Montag, 30. MĂ€rz 2020

BĂŒrgermeister Kessler hat einen Experten fĂŒr „BĂŒrgernĂ€he“ – doch der wird nicht gefragt

Guten Tag!

Heddesheim, 16. MĂ€rz 2010. BĂŒrgermeister Michael Kessler engagiert lieber ein Kommunikationsunternehmen, als sich selbst den kritischen Fragen der Öffentlichkeit zu stellen. Zudem behindert er immer wieder die Arbeit der kritischen Presse.
Beim bislang grĂ¶ĂŸten Bauvorhaben in der Geschichte Heddesheims tut Herr Kessler in Sachen „BĂŒrgerbeteiligung“ nur das, was er absolut muss. Dabei hat er mit dem Hauptamtsleiter Julien Christof einen Experten fĂŒr „E-Government“ und BĂŒrgerbeteiligung im Rathaus sitzen.

Von Hardy Prothmann

Hauptamtsleiter Julien Christof ist Diplom-Verwaltungswirt (FH) und hat im Studienjahr 2007/2008 an der Fachhochschule Kehl eine Diplomarbeit vorgelegt, die viel beachtet und gelobt wurde: „Weblogs als Möglichkeit zur BĂŒrgerbeteiligung in Kommunen“, heißt der Titel der Schrift.

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BĂŒrgerbeteiligung war einer der Schwerpunkte der Diplomarbeit des Hauptamtleiters Julien Christof. Im Alltag ist davon noch nichts angekommen. Klicken Sie fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung. Quelle: Diplomarbeit Julien Christof 07/08, FH Kehl

E-Government als positives Instrument.

Auf 125 Seiten fĂŒhrt Herr Christof in die Thematik „E-Government“ ein: „Unter Electronic Government verstehen wir die Abwicklung geschĂ€ftlicher Prozesse im Zusammenhang mit Regieren und Verwalten (Government) mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken ĂŒber elektronische Medien.“

Der Arbeit ist anzumerken, dass Herr Christof ĂŒberzeugt davon ist, dass Weblogs ein sehr positives Instrument sein können, um mehr BĂŒrgernĂ€he herzustellen und die Verwaltungen zu entlasten.

USA: blogs lÀngst etabliert.

Herr Christof zitiert Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen StĂ€dte- und Gemeindebunds, als „einen der Vorreiter der kommunalen Modernisierung“: „In den USA sind Blogs im Konzert aller Medien lĂ€ngst als ernst zu nehmende Stimmen in der politischen Kommunikation etabliert.“

Herr Christof schreibt weiter: „(…) bedeutet dies, dass Kommunen die empirisch belegte SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der junge Menschen und auch immer mehr Erwachsene mit dem Internet umgehen, erkennen und auf dem Weg der vielfĂ€ltigen ModernisierungsbemĂŒhungen der öffentlichen Verwaltung in ihre ÃƓberlegungen miteinbeziehen mĂŒssen. Die Vorteile wĂ€ren dabei mehr Möglichkeiten zum Dialog zwischen Verwaltung und BĂŒrgern und damit eine bessere Akzeptanz von Entscheidungen.“

Die Verbesserung der „Akzeptanz von Entscheidungen“, die Worte Transparenz, BĂŒrgerbeteiligung, LegitimitĂ€t und Konsenz kommen hĂ€ufig vor in der Arbeit des Herrn Christof.

Vorteile des Internets.

Und Herr Christof beschreibt kenntnisreich die Vorteile des Internets: „Vorteile der elektronischen Kommunikation sind neben Form und Richtung ihre Speicherfunktion, ihre geringen Zugangskosten und ihre große Reichweite. Durch die Digitalisierung ist eine sehr große FlexibilitĂ€t bei der Umwandlung und Weiterverwendung von Daten gegeben.“

Zum Ende seiner Arbeit schreibt Herr Christof: „Dieser Trend hin zur Verlagerung der Kommunikation auf die Basis des Internets wird sich fortsetzen, ein Teil der Kommunen hat ihn bereits erkannt. Man darf gespannt sein, wie viele Kommunen in den nĂ€chsten Jahren neue Schritte auf dem Weg der E-Partizipation wagen und im Web 2.0 ankommen werden.“

Möglichkeit zum Dialog? Nicht fĂŒr BĂŒrgermeister Kessler.

Ob Herr Christof zu diesem Zeitpunkt, als er den letzten Satz seiner Diplomarbeit schrieb, bereits wusste, dass er bei der Gemeinde Heddesheim anfangen wĂŒrde, ist der Redaktion nicht bekannt.

Klar ist nur, dass das Wissen des Hauptamtsleiters Julien Christof in Sachen Internet brach liegt und BĂŒrgermeister Michael Kessler nicht gewillt zu sein scheint, diesen Schatz heben zu wollen. Dabei wird kolportiert, dass Herr Christof neben seinen sehr guten Examensnoten auch wegen dieses Fachwissens als geeigneter neuer Hauptamtsleiter ausgewĂ€hlt worden sei.

Vielleicht hat der BĂŒrgermeister Michael Kessler aber irgendwann die Arbeit gelesen und ist zu der Erkenntnis gekommen, dass „die Möglichkeit zum Dialog“ eigentlich nicht sein Ding ist.