Dienstag, 16. Oktober 2018

Serie: Fr√ľhlingsgef√ľhle

Guten Tag!

Heddesheim, 01. April 2010. Auch Beziehungen folgen dem „Jahreswechsel“, meint unsere Autorin Antonia Scheib-Berten. Das Fr√ľhjahr hat begonnen – auch in Ihrer Beziehung?

Von Antonia Scheib-Berten

Nun ist er also da – der Fr√ľhling. Und mit ihm die Fr√ľhlingsgef√ľhle.

Frau zeigt wieder Bein und Mann riskiert ein Auge. Alle wirken vitaler und lebendiger. Wirklich alle?

Wie sieht es aus mit „altgedienten Paaren“, die schon so manchen gemeinsamen Winter √ľberstanden haben?

Die Gefahr, vom partnerschaftlichen Winterschlaf in die emotionslose Fr√ľhjahrsm√ľdigkeit zu taumeln, ist gro√ü.

Zwar ist es nicht so, dass keine Energien freigesetzt werden: Das Auto wird poliert, die Fenster werden geputzt, die letzte Winterdeko verschwindet im Keller und wird durch fr√ľhlingsbunte Primeln sowie T√∂pfen mit Osterglocken und Krokussen ersetzt – da bleibt kein Staubk√∂rnchen trocken.

Eine √§hnliche Aktion empfiehlt sich auch f√ľr die so langsam aus dem Winterschlaf erwachenden Beziehungen.

Wirbeln sie ein wenig Staub auf! Vertreiben sie den Wintermuff nicht nur aus ihrer Wohnung – sondern auch aus ihrer Partnerschaft.

Stellen sie sich vor, sie w√ľrden ihre Partnerin oder ihren Partner erst seit kurzer Zeit kennen:

S√§√üen sie mit ungek√§mmten Haaren und hinter der Zeitung versteckt am Fr√ľhst√ľckstisch?

W√ľrden sie ein Knoblauch-Steak essen, wenn ihre Liebste zuhause im Bett auf sie wartet?

W√§re eine Gesichtsmaske in kalkwei√üer Farbe ein guter Auftakt f√ľr einen gemeinsamen Abend mit ihrem Liebsten?

Beziehung, Partnerschaft und Erotik sind zarte Pflanzen, die gut gepflegt sein wollen.

Manchmal braucht es eine individuelle Begleitung beim „Beziehungs-Fr√ľhjahrsputz“.

logo_herzwerkstattZur Person:
„herzwerkstatt“ hat Antonia Scheib-Berten ihre Ehe-, Partner- und Sexualberatung genannt, die sie seit 1995 anbietet.

Als erfahrene Fachfrau in Sachen Beziehung und Liebe setzt sie neben Publikationen zum Thema den Schwerpunkt ihrer Arbeit in die Einzel- und Paarberatung von Menschen jeden Lebensalters.

Auch Menschen im mittleren Lebensalter, √É‚Äěltere oder Angeh√∂rige finden bei ihr fachliche Unterst√ľtzung. Die Beratung findet im gesch√ľtzten Rahmen der „herzwerkstatt“ in Weinheim statt. Termine nur nach Vereinbarung!

Weitere Informationen unter: www.herzwerkstatt.com

Serie: Salvatore (20 Jahre) hat ein Problem

Guten Tag!

Heddesheim, 25. M√§rz 2010. Sexualit√§t ist immer noch f√ľr viele Menschen ein gro√üer Mythos, schreibt unsere Autorin Antonia Scheib-Berten. Gerade junge M√§nner lassen sich oft unter Druck setzen – unn√∂tigerweise.

Von Antonia Scheib-Berten

Salva*, wie er von seinen Freunden, deutschen und italienischen, genannt wird, wurde in Mannheim geboren. Er f√ľhlt sich als deutscher Italiener.

Nach der mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Salva wohnt noch bei seinen Eltern, teilt sich mit seinem zwei Jahre j√ľngeren Bruder ein Zimmer.

„Das ist √ľberhaupt kein Problem. Wir arbeiten beide Schicht. Oft sehe ich Marco tagelang nicht,“ meint er. Und „Ich werde erst dann ausziehen, wenn ich eine Freundin habe, mit der ich dann zusammenziehen kann.“

Ejaculatio Praecox

Salva fährt einen Golf GTI und hat ein Problem.

Der erste Kontakt mit Salva fand √ľber den Anrufbeantworter statt. Eine junge M√§nnerstimme sprach etwas unsicher „Guten Tag, hier spricht Herr G. Ich brauche bei ihnen einen Termin f√ľr eine Beratung. Sie k√∂nnen mich auch unter Handy zur√ľckrufen…“

Beim Anruf der Beraterin kam er nach einigem Z√∂gern auf sein Problem zu sprechen. „Ich habe einen vorzeitigen Samenergu√ü. K√∂nnen sie mir da helfen?“
Die Diagnose Ejaculatio Praecox hatte er, wie sich auf R√ľckfrage ergab, selbst gestellt. Wir vereinbarten einen Termin.

Ja, er war schon beim Urologen, hatte sich untersuchen lassen. Organisch sei alles bei ihm in Ordnung, berichtete der smart aussehende junge Mann, der mir einige Tage sp√§ter gegen√ľber sa√ü.

Seiner Mutter habe er auch schon von seinem Problem erzählt, sonst noch niemandem.

Gro√üe √É‚Äěngste, allein zu bleiben.

Derzeit habe er keine Freundin, leider. Als eine seiner drei gr√∂√üten √É‚Äěngste nennt er „die Angst alleine zu bleiben, keine Frau zu finden“. Was war passiert?

Salva hatte „versagt“.

„Bei Steffi kam ich schon, als ich sie nur nackt sah. Sie tr√∂stete mich und zog sich wieder an. Das wars dann.“

Salva war damals 18. Mit 20 lernte er Nicole kennen. Sie war 17 und Jungfrau.

„Ich war total unter Druck, ob ich wieder „nicht kann“. Sie √ľberlie√ü mir alles, dachte ich h√§tte Erfahrung. Ja, die hatte ich: Erfahrung, aber schlechte,“ sinniert er voller Selbstzweifel.

„Nat√ľrlich ging es wieder schief. Ich f√ľhlte mich beschissen. Wir haben es danach nicht mehr probiert. Kurze Zeit sp√§ter machte sie mit mir Schluss. Seitdem habe ich Angst. Ich traue mich gar nicht mehr, mit einem M√§dchen n√§her in Kontakt zu kommen.“

Einmal versagt – immer Versager?

Verzweifeltes Macho-Image.

Die Zweifel an seiner männlichen Potenz konnte Salva schnell genommen werden. Er berichtete von spontanen Erektionen, von regelmäßiger Masturbation.

„Wenn ich alleine bin, dann ist das alles ganz locker. Zwar geht es auch da ziemlich schnell, aber das ist ja auch okay. Nicht, dass sie denken, ich sei verklemmt. Sex ist toll“, meint Salva und h√§lt damit sein Macho-Image verzweifelt aufrecht.

Auf meine Frage, was denn typisch m√§nnlich sei, antwortet er: „Versuchen, das starke Geschlecht darzustellen. Ein Auto haben. Viel Geld haben. In jungen Jahren das Leben auskosten.“ Und: „Jeder junge Mann will eine Familie, Kinder, ein Haus. Manche wollen dies fr√ľher, manche sp√§ter.“ Als typisch weiblich bezeichnet er: „Leicht Ziele aufgeben. Freundlich sein. Treu sein. Familienwunsch.“

Salva hat Angst; Angst wieder zu versagen. Er setzt sich unter einen enormen Druck, berichtet, dass er sich und seine Erregung ständig beobachtet.

Männer Рdas starke Geschlecht?

Sex ist toll. M√§nner sind allzeit bereit und immer potent. M√§nner sind das starke Geschlecht – f√ľr Salva nur auf Video. „Ich als Italiener und „keine Amore“? Und meine Ehre?“

Ja, hier geht es um mehr, als nur ein gest√∂rtes sexuelles Erlebnis. F√ľr Salva ist sein „Versagen“ eine Trag√∂die, es geht um seine Identit√§t als Mann.

Doch hat er √ľberhaupt versagt? War es nicht eher so, dass er durch Stress, Unkenntnis, Unsicherheit und dem hohen M√§nnlichkeits-Anspruch an sich selbst unter Druck stand und sein K√∂rper recht gesund reagierte, n√§mlich diesen Druck abbaute?

„Der Mann ist nat√ľrlich daf√ľr verantwortlich, dass die Frau einen Orgasmus bekommt.“, verk√ľndet er. „Wie √§u√üert sich der Orgasmus einer Frau √ľberhaupt? Woran sp√ľre ich, dass sie einen Orgasmus hat?“ fragt er etwas kleinlaut hinterher.

„Muss ich direkt nach dem Geschlechtsverkehr und dem Abziehen des Pr√§servativs mein Glied waschen? Das ist bei uns daheim so kompliziert, weil ich √ľber den Flur muss und da sind ja auch noch meine Eltern,“ erz√§hlt er.

Gut, er benutzt Kondome. Ich lobe ihn und relativiere seinen Reinlichkeitssinn.

Männliche Identität bei jungen Migranten
dritter Generation und sexuelle Dysfunktionen.

Gerade junge Migranten und auch ihre deutschen Altersgenossen mit geringem Bildungsniveau definieren sich √ľber Zilbergelds „Mythen der M√§nner“ (Zilbergeld, 1994).

Solche Thesen wie: „Beim Sex zeigt ein wirklicher Mann was er kann“, „Beim Sex geht es um einen steifen Penis und was mit ihm gemacht wird“ und „Ein Mann muss seine Partnerin ein Erdbeben erleben lassen“, setzen gerade junge M√§nner enorm unter Druck und bilden einen guten N√§hrboden f√ľr psychisch verursache, sexuelle Dysfunktionen.

„Die Mythen lassen immer gro√üe √É‚Äěngste … aufkommen. Sie tragen dazu bei, da√ü sexuelle Probleme √ľberhaupt erst entstehen … und stehen ganz allgemein … einfach gutem Sex im Wege“, meint Zilbergeld.

Im Kreise der Gleichaltrigen wird √ľber Schw√§che, Versagen oder Probleme nicht gesprochen – der junge Mann steht mit dem R√ľcken zur Wand. Es geht um seine M√§nnlichkeit, es geht um seine Ehre.

Ein F√ľnftel der deutschen M√§nner
leidet unter „Schnellsch√ľssen“.

Salva, der deutsche Italiener aus unserem Beispiel, fand den Weg zur herzwerkstatt. Er erfuhr, dass etwa ein F√ľnftel der deutschen M√§nner unter „ungewollten Schnellsch√ľssen“ leidet.

Er lernte, dass befriedigende Sexualität nicht nur Genitalität ist, sondern viel mehr.

Salva wei√ü heute, dass Z√§rtlichkeit, Verst√§ndnis und N√§he von Frauen weitaus mehr gesch√§tzt und gew√ľnscht werden als „stundenlanges Rammeln“.

Er fand im Laufe der Beratungen heraus, dass er ein liebenswerter und begehrenswerter Mann sein kann, auch wenn er nicht immer alles besser kann und weiß als seine Partnerin.

Er √ľbte Techniken der Ejakulationskontrolle und erfuhr, wie wichtig ein gesch√ľtzter Rahmen (Zeit, Ungest√∂rtheit…) f√ľr befriedigende Sexualit√§t ist.

Au√üerdem erhielt er Entlastung: Der Mann ist nicht alleine f√ľr die Befriedigung der Partnerin zust√§ndig. Auch sie tr√§gt ihren Anteil bei.

Zum guten Schluss bekam er noch „Coolness und Humor“ mit auf den Weg. Sollte er in Zukunft wieder einmal mit zuviel „Speed“ bei der Sache sein, so wurde ihm empfohlen, dies mit einem „Ups…Du bist einfach zu genial“ zu kommentieren, keinen Stress aufkommen zu lassen und es nach einem z√§rtlichen Zwischenspiel mit der Partnerin neu anzugehen.

*Name von der Redaktion geändert

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„herzwerkstatt“ hat Antonia Scheib-Berten ihre Ehe-, Partner- und Sexualberatung genannt, die sie seit 1995 anbietet.

Als erfahrene Fachfrau in Sachen Beziehung und Liebe setzt sie neben Publikationen zum Thema den Schwerpunkt ihrer Arbeit in die Einzel- und Paarberatung von Menschen jeden Lebensalters.

Auch Menschen im mittleren Lebensalter, √É‚Äěltere oder Angeh√∂rige finden bei ihr fachliche Unterst√ľtzung. Die Beratung findet im gesch√ľtzten Rahmen der „herzwerkstatt“ in Weinheim statt. Termine nur nach Vereinbarung!

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Serie: Sexualität beginnt im Kindesalter

Guten Tag!

Heddesheim, 18. M√§rz 2010. „Doktorspiele“ sind wichtige Erfahrungen f√ľr kleine Kinder, sagt unsere Autorin und Expertin Antonia Scheib-Berten. Die kindlichen Erfahrungen helfen den Kindern, sich und ihre „Umwelt“ zu entdecken und somit eine „nat√ľrliche“ Sexualit√§t zu entwickeln. Strafen verhindern das, „Kontrolle“ muss aber trotzdem sein.

Von Antonia Scheib-Berten

Nadine und Torben sind schon längere Zeit im Kinderzimmer. Es ist erstaunlich ruhig, kein Lachen, Toben oder Gezanke. Nach einiger Zeit will die Mutter nachschauen und findet die beiden gemeinsam im Bett liegen und kuscheln.

Die Kinder haben sich ausgezogen und die Mutter kann ein aufgebrachtes: „Was macht ihr denn da?“ nicht vermeiden. Sie schimpft laut und die Kinder sind verunsichert und weinen. Nadine und Torben sind f√ľnf Jahre alt.*

Doktorspiele

Kinder gehen in der Regel in unbedarfter Art und Weise mit Körperlichkeit, Nähe und Sexualität um.

Unter √Ę‚ā¨Ň°Doktorspielen‚Äô verstehen wir in unserer Gesellschaft das kindliche Erforschen der Sexualit√§t. Meist sind es eher die erwachsenen, gesellschaftlichen Phantasien, die kindliche Neugierde in strafbare sexuelle Handlungen umm√ľnzen.

Eltern werden nat√ľrlich auch mit ihrer eigenen Sexualit√§t konfrontiert sehen, wenn sie mit kindlicher, sexueller Neugierde in Ber√ľhrung kommen. Sie stellen sich Fragen wie folgende: Ist mit meinem Kind etwas nicht in Ordnung, wenn ich es bei Doktorspielen erwische? Ist es normal, wenn ein f√ľnfj√§hriger Junge an seinem Penis spielt? Wie soll ich mich verhalten, wenn ich es beobachte? Was passiert, wenn man ein Verbot ausspreche? Was ist, wenn ich Dinge erlaube, die andere Eltern verbieten?

Warum machen Kinder Doktorspiele?

Kinder sind von Anfang an sexuelle Wesen. Schon beim Stillen genießen Babies die Mutterbrust und das Saugen. Zwischen dem 6. und 8. Monat fangen viele Babys an, mit ihren Geschlechtsteilen zu spielen und sind in der Lage, dabei Lust und Spaß zu empfinden.

Die an und f√ľr sich unnat√ľrliche, in unserer Gesellschaft jedoch √ľbliche Hygienema√ünahme der Plastikwindel verhindert dies, aber im Sommer, wenn die Kinder frei in der Luft liegen k√∂nnen, oder auch beim Wickeln werden sie beobachten k√∂nnen, dass Kinder ganz nat√ľrlich auch an ihre Geschlechtsteile fassen.

Das Kind empfindet seinen gesamten K√∂rper als Einheit – alles ist gut! Erst die Erziehung, gesellschaftliche und religi√∂se Pr√§gungen teilen den menschlichen K√∂rper in √Ę‚ā¨Ň°saubere‚Äô und √Ę‚ā¨Ň°schmutzige‚Äô, also verbotene Teile auf.

Ab dem Alter von etwa zwei Jahren nimmt das Interesse der Kinder f√ľr ihre Geschlechtsorgane weiter zu. Die Zeitspanne von 3 und 6 Jahren ist das typische Alter f√ľr sogenannte „Doktorspiele unter Freundinnen und Freunden“.

Harmloses Vergleichen

Im Prinzip wird Arzt gespielt, es wird nachgeahmt. Der „Patient“ oder die „Patientin“√ā¬†liegt auf dem Bett oder dem Boden, w√§hrenddessen der „Arzt“ oder die „√É‚Äěrztin“ sie oder ihn gr√ľndlich untersucht. Im Prinzip geht es um das Erkunden des anderen K√∂rpers, d. h. das Kind lernt andere K√∂rper als den eigenen kennen, geht also √ľber die eigenen k√∂rperlichen Grenzen.

Die Kinder ziehen sich dazu aus, zeigen sich gegenseitig die Geschlechtsteile und betasten sich. Vielen Kindern wird hierbei erstmalig der Geschlechtsunterschied von Mädchen und Jungen deutlich. Besonders Einzelkinder, die sich nicht mit Geschwistern vergleichen können, haben hier die Möglichkeit von grundsätzlich harmlosen Vergleichen.

Die Kinder probieren vieles aus und sp√ľren so, was Spa√ü macht und was unangenehm ist. Da die Kinder in diesem Alter in der Regel gelernt haben, „Nein“ zu sagen, kann von gegenseitigem Einverst√§ndnis ausgegangen werden.

Diese Doktorspiele werden meist in dem Moment langweilig , in dem Kinder die wichtigsten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen verstanden haben. Dann wenden sie sich wieder anderen, neuen, spannenden Dingen zu.

Grundsätzlich sind Doktorspiele oder auch Selbstbefriedigung im Klein-Kindesalter im Rahmen der Entwicklungspsychologie etwas sehr Normales. Sie sind als Teil der kindlichen Entwicklung einzustufen.

Gesellschaftliche Phänomene

Manche Erwachsenen egal in welchem Lebensalter verdr√§ngen ihre eigenen Unternehmungen in der Kindheit diesbez√ľglich und reagieren so, als w√§re etwas ganz Unvorstellbares passiert. Damit stigmatisieren sie das normale Verhalten des Kindes als Krankhaft oder als S√ľnde.

Blicken wir zur√ľck in die 70Jahre des 20. Jahrhunderts. In antiautorit√§ren Kinderl√§den wurden Kinder f√∂rmlich dazu angehalten, fr√ľhzeitig sexuelle Erkundungen vorzunehmen. Die Eltern, selbst meist in der Verklemmtheit der 30er, 40er und 50er Jahre aufgewachsen, fielen von einem Extrem ins andere. Sie wollten ihren Kindern die Freiheit bieten, die ihnen selbst verwehrt geblieben war.

Studien bei den sp√§ter erwachsenen Kinderl√§den-Kindern ergaben, dass es ihnen h√§ufig eher unangenehm war, diese √ľbertriebene sexuelle Freiheit mit FKK-Strand, gemeinsamer Sauna und Nacktheit in der WG zu leben.

Wichtig scheint also, ein gesundes, nat√ľrliches Mittelma√ü zu finden! Sexuelles Tabuisieren ist offensichtlich genau so sch√§dlich wie grenzenlose Sexualisierung.

Wie man sich „am besten“ verh√§lt

Interessant ist, sich mit dem Begriff der Sexualerziehung im Allgemeinen auseinander zu setzen. Diese f√§ngt in der Tat viel fr√ľher an als man denkt: Bei Sexualerziehung geht es um Ber√ľhrung, Tr√∂sten, N√§he und k√∂rperliche W√§rme. Sexualerziehung ist das Unterst√ľtzen und F√∂rdern der Eltern in der K√∂rperlichkeit des Kindes.

Dein K√∂rper ist okay. Dein Geschlechtsteil ist nicht „b√§ und pfui“, sondern ein Teil von der Dir. Der Inhalt deiner Windel ist nicht eklig. Auch das ist ein Teil des Kindes.

Gehen Sie mit Sexualit√§t unverkrampft und unkompliziert um, dann ebnen sie eine ausgezeichnete Basis f√ľr ein gl√ľckliches, erf√ľlltes Leben und sind ein wunderbares Vorbild f√ľr ihr Kind! √ÉŇďberfordern sie ihr Kind nicht und beantworten sie nur Fragen, die das Kind auch stellt. Aufkl√§rung erfolgt in Etappen – ihr eigener Instinkt wird ihnen zeigen, wann welche Themen dran sind.

Und: Vergegenw√§rtigen sich immer wieder dass Sexualit√§t ein ganz nat√ľrliches, menschliches Bed√ľrfnis ist wie Essen und Trinken.

Sexualität darf keine Abwertung erfahren

Einmischen sollten sie sich dann, wenn ihr Kind „danach“ bedr√ľckt wirkt und stiller auftritt als sonst. Problematisch k√∂nnte es sein, falls ein Kind wesentlich √§lter ist und die anderen dominiert.

Spitze Gegenst√§nde o. √§. k√∂nnen nat√ľrlich nicht toleriert werden. Hier sollte man behutsam eingreifen. Wichtig ist, dass die Kinder sich nur auf das einlassen, was sie m√∂chten.

Vermeiden sie solche Aussagen wie: „Das darf man nicht. Davon bricht er ab.“, oder das fr√ľher vielfach angewandte „Davon wird man dumm.“, wenn der kleine Sohn beim Masturbieren erwischt wurde.

Vielleicht kann sich der eine oder andere Leser, vielleicht auch eine Leserin an solche Killerphrasen aus der eigenen Kindheit erinnern und die √É‚Äěngste und Sorgen, die in Kinderseelen damit eingepflanzt werden. Sexuelle Spielereien d√ľrfen unter keinen Umst√§nden mit Drohungen und Strafen belegt werden.

Sexualität darf also nicht mit Abwertung oder Verurteilung in Verbindung gebracht werden.

Am Wichtigsten ist eine Eltern-Kind-Beziehung, die von Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit geprägt ist. Alles, was einem Kind diese Werte vermittelt, stellt eine positive Sexualerziehung dar. Denn was Kinder in den ersten Jahren in der Familie erlebt haben, das wird spätere Liebesbeziehungen und Sexualität prägen.

Und wenn ich es einfach verbiete?

Alle Eltern wissen, dass ein Verbot Dinge erst interessant macht. Je massiver Eltern also gegen Doktorspiele einzuschreiten versuchen, desto spannender wird es f√ľr die Kinder werden.

Wird die sexuelle Bet√§tigung der Kinder (Doktorspiele, Selbstbefriedigung) bestraft oder verlacht, so ist damit zu rechnen, dass generell sexuelle Regungen mit Angst vor Strafe oder Angst vor Erniedrigung besetzt werden, und zwar √ľber die Kindheit hinaus. Menschen sind im Erwachsenenalter mit den m√∂glichen Konsequenzen konfrontiert, die sich in der Vermeidung sexueller Kontakte, Impotenz und sexueller Lustlosigkeit √§u√üern k√∂nnen.

H√§ufig wird den Betroffenen der Zusammenhang zwischen diesen Problemen und den fr√ľhkindlichen Erfahrungen in der Herkunftsfamilie erst im Rahmen einer Beratung oder Therapie bewusst.

Liebe und Lust als Erfahrung f√ľrs Leben

Durch Doktorspiele lernen Kinder unter anderem, den Geschlechtsunterschied zwischen Mann und Frau zu begreifen. Als Teil der normalen kindlichen Entwicklung stellen sie nichts Beunruhigendes dar.

Eltern sollen dem Kind erm√∂glichen, den eigenen K√∂rper und den anderer zu erforschen und daf√ľr nicht bestraft zu werden. Eltern sollen selbstverst√§ndlich darauf achten dass Doktorspiele nur im Einvernehmen der Kinder gespielt werden.

Bei gro√üem Altersunterschied der Kinder oder bei auff√§lligem Verhalten eines Kindes „danach“ sollten Eltern das Gespr√§ch suchen. Gegebenenfalls kann eine Beratungsstelle hilfreich zur Seite stehe

Wenn das Kind im angstfreien, nat√ľrlichen und altersentsprechenden Rahmen Erfahrungen sammeln kann, wird es im sp√§teren Leben f√§hig sein, k√∂rperliche Liebe mit viel Lust zu empfinden. Sexualit√§t sollte als eine Art und Weise begreifbar sein, Liebe zu zeigen.

Wird die sexuelle Bet√§tigung der Kinder (Doktorspiele, Selbstbefriedigung) bestraft oder verboten, so f√ľhrt dieses zu schwerwiegenden sexuellen St√∂rungen √ľber die Kindheit hinaus kommen.

*Nadine und Torben dienen nur als beispielhafte Namen, Anm. d. Red.

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„herzwerkstatt“ hat Antonia Scheib-Berten ihre Ehe-, Partner- und Sexualberatung genannt, die sie seit 1995 anbietet.

Als erfahrene Fachfrau in Sachen Beziehung und Liebe setzt sie neben Publikationen zum Thema den Schwerpunkt ihrer Arbeit in die Einzel- und Paarberatung von Menschen jeden Lebensalters.

Auch Menschen im mittleren Lebensalter, √É‚Äěltere oder Angeh√∂rige finden bei ihr fachliche Unterst√ľtzung. Die Beratung findet im gesch√ľtzten Rahmen der „herzwerkstatt“ in Weinheim statt. Termine nur nach Vereinbarung!

Weitere Informationen unter: www.herzwerkstatt.com

Serie: Sex bei Opa und Oma? Lassen Sie uns dar√ľber reden!

Guten Tag!

Heddesheim, 11. M√§rz 2010. Wir starten heute eine neue Serie – am Donnerstag. Im Fokus steht die Sexualit√§t… im Alter – die hat aber viel mit der Lebens- und Liebeserfahrung davor zu tun, weswegen auch hierzu Texte ver√∂ffentlicht werden. Zum Start der Serie haben wir unsere Autorin, Antonia Scheib-Berten, interviewt. Die Expertin wei√ü: Sexualit√§t im Alter ist ein schwieriges Thema – aber eins, √ľber das man reden kann und sollte. Dann finden sich auch Antworten.

Von Hardy Prothmann

Frau Scheib-Berten, im neuen „Spiegel Wissen“ beschreibt ein Text eine Frau, die Demenzkranken und Behinderten als Sexualassistentin Gespr√§che und Massagen anbietet, die auch zum Orgasmus f√ľhren (sollen). Ihre Kunden sind √§lter, einige besucht die Frau im Altenheim. Ist so eine Arbeit anst√∂√üig, ist das Prostitution?

Antonia Scherb-Berten: „Die T√§tigkeit der Sexualassistentin nichts Neues. In Holland gibt es diese Variante der Assistenz im Rahmen der Arbeit mit j√ľngeren Behinderten schon seit Jahren. Teilweise wurden, zumindest in der Vergangenheit, die Kosten durch offizielle Kostentr√§ger √ľbernommen.

Begr√ľndet wurde es damit, dass auf diesem, sozusagen nat√ľrlichen Wege Spannungen abgebaut werden und somit Medikationen zur Beruhigung oder zur Aggressionshemmung √ľberfl√ľssig w√ľrden.

Dass Frauen wie Nina de Vries mit Dementen reden, sie streicheln und massieren, das lässt sich wohl kaum im Bereich der Anstößigkeit einordnen.

Der Spiegel-Text beschreibt auch eine Frau, deren 80-j√§hriger Ehemann Nacht f√ľr Nacht Sex will. L√§sst sich das mit „Sexualassistenz“ beruhigen?

Scherb-Berten: Im benannten Fall der durch den dr√§ngenden Mann √ľberforderten Ehefrau (80) w√§re gegebenenfalls eher die Gabe eines Medikaments zur Reduktion des Sexualtriebes f√ľr den Patienten √§rztlich zu pr√ľfen. Die pflegenden Angeh√∂rigen m√ľssen manchmal durch die √É‚Äěrztin oder den Arzt vor √ÉŇďbergriffen gesch√ľtzt werden. Au√üerdem ist die √ľberbordende Triebhaftigkeit f√ľr den Patienten sehr belastend und stressend.

Angeh√∂rige trauen sich leider zu wenig √ľber den
gesteigerten Sexualtrieb beim „Opa“ zu reden.

Leider trauen sich zu wenige Angehörige, das Thema in der ärztlichen Beratung zu besprechen.

Es gibt F√§lle, in denen im Rahmen einer Demenz die Sexualit√§t pl√∂tzlich eine neue, dominierende Rolle bekommt. Manchmal zeigt sich dies in Masturbation. Hier hilft meist schon, dem Patienten einen gesch√ľtzten Rahmen zu schaffen und ihn nicht zu bestrafen oder moralisch zu verurteilen.“

Eine Sexualassistenz d√ľrfte aber bei vielen Menschen als unmoralisch gelten?

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Antonia Scheib-Berten berät in Sachen Beziehung, Liebe, Sexualität. Bild: asb

Scheib-Berten: „Was anst√∂√üig ist, das liegt im Auge der Betrachterin und des Betrachters. Es gibt hier keine generelle Antwort. Als Sexualberaterin sage ich, durch Assistenz kann kranken Menschen Entspannung und Gl√ľcksgef√ľhl geboten werden.

Wenn gelebte Sexualit√§t nat√ľrlich im Rahmen der Paarbeziehung m√∂glich ist, so ist dies auf jeden Fall zu bevorzugen. Liebe kaufen kann man sich nat√ľrlich nicht!“

Im Spiegelbericht werden sowohl Angeh√∂rige als auch Seniorenheime und sogar die Prostituiertenorganisation „Hydra“ mit ihren Zweifeln in Sachen „Sexualassistenz“ darstellt. Es steht zwar nicht im Text, aber die Frage ist auch in Vorgespr√§chen zu diesem Interview aufgekommen: Ist das nicht vielleicht irgendwie „pervers“?

Scheib-Berten: „Was hei√üt eigentlich „pervers“? Bei Perversionen geht es um die Abgrenzung von in einer Gesellschaft herrschenden Moralvorstellungen. Vielleicht spielen auch unsere eigenen Phantasien im Zusammenhang mit den Aktivit√§ten von Frauen wie Nina de Vries eine gro√üe Rolle. Was stellt sich die B√ľrgerin, die Altenpflegerin, der Sohn des Patienten oder auch der Pfarrer vor, wenn er den Artikel bei Spiegel-Wissen liest? Vermutlich gehen die eigenen Phantasien weit √ľber das hinaus, was letztendlich geschieht.“

Es gibt auch juristische Fragen.

Rein juristisch geht es nat√ľrlich auch um die Pers√∂nlichkeitsrechte des Patienten. M√ľsste, wenn Frau de Vries ganz offiziell zum Einsatz kommen sollte, sogar der gesetzliche Betreuer seine Zustimmung geben? Eine Frage an die Juristinnen!

Sollte keine gesetzliche Betreuung bestehen, so w√§re die Inanspruchnahme von Diensten einer Assistenz vielleicht nur das Fortf√ľhren einer lebenslangen Gewohnheit des Dementen. Vielleicht ist er w√§hrend seines gesamten erwachsenen Lebens regelm√§√üig zu Prostituierten gegangen? W√§re es dann nicht sogar ein Entzug von √Ę‚ā¨Ň°regelm√§√üig wiederkehrenden Diensten‚Äô, also eine Ungleichbehandlung gegen√ľber Nicht-Dementen?

Auch Frauen bel√§stigen M√§nner durch √ÉŇďbergriffe.

Geht es eigentlich bei der Frage nur um Männer?

Scheib-Berten: „Interessant ist, dass bei diesem Thema nie von weiblichen Dementen die Rede ist. Dass auch Frauen √ľbergrifflich werden, dass m√§nnliche Altenpfleger in der Balintgruppe von Bel√§stigungen durch Heimbewohnerinnen sprechen, scheint nicht im Bereich des M√∂glichen – ist jedoch Realit√§t.“

Sex und Alter ist oft ein noch gr√∂√üeres Tabuthema als Alter und Tod. Immer wieder gibt es Umfragen und Statistiken, welches Volk das sexuell aktivste ist, wer in welchem Alter wie oft… Bei gef√ľhlten 60 oder 65 Jahren gibt es aber keine Informationen mehr. H√∂rt ab diesem Alter das Sexualleben auf?

Scheib-Berten: „Zum einen halte ich absolut nichts von Statistiken, die es vermutlich gibt, die mich pers√∂nlich aber nicht interessieren. Wie hei√üt es so sch√∂n: „Traue nur der Statistik, die du selbst gef√§lscht hast.“ Also: Keine Konkurrenz zwischen feurigen Italienern, stolzen Spaniern und unseren deutschen M√§nnern! Schon gar nicht ausgetragen √ľber Zahlen.

In der Tat wird Sexualit√§t und Liebe, zwei Nomen, die ich gerne auch im Zusammenhang nenne, fast ausschlie√ülich mit Jugend, attraktiven K√∂rpern, Fortpflanzungsf√§higkeit und Vitalit√§t in Verbindung gebracht. Ich erinnere mich, dass ich bereits 1993, als ich bei der pro familia in Mannheim als Gesch√§ftsf√ľhrerin gearbeitet habe, auf die Dringlichkeit hinwies, dass sich Sexualberater der Generation 50 plus zuwenden m√ľssen.

Sexualität spielt in jedem Alter eine wichtige Rolle.

Seinerzeit wurde ich bel√§chelt. Mittlerweile merken auch die professionellen Berater, dass Sexualp√§dagogik ab dem mittleren Lebensalter ein wichtiger Baustein der Arbeit ist. Ich hatte eine Frau in der Beratung, die erst nach Ende der Menopause mit einem neuen Partner orgasmusf√§hig wurde. Welche Befreiung, welches Gl√ľck!

Fakt ist, dass die Liebesf√§higkeit grunds√§tzlich nie aufh√∂rt. Hormone beeinflussen unseren K√∂rper und steuern auch unsere Libido. Doch das ist nur eine Seite der Stimulation. Nur in Verbindung mit g√ľnstigen Rahmenbedingungen wird gesp√ľrte Lust zu gelebter Lust! Ein alleinstehender Mann, der kein Zielobjekt von k√∂rperlicher Lust hat, wird m√∂glicherweise versuchen, seine sexuelle Energie umzuleiten. Eine ungl√ľckliche Paarbeziehung ist nicht gerade der richtige Ort f√ľr k√∂rperliche N√§he und lebenslustige Sexualit√§t – egal in welchem Alter.“

Was w√ľnschen sich √§ltere und alte Menschen in Sachen Sexualit√§t? Sind diese W√ľnsche anders oder entsprechen sie den „durchschnittlichen“ Vorstellungen?

Scheib-Berten: (lacht) „Was sind die durchschnittlichen Vorstellungen? Selbstverst√§ndlich werden im h√∂heren Alter keine anstrengenden Kamasutra-√ÉŇďbungen auf der Tagesordnung stehen, wenn die Arthrose plagt und der R√ľcken schmerzt. Auch m√ľssen wir unseren Fokus hinsichtlich Sexualit√§t erweitern. Das hingebungsvolle Streicheln, das Kuscheln, das innige Sich-nahe-sein – all das subsummiere ich unter dem Begriff Sexualit√§t.

Im Alter wird gekuschelt – aber auch genitale Sexualit√§t gew√ľnscht.

Dass nat√ľrlich auch genitale Sexualit√§t gew√ľnscht wird, das ist die Regel. Schade ist, dass √§ltere und alte Paare h√§ufig nicht √ľber ihre W√ľnsche sprechen. Und tragisch ist, dass Einschr√§nkungen klaglos als Gegebenheiten angenommen werden. Manchmal w√ľrde der Besuch eines kompetenten (!) Urologen √ľber Potenzschwierigkeiten hinweghelfen oder ein Gespr√§ch mit der Gyn√§kologin w√ľrde Erleichterung bringen.“

Haben alle √§lteren Menschen das Bed√ľrfnis nach sexueller Befriedigung?

Scheib-Berten: „Durch die Besch√§ftigung mit dem Thema „Sexualit√§t im Alter“ sollte kein Leistungsdruck aufgebaut werden! Jedes Paar sollte f√ľr sich selbst entscheiden, ob, wie und wie oft sexuelle Aktivit√§ten ihre Beziehung bereichern. Wenn beide beschlie√üen, in ihrem Leben einen anderen Fokus zu setzen, so ist das v√∂llig in Ordnung! Wenn allerdings eine oder einer von beiden ein Defizit versp√ľrt, so sollte man nochmals n√§her hinschauen. Interessanterweise ist es nicht immer der Mann, der sich mehr Aktivit√§ten w√ľnscht!

„Use it or loose it,“(Benutze es oder verliere es!) ist hier auch eine wichtige Maxime. In der Regel werden Menschen, denen Sexualit√§t w√§hrend des gesamten Lebens nicht so wichtig war, auch im Alter kein Defizit versp√ľren – falls sich nicht die Rahmenbedingungen √§ndern!√ā¬†Eine neue Liebe wirkt hier manchmal Wunder!

Warum erf√§hrt man so gut wie nichts zu dem Thema? An den Volkshochschulen gibt es oft sehr viele Kurse – nur das Wort Sex kommt dort meist nicht vor – schon gar nicht in Verbindung mit „Alter“.

Scheib-Berten: Das liegt zum Teil auch daran, dass dieser Begriff in der Ausschreibung m√∂glicherweise Menschen geradezu davon abh√§lt, zur Veranstaltung zu kommen! Die Scheu ist hier sehr gro√ü! Ich habe vor ein paar Jahren an der Volkshochschule einen Gespr√§chskreis „Mut zum Gl√ľck“ angeboten. Wir besch√§ftigten uns auch mit dem Thema Sexualit√§t. Sollte ich wieder angefragt werden, so stehe ich gerne zur Verf√ľgung!“

„Sexualit√§t im Alter“ geh√∂rt in jeden Lehrplan – alles andere ist ein Defizit.

Muss beispielsweise ein Seniorenheim nicht damit rechnen, als unseriös zu gelten, wenn dort das Thema Sex behandelt wird?

Scheib-Berten: „Ganz im Gegenteil. Ich habe bereits bei einigen Tr√§gern Fortbildungen f√ľr Pflegekr√§fte, auch im ambulanten Bereich angeboten. Das Thema ist latent pr√§sent und gerade auch j√ľngere Pflegende sind h√§ufig √ľberfordert. Im √ÉŇďbrigen steht „Sexualit√§t im Alter“ mittlerweile auf dem Lehrplan der Ausbildung zur Altenpflegerin/Altenpfleger. Wenn ein Bildungstr√§ger dies noch nicht anbietet, so best√ľnde hier ein Defizit!“

Schauen Sie mal in die Zukunft. Deutschland im Jahr 2050. Wie werden die heute 20- bis 40-j√§hrigen dann √ľber Sexualit√§t im Alter sprechen oder diese leben? Ist Sex bei Opa und Oma immer noch ein Tabuthema?

Scheib-Berten: „Ich hoffe, dass das Thema Sexualit√§t und Alter keinen Sonderstatus mehr ben√∂tigt, weil es zur Selbstverst√§ndlichkeit geworden ist.“

logo_herzwerkstattZur Person:
„herzwerkstatt“ hat Antonia Scheib-Berten ihre Ehe-, Partner- und√ā¬†Sexualberatung genannt, die sie seit 1995 anbietet. Als erfahrene√ā¬†Fachfrau in Sachen Beziehung und Liebe setzt sie neben√ā¬†Publikationen zum Thema den √ā¬†Schwerpunkt ihrer Arbeit in die√ā¬†Einzel- und Paarberatung von Menschen jeden Lebensalters. Auch√ā¬†Menschen im mittleren Lebensalter, √É‚Äěltere oder Angeh√∂rige finden√ā¬†bei ihr fachliche Unterst√ľtzung. Die Beratung findet im√ā¬†gesch√ľtzten Rahmen der „herzwerkstatt“ in Weinheim statt. Termine nur nach Vereinbarung!

Weitere Informationen unter: www.herzwerkstatt.com