „Pfenning-Gegner“ ĂŒberhaupt keine Chance hatten, aber ihre Erregung derart bedrohlich war, dass das Netzwerk, in dem Du aktiv bist, alles aufbieten musste. Regionalverband, Metropolregion Rhein-Neckar, Heinrich-Vetter-Stiftung, Duale Hochschule, Wirtschaftsministerium. Schon beeindruckend.

"Erfolg" enttarnt: "Umsetzung sicherstellen" ist das Ziel der IFOK. Nichts anderes. DafĂŒr wird sie bezahlt. Und sie macht ihren Job. Der "Erfolg" fĂŒhrt ĂŒber einen "Dialog" - fĂŒr viel Geld macht die IFOk eine "Einigung" möglich. Quelle: IFOK

Ich lade Dich herzlich dazu ein, hier in Heddesheim (ohne Geld) mal vor den Projektgegnern ĂŒber diesen Erfolg zu referieren. ÃƓber die ArbeitsplĂ€tze, die nicht kommen, die Gewerbesteuer, die ein MĂ€rchen ist, den fehlenden Bahnanschluss und, und, und. Du hĂ€ttest es auch gar nicht mal weit von Bensheim hierher, ich bin mir aber irgendwie sicher, dass Du Dich das nicht traust.

Ist der „Dialog“ auch „erfolgreich“, wenn ein Projekt stirbt?

Und mal ganz ehrlich, Jochen! Was wĂŒrde passieren, wenn die nĂ€chsten drei, vier Dialogverfahren auch „erfolgreich“ sind, aber dazu fĂŒhren, dass die Projekte nicht umgesetzt werden? WĂŒrde Euch dann noch einer engagieren, fĂŒr das viele Geld, das Ihr nur bekommt, weils in der HĂŒtte brennt?

Ich kann mich noch genau an Dich erinnern, wie Du immer fein gelĂ€chelt hast, wenn wir heiße Diskussionen hatten und Dir die Argumente ausgegangen sind. Und ich kann mich gut erinnern, wie wir damals die „Westpoint-Absolventen“ fĂŒr ZUMA (Zentrum fĂŒr Umfragen, Methoden, Analysen) untersucht haben und Du Dich ĂŒber die kaputten Typen totgelacht hast. Und wie Deine Augen gestrahlt haben, als es ums GeschĂ€ftliche ging – die haben echt viel Geld fĂŒr diese Untersuchung bezahlt und die Uminterpretation der Ergebnisse in eine „freundliche Lesart“ war echt harte Arbeit.

FĂŒr mich sind das alte Zeiten – Du bist den Umfragen, Methoden und Analysen treu geblieben. Schließlich kann man damit viel Geld machen und muss keine sĂ€ckeweise gehorteten „Bundeswehr-Verpflegungsmittel“ futtern. Die Kekse waren echt komplett geschmackfrei – aber wie Du sagtest, mit Kaffee konnte man die „essen“, selbst noch Jahre ĂŒber das Verfallsdatum hinaus, wie Du mir erklĂ€rt hast. Und nahrhaft waren sie auch. Du konntest dadurch im Studium viel Geld sparen.

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben.

Eins möchte ich Dir noch gerne mitteilen: FĂŒr mich war es das erste „Dialog-Verfahren“ in meinem Leben. Und ich habe dabei viel gelernt. Und nachdem ich ein wenig drĂŒber nachgedacht habe, ist mir die Idee gekommen, dass ich auch ganz gut damit Geld verdienen könnte. Sicher nicht soviel wie Du, denn Du und Deine ĂŒber 100 Berater und den teuren StundensĂ€tzen arbeiten ja schließlich fĂŒr „Investoren“ und jede Menge Geld.

Aber, wie Ihr treffend in Eurer WerbebroschĂŒre schreibt: Der Widerstand ist lĂ€ngst nicht mehr Sache von Chaoten, sondern in der bĂŒrgerlichen Mitte angekommen. Ein einzelner hat viel Geld, aber viele haben auch ne Menge Geld. Crowd-Sourcing nennt man das, glaube ich.

Und warum sollte ich das nicht einsammeln, ein paar clevere Analytiker davon bezahlen und dann bei kĂŒnftigen Dialogen fĂŒr die Projektgegner in den Dialog eintreten? Das wird sicher ein Riesenspaß. Du kennst den Spruch: Man sieht sich immer zwei Mal im Leben.

Vor allem aber könnte es durchaus sein, dass der „Erfolg“ dann ganz anders aussieht. Deswegen hoffe ich fĂŒr Dich, dass Du Dir ein paar Bundeswehrkekse aufbewahrt hast – fĂŒr schlechte Zeiten.

Es grĂŒĂŸt Dein frĂŒherer Kommilitone
Hardy

Anmerkung der Redaktion: Der IFOK-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Jochen Tscheulin und Hardy Prothmann, freier Journalist und verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog, haben zusammen in Mannheim Politische Wissenschaften studiert und gemeinsam gut zwei Jahre beim Institut ZUMA als studentische HilfskrĂ€fte gearbeitet.