Dienstag, 12. Dezember 2017

Gastbeitrag: Schön, wie die Disteln auf dem Pfenning-Acker blĂŒhen

Heddesheim, 29. Juni 2011. (red) Was war das eine Aufregung, als der Gemeinderat und NaturschĂŒtzer Kurt Klemm die sinnloswe Spitzung des GelĂ€ndes am Rundweg angeprangert hat. Der CDU-Fraktionssprecher Dr. Joseph Doll schrieb einen wĂŒtenden Leserbrief, BĂŒrgermeister Kessler schalt Klemm einen „missionarischen Ereiferer“ und der Landwirt und CDU-Gemeinderat Reiner Hege verteidigte als „Experte“ die Giftspritzung und machte die Distel zum Erzfeind des Bauern. Doch die wĂ€chst und gedeiht nun auf dem „Pfenning-GelĂ€nde“ – sehr zur Freude des NaturschĂŒtzers und Vogelfreunds Kurt Klemm. Denn die Distel ist eine schöne Futterpflanze.

Von Kurt Klemm

Eigentlich hĂ€tte ich es nicht fĂŒr möglich gehalten, dass sich das jetzige Plangebiet von Pfenning als ein Naturparadies aus zweiter Hand entwickeln wĂŒrde. Wer die letzten Tage an dem Gebiet vorbeikam, sah ein sich wogendes BlĂŒtenmeer der Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) auf deren BlĂŒten sich unzĂ€hlige Insekten am Nektar labten.

Aber auch fĂŒr viele Tagfalter ist der jetzige BlĂŒtenstand die wichtigste Nahrungsquelle. Selbst der in den letzten Jahren rar gewordene Stieglitz (Carduelis carduelis), auch Distelfink, genannt, holt sich dort die halbreifen Samen fĂŒr seine Brut. Ohne den halbreifen Samen der verschiedenen Distelarten wĂ€re sein ÃƓberleben nicht möglich.

Zur Zeit kann man bei der Acker-Kratzdistel drei verschiedene BlĂŒtenstĂ€nde sehen, von der BlĂŒte zum halbreifen Samen bis zum hygroskopischen Haarkelch (Pappus), der als Schirmchenflieger mit einer Sinkgeschwindigkeit von nur 26/Sekunde, bei einem gĂŒnstigem Aufwind ĂŒber 10 Kilometer fliegen kann. Die Acker-Kratzdistel, ansonsten erbarmungslos als Unkraut Nr. 1 mit Pestiziden bekĂ€mpft, lassen unsere Landwirte, zum GlĂŒck fĂŒr die Natur, dieses Jahr, speziell auf dem Pfenning-Areal, in Ruhe wachsen und gedeihen.

Denkt man zurĂŒck an das letzte Jahr, an den Rundweg hinter dem Vogelschutzgebiet, wo ebenfalls die Acker-Kratzdistel wuchs und die Gemeinde mit einer umfangreichen Giftspritzaktion Unkraut-Vernichtungsmittel ausbrachte, was riesengroße Wellen schlug, kann man sich eigentlich nur wundern.

BlĂŒhende Distelfelder freuen Kurt Klemm und geben Vögeln Futter. Bild: Kurt Klemm

Was hatten dazu unsere Landwirte im Gemeinderat fĂŒr schlimme Szenarien ausgemalt. Vielleicht können sich einige noch an meine Warntafeln zu der Unkrautspritzung erinnern. Eine Aktion, die sich dann im Nachhinein durch die Veröffentlchung hier im Blog und eine Recherche des „MM“ als vollkommen richtig erwies.

Was wurde meine Aktion damals in der Gemeinderatsitzung von unserem BĂŒrgermeister gescholten. Worte wie „missionarischer ÃƓbereifer und als RĂ€cher der Enterbten aufschwingen, waren zu hören (im Protokoll so nachzulesen).

Heute bin ich froh, wenn ich auf das Pfenning-Areal blicke. In Sachen Natur scheint da alles Friede, Freude, Eierkuchen zu sein und ich hoffe instÀndig, dass dies auch noch lange so bleibt.

Die Aufregung vom letzten Jahr, ĂŒber den Samenflug der Acker-Kratzdistel, die Pestizidspritzung, war vollkommen umsonst, angesichts der jetzigen Situation, oder?

Kurt Klemm protestierte im Oktober gegen die Distelspritzung ohne Warnung. Klicken Sie auf das Bild, um den Beitrag zu lesen.

 

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Gemeinderat in der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. Er gehört zu den MitgrĂŒndern des Vogelparks und ist der Naturschutzbeauftragte der Vogelfreunde- und Pfleger, die vor kurzem fĂŒr ihre herausragende Arbeit mit dem AZ-Naturschutzpreis ausgezeichnet worden sind.

Gift-Einsatz: „Der Einsatz von Herbiziden ist kontraproduktiv“

Guten Tag!

Heddesheim, 25. Oktober 2010. Die Gemeindeverwaltung Heddesheim will ĂŒberhaupt keinen Fehler in der Gift-Spritzaktion erkennen – vor kurzer Zeit wurde eine FlĂ€che, auf der eine Wildblumenwiese entstehen soll mit dem Wirkstoff MCPA gespritzt, um „Disteln“ zu bekĂ€mpfen. NABU-Sprecher Paul Hennze erklĂ€rt im Interview, warum das absolut falsch ist. Dass Bauern die Distel auf Feldern bekĂ€mpfen, findet er zwar nicht richtig, kann aber die Sicht der Bauern zumindest verstehen. Im Fall der Blumenwiese fehlt ihm jedes VerstĂ€ndnis. Der Gemeinde bietet er Beratung an.

Herr Hennze, die Gemeinde Heddesheim plant eine Wildblumenwiese auf einem ehemaligen Acker anzulegen, wird das klappen?
Paul Hennze: „Die meisten Wildblumen lieben magere Böden, die sind schwer zu finden in unserer Region. Ackerböden sind grundsĂ€tzlich hoffnungslos ĂŒberdĂŒngt.“

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Paul Henze klĂ€rt ĂŒber Naturschutz auf. Bild: privat

Sie meinen, es wird nichts mit der BlĂŒtenpracht?
Hennze: „Es gibt auch Pflanzen, die stickstoffreiche Böden lieben, beispielsweise die Brennessel und Distel. Die sind gleichzeitig hervorragende Futterpflanzen fĂŒr Raupen, die wiederum zu Schmetterlingen werden. Die Schmetterlinge bestĂ€uben andere BlĂŒtenpflanzen und Raupen und Schmetterlinge sind eine tolle Nahrung fĂŒr Vögel.“

Disteln sind nĂŒtzliche Pflanzen.

Disteln sind also nĂŒtzliche Pflanzen?
Hennze: „Auf alle FĂ€lle.“

In Heddesheim wurden die Disteln auf Anordnung des BĂŒrgermeisters auf diesem GelĂ€nde gerade totgespritzt, weil die angeblich das Hochkommen der Wildblumen behindern wĂŒrden.
Hennze: „So ein Quatsch. Wie gesagt werden nur wenige Wildblumen ĂŒberhaupt wachsen, aber nicht wegen der Disteln, sondern wegen der ÃƓberdĂŒngung. Und Disteln blĂŒhen wunderschön. FĂŒr mich klingt das schon makaber, dass man blĂŒhende Pflanzen, die zudem sehr nĂŒtzlich sind, tot spritzt, um blĂŒhende Pflanzen zu sĂ€hen.“

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Das Gift tötet die Distel - und noch jede Menge andere Pflanzen.

Gibt es weitere positive Eigenschaften der Distel?
Hennze: „Ja. Die Distel blĂŒht sehr spĂ€t, also zu einer Zeit, in der die BlĂŒte der meisten anderen Pflanzen schon vorbei ist und bietet somit weiterhin eine Nahrungsgrundlage fĂŒr Insekten. Und wenn man die Stauden stehen lĂ€sst, sind deren Samen die Nahrung fĂŒr teils schon verschwundene Vogelarten wir den Distelfink oder HĂ€nflinge.“

Vor allem die Bauern bekÀmpfen aber die Distel.
Hennze: „Das ist bedauerlich, aber aus deren Sicht zu verstehen. Ein hoher Distelbesatz in einem Weizenfeld vermindert die QualitĂ€t der Ernte und damit den Erlös fĂŒr den Bauern.“

Macht es deshalb Sinn, auch in der NĂ€he von Äckern Disteln zu bekĂ€mpfen?
Hennze: „ÃƓberhaupt nicht. Die Distel lĂ€sst sich nicht bekĂ€mpfen. Sie lĂ€sst sich nur töten, kommt aber immer wieder. Die Äcker werden dementsprechend gespritzt – ob da in der Nachbarschaft Disteln wachsen oder nicht, spielt keine große Rolle.“

MCPA tötet nicht nur die Distel, sondern auch andere KrÀuter.

Nach Auskunft der Gemeindeverwaltung hat die Spritzaktion nur die Disteln getötet.
Hennze: „Dann gucken Sie mal auf die Wirkung von MCPA, außer der Distel werden noch jede Menge andere KrĂ€uter abgetötet, die aus Sicht der Bauern „UnkrĂ€uter“ sind, aus Sicht des Naturschutzes aber Nutzpflanzen. Mal ehrlich: Man kann doch froh sein, wenn ĂŒberhaupt was wĂ€chst.“

Warum?
Hennze: „Durch die intensive Landwirtschaft gibt es kaum noch BlĂŒtenpflanzen. Und wo keine BlĂŒten sind, verschwinden viele Insekten, unter anderem die Biene, einer der wichtigsten BestĂ€uber. Das hat Auswirkungen auf das gesamte Öko-System. Ab Juni haben Insekten große Schwierigkeiten, BlĂŒten in ausreichender Menge zu finden, sie verhungern oder ziehen weiter.“

Die Anwendung von Herbiziden ist kontraproduktiv.

ZurĂŒck zur Wildblumenwiese. Wir lange wird es dauern, bis die Wirklichkeit wird?
Hennze: „Das kann bis zu 15 Jahre dauern. Man kann den Boden im Lauf von Jahren etwas ausmagern, indem man mĂ€ht und das MĂ€hgut beispielsweise in eine Biogasanlage gibt. Dennoch sollte man nicht die gesamte FlĂ€che auf einmal mĂ€hen, sondern im Interesse der von „Unkraut“samen lebenden Vögel (z.b.HĂ€nfling) jedes Jahr einen anderen Teil der FlĂ€che vom MĂ€hen aussparen. Man kann Sand unterpflĂŒgen und nach und nach verĂ€ndert sich die Natur von selbst. Die Anwendung von Herbiziden ist kontraproduktiv. Deren Einsatz ist ĂŒberhaupt nicht gerechtfertigt. Wenn die Gemeinde dazu Beratung benötigt, stehen wir gerne bereit, um beispielsweise einen Pflegeplan zu erstellen.“

Info:
Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) ist eine „Nicht-Regierungsorganisation“ (NGO), die sich dem Schutz und dem VerstĂ€ndnis fĂŒr die Natur verschrieben hat. Der NABU-Bezirksverband Rhein-Neckar-Odenwald umfasst 11 NABU-Gruppen im Rhein-Neckar-Kreis und 7 NABU-Gruppen im Neckar-Odenwald-Kreis sowie die Stadtgruppen Heidelberg und Mannheim mit insgesamt rund 6000 Mitgliedern. Paul Hennze ist einer der Mannheimer Sprecher.

Internet:
www.nabu-mannheim.de
NABU Rhein-Neckar-Odenwald

Gift-Anfrage: Warten auf Antwort

Guten Tag!

Heddesheim, 19. Oktober 2010. WĂ€hrend wir immer noch auf Antwort durch die Gemeinde Heddesheim zu deren Spritzaktion auf der Wiese am neuen WegstĂŒck um den Badesee warten, hat uns der NaturschĂŒtzer Kurt Klemm Bilder der Wiese geschickt – inklusive Disteln. Die Aufnahmen wurden in der zweiten SeptemberhĂ€lfte gemacht.

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Ist das Unkraut auf einer Wildblumenwiese?

Bis heute ist unbekannt, was fĂŒr ein Gift die „Gemeinde“, respektive BĂŒrgermeister Michael Kessler, hat auf der Wiese verspritzen lassen. Wir haben am Freitag eine email an die Gemeinde gesendet – bislang ohne Antwort.

Typischerweise argumentiert BĂŒrgermeister Kessler gerne, die Verwaltung habe auch andere Arbeiten zu tun und unsere Anfrage belasteten die Gemeinde. Ist das so?

Der Mannheimer Morgen hat freien Telefonzugang zu Gemeindemitarbeitern – auf Anordnung von BĂŒrgermeister Kessler dĂŒrfen Gemeindemitarbeiter nicht mit unserer Redaktion sprechen.

Wir haben nur den „Ansprechpartner“ gemeinde@heddesheim.de und der ist Ă€ußerst trĂ€ge.

Wir warten also weiter auf Antwort auf die folgenden Fragen:

  • Welches Gift wurde dort ausgebracht?
  • Warum wurde das Gift verspritzt?
  • Welche Pflanzen werden von dem Gift angegriffen?
  • Ist nur „Unkraut“ betroffen oder auch nĂŒtzliche Pflanzen?
  • Warum wurde jetzt gespritzt – in wenigen Wochen dĂŒrften die Pflanzen witterungsbedingt absterben?
  • Was kostet der Gifteinsatz?

Fotos: Kurt Klemm

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Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Kurt Klemm „hat die Schnauze voll“

Guten Tag!

Heddesheim, 15. Oktober 2010. Kurt Klemm, Vogelfreund und NaturschĂŒtzer, hat „die Schnauze voll“. Wieder einmal hat „die Gemeinde“, respektive BĂŒrgermeister Michael Kessler, wider die Natur gehandelt, sagt er. Deswegen handelt er nun gegen die „Vergiftung“.

Von Hardy Prothmann

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Kurt Klemm protestiert gegen aus seiner Sicht unnötigen Gifteinsatz. Bild: privat

Der Gemeinderat (parteilos, Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) Kurt Klemm ist „sauer“, so richtig sauer. Auf der Wiese hinter dem Vogelpark, wo das neue TeilstĂŒck des Rundwegs um den Badesee angelegt wurde, ist „Gift gesprĂŒht worden“, sagt er.

„Seit ewigen Zeiten prangere ich das an“, sagt Klemm. Er meint das Spritzen von „Unkrautvernichtungsmitteln“. Diese „UnkrĂ€uter“ seien wichtige Nahrungsgrundlage fĂŒr viele Insekten und die wiederum fĂŒr die Vögel. „Aber der will nichts verstehen und macht, was er will“, sagt Klemm und meint BĂŒrgermeister Michael Kessler.

Kurt Klemm hat sich deshalb zu einer privaten Protestaktion entschlossen. Auf der gespritzten Wiese hat er Warnschilder aufgestellt: „Vorsicht Gift“.