Dienstag, 10. Dezember 2019

Roh-Kost vom allerärgschde Mundartbabbler

Guten Tag!

Heddesheim, 06. Oktober 2010. Christian Habekost, genannt Chako, brachte mit seiner Auff√ľhrung „De Aller√§rgschd“ im B√ľrgerhaus knapp 450 Zuschauer zum Lachen, besser gesagt zeitweise br√ľllten diese vor Lachen. Knapp drei Stunden f√ľhrte Chako seine achtzehn ineinanderflie√üenden Kapitel als gro√üartiges Kabarett auf.

Von Horst Pölitz

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Christian Habekost: Net halb-verreckt, geleckt un geschleckt un so. Nää, roh! Gonz roh vun do.

„Morsche! Wie!? Un Hallo. Isch bin de Chako. Un isch bin vun do. Do. Genau do kumm isch her. Vun do. Aussem Kur/P√§lzer Exode-Zoo. So. Net halb-verreckt, geleckt un geschleckt un so. N√§√§, roh! Gonz roh vun do. Yo. Genau so√Ę‚ā¨¬¶ redd ma do. Un des is gut so. Weil so wie do redd ma sunschd nirgendwo. Genau so musses soi, als Exot zwische Schlot un Woi un Rhoi, Kur un Palz, Vordder-Hinner, Rechts-Links, Riwwer-Niwwer-Palz, Riedochs-Kraichgau-Odenwalz √Ę‚ā¨¬¶ Isch hoff, ihr schnallts! Des is die B√ľhn fer unser Show, e Region mit Metropol, e Mischung zwische Indellekt und Prol, zwee W√§lder un zwee Fliss, Berge, Dal, Plateau. In Europa in de Mitt irgendwo. Zwische Oslo, Palermo un Bordeaux. Also wo? – Do!“.

So stehts im Cover der aktuellen CD und so begann die knapp dreist√ľndige Show. In seinem St√ľck „Zuschauer“ sucht der K√ľnstler auch Kontakt zum Publikum und macht es nach: „… mansche sitzen so (Kopf nach rechts und vom rechten Arm gest√ľtzt), oder so (Kopf nach links mit linkem Arm gest√ľtzt), oder so wie do der Fotograf (macht den Pressefotograf nach, der st√§ndig vor der B√ľhne rumsprang)“.

Wenn Habekost loslegt, „gibts was auf die Ohren“. In rasendem Tempo pr√§sentiert er seine pointierten Ansichten als Kurpf√§lzer auf die B√ľhne und wer nicht aufgepasst hat, muss sich nicht √§rgern, denn ein Spa√ü jagt den n√§chsten Ernst und umgekehrt. Beeindruckend, wie Habekost es schafft, seine komplexen Texte auch mimisch genial „aufzuf√ľhren“.

Nach der halbst√ľndigen Pause ging es u.a. mit „M√∂bel uff de Gass“, „Capri Autos“ und „The Reverend“ weiter. Um Zugabe brauchte sich das Publikum nicht zu bem√ľhen: „Eh isch mir die M√ľh mach un a parmool uff die Bien laaf, brig isch glei zwaa Zugabbe“. Das tat er dann auch.

Wer zu denen geh√∂rt, die keine Karte bekommen haben: Christian Habekost f√ľhrt sein aktuelles Programm rund zweieinhalb Jahre lang auf. Pro Jahr hat er an die 100 Auff√ľhrungen.

Link:
Homepage von Christian Habekost mit allen Terminen.

Viel Spaß mit den Bildern.

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„√Ąrger als arg = De Aller√§rgschd“ – Christian Habekost gastiert in Heddesheim

 

Guten Tag!

Heddesheim, 30. September 2010. Am Freitag, den 01. Oktober 2010 kommt „De Aller√§rgschd“ nach Heddesheim ins B√ľrgerhaus. Sein richtiger Name ist Christian Habekost, sein Spitzname „Chako“. Im Interview mit dem heddesheimblog erkl√§rt Chako, was ein „Aller√§rgschd“ ist, warum er Sprache liebt und vor allem die Kurpf√§lzer Mundart und was man von ihm und seinem Programm erwarten darf.

Interview: Hardy Prothmann

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De Aller√§rgschd – Christian „Chako“ Habekost. Lockeres Mundartwerk, Sprachkabarettist und Zweifels√§her. Foto: thommy-mardo.de

Herr Habekost – was ist denn ein „Aller√§rgschd“?
Christian „Chako“ Habekost: „Das Wort „arg“ entstammt dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie schlimm oder heftig und hat im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel durchgemacht. Jeder versteht „√É‚Äěrger“. Das verhei√üt nichts Gutes. Und wenn einer „√§rger“ als „arg“ ist und damit der „Aller√§rgschd, donn is des √§n Wescher. √É‚Äěnner, der wo der was uff die Ohre gibt.“

Damit sind wir bei Ihnen und beim Programm. Warum sind Sie „De Aller√§rgschd“?
Chako: „Ich habe den Anspruch, die Mundart und ihre Wandlungen so zu pr√§sentieren, dass ich Klischees bediene, um sie zu brechen. Mundart wird von vielen Menschen gesprochen und viele werden bel√§chelt, dabei kann Mundart Wahrheiten ausdr√ľcken, „wies √§rger nimmi geht“. Wenn ich es schaffe, diese Wahrheit zu repr√§sentieren, bin ich „De Aller√§rgschd“.“

In der Mundart liegt die Mentalität der Menschen. Chako

Dabei haben Sie doch eine gute Kinderstube und sind sogar promovierter Anglist.
Chako: „Jaja, ein Dr. phil, also mit „ph“ und nicht mit „v“ und „ie“. Na und? Dass ich eine Doktorarbeit geschrieben habe, hat mit meiner Liebe zur Sprache zu tun. Der Titel spielt f√ľr mich keine Rolle.“

Was ist das f√ľr Sie, „Liebe zur Sprache“?
Chako: „Sprache ist erstmal Mittel zum Zweck. Und sie hat dar√ľber hinaus noch mindestens eine andere Dimension. Damit spiele ich. Ich habe bei mir so eine Eigenschaft entdeckt, dass ich mich st√§ndig frage: Und wenn Du das jetzt anders verstehst, umdrehst, ver√§nderst… was kommt dann raus? Sprache ist lebendig, ist musikalisch, variantenreich. Und lustig. Ich suche immer nach der anderen Bedeutung, wenn ich was schreibe und mir √ľberlege, was es verdreht aussagen w√ľrde und was das dann f√ľr einen Sinn ergibt.“

Ok. Dann machen wir ein Experiment. Was ist der Unterschied zwischen Sinn und Sinnlichkeit?
Chako: „Sinnlichkeit ohne Sinn ergibt nur -Keit. Erst wenn darin der Sinn drinsteckt ergibt sich mehr daraus.“

Das lassen wir mal so stehen. Gibt es Sinnunterschiede durch den Gebrauch von unterschiedlichen Mundarten?
Chako: „Aber nat√ľrlich. In der Mundart liegt die Mentalit√§t der Menschen begr√ľndet. Ich bin ja als „Schwabenketzer“ bekannt und mache mir oft einen Spa√ü daraus, den Schwaben zu zeigen wo de Kurp√§lzer Barddel de Moscht holt.

Sind die Schwaben wirklich so schlimm?
Chako: „Da es sich offensichtlich um ein seri√∂ses Interview handelt, antworte ich dibbellomadisch: Meine Lebensgef√§hrtin ist Schw√§bin und ich habe viele schw√§bisch-st√§mmige Freunde und dazu stehe ich.“

Wie lange gehen Sie mit einem Programm auf Tour?
Chako: „Etwa zweieinhalb Jahre. Dabei ver√§ndert sich aber die Show, weil ich versuche, aktuelle Entwicklungen mit einzubauen.“

Sind Sie nur unterhaltend oder auch politisch?
Chako: „Ja, ich bin gerne politisch, aber ich bin auch realistisch, was die Wirkung angeht. Es ist sicherlich sehr schwer, als Kabarettist tats√§chlich politisch Einfluss zu nehmen, auch, wenn man den Anspruch hat. Das habe ich lernen m√ľssen. Heute bin ich soweit, dass ich sinnvolle Unterhaltung bieten m√∂chte. Gutes Entertainment mit gezielt gestreuten Zweifeln am politischen Mainstream, so zum Beispiel bei der Nummer √ľber den Lama’s Dalai im aktuellen Programm.“

Info:
Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Internet:
Christian „Chako“ Habekost