Montag, 20. November 2017

15. bis 21. Juli 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine f├╝r den 15. bis 21. Juli 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps f├╝r die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktm├Âglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

Mehr Veranstaltungen vor Ort finden Sie ins unseren Kalendern auf allen Blogseiten im Men├╝ Nachbarschaft im Men├╝ ÔÇťTermineÔÇŁ. [Weiterlesen…]

Medien brauchen Informanten – manche aber nur f├╝r die Sensation

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 06. Juli 2010. Kreisbrandmeister Peter Michels ist sauer – zu Recht. Entweder haben Angeh├Ârige der Feuerwehr widerrechtlich Informationen an Medien weitergegeben und/oder die Feuerwehr wurde abgeh├Ârt – beides ist nicht in Ordnung. Die Antwort auf die Frage, warum das passiert, ist einfach: Es geht um die Sensationsgier bei manchen Medien.

Kommentar: Hardy Prothmann

Man darf gespannt sein, ob die Zuschauer des Rhein-Neckar-Fernsehens (RNF) dar├╝ber informiert werden, dass der Provinzsender entweder „Informanten“ bei der Feuerwehr hat oder die Feuerwehr selbst abh├Ârt.

Man darf vermuten, dass dies eher nicht passiert, denn entweder h├Ątte der Sender durch das Abh├Âren eine strafbare Handlung begangen oder sich systematisch informieren lassen, was eine Anleitung zu einer Straftat sein k├Ânnte.

Die Integrierte Leitstelle der Feuerwehren in Ladenburg jedenfalls hat sich gewundert, wie schnell gewisse Medien, das Rhein-Neckar-Fernsehen und gro├če Tageszeitungen der Region, bei Eins├Ątzen vor Ort waren.

Deshalb setzte die Integrierte Leitstelle in Ladenburg einen fingierten, also falschen Einsatzbefehl, ab und wenige Minuten sp├Ąter meldete sich das RNF telefonisch und wollte weitere Informationen haben, kurz darauf meldete sich eine Zeitung.

Damit war klar: Entweder waren die betreffenden Medien aus den Reihen der Feuerwehr informiert worden oder h├Âren ab.

Medien und Journalisten sind oft auf „Hinweise“ von Informanten angewiesen. Durch das Zeugnisverweigerungsrecht haben sie die M├Âglichkeit, diese „Informationsquellen“ zu sch├╝tzen.

Das macht dann Sinn, wenn solche „Hinweise“ Recherchen ausl├Âsen, durch die Hintergr├╝nde ans Licht der ├ľffentlichkeit kommen, die sonst niemals bekannt geworden w├Ąren. Jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, baut sich solche Netzwerke auf, die ihn mit Informationen versorgen.

Auch in unserem Fall sind wir durch einen Informanten auf das Thema aufmerksam geworden. Uns wurde der interne Brief des Kreisbrandmeisters an die Feuerwehren zugespielt.

Die Motivation, Informationen weiterzugeben, kann vielf├Ąltig sein. Manchmal sind die Motive Rache, Eifersucht, Missgunst. In den meisten F├Ąllen, in denen mir Informationen zugespielt wurden, ist die Motivation der Informanten aber eine ehrenhafte gewesen: Sie wollten Missst├Ąnde ├Âffentlich machen – aus Sorge um die Firma, die Beh├Ârde, das Allgemeinwohl.

In der Branche nennt man Informanten „Whistleblower“. Leider werden Informanten immer noch als „Petzen“ oder als „Verr├Ąter“ verunglimpft. Je brisanter die Information, je gr├Â├čer die Folgen f├╝r „bestimmte“ Personen, umso gr├Â├čer ist der Hass und die Wut auf die vermeintlichen „Verr├Ąter“. Selbst dann, wenn der „Verrat“ dazu dient, Systeme der Korruption, Mobbing, Geldw├Ąsche oder andere schlimme Sachen aufzudecken, bleibt in den Augen vieler Menschen eine Schuld beim „Verr├Ąter“ haften. Deswegen ist es gut und richtig, dass Journalisten ihre Informanten sch├╝tzen k├Ânnen, damit diese keine Nachteile erfahren.

Im vorliegenden Fall geht es aber nicht um Fragen des Allgemeinwohls oder der Integrit├Ąt einer Firma oder einer Beh├Ârde.

Im vorliegenden Fall geht es schlicht und einfach um Sensationsgier.

Es geht darum, die besten Bilder von lodernden Flammen zu machen. Oder Opferbilder, Blut, Chaos, Zerst├Ârung exklusiv zu haben, um damit Auflage zu machen.

Das Kalk├╝l ist einfach: Je sensationeller die Bilder, umso gr├Â├čer wird das Interesse sein.

Wenn Medien sich nur noch um die Sensation bem├╝hen und nicht mehr um die Information, muss sich kein Journalist und keine Redaktion wundern, wenn es viele Menschen gibt, die das anekelt. Die das nicht mehr wollen. Auch wenn es genug Menschen gibt, die gerade diese Sensation interessiert.

Journalisten und Redaktionen entscheiden selbst ├╝ber ihre Haltung, ihren Umgang mit den Themen. Und ├╝ber ihre Methoden.

Der Kreisbrandmeister Peter Michels ist an einem offenen Umgang mit den Medien interessiert – auch im vorliegenden Fall war er noch nach Dienstschluss f├╝r uns erreichbar. Aber er ist zu recht sauer.

Weil er sich hintergangen f├╝hlt – vielleicht denkt er gerade dar├╝ber nach, was es bedeutet, dass er an einem guten Verh├Ąltnis zu den Medien interessiert ist, manche Medien aber das gute Verh├Ąltnis zu ihm egal ist.

Es w├Ąre bedauerlich, wenn sich bei Herrn Michels das Gef├╝hl einschleicht, dass er Medien nicht mehr vertrauen kann. Denn das Ergebnis w├Ąre eine „verbrannte Erde“, ein gest├Ârtes Verh├Ąltnis. Weil einzelne sich schlecht verhalten, m├╝ssen oft alle darunter leiden. Den gr├Â├čten Schaden nimmt dabei die ├ľffentlichkeit, die nicht mehr offen informiert w├╝rde. Vor allem Boulevardmedien sind bekannt daf├╝r, „verbrannte Erde“ zu hinterlassen.

Winnenden und Erfurt sind daf├╝r leider „eindr├╝ckliche“ Beispiele.

Der Kritik, dass die Feuerwehren Daten unverschl├╝sselt ├╝bertr├Ągt, wird sich der Kreisbrandmeister stellen. Zur Ehrenrettung der Feuerwehren muss man feststellen, dass der „Datenschutz“ bei der Einf├╝hrung der Systeme noch keine wahrgenommene Bedeutung hatte.

Heute ist das anders. Der Datenschutz ist ein zu recht wichtiges Thema. Von den Feuerwehren kann und muss man erwarten, dass sie das Manko der unverschlüsselten Ãœbertragung schnell beheben.

Und von manchen Medien sollte man erwarten k├Ânnen, dass sie innehalten und ├╝berlegen, ob das, was sie tun, tats├Ąchlich „in Ordnung“ ist.

Leider kann man davon ausgehen, dass sich die „├╝blichen Verd├Ąchtigen“ dar├╝ber keine Gedanken machen werden. Ihr Gesch├Ąft ist die Sensation. Was anderes kennen sie nicht und wollen es auch nicht kennen.

Das beste Korrektiv daf├╝r sind die Menschen selbst. Sie sind mit daf├╝r verantwortlich, welche Medien sie nutzen. Fehlt die Akzeptanz f├╝r die Sensationsgier, dann werden die Medien sich neu orientieren oder wegen Misserfolgs eingestellt.

Ungesch├╝tzter Datenverkehr: Datenschutzskandal bei Feuerwehr und Rettungsdiensten

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 06. Juli 2010. In einem „Brandbrief“ weist der Kreisbrandmeister Peter Michels die Feuerwehren darauf hin, dass „Informationen zu den Rettungseins├Ątzen abgefangen werden und per SMS an Personen au├čerhalb der Feuerwehr“ weitergeben werden. Auf eine fingierte Meldung hin meldete sich als erstes das Rhein-Neckar-Fernsehen.

Von Hardy Prothmann

Der interne Brief hat es in sich: Die Feuerwehr vermutet „Lecks“ in den eigenen Reihen. Sprich: Mitglieder der Feuerwehr informieren „Dritte“, also Medien, aktuell und exklusiv ├╝ber Eins├Ątze. Vielleicht sogar gegen Geld oder andere Gef├Ąlligkeiten.

Michels_7518_HP klein

Kreisbrandmeister Michels ist stinksauer. Entweder gibt es Informanten innerhalb der Feuerwehren oder der Datenfunk wird abgeh├Ârt. Bild: Feuerwehr

Kreisbrandmeister Michels schreibt: „Dieser Tage haben wir die Information erhalten, dass Alarmierungen f├╝r die Kreisf├╝hrung abgefangen werden und per SMS letztlich auch an Personen au├čerhalb der Feuerwehr weitergeben werden. Dies war der Anlass, dass wir ├╝ber die Leitstelle einen fingierten Alarm haben aussenden lassen. Bereits innerhalb der ersten f├╝nf Minuten, gab es eine erste R├╝ckmeldung in der Integrierten Leitstelle. Ca. weitere f├╝nf Minuten sp├Ąter meldete sich eine weitere Person aus dem Bereich der Presse.“

Ein Skandal erster G├╝te, denn es wird gleich gegen mehrere Gesetze versto├čen und Schutzpflichten werden verletzt, wie der Kreisbrandmeister auflistet: ├é┬ž 201 StGB (Verletzlichkeit der Vertraulichkeit des Wortes), ├é┬ž 203 StGB (Verletzung von Privatgeheimnissen), ├é┬ž 331 StGB (Vorteilsnahme), ├é┬ž 332 StGB (Bestechlichkeit), ├é┬ž 353 b StGB (Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht), ├é┬ž 358 StGB Nebenfolgen.

Kreisbrandmeister Peter Michels best├Ątigt uns das Problem auf Nachfrage und sagt: „Wir haben mit unserem Schreiben die Feuerwehren auf die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam gemacht. Bei weiteren Verst├Â├čen solcher Art m├╝ssen die Betroffenen mit einer Strafanzeige rechnen.“

Pikant: Als erstes meldete sich das Rhein-Neckar-Fernsehen bei der Einsatzstelle und wollte weitere Informationen ├╝ber den Einsatz haben: „Das kann ja wohl gar nicht sein“, emp├Ârt sich Michels: „Ich habe ├╝berhaupt nichts gegen die Arbeit der Medien, aber ich habe sehr wohl etwas dagegen, dass Informationen, die an die Feuerwehr gerichtet sind, an Dritte weitergegeben werden.“

Ob das „Leck“ in den eigenen Reihen zu finden ist oder der Funkverkehr durch das Rhein-Neckar-Fernsehen abgeh├Ârt wurde, konnte die Integrierte Leitstelle bislang nicht herausfinden. Nach Informationen der Redaktion hat sich auch eine gro├če Zeitung aus dem Raum diese Informationen beschafft.

Das Problem: Die sensiblen Daten k├Ânnten verschl├╝sselt ├╝bertragen werden, wenn alle Beteiligten ├╝ber dieselben Ger├Ąte verf├╝gen w├╝rden. Tun sie aber nicht – damit man sich „versteht“, muss unverschl├╝sselt ├╝bertragen werden.

Deswegen ist es auch ein Datenschutzskandal der Rettungsdienste und Feuerwehren. Denn die Funkdaten werden ├╝berwiegend unverschl├╝sselt ├╝bertragen und k├Ânnen mit geringem Aufwand von jedem „mitgeh├Ârt“ werden – das verst├Â├čt zwar gegen das Gesetz, aber diesen Versto├č erm├Âglichen die Rettungsdienste selbst durch die ungesch├╝tzte ├â┼ôbertragung der Daten. Eine koordinierte Anschaffung der Ger├Ąte h├Ątte dies verhindert.

Was das in der Konsequenz bedeutet, zeigt ein Beispiel aus ├ľsterreich. Auf der Internetseite heise.de wird die Problematik der ungesch├╝tzten Daten├╝bertragung eindr├╝cklich geschildert:

„Ein ├ľsterreicher hatte in der Gegend von Tirol einen handels├╝blichen Funkscanner mit der Soundkarte seines Rechners gekoppelt und mit frei im Internet erh├Ąltlicher Software das v├Âllig unverschl├╝sselte POCSAG-Signal der Pager in einer Datenbank mitprotokolliert. Bei rund 400.000 Eins├Ątzen pro Jahr im Bundesland Tirol kamen innerhalb weniger Tage unz├Ąhlige Datens├Ątze mit zum Teil sehr sensiblen Informationen zusammen.

Ein Alarmierungsdatensatz der Tiroler Leitstelle umfasst nicht nur den Namen der jeweiligen Einheit und ein Einsatzstichwort, wie es im analogen BOS-Funknetz ├╝blich war, sondern die Leitstelle ├╝bertr├Ągt bei Rettungseins├Ątzen auch den vollst├Ąndigen Namen des Patienten, den genauen Einsatzort, das etwaige Transportziel sowie einen Code f├╝r eine detaillierte Erstdiagnose, der sich anhand einer von der Leitstelle ver├Âffentlichten Liste, problemlos entschl├╝sseln l├Ąsst. So steht etwa Code 26A22 f├╝r ein Penisproblem, 25A2 f├╝r eine Selbstmordgef├Ąhrdung, 23C5 f├╝r eine Kokainvergiftung, 4B2S f├╝r eine starke Blutung nach Sexualdelikt, 12C1E f├╝r eine schwangere Epileptikerin mit Krampfanfall und so weiter. Die Feuerwehr verwendet ├Ąhnlich detaillierte Codes.“

Auch im Rhein-Neckar-Kreis werden Adresse, Name sowie Einsatzstichworte ├╝bermittelt: Dabei erf├Ąhrt man, ob es sich beispielsweise um ein internistisches, gyn├Ąkologisches Problem handelt, erf├Ąhrt Informationen zur Dringlichkeit. BET hei├čt beispielsweise Behandlung (BE) und „T“ steht f├╝r „terminiert“. Oft werden hier auch weitere Informationen ├╝bertragen.

Ob die verungl├╝ckte Person damit einverstanden ist, dass medizinische Details und andere Informationen an die ├ľffentlichkeit gelangen, interessiert dabei nicht. Es geht darum, als erster vor Ort zu sein und „exklusive Bilder“ machen zu k├Ânnen, es geht um Sensationsjournalismus.

Auch bei den Feuerwehren werden diese Informationen im Klartext ├╝bermittelt. Noch – zur Zeit laufen vorbereitende Arbeiten zur Digitalisierung des Funks, der dann k├╝nftig verschl├╝sselt ├╝bertragen werden soll. Auf dem K├Ânigsstuhl wird eine Station auf dem ehemaligen AFN-Mast errichtet, weitere Basisstationen werden im Gebiet Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg und Mannheim im Laufe des n├Ąchsten Jahres errichtet.

Bis das neue System l├Ąuft, ist es offen – dass hei├čt, jeder, der technisch ein wenig versiert ist, kann mit einer Investition unter 100 Euro in entsprechende Ger├Ąte mith├Âren.

Absurd: Zwar wird k├╝nftig irgendwann, voraussichtlich in eineinhalb bis zwei Jahren, die Kommunikation der BOS, also der Beh├Ârden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, verschl├╝sselt ├╝bertragen. Aber im Gegensatz zu Hessen, wo eine Alarmierung ├╝bers digitale Funknetz angestrebt wird, bleibt Baden-W├╝rttemberg beim POCSAG – das kann theoretisch auch verschl├╝sselt werden, aber nur, wenn alle Empf├Ąnger darauf abgestimmt w├Ąren. Das ist nur bedingt m├Âglich, deshalb m├╝ssten neue Ger├Ąte angeschafft werden, das kostet Geld – ob es zur Verf├╝gung gestellt wird, bleibt abzuwarten.