Montag, 27. Januar 2020

+++Verschlusssache X+++

Satire

An die Gemeinde der Aufrechten
Parteizentralplatz
Pfenningheim

Nur fĂĽr den internen Gebrauch
+++Verschlusssache+++ Nicht für die Öffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15-X, +++Verschlusssache+++

Betreff: Propaganda

Parteifreunde,

die Lage ist ernst. Die Gegnerseite zu unterschätzen, wäre ein Fehler, auch wenn ich Sie sie persönlich für absolute Dummköpfe halte. Das muss man verstehen, denn schließlich bin ich der einzige Doktor weit und breit rede für alle anderen.

Nachdem das geklärt wäre, weise ich Sie daraufhin, dass Sie im Anhang meine „letzte“ (siehe Wortverwendung im Anhang) Abhandlung finden. Damit habe ich im Zentralorgan dem Schmierfink mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt. Quasi als Leidbild fĂĽr uns und alle, die mit uns sein wollen. Die anderen sind eh verloren.

Zum wissenschaftlichen Standpunkt: „Dennoch ist die gezielt einseitige Darstellung von Informationen eine gängige Praxis, auch in Demokratien.“ Diese Information habe ich „aus dem Internet“ (siehe Anhang).

Also bediene ich mich dieser wissenschaftlichen Technik. Sie wissen, ich bin Wissenschaftler vom Scheitel bis zur Schuhsohle (normalerweise heiĂźt das ja Sohle… haben Sie meinen Drang zum Exakten bemerkt?).

Und was befindet sich auf dem langen Weg vom Scheitel unter der Sohle? Genau: Dreck!

Natürlich sind die Heddesheimer viel zu dumm, um meine wissenschaftlichen Gedankengebilde zu verstehen. Zugegeben: Das fällt mit zunehmender Genialität auch mir selbst immer schwerer.

Darauf kommt es auch nicht an. Sie mĂĽssen nur wissen, wer richtig entscheidet und das bin ich, also wir. Die demokratischen Christen.

Wir wissen, wer Gott wirklich ist. Wir Katholiken. (Naja, R.: Ihr seid halt vom richtigen Weg abgekommen, aber die Richtung stimmt noch.)

Bei dem Kerl, der hier ĂĽber uns KĂĽbel voller Dreck und Unrat ausschĂĽttet, stimmt gar nichts mehr. Dieses dahergelaufene GroĂźmaul mag ein talentierter Wortverdreher und Hetzer sein. Und er mag gewisse Idioten mit seiner Propaganda ĂĽberzeugen können – aber nicht uns. Wir können das besser.

Sein jämmerlicher Versuch, meine Ausführungen anzugreifen, konnte nicht anders als kläglich scheitern beantwortet werden.

Wir stehen fest im Glauben an das Gute, Wahre, Schöne zusammen. Und das ist unser Heddesheim.

Und Ihr wisst schon, wer den Pfenning nicht ehrt, ist nichts mehr wert. Wir werden weiter und weiter dafür kämpfen. Bis zum bitteren Ende.

Das hat ĂĽberhaupt nichts damit zu tun, dass zwei aus unseren „erweiterten“ Reihen befangen sind, weils da im Beutel klingelt.

Und es hat ĂĽberhaupt nichts damit zu tun, dass andere aus unseren Reihen auch profitieren könnten. Denn „soviel Kenntnis und auch etwas Logik sollte Allgemeingut sein“ (um mich mal selbst aus meiner angehängten Schrift zu zitieren): Es ist ein Geben und Nehmen. Wie bei Gott, der hats auch gegeben und genommen. So geht das auch bei uns. Na? Logik verstanden? Gut.

Wenn wir überhaupt überleben wollen, mit all unseren schönen, wundervollen, herausragenden, beispielhaften, guten, herrlichen, besonderen, liebevollen, voll umfänglichen Einrichtungen, müssen wir etwas tun. Bevor es zu spät ist.

Die allerbeste unser Einrichtungen ist: Ich führe das Wort. Nach mir kommt der Bürgermeister K. Und natürlich seine Stellvertreterin, die den Pöbel mit dem Kindergartenargument immer wieder in die Schranken weist.

Sie ist ein so aufrächte Frau. Zugegeben: Nicht besonders geistreich. Aber eine Kämpferin für die gute Sache. Also unsere.

Der Rest redet nur, wenn er dazu aufgefordert wird. Der Frischling (auf den ich groĂźe Hoffnungen setze, weil er sich fĂĽgt wie ein ordentlicher Messdiener und gleichzeitig ein wenig fĂĽr Revolution steht, ihr wisst schon, nach ’45 und so), hält die Klappe. Noch ist alles gut.

Aber wenn das mit dem „Kritischen“ so weitergeht, rutschen wir sonst ins soziale Abseits. Vor allem, wenn es diesen Asozialen gelingt, weiter die Köpfe von Schafen mit ihrem Dreck zu verstopfen.

Ich habe deshalb einen Plan entwickelt, wie wir der Lage wieder Herr werden. Ab sofort wird Woche fĂĽr Woche eines meiner, ich gebe das nur ungern zu, genialen Pamphlete im Mitteilungsblatt zum Flagschiff unserer Schlacht gegen das Verderben in Form von Schreiberlingen abgefeuert.

Diese Thesenpapiere werden das Geschreibsel dieses postkommunistischen subversiven Elements pulverisieren.

Ihr wisst schon: Am Anfang war das Wort. Und das war bei mir. Und Woche fĂĽr Woche wird es die Gemeinde ĂĽber unser Zentralorgan erreichen und den Glauben an uns mich = uns festigen. (Die Formel ist wissenschaftlich belegt!!!)

Weiter rufe ich zur ungehemmten Mund-zu-Mund-Propaganda auf. Keine Geschichte ist zu grauslich, um sie nicht zu erzählen. Sodomie, Erpressung, Menschenraub, Drogenhandel, Rotlichtmilieu, Zinsgeschäfte, Gewalt. Redet über alles, was Euch einfällt und nennt vor allem seinen Namen. Ihr wisst schon.

Und wenn Euch dazu nichts einfällt, dann lest mal wieder in der Bibel. Da steht alles drin, was Ihr wissen müsst.

Und denkt an das, was uns alle und unseren hochverehrten BĂĽrgermeister K. verbindet: Die Angst, kritisiert zu werden.

SchĂĽrt sie fĂĽr andere. Niemand steht gerne in der Kritik, wir schon gar nicht. Und irgendwann wird auch dieser Schandfleck nur noch ein solcher sein. Ich erinnere an mein Schreiben vom 24. Mai 2009.

2000 Jahre Kirchengeschichte sind Beweis genug, um zu wissen, dass man damit Macht erhält.

Und darum geht es uns ja! Klingt logisch? Das ist logisch. „Andere Erklärungen sind Phantasie“, um mich nochmals zu zitieren.

Und Nein! Ihr braucht mir nicht dankbar zu sein. Ich weiĂź, Ihr seid es. Also:

Vorwärts!

Dr. D.

P. S. Gegen den Verräter in unseren Reihen, der gesagt hat, ich sei nicht mehr „bei Sinnen“ ist schon ein Parteiausschlussverfahren gegen Unbekannt angelaufen. Ziehen Sie sich warm an, Kommunist. In diesem unserem schönen Heddesheim kriegen Sie kein Bein mehr auf den Boden. Verräter. Dreckspatz. LĂĽmmel. Sie sind fertig!

Verteiler: BĂĽrgermeister K., Vorstand, Parteisoldaten, Bauern, echte Christen, Nobelpreiskomitee

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Dokumentation: Hier steht, was man wissen muss. Quelle: Mitteilungsblatt

Anlage: Meine Dhesen