Samstag, 24. August 2019

IFOK-Dialog eine Farce?

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Januar 2011. Der teure Einsatz des Beratungsunternehmens war Teil der „BĂŒrgerbeteiligung“ im Ansiedlungsverfahren „Pfenning“ in Heddesheim. Wie sich eineinalb Jahre spĂ€ter herausstellt, definiert die IFOK den „Erfolg“ mit einer „knappen Mehrheit“ fĂŒr das Projekt. Die IFOK pflegt beste Kontakte zu Pfenning, der KLOK, dem LogBW und dem Wirtschaftsministerium. Es stellt sich die Frage, ob es hier um ein System von „Seilschaften“ geht.

Angeblich sollte es einen „ergebnisoffenen“ Dialog geben, als die IFOk im Juli 2009 fĂŒr 35.000 Euro engagiert wurde, um die Lage in Heddesheim zu beruhigen.

TatsĂ€chlich stellte die IFOK selbst am 10. November 2010 beim „3. Logistik-Kongress Baden-WĂŒrttemberg“ eine „knappe Mehrheit“ fĂŒr das Projekt als Erfolg dar. ÃƓber die Variante, was gewesen wĂ€re, wenn die „knappe Mehrheit“ dagegen gewesen wĂ€re, wird kein Wort geĂ€ußert.

Beauftragt wurde die IFOK durch einen Gemeinderatsbeschluss vor der Kommunalwahl 2009, bei der die CDU zwei Ratssitze verloren hat und die SPD und FDP je einen. Die GrĂŒnen konnten drei Sitze hinzugewinnen, zudem gibt es einen freien MandatstrĂ€ger. DarĂŒber hinaus hat vor allem die CDU massive Stimmverluste der einzelnen Kandidaten hinnehmen mĂŒssen.

Lange nach diesem Dialog wird deutlich, wie eng gewisse Interessen miteinander verflochten sind. So ist der IFOK-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Jochen Tscheulin im Kuratorium der Heinrich-Vetter-Stiftung. Pikant: Gegen den Namensgeber gibt es noch nicht bestĂ€tigte VorwĂŒrfe, dass dieser sich wĂ€hrend des Dritten Reichs am Vermögen von Juden bereichert haben soll.

Netzwerk von Logistik-Freunden. SelbstverstÀndlich dabei: die "Pfenning-Mutter" KMP Holding GmbH. Quelle: LogBW

Auch die Duale Hochschule Mannheim ist mit ihm Boot: Die GeschĂ€ftsstelle des Logistiknetzwerks Baden-WĂŒrttemberg ist in Mannheim an der Dualen Hochschule, vertreten durch den Professor Michael Schröder. Der hatte die „Pfenning“-Gegner als „Taliban“ im „Wirtschaftsmagazin econo“ (an dem der Mannheimer Morgen beteiligt ist) verunglimpft und sich bis heute nicht dafĂŒr entschuldigt.

Weiter sind der Regionalverband und die Metropolregion Rhein-Neckar Teil der Logistik-UnterstĂŒtzer. Und das Wirtschaftsministerium Baden-WĂŒrttemberg, vertreten durch den Minister Ernst Pfister. Hier wurde das „Kooperationszentrum Logistik e.V. (KLOK e.V.)“ ins Leben gerufen und mit Mitteln des EuropĂ€ischen Fonds fĂŒr regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von 500.000 Euro bezuschusst. Ziel ist ein „Logistik-Netzwerk“ „LogBW„.

Ein Netzwerk-Partner der KLOK ist die KMP Holding GmbH (Karl-Martin Pfenning), die Muttergesellschaft von „pfenning logistics GmbH“. Karl-Martin Pfenning ist Mitinhaber der „Phoenix 2010 GmbH“, die TrĂ€ger des Bauvorhabens in Heddesheim ist.

Die vielfÀltigen Verbindungen sind sicher nicht zufÀllig, sondern könnten auf ein System von Seilschaften hindeuten.

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Das heddesheimblog

Das Meinungskartell

Meinungsfreiheit braucht Transparenz. Informationen, die man erhÀlt, bilden die eigene Meinung genauso wie Informationen, die man nicht erhÀlt oder die den Menschen vorenthalten werden. In Heddesheim tobt lÀngst eine Propagandaschlacht mit unsauberen Mitteln.

Kommentar: Hardy Prothmann

Die Nussbaum-Mediengruppe ist ein mittelstĂ€ndiger Anzeigenverlag, der fĂŒr Gemeinden Amts- und MitteilungsblĂ€tter herstellt. Das ist eigentlich ein ganz unpolitisches GeschĂ€ft. Oder doch nicht?

„Derzeit werden am Standort Weil der Stadt 149 Amts- und MitteilungsblĂ€tter mit einer verbreiteten Auflage pro Woche von ĂŒber 500.000 Exemplaren produziert“, heißt es auf den Unternehmensseiten im Internet. Und weiter: „Der Anzeigenteil besteht aus privaten Kleinanzeigen und gewerblichen Anzeigen. Das Amtsblatt stellt ein geeignetes Medium fĂŒr StĂ€dte und Gemeinden dar, um die BĂŒrger ausfĂŒhrlich ĂŒber örtliche Ereignisse informieren zu können. Viele lokale Informationen sind nur im Amtsblatt zu finden.“

Das bedeutet, der Verlag verfĂŒgt ĂŒber eine enorme publizistische Reichweite und damit auch Macht. Was hier gedruckt wird, informiert die BĂŒrger genauso wie das, was nicht gedruckt wird und die BĂŒrger dementsprechend uninformiert sein lĂ€sst.

WĂ€hrend der BĂŒrgermeister Michael Kessler als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts den Parteien erlaubt, Meinungsartikel abzudrucken, weigert sich der Verlag Gegendarstellungen zu veröffentlichen. Moment? Wie kann sich der Verlag weigern, wenn der BĂŒrgermeister zustĂ€ndig ist? Das ist eine gute Frage. Wir haben versucht, darauf eine Antwort zu erhalten – erfolglos.

Jetzt weigert sich der Verlag, eine Anzeige der IG neinzupfenning abzudrucken, weil man kein „Meinungsblatt“ sei. Anzeigen der „Pfenning-Gruppe“ hingegen werden veröffentlicht. Wie passt das zusammen?

Ganz einfach: Der BĂŒrgermeister weiß das Mitteilungsblatt sehr gut zu nutzen. Fast keine Ausgabe, in der er nicht mehrmals auf Fotos zu sehen ist, immer strahlend, immer gut gelaunt. Der allgegenwĂ€rtige BĂŒrgermeister nutzt das von der Gemeinde bezahlte Blatt also ausgiebig fĂŒr seine Eigendarstellung.

Ebenso die Parteien, die hier wöchentlich ihre Artikel veröffentlichen – meistens sehr meinungslastig und ebenfalls von der Gemeinde bezahlt. Auch die IG Nein zu Pfenning hĂ€tte die Möglichkeit hier zu veröffentlichen – wĂ€re sie ein Verein. Ist sie aber nicht. Der BĂŒrgermeister könnte aber trotzdem entscheiden, dass die IG hier veröffentlichen kann – wenn er das wollte. Will er aber nicht.

Und der Nussbaum-Verlag verzichtet ganz gegen seine GeschĂ€ftsinteressen auf bezahlte Anzeigen, deren Inhalte gegen kein Gesetz verstoßen – außer dem, dass eine kritische Information der Heddesheimer Öffentlichkeit sowie anderen Orten an der Bergstraße nicht gewĂŒnscht ist.

Das ist kein Zufall – sondern hat Methode. Wie geschönte Artikel im Mannheimer Morgen, die frei von Recherche die geplante Pfenning-Ansiedlung bewerben, wĂ€hrend die „Pfenning-Gruppe“ teure Anzeigen beim MM schaltet.

Es ist auch kein Zufall, wenn das vermeintliche „Wirtchaftsmagazin Econo„, das im selben Verlag wie der MM erscheint, ein PortrĂ€t der Gemeinde Heddesheim veröffentlicht, in dem Heddesheim als Logistikstandort beworben wird. Inklusive großformatiger teurer Anzeigen von „Pfenning“.

Es ist auch kein Zufall, wenn das Rhein-Neckar-Fernsehen eine Diskussionsrunde zum Streit in Heddesheim ausstrahlt – freilich ohne einen Vertreter der IG Nein zu Pfenning.

Der Anzeigenverlag Nussbaum-Medien ist damit nicht lÀnger einfach ein Anzeigenverlag. Er ist Teil des Meinungskartells geworden.

Damit ist er nicht lĂ€nger einfach nur ein Anzeigenverlag, sondern ein politischer Mitspieler, der die Interessen bedient, die ihn bezahlen: Die der „Gemeinde“ Heddesheim, respektive des BĂŒrgermeisters und die der „Pfenning-Gruppe“, die fleißig Anzeigen schaltet.

Heddesheimer BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern muss spĂ€testens jetzt klar werden, dass sie in einer desolaten Informationslage sind. Der örtliche Zeitungsmonopolist MM informiert die BĂŒrger nicht umfassend und nicht kritisch in der Sache. Das Rhein-Neckar-Fernsehen ebenfalls nicht. Und das Mitteilungsblatt schon gar nicht.

Eine unabhĂ€ngige Berichterstattung, die es den BĂŒrgerinnen und BĂŒrger erlaubt, sich ihre unabhĂ€ngige Meinung zu bilden, findet in diesen Medien nicht statt. Die BĂŒrger sollen gezielt nur ĂŒber das informiert werden, was den Verantwortlichen dieser Medien gefĂ€llt.

Das ist skandalös und nicht hinnehmbar. Die BĂŒrger haben allerdings eine gute Möglichkeit, darauf zu reagieren: Es zwingt sie niemand, die genannten Medien zu nutzen, zu kaufen oder zu abonnieren.

AuftrÀge abgelehnt

Zum Bericht „econo-Berichterstattung verletzt den Pressekodex“ folgende Randnotiz:

Econo hat ĂŒbrigens im vergangenen Jahr Kontakt zum freien Journalisten Hardy Prothmann aufgenommen und wollte ihn als Schreiber fĂŒr FirmenportrĂ€ts gewinnen.

Der Journalist hat sich ein paar Hefte als Leseprobe schicken lassen und ist nicht auf das Angebot eingegangen, weil er seinen Namen nicht in diesem BlĂ€ttchen abgedruckt sehen wollte. Denn PR (public relations = Öffentlichkeitsarbeit, Anm. d. Red.) und Journalismus vertragen sich nach Auffassung von Hardy Prothmann einfach nicht.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

econo-Berichterstattung verletzt den Pressekodex

Das „Wirtschaftsmagazin“ econo veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe ein StandortportrĂ€t Heddesheims in vier Teilen – und verstĂ¶ĂŸt massiv gegen den Pressekodex des Deutschen Presserats, der eine strikte Trennung von redaktionellem Text und Werbung vorsieht.

Von Hardy Prothmann

„Erstklassiger Journalismus aus der Region fĂŒr die Region“, verspricht econo in seiner Selbstdarstellung. „Sauber recherchierte BeitrĂ€ge“ solle man hier finden.

TatsĂ€chlich findet sich in der aktuellen Ausgabe eine achtseitige Artikelstrecke zum „Standort Heddesheim“. Ein lobgehudeltes StĂŒck PR-Journalismus.

Dem heddesheimblog liegen Aussagen von Unternehmen vor, dass ein Redakteur redaktionelle Texte in Aussicht gestellt hat und man ja dann auch eine Anzeige schalten könne. Doch auch ohne diese Aussagen kann sich jeder selbst ein Bild machen, wenn er sich das aktuelle „Schwerpunkt-StĂŒck“ ĂŒber Heddesheim durchliest.

Der Text handelt von der Heddesheimer Wirtschaft, „alles toll“, so der Tenor. Dazwischen finden sich die Anzeigen von Behm Dental, der Gemeinde Heddesheim, der zebes AG und natĂŒrlich Pfenning. Alle Unternehmen kommen auch im Text vor.

Der Pressekodex sagt dazu folgendes:

„Ziffer 7  -  Trennung von Werbung und Redaktion
Die Verantwortung der Presse gegenĂŒber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschĂ€ftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.“

Die Helden der Geschichte sind der BĂŒrgermeister und „erfolgreiche“ Unternehmer, die sich gegenseitig ĂŒber den grĂŒnen Klee loben.

HintergrĂŒndige Recherche? Fehlanzeige!

Eine hintergrĂŒndige Recherche, beispielsweise warum sich Edeka fĂŒr das vom Unternehmen geplante Fleischwerk entschieden hat? Fehlanzeige.

DafĂŒr gibt es unzureichend recherchierte Informationen zum Unternehmen Karnasch: „Das heute weltweit tĂ€tige Unternehmen stellt zum Beispiel SĂ€geblatter, FrĂ€smaschinen und Bohrer her“, schreibt econo. Hubert Karnasch sagt dem heddesheimblog auf Nachfrage: „Wir stellen keine SĂ€geblĂ€tter her und auch keine FrĂ€smaschinen. Wir produzieren FrĂ€swerkzeuge und Bohrer, aber nicht hier in Heddesheim, sondern in der Schweiz. Heddesheim ist unser Vertriebszentrum.“

So kann man beliebig durch den Text gehen und weitere eher schlampige Recherchen und ungenaue Formulieren finden. Unfreiwillig komisch sind da noch solche „Informationen“, dass ein Unternehmer in „Freudenheim“ wohnt – gemeint ist Feudenheim.

Auch zum aktuellen kommunalpolitischen Streit um die geplante Pfenning-Ansiedlung wird zwar die IG neinzupfenning erwĂ€hlt – gesprochen wurde aber nicht mit ihr, obwohl es Kontakte zu zumindest zwei Mitgliedern gab.

Bei aller Lobhudelei ĂŒbertreibt es econo gar: „BĂŒrgermeister Kessler spricht von zwei Millionen Euro jĂ€hrlichen Einnahmen.“ BĂŒrgermeister Kessler spricht hingegen bis heute von einmalig zwei Millionen Euro durch die Ansiedlung.

„Erstklassiger Journalismus“ geht anders.

Weiter liest man etwas ĂŒber eine Werkrealschule, den Golfplatz, Vereine oder eine (nicht, Anm. d. Red.) existente FußgĂ€ngerzone oder eine befriedigende Parkplatzsituation. All das liest sich wie die aktuelle kommunale Themenagenda des BĂŒrgermeisters und nicht wie ein Wirtschaftsbericht.

Zum Ende lĂ€sst der Bericht den BĂŒrgermeister noch darĂŒber schwadronieren, wie sehr man bemĂŒht sei, Gewerbetreibende bei der Suche nach FlĂ€chen zu unterstĂŒtzen.

HĂ€tte die Redaktion von econo verstanden, worĂŒber sie berichtet, hĂ€tte sie gewusst, dass, sofern Pfenning nach Heddesheim kommt, nur noch wenige FlĂ€chen im alten Gewerbegebiet zu vergeben sind. Weitere GewerbeflĂ€chen sind nĂ€mlich nicht vorhanden.

Soviel ist klar: Die Anzeigen der besprochen Firmen und der Gemeinde haben econo einige tausend Euro in die Kasse gespĂŒlt.

Das BlĂ€ttchen erscheint ĂŒbrigens in der Dr. Haas-Mediengruppe. In der erscheint auch der Mannheimer Morgen, der sich ebenfalls nicht durch eine rechercheintensive Berichterstattung zu Heddesheim und der geplanten Pfenning-Ansiedlung hervortut.

Doch wen wundert das wirklich?

Im Bericht ĂŒber den Standort Heddesheim tauchen unter anderem folgenden Personen, Firmen und Parteien auf, die am Dialog zur geplanten Pfenning-Ansiedlung zu den BefĂŒrworter des Projekts gehören:

BĂŒrgermeister Kessler, BĂŒrgermeister
Kristian Mansfeld, zebes AG
Pfenning (3 Vertreter im „Dialog“)
Nicole Kemmet, BdS-Heddesheim (2 Vertreter im „Dialog“)
Die Pfenning-„UnterstĂŒtzer“ CDU, SPD und FDP (je einen Vertreter im „Dialog“)

Nicht ein Kritiker des Projekts kommt zu Wort. Warum auch? Darum geht es ja auch nicht. Um Journalismus. Es geht um®s GeschĂ€ft. Das BlĂ€ttchen econo braucht Anzeigen und die beschriebenen Personen eine gute Presse.

So einfach ist das.

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Hier ein paar Beispiele, was econo unter „erstklassigem Journalismus“ versteht und die BrĂŒcke zwischen redaktioneller PR-Dienstleistung und Werbung schlĂ€gt.

Bei diesem „hochkalibrigen Wirtschaftsmagazin“, also quasi einem „SturmgeschĂŒtz“ der Wirtschaftsberichterstattung kann der Leser unter „FirmenportrĂ€ts von Unternehmen“ „Informationen“ abrufen.

In diesen FĂ€llen aber ganz korrekt nicht als Verstoß gegen den Pressekodex – denn es steht ganz klar Anzeige darĂŒber.

Welches SelbstverstĂ€ndnis ein „Wirtschaftsmagazin“ aber von sich selbst hat, das seine „PortrĂ€ts“ dem Leser als „Anzeige“ anbietet, darf jeder selbst entscheiden:

Wildt Spedition
Scheerer Logistik
Fiege Deutschland