Dienstag, 19. September 2017

Ergebnisse des B√ľrgerbeteiligungsprozesses ver√∂ffentlicht

Das neue Leitbild der Gemeinde Heddesheim

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Rund 80 B√ľrger/innen haben bei der Entwicklung der Leits√§tze mitgewirkt.

 

Heddesheim, 21. September 2013. (red/aw) Heddesheim hat 45 Leits√§tze f√ľr die Zukunft der Gemeinde ver√∂ffentlicht. Sie sind das Ergebnis des B√ľrgerbeteiligungsprozesses, der im November 2012 gestartet worden war. Das Leitbild soll vor allem den Gemeinderat in den kommenden Jahren bei verschiedensten Anl√§ssen begleiten. Ins B√ľrgerhaus kamen am Montag rund 160 B√ľrger/innen zur Pr√§sentation. [Weiterlesen…]

Franziska Brantner ist Europaabgeordnete und Mutter.

Organisation ist alles

Die Europaabgeordnete Franziska Brantner ist Mutter und Politikerin.

Die Europaabgeordnete Franziska Brantner ist Mutter und Politikerin. Den Arbeitsalltag zwischen Br√ľssel, Stra√üburg und Heidelberg meistert sie mit Organisation und Effizienz.

 

Stra√üburg/Rhein-Neckar, 07. Juni 2013. (red/ld) Wenn ihre Tochter sie braucht, ist Franziska Brantner Mutter. Wenn die EU-Politik sie braucht, ist sie Abgeordnete. Die Gr√ľnen-Politikerin arbeitet im Europ√§ischen Parlament an einer L√∂sung f√ľr die Finanzkrise oder an der Durchsetzung von Frauenrechten. Im September will die 33-J√§hrige in den Bundestag gew√§hlt werden. [Weiterlesen…]

Neuauflage: Informationen f√ľr M√ľtter und V√§ter

Rhein-Neckar/Stuttgart, 24. Februar 2012. (red/pm) Sozialministerin Katrin Altpeter stellte heute die komplett √ľberarbeitete Neuauflage der Brosch√ľre ‚ÄěInformationen f√ľr M√ľtter und V√§ter‚Äú vor. Der praktische Ratgeber kann √ľber das Ministerium bestellt werden, wird √ľber die Rath√§user und das Landratsamt angeboten.

Information des Sozialministeriums:

„Altpeter sagte: ‚ÄěDas Gl√ľck, das Kinder geben, kann von nichts und niemandem ersetzt werden. Doch gl√ľckliche Kinder brauchen Eltern, die sie auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichen Mitgliedern unserer Gesellschaft begleiten, ermuntern und ihnen Vorbild sind.‚Äú Eltern sollten Kindern Halt geben, ohne sie unn√∂tig einzuengen oder ihnen dabei ihre Freiheit zu nehmen. ‚ÄěWir m√∂chten Familien auf diesem Weg unterst√ľtzen und stellen ihnen diese hilfreiche Brosch√ľre als praktischen Wegweiser zur Verf√ľgung‚Äú, so die Ministerin.

Die Brosch√ľre ‚ÄěInformationen f√ľr M√ľtter und V√§ter‚Äú gibt in ihrer 14. Auflage einen umfassenden √úberblick √ľber die Leistungen und unterst√ľtzenden Angebote f√ľr Familien in Baden-W√ľrttemberg. So finden sich Informationen beispielsweise zu Mutterschutz, Elternzeit, Kinderbetreuung, steuerlichen Erleichterungen und Bewertung der Erziehungszeiten in der Rentenversicherung. Ebenso sind Informationen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Wohnraumf√∂rderung oder M√∂glichkeiten zur Freizeitgestaltung enthalten. Neu aufgenommen wurden in die 144 Seiten umfassende Brosch√ľre unter anderem Ausf√ľhrungen zur Hebammenhilfe und zur Vorbeugung von Suchterkrankungen.

Ein umfassender Adressteil der Familienbildungseinrichtungen, der Familien- und Frauenverb√§nde, Wohlfahrtsverb√§nde, Schwangerschaftskonflikt- und Er-ziehungsberatungsstellen, Frauen- und Kinderschutzh√§user sowie der Kontaktstellen ‚ÄěFrau und Beruf‚Äú erleichtert es den Familien, die n√§chstgelegenen Beratungsstellen zu finden. Au√üerdem sind die Familienferienst√§tten in Baden-W√ľrttemberg mit Foto enthalten sowie eine ‚ÄěCheckliste Geburt‚Äú und die wichtigsten Notrufnummern.

Die Brosch√ľre wurde unter anderem an die B√ľrgermeister√§mter und die Landrats√§mter in Baden-W√ľrttemberg verteilt und wird dort kostenfrei an die Familien abgegeben.

Hinweis f√ľr die Redaktionen:

Die Brosch√ľre kann auch in gr√∂√üerer St√ľckzahl ‚Äď zur weiteren Verbreitung ‚Äď direkt bestellt werden beim:

Ministerium f√ľr Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-W√ľrttemberg, Brosch√ľrenstelle, Schellingstr. 15, 70174 Stuttgart, Fax: 07 11/ 1 23-3 99, E-Mail: poststelle@sm.bwl.de.

Im Internet kann die Brosch√ľre unter www.sozialministerium-bw.de (Rubrik ‚ÄěPublikationen‚Äú > ‚ÄěFamilie und Kinder‚Äú) als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Gabis Kolumne

„Jein“ ist keine L√∂sung, aber ein Ansatz

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 07. November 2011. Es gibt „Nein-Sager“ und die ewigen „Ja-Sager“ und zwar nicht nur in Indien. Und vielleicht gibt es auch einen Weg dazwischen, fragt sich Gabi.

Dieser Tage habe ich einen Bericht dar√ľber geh√∂rt, dass Inder unglaublich hilfsbereit sind und deshalb auch eine Frage niemals mit „nein“ beantworten, denn das ist unh√∂flich und gegen die Gastfreundschaft.

Fragt man in Indien also nach dem Weg, ist es gleichg√ľltig, ob der Gefragten ihn kennt oder nicht, er wird versuchen, eine Wegbeschreibung abzugeben.√ā¬† Folglich wird dem Fragenden in Indien stets geholfen und selbst, wenn er letztendlich in Katmandu und nicht am Taj Mahal ankommt. „Nein“ sagen ist in Indien demnach absolut verp√∂nt.

Filmplakat zum "Ja-Sager".

Die amerikanische Filmindustrie hat diesem Ph√§nomen mit dem „Ja-Sager“ sogar eine eigene Kom√∂die gewidmet und schon Bertolt Brecht hat 1930 ein Lehrst√ľck √ľber den „Jasager“ geschrieben.

Aber so weit muss man ja gar nicht gehen. Auch hier zu Lande, f√§llt vielen das „Nein“ sagen schwerer als das „Ja“ sagen und so kann die Frage, „kannst du mir einen Salat f√ľr meine Party machen“, in einen absoluten Stress ausarten. Denn selbst, wenn man wei√ü, dass man √ľberhaupt keine Zeit hat, sagt man meistens „Klar, doch, gerne“, mit dem Resultat, man ger√§t in absolute Hektik und landet an der K√ľhltheke des Supermarktes.

K√ľrzlich fragte mich eine Freundin: „Kannst du mich heute Mittag eventuell vom Bahnhof abholen?“ Sofort antwortete ich: „Ja, gerne doch“, obwohl ich genau wusste, ich komme erst sp√§t von der Arbeit nach Hause, die Kinder wollen etwas essen und zudem habe ich noch einen Arzttermin. Das Resultat war, ich geriet in Panik, wurde hektisch und √ľbellaunig.

„Ich hoffe, du hattest nicht zu viel Stress.“

Als ich am Bahnhof ankomme, sieht meine Freundin√ā¬† meine Schwei√üperlen auf der Stirn und sagt: „Ich hoffe, du hattest nicht zu viel Stress.“ Und was antworte ich? Na, richtig, ich sage „Das war √ľberhaupt kein Problem, das mache ich doch gerne“.

Das „Ja-Sagen“ wird sp√§testens dann fatal, wenn man Kinder hat. Das f√§ngt im Kindergarten an, betrifft die Teilnahme jeglicher Freizeitaktivit√§ten und gipfelt in der Schulzeit.

Ich geh√∂re demnach prinzipiell immer zu den ersten, die bei Sommerfesten Kuchen backen und die sich in die Helferliste eintragen. Ich war Elternbeir√§tin – und das war keine Ehre, sondern eindeutig Pflichtprogramm -, hole meinen Halbw√ľchsigen nebst weiterer Kids nachts um drei Uhr nach einer Venedig-Exkursion vom Bus ab, bekoche spontan – „Mama, du hast doch nichts dagegen, ich habe noch ein paar Freundinnen zum Essen mitgebracht“ – vier kichernde Teenager und trage mich immer ein, wenn Fahrdienste gesucht werden.

Und nat√ľrlich wissen auch meine Kinder, meine Freunde und mein Mann, dass ich es mit dem „Nein-sagen“ nicht so habe – und nutzen dies – so meine ich – schamlos aus.

Meistens reicht ein „Wenn-es-dir-zuviel-ist“ oder „ich-kann-es-auch-selbst-machen“ oder ein „es-w√§re-toll-wenn-du-mir-helfen-k√∂nntest“ aus und ich stehe parat.

Wenn ich mich also kritisch betrachte, hei√üt das eindeutig, ich m√∂chte gebraucht werden, ich m√∂chte die Retterin in der Not sein, ich lechze nach „das-hast-du-toll-gemacht“.

K√ľrzlich habe ich mit einer Freundin √ľber diesen Gen-Defekt gesprochen. Sie selbst bekennt sich freim√ľtig zu den „Nein-Sagern“.

„Wei√üt du“, sagte sie, „wenn du „nein“ sagst, kannst du daraus auch noch ein „Ja“ machen, umgekehrt funktioniert das nicht. Also sage ich erst mal „Nein“ und warte dann ab.“

Das Resultat ist eindeutig, w√§hrend sie abwartet, haben die „Ja-Sager“ schon l√§ngst ihre aktive Rolle √ľbernommen und die „Nein-Sager“ k√∂nnen sich zur√ľcklehnen, aufatmen und sagen: „Im Notfall h√§tte ich schon mitgemacht, aber ihr braucht mich ja nicht mehr“.

„Jein“ – ein Kompromiss?

Bingo, so funktioniert das Spiel. Ich habe verstanden.

Das hei√üt, „Nein“ sagen und abwarten und der Kelch geht vor√ľber. Und wenn das alle machen, passiert gar nichts mehr. Alle sagen „Nein“, folglich alles stagniert.

Das kann also nicht die Lösung sein.

Der Kompromiss w√§re also ein „Jein“. Aber das ist eigentlich nur ein irgendwo „Dazwischen“. Und zwischen zwei St√ľhlen sitzt es sich bekanntlich am Schlechtesten.

In letzter Zeit habe ich mir deshalb angew√∂hnt, erst mal tief Luft zu holen und mir eine Atempause zu g√∂nnen, sprich, ich antworte nicht gleich und gestehe mir und meinem Gegen√ľber zu, dass ich mir meine Antwort √ľberlegen kann, vor allem bei Spontan-Anfragen.

Das hei√üt, wenn mich sp√§tabends mein Sohn anruft und fragt, kann ich bei XY √ľbernachten, wenn mein Mann fragt, kannst heute Nachmittag f√ľr mich XY machen, wenn eine Freundin fragt, treffen wir uns am XY – ich muss es aber gleich wissen -, wenn meine Tochter fragt, k√∂nnen wir gleich ins Einkauszentrum fahren, um XY zu kaufen, wenn mein Chef sagt, ich m√ľsste bis zum n√§chsten Tag XY erledigen, dann sage ich ganz entspannt: „Dar√ľber muss ich noch nachdenken, fragt mich in einer halben Stunde noch mal.“

Oft klappt es, oft auch nicht. Aber ich arbeite daran. Und wenn ich mal nach Indien reise, werde ich mich nicht wundern, wenn ich in Katmandu lande und nicht am Taj Mahal, und vorsorglich werde ich mir eine Straßenkarte mitnehmen.

gabi

Lebensmittel. Klarheit.de?


Rhein-Neckar, 21. Juli 2011. (red) Vielleicht gut gemeint. Tats√§chlich ein GAU. „Lebensmittelklarheit“. Dokumentiert.

So sieht Lebensmittelklarheit.de aus. Total klar. Die Website ist kollabiert. Peinlicher gehts nimmer.

√ÉŇďber das Portal „lebensmittelklarheit.de“ sollen Verbraucher „T√§uschungen“ melden k√∂nnen. Es soll Transparenz m√∂glich sein. Kontrolle.

Tats√§chlich ist die Seite erstmal „abgeschmiert“.

Vielleicht fand sich die Regierung b√ľrgernah.

Das Ergebnis zeigt, dass die Regierung keine Ahnung hat, was die B√ľrger besch√§ftigt.

Leugnen hilft nicht – die B√ľrger wollen gesunde und gute Lebensmittel.

Und sie wollen gut informiert sein.

Mietet Euch endlich einen Server, der funktioniert.

Billig-Scheiß-Lebensmittel gibt es genug.

Wir brauchen nicht noch einen billig-schei√ü-server, der nur „klare Verh√§ltnisse“ darstellt.

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht Ihnen
Das rheinneckarblog.de

„Und das Licht! So gem√ľtlich!“ – bei freiem Eintritt


Rhein-Neckar, 09. Mai 2011 (red) Marietta berichtet aus ihrem bewegten Alltag. Ihre Geschichten kosten keinen Eintritt und sind mitten aus dem Leben – manchmal geht die Phantasie mit ihr durch, aber viellicht auch nur wegen der Realit√§t. Doch was ist real, was phantastisch? Bei Marietta mischen sich die Sph√§ren. Im Mittelpunkt steht der Mensch und der ist immer √ľberraschend. Vor allem die eigenen Eltern. Und vor allem dann, wenn F√§sbuk auf Schwarzwald und Urlaubstr√§ume trifft.

Von Marietta Herzberger

Es ist unvermeidlich. Drei- bis viermal im Jahr hat irgendeiner im ersten bis zweiten Verwandtschaftsgrad Geburtstag und man findet sich ein. Die Lokalität wechselt dabei ständig. Mal ist es die Wohnung meiner Eltern, mal unsere, mal der Balkon meiner Eltern oder unsere Terrasse.

Gelegentlich darf es auch mal ein Restaurant sein. Das kommt bei meinen Eltern aber nur in Frage, wenn das Restaurant bekannt, der Koch gut und ebenfalls bei meinem Vater bekannt ist. Die Hauptkriterien sind grunds√§tzlich und in jedem Fall der Preis, N√§he der Gastst√§tte sowie Gr√∂√üe und Konsistenz der Schnitzel und des Kochs. Bevorzugt sind Kegelbahnen mit Anschluss an die Gastronomie und Sch√ľtzenvereine.

Wie bei de Gerda.

„Des schmeckt do fascht so gud wie bei de Gerda, sach ich. Un koschte duts beinoh nix. Do geh mer gern hi, gell Gerda!“, pflegt Hannes zu loben, wenn es geschmeckt hat, reichlich und g√ľnstig war.

Das Schicksal legte meinen diesj√§hrigen Geburtstag auf einen Dienstag. Ich mag Dienstage. Nur nicht an meinem Wiegenfeste. Die obligatorische Einfindung meiner Eltern fand auf unserer Terrasse statt. Nachdem ich morgens meine Kollegen bereits mit reichlich Kuchen und Geb√§ck begl√ľcken durfte – selbstgekauft versteht sich, denn von einer perfekten Hausfrau bin ich ungef√§hr so weit weg wie Papua Neuguinea von Toiletten mit flie√üend Wasser – schnitt ich am Nachmittag den in der Vorwoche gekauften und frisch aufgetauten K√§sekuchen an.

Bitte glauben Sie nun nicht, meine Eltern w√§ren mir auch nur im Ansatz zuwider. Nein, im Gegenteil. Ich liebe sie, wie eine Tochter ihre Eltern nur lieben kann. Mit all ihren kleinen Fehlern und liebenswerten Macken, welche im Alter bisweilen zutage treten. Ich trenne sie nur strikt von meinem Freundeskreis, der an meinen Geburtstagen zu einem anderen Zeitpunkt geladen wird. Aus Kostengr√ľnden und um unertr√§gliche Gespr√§chsspitzen zu vermeiden.

Es klingelt. Der Hund √∂ffnet die T√ľr. Das Kind st√ľrzt hinterher. Mein Mann br√ľllt: „Deine Eltern sind da!“

Schnell lege ich noch Servietten neben die Teller und bearbeite den K√§sekuchen leicht mit den F√§usten. Wirkt authentischer. Dann haste ich ebenfalls zur T√ľr. Es ist ein heiteres Willkommen. K√ľsschen links, K√ľsschen rechts. Die stets selbstlose Ella will wissen, ob Opa auch ihr Geschenke mitgebracht hat, w√§hrend der Hund an Oma Gerda hochspringt und versucht sie abzulecken.

„Der Kuche iss awer gud.“

Mein Mann hilft seinem Schwiegervater Hannes aus der Jacke. Bei Gerda hat das der Hund schon erledigt. Ella versucht ihre Oma in ihr Zimmer zu ziehen, um ihr die neue Bettw√§sche zu zeigen. Das Ganze spielt sich auf ungef√§hr 1,5 qm Flur ab. Schlie√ülich hat jeder sein K√ľsschen auf der Wange, die Jacke an der Garderobe, Geburtstagsw√ľnsche an mich √ľbermittelt und mir das j√§hrliche Geldgeschenk nebst S√∂hnlein Brillant √ľberreicht.

Ella ist sauer, weil keiner ihre Bettw√§sche bewundern will. Ich seufze. Auch das geht vor√ľber und wir an den Tisch.

„Der Kuche iss awer gud“, lobt mich Papa, „Hoscht den selwer gebagge?“

Mein Mann springt f√ľr mich in die Bresche: „Schmeckt der wie gekauft, Hannes?“
„Ah n√§√§, isch froog jo nur.“

„Noch Kaffee?“

„Noch Kaffee?“, l√§chele ich meine Mutter an.

„Nee Kind“, winkt sie ab, „du wei√üt doch, so sp√§t am Nachmittag√Ę‚ā¨¬¶dann schlaf ich wieder nicht.“

„Die vertr√§gt des nimmer, die Gerda. So iss des hald, wemmer ald werd“, sinniert Hannes.

Gerda nickt bedeutungsschwer: „Na ja, man muss schon auf die Ern√§hrung achten. Auch wenn man nicht wei√ü, wie lange man noch lebt√Ę‚ā¨¬¶“

Gro√ües Kino: „Wie war denn euer Urlaub?“

Meine Tochter Ella verdreht die Augen und kaut Käsekuchen.

„Wie war denn euer Urlaub?“, wechselt mein Mann galant das Thema.

Ich habe einen guten Ehemann. Er ersp√ľrt negative Schwingungen sofort und steuert dagegen. Anders als ich. Ich steuere immer direkt drauf zu. Wir erg√§nzen uns. Aber ich schweife ab√Ę‚ā¨¬¶

Der Blick, das Licht - 20 Jahre. Urlaub ist was sch√∂nes. Jeder hat eine andere Vorstellung davon. Marietta zahlt f√ľr die Extra-Vorstellung noch nicht mal Eintritt. Bild: wikipedia/Arminia

Leider ist Gegensteuern auch nicht immer die beste Wahl. Unwissentlich gibt er damit den Startschuss f√ľr Hannes gef√ľrchtete Monologe.

„Mama?“, mein cleveres Kind erkennt die Situation pfeilschnell und versuchte, sich zu retten, „Darf ich raus, spielen gehen? Ich bin satt.“

„Klar“, sage ich neidvoll und entlasse sie mit einem huldvollen Wink in die Freiheit.

„Also des h√§dds bei uns frieher net gewwe“, entr√ľstet sich Hannes mit erhobenem Zeigefinger, „Mir h√§wwe am Tisch sitze bleiwe misse, bis√Ę‚ā¨¬¶“

„Wo wart ihr in Urlaub?“ Mein Mann beugt sich nach vorne und schaut meinen Vater interessiert an. Wie macht er das nur? Ich lehne mich zur√ľck, schaue alles andere als interessiert und atme tief.

„Ja, wo war mer in Urlaub?!“, kl√§fft mein Vater ungl√§ubig, „Do wo mer immer sin. Seid zwonzisch Johr jetz schun.“

Bes√§nftigend schiebt sich meine Mutter dazwischen: „Ach Hannes, lass doch“, und zu uns gewandt, „Beim H√§userwirt im Schwarzwald. Ihr wisst doch, der mit nur einer Ferienwohnung.“

Wir nicken eifrig und haben nicht den Hauch einer Ahnung.

Hannes haut begeistert mit der Hand auf den Tisch: „Also des iss √§ suber Wohnung!“ Kurze Pause. „Awwer pass uff! Die derfter net in F√§sbuk oder im Innerned oder so zeige, gell! Sunschd griehe mer die vielleicht nimmer, wenn die donn jeder will!“ Wieder eine kurze, dieses Mal jedoch mahnende Pause. Das Gewicht der Worte soll sich setzen.

„Die hot alles, die Wohnung√Ę‚ā¨¬¶√É‚Äě Kisch mit Gscherrspielmaschien unn e riese Schlofzimmer mit √§m riese Bett. „Jo, allerdings…“, Hannes schaut meinen Mann taxierend an, „fer disch kenns e bissl eng werre, so um do so uff die Seit ons Bett zu kumme mit deiner Gree√ü und deiner Breit√Ę‚ā¨¬¶“.

„Wie? Ich bin doch noch gar nicht breit!?“ Mein Mann ist sichtlich belustigt. Ich bin peinlich ber√ľhrt und r√ľhre meinen Kaffee um. Das mache ich bereits seit Beginn des Gespr√§chs.

„Ja n√§, ich m√§hn doch so vom Zugang zum Bett her und so. Isse bissl eng, aber mir reicht des.“

„Achso√Ę‚ā¨¬¶“, allgemeines Nicken. Nur nicht n√§her drauf eingehen.

Er f√§hrt fort mit seiner Lobeshymne: „Ach, un des Wohnzimmer. So √§ gro√ües Wohnzimmer. Net altmodisch. Eher√Ę‚ā¨¬¶modern. Un √§ Leddersofa, eschd Kunschtledder. So √§ gro√ües Ums-Eck-Sofa. Do hoscht viel Blatz unn√Ę‚ā¨¬¶“

„Ach und das Licht“, mischt sich schw√§rmend meine Mutter ein, „Wenn man da das Licht anmacht, das ist ja so gem√ľtlich, so gem√ľtlich. Da kann man abends sitzen √Ę‚ā¨¬¶ach, so gem√ľtlich.“

Suttereng

Hannes pflichtet ihr begeistert bei: „Die Terrass! Die Terass. So schee. Wonn du do drausse hogscht√Ę‚ā¨¬¶“

„Ja, so gem√ľtlich! Und das Licht!“ Mutters Augen gl√§nzen.

„M√∂chte jemand ein Bier?“, fragt mein Mann. Ich nicke benommen. Eigentlich trinke ich kein Bier. Aber die Kaffetasse ist leer und Bier ist besser als gar kein Alkohol.

„Des iss so schee, wonn du do hoggscht. Okay, die Aussicht iss net so toll, weil do de Parkplatz direkt vor de Terass iss√ā¬ł aber√Ę‚ā¨¬¶“

„√Ę‚ā¨¬¶das Licht. So gem√ľtlich“, erg√§nzt Mama.

Prost, ein Bier aufs Licht!

Hannes nippt am seinem Bier: “ Also√Ę‚ā¨¬¶die Wohnung√Ę‚ā¨¬¶so was Guudes.“

„Und das Licht!“

„In de Kisch steht√ā¬īn riese Tisch. Do konscht dro sitze.“ Hannes wackelt leicht mit dem Kopf: „Un die Leit, die am Fenschder vorbei laafe, die stere net.“
Gerda nickt zustimmend.

„Wisster, die Wohnung liegt im Suttereng, do kenne die Leit net so nei gucke, wonn se vorbei laafe. Auch net ins Schlofzimmer. Awwer mer sinn jo Friehuffsteher!“
Fr√ľhaufsteher? Was? Habe ich etwas verpasst? Kurz eingenickt?

„Wieso Fr√ľhaufsteher?“, frage ich perplex.

Vom Vogel, vom Fr√ľhaufsteher und Brieftr√§ger.

„Ah, weil uns donn de Brieftr√§ger net steert.“

Nun ist auch mein weiser, stets jeder Situation gewachsener Mann irritiert: „Brieftr√§ger?“

„Ei jo, weil doch die Briefk√§schde direkt am Schlofzimmer sin, so vun ausse, verschdehscht?“

Gerda l√§chelt erhaben: „Ja, wenn der Brieftr√§ger morgens um sechs Uhr die Briefe einwirft, dann sind wir ja schon lange wach.“

„De friehe Vogel,√Ę‚ā¨¬¶kennt er doch, des Sprichword, gell?“

M√ľde l√§chle ich meinen Vater an. Was will ich eigentlich? Andere zahlen f√ľr so was Eintritt.

„Und das Licht! So gem√ľtlich!“

„Gerda, mir packens. Danke fer den leckere Kuche und des Bier“, sagt mein Vater und dr√§ngt seine Frau. Ella zeigt ihr noch schnell die Bettw√§sche, mein Mann r√§umt auf.

„Un ja ned ins F√§sbuk stelle, sonschd gibt’s √É‚Äěrscher“, sagt mein Vater noch. „Nein, Papa, bestimmt nicht.“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

Mariettas Kolumne: Einmal Haustier, bitte!


Guten Tag!

4. April 2011. Verl√§uft das Leben gleichm√§√üig und ohne gro√üe √ÉŇďberraschungen, wiegt man sich in Sicherheit. So kann es bleiben, so ist es gut. Gelegentlich jedoch wird der Mensch leichtsinnig und setzt die geliebte Ordnung aufs Spiel. Beispielsweise dann, wenn Kinder vorhanden sind und man pl√∂tzlich auf den Hund kommt.

Von Marietta Herzberger

Die grunds√§tzliche Aussage, welche nach zw√∂lf Jahren tierloser Ehe zu treffen ist, und bis heute unverr√ľckbare G√ľltigkeit hat und von mir niemals in Frage gestellt wurde, ist folgende: Ich bin eine gl√ľckliche Ehefrau. Mein Mann ist nicht einfach nur mein Mann, sondern auch Partner, guter Freund und gelegentlich auch Leidensgenosse. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir sind ein eingespieltes Team und stolze Eltern eines liebreizenden, gelegentlich aufm√ľpfigen Kindes mit Namen Ella.

Wir bewohnen ein Haus im behaglichen Weinheim. Ruhige Lage und erstrebenswerte Spuckn√§he zur Autobahn inklusive. M√∂chte ich mit der Stra√üenbahn fahren, ben√∂tigt es lediglich ein paar leichtf√ľ√üige Schritte rechts aus unserer Haust√ľre heraus und -√ā¬† rein ins Gef√§hrt.

Zur Bushaltestelle wende ich mich leicht nach links. Das ist praktisch. Nur nachts nicht. Da n√§mlich st√∂rt das Bimmeln der OEG-Ampel-Warnanlage, das uns alle halbe Stunde mitteilt, dass die Zeit bis zum Weckerklingeln nahe r√ľckt. Wir haben uns daran gew√∂hnt und schlafen mit Ohrst√∂pseln. Das blecherne Surren der Schranke, das ert√∂nt, wenn sich diese herabl√§sst und nach einigen Minuten- untermalt vom Bimmeln – wieder √∂ffnet, versuchen wir noch irgendwie in unsere Tr√§ume einzubauen.

Träume vom Transsibirien-Express

In einer dieser schlaflosen N√§chte hatte mein Mann die rettende Idee: „Schatz, lass uns vom Transsibieren-Express tr√§umen. Da l√§sst sich das Bimmeln so sch√∂n einbetten.“ Ich fand „einbetten“ gut und passend. Seitdem steigen wir ab Einbruch der Dunkelheit beseligt ins Bett und treten unsere gemeinsame Reise an, bis es wieder hell wird.

Unsere Nachbarn sind gr√∂√ütenteils netter, aufger√§umter Durchschnitt und jeder pflegt seinen kleinen Reihenhausgarten mit Hingabe ohne bieder zu sein. Nein, nicht ganz. Am Ende der Stra√üe wohnt ein √§lteres Ehepaar. Dieses ist stolzer Besitzer eines √ľbersichtlichen, mit Inbrunst gepflegten Vorgartens, der sicherlich drei Bierk√§sten fasst und geometrisch einwandfrei mit kleinen, akkurat rund geschnittenen Buchsbaumk√ľgelchen best√ľckt ist.

Damit dieses Kunstwerk niemand zerst√∂rt, wurde ein Stahlzaun in unauff√§lligem Braun, welches vorz√ľglich mit dem Altrosa des Hauses harmoniert, darum gezogen. Aber auch diese Nachbarn sind angenehm h√∂flich und bis auf den Gartenzaun noch nicht straff√§llig geworden.

Kommt Zeit, kommt Wandel

Auf den Hund gekommen?

Wir sind also, wie schon gesagt, eine gl√ľckliche, kleine Familie. Ganz die Norm, nichts Au√üergew√∂hnliches. Nett, normal, beruhigend.

„Ihr seid so herrlich normal“, beneidete mich j√ľngst eine Freundin. Ich gebe ihr Recht. Allerdings hat sie nett und beruhigend vergessen. Bei Gelegenheit werde ich sie darauf ansprechen.

Doch zu einer Zeit des Wandels bestimmte meine kleine sanfte Tochter unerwartet energisch: „Mama, ich will ein Haustier!“

So ist das eben. Wenn die Zeiten pädagogisch wertvollen Spielzeugs vorbei sind, sucht man nach anderen Dingen.

Diverse Forschungen belegen, dass Kinder mit Haustieren, vor allem mit Hunden, √ľber eine gr√∂√üere soziale Kompetenz verf√ľgen und schneller bereit sind, Verantwortung zu √ľbernehmen, als Kinder ohne direkten Tierbezug.

Sie sind meist bewegungsfreudiger, zugleich ruhiger und ausgeglichener. Sie sind also zu Unzeiten ged√§mpft aktiv und das kann bisweilen erstrebenswert sein. Au√üerdem ist erwiesen: Einzelkinder k√∂nnen vereinzelt Defizite im Sozialverhalten aufweisen. Auch reiben sie sich nicht an Geschwistern, sondern an den Eltern, vorzugsweise an der Mutter. Im Prinzip war ich bereits √ľberredet.

„Und was schwebt dir da vor?“ wollte ich von meinem blau√§ugigen Kind wissen.
„Ein Pferd!“
„Ein Pferd ist kein Haustier!“ widersprach eine m√§nnliche Stimme hinter dem Computer.
„Ist es doch! Es kann im Garten leben!“

„Wie w√§re es mit einer Katze?“ warf ich ablenkend in die Runde. „Schatz!“, vorwurfsvoll wandte sich der Vater unserer√ā¬† Tochter mir zu, „du wei√üt, dass ich allergisch gegen Katzen, Hasen und Meerschweinchen bin√Ę‚ā¨¬¶!“

„Mir egal!“ br√ľllte es jetzt von dem tierlosen Einzelkind, „Ich (!) bin aber nicht algerisch! Papa kann ja ausziehen!“
„Ich ziehe nirgendwo hin. Soweit kommt es noch√Ę‚ā¨¬¶!“

Schmollend pulte unser kleiner Sonnenschein mit dem gro√üen Zeh L√∂cher in den Teppich. W√§hrend ich verzweifelt gr√ľbelte, welcher tierische Artgenosse in Frage kommen k√∂nnte, zupfte mich etwas am √É‚Äěrmel.

„Wenn Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“

„Du Mama, wenn der Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“
„Ja klar, dann kriegst du einen Hasen, S√ľ√üe.“

Mein Herzblatt schaute mich dankbar an. Warum? Was hatte ich gerade gesagt? Was lautete noch gleich ihre Frage? Katze? Hase? Wer ist tot? „Papa?“, s√§uselte unser Liebchen zart, „wann stirbst du denn?“

„Du stirbst?“, irgendwie hatte ich den Faden verloren. Ella schaute ihren Vater durchdringend an. Ja, fast schon hypnotisch. Offenbar erwartete sie nun, dass ihr Erzeuger tot vom Stuhl fallen w√ľrde. Der beschloss jedoch spontan, jetzt noch nicht abzutreten, trat stattdessen zu uns an den Tisch und gab seinem Unmut lautstark Raum: „Seid ihr noch zu retten!?“

Ich versuchte, das Gespr√§ch weg von Tod und Teufel auf ein anderes Gleis zu lenken: „Ein Fisch w√§re toll, oder? So ein Nemo in einem Glas“, und l√§chelte gleichzeitig vers√∂hnlich meinem Mann zu: War nicht so gemeint, verzeihst du mir?

„Nemo ist doof!“
„Eine Maus“, kam der m√§nnliche Vorschlag. Er zwinkerte zur√ľck: Wei√ü ich doch, schon okay.
„Maus ist auch doof!“
„Hamster?“, warf ich tr√§ge in die Runde.
„Total bl√∂d!“

Eine Weile sa√üen wir uns schweigend gegen√ľber und suchten nach Alternativen. Doch weder Fu√üboden, Geheimschublade noch Zimmerdecke gaben etwas Brauchbares her. Schlie√ülich, sich endlos ziehende zweieinhalb Minuten sp√§ter, fand unsere Tochter als erste eine neue Idee: „Ein Hund?“ Sie verbl√ľffte mich mit ihrer Raffinesse, die sie nat√ľrlich von mir hat, und richtete diese Frage mit engelsgleichem Blick an ihren Vater: „Einen Hund, Papa. Bitte, bitte, bitte.“

F√ľnfundzwanzigtausend Mal „Bitte“

Alle „Bittes“ hier aufzuz√§hlen w√ľrde zu weit f√ľhren, also belasse ich es bei drei. Es waren aber deutlich mehr. Gef√ľhlte F√ľnfundzwanzigtausend.

Mein Mann und ich schauten uns skeptisch an. Ein Hund. Dreimal am Tag Gassi. Fusselige Haare im ganzen Haus. Ein dreck- und fellverlierendes, sabberndes Betteltier, welches unserer klinisch reinen Ella genie√üerisch das Gesicht ableckt, wenn wir gerade nicht hinsehen? Konnten wir uns vorstellen, gelassen und heiter zu bleiben, wenn unser Goldl√∂ckchen eintr√§chtig mit einem verfressenen Kl√§ffer vor dem Napf sitzen w√ľrde und die beiden sich das Trockenfutter teilen? Und √ľberhaupt, was so was kostet!

In stiller √ÉŇďbereinkunft nickten wir uns zu. Wer von uns w√ľrde den, nach sorgf√§ltigem Abw√§gen getroffenen Beschluss dem kleinen, voll banger Erwartung erstarrten Wesen √ľberbringen?

Seufzend falteten wir die H√§nde. Ellas Augen wuchsen auf die Gr√∂√üe von Billardkugeln. Sie krallte sich in die Stuhllehne, w√§hrend sie heiser fl√ľsterte:“ Ein Hund√Ę‚ā¨¬¶bitte√Ę‚ā¨¬¶ein kleiner Hund√Ę‚ā¨¬¶nicht viel√Ę‚ā¨¬¶.sooo klein!“ Sie formte mit ihren H√§nden und Fingern sowas in der Gr√∂√üe wirklich sehr, sehr kleinen Hundes.

„Also, wenn, dann ein richtiger Hund! Mit so einer Stra√üenratte kann ich nichts anfangen“, brummte mein geliebter, weiser Mann und zwinkerte unserem siebenj√§hrigen Wonneproppen zu.

Ich richtete mich zu voller Sitzgr√∂√üe auf, um dem Begeisterungsturm standhalten zu k√∂nnen, der nun eigentlich folgen musste. Gespannte Vorfreude lie√ü uns Eltern erzittern. Gleich w√ľrde sie uns um den Hals fallen, Freudentr√§nen ihre unverdorbenen Wangen ben√§ssen.

„Ich dachte schon, ihr k√∂nnt euch nie entscheiden“, unser ausgesprochen wohlgeratener Spr√∂ssling verdrehte kurz die Augen, sprachs, stand auf und stellte unger√ľhrt fest: “ Ich hab Hunger. Wann gibt‚Äôs Essen?“
„Gleich!“, hauchte ich m√ľtterlich gefasst.
„Was gibt es denn?“
„Hot Dogs!“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

Mariettas Kolumne: Vom „Isch m√§hn doch nur“ und „So isser halt, de Dieter!“


Guten Tag!

Heddesheim, 24. Januar 2011. Marietta ist noch jung und unerfahren, als sie mit ihrem zuk√ľnftigen Mann die erste Wohnung beziehen will. Dort wird sie mit Dieter konfrontiert, ihrem heutigen Schwiegervater, und es wird eine ganz besondere Begegnung. Lesen Sie selbst.

Von Marietta Herzberger

Kennen Sie Heinz Beckers „Ich saans jo nur√Ę‚ā¨¬¶“?
Die entnervten Antworten seines Sohnes Stefan: „Jooo, Vadder!“ und Hildes resigniertes „Ach, Heinz, des kansch doch so net√Ę‚ā¨¬¶“?

Ist Ihnen Knallinger√ā¬īs „Ja, guten Tach, ich h√§b do mol √§ Froog√Ę‚ā¨¬¶.“, nicht ganz unbekannt?
Dann kennen Sie möglicherweise auch Dieter. Wenn nicht, dann stellen Sie sich eine ungewollt komische Mischung der beiden vor und Sie haben ihn vor Augen.

Heiner Knalliger war gestern. Ebenso Gerd Dudenhöfer alias Heinz Becker. Denn es gibt Dieter. Aber das wissen nur wenige Auserwählte. Beispielsweise ich, mein Mann, dessen Familie, sowie wenige eingeweihte Freunde, denen ich gelegentlich mein Leid klage.

Jetzt kommt Dieter – mein Schwiegervater!

Jetzt kommt Dieter: Der Vater meines Mannes, Großvater unserer Tochter. Mein Schwiegervater!

Dieter ist der verbal zerst√∂rende Faktor jeder Familienzusammenkunft und der Alptraum eines jeden Telefongespr√§ches. Dieter ist nicht nur Brillen-, sondern auch Bedenkentr√§ger und sieht √ľberall die Saat des B√∂sen. Dieter ist der evolutionstechnisch gescheiterte Versuch, aus Knallinger und Dudenh√∂fer einen Mordsbr√ľller entstehen zu lassen.

Da bleibt nur noch Sabbatical oder Valium!

Meine Geschichte mit Dieter beginnt vor ungef√§hr f√ľnfzehn Jahren. Mein Freund – heutiger Ehemann – und ich bezogen stolz unsere erste, total verfallene Wohnung. Seine Eltern erkl√§rten sich bereit, uns bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten zu helfen.

Damals freute ich mich noch – √ľber die segensreiche Hilfe. Mit dem heutigen Wissen allerdings w√ľrde ich mir ein dreimonatiges Sabbatical nehmen, um die Bude auf Vordermann zu bringen; Alternativ zwei: Valium einwerfen.

Ach, was waren wir stolz auf unser erstes Domizil. Klein, ein wenig Schimmel hier und da. Mit zugigen Holzfenstern und modrigem Keller, aber unser. Wie schön!

Der Profi bei der Arbeit: Der guude Tipp.

Dieter schlich bei der Erstbesichtigung mit Mundschutz und Werkzeugkoffer im Anschlag durch jedes Zimmer, klopfte die Wände ab, rubbelte an den Aufputz-Rohren, wischte, trat, saugte und blies. Sein Weib Traudl folgte ihm wortlos mit bedeutungsschwerer Miene.

Weise und erfahren grummelte er wiederholt unter dem Rand seiner schwarzger√§nderten Brille „Hm, Hm, oh je, ach Gott n√§√§…“, wobei er seine Augenbrauen abwechselnd hoch- und zusammenzog.

Ich warf einen irritierten Blick zu meinem Mann „Was soll das?“ Er antwortete mit m√ľrbem Gesichtsausdruck: „Das macht er immer so.“

Dann kam der Moment, in dem ich zum ersten Mal die Worte vernahm, die mir den Rest meines Schwiegertochterlebens in regelmäßigen Abständen begegnen sollten:
„Horsche mol zu√Ę‚ā¨¬¶.!“ Dann folgt eine bedeutungsschwangere Pause: „Wenn ich eisch mol√ā¬īn guuude Tipp gewwe derf√Ę‚ā¨¬¶“

Dieter stand vor uns, ich hing ahnungslos und wissbegierig an seinen Lippen, w√§hrend er mahnend seinen Zeigefinger vor unsere Nasen hob: „Isch h√§dd des net gemacht, mit dere Wohnung do. Also, des iss jo√ā¬īn hauffe √É‚Äěrwed. Ihr wissd gar net, wasser eisch domit aduht!“

Kopfsch√ľttelnd wandte er sich ab, zog seinen Mundschutz herunter und murmelte scheinbar fassungslos so etwas wie „Was des koscht! N√§√§, n√§√§.“

Restlos verschuldet bis ans Lebensende?

Unverz√ľglich wollte ich ein Stockwerk tiefer zum Vermieter st√ľrzen, um den Mietvertrag r√ľckg√§ngig zu machen. Wie konnten wir nur so blind sein. H√§tten wir doch vorher√Ę‚ā¨¬¶ Wenn wir eher den Dieter gefragt h√§tten. Wenn, wenn, wenn√Ę‚ā¨¬¶

Was sollten wir jetzt tun? Verschulden w√ľrden wir uns! Restlos! Bis an unser Lebensende w√ľrde die por√∂se Badewanne des Nachts unsere Tr√§ume heimsuchen und vorwurfsvoll die Ein-Hebel-Mischgarnitur schwenken. T√§glich w√ľrden wir uns bei kargem Fr√ľhst√ľck, Wasser und Brot, gegenseitig anklagen: „Ach, h√§tten wir doch Dieter gefragt!“

Bl√∂dsinn. Ich war nicht bereit, mir „unser“ kaputter machen zu lassen, als es war. Gerade wollte ich zum Sprung ansetzen, da riss mich die beschwichtigende, jedoch leicht genervte Stimme meines Mannes j√§h zur√ľck: „Mensch, Vadder!“

„So schlimm isses doch net.“

Dann vernahm ich die eher zur√ľckhaltende Wortmeldung meiner zuk√ľnftigen Schwiegermutter: „Ach Dieter, komm. So schlimm isses doch net.“

Wie? So schlimm ist es gar nicht? Mein gequ√§lter Blick prallte an der m√§nnlichen Pr√§senz meines Schwiegervaters ab, der unerwartet ausdruckslos den Mundschutz wieder hochzog, den Werkzeugkoffer absetzte, ihn √∂ffnete und dabei nuschelte: „Isch m√§hn jo nur√Ę‚ā¨¬¶“

Gehetzt sah ich zu meinem Mann hin√ľber, der erst die Augen verdrehte und mir dann zuzwinkerte. „Alles halb so schlimm, lass dich nicht verunsichern“, sagte mir seine Geste. „Okay√Ę‚ā¨¬¶ Verstanden“, sagte ich.

Traudl begann, Fenster zu putzen. Es kam mir zu dem Zeitpunkt nicht in den Sinn, sie zu fragen, warum sie das tat, wenn doch erst die Tapeten herunter mussten. Ich war jung und unwissend. Wahrscheinlich m√ľssen M√ľtter das tun, sagte ich mir. Erst einmal Fenster putzen. Dann sieht man „weiter“. Irgendwie.

Dieter war unterdessen dabei, irgendwo ein Loch hineinzubohren. Wahrscheinlich wollte er testen, ob das Fundament das aushalten oder gleich alles einst√ľrzen w√ľrde. Mein Mann pulte Tapeten ab. Ich beschloss, die Situation nun auch f√ľr mich zu entsch√§rfen und tat es ihm gleich.

„Sind wir hier in den 50er Jahren?!“

Dann kam Dieter auf mich zu, dr√ľckte mir Schippe und Besen in die H√§nde und fuchtelte wild mit dem Zeigefinger in Richtung frisch gebohrtes Loch: „Do, mache mol Fraue√§rwed. Mach des mol weg do.“

Und schon bohrte er an anderer Stelle männlich qualifiziert weiter.

Da stand ich nun mit Schippe und Besen – ich Frau – und fing an zu hyperventilieren. Mein Mann lie√ü alle Tapetenreste aus seinen H√§nden fallen und hechtete auf mich zu. Er kannte mich schon verdammt gut. Traudl erstarrte mitten in ihrer schwungvollen Fensterpolieraktion und schaute blutleer zu mir her√ľber.

Doch es war zu spät. Der Schaum stand mir bereits in den Mundwinkeln, meine Hände zuckten unkontrolliert und die Schippe hielt sich verzweifelt an meinem Finger fest.
„Sind wir hier in den 50er Jahren?!“, bl√§ffte ich barsch: „Mach doch deinen Dreck selber weg!“

„So isser halt, de Dieter!“

„Ganz ruhig…,“ tr√∂stend und gleichzeitig nerv√∂s nahm mein Mann mich in den Arm, w√§hrend er mir vorsichtig den Besen aus den verkrampften Fingern l√∂ste.

Traudl stellte sich sch√ľtzend vor ihren Ern√§hrer, Vater ihres einzigen Sohnes, und versuchte, die Situation zu retten. Verlegenen Blickes und sichtlich peinlich ber√ľhrt sagte sie diesen Satz, den ich in Zukunft noch √∂fter h√∂ren durfte: „Ach, der Dieter meint das doch nicht so.“

Der bohrt weiter L√∂cher in die Wand und murmelt: „Isch m√§hn doch nur√Ę‚ā¨¬¶.“

Entschuldigendes Schulterzucken in unsere Richtung von Traudl: „So isser halt, de Dieter!“

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir begr√ľ√üen sie herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

Gabis Kolumne

Die liebe Familie

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Guten Tag!

Heddesheim, 15. November 2010. Die liebe Familie kann man sich nicht aussuchen, meint Gabi und sie weiß, wovon sie redet. Schließlich sind die Verwandten und all die damit verbundenen Erfahrungen immer wieder Thema unter den Frauen.

Man kann sich ja bekanntlich Vieles aussuchen: Das neue Auto, das n√§chste Urlaubsziel, Freunde, den Mann√Ę‚ā¨¬¶Aber was man sich definitiv nicht aussuchen kann ist die eigene Verwandtschaft oder noch schlimmer die angeheiratete.

Die Klagen √ľber die b√∂se Schwiegermutter sind vielf√§ltig und schon oft in der Literatur thematisiert oder in Filmen verarbeitet worden. Aber auch Schwager und Schw√§gerin geben oft Grund zur Klage.

Vor allem die M√ľtter von S√∂hnen – und ich hoffe sehr, dass ich niemals in diese Falle tappen werde – finden oft kein gutes Haar an ihrer Schwiegertochter – und umgekehrt.

Wehe die Schwiegermutter kommt! – Die Familie im Ausnahmezustand

Besonders Leid gepr√ľft ist eine gute Freundin von mir. Reist die Schwiegermutter an, wird sie automatisch krank und die ganze Familie ger√§t in einen Ausnahmezustand.

„Eigentlich will sie nur ihren Kronsohn sehen und der Rest der Familie, vor allem ich, sind nur ein l√§stiges Anh√§ngsel“, jammert meine Freundin. Karten und Briefe werden regelm√§√üig nur an den „Bub“ adressiert und „wenn er abends von der Arbeit kommt macht sie sich f√ľr ihn h√ľbsch. Und ich kann dann die K√ľche machen“.

„Ich werde absolut aggressiv, wenn sie anf√§ngt, meine K√ľche umzur√§umen und tagelang nur das zu kochen, was er als Kind ja schon immer gerne gegessen hat“, erz√§hlt eine andere Freundin. „Gell, das mag der Hans, wenn ich seine Leibspeisen koche“, sagt die Schwiegermutter dann immer freudestrahlend.

Da sieht es eine gute Bekannte von mir schon viel entspannter: „Das ist doch prima, wenn meine Schwiegermutter kommt, b√ľgelt sie die Hemden, putzt die Fenster und kocht. Ich sage immer nur, das machst du klasse und gehe aus dem Haus.“

„Mein Mann wird richtig gehend zum Kleinkind, wenn seine Eltern zu Besuch kommen“, erz√§hlte mir eine Kollegin. „K√ľrzlich brachten sie ihm seine alte Holz-Eisenbahn mit und er hat vor Freude fast angefangen zu heulen.“

„Wenn es doch nur die Schwiegermutter w√§re“, klagt eine weitere Bekannte. „Meine Schwester hat uns k√ľrzlich ihren Zuk√ľnftigen vorgestellt und das war ehrlich eine Katastrophe. Eingebildet bis zum geht nicht mehr, laut und unfreundlich – und mit so einem Menschen soll ich jetzt alle k√ľnftigen Familienfeste verbringen, na danke.“

Bei Kritik folgt die Ehekrise

„Wenn meine Schw√§gerin, ihr Mann und deren drei verzogenen Kinder kommen, w√ľrde ich am liebsten immer sofort ausziehen. Die Erwachsenen sitzen den ganzen Tag am Tisch, essen den K√ľhlschrank und trinken den Keller leer, w√§hrend die Jungs das Haus verw√ľsten. Und wehe ich lasse nur ein Wort der Kritik fallen, geraten mein Mann und ich in eine Ehekrise“, verr√§t mir eine Freundin.

Stein des Ansto√ües kann aber auch der Schwiegervater sein. „Sitzen wir gemeinsam am Tisch meckert er st√§ndig an den Tischmanieren und der Wortwahl der Kinder rum. Das Essen schmeckt nicht wie bei seiner Frau und das Bier ist zu kalt. Das kann ich wirklich nur ein paar Mal im Jahr ertragen“, st√∂hnte eine weitere Freundin.

Da geht es mir schon viel besser denke ich, meine Schwiegereltern leben nicht mehr, was mir nat√ľrlich sehr leid tut, aber so gibt es auch keinen Grund mich √ľber sie zu beklagen. Mein Bruder hat eine reizende Freundin, die zwar etwas exaltiert ist, aber weit genug weg wohnt. Meinen Schwager und seine Familie sehen wir nicht wirklich oft und wenn dann gehen wir meistens zusammen in ein Restaurant.

„Sch√∂n“, sagt mein Mann, als ich ihm abends meine Gedanken mitteilte. „Und wer fragt mich, wie es mir geht, wenn deine Eltern, dein Bruder, deine Tanten und Kusinen an Weihnachten anreisen?“ „Tja, Schatz“, sage ich, „die Verwandtschaft und vor allem die angeheiratete kann man sich bekanntlich nicht aussuchen“.
gabi

Gabis Kolumne

Freunde und Familie sind die besten Zutaten

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Heddesheim, 31. Mai 2010. Grillen ist in Gemeinschaft am sch√∂nsten – meint Gabi. Denn Grillen ist ein Event. Grillen ist Familie, Freunde, Fest – fr√ľher wie heute. Nur schade, dass das Wetter dabei noch nicht richtig mitspielen will.

Schon als ich Kind war, und das ist schon eine Weile her, haben meine Großeltern und Eltern gerne gegrillt.

Mein Gro√üvater war daf√ľr zust√§ndig, er hatte eine Grillsch√ľrze, Grillhandschuhe und eine Grillzange. Auf den Grill wurden Steaks und W√ľrstchen gelegt und manchmal gab es Schaschlikspie√üe, vielleicht auch mal Cevapcici.

Meine Oma machte dazu einen gr√ľnen und einen Kartoffelsalat und es gab Senf, Ketchup und manchmal sogar eine Zigeunerso√üe.

Grillen ist auch heute noch total angesagt. Zugegebenerma√üen dieses Jahr mussten wir ziemlich lange warten, ein paar Tage im April, aber nur f√ľr die Hardcore-Griller, denn abends war es noch √§u√üerst frisch, und dann wochenlang ein verregneter Mai, da kam die Glut nicht richtig zum Gl√ľhen.

Kennen Sie das, man steht im Garten und plötzlich flattert dieser spezielle Geruch von Kohle herbei, da krieg’ ich sofort Appetit.

Also zieht man los in den n√§chsten Supermarkt und schon ist man im Grillparadies. Schauen Sie in die Regale, die Saucenauswahl ist gigantisch. Da reihen sich neben Ketchup-Variationen, asiatische, afrikanische und amerikanische Saucen-Kreationen f√ľr deren Vielfalt ein ganzes Grillleben nicht ausreicht.

Weiter geht’s zur Fleischtheke: Hier finden wir eingelegte Steaks vom Schwein, Rind, Lamm, Huhn, neben exotischen Spießen und Fleischbällchen. Die Fischliebhaber finden an der Fischtheke Garnelenspieße, Tintenfische, Makrelen und die Vegetarier eingelegte Tofu-Steaks und Sojabratlinge.

F√ľr die Gourmets unter den Grillern gibt es in der Buchhandlung selbstverst√§ndlich ein breites Sortiment an Grill-Kochb√ľchern und seit neuestem gibt es auch die „Webber-Grill-Bibel“.

Und damit sind wir auch schon beim Mercedes der Grills angekommen, dem sogenannten Webber-Grill. Denn nur mit diesem amerikanischen M√§nnertraum kommt man in den Grill-Olymp. F√ľr den schmaleren Geldbeutel gibt es den Kugelgrill nat√ľrlich inzwischen auch in preisg√ľnstigen, sprich nachgebauten Varianten. Aber ehrlich, bekommt man dann immer noch das richtige Barbecue-Feeling?

Naja, und weil unsere Welt inzwischen ja so kommunikativ geworden ist, grillen wir jetzt alle gemeinsam mit SWR3 und Johann Lafer. Wochenlang wird per Radio ein gro√ües Grill-Event angek√ľndigt – „Ganz SWR3-Land grillt gemeinsam – zuletzt an Himmelfahrt – und schon geht‚Äôs los.

Ich habe das nicht weiter verfolgt, aber ich bin mir sicher, es hat funktioniert, zumindest bei Johann Lafer, der irgendwo im Studio sa√ü und seiner Grillgemeinde anspruchsvolle Einkaufslisten und komplizierteste Zubereitungstechniken verk√ľndete.

Was ich Ihnen damit sagen m√∂chte? Die sch√∂nsten Grillabende hatten wir immer spontan. Das Wetter war herrlich, der Abend lau, wir riefen Freunde an, schauten, was im K√ľhlschrank oder in der K√ľhltruhe war, jeder brachte was mit.

Der Grill wurde entz√ľndet und der Geruch str√∂mte durch die G√§rten – das ist das Gef√ľhl von Sommer und daf√ľr braucht es keine komplizierte Zutatenlisten, sondern Freude, Freunde und Spontanit√§t.

Denn das sind die Zutaten f√ľr einen sch√∂nen Grillabend – und da freue ich mich jedes Mal wieder drauf.
gabi

Die neue Informationsbrosch√ľre – kritisch betrachtet

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Download: Klicken Sie, um die Brosch√ľre (A2572.pdf) von der Seite der Gemeinde zu laden (10 MB).

Heddesheim, 29. Mai 2010. Am Mittwoch wurde die neue Informationsbrosch√ľre „Leben in Heddesheim“ vorgestellt. Sie soll vor allem Neub√ľrgern eine Orientierung bieten. Das tut sie nur, wenn man sich ausgiebig mit ihr besch√§ftigt. Dann fallen aber auch viele Ungereimtheiten auf.

Von Hardy Prothmann

Die perfekte Informationsbrosch√ľre ist wahrscheinlich bis heute noch nicht erfunden worden – auch nicht mit dieser neuen Brosch√ľre.

Der Heddesheimer Alexander Lenhart hat das neue Erscheinungsbild der Gemeinde im Rahmen seines Kommunikationsdesign-Studiums an der Hochschule Mannheim als Bachelor-Arbeit erstellt.

Die Farben leiten nicht zufriedenstellend.

Das hat er auf den ersten Blick ganz ordentlich gemacht. Kennzeichnend ist eine stilisierte Tabakscheune, die Hausfarbe Ocker leitet sich ebenfalls vom Tabak ab. Auf den zweiten Blick fehlt es aber an einer Kommunikation der Brosch√ľre mit dem Nutzer. Sie ist un√ľbersichtlich gestaltet. Die Farben allein geben keine Orientierung.

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Problem Farbgebung: Macht das alles Sinn?

Tats√§chlich fangen hier die Fragen an: Der Tabakanbau war √ľber viele Jahrhunderte pr√§gend f√ľr den Ort, ist das aber schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich wird schon bald √ľberhaupt kein Tabak mehr in Heddesheim angebaut.

F√ľr meinen Geschmack w√§re eine gr√ľne Farbgebung als Freizeit- und Wohngemeinde sinniger gewesen. Denn das will Heddesheim sein. Von den √ľber 11.000 Einwohnern sind nur siebzehn Bauern und nur einige wenige bauen noch Tabak an. Aber das ist nur eine Meinung.

Mit der Farbgebung gibt es weitere Probleme. Unter der Gemeinde Heddesheim im Farbton Ocker gibt es neun Punkte auf Seite 6. Auf Seite 5 werden viel mehr Inhalte unter der Gemeinde angegeben – auf 28 Seiten. Ein gezieltes Aufschlagen, beispielsweise von „Was erledige ich wo?“ ist nicht m√∂glich, das gibt das Inhaltsverzeichnis nicht her. Es gibt auch am Ende kein Schlagwortverzeichnis. Informativ ist das nicht, sondern m√ľhsam, weil man immer wieder durchbl√§ttern muss, wenn man etwas sucht.

Anzeige

Auch die Orientierung auf Seite 6 f√§llt schwer, ist sie doch nicht alphabetisch. Wieso der Golfclub an erster Stelle unter „Freizeit Heddesheim“ steht und die „Nordbadenhalle 1“ als Punkt 3 aufgef√ľhrt ist, die „Nordbadenhalle 2“ aber als Punkt 5 und dazwischen das „Tennisgel√§nde“ ist unklar und folgt einer unbekannten Logik.

Ebenso die Nennung von Punkt 6 auf Seite 6 unter Gemeinde Heddesheim: Autobahnanschluss A5 steht dort. Gehört der der Gemeinde? Wohl eher nicht.

Redaktionelle Fehler.

ibbahnhof

Der Bahnhof hei√üt k√ľnftig Heddesheim/Hirschberg - nicht so in der Informationsbrosch√ľre.

Auf Seite 18 und 19 erscheint √ĖPNV – √∂ffentlicher Personennahverkehr. Der wird auf Seite 5 genannt, auf Seite 6 steht aber unter Punkt 2 „OEG Bahnhof“ und unter Punkt 3 „DB-Bahnhof Gro√üsachsen/Hedd.“ Der DB-Bahnhof wurde per Gemeinderatsbeschluss in „Heddesheim/Hirschberg“ umbenannt, wird aber die n√§chsten Jahre in der Informationsbrosch√ľre den alten Namen tragen. Ein vermeidbarer Fehler, der wiederholt wird, beispielsweise auch unter „Wirtschaft und Wirtschaftsf√∂rderung“.

A propos Namen: Auch die Johannes-Kepler-Schule wird als eigenst√§ndige Schule genannt. Im Begleittext wird zwar eine Ver√§nderung beschrieben – aber nicht, dass die neue Leitung bei der Martin-St√∂hr-Schule in Hirschberg liegt – denn der gemeinsame Name ist noch nicht gefunden. Daf√ľr wird vom Namen Johannes-Kepler-Schule aber reichlich Gebrauch gemacht.

Auch die Sonderstellung des B√ľrgerhauses in T√ľrkis ist nicht klar – geh√∂rt das nicht zur Gemeinde Heddesheim wie der „Dorfplatz mit Tiefgarage“?

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Banken-Promotion: Welche Wirtschaft wird hier gefördert?

Daf√ľr erscheinen auf Seite 5 unter „Gemeinde Heddesheim“ die Eintr√§ge „Wirtschaft, Banken“ und auch „Vereine/Verb√§nde/Organisationen“. Die Vereine standen fr√ľher unter Freizeit – sind die eingemeindet worden? Und die Wirtschaft sowie die Banken erscheinen auf Seite 34 und 35 unter „Wirtschaft und Wirtschaftsf√∂rderung“. Dort werden haupts√§chlich die Gewerbegebiete angesprochen sowie die Unterdorf- und die Oberdorfstra√üe. Geh√∂ren alle Unternehmen, die sich nicht dort befinden, nicht zur Wirtschaft?

Was die Kirchen unter „Familie und Soziales“ verloren haben, ist auch nicht klar. Sind diese nicht f√ľr Singles da? Und ist ein Gottesdienst eine soziale Einrichtung? Doch wohl eher ein religi√∂ser Akt. Und die Schulen geh√∂ren doch eher unter Bildung? Ebenso die VHS und die B√ľcherei?

Und wieso die Farbe „Rosa“ „Geborgenheit“ vermitteln soll, ist auch nicht klar, denn das tun eher dunkle, satte Farben. Rose steht heute eher f√ľr Weiblichkeit, aber auch Homosexualit√§t. Eindeutig ist hingegen Gr√ľn – Sport, Freizeit, Natur sind damit eindeutig assoziiert.

Der Freizeitwert wird inhaltlich auf Seite 10 unter „Wir √ľber uns“ erst am Ende der zweiten Spalte erl√§utert. Zuvor hei√üt es allerdings: „Durch die verkehrsg√ľnstige Lage an den Autobahnen… ist Heddesheim ein gefragter Wohnort mit hohem Freizeitwert.“ Wieso Autobahnen einen hohen Freizeitwert begr√ľnden, wird nicht klar.

Der wichtigste Teil, die Kontaktdaten, sind irgendwo zu finden.

Der vor allem f√ľr √§ltere Menschen wichtigste Teil, Kontaktdaten zu Verwaltung und anderen Einrichtungen erscheint erst ab Seite 20. Wenigstens wird hier eine alphabetische Ordnung unter „Was erledige ich wo?“ angeboten. Das gilt auch f√ľr „Vereine, Verb√§nde und Organisationen“ auf den Seiten 28-33.

Leider sind auch redaktionell einige Fehler zu finden. So leitet immer noch Pfarrer Heiner Gladbach die katholische Kirchengemeinde St. Remigius – das aber hat l√§ngst „kommissarisch“ Regionaldekan Klaus Rapp √ľbernommen. Und die Leiterin der Hans-Thoma-Grundschule, Frau Gertrud Junghans, hei√üt in der Brosch√ľre „Getrud“.

Wieso statt „Uhr“ das Zeichen „h“ verwendet wird, ist unklar, ebenso ist es kein einheitliches Auftreten, wenn die Gemeinde im Internet unter heddesheim.de firmiert, die Volkshochschule aber unter vhs.heddesheim.net.

Unter „Freizeit“ steht auf Seite 50 der Punkt 2 „Freibad mit Badesee“, gefolgt von Punkt 14 „Hallenbad“ , gefolgt von Punkt 6 „Kunsteisbahn“ und von Punkt 1 „Golfclub“. Hat das Methode? Und wenn ja, welche?

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Auch der Dialekt hat ein Recht auf richtige Schreibweise.

Unvermittelt taucht auf Seite 64 (die Seitenzahl fehlt, wie sehr oft im Heft) unter Heddesheimer Traditionen nun wieder in Ocker ein „traditionelles Gericht“, die „vaschlubbde Aija“ auf. Sch√∂n im Dialekt geschrieben – mal abgesehen davon, ob die „Transkription“ tats√§chlich zutreffend ist, in dem kurzen Text sind gleich zwei Fehler: einmal wird „unn“ mit drei „n“ geschrieben, ein anderes mal steht „und“ im Text, „danach“ hei√üt einmal „danoch“ und einmal „nodad“… Weiter findet sich „ck“, was vermutlich eher ein „gg“ sein m√ľsste und auslautendes „t“, was eher ein „d“ sein sollte. Als „Noigeplaggde“ will ich mich hier aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

ibgewerbe

Unterst√ľtzungsbed√ľrftiges Gewerbe...

Auf der gef√ľhlten Seite 66 (keine Seitenzahl) steht dann: „Bitte unterst√ľtzen Sie unsere Gewerbetreibenden…“ Es gibt in der Brosch√ľre viele Formulierungen, die leider dem gestelzten Beamtendeutsch entspringen, aber muss das sein: „Bitte unterst√ľtzen Sie…“? Sind die Gewerbetreibenden notleidend? Und was machen Betriebe wie die „Viernheimer Stadtwerke“ darunter, die sicherlich kein Heddesheimer Betrieb sind?

Und hier wundere ich mich als Unternehmer umso mehr, als auch ich gerne die „kostenlose Verteilung“ der Brosch√ľre mit einer Anzeige unterst√ľtzt h√§tte. Immerhin ist das heddesheimblog die einzige eigenst√§ndige journalistische Redaktion im Ort, ist eine Unternehmensneugr√ľndung, deutschlandweit in der Branche bekannt und gilt vielen als Modell f√ľr die Zukunft des Lokaljournalismus. Es gab keine Information √ľber die Werbem√∂glichkeit, keine Anfrage. Der Grund: unklar.

Optimaler Einblick?

Vielleicht sollte ich mich deswegen an die kommunale „Wirtschaftsf√∂rderung“ wenden. Wo war die noch einmal zu finden? Irgendwo zwischen Seite 10 und 37. Das wei√ü ich aber nur, weil ich die ganze Brosch√ľre durchgebl√§ttert habe. Nur bl√∂d, dass ich mir die Seitenzahl nicht gemerkt habe.

Also bl√§ttere ich noch einmal, angefangen beim „Inhaltsverzeichnis – f√ľr einen optimalen Einblick in unsere Gemeinde“ auf der gef√ľhlten Seite 5, denn auch hier fehlt die Seitenzahl, ebenso wie ein Hinweis auf die Inserenten ab Seite 67.

Wer will, kann der Gemeinde eine R√ľckmeldung (modern „Feedback“) geben:

„Um ein Feedback zu bekommen, sind die Leserinnen und Leser der neuen Brosch√ľre dazu aufgerufen, ihre Meinung an die Gemeinde zu √ľbermitteln. Bitte senden Sie uns dazu bitte eine E-Mail an√ā¬†broschuere@heddesheim.de. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.“

Wof√ľr die Anregungen allerdings gut sein sollen, verr√§t die Gemeinde nicht. Die Brosch√ľre ist gedruckt.

Link:
Wer m√∂chte, liest beim Mannheimer Morgen nach, wie dort √ľber die Informationsbrosch√ľre berichtet wurde. Denn es ist immer besser, sich aus mehr als einer Quelle zu informieren…
Und weils so sch√∂n ist, noch ein Text: Informationen satt…

Gabis Kolumne

Das System Katze und was ich √ľber mich gelernt habe

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Guten Tag!

Heddesheim, 12. April 2010. Schmusekatze, Haustiger, Kratzb√ľrste – Katzen haben viele Synonyme und wahrscheinlich alle zu Recht. Katzen sind l√§ngst keine Nutztiere mehr, sondern leben in der Familie. Zu Recht? Irgendwie schon, meint Gabi – auch, wenn sie das System Katze erst lernen musste.

Ich habe hier schon viel √ľber meine Kinder und meinen Mann geschrieben, aber zwei Mitglieder unserer Familie habe ich bislang verschwiegen. Und das ist eigentlich str√§flich, haben sich die beiden doch einen festen Platz in unserem Leben erobert: Ich meine unsere beiden Katzendamen.

Als ehemalige Hundebesitzerin war mir das System „Katze“ zun√§chst fremd.

katzen

Das System Katze musste Gabi erstmal lernen. Bild: privat

Eine Kollegin erzählte mir vor drei Jahren von jungen Kätzchen auf einem Bauernhof, die keiner wollte. Als die Kinder nicht zuhause waren, fuhren mein Mann und ich eine gute halbe Stunde zu diesem Hof, um uns die Kätzchen anzuschauen.

Hund und Katze?

Dort angekommen sahen wir sofort die Katzenmutter mit drei Jungen und einen riesigen Hofhund. Komisch, dachte ich, die sind wie „Hund und Katze“ hei√üt doch, dass man sich nicht versteht? Ich fragte meinen Mann. Der sagte das, was ich so an ihm „liebe“: „Das kommt darauf an.“

Gemeinsam fraßen Hund und Katzen aus einem sehr großen Napf.

Es kommt also darauf an. Auf was? „Ob die sich kennen und miteinander aufgewachsen sind.“ Aha, dachte ich. Wie im richtigen Leben.

Uns gefiel sofort ein kleines wei√ües K√§tzchen mit einem graugestreiften Schwanz und einem grau-braunen Fleck auf dem R√ľcken, der so aussah, als w√§re der Schwanz in Farbe getunkt worden und h√§tte dann den R√ľcken gestreift.

Das weiße Kätzchen könnten wir gerne mitnehmen, sagte uns der Sohn des Hauses, die anderen beiden seien schon vergeben.

Nutztiere.

In der Scheune sei noch ein weiteres K√§tzchen, von dem er uns aber nur abraten k√∂nne, es sei das j√ľngste aus dem Wurf, w√§re aggressiv, scheu und w√ľrde sofort zubei√üen. Der etwa achtj√§hrige Junge guckte uns herausfordernd an – anscheinend hatte er nicht zum ersten Mal K√§tzchen weggegeben. Ich dachte: Wie kann der so cool sein und erinnerte mich, dass wir auf einem Bauernhof waren, wo die meisten Tiere einen „Nutzen“ haben.

Wir wollten aber gerne zwei Katzen. Der Junge seufzte nach dem Motto: Die wissen nicht, was sie tun – zog sich Arbeitshandschuhe an und machte sich auf die Suche. Mit einem kleine Etwas am Handschuh kam er zur√ľck aus der Scheune.

Wie angek√ľndigt, hatte sich die kleine Katze in den Handschuh verbissen und zappelte und kratzte. Auf dem Boden abgelegt fauchte sie, was das Zeug hielt.

Liebe auf den ersten Blick.

Und ich sah es genau, schon beim ersten Blick hatte sich mein Mann unsterblich verliebt.

Mit zwei v√∂llig ver√§ngstigten Katzen im Auto machten wir uns auf den R√ľckweg.

Die n√§chsten Tage verbrachten wir damit, die beiden unter dem Sofa oder hinter dem Schrank hervorzulocken. Und schon nach kurzer Zeit wurde das wei√üe K√§tzchen sehr zutraulich und war bald der Liebling der Kinder. Die kleine „Wilde“, war ein vollkommen versch√ľchtertes Tier, das sich kaum ans Futter traute und √ľber Wochen sofort anfing zu fauchen, wenn sich ihr jemand n√§herte.

Das ist jetzt drei Jahre her. Und von Sch√ľchternheit keine Spur mehr. Hat man einen Hund, ist man sein „Herrchen/Frauchen“, hat man Katzen so ist man ihr „Diener“.

Denn obwohl eine Katzenklappe den beiden „Damen“ erm√∂glicht jederzeit von Drinnen nach Drau√üen und umgekehrt zu gelangen, sorgen die beiden mit lautem Miauen und vorwurfsvollem Blick daf√ľr, dass wir t√§glich unz√§hlige Male die Haus- oder die Terrassent√ľr √∂ffnen, um sie raus oder rein zu lassen.

Jammern gehört zur Liebe.

Wenn ich morgens die K√ľche betrete, muss ich innerhalb der n√§chsten 5 Sekunden die Futtern√§pfe f√ľllen, denn das j√§mmerliche Miauen und das Umstreifen meiner Beine, erinnert mich daran, dass hier zwei kurz vorm Verhungern sind – dramatischer geht‚Äôs nicht. Keins meiner Kinder hat je diesen Nerv getroffen, der mich fernsteuert wie eine Puppe.

Katzenk√∂rbchen? Fehlanzeige. Beide haben sich inzwischen Pl√§tze auf dem Sofa erobert. Dies wiederum geschieht nahezu lautlos raffiniert. Erst kuscheln sie sich an, wenn man auf dem Sofa sitzt oder liegt – und wer br√§chte es da √ľbers Herz, sie da zu verscheuchen – und dann liegen sie zuf√§llig auch mal dort, wenn keiner von uns dabei ist. Und irgendwann ist klar, dass es √ľberhaupt keine Diskussion dar√ľber gibt, dass das ihr Platz ist.

Und jetzt noch was zum Thema Jagd. Wer Katzen hat, darf nicht zimperlich sein.

Grausame Natur?

Unsere wei√üe Katze ist eine hervorragende J√§gerin. Sobald der Fr√ľhling kommt, bringt sie uns kleine und gro√üe M√§use, mit s√ľ√üen Augen. Meistens lebend, denn Katzen sind ja „verspielt“.

Als Liebesbeweis bekam unser Sohn letzten Sommer einen Vogel ins Zimmer nicht ge-, sondern zerlegt. Bett und Boden waren √ľbers√§t mit Federn, es sah aus wie ein Schlachtfeld.

Aber auch die Reste eine Mäusemahls sind nicht wirklich lecker.

Unsere J√§gerin ist nicht nur gro√üartig im Fangen, sondern – und das k√∂nnen Sie mir jetzt glauben oder nicht – sie imitiert auch Vogelstimmen. Sie sitzt vor der Terrassent√ľr, beobachtet die V√∂gel im Garten und gibt gurrende Ger√§usche von sich, die sich manchmal auch anh√∂ren wie ein Gackern.

Die ehemals „Wilde“ ist sich f√ľr die Jagd meist zu fein oder es ist ihr einfach zu anstrengend, weil man ja auch sonst nicht verhungern muss.

Katzen lassen lieben.

Und während man von seinem Hund treu geliebt wird, lassen Katzen lieben.

Trotzdem: Kommen wir nach Hause, sind sie meist sofort zur Stelle. Schon von Weitem erkennen sie das Geräusch des Autos und sobald wir in den Hof fahren, kommen sie angetrottet.

W√ľrde man jetzt erwartet, freudig begr√ľ√üt zu werden, w√ľrde man entt√§uscht. Katzen haben eine andere Sprache – sie ist oft zur√ľckhaltender, manchmal aber auch unerbittlich herzerw√§rmend, vor allem, wenn sie voller Zufriedenheit schnurren.

Der Blick, mit dem wir begr√ľ√üt werden, sagt: „Gut, dass ihr wieder da seid“. Dann drehen sich unsere Katzen um, und gehen wieder ihren Weg.

Sie sind Teil der Familie, l√§ngst keine „Nutztiere“ mehr, nicht wild, aber irgendwie doch.

Auch nach drei Jahren lerne ich immer noch das „System Katze“ – und das gibt einem etwas f√ľrs Leben mit.
gabi

Gabis Kolumne

Die Socken-Plage

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Guten Tag!

Heddesheim, 08. Februar 2010. Manche Menschen denken, dass sie Probleme haben. Manche haben tatsächlich ein Problem Рmit was auch immer. Gabi hat ein ganz konkretes Problem und das heißt: Socken. Die Socken-Plage ist sogar ein ganz und gar unlösbares Problem, meint zumindest Gabi. Immer montags.

Sie wissen schon, dass ich nicht gerne b√ľgle. Was ich noch weit mehr verabscheue ist das Sortieren von Socken.

H√§tten meine Lieben bunte Socken – rote, gelbe, gr√ľne -, w√§re das Socken-Chaos vielleicht noch spa√üig. Aber: Bis auf meine Tochter tragen alle anderen schwarze bis dunkelblaue oder dunkelgraue Socken. (Sie wissen schon: Wei√üe Tennissocken gehen gar nicht…)

Doch das Zusammenlegen dieser „Kleidungsst√ľcke“ artet alle paar Tage in ein nervenzerrei√üendes Puzzlespiel aus.

Fies: Die blöden Socken sehen irgendwie alle gleich aus.

Denn: Wären die Socken wenigstens alle gleich, könnte man sie beliebig paaren.

Doch Socken sind so unterschiedlich wie die Menschen. So muss man nach den Unterschieden suchen, um das jeweilige Pendant zu entdecken.

Das Fiese dabei: Sie sehen fast gleich aus. Das Detail, das Besondere entscheidet, welche Socke zur anderen gehört.

Die Folge: Wer mit einem verschiedenen paar Socken durch die Welt l√§uft, ist entweder genial, verrr√ľckt oder… schlampig.

Wer ist schon genial? Und wer will schon eine der anderen Optionen ziehen? Oder daf√ľr verantwortlich sein? Und wer will sich schon auf seine Socken reduzieren lassen?

Ordentliche Menschen tragen ordentliche Socken. Wer ist daf√ľr verantwortlich? Ich.

Ordentlich gesockt durchs Leben zu Laufen ist also wichtig. Das Sockenzusammenlegen ist eine Aufgabe, die √ľber das Image entscheidet.

Stellen Sie sich mal vor, wenn Sie oder jemand, f√ľr den Sie verantwortlich sind, im Fernsehen gezeigt wird und die Kamera zeigt „unordentliche“ Socken? Da kann man sagen, was man will, sich verhalten, wie man will… Die Socken entscheiden. (Ich gucke immer auf die Socken, Sie nicht?)

Wer die Socke nicht achtet, der verliert.

Sockenzusammenlegen ist also eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Hinderlich ist: Beim Waschen gehen aus unerfindlichen Gr√ľnden immer wieder welche verloren. Die „bessere H√§lften“ fristen dann einsam und verlassen in meinem W√§schekorb ihr Singledasein und warten auf einen Partner, der wahrscheinlich nie zur√ľckkehrt.

Irgendwann habe ich mal in einer Frauenzeitschrift gelesen, dass zwischen W√§schetrommel und Waschmaschine eine L√ľcke entstehen kann und die Socke hierdurch verschwindet und dann durch den Abfluss in die Kanalisation gezogen wird.

Horror: Vereinsamte Socken finden nie mehr zueinander.

Schaurige Vorstellung. Irgendwo da draußen treffen sich dann all die einzelnen Socken und suchen verzweifelt nach ihrem Partner, den sie nie mehr wieder finden.

(Arni löst das Sockenzusammenlegenproblem so)

Da sich dieser Socken-Sortier-Horror wöchentlich bei mir wiederholt, wollte ich gerne von meinen Kolleginnen wissen, wie sie diese hausfrauliche Herausforderung bezwingen.

„Ich mach das ganz einfach“, erz√§hlte die eine, „wir haben im Bad einen gro√üen Korb stehen und da werfe ich die frisch gewaschenen, einzelnen Socken meiner Jungs und meines Mannes hinein, die m√ľssen sich die schon selbst zusammensuchen. Jahrelang habe ich mich damit gequ√§lt, vor allem, dass die Socken immer falsch herum in der W√§sche landen. Damit ist jetzt Schluss: Ich dreh‚Äô sie nicht mehr um und lege sie nicht mehr zusammen.“

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal echt emanzipiert und konsequent. In meiner Phantasie stelle ich mir einen riesigen Korb voller Socken vor.

Lösungsansätze, die mir nichts, aber auch gar nichts nutzen.

„Und wie machst Du das?“, fragte ich meine √§ltere Kollegin. „Na ja, wir sind ja nur noch zu zweit, da ist das nicht mehr so aufw√§ndig. Ich lege die Socken paarweise zusammen, stecke sie nur am Bund leicht zusammen und sortiere sie nebeneinander und farblich abgestimmt in die Schublade meines Mannes. Socken verwinden nie bei uns und mein Mann dreht sie nat√ľrlich auch auf die richtige Seite bevor sie im W√§schekorb landen“, gibt sie bereitwillig Auskunft.

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal ordentlich. Aber irgendwie habe ich ihr nicht geglaubt. Denn das Problem des „Sockenlochs“ in der Waschmaschine hat sie ausgeklammert.

Eine j√ľngere, noch kinderlose Kollegin h√∂rte uns aufmerksam zu und sch√ľttelte dann den Kopf: „Was ihr euch Probleme macht… Wir haben das ganz einfach gel√∂st. Die Socken meines Freundes sind alle schwarz und von der gleichen Marke, ich trage nur Nylonstr√ľmpfe oder seine Socken.“

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal strukturiert. So, denke ich, habe ich das vor meiner Zeit als Mutter und Hausfrau auch gemacht.

„Konsequent, ordentlich, strukturiert“ schwirrt es mir durch den Kopf.

Ich habe keinen Freund, sondern einen Mann und au√üerdem noch Kinder. Ich kann nicht anders: Ich bin f√ľr alle da. Auch als Sockenumdreherin.

Meine Frage wurde nicht beantwortet: Was fange ich jetzt mit diesen Informationen an?

Stelle ich jetzt einen Korb im Bad auf und riskiere, dass mein Sohn mit ungleichen Socken (das w√ľrde er tun) als verr√ľckt abgestempelt wird? Niemals!

Werfe ich alle Socken weg und kaufe neue, die nach Farbe und Marke den einzelnen Familienmitgliedern farblich zugeordnet werden? Dann d√ľrfte ich niemals mehr die Socken der M√§nner anziehen, weil ich meine noch nicht zusammengelegt habe. Vollkommen unpraktisch!

Wann wird es endlich Sommer? = Sockenfreie Zeit

Oder erziehe ich meine Familie dazu, die Socken paarweise und umgedreht in den Wäschekorb zu werfen und danke es ihnen mit farblich sortierten Sockenschubladen? Utopische Vorstellung Рdas mit der Erziehung.

Keine dieser L√∂sungen kommt also f√ľr mich in Frage, da bleibt nur eins: Ich freue mich auf den Sommer, da tragen zumindest meine Tochter und ich – und ab und an auch die M√§nner – keine Socken.

Das reduziert das Problem, also die Socken-Plage, zumindest f√ľr einige Monate um mindestens 50 Prozent.

gabi

Gabi√ā¬īs Kolumne: Sonntag ist Familientag

Schön, dass es die Familie gibt. Sie gibt einem Harmonie, Halt und Hoffnung Рmanchmal wird aber nur ein Kuchen draus, sagt Gabi. Hier backt zusammen, was zusammengebackt gehört.

„Und, was wollen wir heute Sch√∂nes unternehmen?“, versuche ich morgens am Fr√ľhst√ľckstisch mit munterer Stimme meine Lieben zu motivieren.

Keine Reaktion. „Wir k√∂nnten doch laufen gehen√Ę‚ā¨¬¶“. „Oh Gott, blo√ü nicht wandern“, kommt von meiner Tochter entsetzt. „Ich meinte ja nur auf die Strahlenburg, naja oder um den Anglersee, ich lade euch auch danach zum Eis ein“, sage ich. Die Begeisterung ist ungef√§hr so gro√ü, als w√ľrde am Polarkreis jemand ernsthaft Eisw√ľrfel verkaufen wollen.

„Warum gehen wir nicht bowlen?“, fragt mein Sohn.

Die Sonne scheint und ich sehe mich schon in einem d√ľsteren Bowling-Center.

„Wir sollten etwas drau√üen machen, warum fahren wir nicht mit dem Fahrrad nach Feudenheim, dort k√∂nnten wir auch Eis essen“, meldet sich jetzt immerhin mein Mann zu Wort. „Auf keinen Fall Feudenheim, da kennt man mich“, entgegnet mein pubertierender Sohn, der mindestens „zwei Gr√ľnde“ hat, um nicht nach Freudenheim zu wollen – beide sind weiblich.

„Wenn ihr euch nicht entscheiden k√∂nnte – ich habe noch genug zu tun“. Mit diesen Worten verzieht sich mein Mann an den Schreibtisch. Was nat√ľrlich mein Sohn ebenfalls zum Anlass nimmt sein Zimmer aufzusuchen.

Prima, denke ich, was f√ľr ein sch√∂ner Sonntag. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Vor meinem geistigen Auge sehe ich all die gl√ľcklichen Familien, die in wahrer Harmonie das Sonntagsprogramm absolvieren, die gemeinsam wandern, bowlen, Fahrrad fahren√Ę‚ā¨¬¶ Mir bleibt nur die Besch√§ftigung mit der W√§sche.

ak

Eine runde Sache ist so ein Apfelkuchen als M√ľtter-Besch√§ftigungsprogramm, meint Gabi.

„Mama, wir k√∂nnten doch einen Kuchen backen“, schl√§gt meine Tochter vor und ich kann mich nicht des Gef√ľhls erwehren, dass es sich dabei um ein Mutter-Besch√§ftigungs-Programm handelt.

Resigniert und frustriert hole ich R√ľhrsch√ľssel und Mixer hervor, meine Tochter studiert zwischenzeitlich das Backbuch.

„Und wie wollt ihr einen Kuchen backen ohne Eier“, l√§sst sich mein Mann vernehmen. „Richtig, alter Rechthaber“, denke ich, „die letzten haben wir heute Morgen zum Fr√ľhst√ľck verbraten, zu dem Du an den gedeckten Tisch gekommen bist“.

„Zum Bauern?“, fragt mein Mann und grinst. Ich grinse auch. Der Schlawiener hat es geschafft: erst ein bisschen mosern und dann doch gro√üz√ľgig nachgeben ist die Strategie. Ich lass sie ihm und wir vier schwingen uns auf die R√§der, fahren √ľber die Felder zum Bauern, holen Eier, backen einen Apfelkuchen und verbringen anschlie√üend mit einem „Grillerchen“ einen sch√∂nen Sonntagabend.

Keiner musste bowlen oder wandern, wir sind zusammen mit einem „Ziel“ Fahrrad gefahren und ich war besch√§ftigt: Ist doch super gelaufen.

Manchmal klappt es ja dann doch noch – und der Kuchen ist sehr lecker geworden.