Montag, 23. Oktober 2017

Kabarettist Schw├Âbel ├╝ber Fukushima: „Des konn niemols ned bassiere.“

Guten Tag!

Weinheim/Rhein-Neckar, 05. April 2011. Beim Wahlkampftermin von Gr├╝nen-Spitzenkandidat Winfried Kretschmann in Weinheim trat Kabarettist Hans-Peter Schw├Âbel in seiner unnachahmlichen Art auf, um sich ├╝ber Reaktorunf├Ąlle, Desinformation und die Wirklichkeit auszulassen. Reaktorunf├Ąlle sind aus seiner Sicht ein Ding der Unm├Âglichkeit, Restrisiko Null: „Des konn niemols ned bassiere.“ Achtung: Satire.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das weinheimblog

In der Metropolregion steht die Atomgefahr „im Vorgarten“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/Metropolregion, 15. M├Ąrz 2011. Wo ist nochmal Biblis, wo Philippsburg? F├╝r viele wahrscheinlich „weit weg“. Tats├Ąchlich liegen Nordbaden und S├╝dhessen im direkten Einzugsbereich in der „Gefahrenzone A“ von den alten Kernkraftwerden Biblis A und Philippsburg I. Und sie liegen in einer Zone, in der auch starke Erdbeben m├Âglich sind.

In Japan weht der Wind derweil eine radioaktive Wolke vom havarierten Kernkraftwerk Fukushima in Richtung Tokio – das liegt 240 Kilometer vom Atomunfallsort entfernt.

Von Hardy Prothmann

├â┼ôbersichtkarte deutsche Atomkraftwerke. Klicken Sie auf die Grafik f├╝r eine gr├Â├čere Darstellung. Quelle: Wikipedia/Lencer

Das Abschalten von alten Atomkraftwerken in Deutschland wird auf der politischen Ebene unter dem Eindruck der bevorstehenden Landtagswahlen in Baden-W├╝rttemberg und Rheinland-Pfalz von der Bundesregierung vorangetrieben.

Die CDU/FDP-Regierungskoaltion spricht pl├Âtzlich von „├â┼ôberpr├╝fung“ der Sicherungssysteme und will sogar sieben alte Atommeiler, darunter Biblis A und Philippsburg I in K├╝rze still legen.

Erstaunlich, hatte diese Regierung doch gegen den Widerstand der Opposition im vergangenen Herbst die Laufzeit dieser Reaktoren erheblich verl├Ąngt. Damals war die „Welt noch in Ordnung“ und Atomkraftwerke angeblich sicher.

Auch der baden-w├╝rttembergische Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus (CDU) gilt als Hardliner in Sachen Atompolitik. Bis zum Unfall in Japan hat er aus seiner bedingungslosen Unterst├╝tzung der Atomwirtschaft nie einen Hehl gemacht.

Die Siedewasserreaktoren in Biblis und Philippsburg sind immer wieder durch „Zwischenf├Ąlle“ aufgefallen und ├Ąhnlich konstruiert wie die im japanischen Fukushima, in denen aktuell eine Kernschmelze droht oder bereits eingesetzt hat. Hinzu kommt, dass beide Atomkraftwerke durchaus in einer Erbebenregion stehen, wie Spiegel online berichtet. Hier k├Ânnen Erdbeben bis zu einer St├Ąrke von 8 auftreten – ob deutsche AKW erdbegensicher sind, stellt der Bericht in Frage. In Deutschland gibt es oft Beben, 1992 wurden in der Niederrheinischen Bucht ein Beben mit der St├Ąrke 5,9 gemessen.

Wie tr├╝gerisch „Entfernungen“ und Sicherheitszonen sind, zeigt die Lage in Japan.

Dort wurde „klassisch“ eine 20-Kilometer-Zone eingerichtet. Laut Medienberichten ist die Strahlenbelastung der Menschen in der Umgebung aber enorm. Wie viele Menschen bereits lebensgef├Ąhrlich oder -bedrohlich verstrahlt wurden, ist bislang nicht bekannt.

Die Belastung im Umkreis des AKW Fukushima soll bis zu 400 Millisievert pro Stunde betragen. Menschen k├Ânnen bereits ab 250 Millisievert Opfer einer Strahlenkrankheit werden.

In Tokio, also 240 Kilometer vom Ungl├╝cksort entfernt wird sei die Strahlung bereits etwa 22-mal h├Âher als ├╝blich, berichtete der japanische Fernsehsender NHK am Dienstag. Als Grund wird ein leichter Wind genannt, der die atomare Wolke mit einer Geschwindigkeit von 10-20 Kilometern pro Stunde ├╝ber Land tr├Ągt. Zudem droht Regen, der den Fall-Out noch beschleunigen w├╝rde.

Experten halten eine Evakuierung der 35-Millionen-Einwohner-Metropole Tokio f├╝r vollkommen ausgeschlossen.

Unsere Ãœbersicht zeigt die Luftlinienentfernung von Atomkraftwerken für einen Radius bis zu 300 Kilometern an. Messpunkt ist Mannheim.

Land Kraftwerk Reaktoren Entfernung Zone
D Philippsburg 2 25 A
D Biblis 2 26 A
D Neckarwestheim 2 70 F
D Grafenrheinfeld 1 135
F Cattenom 4 165
D Gundremmingen 2 177
F Fessenheim 2 188
CH Leibstadt 1 210
CH Beznau 2 215
CH Goesgen 1 240
B Tihange 3 256
F Chooz 2 273
D Grohnde 1 291
CH M├╝hleberg 1 293
D Isar 2 295

Mitarbeit: lokal4u

Video-Interview mit Rebecca Harms: „Jede Notabschaltung ist eine Extremsituation.“


Rebecca Harms vor dem atomaren Endlager in Gorleben.

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Gorleben, 14. M├Ąrz 2011. Rebecca Harms hat 1977 die B├╝rgerinitiative gegen das atomare Endlager in Gorleben mitgegr├╝ndet. Die Fraktionsvorsitzende der Gr├╝nen im Europ├Ąischen Parlament nimmt im Video-Interview Stellung zu den atomaren Havarien in Japan und zur „Sicherheit von Kernkraftwerken“.

Info:
Rebecca Harms ist Ko-Vorsitzende der gr├╝nen Fraktion im Europ├Ąischen Parlament. Sie arbeitet als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss f├╝r Industrie, Forschung und Energie und als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss f├╝r Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit. Au├čerdem ist sie Mitglied der Delegation im Parlamentarischen Kooperationsausschuss EU-Ukraine.

http://rebecca-harms.de

Das Video wurde durch wendland-net.de zur Verf├╝gung gestellt. Wendland-net.de ist wie unsere Redaktion Mitglied bei istlokal.de, einem neuen Netzwerk lokaljournalistischer Angebote im Internet. Insgesamt hat das Netzwerk istlokal.de deutschlandweit bislang rund 50 Mitglieder.
Das Netzwerk istlokal.de will den Lokaljournalismus f├Ârdern. Die Mitglieder unterst├╝tzen sich gegenseitig in den Bereichen Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht.

Japanische Atom-Unf├Ąlle strahlen auf Wahlkampf ab – Mappus unter Druck


Guten Tag!

Rhein-Neckar/Stuttgart, 14. M├Ąrz 2011. Die Reaktor-Unf├Ąlle infolge des Erdbebens und des Tsunamis in Japan haben eventuell direkte „Folgen f├╝r Baden-W├╝rttemberg“. Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus und die Regierungskoalition von CDU und FDP kommen unter enormen Rechtfertigungsdruck. In den Umfragen liegen B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen und SPD leicht vorne – dieser Abstand k├Ânnte sich vergr├Â├čern.

Von Hardy Prothmann

Zwei Wochen vor der Landtagswahl passiert der Gau – in Japan. Aber aus Sicht der Landesregierung auch in Baden-W├╝rttemberg.

Ist definitiv "f├╝r" die Atomenergie. Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus, der die Gr├╝nen gerne als "Dagegen"-Partei bezeichnet. Das richtet sich nun gegen ihn selbst.

Nachdem ├╝bers Wochenende immer klarer wurde, dass Japan vor einer nuklearen Katastrophe ungeahnten Ausma├čes steht, wird der Druck auf Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus enorm steigen. Er hat nie einen Zweifel daran gelassen, wie er zur Atompolitik steht: Er ist sozusagen der Vertreter der Atompolitik und keinesfalls des Ausstiegs.

Die gr├Â├čte anzunehmende Unfall geschieht weit weg. Stefan Mappus bietet „jegliche erdenklich Hilfe“ an – vielleicht ohne realisiert zu haben, dass er die zur Zeit selbst auch dringend ben├Âtigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird daf├╝r kaum zur Verf├╝gung stehen – sie hat dasselbe Problem.

Er kann Fl├Âtent├Âne suchen wie er will und in der ARD sagen: „Ich bin gerne bereit den nationalen Dialog zu f├╝hren, wie man das erreichen kann.“ „Das“ ist der Atomausstieg – „man“ ist er selbst.

Mappus – der Atommann vor dem Gau.

Der Bundestag hat am 28. Oktober 2010 mit schwarz-gelber Mehrheit f├╝r eine Laufzeitverl├Ąngerung entschieden. Die Betriebszeiten der vor 1980 in Betrieb gegangenen sieben Anlagen wurden um acht Jahre verl├Ąngert und die der zehn ├╝brigen Atomkraftwerke um vierzehn Jahre. Einer der vehementesten Vertreter: Stefan Mappus.

Nachdem er mit Ach und viel Krach gerade sein F├╝hrungsdesaster in Sachen Stuttgart21 hinter sich gebracht hat, bleibt ihm kaum Zeit die Katastrophe in Japan f├╝r sich selbst in den Griff zu bekommen.

Der Gau ist da, eventuell folgt der Super-Gau in Fukushima. Schon jetzt steht fest, dass gro├če Gebiete um die havarierten Atommeiler in Japan unbewohnbar sein werden.

Die Bilder aus Japan werden den Wahlkampf und Mappus beherrschen.

In den kommenden Tagen werden Bilder ver├Âffentlicht werden: Von vielen, von sehr vielen Opfern. Und es werden Zahlen ├╝ber verstrahlte Menschen ver├Âffentlicht werden. Und es werden Daten ├╝ber die nukleare Wolke folgen.

Bilder und immer detaillierte Informationen werden die Aufmerksamkeit der Menschen beherrschen.

Und die Atomgegner m├╝ssen nicht mehr viel machen. Sie m├╝ssen nicht argumentieren. Sie m├╝ssen nur sagen, wie schrecklich das alles ist. Und dass sie fassungslos sind. Und das wird das sein, was jeder vern├╝nftige Mensch mit Herz auch denkt.

Mappus war immer der „Dagegen“-Vertreter. Gegen den schnellen Atomausstieg.

Und Stefan Mappus verliert seinen deftigsten Wahlspruch – die Gr├╝nen als die „Dagegen-Partei“ zu bezeichnen.

Denn wer nicht gegen das f├╝rchterliche Schicksal ist, das hunderttausende Japaner, vielleicht sogar Millionen erleben m├╝ssen, der ist „daf├╝r“, was sich dort gerade abspielt: Eine der gr├Â├čten Katastrophen der Neuzeit.

Ausgel├Âst durch eine unglaubliche Naturgewalt und fortgef├╝hrt durch eine Technologie, die man nicht mehr unter Kontrolle hat.

Chaos-Berichterstattung: Verschmolzene Nachrichten

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Japan/Welt, 13. M├Ąrz 2011. (red) Die Erdbeben-Katastrophe hat zuerst Japan ersch├╝ttert und enorme Zerst├Ârungen angerichtet. Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Weitere, weltweite „Ersch├╝tterungen“ werden folgen. Politische und wirtschaftliche, eventuell auch gesundheitliche. W├Ąhrenddessen ist die Berichterstattung ├╝ber die Katastrophe ein Teil davon.

Von Hardy Prothmann

Die erste Meldung, die ich zur Erdbeben-Katastrophe in Japan wahr genommen habe, sprach von einem starken Beben und mehreren Dutzend Toten.

Ein "Retter" h├Ąlt einen Jungen", tr├Ągt ihn aus der Zone der chaotischen St├Ârung. Der Jung scheint unverletzt, die Kleidung ist sauber, er hat beide Schuhe an, gibt keinen Laut von sich. Ist das glaubhaft, wenn man die Zerst├Ârung im Hintergrund sieht? Oder ist das eine "gestellte" Aufnahme? Die ARD stellt die Frage nicht, sondern zeigt die Bilder und best├Ątigt damit deren "Echtheit". Quelle: ARD

Jede Hoffnung auf einen „glimpflichen Ausgang“ der Tr├Ągodie habe ich mittlerweile aufgegeben.

Denn ein paar Stunden sp├Ąter sind es schon hundert oder zweihundert Tote und ein „enorm schwereres“ Beben.

Einen Tag sp├Ąter ist es das „schwerste, je gemessene“ Beben, dass die japanische Insel seit Beginn der Aufzeichnungen ersch├╝ttert hat und es sind „vermutlich“ ├╝ber 1.000 Tote.

Wiederum Stunden sp├Ąter sind es „m├Âglicherweise“ mehr als 10.000 Tote – die K├╝stenstadt Minamisanriku sei „v├Âllig zerst├Ârt“.

Seit das Beben der St├Ąrke 8,8 auf der Richter-Skala am 11. M├Ąrz 2011 um 06:45 Uhr unserer Zeit das weit entfernte Japan ersch├╝ttert hat, sind noch nicht einmal zwei Tage vergangen.

Die Energie der Katastrophe wird immer unfassbarer.

Und die Nachrichten verdichten sich, schmelzen zusammen. Die Energie der Zerst├Ârung wird immer deutlicher, wenn auch immer noch unfassbar.

Das ausl├Âsende gro├če Beben ist vorbei, Nachbeben ersch├╝ttern das Land.

Und die f├╝rchterlichste Katastrophe l├Ąuft langsam, aber „sicher“ ab. In Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima I droht eine „Kernschmelze“.

Die Kettenreaktion der Nachrichtenschleife wiederholt sich.

Auch andere Reaktoren sollen „Probleme“ haben – die Nachrichtenschleife beginnt von vorne.

Erst hei├čt es, es drohe keine Gefahr. Dann, es g├Ąbe gr├Â├čere Sch├Ąden, aber alles sei aber unter Kontrolle. Dann werden Schwierigkeiten gemeldet – die sind nat├╝rlich „unvermutet“.

Alles, was nach „echten Schwierigkeiten“ klingen k├Ânnte, wir dementiert.

Alle Nachrichten sind unsicher. Dann wird best├Ątigt, dass Fukushima „m├Âglicherweise au├čer Kontrolle“ sei. Dann explodiert was. Was genau, kann niemand ganz genau sagen. Aber die Bev├Âlkerung wird zur „Ruhe“ aufgefordert.

"Kontrolleure" winken Personen durch. Ist das glaubw├╝rdig, wenn einer nach dem anderen "durchgewunken" wird? Quelle: Spiegel online

Dann wird eine Sicherheitszone von zehn Kilometern eingerichtet, sp├Ąter auf 20 Kilometer erweitert.

Dann verdichten sich die Nachrichten, dass eine Kernschmelze bevorstehe oder bereits begonnen habe.

Dann gibt es Meldungen, dass Menschen „in Sicherheit“ gebracht, also vermutlich evakuiert w├╝rden.

200.000 Menschen in Sicherheit?

Dann sind es „vermutlich“ 100.000, dann 110.000 und gegen Mitternacht meldet Spiegel Online: „Japan bringt 200.000 Menschen in Sicherheit.“

Das mag man so gerne glauben: Sicherheit f├╝r die Menschen in den betroffenen Gebieten.

├â┼ôberall laufen Videobilder: Menschen werden auf „radioktive Konterminierung“ gepr├╝ft und d├╝rfen weggehen, Helfer holen Kinder, Alte und Verletzte aus den feuchten M├╝llw├╝sten, die der Tsunami hinterlassen hat.

Auffanglager werden gezeigt und statt „Durchhalteparolen“ d├╝rfen interviewte Personen sagen, dass sie Angst haben, aber hoffen und es keinen Ausweg gibt.

Tatsache ist:

Seit um 06:45 Uhr unserer Zeit ein gigantisches Erdbeben Japan ersch├╝tterte, wird zun├Ąchst Japan von einer unglaublichen Katastrophe heimgesucht.

Das Erbeben hat enorme, noch nicht bezifferbare Sch├Ąden ausgel├Âst.

Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami mit einer unglaublich zerst├Ârerischen Energie. Aus der sichereren Hubschrauberperspektive aufgenommene Bilder belegen eine nat├╝rliche Zerst├Ârungsgewalt, die bar jeder „Ideologie“ ist, sondern nur physikalischen Gesetzen folgt. Es gibt kein „gut“ oder „schlecht“, sondern nur hohe Wellen mit einem gigantischen Druck, die alles mitrei├čen.

Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Die Infrastruktur des Landes ist besch├Ądigt. Die K├╝hlsysteme von einigen Atomkraftwerken sind angegriffen und versagen.

Die Medien transportieren lange vor der m├Âglichweise stattfindenden Kernschmelze Meldungen aus allen Richtungen, die alle nicht „sicher“ sind.

Die Hoffnung ist zu sp├╝ren – die Meldungen entwickeln sich schlecht.

Oft ist den Meldungen die Hoffnung anzumerken, dass die Katastrophe nach der Katastrophe ausbleibt.

Aber die Meldungen entwickeln sich schlecht und es wird immer klarer, dass der Tsunami die schlimmste Naturkatastrophe in der „aufgezeichneten“ Geschichte Japans ist, aber die sich ank├╝ndigende technische Katastrophe noch „schlimmer“ sein k├Ânnte.

Um das Kernkraftwerk Fukushima wird eine „Sicherheitszone“ eingerichtet, erst zehn Kilometer, dann zwanzig Kilometer.

Ob ARD, ZDF, Spiegel oder andere Nachrichten"quellen" - ├╝berall diesselben Bilder derselben Turnhalle, die als Beleg daf├╝r herhalten muss, dass hunderttausende von Menschen evakutiert werden. Quelle: Spiegel online

Angeblich werden 200.000 Menschen „in Sicherheit“ gebracht. Innerhalb von Stunden – wie das „logistisch“ in einem Land m├Âglich ist, dessen Infrastruktur empflindlich gest├Ârt wurde, berichtet kein Medium. Ebensowenig, wie man mal eben innerhalb von Stunden eine Logistik aufbaut, um 200.000 Menschen „aufzufangen“.

Die Medien berichten trotzdem weiter. Meldung um Meldung kommt in die Redaktionen, wird dort „bearbeitet“ und verl├Ąsst sie wieder – dann und dann sind die Nachrichten auf Sendung, dann und dann m├╝ssen Zeitungen gedruckt werden. Immer braucht es die „neueste“ Nachricht, die „letzte Meldung“.

Doch die Zeitverschiebung verst├Ąrkt das Chaos – Europa ist acht Stunden „hinter“ Japan. Wer sich am Nachmittag oder Abend informieren will, gekommt keine neuen Nachrichten, denn es ist dann Nacht in Japan.

Nachrichten ohne Halbwertzeit.

Und niemals sagt jemand: „Stop – nichts, von dem, was wir berichten, kann irgendjemand ├╝berpr├╝fen. Solange das nicht „gecheckt“ ist, gehe ich damit nicht auf Sendung.“ Oder: „Sie sehen hier Bilder, die wir gekauft haben. ├â┼ôber die Zuverl├Ąssigkeit k├Ânnen wir Ihnen keine Auskunft geben, weil wir nicht vor Ort waren.“

Es gibt keine Halbzeitpause und schon gar keine Halbwertzeit f├╝r Nachrichten.

Nach und nach „verdichten“ sich aber die Nachrichten und es wird immer „klarer“, dass alles, was noch Stunden zuvor gemeldet worden ist, keine G├╝ltigkeit mehr hat.

Aus Sicht der Medien, vor allem der H├Ârfunk- und Fernsehsender, ist das egal. Je mehr Dramatik, umso besser – damit kann man den „Flow“, also die Nachrichtenkette wunderbar weiterf├╝hren.

Voranschreitendes Ungl├╝ck f├╝r Tageszeitungen.

F├╝r die Tageszeitungen, vor allem die lokalen, ist ein solch dramatisch voranschreitendes Ungl├╝ck aber eine andauernd zeitversetzte Katastrophe. Was in der Zeitung als Nachricht steht, ist schon l├Ąngst „vergl├╝ht“ und stimmt aktuell nicht mehr.

Gerade die Lokalzeitungen sind „doppelt getroffen“ – einerseits von dem unglaublichen Ereignis und seiner Geschwindigkeit und andererseits, weil sie keine eigenen Leute vor Ort haben. Korrespondenten leistet sich so gut wie keine Monopolzeitung mehr.

Sie k├Ânnen nur abschreiben, was „die Agenturen“ berichten. Und das nur bis zum Druck des Blattes – jede Korrektur in den Stunden danach findet in der Lokalzeitung nicht mehr statt.

Kollektiver Gau aller „Nachrichtenredaktionen“.

Was es bedeutet, mal eben innerhalb von „Stunden“ 200.000 Menschen dauerhaft zu evakuieren, fragt keiner. Die sind „in Sicherheit gebracht“ und „schlucken Jod-Tabletten“, damit sich kein radioaktives Jog in deren Schilddr├╝se einlagert.

Die Bilder, wo diese „200.000 Menschen“ untergebracht sind, fehlen. Die Frage, wie man das mal eben so innerhalb eines Tages organisiert, auch.

├â┼ôber Gro├čveranstaltungen im Heimatland wie Rock-Konzerte wird hingegen ├╝ber Monate im voraus berichtet, ├╝ber die Herausforderungen f├╝r den Verkehr, die Polizei, die Rettungskr├Ąfte, die Veranstalter und die zu erwartende Show – und das bei funktionierender Infrastruktur.

Sehnsucht nach Halt im Chaos, w├Ąhrend die Kerne schmelzen.

Darum geht es aber gerade nicht. Es geht um die Sehnsucht, dass irgendjemand wei├č, was er tut. Es geht um einen „Halt“ im Tsunami der sich ├╝berschlagenden Nachrichten.

Im Internet und dann auch im Fernsehen werden eine „Turnhalle“ und ein „Zeltunterstand“ mit Bildern von „Kontrolleuren“ in vermeintlichen Maler-Papieranz├╝gen gezeigt, mit der Bildaussage, das „alles unter Kontrolle“ ist.

Nachrichten im Sog der Kernschmelze.

Sp├Ątestens dann wird klar, dass eine journalistische Kernschmelze begonnen hat und nichts mehr „unter Kontrolle“ ist. Dass nur noch in Konkurrenz zu anderen um „die besten Bilder“ ein Theater veranstaltet wird, das seinesgleichen sucht.

Ich gehe davon aus, dass die „Nachrichten“ der kommenden Tage eine Katastrophe zeigen, die noch „unglaublicher als unglaublich“ sein wird.

Die Informationen werden ersch├╝tternd sein – f├╝r Weltbilder, f├╝r die Wirtschaft, f├╝r die Politik, f├╝r den Glauben an die „Zukunft“ – zumindest in Japan, aber vermutlich in der ganzen Welt.

├â┼ôber die Folgen hat noch niemand berichtet – sie werden ebenfalls „unglaublich“ sein.

Bis man sie glauben muss.