Samstag, 11. Juli 2020

„Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“ – Hommage an Hilde Domin

Guten Tag!

Heddesheim, 15. November 2010. Im Alten Rathaus wurde am Sonntag, den 14. November 2010, die Ausstellung „Hommage an Hilde Domin“ eröffnet. Die Heddesheimer KĂŒnstlerin Veronika Drop zeigt sehr persönliche Bilder zu den Gedichten der Heidelberger Schriftstellerin.

Von Sabine Prothmann

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Die KĂŒnstlerin Veronika Drop mit ihrem "Lieblingsbild".

Mit der Ausstellung „Hommage an Hilde Domin“ endet das Jahr fĂŒr den Heddesheimer Kunstverein, so der Heddesheimer KĂŒnstler Bernd Gerstner bei seiner BegrĂŒĂŸung. Mit Veronika Drop stellt, wie es einmal jĂ€hrlich Tradition sei, eine KĂŒnstlerin aus den eigenen Reihen aus. Mit gut 70 Besuchern waren die AusstellungsrĂ€ume in der Rathausgalerie gut gefĂŒllt. Ein toller Erfolg fĂŒr Veronika Drop und fĂŒr den Heddesheimer Kunstverein.

In den AusstellungsrÀumen des Heddesheimer Kunstvereins hÀngen 21 Bilder von Veronika Drop, die sie innerhalb eines Jahres von 2006 bis 2007 zu den Gedichten von Hilde Domin geschaffen hat. Die Bilder sind in Acryl und Eitempera auf Leinwand gemalt. Es ist Drops AnnÀherung an die Gedichte und Person Hilde Domin.

Auf der Spur von Hilde Domin

Die Lyrikerin Hilde Domin habe bei ihren Lesungen ihre Gedichte immer zweimal gelesen, sagt Veronika Drop: „Ich habe die Gedichte oft zehnmal und mehr gelesen und die Bilder immer und immer wieder ĂŒbermalt, bis ich dachte, jetzt bin ich auf der Spur.“

In ihrer EinfĂŒhrung erzĂ€hlt die gebĂŒrtige RheinlĂ€nderin, die schon lange in Heddesheim lebt und Mitglied des Kunstvereins ist, vom Leben der „Exilschriftstellerin“:

Hilde Domin wurde als Hilde Löwenstein, Tochter eines Rechtsanwaltes und einer ausgebildeten SĂ€ngerin 1909 in Köln geboren. Zum Jura-Studium ging sie zunĂ€chst nach Heidelberg, spĂ€ter nach Köln, Bonn und Berlin und 1931 wieder zurĂŒck nach Heidelberg, wo sie auch ihren Mann, den Altphilologie- und ArchĂ€ologiestudenten Erwin Walter Palm kennenlernte.

1932 reiste das jĂŒdische Paar zunĂ€chst zum Studium nach Rom, das nach Ernennung Hitlers zum Reichskanzler zur ersten Exilstation wurde. Als sie auch in Italien nicht mehr bleiben konnten, flĂŒchteten sie nach London und von dort schließlich in die Dominikanische Republik. Dort wirkte Domin als Assistentin ihres Mannes und unterrichtete Deutsch.

Erste schriftstellerische Versuche startete sie 1946. Der Tod der Mutter und die Krise in ihrer Ehe fĂŒhrten dann zu den ersten Veröffentlichungen 1951 – als Anfang und Heimkehr.

FĂŒnf Jahre spĂ€ter kehrten sie in ihre alte Heimat, nach Heidelberg, zurĂŒck. Inzwischen nannte sie sich „Domin“ zu Ehren ihrer Exilheimat, der Dominikanischen Republik. Seit 1961 arbeitete Hilde Domin als freie Schriftstellerin. Ihr Werk wurde in mehr als 20 Sprachen ĂŒbersetzt.

Im Wintersemester 1987/88 hielt sie als vierte Frau nach Ingeborg Bachmann, Marie Luise Kaschnitz und Christa Wolf die Frankfurter Poetik-Vorlesungen.

Zu ihrem 95. Geburtstag 2004 wurde Hilde Domin die EhrenbĂŒrgerwĂŒrde der Stadt Heidelberg verliehen. Bereits 1992 stiftete die Stadt ihr zu Ehren den alle drei Jahre vergebenen Literaturpreis „Literatur im Exil, der seit ihrem Tod „Hilde-Domin-Preis fĂŒr Literatur im Exil“ heißt. 2006 wurde sie Ehrenmitglied des P.E.N.-Club des Exils.

2006 stirbt die Lyrikerin in Heidelberg und wird auf dem Bergfriedhof neben ihrem 1988 verstorbenen Ehemann beigesetzt.

Auf der Grabplatte steht: „Wir setzten den Fuß in die Luft und sie trug“.

In ihren Gedichten und Schriften rief die Exilschriftstellerin immer wieder zum Neuanfang auf. Ihr Grundvertrauen sei ihr nicht verloren gegangen, so Drop. Domin gehörte nie zur Avantgarde. Ihre Klarheit, Ehrlichkeit und UnabhĂ€ngigkeit gefallen der KĂŒnstlerin Veronika Drop.

Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“

Pastellfarbene Töne, Wolken, die sich tĂŒrmen, dazwischen Halt gebende Linien – „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“, ist das Lieblingsbild der Malerin Veronika Drop.

„Erst sollte in den Wolken eine Treppe entstehen, doch ich habe immer und immer wieder mit Eitempera darĂŒber gemalt bis das Bild so entstanden ist“, erzĂ€hlt Drop. Dieses Bild sei ihr persönlichstes, weil es auch Situationen in ihrem Leben beschreibt. Mutig sein, den Fuß ins Unbekannte setzen – und feststellen, es trĂ€gt.

„Seit ich lebe, habe ich einen Stift in die Hand genommen“, erzĂ€hlt Drop. Eine Reihe von Ausstellungen gibt davon Zeugnis. 2006 habe sie intensiv angefangen, sich mit Hilde Domin zu beschĂ€ftigen und „ich wollte immer mehr ĂŒber sie erfahren“. Innerhalb eines Jahres sind die 21 ausgestellten Bilder entstanden.

Auch die anderen Bilder sprechen von persönlichen Erfahrungen. Es sind die der Lyrikerin, der Malerin und die des Betrachters. Drop gibt ihren Bildern die Titel von Domins Gedichten. Sie erzĂ€hlen von Emotionen und Lebenserfahrungen, von „Versöhnung“, „Tröstung“, „Aufbruch ohne Gewicht“.

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"Harte fremde HĂ€nde". Eine Collage.

Lesung am kommenden Sonntag

In „Harte fremde HĂ€nde“ hat Veronika Drop Fotografien von Hilde Domin eingewoben. Eine Collage, die immer und immer wieder ĂŒbermalt wurde. Wie aus Fenstern schaut die Schriftstellerin hervor. Die Worte des Gedichts fließen ĂŒber das Bild.

Unter dem Dach der Rathausgalerie haben die Besucher die Möglichkeit, den Film von Anna Ditges „Ich will dich“ – eine Begegnung mit Hilde Domin, anzuschauen.

Die Ausstellung ist noch bis 12. Dezember, sonntags von 14 bis 17 Uhr, geöffnet. Am kommenden Sonntag, 21. November, liest Marion Tauschwitz, Autorin von „Dass ich sein kann, wie ich bin – Hilde Domin. Die Biografie“. Die Veranstaltung beginnt um 14.30 Uhr.

Viel Freude mit den Fotos.

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