Donnerstag, 23. Januar 2020

Zeitgemäßes Design, "neue Maßstäbe" (bisher) Fehlanzeige

Ländle mit neuer Homepädsch

Rhein-Neckar, 04. Februar 2013. (red/zef) Seit dem 01. Februar 2013 hat das Land Baden-W√ľrttemberg eine neue Online-Plattform. Die Homepage soll neue Ma√üst√§be setzen, damit ‚Äěsich die B√ľrgerinnen und B√ľrger mit Politik auseinandersetzen‚Äú, sagt die Silke Krebs, Ministerin im Staatsministerium. Wir haben uns die Seite angeschaut: „Neue Ma√üst√§be“ gilt im Vergleich mit der alten Seite bestimmt, das Design ist frisch und modern ‚Äď inhaltlich und konzeptionell kann die Seite aber durchaus noch zulegen. Immerhin: In den ersten drei Stunden nach dem Start am 1. Februar haben bereits 2.500 Menschen insgesamt 15.000 Seiten aufgerufen – und das innerhalb von drei Stunden.

Von Ziad-Emanuel Farag

Oben sind die f√ľnf strukturierenden Elemtente zu sehen, darunter der anschauliche Slider mit aktuellen Artikeln. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Sofort sticht der ansprechende Slider ins Auge. Dieser pr√§sentiert aktuelle politische Themen anschaulich. Hier kommen nicht nur Artikel, sondern auch andere Medien wie Videos oder Fotostrecken zum Einsatz¬† Aktuelle Beispiele w√§ren: Ein Zeitstrahl dar√ľber,was die gr√ľn-rote Landesregierung bisher geleistet hat, die Ganztagsschule oder die Bildungsgerechtigkeit. Man kann den Slider automatisch die Artikel abspielen lassen oder einfach bequem per Pfeil in der Mitte oder der Navigationsleiste unten wechseln.

Besonders brisant wirkt der „transparente Landeshaushalt“. Hier gibt es zwar viel Zahlenwerk: Das Regierungspr√§sidium Stuttgart erh√§lt 8,4 Millionen Euro f√ľr Bundesautobahnen, w√§hrend Kalrsruhe 4,4 Millionen Euro erh√§lt . Viele Fragen bleiben hier aber v√∂llig unbeantwortet: Wieviel Geld wird in welche Autobahnen investiert? Da stehen viele Zahlen – ohne weitere Informationen sind sie kaum zu nutzen. Da steht gar nichts! Bei den Hochschulen ist der Landeshaushalt auch sehr pauschal: Einzeln aufgeschl√ľsselt werden die aktuellen Zuwendungen f√ľr Bauma√ünahmen. √úber die Verteilung der restlichen 336 Millionen Euro erf√§hrt man nichts. Blo√ü keine Verteilungskritik riskieren, scheint hier die Devise zu lauten. Der „transparente Landeshaushalt“ verspricht mehr als er h√§lt. Die Bedienung ist zudem √§u√üerst umst√§ndlich.

Die Seite unterteilt sich ingesamt in f√ľnf Rubriken: ‚ÄúUnser Land‚ÄĚ, ‚ÄúRegierung‚ÄĚ, ‚ÄúBW gestalten‚ÄĚ ‚ÄúService‚ÄĚ und ‚ÄúBeteiligungsportal‚ÄĚ. Die ersten vier erm√∂glichen eine einfache Orientierung. Legt man den Cursor auf einer dieser Buttons, wird eine umfangreiche, aber √ľbersichtliche Auflistung der Unterpunkte angezeigt. In der Rubrik „Regierung“ gelangt man schnell zu Vorstellungen der Regierungsmitglieder und ihrer Ministerien. „Unser Land“ bietet einen √úberblick √ľber alles Erdenkliche zu Baden-W√ľrttemberg. Geschichte, Geografie, Landesverfassung, ein Quiz zur Unterhaltung, Traditionen, hier ist alles dabei.

„BW gestalten“ erkl√§rt, wie Baden-W√ľrttemberg k√ľnftig aussehen soll:¬† „Erfolgreiches Baden-W√ľrttemberg“ (Wirtschaftspolitik), „Schlaues Baden-W√ľrttemberg“ (Bildungspolitik), „Nachhaltiges Baden-W√ľrttemberg (Energiepolitik)“, „B√ľrgernahes Baden-W√ľrttemberg (B√ľrgerbeteiligung und Integration)“ und „Gerechtes Baden-W√ľrttemberg (Gleichstellung, Inklusion, Gesundheitspolitik)“. Dies liest sich aber zunehmend fade, irgendwann hat man dann genug von Baden-W√ľrttemberg. Wenigstens fasst die Landesregierung hierbei ihre politischen Ziele unter wenigen, verst√§ndlichen Schlagworten zusammen. In der Rubrik „Service“ erh√§lt der Leser viele Informationen, um Kontakt zu √Ąmtern aufzunehmen, sich einen √úberblick √ľber Publiktationen zu verschaffen oder einfach einen Ansprechpartner zu erhalten.

Die Detailansicht in den einzelnen Rubriken. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Das „Beteiligungsportal“ schlie√ülich soll k√ľnftig ‚ÄúMehr Demokratie klicken‚ÄĚ gew√§hrleisten. Dem m√ľssen jedoch au√üer blo√üen Ank√ľndigungen Taten folgen. Daf√ľr gibt es bereits auf der Startseite einen Textkasten, in dem man schnell eine Frage an die Landesregierung eintippen kann. Wir haben diese Funktion mit einer Frage am Freitag selbst getestet. Bis heute, den 04. Februar 2013, 17:00 Uhr haben wir noch keine Antwort erhalten.¬† Am, Dienstag, den 05. Februar, wurde sie um 14:43 beantwortet.

Wir erinnern uns: Baden-W√ľrttemberg soll gerecht werden. „Menschen mit Behinderung geh√∂ren in die Mitte der Gesellschaft. Deshalb bauen wir Barrieren und Benachteiligungen ab.“ Nirgendwo geht das schneller und einfacher als online. Eine Seite, die m√∂glichst alle mit Behinderungen leicht nutzen k√∂nnen, ist unverhandelbar: Nirgendwo gibt es so wenige Barrieren wie am eigenenen Rechner. Hier scheitert die neue Homepage aber: Einige Artikel k√∂nnen zwar vorgelesen werden. Dies geschieht jedoch so blechern, dass man dem nicht folgen kann. Wenn doch, w√ľrde man es nicht wollen. Mit den verbreiteten Leseger√§ten f√ľr Blinden f√§llt es diesen also deutlich einfacher, sich zu informieren. Der Button daf√ľr ist viel zu klein. Sehbehinderte d√ľrften ihn nicht ausmachen k√∂nnen. Hier w√§re es ratsam, die entsprechende Funktion in der Zeile der √úberschrift zu platzieren anstatt neben der Unter√ľberschrift.

Die Vorlesefunktion ist in dieser Zeile nur schwer zu sehen. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Der neue Ma√üstab muss also noch ordentlich Ma√ü nehmen, um tats√§chlich √ľberzeugen zu k√∂nnen. Immerhin, ein Anfang ist gemacht und man darf gespannt sein, was noch folgt.

Gabis Kolumne

Ist der Wille zum Erfolg alles, was zählt?

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Guten Tag!

Heddesheim, 18. Januar 2010. Gabi hat mitgefiebert, gezittert, gehofft und irgendwann war sie sauer: Denn „Kampfpilot“-Torsten entpuppte sich nicht als Held, sondern als eine Ente. Er hatte dem Siegeswillen eines Stefan Raab nichts entgegenzusetzen. Gabi ist kein Fan von Stefan Raab, findet die Sendung aber trotzdem spannend. Warum? Irgendwie ist das, was Stefan Raab, zeigt eine Mischung aus Prinz Eisenherz und Aschenputtel – meint Gabi.

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Dritter "Schlag den Raab"-Sieg in Folge f√ľr Stefan Raab. Der ProSieben-Entertainer l√§sst seinem Herausforderer Torsten, einem Tornado-Pilot aus Kaisersesch bei Cochem, keine Chance. Selbst winterliches Schneegest√∂ber √ľber K√∂ln kann Raab nicht stoppen. 21,7 Prozent der 14- bis 49-j√§hrigen Zuschauer sehen den Triumph des ProSieben-Schneek√∂nigs. Insgesamt 3,77 Millionen Zuschauer schauen "Schlag den Raab". Bild: Prosieben/Willi Weber

Zur besten Sendezeit am Samstagabend versammelten sich meine Familie und ich vor dem Fernsehapparat. So wie die √ľber dreieinhalb Millionen anderen Zuschauer. Endlich wollten wir sehen, dass Stefan Raab geschlagen wird und der oder die Kandidat(in) die 1,5 Millionen Euro mit nach Hause nehmen kann.

Bei der Kandidatenvorstellung waren wir uns schnell einig, der Tornado-Pilot war der richtige Mann, um Raab zu zeigen, wo der Hammer h√§ngt – meine Tochter schickte sogar eine sms f√ľr „Torsten“ (naja, sie wollte das Handy gewinnen – die Autos h√§tte sie uns geschenkt). Und anscheinend waren sich da auch die restlichen Zuschauer einig. Mit gro√üer Mehrheit wurde der 31-j√§hrige, k√ľnftige Familienvater ausgesucht, gegen den nahezu Unbezwingbaren anzutreten.

Im ersten Spiel zeigte er mit Bravour seinen Gleichgewichtssinn. Top-Mann. Ingenieur, konzentriert, Reflexe, Nerven, austrainiert Рein Kampfpilot halt. Kleines Spiel, ein Punkt, souverän gemacht.

Wir waren √ľberzeugt, den richtigen Mann auserkoren zu haben. Doch das Blatt wendete sich schnell und Spiel um Spiel wurde unsere Zuversicht und die Haltung des Kandidaten kleiner.

Raab ist ein „Tier“.

Raab zeigte sich wieder als „Tier“, ob beim Medizinball werfen, beim Eishockey, Langlauf oder Squash in den sportlichen Disziplinen. Der Herausforderer hatte keine echte Chance. Oder doch nicht? Er suchte sie nicht.

Ob Geschicklichkeit, Taktik oder „im die Nerven behalten“ oder „Einsatz zeigen“, Raab hatte gegen√ľber dem Kampfpiloten eindeutig die Nase vorn. Als im Matchspiel der Pilot beim „L√§nderumrisse erkennen“ keinen einzigen Punkt f√ľr sich machen konnte, war uns klar, das war der falsche Kandidat.

Torsten war kein „Top Gun-Fighter“, sondern eine lahme Ente.

Schlag den Raab“ erinnert mich an r√∂mische Gladiatorenk√§mpfe, der Unbezwingbare wird in die Arena geschickt und einer nach dem anderen scheitert. Aber woran? An einem Herkules? √ÉŇďberhaupt nicht.

Stefan Raab eignet sich so gar nicht zum Helden f√ľr eine Frau. Er ist weder h√ľbsch, noch charmant, noch hat er eine freundliche Ausstrahlung. Er wirkt nicht wie ein Superhirn und seine Figur ist alles andere als gest√§hlt. Stefan Raab ist der Gegenentwurf eines Helden – aber er ist sein eigener. Er √ľberzeugt einfach mit seinem unglaublichen Willen. Er gibt nicht auf und damit ist er die reale Antwort auf die M√§rchenfigur des Prinz Eisenherz.

Er ist aber auch so etwas wie Aschenputtel. Alles an ihm wirkt nicht gewinnend. Er scheint chancenlos. Doch das Schicksal meint es gut mit ihm.

Raab gewinnt, weil er das will.

Das Schicksal? Das M√§rchen wird von der Realit√§t √ľberholt. Raab gewinnt, weil er das will.

Er hat die Nerven und er macht dann noch weiter, wenn schon alle anderen aufgeben. Es war nicht der Kandidat, der eigentlich 1,5 Millionen nach Hause tragen wollte, der japsend im Spielfeld lag und nach „Wasser“ rief oder mit K√∂rpereinsatz √ľber die Eisfl√§che flog. Es war Stefan Raab.

W√§hrend der Pilot nach jedem Spiel kleiner und gedr√ľckter wurde, trug jede Niederlage bei Raab dazu bei, noch mehr Einsatz, noch mehr Willen in das Spiel zu legen. Das ist imponierend. Auch wenn mein Traum vom edlen, gut aussehenden, warmherzigen, k√ľhnen, tapferen, f√ľrsorglichen Prinzen reichlich strapaziert wurde.

Wir waren entt√§uscht und frustriert, hatten wir uns alle t√§uschen lassen und beim „Tornado-Pilot“ an Tom Cruise und seine Rolle in „Top Gun“ gedacht. Vielleicht w√§ren der Sportstudent, der Jongleur oder aber die Psychologin, die angeblich das mentale Geheimnis von Stefan Raab durchschaut hatte, die besseren Gegner gewesen. Wir Frauen lieben ja Psycho-Sachen.

Nur wer gewinnen will, gewinnt auch.

Raab geh√∂rt, ungeachtet seines √É‚Äěu√üeren, zu den Menschen, die ausstrahlen: Ich bin ein Gewinner. Ist das der Schl√ľssel zu seinem Erfolg?

Ich glaube ja. Wir kennen sie, diese Beispiele aus den Medien, das „Bobele“ (Boris Becker) aus Leimen im Center-Court. Der war so sexy wie sein „√É‚Äěh“. Aber erfolgreich und in seiner besten Zeit spielte er nie das beste Tennis, aber seine Spiele waren spannend und er war oft erfolgreich.

Michael Schumacher ist als Mann so spannend f√ľr Frauen wie technische Details √ľber seinen Boliden. Auf der Rennstrecke war er eine Rakete. Der schnellste, erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten (ich hoffe mal, das stimmt). Ausgegangen w√§re ich mit dem nie.

Oder der Altkanzler Gerhard Schr√∂der. Der hat an den Toren des Bundeskanzleramtes ger√ľttelt und gerufen: „Ich will hier rein.“ Der war kein wirklich h√ľbscher. Aber er hatte was. Wenn auch nicht im Ansatz etwas davon, was Willi Brandt ausmachte.

Sie alle hatten ihren Willen. Den Willen zum Erfolg. Das ist es, was zählt.

Irgendwann hat sie aber auch alle der Erfolg verlassen, es ist nur eine Frage der Zeit.

Das einzige, was mehr zählt als aller Erfolg und alle Zeit, das ist: die Liebe.

gabi

Link: Dieser Mann ist nicht zu schlagen: welt.de