Montag, 30. M├Ąrz 2020

Nichts sehen, nichts h├Âren, nichts sagen

Guten Tag!

Heddesheim, 12. November 2009. H├Ątte das heddesheimblog keinen Hinweis aus der Bev├Âlkerung bekommen und ├╝ber den Fall zweier stark alkoholisierten M├Ądchen im Alter von 12 Jahren auf der Eisbahn berichtet – h├Ątte die ├ľffentlichkeit nichts ├╝ber den Vorfall erfahren. Aus Sicht der Gemeinde dient dieses Schweigen „der R├╝cksicht und dem Schutz der betroffenen Jugendlichen und deren Eltern“. Ist das so?

Kommentar: Hardy Prothmann

Das heddesheimblog musste behaarlich nachhaken, um n├Ąhere Einzelheiten von der Gemeinde ├╝ber den Alkoholmissbrauch zweier 12-j├Ąhriger M├Ądchen am vergangenen Wochenende (07. November 2009) auf der Eisbahn zu erfahren. Warum eigentlich?

Angeblich geht es um die „R├╝cksicht und den Schutz der betroffenen Jugendlichen und deren Eltern“. „Wir hielten und halten es auf Ihre Anfrage hin weiterhin nicht f├╝r ein verantwortliches Handeln, den Vorfall in allen Einzelheiten ├Âffentlich zu machen, zumal die Eltern, die zuallererst die Aufsichtspflicht ├╝ber ihre minderj├Ąhrigen Kinder haben, kurz nach dem Vorfall, sowie das Jugendamt am 11.11.09 informiert wurden.“

Inwieweit eine Berichterstattung wie hier im heddesheimblog eine „Bedrohung“ f├╝r die betroffenen Jugendlichen darstellen k├Ânnte, erschlie├čt sich mir nicht.

Wer soll gesch├╝tzt werden? Die Kinder oder die Verantwortlichen?

Ganz im Gegenteil habe ich mit vielen Eltern gesprochen, die sehr besorgt ob dieses Vorfalls sind und nunmehr ihre Kinder nicht mehr ohne Aufsicht auf die Eisbahn lassen wollen. Weil sie Sorge haben, dass ihre Kinder vielleicht mit Alkohol in Ber├╝hrung kommen oder durch alkoholisierte Jugendliche Schaden erleiden.

Nur um „Missverst├Ąndnissen“ vorzubeugen wurde die Redaktion des heddesheimblogs dann doch mit ein paar Details durch den Hauptamtsleiter und Pressesprecher Julien Christof informiert.

Was ist mit „Missverst├Ąndnissen“ gemeint?├é┬áGanz einfach: Nur durch beharrliches Nachbohren war die Gemeinde ├╝berhaupt bereit, wesentliche Informationen ├╝ber den Vorfall „herauszur├╝cken“. Dass sie letztlich doch informiert hat, soll nun wohl beweisen, dass Presseanfragen „freiwillig“ beantwortet werden.

Dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil hat die Redaktion handfeste Informationen, dass auf Anordnung des B├╝rgermeisters Michael Kessler das heddesheimblog bewusst und vors├Ątzlich immer wieder beim Versand von Informationen an die Presse ├╝bergangen wird.

Die Gemeinde h├Ątte den Vorfall am liebsten verschwiegen.

Dieser neuerliche Vorfall aber geht weiter. Nicht nur das heddesheimblog wird nicht informiert – ├╝berhaupt keine „├ľffentlichkeit“ wurde informiert, weil die Gemeinde den Vorfall am liebsten verschwiegen h├Ątte.

Zum „Schutz der Jugendlichen“? Wer├é┬┤s glaubt, wird selig.

Nat├╝rlich zum eigenen Schutz. Denn ab der Berichterstattung wird die ├ľffentlichkeit aufmerksam darauf achten, wie die Gemeinde sicher stellt, dass die anderen Jugendlichen „gesch├╝tzt“ werden – notfalls auch vor sich selbst.

Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Es geht um Kinder – zw├Âlf Jahre alt! Betrunkene Kinder! Das sind Sechstkl├Ąssler. Noch dazu M├Ądchen, nicht etwa „Jungs“ – f├╝r deren Fehlverhalten manche noch eher Verst├Ąndnis h├Ątten, obwohl fraglich ist, wieso das „eher verst├Ąndlich“ sein sollte.

F├╝nf Tage nach diesem Vorfall hatte die Gemeinde immer noch keine detaillierten Informationen und begr├╝ndete dem heddesheimblog gegen├╝ber diese desinteressierte Haltung damit, dass die Mitarbeiter der Eisbahn „im Schichtdienst“ arbeiten und deswegen eine „vertiefende Stellungnahme“ bislang nicht m├Âglich gewesen sei.

Geht es noch k├Ąlter?

Eine „vertiefende Stellungnahme“ also. Geht es noch b├╝rokratischer, desinteressierter, k├Ąlter?

Im Gegenteil beschwert sich die Gemeinde ├╝ber einen Vorabbericht, in dem „Informationen weggelassen worden sein sollen“ – n├Ąmlich, dass es „seit Jahren“ ein Alkoholverbot w├Ąhrend der Eisdisco gibt.

Was soll das hei├čen? „Wir haben es verboten und damit darf das nicht sein?“ Zumindest liest sich das in der „vertiefenden Stellungnahme“ dann so, in der die Gemeinde auf die Hausordnung verweist.

Anstatt sich zu fragen, wie man solche Exzesse m├Âglichst etwa durch Aufkl├Ąrung in den Griff bekommen kann, spielen die Verantwortlichen der Gemeinde die „beleidigte Leberwurst“.

Ist das angebracht angesichts dieses dringlicheren Problems besoffener Jugendlicher, die immer j├╝nger werden?

Was nicht sein darf, ist auch nicht passiert.

├â┼ôber die man aber nichts wei├č oder wissen will, weil Mitarbeiter Schichtdienst haben und deswegen zun├Ąchst keine b├╝rokratisch-juristisch-korrekten „vertiefenden Stellungnahmen“ m├Âglich sind?

Worum handelt es sich hier? Um eine Farce? Um eine Episode aus Schilda? Um Inkompetenz? Um Desinteresse? Um die unverantwortliche Haltung einer Gemeinde, die nicht wissen will, wie es zu dem Vorfall kam und lieber alles unter den Teppich kehrt? Nach dem Motto, was nicht sein darf, ist auch nicht passiert?

Oder handelt es sich schlicht und einfach um eine ├â┼ôberforderung der Verantwortlichen, die vermeintlich abseits der sozialen Brennpunkte der Gro├čst├Ądte denken, auf dem Land sei noch alles in Ordnung?

„Der verantwortliche Mitarbeiter der Eisbahn hat angemessen auf den Vorfall reagiert“, teilt Herr Christof in seiner „Stellungnahme“ mit.

Davon bin ich ├╝berzeugt: Ich habe mehrere Stunden mit diesen Mitarbeitern auf der Eisbahn verbracht, um im Vorfeld der Er├Âffnung ├╝ber deren Arbeit zu berichten. Die nehmen ihren Job sehr ernst und f├╝llen ihn mit gro├čem Engagement und Verantwortungsbewusstsein aus. ├é┬áDiese Frage steht also ├╝berhaupt nicht zur Debatte.

Paranoide Verschw├Ârungstheoretiker.

Zur Debatte steht das Verhalten der Gemeinde, die lieber verschweigt, statt zu informieren. Das ist in meinen Augen ein „verantwortungsloses und unangemessenes Verhalten“.

Zur Debatte steht, wie die „Eism├Ąnner“ bei ihrer Arbeit besser unterst├╝tzt werden k├Ânnen, damit es m├Âglichst nicht zu solchen Vorf├Ąllen kommt.

Werden die Verantwortlichen der Gemeinde diesen Kommentar verstehen? Eher nicht. Denn die gehen nach eigener Aussage davon aus, dass das heddesheimblog „auf jeden Fehler der Verwaltung lauert“.

So gesehen, also aus Sicht „paranoider Verschw├Ârungstheoretiker“, verstehe ich das eigene „Schutzbed├╝rfnis“ der Verantwortlichen.

Da ich als Journalist nicht zu Verschw├Ârungstheorien neige, sondern mich f├╝r Tranzsparenz einsetze, kann ich allerdings ├╝ber dieses Verhalten und diesen Standpunkt nur den Kopf sch├╝tteln.

Interview: Die Eisbahn ist ein sozialer Ort.

Vorfall auf der Eisbahn: Alkoholisiertes M├Ądchen wurde in Weinheimer Klinik eingeliefert

Guten Tag!

Heddesheim, 12. November 2009. Am Wochenende kam es bei der „Eisdisco“ am Samstag zu zwei F├Ąllen von Alkoholmissbrauch durch Kinder auf der Eislaufbahn Heddesheim. Wir berichteten bereits gestern ├╝ber zwei alkoholisierte M├Ądchen im Alter von 12 Jahren. Heute hat die Gemeinde auf unsere Anfrage vom 10. November 2009 Details zu dem Vorfall mitgeteilt.

Nach Angaben der Gemeinde Heddesheim bemerkte einer der Eismeister am Samstag, den 07. November 2009, „dass sich ein 12-j├Ąhriges M├Ądchen im Beisein von anderen Jugendlichen auf dem Gel├Ąnde der Eisbahn an einer Sitzbank ├╝bergeben hatte“. Das M├Ądchen sei nicht ansprechbar gewesen, weswegen der Eismeister den Rettungsdienst gerufen habe, der das alkoholisierte M├Ądchen in eine Klinik nach Weinheim gefahren habe.

Ein weiteres M├Ądchen habe ebenfalls Alkohol getrunken und sich auf der Toilette der Eisbahn ├╝bergeben. Der Eismeister informierte die Eltern der beiden M├Ądchen, die sp├Ąter auf der Eisbahn erschienen sind.

In beiden F├Ąllen wurde das Jugendamt durch die Gemeinde am 11. November 2009 informiert. Zun├Ąchst hatte die Gemeinde am 10. November 2009 mitgeteilt, dass „zust├Ąndige Stellen“ informiert worden seien.

Gemeinde sieht die beiden betrunkenen 12-j├Ąhrigen M├Ądchen als „Einzelfall“.

Auf Nachfrage der Redaktion schrieb die Gemeinde, dass sie den Alkoholmissbrauch der Kinder als „Einzelfall“ betrachte und keinen Anlass sehe, „die Organisation unserer Eisdisco grunds├Ątzlich in Frage zu stellen, da allen Besuchern bekannt ist, dass der Alkoholkonsum w├Ąhrend der Eisdisco verboten ist und sie mit dem Kauf der Eintrittskarte die Eislaufordnung der Kunsteisbahn der Gemeinde Heddesheim anerkennen.“

Nach dieser bestehe w├Ąhrend der Zeiten der Eisdisco absolutes Alkoholverbot. Die Gemeinde k├Ânne nicht verhindern, „dass Personen die Eisdisco besuchen, bei denen nicht erkennbar ist, dass sie bereits im Vorfeld Alkohol getrunken haben.“ Bei Verdacht auf Alkoholkonsum vor und w├Ąhrend der Eisdisco w├╝rden stichprobenhaft Kontrollen durchgef├╝hrt und Personen unter Umst├Ąnden aufgefordert, mitgebrachte Taschen oder Rucks├Ącke zu ├Âffnen.

Die Eismeister beobachteten das Geschehen permanent. Sollte sich ein Verdacht best├Ątigen, w├╝rden die Personen der Eisbahn verwiesen, bei Jugendlichen zudem die Eltern informiert. Man wolle die Besucher nicht pauschal unter „Generalverdacht“ stellen und alle beim Einlass kontrollieren, was „├╝brigens organisatorisch gar nicht zu leisten w├Ąre“.

Trotzdem wolle die Gemeinde in den n├Ąchsten Wochen einen „speziellen Augenmerk“ in dieser Hinsicht auf die Besucher richten.

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