Samstag, 11. Juli 2020

Workshop im Alten Rathaus: Der Stein gestaltet mit


Guten Tag!

Heddesheim, 25. Juli 2011. Der Heddesheimer Kunstverein lud am 17. Juli 2011 zu einem Workshop mit dem Maler und Bildhauer George Mirenes in die AusstellungsrĂ€ume im Alten Rathaus ein. FĂŒnfzehn Besucher waren gekommen, um zu sehen wie aus einem Rohling eine Skulptur entsteht. Oder legten selbst Hand an.

Von Sabine Prothmann

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George Mirenes bei der Ausstellungseröffnung. Archivbild heddesheimblog.de

„Ich lass’ mich vom Stein inspirieren“, erklĂ€rt der Maler und Bildhauer George Mirenes bei einem Workshop am vergangenen Sonntag in den AusstellungsrĂ€umen des Alten Rathauses.

Nach und nach kommen gut 15 Besucher, Zuschauer und letztlich auch Mitgestalter, um zu sehen, wie der KĂŒnstler Leben und Form in den harten Stein bringt.

StĂŒhle sind im Halbkreis um den Arbeitstisch des Bildhauers aufgestellt. Mirenes erzĂ€hlt, beantwortet Fragen und erklĂ€rt: „Man muss sich in den Stein hineinversetzen“.

Meist arbeitet der KĂŒnstler mit Serpentin, ein Stein der nur in Afrika vorkommt, den er sich von dort aus Zimbabwe oder Sambia als Rohling schicken lĂ€sst. Der Stein ist, seine Formen oft bizarr.

FĂŒr den AnfĂ€nger ist der weiche Speckstein eher geeignet, sagt Mirenes.

George Mirenes hat in Zimbabwe gelebt und mit afrikanischen KĂŒnstlern gearbeitet. Das hat sein Bildhauerhandwerk maßgeblich beeinflusst. Das war eine einschneidende Erfahrung.

Kunst und hartes Handwerk

Und neben der Kunst ist es hartes Handwerk, was Mirenes den Besuchern in der Galerie zeigt. Mit Hammer und Meißel, mit Feile und Sandpapier lĂ€sst er den Stein Gestalt annehmen.

„Wer möchte?“, fragt er immer wieder und meist schon nach Kurzem zeigen die „Mitgestalter“ ErmĂŒdungserscheinungen, es ist anstrengend und mĂŒhsam den harten Stein zu bearbeiten.

Mit einem Stift hat er zunÀchst skizziert, wie die Skulptur entstehen soll. Ein Gesicht.

Doch der Stein gestaltet mit, wĂ€hrend der Bildhauer ihn bearbeitet. Plötzlich entstehen weitere Skulpturen in einem Stein. „Das ist eine schöne ÃƓberraschung“, freut sich Mirenes. Er entdeckt auf der anderen Seite ein zweites Gesicht.

Manchmal hole er keine komplette Figur heraus, sondern nur Einzelteile, „der Rest bleibt Natur“.

Mirenes: „Das ist ein Geduldsspiel.“

„Ich arbeite alles mit der Hand und nicht mit der Maschine“, erzĂ€hlt der KĂŒnstler. Nach der Gestaltung wird der Stein mit immer feinerem Schmirgelpapier bearbeitet. Mit einem Industriefön wird der Stein nach Bearbeitung sehr heiß gemacht, das kann gut drei Stunden dauern – „das ist ein Geduldsspiel“, denn er muss langsam warm werden. Die WĂ€rme hĂ€lt der Stein dann 24 Stunden.

Zur Anschauung hat er einen Fön mitgebracht, doch schon nach kurzer Zeit versagt er seinen Dienst. Er ist zu heiß geworden, erklĂ€rt Mirenes.

Dann wird er mit Wachs ĂŒberzogen, anschließend poliert. Erst dann sieht man die wunderbare Maserung und die leuchtenden Farben.

Nach gut eineinhalb Stunden nimmt der Stein immer mehr Form an, aber es ist ein weiter Weg vom Rohling zum fertigen Kunstwerk. Die Gesichter sind zu erahnen.

Die Besucher sind interessiert und begeistert, hier konnten sie hautnah erleben, wie Kunst entsteht.

„Ich experimentiere mit Kunst“ – Ausstellung von George Mirenes


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Gut gelaunt: Der KĂŒnstler George Mirenes stellt im Alten Rathaus aus und verbreitet zusammen mit seiner Frau gute Laune.

Guten Tag!

Heddesheim, 05. Juli 2011. Unter dem Titel „Fließende Formen in Bild und Stein“ eröffnete am vergangenen Sonntag, 03. Juli 2011, der Heddesheimer Kunstverein die Ausstellung des Mannheimer KĂŒnstlers George Mirenes. Gut 50 Besucher begeisterten sich fĂŒr eine abwechslungsreiche Ausstellung.

Von Sabine Prothmann

Er sieht aus wie ein KĂŒnstler. Das schwarze Haar fĂ€llt fast auf die Schultern, er trĂ€gt den obligatorischen Hut, das schwarze Sakko, ausgefallene Ringe an den Fingern.

Dazu kommt – wie Veronika Drop, Vorsitzende des Kunstvereins Heddesheim, in ihrer Laudatio betonte, der klangvolle Name – George Mirenes – da kann man doch nur KĂŒnstler werden.

Nur gut, dass all’ dieser Schein noch mit Können gepaart ist – denn er kann was, der Sohn eines Spaniers und einer Französin, der 1956 in Paris geboren wurde.

Zwischen 1975 und 1979 studierte er Kunst und Bildhauerei in Paris,  1980 ging er nach Heidelberg und eröffnete dort ein Atelier. Heute hat er sein Atelier und seine Galerie in Mannheim und hofft dort bald sein eigenes kleines Bistro zu eröffnen, erfahren die Ausstellungsbesucher von Veronika Drop.

Kunst und leiblicher Genuss – sicher eine gelungene Kombination. Noch sind behördliche Hindernisse zu ĂŒberwinden, aber er schon seine genauen Vorstellungen, klein und fein soll es werden.

Mirenes hat sich keinem bestimmten Stil verschrieben wie die 23 ausgestellten Bilder und zehn Skulpturen eindringlich bezeugen.

Es sind die Kontraste, die sie vereinen. Die Farben, die Formen, die Linien. In den Bildern ebenso wie in den Skulpturen.

Mattes trifft auf GlÀnzendes, Ruhiges auf Wildes.KrÀftige, satte Farben auf zarte Töne.

Seine bevorzugten Techniken sind Öl-Pastell-Mischtechnik, Acryl auf Leinwand und Aquarell.

Mirenes Bildhauerei wurde maßgeblich beeinflusst von einem Aufenthalt in Zimbabwe 1993 und der Zusammenarbeit mit den dortigen KĂŒnstlern. Hier lernte George Mirenes die Skulptur aus dem Stein zu befreien.

Den Stein mit Leben erfĂŒllen

Seine Skulpturen bestechen durch die weichen runden Formen. „Er bringt Leben und Form in den harten, bizarren Stein“, sagt Drop.

Mirenes arbeitet mit Malachit, Marmor und immer wieder mit Serpentin. Es entstehen Skulpturen, die zum Angreifen geradezu einladen. Die in ihrem Ausdruck NaivitĂ€t und Formschönheit miteinander verbinden wie in „Mutter und Kind“ oder in der „Möwe“. Ganz großartig, fast schon asiatisch anmutend, „Peine la amour“ in weißem Marmor.

„Es ist ein spannender Spaziergang fĂŒr das Auge des Betrachters“, beschreibt Veronika Drop die Ansammlung seiner Kunstwerke.

Fast expressionistisch treffen die stĂŒrmischen Wellen auf die Klippen in dem ÖlgemĂ€lde „Bretagne“, grau-weiße Gicht trifft auf krĂ€ftiges Rot.

Satte Farben begegnen dem Betrachter immer wieder, wie in den beiden abstrakten Bildern „Goldregen-orange“ und „Goldregen-rot“, aber auch in „Torero“ und „TangotĂ€nzer“, hier kombiniert er krĂ€ftiges Gelb mit Rot und Schwarz – thematisch und farblich eine Reminiszenz an sein spanisches Erbe.

Kunstwerke wie pure Lebensfreude

„FĂŒr mich sind seine Kunstwerke pure Lebensfreude“, sagt Veronika Drop.

Diese AtmosphĂ€re ĂŒbertrĂ€gt sich auf den Ausstellungsraum im Alten Rathaus. „Ein wirklich schönes Ambiente“, lobt ein Paar aus Mannheim, die sich als Mirenes Fans outen. „Bei uns zuhause hĂ€ngen einige seiner Kunstwerke“, erzĂ€hlen sie und haben auch noch lange nicht genug.

Einen guten Monat arbeitet er an den Skulpturen. Das braucht Zeit, erzĂ€hlt der KĂŒnstler. Bei den Bildern kann man viel schneller eine Idee umsetzen.

Die Steinbearbeitung ist aufwendig. ZunÀchst wird die Form hervorgeholt, dann wird sie mit immer feinerem Schmirgelpapier bearbeitet. Um den Glanz auf dem jetzt matten Stein zu erzielen, wird er mit einem speziellen Fön auf 2000 Grad erhitzt. Bienenwachs wird aufgetragen und dann wird der Stein immer wieder und wieder poliert, beschreibt Mirenes den Schaffensprozess.

„Ich experimentiere mit Kunst“

In jĂŒngeren Bildern arbeitet Mirenes auch mal „kleinteilig“. Miniaturen fĂŒgen sich in einem Rahmen zu einem Thema zusammen: Radierungen, Federzeichnungen, Aquarelle, Fotografien – „ich experimentiere mit Kunst“, sagt er.

Am Sonntag, den 17. Juli 2011, 14 bis 17 Uhr, kann man George Mirenes bei einem Live-Workshop in der Galerie im Alten Rathaus dabei zuschauen, wie er eine Skulptur entstehen lĂ€sst – das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Sonntags 14 bis 17 Uhr.

Viel Freude mit den Fotos!

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