Freitag, 19. Januar 2018

Landtagswahl 2011: Mannheimer Morgen berichtet eindeutig parteiisch – f√ľr die CDU


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 15. M√§rz 2011. (red) W√§hler werden nicht nur durch Wahlplakate beeinflusst, sondern auch durch die Medien. Eine m√∂glichst ausgewogene Berichterstattung ist deshalb wichtig. Denn wer besonders h√§ufig in der Berichterstattung erw√§hnt wird, ist auch pr√§senter beim W√§hler. Mit der „Ausgewogenheit“ hat der Mannheimer Morgen jedoch ein Problem.

Dr. Birgit Arnold (FPD), Gerhard Kleinb√∂ck (SPD), Uli Sckerl (B√ľndnis90/Die Gr√ľnen), Georg Wacker (CDU) – so hei√üen, alphabetisch geordnet, die Spitzenkandidaten der „etablierten Parteien“.

Alle vier treten im Wahlkreis 39 Weinheim zur Landtagswahl 2011 in Baden-W√ľrttemberg an.

Allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen, die nicht nur durch die Parteifarbe oder -kasse bestimmt werden. Sondern auch durch die Berichterstattung.

Gehen Sie mal in sich und denken nach:

  • Welcher Name ist Ihnen ein Begriff? Arnold, Kleinb√∂ck, Sckerl, Wacker?
  • Welchen Namen haben sie oft geh√∂rt, gelesen?
  • Welchen Namen eher weniger?
  • Und f√ľr was steht der jeweilige Kandidat?
  • An welches Bild der Kandidaten erinnern Sie sich?

Unausgewogene Berichterstattung

Halten Sie ruhig „Ihre“ Erinnerungen fest und vergleichen Sie diese mit unserer Auswertung. Sie werden √ľberrascht sein, wie genau das Ergebnis sein wird.

Wir haben uns nicht auf die Erinnerung verlassen, sondern die Berichterstattung des Mannheimer Morgens in den vergangenen Wochen genauer angesehen und ausgez√§hlt. Die Ergebnisse sind mehr als interessant – denn sie zeigen, wie unausgewogen berichtet wird und wie die „Erinnerung“ beeinflusst wird.

Zur Methode: Wir haben s√§mtliche Ausgaben des Mannheimer Morgens „Rhein-Neckar“ seit Januar 2011 bis einschlie√ülich 10. M√§rz 2011 nach den oben genannten Spitzenkandidaten durchsucht. Jede Erw√§hnung wurde als Treffer gez√§hlt.

Dar√ľber hinaus haben wir Unterscheidungen nach Gr√∂√üe des Berichts, Bild Ja/Nein sowie Gr√∂√üe des Bildes vorgenommen.

Unsere Ergebnisse nachfolgend im √ÉŇďberblick:

Einteilung nach Häufigkeit der Erwähnung:

Auf Platz 1 dieses „Rankings“ befindet sich der CDU-Spitzenkandidat Georg Wacker mit 38 Artikeln, in denen sein Name genannt wird.

Mit deutlichem Abstand folgt Gerhard Kleinböck (SPD) mit 27 Erwähnungen.

Ebenfalls deutlich ist der Abstand auf Dr. Birgit Arnold (FDP) und Uli Sckerl (Gr√ľne) mit je 21 Erw√§hnungen.

Einteilung nach Größe des Artikels:

Hier haben wir drei Einstufungsarten vorgenommen. Sehr kurze Artikel haben wir als „Nachricht“ gewertet, gefolgt von einem „Bericht“ bis hin zu einem „Gro√üen Bericht“. Anhand dieser Einteilungen ergibt sich folgende Rangabstufung:

Nachricht: Georg Wacker (CDU) fand insgesamt 19 namentliche Erw√§hnungen in einer „Nachricht“, Uli Sckerl (Gr√ľne) war 15-mal namentlich erw√§hnt worden. Dr. Birgit Arnold (FDP) erhielt 9 Erw√§hnungen in einer Nachricht. Das Schlusslicht bildet Gerhard Kleinb√∂ck (SPD) mit 8 Nennungen in einer Nachricht.

Bericht: Diesen Bereich f√ľhrt Gerhard Kleinb√∂ck (SPD) mit insgesamt 12 Erw√§hnungen. Dicht gefolgt wird er von Georg Wacker (CDU), der es hier auf 10 Erw√§hnungen bringt. Auf Platz 3 findet sich Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 6 Nennungen wieder. Am Ende der Skala befindet sich hier Uli Sckerl mit 3 Erw√§hnungen in einem Bericht.

Gro√üer Bericht: Bei den gro√üen Berichten f√ľhrt abermals Georg Wacker (CDU) mit 9 Erw√§hnungen. Ihm folgt Gerhard Kleinb√∂ck (SPD) mit 7 Nennungen. Am Ende der Skala finden sich erneut Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 5 Erw√§hnungen sowie Uli Sckerl (Gr√ľne) mit gerade mal 3 Erw√§hnungen.

Au√üerhalb der Einteilung von Nachricht bis Bericht fand Dr. Birgit Arnold (FDP) im Rahmen eines Interviews Erw√§hnung und Uli Sckerl (Gr√ľne) wurde einmal im „Zitat des Tages“ genannt.

Einteilung nach Bild Ja/Nein:

Bei dieser Abstufung haben wir ausgewertet, ob im Zuge der Namenserw√§hnung auch ein Bild vorhanden war. Entscheidend hierf√ľr war jedoch nicht, ob es sich dabei um ein Portr√§tfoto handelte. Wir haben auch die Setzung eines „Symbolfotos“ gez√§hlt, da Bilder in journalistischen Texten einen besonderen Reiz darstellen.

Dieses „Ranking“ wird abermals von Georg Wacker (CDU) gef√ľhrt, der es auf stattliche 22 Bilder brachte, wenn sein Name in einem Artikel fiel.

Direkt dahinter befindet sich abermals Gerhard Kleinböck (SPD) mit 18 Bildern.

Im „zweitstelligen“ Bereich findet sich immerhin noch Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 12 Bildern.

Gegen√ľber Georg Wacker erreicht Uli Sckerl (Gr√ľne) nur magere 7 Bilder und damit ein Drittel.

Einteilung nach Bildgröße:

Auch die Gr√∂√üe der Bilder ist ein interessantes Kriterium – je gr√∂√üer, desto besser „bemerkbar“. Hier unterschieden wir drei Varianten: Klein – Mittel – Gro√ü.

Kleine Bilder erhielten: Georg Wacker (CDU)√ā¬† 9 Bilder, Uli Sckerl (Gr√ľne) 4 Bilder, Gerhard Kleinb√∂ck (SPD) 2 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 2 Bilder.

Mittlere Bilder erhielten: Gerhard Kleinb√∂ck (SPD) 8 Bilder, Georg Wacker (CDU) 6 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 3 Bilder, Uli Sckerl (Gr√ľne) 1 Bild.

Gro√üe Bilder erhielten: Gerhard Kleinb√∂ck (SPD) 8 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 7 Bilder, Georg Wacker (CDU) 7 Bilder, Uli Sckerl (Gr√ľne) 2 Bilder.

Gesamtergebnis:

Anhand der vier möglichen Rangplatzierungen und der acht Kriterien ergibt sich folgendes Bild:

Georg Wacker belegte: 5x den 1. Platz und 3x den 2. Platz

Gerhard Kleinböck belegte: 3x den 1. Platz, 3x den 2. Platz, 1x den 3. Platz und 1x den 4. Platz

Dr. Birgit Arnold belegte: 1x den 2. Platz, 6x den 3. Platz und 1x den 4. Platz

Uli Sckerl belegte: 2x den 2. Platz, 1x den 3. Platz und 5x den 4. Platz.

Anhand dieser Ergebnisse lassen sich folgende Querschnitte bilden. Je näher der Wert bei 1 ist, desto präsenter war der entsprechende Kandidat in der Berichterstattung des Mannheimer Morgen im Zeitraum Januar 2011 Р10. März 2011.

Geht es nach der quantitativen Auswertung der Berichterstattung im MM hat der Kandidat Georg Wacker (CDU) einen weiten Vorsprung vor den anderen. Quelle: rheinneckarblog

Der „klare“ Sieger in der Berichterstattung ist mit jeweils deutlichem Abstand Georg Wacker (CDU) – der „klarste“ Verlierer Uli Scklerl (Gr√ľne). Jedenfalls nach den „Pr√§ferenzen“ des Mannheimer Morgens.

Georg Wacker (CDU): 1,4
Gerhard Kleinböck (SPD): 2
Dr. Birgit Arnold (FDP): 3
Uli Sckerl (Gr√ľne): 3,1

Erinnern Sie sich noch an die Fragen oben?

Entspricht das Ihrer Wahrnehmung?

Werden Sie dementsprechend wählen?

Ganz sicher beeinflusst auch eine solche Analyse die Entscheidung, wer wo sein Kreuz macht.

Wahlentscheidungen basieren auf vielf√§ltigen Faktoren, fr√ľher vor allem auf dem „sozialen Stand“, der Bildung, des Verm√∂gens. Heute immer mehr auf Informationen.

Ganz sicher ist damals wie heute die Regel: Nur wer „wahr genommen“ wird, hat auch Chancen.

Nicht nur Argumente entscheiden, sondern auch „Gef√ľhle“. Erfahrungen und Erinnerungen.

Wer ist eher etabliert? Wer kann mit wem? Wer „scheint“ der bessere Kandidat zu sein? Wer ist am ehrlichsten?

Der innere „Abstimmungsprozess“ erfolgt vor dem Kreuz auf dem Wahlzettel.

Leserinnen und Leser, die „gr√ľn“ pr√§ferieren, m√ľssen massiv entt√§uscht sein und sich fragen, was sie von einer so eindeutig „parteiischen“ Berichterstattung halten sollen. Der vierte Platz f√ľr den Kandidaten Hans-Ulrich Sckerl ist eindeutig nicht der Platz, den der „Innenexperte“ und die Gr√ľnen im Land und im Kreis einnehmen – die „Pr√§senz“ in der Berichterstattung t√§uscht hier massiv.

Anmerkung der Redaktion:
Die Ergebnisse unserer Auswertung sind nicht repr√§sentativ f√ľr „alle Medien“ zu verstehen, da wir nur die Berichterstattung im Mannheimer Morgen untersucht haben.
Es handelt sich um eine quantitative Erhebung, nicht um eine qualit√§tive. Nicht bewertet wurden „negative“ oder „positive“ inhaltliche Text- oder Bildaussagen.

Recherche: Christian M√ľhlbauer, Paul Maa√ü