Samstag, 25. November 2017

Geheime Noten f├╝r die Schulen

Rhein-Neckar, 09. Mai 2014. (red/ld) Halten Schulen, was sie in ihren Leitbildern versprechen? Das untersuchen 90 Mitarbeiter des Landesinstituts f├╝r Schulentwicklung in Baden-W├╝rttemberg im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Fremdevaluation. Die Ergebnisse ver├Âffentlicht das Kultusministerium aber nicht – um ein Schulranking zu vermeiden. [Weiterlesen…]

Problemfall Hauptschule

Immer mehr Haupt- und Werkrealschulen schlie├čen sich mit anderen Schulen zusammen

├ťberall im Kreis stehen Hauptschulen vor dem Aus oder eine Fusion oder…. Die fr├╝here Johannes-Kepler-Schule wurde unter der CDU-Regierung zu einer gemeinsamen Werkrealschule Karl-Drais mit Heddesheim und Hirschberg. Was aktuell unter Gr├╝n-Rot aus der Schule wird, ist unklar. Vielleicht einfach nur Geschichte.

 

 

Rhein-Neckar, 23. Oktober 2012. (red/ld) Abstellgleis Hauptschule – Aufstiegsgarant Gymnasium? Mit der Abschaffung der verpflichtenden Grundschulempfehlung bleiben den Haupt- und Werkrealschulen in der Region die Sch├╝ler weg. Wenn auch im jahrgangs├╝bergreifenden Unterricht keine Klasse mehr zusammen kommt, bleibt nur noch, sich mit einer Nachbargemeinde zusammen zu schlie├čen: Heddesheim und Hirschberg haben es schon getan, Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim haben sich mit Ladenburg zusammengeschlossen. Am Ende des laufenden Schuljahres wird sich die Weinheimer Karrillonschule mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Schulzentrum zusammen schlie├čen.

Von Lydia Dartsch

Je h├Âher der Schulabschluss, desto besser die Job- und Ausbildungschancen. Diese Rechnung geht f├╝r viele Eltern und ihre Kinder auf. Entsprechend bange warteten sie bisher auf die Zeugnisse der vierten Klasse:

Blo├č nicht auf die Hauptschule!,

war f├╝r viele die Hoffnung. Seit diesem Schuljahr k├Ânnen Eltern und Sch├╝ler frei w├Ąhlen und sie w├Ąhlen vermehrt die h├Âheren Abschl├╝sse, wie die Mittlere Reife oder das Abitur. F├╝r die Haupt- und Werkrealschulen ist das ein gro├čes Problem: Ihnen fehlen die Sch├╝ler, um noch Klassen bilden zu k├Ânnen. 28 Sch├╝ler sind die Mindestvoraussetzungen f├╝r eine Klasse. Reichen die Sch├╝ler eines Jahrgangs daf├╝r nicht aus, k├Ânnen die Schulen noch zwei Jahrg├Ąnge zusammen legen, die dann gemeinsam unterrichtet werden. Doch in vielen Gemeinden in der Region gibt es auch f├╝r diese L├Âsung nicht gen├╝gend Sch├╝ler.

„Es ist ein Schulsterben. Das will niemand wahrhaben.“

Schulen zusammenschlie├čen bleibt die letzte L├Âsung f├╝r das Problem. In den Gemeinden werden Schulen ganz geschlossen:

Das ist eindeutig ein Schulsterben,

schildert Endrik Ebel vom Staatlichen Schulamt in Mannheim, das wolle nur niemand wahrhaben. Allein in Heidelberg ist die Zahl der Haupt- und Werkrealschulen in den letzten zehn Jahren von vier auf zwei gesunken. In den letzten Jahren haben sich Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim mit der Werkrealschule Unterer Neckar in Ladenburg zusammengeschlossen. Die Sch├╝ler aus Heddesheim m├╝ssen seit einiger Zeit nach Hirschberg (und umgekehrt) zum Unterricht fahren und ab n├Ąchstem Herbst gehts f├╝r die Sch├╝ler der Karillon-Schule zum Unterricht ins Dietrich-Bonhoeffer-Schulzentrum. Das hatte die Stadtverwaltung im Juli bekannt gegeben.

R├╝ckl├Ąufig sind die Sch├╝lerzahlen zwar schon seit 30 Jahren. An den Hauptschulen wird der R├╝ckgang nun auch durch die Abschaffung der Grundschulempfehlung verst├Ąrkt. Die Entscheidung zur Zusammenschlie├čung von Schulen treffe der Schultr├Ąger, erkl├Ąrt David Hager-Mann, Leiter des Staatlichen Schulamtes: „Das ist ein organischer Vorgang. Wenn einer den Eindruck hat, dass es so nicht mehr weiter geht, spricht man miteinander.“ Meistens suche die Schule das Gespr├Ąch mit der Gemeinde.

H├Âherer Abschluss = bessere Jobchancen?

Der Grund f├╝r die Wahl der Eltern ist die Angst der Eltern, ihre Kinder mit einer Anmeldung an der Hauptschule auf das soziale Abstellgleis zu rangieren. Ebel sieht darin eine Begleiterscheinung einer sich entwickelnden Wissensgesellschaft:

In den L├Ąndern der Wissensgesellschaft streben die Eltern f├╝r ihre Kinder m├Âglichst hohe Bildungsabschl├╝sse an. Die meisten schaffen das auch.

Zumindest in den Nachbarl├Ąndern sei das der Fall. Das gegliederte Schulsystem in Deutschland aber versch├Ąrft die Bedingungen f├╝r den sozialen Aufstieg: „Da werden die Qualifikationen schon sehr fr├╝h sichtbar. Die Kinder werden schon von vorneherein abgestempelt. Das f├╝hrt zu gesellschaftlicher Ungleichheit.“

Doch nicht jeder, der in der f├╝nften Klasse aufs Gymnasium geht, bekommt auch das Abitur: „Wenn das Kind nicht mit dem Stoff mitkommt, geht es runter von der Schule“. erkl├Ąrt Ebel: Vom Gymnasium auf die Realschule, von der Realsschule auf die Hauptschule. Die ├╝brigen Haupt- und Werkrealschulen k├Ânnten sp├Ątestens dann an ihre Grenzen sto├čen: „Wenn es keine Hauptschulen mehr gibt, wird es lustig“, meint Ebel.

Bessere M├Âglichkeiten an Gemeinschaftsschulen

An Gemeinschaftsschulen k├Ânnten Kinder individuell gef├Ârdert werden, ist sich Ebel sicher. Das ist im bestehenden Schulsystem nicht m├Âglich: „Die Kinder lernen in unterschiedlichen F├Ąchern auf unterschiedlichen Niveaus“, erkl├Ąrt Ebel. Gemeinschaftsschulen k├Ânnen diese Niveauunterschiede auffangen und „aus m├Âglichst vielen Sch├╝lern m├Âglichst viel herausholen“, wie es Ebel sieht. Das wollen auch die Eltern. So verzeichnet die bisher einzige Gemeinschaftsschule der Region in Bammental seit f├╝nf Jahren einen bemerkenswerten Sch├╝lerzuwachs: „Dort haben sich die Sch├╝lerzahlen verdreifacht“, zeigt sich Ebel begeistert. Dort h├Ątten die Eltern gemerkt, dass individualisiertes Lernen m├Âglich sei, „und das, obwohl sie nur eine Werkrealschule sind“, so Ebel.

Wie geht es weiter mit den Werkrealschulen? ├ťber die Zukunft des Standorts Heddesheim informiert die Gemeinde heute Abend in der Aula der Karl-Drais-Schule. In Weinheim wird der Zusammenschluss der Schule voran gehen. Die Schulleitung hat bisher nicht auf unsere Anfrage reagiert.

Geprothmannt: Schulpolitik muss zukunftsorientiert debattiert werden

Die Ganztagesschule muss kommen – aber sie ist trotzdem ein Problem

Rhein-Neckar, 01. Oktober 2012. (red) Alles sch├Ân und gut. Die Forderung nach einer Ganztagesschule ist richtig, aber trotzdem problematisch. Aktuell wurde im Ladenburger Gemeinderat ├╝ber die Einf├╝hrung der Ganztagesschule an der dortigen Werkrealschule diskutiert – aber die Debatte wird auch in anderen Gemeinden unseres Einzugsgebiet laufen. Und vermutlich St├╝ckwerk bleiben. Weil immer nur kurzfristig geplant wird und niemand den Mut aufbringt, mal zehn oder sogar 20 Jahre nach vorne zu schauen. Oder auch mal zur├╝ck.

Kommentar: Hardy Prothmann

Dieser Beitrag kommt ohne Zahlen aus, weil es nicht um Erbsen z├Ąhlen gehen soll, sondern um einen Aufruf zu einer weitsichtigen Debatte, die leider nicht stattfindet.

Baden-W├╝rttemberg ist unbestritten ein guter Schulstandort. Aber die Zeiten ├Ąndern sich. Mit ihnen die Menschen und die Bedingungen, unter denen sie miteiander leben. Deswegen beginne ich auch mit einem Sprung zur├╝ck.

Ich bin 1966 geboren und bin nach der vierten Klasse in Frankenthal aufs Gymnasium gegangen. Mit ein paar Freunden. Andere Freunde wechselten auf die Reals- oder Hauptschule. F├╝r die Freundschaften war das weitgehend unbedeutend. Um 13:00 Uhr l├Ąutete es, ich war um 14:00 Uhr mit Essen und meist auch mit Hausaufgaben fertig, sp├Ątestens um drei ging es raus: Kicken, Rad fahren, Schwimmen gehen, Bl├Âdsinn machen, Vereinstraining. Mit meinen Freunden und anderen Kindern. Beim Abendessen war ich oft todm├╝de, weil ausgepowert.

Gemeinsamkeit

Mit einigen meiner Freunde bin ich unabh├Ąngig vom Schulabschluss und der sp├Ąteren beruflichen „Laufbahn“ immer noch gut befreundet. Die einen arbeiten als Handwerker, andere in Heilberufen ohne ├ärzte zu sein, es gibt H├Ąndler und Dienstleister unter ihnen. Alles feine Leute, die teils mal richtig ordentlich mehr Geld verdienen als ich. Und die oft um einiges weniger arrogant sind als die, die sich f├╝r die Elite halten.

├ťberhaupt diese ganze leidige Elitendiskussion: Wenn ich einem Kumpel einen franz├Âsischen Text ├╝bersetzt habe oder die Inschriften auf alten Denkm├Ąlern lesen und verstehen konnte, wusste ich, dass ich mehr wei├č als mein Hauptschulfreund. Na und? Daf├╝r konnte der flitzeflink sp├Ąter Ma├če und Winkel berechnen, wusste immer, wo gerade die besten Preise f├╝r was auch immer waren. Das erg├Ąnzt sich bis heute.

Zusammen, statt getrennt

Hardy Prothmann (45) fordert mehr Weitblick bei der Schulpolitik.

Damit bin ich beim Kern der Debatte: Vor meiner Zeit wurden Jungs und M├Ądchen getrennt. Auch zu meiner Zeit wurden wir Kinder getrennt. Gemeinsames Lernen gab es nicht. Aber wir hatten neben der Schule viel Zeit f├╝r Gemeinschaft. Heute werden die Kinder auch getrennt, aber durch die Lebenssituation vieler Eltern brauchen sie eine l├Ąngere Betreuung. Sicher sind auch die Anforderungen in der Schule gestiegen, also auch l├Ąnger Schule.

Ich habe zwei Kinder. Der Sohn hat gerade nach dem achtj├Ąhrigen Gymnasium Abitur gemacht, die Tochter besucht die 8. Klasse. Die kennen keine Haupt- und Realsch├╝ler mehr. Nicht wegen Elitegedanken – ich achte drauf, dass sie bewusst bescheiden bleiben -, sondern weil sie keine Zeit haben. Morgens um sechs Uhr aufstehen, Schule bis um 16-17:00 Uhr. Dann noch Hausaufgaben machen, lernen, etwas Sport und etwas Musik. Damit ist der Tag rum. Ab und an treffen sich „beste Freundinnen“ und das ist nat├╝rlich jemand aus der Klasse. Andere Kinder bekommen sie ja nicht zu Gesicht.

Diese Trennung der Kinder f├╝hrt auch irgendwann zu einer Trennung der Gesellschaft. Gymnasiasten wissen nicht wie Realsch├╝ler ticken und die nicht, wie Hauptsch├╝ler so als Menschen sind. Falsche Elitendebatten f├╝hren zu falschen Selbstbildern bei den „Besten“ wie bei denen, die es „halt nicht geschafft haben“. Und vor allem CDU, SPD und FDP hei├čen diese heillosen Debatten auch noch an. Christliche Verbundenheit, soziales Miteinander oder freies F├╝reinander f├Ąllt diesen „politischen Eliten“ nicht mehr ein. Und umgekehrt kriegen die Gr├╝nen Pickel, wenn jemand Elite sagt, obwohl man die ganz sicher ebenso braucht wie den soliden Handwerker.

Der Schultyp der Zukunft, der auch den Gemeinsinn der Menschen st├Ąrkt und der gesellschaftlichen Situation Rechnung tr├Ągt ist die gemeinsame Ganztagsschule. Damit die nachwachsenden Generationen auch f├Ąhig sind, gemeinschaftlich zu denken. Und ├╝bereinander Bescheid wissen. Nat├╝rlich geh├Ârt auch Inklusion dazu.

Und man muss die Sportvereine in die Ver├Ąnderungen ebenso mit einbeziehen wie Musikschulen. Wenn die Ganztags-Werkrealschule kommt, werden die Vereine erneut Kinder und Jugendliche verlieren. Ganz einfach aus dem Grund, dass nicht alle auf ein Mal im Zeitfenster 17:00-19:00 Uhr auf demselben Platz kicken oder diesselbe Halle belegen k├Ânnen.

Alle m├╝ssen zusammenr├╝cken

Fr├╝her ging man nach der Schule in den Sportverein. „Nach der Schule“ ist heute sp├Ąter Nachmittag oder fr├╝her Abend. Also m├╝ssen die Vereine in die Schulen, ebenso die Musikschulen.

Das wird ein gewaltiger Umbau – denn daf├╝r muss vieles neu gedacht werden. Von Geb├Ąuden, ├╝ber Pl├Ątze, ├╝ber Mittel bis hin zur Organisation. In vielen Gemeinden reichen die Hallenkapazit├Ąten nicht mehr aus. Nicht weil die von morgens bis abens belegt sind, sondern weil immer mehr Anspruch auf diesselben Zeitfenster erheben. Wo soll das hinf├╝hren? Dass jeder 10.000-Einwohner Ort vier Hallen und zwei Kunstrasenpl├Ątze hat?

Man muss nicht nur gesellschaftlich die Schulen neu denken, sondern auch wirtschaftlich. Denn bekanntlich fehlt es an Geld zur Unterhaltun und es wird weniger Kinder geben. Ob man sich diesen Luxus, drei Schulsysteme mit entsprechenden Verwaltungen noch wird leisten k├Ânnen, ist heute schon fraglich. Hinzu kommt der Sch├╝lerverkehr, denn die wenigstens laufen nach der Grundschule in eine weiterf├╝hrende Schule.

Was die Hauptsch├╝ler schon mitmachen mussten, Zusammenlegungen, Werkrealschulreform, erneute Zusammenlegung, jetzt Ganztagsschule wird auch auf die anderen Schultypen zukommen. Gymnasien f├╝hren teils wieder die 9-j├Ąhrigen Z├╝ge nach der G8-Reform ein oder bieten beide Z├╝ge an. Die Realschulen haben „Sorge“, dass ihre „Homogenit├Ąt“ durch Hauptsch├╝ler gest├Ârt wird, da der Wegfall der Schulempfehlung nun Kindern die Realschule erlaubt, die sonst auf der Hauptschule gelandet w├Ąren. Und die Hauptschulen, neudeutsch Werkrealschulen, m├╝ssen bangen, ob sie ├╝berleben k├Ânnen.

Man k├Ânnte das Durcheinander auch als „lebendig“ bezeichnen. Tats├Ąchlich wei├č ich aus vielen Gespr├Ąche mit Eltern und Kindern, dass es als chaotisch begriffen wird. Eine „neue Ordnung“ kann nicht mehr Schaden anrichten als das verkorkste Herumexperimentieren der vergangenen Jahre.

1. Sommerfest an der neuen Martinsschule

Jede Spende ist hier gut investiert

Spa├č und gute Laune zum 1. Sommerfest in der neuen Martinsschule.

 

Ladenburg/Rhein-Neckar, 03. Juli 2012. (red/la) Die Ladenburger Martinsschule ist eine normale Regelschule f├╝r besondere Menschen. Am Wochenende wurde Sommerfest und das 30-j├Ąhrige Jubil├Ąum des F├Ârdervereins gefeiert. Die Martinsschule ist aber auch ein besonderer Ort – der Freude und Zuneigung.

Von Reinhard Lask

Ich bin zum ersten Mal in der Martinsschule. Heute ist ein sch├Âner Tag. Heute wird Sommerfest gefeiert. Doch mir stehen nach kurzer Zeit die Tr├Ąnen in den Augen – ich muss den Anblick von so vielen schwerstbehinderten Kindern erst einmal f├╝r mich selbst verkraften.

Gerade schiebt eine Mutter einen vermutlich spastisch gel├Ąhmten Jungen an mir vorbei. Ihm l├Ąuft der Speichel aus dem Mund und seine H├Ąnde und Arme sind seltsam verdreht. Aber er l├Ąchelt, freut sich wie ein Schneek├Ânig. Ich schaue seiner Mutter in die Augen – auch sie strahlt, ist freudig, denn heute ist ein Festtag. Und den wollen alle gemeinsam mit guter Laune feiern.

Tradition fortf├╝hren

Es ist das erste Sommerfest im neuen Geb├Ąude der Martinsschule. Denn erst seit Februar 2010 unterrichten hier 130 Lehrer rund 195 schwer- und schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche. 65 weitere Sch├╝ler lernen in Inklusionsklassen au├čerhalb der Martinsschule.

Rektor Kurt Gredel er├Âffnet das Fest:

In der alten Schule haben wir alle zwei Jahre unser Sommerfest gefeiert. Diese Tradition wollen wir hier weiterf├╝hren.

Seit acht Jahren ist Kurt Gredel der Rektor – mit Leib und Seele. Er strahlt viel W├Ąrme und eine schier grenzenlose Freundlichkeit aus – so wie alle, die hier mit den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern arbeiten. Heute ist nicht nur Sommerfest – es ist auch das 30-j├Ąhrige Jubil├Ąum des F├Ârdervereins der Martinsschule.

Herzlichkeit

Ein Sch├╝ler kommt an die B├╝hne. Er hei├čt Kevin und stakst mit seinen verdrehten Beinen langsam auf die Rampe zu. J├╝rgen Vosloh, der Vorsitzende des F├Ârdervereins muss den Jungen dabei st├╝tzen, w├Ąhrend dieser zitternd einen Fu├č vor den anderen setzt. ÔÇ×Super machst Du das, KevinÔÇť, lobt Rektor Gredel. Er wei├č, was der Junge leistet.

Er freut sich, Kevin es am Ende die ganze Rampe hoch bis auf die B├╝hne geschafft hat. Kevin ├╝bergibt Vosloh einen Gutschein. Die Sch├╝ler schenken dem F├Ârderverein eine mobile Stellwand, auf der sie in Zukunft ihre Arbeit pr├Ąsentieren k├Ânnen. Kevin sagt etwas. Die einzelnen W├Ârter verstehe ich kaum. Aber ich verstehe auch so, was er sagt. Alle im Foyer verstehen ihn. Kevin bedankt sich – aufrichtig. Der darauf folgende Applaus ist herzlich.

Seit 30 Jahren versucht der F├Ârderverein den Martinssch├╝lern W├╝nsche zu erf├╝llen: 1,1 Millionen Euro hat der Verein seit seiner Gr├╝ndung gesammelt. Eine ganz ├╝berragende Summe, die einem au├čerordentlich guten Zweck zugekommen ist.

Tiefer Respekt

Der n├Ąchste Spender ├╝berrascht:┬á Elmar Ludwig ist ein B├Ąr von einem Mann, der eine schwarze Lederkluft tr├Ągt. Er sieht aus wie ein Rocker, ist das auch, aber ein ganz harmloser – die meisten Klubmitglieder sind Beamte, darunter viele Polizisten. Der Klubpr├Ąsident des Motorradklubs ÔÇ×ExcubitoresÔÇť (lateinisch f├╝r ÔÇ×Die W├ĄchterÔÇť) spendet 500 Euro in bar. Bei seiner Ansprache k├Ąmpft er mit seiner Stimme. Auch er ist bewegt:

Wir haben tiefsten Respekt f├╝r das, was sie alle hier leisten und wollen das auch in Zukunft weiter mit Spendensammlungen unterst├╝tzen.

Alle Kinder d├╝rfen die schweren Maschinen anschauen, mit denen die Klubabordnung gekommen ist – kurz mal mitfahren ist allerdings nicht m├Âglich:

Wir hatten auch mal ├╝berlegt, dass wir mit denen im Kreis fahren, aber das ist zu gef├Ąhrlich.

Herr Ludwig erz├Ąhlt mir, dass ein Kollege eine schwerstbehinderte Tochter hat. Die lag immer wieder auf der Intensivstation. Die Eltern k├╝mmen sich wunderbar aufopfernd um sie: „Das kostet so viel KraftÔÇť, sagt er. Immer wieder ringt der st├Ąmmige Mann mit seiner Stimme: ÔÇ×Wir haben schon viele andere Spenden gemacht. Hier wollen wir auch weiter helfenÔÇť, sagt er. Und: „Ohne meinen Kollegen w├Ąre ich wohl nie hierher gekommen.“

Lebenslange Hilfe n├Âtig

Alle Kinder, die die Martinsschule besuchen brauchen ihr Leben lang Hilfe. So wie ein M├Ądchen, das auf einem Pflegebett liegt. Ich erfahre, dass das M├Ądchen die meiste Zeit nur im Bett liegen kann. Es kann nicht alleine laufen, nur liegen und sich winden. Das macht sie, wenn sie Musik h├Ârt. Dann dreht sie sich im Takt von einer Seite auf die andere. Ich bin froh, dass Musik ihr Freude macht.

Das M├Ądchen sieht aus, als l├Ąge es noch immer im Brutkasten. Vielleicht ist es auch so. Manche Menschen m├╝ssen ihr Leben lang im Brutkasten verbringen. Doch die Martinsschule erm├Âglicht ihnen ein menschenw├╝rdiges Leben. Eines mit Perspektive. Was viele nicht wissen: Die Martinsschule ist zwar eine Schule f├╝r Schwerstbehinderte – aber sie ist eine Regelschule. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler machen hier ihren Hauptschulabschluss.

Nat├╝rlich gibts in der R├Âmerstadt auch echte R├Âmer.

Mit den Einnahmen des Sommerfestes soll der Schulgarten ausgebaut werden. Bisher sind die Wege f├╝r Pflegebetten nicht breit genug, sodass das bettl├Ągerige M├Ądchen drau├čen noch keine Pflanzen und Erde f├╝hlen kann: ÔÇ×F├╝r den Ausbau brauchen wir zwischen 40.-50.000 EuroÔÇť, sagt Rektor Gredel. Landrat Stefan Dallinger hat f├╝r den Kreis 5.000 Euro gespendet.

Liebe und F├Ârderung

Jede Spende ist hier gut investiert. Ich bin sehr beeindruckt – von der freundichen Atmosph├Ąre und dem liebevollen Umgang mit den Kindern. Von der Offenheit des Hauses und der Selbstverst├Ąndlichkeit eine normale Schule f├╝r besondere Menschen zu sein.

In anderen L├Ąndern sieht man keine Behinderten auf der Stra├če oder in Schulen. Eine Martinsschule, die vielen der Kinder einen regul├Ąren Schulabschluss erm├Âglicht? Undenkbar in vielen L├Ąndern. Diesen besonderen Menschen einen w├╝rdevollen Platz inmitten der Gesellschaft geben? Kaum vorstellbar.

Hier in der Martinsschule ist das anders. Auch wenn diese jungen Menschen nicht das Gl├╝ck hatten, in „normale“ K├Ârper hineingeboren zu werden, sie haben das Gl├╝ck, einen Platz in der Martinsschule gefunden zu haben. Eine Schule voller Menschen, die alles daran setzen, diesen Kindern alle Liebe und die F├Ârderung zu geben, die sie brauchen.

Hintergrund: Die Martinsschule wird von den St├Ądten Mannheim und Heidelberg sowie dem Rhein-Neckar-Kreis und Kreis Bergstra├če getragen.

Spendenkonten des F├Ârdervereins Martinsschule Ladenburg:

Volksbank Kurpfalz H+G Bank
BLZ 672 901 00
Kontonummer: 502 401 00

Sparkasse Rhein Neckar Nord
BLZ 670 505 05
Kontonummer 660 032 21

Die Bildergalerie finden Sie auf dem Ladenburgblog.de

„Schicker“ Auftritt: Wenn eine Kultusministerin das reale Leben trifft, wird viel gel├Ąchelt

Guten Tag

Heddesheim/Hirschberg, 22. September 2010. (red) Der 20. September 2010 ist f├╝r Hirschberg ein besonderer Tag. Die neue baden-w├╝rttembergische Kultusministerin Marion Schick tr├Ągt sich ins goldene Buch der Gemeinde ein und redet ├╝ber „Inklusion“ – so nennt man die Teilnahme von behinderten Sch├╝lerinnen in „normale“ Klassen. Frau Schick gibt sich offen, l├Ąchelt viel, redet viel und ist bester Laune. Viele der G├Ąste habe hingegen Sorgen.

Von Hardy Prothmann

Ich bin nun schon zwanzig Jahre „im Gesch├Ąft“. Als Journalist habe ich viel gesehen, erlebt, erfahren. Aber ich lerne immer wieder neu dazu.

So geschehen am Montag, den 20. September 2010. Frau Kultusministerin Prof. Dr. Marion Schick besucht die Martinsschule in Ladenburg und „stellt“ sich dann der „Diskussion“ zum Thema „Inklusion“ in der Martin-St├Âhr-Grund-und Hauptschule Hirschberg, die sich aber ausweislich eines an eine Leinwand gebeamten Textes „Grund- und Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim“ nennt. Der Name ist weder offiziell noch richtig.

Schick. Adrett. Beredt.

Frau Schick ist eine adrette Person. Anfang 50, schlank, Anzugtr├Ągerin, Kurzhaarfrisur. Sie hat ein fr├Âhliches Naturell und lacht gerne. Dabei kann sie auch reden wie ein Wasserfall. Die bayerische Herkunft kann sie nicht verleugnen, sie jauchzt und juxt. Und sie redet und redet. ├â┼ôber „Inklusion“, also das gemeinsame Unterrichten behinderter und „normaler“ Kinder. ├â┼ôber Kosten, Gelder, Pl├Ąne und vor allem Erfolge und dann sagt sie fr├Âhlich: „Ich habe Sie jetzt wahrscheinlich provoziert und freue mich auf Ihre Fragen.“

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L├Ącheln, lachen, jauchzen. Staatssekret├Ąr Wacker und seine Chefin Schick.

Zuvor hat allerdings der Hirschberger B├╝rgermeister Manuel Just provoziert. Der Hirschberger B├╝rgermeister bezeichnete den integrativen Unterricht von behinderten Kindern in „normalen“ Schulen als „eines der wichtigsten Themen ├╝berhaupt“ und zeigte sich in seiner engagierten Rede in einer ganz ungewohnt sozialpolitischen Position, die er einf├╝hlend und glaubhaft vertrat: „Wir stehen alle am Anfang eines Prozesses der Akzeptanz, der einen moralischen Diskurs ersetzt.“

Er verweist auf wissenschaftlicher Erkenntnisse, die die Sorgen der Eltern „normaler Sch├╝ler“ beruhigen kann – „st├Ąrkere Sch├╝ler“ werden durch „schw├Ąchere“ nicht „behindert“.

Wer soll das bezahlen?

B├╝rgermeister Manuel Just w├Ąre nicht er selbst, wenn er nicht ├╝ber Zahlen reden w├╝rde: „Doch wer soll das, was von uns Kommunen abverlangt wird, bezahlen?“ Er redet ├╝ber die Belastungen der Kommunen. Dann ist die Frau Ministerin an der Reihe.

Die redet engagiert und lacht und zeigt Z├Ąhne und sagt: „Gerade ist es es mir kalt den R├╝cken hinunter gelaufen“, und meint damit das, was der fr├╝here K├Ąmmerer Manuel Just gefragt hat: „Wer soll das bezahlen?“ Sie redet ├╝ber den „Beginn eines tiefgreifenden Prozesses“: „Wir kommen aus den 60-er Jahren als die Schulpflicht f├╝r behinderte Kinder ├╝berhaupt erst eingef├╝hrt wurde.“ ├â┼ôber ein neues Lehramt f├╝r Sonderp├Ądagogik. Sonderp├Ądagogische Kompetenzzentren. Und die Sorgen und ├âÔÇ×ngste der Eltern, deren Kinder auf „Regelschulen“ gehen, in denen „Sondersch├╝ler“ mitlernen sollen: „Es geht darum, sich auf den Weg zu machen“, sagt die fr├Âhliche Ministerin und verweist auf geltendes Recht: „Wir m├╝ssen die UN-Konvention umsetzen.“

Dann fordert sie die rund 70 G├Ąste auf, „alles zu fragen, was sie wollen.“

In der „Martin-St├Âhr-Schule“, die laut Beamer „Grund- und Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim“ hei├čt, hat anscheinend niemand Fragen an die fr├Âhliche Frau Ministerin.

Niemand will sich melden, bis der Ladenburger B├╝rgermeister Rainer Ziegler den „Eisbrecher“ macht, die peinliche Situation l├Âst und um das Mikrofon bittet. Er spricht die gew├╝nschte Barrierefreiheit in den Schulen an, fragt nach finanzieller Unterst├╝tzung vom Land und auch der „Inklusion“ in die Realschulen.

Schicke Selbstinszenierung.

Die Frau Ministerin redet wieder lange und fr├Âhlich und ernst: „Wir beziehen Pr├╝gel von der Deutschen Gesellschaft f├╝r Menschenrechte….“ und endet: „Es kann nicht sein, dass wir eine positive Diskriminierung schaffen.“

Damit meint sie, dass es nicht angehen k├Ânne, dass man zum Nachteil der „normalen“ Sch├╝ler die „Sondersch├╝ler“ bevorteile: „Daf├╝r halten Herr Wacker und ich unsere R├╝cken hin.“ Und dann jauchzt und l├Ąchelt die Frau Ministerin.

Scheinbar steht sie auf Schmerzen – von denen berichten dann viele. Denn das „Eis“ ist nun gebrochen. Die Offenheit, die sich die Ministerin durch ihre „Provokationen“ gew├╝nscht hat, ermuntert die G├Ąste, nach dem Mikrofon zu verlangen.

Mehrere Lehrerinnen, Schulrektorinnen und B├╝rgermeister beschreiben ihre Lage, allesamt respektvoll vor dem Status der Ministerin. Allesamt offen und glaubw├╝rdig. Allesamt progressiv und offen f├╝r die „Inklusion“, diesem schrecklichen Wort f├╝r die normalste Sache der Welt, „Sondersch├╝lern“ eine gro├če Chance zu geben.

Sorgen und ├âÔÇ×ngste werden weggel├Ąchelt.

Und es werden auch „Sorgen und ├âÔÇ×ngste“ ge├Ąu├čert, ob es „Quoten“ geben werde, also „Prozents├Ątze“, wie viele „Sondersch├╝ler“ in den „normalen Klassen“ unterrichtet werden k├Ânnten.

Die Ministerin lacht, zeigt Z├Ąhne, jauchzt, verweist auf die Kosten, dass alles „individuell“ entschieden werden m├╝sse, f├╝r manche auch die „Sonderschule“ die beste L├Âsung sei und auf Investitionen, die „aber erst ab 2012 get├Ątigt“ werden k├Ânnten.

B├╝rgermeister Manuel Just sitzt bei dieser „Diskussion“ zwar auch auf dem Podium, sagt aber kein Wort mehr. Der B├╝rgermeister Ziegler und sein Kollege aus Schriesheim, Hansj├Ârg H├Âfer, haben sich einmal zu Wort gemeldet, schweigen dann aber.

Kurz vor Schluss, meldet sich der Rektor der Martinsschule in Ladenburg, Kurt Gredel und bittet die Ministerin: „Sie haben immer wieder von Regelschulen gesprochen, in denen behinderte Kinder unterrichtet werden. Ich m├Âchte Sie darauf aufmerksam machen, dass auch die Martinsschule eine Regelschule ist.“

Die Ministerin lacht und jauchzt: „Das habe ich mir notiert. Das wird mir nicht mehr passieren. Nat├╝rlich ist auch ihre Schule eine Regelschule“, sagt sie und gibt sich offen und transparent und fr├Âhlich und lernbegierig. Sie l├Ąchelt die Peinlichkeit ihres eigenen Auftritts einfach weg. Hatte sie nicht gerade die Regelschule f├╝r Behinderte aus den 60-er Jahren als gro├če Entwicklung benannt, unterschied sie 50 Jahre sp├Ąter ganz aktuell und life zwischen „Regelschule“ und „Sonderschule“. Herr Gretel l├Ąchelt auch, setzt sich und denkt sich wahrscheinlich seinen Teil.

Die gute Laune ist das Signal.

Staatssekret├Ąr Georg Wacker (CDU) l├Ąchelt mit seiner „Chefin“ Schick um die Wette und versucht gute Laune zu signalisieren. Dabei redet er mehrmals was vom „sch├Ânsten Landkreis in Baden-W├╝rttemberg“ und zeigt sich vor allem unterw├╝rfig gegen├╝ber seiner Chefin: „Ich w├╝rde mir niemals anma├čen….“ Das soll irgendwie „Gentlemen-like“ wirken.

Nach gut 70 Minuten ist die Vorf├╝hrung zu Ende.

Es wurde vor allem viel geredet und noch mehr gel├Ąchelt und gute Laune gezeigt. Von Frau Schick und Herrn Wacker.

Der Rektor, der wie auch immer hei├čenden Schule, Jens Drescher, war aufgeregt, sicher auch stolz, aber auch ehrlich: Er will, wie die vielen seiner Rektoren- und Lehrerkollegen ganz klar mitmachen bei der „Inklusion“.

Er fragt aber auch, wie das gehen soll, also nach Geld und Personal.

Schema F.

Die Ministerin jauchzt und l├Ąchelt und ist guter Laune w├Ąhrend ihres Auftritts, der wahrscheinlich weniger der L├Âsung finanzieller und personeller Fragen galt, sondern vielmehr der Auftakt des Wahlkampfes ist: „Wir machen in der Schulpolitik nichts nach Schema F“, sagt sie k├Ąmpferisch.

Nur schade, dass Herr Staatssekret├Ąr Wacker mich nicht drangenommen hat, obwohl ich mich ausgiebig und deutlich als Fragesteller gemeldet habe.

Ich wollte die Ministerin fragen, wie denn die schwierigen Fragen zur „Inklusion“ gel├Âst werden k├Ânnen, wenn sie selbst gerade in einer Schule referiert, die eine „individuelle L├Âsung“ in Sachen „Werkrealschule“ zum „Wohle der Kinder“ gemeinsam mit Heddesheim vorgelegt hat. Diese L├Âsung wurde nach „Schema F“ abgelehnt.

Die Schule hat bis heute, ein halbes Jahr nach der Verwaltungsentscheidung keinen offiziellen Namen. Der neue Leiter, Rektor Jens Drescher, ist bislang nur „kommissarischer Leiter“. Als solcher verdient er weniger Geld als ihm f├╝r seine Arbeit zusteht.

Frau Schick sagte zuvor, l├Ąchelnd und jauchzend und auch ein wenig ernst, dass „man auch von den Lehrern erwarten muss, sich an neue Arbeitsbedingungen anzupassen“ und lobte das Schulamt f├╝r dessen „Leistungen“, in diesem Jahr 2.500 „neue Lehrer“ eingestellt zu haben.

Dar├╝ber, dass viele Lehrer nur Zeitvertr├Ąge erhalten und zum Ende des Schuljahres arbeitslos werden, um dann nach 6-w├Âchiger Arbeitslosen-Phase wieder eingestellt zu werden, sagt sie nichts.

Komplexes Thema – Hilfe gew├╝nscht.

Das Thema ist fraglos komplex. Ich kann als Journalist zu diesem Zeitpunkt nur berichten, was ich gesehen und erlebt habe.

Das Thema „Inklusion“ ist wichtig und wird durch unsere Redaktion weiter bearbeitet werden.

Im Mannheimer Morgen, der Rhein-Neckarzeitung und den Weinheimer Nachrichten wurde kaum kritisch ├╝ber das wichtige Thema „Inklusion“ und dessen gesellschaftliche und finanzielle Umsetzung berichtet. Hier durften die Ministerin und ihre Staatssekret├Ąr gute Laune verbreiten.

Wenn Ihnen diese vergangen ist, wenn Sie mehr zu erz├Ąhlen haben, als die verk├╝rzten Zeitungsberichte „verk├╝ndet“ haben, dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Wir w├╝nschen uns Ihre Unterst├╝tzung. Als Eltern, als Lehrer, als Rektoren. Kommen Sie auf uns zu, berichten Sie uns von dem, was ist, was Sie sich w├╝nschen und von Ihren Sorgen und N├Âten. Wir garantieren Ihnen Vertraulichkeit – aber gleichzeitig ├ľffentlichkeit f├╝r das, was wir durch Sie als Informanten erfahren.

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Bericht im Mannheimer Morgen

Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung
Bericht in den Weinheimer Nachrichten

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Werkrealschule ohne Namen startet unter „kommissarischer“ Leitung

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 10. September 2010. Heute ist der letzte Ferientag – nach dem Wochenende beginnt in Baden-W├╝rttemberg wieder die Schulzeit. In Heddesheim und Hirschberg gibt es seit dem 01. August 2010 eine gemeinsame Werkrealschule – doch der fehlt auf absehbare Zeit eine „offizielle“ Leitung – Jens Drescher bleibt vorerst der kommissarische Leiter, obwohl schon feststeht, dass er der offizielle Leiter werden wird.

Von Hardy Prothmann
Wenn am Montag die neue gemeinsame Werkrealschule Hirschberg-Heddesheim ihren Schulbetrieb aufnimmt, steht sie nur unter kommissarischer Leitung durch Jens Drescher.

Statt eines Aufbruchssignals, dass hier tats├Ąchlich eine hoffnungs- und wirkungsvolle Schulreform greift, beginnen die vormals selbstst├Ąndigen Schulen (Martin-St├Âhr und Johannes-Kepler) mit einem Provisorium.

Das ist entw├╝rdigend f├╝r den engagierten jungen Rektor Drescher, f├╝r die Eltern und f├╝r die Sch├╝lerInnen, denen bessere Ausbildungschancen versprochen werden, f├╝r die die Verwaltungsapparate aber auch nicht den Hauch eines emotionalen Verantwortungsgef├╝hls entwickeln, von dem doch so oft betont wird, dass es gerade f├╝r diese Sch├╝lerInnen von so gro├čer Bedeutung w├Ąre.

Jens Drescher, der „alte“ Rektor der Hirschberger Martin-St├Âhr-Schule, ist seit Wochen schon kommissarischer Leiter der Schule ohne Namen, die aber die gemeinsame Hauptschule mit Werkrealschule der Gemeinden Hirschberg und Heddesheim ist.

Was die B├╝rgermeister Michael Kessler (Heddesheim) und Manuel Just (Hirschberg) und der Staatssekret├Ąr Georg Wacker (CDU) gerne als „Erfolg“ feiern, ist eine improvisierte Geschichte.

Die Schule hat keinen Namen und keinen festen Leiter. Es geht ja auch nur um Hauptsch├╝lerInnen.

Das ist entw├╝rdigend. Noch mehr, dass ein „Schulrat“ Daniel Hager-Mann, zust├Ąndig beim Mannheimer Schulamt, ganz selbstverst├Ąndlich erkl├Ąrt, dass der Prozess im Gang sei, es viele Verwaltungsinstanzen g├Ąbe und voraussichtlich in diesem Jahr noch, aber nicht sicher, das Verfahren abgeschlossen werde.

Noch entw├╝rdigender ist, dass Ger├╝chte kolportieren, dass erst mit der offiziellen Ernennung des neuen Schulleiters entsprechende Geh├Ąlter bezahlt w├╝rden. Ob das stimmt, ob hier „gespart“ wird, konnten wir nicht ausrecherchieren. Wenn es kein Demmenti gibt, wird das Ger├╝cht wohl zutreffen.

Unabh├Ąngig davon startet die neue Werkrealschule als Provisorium. Schulleitung, Lehrer, Sch├╝ler, Eltern – alle leiden darunter. Es gibt kein hoffnungsvolles Zeichen eines Neustarts, keine Aufbruchstimmung, noch nicht mal den Versuch eines guten Willens. Sondern nur „juristische Fragen“, Verfahren und bl├Âde Nachfragen, was denn eigentlich das Problem sei, denn es gehe doch alles seinen Gang.

„Unser Interesse ist der geordnete Betrieb des Schulbeginns“, h├Ârt man aus dem Schulamt. „Das war zu keinem Zeitpunkt unklar.“

Wann erfahren die Sch├╝lerInnen und deren Eltern, wer sie leitet? „Wenn die Verfahren abgeschlossen sind“, sagt Herr Hager-Mann.

Ist das die Botschaft an die Sch├╝lerInnen? „Abgeschlossene oder nicht abgeschlossene Verfahren zu sein?“

Das ist unw├╝rdig. Aber es passt zur Schulpolitik des Landes Baden-W├╝rttemberg, die gerne die vergisst, die am meisten F├Ârderung brauchen.

Auch die Belastung der LehrerInnen ist enorm – dabei m├╝ssen gerade diese mehr leisten und aushalten als ihre Kollegen an anderen Schulen.

Am Montag startet die neue, gemeinsame Hauptschule mit Werkrealschule. Auch, wenn es noch nicht offiziell ist: Der Schulleiter hei├čt Jens Drescher. Man darf ihm und seinem Kollegium in Hirschberg und Heddesheim nur alles Gute w├╝nschen, denn alles Gute bekommen sie nicht von der Politik. Weder aus Hirschberg noch aus Heddesheim, noch aus Mannheim, noch aus Karlsruhe, noch aus Stuttgart.

Die Schulleiterin der Johannes-Kepler-Grundschule hei├čt Hiltrud Rudolf.

Allen gemeinsam ist, dass alles Gute von ihrem Engagement abh├Ąngt.

Viel Kraft daf├╝r.

Denn wie soll man am Montag die Sch├╝lerInnen begr├╝├čen?

„Herzlich willkommen in der Schule ohne Namen unter kommissarischer Leitung bis die Verfahren abgeschlossen sind?“

Dar├╝ber machen sich weder das Schulamt in Mannheim, noch die hohe Politik in Stuttgart, noch die B├╝rgermeister├Ąmter in Heddesheim und Hirschberg Gedanken.

Hauptsache, die Schule startet geregelt.

JKS-Rektorin Rudolf entl├Ąsst 9. und 10. Klasse: „Habt Mut zur Freiheit“

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Juli 2010. 41 Jungen und M├Ądchen feierten am Freitagabend, den 23. Juli 2010, ihre Entlassfeier. Die meisten machen mit der schulischen Ausbildung weiter, ein Hauptsch├╝ler und acht Werkrealsch├╝ler beginnen eine Lehre. F├╝rs erste feierten die Sch├╝lerInnen ihren Erfolg: Alle haben bestanden.

Von Sabine Prothmann

41 Jungs und M├Ądchen feierten gestern ihren Abschluss ihrer Schulzeit in der Johannes-Kepler-Schule. 25 haben ihren Hauptschulabschluss und 16 ihre Werkrealschulreife bestanden.

Die beiden Abschlussklassen hatten ein buntes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das den Familien, Lehrern und Freunden einen Einblick in ihre Schulzeit gew├Ąhrte.

Kevin Einsmann-Pons, Absolvent der 10. Klasse, und Julia Hartmann, Absolventin der 9. Klasse, begr├╝├čten die G├Ąste und f├╝hrten charmant durchs Programm.

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Entlassfeier an der Johannes-Kepler-Schule. Bild: hedesheimblog.de

„Bleibt dran, wenn ein Weg nicht weiterf├╝hrt, dann versucht einen anderen“, sagte B├╝rgermeister Michael Kessler. „Lernen gegen den Strom, ist wie rudern gegen den Strom.“ Beides sei sehr beschwerlich.

Kessler erinnerte in seiner Rede an die „schwierige Zeit“ im vergangenen Jahr, als die Zukunft der Johannes-Kepler-Schule neu entschieden und der Sitz f├╝r die gemeinsame Werkrealschule Hirschberg-Heddesheim zugunsten Hirschbergs beschlossen wurde. „Wir sind entschlossen weiterhin f├╝r eine bestm├Âgliche Bildungschance zu sorgen“, sagte Kessler.

„Alle haben bestanden, macht jetzt das beste draus.“ Manfred Scholl

„Alle haben bestanden, macht jetzt das beste draus“, betonte der Elternbeiratsvorsitzende Manfred Scholl in seiner Ansprache. Beharrlichkeit und der Glauben an sich selbst, sei wesentlich f├╝r die Zukunft. „Und bleibt in Kontakt“, appellierte Scholl an die Absolventen.

Kevin Einsmann-Pons erinnerte sich in seiner Sch├╝lerrede an das ereignisreiche 10. Schuljahr. Kaum habe das Jahr begonnen standen schon die Projektpr├╝fungen an und schon bald darauf h├Ątte man f├╝r die Abschlusspr├╝fung lernen m├╝ssen.

Erinnerung an Elena Gr├Ąf.

Julia Hartmann erw├Ąhnte den tragischen Tod ihrer Mitsch├╝lerin Elena Gr├Ąf im vergangenen Sommer und k├Ąmpfte sichtbar mit ihren Tr├Ąnen. „Du bist unglaublich mutig“, sagte Rektorin Rudolf, die selbst mit der R├╝hrung k├Ąmpfen musste und unterst├╝tzend zu Julia Hartmann auf die B├╝hne kam.

In ihrer Ansprache als Rektorin machte Rudolf der 9. und der 10. Klasse ein gro├čes Kompliment f├╝r die Feier, die sie in Eigenregie geplant hatten.

„Ich w├╝nsche euch den Mut zur Freiheit.“ Hiltrud Rudolf.

„Ich w├╝nsche euch den Mut zur Freiheit“, sagte Hiltrud Rudolf. Seid unabh├Ąngig, von dem , was andere von euch erwarten, seid mutig, seid frei, in dem was ihr denkt und w├╝nscht, damit ihr erkennt, dass euer Leben ein Ziel und ein Sinn hat, ermahnte die Rektorin mit bewegenden Worten ihre Absolventen.

Als Klassenlehrerin der 9. Klasse erinnerte sich Rudolf an ein Jahr mit Respekt und Ehrlichkeit und einer geh├Ârigen Portion Humor, denn „trotz massivem Widerstand, habt ihr es nicht geschafft durchzufallen“.

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Die 12 M├Ądchen und 13 Jungen haben ihren Hauptschulabschluss im Durchschnitt mit 2,8 bestanden. Als Klassenbeste wurden Linda Lange und Dominik Schul (beide 2,0) ausgezeichnet. Einen Buchpreis f├╝r Pr├╝fungsleistungen mit der Endnote 1 erhielt in Englisch Daniel Albert, in Mathematik Patrick H├Ąrtel und in der Projektpr├╝fung Lukas Kielmayer, Sven Kessler, Linda Lange, Maike Kling und Romina Press. Den Sozialpreis f├╝r Klassen- und Sch├╝lersprechert├Ątigkeit bekamen Linda Lange und Maike Kling.

Wie gehts weiter?

Nach dem Hauptschulabschluss gehen 16 Sch├╝ler und Sch├╝lerinnen auf weiterf├╝hrende Schulen, einer hat eine feste Lehrstelle, vier weitere warten noch auf die Zusage, zwei machen ein Berufskolleg und zwei Sch├╝ler ein Berufseinstiegsjahr.

Martin Stieber, Klassenlehrer der 10. Klasse, ist sehr stolz auf seine 16 Absolventen des Werkrealschulabschlusses. „Auch, wenn ich von dem einen oder anderen mehr erwartet h├Ątte“, wie er bei der Zeugnis├╝bergabe betonte.

Mit pers├Ânlichen Worten ├╝berreichte er allen Sch├╝lerInnen pers├Ânlich ihr Abschlusszeugnis.

Acht Sch├╝ler haben einen Ausbildungsplatz gefunden, das sind 50 Prozent, „das ist super“, sagte Stieber. Ein Sch├╝ler werde zur Bundeswehr gehen, vier sind noch auf der Suche bzw. warten noch auf die Zusage eines Ausbildungsplatzes und drei gehen weiter zu Schule, um ihre Fachhochschulreife zu machen.

Einer davon ist Kevin Einsmann-Pons, der mit 1,8 den besten Durchschnitt erreicht hat. F├╝r gute Leistungen in der Projektpr├╝fung wurden Rick Schwarzenberger, Johann Besherz und Kevin Einsmann-Pons ausgezeichnet. Den Sozialpreis erhielten Sabrina Mayer und Laura Schmitt.

Das vertrauensvolle Verh├Ąltnis der Sch├╝ler und Lehrer zeigten die Spiele und der Sketch ├╝ber eine ganz „normale“ Schulstunde der 9. Klasse, die beiden Diavortr├Ąge und die Geschenke, die die Abschlussklassen ihren Lehrern ├╝berreichten.

Viel Freude mit den Fotos:

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Was vom Antrag ├╝brig bleibt – die Werkrealschule der Politik

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 18. Februar 2010. Der urspr├╝ngliche Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule ist gescheitert. Das „macht nichts“, denn ein „Alternativantrag“ soll die „L├Âsung“ sein.

Kommentar: Hardy Prothmann

Es geht um das „Wohl unserer Sch├╝ler“. An dieser Aussage lie├čen die B├╝rgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) keinen Zweifel.

Kein Zweifel? Von wegen.

Das Konzept der Werkrealschule an sich ist verzweifelt.

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Michael Kessler, Georg Wacker, Manuel Just finden "Alternativl├Âsung". Bild: hblog

Nur Baden-W├╝rttemberg und Bayern leisten sich dieses Konzept, w├Ąhrend schon zehn andere der sechzehn Bundesl├Ąnder die Hauptschule abgeschafft haben oder dabei sind, diese abzuschaffen.

In Stuttgart wird eine Kirchturmpolitik gemacht, die mit den „Zust├Ąnden“ vor Ort, mit dem Zustand der Hauptschule an sich nichts zu tun hat. Die Werkrealschule ist eine „Zwischenl├Âsung“ auf dem Weg zur Abschaffung der Hauptschule und von Motiven getrieben, denen ganz sicher das „Wohl der Sch├╝ler“ egal ist. Es geht darum, was diese „kosten“.

Das Konzept ist, dass alles noch nicht geregelt ist.

Wenn Staatssekret├Ąr Georg Wacker (CDU) etwas von „p├Ądagogischen Konzepten“ in diesem Zusammenhang erl├Ąutert, darf man mit Fug und Recht behaupten, dass er „schw├Ątzt“.

Denn mit den Konzepten ist es nicht weit her.

Das Gesetz zu dieser „Schulreform“ wurde im Hauruck-Verfahren von der Landesregierung gegen die Empfehlungen der Lehrer und Eltern durchgedr├╝ckt. Die Vorsitzende des Landeselternbeirats Christiane Staab (CDU) ist zusammen mit ihrer Stellvertreterin Sylvia Wiegert aus „Entsetzen“ ├╝ber die Schulpolitik am 20. Januar 2010 von ihrem Amt zur├╝ckgetreten.

Konzepte? Bis heute liegen keine Lehrpl├Ąne f├╝r diese ach-so-tolle Werkrealschule „neuen Typs“ vor. Erst in einigen Wochen wird das der Fall sein: „Die Schulen und Lehrer haben dann ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen“, sagt Staatssekret├Ąr Wacker und tut so, als liefe alles wie am Schn├╝rchen.

Hautpsache „gesetzeskonform“.

Das tut es aber nicht. Die AlternativNotl├Âsung Hirschberg-Heddesheim ist ein erstklassiges Beispiel.

Auf der Pressekonferenz wird eine „gesetzeskonforme“ L├Âsung pr├Ąsentiert. B├╝rgermeister Manuel Just machte keinen Hehl daraus, dass man aus der misslichen Lage das Beste machen wollte (erster Antrag) und das Bestm├Âgliche nun beantragen wolle (Alternativantrag).

Kommende Woche wird die zweitbeste aller schlechten L├Âsungen nun durchgeboxt. Am Montag wird der Hirschberger Elternbeirat in Kenntnis gesetzt, am Dienstag soll der Gemeinderat den neuen Antrag abnicken, am Mittwoch wird der Heddesheimer Elternbeirat in Kenntnis gesetzt, am Donnerstag soll der dortige Gemeinderat nicken.

F├╝r die beiden Schulen, die dann k├╝nftig eine sein werden, wird die Schulleitung neu ausgeschrieben. Voraussichtlich wird Jens Drescher, der Leiter der Martin-St├Âhr-Schule der neue Leiter der gemeinsamen Werkrealschule – es k├Ânnte aber auch jemand anderes werden. Die Heddesheimer Rektorin Hiltrud Rudolf wird sich voraussichtlich der Lage beugen und Leiterin einer Johannes-Kepler-Grundschule werden.

Doch auch das ist noch nicht geregelt – voraussichtlich wird die gemeinsame Werkrealschule zum kommenden Schuljahr 2010/11 starten und noch beide Schulleitungen im Amt haben.

Dringende Probleme

Ein neuer Name wird bis dahin auch noch nicht gefunden haben, denn „es gibt dringendere Probleme“ zu l├Âsen, wie B├╝rgermeister Manuel Just sagt.

Beispielsweise die Organisation der verteilten Schule: Wer, wann, wo und wie sind die bislang ungel├Âsten Fragen zum Einsatz der Lehrer.

Auch der Transport der Sch├╝ler ist noch nicht geregelt. Wie sch├Ân, dass das „die Zehntkl├Ąssler nicht betrifft“, wie B├╝rgermeister Michael Kessler sagt, „die k├Ânnen wie bisher auch mit dem normalen ├ľPNV fahren“.

Vier Klassenzimmer stehen k├╝nftig in Hirschberg oder in Heddesheim leer. Was macht man damit? B├╝rgermeister Kessler sagt allen Ernstes: „Die k├Ânnte man dann beispielsweise renovieren. Oder so.“

„Oder so“ also.

Die „Werkrealschule der Politik“ f├╝hrt dazu, dass „zwei starke Hauptschulen“ in ein zweifelhaftes Abenteuer mit unbekanntem Ausgang gest├╝rzt werden.

Der vom Staatssekret├Ąr hoch gelobte „mittlere Bildungsabschluss“ der Werkrealschule, der angeblich dem Realschulabschluss „gleichwertig“ sein soll, ist in den Nachbarl├Ąndern Rheinland-Pfalz und Hessen unbekannt und dementsprechend nichts wert.

Ein guter Abschluss?

Darauf angesprochen sagt Herr Wacker: „Die Kultusministerkonferenz hat diesen Abschluss quasi „zertifiziert“. Hier in Baden-W├╝rttemberg wurde uns versichert, dass dies ein guter Abschluss ist.“

Ein guter Abschluss also? Das wird sich in der Praxis zeigen m├╝ssen. Aus Sicht der Lehrer handelt es sich um einen Etikettenschwindel.

Die Schulnote f├╝r die „Schulreform“ und die Hirschberger-Heddesheimer-L├Âsung hingegen steht fest: Sie ist mangelbehaftet. Ebenso wie die „Einbeziehung“ der Sch├╝ler, Eltern und des Elternbeirats – was kommende Woche passieren wird, hat nichts mit „Einbeziehung“ zu tun, sondern nur mit „Durchboxen“.

Die Alternativl├Âsung ist eine L├Âsung ohne Alternative.

Gemeinsame Werkrealschule: Der „Alternativantrag“

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 18. Februar 2010. Der urspr├╝ngliche Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg hatte politisch keine Chance. Ein Alternativantrag soll genehmigungsf├Ąhig sein.

Der Alternativantrag f├╝r eine gemeinsame Werkrealschule sieht vor, dass bereits zum kommenden Schuljahr die Klassen 5-7 der Hauptschulen Heddesheim-Hirschberg einz├╝gig (also nur mit einer Klasse in der Stufe) vor Ort unterrichtet werden (siehe unseren Bericht „Letzte Verhandlungen zur Werkrealschule„).

Die Klassen 8-9 werden zweiz├╝gig an wechselnden Standorten unterrichtet. Die Klasse 10 wird dort absolviert, so zuletzt die Klasse 9 stattgefunden hat.

Auf einer Pressekonferenz in Hirschberg erl├Ąuterten die B├╝rgermeister Michael Kessler (Heddesheim) und Manuel Just (Hirschberg) sowie Staatsminister Georg Wacker (CDU), dass der gemeinsame Schulstandort Hirschberg sein soll. Heddesheim soll als „Ausgleich“ Standort eines noch einzurichtenden „Schulzweckverbandes“ werden.

Am Montag, den 22. Februar 2010, soll der Hirschberger Elternbeirat der Martin-St├Âhr-Schule ├╝ber den „Alternativantrag“ unterrichtet werden. Am 23. Februar 2010 soll der Hirschberger Gemeinderat dem Antrag zustimmen. Am 24. Februar soll der Heddesheimer Elternbeirat der Johannes-Kepler-Schule ├╝ber den „Alternativantrag“ unterrichtet werden. Am 25. Februar 2010 soll der Heddesheimer Gemeinderat dem „Alternativantrag“ zustimmen.

Die Zustimmung der beiden Gemeinder├Ąte ist die Vorraussetzung, dass beide Gemeinden bis zum 15. M├Ąrz 2010 einen neuen „Alternativantrag“ stellen k├Ânnen.

Dokumentation der Pressemitteilung:

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Gemeinsame Werkrealschule: Alternativantrag genehmigungsf├Ąhig

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 17. Februar 2010. Der Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule Hirschberg-Heddesheim ist nicht genehmigungsf├Ąhig. Ein Alternativantrag soll akzeptiert werden.

Die B├╝rgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) sowie der Staatssekret├Ąr Georg Wacker (CDU) haben heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt gegeben, dass der urspr├╝ngliche Antrag der beiden Gemeinden f├╝r eine gemeinsame Werkrealschule nicht genehmigungsf├Ąhig ist.

Stattdessen solle ein Alternativantrag gestellt werden, „f├╝r den ich ganz klar die Genehmigung signalisieren kann“, sagte Staatssekret├Ąr Wacker.

Danach verbleiben die Klassen 5-7 an den Standorten Heddesheim und Hirschberg. Jahrgangsstufe 8 wird an einem Standort unterrichtet, Jahrgangsstufe 9 wechselt dann an den anderen Standort, wo auch die zehnte Klasse abgeschlossen wird.

Diesem Modell m├╝ssen aber noch die beiden Gemeinder├Ąte zustimmen.

Der Artikel wird aktualisiert.
Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht

JKS soll „Zweigstelle“ der Werkrealschule Hirschberg werden

Guten Tag!

Heddesheim, 11. Dezember 2009. In einer gemeinsamen Pressemitteilung begr├╝nden die B├╝rgermeister der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg einen Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule. B├╝rgermeister Kessler favorisiert Hirschberg als Hauptstelle.

Die Gemeinden beantragen, dass in der neuen gemeinsamen Werkrealschule die Klassen 5 bis 9 je einz├╝gig und die Klasse 10 j├Ąhrlich alternierend unterrichtet werden. Dies sei nach Meinung der B├╝rgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) das „beste, ortsnahe Konzept f├╝r die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler“. Die B├╝rgermeister begr├╝nden den Antrag durch „die schon vorhandene intensive Kooperation und die r├Ąumliche N├Ąhe der Schulen“.

Der „Grundgedanke“ der Kooperation zwischen Heddesheim und Hirschberg sei „eine Partnerschaft auf Augenh├Âhe“.

Tats├Ąchlich wird eine der Schulen Hauptstelle und die andere Zweigstelle werden. Dazu informieren die B├╝rgermeister:

„F├╝r Hirschberg als Hauptstelle spricht die zentrale Lage an der Bergstra├če mit mehreren Nachbargemeinden. Dadurch besteht die M├Âglichkeit, dass die neue Schule f├╝r weitere Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler von der Bergstra├če und dem vorderen Odenwald attraktiv wird und ein h├Âheres Einzugsgebiet haben kann. Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler aus Bergstra├čengemeinden haben nach Hirschberg durch die OEG-Anbindung sehr gute ├ľPNV-Verbindungen. Im Sinne einer langfristigen Sicherung der notwendigen Sch├╝lerzahlen sind dies wichtige Argumente, die f├╝r Hirschberg sprechen.“

Weiter hei├čt es in der Pressemitteilung:
„Heddesheim hat ebenfalls gute Argumente, den Sitz der Schulleitung f├╝r sich zu reklamieren. So hat Heddesheim h├Âhere Einwohner- und Hauptsch├╝lerzahlen und eine gleichwertige r├Ąumliche Ausstattung der Schule. Das Schulgeb├Ąude wurde zudem umfassend saniert – zuletzt mit der Sanierung des Schulhausdaches.“

Die B├╝rgermeister betonen einen „Geist der partnerschaftlichen Zusammenarbeit“. Unter „Ber├╝cksichtigung einer langfristigen Strategie zur St├Ąrkung der notwendigen Sch├╝lerzahlen“. Ihr Vorschlag: Der Sitz der Schulleitung wird in Hirschberg angesiedelt. Ein „zu bildender Schulverband“ solle den Sitz und Vorsitz in Heddesheim haben.

Dieser Schulverband verwalte „unter anderem die Finanzen und Sachmittel der Schule“. Au├čerdem solle geregelt werden, dass „das Heddesheimer Schulgeb├Ąude gezielt auch f├╝r schulorganisatorische Veranstaltungen, beispielsweise Lehrerkonferenzen, Elternabende und so weiter genutzt“ werde.

Der Gemeinderat in Heddesheim werde dieses Thema in seiner Sitzung am 17. Dezember behandeln.

Z├╝ndstoff: CDU-Politiker Wacker erteilt Kessler und Just eine Backpfeife

Guten Tag!

Heddesheim, 27. November 2009. Der Mannheimer Morgen ver├Âffentlicht heute ein Interview, dass jede Menge lokalpolitische Sprengkraft in sich tr├Ągt. Der CDU-Politiker Georg Wacker, Staatssekret├Ąr im Kultusministerium, erteilt den Gemeinden Heddesheim und Hirschberg eine deutliche Absage in Sachen gemeinsame Werkrealschule.

Kommentar: Hardy Prothmann

Die Ohrfeige sitzt und zwar auf den Ohren der CDU, der SPD und der FDP in Heddesheim. Und auf denen der B├╝rgermeister Kessler und Just. Was Georg Wacker, CDU-Politiker, Mitglied des Landtags und Staatssekret├Ąr in einem kurzen Interview dem Mannheimer Morgen gesagt hat, muss den Fraktionen und den B├╝rgermeistern wie eine enorme Watsche auf den Backen gl├╝hen.

Die von den Gemeinden Heddesheim und Hirschberg ausgedachte „Ausnahmeregelung“ hat dem Interview zufolge „wenig Chancen“.

Das kann der CDU-Grande Wacker so einfach sagen, weil er wei├č, dass es weder in Hirschberg noch in Heddesheim eine ├ľffentlichkeit gegen eine solche Aussage gibt. Denn die wurde durch Hinterzimmergespr├Ąche verhindert. Kessler und Just dachten, sie k├Ânnten das unter sich ausmachen und haben sich und ihren Einfluss wahrscheinlich masslos ├╝bersch├Ątzt.

Wenn Wacker Recht hat – und davon ist auszugehen – m├╝ssen sich Heddesheim und Hirschberg einer L├Âsung beugen, die sie angeblich nie wollten. Einer gemeinsamen Werkrealschule auf Wanderschaft. Die Klassen 5-7 in der einen, die Klassen 8-10 in der anderen Schule.

Angeblich wollten beide Gemeinden „ihren Schulstandort“ st├Ąrken. Und angeblich sei es eine Schw├Ąchung, wenn die Sch├╝ler auf Reisen geschickt w├╝rden.

Doch genau das zeichnet sich aber ab.

Die Verlierer sind aber nicht die B├╝rgermeister Kessler und Just – die werden nach Stuttgart zeigen und ihr Haupt beugen. Die Verlierer sind die Hauptsch├╝ler.

Gymnasiasten w├Ąre das nicht passiert – die haben eine st├Ąrkere Lobby.

Heddesheim und Hirschberg haben eine Chance, sich gegen den Willen Stuttgarts zu positionieren – wenn sie die Eltern mobilisieren. Doch dazu ben├Âtigt es eine offene Strategie, einen offenen Austausch und den Willen, sich nicht von oben herab etwas diktieren zu lassen.

Auf den B├╝rgermeister Kessler und seine vollmundigen Versprechungen muss niemand mehr etwas geben.

Wenn es noch eine Wende in diesem Schuldrama geben kann, dann nur aus der Bev├Âlkerung heraus.

Dem stehen aber vollkommen verharzte Fraktionen bei CDU, SPD und FDP gegen├╝ber – Hinterzimmermauschlern, die nichts mehr f├╝rchten, als einen offenen Austausch ├╝ber Argumente. Ein offensiver Einsatz f├╝r die Johannes-Kepler-Schule w├╝rde diese Parteien dazu zwingen, sich zu ├Âffnen.

Das wird nicht stattfinden. Es werden beschwichtigende Worte gesucht werden – hart an der Grenze zur L├╝ge – um ja nicht das aus Sicht dieser ├Ârtlichen Parteifunktion├Ąre „bew├Ąhrte“ eigene System zu gef├Ąhrden.

Doch jedes Wort in der Sache wird gelogen sein. Am Ende verlieren die Schulen und vor allem die Sch├╝ler – die lokalen Politgr├Â├čen haben schon l├Ąngst verloren. Die CDU zwei Sitze, die SPD einen und die FDP auch einen. Profitiert haben die Gr├╝nen.

An denen ist es jetzt – die Hoffnung der W├Ąhler auf eine anst├Ąndige Politik umzusetzen.

Die Gr├╝nen in Heddesheim haben sich mit drei neuen Sitzen um 100 Prozent verdoppelt. Die W├Ąhler haben ihnen ihr Vertrauen geschenkt – freilich mehr in Sachen „Pfenning“, als in anderen Fragen.

Tats├Ąchlich gibt es au├čer „Pfenning“ aber noch andere sehr wichtige Themen in Heddesheim.

W├Ąhrend die CDU, die SPD und die FDP immer noch (wegen „Pfenning“) beleidigt sind und eigentlich nichts zustande bekommen, bleibt als letzte Hoffnung, dass die Gr├╝nen die ├âÔÇ×rmel hochkrempeln.

Heddesheim darf gespannt sein, ob die Gr├╝nen diese Erwartung erf├╝llen.

Die Sch├╝ler der Johannes-Kepler-Schule brauchen Unterst├╝tzung – ohne stehen sie sehr alleine da.

W├╝nschenswert w├Ąre, dass die Parteifunktion├Ąre ihre Parteibindung mal au├čen vor lassen k├Ânnten und sich f├╝r ihren Ort und ihre Sch├╝ler einsetzen – im Zweifel auch gegen ihre Parteifreunde im Kreis oder im Land.

Das aber ist eine Hoffnung, die weniger Chancen hat, als ein Dreier im Lotto.

Antrag auf gemeinsame Werkrealschule umstritten

Guten Tag!

Heddesheim, 20. November 2009. Zun├Ąchst herrschte Einigkeit, was den Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg angeht. Immerhin kooperieren die beiden Schulen schon seit langem und diese Kooperation ist fruchtbar. Am 31. Juli 2009 trat das neue Landesschulgesetz in Kraft – seitdem herrscht in vielen Orten der schulische Ausnahmezustand.

Das Kultusministerium informiert: „Zweiz├╝gige Hauptschulen und zweiz├╝gige Hauptschulen mit Werkrealschulzug werden zu Werkrealschulen weiterentwickelt. F├╝r die Frage der Zweiz├╝gigkeit sind die Regelungen des Organisationserlasses ausschlaggebend. Von einer anzustrebenden stabilen Zweiz├╝gigkeit ist jedoch erst bei einer Mindestsch├╝lerzahl von 36 auszugehen.“

Die S├Ątze haben es in sich. Werkrealschule soll nur sein, wer „Zweiz├╝gigkeit“ anbieten kann, also zwei Klassen pro Jahrgangsstufe – f├╝r viele Hauptschulen mit sinkenden Sch├╝lerzahlen ein K.O.-Kriterium. Aus diesem Grund wollen Heddesheim und Hirschberg mit je einem Zug zu einer „Zweiz├╝gigkeit“ fusionieren. Das n├Ąchste Problem: Das Ministerium will, dass die Klassen 5-7 an einer Schule und die Klassen 8-10 an der andere Schule unterrichtet werden.

Die Heddesheim-Hirschberg-L├Âsung war gut – bis das Gesetz kam.

Heddesheim und Hirschberg glauben, dass sie weitermachen k├Ânnen wie bisher, n├Ąmlich „vertikal“, also an beiden Standorten von der f├╝nften bis zur neunten Klasse unterrichten und die „Werkrealschuleklasse“ 10 dann im Wechsel. Daf├╝r braucht es aber eine Ausnahmegenehmigung.

Beide Standorte k├Ânnen aber auch Hauptschule bleiben – dort wird so unterrichtet, dass Sch├╝ler nach der 9. Klasse auf eine Werkrealschule gehen k├Ânnen. Aber „Hauptschule“ klingt nicht so gut wie „Werkrealschule“ – auch wenn weniger als ein Drittel der Sch├╝ler ├╝berhaupt die zehnte Klasse absolviert.

Der Spiegel schrieb deswegen schon im Herbst des vergangenen Jahres von einem Etikettenschwindel. Gewerkschaften und Elternbeir├Ąte protestieren ebenso wie Handwerkskammern gegen das neue Gesetz – das ficht das Kultusministerium nicht an und auch nicht die Heddesheimer Politik: „Wir k├Ânnen hier an der Landespolitik nichts ├Ąndern“, sagt B├╝rgermeister Michael Kessler und bekommt Unterst├╝tzung von der CDU, der SPD und der FDP.

Ignoranz auf fast allen Ebenen.

CDU und FDP ignorieren dabei vollst├Ąndig das Chaos, dass ihre Landesparteien angerichtet haben. Und die Heddesheimer SPD, allen voran deren Vorsitzender J├╝rgen Merx, ignoriert die Haltung der Genossen auf Landesebene. Die Stuttgarter Zeitung schreibt bereits am 31.07.2009:

„In der Sache sind die Positionen unver├Ąndert. Norbert Zeller, der Bildungsexperte der SPD, warnte, „die Werkrealschule bringt keinerlei Verbesserungen“. Stattdessen seien knapp 800 einz├╝gige Hauptschulen von der Schlie├čung bedroht. Er kritisierte das Konzept als Einsparprogramm der Landesregierung.“

Auch das Problem der Schulleitung ist in Heddesheim pl├Âtzlich ein neues Thema. Erst hie├č es, beide Standorte behielten ihre Rektoren – das aber geht nicht nach dem neuen Gesetz. Deswegen schreibt B├╝rgermeister Kessler folgerichtig, aber im Widerspruch zu fr├╝heren Aussagen in seinem Antrag: „Eine der Gemeinden wird jedoch am Ende in dieser Frage zur├╝ckstecken m├╝ssen.“

F├╝r den Gr├╝nen-Gemeinderat Ulrich Kettner und seine Fraktionskollegen passt hier nichts mehr zu dem, wie es mal gedacht war: eigenst├Ąndige Standorte kooperieren partnerschaftlich und bilden gemeinsam aus: „In der jetzigen Form geht es nicht um das Wohl der Sch├╝ler, sondern um ein Sparprogramm. Deswegen werden wir dem Antrag nicht zustimmen.“

Der Lehrer ist kritisch, der B├╝rgermeister wundert sich, die CDU warnt, die SPD bleibt vor Ort.

Der B├╝rgermeister hingegen will nicht „in die Details gehen“, der CDU-Fraktionschef Dr. Josef Doll sagt „vor dem Verlust der Hauptschule ist zu warnen“, FDP-Mann Frank Hasselbring lobt „die notwendige Flexibilit├Ąt“ und SPD-Fraktionschef Merx meint: „Wir m├╝ssen vor Ort Politik machen.“

Das Argument, vorgebracht von Kettner, dass in anderen Orten intensiv ├╝ber andere M├Âglichkeiten beraten wird und es keinen Drang zur Eile gibt, wird beiseite geschoben: „Ich muss mich schon sehr wundern, Herr Kettner, dass gerade Sie jetzt dagegen sind“, sagt der B├╝rgermeister – der einfach nicht verstehen will, dass sich die fr├╝heren Annahmen ge├Ąndert haben k├Ânnten oder sogar haben.

Im Gegenteil meint B├╝rgermeister Kessler, dass „wir das im vergangenen Herbst schon diskutiert haben, wo es das Problem noch nicht gab“. Das Problem gab es damals zwar schon, aber bis zur Sitzung am 19. November 2009 nur ein einziges Mal in einer ├Âffentlichen Gemeinderatssitzung. Dar├╝ber hinaus hat sich der Gemeinderat f├╝nf Mal mit dem Thema befasst – immer nicht-├Âffentlich.

Hintergrund:
Stellungnahme Fraktion B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen zur Werkrealschule
Stuttgarter Zeitung: Neue Werkrealschule ist Gesetz
Gewerkschaft GEW: Meldungen und Berichte zur Werkrealschule
Stellungnahme Handwerk
Pressemeldung Kultusministerium
Spiegel: Baden-W├╝rttemberg pappt neues Etikett an Hauptschulen
Stuttgarter Zeitung: Werkrealschule kommt nicht an

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Werkrealschule wird beantragt


Guten Tag!

Heddesheim, 20. November 2009.

Meldung Gemeinderatssitzung

Der Heddesheimer Gemeinderat hat mit 14:4 Stimmen bei einer Enthaltung dem Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule zugestimmt, nach dem „die Klassen 5 bis 9 jeweils an beiden Standorten und die Klasse 10 im j├Ąhrlichen Wechsel gef├╝hrt werden“.

Die Verwaltung ist nunmehr „beauftragt, gemeinsam mit Hirschberg einen entsprechenden Antrag bei der zust├Ąndigen Schulbeh├Ârde zu stellen“. Ebenso soll die „bis zum 31.07.2016 m├Âgliche Einrichtung eines Schulbezirks, der sich ├╝ber die beiden Gemeindegebiete erstreckt – vorbehaltlich anderweitiger Beratung durch die Schulverwaltung – in Anspruch genommen werden.“

Wir informieren Sie ausf├╝hrlich im Laufe des Tages.

Redaktion heddesheimblog

Werkrealschule in Hessen und Rheinland-Pfalz unbekannt

Guten Tag!

Heddesheim, 19. November 2009. Das Land Baden-W├╝rttemberg fordert Werkrealschulen. Viele Schulstandorte k├Ânnen die Forderungen nicht erf├╝llen. Angeblich sei das Angebot einer Werkrealschule aber ein „Standortfaktor“ f├╝r die Gemeinden.

Eltern w├╝rden ihre Kinder lieber auf eine „Werkrealschule“ schicken, als auf eine Hauptschule. Das heddesheimblog hat recherchiert und wollte wissen, welche Chancen „Werkrealsch├╝ler“ in Hessen und Rheinland-Pfalz haben.

Das Land Baden-W├╝rttemberg setzt die Hauptschulen im Land unter Druck. Wenn Sie einen „Werkrealschulabschluss“ anbieten wollen, m├╝ssen sie bestimmte Kriterien erf├╝llen – beispielsweise die „Zweiz├╝gigkeit“, also zwei Schulklassen pro Schuljahr. Daf├╝r fehlen vielen Hauptschulen die Sch├╝lerzahlen. Sie m├╝ssen also kooperieren. Auch Heddesheim und Hirschberg planen eine solche Kooperation.

Das heddesheimblog hat sich abseits des Sinn und Zwecks dieser politischen Vorgaben die Frage gestellt, was denn ein „Werkrealschulabschluss“ eigentlich wert ist?

Beispielsweise in Rheinland-Pfalz oder in Hessen. Also in der unmittelbaren Nachbarschaft. Die Redaktion hat die Industrie- und Handelskammern als Ansprechpartner ausgew├Ąhlt.

Unser Reporter stellte sich als „Herr Berger“ vor, der sich f├╝r seinen Neffen erkundigt. Der wird 2010 einen Werkrealschulabschluss haben und sucht nach einem Ausbildungsplatz oder einer weiteren Schulzeit auf einem Wirtschaftsgymnasium.

Anruf bei der IHK Kaiserslautern. Dort wei├č man nichts von einem „Werkrealschulabschluss“. Eventuell wei├č Ludwigshafen etwas dazu? Man solle doch dort nachfragen. Unter der angegebenen Telefonnummer meldet sich in Ludwigshafen trotz mehrerer Versuche leider niemand.

Bei der IHK Darmstadt „hat man keine Ahnung“ und soll doch morgen noch einmal bei einer Kollegin anrufen. Am n├Ąchsten Tag sagt die Kollegin, dass „dieser Abschluss in Hessen nicht bekannt ist“, aber man nicht immer ├╝ber alles informiert sei, deswegen solle man sich beim Kultusministerium r├╝ckversichern. Unter der angegebenen Telefonnummer meldet sich niemand.

Wir rufen die IHK Wiesbaden an. Der Mitarbeiter kennt den Abschluss „Werkrealschule“ auch nicht, will sich aber schlau machen. Man solle doch drei Tage sp├Ąter wieder anrufen.

Bei der IHK Frankfurt gibt es keine Auskunft, man soll doch sp├Ąter noch einmal eine Nummer anrufen, auf der niemand „abhebt“.

Bei der IHK Karlsruhe werden wir f├╝ndig. „De jure“, sei der „Werkrealschulabschluss“ eine „Mittlere Reife“. Allerdings habe er nicht den Stellenwert, „der da hinein interpretiert wird“.

„Der Abschluss ist problematisch, denn die eigentliche Frage ist, ob man sich weiter qualifizieren kann, also beispielsweise das Fachabi machen kann, das scheint nicht ganz einfach zu sein…“ Besser angeraten w├Ąre erst eine Lehre und bei sehr guten Leistungen sei vielleicht mehr drin, beispielsweise ein Fachabitur.

In Sachsen wei├č man gar nichts von einem Abschluss „Werkrealschule“: „Wenn Sie das anerkannt haben wollen, m├╝ssen Sie sich an das Kultusministerium wenden.“

Nach mehreren Anrufen dort, soll man nochmals anrufen, die Sachbearbeiterin sei gerade nicht zu erreichen.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog, Mitarbeit: Horst P├Âlitz

Die Reform der Hauptschule ist eine unehrliche Angelegenheit

Guten Tag!

Heddesheim, 18. November 2009. Hirschberg meldet den Anspruch auf die Leitung einer „gemeinsamen“ Werkrealschule an. Heddesheim soll daf├╝r Sitz eines „Zweckverbands“ sein. Am Ende soll es zwei Sieger geben: B├╝rgermeister Just und B├╝rgermeister Kessler. Was aus den Sch├╝lern wird – ist im Zweifel egal. Hauptsache, die jeweiligen Gemeinder├Ąte loben sich ├╝ber den Klee. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie ├╝berhaupt wissen, wovon sie reden.

Kommentar: Hardy Prothmann

Warum der Deal „Hirschberg kriegt den Hauptsitz – Heddesheim den Sitz des „Zweckverbands“ ein gutes „Gesch├Ąft“ sein soll, wei├č weder ein Heddesheimer, noch ein Hirschberger Gemeinderat. Woher ich das wei├č? Ich habe nachgefragt.

Eine schl├╝ssige Antwort habe ich nicht erhalten.

Ganz im Gegenteil sind die meisten Gemeinder├Ąte mindestens verwirrt, wenn nicht komplett ahnungslos, was sie eigentlich sagen.

Wen wunderts – einen ├Âffentlichen Austausch von Argumenten und Meinungen auch der P├Ądagogen, Eltern und Sch├╝ler hat es weder in Heddesheim noch in Hirschberg gegeben.

Angeblich geht es um den Erhalt der „Schulstandorte“. Und angeblich geht es darum, dass, wenn die Heddesheimer-Hirschberger L├Âsung (oder umgekehrt) nicht komme, diese „bedroht“ seien.

Das ist Quatsch und gleichzeitig absolut richtig. Denn die Hauptschule ist ein Auslaufmodell.

Die Drohung geht vom Land Baden-W├╝rttemberg aus. Der Aggressor ist Kultusminister Rau. Die bittere Wahrheit ist, dass von 1.200 Hauptschulen im Land bald nur noch 900 ├╝brig sein werden. Die Wahrheit ist, dass es nicht um die bessere Qualifikation von Sch├╝lern geht, sondern nur um die Einsparung von Mitteln, sprich Geld.

W├Ąhrend die Hauptschule in zehn Bundesl├Ąndern bereits abgeschafft ist oder kurz davor steht, abgeschafft zu werden – wird sie in Baden-W├╝rttemberg mit dem neuen Etikett „Werkrealschule“ im Hauruck-Verfahren neu angestrichen – bis sie irgendwann ganz gestrichen wird.

Irgendwann werden es nur noch 600 „Werkrealschulen“ sein, die dann konsequent mit den Realschulen verschmolzen werden.

Besserverdiener werden ihre Kinder vermehrt auf private Schulen schicken.

Im Ergebnis wird die Realschule als Restschule ├╝brig bleiben – die Gymnasien verwalten die Sch├╝ler, die besser sind als der Rest. Die Privatschulen nehmen die, die besser bezahlen, als diese beiden Reste einer Schulpolitik abgehobener Funktion├Ąre, die von oben nach unten diktieren wollen, wie Bildung ohne Geld auszusehen hat.

Richtig eklig ist, dass Herr Minister Rau und andere dabei von Reformen sprechen, aber nur Deformationen erzwingen.

Unehrlich agieren auch die Verantwortlichen vor Ort. Sie wissen, dass die P├Ądagogen aus guten Gr├╝nden – n├Ąmlich aus ihrer professionellen Erfahrung heraus – gegen diese „Reformen“ sind.

Diese Verantwortlichen ├Ąu├čern Verst├Ąndnis und l├╝gen gleichzeitig, dass sich die Balken biegen.

Die B├╝rgermeister Just und Kessler beugen sich der Landespolitik und sichern sich gegenseitig Prestigefunktionen: Du kriegst die eine Leitung, ich die andere.

Beide haben noch im Fr├╝hjahr betont, dass alles seinen gewohnten Gang geht. Verschiedene Gemeinder├Ąte wurden mit „Sprechblasen“ zitiert, die „vorausschauende Planung“, „bestm├Âgliche L├Âsung“ oder „schl├╝ssig und ausgewogen“ blubbern durften.

Und die B├╝rgermeister wurden zitiert: „Dass im Zuge der weiteren Zusammenarbeit eine Rektorenstelle zur Disposition steht, verneinten alle.“

Das, mit Verlaub, ist eine glatte L├╝ge, die in den n├Ąchsten Wochen mit blumigen Worten weichgekocht werden wird.

Im Mannheimer Morgen, in der Rhein-Neckar-Zeitung, in den Mitteilungsbl├Ąttern werden Artikel erscheinen, die beschreiben, wie „hart um die beste L├Âsung gerungen wurde“, „wie viele Zweifel bestanden, die ausger├Ąumt werden konnten“, wie „stolz und dankbar“ man sei, wie „viel Arbeit und M├╝he“ es gekostet habe und „wie vorausschauend gehandelt wurde“. Am Ende werden alle „dankbar“ sein.

Und am Ende steht irgendeine „L├Âsung“. Die Gewinner werden die B├╝rgermeister sein, die Wortf├╝hrer in den Gemeinder├Ąten, einzelne „Sprechblasenzitategeber“.

Nicht zu Wort werden die Lehrer kommen. Und schon gar nicht die Sch├╝ler – zumindest nicht in diesem System, dass sich selbst gerne best├Ątigt – egal, wie das Ergebnis tats├Ąchlich ist.

„Die Werkrealschule ist ein Etikettenschwindel.“

beruf

Sch├╝ler informieren sich w├Ąhrend der Berufsinformationsb├Ârse an der Johannes-Kepler-Schule in Heddesheim. Foto: hblog

Guten Tag!

Heddesheim, 17. November 2009. Am kommenden Donnerstag soll der Heddesheimer Gemeinderat einem Antrag der Verwaltung zustimmen: Zusammen mit Hirschberg soll eine gemeinsame Werkrealschule eingerichtet werden. Damit diese im kommenden Schuljahr schon m├Âglich ist, muss der Antrag bis zum 15. Dezember 2009 gestellt sein. Die Zeit scheint also knapp – eine ├Âffentliche Debatte zu diesem Thema hat es in Heddesheim noch nicht gegeben. Und das ist aus Sicht der Gewerkschaft GEW ein gro├čer Fehler – der eine optimale L├Âsung f├╝r die Hauptsch├╝ler verhindert.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Schneider, wie beurteilt die GEW die neuen Werkrealschulen?
Matthias Schneider: „Eindeutig negativ. Das Kultusministerium hat unter dem Druck der sinkenden Sch├╝lerzahlen ein neues Konzept „erfunden“, das weder etwas mit Verbesserungen f├╝r die Sch├╝ler zu tun hat noch mit den Erfahrungen der p├Ądagogischen Praxis.“

Moment, die Neue Werkrealschule ist doch nach Worten von Kultusminister Rau eine Aufwertung der Hauptschule?
Schneider: „Das ist ein Etikettenschwindel. Es handelt sich nach wie vor um eine ├╝berholte Schulstruktur, an der herumgedoktort wird. Viele Hauptschulen werden die Bedingungen nicht erf├╝llen k├Ânnen und ├╝ber kurz oder lang geschlossen werden. Es geht nicht um bessere Schulkonzepte, es geht ausschlie├člich um Einsparungen.“

„Die Gemeinden sind gut beraten, nicht vorschnell zu entscheiden.“

So gesehen muss sich also jede Hauptschule beeilen, schnell Werkrealschule zu werden, um ├╝berleben zu k├Ânnen?
Schneider: „Dieser Eindruck wird vermittelt und ├╝brig bleibt der Druck. Keine Hauptschule verliert etwas, wenn Sie im kommenden Jahr immer noch Hauptschule ist. Die Schulen k├Ânnen die Antr├Ąge auch noch im n├Ąchsten Jahr stellen. Die Gemeinden sind gut beraten, wenn sie nicht vorschnell entscheiden, sondern diskutieren, welche Art von Schule f├╝r ihre Kinder und Jugendliche die beste ist.“

Was ist Ihre Forderung?
Schneider: „Die ist eine ganz alte, die immer wieder best├Ątigt wird: Wir wollen Sch├╝lern ein besseres Lernen erm├Âglichen. Daf├╝r m├╝ssen die Sch├╝ler l├Ąnger zusammen lernen. Es gibt keinen vern├╝nftigen Grund, an dem dreigliedrigen Schulsystem festzuhalten. Die skandinavischen L├Ąnder machen uns vor, was gute Schulpolitik hei├čt. Es gibt die ├╝berzeugenden Zahlen aus dem Ausland, aber hier will das keiner wahrnehmen. Das ist nicht nachvollziehbar.“

Was kritisieren Sie besonders?
Schneider: „Gerade Hauptsch├╝ler sind mehr als andere auf stabile Beziehungen angewiesen. Diese „Hopping“-Modelle, bei denen die Sch├╝ler stundenweise an der Werkrealschule und dann wieder an der Beruflichen Schule unterrichtet werden, wirkt sich nicht wie angepriesen qualifizierend auf die Sch├╝ler aus – ganz im Gegenteil senkt das die Leistungsf├Ąhigkeit. Hauptsch├╝ler brauchen nicht in erster Linie mehr berufliche Orientierung, sondern eine intensivere F├Ârderung bei den Grundkompetenzen, das hei├čt Lesen, Schreiben und Rechnen zu k├Ânnen sowie ├╝ber soziale Kompetenzen zu verf├╝gen.“

„Optimale L├Âsungen erfordern Mut und den Willen zur Ver├Ąnderung.“

In Ravensburg sollten drei Hauptschulen zu zwei Werkrealschulen umgewandelt werden. Das hat der Gemeinderat in geheimer Abstimmung mit Stimmen der CDU abgelehnt. Wissen Sie etwas ├╝ber die Hintergr├╝nde?
Schneider: „Die Situation in Ravensburg kann als Vorbild f├╝r andere St├Ądte und Kommunen dienen. Dort sitzen mehrere Bildungsexperten im Gemeinderat, der Informationsstand ist hoch. Ebenso der Wille, selbst das Beste aus der Situation zu machen und nicht nur den Vorgaben des Landes zu folgen.“

K├Ânnen Sie das erl├Ąutern?
Schneider: „In den meisten Kommunen wird nur umgesetzt, was die Landespolitik vorgibt. Motto: „Da k├Ânnen wir nichts machen.“

„Man“ kann aber was machen?
Schneider: „Selbstverst├Ąndlich. Als erstes sollte sich der Gemeinderat das Wissen der Experten, also der P├Ądagogen, verschaffen. Und Gemeinder├Ąte verschiedener Kommunen sollten sich austauschen, immer mit dem Willen, nicht eine Landespolitik auszuf├╝hren, sondern optimale L├Âsungen f├╝r die Sch├╝ler herauszuholen. Daf├╝r braucht es aber Mut und den Willen zu Ver├Ąnderung.“

„Angstszenarien ├╝ber Schulschlie├čungen sind typische Ausreden.“

In Heddesheim hei├čt es, man m├╝sse mit der Hirschberger Hauptschule zusammengehen, weil der eigene Schulstandort bedroht sei.
Schneider: „Diese Angstszenarien sind typische Ausreden, wenn man sich hinter der Landespolitik verstecken will. Das ist leider in vielen Kommunen so. Ich vermute, dass Heddesheim keinen Schulentwicklungsplan hat.“

Was w├Ąre Sinn und Zweck eines solchen Planes?
Schneider: „Die P├Ądagogen geben ihren Input, die Gemeinder├Ąte und die Gemeinde versuchen ihre Verbindungen spielen zu lassen und holen Betriebe, Handwerkskammer, IHK und andere an einen Tisch, sammeln kritische und positive Erfahrungen und entwickeln auf Grund dieses Wissens ihre Schule so optimal wie m├Âglich.“

„L├Âsungen funktionieren nur von unten nach oben – nicht umgekehrt.“

Klingt utopisch.
Schneider: „Ist es aber nicht. Es gibt im Land immer mehr Bewegung in der Sache und ├╝berall, wo es diesen Einsatz f├╝r die Schulen gibt, entwickeln sich gute L├Âsungsideen. Die aber funktionieren nur von unten nach oben und nicht umgekehrt. Gerade die leistungsschw├Ącheren Kinder und Jugendlichen brauchen eine bessere Lobby vor Ort. Die Kommunen m├╝ssen sich f├╝r deren Interessen stark machen und nicht nur die vermeintlichen Patentrezepte der CDU/FDP-Landesregierung aus der Landeshauptstadt umsetzen.“

Info:
Matthias Schneider ist der Pressesprecher des baden-w├╝rttembergischen Landesverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Diese fordert schon seit 20 Jahren die Aufl├Âsung des dreigliedrigen Schulsystems. Ziel sollte ein l├Ąngeres gemeinsames Lernen der Sch├╝ler sein. Aus p├Ądagogischer und sozialer Sicht.
Vergleiche, beispielsweise mit den skandinavischen L├Ąndern, geben diesem Modell Recht. Dort erreichen im Vergleich mehr Sch├╝ler die Hochschulreife, die Pisa-Ergebnisse zeigen, dass diese L├Ąnder in der Bildungspolitik Deutschland deutlich ├╝berlegen sind.
Gerade Baden-W├╝rttemberg und Bayern halten aber an dem dreigliedrigen Schulsystems fest, w├Ąhrend zehn der sechszehn Bundesl├Ąnder die Hauptschule bereits abgeschafft haben oder dies gerade tun.

Hintergrund:
Spiegel online: Baden-W├╝rttemberg pappt neues Etikett an Hauptschulen
Stuttgarter Zeitung: Ravensburger Gemeinderat – Werkrealschule kommt nicht an.

Kultusministerium BW: Modell der neuen Werkrealschule

Abstimmung ├╝ber Bebauungsplan zur geplanten „Pfenning“-Ansiedlung in der n├Ąchsten Gemeinderatssitzung

pfenninglkw

Auch auf der Tagesordnung: Der "Verkehrslenkungsvertrag", nach dem Pfenning 20 Euro Strafe f├╝r jeden Lkw zahlen soll, der ├╝ber die Ringstra├če f├Ąhrt. Allerdings nur f├╝r Lkw ├╝ber 18 Tonnen. Bild: privat

Guten Tag!

Heddesheim, 10. November 2009. Auf der kommenden Gemeinderatssitzung vom 19. November 2009 soll ├╝ber einen Bebauungsplanvorentwurf zur geplanten „Pfenning“-Ansiedlung entschieden werden.

Details zu dem Bebauungsplanvorentwurf sind noch nicht bekannt.
Ebenso auf der Tagesordnung steht die „├Âffentlich-rechtliche“ Vereinbarung zur „Verkehrslenkung“ mit der Pfenning-Gruppe. B├╝rgermeister Michael Kessler hatte diesen „Vertrag“ auf einer Pressekonferenz der ├ľffentlichkeit bereits am 03. September 2009 als faktische Tatsache vorgestellt, obwohl der Gemeinderat bis heute den Inhalt nicht behandelt hat und damit nicht kennt, geschweige denn dar├╝ber entschieden hat.

Erstmals soll im neu gew├Ąhlten Gemeinderat auch das Thema „Gemeinsame Werkrealschule“ der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg behandelt werden. Der Hirschberger Gemeinderat hat bereits beschlossen, das der Hauptsitz einer solchen Schule in Hirschberg angesiedelt sein soll. Gegen die Pl├Ąne der Gemeinden gibt es Widerst├Ąnde aus dem Kultusministerium, das das Modell ablehnt.

Die SPD wird einen Antrag auf Einf├╝hrung eines Wochenmarktes auf dem Dorfplatz stellen.

Die vorl├Ąufige Tagesordnung f├╝r die Gemeinderatssitzung vom 19. November 2009:

  • 1. Niederschriften ├╝ber die Sitzungen vom 08. Oktober 2009 und 22. Oktober 2009
  • 2. Bekanntgabe nicht├Âffentlicher Beschl├╝sse
  • 3. Fragezeit f├╝r Einwohnerinnen und Einwohner
  • 4. Bebauungsplan Gewerbegebiet „N├Ârdlich der Benzstra├če“ – Zustimmung zum Bebauungsplanvorentwurf und Beteiligung der Beh├Ârden und Tr├Ąger ├Âffentlicher Belange
  • 5. ├ľffentlich-rechtliche Vereinbarung zur Verkehrslenkung mit der Pfenning-Gruppe
  • 6. Einrichtung einer gemeinsamen Werkrealschule der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg
  • 7. Bericht der Gemeindepr├╝fungsanstalt Baden-W├╝rttemberg ├╝ber die allgemeine Finanzpr├╝fung der Gemeinde Heddesheim in den Haushaltsjahren 2003 bis 2007 sowie des Eigenbetriebs Wasserversorgung der Gemeinde Heddesheim in den Wirtschaftsjahren 2003 bis 2007
  • 8. Antrag der SPD-Gemeinderatsfraktion auf Einf├╝hrung eines Wochenmarkts auf dem Dorfplatz
  • 9. Erdgasbelieferung der gemeindlichen Liegenschaften – Preisanpassung durch die Stadtwerke Viernheim
  • 10. Unterhaltung des unbeweglichen Verm├Âgens; Gruppe 510000 – Genehmigung ├╝berplanm├Ą├čiger Ausgaben
  • 11. Zustimmung zur Annahme von Spenden
  • 12. Bekanntgaben und Anfragen

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Hauptschul-Dilemma in Zeiten von „Pfenning“

Guten Tag!

Heddesheim, 04. November 2009. Gerade hatte Hirschberg den Hauptsitz einer gemeinsamen Werkrealschule von Hirschberg und Heddesheim f├╝r sich beansprucht – und damit Heddesheim kalt erwischt.
Der Vorsto├č war selbstbewusst – aber jetzt kommt der R├╝cksto├č. Das Kultusministerium ist mit der „Hirschberg & Heddesheim“-L├Âsung nicht einverstanden. Damit wird das „Modell“ zweier Hauptschulen und einer gemeinsamen Werkrealschule politisch relevant – und steht auf der Kippe.

Kommentar: Hardy Prothmann

Wenn zwei sich streiten – freut sich der Dritte. Das ist in diesem Fall das Kultusministerium. Das hat eindeutige Pr├Ąferenzen. Durch umfangreiche Reformen sollen hunderte von Lehrerstellen eingespart werden.

Bei den Hauptschulen sowieso.

„Ganz ehrlich – was bringt das, wenn wir noch einen Hauptsch├╝ler ├╝ber eine „Werkrealschule“ weiterbringen“, wird so mancher „Ministeriale“ denken. Ist doch „Hartz IV“ f├╝r viele Hauptsch├╝ler das realistische „Berufsziel“.

Ein Problem mit Zusatzqualifikation.

F├╝r die feinen Damen und Herren in den Ministerien und ├âÔÇ×mtern (├╝ber unsere Steuern krisenresistent finanziert) sind Hauptsch├╝ler sowieso nur, freundlich gesagt, ein „Problem“. Werkrealsch├╝ler sind somit aus deren Sicht ein „Problem mit Zusatzqualifikation“.

Die Hauptschulen haben keine Lobby – denn dort sind selten Kinder von „wichtigen und einflussreichen Pers├Ânlichkeiten“ untergebracht. Eher von anderen.

Und anstatt sich aus einer verantwortlichen und demokratischen Haltung darum zu k├╝mmern, dass den h├Ąufig sozial schlechter gestellten Sch├╝lern Chancen geboten werden – werden Sie Ihnen, wie es scheint, sogar mit Vorsatz genommen. Immer streng nach Gesetz und Ordnung.

Obwohl alle wissen, dass das keine Probleme l├Âst, sondern sie nur versch├Ąrft.

Wissen die, die entscheiden, wie das Leben wirklich ist?

„Ministerielle“ haben das Problem, dass sie au├čerhalb ihrer Kantinen nur selten die Lebenswirklichkeit kennen – oder wurden sie dort schon h├Ąufiger gesehen?

Die Gemeinden haben das Problem, dass sie das Problem mit den Hauptschulen haben und das mit den Ministeriellen. Das ergibt ein Doppelproblem.

Das ergibt ein Dilemma.

Und das l├Âst man nicht im Alleingang.

Hirschberg hat bessere Argumente – reicht das?

Der Vorsto├č Hirschbergs, den Hauptsitz f├╝r eine gemeinsame Hauptschule mit Werkrealschule f├╝r sich zu proklamieren, ist argumentativ nachvollziehbar. Hirschberg hat bessere Argumente daf├╝r als Heddesheim.

Aber Hirschberg hat nicht die allein-selig-machenden Argumente – sondern nur bessere.

Beide Gemeinden wissen, dass sie mit Partnern st├Ąrker sind.

Die Backpfeife, die sich beide Gemeinden nun von den Ministeriellen aus Stuttgart eingefangen haben, zeigt aber, dass beide Gemeinden nicht ├╝ber ihren eigenen Tellerrand hinausgeschaut haben.

Es trifft die, die keine Lobby haben. Die Hauptsch├╝ler.

So, wie die politische Positionierung des Themas l├Ąuft, muss man bef├╝rchten, dass beide Gemeinden verlieren werden.

Das ist vielleicht ├Ąrgerlich f├╝r den einen oder anderen B├╝rgermeister, von denen jeder f├╝r sich andere Ziele hatte. Und vielleicht auch f├╝r die Gemeinder├Ąte, die f├╝r ihre Gemeinde „das Beste wollten“.

Viel schlimmer ist aber, dass es am Ende die trifft, die keine Lobby haben.

Das sind die Hauptsch├╝ler.

Junge Menschen – deren Zukunft ganz von der politischen F├╝rsorge der Verantwortlichen abh├Ąngt. Denn sonst haben sie wenig Unterst├╝tzung.

Diese junge Menschen haben mit Sicherheit nur ganz, ganz schlechte Chancen f├╝r ihre Zukunft.

Und noch schlechtere, wenn es niemanden gibt, der sich erfolgreich f├╝r sie einsetzt.

Das Thema Hauptschule ist seit Juni 2009 in Heddesheim ├Âffentlich nicht behandelt worden.

A propos Einsatz: Im Heddesheimer Gemeinderat ist das Thema Hauptschule im neuen Gemeinderat ├Âffentlich seit der Wahl im Juni 2009 noch nicht behandelt worden.

Damit fehlt auch jede ├Âffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema – wo es doch um Heddesheimer Sch├╝ler und Eltern geht.

Und um neue Ausbildungspl├Ątze, die angeblich durch die geplante „Pfenning“-Ansiedlung nach Heddesheim kommen k├Ânnten.

Bei der Diskussion um die „Pfenning“-Ansiedlung ist oft vergessen worden, dass es auch Arbeitspl├Ątze f├╝r weniger qualifizierte Menschen geben muss. Auch die haben Familien und sind an einem anst├Ąndigen Leben interessiert.

Laxe Handhabe steht gegen einen ernsten politischen Willen.

Die laxe politische Arbeit in Sachen Hauptschule durch den B├╝rgermeister muss Zweifel daran aufkommen lassen, ob es wirklich einen hinreichend ernstzunehmenden politischen Willen auf dessen Seite gibt, eine ordentliche hauptschulische Qualifikation in Heddesheim zu halten.

Und das vor dem Hintergrund, wo doch gerade hier in Heddesheim durch den beherzten Einsatz des B├╝rgermeisters Kessler ein f├╝r die Hauptsch├╝ler, also die Arbeiter, eventuell wichtiges Unternehmen angesiedelt werden soll.

Wieso Herr Kessler „Pfenning“ forciert, gleichzeitig aber die Hauptsch├╝ler h├Ąngen l├Ąsst, verstehe, wer will.

Wo doch Pfenning gerade einfach qualifizierten Menschen Arbeit bieten k├Ânnte.

Die Heddesheimer Lokalpolitik hat dazu bis heute keine ├Âffentliche Meinung.

Was die politischen Parteien dazu denken?

Keine Ahnung. Die zeichnen sich durch eine nicht-vorhandene ├Âffentliche Arbeit in der Sache aus.

Allesamt.

Hauptschulthema wird politisch – Hirschbergerheddesheimer L├Âsung ohne Chance?

Guten Tag!

Heddesheim, 04. November 2009. Wer h├Ątte das gedacht? Es gibt beim „MM“ doch noch den Willen zur journalistischen Recherche. Nein, nein: Das m├╝ssen Sie nicht falsch verstehen, sondern richtig.
W├Ąhrend es beim Thema Pfenning eine „Bei├čhemmung“ beim MM gab, legt die Kollegin Anja G├Ârlitz nun beim Thema Hauptschule vor. Thematisch ist das nicht vergleichbar. Aus journalistischer Sicht – und damit aus Sicht der ├ľffentlichkeit und der B├╝rger macht Frau G├Ârlitz jetzt aber das, was Journalisten immer tun sollten: Recherchieren, die Ergebnisse aufschreiben und ├ľffentlichkeit herstellen. Und das ist gut so.

Kommentar: Helle Sema

Und was Frau G├Ârlitz im MM aufgeschrieben hat, gef├Ąllt weder Hirschberg noch Heddesheim und schon gar nicht der FDP, die sich irgendwie als Vorreiter einer „Entwicklung“ sieht – leider hat sie sich verritten und daf├╝r einen Strafzettel in Form eines Abwurfs kassiert.

Der Bericht von Frau G├Ârlitz f├Ąngt mit einem entscheidenden Satz an: „So, wie Heddesheim und Hirschberg sich ihr gemeinsames Werkrealschul-Konzept vorstellen, sieht es das ge├Ąnderte Schulgesetz nach Auskunft eines Sprechers des Kultusministeriums nicht vor.“

Solche S├Ątze sind geeignet, Stress zu verbreiten – bei denen, die es angeht. In diesem Fall die Gemeinden Hirschberg und Heddesheim.

„Die Gesetzeslage ist eindeutig“, sagte der Sprecher des Kultusministeriums laut des Berichts und widerspricht damit eindeutig „einer Pressemitteilung der FDP/DVP-Landtagsfraktion“.

Im Kern geht es darum, dass durch eine Ver├Ąnderung der Hauptschulsituation eigentlich nichts ver├Ąndert werden soll – doch das wird kaum m├Âglich sein, wie der MM berichtet: „Demnach m├╝ssten sich Heddesheim und Hirschberg sp├Ątestens f├╝r die h├Âheren Klassen auf einen gemeinsamen Unterrichtsstandort einigen. Eine achte Klasse hier, die andere dort – das ginge dann nicht.“

In Hirschberg und Heddesheim wird das Thema sicherlich in n├Ąchster Zeit Konjunktur haben – man darf gespannt sein, welche politischen Vorschl├Ąge folgen.

Die Gemeinde Hirschberg war aktuell vorgeprescht und hatte den Hauptsitz einer gemeinsamen Werkrealschule f├╝r sich beansprucht und hatte Heddesheim damit kalt erwischt.

Jetzt sind beide Gemeinden durch das Kultusministerium kalt erwischt worden – denn so, wie sich das die eine Gemeinde und wie sich das beide vorgestellt haben, wird es nicht laufen.

Am wenigsten l├Ąuft es f├╝r die, die unmittelbar betroffen sind – die Hauptsch├╝ler.

Die alles entscheidende Frage, die Frau G├Ârlitz leider nicht gestellt hat, ist, was der politische Streit f├╝r diese jungen Menschen bedeutet.

Es scheint, dass diese Frage nirgendwo auf irgendeiner „Agenda“ steht.