Donnerstag, 05. Dezember 2019

Edeka: Heute wird es wieder eine Discount-B├╝rgerbeteiligung geben

Heddesheim/Rhein-Neckar, 29. Juni 2011. (red) Heute Abend um 19:00 Uhr laden der Handelsriese Edeka und die Gemeinde Heddesheim zu einem „Infoabend“ ein. Der Ablauf ist vorprogrammiert. Es spricht Edeka, es spricht B├╝rgermeister Kessler und es werden wenige B├╝rger sprechen, weil es ihnen an Informationen fehlt.

Von Hardy Prothmann

Edeka-Gesch├Ąftsf├╝hrer Dr. Detlev Weiler wird sagen, dass Edeka Lebensmittel liebt, das man ganz auf die Region setzt, auf Treue, auf die lange Tradition, dass man zwar enorm investiert, aber die Belastung, beispielsweise durch Verkehr sinkt. Und ja, man verlagert zwar Arbeitspl├Ątze, aber man schafft auch neue und schaut so in eine gute Zukunft. Man bekennt sich zum Standort Heddesheim.

B├╝rgermeister Kessler wird die Tradition loben, den gr├Â├čten Arbeitgeber, die vertrauensvolle Zusammenarbeit, wird auf die Gewerbesteuer verweisen, wird das Unternehmen loben und Sorgen klein reden.

Und dann sind die B├╝rger dran. Doch was sollen die fragen, wenn sie nur „wissen“, was St├╝ck f├╝r St├╝ck bekannt gegeben wird?

Warum sollten sie fragen, wenn von vorneherein klar ist, dass Fragesteller damit rechnen m├╝ssen, als St├Ârenfriede zu gelten?

Warum sollte jemand das Risiko eingehen, durch Fragen aufzufallen?

Wer Fragen stellt, macht sich keine Freunde bei denen, die in Heddesheim das Sagen haben. Also B├╝rgermeister, gewissen Gemeinder├Ąten, Bauern und „einflussreichen Leuten“.

Dennoch sollten die Heddesheimerinnen und Heddesheimer wissen, dass Edeka nicht erst seit kurzem auf die Idee gekommen ist, in Heddesheim zu erweitern. Die vergangene Gemeinderatssitzung hat klar gemacht, dass diese Pl├Ąne schon seit Jahren vorangetrieben werden.

"Unumg├Ąnglich" hei├čt - es gibt keine Alternativen. Ist das so?

Den B├╝rgerinnen und B├╝rgern muss auch klar sein, dass die Schlie├čung des Fleischwerks in Heddesheim und der Wegfall von fast 300 Arbeitspl├Ątzen ein Grund war, f├╝r die Ansiedlung von Pfenning zu werben – trotz Kenntnis der Edeka-Pl├Ąne. Dieses Projekt soll bis zu 1.000 Arbeitspl├Ątze bringen, also mehr als drei Mal so viel, wie durch das Fleischwerk wegfallen werden.

Trotzdem werden B├╝rgermeister Kessler und Gesch├Ąftsf├╝hrer Weiler die Arbeitsplatzargumentationskarte ziehen. Um die „Zukunft zu sichern, ist der geplante Umbau unumg├Ąnglich“, steht im Prospekt, dass Edeka an die Haushalte verteilen lies. Umgekehrt hei├čt das, wenn nicht „umgebaut“ wird, ist die Zukunft ungewiss. Dass der Umbau einen enormen Neubau einschlie├čt wird an dieser Stelle nicht erw├Ąhnt.

Erinnert sich noch jemand, dass in Zusammenhang mit Pfenning argumentiert wurde, dass durch die Schlie├čung des Fleischwerks Edeka-Verkehr wegfalle? Das ist durch den Um- und Neubau Vergangenheit – der Verkehr wird mindestens in gleicher St├Ąrke erhalten.

Erinnert sich jemand, wie mit dem Wegfall der Edeka-Arbeitspl├Ątze f├╝r die „neuen“ Pfenning-Arbeitspl├Ątze geworben wurde? Obwohl dem B├╝rgermeister, gewissen Gemeinder├Ąten und anderen die Edeka-Pl├Ąne schon bekannt waren?

Fragt sich jemand, ob hier eigentlich tats├Ąchlich offen und transparent Politik gemacht und B├╝rger einbezogen werden oder doch alles in Hinterzimmern vorher „in trockene T├╝cher“ kommt?

Fragt jemand nach der Qualit├Ąt der Arbeitspl├Ątze? Oder, ob das Logistikmodell wirklich nachhaltig Wirtschaft und Wertsch├Âpfung betreiben wird?

Fragt jemand, welche Entwicklungsm├Âglichkeiten Heddesheim verbleiben oder ob das Schicksal als Gro├člogistikstandort besiegelt ist?

Fragt jemand, wie es eigentlich zusammenpasst, dass Edeka zwar ein so regionverbundender „Betrieb“ ist, aber gleichzeitig B├Ącker, Metzger, Lebensmittelh├Ąndler aufgeben m├╝ssen, weil sie gegen Edeka und seine Billigmarken keine Chance haben?

Fragt jemand, ob tendenziell Arbeitspl├Ątze erhalten bleiben oder zunehmende Automatisierung daf├╝r sorgt, dass immer weniger Menschen die Arbeit machen?

Edeka ist nicht nur „Qualit├Ąt“ – Edeka ist Deutschland drittgr├Â├čter Billigmarktanbieter, nach Aldi und Lidl.

Edeka wird vom Bundeskartellamt beobachtet – Filialen wurden durchsucht. Mitarbeiter wurden bespitzelt, jede „Konzentration“ forderte unbedingte Unterwerfung der Angestellten – ansonsten droht Job-Verlust.

Edeka ist ein Handels-Moloch, ein riesiger Konzern, dessen Gesch├Ąftsmodell spitz gerechnet ist und dessen gro├če Gewinne im Vergleich zum Umsatz l├Ącherlich sind.

Dabei wird ein gnadenloser Wettbewerb verursacht, der vielen Betrieben die Existenz raubt. Es wird unglaublich viel Verkehr erzeugt, Stra├čen werden belastet, die aus Steuergeldern bezahlt werden m├╝ssen. Es werden Fl├Ąchen versiegelt ohne Garantie eines R├╝ckbaus.

Und es werden Arbeitspl├Ątze geschafffen, die h├Ąufig genug eine „Aufstockung“ brauchen, weil man zu wenig f├╝r den Lebensunterhalt verdient. Und wenn man in die Rente geht, reicht es nicht, sondern muss zum Sozialamt gehen und wieder braucht es Steuergelder, um die „Grundsicherung“ zu geben.

Fragt jemand danach, ob „gro├č=gut“, „Umsatz=alles“, sich nicht als Wirtschaftsideal l├Ąngst ├╝berholt hat? Oder danach, welche Auswirkungen es hat, wenn absolute Monopolisten ├╝ber alles entscheiden?

Frankreich und Gro├čbritannien sind schon weiter als Deutschland. Dort fehlt jeder Wettbewerb fast vollst├Ąndig – die Konzerne machen, was sie wollen.

Ganz klar wird in Heddesheim nicht ├╝ber europ├Ąische Wirtschaftsm├Ąrkte entschieden. Aber doch f├╝r den Ort und f├╝r eine langfristige Zukunftssicherung und irgendwie auch ein wenig f├╝r andere. Wer nur egoistisch handelt, handelt verantwortungslos. Zukunftssicherung k├Ânnte in der F├Ârderung traditoneller Berufe bestehen und neue zukunftstr├Ąchtige Ansiedlungen f├Ârdern.

Daf├╝r ist ein B├╝rgermeister Kessler aber nicht zu haben. Der hat es gerne gro├č und gerne betoniert. Und m├Âglichst automatisch. Und ohne Widerspruch.

Bürgerbeteiligung ist für ihn wie für einen Mega-Konzern wie Edeka (46 Milliarden Euro Umsatz) ein Greul. Ein gesetzliches Ãœbel, dass man bürokratisch erledigen kann.

Herr Kessler inszeniert die „B├╝rgerbeteiligung“ nur. Er hat kein Herz und keinen Verstand daf├╝r. Es ist l├Ąstige Pflicht, notwendiges ├â┼ôbel, aber niemals eine K├╝r, in der er zeigen wird, dass er wirklich f├╝r seine B├╝rgerinnen und B├╝rger da ist, sie ernst nimmt, sie verstehen will und sich f├╝r deren Willen einsetzt.

B├╝rgeranliegen passen f├╝r ihn dann, wenn es ihm passt. Wenn nicht, dann nicht.

Da muss man sich keine Illussionen machen.

Unterst├╝tzt wird er dabei von Zirkeln, in denen entschieden wird, was gut ist und was nicht.

Gro├če Medien, wie der Mannheimer Morgen, die wirtschaftlich abh├Ąngig von den Anzeigen der gro├čen Konzerne sind, werden den Teufel tun und kritisch berichten – das ist lange vorbei. Donnerstag ist Zahltag – da werben Aldi, Lidl und die anderen Discounter und auch Edeka. Ein falscher Bericht und die Einnahmen sind dahin. ├â┼ôber das Wohlwollen der Zeitung braucht sich deshalb niemand zu wundern.

Schaffen statt streiken: Wie Journalisten der Zeitungskrise entkommen k├Ânnen

Mannheim/Rhein-Neckar, 28. Juni 2011. (red) K├╝rzungen, Arbeitsverdichtungen, Entlassungen – das sind die Schlagw├Ârter, die seit vielen Jahren die Redaktionen deutscher Zeitungsverlage bestimmen. Die Arbeit wird immer unertr├Ąglicher, das Produkt Zeitung immer banaler. Aktuell wird gestreikt, nicht f├╝r „mehr“, sondern f├╝r „nicht noch weniger“. Dabei ist Journalismus ein sch├Âner Beruf, einer, den die meisten aus Leidenschaft ergriffen haben – ohne Idee, dass diese Entscheidung heute „Leiden schafft“. Doch es gibt einen Ausweg: Unternehmerjournalismus.

Von Hardy Prothmann

Ganz ehrlich liebe Redakteure? Wenn ich lese, dass ein Berufseinsteiger mit 3.200 Euro brutto beginnt und nach zehn Jahren bei 4.500 Euro brutto liegt und dann je nach Stellung in der Redaktion noch ein paar tausender drauf gepackt bekommt, kriege ich Tr├Ąnen in den Augen. Denn nach 20 Berufsjahren bin ich weit entfernt von solchen Geh├Ąltern im Vergleich zu einem Zeitungsredakteur. Aber es wird besser.

Ehrlich, transparent, leidenschaftlich

Krise? Na und? Nutzt Eure Chance, sagt Hardy Prothmann Bild: sap

Und ich bin mein eigener Chef, entscheide selbst ├╝ber die Themen, bin ehrlich und transparent sein und „eine Schere im Kopf“ gibt es nicht. Unsere Texte sind so lang wie sie sein m├╝ssen und nicht auf eine feste Zeilenzahl begrenzt. Wir k├Ânnen mit allen Informationen „spielen“ – also experimentieren, wie wir mit unseren Informationen die Menschen am besten erreichen.

Wir sind in engem Kontakt mit unseren Lesern und das macht unsere Angebote aktueller, hintergr├╝ndiger und einfach besser als die unkritische Lobhudel- und Bratwurstberichterstattung, die man t├Ąglich in der Zeitung findet.

Ich habe beim Mannheimer Morgen als freier Mitarbeiter angefangen, habe f├╝r einen Hungerlohn von damals 55 Pfenning (27 Cent) die Zeile geschrieben und ab 1994 f├╝r einigerma├čen ordentliche Honorare f├╝r alle m├Âglichen gr├Â├čeren Medien in ganz Deutschland, habe H├Ârfunk und Fernsehen gemacht. Ich bin Journalist, mein Schwerpunkt war Print.

Das Blog kommt

Seit nunmehr zwei Jahren baue ich mit einem kleinen Team eine Redaktion auf, deren Angebot sich etabliert hat und ein fester Begriff geworden ist: „Das Blog kommt“, sagen die Leute. Oder: „Hab ich im Blog gelesen.“

Mein kleines Team dreht der „gro├čen Zeitung“ h├Ąufig eine Nase – obwohl wir vom Gesamtumfang nicht mithalten k├Ânnen. Das wollen wir auch gar nicht. Den kompletten Mantel (also Politik, Wirtschaft, Sport) kann man besser und aktueller bei Nachrichtenportalen wie Spiegel Online oder Sueddeutsche.de oder, oder, oder lesen.

Aktuell, exklusiv, investigativ

Im Lokalen sind wir aber inhaltlich schon fast gleichwertig im Umfang und h├Ąufig investigativer, aktueller und exklusiver – wir verzichten auf viele Gef├Ąlligkeitsnachrichten, die eine Zeitung aus lauter Verzweiflung ver├Âffentlicht, um die Seiten zu f├╝llen. Das hat mit Journalismus schon lange nichts mehr zu tun.

Unsere Geschichten sind dann fertig, wenn sie fertig sind und nicht, wenn der Andruck beginnt.

Was noch aussteht, ist der wirtschaftliche Erfolg – unser Teammitglieder arbeiten f├╝r kleines Geld, aber mit gro├čer Leidenschaft f├╝r die „Blogs“. Unser Ziel ist nat├╝rlich, anst├Ąndig zu bezahlen – wir k├Ânnen uns aber nicht auf 60 Jahre Lizenzmonopol und Jahrzehnte fettester Gewinne st├╝tzen, sondern m├╝ssen uns bescheiden zeigen und den G├╝rtel eng halten. Und von 35 Stunden k├Ânnen wir nur tr├Ąumen.

Unternehmerjournalismus

Aber wir sind frei. Wir k├Ânnen ├╝ber alles und jeden berichten, sofern das f├╝r die ├ľffentlichkeit interessant ist. Wir k├Ânnen richtigen, echten, leidenschaftlichen Journalismus machen.

├â┼ôberlegt es Euch gut – die Verleger werden Euch zu Tode sparen. Das wisst Ihr. Die Fotografen sind schon am Rande Ihrer M├Âglichkeiten – Euch wird in den n├Ąchsten Jahren dasselbe passieren. Ihr werdet ausgegliedert und m├╝sst die Brocken fressen, die man Euch hinwirft.

Die Alternative ist, selbst Unternehmer zu werden und endlich wieder die journalistische Leidenschaft zu sp├╝ren. Echte Stories zu machen, genau hinzuschauen, kritisch zu berichten und meinungsstark zu kommentieren. Eben die vierte S├Ąule unserer Gesellschaft sein. Das wichtige demokratische Gut der Meinungsfreiheit zu bef├Ârdern.

Verhandelt Abfindungen und gr├╝ndet Eure eigene Redaktion – gerne mit uns zusammen. Ihr m├╝sst ein bis drei Jahre durchhalten, dann werden die Gesch├Ąfte laufen. Wenn viele mitmachen, geht es schneller.

Ihr seid kompetent, kennt Euch aus, habt viele Kontakte und das ist ein wunderbares Kapital, dass Ihr selbst nutzen k├Ânnt, statt Euch von Verlagsmanagern ausnehmen zu lassen.

Wer sich jetzt dazu entscheidet, braucht sicherlich Mut. Aber es wird die richtige Entscheidung sein, denn sp├Ątestens in f├╝nf bis zehn Jahren habt Ihr nichts mehr zu entscheiden. Dann werdet Ihr sicher entlassen.

Andere, vielleicht ich, vielleicht jemand anders, werden es bis dahin geschafft haben, eigene Redaktionen aufzubauen und sie werden Ihre eigenen Chefs sein und Leute besch├Ąftigen. Entlassene Redakteure, die bis zuletzt auf die Zeitung statt auf die Information ├╝bers Internet gesetzt haben, werden garantiert nicht gebraucht werden.

Nutzt Euer Kapital, bevor es wertlos ist

Denn bis dahin kennen sich die neuen Redaktionen auch aus, haben Kontakte und berichten kompetent – Ihr k├Ânnt nichts bieten, was die neue Generation nicht schon hat. Und es werden leidenschaftlicher Macher sein, die mit gefeuerten Angestellten nichts anfangen k├Ânnen. Dann seid Ihr raus aus dem Gesch├Ąft.

Schaut Euch an, wie die WAZ vor kurzem 300 Leute entlassen hat, schaut Euch die K├╝rzungen bei der S├╝ddeutschen an, bei Focus und das elende Schicksal der Frankfurter Rundschau.

Gro├če Chancen gib es aber im Lokalen – da, wo die Menschen leben und jede Geschichte wirklich exklusiv sein kann. Hier ist professioneller Journalismus gefragt, der sich aber gerne neu erfindet, der Teil der Gesellschaft ist, der f├╝r die Menschen da ist.

Willkommen sind leidenschaftliche Journalisten – ob vom MM, der Rhein-Neckar-Zeitung, der Rheinpfalz, der Stuttgarter Zeitung oder woher auch immer. Redaktionelle Strukturen sind vorhanden, die Themen liegern auf der Stra├če – im n├Ąchsten Schritt wird es darum gehen, ausreichende bis gute Ums├Ątze zu generieren. Wenn man sich Aufgaben teilen kann, wird dies schnell m├Âglich sein.

Wer sich daf├╝r interessiert, kann gerne vertraulich Kontakt mit uns aufnehmen und die Chancen und Risiken erfragen. Noch habt Ihr die M├Âglichkeit, selbst zu entscheiden. Nutzt sie. Aber bald.

Vorentscheidung f├╝r Edeka-Erweiterung getroffen – Kunstrasen f├╝r Fortuna fr├╝hestens 2012

Guten Tag!

Heddesheim, 26. Mai 2011. (red) Der FDP-Gemeinderat Frank Hasselbring hat in der heutigen Sitzung einen Antrag eingebracht, dass noch vor der Sommerpause ├╝ber einen Aufstellungsbeschluss f├╝r die Edeka-Erweiterung beraten werden solle. Mit 15 Stimmen wurde dieser Antrag angenommen. Der Antrag des partei- und fraktionslosen Gemeinderats Hardy Prothmann hingegen, vor eine solche Beratung eine umfangreiche B├╝rgerbeteiligung zu stellen, wurde von der Mehrheit aus CDU, SPD, FDP und B├╝rgermeister Kessler klar abgelehnt. [Weiterlesen…]

Pflichttermin: Edeka hakt B├╝rgerbeteiligung ab

Nur rund 70 B├╝rgerinnen und B├╝rger "beteiligten" sich an der Pr├Ąsentation von Edeka. Bild: heddesheimblog.de

Heddesheim, 05. Mai 2011. (red) Gestern stellte Edeka S├╝dwest in Grundz├╝gen die Pl├Ąne f├╝r den Standort Heddesheim im B├╝rgerhaus vor. Die B├╝rger wurden eingeladen. Es kamen nur wenige. Die Pr├Ąsentation war kurz. Es wurde nur ein paar Fragen gestellt.

Von Hardy Prothmann

Soviel ist klar. Die Erweiterungspl├Ąne der Edeka S├╝dwest sind noch nicht offiziell entschieden. Weniger klar ist, inwieweit diese Pl├Ąne „inoffiziell“ schon l├Ąngst entschieden sind.

Der Gesch├Ąftsf├╝hrer Dr. Detlev Weiler gab sich bescheiden beim Pflichttermin „B├╝rgerbeteiligung“. Es seien noch keine Grundst├╝cksk├Ąufe get├Ątigt worden. Es seinen keine Entscheidungen vorab getroffen worden. Man wolle fr├╝hzeitig die B├╝rgerinnen und B├╝rger informieren und beteiligen. Deswegen habe man auch eingeladen, um das Projekt vorzustellen. Gerne w├╝rde man diesen Jahr noch mit dem Bau beginnen.

Die Edeka-Delegation wei├č um das durch einen selbstherrlichen B├╝rgermeister und einen treuseligen Gemeinderat selbstverschuldete Pfenning-Debakel in Heddesheim und gibt sich bem├╝ht offen.

Vorne links sitzt B├╝germeister Michael Kessler ganz alleine – symbolisch entfernt vom Edeka-Podium, so, als h├Ątte er mit all dem, was da pr├Ąsentiert wird, nichts zu tun und w├╝rde heute erstmals davon erfahren. Sp├Ąter wird klar, dass der Gemeinderat erst vor kurzem ├╝ber die Pl├Ąne informiert wurde.

Hinten rechts sitzt SPD-Gemeinderat J├╝rgen Harbath neben dem K├Ąmmerer und dem Bauamtschef und vier CDU-Gemeinder├Ąten, dahinter sitzt der Hauptamtsleiter mit dem stellvertretenden Bauamtsleiter.

Rund 85 „G├Ąste“ sind gekommen. Zieht man die Gemeinder├Ąte und die Gemeindebediensteten ab, verbleiben noch gut 70 B├╝rgerinnen und B├╝rger. Darunter ein paar lokale Gesch├Ąftsleute, aber sonst ├╝berwiegend ├Ąltere Menschen.

Dabei pr├Ąsentiert hier Deutschlands Nummer 1 im Lebensmittelgesch├Ąft seine Zukunftspl├Ąne f├╝r Heddesheim. Der gr├Â├čte Arbeitgeber der Gemeinde. Ein Unternehmen, dass seit 40 Jahren im Ort ist und laut B├╝rgermeister Kessler das Gewerbegebiet begr├╝ndet und zum Leben erweckt hat.

Auf dem Podium zeigt sich niemand ├╝ber diese „Ignoranz“ entt├Ąuscht, eher froh, denn dieser Schritt in Sachen „B├╝rgerbeteiligung“ wird einfach werden.

Im Vorraum gibt es Brezeln und Wasser. Und kein einziges Blatt, auf dem steht, wie Edeka die Zukunft in Heddesheim plant. Nichts, was die B├╝rgerinnen und B├╝rger mitnehmen k├Ânnen, um dar├╝ber nachzudenken, ob ihnen diese Pl├Ąne zusagen, ob sie diese mittragen wollen. Ob das, was Edeka f├╝r seinen Teil der Unternehmenszukunft h├Ąlt, auch mit den Zukunftsvorstellungen der Heddesheimerinnen und Heddesheimer ├╝bereinstimmen kann.

Mehrmals betont Christhard Deutscher, ein smarter Typ und Leiter Unternehmenskommunikation, die „B├╝rgerbeteiligung“. „So, gibt es Fragen?“, fragt er am Ende der knapp einst├╝ndigen Pr├Ąsentation.

Die Menchen z├Âgern. Dann fragt ein Gast, ob es nicht besser sei, G├╝ter ├╝ber die Schiene zu transportieren. „Ja, schon“, ist die Antwort, „aber zu teuer.“ N├Ąchste Frage. Andreas Schuster, Gemeinderat der Gr├╝nen stellt Fragen, auch sein Kollege Klaus Schuhmann. Es geht um L├Ąrm, um Fl├Ąchenversiegelung, um Verkehr – die Antworten sind verst├Ąndnisvoll. „Wir verstehen Sie, aber…“ Und dann wird erl├Ąutert, was das Unternemen Edeka f├╝r Probleme hat.

Von den anwesenden CDU-, SPD, und FDP-Gemeinder├Ąten gibt es nicht eine Frage. Einige nicken immer dann, wenn es um die „Probleme“ der Edeka geht und wie diese durch die Pl├Ąne in Heddesheim gel├Âst werden k├Ânnten.

„Gibt es weitere Fragen?“, fragt Christhard Deutscher. „Dann m├Âchte ich die Veranstaltung schlie├čen.“ Der Leiter Unternehmenskommunikation ist sichtlich froh, dass der Pflichttermin erledigt ist und er einen Haken an den Punkt „B├╝rgerbeteiligung“ machen kann: Erledigt.

Der Saal klatscht ein wenig. Die Veranstaltung l├Âst sich auf.

„Edeka gilt schon was in Heddesheim“, sagt einer im Weggehen. Ebenfalls grauhaarig. Er kennt Edeka lange. „Edeka war in Heddesheim stark. Jetzt wird Heddesheim ein Getr├Ąnkelager. Das scheint wichtig f├╝r Edeka, aber f├╝r Heddesheim?“