Mittwoch, 21. August 2019

Gabis Kolumne

Von Wurzeln und Fl√ľgeln

Es gibt viel Literatur zu diesem Thema. Quelle: Francke-Buchhandlung

Rhein-Neckar, 08. Oktober 2012. Gestern waren die Kinder noch im Kindergarten und heute ziehen sie aus. So kommt es zumindest Gabi und ihren Freundinnen vor. Das macht Kummer und birgt aber auch neue Möglichkeiten.

Okay, okay, wir haben es schon lange gewusst: Irgendwann ziehen sie aus. Und das kommt dann ganz pl√∂tzlich. Man hat das Gef√ľhl erst vor Kurzem kamen sie in den Kindergarten, gestern in die Schule und und nur einen Augenblick sp√§ter, ziehen sie aus.

Es gibt so einen netten, viel zitierten, ich glaube, indischen Spruch:

Solange Kinder klein sind, gib ihnen tiefe Wurzeln, wenn sie √§lter geworden sind, gib ihnen Fl√ľgel.

Das mit den Wurzeln, meine ich, haben wir ganz gut hingekriegt, aber das mit den Fl√ľgeln ist ganz sch√∂n schwer.

Das vergangene Jahr, raste nur so dahin und auf das Abi zu. Klar, war mir bewusst, danach wird sich mein Sohn um einen Studienplatz bewerben und ziemlich sicher ausziehen. Und das ist auch gut so. F√ľr ihn und f√ľr mich. Das ist der Lauf der Dinge. Und dann ist es pl√∂tzlich so weit. Und aus der Distanz schien alles einfacher.

Jetzt ist es ja nicht so, dass mich das Schicksal „verwaiste Mutter“ allein betrifft, sondern dass ein Gro√üteil meiner Freundinnen dies mit mir teilen. Ob die Kinder nun eine Ausbildung oder ein Studium machen.

Gemeinsam haben wir unsere Kinder in die Kinderg√§rten geschickt, in die Grundschule, auf die weiterf√ľhrenden Schulen. Wir hatten durchwachte N√§chte als sie klein und krank waren und sp√§ter, wenn sie zu sp√§t oder nicht nach Hause kamen. Wir haben die Streitigkeiten mit Freunden mit durchlitten und ihr erster Liebesummer war der unsere. Es gab die H√∂hen und die Tiefen und jeder, der Kinder hat, wei√ü wie hoch und wie tief es gehen kann.

„Ich bin froh, wenn du mal ausgezogen bist und deine W√§sche selbst w√§schst“, diesen Satz hat wohl jeder mal gesagt oder zumindest gedacht. Und dann steht der Umzugswagen vor der T√ľr, die Koffer sind gepackt – und man f√ľhlt sich hundeelend.

Die Tochter einer Freundin hat einen Studienplatz in M√ľnchen bekommen, das ist ganz sch√∂n weit weg. Wir haben uns kennen gelernt, als wir die Kinderwagen unserer Erstgeborenen durch die Gegend schoben. Wir kamen ins Gespr√§ch zwischen den Regalen im Drogeriemarkt, direkt vor den Windeln. Ihre Tochter war dreieinhalb, mein Sohn war zwei Wochen alt. Wir waren jung und leicht √ľberfordert mit der neuen Lebensaufgabe. Jetzt 18 Jahre sp√§ter, sind wir es wieder.

„Du musst den Schmerz zulassen“, hat sie zu mir gesagt, „ich habe tagelang immer wieder geheult, meine Tochter mit den Koffern am Bahnhof, das war ziemlich hart“.

Der Sohn einer anderen Freundin ist vor √ľber einem Monat in die N√§he von D√ľsseldorf gezogen. Auch das ist sehr weit. „Er hat im Umzugswagen meine Hand bis Worms gehalten, das hat er schon seit Jahren nicht mehr gemacht“, erz√§hlt sie.

Abschied und Neuanfang

„Mein Kind war am Wochenende da“, berichtet eine weitere Freundin und strahlt. „Pl√∂tzlich k√∂nnen wir wieder viel besser miteinander reden und meine Tochter ruft oft an und fragt nach meinem Rat, das war schon lange nicht mehr so“, erz√§hlt sie gl√ľcklich.

Bei uns war es letzte Woche so weit. Mein Sohn hat einen Studienplatz an einer Uni bekommen, die keine 100 Kilometer entfernt liegt. „Du hast es gut“, sagten meine Freundinnen, „du kannst f√ľr einen Nachmittag dort vorbei fahren und er kann auch nur mal zum Mittagessen kommen“.

Doch Entfernung ist nicht alles. Denn hart sind die Umzugskartons, die im Zimmer stehen, die Bilder, die von der Wand genommen werden. Es ist ein Abschied nicht von dem Kind, sondern von einer Zeit. Es ist ein Abschnitt und es ist ein Neuanfang, f√ľr Eltern und Kinder. Es ist das Loslassen, das so schwer f√§llt.

Es ist der Alltag, der sich √§ndert: Man deckt f√ľr eine Person weniger den Tisch und im Supermarkt will man noch zu den Lieblingsspeisen greifen. Es ist eine T√ľr, die nicht mehr ge√∂ffnet und geschlossen wird. Es ist laute Musik, die nicht mehr durchs Haus halt. Es ist einfach mein Kind, das fehlt.

„Beim zweiten Kind, das auszieht, ist es schon leichter“, tr√∂stet mich eine Freundin und sich selbst, deren Erstgeborener schon vor Jahren ausgezogen ist. Sie hat noch einen dritten Sohn, der noch zu Hause lebt, wenn er geht, wie ist es dann? Dar√ľber will sie nicht nachdenken.

Die Tochter einer Freundin bleibt noch ein Jahr zu Hause, sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr. „Manchmal w√§re ich froh“, sagt sie, „sie w√ľrde auch ausziehen“. Aber nur manchmal, gibt sie zu und ist froh, dass dies noch ein Jahr warten kann.

„So lange es ihm gut geht, ist es f√ľr mich auch gut“, sagt eine Freundin. Sie hat ihren Sohn √ľber vier Wochen nicht gesehen. Jetzt habe er Heimweh, erz√§hlt sie und f√§hrt ihn besuchen.

Aktionismus ist gut gegen Kummer

Also letzte Woche war es nun so weit. Die Kartons waren gepackt, der Transporter gemietet. Schon in der Fr√ľh standen die Freunde meines Sohnes auf der Matte und packten M√∂bel und Umzugskisten ein. Und Aktionismus ist bekanntlich das beste Rezept gegen Kummer.

„Ich wei√ü im Moment nicht, wo ich hingeh√∂re“, sagte mein Sohn dieser Tage:

Zuhause bin ich eigentlich schon weg und in meiner WG bin ich noch nicht angekommen.

„Du geh√∂rst zu mir“, will ich sagen und wei√ü, dass es falsch ist. Denn, und hier bem√ľhe ich den Spruch des libanesisch-amerikanischen Philosophen und Dichters Kahlil Gribran:

Deine Kinder sind nicht deine Kinder,
sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
(…)

„Das wird schon, das geht schneller als du denkst“, sage ich stattdessen und verspreche, ihn n√§chsten Sonntag zu besuchen.

Die Fl√ľgel sind schon da, aber jetzt m√ľssen sie noch gro√ü und kr√§ftig werden. F√ľr ihn und f√ľr mich.

(Das Buch Gib mir Wurzeln, schenk mir Fl√ľgel gibt es bei Amazon.)

Neuauflage: Informationen f√ľr M√ľtter und V√§ter

Rhein-Neckar/Stuttgart, 24. Februar 2012. (red/pm) Sozialministerin Katrin Altpeter stellte heute die komplett √ľberarbeitete Neuauflage der Brosch√ľre ‚ÄěInformationen f√ľr M√ľtter und V√§ter‚Äú vor. Der praktische Ratgeber kann √ľber das Ministerium bestellt werden, wird √ľber die Rath√§user und das Landratsamt angeboten.

Information des Sozialministeriums:

„Altpeter sagte: ‚ÄěDas Gl√ľck, das Kinder geben, kann von nichts und niemandem ersetzt werden. Doch gl√ľckliche Kinder brauchen Eltern, die sie auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichen Mitgliedern unserer Gesellschaft begleiten, ermuntern und ihnen Vorbild sind.‚Äú Eltern sollten Kindern Halt geben, ohne sie unn√∂tig einzuengen oder ihnen dabei ihre Freiheit zu nehmen. ‚ÄěWir m√∂chten Familien auf diesem Weg unterst√ľtzen und stellen ihnen diese hilfreiche Brosch√ľre als praktischen Wegweiser zur Verf√ľgung‚Äú, so die Ministerin.

Die Brosch√ľre ‚ÄěInformationen f√ľr M√ľtter und V√§ter‚Äú gibt in ihrer 14. Auflage einen umfassenden √úberblick √ľber die Leistungen und unterst√ľtzenden Angebote f√ľr Familien in Baden-W√ľrttemberg. So finden sich Informationen beispielsweise zu Mutterschutz, Elternzeit, Kinderbetreuung, steuerlichen Erleichterungen und Bewertung der Erziehungszeiten in der Rentenversicherung. Ebenso sind Informationen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Wohnraumf√∂rderung oder M√∂glichkeiten zur Freizeitgestaltung enthalten. Neu aufgenommen wurden in die 144 Seiten umfassende Brosch√ľre unter anderem Ausf√ľhrungen zur Hebammenhilfe und zur Vorbeugung von Suchterkrankungen.

Ein umfassender Adressteil der Familienbildungseinrichtungen, der Familien- und Frauenverb√§nde, Wohlfahrtsverb√§nde, Schwangerschaftskonflikt- und Er-ziehungsberatungsstellen, Frauen- und Kinderschutzh√§user sowie der Kontaktstellen ‚ÄěFrau und Beruf‚Äú erleichtert es den Familien, die n√§chstgelegenen Beratungsstellen zu finden. Au√üerdem sind die Familienferienst√§tten in Baden-W√ľrttemberg mit Foto enthalten sowie eine ‚ÄěCheckliste Geburt‚Äú und die wichtigsten Notrufnummern.

Die Brosch√ľre wurde unter anderem an die B√ľrgermeister√§mter und die Landrats√§mter in Baden-W√ľrttemberg verteilt und wird dort kostenfrei an die Familien abgegeben.

Hinweis f√ľr die Redaktionen:

Die Brosch√ľre kann auch in gr√∂√üerer St√ľckzahl ‚Äď zur weiteren Verbreitung ‚Äď direkt bestellt werden beim:

Ministerium f√ľr Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-W√ľrttemberg, Brosch√ľrenstelle, Schellingstr. 15, 70174 Stuttgart, Fax: 07 11/ 1 23-3 99, E-Mail: poststelle@sm.bwl.de.

Im Internet kann die Brosch√ľre unter www.sozialministerium-bw.de (Rubrik ‚ÄěPublikationen‚Äú > ‚ÄěFamilie und Kinder‚Äú) als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Mariettas Kolumne: Der Stolz auf die Schlange ist die Verachtung des Kunden – Urlaub geht anders


Heute keine Schlange und keine 30 Minuten warten.

Von Marietta Herzberger

Wenn der Mensch viel arbeitet, braucht er ab und an ein wenig Urlaub. Die einen zieht es ins K√ľhle, die anderen an Palmenstr√§nde. Meine Freundin Susanne und ich geh√∂ren zu den anderen. Spontan entschlossen wir uns zu einem Pauschalurlaub in Zentraltunesien, in der N√§he von Monastir.

Von der Sahara…

Faszinierende W√ľste! Respekteinfl√∂√üend und fesselnd. Der n√∂tige Ausgleich f√ľr viele Monate harter Arbeit und Strapazen.
Das Hotel Karawansarei in Douz, am Rande der Sahara, war unser Quartier f√ľr eine Nacht innerhalb eines Touristen-Pauschal-Ausflugspaketes. Das Etablissement wirkte von Au√üen eher wie eine Festung und machte seinem Namen alle Ehre. Am n√§chsten Morgen wurden wir dann bereits kurz vor 5 Uhr geweckt, um rechtzeitig am Rande der Sahara einzutreffen, wo uns ein Kamelritt √ľber Sandd√ľnen in den Sonnenaufgang erwartete. Hierzu wurden wir mit unserem Bus direkt bis an die Beduinenzelte gefahren, um ja nicht zu viel Romantik aufkommen zu lassen.

Nun denn: Rauf auf die Kamele und ab in die W√ľste. Unbeschreiblich, welche Ruhe dieses weite Land fernab jeglicher Zivilisation ausstrahlt. Die beeindruckende Weite des Landes, der feine Sand, die Beduinen, die sich am Lagerfeuer vor ihren Zelten w√§rmten, dies alles √ľbte eine unglaubliche Faszination auf uns aus. Daran √§nderte auch die Tatsache nicht viel, dass wir diese Idylle mit ca. 80 weiteren Touristen teilen mussten.

Ein kurzweiliger, kaum vierst√ľndiger Ritt auf den gutm√ľtigen W√ľstenschiffen bei mittlerweise gef√ľhlten 40 Grad im Schatten brachte uns schlie√ülich an einen Kiosk.

Sieht so eine Oase aus?

Ein Kiosk? Mitten in der W√ľste? Ja, ein Kiosk mitten in der W√ľste! Egal! Wir alle d√ľrsteten nach Wasser und einem St√ľckchen Brot. Der Kamelf√ľhrer hob die Hand und rief etwas unverst√§ndliches, woraufhin alle Kamele pl√∂tzlich stehenblieben, sich erst nach vorne absenkten, um dann das Hinterteil ebenfalls zu Boden gleiten zu lassen. Susanne kippte fast vorn√ľber, blieb jedoch zum Gl√ľck mit ihrer G√ľrtelschnalle am Sattelknauf h√§ngen.

Kaum waren alle abgestiegen, gab uns der nette Beduine zu verstehen, dass wir uns hintereinander aufstellen sollten, um dem begehrten Nass inmitten der W√ľste baldig habhaft zu werden. Also standen wir in der Schlange. Wir f√ľhlten uns wie zu Hause. Es war noch keine halbe Stunde vergangen, da vernahmen wir von weit vorne einen Ruf.

„Seht!“, rief ein verdurstender Mitreisender begl√ľckt, „Seht nur!“ Mit ausgestrecktem Arm deutete er auf ein aufgestelltes Schild mit der Aufschrift:

…in die Dienstleistungsw√ľste

„TRINKEN!“, jubilierten wir und erhoben die H√§nde, „ESSEN!“, und etwas ungl√§ubig, „Badeartikel?“
In diesem Moment brach eine etwas f√ľlligere Frau vor uns in Tr√§nen aus. „Ein Pool! Ein POOL!“
Tats√§chlich! Kurz nach dem kleinen, wei√üen, in der Ferne kaum erkennbaren Geb√§ude, dem „Schwimmbad-Shop“, leuchtete etwas Blaues. Die Verlockung zeriss mich fast. Susanne heulte „Was sollen wir tun?“
„Warten!“, kr√§chzte ich selbstbeherrscht.

Die gesichtslose Masse am Anfang der Schlange konnte jedoch nicht an sich halten – zu nah war das erfrischende, k√ľhle Blau des Wassers. Kurzerhand √ľberw√§ltigten einige von ihnen den Kamelf√ľhrer, der erfolglos versuchte, den Mob in der Schlange zu halten.
„Wollen wir auch in den Pool?“, hauchte Susanne zwischen vertrockneten Lippen hervor.

„Nein“, st√∂hnte ich, w√§hrend ich mir die letzten Schwei√ütropfen von den Armen leckte. Eines stand f√ľr mich fest: Egal wie lang diese Schlange sein mochte, ich w√ľrde aushalten. TRINKEN! ESSEN! Das Kiosk – so weit es auch sein mochte – verk√∂rperte f√ľr mich die Oase schlechthin. Ich w√ľrde warten. Warten w√ľrde ich. Jawoll!

Nach zwei Stunden brach die dicke Frau vor mir zusammen. Ein mitleidiger Mitreisender trat k√ľhn aus seiner gesicherten Position und zog die Gl√ľckliche bis an den Pool. Dann st√ľrzte er wieder in die Schlange zur√ľck. Er musste sich hinten anstellen. Wir hatten eine undurchdringbare Kette gebildet. TRINKEN! ESSEN!

Langsam, sehr langsam ging es vorw√§rts. Die glei√üende Sonne lie√ü uns taumeln; an unseren F√ľ√üen rasselten die Ketten, die bei jedem Schritt den Sand der W√ľste aufwirbelten.

Da! Ein Aufschrei! Gequ√§lt blickten wir nach vorne. Von dort kam der Schrei. Vom Ort der Erl√∂sung. Dann noch ein Schrei. Und noch einer. Viele Schreie. Nein, eher Gebr√ľll. W√ľtendes, verzweifeltes Gebr√ľll einer w√ľtenden, verzweifelnden Herde. Nerv√∂s versuchten wir, einen Blick ins Get√ľmmel zu erhaschen. Mit einem Male st√ľrzten alle nach vorne. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass manche versuchten, den Kamelf√ľhrer im Pool zu ers√§ufen. Schlie√ülich l√∂ste sich die Schlange g√§nzlich auf.

Willkommen beim Schwimmbad-Shop in Viernheim.

Eben noch das letzte Glied, standen wir nun direkt vor dem „Schwimmbad-Shop“. Der letzte Schwei√ütropfen verdampfte zischend in der Luft als wir das lieblos aufgestellte Informationsschild vor den heruntergelassenen Rollladen entzifferten:

„Nur bei sch√∂nem Wetter ge√∂ffnet. Sch√∂nes Wetter ab 60 Grad.“

Entgeistert starrten wir uns an. Dann st√ľrzten wir in den Pool und halfen, den Kamelf√ľhrer zu ertr√§nken!

„MAMAA!“
Verbl√ľfft l√∂ste ich meine verkrampften Finger aus dem schwarzen Schopf des Beduinen.
„Maaaamaaa! Aufwachen!“

Etwas K√ľhles tropfte zwischen meine Schulterbl√§tter. Langsam √∂ffnete ich die Augen. Es dauerte nur Bruchteile einer Sekunde, bis ich erkannte, wo ich mich befand. Der vertraute Wildwuchs rund um das ehemalige Kinderbecken des Viernheimer Waldschwimmbades ist nicht gerade eine Augenweide, √ľberzeugte mich jedoch glaubhaft, nicht in der W√ľste verdurstet zu sein.

„Ich hab Hunger“, maulte Ella, meine Tochter, „Darf ich mir ein Fleischk√§sebr√∂tchen holen?“

„TRINKEN! ESSEN!“, fl√ľsterte ich.
„H√§?“
„Hat das Kiosk denn auf?“, fragte ich nicht grundlos. Gerade eben entdeckte ich eine Wolke am Himmel.

Shopping-Erlebnis.

Denn man muss wissen:
Der „Schwimmbad-Shop“ im Viernheimer Waldschwimmbad hat nur bei sch√∂nem Wetter in Verbindung mit einer gewissen Anzahl an Schwimmbadbesuchern – welche Anzahl das ist, mag nur dem Kiosk-P√§chter bekannt sein – ge√∂ffnet. Ist es ge√∂ffnet, dann ist es in der Regel br√ľllend hei√ü und das Schwimmbad brechend voll. Was den P√§chter aber noch lange nicht dazu veranlasst, das zweite Fenster des Kiosk√ā¬ī zu √∂ffnen um dort dann evtl. Getr√§nke zu verkaufen. Nein, ein Fenster muss reichen f√ľr Essen und Getr√§nke mit einer Ein-Frau-Besetzung und einigen „Zubereitern“ im Hintergrund.

Stolz auf die Schlange?

Trotz allem scheint der P√§chter sehr gewissenhaft zu sein. An schlechten Tagen, so erz√§hlt man sich – wobei „schlecht“ durchaus individuell und gef√ľhlt sein kann – sucht er mehrmals die unmittelbare N√§he seines Kiosk auf, schaut gen Himmel, entdeckt eine Wolke, z√§hlt die Badeg√§ste ab und geht wieder.

Sollte der Himmel aufreißen und Scharen Einlass begehren, so öffnet er seine kulinarischen Pforten und bietet Fleischkäsebrötchen, Pommes und Currywurst gegen wenig Geld. Soweit, so löblich. Die Schlange nimmt er offenbar stolz zur Kenntnis, zeigt sie doch auf, wie begehrt sein Angebot ist.

Hastig wirft er Stuhl und Tisch vor die gitternen Tore des Bades, so dass jeder hungrige Platz nehmen kann. Diese herzlich lieblos gestaltete Umgebung verleitet so manch hungriges Geschöpf, die ergatterte Mahlzeit direkt auf der Liegewiese zu sich zu nehmen. Verständlich.

Wer sitzt schon gerne an hei√üen Tagen auf hei√üem Plastik direkt vor Gitterst√§ben in unmittelbarer N√§he zur Stra√üe, zu Toiletten – auch wenn es praktisch erscheinen mag, so harmonieren die gelegentlich her√ľberwehenden D√ľfte nicht wirklich mit dem Aroma von Pommes – und mit Blick auf eingez√§unten Wildwuchs?

Gem√ľtlich geht anders.

Nun, es ist vielleicht nicht nur mir ein seit Jahren existierendes Rätsel, welches wohl nie gelöst werden wird, warum die Pächter des Viernheimer Schwimmbad-Shops offenbar selbst kein Interesse an einem florienden Kiosk aufbringen wollen oder können. Verzeihen Sie mir meine offenen Worte. Niemand kann hinter die Kulissen schauen und ehrlich gesagt, möchte und muss ich das auch nicht.

Dass es auch anders geht, beweisen das Kiosk des Weinheimer Sees oder insbesondere die Gastronomie im Heddesheimer Schwimmbad. Wie sagte ein Freund neulich? „Horche mol. Kummt mol mit ins Heddesheimer Freibad. Do hoggscht wie in die Karibik uff Longschmebel mit de Fie√ü im Sond.“ Ja, denke ich mir, leider gibt es dort aber kein F√ľnzig-Meter-Becken wie im Viernheimer Waldschwimmbad.

Potential ist da – auch um die Ecke.

Potential w√§re da. Totes Kapital liegt gen√ľgend herum, √§hnlich wie die heruntergefallenen Pommes vor dem Ausgabestand, die man sich umst√§ndlich aus den Zehen pulen muss, wenn man auch nur am Kiosk vorbeil√§uft – bei sch√∂nem Wetter wohlgemerkt.

Vor kurzem war sch√∂nes Wetter. Es war warm. Nicht hei√ü, aber warm. Ein paar Wolken zogen √ľber den Himmel. Zusammen mit ein paar M√§dchen im Alter meiner Tochter schwammen wir ein paar Runden. Dann hatten die M√§dchen Hunger. Der Kiosk war geschlossen, wie so oft. Wenn Sie jetzt sagen, dann soll sich die Frau doch etwas mitnehmen, haben Sie recht.

Aber ist das im Sinne des P√§chters? K√∂nnte nicht wenigstens die Grundversorgung – eventuell in Form von Brezeln – gesichert sein? Das w√§re doch mal ein Anfang. Wir meinen es nicht b√∂se. Wir wollen doch nur ein bisschen Verl√§sslichkeit, gesicherte √Ėffnungszeiten, nett sitzen und die leckeren Fleischk√§sebr√∂tchen.

Nun, das „Maximum“ direkt neben dem Schwimmbad ist fu√ül√§ufig in 35 Sekunden zu erreichen. Dort warte ich ca. f√ľnf Minuten in angenehmer Atmosph√§re auf eine Pizza- bekomme noch einen Espresso umsonst, weil ich mich jedes Mal √ľber die „Servicew√ľste Viernheimer Waldschwimmbad-Kiosk“ √§rgere – und bin nach ungef√§hr 8 Minuten – die Zeit der Bestellaufnahme und Bezahlung mit eingerechnet – wieder auf dem Handtuch bei meinen M√§dels.

Da habe ich obendrein auch noch ca. 20 Minuten gespart. Warum? So muss niemand von uns 30 Minuten in der Schlange stehen und im g√ľnstigsten Fall f√ľr vier M√§dchen je ein Fleischk√§sebr√∂tchen erstehen. F√ľr Kaffee oder eine „T√ľte S√ľ√ües“ steht man genauso lange. Vorausgesetzt, es ist ge√∂ffnet.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

Mariettas Kolumne: Einmal Haustier, bitte!


Guten Tag!

4. April 2011. Verl√§uft das Leben gleichm√§√üig und ohne gro√üe √ÉŇďberraschungen, wiegt man sich in Sicherheit. So kann es bleiben, so ist es gut. Gelegentlich jedoch wird der Mensch leichtsinnig und setzt die geliebte Ordnung aufs Spiel. Beispielsweise dann, wenn Kinder vorhanden sind und man pl√∂tzlich auf den Hund kommt.

Von Marietta Herzberger

Die grunds√§tzliche Aussage, welche nach zw√∂lf Jahren tierloser Ehe zu treffen ist, und bis heute unverr√ľckbare G√ľltigkeit hat und von mir niemals in Frage gestellt wurde, ist folgende: Ich bin eine gl√ľckliche Ehefrau. Mein Mann ist nicht einfach nur mein Mann, sondern auch Partner, guter Freund und gelegentlich auch Leidensgenosse. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir sind ein eingespieltes Team und stolze Eltern eines liebreizenden, gelegentlich aufm√ľpfigen Kindes mit Namen Ella.

Wir bewohnen ein Haus im behaglichen Weinheim. Ruhige Lage und erstrebenswerte Spuckn√§he zur Autobahn inklusive. M√∂chte ich mit der Stra√üenbahn fahren, ben√∂tigt es lediglich ein paar leichtf√ľ√üige Schritte rechts aus unserer Haust√ľre heraus und -√ā¬† rein ins Gef√§hrt.

Zur Bushaltestelle wende ich mich leicht nach links. Das ist praktisch. Nur nachts nicht. Da n√§mlich st√∂rt das Bimmeln der OEG-Ampel-Warnanlage, das uns alle halbe Stunde mitteilt, dass die Zeit bis zum Weckerklingeln nahe r√ľckt. Wir haben uns daran gew√∂hnt und schlafen mit Ohrst√∂pseln. Das blecherne Surren der Schranke, das ert√∂nt, wenn sich diese herabl√§sst und nach einigen Minuten- untermalt vom Bimmeln – wieder √∂ffnet, versuchen wir noch irgendwie in unsere Tr√§ume einzubauen.

Träume vom Transsibirien-Express

In einer dieser schlaflosen N√§chte hatte mein Mann die rettende Idee: „Schatz, lass uns vom Transsibieren-Express tr√§umen. Da l√§sst sich das Bimmeln so sch√∂n einbetten.“ Ich fand „einbetten“ gut und passend. Seitdem steigen wir ab Einbruch der Dunkelheit beseligt ins Bett und treten unsere gemeinsame Reise an, bis es wieder hell wird.

Unsere Nachbarn sind gr√∂√ütenteils netter, aufger√§umter Durchschnitt und jeder pflegt seinen kleinen Reihenhausgarten mit Hingabe ohne bieder zu sein. Nein, nicht ganz. Am Ende der Stra√üe wohnt ein √§lteres Ehepaar. Dieses ist stolzer Besitzer eines √ľbersichtlichen, mit Inbrunst gepflegten Vorgartens, der sicherlich drei Bierk√§sten fasst und geometrisch einwandfrei mit kleinen, akkurat rund geschnittenen Buchsbaumk√ľgelchen best√ľckt ist.

Damit dieses Kunstwerk niemand zerst√∂rt, wurde ein Stahlzaun in unauff√§lligem Braun, welches vorz√ľglich mit dem Altrosa des Hauses harmoniert, darum gezogen. Aber auch diese Nachbarn sind angenehm h√∂flich und bis auf den Gartenzaun noch nicht straff√§llig geworden.

Kommt Zeit, kommt Wandel

Auf den Hund gekommen?

Wir sind also, wie schon gesagt, eine gl√ľckliche, kleine Familie. Ganz die Norm, nichts Au√üergew√∂hnliches. Nett, normal, beruhigend.

„Ihr seid so herrlich normal“, beneidete mich j√ľngst eine Freundin. Ich gebe ihr Recht. Allerdings hat sie nett und beruhigend vergessen. Bei Gelegenheit werde ich sie darauf ansprechen.

Doch zu einer Zeit des Wandels bestimmte meine kleine sanfte Tochter unerwartet energisch: „Mama, ich will ein Haustier!“

So ist das eben. Wenn die Zeiten pädagogisch wertvollen Spielzeugs vorbei sind, sucht man nach anderen Dingen.

Diverse Forschungen belegen, dass Kinder mit Haustieren, vor allem mit Hunden, √ľber eine gr√∂√üere soziale Kompetenz verf√ľgen und schneller bereit sind, Verantwortung zu √ľbernehmen, als Kinder ohne direkten Tierbezug.

Sie sind meist bewegungsfreudiger, zugleich ruhiger und ausgeglichener. Sie sind also zu Unzeiten ged√§mpft aktiv und das kann bisweilen erstrebenswert sein. Au√üerdem ist erwiesen: Einzelkinder k√∂nnen vereinzelt Defizite im Sozialverhalten aufweisen. Auch reiben sie sich nicht an Geschwistern, sondern an den Eltern, vorzugsweise an der Mutter. Im Prinzip war ich bereits √ľberredet.

„Und was schwebt dir da vor?“ wollte ich von meinem blau√§ugigen Kind wissen.
„Ein Pferd!“
„Ein Pferd ist kein Haustier!“ widersprach eine m√§nnliche Stimme hinter dem Computer.
„Ist es doch! Es kann im Garten leben!“

„Wie w√§re es mit einer Katze?“ warf ich ablenkend in die Runde. „Schatz!“, vorwurfsvoll wandte sich der Vater unserer√ā¬† Tochter mir zu, „du wei√üt, dass ich allergisch gegen Katzen, Hasen und Meerschweinchen bin√Ę‚ā¨¬¶!“

„Mir egal!“ br√ľllte es jetzt von dem tierlosen Einzelkind, „Ich (!) bin aber nicht algerisch! Papa kann ja ausziehen!“
„Ich ziehe nirgendwo hin. Soweit kommt es noch√Ę‚ā¨¬¶!“

Schmollend pulte unser kleiner Sonnenschein mit dem gro√üen Zeh L√∂cher in den Teppich. W√§hrend ich verzweifelt gr√ľbelte, welcher tierische Artgenosse in Frage kommen k√∂nnte, zupfte mich etwas am √É‚Äěrmel.

„Wenn Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“

„Du Mama, wenn der Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“
„Ja klar, dann kriegst du einen Hasen, S√ľ√üe.“

Mein Herzblatt schaute mich dankbar an. Warum? Was hatte ich gerade gesagt? Was lautete noch gleich ihre Frage? Katze? Hase? Wer ist tot? „Papa?“, s√§uselte unser Liebchen zart, „wann stirbst du denn?“

„Du stirbst?“, irgendwie hatte ich den Faden verloren. Ella schaute ihren Vater durchdringend an. Ja, fast schon hypnotisch. Offenbar erwartete sie nun, dass ihr Erzeuger tot vom Stuhl fallen w√ľrde. Der beschloss jedoch spontan, jetzt noch nicht abzutreten, trat stattdessen zu uns an den Tisch und gab seinem Unmut lautstark Raum: „Seid ihr noch zu retten!?“

Ich versuchte, das Gespr√§ch weg von Tod und Teufel auf ein anderes Gleis zu lenken: „Ein Fisch w√§re toll, oder? So ein Nemo in einem Glas“, und l√§chelte gleichzeitig vers√∂hnlich meinem Mann zu: War nicht so gemeint, verzeihst du mir?

„Nemo ist doof!“
„Eine Maus“, kam der m√§nnliche Vorschlag. Er zwinkerte zur√ľck: Wei√ü ich doch, schon okay.
„Maus ist auch doof!“
„Hamster?“, warf ich tr√§ge in die Runde.
„Total bl√∂d!“

Eine Weile sa√üen wir uns schweigend gegen√ľber und suchten nach Alternativen. Doch weder Fu√üboden, Geheimschublade noch Zimmerdecke gaben etwas Brauchbares her. Schlie√ülich, sich endlos ziehende zweieinhalb Minuten sp√§ter, fand unsere Tochter als erste eine neue Idee: „Ein Hund?“ Sie verbl√ľffte mich mit ihrer Raffinesse, die sie nat√ľrlich von mir hat, und richtete diese Frage mit engelsgleichem Blick an ihren Vater: „Einen Hund, Papa. Bitte, bitte, bitte.“

F√ľnfundzwanzigtausend Mal „Bitte“

Alle „Bittes“ hier aufzuz√§hlen w√ľrde zu weit f√ľhren, also belasse ich es bei drei. Es waren aber deutlich mehr. Gef√ľhlte F√ľnfundzwanzigtausend.

Mein Mann und ich schauten uns skeptisch an. Ein Hund. Dreimal am Tag Gassi. Fusselige Haare im ganzen Haus. Ein dreck- und fellverlierendes, sabberndes Betteltier, welches unserer klinisch reinen Ella genie√üerisch das Gesicht ableckt, wenn wir gerade nicht hinsehen? Konnten wir uns vorstellen, gelassen und heiter zu bleiben, wenn unser Goldl√∂ckchen eintr√§chtig mit einem verfressenen Kl√§ffer vor dem Napf sitzen w√ľrde und die beiden sich das Trockenfutter teilen? Und √ľberhaupt, was so was kostet!

In stiller √ÉŇďbereinkunft nickten wir uns zu. Wer von uns w√ľrde den, nach sorgf√§ltigem Abw√§gen getroffenen Beschluss dem kleinen, voll banger Erwartung erstarrten Wesen √ľberbringen?

Seufzend falteten wir die H√§nde. Ellas Augen wuchsen auf die Gr√∂√üe von Billardkugeln. Sie krallte sich in die Stuhllehne, w√§hrend sie heiser fl√ľsterte:“ Ein Hund√Ę‚ā¨¬¶bitte√Ę‚ā¨¬¶ein kleiner Hund√Ę‚ā¨¬¶nicht viel√Ę‚ā¨¬¶.sooo klein!“ Sie formte mit ihren H√§nden und Fingern sowas in der Gr√∂√üe wirklich sehr, sehr kleinen Hundes.

„Also, wenn, dann ein richtiger Hund! Mit so einer Stra√üenratte kann ich nichts anfangen“, brummte mein geliebter, weiser Mann und zwinkerte unserem siebenj√§hrigen Wonneproppen zu.

Ich richtete mich zu voller Sitzgr√∂√üe auf, um dem Begeisterungsturm standhalten zu k√∂nnen, der nun eigentlich folgen musste. Gespannte Vorfreude lie√ü uns Eltern erzittern. Gleich w√ľrde sie uns um den Hals fallen, Freudentr√§nen ihre unverdorbenen Wangen ben√§ssen.

„Ich dachte schon, ihr k√∂nnt euch nie entscheiden“, unser ausgesprochen wohlgeratener Spr√∂ssling verdrehte kurz die Augen, sprachs, stand auf und stellte unger√ľhrt fest: “ Ich hab Hunger. Wann gibt‚Äôs Essen?“
„Gleich!“, hauchte ich m√ľtterlich gefasst.
„Was gibt es denn?“
„Hot Dogs!“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag – Was das ist und was er bedeutet


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Ob eine Kennzeichnung im Internet so aussehen wird, wie dieses FSK-Logo, ist noch unklar. Quelle: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft

Guten Tag!

Heddesheim, 04. Dezember 2010 (cm). Ab dem 01. Januar 2011 tritt eine aktualisierte Version des „Jugendmedienschutz-Staatsvertrags“ (JMStV) in Kraft. Wir sind der Frage nachgegangen, was es mit dem JMStV √ľberhaupt auf sich hat. Was bedeutet er f√ľr Anbieter von Telemedien? Welche Bedeutung hat er f√ľr Eltern und insbesondere Jugendliche?

Wie der Name des Staatsvertrags bereits verdeutlicht, geht es um den Schutz Jugendlicher vor den Medien. Ein wichtiges Anliegen. Die Novellierung wird jedoch seit einigen Wochen scharf kritisiert. Ihren H√∂hepunkt erreichte die Kritik vor wenigen Tagen. Doch f√ľr wen hat der JMStV √ľberhaupt eine Bedeutung?
Kurz gesagt: Er betrifft jeden.

Der JMStV aus Sicht von Telemedienanbietern

Den gr√∂√üten Einfluss nimmt der JMStV auf Rundfunkanbieter und sonstige „Telemediendienste“. Dies umfasst also Fernsehen, Radio aber auch Internetseiten oder Blogs.

Der JMStV soll sicherstellen, dass Jugendliche keinen „entwicklungsbeeintr√§chtigenden“ Inhalten ausgesetzt werden. Als Beispiel w√§re hier Pornografie zu nennen.

Mit dem neuen JMStV werden diese Bedingungen versch√§rft. So kann es beispielsweise notwendig werden, die Inhalte der eigenen Homepage einer bestimmten Altersgrenze zuzuordnen. Eine grunds√§tzliche Pflicht zur Kennzeichnung besteht f√ľr die Anbieter nicht. Diese Regelung kennt jedoch Ausnahmen.

Der JMStV aus Sicht der Eltern

F√ľr Erziehungsberechtigte wird sich durch den novellierten JMStV erst einmal wenig √§ndern. Interessant wird es erst, wenn auf den PCs der Kinder Filtersoftware installiert ist, die diese vor „problematischen“ Seiten fernhalten soll. Diese Software erfasst nicht alle Seiten. Durch die Kennzeichnungspflicht soll sich diese Situation aber √§ndern.

Zuk√ľnftig sollen die verschiedenen Programme anhand der Kennzeichnung erkennen, ob eine Seite freigegeben werden darf – oder nicht. Ein absoluter Schutz wird nach einhelliger Meinung von Experten dennoch nicht m√∂glich sein. Zudem gibt es viele „Tricks“, wie der Schutz umgangen werden kann.

Der JMStV aus Sicht der Jugendlichen

F√ľr die meisten Jugendlichen d√ľrfte der neue JMStV keine Rolle spielen. Seiten, die zuvor nicht erreichbar waren, werden es auch jetzt nicht sein. Die Lieblings-Websites werden sich entweder gar nicht oder nur geringf√ľgig ver√§ndern. So kann beispielsweise eine Alterskennzeichnung auf manchen Websites erscheinen. Gemeint ist damit ein kleines Symbol, das zeigt, ab welchem Alter die Inhalte geeignet sind. Ob eine optische Kennzeichnung tats√§chlich in Kraft tritt, ist noch nicht abschlie√üend gekl√§rt.

Weiterf√ľhrende Informationen sowie eine ausf√ľhrliche „Frage-Antwort-Liste“ (FAQ) bietet die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter(FSM).

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das heddesheimblog

Gabis Kolumne

Die Normalität von sozialen Netzwerken

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Guten Tag!

Heddesheim, 22. November 2010. Soziale Netzwerke sind voll im Trend. So gut wie alle Kinder und Jugendlichen haben damit zu tun. Fragt sich nur, was man selbst damit zu tun hat, ob man alles versteht und wie man den Kindern den Umgang damit beibringt, meint Gabi.

Vor ein paar Wochen habe ich geschrieben, dass ich mich den Sozialen Netzwerken annähere. Vorsichtig habe ich mich herangetastet. Ich muss gestehen, dass ich mich der Fazination kaum erwehren konnte. Ich habe gechattet, sogar mal was gepostet, wie es so schön heißt. Mein Freundeskreis ist stetig gewachsen. Das zu mir.

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Facebook. Aus einem Studentenjahrbuch-Verzeichnis wurde die größte Online-Community der Welt.

Auch meine Kinder sind in sozialen Netzwerken unterwegs: Sch√ľlerVZ und Facebook und wer-kennt-wen. Nat√ľrlich haben wir es zu Hause thematisiert, auf die Gefahren hingewiesen und davor gewarnt, Bilder zu ver√∂ffentlichen.

Die Gefahren im Netz sind subtiler.

Auch wei√ü ich von Freunden und Bekannten, dass deren Kinder hier „unterwegs“ sind. Letztendlich sehen wir es aber recht locker, was kann hier schon passieren? Ist es nicht rein virtuell und nichts gegen die Gefahren, denen unsere Kinder im tats√§chlichen Leben ausgesetzt sind?

Doch die Gefahren, die hier lauern, sind viel subtiler. Wie erkennt man, was wer ernst meint? Wo hört der Spaß auf? Ist ein Freund wirklich ein Freund?

Jugendliche berichten √ľber Saufgelage, stellen davon Bilder ins Netz, nehmen politische Haltungen ein, provozieren. Um cool zu sein, aufzufallen, sich abzugrenzen. Dass sie sich damit auch inszenieren und von au√üen nicht immer erkennbar ist, wo der Spa√ü aufh√∂rt und der Ernst anf√§ngt – ist ihnen das klar? Wirklich bewusst?

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Twitter – ein Kurznachrichtendienst im Internet.

Was man im Internet ver√∂ffentlicht, daf√ľr ist man letztendlich verantwortlich. Und man stellt eine √Ėffentlichkeit her. Denn, wer teilweise einige hundert Freunde und mehr sein eigen nennt, wird kaum noch ein √ÉŇďberblick dar√ľber haben und kann nicht davon ausgehen, dass alles nur im „stillen K√§mmerlein“ passiert.

„Ich habs nicht so gemeint“, gilt nicht.

Lockere, coole Spr√ľche sind an der Tagesordnung. Was passiert, wenn cool nicht mehr cool ist, sondern rassistisch? „Ich hab‚Äôs nicht so gemeint“, ist schnell gesagt. Aber letztendlich kann man ja nur an den eigenen Worten gemessen werden. Vor allem dann, wenn man es √∂ffentlich macht.

Soll ich meinen Kindern die Netzwerke jetzt verbieten? Gilt es nicht eher mit ihnen dar√ľber zu reden und sie aufzukl√§ren?

Wir wissen heute alle, dass sich Personalchefs gerne im Facebook oder Studi-VZ tummeln. Welches Bild möchte man dann hier nach Außen abgeben?

Wer rechts- oder auch linksextreme Aussagen t√§tig, muss damit rechnen, dass man ihn oder sie f√ľr Ernst nimmt. Und wollen das Jugendliche nicht eigentlich?

Andererseits geh√∂rt zum jung sein, auch √ľber das Ziel hinaus zu schie√üen. Das habe ich getan, das machen immer wieder meine Kinder. Wichtig ist dabei immer wieder Grenzen zu erkennen. Sich betrinken tut sich fast jeder mal in seiner Jugend (oder auch sp√§ter), l√§sst man sich aber volllaufen und besch√§digt sich, andere oder Dinge, hat das eine ganz andere Brisanz.

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Die Frage ist meist nicht, ob man oder ob man nicht, sondern wie man mit Facebook umgeht.

Wie können wir unseren Kinder, in einer Welt, die so zwischen Virtualität und Realität hin- und herspringt, begreiflich machen, wo hier die Gefahren liegen, wo wir doch selbst in dieser Welt meist Fremde sind?

Quatsch ist erlaubt – aber auch ein sauberes Image.

Ich kann meinen Kindern nur den Rat geben, dass sie nur das veröffentlichen, zu dem sie wirklich stehen können. Und wenn es Quatsch ist, muss es auch als Quatsch erkennbar bleiben.

Klar ist, dass soziale Netzwerke f√ľr unsere Kinder normal sind. Klar ist aber auch, dass es darin normal zugehen sollte.

F√ľr mich sind soziale Netzwerke noch neu und ich n√§here mich an. Vorsichtig. Das versuche ich auch meinen Kindern beizubringen.

Und klar Рdie sozialen Netzwerke bieten auch jede Menge Vorteile. Einer ist gerade der, der auch problematisch sein kann: Der öffentliche Austausch mit anderen.

***

Und eine F√ľlle von Informationen, die man f√ľr das echte Leben nutzen kann, warten im Internet neben all dem Schrott, den es dort auch gibt. Damit unterscheidet sich das Internet nicht wirklich vom realen Leben.

Der entscheidende Unterschied ist der der Dokumentation – was im Internet gepostet wird, kann man zwar wieder l√∂schen. Ob es damit aus der Welt ist? H√§ufig nicht. Denn Informationen werden kopiert, an anderer Stelle wieder eingef√ľgt.

Auch ich muss lernen, Herrin √ľber die Informationen zu bleiben, die ich pflege und die andere √ľber mich haben. Das ist eine ganz sch√∂n verantwortliche Aufgabe, die ich wie meine Kinder erst gerade lerne.

gabi

Polizei f√§hrt Sonderschicht in der „Halloween-Nacht“

Guten Tag!

Heddesheim/Ladenburg, 29. Oktober 2010. Das Polizeirevier ruft zur Besonnenheit auf – in der Nacht vom 31. Oktober zum 01. November 2010, „Halloween-Nacht“ genannt, waren im vergangenen Jahr erhebliche Sch√§den angerichtet worden: „Es gibt eine klare Grenze zwischen einem Streich und einer Straftat, sagte Revierleiter Frank Hartmannsgruber auf Nachfrage.

Von Hardy Prothmann

Die Liste der Sachbesch√§digungen und Straftaten war lang und die Delikte teils sehr schwer. „Haben Sie bitte Verst√§ndnis daf√ľr, dass wir keine Details rausgeben, wir wollen niemanden zum Nachahmen anregen“, sagt Frank Hartmannsgruber, der vor gut einem Jahr, am 01. Oktober 2009 die Revierleitung √ľbernommen hat.

Wegen der teils erheblichen Sch√§den an Geb√§uden und Fahrzeugen f√§hrt die Polizei eine Sonderschicht: „Ich bin auch mit im Einsatz, die Leitung hat aber ein Kollege“, sagte Hartmannsgruber.

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Frank Hartmannsgruber l√§sst jedem seinen Spa√ü bei "Streichen" und w√ľnscht sich, dass daraus keine Straftaten werden. Bild: heddesheimblog.de

Der Mann hat in diesem ersten Jahr gezeigt, woher der Wind weht: Als Polizist durch und durch ist sein Hauptanliegen die Sicherheit – da versteht er genau keinen Spa√ü. Gleichzeitig ist Herr Hartmannsgruber auch pers√∂nlich sehr pr√§sent und h√§lt seine Beamten an, sich b√ľrgernah zu pr√§sentieren und zu verhalten. Dieses Konzept geht auf – viele B√ľrger bemerken die neue Pr√§senz positiv. Gleichzeitig ist Frank Hartmannsgruber sehr auf Pr√§vention bedacht, wozu f√ľr ihn eine umfangreiche √Ėffentlichkeitsarbeit geh√∂rt. Das Ziel: Ein gutes Miteinander.

Auch zur kommenden Halloween-Nacht informiert er mit einer Pressemitteilung und nimmt dabei auch die Eltern in die Pflicht – die sollten sich im Vorfeld dar√ľber klar sein, dass es ihre Pflicht ist, mit dem Nachwuchs ein „ordentliches“ Verhalten zu besprechen.

Wer sich nicht daran h√§lt, muss mit einem konsequenten Durchgreifen der Polizei rechnen. Soviel ist auch klar: Frank Hartmannsgruber wirkt rein √§u√üerlich freundlich und jung – was er auch ist. Er ist gerne f√ľr einen Spa√ü zu haben und lacht gerne fr√∂hlich – wenn es um Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten geht, ist jedoch „Schluss mit lustig“, dann greift er ohne Z√∂gern durch. Wenn es sein muss auch hart.

„Leider ist in der vergangenen Halloween-Nacht zu viel passiert, was √ľberhaupt nicht akzeptabel ist und mit Streichen nichts zu tun hat, deswegen kl√§ren wir im Vorfeld auf und weisen darauf hin, dass auch in dieser Nacht Recht und Ordnung nicht au√üer Kraft gesetzt sind.“

Pressemitteilung des Polizeireviers Ladenburg:

„Gebt uns S√ľ√ües, sonst gibt√ā¬īs Saures“, so hei√üt es vielerorts wieder in der Halloweennacht vom 31.10. zum 01.11.. In den vergangenen Jahren hat sich dieser Brauch auch hier in Deutschland mehr und mehr verfestigt.

Kinder und Jungendliche gehen, teilweise auch verkleidet und maskiert, von Haus zu Haus, um S√ľ√üigkeiten zu sammeln, „Schrecken“ zu verbreiten und ihre Scherze zu treiben.

„Scherze“ sollten aber nicht mit Straftaten verwechselt werden, so der Leiter des Polizeireviers Ladenburg Frank Hartmannsgruber.

Das Polizeirevier Ladenburg musste im vergangenen Jahr mehrere Straftaten, wie Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Beleidigungen aufnehmen.

Aus diesem Grund werden wir dieses Jahr verstärkt präsent sein, Kinder und Jugendliche gezielt ansprechen und Straftaten verhindern.

„Auch in dieser Nacht sind die Gesetze nicht au√üer Kraft gesetzt“.

Ein Appell geht aus diesem Grund an die Kinder und Jugendlichen zwar Spa√ü zu haben, die Grenzen dabei aber nicht zu √ľberschreiten.

Unterst√ľtzung erhofft sich die Polizei auch von den Eltern. Ein Gespr√§ch im Vorfeld zwischen Eltern und Kinder tr√§gt dazu bei, dass halloweenbegeisterte Kinder f√ľr die beschriebene Problematik sensibilisiert werden.“

Gabis Kolumne

Topmodels? Ohne mich!

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Guten Tag!

Heddesheim, 08. März 2010. Was bewegt Deutschland? Neben der Kopfpauschale und Hartz IV auch das, wovon viele träumen: Ein Topmodel zu sein, meint Gabi und sagt wie immer montags, was sie davon hält.

Vergangene Woche ging es wieder los und wird uns siebzehn Wochen lang, jeden Donnerstag Abend, verfolgen: Germany’s Next Topmodel (GNTM). Es ist die 5. Staffel, die unsere Heidi aus dem Rheinland, die Supermutti, Deutschlands Exportschlager und Everybody’s Darling auf Pro7 moderiert. Und ich frage mich wie Millionen anderer Frauen: Soll ich mir das antun?

2000 M√§dchen haben sich vergangene Woche in K√∂ln einen Platz beim Massencasting erst√ľrmt.

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Die f√ľnfte Staffel. √ā¬© ProSieben/Oliver S.

Und w√§hrend deutsche Frauenzeitschriften wie Brigitte, sich von den Models und dem Magerwahn abwenden, plant Heid Klum noch d√ľnnere M√§dchen auszuw√§hlen, noch dramatischere Shootings und noch h√§rtere Castings zu zeigen.

An ihrer Seite in der Jury sitzen jetzt auch nicht mehr Peyman Amin – der wollte mit seiner Model-WG seine eigene TV-Karriere anschieben – und Rolf Schneider, sondern Fotograf Christian Schuller und „Q“ alias Qualid Ladraa.

Bunte“Hunde“.

Heidi stellt „Q“ als „bunten Hund der Modewelt“ vor und von sich selbst behauptet der „sch√∂ne“ Deutsch-Marokkaner, aus 20 Kilometer Entfernung das Potential eines m√∂glichen Models entdecken zu k√∂nnen.

Brauchen wir so eine Sendung, frage ich mich? M√∂chte ich, dass meine 11-j√§hrige Tochter hier ihre Vorbilder findet? Eine Welt, in der die F√§higkeit auf 15-Zentimeter-High-Heels √ľber den Catwalk zu laufen, das Ma√ü aller Dinge ist?

Ich muss gestehen, dass ich bei den vergangenen beiden Staffeln ziemlich h√§ufig reingeschaltet habe und, nat√ľrlich auch meine Favoritinnen hatte. W√§hrend mein Mann und mein Sohn schreiend das Wohnzimmer verlie√üen, haben meine Tochter und ich zuweilen mitgefiebert.

Denn es gab und gibt ja auch viel zu sehen:

Wen trifft diesmal die Kritik am härtesten? Wer bricht in Tränen aus? Und bei wem entdeckt Heidi Persönlichkeits- und Entwicklungspotenzial?

Ist es nicht einfach zu spannend?

Die einzelnen Shootings sind ja auch zu spannend: Wer traut sich mit Kakerlaken, Krokodilen, Vogelspinnen oder Schlangen zu posieren? Wer schafft es in die Tiefe? In den Windkanal? In höchste Höhen? In die Eiskammer? Oder stundenlang in den kalten New Yorker Regen? Und so ähnelt das alles schon eher einem Survival-Traing als einer Casting-Show.

Ebenso spannend ist das Drama zwischen den Kandidatinnen: Da wird gemobbt und gezickt, was das Zeug h√§lt. Regelm√§√üige Nervenzusammenbr√ľche sind hier an der Tagesordnung.

Mittendrin gibt Heidi mal die Psychologin, mal die Mutti, aber nat√ľrlich auch die knallharte Mode-Business-Frau, die dann schon mal sagt „Wer was erreichen will, muss da durch, wenn du das √Ę‚ā¨¬¶ nicht kannst, kannst du gleich nach Hause gehen.“

Heidi piepst was von „Pers√∂nlichkeit“.

Mit ihrer Piepsstimme verk√ľndet Frau Klum, die ja inzwischen Frau Samuel hei√üt, dass sie bei den M√§dchen die Pers√∂nlichkeit, das gewisse Etwas sehen und finden m√∂chte. Nat√ľrlich gepaart mit den Modelma√üen 90-60-90 und mindestens 1,75 Meter Gr√∂√üe.

Und so startete die 5. Staffel vergangenen Donnerstag mit dem ersten groben Aussortieren. Und wieder achteten Heidi und ihre Juroren auf eine Dramen versprechende Mischung in ihrer Auswahl der Kandidatinnen:

Die sch√ľchterne 16-j√§hrige mit der Zahnspange, eine aufgedonnerte Miss-Russland, die laut dem Fotografen Christian Schuller, einem Frauenbild nacheifert, das in unserer westlichen Welt nicht mehr existiert.

Eine gro√üe H√ľbsche mit einem abstehenden Ohr namens „Freddy“ – und halt, haben wir nicht irgendwann auch mal in den Medien gelesen, dass Heidi ihren Br√ľsten Namen gegeben hat, aber das nur am Rande – , zwei Dunkelh√§utige und zwei M√§dchen aus Bayern und √Ėsterreich, die sich beim Casting kennengelernt haben und sich jetzt schon „so lieb“ haben.

Endlose L√§ngen bis zum „Erfolg“ – f√ľr wen?

Eine erzählt der fassungslosen Jury, dass ihr Freund sie nach drei Jahren verließ, weil sie sich bei GNTM bewarb und bei einer anderen musste während der Sendung ein Oberlippen-Piercing mit der Zange entfernt werden.

Die Ausgewählten mussten die erste Nacht auf Feldbetten in einem Lager verbringen, denn der Weg zur Model-Villa ist steinig und schwer, wie ihnen von der Jury immer wieder bewusst gemacht wird.

Und ich denke, diesmal werde ich diesen Weg nicht begleiten. Ich m√∂chte keine weiteren Dramen und Mutproben mehr sehen und ich m√∂chte keine nerviges und menschenunw√ľrdiges Niedermachen und Rausschmei√üen mehr ertragen, was andauernd durch Werbebl√∂cke endlos in die L√§nge gezogen wird.

Und vor allem m√∂chte ich nicht, dass meiner Tochter diese unrealistischen Werte als richtig und wichtig f√ľr ihr Leben vermittelt werden.

Heidi „go your way“, aber ohne mich – zumindest nicht regelm√§√üig.

gabi

Informationsabend des CBG gut besucht

Guten Tag!

Ladenburg/Heddesheim, 26. Februar 2010. Der Informationsabend des Carl-Benz-Gymnasium (CBG) am Mittwoch, den 24. Februar 2010, war wie gewohnt gut besucht. √ÉŇďber 200 Eltern waren mit ihren Kindern gekommen, um sich √ľber das Angebot der Schule zu informieren. Das CBG ist f√ľr viele Heddesheimer Sch√ľler das bevorzugte Gymnasium.

Von Hardy Prothmann

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Weit √ľber 200 Eltern informieren sich im CBG. Bild: hblog

Die St√ľhle reichten nicht aus, um allen Eltern eine Sitzgelegenheit zu bieten – also werden mehr St√ľhle rangeschafft. Weit √ľber 200 Eltern wollen sich √ľber das Angebot des CBG informieren.

Ab 17:30 Uhr f√ľhrten Lehrer Kinder und Eltern durch die Schule, zeigten die Klassen- und Fachr√§ume, f√ľhrten Experimente vor und werben f√ľr einen Unterricht im Ladenburger Gymnasium.

Um 19:15 Uhr empf√§ngt Rektor G√ľnter Keller die Eltern um seine Schule und ihr Angebot den „Entscheidern“ vorzustellen. G√ľnter Keller, der im zweiten Jahr Rektor des Gymnasiums ist und zuvor Stellvertretender Schulleiter am Mannheimer Karl-Friedrich-Gymnasium war, macht das gut.

Progressiv und mit Humor. Und immer wieder mit dem nötigen Ernst.

Das CBG beginnt mit Englisch als erster Fremdsprache und dann ab der 6. Klasse mit der zweiten gymnasialen Fremdsprache (Latein oder Französisch), ist auf dem Weg zur Ganztagschule, hat Förderprogramme und versucht etwas Neues: Die Rhythmisierung des Unterrichts.

„Zwischen der dritten und vierten Stunde gibt es keine Pause, daf√ľr aber davor ein etwas l√§ngere. Der Vorteil ist, dass wir weniger F√§cher pro Tag anbieten. Das bedeutet mehr Konzentration in der Schule und weniger Hausaufgaben f√ľr die Sch√ľler, weil weniger F√§cher an einem Tag unterrichtet werden. Das Ziel ist mehr Ruhe f√ľr die Sch√ľler. Das ist ein Konzept, das voranschreitet“, sagt G√ľnter Keller.

Und es gibt das „Ladenburger Modell“: Zwei gleichberechtige KlassenlehrerInnen leiten die „Verf√ľgungsstunde“. Hier sollen die Sch√ľler mit dem „Lion Quest Programm“ m√∂glichst schnell zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen und unterst√ľtzt werden auf dem Weg, „erwachsen zu werden“.

Nach der Pr√§sentation des Lehrplans, der Hausaufgabenbetreuung, Kooperationen mit ausl√§ndischen Schulen und anderen Angeboten kommen die Fragen der Eltern: Wie lang sind die Schultage, wie steht es mit dem Mittagsessen, wie viele Sch√ľler sind in den Klassen, werden Ladenburger Sch√ľler und Geschwisterkinder bevorzugt?

G√ľnter Keller und seine Stellvertreterin Monika Richter geben Antworten auf die vielen Fragen.

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Neue Gymnasiasten: Werden es vier, werden es f√ľnf Klassen? Bild: lblog

Vier bis f√ľnf Klassen erwartet Keller: „Ich bin sicher, dass wir niemanden abweisen m√ľssen.“ Ein paar Eltern wollen das nicht glauben: „Und wenn jetzt nur hundert Anmeldungen kommen, machen Sie dann auch f√ľnf Klassen?“, wird gefragt. „Der Klassenteiler ist festgelegt“, sagt Keller. „Bei 100 Sch√ľlern w√§ren es vier Klassen zu 25 Sch√ľlern.“ Aber damit rechnet er nicht. Eher mit f√ľnf Klassen zu 33 Sch√ľlern, also 165 insgesamt.

Auch die „Klo-Frage“ wird gestellt. Keller: „Klar ist, dass wir Sanierungsbedarf haben. Klar ist auch, dass unabh√§ngig davon alle Sch√ľler und Eltern durch ihr Verhalten dazu beitragen, wie die Zust√§nde an der Schule sind.“ Die Toilettensituation ist verbessert, die Sanierungsaufgabe bleibt.

„Ob ihre Kinder eine Generalsanierung erleben, kann ich nicht sagen“, sagt Keller. „Das wir unabh√§ngig davon einen guten Unterricht anbieten, kann ich Ihnen zusagen.“

G√ľnter Keller wei√ü, dass nicht alle Eltern sich f√ľr das CBG entscheiden werden. Andere Schulen haben andere Angebote, die Geschm√§cker der Eltern und Sch√ľler sind verschieden. Am CBG werden zur Zeit 1.116 Sch√ľler von 98 Lehrkr√§ften unterrichtet.

Wie viele neue Sch√ľler G√ľnter Keller im Schuljahr 2010/11 begr√ľ√üen wird, wei√ü er an diesem Abend auch noch nicht. Was er wei√ü ist, es werden vier bis f√ľnf Klassen werden.

Einige Sch√ľler werden aus Heddesheim oder anderen Gemeinden kommen. Im Zweifel gilt: Ladenburger Sch√ľler werden bevorzugt angenommen.

Lesen Sie auch: Welche Schule ist die richtige f√ľr mein Kind?
Link: Homepage des CBG

Was vom Antrag √ľbrig bleibt – die Werkrealschule der Politik

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 18. Februar 2010. Der urspr√ľngliche Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule ist gescheitert. Das „macht nichts“, denn ein „Alternativantrag“ soll die „L√∂sung“ sein.

Kommentar: Hardy Prothmann

Es geht um das „Wohl unserer Sch√ľler“. An dieser Aussage lie√üen die B√ľrgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) keinen Zweifel.

Kein Zweifel? Von wegen.

Das Konzept der Werkrealschule an sich ist verzweifelt.

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Michael Kessler, Georg Wacker, Manuel Just finden "Alternativlösung". Bild: hblog

Nur Baden-W√ľrttemberg und Bayern leisten sich dieses Konzept, w√§hrend schon zehn andere der sechzehn Bundesl√§nder die Hauptschule abgeschafft haben oder dabei sind, diese abzuschaffen.

In Stuttgart wird eine Kirchturmpolitik gemacht, die mit den „Zust√§nden“ vor Ort, mit dem Zustand der Hauptschule an sich nichts zu tun hat. Die Werkrealschule ist eine „Zwischenl√∂sung“ auf dem Weg zur Abschaffung der Hauptschule und von Motiven getrieben, denen ganz sicher das „Wohl der Sch√ľler“ egal ist. Es geht darum, was diese „kosten“.

Das Konzept ist, dass alles noch nicht geregelt ist.

Wenn Staatssekret√§r Georg Wacker (CDU) etwas von „p√§dagogischen Konzepten“ in diesem Zusammenhang erl√§utert, darf man mit Fug und Recht behaupten, dass er „schw√§tzt“.

Denn mit den Konzepten ist es nicht weit her.

Das Gesetz zu dieser „Schulreform“ wurde im Hauruck-Verfahren von der Landesregierung gegen die Empfehlungen der Lehrer und Eltern durchgedr√ľckt. Die Vorsitzende des Landeselternbeirats Christiane Staab (CDU) ist zusammen mit ihrer Stellvertreterin Sylvia Wiegert aus „Entsetzen“ √ľber die Schulpolitik am 20. Januar 2010 von ihrem Amt zur√ľckgetreten.

Konzepte? Bis heute liegen keine Lehrpl√§ne f√ľr diese ach-so-tolle Werkrealschule „neuen Typs“ vor. Erst in einigen Wochen wird das der Fall sein: „Die Schulen und Lehrer haben dann ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen“, sagt Staatssekret√§r Wacker und tut so, als liefe alles wie am Schn√ľrchen.

Hautpsache „gesetzeskonform“.

Das tut es aber nicht. Die AlternativNotlösung Hirschberg-Heddesheim ist ein erstklassiges Beispiel.

Auf der Pressekonferenz wird eine „gesetzeskonforme“ L√∂sung pr√§sentiert. B√ľrgermeister Manuel Just machte keinen Hehl daraus, dass man aus der misslichen Lage das Beste machen wollte (erster Antrag) und das Bestm√∂gliche nun beantragen wolle (Alternativantrag).

Kommende Woche wird die zweitbeste aller schlechten Lösungen nun durchgeboxt. Am Montag wird der Hirschberger Elternbeirat in Kenntnis gesetzt, am Dienstag soll der Gemeinderat den neuen Antrag abnicken, am Mittwoch wird der Heddesheimer Elternbeirat in Kenntnis gesetzt, am Donnerstag soll der dortige Gemeinderat nicken.

F√ľr die beiden Schulen, die dann k√ľnftig eine sein werden, wird die Schulleitung neu ausgeschrieben. Voraussichtlich wird Jens Drescher, der Leiter der Martin-St√∂hr-Schule der neue Leiter der gemeinsamen Werkrealschule – es k√∂nnte aber auch jemand anderes werden. Die Heddesheimer Rektorin Hiltrud Rudolf wird sich voraussichtlich der Lage beugen und Leiterin einer Johannes-Kepler-Grundschule werden.

Doch auch das ist noch nicht geregelt – voraussichtlich wird die gemeinsame Werkrealschule zum kommenden Schuljahr 2010/11 starten und noch beide Schulleitungen im Amt haben.

Dringende Probleme

Ein neuer Name wird bis dahin auch noch nicht gefunden haben, denn „es gibt dringendere Probleme“ zu l√∂sen, wie B√ľrgermeister Manuel Just sagt.

Beispielsweise die Organisation der verteilten Schule: Wer, wann, wo und wie sind die bislang ungelösten Fragen zum Einsatz der Lehrer.

Auch der Transport der Sch√ľler ist noch nicht geregelt. Wie sch√∂n, dass das „die Zehntkl√§ssler nicht betrifft“, wie B√ľrgermeister Michael Kessler sagt, „die k√∂nnen wie bisher auch mit dem normalen √ĖPNV fahren“.

Vier Klassenzimmer stehen k√ľnftig in Hirschberg oder in Heddesheim leer. Was macht man damit? B√ľrgermeister Kessler sagt allen Ernstes: „Die k√∂nnte man dann beispielsweise renovieren. Oder so.“

„Oder so“ also.

Die „Werkrealschule der Politik“ f√ľhrt dazu, dass „zwei starke Hauptschulen“ in ein zweifelhaftes Abenteuer mit unbekanntem Ausgang gest√ľrzt werden.

Der vom Staatssekret√§r hoch gelobte „mittlere Bildungsabschluss“ der Werkrealschule, der angeblich dem Realschulabschluss „gleichwertig“ sein soll, ist in den Nachbarl√§ndern Rheinland-Pfalz und Hessen unbekannt und dementsprechend nichts wert.

Ein guter Abschluss?

Darauf angesprochen sagt Herr Wacker: „Die Kultusministerkonferenz hat diesen Abschluss quasi „zertifiziert“. Hier in Baden-W√ľrttemberg wurde uns versichert, dass dies ein guter Abschluss ist.“

Ein guter Abschluss also? Das wird sich in der Praxis zeigen m√ľssen. Aus Sicht der Lehrer handelt es sich um einen Etikettenschwindel.

Die Schulnote f√ľr die „Schulreform“ und die Hirschberger-Heddesheimer-L√∂sung hingegen steht fest: Sie ist mangelbehaftet. Ebenso wie die „Einbeziehung“ der Sch√ľler, Eltern und des Elternbeirats – was kommende Woche passieren wird, hat nichts mit „Einbeziehung“ zu tun, sondern nur mit „Durchboxen“.

Die Alternativlösung ist eine Lösung ohne Alternative.

Gemeinsame Werkrealschule: Der „Alternativantrag“

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 18. Februar 2010. Der urspr√ľngliche Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg hatte politisch keine Chance. Ein Alternativantrag soll genehmigungsf√§hig sein.

Der Alternativantrag f√ľr eine gemeinsame Werkrealschule sieht vor, dass bereits zum kommenden Schuljahr die Klassen 5-7 der Hauptschulen Heddesheim-Hirschberg einz√ľgig (also nur mit einer Klasse in der Stufe) vor Ort unterrichtet werden (siehe unseren Bericht „Letzte Verhandlungen zur Werkrealschule„).

Die Klassen 8-9 werden zweiz√ľgig an wechselnden Standorten unterrichtet. Die Klasse 10 wird dort absolviert, so zuletzt die Klasse 9 stattgefunden hat.

Auf einer Pressekonferenz in Hirschberg erl√§uterten die B√ľrgermeister Michael Kessler (Heddesheim) und Manuel Just (Hirschberg) sowie Staatsminister Georg Wacker (CDU), dass der gemeinsame Schulstandort Hirschberg sein soll. Heddesheim soll als „Ausgleich“ Standort eines noch einzurichtenden „Schulzweckverbandes“ werden.

Am Montag, den 22. Februar 2010, soll der Hirschberger Elternbeirat der Martin-St√∂hr-Schule √ľber den „Alternativantrag“ unterrichtet werden. Am 23. Februar 2010 soll der Hirschberger Gemeinderat dem Antrag zustimmen. Am 24. Februar soll der Heddesheimer Elternbeirat der Johannes-Kepler-Schule √ľber den „Alternativantrag“ unterrichtet werden. Am 25. Februar 2010 soll der Heddesheimer Gemeinderat dem „Alternativantrag“ zustimmen.

Die Zustimmung der beiden Gemeinder√§te ist die Vorraussetzung, dass beide Gemeinden bis zum 15. M√§rz 2010 einen neuen „Alternativantrag“ stellen k√∂nnen.

Dokumentation der Pressemitteilung:

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Gemeinsame Werkrealschule: Alternativantrag genehmigungsfähig

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 17. Februar 2010. Der Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule Hirschberg-Heddesheim ist nicht genehmigungsfähig. Ein Alternativantrag soll akzeptiert werden.

Die B√ľrgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) sowie der Staatssekret√§r Georg Wacker (CDU) haben heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt gegeben, dass der urspr√ľngliche Antrag der beiden Gemeinden f√ľr eine gemeinsame Werkrealschule nicht genehmigungsf√§hig ist.

Stattdessen solle ein Alternativantrag gestellt werden, „f√ľr den ich ganz klar die Genehmigung signalisieren kann“, sagte Staatssekret√§r Wacker.

Danach verbleiben die Klassen 5-7 an den Standorten Heddesheim und Hirschberg. Jahrgangsstufe 8 wird an einem Standort unterrichtet, Jahrgangsstufe 9 wechselt dann an den anderen Standort, wo auch die zehnte Klasse abgeschlossen wird.

Diesem Modell m√ľssen aber noch die beiden Gemeinder√§te zustimmen.

Der Artikel wird aktualisiert.
Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht

Letzte Verhandlungen zur Werkrealschule

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 12. Februar 2010. In der Hirschberger Martin-St√∂hr-Schule gab es heute ein Gespr√§ch zwischen B√ľrgermeistern, Schulamt und Schulleitungen sowie dem Staatssekret√§r Georg Wacker zur Werkrealschule. Der Vorgang steht unter Druck – eine Entscheidung muss getroffen werden.

Von Hardy Prothmann

Was die B√ľrgermeister Just und Kessler, die Schulleitungen, das Schulamt und der Staatssekret√§r Wacker heute besprochen haben, bleibt noch unter Verschluss. F√ľr den kommenden Mittwoch, den 17. Februar 2010, ist f√ľr 17:00 Uhr eine Pressekonferenz angek√ľndigt.

Soviel ist aus dem Umfeld zu h√∂ren: Der Antrag f√ľr eine gemeinsame Werkrealschule klemmt und angeblich soll es noch keine Entscheidung geben – also weder eine Ablehnung, noch eine Zustimmung.

Das k√∂nnte darauf hindeuten, dass „nachgebessert“ werden muss. Wie aus Kreisen der Beteiligten zu erfahren war, k√∂nnte eine L√∂sung so aussehen: Die 5. bis 7. Klassen werden weiterhin vor Ort unterrichtet, im j√§hrlichen oder zweij√§hrigen Wechsel werden die 8. und 9. Klasse entweder in Hirschberg oder in Heddesheim unterrichtet. Gleichzeitig wird die 10. Klasse Werkrealschule am jeweils anderen Ort unterrichtet.

Welche L√∂sung auch immer kommt: Es wird eine chaotische sein. Bis heute fehlen die Lehrpl√§ne f√ľr die neue Werkrealschule, die Lehrer wissen nicht, wann sie wo und wie eingesetzt werden. F√ľr die neue Werkrealschule Hirschberg-Heddesheim muss h√∂chstwahrscheinlich die Schulleitung neu ausgeschrieben werden. Es k√∂nnte also sein, dass keine der beiden jetzigen Leitungen die neue gemeinsame Werkrealschule leiten wird.

Auch der Transport der Sch√ľler ist unklar. Ebenso der Umgang mit den frei werdenden R√§umlichkeiten vor Ort.

Eines aber ist klar: An dem, was hinter den Kulissen nun verhandelt wird, sind weder die Eltern, noch die Sch√ľler, noch die Lehrkr√§fte beteiligt.

„Das Thema Alkoholmissbrauch wird immer j√ľnger“

Guten Tag!

Heddesheim, 21. November 2009. Die betrunkenen, 12-j√§hrigen M√§dchen auf der Heddesheimer Eislaufbahn sind kein Einzelfall. √ÉŇďberall im Land und im Kreis steigen die F√§lle von Alkoholmissbrauch bedenklich an. W√§hrend die Gemeindeverwaltung lieber angeblich „im Hintergrund“ t√§tig wird, gehen andere St√§dte und Kommunen das Problem offensiv an. Mit Erfolg – wie die Sucht-Expertin Astrid Zapf-Freudenberg wei√ü. Sie wirbt f√ľr eine „Alkohol-Politik“.

Interview: Hardy Prothmann

Frau Zapf-Freudenberg, zwei 12-j√§hrige M√§dchen werden stark alkoholisiert auf der Eisbahn in Heddesheim aufgegriffen. Die Gemeinde Heddesheim versucht den Vorfall zu verschweigen, angeblich, um diese Kinder zu sch√ľtzen. K√∂nnen Sie das nachvollziehen?
Zapf-Freudenberg: „Ja – weil zun√§chst ein Imageverlust bef√ľrchtet wird und man sich fragt: wer ist oder soll sich hier verantwortlich f√ľhlen? Dieser Vorfall sollte in der Gemeinde dazu benutzt werden, kritisch zu fragen: Wie wird mit Alkohol umgegangen auf Wein-, Gassen-, Stra√üenfesten? Wird der Jugendschutz gelebt auf Fasnacht-, Tanz-, Diskoveranstaltungen? Gibt es Probleme in Zusammenhang mit Alkoholkonsum in Jugendtreffs/Jugendclubs?√ā¬†Entstehen St√∂rungen, wie L√§rmbel√§stigung, Vandalismus, Gewalt, Verschmutzung an so genannten inoffiziellen Jugendtreffs, wie Bush√§uschen, Spielpl√§tze, Flussufer, W√§ldchen, Sportpl√§tzen?“

Das sind jede Menge Fragen.
Zapf-Freudenberg: „Ich war noch nicht fertig: Gibt es Handlungsbedarf aus Jugendschutzsicht beim Ausschank: Schulung von Thekenpersonal, Einlass-, Alterskontrollen, Weitergabe von Spirituosen an unter 18-J√§hrige? Gibt es Flatrate-Alkoholkonsumangebote, √∂ffentlich veranstaltete Trinkspiele, Happy Hour-Angebote f√ľr Jugendliche/junge Erwachsene? Ist der sichere Heimweg f√ľr Festbesucher geregelt? Wird der Jugendschutz bei Alkoholverkauf in Tankstellen, Kiosken eingehalten?“

„Das Thema Alkoholmissbrauch wird immer j√ľnger.“ Astrid Zapf-Freudenberg

Wie sollte eine Gemeinde mit dem Thema Alkohol und Jugendliche umgehen?
Zapf-Freudenberg: „Kritisch und offensiv. Hinschauen, denn Wegschauen ist hier keine L√∂sung. Gemeindepolitik und-verwaltung, die Vereine, die Gastronomen, die Schulen, das Jugendamt, Kriminalpr√§vention und Polizei, Vertreter des √∂ffentlichen Nahverkehrs, Pr√§ventionsfachkr√§fte aus Suchtberatungsstellen und die Eltern m√ľssen zusammenwirken, um der bedenklichen Entwicklung entgegen zu wirken, dass das Thema Alkoholmissbrauch immer „j√ľnger“ wird.“

Welche Tendenz stellen Sie fest?
Zapf-Freudenberg: „Die deutsche Hauptsstelle f√ľr Suchtfragen gibt in ihrem Jahrbuch Sucht 2008 an, dass 92 Prozent aller Jugendlichen zwischen 12-25 Jahren Erfahrungen mit Alkohol haben, 14 Prozent davon trinken „riskant“, das hei√üt mehr als 120g reinen Alkohol pro Woche (ca. 374 ml Wodka) und laufen damit Gefahr, sich vielf√§ltig zu sch√§digen, vor allem das Gehirn, und die Anwartschaft auf eine Alkoholabh√§ngigkeit zu erwerben.“

Gibt es ein kritisches Alter?
Zapf-Freudenberg: „Die Alkoholrauscherfahrung sind bei den 16-17-J√§hrigen am h√§ufigsten.√ā¬†Die alkoholbedingten Behandlungsf√§lle haben sowohl im Land als auch im Kreis von 2007 auf 2008 um √ľber zehn Prozent zugenommen. Im Rhein-Neckar-Kreis waren es im Jahr 2008 offiziell 151 F√§lle. Das ist die Spitze eines Eisberges, der zeigt, dass wir uns k√ľmmern m√ľssen.“

„Es wird immer noch zu wenig getan.“

Sie sagen, man m√ľsse zusammenwirken, um das Problem Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen in den Griff zu bekommen. Gibt es daf√ľr positive Beispiele?
Zapf-Freudenberg: „Ja, leider kann ich nicht sagen, „jede Menge“, weil immer noch viel zu wenig getan wird.

Ein positives Beispiel ist ein Veranstalter gro√üer Events in Mannheim. Der Gesch√§ftsf√ľhrung fiel auf, dass Jugendliche bereits im Vorfeld von Veranstaltungen auf dem Gel√§nde „vorgl√ľhten“ und alkoholisiert St√∂rungen verursachten. Kriminalpr√§vention, Polizei, Besch√§ftigte des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar, Jugend- und Gesundheitsamt, Fanclubs, Pr√§ventionsmitarbeiter der Suchtberatungsstellen und Veranstalter bildeten so genannte Jugendteams und zeigten auf dem Gel√§nde und in der Halle Pr√§senz, sprachen Jugendliche an und informierten dar√ľber, dass der Jugendschutz auf der Veranstaltung eingehalten wird.“

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Die Sucht-Expertin Astrid Zapf-Freudenberg fordert eine "Alkohol-Politik": "Wegschauen hilft nicht." Foto: privat

Und die Jugendlichen haben gleich alles verstanden und alles war gut?
Zapf-Freudenberg: „Nein. Einigen alkoholisierten Besuchern wurde Platzverweis erteilt. Und ja: Diese Aktion lief einige Male und die Auff√§lligkeiten wurden sichtbar geringer. √É‚Äěhnliche Erfahrungen wurden in Mannheim auf zwei Kerwe-Veranstaltungen gemacht, die durch Gewaltaufkommen infolge Alkoholkonsum Handlungsbedarf forderten. Das ist ein toller Erfolg und ein sehr gutes Beispiel, dass die M√ľhe sich lohnt.“

Haben Sie eine Erkl√§rung daf√ľr, warum die Jugendlichen, die Alkohol missbrauchen, immer j√ľnger werden?
Zapf-Freudenberg: „Es ist eine Entwicklungsaufgabe des Jugendalters neben vielen anderen, zu lernen, mit Alkohol umzugehen. Wir erwarten das ja auch von unseren jungen Menschen. Dabei wird experimentiert und ausgetestet. Normalerweise verliert sich diese Risikobereitschaft beim Alkoholkonsum mit Eintritt ins Berufsleben und der Partnerwahl. Einige Jugendliche haben keine f√∂rderliche Ausgangsbasis und werden hilfebed√ľrftig, weil sie diese Entwicklungsaufgabe nicht allein bew√§ltigen k√∂nnen.

Alkoholkonsum wird von Jugendlichen als Eintritt in das Erwachsenensein betrachtet, ist also ein Attribut des Erwachsenen. Alkoholkonsum im Jugendalter ist auch als Bew√§ltigungshandeln und Suche nach Entlastung des Jugendlichen zu sehen.“

Eine „Alkohol-Politik“ gibt den Jugendlichen Leitplanken.“ Astrid Zapf-Freudenberg

Entlastung wovon?
Zapf-Freudenberg: „Die Kinderzeit wird immer k√ľrzer. Wir erwarten von unseren Spr√∂sslingen immer fr√ľher Erwachsenenverhalten: sich der Norm anzupassen, W√ľnsche/Bed√ľrfnisse aufzuschieben, zu verzichten, sachlich und zielorientiert zu handeln, vor allem leitungsorientiert, usw. Gleichzeitig verl√§ngert aber sich die Jugendzeit. Der Eintritt in die wirtschaftliche Unabh√§ngigkeit wird bis in das dritte Lebensjahrzehnt verz√∂gert.

Unsere jungen Menschen sind dabei einem Bombardement von Werbung der Tabak- und Alkoholindustrie ausgesetzt, die mit ihren Produkten als Lifestyle werben und ins Schwarze treffen. Und unsere jungen Menschen stehen immer weniger unter dem Einfluss ihrer Eltern. Deswegen ist es dringend angeraten, eine Alkoholpolitik zu betreiben und Kindern und Jugendlichen auch auf Gemeindeebene Leitplanken zu geben.“

Was ist eine „Alkoholpolitik“?
Zapf-Freudenberg: „Es ist der erkl√§rte Wille der kommunalen Gebietsk√∂rperschaft den exzessiven Alkoholkonsum und seine Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen l√∂sungsorientiert zu bek√§mpfen, sich hierf√ľr zust√§ndig zu f√ľhlen und zu handeln. Voraussetzung ist die Problembeobachtung und -beschreibung und die weitere Vernetzung und Diskussion am runden Tisch. Teilnehmer k√∂nnen Gemeindeverwaltung und -politik, Polizei und Kriminalpr√§vention, Jugendamt, Jugendtreffs, Einrichtungen der Jugendhilfe, Schule, Elternschaft, Suchtberatungsstellen, Vereine, Gastronomie sein.

Es sollte eine lokale Agenda mit Ma√ünahmen und der Umsetzung verabschiedet werden. Ferner muss auff√§llig gewordenen Kindern und Jugendlichen geholfen werden. Das beginnt durch ein Gespr√§ch mit alkoholvergifteten Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern und dem Angebot weitere Hilfestellungen im Krankenhaus. Ferner muss es weitere Ma√ünahmen f√ľr junge Menschen mit Risikoprofil geben. Hier bietet das Projekt HaLT (Hart am Limit) des Pr√§ventionszentrums Villa Sch√∂pflin eine gute L√∂sung.

Link:
Baden-W√ľrttembergischer Landesverband f√ľr Pr√§vention und Rehabilitation: Lokale Alkoholpolitik.

Zur Person:
Astrid Zapf-Freudenberg ist Diplom-Sozialarbeiterin und arbeitet in Mannheim in der Fachstelle Sucht des Baden-W√ľrttembergischen Landesverband f√ľr Pr√§vention und Rehabilitation gGmbH (bwlv).
Die bwlv „Fachstelle Sucht“ bietet durch drei Sozialarbeiter/Sozialp√§dagoginnen und einem Psychologen Mannheimer B√ľrgerinnen und B√ľrgern Suchtberatung und ambulante medizinische Rehabilitation, Vermittlung in station√§re medizinische Rehabilitation und Nachsorgebehandlung, Nikotinentw√∂hnung, Tagesst√§tte f√ľr suchtkranke Menschen, alkoholfreies Caf√©, sechs Selbsthilfegruppen, eine offene Info-Gruppe.
Frau Zapf-Freudenberg ist Leiterin der Fachstelle und als Fachkraft f√ľr Suchtpr√§vention informiert, ber√§t und unterst√ľtzt sie Betriebe/Verwaltungen, Vereine, Schule, Kinderg√§rten, Gemeinwesen bei der Umsetzung von Suchtpr√§ventionsprogrammen.

Info:
stern: Blaue Briefe gegen den Suff

Vorfall auf der Eisbahn: Alkoholisiertes Mädchen wurde in Weinheimer Klinik eingeliefert

Guten Tag!

Heddesheim, 12. November 2009. Am Wochenende kam es bei der „Eisdisco“ am Samstag zu zwei F√§llen von Alkoholmissbrauch durch Kinder auf der Eislaufbahn Heddesheim. Wir berichteten bereits gestern √ľber zwei alkoholisierte M√§dchen im Alter von 12 Jahren. Heute hat die Gemeinde auf unsere Anfrage vom 10. November 2009 Details zu dem Vorfall mitgeteilt.

Nach Angaben der Gemeinde Heddesheim bemerkte einer der Eismeister am Samstag, den 07. November 2009, „dass sich ein 12-j√§hriges M√§dchen im Beisein von anderen Jugendlichen auf dem Gel√§nde der Eisbahn an einer Sitzbank √ľbergeben hatte“. Das M√§dchen sei nicht ansprechbar gewesen, weswegen der Eismeister den Rettungsdienst gerufen habe, der das alkoholisierte M√§dchen in eine Klinik nach Weinheim gefahren habe.

Ein weiteres M√§dchen habe ebenfalls Alkohol getrunken und sich auf der Toilette der Eisbahn √ľbergeben. Der Eismeister informierte die Eltern der beiden M√§dchen, die sp√§ter auf der Eisbahn erschienen sind.

In beiden F√§llen wurde das Jugendamt durch die Gemeinde am 11. November 2009 informiert. Zun√§chst hatte die Gemeinde am 10. November 2009 mitgeteilt, dass „zust√§ndige Stellen“ informiert worden seien.

Gemeinde sieht die beiden betrunkenen 12-j√§hrigen M√§dchen als „Einzelfall“.

Auf Nachfrage der Redaktion schrieb die Gemeinde, dass sie den Alkoholmissbrauch der Kinder als „Einzelfall“ betrachte und keinen Anlass sehe, „die Organisation unserer Eisdisco grunds√§tzlich in Frage zu stellen, da allen Besuchern bekannt ist, dass der Alkoholkonsum w√§hrend der Eisdisco verboten ist und sie mit dem Kauf der Eintrittskarte die Eislaufordnung der Kunsteisbahn der Gemeinde Heddesheim anerkennen.“

Nach dieser bestehe w√§hrend der Zeiten der Eisdisco absolutes Alkoholverbot. Die Gemeinde k√∂nne nicht verhindern, „dass Personen die Eisdisco besuchen, bei denen nicht erkennbar ist, dass sie bereits im Vorfeld Alkohol getrunken haben.“ Bei Verdacht auf Alkoholkonsum vor und w√§hrend der Eisdisco w√ľrden stichprobenhaft Kontrollen durchgef√ľhrt und Personen unter Umst√§nden aufgefordert, mitgebrachte Taschen oder Rucks√§cke zu √∂ffnen.

Die Eismeister beobachteten das Geschehen permanent. Sollte sich ein Verdacht best√§tigen, w√ľrden die Personen der Eisbahn verwiesen, bei Jugendlichen zudem die Eltern informiert. Man wolle die Besucher nicht pauschal unter „Generalverdacht“ stellen und alle beim Einlass kontrollieren, was „√ľbrigens organisatorisch gar nicht zu leisten w√§re“.

Trotzdem wolle die Gemeinde in den n√§chsten Wochen einen „speziellen Augenmerk“ in dieser Hinsicht auf die Besucher richten.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
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