Freitag, 22. September 2017

Die gr√∂√üte Gefahr f√ľr Hunde, sich zu vergiften, lauert zu Hause

Giftanschlag auf Hund nicht festellbar

Auf Hunde m√ľssen die Halter achten wie auf ihre Kinder. Die meisten Vergiftungen passieren im Haushalt. Gezielte Giftk√∂deranschl√§ge gab es in den vergangenen Jahren keine.

Hunde an die Leine!, r√§t die Polizei. Auf sie m√ľssen „Herrchen“ und „Frauchen“ achten wie auf ihre Kinder. Foto: Wikimedia CC-BY-SA-2.0

 

Viernheim, 19. Juni 2013. (red/ld) Es ist ein Horrorszenario f√ľr Hundebesitzer, das sich vor knapp zwei Wochen so abgespielt hat: Ein Mann aus Viernheim ist verzweifelt. Seinem Hund – ein elf Jahre alter Huskie-Mischling – geht es nicht gut: In der Nacht hatte dieser sich mehrfach erbrochen, hatte Magenkr√§mpfe. Was ist mit ihm los? Die Diagnose des Tierarztes ist niederschmetternd: Der Hund ist vergiftet! Der Tierarzt muss ihn einschl√§fern. [Weiterlesen…]

Der Gemeinderat f√ľhrte die Leinenpflicht ein und schaffte die Mittagsruhe ab

Hunde an die Leine!

Heddesheim, 22. Februar 2013. (red/ld/zef) Die Leinenpflicht gilt f√ľr den gesamten inner√∂rtlichen Bereich, den Seeweg, den Badesee, sowie auf den Fl√§chen, die an das Viernheimer Naturschutzgebiet Neuzenlache angrenzen: die Sch√§ffertswiese, und der Rad- und Fu√üweg an der Werderstra√üe. Das beschloss gestern der Gemeinderat.¬† Gleichzeitig wurde die Mittagsruhe per Verordnung abgeschafft.

Von Lydia Dartsch und Ziad-Emanuel Farag

Im inner√∂rtlichen Bereich wird die Leinenpflicht aus Sicherheitsgr√ľnden eingef√ľhrt. Andernfalls k√∂nnte es durch aufgeschreckte Passanten oder Hunde und dem Kraftverkehr schnell zu brenzligen Situationen kommen. Infolge dessen sei es in der Vergangenheit zu Konflikten zwischen Hundehaltern und Passanten gekommen. [Weiterlesen…]

„Und das Licht! So gem√ľtlich!“ – bei freiem Eintritt


Rhein-Neckar, 09. Mai 2011 (red) Marietta berichtet aus ihrem bewegten Alltag. Ihre Geschichten kosten keinen Eintritt und sind mitten aus dem Leben – manchmal geht die Phantasie mit ihr durch, aber viellicht auch nur wegen der Realit√§t. Doch was ist real, was phantastisch? Bei Marietta mischen sich die Sph√§ren. Im Mittelpunkt steht der Mensch und der ist immer √ľberraschend. Vor allem die eigenen Eltern. Und vor allem dann, wenn F√§sbuk auf Schwarzwald und Urlaubstr√§ume trifft.

Von Marietta Herzberger

Es ist unvermeidlich. Drei- bis viermal im Jahr hat irgendeiner im ersten bis zweiten Verwandtschaftsgrad Geburtstag und man findet sich ein. Die Lokalität wechselt dabei ständig. Mal ist es die Wohnung meiner Eltern, mal unsere, mal der Balkon meiner Eltern oder unsere Terrasse.

Gelegentlich darf es auch mal ein Restaurant sein. Das kommt bei meinen Eltern aber nur in Frage, wenn das Restaurant bekannt, der Koch gut und ebenfalls bei meinem Vater bekannt ist. Die Hauptkriterien sind grunds√§tzlich und in jedem Fall der Preis, N√§he der Gastst√§tte sowie Gr√∂√üe und Konsistenz der Schnitzel und des Kochs. Bevorzugt sind Kegelbahnen mit Anschluss an die Gastronomie und Sch√ľtzenvereine.

Wie bei de Gerda.

„Des schmeckt do fascht so gud wie bei de Gerda, sach ich. Un koschte duts beinoh nix. Do geh mer gern hi, gell Gerda!“, pflegt Hannes zu loben, wenn es geschmeckt hat, reichlich und g√ľnstig war.

Das Schicksal legte meinen diesj√§hrigen Geburtstag auf einen Dienstag. Ich mag Dienstage. Nur nicht an meinem Wiegenfeste. Die obligatorische Einfindung meiner Eltern fand auf unserer Terrasse statt. Nachdem ich morgens meine Kollegen bereits mit reichlich Kuchen und Geb√§ck begl√ľcken durfte – selbstgekauft versteht sich, denn von einer perfekten Hausfrau bin ich ungef√§hr so weit weg wie Papua Neuguinea von Toiletten mit flie√üend Wasser – schnitt ich am Nachmittag den in der Vorwoche gekauften und frisch aufgetauten K√§sekuchen an.

Bitte glauben Sie nun nicht, meine Eltern w√§ren mir auch nur im Ansatz zuwider. Nein, im Gegenteil. Ich liebe sie, wie eine Tochter ihre Eltern nur lieben kann. Mit all ihren kleinen Fehlern und liebenswerten Macken, welche im Alter bisweilen zutage treten. Ich trenne sie nur strikt von meinem Freundeskreis, der an meinen Geburtstagen zu einem anderen Zeitpunkt geladen wird. Aus Kostengr√ľnden und um unertr√§gliche Gespr√§chsspitzen zu vermeiden.

Es klingelt. Der Hund √∂ffnet die T√ľr. Das Kind st√ľrzt hinterher. Mein Mann br√ľllt: „Deine Eltern sind da!“

Schnell lege ich noch Servietten neben die Teller und bearbeite den K√§sekuchen leicht mit den F√§usten. Wirkt authentischer. Dann haste ich ebenfalls zur T√ľr. Es ist ein heiteres Willkommen. K√ľsschen links, K√ľsschen rechts. Die stets selbstlose Ella will wissen, ob Opa auch ihr Geschenke mitgebracht hat, w√§hrend der Hund an Oma Gerda hochspringt und versucht sie abzulecken.

„Der Kuche iss awer gud.“

Mein Mann hilft seinem Schwiegervater Hannes aus der Jacke. Bei Gerda hat das der Hund schon erledigt. Ella versucht ihre Oma in ihr Zimmer zu ziehen, um ihr die neue Bettw√§sche zu zeigen. Das Ganze spielt sich auf ungef√§hr 1,5 qm Flur ab. Schlie√ülich hat jeder sein K√ľsschen auf der Wange, die Jacke an der Garderobe, Geburtstagsw√ľnsche an mich √ľbermittelt und mir das j√§hrliche Geldgeschenk nebst S√∂hnlein Brillant √ľberreicht.

Ella ist sauer, weil keiner ihre Bettw√§sche bewundern will. Ich seufze. Auch das geht vor√ľber und wir an den Tisch.

„Der Kuche iss awer gud“, lobt mich Papa, „Hoscht den selwer gebagge?“

Mein Mann springt f√ľr mich in die Bresche: „Schmeckt der wie gekauft, Hannes?“
„Ah n√§√§, isch froog jo nur.“

„Noch Kaffee?“

„Noch Kaffee?“, l√§chele ich meine Mutter an.

„Nee Kind“, winkt sie ab, „du wei√üt doch, so sp√§t am Nachmittag√Ę‚ā¨¬¶dann schlaf ich wieder nicht.“

„Die vertr√§gt des nimmer, die Gerda. So iss des hald, wemmer ald werd“, sinniert Hannes.

Gerda nickt bedeutungsschwer: „Na ja, man muss schon auf die Ern√§hrung achten. Auch wenn man nicht wei√ü, wie lange man noch lebt√Ę‚ā¨¬¶“

Gro√ües Kino: „Wie war denn euer Urlaub?“

Meine Tochter Ella verdreht die Augen und kaut Käsekuchen.

„Wie war denn euer Urlaub?“, wechselt mein Mann galant das Thema.

Ich habe einen guten Ehemann. Er ersp√ľrt negative Schwingungen sofort und steuert dagegen. Anders als ich. Ich steuere immer direkt drauf zu. Wir erg√§nzen uns. Aber ich schweife ab√Ę‚ā¨¬¶

Der Blick, das Licht - 20 Jahre. Urlaub ist was sch√∂nes. Jeder hat eine andere Vorstellung davon. Marietta zahlt f√ľr die Extra-Vorstellung noch nicht mal Eintritt. Bild: wikipedia/Arminia

Leider ist Gegensteuern auch nicht immer die beste Wahl. Unwissentlich gibt er damit den Startschuss f√ľr Hannes gef√ľrchtete Monologe.

„Mama?“, mein cleveres Kind erkennt die Situation pfeilschnell und versuchte, sich zu retten, „Darf ich raus, spielen gehen? Ich bin satt.“

„Klar“, sage ich neidvoll und entlasse sie mit einem huldvollen Wink in die Freiheit.

„Also des h√§dds bei uns frieher net gewwe“, entr√ľstet sich Hannes mit erhobenem Zeigefinger, „Mir h√§wwe am Tisch sitze bleiwe misse, bis√Ę‚ā¨¬¶“

„Wo wart ihr in Urlaub?“ Mein Mann beugt sich nach vorne und schaut meinen Vater interessiert an. Wie macht er das nur? Ich lehne mich zur√ľck, schaue alles andere als interessiert und atme tief.

„Ja, wo war mer in Urlaub?!“, kl√§fft mein Vater ungl√§ubig, „Do wo mer immer sin. Seid zwonzisch Johr jetz schun.“

Bes√§nftigend schiebt sich meine Mutter dazwischen: „Ach Hannes, lass doch“, und zu uns gewandt, „Beim H√§userwirt im Schwarzwald. Ihr wisst doch, der mit nur einer Ferienwohnung.“

Wir nicken eifrig und haben nicht den Hauch einer Ahnung.

Hannes haut begeistert mit der Hand auf den Tisch: „Also des iss √§ suber Wohnung!“ Kurze Pause. „Awwer pass uff! Die derfter net in F√§sbuk oder im Innerned oder so zeige, gell! Sunschd griehe mer die vielleicht nimmer, wenn die donn jeder will!“ Wieder eine kurze, dieses Mal jedoch mahnende Pause. Das Gewicht der Worte soll sich setzen.

„Die hot alles, die Wohnung√Ę‚ā¨¬¶√É‚Äě Kisch mit Gscherrspielmaschien unn e riese Schlofzimmer mit √§m riese Bett. „Jo, allerdings…“, Hannes schaut meinen Mann taxierend an, „fer disch kenns e bissl eng werre, so um do so uff die Seit ons Bett zu kumme mit deiner Gree√ü und deiner Breit√Ę‚ā¨¬¶“.

„Wie? Ich bin doch noch gar nicht breit!?“ Mein Mann ist sichtlich belustigt. Ich bin peinlich ber√ľhrt und r√ľhre meinen Kaffee um. Das mache ich bereits seit Beginn des Gespr√§chs.

„Ja n√§, ich m√§hn doch so vom Zugang zum Bett her und so. Isse bissl eng, aber mir reicht des.“

„Achso√Ę‚ā¨¬¶“, allgemeines Nicken. Nur nicht n√§her drauf eingehen.

Er f√§hrt fort mit seiner Lobeshymne: „Ach, un des Wohnzimmer. So √§ gro√ües Wohnzimmer. Net altmodisch. Eher√Ę‚ā¨¬¶modern. Un √§ Leddersofa, eschd Kunschtledder. So √§ gro√ües Ums-Eck-Sofa. Do hoscht viel Blatz unn√Ę‚ā¨¬¶“

„Ach und das Licht“, mischt sich schw√§rmend meine Mutter ein, „Wenn man da das Licht anmacht, das ist ja so gem√ľtlich, so gem√ľtlich. Da kann man abends sitzen √Ę‚ā¨¬¶ach, so gem√ľtlich.“

Suttereng

Hannes pflichtet ihr begeistert bei: „Die Terrass! Die Terass. So schee. Wonn du do drausse hogscht√Ę‚ā¨¬¶“

„Ja, so gem√ľtlich! Und das Licht!“ Mutters Augen gl√§nzen.

„M√∂chte jemand ein Bier?“, fragt mein Mann. Ich nicke benommen. Eigentlich trinke ich kein Bier. Aber die Kaffetasse ist leer und Bier ist besser als gar kein Alkohol.

„Des iss so schee, wonn du do hoggscht. Okay, die Aussicht iss net so toll, weil do de Parkplatz direkt vor de Terass iss√ā¬ł aber√Ę‚ā¨¬¶“

„√Ę‚ā¨¬¶das Licht. So gem√ľtlich“, erg√§nzt Mama.

Prost, ein Bier aufs Licht!

Hannes nippt am seinem Bier: “ Also√Ę‚ā¨¬¶die Wohnung√Ę‚ā¨¬¶so was Guudes.“

„Und das Licht!“

„In de Kisch steht√ā¬īn riese Tisch. Do konscht dro sitze.“ Hannes wackelt leicht mit dem Kopf: „Un die Leit, die am Fenschder vorbei laafe, die stere net.“
Gerda nickt zustimmend.

„Wisster, die Wohnung liegt im Suttereng, do kenne die Leit net so nei gucke, wonn se vorbei laafe. Auch net ins Schlofzimmer. Awwer mer sinn jo Friehuffsteher!“
Fr√ľhaufsteher? Was? Habe ich etwas verpasst? Kurz eingenickt?

„Wieso Fr√ľhaufsteher?“, frage ich perplex.

Vom Vogel, vom Fr√ľhaufsteher und Brieftr√§ger.

„Ah, weil uns donn de Brieftr√§ger net steert.“

Nun ist auch mein weiser, stets jeder Situation gewachsener Mann irritiert: „Brieftr√§ger?“

„Ei jo, weil doch die Briefk√§schde direkt am Schlofzimmer sin, so vun ausse, verschdehscht?“

Gerda l√§chelt erhaben: „Ja, wenn der Brieftr√§ger morgens um sechs Uhr die Briefe einwirft, dann sind wir ja schon lange wach.“

„De friehe Vogel,√Ę‚ā¨¬¶kennt er doch, des Sprichword, gell?“

M√ľde l√§chle ich meinen Vater an. Was will ich eigentlich? Andere zahlen f√ľr so was Eintritt.

„Und das Licht! So gem√ľtlich!“

„Gerda, mir packens. Danke fer den leckere Kuche und des Bier“, sagt mein Vater und dr√§ngt seine Frau. Ella zeigt ihr noch schnell die Bettw√§sche, mein Mann r√§umt auf.

„Un ja ned ins F√§sbuk stelle, sonschd gibt’s √É‚Äěrscher“, sagt mein Vater noch. „Nein, Papa, bestimmt nicht.“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

Mariettas Kolumne: Einmal Haustier, bitte!


Guten Tag!

4. April 2011. Verl√§uft das Leben gleichm√§√üig und ohne gro√üe √ÉŇďberraschungen, wiegt man sich in Sicherheit. So kann es bleiben, so ist es gut. Gelegentlich jedoch wird der Mensch leichtsinnig und setzt die geliebte Ordnung aufs Spiel. Beispielsweise dann, wenn Kinder vorhanden sind und man pl√∂tzlich auf den Hund kommt.

Von Marietta Herzberger

Die grunds√§tzliche Aussage, welche nach zw√∂lf Jahren tierloser Ehe zu treffen ist, und bis heute unverr√ľckbare G√ľltigkeit hat und von mir niemals in Frage gestellt wurde, ist folgende: Ich bin eine gl√ľckliche Ehefrau. Mein Mann ist nicht einfach nur mein Mann, sondern auch Partner, guter Freund und gelegentlich auch Leidensgenosse. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir sind ein eingespieltes Team und stolze Eltern eines liebreizenden, gelegentlich aufm√ľpfigen Kindes mit Namen Ella.

Wir bewohnen ein Haus im behaglichen Weinheim. Ruhige Lage und erstrebenswerte Spuckn√§he zur Autobahn inklusive. M√∂chte ich mit der Stra√üenbahn fahren, ben√∂tigt es lediglich ein paar leichtf√ľ√üige Schritte rechts aus unserer Haust√ľre heraus und -√ā¬† rein ins Gef√§hrt.

Zur Bushaltestelle wende ich mich leicht nach links. Das ist praktisch. Nur nachts nicht. Da n√§mlich st√∂rt das Bimmeln der OEG-Ampel-Warnanlage, das uns alle halbe Stunde mitteilt, dass die Zeit bis zum Weckerklingeln nahe r√ľckt. Wir haben uns daran gew√∂hnt und schlafen mit Ohrst√∂pseln. Das blecherne Surren der Schranke, das ert√∂nt, wenn sich diese herabl√§sst und nach einigen Minuten- untermalt vom Bimmeln – wieder √∂ffnet, versuchen wir noch irgendwie in unsere Tr√§ume einzubauen.

Träume vom Transsibirien-Express

In einer dieser schlaflosen N√§chte hatte mein Mann die rettende Idee: „Schatz, lass uns vom Transsibieren-Express tr√§umen. Da l√§sst sich das Bimmeln so sch√∂n einbetten.“ Ich fand „einbetten“ gut und passend. Seitdem steigen wir ab Einbruch der Dunkelheit beseligt ins Bett und treten unsere gemeinsame Reise an, bis es wieder hell wird.

Unsere Nachbarn sind gr√∂√ütenteils netter, aufger√§umter Durchschnitt und jeder pflegt seinen kleinen Reihenhausgarten mit Hingabe ohne bieder zu sein. Nein, nicht ganz. Am Ende der Stra√üe wohnt ein √§lteres Ehepaar. Dieses ist stolzer Besitzer eines √ľbersichtlichen, mit Inbrunst gepflegten Vorgartens, der sicherlich drei Bierk√§sten fasst und geometrisch einwandfrei mit kleinen, akkurat rund geschnittenen Buchsbaumk√ľgelchen best√ľckt ist.

Damit dieses Kunstwerk niemand zerst√∂rt, wurde ein Stahlzaun in unauff√§lligem Braun, welches vorz√ľglich mit dem Altrosa des Hauses harmoniert, darum gezogen. Aber auch diese Nachbarn sind angenehm h√∂flich und bis auf den Gartenzaun noch nicht straff√§llig geworden.

Kommt Zeit, kommt Wandel

Auf den Hund gekommen?

Wir sind also, wie schon gesagt, eine gl√ľckliche, kleine Familie. Ganz die Norm, nichts Au√üergew√∂hnliches. Nett, normal, beruhigend.

„Ihr seid so herrlich normal“, beneidete mich j√ľngst eine Freundin. Ich gebe ihr Recht. Allerdings hat sie nett und beruhigend vergessen. Bei Gelegenheit werde ich sie darauf ansprechen.

Doch zu einer Zeit des Wandels bestimmte meine kleine sanfte Tochter unerwartet energisch: „Mama, ich will ein Haustier!“

So ist das eben. Wenn die Zeiten pädagogisch wertvollen Spielzeugs vorbei sind, sucht man nach anderen Dingen.

Diverse Forschungen belegen, dass Kinder mit Haustieren, vor allem mit Hunden, √ľber eine gr√∂√üere soziale Kompetenz verf√ľgen und schneller bereit sind, Verantwortung zu √ľbernehmen, als Kinder ohne direkten Tierbezug.

Sie sind meist bewegungsfreudiger, zugleich ruhiger und ausgeglichener. Sie sind also zu Unzeiten ged√§mpft aktiv und das kann bisweilen erstrebenswert sein. Au√üerdem ist erwiesen: Einzelkinder k√∂nnen vereinzelt Defizite im Sozialverhalten aufweisen. Auch reiben sie sich nicht an Geschwistern, sondern an den Eltern, vorzugsweise an der Mutter. Im Prinzip war ich bereits √ľberredet.

„Und was schwebt dir da vor?“ wollte ich von meinem blau√§ugigen Kind wissen.
„Ein Pferd!“
„Ein Pferd ist kein Haustier!“ widersprach eine m√§nnliche Stimme hinter dem Computer.
„Ist es doch! Es kann im Garten leben!“

„Wie w√§re es mit einer Katze?“ warf ich ablenkend in die Runde. „Schatz!“, vorwurfsvoll wandte sich der Vater unserer√ā¬† Tochter mir zu, „du wei√üt, dass ich allergisch gegen Katzen, Hasen und Meerschweinchen bin√Ę‚ā¨¬¶!“

„Mir egal!“ br√ľllte es jetzt von dem tierlosen Einzelkind, „Ich (!) bin aber nicht algerisch! Papa kann ja ausziehen!“
„Ich ziehe nirgendwo hin. Soweit kommt es noch√Ę‚ā¨¬¶!“

Schmollend pulte unser kleiner Sonnenschein mit dem gro√üen Zeh L√∂cher in den Teppich. W√§hrend ich verzweifelt gr√ľbelte, welcher tierische Artgenosse in Frage kommen k√∂nnte, zupfte mich etwas am √É‚Äěrmel.

„Wenn Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“

„Du Mama, wenn der Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“
„Ja klar, dann kriegst du einen Hasen, S√ľ√üe.“

Mein Herzblatt schaute mich dankbar an. Warum? Was hatte ich gerade gesagt? Was lautete noch gleich ihre Frage? Katze? Hase? Wer ist tot? „Papa?“, s√§uselte unser Liebchen zart, „wann stirbst du denn?“

„Du stirbst?“, irgendwie hatte ich den Faden verloren. Ella schaute ihren Vater durchdringend an. Ja, fast schon hypnotisch. Offenbar erwartete sie nun, dass ihr Erzeuger tot vom Stuhl fallen w√ľrde. Der beschloss jedoch spontan, jetzt noch nicht abzutreten, trat stattdessen zu uns an den Tisch und gab seinem Unmut lautstark Raum: „Seid ihr noch zu retten!?“

Ich versuchte, das Gespr√§ch weg von Tod und Teufel auf ein anderes Gleis zu lenken: „Ein Fisch w√§re toll, oder? So ein Nemo in einem Glas“, und l√§chelte gleichzeitig vers√∂hnlich meinem Mann zu: War nicht so gemeint, verzeihst du mir?

„Nemo ist doof!“
„Eine Maus“, kam der m√§nnliche Vorschlag. Er zwinkerte zur√ľck: Wei√ü ich doch, schon okay.
„Maus ist auch doof!“
„Hamster?“, warf ich tr√§ge in die Runde.
„Total bl√∂d!“

Eine Weile sa√üen wir uns schweigend gegen√ľber und suchten nach Alternativen. Doch weder Fu√üboden, Geheimschublade noch Zimmerdecke gaben etwas Brauchbares her. Schlie√ülich, sich endlos ziehende zweieinhalb Minuten sp√§ter, fand unsere Tochter als erste eine neue Idee: „Ein Hund?“ Sie verbl√ľffte mich mit ihrer Raffinesse, die sie nat√ľrlich von mir hat, und richtete diese Frage mit engelsgleichem Blick an ihren Vater: „Einen Hund, Papa. Bitte, bitte, bitte.“

F√ľnfundzwanzigtausend Mal „Bitte“

Alle „Bittes“ hier aufzuz√§hlen w√ľrde zu weit f√ľhren, also belasse ich es bei drei. Es waren aber deutlich mehr. Gef√ľhlte F√ľnfundzwanzigtausend.

Mein Mann und ich schauten uns skeptisch an. Ein Hund. Dreimal am Tag Gassi. Fusselige Haare im ganzen Haus. Ein dreck- und fellverlierendes, sabberndes Betteltier, welches unserer klinisch reinen Ella genie√üerisch das Gesicht ableckt, wenn wir gerade nicht hinsehen? Konnten wir uns vorstellen, gelassen und heiter zu bleiben, wenn unser Goldl√∂ckchen eintr√§chtig mit einem verfressenen Kl√§ffer vor dem Napf sitzen w√ľrde und die beiden sich das Trockenfutter teilen? Und √ľberhaupt, was so was kostet!

In stiller √ÉŇďbereinkunft nickten wir uns zu. Wer von uns w√ľrde den, nach sorgf√§ltigem Abw√§gen getroffenen Beschluss dem kleinen, voll banger Erwartung erstarrten Wesen √ľberbringen?

Seufzend falteten wir die H√§nde. Ellas Augen wuchsen auf die Gr√∂√üe von Billardkugeln. Sie krallte sich in die Stuhllehne, w√§hrend sie heiser fl√ľsterte:“ Ein Hund√Ę‚ā¨¬¶bitte√Ę‚ā¨¬¶ein kleiner Hund√Ę‚ā¨¬¶nicht viel√Ę‚ā¨¬¶.sooo klein!“ Sie formte mit ihren H√§nden und Fingern sowas in der Gr√∂√üe wirklich sehr, sehr kleinen Hundes.

„Also, wenn, dann ein richtiger Hund! Mit so einer Stra√üenratte kann ich nichts anfangen“, brummte mein geliebter, weiser Mann und zwinkerte unserem siebenj√§hrigen Wonneproppen zu.

Ich richtete mich zu voller Sitzgr√∂√üe auf, um dem Begeisterungsturm standhalten zu k√∂nnen, der nun eigentlich folgen musste. Gespannte Vorfreude lie√ü uns Eltern erzittern. Gleich w√ľrde sie uns um den Hals fallen, Freudentr√§nen ihre unverdorbenen Wangen ben√§ssen.

„Ich dachte schon, ihr k√∂nnt euch nie entscheiden“, unser ausgesprochen wohlgeratener Spr√∂ssling verdrehte kurz die Augen, sprachs, stand auf und stellte unger√ľhrt fest: “ Ich hab Hunger. Wann gibt‚Äôs Essen?“
„Gleich!“, hauchte ich m√ľtterlich gefasst.
„Was gibt es denn?“
„Hot Dogs!“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

Gabis Kolumne

Das System Katze und was ich √ľber mich gelernt habe

//

 

Guten Tag!

Heddesheim, 12. April 2010. Schmusekatze, Haustiger, Kratzb√ľrste – Katzen haben viele Synonyme und wahrscheinlich alle zu Recht. Katzen sind l√§ngst keine Nutztiere mehr, sondern leben in der Familie. Zu Recht? Irgendwie schon, meint Gabi – auch, wenn sie das System Katze erst lernen musste.

Ich habe hier schon viel √ľber meine Kinder und meinen Mann geschrieben, aber zwei Mitglieder unserer Familie habe ich bislang verschwiegen. Und das ist eigentlich str√§flich, haben sich die beiden doch einen festen Platz in unserem Leben erobert: Ich meine unsere beiden Katzendamen.

Als ehemalige Hundebesitzerin war mir das System „Katze“ zun√§chst fremd.

katzen

Das System Katze musste Gabi erstmal lernen. Bild: privat

Eine Kollegin erzählte mir vor drei Jahren von jungen Kätzchen auf einem Bauernhof, die keiner wollte. Als die Kinder nicht zuhause waren, fuhren mein Mann und ich eine gute halbe Stunde zu diesem Hof, um uns die Kätzchen anzuschauen.

Hund und Katze?

Dort angekommen sahen wir sofort die Katzenmutter mit drei Jungen und einen riesigen Hofhund. Komisch, dachte ich, die sind wie „Hund und Katze“ hei√üt doch, dass man sich nicht versteht? Ich fragte meinen Mann. Der sagte das, was ich so an ihm „liebe“: „Das kommt darauf an.“

Gemeinsam fraßen Hund und Katzen aus einem sehr großen Napf.

Es kommt also darauf an. Auf was? „Ob die sich kennen und miteinander aufgewachsen sind.“ Aha, dachte ich. Wie im richtigen Leben.

Uns gefiel sofort ein kleines wei√ües K√§tzchen mit einem graugestreiften Schwanz und einem grau-braunen Fleck auf dem R√ľcken, der so aussah, als w√§re der Schwanz in Farbe getunkt worden und h√§tte dann den R√ľcken gestreift.

Das weiße Kätzchen könnten wir gerne mitnehmen, sagte uns der Sohn des Hauses, die anderen beiden seien schon vergeben.

Nutztiere.

In der Scheune sei noch ein weiteres K√§tzchen, von dem er uns aber nur abraten k√∂nne, es sei das j√ľngste aus dem Wurf, w√§re aggressiv, scheu und w√ľrde sofort zubei√üen. Der etwa achtj√§hrige Junge guckte uns herausfordernd an – anscheinend hatte er nicht zum ersten Mal K√§tzchen weggegeben. Ich dachte: Wie kann der so cool sein und erinnerte mich, dass wir auf einem Bauernhof waren, wo die meisten Tiere einen „Nutzen“ haben.

Wir wollten aber gerne zwei Katzen. Der Junge seufzte nach dem Motto: Die wissen nicht, was sie tun – zog sich Arbeitshandschuhe an und machte sich auf die Suche. Mit einem kleine Etwas am Handschuh kam er zur√ľck aus der Scheune.

Wie angek√ľndigt, hatte sich die kleine Katze in den Handschuh verbissen und zappelte und kratzte. Auf dem Boden abgelegt fauchte sie, was das Zeug hielt.

Liebe auf den ersten Blick.

Und ich sah es genau, schon beim ersten Blick hatte sich mein Mann unsterblich verliebt.

Mit zwei v√∂llig ver√§ngstigten Katzen im Auto machten wir uns auf den R√ľckweg.

Die n√§chsten Tage verbrachten wir damit, die beiden unter dem Sofa oder hinter dem Schrank hervorzulocken. Und schon nach kurzer Zeit wurde das wei√üe K√§tzchen sehr zutraulich und war bald der Liebling der Kinder. Die kleine „Wilde“, war ein vollkommen versch√ľchtertes Tier, das sich kaum ans Futter traute und √ľber Wochen sofort anfing zu fauchen, wenn sich ihr jemand n√§herte.

Das ist jetzt drei Jahre her. Und von Sch√ľchternheit keine Spur mehr. Hat man einen Hund, ist man sein „Herrchen/Frauchen“, hat man Katzen so ist man ihr „Diener“.

Denn obwohl eine Katzenklappe den beiden „Damen“ erm√∂glicht jederzeit von Drinnen nach Drau√üen und umgekehrt zu gelangen, sorgen die beiden mit lautem Miauen und vorwurfsvollem Blick daf√ľr, dass wir t√§glich unz√§hlige Male die Haus- oder die Terrassent√ľr √∂ffnen, um sie raus oder rein zu lassen.

Jammern gehört zur Liebe.

Wenn ich morgens die K√ľche betrete, muss ich innerhalb der n√§chsten 5 Sekunden die Futtern√§pfe f√ľllen, denn das j√§mmerliche Miauen und das Umstreifen meiner Beine, erinnert mich daran, dass hier zwei kurz vorm Verhungern sind – dramatischer geht‚Äôs nicht. Keins meiner Kinder hat je diesen Nerv getroffen, der mich fernsteuert wie eine Puppe.

Katzenk√∂rbchen? Fehlanzeige. Beide haben sich inzwischen Pl√§tze auf dem Sofa erobert. Dies wiederum geschieht nahezu lautlos raffiniert. Erst kuscheln sie sich an, wenn man auf dem Sofa sitzt oder liegt – und wer br√§chte es da √ľbers Herz, sie da zu verscheuchen – und dann liegen sie zuf√§llig auch mal dort, wenn keiner von uns dabei ist. Und irgendwann ist klar, dass es √ľberhaupt keine Diskussion dar√ľber gibt, dass das ihr Platz ist.

Und jetzt noch was zum Thema Jagd. Wer Katzen hat, darf nicht zimperlich sein.

Grausame Natur?

Unsere wei√üe Katze ist eine hervorragende J√§gerin. Sobald der Fr√ľhling kommt, bringt sie uns kleine und gro√üe M√§use, mit s√ľ√üen Augen. Meistens lebend, denn Katzen sind ja „verspielt“.

Als Liebesbeweis bekam unser Sohn letzten Sommer einen Vogel ins Zimmer nicht ge-, sondern zerlegt. Bett und Boden waren √ľbers√§t mit Federn, es sah aus wie ein Schlachtfeld.

Aber auch die Reste eine Mäusemahls sind nicht wirklich lecker.

Unsere J√§gerin ist nicht nur gro√üartig im Fangen, sondern – und das k√∂nnen Sie mir jetzt glauben oder nicht – sie imitiert auch Vogelstimmen. Sie sitzt vor der Terrassent√ľr, beobachtet die V√∂gel im Garten und gibt gurrende Ger√§usche von sich, die sich manchmal auch anh√∂ren wie ein Gackern.

Die ehemals „Wilde“ ist sich f√ľr die Jagd meist zu fein oder es ist ihr einfach zu anstrengend, weil man ja auch sonst nicht verhungern muss.

Katzen lassen lieben.

Und während man von seinem Hund treu geliebt wird, lassen Katzen lieben.

Trotzdem: Kommen wir nach Hause, sind sie meist sofort zur Stelle. Schon von Weitem erkennen sie das Geräusch des Autos und sobald wir in den Hof fahren, kommen sie angetrottet.

W√ľrde man jetzt erwartet, freudig begr√ľ√üt zu werden, w√ľrde man entt√§uscht. Katzen haben eine andere Sprache – sie ist oft zur√ľckhaltender, manchmal aber auch unerbittlich herzerw√§rmend, vor allem, wenn sie voller Zufriedenheit schnurren.

Der Blick, mit dem wir begr√ľ√üt werden, sagt: „Gut, dass ihr wieder da seid“. Dann drehen sich unsere Katzen um, und gehen wieder ihren Weg.

Sie sind Teil der Familie, l√§ngst keine „Nutztiere“ mehr, nicht wild, aber irgendwie doch.

Auch nach drei Jahren lerne ich immer noch das „System Katze“ – und das gibt einem etwas f√ľrs Leben mit.
gabi