Montag, 25. September 2017

Immer mehr Menschen nutzen die klassischen Medien online

79 Prozent der Deutschen ├╝ber 14 Jahre online

Frankfurt am Main/Rhein-Neckar, 10. September 2014. (red/ld) Je mobiler internetf├Ąhige Ger├Ąte werden, desto h├Ąufiger sind die Menschen online. Rund 79 Prozent der B├╝rger/innen ├╝ber 14 Jahre in Deutschland greifen mittlerweile im Internet auf Daten zu oder kommunizieren dar├╝ber miteinander – sei es mit dem fest installierten PCs zuhause oder handlichen Smartphones unterwegs. Dabei wird das Internet vor allem f├╝r Dinge genutzt, die man fr├╝her offline erledigt hat. [Weiterlesen…]

Mediennutzung und Medienkompetenz bei Jugendlichen

Internet ist Leitmedium bei Jugendlichen

Stuttgart/Rhein-Neckar, 20. Juni 2014. (red/ld) Kommunikations- und Unterhaltungsmedium, Informationsquelle oder Statussymbol: Das Internet ist f├╝r Jugendliche das Medium Nummer eins und liegt damit noch vor dem Fernsehen und dem Radio. Weniger nutzen dagegen Printmedien wie Zeitung oder B├╝cher. Das ist das Ergebnis einer Studie des medienp├Ądagogischen Forschungsverbunds S├╝dwest. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: Die Bundespr├Ąsidenten und die Meinungsfrage

Die Medien, die Macht und die Moral

Joachim Gauck soll der 11. Bundespr├Ąsident werden. Es gibt Kritik an ihm, aber auch Hoffnung. Jeder entscheidet sich selbst ├╝ber seine Meinung aufgrund von Informationen. Bild: J. Patrick Fischer. BY-SA CC 3.0 Wikipedia

 

Rhein-Neckar, 23. Februar 2012. (red) Neben der Debatte um Wulff und Gauck wird auch eine ├╝ber die Rolle der Medien gef├╝hrt. Wie viel Macht haben sie? Wie viel Moral? Was d├╝rfen Medien, was nicht? Diese Fragen und das Suchen von Antworten begleiten die Debatte um „den“ Bundespr├Ąsidenten und das ist gut so. Medien sollen kontrollieren und meinungsf├Ârdernd sein – aber sie m├╝ssen auch kontrolliert werden: Man darf sich durch sie eine Meinung bilden und eine Meinung zu ihnen haben.

Von Hardy Prothmann

Was rauschte der Bl├Ątterwalt, was wurde nicht alles gepostet – zu Wulff und Gauck? Zum zur├╝ckgetretenen 10. und zum designierten 11. Bundespr├Ąsidenten.

Und parallel zum unw├╝rdigen Verhalten des Vorteilspr├Ąsidenten Wulff wurde das Verhalten der Medien diskutiert. Gut oder schlecht? M├Ąchtig oder ├╝bersch├Ątzt?

Und mit der Entscheidung f├╝r Gauck kam der angebliche „shitstorm“ in den sozialen Netzwerken, falsche oder verf├Ąlschte Quellen und Zitate bei elektronischen Medien. Behaupten vor allem „traditionelle“ Medien.

Kritik vs. Kritik

Kritik folgte auf Kritik. Aber nicht vorurteilsfrei, sondern verurteilungsfreudig. Meinungsmache vs. „Meinung haben“. Standpunkt vs. Polemik – je nachdem, aus welcher Perspektive man die Debatten ├╝ber den zur├╝ckgetretenen und vermutlich k├╝nftigen Bundespr├Ąsidenten eben hat, haben kann, haben will.

Hardy Prothmann, verantwortlich f├╝r dieses Blog, tritt f├╝r subjektiv-objektiven Journalismus ein: Seine Meinung auf Basis von Fakten finden und ├Ąu├čern.

Diese Debatten sind sehr erstaunlich: W├Ąhrend viele B├╝rger die Macht der Meinungsmacher, also der (traditionellen) Medien thematisieren, thematisieren (traditionelle) Medien die ├äu├čerungen von B├╝rgerinnen und B├╝rgern als unzul├Ąssig, unprofessionell und als „shitstorm“.

Und „schuld“ daran ist dieses Internet: Ein Medium ohne zentrale Struktur, ohne Redaktionsschluss, ohne Redaktionslinie, ohne Seilschaften, ohne Parteibuch, ohne jede Abh├Ąngigkeit, bis auf die, ob man einen Online-Zugang hat oder nicht.

Informationsfreiheit

Ohne auf Einzelheiten zu Wulff oder Gauck eingehen zu wollen: Jeder hat die M├Âglichkeit, sich ungehindert ├╝ber das Internet zu informieren und zu kommentieren. Jeder hat die M├Âglichkeit, eine Information, die er hier findet, mit anderen Informationen zu vergleichen.

Und zwar auch unabh├Ąngig von ├ľffnungszeiten von Kiosken, Zustellzeiten von Zeitungen, Sendungszeiten von H├Ârfunk oder Fernsehen.

Das Internet erm├Âglicht allen B├╝rgerinnen und B├╝rgern, sich ungehinderter denn je ihre Meinungen zu bilden und ebenso ungehinderter denn je, ihre Meinungen zu ├Ąu├čern. Nicht nur zu ├Ąu├čern, sondern sogar zu verbreiten.

Irritationen

Das irritiert die „Torw├Ąchter“ (Gatekeeper), die traditionelle Medien lange waren. Die Politiker, die mit traditionellen Medien lange gemeinsame Sache gemacht haben wie auch alle anderen, die „die Medien“ als das genutzt haben, was „die Medien“ aus sich selbst gemacht haben – eine Meinungsverkaufstheke.

Bei den konservativen Medien gabs Schwarzbrot, bei den linken Medien Habssattbrot und bei der Bild gibts seit jeher Brot und Spiele.

Kein anderes Medium beherrscht den Kosmos von Blut und Sperma, Moral und Emp├Ârung, Star und gefallener Engel, Teufel und Hoffnungstr├Ąger so gut, wie das Springerblatt.

Tiere – Titten – Tote

Die einfache Formel TTT – Tiere, Titten, Tote – zieht seit Jahrzehnten.

Mit der Bild nach oben und dann ab in den Keller: Das Ehepaar Wulff. Bild: Franz Richter, BY-SA CC 3.0, Wikipedia

Die Bild-Zeitung ist ein Drecksblatt, skrupellos und habgierig. Es bem├Ąchtigt sich allem und jedem, womit man Aufmerksamkeit erzielen und diese verkaufen kann.

Und jeder, der sich auf die Bild einl├Ąsst, muss wissen, dass man mit ihr „nach oben f├Ąhrt, aber auch nach unten“ (Anm. d. Red.: Es gibt einen „Pater noster“ im Axel-Springer-Hochhaus“, der unaufh├Ârlich nach oben und nach unten wandert.)

Aber die Bild-Zeitung ist das professionellste Blatt in ganz Europa. Sie besch├Ąftigt sich mit Schmutz und wenn keiner da ist, dann erfindet sie welchen. Die Rechtsabteilung ist gro├č, Schadensersatz ins Produkt „Bild“ mit einkalkuliert.

Leidmedium Bild

Und die meisten anderen Medien folgen der Bild – die wird im Kanzleramt wie auf der Schicht wie in den Redaktionen zuallerst gelesen.

Hat sie deshalb Macht? Missbraucht sie diese? Sind alle Personen, die in Bild auftauchen nur Opfer?

Keineswegs und ganz klar ja.

Der Skandalbundespr├Ąsident Christan Wulff wurde von der Bild nicht gezwungen, sich von einem befreundeten Unternehmer einen Kredit geben zu lassen. Auch nicht, von anderen Unternehmern Vorteile zu erlangen.

Er wurde nicht Home-Stories gezwungen, zu Urlaubsstories und was sonst noch privat alles so interessant am Gl├╝ck der Wulffs war.

S├╝ndenf├Ąlle

Die Bild zwingt niemanden ins Bett mit Sekret├Ąrinnen und Geliebten. Sie veranstaltet keine Drogen- und/oder Prostituiertenparties, sie stiftet nicht zur Steuerflucht an, sie ist nicht verantwortlich f├╝r Gammelfleisch, einen „Wir sind Papst“, f├╝r Korruption und Vorteilsnahme und schon gar nicht f├╝r Mord und Totschlag, der immer gerne genommen wird.

Und die Bild hat die Staatsanwaltschaft Hannover nicht gezwungen, um Aufhebung der Immunit├Ąt von Wulff zu bitten, um zu Verdachtsmomenten ermitteln zu k├Ânnen.

Die „Macht der Medien“ basiert auf Artikel 5 Grundgesetz:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu ├Ąu├čern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug├Ąnglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gew├Ąhrleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der pers├Ânlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Die Bild nutzt dieses B├╝rgerrecht gnadenlos aus. Das muss man ihr genauso vorwerfen, wie jedem, der nur „Schei├če“ loswerden will bei einem Shitstorm im Internet.

Haltung

Jede journalistische Redaktion muss pr├╝fen, welche Linie sie vertreten will, was wichtig und was nicht wichtig ist. Worauf man Wert legt und worauf nicht. Das ist eine Stilfrage – aber auch eine, die ├╝ber Aufmerksamkeit entscheidet.

Wird Jochim Gauck ein "guter" Bundespr├Ąsident werden? Dar├╝ber darf und sollte man sich seine eigene Meinung bilden. Bild: J. Patrick Fischer. BY-SA CC 3.0 Wikipedia

Die Nutzer dieses Produkts „Meinungsbildung“, haben das Recht und die Pflicht, sich ebenso verantwortlich zu verhalten. Dreck als Dreck zu identifizieren und ihre Macht durch ihre Aufmerksamkeit und was sie daf├╝r „bezahlen“ auszuspielen.

Christian Wulff hat durch sein Verhalten das Amt des Bundespr├Ąsidenten besch├Ądigt – diese Meinung teilen viele, aber nicht alle.

Joachim Gauck wird kein einfacher Bundespr├Ąsident werden und ob er geeignet ist, wird die Zukunft zeigen.

Der „shitstorm“ ist gut, denn Herr Gauck wird ├╝ber- und gepr├╝ft. Das ist ein gro├čer Vorteil, denn alles, was er vor der Amts├╝bernahme gesagt hat, kann er nun selbst pr├╝fen, sich eine neue Meinung bilden und dann als Bundespr├Ąsident daf├╝r einstehen, was er im Amt tut oder sagt.

Meinungsfreiheit

Dar├╝ber urteilen werden alle die, die interessieren und sich interessieren – mit der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit.

Die Menschen, die Medien und die Moral der daraus resultierenden Gesellschaft.

Faktencheck: RNF zeigte nicht nur einmal Leichenbilder als „Rohmaterial“


Mannheim/Rhein-Neckar, 12. September 2011. (red) Am Freitag haben wir das Rhein-Neckar-Fernsehen kritisiert, weil der├é┬áRegionalsender unbearbeitete Aufnahmen von einer Leichenbergung nach einem Unfall auf der A5 im Online-Portal rnf.de ver├Âffentlicht hat. RNF-Projektleiter Ralph K├╝hnl hat sich umfassend durch Kommentare dazu ge├Ąu├čert und behauptet, es handle sich um einen Fehler. Unsere Recherche zeigt, dass es wohl kein Fehler war. Die Ver├Âffentlichung wurde sogar angek├╝ndigt. Und es ist kein Einzelfall.

Von Hardy Prothmann

Am Donnerstag hat der Regionalsender Rhein-Neckar-Fernsehen „Rohmaterial“ von fast 12 Minuten L├Ąnge im Internet ver├Âffentlicht. Also die Bilder, die ein Kameramann vor Ort nach einem Unfall auf der A5 aufgenommen hat.

In einer Szene, die fast zwei Minuten dauert, sieht man, wie die Bestatter die Leiche eines Unfallopfers in einen Sarg hieven. Der nachrichtliche Aussagegehalt ist gleich Null – kein seri├Âser Sender w├╝rde eine solche Szene in dieser L├Ąnge ausstrahlen, wenn ├╝berhaupt nur ein „Schnittbild“ von ein paar Sekunden L├Ąnge.

Wir haben daraufhin einen kritischen Kommentar geschrieben und diesen Vorgang als eine Art Trash-TV bezeichnet – weil es gegen jeden journalistischen Standard verst├Â├čt, unbearbeitetes Material, egal, ob Ton, Text oder (Bewegt-)Bild zu ver├Âffentlichen.

Erhebliche Zweifel an der Glaubw├╝rdigkeit der Darstellung

F├╝r den Sender hat Projektleiter Ralph K├╝hnl den Vorgang umfangreich kommentiert (siehe Kommentare hier am Ende des Artikels) und hat uns wiederum vorgeworfen, wir h├Ątten unzureichend journalistisch gearbeitet – eine einfache R├╝ckfrage h├Ątte die Vermutung entkr├Ąftet, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen das „rohe“ Material absichtlich ins Netz gestellt h├Ątte. Es liege ein Fehler vor. Ein nicht-redaktioneller Mitarbeiter habe eine „Nummer“ vertauscht, dadurch sei das Material ohne Absicht ver├Âffentlicht worden und zudem nur f├╝r rund 2,5 Stunden sichtbar gewesen.

Wir haben erhebliche Zweifel an dieser Darstellung, denn die von uns recherchierten Fakten ergeben ein anderes Bild.

Rekonstruktion des Ablaufs:

Wir schildern den Ablauf, soweit wir diesen rekonstruieren k├Ânnen:

Am 08. September kommt es gegen 05:00 Uhr auf der A5 zu einem Unfall (siehe Bericht auf unserem Rheinneckarblog.de). Irgendwann sp├Ąter treffen Reporter ein. Auch das RNF ist vor Ort und macht Aufnahmen. Der Kameramann kehrt in den Sender nach Mannheim zur├╝ck und ├╝berspielt die Aufnahmen von der Kamera ins Redaktionssystem.

Am 08. September 2011 „sendet“ RNF eine erste Meldung auf Facebook:

Erste Hinweis auf das "Rohmaterial" auf der Facebook-Seite vom RNF.

Ein knappe Stunde sp├Ąter schreibt Ralph K├╝hnl selbst, erkennbar am K├╝rzel ^rk, einen Beitrag, mit dem Hinweis:

„Die Fakten vom Unfall├é┬á auf der A5 haben wir bereits auf rnf.de gestellt.“

"Fakten zum Unfall"?

Die „Fakten“ zum Unfall also. Was meint er damit wohl? Hat er nichts von den „ersten Bildern bei rnf.de“ gewusst? Soll man ihm das glauben?

Hatte die Redaktion keine Kenntnis von dem Rohmaterial?

Um 12:46 Uhr schreibt Andreas Etzold, wie K├╝hnl „Projektleiter“ und zudem Jugendschutzbeauftragter (sic!) einen Hinweis auf den „Sendebeitrag“, der in der Abendsendung ausgestrahlt werden soll. Hat auch er ├╝bersehen, dass das Rohmaterial online auch f├╝r Kinder und Jugendliche (es ist Ferienzeit) einsehbar ist?

Ralph K├╝hnel kommentiert sp├Ąter unseren Bericht, am 10. September 2011 um 00:30 Uhr:

„Das Material, das im obigen Artikel beschrieben ist, stand am Donnerstag Morgen f├╝r ca. zweieinhalb Stunden auf der Startseite von rnf.de. Das h├Ątte nicht passieren d├╝rfen.“

Diese Information konnten wir nicht ├╝berpr├╝fen. Denn wir erfahren erst am Abend des 08. September 2011 durch einen Hinweis vom „Rohmaterial“, klicken auf den Link und sehen uns das Material an.

Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache: Redaktionell unbearbeitetes Material wird uns gezeigt – wir sehen die Leichenszenen, pr├╝fen die Erreichbarkeit und gehen von der Homepage auf das Videoportal bei rnf.de und k├Ânnen den Beitrag dort aufrufen. Wir leeren den Cache unseres Computer und machen den Versuch an einem zweiten Computer – tats├Ąchlich l├Ąsst sich der Beitrag hier wie dort abrufen.

Stellt sich eine Recherchefrage wie Herr K├╝hnl das einfordert? Und ob wir gegen 21:00 Uhr abends noch jemandem im Sender erreicht h├Ątten, wissen wir nicht. Wir meinen nicht, dass eine „Recherche“ notwendig ist – der Vorgang ist eindeutig, wir stellen diesen dar und ordnen ihn als das ein, was er ist, skandal├Âs. Am 9. September 2011, um 00:21 Uhr geht unser Text online.

Unser Artikel zu den „Leichenbildern“ bei RNF findet immer mehr Interesse

Am folgenden Tag wird unser Beitrag von Bildblog.de verlinkt – die Zugriffe steigen rasant an. Bundesweit lesen medieninteressierte Menschen unseren Artikel. Am Vormittag ist das „Rohmaterial“ immer noch bei rnf.de zu finden, auch am Nachmittag. Wir wundern uns ├╝ber die Kaltbl├╝tigkeit des Senders. Sp├Ąter best├Ątigen uns Leserinnen und Leser, dass der Film auch noch am fr├╝hen Freitagabend an diesem 09. September zu sehen war, ein Leser sah ihn auf seinem Handy.

Am 10. September, um 12:02 Uhr kommentiert Herr K├╝hnl: „H├Ątten wir, wie uns in dem Hauptartikel vorgeworfen wird, mit dem langen Video einen Effekt erzielen wollen, dann h├Ątten wir es entsprechend promoted und es nicht im Video-Portal versteckt. Dann h├Ątten wir vielleicht in Hauptsendung „RNF Life“ in der Moderation gesagt: „Wenn Sie mehr spektakul├Ąre Bilder von dem Unfall bei Heppenheim sehen wollen, dann klicken Sie jetzt ins Video-Portal auf rnf.de. Dort haben wir den gesamten Rohschnitt f├╝r Sie hinterlegt.“ Das haben wir aber nicht.“

RNF weist Sensationslust zur├╝ck

Anscheinend wei├č Herr K├╝hnl nicht mehr, was er selbst noch vor Fertigstellung des „Sendebeitrags“ in Facebook gepostet hat: „Die Fakten zum Unfall haben wir bereits auf rnf.de gestellt. ^rk“

Herr K├╝hnl erkl├Ąrt weiter irgendwas von „im Cache-Speicher“ und anderes Zeugs. Tatsache ist, dass wir und alle unsere Kontakte den Film nicht bei youtube oder ├╝ber Google gesehen haben, sondern direkt ├╝ber die rnf.de-Seite.

Es entwickelt sich eine lange Debatte mit vielen Kommentaren zu unserem Artikel.

Behauptungen werden aufgestellt

Darin behauptet Ralph K├╝hnl erst einen technischen Fehler, dann soll ein „nicht-redaktioneller Mitarbeiter“ im ├â┼ôbereifer das „Rohmaterial“ online gestellt haben. Sehr schnell versucht sich Herr K├╝hnl darin, unsere Arbeit zu kritisieren, um vom eigentlichen Thema, dem skandal├Âsen Zur-Schau-Stellung eines Unfalltoten abzulenken.

Auch auf direkten Weg nimmt er Kontakt zu uns auf und teilt uns mit, dass ein Mitarbeiter den Fehler gemacht hat. Die sehr lange email, in der es auch um andere Dinge geht, sollen wir aber „vertraulich“ behandeln.

Wir sichern keine Vertraulichkeit zu, beantworten die email und damit war der Fall f├╝r uns erledigt.

Am folgenden Tag, den 11. September 2011, erhebt Herr K├╝hnl wieder massive Vorw├╝rfe gegen unsere Arbeit. Wir antworten entsprechend.

Rohes Material: Beitr├Ąge mit „(no comment)“ sind Originalaufnahmen

Dann surfen wir nochmals auf der Seite von rnf.de, um eine Information zu ├╝berpr├╝fen.

Wir trauen unseren Augen nicht. Im Videoportal von rnf.de stehen zwei weitere Beitr├Ąge direkt untereinander, wieder ist einer mit „(no comment)“ gekennzeichnet. Der erste Beitrag ist ein Sendebeitrag vom 07. September 2011, wenn auch durch Amateurvideoaufnahmen von schlechter Qualit├Ąt.

F├╝r jeden Geschmack etwas: Sendebeitrag und "Rohmaterial" stehen untereinander.

Der zweite Film zeigt wiederum in der L├Ąnge von 01:34 Minuten nichts anderes als Bestatter, die in ein Haus gehen, mit der Leiche wieder herauskommen, diese verfrachten und davonfahren. Man h├Ârt vermutlich den Kameramann, der vermutlich telefoniert, als die Leiche aus dem Haus getragen wird: „Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

„Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

Angeblich dient dieses „Rohmaterial“ als Angebot an andere Sender, die dem Rhein-Neckar-Fernsehen die Bilder abkaufen k├Ânnen. Tats├Ąchlich verwendet das RNF im Beitrag zu dem t├Âdlichen Schusswechsel im Mannheimer Stadtteil Neckarau selbst gerade mal zehn Sekunden. Und auch diese wohl entweder in Ermangelung anderen Bildmaterials oder eben in vollem Bewusstsein, so etwas der ├ľffentlichkeit zeigen zu wollen. Beides ist journalistisch eine Bankrotterkl├Ąrung.

(Siehe unseren Beitrag dazu hier.)

Klicken Sie auf das Bild, um den Film zu sehen.

Angeblich kann man dieses „Rohmaterial“ nicht sehen – vermutlich, folgt man Herrn K├╝hnl, hat der „nicht-redaktionelle Mitarbeiter“ auch hier eine „Zahl verwechselt“. Eventuell hat sich auch dieser Beitrag in irgendeinem „Cache“ (Zwischenspeicher) verfangen und ist nun in den unendlichen Untiefen des Internet noch erreichbar. Ob Herrn K├╝hnl wohl noch eine andere Erkl├Ąrung einf├Ąllt?

F├╝r unseren Geschmack ist das ein wenig viel „angeblich, vermutlich, eventuell“.

„Das versendet sich.“ – Aber nicht mehr in Zeiten des Internet

Fr├╝her, also vor dem Internet, sagten TV- und Radio-Journalisten bei solchen „Fehlern“: „Das versendet sich.“ Man rechnete damit, dass nur wenige Menschen einen Beitrag speichern konnten, am n├Ąchsten Tag neue Themen das Interesse bestimmten und man somit fein raus war, weil die fehlerbehaftete Arbeit vergessen wurde.

Das Internet bietet aber gute Kontrollm├Âglichkeiten. Und die werden Herrn K├╝hnl und seinen Aussagen nun zum Verh├Ąngnis – denn durch unsere Recherche gibt es begr├╝ndete Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen.

Mal untertellt, dass der Sender diese Beitr├Ąge nicht absichtlich ver├Âffentlicht, dann ist es ein Schlamperladen, dem zu viele Fehler passieren. Tats├Ąchlich muss man davon ausgehen, dass es absichtlich „passiert“ – wieso sonst w├╝rden die Redakteure „Bilder und Fakten“ anpreisen, bevor der Sendebeitrag fertig ist?

Wir werden den Sender wiederum nicht dazu befragen – wir sparen uns die M├╝he, denn wir gehen davon aus, dass wir keine vertrauensw├╝rdigen Antworten erhalten.

Die Verwendung der Leichenbilder im Beitrag ├╝ber die Schie├čerei in Neckarau zeigt, dass der Sender selbst keine Skrupel hat, solches „Material“ zu verwenden und auch im Fernsehen in ungeb├╝hrlicher L├Ąnge ├╝ber die absolut notwendige „Dokumentation“ hinaus zu zeigen. Einen Nachrichtenwert haben solche Bilder nicht. In der l├Ąnge auch keinen dokumentarischen. Sie dienen einzig und allein dazu, die Sensationsgier zu stillen.

Bedauerlich ist, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen vermutlich davon ausgeht, dass dessen Zuschauerinnen und Zuschauer solche Bilder sehen wollen.

Was das Rhein-Neckar-Fernsehen vom eigenen Publikum denkt – dar├╝ber kann sich jeder selbst seine Meinung bilden.

 

Das Rhein-Neckar-Fernsehen zeigt ungeschnittene Opferbilder und diskreditiert sich damit zum Trash-TV


Fast zwei Minuten lang zeigt das Rhein-Neckar-Fernsehen, wie Bestatter einen Sarg bereitstellen, die Leiche des Opfers hineinwuchten, den Sarg schlie├čen und Rausstehendes reinstopfen. Muss das sein? Quelle: RNF

Mannheim/Heppenheim/Rhein-Neckar, 09. September 2011. (red) Ein schwerer Unfall auf der A5 bei Heppenheim fordert ein Todesopfer. Medien berichten. Die ├ľffentlichkeit will wissen, was passiert. Das Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF) zeigt fast zw├Âlf Minuten lang ungeschnittenes Videomaterial – darunter fast zwei Minuten die Leiche, die von Bestattern in einen Sarg gewuchtet wird. Ist das noch „Journalismus“ oder nur noch voyeuristischer Trash? Die Frage muss man nicht stellen – wer so verantwortungslos handelt, hat mit verantwortlichem Journalismus l├Ąngst nichts mehr zu tun. Noch nicht einmal der Anschein wird noch gewahrt. Man h├Ąlt ohne Sinn und Verstand drauf und hofft auf „Quote“.

Erg├Ąnzung:

Der RNF-Mitarbeiter Ralph K├╝hnl hat gegen├╝ber unserer Redaktion den Vorgang folgenderma├čen erkl├Ąrt: „Mit dem Einstellen des Rohschnitts ins Netz ist einem nicht-redaktionellen Mitarbeiter der Gaul durchgegangen. Dar├╝ber gab es hier im Sender bereits gestern Diskussionen, die sicherlich dazu f├╝hren, dass ein solcher Fall nicht mehr eintritt.“ Weiter hat Herr K├╝hnl erkl├Ąrt, man habe nach Kenntnis des Fehlers das „Rohmaterial“ um einen ausf├╝hrlichen Text erg├Ąnzt und damit best├Ątigt, dass die Redaktion auch nach Kenntnis der Ver├Âffentlichung das Rohmaterial nicht sofort gel├Âscht hat. Es bleibt jedem selbst ├╝berlassen, welche Meinung man sich aus diesen Informationen bilden mag.
Der Sender hat mittlerweile (wie von uns vorgeschlagen, siehe Kommentar 10. September 2011 um 16:56 Uhr) eine Entschuldigung unter dem Sendebeitrag ver├Âffentlicht.
In den Kommentaren finden Sie weitere Informationen.

Von Hardy Prothmann

Als ich die Bilder vom Unfall auf der A5 vom Donnerstag auf dem Internet-Portal von RNF sehe, bin ich fassungslos. Nicht dar├╝ber, dass ich eine Leiche sehe. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich viel Leid sehe, Zerst├Ârung und auch den Tod sehen muss. Hinschauen muss. Auch Polizisten, ├âÔÇ×rzte, Sanit├Ąter, Feuerwehrleute, Gutachter sind damit leider immer wieder konfrontiert.

Aber wir arbeiten professionell, jeder tut, was er tun muss. Und als Journalist berichtet man f├╝r die ├ľffentlichkeit dar├╝ber, was passiert ist. Aber als verantwortlicher Journalist achtet man darauf, zwischen dem ├Âffentlichen und dem privaten Interesse zu unterscheiden.

Es ist absolut zul├Ąssig, in Bild, Ton oder Schrift ├╝ber Opfer zu berichten. Es ist aber geboten, dies im Zweifel mit dem geb├╝hrenden Abstand zu tun. Auch wir haben ├╝ber den Unfall auf der A5 berichtet, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist. Auch auf unseren Bildern sieht man, dass eine Leiche am Boden liegt und von einem Tuch abgedeckt wird. Unser Bilder sind aus der Distanz aufgenommen und dokumentieren den tragischen Unfall, das „Ereignis“.

Die Bewegtbilder, die beim RNF zu sehen sind, zeigen, wie Bestatter einen Sarg herbeitragen und das Opfer versuchen, ihn dahin zu hieven. Das klappt nicht beim ersten Mal. Der Leichnam st├Â├čt an den Sarg, die Anstrengung der Bestatter ist deutlich zu sehen. Als es endlich gelingt, die Leiche in den Sarg zu hieven, l├Ąsst sich der Deckel nicht schlie├čen. Der Leichensack wird reingestopft. Die M├Ąnner transportieren Sarg und Leiche ab.

Man k├Ânnte nun aus Sicht des RNF argumentieren: „Wir zeigen, wie es ist.“ Aber ist das ein Argument? Was ist mit der W├╝rde des Toten? Was mit den Gef├╝hlen der Familie?

„Vollkommen egal“, k├Ânnte man als Hardcore-Dokumentarfilmer sagen: „Wir zeigen, wie es ist.“

Zeigen, was man vor die Linse bekommt. Was sagt dieses Bild aus? Quelle: RNF

Aber auch die h├Ąrtesten Hardcore-Dokumentarfilmer stellen sich immer die Frage, ob das, was sie zeigen, gezeigt werden „muss“. Was ist der Erkenntnisgewinn? Was tragen die Bilder zur Aufkl├Ąrung der ├ľffentlichkeit bei? Warum sind sie wichtig? Tragen sie zur F├Ârderung der Meinungsfreiheit bei?

Die Bilder des RNF sind ersch├╝tternd. Sie zeigen, dass der Sender ├╝berhaupt keinen Wert auf journalistische Selbstkontrolle legt. Hier wird nur Voyeurismus bedient, irgendwelche redaktionell-journalistische Gedanken oder auch nur ein Rest von Anstand sind auch im Ansatz nicht zu erkennen.

Das ist Trash-TV in Reinkultur – mit der Kamera auf alles draufhalten, was die H├Ąarchen auf den Armen aufstellen l├Ąsst. Klar – RNF ist ein dr├Âger Provinzsender, der eher nicht durch guten, kritischen Journalismus auff├Ąllt. Aber mit diesem Film zeigt der Sender eine Verantwortungslosigkeit, die die zust├Ąndige Lizenzbeh├Ârde auf den Plan rufen muss.

Selbst die Spritze muss gro├č im Bild erscheinen - warum? Quelle: RNF

Auch Privatsender haben Standards der Berichterstattung zu erf├╝llen und m├╝ssen die Lizenz verlieren, wenn sie diese nicht einhalten. Ein Privatsender, der ungeschnittenes Videomaterial ├╝ber eine menschliche Trag├Âdie ├╝ber zw├Âlf Minuten L├Ąnge einfach so ins Internet stellt, ist daf├╝r ein Kandidat.

Ob Herr Bert Siegelmann die Gr├Â├če hat, sich im regul├Ąren Programm f├╝r diese Verfehlung zu entschuldigen und daf├╝r zu sorgen, dass der Sender journalistische Standards einzuhalten, darf getrost bezweifelt werden.

Muss man die Arbeit der Bestatter in voller L├Ąnge zeigen? Quelle: RNF

Einen sp├Ąter zusammen geschnittenen „Beitrag“ spricht der lispelnde Senderchef selbst ein – wieder sind Bilder zu sehen, die man nicht zeigen muss, au├čer, wenn man es „n├Âtig“ hat.

Was das RNF hier zeigt, macht mich fassungslos. Als Mensch. Als Journalist macht es mich w├╝tend, weil diese miese Form von „Journalismus (No comment)“ auch mich und andere Kollegen besch├Ądigt, die ihren Beruf mit der gebotenen Verantwortung aus├╝ben.

Mir geht es wie jedem anst├Ąndigen Menschen. F├╝r eine solche „Arbeit“ empfinde ich nur Verachtung – die einzig richtige Reaktion, weil man keine Spur von Achtung bei diesem „Bericht“ des RNF feststellen kann.

Es ist besch├Ąmend, wie das RNF im Wunsch nach Aufmerksamkeit jegliche Selbstkontrolle verliert. Tats├Ąchlich habe ich kein Mitleid mit diesen „Kollegen“ – die m├╝ssen selbst in den Spiegel schauen und man darf nur hoffen, dass sie bei dem, was sie sehen, eventuell noch eine Spur von Scham empfinden.

In eigener Sache: Reaktionen auf den Beitrag im ARD-Morgenmagazin


Hardy Prothmann ist seit 20 Jahren Journalist und hat f├╝r viele gro├če Tageszeitungen, Magazine sowie H├Ârfunk und Fernsehen von ARD und ZDF gearbeitet. Seit 2009 berichtet er wieder als Lokaljournalist in Nordbaden. Bildquelle: ARD-Morgenmagazin/SWR

Rhein-Neckar, 02. August 2011. (red) Heute hat das ARD-Morgenmagazin einen Beitrag ausgestrahlt, in dem Hardy Prothmann als verantwortlicher Redakteur f├╝r heddesheimblog.de im Interview zu sehen war. Im Bericht geht es um den Tarifstreit zwischen Gewerkschaften und Verlegern. Gestern wurde in Lampertheim demonstriert. Ein ARD-Team hat uns dazu befragt. Herzlichen Dank f├╝r die (trotz Ferien) bundesweiten Reaktionen per email, Chat oder Telefon. Wir fassen unsere Antworten zusammen.

Beitrag aus dem ARD-Morgenmagazin vom 02. August 2011, nachzuschauen bei tagesschau.de

Warum seid Ihr so kritisch mit der Zeitung?

Weil die Berichterstattung oft ungen├╝gend ist. Die meisten Mitarbeiter haben fr├╝her selbst f├╝r Zeitungen gearbeitet – es tut weh, wenn man sieht, wie das Produkt verkommt. Statt zu lamentieren, haben wir uns entschlossen, selbst eine Redaktion aufzubauen. Und wir stellen uns jeder inhaltlichen Kritik – was man von den Zeitungen leider nicht erwarten kann.

Bedroht das Internet „die Zeitung“?

Nein. Journalistische Angebote im Internet zeigen nur, dass es „Alternativen“ zur Zeitung gibt. „Alternative“ hat dabei nichts mit „gr├╝n“, „links“, „Apo“ oder dergleichen zu tun. Journalistische Internetseiten bewegen sich wie die Zeitungen, das Radio, das Fernsehen auf dem Markt der Aufmerksamkeit ├╝ber angebotene Informationen.

Die Zeitungen m├╝ssen sich wie andere Medien vergleichen lassen. Der Vergleich f├Ąllt leider immer h├Ąufiger nicht gut aus. Teure Abos bei gleichzeitig mangelhaftem Inhalt sind vermutlich kein „Zukunftsmodell“. Deswegen werden alle Lokalzeitungen, die nicht an der Qualit├Ąt arbeiten, mittel- bis langfristig gro├če Probleme bekommen. Zeitungen mit guter Qualit├Ąt haben auch eine Zukunft.

K├Ânnen Blogs eine Zeitung ersetzen?

Warum nicht? Es geht um zutreffende Informationen, kritische Berichterstattung, einordnende Kommentierung, „Enth├╝llungen“, Unterhaltung. All das k├Ânnen Blogs oder „Internet-Zeitungen“ bieten. Aktueller und umfangreicher als eine aufs Medium Papier begrenzte Zeitung.

Wir empfehlen gerne auch sehr gute Angebote, beispielsweise das DeutschlandRadio, Arte oder 3Sat, um elektronische Medien zu nennen. Das sind ganz hervorragende Angebote. Das Problem: Es sind keine „Lokalmedien“. Wenn man wissen will, was um einen herum „los“ ist, dann braucht man sehr gute Lokalmedien. Zeitungen hatten bis vor kurzem hier ein Monopol – das br├Âkelt zunehmend.

Die meisten neuen journalistischen Internetportale sind noch sehr „jung“ – leisten aber wie das heddesheimblog.de enorm viel f├╝r die Leserinnen und Leser und decken teils schon mehr Themen ab, als in der Zeitung stehen. Da es so gut wie keine „Verfilzung“ gibt und keine m├╝den Monopolstrukturen sind die Angebote meist frischer und meinungsfreudiger. Sie bedienen sich zudem einer Technik, die ├╝berall verf├╝gbar und zunehmend „selbstverst├Ąndlicher“ auch f├╝r ├Ąltere Generationen wird. Die junge Generation liest sowieso so gut wie keine Zeitung mehr.

Wie steht es um die objektive Berichterstattung?

Dazu muss man erstmal definieren, was „objektiv“ ist und ob dies erstrebenswert ist. Die Fakten m├╝ssen stimmen. Das allein reicht aber nicht, sie m├╝ssen interpretiert und eingeordnet werden. Viele Dinge kann man so oder so sehen.

Ein klassisches Beispiel: War Che Guevara ein Terrorist oder ein Freiheitsk├Ąmpfer? Ein aktuelles Beispiel: Ist Anders Breivik ein „Amokl├Ąufer“ oder ein rechtsextremer Terrorist?

Und lokal geht es um Fragen wie: „K├Ânnen oder wollen wir uns das Hallenbad noch leisten?“ „Wie viel Betreuung muss, kann, soll, will eine Gemeinde f├╝r Kinder anbieten?“ Dazu lassen sich Fakten zusammentragen, aber auch sehr viele Meinungen.

Unsere Redaktion bietet bewusst einen „subjektiven“ Journalismus an. Unsere Inhalte werden nicht von Maschinen gemacht, sondern von Menschen, die sind nunmal „Subjekte“ und keine Objekte.

Wir arbeiten mit professionellen, journalistisch-handwerklichen Methoden. Wir hinterfragen kritisch und genau und dokumentieren den gr├Â├čten Teil unserer Quellen – bis auf die, die wir wegen vermuteter Nachteile sch├╝tzen. Unsere Leserinnen und Leser k├Ânnen unsere Informationen ├╝berpr├╝fen, wir helfen sogar dabei, weil wir das f├Ârderlich f├╝r die „subjektive“ Meinungsbildung halten.

Objektiv hei├čt f├╝r uns, transparent und ehrlich zu berichten. Die Leserinnen und Leser erweitern das mit Kommentaren und Links. Artikel 5 spricht nicht von einer „objektiven“ Meinungsfreiheit, sondern von der Freiheit, sich auch ├Âffentlich zug├Ąnglichen Quellen eine Meinung bilden und diese ├Ąu├čern zu d├╝rfen. Daran wirken wir mit.

Sehen Sie eine L├Âsung f├╝r die Zeitungen?

F├╝r die allermeisten leider nicht. Das Produkt Zeitung muss mit einem exklusiven Inhalt ├╝berzeugen. Sobald das nicht mehr der Fall ist, wird die Zeitung beliebig und hat keinen Nutzen mehr. Da die Entwicklung seit gut zwei Jahrzehnten negativ ist und das Internet viele neue M├Âglichkeiten bietet, hat die Zeitung nur eine Chance – wenn sie sich auf guten Journalismus, exklusive Inhalte und Respekt vor der Leserschaft besinnt.

Nat├╝rlich m├╝ssen Zeitungen auch die Bed├╝rfnisse ihrer Werbekunden m├Âglichst gut bedienen. Da Zeitungen heute aber wie Konservenfabriken von Betriebswirten ohne journalistischen Ehrgeiz gef├╝hrt werden, ist eine L├Âsung nicht in Sicht. Der Einfluss der Werbewirtschaft auf die redaktionelle Berichterstattung besch├Ądigt zudem die Glaubw├╝rdigkeit der redaktionellen Inhalte und der werbenden Unternehmen. Ein Verst├Ąndnis dieser Wechselwirkungen ist heute leider in Zeitungsh├Ąusern kaum noch anzutreffen.

Warum argumentieren Sie f├╝r die Kollegen bei der Zeitung?

Aus Solidarit├Ąt. Das „Angebot“ der Verleger ist sittenwidrig. Die Verlagsh├Ąuser haben ├╝ber Jahre hinweg Geld gescheffelt. Renditen von ├╝ber 20 Prozent waren keine Seltenheit. Auf das neue Medium Internet wurde arrogant reagiert und deshalb hat man heute gro├če Probleme.

Bei vielen Zeitungen gibt es nach wie vor gute Leute und es gibt junge Menschen mit viel Enthusiusmus, die diesen wunderbaren Beruf ergreifen wollen. Wenn man, um sich Renditen zu erhalten, die eigenen Leute kaputt spart, ist das der falsche Weg. Zudem nehmen immer mehr ├Âkonomische Interessen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung. Am Beispiel der Fehl- oder Nichtleistungen der Stuttgarter Zeitung in Sachen Stuttgart21 kann man gut erkennen, wie wenig von der „vierten Gewalt“ ├╝brig geblieben ist. H├Ąufig sind die Zeitungen nur nur Steigb├╝gelhalter f├╝r Lobbyisten, Interessenverb├Ąnde, Werbekunden oder die jeweils herrschenden Klassen. Mit kritischer Kontrolle hat das wenig zu tun und das ist sch├Ądlich f├╝r die Demokratie.

Nicht jeder Journalist ist ein Revolution├Ąr und packt seine Sachen, wenn er nicht so berichten darf, wie er sollte. „Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing“ gilt auch f├╝r diesen Beruf. In der Verantwortungskette stehen die Verleger, Chefredakteure und Redaktionsleiter ganz vorne.

Eine Demokratie braucht aber eine kritische ├ľffentlichkeit und es ist sicher von Vorteil, wenn viele Leser an die Verlage schreiben und mehr Journalismus fordern. Verleger sind Kaufleute – und wenn die Kunden rebellieren, ├╝berlegen die sich sicher sehr genau, wie sie sich besser nicht verhalten sollten.

Warum sind Radio und Fernsehen nicht so sehr betroffen?

Sind sie. Sowohl Radio als auch Fernsehen sind bereits vom Internet umschlungen worden. In einigen Jahren werden viele Menschen ein Ger├Ąt an der Stelle haben, an der der „Fernseher“ stand. Dar├╝ber kann genauso Radio geh├Ârt werden. Das Radio kann aber ├╝ber sehr einfache Ger├Ąte ├╝berall, vor allem im Auto, als „Nebenbei-Medium“, empfangen werden. Diese Einfachheit wird das Radio als Radio ├╝berleben lassen. Das Fernsehen als Inhaltelieferant f├╝rs Internet(fernsehen) bleibt auch erhalten. Ob man Fernsehen auf einem Fernsehger├Ąt oder einem Computerbild schaut, ist mehr oder weniger dasselbe.

Die Papierzeitung hat aber ein Problem: Es ist teuer, sie herzustellen, man muss sie teuer transportieren und bis sie beim Leser ist, vergeht zu viel Zeit. Zudem ist sie im Umfang begrenzt. Man kann sie schlecht archivieren und schon gar nicht verlinken. Die Zeitung ist ein Einbahnstra├čenmedium. Das sind echte Nachteile, die zu einer deutlichen Reduzierung der Zeitungswelt in der Zukunft f├╝hren werden. Nur wirklich exklusive, sehr gute Inhalte werden das abwenden k├Ânnen.

K├Ânnen Blogs nur von Journalisten gemacht werden?

Gut gemachte Informationsportale sind irgendwann von selbst „journalistisch“. Nat├╝rlich k├Ânnen auch B├╝rger oder Interessengruppen publizistisch t├Ątig werden – es ist aber eine verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit und wenn man eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen m├Âchte, muss man am Ball bleiben. Es sind zudem sehr viele „rechtliche“ Dinge zu beachten.

Insofern sind hauptberufliche Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen, eher in der Lage, ein solches Angebot aufzubauen. Das gilt sowohl f├╝r gro├če Nachrichtenportale wie f├╝r kleine lokale Angebote. Die Qualit├Ąt muss ├╝berzeugen. Ob die von „Journalisten“ oder „Bloggern“ kommt, ist egal. In Amerika hei├čen Redakteure „editors“, in der Schweiz Redaktoren – das sind Begrifflichkeiten. Die Inhalte sind entscheidend.

Unterst├╝tzen Sie uns, wenn wir etwas ├Ąhnliches planen?

Vielen Dank f├╝r das viele Lob, das wir von vielen bekommen haben, nachdem Sie sich auf unseren Seiten umgesehen haben. Wir helfen gerne, wo wir k├Ânnen, haben nat├╝rlich aber unsere eigene Arbeit zu machen. Fragen kostet nichts ­čśë .

Weil wir aber davon ├╝berzeugt sind, dass sich Kooperationen lohnen, haben wir mit Kollegen das Netzwerk http://istlokal.de gegr├╝ndet. Der Verein wird in K├╝rze angemeldet und hat zum Ziel lokal- und regionaljournalistische Internetangebote zu f├Ârdern. Die deutschlandweit rund 50 Mitglieder und Interessenten tauschen sich schon heute zu den Themenfeldern Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht auf der Basis von Solidarit├Ąt aus. Man hilft sich gegenseitig, um das eigene Angebot und das anderer zu verbessern.

Wenn Sie also selbst ein Angebot planen oder als Initiative ein Angebot von jemandem aufbauen lassen wollen, finden Sie hier Ansprechpartner. Wir bieten auch technische, inhaltliche und organisatorische Beratung gegen Honorar an und machen Ihnen gerne ein Angebot.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Die Redaktion von heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de, viernheimblog.de, weinheimblog.de, rheinneckarblog.de

istlokal finden Sie hier:
http://istlokal.de

Berichte ├╝ber unsere Blogs finden Sie hier.

Skandal oder Service? Facebook schaltet automatische Gesichtserkennung frei


Rhein-Neckar, 09. Juni 2011 (red) Facebook geistert als Datenschutz-Problemfall mal wieder durch die Presse. Nicht ganz zu unrecht, aber wie so h├Ąufig endlos ├╝bertrieben. Was in keiner Zeitungsmeldung steht: Facebook wird von Zeitungen als Bedrohung wahrgenommen – zu recht. Das gr├Â├čte soziale Netzwerk der Welt w├Ąchst rasant, w├Ąhrend Zeitungsauflagen schrumpfen. Aktuell wird die automatische Gesichtererkennung kritisiert – Sie erfahren von uns, ob diese problematisch ist und wie Sie diese abschalten k├Ânnen.

Von Hardy Prothmann

Die S├╝ddeutsche Zeitung schreibt:
„Facebook setzt Software zum Gesichtsscan ein, um Freunde auf Fotos einfacher zu identifizieren. Das weckt viele ├âÔÇ×ngste… Gesichtserkennung: Kein Wort verst├Ârt Internetnutzer mehr, h├Ârt sich so sehr nach der Komplett├╝berwachung und Demaskierung an.“

Unbelegte Gefahren

Einen Beleg bleibt die Zeitung schuldig. Welche ├âÔÇ×ngste? Bei wem? Vor was? Warum?

Facebook-Nutzer stellen bestimmt keine Bilder in das Netzwerk ein, damit diese nicht gesehen werden. Facebook hei├čt auf deutsch „Gesichtsbuch“ – die Funktion der Gesichtserkennung ist also eher eine folgerichtige Erweiterung der Software.

Die Gesichtsmarkierung ist nicht neu

Schon in der Vergangenheit konnte man auf Fotos Personen markieren und Facebook-Namen zuweisen. Die neue Funktion erm├Âglicht nun eine „automatische“ Zuordnung.

Das kann man nun als Skandal verstehen oder einfach als Service, der in jedem guten Fotoverwaltungsprogramm enthalten ist. Ganz sicher ist es ├Ąrgerlich, dass Facebook diese Funktion einfach eingeschaltet hat ohne die Nutzer zu fragen. Man k├Ânnte sich in der autonomen Verwaltung gest├Ârt f├╝hlen oder aber auch sagen: Hey, netter Service.

Ganz so „unerwartet“ macht Facebook das aber nicht. Die neue Funktion wurde bereits im Dezember 2010 angek├╝ndigt. Und ganz so automatisch ist der Ablauf auch nicht – die Sofware „scant“ die Bilder. Findet sie Gesichter, die auf anderen Bildern schon mit einem Namen versehen worden sind, macht Facebook einen Vorschlag, eine Markierung vorzunehmen.

Achten Sie auf Ihre Informationen

Und hier sollten grunds├Ątzliche ├â┼ôberlegungen anfangen, ob die Nutzer das wollen oder nicht. Insbesondere bei Kindern sollten die Eltern darauf achten, dass diese nicht „zu viele“ Informationen preisgeben oder „problematische Bilder“ einstellen.

Erwachsene selbst sind gut beraten, dass sie nur ver├Âffentlichen, was sie auch vertreten k├Ânnen. Privatpersonen sind gut beraten, wenn sie Kontaktdaten nicht zug├Ąnglich machen – auch nicht Freunden. Die haben in aller Regel email, Adresse und Telefonnummer. Wenn nicht, k├Ânnen diese Daten per email schnell nachgefragt werden. Dann wei├č man aber, wer sich daf├╝r interessiert und stellt sie nicht einfach so „├Âffentlich“.

Klick-klick-klich: Abgeschaltet

Wer die Funktion abschalten will gelangt ├╝ber „Konto-Privatsph├Ąren-Einstellungen“ zum Men├╝ und w├Ąhlt hier (etwa in der Mitte des Bildschirms) „Benutzerdefinierte Einstellungen“. Im weiten Teil des Folgemen├╝s sehen Sie „Dinge, die andere Personen teilen“ und dort die Option „Freunden Fotos von mir vorschlagen“. W├Ąhlen Sie hier „Einstellungen“ und sperren Sie die Funktion.

Mit ein paar Klicks ist die Gesichtererkennung gesperrt. Quelle: Facebook

Ansonsten sollten Sie lieber auf Termine achten, die von der Presse fotografiert werden. Denn die in der Zeitung oder im Fernsehen ver├Âffentlichten Fotos sind nicht nur f├╝r „Freunde“ sichtbar, sondern je nach Auflage und Reichweite f├╝r hunderttausende oder Millionen von Menschen.

Hier haben Sie aber keine „Sperrfunktion“ und keinerlei Kontrolle. ├â┼ôber diese Gefahren berichten die Zeitungen und Fernsehstationen aber nicht.

Stellen Sie sich vor: Sie werden mit ihrer Liebschaft fotografiert – als Teil einer Gruppe, was presserechtlich erlaubt ist, f├╝r Sie aber im Zweifel f├╝r viel ├âÔÇ×rger sorgt. Oder Sie sitzen mit dem n├Ąchten Chef von der Konkurrenz an einem Tisch, um ├╝ber einen Arbeitswechsel zu sprechen. Oder Sie sind krank gemeldet, gehen f├╝r einen „Kuchen“ auf ein Fest, ihr Chef erkennt sie und feuert sie. Das sind Gefahren, die tats├Ąchlich existieren.

Im Gegensatz zu Zeitungsberichten ├╝ber die Facebook-Gesichtererkennung haben wir damit die Fragen beantwortet: Welche ├âÔÇ×ngste? Bei wem? Vor was? Warum?

Der Teufel Facebook

Aus Sicht von Zeitungsverlagen ist die Aufmerksamkeitsmaschine Facebook des Teufels – je mehr Zeit Menschen hier verbringen und sich nicht nur unterhalten, sondern auch informieren (lassen), umso weniger brauchen sie die Zeitung. Allein aus diesem Grund m├╝ssen Facebook und andere Dienste „schlecht geredet“ werden. Sie glauben nicht, dass die Zeitungensmacher so denken? Dann suchen Sie mal in n├Ąchster Zeit Artikel, die beschreiben, was an Facebook & Co. toll und n├╝tzlich ist und warum Sie sich unbedingt mit Facebook besch├Ąftigen sollten. Sie werden solche Artikel nicht finden.

Ãœbrigens: Ich habe die Funktion abgeschaltet. Nicht aus Angst. Sondern aus Prinzip. Ich schalte prinzipiell alle Funktionen ab, die ich nicht brauche oder über die ich noch keine rechte Meinung habe. Und ich gebe nur die Informationen frei, die ich freigeben will. Im Zweifel schalte ich die Freigabe ab.

Das ist wie Autofahren – auch hier sollte man die grunds├Ątzlichen Funktionen kennen und bedienen k├Ânnen. Sonst l├Ąsst man das Auto lieber stehen.

Chaos-Berichterstattung: Verschmolzene Nachrichten

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Japan/Welt, 13. M├Ąrz 2011. (red) Die Erdbeben-Katastrophe hat zuerst Japan ersch├╝ttert und enorme Zerst├Ârungen angerichtet. Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Weitere, weltweite „Ersch├╝tterungen“ werden folgen. Politische und wirtschaftliche, eventuell auch gesundheitliche. W├Ąhrenddessen ist die Berichterstattung ├╝ber die Katastrophe ein Teil davon.

Von Hardy Prothmann

Die erste Meldung, die ich zur Erdbeben-Katastrophe in Japan wahr genommen habe, sprach von einem starken Beben und mehreren Dutzend Toten.

Ein "Retter" h├Ąlt einen Jungen", tr├Ągt ihn aus der Zone der chaotischen St├Ârung. Der Jung scheint unverletzt, die Kleidung ist sauber, er hat beide Schuhe an, gibt keinen Laut von sich. Ist das glaubhaft, wenn man die Zerst├Ârung im Hintergrund sieht? Oder ist das eine "gestellte" Aufnahme? Die ARD stellt die Frage nicht, sondern zeigt die Bilder und best├Ątigt damit deren "Echtheit". Quelle: ARD

Jede Hoffnung auf einen „glimpflichen Ausgang“ der Tr├Ągodie habe ich mittlerweile aufgegeben.

Denn ein paar Stunden sp├Ąter sind es schon hundert oder zweihundert Tote und ein „enorm schwereres“ Beben.

Einen Tag sp├Ąter ist es das „schwerste, je gemessene“ Beben, dass die japanische Insel seit Beginn der Aufzeichnungen ersch├╝ttert hat und es sind „vermutlich“ ├╝ber 1.000 Tote.

Wiederum Stunden sp├Ąter sind es „m├Âglicherweise“ mehr als 10.000 Tote – die K├╝stenstadt Minamisanriku sei „v├Âllig zerst├Ârt“.

Seit das Beben der St├Ąrke 8,8 auf der Richter-Skala am 11. M├Ąrz 2011 um 06:45 Uhr unserer Zeit das weit entfernte Japan ersch├╝ttert hat, sind noch nicht einmal zwei Tage vergangen.

Die Energie der Katastrophe wird immer unfassbarer.

Und die Nachrichten verdichten sich, schmelzen zusammen. Die Energie der Zerst├Ârung wird immer deutlicher, wenn auch immer noch unfassbar.

Das ausl├Âsende gro├če Beben ist vorbei, Nachbeben ersch├╝ttern das Land.

Und die f├╝rchterlichste Katastrophe l├Ąuft langsam, aber „sicher“ ab. In Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima I droht eine „Kernschmelze“.

Die Kettenreaktion der Nachrichtenschleife wiederholt sich.

Auch andere Reaktoren sollen „Probleme“ haben – die Nachrichtenschleife beginnt von vorne.

Erst hei├čt es, es drohe keine Gefahr. Dann, es g├Ąbe gr├Â├čere Sch├Ąden, aber alles sei aber unter Kontrolle. Dann werden Schwierigkeiten gemeldet – die sind nat├╝rlich „unvermutet“.

Alles, was nach „echten Schwierigkeiten“ klingen k├Ânnte, wir dementiert.

Alle Nachrichten sind unsicher. Dann wird best├Ątigt, dass Fukushima „m├Âglicherweise au├čer Kontrolle“ sei. Dann explodiert was. Was genau, kann niemand ganz genau sagen. Aber die Bev├Âlkerung wird zur „Ruhe“ aufgefordert.

"Kontrolleure" winken Personen durch. Ist das glaubw├╝rdig, wenn einer nach dem anderen "durchgewunken" wird? Quelle: Spiegel online

Dann wird eine Sicherheitszone von zehn Kilometern eingerichtet, sp├Ąter auf 20 Kilometer erweitert.

Dann verdichten sich die Nachrichten, dass eine Kernschmelze bevorstehe oder bereits begonnen habe.

Dann gibt es Meldungen, dass Menschen „in Sicherheit“ gebracht, also vermutlich evakuiert w├╝rden.

200.000 Menschen in Sicherheit?

Dann sind es „vermutlich“ 100.000, dann 110.000 und gegen Mitternacht meldet Spiegel Online: „Japan bringt 200.000 Menschen in Sicherheit.“

Das mag man so gerne glauben: Sicherheit f├╝r die Menschen in den betroffenen Gebieten.

├â┼ôberall laufen Videobilder: Menschen werden auf „radioktive Konterminierung“ gepr├╝ft und d├╝rfen weggehen, Helfer holen Kinder, Alte und Verletzte aus den feuchten M├╝llw├╝sten, die der Tsunami hinterlassen hat.

Auffanglager werden gezeigt und statt „Durchhalteparolen“ d├╝rfen interviewte Personen sagen, dass sie Angst haben, aber hoffen und es keinen Ausweg gibt.

Tatsache ist:

Seit um 06:45 Uhr unserer Zeit ein gigantisches Erdbeben Japan ersch├╝tterte, wird zun├Ąchst Japan von einer unglaublichen Katastrophe heimgesucht.

Das Erbeben hat enorme, noch nicht bezifferbare Sch├Ąden ausgel├Âst.

Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami mit einer unglaublich zerst├Ârerischen Energie. Aus der sichereren Hubschrauberperspektive aufgenommene Bilder belegen eine nat├╝rliche Zerst├Ârungsgewalt, die bar jeder „Ideologie“ ist, sondern nur physikalischen Gesetzen folgt. Es gibt kein „gut“ oder „schlecht“, sondern nur hohe Wellen mit einem gigantischen Druck, die alles mitrei├čen.

Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Die Infrastruktur des Landes ist besch├Ądigt. Die K├╝hlsysteme von einigen Atomkraftwerken sind angegriffen und versagen.

Die Medien transportieren lange vor der m├Âglichweise stattfindenden Kernschmelze Meldungen aus allen Richtungen, die alle nicht „sicher“ sind.

Die Hoffnung ist zu sp├╝ren – die Meldungen entwickeln sich schlecht.

Oft ist den Meldungen die Hoffnung anzumerken, dass die Katastrophe nach der Katastrophe ausbleibt.

Aber die Meldungen entwickeln sich schlecht und es wird immer klarer, dass der Tsunami die schlimmste Naturkatastrophe in der „aufgezeichneten“ Geschichte Japans ist, aber die sich ank├╝ndigende technische Katastrophe noch „schlimmer“ sein k├Ânnte.

Um das Kernkraftwerk Fukushima wird eine „Sicherheitszone“ eingerichtet, erst zehn Kilometer, dann zwanzig Kilometer.

Ob ARD, ZDF, Spiegel oder andere Nachrichten"quellen" - ├╝berall diesselben Bilder derselben Turnhalle, die als Beleg daf├╝r herhalten muss, dass hunderttausende von Menschen evakutiert werden. Quelle: Spiegel online

Angeblich werden 200.000 Menschen „in Sicherheit“ gebracht. Innerhalb von Stunden – wie das „logistisch“ in einem Land m├Âglich ist, dessen Infrastruktur empflindlich gest├Ârt wurde, berichtet kein Medium. Ebensowenig, wie man mal eben innerhalb von Stunden eine Logistik aufbaut, um 200.000 Menschen „aufzufangen“.

Die Medien berichten trotzdem weiter. Meldung um Meldung kommt in die Redaktionen, wird dort „bearbeitet“ und verl├Ąsst sie wieder – dann und dann sind die Nachrichten auf Sendung, dann und dann m├╝ssen Zeitungen gedruckt werden. Immer braucht es die „neueste“ Nachricht, die „letzte Meldung“.

Doch die Zeitverschiebung verst├Ąrkt das Chaos – Europa ist acht Stunden „hinter“ Japan. Wer sich am Nachmittag oder Abend informieren will, gekommt keine neuen Nachrichten, denn es ist dann Nacht in Japan.

Nachrichten ohne Halbwertzeit.

Und niemals sagt jemand: „Stop – nichts, von dem, was wir berichten, kann irgendjemand ├╝berpr├╝fen. Solange das nicht „gecheckt“ ist, gehe ich damit nicht auf Sendung.“ Oder: „Sie sehen hier Bilder, die wir gekauft haben. ├â┼ôber die Zuverl├Ąssigkeit k├Ânnen wir Ihnen keine Auskunft geben, weil wir nicht vor Ort waren.“

Es gibt keine Halbzeitpause und schon gar keine Halbwertzeit f├╝r Nachrichten.

Nach und nach „verdichten“ sich aber die Nachrichten und es wird immer „klarer“, dass alles, was noch Stunden zuvor gemeldet worden ist, keine G├╝ltigkeit mehr hat.

Aus Sicht der Medien, vor allem der H├Ârfunk- und Fernsehsender, ist das egal. Je mehr Dramatik, umso besser – damit kann man den „Flow“, also die Nachrichtenkette wunderbar weiterf├╝hren.

Voranschreitendes Ungl├╝ck f├╝r Tageszeitungen.

F├╝r die Tageszeitungen, vor allem die lokalen, ist ein solch dramatisch voranschreitendes Ungl├╝ck aber eine andauernd zeitversetzte Katastrophe. Was in der Zeitung als Nachricht steht, ist schon l├Ąngst „vergl├╝ht“ und stimmt aktuell nicht mehr.

Gerade die Lokalzeitungen sind „doppelt getroffen“ – einerseits von dem unglaublichen Ereignis und seiner Geschwindigkeit und andererseits, weil sie keine eigenen Leute vor Ort haben. Korrespondenten leistet sich so gut wie keine Monopolzeitung mehr.

Sie k├Ânnen nur abschreiben, was „die Agenturen“ berichten. Und das nur bis zum Druck des Blattes – jede Korrektur in den Stunden danach findet in der Lokalzeitung nicht mehr statt.

Kollektiver Gau aller „Nachrichtenredaktionen“.

Was es bedeutet, mal eben innerhalb von „Stunden“ 200.000 Menschen dauerhaft zu evakuieren, fragt keiner. Die sind „in Sicherheit gebracht“ und „schlucken Jod-Tabletten“, damit sich kein radioaktives Jog in deren Schilddr├╝se einlagert.

Die Bilder, wo diese „200.000 Menschen“ untergebracht sind, fehlen. Die Frage, wie man das mal eben so innerhalb eines Tages organisiert, auch.

├â┼ôber Gro├čveranstaltungen im Heimatland wie Rock-Konzerte wird hingegen ├╝ber Monate im voraus berichtet, ├╝ber die Herausforderungen f├╝r den Verkehr, die Polizei, die Rettungskr├Ąfte, die Veranstalter und die zu erwartende Show – und das bei funktionierender Infrastruktur.

Sehnsucht nach Halt im Chaos, w├Ąhrend die Kerne schmelzen.

Darum geht es aber gerade nicht. Es geht um die Sehnsucht, dass irgendjemand wei├č, was er tut. Es geht um einen „Halt“ im Tsunami der sich ├╝berschlagenden Nachrichten.

Im Internet und dann auch im Fernsehen werden eine „Turnhalle“ und ein „Zeltunterstand“ mit Bildern von „Kontrolleuren“ in vermeintlichen Maler-Papieranz├╝gen gezeigt, mit der Bildaussage, das „alles unter Kontrolle“ ist.

Nachrichten im Sog der Kernschmelze.

Sp├Ątestens dann wird klar, dass eine journalistische Kernschmelze begonnen hat und nichts mehr „unter Kontrolle“ ist. Dass nur noch in Konkurrenz zu anderen um „die besten Bilder“ ein Theater veranstaltet wird, das seinesgleichen sucht.

Ich gehe davon aus, dass die „Nachrichten“ der kommenden Tage eine Katastrophe zeigen, die noch „unglaublicher als unglaublich“ sein wird.

Die Informationen werden ersch├╝tternd sein – f├╝r Weltbilder, f├╝r die Wirtschaft, f├╝r die Politik, f├╝r den Glauben an die „Zukunft“ – zumindest in Japan, aber vermutlich in der ganzen Welt.

├â┼ôber die Folgen hat noch niemand berichtet – sie werden ebenfalls „unglaublich“ sein.

Bis man sie glauben muss.

Gebenzte Berichterstattung – wie der MM seine Leser t├Ąuscht


Guten Tag!

Mannheim, 31. Januar 2011. Die seit Tagen andauernde Berichterstattung des Mannheimer Morgens (MM) in Sachen „Benz“ hat gute Gr├╝nde. Erstens gibt es viel Werbung und zweitens versucht die Zeitung verzweifelt, sich als lokalpatriotische Stimme aufzuspielen. Ein ernstzunehmender Journalismus bleibt dabei auf der Strecke.

Von Hardy Prothmann

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, zitiert der MM-Redakteur Martin Tangl den S├Ąnger Xavier Naidoo. Das gilt auch f├╝r diesen Artikel, Martin Tangl, Xavier Naidoo und den SWR. Und auch f├╝r die Leserinnen und Leser und Zuschauer des SWR.

Bunte Geschichten

Ich kenne den MM-Redakteur Martin Tangl noch aus meiner Zeit als Student und Freier Mitarbeiter beim Mannheimer Morgen (1991-1994). Er hat sich gerne als erfahrener Journalist dargestellt, aber irgendwie hat er mich schon damals nicht besonders beeindruckt.

Das dauert bis heute an, denn Martin Tangl hat ein „buntes St├╝ck“ geschrieben, in dem es sehr „bunt“ zugeht. Vor allem mit den Fakten, dem K├Ânnen und der journalistischen Haltung.

Beispielsweise zur Person „Xavier Naidoo“. Der sei ein „leidenschaftlicher Autofahrer“, schreibt Tangl und dass „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, auch den Autoerfinder Carl Benz meinen k├Ânnte.

Denn Herr Tangl berichtet ├╝ber einen Film im SWR-Fernsehen, der heute Abend um 18:15 Uhr in der „Landesschau unterwegs“ l├Ąuft: „Unser Benz! Der Autoerfinder bewegt die Kurpfalz.“ Autor: Eberhard Reu├č.

Pop-Berichterstattung

Wieso Herr Reu├č auf die Idee gekommen ist, einen notorischen Schnellfahrer, der ├╝ber lange Jahre den F├╝hrerschein wegen wiederholter Vergehen abgenommen bekommen hat und wegen Fahrens ohne F├╝hrerschein und Drogenbesitz vor dem Richter gestanden hat, ist klar.

Benz-Titelseite vom MM. Quelle: MM

Herr Reu├č wollte den Film „aufpeppen“ oder auch „aufpoppen“. Mit dem „zur Zeit wohl bekanntesten Sohn Mannheims“. Und der ist halt ein „leidenschaftlicher Autofahrer“. Diese Verbindung reicht heute im SWR-Fernsehen, um einen Zusammenhang herzustellen.

Herr Reu├č l├Ąsst Herrn Naidoo dann mehrmals „Mercedes Benz“ der Rock-Star-Legende Janis Joplin (1943-1970) singen, die auf der ├â┼ôberholspur des Lebens mit 27 Jahren an einer ├â┼ôberdosis Heroin gestorben ist. Drei Tage, bevor der Song „Mercedes Benz“ ver├Âffentlicht wurde: „Oh Lord, wonÔÇÖt you buy me a Mercedes Benz?“ – „Oh Gott, willst Du mir keinen Mercedes Benz kaufen?“ Die Zeile geht weiter: „My friends all drive Porsches, I must make amends“ – „Meine Freude fahren alle Porsche und ich muss aufholen.“

Der Joplin-Song ist eine massive Kulturkritik am Prestigedenken – dem Gegenteil also, was man mit einem „Mercedes Benz“ oder Porsche oder auch „Farbfernsehen“ verbindet, das damals noch ein Luxus war („So oh lord won’t you buy me a color TV“). F├╝r den SWR ist das nicht wichtig. Schlie├člich hat Joplin „Mercedes Benz“ gesungen und Herr Naidoo l├Ąsst sich dazu auch animieren. Und ist man nicht auch „color TV“? Also Luxus? Passt also.

„Eine wunderbare Erfindung von Benz, daf├╝r danke ich ihm“, sagt der Pop-Star nicht nur einmal im SWR-Film. Da Naidoo sonst gerne ├╝ber „Gott“ singt, und das sehr dankbar, gibt es da sicher aus Sicht von Herrn Reu├č wieder irgendeine Verbindung.

Propaganda-Rolle

Bei der Premiere des Films am 28. Januar 2011 im Ladenburger Carl-Benz-Museum war Herr Preu├č jedenfalls m├Ąchtig stolz. Das konnte man nicht ├╝bersehen.

Der Film funktioniert wie eine Propaganda-Rolle. Carl hei├čt nicht Karl Benz, ist der Erfinder des Autos und nicht „der Daimler“, die Kurpfalz ist den Schwaben voraus und ein „Youngtimer-Sammler“ hat viele Kinder und ein Hobby: Mercedes Benz. Der Clou – er arbeitet f├╝r Porsche. Dazu gibt es h├╝bsche Bilder und Werbespots von „Benz“ aus fr├╝heren Zeiten.

Verkauft wird das als „Dokumentation“.

Das muss sich einfach irgendwie alles zusammenf├╝gen und dann wird die Urenkelin von Benz noch mehrfach ins Bild gesetzt und das Carl-Benz-Museum in Ladenburg und dessen Kopf Winfried Seidel.

Der freut sich auch – dabei m├╝sste ihm die Freude angesichts des laschen Filmchens im Kontrast zu seiner harten Museumsarbeit vergehen. Seidel leistet herausragende Arbeit und ist ein akribischer Mensch. Aber nat├╝rlich freut er sich ├╝ber die Popularit├Ąt. Das ist auch sein gutes Recht.

Zur├╝ck zu Martin Tangl. Den freut nicht die Popularit├Ąt, sondern der muss eine bunte, sch├Âne Geschichte schreiben und kommt zum Ende:

„Dass in Mannheim Omnibusse und Lkw-Motoren produziert werden, h├Ątte Carl Benz gefallen, wie Jutta Benz erz├Ąhlt: „Er hat sein Augenmerk aufs Transportwesen gerichtet, Carl Benz wollte Lieferwagen bauen.“ Und bei der Geschwindigkeit seien dem Ur-Gro├čvater 50 km/h genug gewesen. Ob das allerdings Xavier Naidoo gefallen h├Ątte? Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F├╝hrerschein abgenommen wurde.“

Die L├╝ge

Diese unkritische ├â┼ôbernahme der Filmbotschaft wird als L├╝ge in der Zeitung fortgesetzt: „Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F├╝hrerschein abgenommen wurde.“

Naidoo - Leidenschaft Auto - Hauptsache, alles bunt. Quelle: MM

Herr Tangl stellte sich vor 20 Jahren schon gerne als „erfahrener Journalist“ dar und sollte die Zeit genutzt haben, um „Erfahrungen“ zu sammeln. Eine ist: „Schau ins Archiv, um mindestens zu wissen, was schon berichtet worden ist.“

Am 16. Mai 2009 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Naidoo ├╝bersteht einen jahrelangen Rechtsstreit mit Pelham, einen dramatischen Drogenprozess und jede Menge F├╝hrerschein-Schlagzeilen. Erst der absolute H├Âhepunkt seiner Popularit├Ąt, als „Dieser Weg“ zur Hymne des Fu├čball-Sommerm├Ąrchens 2006 wird, bringt die Schattenseiten des Ruhms ans Licht: Genervt zieht sich der gl├╝hende Lokalpatriot aus der ├ľffentlichkeit und teilweise auch aus Mannheim zur├╝ck.“

Am 02. Juni 2007 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Die Amtsanwaltschaft Frankfurt best├Ątigte gestern, dass gegen den S├Ąnger ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Ihm wird vorgeworfen, einen angemieteten Porsche Cayenne an einen Freund weitergegeben zu haben, der selbst keinen F├╝hrerschein besa├č. Der Mann war im M├Ąrz 2006 in M├╝nchen von der Polizei erwischt worden. Naidoo h├Ątte sich als Halter des Wagens vom Vorhandensein einer Fahrerlaubnis ├╝berzeugen m├╝ssen, so der Vorwurf. Nun drohe ihm eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.“

Am 15. August 2006 titelt der Mannheimer Morgen:

„Xavier Naidoos F├╝hrerschein liegt bei den Akten
Zwei Monate Fahrverbot wegen Geschwindigkeits├╝berschreitung / Gibt es eine „Lex Popstar“?“

Am 27. Juli 2006 schreibt der Mannheimer Morgen:

„Popstar Xavier Naidoo (34) soll beim Dr├Ąngeln auf der Autobahn in eine Radarfalle gerast sein. Nun k├Ânnte ihm ein erneuter F├╝hrerscheinentzug drohen. Der Mannheimer sei mit seinem Porsche auf der A 5 in Richtung Karlsruhe zu dicht aufgefahren, best├Ątigte die Mannheimer Anwaltskanzlei Naidoos gestern entsprechende Medienberichte.“

Bis zum Jahr 2000 lassen sich ausweichlich des Archivs keine Berichte finden, aber im November 2000 schreibt der MM:

„Dass er im Dezember 1999 mit einem Porsche 944 der Mannheimer Polizei ins Netz gegangen war, hatte dem Autonarren schon eine Vorstrafe eingetragen: f├╝nf Monate auf Bew├Ąhrung. Seinen F├╝hrerschein hat Naidoo seit einer Alkoholfahrt im Jahr 1993 nicht mehr – obwohl er zwischenzeitlich eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestanden hat. „Warum haben Sie nicht einfach den F├╝hrerschein wieder gemacht?“, wunderte sich Offermann. „Keine Zeit“, lie├č ihn der Angeklagte wissen.“ Angeblich sollte Naidoo bis zu 21 Monate Haft drohen, hei├čt es in dem Artikel.

Abh├Ąngige Berichterstattung

„Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F├╝hrerschein abgenommen wurde“, ├╝bernimmt Martin Tangl die Informationen aus dem SWR-Film. Ohne kritische Pr├╝fung, ohne Recherche, ohne journalistische Verantwortung.

Das ist auch wenig erstaunlich. Die „Benz“-Feier beim Mannheimer Morgen ist durch viel Werbung begleitet. Da wei├č die Redaktion, wo das Geld herkommt und was sie zu tun hat.

Gemeinhin nennt man das „Hofberichterstattung“. „Man bei├čt die Hand nicht, die eine f├╝ttert“, sagen andere.

Herr Martin Tangl muss sich als verantwortlicher Redakteur des Mannheimer Morgens fragen lassen, ob er und seine „unabh├Ąngige Zeitung“ mittlerweile auf das Niveau von miserablen Anzeigenbl├Ąttern abgestiegen sind.

Dabei geht es nicht um eine „Archiv-Schau“ oder darum, Herrn Naidoo seine Verfehlungen ewig nachzutragen. Der Pop-Star hat einen „harten Weg hinter sich“, seit ein paar Jahren scheint er „sauber“ zu sein und auch ein K├╝nstler hat ein Recht auf Privatleben. Dann l├Ąsst man das aber auch privat.

Wenn Herr Naidoo aber die ├ľffentlichkeit sucht und das in einem „Umfeld“, mit dem er ├╝ber lange Jahre „gro├če Schwierigkeiten“ hatte, muss die ├ľffentlichkeit auch im Kern ├╝ber „wesentliche Informationen“ informiert werden.

Das unterl├Ąsst Herr Tangl. Garantiert gegen besseres Wissen. Und wenn ers nicht besser w├╝sste, sollte er den Job sofort aufgeben.

Der SWR-Film bedient das Publikum, das auch zur Premiere erschienen ist. ├â┼ôberwiegend etwas gesetzter. Man findet den Film „sch├Ą├Ą“, trinkt einen Prosecco, „der ist umsonst“ und knabbbert Brezeln, die als „B“ f├╝r „Benz“ gebacken sind. Nachdenken muss man beim „Benz-Film“ nicht.

Sondern bei der „Premiere“ dabei sein, so, als sei das ein wirklich wichtiges Ereignis.

So ist das Fernsehen leider oft.

Nachdenklich muss man allerdings werden, wenn der „Lokalpatriot“, als der sich der Mannheimer Morgen darstellen will, frei von Recherche und Fakten eine Geschichte wider besseren Wissens „nacherz├Ąhlt“ und dabei journalistisch versagt.

Denn wenn man nachdenkt, wird man wissen, dass sowohl der Film als auch viele der Berichte dazu, nicht wirklich informieren, sondern nur gefallen und verkl├Ąren wollen.

Werbung will gefallen. Das ist ihr Recht und nicht zu beanstanden.

Journalismus hat eine andere Aufgabe. Und das Versagen von Herrn Preu├č und Herrn Tangl ist sehr wohl zu beanstanden.

Denn sie werden dem, was sie vorgeben, in keinster Weise gerecht: Unabh├Ąngig, faktentreu und zutreffend zu berichten.

Gabis Kolumne

Topmodels? Ohne mich!

//

 

Guten Tag!

Heddesheim, 08. M├Ąrz 2010. Was bewegt Deutschland? Neben der Kopfpauschale und Hartz IV auch das, wovon viele tr├Ąumen: Ein Topmodel zu sein, meint Gabi und sagt wie immer montags, was sie davon h├Ąlt.

Vergangene Woche ging es wieder los und wird uns siebzehn Wochen lang, jeden Donnerstag Abend, verfolgen: GermanyÔÇÖs Next Topmodel (GNTM). Es ist die 5. Staffel, die unsere Heidi aus dem Rheinland, die Supermutti, Deutschlands Exportschlager und EverybodyÔÇÖs Darling auf Pro7 moderiert. Und ich frage mich wie Millionen anderer Frauen: Soll ich mir das antun?

2000 M├Ądchen haben sich vergangene Woche in K├Âln einen Platz beim Massencasting erst├╝rmt.

topmodel-1

Die f├╝nfte Staffel. ├é┬ę ProSieben/Oliver S.

Und w├Ąhrend deutsche Frauenzeitschriften wie Brigitte, sich von den Models und dem Magerwahn abwenden, plant Heid Klum noch d├╝nnere M├Ądchen auszuw├Ąhlen, noch dramatischere Shootings und noch h├Ąrtere Castings zu zeigen.

An ihrer Seite in der Jury sitzen jetzt auch nicht mehr Peyman Amin – der wollte mit seiner Model-WG seine eigene TV-Karriere anschieben – und Rolf Schneider, sondern Fotograf Christian Schuller und „Q“ alias Qualid Ladraa.

Bunte“Hunde“.

Heidi stellt „Q“ als „bunten Hund der Modewelt“ vor und von sich selbst behauptet der „sch├Âne“ Deutsch-Marokkaner, aus 20 Kilometer Entfernung das Potential eines m├Âglichen Models entdecken zu k├Ânnen.

Brauchen wir so eine Sendung, frage ich mich? M├Âchte ich, dass meine 11-j├Ąhrige Tochter hier ihre Vorbilder findet? Eine Welt, in der die F├Ąhigkeit auf 15-Zentimeter-High-Heels ├╝ber den Catwalk zu laufen, das Ma├č aller Dinge ist?

Ich muss gestehen, dass ich bei den vergangenen beiden Staffeln ziemlich h├Ąufig reingeschaltet habe und, nat├╝rlich auch meine Favoritinnen hatte. W├Ąhrend mein Mann und mein Sohn schreiend das Wohnzimmer verlie├čen, haben meine Tochter und ich zuweilen mitgefiebert.

Denn es gab und gibt ja auch viel zu sehen:

Wen trifft diesmal die Kritik am h├Ąrtesten? Wer bricht in Tr├Ąnen aus? Und bei wem entdeckt Heidi Pers├Ânlichkeits- und Entwicklungspotenzial?

Ist es nicht einfach zu spannend?

Die einzelnen Shootings sind ja auch zu spannend: Wer traut sich mit Kakerlaken, Krokodilen, Vogelspinnen oder Schlangen zu posieren? Wer schafft es in die Tiefe? In den Windkanal? In h├Âchste H├Âhen? In die Eiskammer? Oder stundenlang in den kalten New Yorker Regen? Und so ├Ąhnelt das alles schon eher einem Survival-Traing als einer Casting-Show.

Ebenso spannend ist das Drama zwischen den Kandidatinnen: Da wird gemobbt und gezickt, was das Zeug h├Ąlt. Regelm├Ą├čige Nervenzusammenbr├╝che sind hier an der Tagesordnung.

Mittendrin gibt Heidi mal die Psychologin, mal die Mutti, aber nat├╝rlich auch die knallharte Mode-Business-Frau, die dann schon mal sagt „Wer was erreichen will, muss da durch, wenn du das ├óÔéČ┬Ž nicht kannst, kannst du gleich nach Hause gehen.“

Heidi piepst was von „Pers├Ânlichkeit“.

Mit ihrer Piepsstimme verk├╝ndet Frau Klum, die ja inzwischen Frau Samuel hei├čt, dass sie bei den M├Ądchen die Pers├Ânlichkeit, das gewisse Etwas sehen und finden m├Âchte. Nat├╝rlich gepaart mit den Modelma├čen 90-60-90 und mindestens 1,75 Meter Gr├Â├če.

Und so startete die 5. Staffel vergangenen Donnerstag mit dem ersten groben Aussortieren. Und wieder achteten Heidi und ihre Juroren auf eine Dramen versprechende Mischung in ihrer Auswahl der Kandidatinnen:

Die sch├╝chterne 16-j├Ąhrige mit der Zahnspange, eine aufgedonnerte Miss-Russland, die laut dem Fotografen Christian Schuller, einem Frauenbild nacheifert, das in unserer westlichen Welt nicht mehr existiert.

Eine gro├če H├╝bsche mit einem abstehenden Ohr namens „Freddy“ – und halt, haben wir nicht irgendwann auch mal in den Medien gelesen, dass Heidi ihren Br├╝sten Namen gegeben hat, aber das nur am Rande – , zwei Dunkelh├Ąutige und zwei M├Ądchen aus Bayern und ├ľsterreich, die sich beim Casting kennengelernt haben und sich jetzt schon „so lieb“ haben.

Endlose L├Ąngen bis zum „Erfolg“ – f├╝r wen?

Eine erz├Ąhlt der fassungslosen Jury, dass ihr Freund sie nach drei Jahren verlie├č, weil sie sich bei GNTM bewarb und bei einer anderen musste w├Ąhrend der Sendung ein Oberlippen-Piercing mit der Zange entfernt werden.

Die Ausgew├Ąhlten mussten die erste Nacht auf Feldbetten in einem Lager verbringen, denn der Weg zur Model-Villa ist steinig und schwer, wie ihnen von der Jury immer wieder bewusst gemacht wird.

Und ich denke, diesmal werde ich diesen Weg nicht begleiten. Ich m├Âchte keine weiteren Dramen und Mutproben mehr sehen und ich m├Âchte keine nerviges und menschenunw├╝rdiges Niedermachen und Rausschmei├čen mehr ertragen, was andauernd durch Werbebl├Âcke endlos in die L├Ąnge gezogen wird.

Und vor allem m├Âchte ich nicht, dass meiner Tochter diese unrealistischen Werte als richtig und wichtig f├╝r ihr Leben vermittelt werden.

Heidi „go your way“, aber ohne mich – zumindest nicht regelm├Ą├čig.

gabi

Journalismus? Was ist das?

Guten Tag!

Heddesheim, 10. Februar 2010. Der Kommentar „Kein „Kinderlachen“ f├╝r das heddesheimblog“ regt auf. Oder regt sein Inhalt auf? Welcher? Der dargestellte oder wie die Darstellung eingeordnet wird? Oder dass ├╝berhaupt dargestellt und eingeordnet, also berichtet wird? Oder eine „Darstellung“, die nicht so ist, wie „man das will“? Und wer hat was davon? Und wer regt sich auf? Das sind viele Fragen – die alle mit Journalismus zu tun haben.

Von Hardy Prothmann

Mitte August 2009 sprach mich vor dem Edeka-Markt in Heddesheim eine ├Ąltere Dame an und sagte: „Herr Prothmann, ich versuche ja mit der Zeit zu gehen und bin im Internet. Und ich lese jeden Tag interessiert Ihr heddesheimblog. Ihr letzter Kommentar war, wie soll ich das sagen, ganz sch├Ân heftig. D├╝rfen Sie das so schreiben, wie Sie das geschrieben haben? Im Mannheimer Morgen gibt es auch Kommentare, aber die sind nicht so heftig wie Ihre.“

Die Dame benannte diesen Kommentar: High Noon in Heddesheim – Ist dieser B├╝rgermeister noch zu halten?

Ich habe mit der Dame daraufhin ein langes Gespr├Ąch gef├╝hrt und ihr erkl├Ąrt, warum ich einen Kommentar so schreiben „darf“. Und was, und warum und wie ich es geschrieben habe.

Die W-Fragen und das Interesse

Was, wann, wo, wer, wie und warum? Diese Fragen sind die „Grundausr├╝stung“ f├╝r Journalismus. Aber auch f├╝r die Polizei, f├╝r die Feuerwehr, f├╝r Krisenmanager, f├╝r Wissenschaftler, f├╝r Politiker. Eigentlich f├╝r alle Menschen, die sich berufsm├Ą├čig f├╝r was auch immer interessieren m├╝ssen.

Genau darum geht es im Journalismus. Um das Interesse.

Inter-esse ist lateinisch und hei├čt ungef├Ąhr: Dazwischen (inter) sein (esse).

Die Geschichte der Menschheit ist gleichzeitig die Geschichte des „Journalismus„. Angefangen bei den H├Âhlenmalereien ├╝ber die Erfindung des Buchdrucks bis hin zum Internet. „Jour“ ist das franz├Âsische Wort f├╝r Tag. Im Journalismus geht es ums „Tagesgesch├Ąft“, ├╝ber das berichtet wird.

Was ist passiert? Wor├╝ber reden die Menschen? Was betrifft die Menschen? Was m├╝ssen/sollten sie wissen?

Journalismus ist die professionelle Umsetzung des Alltags in Informationen, ob in Text, Bild oder Ton.

Tiere – Titten – Tote

Die „Bild“ ├╝bersetzt Alltag mit TTT. Tiere-Titten-Tote. Diese Themen liebt das Boulevardblatt – weil die Leser sie lieben und die Zeitung kaufen.

Die FAZ kommt konservativer daher und hat dahingehend beste Beziehungen zur Wirtschaft und Politik. Dort wird die Zeitung geliebt, weil sie so staatstragend daherkommt und ├╝berwiegend auf TTT verzichtet.

Die S├╝ddeutsche Zeitung ist da vielseitiger und hat die FAZ l├Ąngst bei der Auflage deutlich wiederholt. Die Berliner taz ist unter den ├╝berregionalen Zeitungen die bissigste und gilt als verkappte Journalistenschule. Viele fr├╝here „tazler“ haben sp├Ąter woanders Karriere gemacht. Die tagesschau ist scheinbar neutraler.

Das ├Âffentlich-rechtliche SWR3 und der Privatsender RPR konkurrieren um den H├Ârermarkt. Ihre Information: Unterhaltung und gute Laune. Radio ist ein sehr emotionales Medium. Deswegen hat das ├Âffentlich-rechtliche Deutschlandradio auch vergleichsweise wenige H├Ârer: Es ist zwar das „journalistisch“ mit Abstand informativste Radio von allen was „wichtige“ Nachrichten und Hintergr├╝nde angeht – aber es ist anstrengend.

Guter oder schlechter Journalismus
ist eine moralische Unterscheidung

Damit sind wir mitten im Thema. Was ist Journalismus? Was ist „guter“ und was ist „schlechter“ Journalismus?

Die erste Antwort: „Gut“ oder „schlecht“ sind moralische Fragen, die nur jeweils moralisch beantwortet werden k├Ânnen.

Gut oder schlecht l├Ąsst sich aber relativ einfach in zutreffend oder nicht-zutreffend ├╝bersetzen. „Gut“ w├Ąre demnach „zutreffend“ und „schlecht“ w├Ąre „nicht-zutreffend“.

Die Bild-Zeitung berichtet h├Ąufig „nicht-zutreffend“, also „schlecht“. Trotzdem oder gerade deswegen ist sie die nach Auflage „gr├Â├čte“ und erfolgreichste Tageszeitung Europas.

TTT – Tiere-Titten-Tote sind das Erfolgsrezept der Boulevard-Zeitung, die jeder „wichtige“ Mensch, angefangen von der Kanzlerin bis hin zum „Volk“ jeden Tag als erstes liest.

Denn, was in der Bild steht, findet statt. Es ist Tagesthema. Der Bild gelingen auch immer wieder geniale Schlagzeilen, beispielsweise: „Wir sind Papst!“

Ebenfalls zum Axel-Springer-Verlag geh├Ârt die Zeitung „Die Welt“ – ein ├╝berwiegend anerkannt seri├Âses Blatt. Beide Zeitungen bedienen unterschiedliche Zielgruppen und damit M├Ąrkte.

Journalismus ist also auch eine Form der Wirtschaft und betreibt Wertsch├Âpfung. Die Ausgangsmaterialien sind Informationen, die zu neuen Informationen zusammengef├╝gt und „verpackt“ werden: Als TV- oder H├Ârfunksendung, als Printprodukt oder als elektronisch verteilte Information im Internet.

Was muss, kann, sollte berichtet werden? Und vor allem wie?

Au├čer TTT gibt es die Liebe, die Menschenrechte, den Fu├čball, die Di├Ąt, die Schule, den Verein, die Finanzanlage und noch viele andere Themen mehr.

Was, wann, wo, wie, wer und warum? Ohne Journalismus w├╝ssten wir alle nur wenig von dem, was um uns herum passiert.

Aber es gibt ganz bewusst kein Gesetz, dass vorschreibt, wie, wann in welchem Umfang wor├╝ber berichtet wird. Daraus ergibt sich die Medienvielfalt mit ihren unterschiedlichsten Angeboten.

L├Ąnder ohne Pressefreiheit, also ohne Journalismus, sind meist primitive Kulturen oder Diktaturen. Meist beides.

Denn Journalismus ist eine demokratische Dienstleistung und erf├╝llt in einer Demokratie eine wichtige Aufgabe: Journalismus ├╝bt durch die „Ver├Âffentlichung“ Kontrolle aus. Das bekannteste Beispiel d├╝rfte die „Watergate„-Aff├Ąre sein, die Pr├Ąsident Nixon zum R├╝cktritt zwang. Zwei Journalisten hatten durch die Hilfe eines „Informanten“ den politischen Skandal ├Âffentlich gemacht.

Journalismus hat also eine „W├Ąchterfunktion“.

Vergleichbar mit der eines Steuerberaters: Es wird „Buch gef├╝hrt“. ├â┼ôber Einnahmen und Ausgaben.

Vergleichbar mit der Polizeiarbeit: Es wird ermittelt.

Vergleichbar mit dem Gericht: Es wird aber be- und nicht gerichtet. Es wird nicht ver- aber geurteilt.

Vergleichbar mit einem Kaffeekranz oder Stammtisch: Es wird ├╝ber vieles geschw├Ątzt.

Meinungsfreiheit ist eine Grundvoraussetzung f├╝r Demokratie

Und das ist mit dem Artikel 5 in unserem Grundgesetzes verankert: Alle Menschen in Deutschland d├╝rfen eine Meinung haben und diese ├Âffentlich ├Ąu├čern. Eine Zensur von staatlicher Seite findet nicht statt.

├ľffentlichkeit ist der Kern einer jeden Demokratie. Auch wenn das nicht jedem passt und es manchmal schwerf├Ąllt andere Meinungen auszuhalten: Rechtsradikale d├╝rfen schreiben: Ausl├Ąnder raus Linksradikale d├╝rfen meinen: Soldaten sind M├Ârder.“ Beides sind extreme ├âÔÇ×u├čerungen und bewegen sich am ├Ąu├čersten Rand, aber eben noch im Bereich des Zul├Ąssigen.

Nicht erlaubt sind Diffamierungen oder Beleidigungen oder falsche Tatsachenbehauptungen – Journalismus muss sich hier wie alle an Recht und Gesetz halten.

Journalismus ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Denn Journalismus beeinflusst wie die PR, wie die Politik, wie die Werbung oder Lobbyismus oder unser aller Tun in vielf├Ąltigen Funktionen die ├ľffentlichkeit.

Mit Meinungen, mit Fakten, mit Emotionen. Mit „sch├Ânen“ Geschichten, aber auch mit den weniger sch├Ânen Geschichten des Alltags.

├ľffentlichkeit ist ein hohes Gut. Sie schafft transparente M├Ąrkte, Werbung f├╝r Produkte, politische Debatten, kulturellen Austausch, sportlichen Wettkampf und: Bildung.

Deshalb ist eine „positive“ ├ľffentlichkeit den meisten Menschen und Unternehmen wichtig – denn die bringt Erfolg. Gesch├Ąftlich, politisch, pers├Ânlich, kulturell und sportlich.

Journalismus ist ein Informationsangebot

Es gibt kein Gesetz, was Journalismus ist oder sein sollte. Es gibt den Artikel 5 und es gibt in den Bundesl├Ąndern „Pressegesetze„. Danach sind staatliche Beh├Ârden und Institutionen verpflichtet, Journalisten Ausk├╝nfte zu erteilen. Das ist wichtig, sonst k├Ânnte ├╝ber das „├ľffentliche“, also die ├âÔÇ×mter, die durch die Steuerzahler bezahlt werden, nicht berichtet werden.

Und b├Ârsennotierte Unternehmen m├╝ssen ihrer Ver├Âffentlichungspflicht nachkommen.

Sonst ist niemand verpflichtet, Journalisten eine Information zu geben. Weder ein Gesch├Ąftsf├╝hrer, noch ein Sportler, noch ein K├╝nstler und schon gar nicht ein Privatmensch. Umgekehrt gibt es auch keine Pflicht f├╝r Journalisten, irgendetwas zu ver├Âffentlichen oder so, wie das jemand m├Âchte. B├╝rger k├Ânnen aus vielen Informationsangeboten w├Ąhlen und sich informieren, sie m├╝ssen aber nicht.

Trotzdem erscheinen jeden Tag hunderte von Zeitungen, jeden Monat tausende von (Fach-)Zeitschriften, es gibt hunderte Radio- und Fernsehsender in Deutschland. Hinzu kommt das Internet – das neue Medium, das sind mit rasender Geschwindigkeit zum weltweiten Hauptmedium entwickelt, wenn es das nicht schon bereits ist.

Das Internet ist ein hochgradig demokratisches Medium, denn es erlaubt eine einfache und grenzenlose Ver├Âffentlichung von Meinungen durch jeden B├╝rger – au├čer in Diktaturen wie dem Iran beispielsweise.

F├╝r den oben genannten „heftigen“ Kommentar h├Ątte ich dort mit harten Strafen rechnen m├╝ssen. In unserem Land nicht. Hier d├╝rfen ich und jeder andere das grunds├Ątzlich und im Speziellen, wenn zutreffende Tatsachen berichtet und Meinungen ge├Ąu├čert werden.

Der B├╝rgermeister ist immer noch im Amt und ich in Freiheit. Auch wenn das eine oder das andere dem einen oder anderen nicht passt.

Gabis Kolumne

Ist der Wille zum Erfolg alles, was z├Ąhlt?

//

 

Guten Tag!

Heddesheim, 18. Januar 2010. Gabi hat mitgefiebert, gezittert, gehofft und irgendwann war sie sauer: Denn „Kampfpilot“-Torsten entpuppte sich nicht als Held, sondern als eine Ente. Er hatte dem Siegeswillen eines Stefan Raab nichts entgegenzusetzen. Gabi ist kein Fan von Stefan Raab, findet die Sendung aber trotzdem spannend. Warum? Irgendwie ist das, was Stefan Raab, zeigt eine Mischung aus Prinz Eisenherz und Aschenputtel – meint Gabi.

schlag_den_raab

Dritter "Schlag den Raab"-Sieg in Folge f├╝r Stefan Raab. Der ProSieben-Entertainer l├Ąsst seinem Herausforderer Torsten, einem Tornado-Pilot aus Kaisersesch bei Cochem, keine Chance. Selbst winterliches Schneegest├Âber ├╝ber K├Âln kann Raab nicht stoppen. 21,7 Prozent der 14- bis 49-j├Ąhrigen Zuschauer sehen den Triumph des ProSieben-Schneek├Ânigs. Insgesamt 3,77 Millionen Zuschauer schauen "Schlag den Raab". Bild: Prosieben/Willi Weber

Zur besten Sendezeit am Samstagabend versammelten sich meine Familie und ich vor dem Fernsehapparat. So wie die ├╝ber dreieinhalb Millionen anderen Zuschauer. Endlich wollten wir sehen, dass Stefan Raab geschlagen wird und der oder die Kandidat(in) die 1,5 Millionen Euro mit nach Hause nehmen kann.

Bei der Kandidatenvorstellung waren wir uns schnell einig, der Tornado-Pilot war der richtige Mann, um Raab zu zeigen, wo der Hammer h├Ąngt – meine Tochter schickte sogar eine sms f├╝r „Torsten“ (naja, sie wollte das Handy gewinnen – die Autos h├Ątte sie uns geschenkt). Und anscheinend waren sich da auch die restlichen Zuschauer einig. Mit gro├čer Mehrheit wurde der 31-j├Ąhrige, k├╝nftige Familienvater ausgesucht, gegen den nahezu Unbezwingbaren anzutreten.

Im ersten Spiel zeigte er mit Bravour seinen Gleichgewichtssinn. Top-Mann. Ingenieur, konzentriert, Reflexe, Nerven, austrainiert – ein Kampfpilot halt. Kleines Spiel, ein Punkt, souver├Ąn gemacht.

Wir waren ├╝berzeugt, den richtigen Mann auserkoren zu haben. Doch das Blatt wendete sich schnell und Spiel um Spiel wurde unsere Zuversicht und die Haltung des Kandidaten kleiner.

Raab ist ein „Tier“.

Raab zeigte sich wieder als „Tier“, ob beim Medizinball werfen, beim Eishockey, Langlauf oder Squash in den sportlichen Disziplinen. Der Herausforderer hatte keine echte Chance. Oder doch nicht? Er suchte sie nicht.

Ob Geschicklichkeit, Taktik oder „im die Nerven behalten“ oder „Einsatz zeigen“, Raab hatte gegen├╝ber dem Kampfpiloten eindeutig die Nase vorn. Als im Matchspiel der Pilot beim „L├Ąnderumrisse erkennen“ keinen einzigen Punkt f├╝r sich machen konnte, war uns klar, das war der falsche Kandidat.

Torsten war kein „Top Gun-Fighter“, sondern eine lahme Ente.

Schlag den Raab“ erinnert mich an r├Âmische Gladiatorenk├Ąmpfe, der Unbezwingbare wird in die Arena geschickt und einer nach dem anderen scheitert. Aber woran? An einem Herkules? ├â┼ôberhaupt nicht.

Stefan Raab eignet sich so gar nicht zum Helden f├╝r eine Frau. Er ist weder h├╝bsch, noch charmant, noch hat er eine freundliche Ausstrahlung. Er wirkt nicht wie ein Superhirn und seine Figur ist alles andere als gest├Ąhlt. Stefan Raab ist der Gegenentwurf eines Helden – aber er ist sein eigener. Er ├╝berzeugt einfach mit seinem unglaublichen Willen. Er gibt nicht auf und damit ist er die reale Antwort auf die M├Ąrchenfigur des Prinz Eisenherz.

Er ist aber auch so etwas wie Aschenputtel. Alles an ihm wirkt nicht gewinnend. Er scheint chancenlos. Doch das Schicksal meint es gut mit ihm.

Raab gewinnt, weil er das will.

Das Schicksal? Das M├Ąrchen wird von der Realit├Ąt ├╝berholt. Raab gewinnt, weil er das will.

Er hat die Nerven und er macht dann noch weiter, wenn schon alle anderen aufgeben. Es war nicht der Kandidat, der eigentlich 1,5 Millionen nach Hause tragen wollte, der japsend im Spielfeld lag und nach „Wasser“ rief oder mit K├Ârpereinsatz ├╝ber die Eisfl├Ąche flog. Es war Stefan Raab.

W├Ąhrend der Pilot nach jedem Spiel kleiner und gedr├╝ckter wurde, trug jede Niederlage bei Raab dazu bei, noch mehr Einsatz, noch mehr Willen in das Spiel zu legen. Das ist imponierend. Auch wenn mein Traum vom edlen, gut aussehenden, warmherzigen, k├╝hnen, tapferen, f├╝rsorglichen Prinzen reichlich strapaziert wurde.

Wir waren entt├Ąuscht und frustriert, hatten wir uns alle t├Ąuschen lassen und beim „Tornado-Pilot“ an Tom Cruise und seine Rolle in „Top Gun“ gedacht. Vielleicht w├Ąren der Sportstudent, der Jongleur oder aber die Psychologin, die angeblich das mentale Geheimnis von Stefan Raab durchschaut hatte, die besseren Gegner gewesen. Wir Frauen lieben ja Psycho-Sachen.

Nur wer gewinnen will, gewinnt auch.

Raab geh├Ârt, ungeachtet seines ├âÔÇ×u├čeren, zu den Menschen, die ausstrahlen: Ich bin ein Gewinner. Ist das der Schl├╝ssel zu seinem Erfolg?

Ich glaube ja. Wir kennen sie, diese Beispiele aus den Medien, das „Bobele“ (Boris Becker) aus Leimen im Center-Court. Der war so sexy wie sein „├âÔÇ×h“. Aber erfolgreich und in seiner besten Zeit spielte er nie das beste Tennis, aber seine Spiele waren spannend und er war oft erfolgreich.

Michael Schumacher ist als Mann so spannend f├╝r Frauen wie technische Details ├╝ber seinen Boliden. Auf der Rennstrecke war er eine Rakete. Der schnellste, erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten (ich hoffe mal, das stimmt). Ausgegangen w├Ąre ich mit dem nie.

Oder der Altkanzler Gerhard Schr├Âder. Der hat an den Toren des Bundeskanzleramtes ger├╝ttelt und gerufen: „Ich will hier rein.“ Der war kein wirklich h├╝bscher. Aber er hatte was. Wenn auch nicht im Ansatz etwas davon, was Willi Brandt ausmachte.

Sie alle hatten ihren Willen. Den Willen zum Erfolg. Das ist es, was z├Ąhlt.

Irgendwann hat sie aber auch alle der Erfolg verlassen, es ist nur eine Frage der Zeit.

Das einzige, was mehr z├Ąhlt als aller Erfolg und alle Zeit, das ist: die Liebe.

gabi

Link: Dieser Mann ist nicht zu schlagen: welt.de

Acht Monate heddesheimblog. Das war 2009. Teil IV „Das neue Medium“

Guten Tag!

Heddesheim, 31. Dezember 2009. Das heddesheimblog betreibt eine neue Form von Lokaljournalismus. Viele Funktionstr├Ąger in der Gemeinde kommen damit (noch) nicht zurecht – viele B├╝rgerinnen und B├╝rger machen hingegen aktiv mit und begr├╝├čen die ungewohnt transparenten Informationen.

Der deutsche Zeitungsmarkt ist in den Nachkriegsjahren entstanden. Die Alliierten vergaben Zeitungslizenzen und damit Lizenzen zum Gelddrucken. Die Renditen waren traumhaft. Wer eine Lizenz hatte, hatte bald auch ein Monopol. So gibt es heute schon lange ├╝berwiegend „Einzeitungskreise“. Vor Ort kann man sich also nur aus einer einzigen Tageszeitung informieren.

Mit der Einf├╝hrung des Privatfunks Mitte der 80-er Jahre bekamen die Zeitungen Konkurrenz. Radio und Fernsehen schoben sich schon bald in der Mediennutzung vor die Printmedien. Seit dem Jahrtausendwechsel zieht das Internet immer mehr Interesse auf sich. L├Ąngst geh├Âren Internetmedien wie spiegel.de, zeit.de und auch bild.de zur t├Ąglichen Lekt├╝re. Unterhalb der nationalen Ebene tat sich bislang aber wenig, darunter so gut wie nichts – bis vor einigen Jahren die „blogs“ kamen.

Meist ist damit „B├╝rgerjournalismus“ gemeint – oft sind es aber private Internetseiten, die ├Âffentlich gemacht werden.

Das heddesheimblog geht einen eigenen Weg. Wir benutzen eine Blogsoftware (WordPress) und wir stellen unsere Artikel zur Diskussion ├╝ber die Kommentare. Wir laden ein zum Mitmachen per Gastbeitrag oder Leserbrief – aber wir sind kein typisches blog.

Aber wir nutzen konsequent die M├Âglichkeiten dieses Mediums. In Text, Bild, Ton und Video k├Ânnen sich unsere Leserinnen und Leser ├╝ber unsere journalistische Arbeit informieren.

Die Arbeit der Redaktion hat ├╝berregional f├╝r Aufmerksamkeit gesorgt, bundesweit verfolgen Journalisten die Entwicklung des heddesheimblogs, denn viele sind ├╝berzeugt davon, dass hier die Zukunft des Lokaljournalismus liegt.

Aus Sicht der Redaktion ist das aber kein neuer Journalismus: Sorgf├Ąltige und gr├╝ndliche Recherche, wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden, lesbare Texte zu schreiben waren schon immer das Handwerkszeug von Journalisten. Nur das Medium ist anders, vielf├Ąltiger geworden.

24 Stunden am Tag von ├╝berall her zu erreichen. Und man kann mitmachen – Soziologen behaupten, dass durch Internetmedien die Demokratie dauerhaft gest├Ąrkt wird, weil B├╝rger sich hier so einfach einbringen k├Ânnen, wie niemals zuvor.

Das wei├č auch das heddesheimblog: Viele unserer Themen hier gehen auf Tipps und Anregungen der Leserinnen und Leser zur├╝ck. Daf├╝r bedankt sich die Redaktion ganz herzlich und freut sich auf das kommende Jahr 2010.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Dokumentation: „Streit in Heddesheim“ – Vollst├Ąndige Abschrift RNF-Sendung „Zur Sache“

Guten Tag!

Heddesheim, 18. August 2009. Auf vielf├Ąltigen Wunsch unserer Leser stellen wir die komplette Abschrift der RNF-Sendung „Zur Sache“ zum Thema „Streit in Heddesheim“ online.

Die Sendung „Zur Sache“ des Regionalsenders RNF zum Thema „Streit in Heddesheim“ hat f├╝r viel Aufregung gesorgt, vor allem bei Gegnern des geplanten „Pfenning-Projekts“.

Grund der berechtigten Aufregung: Die unverhohlen tendenzielle Moderation des Senderchefs Bert Siegelmann, der keine Gelegenheit auslie├č, die Unternehmensgruppe Pfenning zu loben und die Gegner zu diskreditieren.

Die Abschrift der einst├╝ndigen Sendung hat acht „Arbeitsstunden“ an Zeit gekostet und wurde von drei Autoren vorgenommen: besten Dank an dieser Stelle f├╝r die unentgeltliche Unterst├╝tzung!

Danach wurde das Protokoll nochmals mit der Sendung verglichen. Die Redaktion gibt das Protokoll frei, da keine wesentlichen Fehler zu entdecken waren. Sollten Sie einen finden, bitten wir um Hinweise unter: redaktion (at) heddesheimblog.de.

Wir ver├Âffentlichen das Protokoll wie immer unter dem Aspekt der gr├Â├čtm├Âglichen Transparenz. Urspr├╝nglich hatte die Redaktion nur Zitate im Wortlaut extrahiert, um den Leserinnen und Lesern einen (trotzdem sehr umfangreichen) ├â┼ôberblick zu geben.

Weil aber viele Leserinnen und Leser anscheinend „Schwarzbrotliebhaber“ sind, ver├Âffentlichen wir die kompletten 18 Seiten. „Schwarzbrot“ nennt man in der Journalisten-Branche solche Texte, an denen Leser schwer zu kauen haben… weil sie anstrengend sind.

Als dann – viel Spa├č beim Durchkauen!

Download: RNF „Zur Sache“: „Der Streit in Heddesheim um Investitionen und Arbeitspl├Ątze“

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Sendungskritik I – Fragen zur RNF-Sendung

Guten Tag!

Heddesheim, 15. August 2009. War die Sendung fair oder unfair? Waren die G├Ąste gut ausgesucht oder nicht? War es eine Pfenning-Werbesendung, ja oder nein? Die Zuschauer der RNF-Sendung „Zur Sache“ haben hier im heddesheimblog schon dazu kommentiert. Wir haben uns die Sendung genau angeschaut und analysiert.

Von Hardy Prothmann

Waren die G├Ąste gut ausgesucht? Und wer hat sie ausgesucht? Gab es Absprachen?

Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang lautet: War der Moderator gut ausgesucht? Diese Frage ist eindeutig mit Nein zu beantworten, weil dessen unverhohlen positive Einstellung („Top-Unternehmen, Top-Steuerzahler, Traditionsfirma, Investor, Arbeitgeber“) gegen├╝ber der Unternehmensgruppe „Pfenning“ jede kritische Frage an den „Pfenning“-Vertreter von vorne herein ausschloss.

Wer die G├Ąste ausgesucht hat, ist nicht bekannt. Vermutlich die Redaktion. Ob es Absprachen gab, ist auch nicht bekannt. Vermutlich ja, weil dies besonders dann auff├Ąllig wurde, wenn der Moderator Bert Siegelmann Fragen an den „Pfenning“-Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger stellte, ebenso wie an den Gesch├Ąftsf├╝hrer der Metropolregion GmbH, Dr. Felix Gress.

Waren die G├Ąste gut ausgesucht? Bei zwei G├Ąsten stellte sich die Frage nicht: B├╝rgermeister Michael Kessler und „Pfenning“-Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger mussten selbstverst├Ąndlich eingeladen werden.

Andreas Schuster war eine gute Wahl, er hat das Anliegen der B├╝rger auf Information verst├Ąndlich „r├╝bergebracht“ und immer wieder darauf verwiesen, dass es Sorgen und ├âÔÇ×ngst gibt und einen Streit im Dorf, f├╝r den nicht die B├╝rger, sondern die Gemeinde verantwortlich ist.

Der Gast Gress fand wenn, dann nur als Unterst├╝tzter der Siegelmann├é┬┤schen These statt: „Die Provinzler m├╝ssen verr├╝ckt sein, dass sie Pfenning gegen├╝ber kritisch eingestellt sind.“

War die Sendung fair oder unfair?

Fair und unfair sind Kategorien, die auf dem Sportplatz mit Regeln gemessen werden. Die Frage lautet besser: Hat die Sendung die Zuschauer umfassend informiert?

Das ist eindeutig mit Nein zu beantworten. 40 Prozent der Sendezeit, also die Redezeit des Moderators Siegelmann kann man als Laudatio auf die Firma Pfenning zusammenfassen und als R├╝ge an die „Provinzler“ in Heddesheim, die nicht wissen, wann Ihnen jemand gut will.

Weitere 30 Prozent pro Pfenning kann man hinzurechnen, wenn man die Aussagen von Nitzinger, Gress und B├╝rgermeister Kessler „einer“ Seite, also Pfenning, zurechnet.

Der B├╝rgermeister hat allerdings einen Teil seiner Wortbeitr├Ąge den B├╝rgern gewidmet und sich f├╝r eine B├╝rgerbefragung positioniert. Musste er auch, denn das haben er und der Gemeinderat vor kurzem beschlossen.

So ergibt die Verteilung Pro und Kontra der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung rund 75 Prozent Pro-Sendezeit und 25 Prozent Kontra-Sendezeit.

War das eine Pfenning-Werbesendung?

Vielleicht war das durch den Sender so geplant. Ganz sicher nicht geplant war eine journalistisch einwandfreie Informationssendung, sonst h├Ątte sich der Moderator besser informiert und mehr zur├╝ckgehalten.

Dadurch, dass Herr Schuster sind souver├Ąn den ihm zustehenden Teil der Redezeit sicherte und die Position der B├╝rger vertreten konnte, d├╝rften seine Aussagen bei den B├╝rgern gut angekommen sein.

Die Lobhudelei des Moderators f├╝r „Pfenning“ war schon fast peinlich, was sicherlich auch viele Zuschauer bemerkt haben d├╝rften.

Sollte also eine Werbesendung geplant gewesen sein, d├╝rfte der Schuss nach hinten losgegangen sein. Auch die arrroganten Wortbeitr├Ąge von Herr Gress haben sicherlich die Zuschauer irritiert.

Der B├╝rgermeister hat sich zwar zum Projekt bekannt, aber sich deutlich mit lobenden Worten zur├╝ckgehalten, sondern die Position der Gemeinde eingenommen, zwei Mal sogar Herrn Nitzinger korrigiert und insgesamt klar gemacht, dass „Pfenning“ nur unter Auflagen nach Heddesheim kommen k├Ânnte.

Quantitative Sendungsanalyse I

Guten Tag!

Heddesheim, 14. August 2009. Es gibt qualitative und quantitative Sendungsanalysen. Das heddesheimblog bieten seinen Leserinnen und Lesern beides. Die Redaktion hat sich die RNF-Sendung „Zur Sache“ angeschaut und analysiert. Teil 1

Bei der quantitativen Betrachtung geht es um folgende Fragen:

1. Wie viele Wortmeldungen hatten die einzelnen Teilnehmer der Gespr├Ąchsrunde?
2. Wie viele Worte haben Sie dabei benutzt?
3. Wie hoch war damit ihr Anteil bei der Sendezeit?

In diesem Teil beantworten wir die ersten beiden Fragen.

siegelmann1

Omnipr├Ąsent: Moderator Bert Siegelmann f├╝hrt mit Abstand bei allen drei Analysepunkten. Quelle: RNF

Der Gewinner bei allen drei Fragen ist der Moderator Bert Siegelmann. Bereinigt um die vielen „├Ąhs“ hat Herr Siegelmann insgesamt 3895 Worte gesagt (mit „├Ąhs“ 5895).

Insgesamt hat er 55 Mal das Wort ergriffen, war also im Schnitt in jeder gesendeten Minuten├é┬ápr├Ąsent.

schuster

Andreas Schuster (Heddesheimer Gemeinderat B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen) belegt Platz 2. Er hat zwar die gleiche Anzahl an Wortmeldungen wie der Pfenning-Gesch├Ąftsf├╝hrer, aber gut 300 W├Ârter mehr gesagt. Quelle: RNF

Andreas Schuster (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen) hat die Sendung genutzt, um seine Botschaften loszuwerden. 32 Mal ergriff er das Wort und sagte 1949 W├Ârter.

nitzinger

Uwe Nitzinger liegt bei den Wortmeldungen gleich auf mit Andreas Schuster, sagte aber 300 W├Ârter weniger. Quelle: RNF

Uwe Nitzinger, Gesch├Ąftsf├╝hrer der KMP Holding GmbH („Pfenning“), liegt knapp hinter Andreas Schuster. Nitzinger ergriff ebenfalls 32 Mal das Wort, sagte aber nur 1628 W├Ârter. Das ist Platz 3.

kessler

B├╝rgermeister Michael Kessler kommt sowohl mit seinen Wortmeldungen als auch mit den gesagten W├Ârtern nur auf Platz 4. Quelle: RNF

Michael Kessler, B├╝rgermeister der Gemeinde Heddesheim, belegt Platz vier. Er hatte 24 Wortmeldungen und sagte 1324 W├Ârter.

gress

Dr. Felix Gress war fast nicht pr├Ąsent in der Sendung "Zur Sache". Er belegt weit abgeschlagen den letzten Platz. Quelle: RNF

Dr. Felix Gress ist das Schlusslicht und belegt Platz 5. Der Gesch├Ąftsf├╝hrer der Metropolregion Rhein-Neckar-GmbH kam 10 Mal zu Wort und sagte 493 W├Ârter.

├âÔÇ×h, Bert, ├Ąh – der ├Ąh, ├Ąh, ├Ąh Siegelmann oderoderoder was auch immer

Guten Tag!

Heddesheim, 15. August 2009. Der private Fernsehsender RNF hat eine Sendung, die nennt er „Zur Sache“. Die Sendung ist das Aush├Ąngeschild des Lokalsenders, der schon lange „im Gesch├Ąft“ ist, den aber trotzdem au├čerhalb des „Sendegebiets“ niemand kennt. Das hat Gr├╝nde.

Essay: Helle Sema

Der wichtigste Grund, warum es ein kleiner Fernsehsender mehr oder weniger niemals in die Schlagzeilen bedeutender Medien schafft (heute ist eine Ausnahme), ist seine strukturell bedingte Begrenztheit.

Die hat viele Ursachen.

Es gibt, salopp gesagt, keine „gescheite“ Redaktion, die ein Thema, selbst wenn es das „Top-Thema“ ist, ordentlich vorbereitet. Deswegen stellt der Moderator st├Ąndig sachlich falsche Fragen – die auch manchmal einfach nur bl├Âd sind.

Er k├Ânnte sich ja auch selbst vorbereiten, aber wenn er der Chef ist – wie das aber oft bei kleinen, vollkommen unbedeutenden TV-Stationen ist – f├╝hlt er sich als Chef sehr wichtig, er ist ja immerhin Chef und sind Chefs nicht per se wichtig? Und wer wichtig ist, ist grunds├Ątzlich vorbereitet. Auf was auch immer.

Aber das sind „strukturelle Probleme“.

Fernsehen – selbst provinzielles – braucht aber auch Technik. Es gibt bei TV-Sendern in aller Regel eine Regie, die „regelt“ die Bilder, also das, was der Zuschauer sehen kann.

Bei regionalen Provinzsendern sind das oft auch nur Reglerschieber, die vielleicht nur Aushilfskr├Ąfte sind, weil sie fast nie den richtigen Schieber finden, um ein ordentliches Bild zu erzeugen. Vielleicht hat das RNF eine Regie – die muss aber w├Ąhrend der gesamten Sendung auf Toilette gewesen sein.

Und es gibt Kameraleute. Kameramann/- frau war mal ein angesehener Ausbildungsberuf. Ob kleine, provinzielle Sender das Geld haben, um ordentlich ausgebildete Kameraleute zu bezahlen, ist nicht immer ganz klar.

Und dann gibt es auch die Grafik. Das sind Leute, die bereiten Bilder f├╝r die Sendung vor. So was gibt es nicht bei vielen, kleinen, privaten, ums ├â┼ôberleben k├Ąmpfenden TV-Sendern.

Zumindest bei der RNF-Sendung „Zur Sache“ muss man sich fragen, wo eigentlich das Problem ist: Bei den Kameras, bei der Regie, beim Moderator und Senderchef Bert Siegelmann (der vielleicht vorhandenen „Grafik“) oder bei allen zusammen?

Wie ein Moderator, der sprachlich nicht nur schwach, sondern bei jedem Eignungstest f├╝r Moderatoren durchfallen w├╝rde, sich ├╝ber Jahre halten kann, ist nur verst├Ąndlich, wenn man wei├č, dass er der Senderchef ist und auf dem besten Weg, den ├âÔÇ×h-Award zu gewinnen.

Andererseits ist ein Moderator immer so gut wie die Zielgruppe, die er erreichen will. Intellektuelle Moderatoren erreichen intellektuelle Zielgruppen, die meistens klein sind, „beliebte Moderatoren“ erreichen die Massen und verdienen viel Geld und provinzielle Moderatoren erreichen die Provinz und die Kellertreppe darunter – zumindest konnte man beim Auftritt des Herrn Siegelmann schon den Eindruck haben, dass das Thema Heddesheim f├╝r ihn als Mannheimer schon etwas „unter Niveau“ war.

Wenn so ein provinzieller Moderator dann gezwungen ist, sich in den abgelegensten Keller der Provinz zu begeben, zum Beispiel nach Heddesheim, dann packt er an Vorurteilen aus, was er in seinem provinziellen Leben so an Vorurteilen gesammelt hat.

Der Beweis ist die „Moderation“ des Herrn Siegelmann zum Thema: „Der Streit in Heddesheim um Investitionen und Arbeitspl├Ątze.“ Das hat Herrn Siegelmann ordentlich durcheinander gebracht. So durcheinander, dass er kaum einen Satz zu Ende bringen konnte und viele, viele ├âÔÇ×hs benutzen musste, um seine Verzweiflung ob der ersch├╝tternden Zust├Ąnde in der Provinz Herr zu werden.

Dabei will Herr Siegelmann „Meinungsf├╝hrer“ in der Region sein.

Region, dass ist der Zusammenschluss von Provinzen und da Herr Siegelmann der Meinungsf├╝hrer ist, ist er der Entwickler, der ├âÔÇ×h-Mann und sein Team ist ein ├âÔÇ×h-Team.

Vom Dialekt ins Denglische ├╝bersetzt klingt das wie A-Team und A-Man. Also Top. Top als Wort mag Herr Siegelmann sowieso. Und irgendwie ist er als A-Mann f├╝r Provinz-TV auch nicht zu toppen.

Dokumentation:

RNF ├╝ber die Sendung „Zur Sache“:

„Dieses (Fehler im Original, d.Red.) einst├╝ndige Diskussionsrunde im RNF-Studio A hat sich l├Ąngst zum Meinungsf├╝hrer in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar entwickelt. 3 bis 4 G├Ąste er├Ârtern – meist unter der Gespr├Ąchsleitung von RNF-Programmchef Bert Siegelmann – ein Thema von regionaler Bedeutung: Ohne Unterbrechungen, ohne optische Ablenkung, ohne Filmzuspielungen! Die Sendung vertieft, erl├Ąutert, erkl├Ąrt Sachverhalte und wird jeweils am Freitag live produziert und am Wochenende f├╝nf mal ausgestrahlt. Dies sichert ihr eine hohe Verbreitung und erstklassige Aufmerksamkeit. „Zur Sache“ geht es heftig, mal lustig – am runden Studiotisch wurden schon Wahlen gewonnen – und verloren, Projekte bef├Ârdert und begraben├óÔéČ┬ŽUm dabei sein zu k├Ânnen, wurden auch schon Urlaube und Sitzungen verschoben! Wer in der Metropolregion mitreden will, schaut sich „Zur Sache“ an.“

Gezwitscher

Guten Tag,

es gibt Nachrichten, andere Nachrichten, noch andere Nachrichten und noch viele andere Nachrichten.

Sie fragen jetzt zu Recht: H├Ą? Was jetzt?! Nachrichten sind doch Nachrichten!?

Nochmal von vorne. Aber Sie m├╝ssen Geduld haben, weil der Text etwas l├Ąnger ist…

Es geht um Medienkompetenz. Also, wie nutze ich als Mensch die Medien und was wei├č ich ├╝ber das Medium, den Mitarbeiter und seine Quellen. Und: Was interessiert mich? Alles? Der „Mantel“ (erste und letzte Seiten der Zeitung), der Sport, die Wirtschaft, das Lokale?

Viele Nachrichten beginnen eine Nachricht zu werden, wenn sie zum Beispiel durch die Presseagenturen wie deutsche presse agentur (dpa), agence france press (afp) oder auch von „richtig gro├čen“ Agenturen wie the associated press (ap) ver├Âffentlicht werden. Im Bereich der Wirtschaft sind das Bloomberg oder Dow Jones News, im Sport der sport informationsdienst (sid). In Russland ITAR Tass, sonstwo auf der Welt gibt es viele Agenturen.

Aus den Meldungen (Nachrichten) der Agenturen werden dann Nachrichten in Massenmedien, also in Zeitungen, im Radio, im Fernsehen: Viele Zeitungen ├╝bernehmen Texte der Agenturen├é┬á (schauen Sie in der Zeitung unter die Artikel… da steht dann dpa oder ap), im Radio wird manchmal auch noch gesagt, wo die Nachricht├é┬á herkommt (nach einer Information der dpa…), also die „Quelle“ genannt, seltener im Fernsehen.

Fast keine „eigenen“ Nachrichten mehr

Medienkritiker sagen, es gibt ├╝berwiegend fast nur noch Nachrichten, die nicht mehr selbst├é┬árecherchiert sind (von den Journalisten der Tageszeitung, die Sie (Sie lesen diesen Text gerade) abonniert haben), sondern auf Agenturnachrichten zur├╝ckgehen. Die „Agentur“ kann tats├Ąchlich (vor allem im lokalen und regionalen) auch ein Verein, die Polizei, ein Presseb├╝ro oder ├Ąhnliches sein.

Warum das so ist? Aus Kostengr├╝nden – auch Medien m├╝ssen sparen, zum Beispiel bei Journalisten.
Warum kritisierten die Kritiker das? Weil jede „Nachricht“, egal ob von einer Agentur oder aus einer anderen „Quelle“ von Journalisten├é┬áf├╝r das eigene Medium ├╝berpr├╝ft werden sollte, in dem sie ver├Âffentlicht werden. In der Praxis ist das kaum zu schaffen. „Man“ (die Journalisten) vertraut auf die Agenturen (die dort arbeitenden Journalisten) oder andere Quellen.

Das ist ├Ąhnlich wie im Stra├čenverkehr. Alle bedienen sich derselben Regeln. Ein Auto, das links blinkt, sollte auch links fahren, tut es das nicht und Sie vertrauen drauf, kommt es zum Unfall. Im Journalismus nennt man das „Ente“ oder auch „Falschmeldung“. Meistens fahren Autos aber links, die links blinken.
Trotzdem gilt: Sei vorsichtig!

Seri├Âs oder unseri├Âs?

Wer Medien „konsumiert“ ist ein „Medienkonsument“, er „verbraucht“ Nachrichten. In der Wissenschaft nennt man den Medienkonsumenten auch Rezipient, den Empf├Ąnger einer Nachricht also.
Medienkompetenz hat der Rezipient, wenn er sich „bewusst“ ist, dass es verschiedene Quellen gibt, seri├Âse und unseri├Âse. Und wenn er wei├č, dass er sich „normalerweise“ auf die seri├Âsen verlassen kann und unseri├Âse ignorieren soll.
Manchmal ist es aber auch umgekehrt: dann „l├╝gen“ die „vermeintlich seri├Âsen“ und die „unseri├Âsen“ enthalten die „Wahrheit“.
Und machmal ist es noch komplizierter: Der Rezipient, Konsument oder Politiker, kann oder will sich auch auf die unseri├Âsen oder sogar „falsch meldenden“ Medien verlassen und beziehen, weil diese seinen „Interessen“ dienen. So werden falsche Informationen zu „interessengesteuerten Informationen“.
Denken Sie an den Irak-Krieg und die „angeblichen Massenvernichtungswaffen“. Dar├╝ber haben fast alle westlichen Medien meist vollkommen unkritisch berichtet. Die Massenvernichtungswaffen, so hat sich sp├Ąter herausgestellt, gab es nie.
Ein anderes Wort daf├╝r ist Propaganda. Noch eins Werbung. Noch eins Wahlkampf.

Das klingt kompliziert und ist es auch. Es beschreibt aber ganz gut das Handwerk der Journalisten, die versuchen wollen, m├Âglicht „objektiv“ aus dieser „komplizierten“ Welt die “ echte (objektive) Nachricht“ herauszufiltern. Das ist ├Ąhnlich wie im Stra├čenverkehr. Der Anf├Ąnger findet es schrecklich chaotisch, der erfahrene Verkehrsteilnehmer findet sich zurecht.

Objektivit├Ąt und Vertrauen

Wie der Rezipient, der in unserer Region den „etablierten Medien“ vertraut: das sind beispielsweise der Mannheimer Morgen, die Rhein-Neckar-Zeitung, die Weinheimer Nachrichten und der SWR. Manche vertrauen auch auf SWR3, Radioregenbogen oder RPR1.
Allen gemein ist, dass sie meistens nur ihrer „Marke“ vertrauen, also dem Medium, dass sie am meisten nutzen und damit kennen: Man nennt das Lese-, H├Âr- oder Sehgewohnheit.

Damit sind wir wieder auf der „Stra├če“. Der „Benz“-Fahrer schw├Ârt auf sein Auto, der „BMW-Fahrer“ auf seins und alle anderen auf das jeweils „eigene“. Unabh├Ąngig davon, dass Toyota seit Jahren den „Benz“ in Sachen „Qualit├Ąt“ ├╝berholt hat oder klar ist, dass Umweltschutz und BMW zwei verschiedene Dinge sind. Porsche-Cayenne-Fahrer sind nicht ansprechbar, wenn es um die Frage nach dem ├Âkologischen Sinn├é┬ágeht ein solches Auto zu fahren.

Das hat mit Vorlieben zu tun oder wie sie „geschaffen“ werden.

Was ist die Quelle einer Nachricht?

Leider gibt es aber immer h├Ąufiger├é┬á„Nachrichten“, die├é┬ágar nicht von „Nachrichtenagenturen“, sondern von PR-Agenturen (Public-Relationsship-Agenturen, also Firmen, die gegen Geld diese Nachrichten f├╝r andere Firmen schreiben und so tun, als seien sie journalistische Nachrichten) kommen.
Und zwar als Text, als Ton oder als Bewegtbild, also als Zeitungsartikel, Radioreport oder Nachrichtenfilm.
Sp├Ątestens bei PR-Geschichten, die sich als „Nachricht“ verkaufen und unkritisch ├╝bernommen werden, ist mit dem objektiven, dass hei├čt einem Quellen ├╝berpr├╝fenden Journalismus Schluss (egal ob Nachrichtenagentur, Geschw├Ątz auf der Stra├če oder sonstige Quelle).

Leider finden diese Nachrichten ihren Weg in das „Medium“, welches auch immer. Aus Kostengr├╝nden, Faulheit der Journalisten oder weil man eben nicht nachfragen will, sei es aus gesch├Ąftlichen oder ideologischen Gr├╝nden.

Ebenso m├Ąngelbehaftet sind oft Nachrichten, die „offiziellen“ Quellen vertrauen, also wenn die Quellen „├âÔÇ×mter“ sind (das muss doch Brief und Siegel haben!) oder „Studien“ sind (das haben doch Wissenschaftler erarbeitet!).
Ist das so? Kann der Rezipient, also Sie oder ich, darauf vertrauen, dass die Wissenschaftler oder ├âÔÇ×mter sich nicht irren oder nicht „spezielle Interessen“ verfolgen? Guter Journalismus ├╝berpr├╝ft das.

Vertrauen ist wichtig im Leben. Man muss sich verlassen k├Ânnen. Blindes Vertrauen ist aber nichts wert. Dann ist man „verlassen“ – von allen „guten Geistern“.

Die wichtigste journalistische Regel hei├čt: Traue keinem! Alle k├Ânnen l├╝gen oder sich auch nur irren oder einen schlechten Tag gehabt haben. Das gilt auch f├╝r den einzelnen Journalisten selbst, das Medium, die Agentur, die die Nachricht verfasst haben.

Manchmal ├╝bernehmen „die Massenmedien“ (gemeint ist damit meistens immer noch Zeitung, Radio, Fernsehen, bei anderen auch schon „das Internet“) diese Nachrichten und nutzen sie als Grundlage, um „vor Ort“ selbst nachzurecherchieren, was dran ist, an „der Nachricht“. Das sind dann „eigene Nachrichten“.

Soziale Netzwerke schaffen Nachrichten

Diese „eigene Geschichten“ sind Nachrichten, die nicht nur ein paar Zeilen lang sind, sondern eine „Geschichte“, also einen Zusammenhang darstellen und von einem Journalisten recherchiert wurden (er hat die Quelle ├╝berpr├╝ft und andere herangezogen).

Im Internet gibt es aber auch neue Erscheinungen, ├╝ber die sich „Nachrichten“ verbreiten: sogenannte „soziale Netzwerke„. Hier wird „gechattet“ (per Tastur geplaudert) oder in „Foren“ diskutiert.
Nat├╝rlich gibt es auch email oder in der Telekommunikation sms. All das sind „Nachrichtenkan├Ąle“, sie dienen dem Austausch von Informationen. Immer ├Âfter kommen aus diesen sehr unzuverl├Ąssigen Quellen Nachrichten, die es in die „etablierten“ (also bekannten) Medien schaffen.

Ein relativ neuer Kanal ist Twitter (Gezwitscher): Hier wird eine Art email als eine Art sms ausgetauscht, kurze Nachrichten, um auf eine neue Nachricht oder Nachrichtenquelle hinzuweisen, man „twittert“ oder „zwitschert“ sich was zu.

Auch zu Pfenning wird „getwittert“

Auch zum Thema „Pfenning“, findet sich jetzt ein „Twitterkanal“: hier
Der verweist auch auf das heddesheimblog oder auf youtube, wo es mittlerweile mehrere Videos zum Thema Pfenning in Heddesheim gibt (suche nach pfenning + heddesheim). Diese Videos sind eindeutig propagandistisch angelegt. Sie wollen nicht objektiv informieren, sondern emotional wirken.

Wie solche „Nachrichten“ einzusch├Ątzen sind, ob man sie glauben will oder ihnen kritisch gegen├╝ber steht, h├Ąngt von dem einzelnen Rezipienten und seiner Medienkompetenz selbst ab.

Deswegen gilt: Kritisch sein, hat noch nie geschadet.

Das heddesheimblog