Montag, 26. August 2019

Kino-PrĂ€ventionswoche in Mannheim ĂŒber Gefahren Sozialer Netzwerke

Guten Tag!

Heddesheim, 24. November 2010. Bereits seit 12 Jahren veranstaltet das „Netzwerk Neue Medien Mannheim (NM)“ die sogenannte Kino-PrĂ€ventionswoche. Ziel des Netzwerks ist es, Kinder, Eltern und PĂ€dagogen Medienkompetenz zu vermittelt. Deshalb geht es jedes Jahr um ein bestimmtes Themenfeld, das Gefahren fĂŒr Jugendliche beinhaltet. In diesem Jahr befasst man sich mit der „Generation Facebook“.

Von Christian MĂŒhlbauer

Das Netzwerk Neue Medien Mannheim möchte ĂŒber den Umgang mit sozialen Netzwerken aufklĂ€ren. Was tun, wenn das eigene Kind immer mehr in eine digitale Welt abdriftet? Worauf sollten Eltern achten? Welche Gefahren drohen in Sozialen Netzwerken?

Kinosaal

Der Kinosaal war nahezu vollstĂ€ndig gefĂŒllt

Mehrere Mannheimer Schulklassen besuchen im Laufe dieser Woche das Cineplex-Kino. Die beiden Filme sollen die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler fĂŒr die Gefahren von Cybermobbing und Sozialer Netzwerke sensibilisieren. Auf dem Programm stehen: „The Social Network“ und „Ben X“.

Fast alle SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sind in „social networks“ aktiv.

„Seid ihr in sozialen Netzwerken aktiv?“, frage ich einige der SchĂŒler am Ende der Vorstellung. Im ersten Augenblick wirken manche ĂŒberrumpelt. Man tauscht blicke mit den Freunden aus, ehe zögerliche Antworten folgen. Unter den befragten SchĂŒlern antwortet die Mehrheit mit einem Ja.

Marvin (15) sagt, dass er bei „WKW“ sei (Wer-Kennt-Wen). „Sorgst du dich um deine Daten oder achtest du darauf, nichts „falsches“ zu veröffentlichen?“ Die Antwort kommt prompt: „Ich passe schon auf, was ich da schreibe und welche Bilder ich einstelle.“ PrimĂ€r veröffentlicht er dort harmlose Sachen – sagt er: „Ich schreibe beispielsweise an die Pinnwand, wenn ich gerade ein Buch lese.“ Harmlose Sache? Naja, die Werbeindustrie könnte sich dafĂŒr interessieren.

Antonia (15), SchĂŒlerin einer Mannheimer Werkrealschule, ist gleich in mehreren Netzwerken vertreten. Facebook, SchĂŒlerVZ, Wer-Kennt-Wen. Die Namen der Netzwerke erfahre ich wie auf Kommando. Auch zwei SchĂŒlerinnen neben ihr erklĂ€ren mir, dass sie in sozialen Netzwerken sind. Vor allem Facebook.

Interessant wird es, als ich sie nach ihren Eltern frage. Wissen die, wie „diese Sachen“ funktionieren? Antonia (15) und Klaudia (16) bejahen dies. Jaqueline (15) schĂŒttelt jedoch energisch den Kopf, andere ebenso. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass weniger als die HĂ€lfte der Eltern wissen, was ihre Kinder im Internet so machen.

Medienkompetenz muss vermittelt werden

„Es geht nur gemeinsam mit Eltern und Lehrer“, erklĂ€rt mir Astrid Fleck, beim PolizeiprĂ€sidium Mannheim zustĂ€ndig fĂŒr PrĂ€ventionsarbeit, noch vor dem Film. Oftmals wĂŒrden die Kinder mehr ĂŒber Facebook und das Internet wissen als ihre Eltern. Eine Medienerziehung wird damit natĂŒrlich schwierig. Wie soll man Kinder im Umgang mit etwas vertraut machen, das man selbst kaum kennt?

Deshalb bietet man diese KinoprĂ€ventionswochen an. Eine dazugehörende Abendveranstaltung fĂŒr Eltern am vergangenen Montag war restlos ausgebucht, sagt Frau Fleck. Ist das nicht eigentlich ein Zeichen dafĂŒr, dass sich Eltern sehr wohl fĂŒr das interessieren, was ihre Kinder da so im Netz treiben? Das waren einige hundert Eltern, insgesamt werden 1.200 SchĂŒler sich die Filme anschauen. 100 Prozent der Eltern wĂ€ren 2.400 Menschen.

„The Social Network“ sowie „BenX“ – digitale Schicksale

Petra Schwarzweller

Die MedienpĂ€dagogin und FSK-PrĂŒferin Petra Schwarzweller fĂŒhrte die Diskussion

Der erste Film zeigt die GrĂŒndungsjahre des Sozialen Netzwerks „Facebook“. Der Student Mark Zuckerberg hat die Idee, auf einer Website Bilder von zwei Frauen zu vergleichen. Die Benutzer können wĂ€hlen, welche davon attraktiver ist. Um genĂŒgend Bildmaterial zu erhalten, hackt er sich in die Datenbanken der UniversitĂ€ts-Wohnheime. Dort kopiert er sĂ€mtliches Bildmaterial aus den JahrbĂŒcher.

Parallel veröffentlicht er auf seinem Blog wiederkehrend Beleidigungen an seine Ex-Freundin Erica Albright. Seine abwertendes Verhalten gegenĂŒber Dritten wird zunehmend zum Problem und zieht sich durch den gesamten Film. Die Schlussszene zeigt ihn in einem Raum. Er schickt eine Freundschaftsanfrage an seine Ex-Freundin Erica Albright, die er öffentlich gedemĂŒtigt hat. Im Sekundentakt lĂ€dt er die Website neu, in der Hoffnung, dass Erica die Anfrage bestĂ€tigt.

Es ist die traurige Erfolgsgeschichte ĂŒber den GrĂŒnder der zur Zeit erfolgreisten Community-Plattform der Welt, in der sich 500 Millionen Menschen in Freundesnetzwerken zusammenschließen, wĂ€hrend er allein zurĂŒckbleibt.

Der zweite Film „BenX“ ist weitaus ernster und beinhaltet am Ende gar eine unerwartete Wendung. Es geht um den Jugendlichen Ben. Dieser leidet an dem Asperger-Syndrom. Eine Form des Autismus.

Infolge seiner Erkrankung wird er von seinen MitschĂŒlern immer wieder gemobbt, gedemĂŒtigt, geschlagen. Ein Videoclip davon wird online veröffentlicht. Ben plant ab diesem Augenblick seinen Selbstmord und flĂŒchtet sich derweil in die Welt des Computerspiels „Archlite“. Dort ist er mit der Spielerin „Scarlite“ befreundet.

Zwischen beiden kommt es beinahe zu einem Treffen, an dessen Ende sich Ben vor einen Zug werfen will. Scarlite kann ihn jedoch davon abhalten. Um weiteren Mobbing-Attacken zu entgehen, plant Ben nun gemeinsam mit Scarlite eine andere Version des „Endgames“. Das Ende soll hier nicht erzĂ€hlt werden – der Film ist so spannend und gut, dass man sich ihn selbst anschauen sollte.

Eine irritierende Anschlussdiskussion

Am Ende beider Filme folgte eine kurze Diskussionsrunde mit der MedienpĂ€dagogin und FSK-PrĂŒferin Petra Schwarzweller.

Insbesondere bei Ben X irritiert mich, dass wĂ€hrend der Diskussionsrunde oftmals gelacht wird. AmĂŒsant war der Film nĂ€mlich keinesfalls. Vielmehr bedrĂŒckend und ernst. „Man ĂŒberzeichnet damit die eigene Unsicherheit. Sobald das im Klassenverbund, also in kleineren Gruppen gemacht wird, hört das auf“, erklĂ€rt mir Frau Schwarzweller spĂ€ter.

Es mangelt den Kindern von heute also nicht am EinfĂŒhlungsvermögen: „Es scheitert eher daran, dass man in der Gruppe „cool“ sein will.“ Gerade hier können Eltern viel erreichen – im GesprĂ€ch mit ihren Kindern.

Dass die Kinder und Jugendlichen von heute ĂŒbrigens im realen Leben allzu freizĂŒgig mit persönlichen Daten wĂ€ren, kann ich nicht feststellen. Alle befragten SchĂŒler zögerten, ehe sie ihren Vornamen, Alter und Schulzugehörigkeit nannten.

Ich kann nur hoffen, dass sie sich diese Vorsicht im scheinbar anonymen Internet bewahren.

Anmerkung der Redaktion:

Christian MĂŒhlbauer absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr MĂŒhlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach „Ressortjournalismus.“

[nggallery id=162]