Dienstag, 21. Mai 2019

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Franziska Brantner ĂŒber ihren Umzug von BrĂŒssel nach Berlin

Neuanfang in der Hauptstadt

Franziska Brantner wurde am 22. September ĂŒber die Landesliste in den Bundestag gewĂ€hlt. KĂŒnftig will sie hĂ€ufiger im Wahlkreis prĂ€sent sein. Foto: Paul Blau

Franziska Brantner wurde am 22. September ĂŒber die Landesliste in den Bundestag gewĂ€hlt. KĂŒnftig will sie hĂ€ufiger im Wahlkreis prĂ€sent sein. Foto: Paul Blau

 

Berlin/Heidelberg/Rhein-Neckar, 05. November 2013. (red/ld) Am Wahlabend hatte Franziska Brantner (GrĂŒne) noch gezittert. Dann hatte es doch noch fĂŒr einen Listenplatz im Bundestag gereicht. FĂŒr die frĂŒhere Europaabgeordnete bedeutete das einen neuen Job und einen neuen Anfang in Berlin. Wie sie sich dort zurechtfindet, erzĂ€hlte sie uns im Interview. [Weiterlesen…]

BĂŒrgermeister Michael Kessler zum Hirschberger BĂŒrgerentscheid

„Bildungsinvestition oder Kanalausbau“

Heddesheim/Hirschberg, 29. August 2013. (red/ld) Die PlĂ€ne die bestehende Werkrealschule zu einer Gemeinschaftsschule im Schulzweckverband mit Hirschberg weiterzuentwickeln, steht durch den Beschluss des Hirschberger Gemeinderats fĂŒr einen BĂŒrgerentscheid am 22. September auf dem Spiel. Der Heddesheimer Gemeinderat hatte dafĂŒr gestimmt, den vor drei Jahren gegrĂŒndeten Schulzweckverband weiterzuentwickeln. Heddesheims BĂŒrgermeister Michael Kessler ist von der Entscheidung des Hirschberger Gemeinderats enttĂ€uscht, blickt aber zuversichtlich der Abstimmung entgegen. [Weiterlesen…]

Die SchĂŒlerin Lena Pazinski machte eine Woche BOGY-Praktikum am EuropĂ€ischen Parlament

„Eine einmalige Gelegenheit“

Schriesheim/Rhein-Neckar, 08. Juni 2013. (red/ld) Ihre MitschĂŒler machen BOGY-Praktika bei Arztpraxen, in sozialen Einrichtungen oder bei Dienstleistern. Die 15-JĂ€hrige Lena Pazinski macht ihr Praktikum am EuropĂ€ischen Parlament in Straßburg, genauer im BĂŒro der Abgeordneten Franziska Brantner. Nach dem Abitur am Kurpfalz-Gymnasium-Schriesheim in zwei Jahren will Lena „irgendwas mit Sprachen machen.“ Wie es ist, in Straßburg zu arbeiten, hat sie uns im Interview erzĂ€hlt. Bei den einwöchigen Praktika der Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium (BOGY) können SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in der zehnten Klasse erste Erfahrungen im Berufsalltag sammeln.
[Weiterlesen…]

Interview: Am 30. November ist Stichtag

Wann lohnt sich der KFZ-Versicherungswechsel?

Rhein-Neckar, 22. November 2012. (ld/red) Noch gut eine Woche, dann ist die letzte Chance für den Wechsel der KFZ-Versicherung in diesem Jahr vorbei. Vergleichen lohnt sich, aber man muss auch wissen, was man will. Worauf Autofahrer besonders achten sollten, haben das Rheinneckarblog Michael Sittig gefragt. Er ist Redakteur bei der Zeitschrift Finanztest.

Interview: Lydia Dartsch

Herr Sittig, am 30. November ist Stichtag. Wer seine Kfz-Versicherung wechseln will, muss bis dahin gekündigt haben. Für wen lohnt sich ein Wechsel?

Michael Sittig: Ein Wechsel kommt vor allem für diejenigen in Betracht, die etwas sparen können, oder bei einem anderen Anbieter mehr Leistungen bekommen. Das muss man immer am Einzelfall prüfen. Übrigens gilt der Stichtag 30. November nicht, wenn es eine Beitragserhöhung gibt. Dann hat man ein Sonderkündigungsrecht von einem Monat.

Wechseln ist problemlos möglich.

Sind die Versicherten eher träge oder rege was das Wechseln angeht?

Sittig: In der Regel werden Autoversicherungen recht häufig gewechselt. Darauf sind die Anbieter auch eingestellt, so dass der Wechsel auch problemlos geht.

Welche Leistungen sind denn besonders wichtig? Worauf sollte man beim Vergleich achten?

Sittig: In der Haftpflicht gibt es ja keine Leistungsunterschiede. Die gibt es vor allem bei Teil- und Vollkasko. Da muss man sich überlegen, was man will. Beispielsweise decken manche Teilkaskoversicherungen nur Tierunfälle mit „Haarwild“ ab. Die greifen dann zwar bei Unfällen mit Rehen, aber nicht mit Wildschweinen. Andere kommen für Fahrzeugschäden auf, unabhängig von dem Tier, mit dem der Unfall passiert ist.

Und wie ist es mit der Vollkasko?

Sittig: Die Vollkasko sichert auch selbst verursachte Schäden am Wagen ab. Manche beziehen dabei auch grob fahrlässiges Verhalten mit ein, wenn der Unfall beispielsweise passiert ist, weil man über eine rote Ampel gefahren ist. Andere kommen für solche Schäden nur zum Teil oder gar nicht auf.

Was würden Sie raten?

Sittig: Wir raten dazu, auch den grob fahrlässigen Unfall abzusichern.

Wer seinem „Schrauber“ vertraut, lässt die Finger von der Werkstattbindung.

Viele Versicherungen bieten auch eine “Werkstattbindung” an, durch die die Tarife günstiger werden. Ist das ärgerlich oder sinnvoll?

Sittig: Wenn man nur sparen will, ist es sinnvoll. Meist gibts dafür 20 Prozent Rabatt. Es kommt auch darauf an, wie verfügbar die Werkstatt ist. Wenn man zum Beispiel in einem ländlichen Gebiet wohnt und seinen festen Schrauber hat, dem man vertraut, lässt man besser die Finger von der Werkstattbindung.

Welche Leistungen sind weniger wichtig?

Sittig: Es gibt diese Mallorca-Police, die dann greift, wenn der Schaden, den man im Ausland mit einem Mietwagen verursacht hat, den Versicherungsschutz übersteigt. Das kann zwar eine Rolle spielen. In den europäischen Ländern reicht der Schutz der Mietwagenversicherung aber in der Regel aus.

Was ist denn der „Rabattretter“, von dem gerade so viel die Rede ist?

Sittig: Der wird in den neuen Verträgen gerade abgeschafft. Der sorgte dafür, dass Autofahrer, die lange ohne Unfall unterwegs waren, also mit Schadensfreiheitsklasse 25 Prozent, nicht im Beitrag hochgestuft werden, wenn sie einen Unfall bauen. Im neuen Vertrag würde man dann den hochgestuften Beitrag zahlen. Da muss man dann prüfen, ob sich ein Wechsel lohnt.

Vollkasko für neue Autos – bei anderen individuell prüfen.

Nach welchen Maßstäben sollte mein eine Teil- und/oder Vollkasko wählen?

Sittig: Da gibt es leider keine eindeutige Antwort. Bei einem neuen Auto würde ich immer eine Vollkasko empfehlen. Ansonsten sollte man sich die Frage stellen, ob man es finanziell verkraften kann, wenn das Auto durch eigenes Verschulden zerstört würde. Wenn nicht, dann lieber Vollkasko. Eine Teilkasko sichert auch Diebstähle ab. Das sollte man unabhängig vom Alter des Autos machen. Denn auch alte Autos werden gestohlen.

Über die Höhe der Selbstbeteiligung kann man die Tarife auch beeinflussen. Wie wählt man diese sinnvoll aus?

Sittig: Wir empfehlen einen Selbstbehalt von 150 Euro bei Teilkasko und 300 Euro bei Vollkasko. Ohne Selbstbehalt werden die Beiträge zu teuer.

Gibt es Gründe, warum man nicht in einen auf den ersten Blick billigeren Tarif wechseln sollte?

Sittig: Das eine wäre, dass es sich mit dem Rabattschutz nicht lohnt, weil der ja wegfällt. Der andere Grund, der oft genannt wird, ist der erwartete Aufwand, wobei der Versicherungswechsel in der Regel ganz problemlos läuft.

Unabhängiger Check für 16 Euro kann sich lohnen.

Finanztest bietet die Versicherungstests im Internet gegen Gebühr an. Wie viele Interessenten rufen das ab?

Sittig: Das machen schon ein paar Tausend Nutzer. Bei uns kostet das 16 Euro.

Aber es gibt ja auch kostenlose Vergleichsportale.

Michael Sittig ist Redakteur der Zeitschrift "Finanztest".

Michael Sittig ist Redakteur der Zeitschrift „Finanztest“.

Sittig: Die kostenlosen Vergleichsportale werden mit den Provisionen der Versicherungsanbieter bezahlt, wenn der Kunde einen neuen Vertrag unterschreibt. Wir sind unabhängig.

Wie viel Zeit benötigt man etwa, um sich zu den Tarifen kundig zu machen?

Sittig: Wenn man nur eine Haftpflicht braucht, schaut man einfach auf den Preis. Bei Voll- und Teilkasko muss man sich vorher Gedanken machen, was man will und prüfen, ob die Tarife das auch bieten. Da sollte man sich schon eine Stunde dafür Zeit nehmen.

Muss die Kündigung der alten Versicherung per Brief oder Fax erfolgen oder reicht auch eine Email?

Sittig: In der Regel reicht dafür ein Fax oder ein Brief aus. Direktversicherer akzeptieren meistens auch email. Am besten kann man das testen, indem man die Kündigung per email probiert und in der email um eine Bestätigung bittet.

Dieser Mann ist in diesem Amt nicht mehr tragbar

Die „Wulff-AffĂ€re“ ist ein Schlag ins Gesicht der Demokratie

Rhein-Neckar/Berlin, 04. Januar 2012. (Aktualisiert, 05. Januar, 16:10 Uhr, 22:10 Uhr) Heute Abend hat BundesprĂ€sident Christian Wulff (CDU) den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF ein Interview unter dem Titel „BundesprĂ€sident Wulff stellt sich“ gegeben. Das ist der vorerst makaberste Höhepunkt in der mittlerweile mehr als unappetitlichen AffĂ€re Wulff. Denn ein Staatsoberhaupt stellt sich nicht. Ein BundesprĂ€sident gibt keine Rechtfertigungsinterviews oder macht sonstige Kinkerlitzchen. Der BundesprĂ€sident reprĂ€sentiert das deutsche Volk und Christian Wulff macht uns schĂ€men.

Von Hardy Prothmann

Die Details der Geschmacklosigkeit dieses Auftritts sind so zahlreich, dass man nicht ins Detail gehen muss.

Der noch amtierende BundesprĂ€sident Christian Wulff (CDU) hat sich um Kopf und Kragen geredet und man muss befĂŒrchten, dass er selbst diese öffentliche Pein als BestĂ€tigung seiner selbst sehen wird.

Geld, Freundschaften, Amt

Herr Wulff glaubt tatsÀchlich, dass ein solcher Satz VerstÀndnis erzeugt:

Ich möchte nicht PrÀsident in einem Land sein, in dem man sich nicht von Freunden Geld leihen kann.

Klar, das versteht jeder, der sich mal Geld in der Kneipe leiht oder ein paar hundert Euro fĂŒr eine „Investition“ oder sogar ein paar tausend, wobei das nur wirklich gute Freude locker machen (können).

Die Freunde eines Herrn Wulff sind sehr unterschiedlich zur Lebenssituation der allermeisten Deutschen. WorĂŒber Herr Wulff spricht, ĂŒber Freundschaft und Unternehmergeld, sind in seinem Fall 500.000 Euro – die er zu Konditionen erhalten hat, von der andere noch nicht mal trĂ€umen können.

Und man stelle sich die Angestellten, Arbeiter, Aushilfen vor, die eineinhalb Jahre nach Antritt des Jobs im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor einem Millionenpublikum feststellen, „dass man keine Karenzzeit“ hatte, sondern ins kalte Wasser geworfen worden ist:

Hey, Leute, sorry, wir sind doch alle Menschen – niemand hat mich auf den Fließbandjob vorbereitet.

Protokoll und Probezeit

Immerhin hat Herr Wulff seinen „Fehler“, die Pressefreiheit zu bedrohen, eingestanden. Vermutlich denkt er, damit sei das Thema „abgehakt“. Protokollnotiz: „Entschuldigung abgehakt“ – nĂ€chstes Thema.

Ist das so? Beim besten Willen nicht. Der BundesprĂ€sident ist das Protokoll. Er ist der ReprĂ€sentant unsere Staates, unserer Verfassung. Und ein BundesprĂ€sident verletzt das nicht und sagt hinterher: „Tschuldigung, ich muss das noch lernen.“

Das ist nicht mehr nur „peinlich“, das ist peinigend.

Der VorgĂ€nger Horst Köhler hat aus seiner Perspektive heraus gedacht, dass Wirtschaftskriege legitim seien. Als er belehrt wurde, dass er mit solchen Äußerungen gegen die Verfassung, also die innere Verfasstheit, die innere Haltung des Staatswesens verstĂ¶ĂŸt, hat er den „Kindergarten“ sofort und konsequent verlassen. Der Mann war Unternehmer und hat entschieden. Seine geĂ€ußerte Haltung war inakzeptabel, sein RĂŒcktritt zu respektieren.

Taktieren als Normalzustand

Christian Wulff ist Berufspolitiker und taktiert. Das ist nicht zu respektieren. Aber aus seiner Sicht ist das der Normalzustand und es ist zu befĂŒrchten, dass er die Aufmerksamkeit auch ein wenig genießt, denn die vergangenen eineinhalb Jahre registrierte kaum jemand, wo er sich gerade wieder hat fotografieren lassen. Dass er nach seinen Verfehlungen auch noch behauptet, das Amt gestĂ€rkt zu haben, macht einen fassungslos.

Und hier kommt der große Schaden ins Spiel. Nicht fĂŒr Wulff – der hat sich selbst den grĂ¶ĂŸtmöglichen Schaden zugefĂŒgt. Sondern fĂŒr das Amt, die Verfassung, die Verfassheit der Deutschen. FĂŒr die große Frage, ob eigentlich alles geht, wenn man nur dreist genug ist.

Eitles Aussitzen

Der BundesprĂ€sident Christian Wulff schickt sich an, durch sein „Vorbild“ dem deutschen Volk und seinem Staatswesen den grĂ¶ĂŸtmöglichen Schaden zuzufĂŒgen – aus purer Eitelkeit -, weil er gerne fĂŒnf Jahre im Amt sein möchte. Egal, was ist. Das will er aussitzen.

Angeblich habe sich das Amt des BundesprĂ€sidenten verĂ€ndert. Dem ist nicht so. Die Amtsinhaber haben sich verĂ€ndert und nach einem Rau und einem Köhler folgt nun ein Wulff – und diese Entwicklung nimmt keinen guten Lauf.

Die ZDF-Journalistin Bettina Schausten stellt die Schlussfrage: „
heißt, dass Herr Christian Wulff, ein BundesprĂ€sident auf BewĂ€hrung vorerst bleibt?“ Die Antwort ist bezeichnend:

Die Begrifflichkeit finde ich völlig daneben, weil wir diesen Begriff kennen, wenn gegen Gesetze verstoßen wurde. Ich habe weder jetzt im Amt als BundesprĂ€sident gegen irgendein Gesetz verstoßen, noch vorher. Es geht nicht um RechtsverstĂ¶ĂŸe, sondern es geht um Fragen von Transparenz, von Darlegung, von ErklĂ€rung und dazu nutze ich auch diese Gelegenheit, um zu erklĂ€ren, was ist und was war, aber –wie gesagt – den Begriff der BewĂ€hrung halte ich fĂŒr abwegig, sondern ich bin jetzt schweren Herausforderungen ausgesetzt, aber man muss eben auch wissen, dass man nicht gleich bei der ersten Herausforderung weglĂ€uft, sondern dass man sich der Aufgabe stellt, und auch weiß, wem es in der KĂŒche zu heiß ist, der darf nicht Koch werden wollen, wie es Harry S. Truman gesagt hat, und deswegen muss man offenkundig auch durch solche BewĂ€hrungsproben hindurch.

Wie absurd ist das? Christian Wulff hat als Staatsoberhaupt versucht, Transparenz zu verhindern und stellt sich nun dar, dass er diese verteidigen und retten wolle?

Sollte Christian Wulff (CDU) damit durchkommen, wird er als historisches Beispiel in der Geschichte als der BundesprĂ€sident „gewĂŒrdigt“ werden mĂŒssen, der die Bundesrepublik Deutschland offiziell in eine Bananenrepublik ĂŒberfĂŒhrt hat.

Grundlegendes MissverstÀndnis

Es gibt viele, die glauben, dass Deutschland lĂ€ngst nicht mehr weit weg ist von Frankreich oder Italien. Christian Wulff schickt sich an, den Beweis zu fĂŒhren, dass er es mit Sarkozy und Berlusconi aufnehmen kann.

Leider fehlt ihm auch dafĂŒr jegliches Format.

Am Ende wird er verlangen, dass man ihm auch noch dafĂŒr dankbar sein muss.

Das aber ist das grundlegende MissverstĂ€ndnis der allermeisten deutschen Politiker in diesem Land: Nicht die Menschen mĂŒssen dankbar sein, einen dieser „Amtsinhaber“ zu haben, sondern die „Amtsinhaber“ mĂŒssten dankbar und willens sein, dass sie die Verantwortung ĂŒbernehmen dĂŒrfen.

Doch das ist zu theoretisch wie einen vom Schlage Wulff.

Weitere Informationen:

Tagesschau.de

Komplette Abschrift bei netzpolitik.org

Themenseite bei Spiegel.de

Wikipedia-Eintrag zu Christian Wulff

Wikipedia-Eintrag BundesprÀsident

Aktualisierung, 05. Januar, 16:40 Uhr:

Bild-Chefreakteur Kai Diekmann hat BundesprĂ€sident Wulff gebeten, den Inhalt der Mailbox-Nachricht öffentlich machen zu dĂŒrfen, nachdem dieser im Interview eine von der Bild-Darstellung abweichende „EinschĂ€tzung“ ĂŒber den Inhalt gemacht hatte und „Transparenz“ versprochen hat. Wulff hat in einem offenen Brief auf die Anfrage geantwortet:

Sehr geehrter Herr Diekmann,

fĂŒr Ihr heutiges Schreiben danke ich Ihnen. Meine Nachricht vom 12. Dezember 2011 auf Ihrer Telefon-Mailbox war ein schwerer Fehler und mit meinem AmtsverstĂ€ndnis nicht zu vereinbaren. Das habe ich gestern auch öffentlich klargestellt. Die in einer außergewöhnlich emotionalen Situation gesprochenen Worte waren ausschließlich fĂŒr Sie und fĂŒr sonst niemanden bestimmt. Ich habe mich Ihnen gegenĂŒber kurz darauf persönlich entschuldigt. Sie haben diese Entschuldigung dankenswerterweise angenommen. Damit war die Sache zwischen uns erledigt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben. Es erstaunt mich, dass Teile meiner Nachricht auf Ihrer Mailbox nach unserem klĂ€renden TelefongesprĂ€ch ĂŒber andere Presseorgane den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben. Es stellen sich grundsĂ€tzliche Fragen zur Vertraulichkeit von Telefonaten und GesprĂ€chen. Hier haben die Medien ihre eigene Verantwortung wahrzunehmen.

Wie ich gestern auf Nachfrage im Fernsehinterview sagte, ging es mir darum, der Bild-Zeitung meine Sicht darzulegen, bevor sie ĂŒber eine Veröffentlichung entscheidet. Da ich mich auf Auslandsreise in der Golfregion mit engem Programm befand, konnte ich das aber erst nach meiner RĂŒckkehr nach Deutschland am Abend des Dienstag, 13. Dezember, tun. Wie sich aus der Ihrem Schreiben beigefĂŒgten Mail ergibt, hatte deshalb mein Sprecher den recherchierenden Redakteur der Bild-Zeitung um Verschiebung der Frist zur Beantwortung des differenzierten Fragenkatalogs zu meinem Eigenheimkredit gebeten. Der Redakteur hatte aber nur VerlĂ€ngerung bis zum Nachmittag des Montag, 12. Dezember, zugesagt. Es gab fĂŒr mich keinen ersichtlichen Grund, warum die Bild-Zeitung nicht noch einen Tag warten konnte, wo die erfragten VorgĂ€nge schon Jahre, zum Teil Jahrzehnte zurĂŒckliegen.

Das habe ich nach meiner Erinnerung auf der Mailbox-Nachricht trotz meiner emotionalen Erregung auch zum Ausdruck gebracht.

Angesichts der Veröffentlichung Ihres Schreibens an mich mache ich auch meine Antwort öffentlich.

Mit freundlichem Gruß

Aktualisierung, 05. Januar, 22:10 Uhr:

Der BundesprĂ€sident hat wertvolle Begriffe wie Menschenrechte, Freundschaft und Pressefreiheit in seinen Rechtfertigungszusammenhang gebracht, den man nur als tief verstörend empfinden kann. Dass das Staatsoberhaupt in Zeiten der Ökonomisierung von allem und jedem zwischen Freundschaft und GeschĂ€ftsbeziehung nicht zu unterscheiden vermag, die interesselose Freundschaft betont, wo es ihm nutzt, und sich gleichzeitig als interessantes Anlageobjekt fĂŒr ebendiese Freunde empfiehlt, um deutlich zu machen, dass es eben keine freundschaftlichen GrĂŒnde waren, die Frau Geerkens leiteten – das ist widersprĂŒchlich, falsch und missbraucht Begriffe sozialer IdentitĂ€t, die sich dem politischen und ökonomischen Zugriff jenseits von sizilianischen Patenbeziehungen bislang entzogen haben.

-Frank Schirrmacher, FAZ

Interview: Rechtsanwalt Udo Vetter zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag


Guten Tag!

Heddesheim, 04. Dezember 2010. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sorgt fĂŒr Aufregung. Mit seinen fĂŒnf Buchstaben („JMStV“) hĂ€lt er die gesamte BlogosphĂ€re seit einigen Tagen in Atem. Dabei betrifft der Staatsvertrag ab 01.01.2011 alle Telemedien. Im ungĂŒnstigsten Fall also auch ihre Homepage. Was der JMStV ĂŒberhaupt ist und was er fĂŒr Sie bedeuten kann, haben wir im Interview mit Udo Vetter, Fachanwalt fĂŒr Strafrecht geklĂ€rt.

Von Christian MĂŒhlbauer und Hardy Prothmann

cartajmstv

Felix Neumann meint bei Carta: Klagen statt Sperren!

Auf einschlĂ€gigen Seiten ist der JMStV bereits seit mehreren Monaten ein wichtiges Thema. Immer wieder Flammen Zensur-VorwĂŒrfe auf. Mit diesem vermeintlich neuen Gesetz wolle man das Internet kontrollieren. Fakt ist: Der JMStV ist nicht neu. Er wird ab dem 01.01.2011 lediglich in aktualisierter Form in Kraft treten. Vorausgesetzt alle fehlenden BundeslĂ€nder unterzeichnen ihn noch.

Wie der Name schon sagt, geht es um den Schutz der Jugendlichen gegenĂŒber Medien – oder vielleicht auch umgekehrt. Der Jurist Udo Vetter kann die Hysterie um den JMStV nicht teilen. Am 01. Dezember 2010 verdeutlichte er das auch in seinem Weblog. Der Beitrag „Blogger können leidlich gelassen bleiben“ war mehr oder weniger eine Reaktion auf die AnkĂŒndigung diverser Blogger, ihre Angebote ab dem 01.01.2011 einzustellen. So beispielsweise das „VZLog„.

Die EinschĂ€tzungen des Juristen zum JMStV sorgten binnen kĂŒrzester Zeit fĂŒr wahre Massen an weiteren BlogeintrĂ€gen. Zustimmende, wie auch ablehnende BeitrĂ€ge sprudelten förmlich hervor. Das Pottblog zeigte sich angriffsfreudig: Rechtsanwalt Vetter wĂŒrde sich irren.

Das juristische Blog „Telemedicus“ beschĂ€ftigte sich mit der Frage, ob das „Nachrichtenprivileg“ des JMStV auch fĂŒr Blogs gelten wĂŒrde. Der Jurist Thomas Stadler betonte, dass sein Blog online bleiben werde – auch ohne Alterskennzeichnung. Der Rechtsprofessor Dr. Thomas Hoeren bittet gar darum, dass man den Unsinn namens JMStV lassen solle.

Wir haben Rechtsanwalt Vetter kontaktiert, um mehr Details zu erfahren. Ist der JMStV nur Humbug oder tatsĂ€chlich eine ernste Gefahr fĂŒr alle Betreiber einer Webseite?

Miserables Wischwaschi

Herr Vetter, es gibt Aufregung um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Warum?


Udo Vetter: „Das Problem ist die grundsĂ€tzlich schlechte, weitgehend unverstĂ€ndliche Formulierung des Gesetzes. Die Schwammigkeit löst zu recht BefĂŒrchtungen aus. Selbst einer der Verfasser, StaatssekretĂ€r Martin Stadelmaier, Ă€ußert sich zum Text heute so, dass man fast annehmen kann, er versteht ihn selbst nicht mehr.

Was heißt „schlechte Formulierung“?

Vetter: „Salopp ausgedrĂŒckt, BĂŒrokratendeutsch und Wischiwaschi von der ersten bis zur letzten Zeile. Selbst Juristen diskutieren nun sehr kontrovers, was da wie genau geregelt ist. Letztlich erzeugen die miserablen Formulierungen Unsicherheit und damit Aufregung und auch Angst.“

„Glaube nicht an Abmahnwelle.“

Innerhalb der Bloggerszene wird Ihr Beitrag dazu kritisiert, denn Sie geben sich „entspannt“.

Das pottblog teilt die EinschÀtzung von Rechtsanwalt Vetter nicht

Das pottblog teilt die EinschÀtzung von Rechtsanwalt Vetter nicht

Vetter: „Bin ich auch. Ich glaube weder, dass es eine große Abmahnwelle geben wird, noch glaube ich, dass die strikten Regelungen durchgesetzt werden können. Was ich aber dringend richtig verstanden wissen will: Ich unterstĂŒtzte dieses Gesetz nicht. Ich halte es fĂŒr ĂŒberflĂŒssig, weil es nichts fĂŒr den Jugendschutz bringt. Das bestĂ€tigen auch namhafte MedienpĂ€dagogen.“

Die Politik scheint Ihnen fĂŒr diese EinschĂ€tzung geradezu dankbar zu sein, wie man hört.

Vetter: „Ich habe verwundert festgestellt, wie man mich vereinnahmt. Dass mit dem Gesetz nicht das Internet untergehen wird, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass wir die Regelung brauchen. Im Gegenteil: Der Entwurf ist weltfremd und er verbessert nicht den Jugendschutz.“

„Vermeintliche SachzwĂ€nge und Eitelkeiten.“

Irgendwie aber doch erstaunlich, welche „Auswirkungen“ der JMStV so hat.

Vetter: „Erstaunlich finde ich die Haltung der SPD und der GrĂŒnen, die in NRW von SachzwĂ€ngen sprechen und deswegen bereits sind, ein anerkannt schlechtes Gesetz durchzuboxen, „bloß weil es schon so weit fortgeschritten“ ist. Und in anderen LĂ€ndern, wo zum Beispiel die SPD in der Opposition ist, lehnt diese das Gesetz als untauglich ab. Hier regiert nicht mehr der Verstand, sondern vermeintliche SachzwĂ€nge und Eitelkeiten.“

Lassen Sie uns doch mal ĂŒber das Ziel des Gesetzes reden. Ist es nicht nötig, die Jugend zu schĂŒtzen?

Vetter: „Sicher ist das ein hehrer Anspruch. Nur wird mit diesem Gesetz kein einziger Jugendlicher besser geschĂŒtzt werden. Der JMStV ist ein organisatorisches Monster, dass nur einen Zweck erfĂŒllt: Es ist ein „Schaut-her-wir-tun-was“-Gesetz.“

Trotzdem befĂŒrchten viele Blogger Abmahnungen und Probleme.

Vetter: „Die kann es im Einzelfall geben, das muss man abwarten. TatsĂ€chlich glaube ich nicht daran. Gerichte mĂŒssten erst einmal davon ausgehen, dass eventuelle VerstĂ¶ĂŸe gegen den JMStV wettbewerbsrechtlich relevant sind. Das ist lĂ€ngst nicht ausgemacht.“

Was ist mit redaktionell-journalistischen Blogs?

Vetter: „Die sind privilegiert. Das heißt, wer eine an die Allgemeinheit gerichtete, periodische, politische und gesellschaftliche Berichterstattung anbietet, fĂ€llt unter die „Lex Bildzeitung“, die hier eingearbeitet worden ist.“

„Lex Bildzeitung.“

Lex Bildzeitung? ErklÀren Sie das doch genauer.

Vetter: „Na, wenn das Gesetz ernst gemeint wĂ€re, mĂŒssten bild.de und andere Boulevardmedien am 1. Januar 2011 ihr mit einer Altersfreigabe 16 oder vielleicht sogar 18 Jahren versehen. Nacktfotos und Ratgeber Ã¥ la „10 Tipps fĂŒr tollen Sado-Maso-Sex“ sind nach den MaßstĂ€ben des JMStV „desorientierend“ und beeintrĂ€chtigen die Entwicklung junger Menschen.“

Und Sie meinen, der Axel-Springer-Verlag…

Rechtsanwalt Udo Vetter

Rechtsanwalt Udo Vetter

Vetter: „… hat ein Wörtchen mitgeredet? Das ist möglich. Die Boulevardpresse will ihre freizĂŒgigen Inhalte weiter anbieten. Sex sells, das gilt insbesondere fĂŒr sie. Aber ebenso fĂŒr die Softporno-Portale. Diese mĂŒssen zwar eine Altersklassifizierung durchfĂŒhren, dafĂŒr dĂŒrfen sie aber kĂŒnftig ihre Angebote auch tagsĂŒber „senden“.“

„Der gesunde Menschenverstand wird’s richten.“


Nochmal: Nicht alle Blogger sehen das so entspannt wie Sie. Was tun?

Vetter: „Der Jurist sagt jetzt, das hĂ€ngt vom Einzelfall ab. Meine persönliche EinschĂ€tzung ist: Der gesunde Menschenverstand wird’s richten. Wer mit Google-Anzeigen die Serverkosten reinholen will, betreibt noch lange kein „Gewerbe“ und kann deshalb von jedermann abgemahnt werden. Abmahnfalle Nr. 1 wĂ€re ohnehin der fehlende Jugendschutzbeauftragte. Den kann man aber nun wirklich einfach ins Impressum aufnehmen, denn einen Qualifikationsnachweis muss der Beauftragte nicht erbringen.“

Und sonst?

Vetter: „Verweise ich auf die Impressumspflicht und die Welle, die darum gemacht wurde. Soweit mir bekannt ist, ist nicht viel passiert. Auch die erste Fassung des JMStV, die ja bereits viele Ă€hnliche Regelungen wie etwa die „Sendezeiten“ verbindlich anordnet, hĂ€tte eigentlich schon viel Potenzial fĂŒr „Abmahnungen“ haben mĂŒssen, wenn man alles sehr eng sind. TatsĂ€chlich ist nicht viel passiert.“

WeiterfĂŒhrende Links:

Zur Person:
Udo Vetter ist Fachanwalt fĂŒr Strafrecht in DĂŒsseldorf. Unter „Lawblog“ schreibt er ĂŒber die verschiedensten Themen. Meist sind diese juristischer Natur oder aus seiner eigenen beruflichen Erfahrung. Einer seiner bekanntesten VortrĂ€ge ist „Sie haben das Recht zu Schweigen„.

In eigener Sache: Marian Semm im Interview mit Hardy Prothmann

Guten Tag!

Heddesheim/TĂŒrkheim-Irsingen, 22. Januar 2010. Der Medienexperte und -berater Marian Semm wollte wissen, wie das heddesheimblog funktioniert und hat den Betreiber, Hardy Prothmann, interviewt: „Die Verlage haben vergessen, wo sie herkommen. Von der Information“, sagt Prothmann.

semm

Zukunft des Lokaljournalismus. Bild: hblog

Marian Semm ist selbst ausgebildeter Journalist und berĂ€t heute Verlage und andere Medienunternehmen. Das heddesheimblog hĂ€lt er fĂŒr eine der innovativsten lokaljournalistischen Plattformen in Deutschland und hat deswegen viele Fragen gestellt.

Das Interview lesen Sie auf der Seite von Marian Semm: Interview

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

„Ein guter Wein verdient sich seinen Preis.“

Guten Tag!

Heddesheim, 22. Oktober 2009. Das Weingut Schröder setzt auf QualitĂ€t – zu Recht. Vor kurzem hat die Winzerin Judith Schmidt zehn Weine eingereicht und zehn Preise erhalten. Erfolgsquote: 100 Prozent. Die QualitĂ€t hat ihren Preis – Weine fĂŒr 2,99 Euro gibt es beim Weingut Schröder nicht – aber im Bereich von fĂŒnf bis vierzehn Euro jede Menge Weinerlebnisse, die ihren Preis wert sind.

Im Interview mit dem heddesheimblog spricht Winzerin Judith Schmidt ĂŒber harte Arbeit, hohe Handwerkskunst, die Liebe zur Natur und die Lust auf schöne ÃƓberraschungen. Die Frau ist Winzerin aus Leidenschaft.

weine

10 Weine - zehn Preise. Foto: hblog

Interview: Hardy Prothmann

Herzlichen GlĂŒckwunsch, Frau Schmidt. Sechs Mal Gold und vier Mal Silber bei zehn eingereichten Weinen ist eine 100-prozentige Erfolgsquote. Verraten Sie uns das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Judith Schmidt (lacht): „Ganz ehrlich? Das schafft man nur mit einem enormen Arbeitsaufwand. Das ist der grĂ¶ĂŸte Teil des Geheimnisses.“

Was macht denn soviel Arbeit?
„Im Weinberg reißen wir zum Beispiel die Reihen auf, dass heißt, jede zweite Reihe wird von uns aufgelockert. Je nachdem, wie wir das machen, können wir den Wasserhaushalt der Reben steuern.“

„Das Blatt-FruchtverhĂ€ltnis muss stimmen.“ Judith Schmidt

Bekommen die Reben eine spezielle Pflege?
„NatĂŒrlich. Die Optimierung ist alles. Die Details zu erzĂ€hlen wĂŒrde zu lange dauern. Ein wichtiges Beispiel: Wir achten sehr auf eine gute Laubarbeit. Das heißt, in der Traubenzone machen wir die BlĂ€tter ganz weg. Auf dem „Rebziegeldach“ lassen wir sie bis auf die Ă€lteren BlĂ€tter stehen. Hier ist die Energiezentrale, die gleichzeitig als Sonnenschutz fĂŒr die FrĂŒchte funktioniert. Und unten gibt es genug Raum und Luft fĂŒr die Trauben. Das Blatt-FruchtverhĂ€ltnis muss stimmen.“

schmidt

Eheleute Steffen und Judith Schmidt vom Weingut & Obsthof Schröder. "FĂŒr mich zĂ€hlt die QualitĂ€t und das Erlebnis", sagt Judith Schmidt. Sie reicht 2009 zehn Weine ein und erhĂ€lt sechs Mal Gold und vier Mal Silber. Foto: hblog

Es geht darum, gerade so viele BlĂ€tter zu lassen, damit die „Produktion“ am besten lĂ€uft?
„UngefĂ€hr so kann man sich das vorstellen. Nach 40 Tagen ist ein Blatt nicht mehr so leistungsfĂ€hig, die holen wir raus: Wir schneiden die Triebe so, dass nichts herauswĂ€chst, sondern das Dach möglichst dicht ist.“

Wie wichtig ist die „Lage“, also der Weinberg fĂŒr die Produktion?
„Enorm wichtig. Wir haben einen ganz wunderbaren tiefgrĂŒndigen Lössboden in Weinheim. Ich sag immer: Da kommt mir kein Dornfelder drauf.“

Wir halten Sie es mit dem DĂŒngen?
„Davon halte ich gar nichts. Wir verwenden keinen DĂŒnger, der Boden hat genug NĂ€hrstoffe.“

„Unsere Weine sind ihren Preis wert.“ Judith Schmidt

Das heißt, Sie machen Öko-Wein?
„Nein, wir versuchen aber, den Prozess so ökologisch wie möglich zu steuern. Mein Ziel durch die intensive Arbeit an der Pflanze ist, dass die Trauben eine dickere Schale entwickeln. Der Vorteil ist: Die Traube wird resistenter gegen Krankheiten und SchĂ€dlinge und ich erhalte fĂŒr den Wein mehr Aromastoffe und mehr Frucht.“

Und das geht nur in Handarbeit?
„Genau – und das macht den enormen Arbeitsaufwand aus.“

Der sich dann auch im Preis niederschlÀgt?
„Ja. Unsere Weine sind aber ihre Preise wert. Schlechten Wein kann jeder machen, der kostet dann auch nicht wirklich was. Ein guter Wein verdient sich durch Arbeit seinen Preis. Die Arbeit mache ich ĂŒbrigens nicht alleine: Alle, mein Vater, der ĂŒberwiegend die Arbeit im Berg macht ĂŒber die Erntehelfer bis hin zu mir im Weinkeller und viele andere – jeder leistet seinen Beitrag.“

In jedem GeschĂ€ft gibt es Risiken. Was fĂŒrchten Sie am meisten?
„Dass das Produkt, was man sich ĂŒbers Jahr erarbeitet hat, durch einen einzigen Fehler Schaden erleidet.“

„Man kann Weine mit Tricks trinkbar machen oder schönen.
Wir können uns das nicht erlauben.“

Heißt was?
„Wenn die Trauben gelesen sind, werden Sie gepresst und kommen in unsere Tanks. Wenn man hier einen Fehler macht, kann innerhalb von Stunden eine gute Ernte vernichtet werden. Jeder Handgriff muss hier ĂŒberlegt sein und es gibt keine echte Routine, weil Wein ein Naturprodukt ist und jede Ernte anders.“

Alle Menschen machen Fehler.
„Ja, ich auch, aber mein grĂ¶ĂŸter Ehrgeiz ist, keine zu machen. Sicher kann man mit Tricks „verunglĂŒckte“ Weine noch trinkbar machen oder schönen. Aber das können wir uns nicht erlauben. Wir bestehen im Markt nur mit bester QualitĂ€t.“

Die haben Sie mit den vielen Medaillen gerade wieder bewiesen. Was lehnen Sie beispielsweise als „Schönung“ ab?
„Ganz klar die Beigabe von Chips. Unsere Barrique-Weine kommen ins Fass und erhalten daraus ihren Geschmack. Und ich nehme zum Beispiel auch in Kauf, dass unsere Weine manchmal Weinstein haben. Das ist natĂŒrlich und fĂŒr mich kein Grund mit Chemie zu arbeiten.“

medaillen

Judith Schmidt und ihre zehn MedaillentrĂ€ger aus 2009. Darunter ein SpĂ€tburgunder trocken - Collection "Heinrich" (Gold), den sie ihrem Urgroßvater gewidmet hat. Foto: hblog

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an Ihren Weinen?
„Ich arbeite eng mit der Natur. Dieses Jahr zum Beispiel haben wir bestimmt 30 Prozent weniger Ertrag, weil es zu wenig geregnet hat. Die Oechsle-Zahl liegt ĂŒber 105 und drĂŒber. Das heißt, ich habe viel Zucker und wenig Saft in den Trauben. Daraus mache ich den Wein, der möglich ist und biege mir nicht das hin, was die Kunden angeblich vielleicht eher wollen.“

Was zum Beispiel?
„Mein Mann wĂŒrde sagen: Der verkaufte Wein ist der beste Wein. (lacht) Der ist ja auch BWLer und der Verkauf ist seine Aufgabe. Mein Mann hat mir als Kaufmann gerade Druck gemacht, weil unser Barriquewein ausgegangen ist und gefragt hat, ob ich die neue Produktion nicht etwas beschleunigen könnte. Meine Antwort war ein klares Nein. Die Kunden mĂŒssen sich halt bis Dezember oder Januar gedulden – vorher ist der Wein nicht von sich aus fertig. FĂŒr ihn als Kaufmann ist das natĂŒrlich keine gute Botschaft – aber er versteht das am Besten, weil ich als „Lieferant“ und zufĂ€llig als Ehefrau dafĂŒr einstehe.“

„Wenn alles gleich schmeckt ist das doch grĂ€sslich.
Wo bleibt da das Erlebnis, die ÃƓberraschung?“ Judith Schmidt

WĂŒrden die Kunden den Unterschied wirklich schmecken?
„Das ist nicht das erste, was mich beschĂ€ftigt. Meine Kunden sollen wissen, dass unser Wein mit viel MĂŒhe und Liebe erarbeitet wurde und jeder Wein seine Zeit zur Reife braucht. Darauf können sich unsere Kunden verlassen. Die optimale QualitĂ€t ist das Ziel. Deswegen schmeckt unser Wein auch nie gleich – denn als GewĂ€chs ist er immer anderen Bedingungen ausgesetzt. Jeder Jahrgang hat seine individuelle Note und das schĂ€tzen unsere Kunden.“

In der Nahrungsmittelindustrie wird aber doch genau das versucht. Ein Produkt soll unbedingt wiedererkennbar sein.
„Das interessiert mich nicht. Weine, die immer gleich schmecken sind doch einfach schrecklich – auch wenn sie gut sind. Ich finde diese Gleichmacherei grĂ€sslich. Das macht doch keinen Sinn. Wo bleibt da das Erlebnis, die ÃƓberraschung?“

„Die diesjĂ€hrige Ernte hat praktisch nur SpĂ€tlese gebracht – die kommt direkt ins Barrique-Fass.“

Das verraten Sie uns bestimmt jetzt: Was passiert mit der diesjÀhrigen Ernte?
„Wir haben durch die hohe Oechslezahl dieses Jahr praktisch nur SpĂ€tlese im Keller. Die kommt komplett ins Barriquefass und reift dort mindestens zwölf Monate. Zur Zeit liegt der Wein noch auf der Hefe.“

Wie ist Ihre EinschÀtzung? Kommt da wieder ein preisverdÀchtiger Wein bei raus?
(lacht): „Das entscheiden die Preisrichter – aber ich gebe wie immer mein Bestes.“

Hintergrund:
Judith Schmidt, geborene Schröder, ist WeinkĂŒferin und seit 2000 Winzermeisterin. Sie und ihr Mann Steffen betreiben das Weingut & Obsthof Schröder in Muckensturm, wohin ihre Eltern 1984 aussiedelten. Frau Schmidt hat den Betrieb von ihrem Vater in 6. Generation ĂŒbernommen – seit ĂŒber 250 Jahren ist die Familie im Weinbau tĂ€tig.
Der Vater arbeitet in den Weinbergen der Lagen Stephansberg (LĂŒtzelsachsen) und Rittersberg (Weinheim), die Tochter macht den Wein und ihr Mann ist als Betriebswirt fĂŒr das „GeschĂ€ftliche“ zustĂ€ndig. Zusammen haben die beiden drei Kinder.
2009 reichte Frau Schmidt zehn Weine ein und bekam sechs Mal die Goldmedaille des Badischen Weinbauverbands sowie vier Mal die Silbermedaille. Ein 100-prozentiger Erfolg also – wobei die Schröderschen Weine auch in der Vergangenheit schon oft prĂ€miert wurden.
Rund 60 Prozent des Anbaus sind Rotweine wie SpĂ€tburgunder, Saint Laurent und Pinot Noir, als weiße Trauben werden Weiß- und Grauburgunder, Rivaner und Riesling angebaut. Mit nur 5 Hektar ist das Weingut Schröder eher ein kleines Gut – aber ein feines. Um sich zu behaupten, setzten die Schmidts ganz auf QualitĂ€t, die kostet fĂŒnf bis vierzehn Euro pro Flasche Wein.
ZusĂ€tzlich bieten die Schmidts auf dem Weingut & Obsthof Schröder natĂŒrlich Obst, Delikatessen, Essige, SĂ€fte, Senf, Liköre und EdelbrĂ€nde an.
Immer ausgebucht sind spezielle „Wein & Schokolade“-Seminare und Gesellschaften, Hochzeiten und Firmen buchen gerne die RĂ€umlichkeiten des mediterranen WohlfĂŒhlambientes des Weinguts fĂŒr Feste.

Link:
Schröder – Weingut & Obsthof

KMP, Pfenning, pfenning logistics, Phoenix 2010 GbR, Pfenning-Gruppe – Heddesheim braucht Transparenz


Guten Tag!

Heddesheim, 16. September 2009. Am vergangenen Samstag, den 12. September, haben wir den „Pfenning“- Immobilienchef Dietmar Wollnitz gebeten, einen Interviewwunsch an Herrn Nitzinger auszusprechen, möglichst fĂŒr Donnerstag, den 17. September 2009. Bis heute haben wir keine Antwort. Dabei gibt es wichtige Fragen.

Das Interview ist zum Einen als Sachstandsinterview geplant: Was bisher geschah und wie es weitergehen wird?

Der zweite Teil des Interviews wĂŒrde die bis heute unklare Firmenkonstellation hinterfragen.

Denn eigentlich ist die KMP-Holding GmbH die Dachgesellschaft. Es tritt aber immer nur pfenning logistics auf, eine Tochter der Dachgesellschaft. Welche genaue Rolle die Phoenix 2010 GbR, keine Tochter der Dachgesellschaft, spielt, ist bis heute noch niemals hinreichend öffentlich erklÀrt worden.

Das heddesheimblog wĂŒnscht sich auch in Bezug auf die Werbekunden Transparenz, bei BerĂŒcksichtigung aller wesentlichen geschĂ€ftlichen Interessen beider Seiten. Auf die Frage, wer unser Werbekunde denn eigentlich ist, könnten wir keine zutreffende Antwort geben.

Unsere Einstiegsfrage in den Fragekomplex ist deshalb:

„Herr Nitzinger. Die Werbeagentur WOB hat eine Anzeige fĂŒr einen Kunden bei uns angefragt. Der Kunde sei „Pfenning“, wurde uns mitgeteilt. Die Anzeige war einwandfrei. Sie wirbt fĂŒr die Firma pfenning logistics. Die Rechnung sollte an die Phoenix 2010 GbR gehen. Können Sie uns den Zusammenhang erklĂ€ren?“

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

In eigener Sache: Vertraulichkeiten


Guten Tag!

Heddesheim, 05. August 2009. Das heddesheimblog zitiert heute aus einem Papier, dass auf sechszehn Seiten deutlich sichtbar den Ausdruck „vertraulich“ trĂ€gt. Ist das erlaubt? Ist das nicht „gesetzeswidrig“? Ist das am Ende „strafbar“?

Ein Jurist hat mir mal gesagt: „Es ist alles erlaubt, was a) nicht angeklagt und b) nicht verurteilt wird. Gesetze spielen dabei erst Mal keine Rolle.“

Der Volksmund kennt den Spruch: „Wo kein Richter, da kein Urteil.“

Das heddesheimblog steht fĂŒr intensive Recherche und einen modernen Journalismus. Modern heißt: dieser Journalisms benutzt alte und neue Medien, neue Kommunikationsformen, bedient sich aber der bewĂ€hrten handwerklichen FĂ€higkeiten und achtet auf Regeln.

Eine handwerkliche FĂ€higkeit ist Recherche. Die gefĂ€llt nicht jedem – manchem Journalisten nicht, denn sie macht viel Arbeit. Aber auch manchen Personen oder Firmen nicht, den gut recherchierte Geschichten machen vor allem denen Probleme, die etwas zu verbergen haben.

BewĂ€hrte Regeln sind: Respekt der PrivatspĂ€hre, Halten an Abmachungen, immer auch die Gegenseite hören oder es zumindest versuchen und einige mehr. Und die wichtigste aller Regeln: Quellen genießen absoluten Schutz. Quellen – das sind Personen, die Journalisten mit ihrem (oft internen) Wissen bei der Recherche unterstĂŒtzen. Journalisten können sich zum Schutz ihrer Quellen auch vor Gericht auf das „Zeugnisverweigerungsrecht“ berufen, Ă€hnlich Pfarrern, Ärzten und RechtsanwĂ€lten.

Das heddesheimblog hat sich bei diesem Artikel nicht an die „Vertraulichkeit“ gehalten. Wieso nicht? Ganz einfach: Das heddesheimblog hat keine Vertraulichkeit in dieser Sache mit der IFOK vereinbart. Die hat das zwar ins Papier geschrieben, aber nicht um eine BestĂ€tigung gebeten.


Die IFOK ist auch keine Quelle, die es zu schĂŒtzen gilt, sie ist kein Amt, keine Institution, keine Behörde, kein Gremium wie der Gemeinderat und schon gar kein „Whistleblower„, der persönliche Nachteile befĂŒrchten muss.

Zudem hat jeder „Dialog“-Teilnehmer auf Nachfrage des heddesheimblogs zugestimmt, zitiert werden zu können. Bei der 2. Sitzung war auch der Mannheimer Morgen anwesend, ein zweites Medienunternehmen, dass Öffentlichkeit herstellt.

Die angeblich 20 in diesem Papier zusammengefassten Interviews sind anonymisiert. Aus den Interviewpassagen haben wir nicht zitiert, weil es darĂŒber eine Vereinbarung gibt – an die wir uns halten. Die gegliederten ÃƓbersichten hingegen sind Argumentesammlungen, die in unseren Augen absolut keiner wie auch immer gearteten „Vertraulichkeit“ unterliegen.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Was tun – wenn man Probleme hat? Man löst sie! Offensiv!


Satire

Heddesheim, 31. Juli 2009. Der „stĂ€dtebauliche Vertrag“ ist plötzlich öffentlich und ebenso plötzlich gibt BĂŒrgermeister Kessler dem Mannheimer Morgen ein Interview. Mit hart recherchierten Fragen und souverĂ€nen Antworten.

Gehen Sie gerne ins Theater? Sie können sich den Eintritt sparen! Lesen Sie einfach den Mannheimer Morgen – heute mit der Farce eines Interviews ĂŒber eine Farce, die folgenden Titel trĂ€gt: „HĂ€tte man offensiver angehen können„.

Folgende Theaterkritik wurde uns zur ÃƓberlassung als Besprechung des Interviews zugespielt:

„Der Fokus liegt hĂ€ufiger darauf, dass eine Grenze ĂŒberschritten wird oder etwas vor den anderen Figuren verheimlicht werden soll und auf einer unvorhersehbaren Kettenreaktion, die daraus resultiert. In einer Farce im Theater gibt es normalerweise nur einen Ort. Dabei handelt es sich hĂ€ufig um GesellschaftsrĂ€ume in FamilienhĂ€usern, die viele TĂŒren zu angrenzenden RĂ€umen haben. Als Alternative kann es sich beim Ort auch um ein Hotel, ein Krankenhaus oder ein BĂŒro handeln.

Da es keine Zeit gibt, ĂŒber die Geschehnisse zu raisonieren und die nĂ€chsten Schritte zu planen, kommt die Figur, die etwas zu verschweigen hat, an einen Punkt ohne RĂŒckkehr, in der fĂ€lschlichen Annahme, dass Handeln besser ist, als enttarnt zu werden oder die Wahrheit zuzugeben. Dadurch verwickeln sie sich immer stĂ€rker in Schwierigkeiten.

Die „Leiche im Keller“ kann echt oder eingebildet sein (z. B. ein MissverstĂ€ndnis oder Fehlinterpretation von Fakten). Es kann sich um ein Geheimnis handeln, das die Gegenwart betrifft oder auch eine lang vergessene Vergangenheit, die plötzlich wieder auftaucht und nun eine Bedrohung fĂŒr die Sicherheit und den Frieden der Figur darstellt oder zumindest darzustellen scheint. Die Themen der Farce zeigen die Sitten der Zeit auf: Im spĂ€ten 19. Jahrhundert handelte es sich hĂ€ufig um eine Frau, die ĂŒber ihr Alter lĂŒgt oder einen Mann, der Vater eines unehelichen Kindes ist. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ging es hauptsĂ€chlich um Untreue. Hier versucht der Protagonist zu verhindern, dass die außereheliche Affaire bekannt wird.

Viele Farcen bewegen sich schnell auf die Klimax zu, in der das Problem auf die eine oder andere Weise gelöst wird, hĂ€ufig durch eine ĂŒberraschende Wendung durch den Einsatz eines deus ex machina. Normalerweise gibt es ein Happy End. Zur Freude des Publikums wird der Gerechtigkeit nicht immer gefolgt: Der Protagonist kommt davon, auch wenn er sich kriminell verhalten hat.

Eine Farce ist normalerweise sehr tolerant gegenĂŒber VerstĂ¶ĂŸen und zeigt Menschen als eitel, irrational, kĂ€uflich, kindisch und Automatismen zugeneigt. Aus diesem Grund ist die Farce hĂ€ufig kombiniert mit der Satire. Bei der Farce handelt es sich nicht nur um ein Genre, sondern auch um eine höchst flexible dramatische Form, die hĂ€ufig mit anderen Formen kombiniert wird.“

Quelle: Wikipedia

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

IFOK befragt den Journalisten Hardy Prothmann

Guten Tag,

heute hat die IFOK den fĂŒr das heddesheimblog verantwortlichen Journalisten Hardy Prothmann befragt. Das GesprĂ€ch dauerte 45 Minuten.

Die IFOK GmbH aus Bensheim hat von der Gemeinde Heddesheim den Auftrag, einen „Dialog“ zu fĂŒhren. DafĂŒr befragt die IFOK zunĂ€chst „Akteure“, die im Zusammenhang mit der geplanten Pfenning-Ansiedlung in der Öffentlichkeit aufgetreten sind. Daneben werden aber auch Privatpersonen befragt.

Nach Angaben der IFOK wurde bis heute etwa eine Drittel von 25 Personen befragt.

Das Interview dazu ist gegliedert und fragt verschiedene Parameter im Zusammenhang mit der geplanten Pfenning-Ansiedlung ab. Darunter, wie das Unternehmen Pfenning-Gruppe wahr genommen wird, die Gemeinde, die öffentliche Diskussion, welche Haltung der Interviewte gegenĂŒber dem Unternehmen Pfenning hat und der geplanten Ansiedlung.

Wann das Thema wahr genommen wurde, wie sich das Thema in der eigenen Wahrnehmung „entwickelt“ hat, welche Bedeutung es nach der Wahl hat, wer darĂŒber wie disktuiert. Weitere Fragenkomplexe widmen sich der Politik, den BĂŒrgern und der Interessengemeinschaft neinzupfenning. Die IFOK möchte auch gerne wissen, wie die Diskussion weiterlaufen sollte, welche Fragen offen sind, wie diese beantwortet werden können. Ob man fĂŒr oder gegen eine Pfenning-Ansiedlung ist und welche Faktoren ausschlaggebend wĂ€ren, die eigene Haltung zu verĂ€ndern.

Weiter möchten die IFOk wissen, welche Themen noch in Heddesheim diskutiert werden und welche in der Vergangenheit diskutiert wurden.

Aus den Fragen werden Wortprotokolle erstellt, auf Wunsch auch anonym. Anfang Juli soll es dann eine erste GesprĂ€chsrunde mit den ausgesuchten „Akteuren“ geben. Wann genau steht noch nicht fest.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

„Von gestern“

Leserbrief: Helle Sema

Lieber Mannheimer Morgen,

ich bin ein großer Fan der 4. Gewalt, also dem Journalismus, und weiß, dass ihr (also die Journalisten) einen echt schweren Job macht. Ihr mĂŒsst so viele Gesetze beachten und recherchiert immer hart an der Grenze – wenn es denn sein muss.

Aber manchmal komme ich nicht mehr mit: Am Samstag schreibt ihr einen Artikel „IG „neinzupfenning“ will Kessler antworten

Ich lese:
„Zwischen der IG neinzupfenning (plötzlich sind die AnfĂŒhrungszeichen verschwunden) und dem Rathaus geht der Briefwechsel offenbar weiter.“

Das hört sich an wie eine Vermutung und stellt doch fest, dass es „offenbar„, also fast etwas „religiöses“ hat. Klingt zumindest wie „Offenbarung“ (der IG, des BĂŒrgermeisters, eines unbekannten Dritten?).

Was mich wundert, ist, wieso in letzter Zeit stĂ€ndig solche ZusĂ€tze in AnfĂŒhrungszeichen und Klammen in den Artikel stehen: im „MM“-GesprĂ€ch und (wir berichteten)? Ist doch klar, dass „ihr“ berichtet. Wer denn sonst? Ihr habt doch schließlich (oder offenbar?) das Monopol?

Und dann kommen Nachrichten „von gestern„: „Wir werden diesen Termin nicht wahrnehmen“, antwortete IG-Sprecher Hans Weber gestern Nachmittag auf Anfrage des „MM„.“

Ihr schreibt also nicht nur ĂŒber gestern, sondern stellt auch „Fragen“… Das beruhigt mich.

Als ich das in der Zeitung gelesen habe, dachte ich nur, „welche Offenbarung„, weil das ja schon im heddesheimblog stand. Also ehrlich, aktuell geht anders.

Aber das „stand“  ja nur Internet. Aber so schwarz auf weiß wie im „MM“, hat das ja fast einen amtlichen, also geprĂŒften und gestempelten Charakter. Und im Internet kursieren ja so viel „unseriöse Informationen„.

Ihr habt nachgefragt und das war die Antwort:

„Wir werden diesen Termin nicht wahrnehmen“, antwortete IG-Sprecher Hans Weber…. Ein Schreiben entsprechenden Inhalts wollte die IG nach Webers Angaben noch gestern ins Rathaus schicken.“

Mit UPS? Mitternachtspost? Wie soll das gehen? Sie haben das Schreiben natĂŒrlich (vermutlich?) eingeworfen. Sie wollten nicht nur, sie haben es getan! Oder nicht? Was glauben Sie, mal ehrlich? Was haben Sie dazu recherchiert, mal ehrlich?

Dann folgt mal eine ansatzweise Recherche.

Sie zitieren fast, aber eben auch nur fast, aus dem Brief der IG an den BM und dann wird es leider ungenau, genauer können Sie das hier nachlesen, falls Ihnen der Brief noch nicht zugeschickt wurde – oder die Post VerspĂ€tung hatte… oder heute, also am Montag, den 22. Juni 2009, erst nach 11:00 Uhr kommen sollte… oder sie auf Mallorca sitzen sollten, gerade Urlaub haben, aber einen Blackberry in der Hand, so wie alle „guten“ Journalisten.

Am Freitag (also in Zeiten des Internet, des Blackberry… vor vier Tagen) schreiben Sie zum Ende (was dann Samstag in der Zeitung stand, also vor drei Tagen): „Da Kessler die „Einladung“ nach Angaben der IG gestern noch nicht vorliegen konnte, hat der „MM“ von der Bitte um eine Stellungnahme zunĂ€chst abgesehen. agö“

Da bin ich zunÀchst erstaunt, dann unglÀubig und jetzt wirklich sauer. Ich erklÀre Ihnen, warum.

„Nach Angaben der IG“…
haben Sie, obwohl Sie schon so lange „vor Ort“ berichten, tatsĂ€chlich keine Handynummer vom BM, um nachzufragen, ob er den Brief nicht schon hat? Kann ja wohl nicht sein, dass Sie sich dafĂŒr auf die „Angaben der IG“ verlassen mĂŒssen.

Und wieso sind Sie nicht in der Lage, nach all den „heißen, exklusiven und „“investigativen““ Informationen, diese dem BM per email zu schicken und nachzufragen, ob er die schon hat und was er dazu sagt?

Haben Sie vergessen, was es heißt, zu „reportieren“? An einer Story dran zu bleiben? FĂŒr die BĂŒrger? FĂŒr die Öffentlichkeit?

Sind Sie schon Teil der „Verwaltung“ die von „etwas absieht“ oder was auch immer?

Haben Sie eigentlich noch Lust und Freude, mich zu informieren oder geht alles nur seinen „dienstlichen Gang“, sprich, ihren tariflich garantieren Arbeitszeiten? Sie sind doch in der Gewerkschaft, oder?

Mit welchem Recht entscheiden Sie eigentlich, „wovon man „absehen“ kann“?

Oder denken Sie am Ende gar, dass auch ein BM, egal, wie prekĂ€r die Lage ist, ein Anrecht auf ein „ruhiges Wochenende“ haben darf… der Dienst geht erst wieder Montag los und endet am Freitag um 11:00 Uhr?“

Frau Görlitz, so geht das nicht!

Seit 47 Jahren bin ich treuer Abonnent des „MM“, ein bisschen lĂ€nger als Sie auf der Welt sind. Aber deswegen bin ich noch nicht „von gestern“.

Dass ich ihre VorgĂ€nger „ertragen“ habe, ist eine Leistung. Sogar eine immense (nein, ich werde deswegen nicht fĂŒr den Gemeinderat kandidieren, in fĂŒnf Jahren – ich brauche keine “ selbstherrlich-verstĂ€ndliche Verdienst-Aufgabe fĂŒr all mein Engagement – ich habe es gerne gemacht. Ohne KalkĂŒl.“

Aber nach ihren „VorgĂ€ngern“ musste ich nicht nur lesen, was sie schreiben, sondern ich musste mich auch an all das von ihren VorgĂ€ngern erinnern und an all das, was die schrieben und was dasselbe ist, was Sie heute schreiben.

Deswegen mein dringender Appell: Strengen Sie sich bitte etwas mehr an. Vielen ihrer Leser wurde auch nichts geschenkt! Und meine langjÀhrige Geduld geht bald zu Ende.

Ich habe hier mein „Netzwerk“ genutzt und in der Redaktion vom heddesheimblog nachgefragt, und die sagten mir, dass der BM am Samstag um 11:07 auf eine email vom heddesheimblog eine Antwort gesendet hat. Er war also, obwohl „Sie davon abgesehen haben“ auch am Samstag im Dienst.

Ist halt ein BĂŒrgermeister und nicht nur einfach eine Angestellte wie Sie eine sind. Der BM weiß halt, was es heißt, „Verantwortung“ zu tragen.

Sie hĂ€tten also weniger „absehen“ sollen und ein bisschen mehr „nachfragen“.

Heute, also am Montag, den 22. Juni 2009, lese ich also leider nichts von Ihnen dazu, wie der BĂŒrgermeister „eine Bitte um Stellungnahme von Ihnen“ beantwortet.

Aber sicher stellen Sie die heute. Schön wÀre es, wenn eine Veröffentlichung bis Donnerstag zeitlich und rÀumlich möglich wÀre, denn ab Freitag habe ich nur bedingt Zeit.

Aber wenn das so wÀre, dann wÀre das so.

Und ich mĂŒsste ein, vielleicht auch zwei Tage ihrer hervorragenden Berichterstattung versĂ€umen.

Dann warte ich halt bis zum nĂ€chsten „Morgen“. Nomen est halt omen.

Ihr bislang treuer

Helle Sema

„Der Rat kann jederzeit eine basisdemokratische Entscheidung herbeifĂŒhren – wenn er das will“

Reinhard Hackl ist Vorstand im Verein Mehr Demokratie e. V. Der frĂŒhere Landtagsabgeordnete setzt sich fĂŒr mehr Basisdemokratie ein.
Im GesprÀch mit dem
heddesheimblog gibt er der politischen Kultur vor Ort schlechte Noten.
Solche ZustĂ€nde kennt er. Er weiß aber auch, dass sich ZustĂ€nde Ă€ndern können. Das motiviert ihn, weiter fĂŒr die Demokratie zu werben.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Hackl: Im Heddesheimer Gemeinderat wurde der Antrag der GrĂŒnen auf einen BĂŒrgerentscheid abgelehnt. Ist damit eine BĂŒrgerbeteiligung vom Tisch?
Reinhard Hackl:
Definitiv nicht. Es geht um die Frage, was die politischen Entscheider wollen. Wenn der Gemeinderat die BĂŒrger fragen will, kann er das jederzeit mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschließen.

DafĂŒr gibt es viele Beispiele, wie etwa beim BĂŒrgerentscheid ĂŒber das Logistikzentrum in Salem am Bodensee.

„Der Gemeinderat kann jederzeit eine basisdemokratische Entscheidung herbeifĂŒhren – wenn er das will.“ Reinhard Hackl.

Dann ist es aber kein BĂŒrgerbegehren mehr?
Richtig. Es ist dann so etwas wie ein „Ratsbegehren“. Deswegen habe ich ja gesagt: Es kommt darauf an, was der Gemeinderat will.

Will der Rat eine basisdemokratische Entscheidung, kann er diese jederzeit einleiten.

BĂŒrgerbegehren sind Zeichen von solidem demokratischem Engagement, schreibt Landesjustizminister Heribert Rech am 27. November 2007. Quelle: Justizministerium BW

"BĂŒrgerbegehren sind Zeichen von solidem demokratischem Engagement", schreibt Landesjustizminister Heribert Rech am 27. November 2007. Quelle: Justizministerium BW

Offensichtlich will der Heddesheimer Gemeinderat diese Entscheidung nicht, sonst hÀtte er dem Antrag zustimmen können?
Jetzt wird es ein wenig „technisch“.

Ein BĂŒrgerbegehren ist an Formalien des Gesetzgebers gebunden, beispielsweise an die Zeitfrist, innerhalb derer ein Antrag erstellt werden muss und durch den Negativkatalog, der in Baden-WĂŒrttemberg ein BĂŒrgerbebehren gegen BauleitplĂ€ne ausschließt.

Insofern wĂ€re der Antrag an den engen Formalien, die gerade in Baden-WĂŒrttemberg BĂŒrgerbeteiligung erschweren, gescheitert.

Aber noch mal: Wenn der Gemeinderat eine BĂŒrgerentscheidung will, kann er diese Entscheidung jederzeit auch selbst herbeifĂŒhren.

„Es geht im Kern um die Frage des demokratischen Bewußtseins“

Die SPD-Fraktion hat den Antrag der GrĂŒnen sogar als rechtswidrig bezeichnet.
Hinter FormalitÀten kann man sich gut verstecken. Rechtsfragen sind Machtfragen. Mir scheint, hier wird vom Ergebnis her argumentiert.

Das heißt, alles, was gegen das gewĂŒnschte Ergebnis spricht, wird durch vermeintliche Rechtsvorgaben abgebĂŒgelt. Im Kern geht es um die Frage des demokratischen Bewusstseins.

ErlÀutern Sie das bitte.
Das ist ein wichtiger Aspekt. Indem man sich basisdemokratischer Mittel bedient, erzwingt man einen anderen Umgang der Verwaltung mit den BĂŒrgern.

Die BĂŒrger mĂŒssen im Vorfeld mehr gehört werden. Dadurch steigt die KonsensfĂ€higkeit.

Entscheidungen, die dann durch die einbezogenen BĂŒrger getroffen werden, mĂŒssen die BĂŒrger auch akzeptieren, denn sie tragen diese mit.

Verborgenheit schĂŒrt Politikverdrossenheit

Und zwar unabhĂ€ngig davon, ob diese nun gut oder schlecht sind oder waren. Die BĂŒrger selbst haben es entschieden.

Je mehr die Entscheider aber im Verborgenen wirken, um so mehr werden die BĂŒrger politikverdrossen.

Das beschreibt die Situation in Heddesheim sehr gut.
In Bayern ist die Situation eine andere.

Die Bayern sind weit fĂŒhrend im Vergleich mit anderen BundeslĂ€ndern, was BĂŒrgerentscheide angeht.

Dort kann man auch jederzeit gegen BauleitplĂ€ne BĂŒrgerentscheide erwirken.

Wird da ĂŒberhaupt noch etwas gebaut?
Aber natĂŒrlich. Bayern ist wirtschaftlich eines der erfolgreichsten LĂ€nder der Republik.

Aber die Vorhaben werden von den BĂŒrgern mitgetragen, indem sie mit entscheiden oder sie eine Einmischung nicht fĂŒr notwendig erachten…

Basisdemokratie als FrĂŒhwarnsystem

Dabei ist Bayern doch fest in „schwarzer Hand“
Aber selbst die CSU hat verstanden, das sie die Basisdemokratie als FrĂŒhwarnsystem nutzen kann.

Der wichtige Lerneffekt dabei ist, dass die Verantwortlichen durch basisdemokratisches Aufbegehren erkennen, wann sie sich zu weit von der Basis entfernen. Diese Einsicht geht vielen baden-wĂŒrttembergischen Politikern leider noch ab.

In Heddesheim haben die GrĂŒnen ebenfalls eine BĂŒrgerbefragung beantragt. Die wurde von der Mehrheit des Gemeinderats auch abgelehnt. Die SPD begrĂŒndete das damit, dass der Antrag unzureichend sei, weil nicht geklĂ€rt sei, wer wen wie befragt.
Damit hat die SPD Recht und gleichzeitig auch nicht. Der Gemeinderat ist vollkommen frei, die Spielregeln dafĂŒr aufzustellen.

Die SPD kann beispielsweise selbst einen Entwurf dazu anfertigen, wie jede andere Partei auch.

Der SouverĂ€n ist der BĂŒrger

Eine BĂŒrgerbefragung ist in der Gemeindeordnung nicht geregelt, der Gemeinderat kann die Inhalte und Form selbst gestalten.

Er kann sich z.B. etwa aus Respekt vor dem SouverĂ€n, dem BĂŒrger, freiwillig an das Ergebnis binden… Auch diese Entscheidung steht dem Gemeinderat frei.

Die CDU ruft zur SelbstentmĂŒndigung auf

CDU und FDP haben ihre Ablehnung der AntrĂ€ge damit begrĂŒndet, dass es die Mandate der GemeinderĂ€te, die ja schließlich durch eine Wahl vergeben wĂŒrden, entwerte. Ist das so?
Auch das hĂ€ngt vom DemokratieverstĂ€ndnis ab. Wenn diese Auffassung ernst gemeint ist, kommt ein Wahlaufruf fĂŒr eine solche Partei einem Aufruf zur SelbstentmĂŒndigung des BĂŒrgers gleich. Aber das kann ja von Parteien, denen die persönliche Freiheit so wichtig ist, nicht gemeint sein…

ÃƓber Politikverdrossenheit mĂŒsste sich dann allerdings keiner mehr wundern.

Wenn die BĂŒrger aber ihre Vertreter gewĂ€hlt haben, sollten diese Vertreter doch auch entscheiden?
Das sollen sie. Aber gerade bei existenziellen Fragen kann Basisdemokratie eine wichtige ErgÀnzung sein, um eine Entscheidung zu legitimieren.

Wenn die BĂŒrger entschieden haben, leiden oder profitieren alle und die Politik kann sagen: Diese Entscheidung habt ihr genau so gewollt!

Die Schweizer wĂŒrden dieses Interview nicht verstehen

Das setzt eine gewisse SouverÀnitÀt voraus.
Die Frage ist doch: Wie weit sind die GemeinderĂ€te bei ihren BĂŒrgern oder wie weit entfernt sind sie von diesen.

In der Schweiz wĂŒrde das Interview, dass Sie mit mir fĂŒhren, nur KopfschĂŒtteln hervorrufen.

Die Schweizer wĂŒrden die Fragen nicht verstehen, weil sie selbstverstĂ€ndlich davon ausgehen, dass die BĂŒrger mit einbezogen werden. Das gehört dort zum Nationalstolz. FĂŒr Schweizer ist die BĂŒrgerbeteiligung gelebter Patriotismus.

Aber auch in der Schweiz geht die Wahlbeteiligung zurĂŒck…
Ja und Nein. Sie geht zurĂŒck, die Schweizer beteiligen sich aber viel öfter an Entscheidungen und, darauf kommt es an, es gibt dort eine sehr hohe Identifikation mit politischen Entscheidungen.

Die Zufriedenheit mit der Politik ist dort viel höher. Anders als bei uns. Hier ist man verdrossen und stellt sich die Frage: Was Àndert sich schon, wenn ich wÀhle?

Angesichts von Wahlaussagen wie „FĂŒr die Zukunft von Heddesheim“ ist das auch wenig verwunderlich.

Die Verbindlichkeit fehlt

Welche Partei hat das noch mal gesagt?
Genau das meine ich. Die Verbindlichkeit fehlt.

Basisdemokratische Entscheidungen schaffen aber gerade bei enorm wichtigen Themen diese Verbindung zwischen Politik und BĂŒrgern.

Die Idee lebt davon, dass sie dem Menschen die FĂ€higkeit zum aufrechten Gang zutraut.

Zur Person:
Reinhard Hackl (49) ist seit 2001 Vorstand des baden-wĂŒrttembergischen Landesverbandes von Mehr Demokratie e. V, der im November 1997 gegrĂŒndet wurde.
Er ist seit 1984 Mitglied der GrĂŒnen, und war von 1992-2000 Abgeordneter im baden-wĂŒrttembergischen Landtag. Seine Arbeit fĂŒr Mehr Demokratie ist ehrenamtlich, im Hauptberuf ist er Verwaltungsbeamter.

Lesen Sie auch zum Thema:
Pressemittelung des Innenministeriums Baden-WĂŒrrtemberg ĂŒber den Verein Mehr Demokratie e. V.

„Kontraktlogistik ist eher ein regionales GeschĂ€ft“

Jörg Schaible ist Spezialist fĂŒr Informationstechnologie (IT) im Bereich Kontraktlogistik. Im Interview mit dem heddesheimblog spricht er ĂŒber die Branche, ihre Chancen und Risiken und erklĂ€rt, wie Kontraktlogistik funktioniert.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Schaible, was ist Logistik?
Jörg Schaible: „Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen der viertgrĂ¶ĂŸte Wirtschaftszweig in Deutschland mit 205 Milliarden Euro Jahresumsatz und 2,7 Millionen BeschĂ€ftigten. Das wissen viele Menschen nicht.“

Sind diese ArbeitsplÀtze in der Logistik oder verbunden?
„In der Logistik, verbunden kommen noch mal etwa eine Million hinzu. Beispielsweise mein Arbeitsplatz in der IT (Informationstechnologie, d. Red.) , aber auch andere Dienstleistungen und in der Produktion von Lkw, dem Bau von Hallen usw.“

Logistik ist ein Wachstumsmarkt – wenn die Wirtschaft lĂ€uft

Welche Perspektiven bietet die Logistik?
„Das ist in der Vergangenheit ein Wachstumsmarkt gewesen, seit man von der Logistik spricht, also seit den 80er Jahren. Seit zehn Jahren hat sich der Begriff etabliert.“

Noch einmal, was ist Logistik?
„Der Leim zwischen den Produzenten und den VerkĂ€ufern. Im Kern ist Logistik keine wertschöpfende Leistung, sondern eine Dienstleistung, die die Wertschöpfung unterstĂŒtzt.“

Jörg Schaible ist Logistikexperte beim Unternehmen Salt Solutions GmbH in Dresden. Bild: privat

Jörg Schaible ist Logistikexperte beim Unternehmen Salt Solutions GmbH in Dresden. Bild: privat

Jahrelang galt die Logistik als Wachstumsbranche, wie ist das in Zeiten der Krise?
„Das Wachstum ist eingebrochen. Mit der Globalisierung ist die Logistik enorm gewachsen, das wird sie auch weiterhin tun, sobald die MĂ€rkte wieder anspringen. Die Krise hat ihr mit einem Minus von rund sechs Prozent aber einen deutlichen DĂ€mpfer verpasst.“

Die Mehrheit der Logistiker sind MittelstÀndler.

Gibt es viele große Firmen oder eher viele MittelstĂ€ndler?
„Ich schĂ€tze, dass rund 30 Milliarden von den großen zehn erwirtschaftet werden, der Rest verteilt sich auf den Mittelstand.“

Welcher Bereich innerhalb der Logistikbranche ist der profitabelste?
„Ganz eindeutig die Kontraktlogistik. Die ist eine Mischung aus Transport, Lagerhaltung und Umschlag von Waren, geht aber darĂŒber hinaus. Sie ist atypisch, weil sie in die Wertschöpfung mit eindringt. Sie erbringt Leistungen fĂŒr einen Auftraggeber, zum Beispiel das BestĂŒcken und Aufstellen von Displays, also Verkaufsaussteller, oder sie fĂŒhrt einzelne Module zusammen, was vorher der Hersteller oder HĂ€ndler gemacht hat. Teilweise werden im Automotive-Bereich ebenfalls Fertigungsleistungen erbracht. Kontraktlogistik ist mit Abstand der spannendste Bereich innerhalb der Logistik.“

Wie meinen Sie das?
„Warenströme werden kumuliert. Was vorher verteilt produziert wurde, wird mehr und mehr durch ein Logistik-Unternehmen zusammengefasst. Damit entfĂ€llt auch Verkehr, der jetzt zentralisiert wird, also ist auch der Umweltaspekt nicht zu verachten.“

Kontraktlogistik ist so was wie eine Öko-Wirtschaft?
(lacht) „Nicht ganz. Ziel ist natĂŒrlich die Effizienzsteigerung und Kostenentlastung. Das fĂŒhrt aber auch zu Umweltentlastungen, wegen der gesteigerten Effizienz.“

Ist Kontraktlogistik fĂŒr Konsumware ein grenzenĂŒbergreifendes oder eher regionales GeschĂ€ft?
„Eher regional, wenn es sich im Frische-Bereich abspielt. ÃƓberregional sind eher elektronische KonsumgĂŒter und Textilien, beispielsweise die sogenannte „HĂ€ngeware“ oder KonsumgĂŒter wie Wasch- und Pflegemittel interessant. Kontraktlogistik hat auch viel mit Outsourcing zu tun!“

Outsourcing wird zunehmen

HĂ€lt der Trend zum Outsourcing in der Logistik an?
„Das ist nicht ganz eindeutig zu sagen, was mit dem Outsourcing zu tun hat. Die positiven Aspekte sind: Firmen, die outsourcen, sparen Logistikkosten und erhalten hier eine bessere Leistung. Hinzu kommen niedrigere Lohnkosten. Außerdem wird die Kapitalbindung reduziert. Die Erfahrung zeigt, dass eigene LĂ€ger höhere BestĂ€nde und einen grĂ¶ĂŸeren FlĂ€chenverbrauch produzieren. Die Logistik-Dienstleister verstehen ihr Handwerk, die Waren werden effektiver verteilt und die Fixkosten werden variabilisiert.“

Was heißt variabilisiert?
„Der Logistik-Kunde zahlt nur fĂŒr das, was er logistisch erledigen lĂ€sst. Wenn er selbst die Logistik macht, zahlt er fĂŒr den Unterhalt der Hallen, der Lkw usw. Außerdem profitieren die Unternehmen davon, dass sie das Verteilernetz nicht aufbauen mĂŒssen, sondern nutzen können, bessere Service-Dienstleistungen erhalten und Arbeiten beispielsweise auch am Wochenende erledigt werden.“

Das hört sich alles sehr positiv an. Gibt es auch Nachteile?
„Ganz klar. DarĂŒber wird auch intensiv nachgedacht. Denn, je besser die Dienstleistung des Logistikers ist, desto grĂ¶ĂŸer wird die AbhĂ€ngigkeit der Produzenten. Das ist die grĂ¶ĂŸte Angst, die AbhĂ€ngigkeit. Wer seinen Logistik-Prozess outsourct, hat weniger Kontrolle darĂŒber. Außerdem muss der Produzent seine Schnittstellen besser definieren. Was vorher irgendwie passend gemacht wurde, muss in Zusammenarbeit mit dem Logistiker perfekt abgestimmt sein. Ein weiterer Aspekt ist: Der Produzent verliert eine Kontaktmöglichkeit zum Endkunden und verlagert sie zum Logistiker.“

Das heißt?
„Der Produzent verliert vielleicht den entscheidenden Kontakt zum Markt. Deswegen muss er sich sehr auf den Logistiker verlassen können.“

Lkw-Kolonnen und Niedriglohnarbeit bestimmen das Image

Die Logistik hat aber keinen besonders guten Ruf. Woran liegt das?
„Zum einen am sichtbaren GeschĂ€ft: Wenn Sie auf der Autobahn an kilometerlangen Lkw-Reihen vorbeifahren, sind Sie genervt. Der andere Aspekt ist der des Niedriglöhners. Hier werden halt Palettenschieber beschĂ€ftigt.“

Ist das ganz falsch?
„Nein. Die Lkw mĂŒssen fahren und es gibt sicherlich viele niedrig bezahlte Jobs. Andererseits wandelt sich das Berufsbild enorm, immer mehr wird ĂŒber IT gesteuert und die Mitarbeiter mĂŒssen das beherrschen. Und sie brauchen soziale Kompetenzen. Es wird nicht nur einfach irgendwo angeliefert, sondern hĂ€ufig auch aufgestellt, Altmaterial mitgenommen und hier und da ein Ratschlag erfragt. Der einfache Fahrer auf dem Bock ist dafĂŒr nicht der geeignete Mann. Sie brauchen Fahrer, die anpacken können, technisch versiert sind und mit Menschen umgehen können.“

Wo liegen die großen Logistik-Standorte in Deutschland?
„Hamburg und Bremen sind fĂŒhrend. Und natĂŒrlich der Frankfurter Flughafen. Große Zentren sind das Ruhrgebiet, Berlin und Hannover Kassel. Regional das Schwabenland, der Rhein-Neckar-Raum und Leipzig/Halle. Der osteuropĂ€ische Raum wird ĂŒberwiegend aus Österreich, NĂŒrnberg und Berlin bedient.“

„Hallen sind Hallen“, Jörg Schaible.

Was macht einen idealen Standort aus?
„Das hĂ€ngt von der Aufgabe ab. Entscheidend ist sicherlich immer ein guter Anschluss ans Streckennetz, an die Wasserstraße, ans Gleis, eben die Verkehrswege, die man braucht.“

Ästhetisch rangieren Logistik-Zentren nicht gerade auf den vorderen PlĂ€tzen oder doch?
„Hallen sind Hallen. Das ist eher eine funktionale Architektur. In Koblenz gibt es ein Beispiel, das versucht, sich in die Landschaft zu integrieren, das ist fĂŒrs Auge ganz gefĂ€llig. Aber letztlich geht es um FunktionalitĂ€t.“

Zieht die Branche oft um?
„Das hĂ€ngt vom wirtschaftlichen Betrieb ab. Wer mit dem Standort nicht zufrieden ist, sucht einen anderen. Die Branche ist aber noch jung und wenn einer geht, kommt der nĂ€chste und besiedelt den Platz.“

Es gibt also keine Bauruinen?
„Bauruinen sind mir keine bekannt. Ein Beispiel ist Arcandor, ehemals Karstadt/Quelle. Als die ihr Logistik-GeschĂ€ft an DHL verkauft haben, gab es einen Konzentrationsprozess. Aufgegebene Standorte wurden aber von anderen besiedelt.“

Wie sieht ihre Prognose fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung aus?
„In diesem Jahr und vielleicht auch im nĂ€chsten leidet die Logistik ĂŒberproportional unter der Krise. Langfristig gesehen, ist sie ein Wachstumsmarkt. Sobald die Wirtschaft anspringt, laufen die AuftrĂ€ge wieder.“

Zur Person:
Jörg Schaible (44) ist GeschĂ€ftsbereichsleiter bei der Salt Solutions GmbH in Dresden. Das Unternehmen stellt IT-Lösungen fĂŒr die Logistik-Branche her und beschĂ€ftigt rund 240 Mitarbeiter.

Lesen Sie zum Thema auch:
Interview mit Pfenning-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger: Was Pfenning in Heddesheim vor hat
Interview mit SPD-Kandidat Michael Bowien: „Pfenning wird Heddesheim dominieren.“
Interview mit verdi Hessen: „Pfenning ist ein TarifflĂŒchting.“

In eigener Sache: Reaktionszeiten und PlausibilitÀt

Guten Tag Frau Blum,

danke fĂŒr ihren Kommentar.

Wenn Sie sich im Internet noch nicht so gut auskennen, lesen Sie bitte hier nach:
Wie funktioniert das hier?

Sie haben sehr gute Fragen gestellt 🙂 , entsprechend lang sind die Antworten: 🙁

Sie schreiben:
„Allerdings muss ich sagen, dass ich die Stellungnahme eher positiv in Richtung BĂŒrgerbefragung bewertet hĂ€tte. … Und dass das Wort „Rechtswidrigkeit“ mehrere Male erwĂ€hnt wurde, empfand ich eher so, dass der ganzen Sache Nachdruck verliehen werden sollte. Aber sicher haben Sie als Journalisten in der Richtung mehr Routine.“

Sie haben das sicher positiv gemeint, aber ich bemĂŒhe mich, keine „Routine“ zu haben. Die SPD, respektive Herr Merx, hat am 20. Mai 2009 schon eher „routiniert“ gehandelt.

Mit dem „verleihen von Nachdruck“ haben Sie Recht. Herr Merx hat in einem kurzen Text den Antrag einer konkurrierenden Partei 6x als „rechtswidrig“ bezeichnet. Anstatt „unzulĂ€ssig“, wie es in der Beurteilung der Rechtsaufsicht hieß. Dieses Schreiben war Herrn Merx bekannt.

Herr Merx will, dass beim Leser/Hörer ankommt: „Das ist dem Recht widrig.“ Unbedarfte Unkritische Geister machen daraus beim WeitererzĂ€hlen dann vielleicht sogar „illegal“. Das funktioniert frei nach dem Motto: „Wenn man mit Dreck wirft, wird schon irgendetwas (von dem Dreck) am anderen hĂ€ngenbleiben.“

Das hat nichts mit Aufrichtigkeit zu tun, sondern soll gezielt schaden. Wenn Herr Merx einer BĂŒrgerbefragung „Nachdruck verleihen wollte“, wie er gesagt und geschrieben hat, könnte er sich an die Organisation der von ihm aufgeworfenen Fragen unter dem „Thema BĂŒrgerbefragung“ machen. Ich bin sicher, dass er darauf noch keine Energie verwendet hat.

Sie schreiben:
„Allerdings wĂŒrde ich Ihrer Redaktion … gerne eine … Frage stellen. … Die Gemeinderatssitzung war … am 20.5.09. Mich wundert es …, dass Sie erst heute das Thema „Rechtswidrigkeit“ aufgreifen…. Gerade diese langen Reaktionszeiten wurden doch … gegenĂŒber des Mannheimer Morgens moniert. …Das ist von Ihrer Seite aus sicher plausibel zu erklĂ€ren.“

Diesen Aspekt habe ich bereits am 21. Mai 2009, um 0:04 Uhr in meinem Bericht aufgegriffen, also fĂŒnf Stunden nach der GR-Sitzung. Nachzulesen unter  Top 6 abgelehnt und um 01:06 Uhr im Kommentar Leerstunde der Demokratie.

Ich erklÀre Ihnen aber gerne, warum ich das (erst) jetzt (8 Tage spÀter) nochmal aufgreife: Durch Bericht und Kommentar sind wesentlicher Verlauf und Bewertung des Ereignisses von mir dargestellt worden.

Zudem bin ich zur Zeit noch ein „Ein-Mann-Team“, dass von zwei Personen (eine in den Ferien) unterstĂŒtzt wird und von zwei Journalisten „passiv“, indem diese sich die Zeit nehmen, Texte von mir (unentgeltlich) gegenzulesen (4-Augen-Prinzip).

Seit dem 28. April 2009 berichtet das heddesheimblog ĂŒber Themen aus Heddesheim, also seit 31 Tagen. Mit meiner Arbeit fĂŒr das heddesheimblog habe ich bislang keinen einzigen Cent verdient.
„Nebenbei“ habe ich in dieser Zeit nur die Zahl an AuftrĂ€gen abgearbeitet, die den „laufenden Betrieb“, sprich die Kosten, unterhalten. Auf dem heddesheimblog sind in diesem einen Monat weit ĂŒber 100 BeitrĂ€ge erschienen.

Ebenfalls zum Thema berichtet der Mannheimer Morgen, 1946 gegrĂŒndet, also vor 63 Jahren, der ĂŒber eine sehr große Redaktion verfĂŒgt.
Bei richtig wichtigen Themen (eine 100-Millionen-Euro-Investition in Zeiten der Krise erachte ich als ein solches), wĂŒrde ich als Chefredakteur ein paar Leute abstellen, die sich um dieses bedeutende Thema „kĂŒmmern“, sprich recherchieren, zuallerst im eigenen Archiv – das findet leider nicht statt.

Die „journalistische“ Leistung dieses sehr großen Medienunternehmens, das quasi ein Monopol auf die Berichterstattung in unserer Region hĂ€lt (die „Weinheimer Nachrichten“ und die „Rhein-Neckar-Zeitung“ sind keine wirkliche „Konkurrenz), geht deswegen meines Erachtens nach aber gegen Null.

Eine eigenstĂ€ndige, unabhĂ€ngige Recherche findet hier, meiner Meinung nach, nicht statt. Der MM beschrĂ€nkt sich auf „Terminberichterstattung“ und stellt ĂŒberwiegend die Positionen der „BefĂŒrworter“ dar, statt sich um berechtigte Sorgen der BĂŒrger zu kĂŒmmen.

Doch das ist nicht Gegenstand meiner Kritik. Journalistisch einwandfrei wĂ€re es, alle beteiligten „Seiten“ gleichberechtigt zu Wort kommen zu lassen. Das ist nicht der Fall.

DarĂŒber hinaus erwarte ich aber von einer an „Journalismus“ interessierten Zeitung, dass sie selbst aktiv wird und recherchiert, was hinter der „vordergrĂŒndigen Story“ steckt.

Wie unterschiedlich Berichterstattung sein kann, können Sie hier im heddesheimblog in dem ersten Artikel „Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim“ ĂŒber die „BĂŒrgerinformation“ am 21. April 2009 lesen.
Die Berichterstattung des MM lesen Sie hier.

Nach dieser Veranstaltung habe ich im Archiv des Mannheimer Morgen recherchiert. Mein Abo fĂŒr den MM hatte ich seit Monaten schon gekĂŒndigt, weil ich mich insgesamt (weit vor der Pfenning-Auseinandersetzung) schlecht informiert gefĂŒhlt habe.

Deswegen musste ich mir eine Ausgabe kaufen, um ins Archiv zu kommen (im Rhein-Neckar-Teil stehen die aktuellen Zugangsdaten fĂŒr zwei Tage zum Archiv): Dort habe ich zu „Pfenning“ recherchiert.

Das Ergebnis dieser sehr aufwĂ€ndigen (lesezeitintensiven und weil ich viele Artikel zusammen fassen musste auch schreibzeitintensiven) Recherche war der Artikel: Was heißt bedeutend?

Die Redakteure und freien Mitarbeiter des MM hĂ€tten „kostenfrei“ selbst in „ihrem eigenen“ Archiv recherchieren können, haben aber nur ĂŒber einen BĂŒrgermeister berichtet, der sich „rundum zufrieden, ĂŒber das „bedeutende“ Unternehmen“ zeigte.

Den Mannheimer Morgen habe ich angefragt, ob er seine Artikel zum „Pfenning-Projekt“ fĂŒr das heddesheimblog und seine Leser kostenfrei zur VerfĂŒgung stellen wĂŒrde, schließlich sei das ein wichtiges Thema: Die Antwort war ein Verweis, dass man das fĂŒr Abonnenten kostenfreie und sonst kostenpflichtige Archiv benutzen könne.

Damit unterstreicht die Zeitung die eigene Arroganz des Monopolisten und nicht, „dass der Morgen es an den Tag bringt“, wie die Zeitung fĂŒr sich geworben hat.

Geld verdienen mĂŒssen wir alle, ganz klar. Aber Medien und Journalisten haben auch, wenn sie sich daran erinnern, einen gewissen „Auftrag“. Den kann ich beim MM nicht erkennen.

Im heddesheimblog lesen Sie dagegen fast jeden Tag (so die KapazitĂ€ten es erlauben) journalistisch erarbeitete Informationen. Ob nachgefragt, wie zur „Rechtswidrigkeit“ oder auch im zur Sache umfangreichsten Interview: Was Pfenning in Heddesheim vor hat.

Ich hoffe, damit ihre Frage nach der „PlausibilitĂ€t“ beantwortet zu haben.

Einen schönen Tag wĂŒnscht

Das heddesheimblog

In eigener Sache: Glosse, Satire, Kommentar, Artikel…

Guten Tag!

Liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen Tagen haben wir sehr, sehr viele RĂŒckmeldungen zum heddesheimblog bekommen. Das freut uns und alle, auch Sie, die daran beteiligt sind.

Was uns nicht freut, ist, dass nicht alle verstehen, was hier wie veröffentlicht wird. Das heddesheimblog ist ein journalistisches Angebot. Das heißt, alle Veröffentlichungen unterliegen dem Presserecht und dem Grundgesetz.

Die Veröffentlichungen verwenden unterschiedliche Stilmittel, auch Darstellungsformen genannt. Obwohl wir in einer „Mediengesellschaft“ leben, scheinen viele Menschen diese Feinheiten nicht zu kennen. Deswegen fasse ich die wichtigsten hier zusammen, zum besseren VerstĂ€ndnis und als Argumentationshilfe, wenn Sie mit anderen ĂŒber das heddesheimblog diskutieren.

Journalistische Stilmittel (hier gehts zur ÃƓbersicht auf Wikipedia)

Artikel:
Dieser Begriff trifft auf alle journalistischen Texte zu. Also die Nachricht oder Meldung, den Bericht, die Reportage, das Interview, den Kommentar, die Glosse, die Satire, das Feature, das PortrĂ€t…
Journalisten nennen einen Artikel auch „StĂŒck“ oder „Riemen“ (besonders langer Text)

Meldung, Nachricht, Bericht:
Das sind kurze Formen journalistischer Texte. Sie beantworten die sogenannten W-Fragen (Wer hat wann was warum mit welcher Wirkung usw. getan), die beliebig erweiterbar sind.

Artikel:
Eigentlich der Oberbegriff fĂŒr alle Texte. Wird aber hĂ€ufig fĂŒr einen umfassenden Text verwendet, der deutlich lĂ€nger als ein Bericht ist.

Reportage, Feature:
Das sind sehr bildhafte Darstellungen auch mit persönlichem Blick des Journalisten. Eine Reportage muss vom Journalisten selbst „erlebt“ sein, das heißt, er ist vor Ort gewesen. Die Berichterstattung kann subjektiv sein.
Beispiel: SPD-Kandidatenvorstellung lÀuft aus dem Ruder

PortrÀt:
Bei Personen eine sehr persönliche Darstellung mit Elementen der Reportage, des Interviews, des Features. Bei Unternehmen oder Institutionen etwas sachlicher.
Beispiel: Unser Mann von der Tankstelle

Kommentar:
Subjektiver Artikel, in dem entweder das FĂŒr und Wider von Argumenten abgewogen wird oder eine eigene Meinung pointiert dargestellt wird.
Beispiel: Herr Kessler ist in Not oder Die „sauberste Lösung“

Glosse:
aus Wikipedia: „Ein Sammelbegriff fĂŒr besonders kurze Meinungsartikel mit einer sehr spitzen Argumentation. In einer Glosse können aktuelle Themen jeder Art behandelt werden, sie werden allerdings aus sehr subjektiver Sicht gesehen. Meist ist ihr Unterton heiter und ironisch…“
Beispiel: Das Gesetz der Omerta

Satire:
aus Wikipedia: „…ist eine Spottdichtung, die mangelhafte Tugend oder gesellschaftliche MissstĂ€nde anklagt. Historische Bezeichnungen sind im Deutschen auch Spottschrift, Stachelschrift und Pasquill (gegen Personen gerichtete satirische SchmĂ€hschrift).
Beispiel: +++Verschlusssache+++

Einen schönen Tag wĂŒnscht

Das heddesheimblog

„Pfenning wird Heddesheim dominieren“

Der SPD-Kandidat Michael Bowien hat sich als erster Gemeinderatskandidat gegenĂŒber den Medien gegen das Pfenning-Projekt ausgesprochen. UrsprĂŒnglich wollte er seiner Partei einen Gefallen tun und war mit Listenplatz 19 weit von einer Wahl zum Gemeinderat entfernt. Seine Entscheidung macht ihn nun zu einem Favoriten unter den Kandidaten und setzt die SPD unter Druck.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Bowien, wie fĂŒhlt man sich so als „Abweichler“?
Es ist nervlich beanspruchend. Aber man wird auch wacher. Die eigene Position muss viel klarer sein, als wenn man mit dem Strom mitschwimmt.

MĂŒssen Sie ihre Position verteidigen?
(lacht) Ja, klar.

bowien1

Will Pfenning in Heddesheim verhindern: Michael Bowien. Bild: hblog

Wird die Diskussion mit Ihnen fachlich oder emotional gefĂŒhrt?
Im ersten Moment ĂŒberwogen emotionale Aspekte, aber ich habe den Eindruck, dass sich etwas bewegt.

ErlÀutern Sie das bitte.
Ich habe nach dem Treffen der Interessengemeinschaft am Montag noch in der Nacht die Genossen per email unterrichtet, welche Position ich vertrete. Daraufhin haben mir verschiedene Genossen geschrieben, dass sie mir inhaltlich zustimmen oder zumindest VerstĂ€ndnis fĂŒr meine Haltung haben. Insgesamt war der Umgang menschlich anstĂ€ndig und zeugte von gelebter innerparteilicher Demokratie.

Meine Entscheidung hat Zustimmung erfahren

Zustimmung von GemeinderÀten oder Kandidaten?
Von Kandidaten.

Wie war die Reaktion der SPD-GemeinderÀte?
Von da kam am wenigsten VerstÀndnis. Das kann ich aber gut verstehen, denn die haben sich ja weit aus dem Fenster gelehnt und sind wirklich in einer schwierigen Situation, wie sie mit der Sache umgehen sollen.

Mal angenommen, Sie werden gewĂ€hlt. Werden Sie ohne PrĂŒfung der Sachverhalte das Pfenning-Projekt weiter ablehnen?
NatĂŒrlich wĂŒrde ich erst den Sachverhalt prĂŒfen. Ich könnte dann auf mehr Informationen zurĂŒckgreifen als jetzt. Ich halte es aber fĂŒr sehr unwahrscheinlich, dass sich meine Position Ă€ndern wird.

Welche andere Nutzung des GelĂ€ndes wĂŒrden Sie anstreben?
Das kann ich nur allgemein beantworten. Eine kleinteilige Erschließung als Alternative ist sicher nicht einfach, aber machbar.

Warum sind Sie gegen eine Pfenning-Ansiedlung?
Weil das unsere Gemeinde aus dem Gleichgewicht bringen wird. Pfenning mag ein Familienbetrieb sein, seiner GrĂ¶ĂŸe nach ist er fĂŒr Heddesheim wie ein Konzern, der alles andere dominieren wird.

Pfenning wird das Maß der Dinge

Welche Auswirkung wird ihrer Ansicht nach diese Dominanz haben?
Bei jedweden Interessenkonflikten wird immer Pfenning das Maß der Dinge sein. Pfenning wird das ÃƓbergewicht gegenĂŒber den kleinen Gewerbetreibenden haben, Pfenning-Interessen werden vor Wohn-Interessen stehen.
Dass das keine Hirngespinste sind, zeigt sich ja jetzt schon: Pfenning ist noch gar nicht da, und man ist schon bereit, den Wohnwert der Gemeinde zu opfern.
Was geschieht, wenn Pfenning erst einmal hier ist? Nehmen wir an, die Firma wĂ€chst noch und statt 400 LKWs pro Tag werden es 500 – wie werden wir darauf reagieren?
Und diese GrĂ¶ĂŸe wird fĂŒr die Verwaltung bedeuten, dass sie nicht mehr mit der ĂŒblichen AutoritĂ€t einer Behörde auftreten kann, weil ihr Apparat einem solch großen Unternehmen nicht gewachsen ist.

Denken Sie, dass das Heddesheimer Gewerbe, wie angepriesen, von Pfenning profitieren wird?
In der Bauphase eher nicht. Das machen andere. Im laufenden Betrieb fallen sicherlich Kleinreparaturen und Instandhaltungen an, die an das Heddesheimer Gewerbe vergeben werden könnten. Das lÀsst sich aber nur schwer quantifizieren.

WĂ€re Ihnen die Edeka-Ansiedlung lieber gewesen?
Damit habe ich mich nicht weiter auseinandergesetzt, denn das scheint ja vom Tisch zu sein.

Welche Aufgaben wĂŒrden Sie im Gemeinderat fĂŒr sich sehen?
Jugend, Sport, Familie, Schule, Vereine.

Als Ökonom wĂ€ren Sie doch prĂ€destiniert fĂŒr wirtschaftliche AusschĂŒsse?
Wirtschaft steckt in all diesen Bereichen drin.

Was wĂ€re fĂŒr Sie die vordringlichste Aufgabe?
Der Verkehr, selbst ohne Pfenning. Das ist eine große Herausforderung, die man aber annehmen und fĂŒr die man Lösungen finden muss.

Ich hatte keine Ambitionen

Wenn Sie die Soziologen-Brille aufsetzen, können Sie schon sehen, ob die Gemeinde als Gemeinschaft schon Schaden genommen hat?
Das Projekt polarisiert. Soviel ist sicher. Wenn Pfenning wirklich kommen sollte, sehe ich das noch verstÀrkt, also auch eine BeeintrÀchtigung des Zusammenlebens in der Gemeinde.

Warum haben Sie sich als Kandidat aufstellen lassen?
Um meiner Partei einen Gefallen zu tun, damit die Liste voll wird. Zum damaligen Zeitpunkt war von Pfenning keine Rede und fĂŒr mich war das mit einem Listenplatz 19 nicht mit Ambitionen verbunden.

Haben Sie jetzt Ambitionen?
Ja, weil ich das Pfenning-Projekt verhindern will und dafĂŒr trete ich auch aktiv ein. Insgesamt liegt mir aber mehr an der Verhinderung des Projekts, als an einem Sitz im Gemeinderat. Vielleicht gibt es ja noch eine VerĂ€nderung bei der Fraktion. Ansonsten stehe ich Gewehr bei Fuß.

WĂŒrden Sie, falls nicht gewĂ€hlt, der IG neinzupfenning beitreten?
Ich wĂŒrde mich weiter gegen Pfenning einbringen, in welcher Form, kann ich erst nach der Wahl sagen.

Zur Person:
Michael Bowien (53) ist geborener Mannheimer. In seiner Heimatstadt hat er zunÀchst eine Banklehre abgeschlossen und dann Volkswirtschaftslehre sowie Soziologe studiert und mit Dipl.-Volkswirt abgeschlossen. Parallel studierte er Geschichte und Philosophie, aber ohne Magisterabschluss. Heute arbeitet er als Prokurist bei einem Software-Unternehmen.
Er ist verheiratet und hat ein gemeinsames Kind. Seit 2000 lebt die Familie in Heddesheim. Seine Hobbys sind Tennis, Tanzen, Fotografieren, Lesen, Rad fahren.

Interview mit Pfenning-GeschĂ€ftsfĂŒher Uwe Nitzinger (gekĂŒrzt. Fass.)

Wir kommen sicher nach Heddesheim

Sie lesen hier die gekĂŒrzte Fassung.
Hier geht es zum kompletten Interview (1/3 lÀnger).
In der gekĂŒrzten Fassung fehlen ein paar Fragen/Antworten zu wirtschaftlichen Aspekten.

Das Heddesheim-Blog
Empfehlen Sie uns weiter!

Uwe Nitzinger, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der KMP Holding GmbH, erklĂ€rt im GesprĂ€ch mit dem Heddesheim-Blog, wann Pfenning nach Heddesheim kommt, was das Unternehmen dort vor hat und welche Folgen die Ansiedlung fĂŒr Heddesheim haben wird.

Anzeige


Interview: Hardy Prothmann

Herr Nitzinger, die Pfenning Gruppe will in Heddesheim 100 Millionen Euro in ein Logistik-Zentrum investieren. Können Sie aufschlĂŒsseln, aus welchen Posten diese enorme Summe besteht?
Uwe Nitzinger: Zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch zu frĂŒh, um ihre Frage detailliert zu beantworten. Unsere Planer haben natĂŒrlich zusammengerechnet, was sie an Kosten erwarten. Wie teuer oder gĂŒnstig was am Ende ist, hĂ€ngt von der Konjunktur, dem Einkauf der Leistungen und Ă€hnlichem ab. 100 Millionen ist die angenommene Summe. Wenn es uns weniger kostet, sind wir natĂŒrlich damit zufrieden.

Bis 2013 soll erst die HĂ€lfte gebaut worden sein. Warum?
Ich weiß nicht, woher Sie diese Zahl haben.

2. Bauabschnitt ab 2016

Aus der Zeitung.
Dann ist da etwas missverstanden worden. Bis 2013 wollen wir mit dem 1. Bauabschnitt fertig sein. Ein 2. Bauabschnitt auf dem ErweiterungsgelĂ€nde kann frĂŒhestens ab 2016 realisiert werden. Dieser Bauabschnitt wird auf jeden Fall nicht so groß ist, wie der erste.

Aber ab 2013 wird der Firmensitz von Viernheim nach Heddesheim verlegt?
Sobald wir dort unser neues VerwaltungsgebÀude beziehen können.

Sie vergrĂ¶ĂŸern sich auf einen Schlag ganz enorm. Bauen Sie das GeschĂ€ft mit bestehenden Kunden aus oder haben Sie neue Kunden, die ihre KapazitĂ€ten benötigen?
Wir haben ein starkes BestandsgeschÀft und sind intensiv dabei, neue Kunden zu gewinnen. Unser GeschÀftsmodell ist die Logistik, wir bieten Kunden LagerflÀche mit entsprechender Organisation, die Verpackung und den Transport von Waren an.

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

 

Diese Waren mĂŒssen ja irgendwie zu Ihnen kommen?
Sicher. Mit dem Lkw und zunehmend mit der Bahn. Nehmen Sie beispielsweise internationale Waschmittelhersteller, die gerade Werbung damit machen, dass sie den Transport ihrer Produkte um bis zu zwei Drittel von der Straße auf die Schiene bringen. Deswegen sind wir auch in Heddesheim, wegen des Gleisanschlusses.

„Wir haben zu wenig Platz“, Uwe Nitzinger

Und wegen der FlÀche.
Ganz klar. Wir mussten in der Vergangenheit AuftrĂ€ge absagen, weil wir zu wenig Platz hatten. Und wie oft habe ich gehört: „Ich wĂŒrde euch den Auftrag geben, ihr seid dafĂŒr kompetent, aber ihr habt die KapazitĂ€t nicht.“ Kennen Sie einen Kaufmann, der gerne auf GeschĂ€fte verzichtet? Wir verbessern in Heddesheim unsere Produktionsstrukturen und unsere WettbewerbsfĂ€higkeit.

Werden auf dem GelÀnde in Heddesheim nur Pfenning tÀtig sein oder auch andere Unternehmen?
Prinzipiell nur wir. Dass wir die Konkurrenz nicht aufs GelÀnde lassen, werden Sie verstehen. Vorstellbar ist, dass ein Unternehmen Hallen mietet, aber selbst betreibt, beispielsweise, wenn der Umgang mit den eigenen Produkten nur durch eigene Mitarbeitern erfolgen soll.

ErlÀutern Sie das bitte.
Es gibt vielfĂ€ltigste Anforderungen in der Logistik- branche. Wenn beispielsweise ein Pharmahersteller Waren in die USA liefert, ist er automatisch der Ă€ußerst strengen Kontrolle der FDA (der Lebensmittelkontrollbehörde Food and Drug Administration, Red.) unterworfen. Es könnte sein, dass diese einen lĂŒckenlosen Nachweis verlangt, dass nur das produzierende Unternehmen Kontakt zur Ware hat.

Andere Firmen auf dem Pfenning-GelÀnde

Sie planen also die Vermietung?
Nein, ich habe Ihnen ein Beispiel gegeben, was vorstellbar ist, wenn wir zum Beispiel mit unserem GeschĂ€ft die Hallen temporĂ€r nicht ausfĂŒllen können sollten. Oder sollen wir die dann leer stehen lassen?

GefĂ€hrliche GĂŒter

In ihrem „Bauchladen“ finden sich auch gefĂ€hrliche GĂŒter. Beispielsweise ist Waschpulver an sich harmlos, in einer großen Menge aber nicht.

Genau. Wir haben große Waschmittelmengen. Dabei unterliegen wir aber auch einer strengen Kontrolle und erfĂŒllen alle notwendigen Auflagen – sonst wĂŒrden wir ja unsere Existenz aufs Spiel setzen. Was wir definitiv nicht lagern werden, sind radioaktives Material und Sprengstoffe. Zum VerstĂ€ndnis: Haarspray wird von vielen Menschen benutzt, typischerweise in einer Druckgasverpackung. In großen Mengen ist das ein Gefahrstoff, wir wissen aber, wie wir damit umgehen, sonst bekĂ€men wir die AuftrĂ€ge nicht.

Auf welchen Zeitraum ist ihr Engagement in Heddesheim ausgelegt?
Das ist eine Generationsentscheidung. Wir investieren eine Menge Geld und werden dementsprechend lang bleiben. Außerdem sind wir ein Familienbetrieb. Der zieht nicht einfach weiter, wie das mit Standorten von Konzernen passiert.

Schweigende Mehrheit

Sie gehen fest davon aus, dass Sie sich in Heddesheim ansiedeln werden?
Ja.

Uwe Nitzinger Bild:Pfenning-Gruppe

Trotz der Proteste gegen ihre Ansiedlung und der kritischen Stimmung in Heddesheim?
Die Interessengemeinschaft (IG) macht in unseren Augen ordentlich Wind, aber es gibt auch den Begriff der schweigenden Mehrheit. Ich glaube nicht, dass sich die Mehrheit der Heddesheimer von bewusst falsch verbreiteten Informationen irritieren lÀsst.

Sie bezeichnen die Mitglieder der IG neinzupfenning als FĂ€lscher?
Das habe ich nicht gesagt. Sie haben falsche Zahlen verbreitet und Behauptungen aufgestellt, die nicht zutreffen, wovon sich die Heddesheimer auch durch die Gutachten auf der BĂŒrgerinformation ĂŒberzeugen konnten.

Was steht im stÀdtebaulichen Vertrag?

Die Zahlen stimmen nicht. Woher hÀtte die IG aber die echten Zahlen nehmen sollen? Es wurde ja alles geheim gehalten.
Das ist so nicht richtig. BĂŒrgermeister, Gemeinderat und wir haben vertraulich verhandelt. Das ist unser Recht und absolut ĂŒblich, damit man im gegenseitigen Vertrauen zu einem Ergebnis kommen kann.

Ein Teil des Ergebnisses ist ein ebenfalls als vertraulich eingestufter „stĂ€dtebaulicher Vertrag“. Was steht da drin?
Darin ist festgelegt, wie Gemeinde und Unternehmen das GrundstĂŒck entwickeln werden, wer welche Aufgaben und Kosten ĂŒbernimmt.

Sind dort auch Vertragsstrafen definiert, falls es nicht zu einer Bebauung kommt?
Davon ist mir nichts bekannt.

„Chance genutzt“

Im Mannheimer Morgen hieß es, Sie seien auf die Heddesheimer Gemarkung aufmerksam geworden, weil Edeka das geplante Fleischwerk nun doch nicht dort, sondern in Rheinstetten ansiedelt. Soll man das glauben, dass Sie nicht schon lĂ€nger alle geeigneten FlĂ€chen im Blick hatten?
Die korrekte Darstellung ist: Als klar wurde, dass Edeka dieses sehr gute GelĂ€nde doch nicht in Anspruch nimmt, hat sich fĂŒr uns eine Chance ergeben. Die haben wir genutzt. Und wir schaffen ArbeitsplĂ€tze.

Ist das so? Soweit ich verstanden habe, wechseln rund 400 Mitarbeiter von Viernheim nach Heddesheim, 250 weitere kommen aus der Region hinzu. Macht 650. Sie sprechen von bis zu 1000 ArbeitsplÀtzen, davon sind je 250 Subunternehmer und Leiharbeiter, verbleiben 500. Wo sind die fehlenden 150 hin?
Es ziehen ĂŒber 500 Mitarbeiter um. Vor Ort werden neue ArbeitsplĂ€tze geschaffen, weil eine Reihe von Mitarbeitern, beispielsweise im Stahl- Kompetenzzentrum nicht nach Heddesheim wechseln. Das wĂ€re Unsinn, weil die am Ort des Kunden tĂ€tig sind. Deswegen ist auch die Annahme falsch, wir wĂŒrden stĂ€ndig Lkw von Heddesheim nach Mannheim und zurĂŒck schicken. Von Hallen, die wir nur gemietet haben, ziehen wir Mitarbeiter am neuen Standort zusammen. Wie genau die Mitarbeiterzahlen sind, werde ich Ihnen nicht sagen, weil die Konkurrenz sich dafĂŒr auch interessiert.

Zum Verkehr kommen wir bitte gleich. In den Jahren 2000-2002 standen ihre Firma und Sie persönlich stark in der Kritik, wie Sie mit ihren Mitarbeitern umgehen. Auch heute noch werden Sie von der Gewerkschaft verdi Ă€ußerst kritisch betrachtet. Der Vorwurf lautet, ihre Leute mĂŒssten mehr fĂŒr weniger Geld arbeiten und es gĂ€be keine ÃƓberstundenregelungen.
Das ist Unfug und eine unverschÀmte Behauptung. Es trifft zu, dass wir uns nicht an die TarifvertrÀge binden. Aber wir haben Boni und PrÀmien und bezahlen unsere Mitarbeiter nach Leistung. Schauen Sie sich nur mal die Zahlen zu unserer Betriebszugehörigkeit an: Viele sind 10, 20, 30 Jahre im Unternehmen.

Weshalb beschĂ€ftigen Sie dann im VerhĂ€ltnis gesehen eine so große Zahl von Leiharbeitern?
Die brauchen wir je nach Zyklus. Das sind Leiharbeiter, die wir leihen, wenn wir sie benötigen. Mit den Zeitarbeitsfirmen, die uns diese Leute stellen, arbeiten wir langfristig zusammen.

„Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapitel“, Uwe Nitzinger

Sie werben mit ihren Auszubildenden. Wie viele Stellen bieten Sie fĂŒr welche Berufe an?
Weit ĂŒber 20. Vom Fachlageristen, ĂŒber Kaufleute fĂŒr Speditions- und Logistikdienstleistungen bis hin zum BA-Studium fĂŒr Logistik.

Die meisten AusbildungsplÀtze sind im Lagerbereich?
Ja. Da brauchen wir auch die meisten Leute.

Die man leicht ersetzen kann?
Daran ist uns ĂŒberhaupt nicht gelegen. Unser grĂ¶ĂŸtes Kapital sind unsere Mitarbeiter, deswegen wollten wir auch in der Region bleiben, die gleichzeitig aber auch ein idealer Standort wegen der EU-Osterweiterung ist. Es dauert, bis ein Mitarbeiter mit den komplexen AblĂ€ufen in einem Logistik-Zentrum vertraut ist. Das ist qualifizierte Arbeit, die dort geleistet wird.

Kommen wir zum Verkehr. Sie sagen, der ĂŒberwiegende Teil der Waren kommt aus und geht in die Ferne. Wie definieren Sie Ferne?
Das ist alles, was weiter als die Region ist. Beispielsweise kommt Waschmittel aus DĂŒsseldorf, das dann fĂŒr ein Handelslager in Offenburg weiter transportiert wird. Das wird das HauptgeschĂ€ft.

Lkw-Verkehr durch Heddesheim

Sind Sie bereit, eine Vereinbarung mit der Gemeinde zu schließen, dass möglichst wenig Verkehr durch Heddesheim lĂ€uft?
DarĂŒber sind wir gerade im GesprĂ€ch. Seriöserweise kann ich nicht ganz ausschließen, dass einige Lkws durch Heddesheim fahren. Nur nicht annĂ€hernd in der GrĂ¶ĂŸenordnung, wie von der IG behauptet. Die wollen das einfach nicht verstehen.

Im Mannheimer Morgen zu sehen, wurde mitten in der Diskussion ein Pfenning-Laster in der Ortsmitte fotografiertñ€©
Dann schauen Sie sich den mal an: Das ist ein „City-Sattel“ gewesen. Solche Lkw werden fĂŒr die Nahversorgung eingesetzt. Die Leute wollen doch auch im Laden was kaufen können, oder?

Können Sie denn die Zahl von 3 Lkw pro Stunde in Spitzenzeiten ĂŒber die Ringstraße halten, wenn die 2. Ausbaustufe fertig ist oder sind es dann doppelt so viele?
Es werden nicht doppelt so viele sein, weil sich die Bebauung und damit die gelagerten Waren nicht verdoppeln. Aber es werden mehr sein, hier auch wieder im Fernverkehr. Seriös kann ich das heute noch nicht sagen, wir reden gerade vom Jahr 2016.

Pfenning-Lkw vor Edeka TiefkĂŒhl-Zentrum Bild:pro

ZurĂŒck zum Anfang: Wer ist denn auf wen zugegangen, BĂŒrgermeister Kessler auf das Unternehmen oder umgekehrt?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich das nicht mehr weiß. Wir haben aber nach Aufnahme der Verhandlungen spĂ€ter auch den Gemeinderat bei uns gehabt, dem wir das Projekt vorgestellt und erlĂ€utert haben, dass gerade der Gleisanschluss fĂŒr uns einen enormen Vorteil bietet.

Kritischer Gemeinderat?

Wurden kritische Fragen gestellt?
SelbstverstÀndlich haben die GemeinderÀte uns Fragen gestellt, beispielsweise zur Verkehrsbelastung, das war ein zentraler Punkt.

In Heddesheim wundert man sich, dass die GrĂŒnen geschlossen zugestimmt haben. Mussten Sie bei den GrĂŒnen eine stĂ€rke ÃƓberzeugungsarbeit leisten als bei den anderen?
Wenn Sie mir sagen, wie man einen GrĂŒnen erkennt? Ich habe an den Fragen nicht unterscheiden können, wer zu welcher Partei gehört.

In Heddesheim wird mittlerweile hitzig ĂŒber das FĂŒr und Wider ihrer Ansiedlung gestritten. Gab es Fehler in der Kommunikation?
Das mĂŒssen Sie die fragen, die sich so aufregen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen bei der Kommunikation. Die Stimmung ist nicht von uns aufgeheizt worden. Wir wĂŒnschen uns einen konstruktiven Dialog mit den Heddesheimer BĂŒrgern. Das heutige GesprĂ€ch mit Ihnen ist hierfĂŒr ein Beispiel.

Dann hat der BĂŒrgermeister Fehler gemacht?
Ich war noch nie BĂŒrgermeister und bin in der Kommunalpolitik nicht zuhause. Das kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann aber nicht erkennen, dass der BĂŒrgermeister in der Kommunikation Fehler gemacht hĂ€tte.

Interview mit Pfenning-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger: Wir kommen sicher nach Heddesheim!

Uwe Nitzinger, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der KMP Holding GmbH, erklĂ€rt im GesprĂ€ch mit dem Heddesheim-Blog, wann Pfenning nach Heddesheim kommt, was das Unternehmen dort vor hat und welche Folgen die Ansiedlung fĂŒr Heddesheim haben wird.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Nitzinger, die Pfenning Gruppe will in Heddesheim 100 Millionen Euro in ein Logistik-Zentrum investieren. Können Sie aufschlĂŒsseln, aus welchen Posten diese enorme Summe besteht?
Uwe Nitzinger: Zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch zu frĂŒh, um ihre Frage detailliert zu beantworten. Unsere Planer haben natĂŒrlich zusammengerechnet, was sie an Kosten erwarten. Wie teuer oder gĂŒnstig was am Ende ist, hĂ€ngt von der Konjunktur, dem Einkauf der Leistungen und Ă€hnlichem ab. 100 Millionen ist die angenommene Summe. Wenn es uns weniger kostet, sind wir natĂŒrlich damit zufrieden.

Bis 2013 soll erst die HĂ€lfte gebaut worden sein. Warum?
Ich weiß nicht, woher Sie diese Zahl haben.

2. Bauabschnitt ab 2016

Aus der Zeitung.
Dann ist da etwas missverstanden worden. Bis 2013 wollen wir mit dem 1. Bauabschnitt fertig sein. Ein 2. Bauabschnitt auf dem ErweiterungsgelĂ€nde kann frĂŒhestens ab 2016 realisiert werden. Dieser Bauabschnitt wird auf jeden Fall nicht so groß ist, wie der erste.

Aber ab 2013 wird der Firmensitz von Viernheim nach Heddesheim verlegt?
Sobald wir dort unser neues VerwaltungsgebÀude beziehen können.

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

Sie vergrĂ¶ĂŸern sich auf einen Schlag ganz enorm. Bauen Sie das GeschĂ€ft mit bestehenden Kunden aus oder haben Sie neue Kunden, die ihre KapazitĂ€ten benötigen?
Wir haben ein starkes BestandsgeschÀft und sind intensiv dabei, neue Kunden zu gewinnen. Unser GeschÀftsmodell ist die Logistik, wir bieten Kunden LagerflÀche mit entsprechender Organisation, die Verpackung und den Transport von Waren an.

Diese Waren mĂŒssen ja irgendwie zu Ihnen kommen?
Sicher. Mit dem Lkw und zunehmend mit der Bahn. Nehmen Sie beispielsweise internationale Waschmittelhersteller, die gerade Werbung damit machen, dass sie den Transport ihrer Produkte um bis zu zwei Drittel von der Straße auf die Schiene bringen. Deswegen sind wir auch in Heddesheim, wegen des Gleisanschlusses.

„Wir haben zu wenig Platz“, Uwe Nitzinger

Und wegen der FlÀche.
Ganz klar. Wir mussten in der Vergangenheit AuftrĂ€ge absagen, weil wir zu wenig Platz hatten. Und wie oft habe ich gehört: „Ich wĂŒrde euch den Auftrag geben, ihr seid dafĂŒr kompetent, aber ihr habt die KapazitĂ€t nicht.“ Kennen Sie einen Kaufmann, der gerne auf GeschĂ€fte verzichtet? Wir verbessern in Heddesheim unsere Produktionsstrukturen und unsere WettbewerbsfĂ€higkeit.

Beschreiben Sie bitte, wie Sie und ihre Kunden zusammenkommen?
Oft ĂŒber Ausschreibungen. Ein Produzent, eine Handelskette hat ein Logistik-Problem und gibt die Daten in den Markt. Dann bewirbt man sich darum. Das können kurzfristige Aufgaben sein, wir sind natĂŒrlich an langfristigen VertrĂ€gen interessiert. Wie wir das regeln, ĂŒberlĂ€sst uns der Kunde, er will sich darauf verlassen, dass seine Waren zuverlĂ€ssig dahin kommen, wo er sie braucht.

Welchen Vorlauf benötigt ein langfristiges GeschÀft?
Oft bis zu einem Jahr. Das fĂ€ngt mit dem Regalbau an, hier haben Sie einen Vorlauf von bis zu zwölf Wochen, das sind Spezialanfertigungen. Wenn das steht, muss die EDV fĂŒr die Warenwirtschaft installiert werden, Sicherheitsanlagen, Bewachung fĂŒr hochwertige GĂŒter. Je nach Produkt mĂŒssen gewisse Auflagen erfĂŒllt und Genehmigungen erteilt werden.
Wir stehen beispielsweise gerade in Verhandlungen mit einem Lebensmittelkunden. Der braucht ab 2011 KapazitÀten und ist sehr an uns interessiert.

„Privatinvestoren investieren in das GelĂ€nde

Das GelÀnde, auf dem Sie in Heddesheim bauen wollen, gehört nicht der Firma, sondern wird von der Phoenix 2010 GbR, an der Herr Karl-Martin Pfenning beteiligt ist, gekauft. Warum?
Das ist ein ganz normaler Vorgang. Privatinvestoren investieren in das GelĂ€nde und Unternehmen mieten das dann. Das finden Sie ĂŒberall.

Wird sich die Firmierung der KMP Holding GmbH Àndern, beispielsweise in eine Aktiengesellschaft?
Nein. Wir bleiben eine GmbH. Die KMP Holding ist die Mutter fĂŒr mehrere Unternehmen die Lagerhaltung, Kommissionierung, Transport und Verpackung von Waren sowie Mehrwertdienstleistungen betreiben.

Was sind Mehrwertdienste?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In Mannheim haben wir ein Kompetenzzentrum Stahl. Hier kaufen wir Stahl und Bleche und bearbeiten diese fĂŒr einen Kunden. Wir sind dort Teil der Fertigungskette, wenn Sie so wollen „eine verlĂ€ngerte Werkbank“.

Werden auf dem GelÀnde in Heddesheim nur Pfenning tÀtig sein oder auch andere Unternehmen?
Prinzipiell nur wir. Dass wir die Konkurrenz nicht aufs GelÀnde lassen, werden Sie verstehen. Vorstellbar ist, dass ein Unternehmen Hallen mietet, aber selbst betreibt, beispielsweise, wenn der Umgang mit den eigenen Produkten nur durch eigene Mitarbeitern erfolgen soll.

ErlÀutern Sie das bitte.
Es gibt vielfĂ€ltigste Anforderungen in der Logistik- branche. Wenn beispielsweise ein Pharmahersteller Waren in die USA liefert, ist er automatisch der Ă€ußerst strengen Kontrolle der FDA (der Lebensmittelkontrollbehörde Food and Drug Administration, Red.) unterworfen. Es könnte sein, dass diese einen lĂŒckenlosen Nachweis verlangt, dass nur das produzierende Unternehmen Kontakt zur Ware hat.

Andere Firmen auf dem Pfenning-GelÀnde

Sie planen also die Vermietung?
Nein, ich habe Ihnen ein Beispiel gegeben, was vorstellbar ist, wenn wir zum Beispiel mit unserem GeschĂ€ft die Hallen temporĂ€r nicht ausfĂŒllen können sollten. Oder sollen wir die dann leer stehen lassen?

Sie arbeiten fĂŒr mehrere Kunden. WĂ€re eine Spezialisierung nicht besser?
Auf keinen Fall. ÃƓberlegen Sie mal, wo wir in der momentanen Krisensituation stĂŒnden, hĂ€tten wir uns zum Beispiel nur auf das AutomobilgeschĂ€ft konzentriert? Wir haben ein Multi-User-Konzept. FrĂŒher wurden wir gefragt, was wir mit dem „Bauchladen“ wollen, heute gucken die, denen die AuftrĂ€ge wegbrechen, mit Neid auf uns.

GefĂ€hrliche GĂŒter

In ihrem „Bauchladen“ finden sich auch gefĂ€hrliche GĂŒter. Beispielsweise ist Waschpulver an sich harmlos, in einer großen Menge aber nicht.
Genau. Wir haben große Waschmittelmengen. Dabei unterliegen wir aber auch einer strengen Kontrolle und erfĂŒllen alle notwendigen Auflagen – sonst wĂŒrden wir ja unsere Existenz aufs Spiel setzen. Was wir definitiv nicht lagern werden, sind radioaktives Material und Sprengstoffe. Zum VerstĂ€ndnis: Haarspray wird von vielen Menschen benutzt, typischerweise in einer Druckgasverpackung. In großen Mengen ist das ein Gefahrstoff, wir wissen aber, wie wir damit umgehen, sonst bekĂ€men wir die AuftrĂ€ge nicht.

Auf welchen Zeitraum ist ihr Engagement in Heddesheim ausgelegt?
Das ist eine Generationsentscheidung. Wir investieren eine Menge Geld und werden dementsprechend lang bleiben. Außerdem sind wir ein Familienbetrieb. Der zieht nicht einfach weiter, wie das mit Standorten von Konzernen passiert.

Bevor Sie Heddesheim gewĂ€hlt haben, hatten Sie sich fĂŒr einen Standort in Viernheim an der A6/61 interessiert. Stimmt es, dass Sie nur deswegen nicht dorthin gegangen sind, weil die Verhandlungen mit den EigentĂŒmern zu lange gedauert hĂ€tten? Das ist doch mit Geld zu lösen.
Nein. Das war nicht der entscheidende Grund. Sicherlich hĂ€tte die Gemeinde uns unterstĂŒtzen können. Die mögliche Nutzung des GelĂ€ndes ist aber nicht so gut wie in Heddesheim, das liegt am GrundstĂŒckszuschnitt. Außerdem wurde uns vermittelt, dass wir uns von politischer Seite keine große Hoffnung machen sollten, dass es schnell zu einem Bebauungsplan kommen könnte. Wir wollen und mĂŒssen aber expandieren und sind deshalb nach Heddesheim gegangen.

Schweigende Mehrheit

Sie gehen fest davon aus, dass Sie sich in Heddesheim ansiedeln werden?
Ja.


Uwe Nitzinger Bild:Pfenning-Gruppe

Trotz der Proteste gegen ihre Ansiedlung und der kritischen Stimmung in Heddesheim?
Die Interessengemeinschaft (IG) macht in unseren Augen ordentlich Wind, aber es gibt auch den Begriff der schweigenden Mehrheit. Ich glaube nicht, dass sich die Mehrheit der Heddesheimer von bewusst falsch verbreiteten Informationen irritieren lÀsst.

Sie bezeichnen die Mitglieder der IG neinzupfenning als FĂ€lscher?
Das habe ich nicht gesagt. Sie haben falsche Zahlen verbreitet und Behauptungen aufgestellt, die nicht zutreffen, wovon sich die Heddesheimer auch durch die Gutachten auf der BĂŒrgerinformation ĂŒberzeugen konnten.

Was steht im stÀdtebaulichen Vertrag?

Die Zahlen stimmen nicht. Woher hÀtte die IG aber die echten Zahlen nehmen sollen? Es wurde ja alles geheim gehalten.
Das ist so nicht richtig. BĂŒrgermeister, Gemeinderat und wir haben vertraulich verhandelt. Das ist unser Recht und absolut ĂŒblich, damit man im gegenseitigen Vertrauen zu einem Ergebnis kommen kann.

Ein Teil des Ergebnisses ist ein ebenfalls als vertraulich eingestufter „stĂ€dtebaulicher Vertrag“. Was steht da drin?
Darin ist festgelegt, wie Gemeinde und Unternehmen das GrundstĂŒck entwickeln werden, wer welche Aufgaben und Kosten ĂŒbernimmt.

Sind dort auch Vertragsstrafen definiert, falls es nicht zu einer Bebauung kommt?
Davon ist mir nichts bekannt.

„Chance genutzt“

Im Mannheimer Morgen hieß es, Sie seien auf die Heddesheimer Gemarkung aufmerksam geworden, weil Edeka das geplante Fleischwerk nun doch nicht dort, sondern in Rheinstetten ansiedelt. Soll man das glauben, dass Sie nicht schon lĂ€nger alle geeigneten FlĂ€chen im Blick hatten?
Die korrekte Darstellung ist: Als klar wurde, dass Edeka dieses sehr gute GelĂ€nde doch nicht in Anspruch nimmt, hat sich fĂŒr uns eine Chance ergeben. Die haben wir genutzt. Und wir schaffen ArbeitsplĂ€tze.

Ist das so? Soweit ich verstanden habe, wechseln rund 400 Mitarbeiter von Viernheim nach Heddesheim, 250 weitere kommen aus der Region hinzu. Macht 650. Sie sprechen von bis zu 1000 ArbeitsplÀtzen, davon sind je 250 Subunternehmer und Leiharbeiter, verbleiben 500. Wo sind die fehlenden 150 hin?
Es ziehen ĂŒber 500 Mitarbeiter um. Vor Ort werden neue ArbeitsplĂ€tze geschaffen, weil eine Reihe von Mitarbeitern, beispielsweise im Stahl- Kompetenzzentrum nicht nach Heddesheim wechseln. Das wĂ€re Unsinn, weil die am Ort des Kunden tĂ€tig sind. Deswegen ist auch die Annahme falsch, wir wĂŒrden stĂ€ndig Lkw von Heddesheim nach Mannheim und zurĂŒck schicken. Von Hallen, die wir nur gemietet haben, ziehen wir Mitarbeiter am neuen Standort zusammen. Wie genau die Mitarbeiterzahlen sind, werde ich Ihnen nicht sagen, weil die Konkurrenz sich dafĂŒr auch interessiert.

Zum Verkehr kommen wir bitte gleich. In den Jahren 2000-2002 standen ihre Firma und Sie persönlich stark in der Kritik, wie Sie mit ihren Mitarbeitern umgehen. Auch heute noch werden Sie von der Gewerkschaft verdi Ă€ußerst kritisch betrachtet. Der Vorwurf lautet, ihre Leute mĂŒssten mehr fĂŒr weniger Geld arbeiten und es gĂ€be keine ÃƓberstundenregelungen.
Das ist Unfug und eine unverschÀmte Behauptung. Es trifft zu, dass wir uns nicht an die TarifvertrÀge binden. Aber wir haben Boni und PrÀmien und bezahlen unsere Mitarbeiter nach Leistung. Schauen Sie sich nur mal die Zahlen zu unserer Betriebszugehörigkeit an: Viele sind 10, 20, 30 Jahre im Unternehmen.

Weshalb beschĂ€ftigen Sie dann im VerhĂ€ltnis gesehen eine so große Zahl von Leiharbeitern?
Die brauchen wir je nach Zyklus. Das sind Leiharbeiter, die wir leihen, wenn wir sie benötigen. Mit den Zeitarbeitsfirmen, die uns diese Leute stellen, arbeiten wir langfristig zusammen.

Und ihre Subunternehmer? Sind das Deutsche oder AuslÀnder?
Haben Sie was gegen AuslÀnder?

Absolut nicht. Die Frage zielt auf die VertrĂ€ge. AuslĂ€ndische Subunternehmer sind sicherlich gĂŒnstiger als deutsche.
Dazu mĂŒssen Sie wissen, dass diese im innereuropĂ€ischen Verkehr bis jetzt noch nicht fahren dĂŒrfen. Viele Fahrer haben tatsĂ€chlich einen Migrationshintergrund, sind aber bei den Subunternehmern angestellt, die mit uns die VertrĂ€ge haben.

Das heißt, nicht jeder Laster, der den Schriftzug Pfenning trĂ€gt, ist auch ein solcher?
Wir haben viele eigene Fahrzeuge und achten bei unseren Subunternehmern darauf, dass die Zugmaschinen zu uns passen. Die HĂ€nger sind meist von uns.

„Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapitel“, Uwe Nitzinger

Sie werben mit ihren Auszubildenden. Wie viele Stellen bieten Sie fĂŒr welche Berufe an?
Weit ĂŒber 20. Vom Fachlageristen, ĂŒber Kaufleute fĂŒr Speditions- und Logistikdienstleistungen bis hin zum BA-Studium fĂŒr Logistik.

Die meisten AusbildungsplÀtze sind im Lagerbereich?
Ja. Da brauchen wir auch die meisten Leute.

Die man leicht ersetzen kann?
Daran ist uns ĂŒberhaupt nicht gelegen. Unser grĂ¶ĂŸtes Kapital sind unsere Mitarbeiter, deswegen wollten wir auch in der Region bleiben, die gleichzeitig aber auch ein idealer Standort wegen der EU-Osterweiterung ist. Es dauert, bis ein Mitarbeiter mit den komplexen AblĂ€ufen in einem Logistik-Zentrum vertraut ist. Das ist qualifizierte Arbeit, die dort geleistet wird.

Kommen wir zum Verkehr. Sie sagen, der ĂŒberwiegende Teil der Waren kommt aus und geht in die Ferne. Wie definieren Sie Ferne?
Das ist alles, was weiter als die Region ist. Beispielsweise kommt Waschmittel aus DĂŒsseldorf, das dann fĂŒr ein Handelslager in Offenburg weiter transportiert wird. Das wird das HauptgeschĂ€ft.

Lkw-Verkehr durch Heddesheim

Sind Sie bereit, eine Vereinbarung mit der Gemeinde zu schließen, dass möglichst wenig Verkehr durch Heddesheim lĂ€uft?
DarĂŒber sind wir gerade im GesprĂ€ch. Seriöserweise kann ich nicht ganz ausschließen, dass einige Lkws durch Heddesheim fahren. Nur nicht annĂ€hernd in der GrĂ¶ĂŸenordnung, wie von der IG behauptet. Die wollen das einfach nicht verstehen.

Im Mannheimer Morgen zu sehen, wurde mitten in der Diskussion ein Pfenning-Laster in der Ortsmitte fotografiertñ€©
Dann schauen Sie sich den mal an: Das ist ein „City-Sattel“ gewesen. Solche Lkw werden fĂŒr die Nahversorgung eingesetzt. Die Leute wollen doch auch im Laden was kaufen können, oder?

Können Sie denn die Zahl von 3 Lkw pro Stunde in Spitzenzeiten ĂŒber die Ringstraße halten, wenn die 2. Ausbaustufe fertig ist oder sind es dann doppelt so viele?
Es werden nicht doppelt so viele sein, weil sich die Bebauung und damit die gelagerten Waren nicht verdoppeln. Aber es werden mehr sein, hier auch wieder im Fernverkehr. Seriös kann ich das heute noch nicht sagen, wir reden gerade vom Jahr 2016.

Pfenning-Lkw vor Edeka TiefkĂŒhl-Zentrum Bild:pro

Pfenning-Lkw vor Edeka TiefkĂŒhl-Zentrum Bild:pro

Wie steht es mit den Verhandlungen mit der Bahn? Dauern die an oder stehen Sie vor einem Abschluss?
Die sind in trockenen TĂŒchern. Die Bahn hat da ganze Arbeit geleistet. Sie können sich vorstellen, wie kompliziert eine Lösung ist, wenn Sie wissen, dass immer nur kurze Zeitfenster bleiben, um die ZĂŒge auf die Strecke zu bringen, weil auf der Linie der ICE entlang rauscht. Wir werden drei Gleise haben, eins zu den Hallen, eins fĂŒr die leeren Waggons und eins fĂŒr die Loks zum Rangieren.

Wer bezahlt das und wie teuer ist der Bau?
Wir. Das kostet uns rund 2,5 Millionen Euro.

„Schönheit liegt im Auges des Betrachters“, Uwe Nitzinger

Zum Bau: Herr Fleckenstein hat im Mannheimer Morgen die MonstrositÀt der Hallen kritisiert. Finden Sie Lagerhallen schön?
Das hÀngt vom Auge des Betrachters ab. Es gibt aber durchaus interessante Architekturen. Abgesehen davon findet hier ein GeschÀft statt, das den Leuten Arbeit gibt. Das finde ich schön.

Man könnte ja auch KĂŒnstler dran setzen, die die Hallen verschönern.
Dazu gibt es ÃƓberlegungen.

ZurĂŒck zum Anfang: Wer ist denn auf wen zugegangen, BĂŒrgermeister Kessler auf das Unternehmen oder umgekehrt?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich das nicht mehr weiß. Wir haben aber nach Aufnahme der Verhandlungen spĂ€ter auch den Gemeinderat bei uns gehabt, dem wir das Projekt vorgestellt und erlĂ€utert haben, dass gerade der Gleisanschluss fĂŒr uns einen enormen Vorteil bietet.

Kritischer Gemeinderat?

Wurden kritische Fragen gestellt?
SelbstverstÀndlich haben die GemeinderÀte uns Fragen gestellt, beispielsweise zur Verkehrsbelastung, das war ein zentraler Punkt.

In Heddesheim wundert man sich, dass die GrĂŒnen geschlossen zugestimmt haben. Mussten Sie bei den GrĂŒnen eine stĂ€rke ÃƓberzeugungsarbeit leisten als bei den anderen?
Wenn Sie mir sagen, wie man einen GrĂŒnen erkennt? Ich habe an den Fragen nicht unterscheiden können, wer zu welcher Partei gehört.

In Heddesheim wird mittlerweile hitzig ĂŒber das FĂŒr und Wider ihrer Ansiedlung gestritten. Gab es Fehler in der Kommunikation?
Das mĂŒssen Sie die fragen, die sich so aufregen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen bei der Kommunikation. Die Stimmung ist nicht von uns aufgeheizt worden. Wir wĂŒnschen uns einen konstruktiven Dialog mit den Heddesheimer BĂŒrgern. Das heutige GesprĂ€ch mit Ihnen ist hierfĂŒr ein Beispiel.

Dann hat der BĂŒrgermeister Fehler gemacht?
Ich war noch nie BĂŒrgermeister und bin in der Kommunalpolitik nicht zuhause. Das kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann aber nicht erkennen, dass der BĂŒrgermeister in der Kommunikation Fehler gemacht hĂ€tte.