Sonntag, 15. Dezember 2019

+++Verschlusssache X+++

Satire

An die Gemeinde der Aufrechten
Parteizentralplatz
Pfenningheim

Nur für den internen Gebrauch
+++Verschlusssache+++ Nicht für die Öffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15-X, +++Verschlusssache+++

Betreff: Propaganda

Parteifreunde,

die Lage ist ernst. Die Gegnerseite zu unterschätzen, wäre ein Fehler, auch wenn ich Sie sie persönlich für absolute Dummköpfe halte. Das muss man verstehen, denn schließlich bin ich der einzige Doktor weit und breit rede für alle anderen.

Nachdem das geklärt wäre, weise ich Sie daraufhin, dass Sie im Anhang meine „letzte“ (siehe Wortverwendung im Anhang) Abhandlung finden. Damit habe ich im Zentralorgan dem Schmierfink mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt. Quasi als Leidbild für uns und alle, die mit uns sein wollen. Die anderen sind eh verloren.

Zum wissenschaftlichen Standpunkt: „Dennoch ist die gezielt einseitige Darstellung von Informationen eine gängige Praxis, auch in Demokratien.“ Diese Information habe ich „aus dem Internet“ (siehe Anhang).

Also bediene ich mich dieser wissenschaftlichen Technik. Sie wissen, ich bin Wissenschaftler vom Scheitel bis zur Schuhsohle (normalerweise heißt das ja Sohle… haben Sie meinen Drang zum Exakten bemerkt?).

Und was befindet sich auf dem langen Weg vom Scheitel unter der Sohle? Genau: Dreck!

Natürlich sind die Heddesheimer viel zu dumm, um meine wissenschaftlichen Gedankengebilde zu verstehen. Zugegeben: Das fällt mit zunehmender Genialität auch mir selbst immer schwerer.

Darauf kommt es auch nicht an. Sie müssen nur wissen, wer richtig entscheidet und das bin ich, also wir. Die demokratischen Christen.

Wir wissen, wer Gott wirklich ist. Wir Katholiken. (Naja, R.: Ihr seid halt vom richtigen Weg abgekommen, aber die Richtung stimmt noch.)

Bei dem Kerl, der hier über uns Kübel voller Dreck und Unrat ausschüttet, stimmt gar nichts mehr. Dieses dahergelaufene Großmaul mag ein talentierter Wortverdreher und Hetzer sein. Und er mag gewisse Idioten mit seiner Propaganda überzeugen können – aber nicht uns. Wir können das besser.

Sein jämmerlicher Versuch, meine Ausführungen anzugreifen, konnte nicht anders als kläglich scheitern beantwortet werden.

Wir stehen fest im Glauben an das Gute, Wahre, Schöne zusammen. Und das ist unser Heddesheim.

Und Ihr wisst schon, wer den Pfenning nicht ehrt, ist nichts mehr wert. Wir werden weiter und weiter dafür kämpfen. Bis zum bitteren Ende.

Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass zwei aus unseren „erweiterten“ Reihen befangen sind, weils da im Beutel klingelt.

Und es hat überhaupt nichts damit zu tun, dass andere aus unseren Reihen auch profitieren könnten. Denn „soviel Kenntnis und auch etwas Logik sollte Allgemeingut sein“ (um mich mal selbst aus meiner angehängten Schrift zu zitieren): Es ist ein Geben und Nehmen. Wie bei Gott, der hats auch gegeben und genommen. So geht das auch bei uns. Na? Logik verstanden? Gut.

Wenn wir überhaupt überleben wollen, mit all unseren schönen, wundervollen, herausragenden, beispielhaften, guten, herrlichen, besonderen, liebevollen, voll umfänglichen Einrichtungen, müssen wir etwas tun. Bevor es zu spät ist.

Die allerbeste unser Einrichtungen ist: Ich führe das Wort. Nach mir kommt der Bürgermeister K. Und natürlich seine Stellvertreterin, die den Pöbel mit dem Kindergartenargument immer wieder in die Schranken weist.

Sie ist ein so aufrächte Frau. Zugegeben: Nicht besonders geistreich. Aber eine Kämpferin für die gute Sache. Also unsere.

Der Rest redet nur, wenn er dazu aufgefordert wird. Der Frischling (auf den ich große Hoffnungen setze, weil er sich fügt wie ein ordentlicher Messdiener und gleichzeitig ein wenig für Revolution steht, ihr wisst schon, nach ’45 und so), hält die Klappe. Noch ist alles gut.

Aber wenn das mit dem „Kritischen“ so weitergeht, rutschen wir sonst ins soziale Abseits. Vor allem, wenn es diesen Asozialen gelingt, weiter die Köpfe von Schafen mit ihrem Dreck zu verstopfen.

Ich habe deshalb einen Plan entwickelt, wie wir der Lage wieder Herr werden. Ab sofort wird Woche für Woche eines meiner, ich gebe das nur ungern zu, genialen Pamphlete im Mitteilungsblatt zum Flagschiff unserer Schlacht gegen das Verderben in Form von Schreiberlingen abgefeuert.

Diese Thesenpapiere werden das Geschreibsel dieses postkommunistischen subversiven Elements pulverisieren.

Ihr wisst schon: Am Anfang war das Wort. Und das war bei mir. Und Woche für Woche wird es die Gemeinde über unser Zentralorgan erreichen und den Glauben an uns mich = uns festigen. (Die Formel ist wissenschaftlich belegt!!!)

Weiter rufe ich zur ungehemmten Mund-zu-Mund-Propaganda auf. Keine Geschichte ist zu grauslich, um sie nicht zu erzählen. Sodomie, Erpressung, Menschenraub, Drogenhandel, Rotlichtmilieu, Zinsgeschäfte, Gewalt. Redet über alles, was Euch einfällt und nennt vor allem seinen Namen. Ihr wisst schon.

Und wenn Euch dazu nichts einfällt, dann lest mal wieder in der Bibel. Da steht alles drin, was Ihr wissen müsst.

Und denkt an das, was uns alle und unseren hochverehrten Bürgermeister K. verbindet: Die Angst, kritisiert zu werden.

Schürt sie für andere. Niemand steht gerne in der Kritik, wir schon gar nicht. Und irgendwann wird auch dieser Schandfleck nur noch ein solcher sein. Ich erinnere an mein Schreiben vom 24. Mai 2009.

2000 Jahre Kirchengeschichte sind Beweis genug, um zu wissen, dass man damit Macht erhält.

Und darum geht es uns ja! Klingt logisch? Das ist logisch. „Andere Erklärungen sind Phantasie“, um mich nochmals zu zitieren.

Und Nein! Ihr braucht mir nicht dankbar zu sein. Ich weiß, Ihr seid es. Also:

Vorwärts!

Dr. D.

P. S. Gegen den Verräter in unseren Reihen, der gesagt hat, ich sei nicht mehr „bei Sinnen“ ist schon ein Parteiausschlussverfahren gegen Unbekannt angelaufen. Ziehen Sie sich warm an, Kommunist. In diesem unserem schönen Heddesheim kriegen Sie kein Bein mehr auf den Boden. Verräter. Dreckspatz. Lümmel. Sie sind fertig!

Verteiler: Bürgermeister K., Vorstand, Parteisoldaten, Bauern, echte Christen, Nobelpreiskomitee

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Dokumentation: Hier steht, was man wissen muss. Quelle: Mitteilungsblatt

Anlage: Meine Dhesen

+++Verschlusssache VIII+++


Satire

Bürgermeister K.
Ratlosplatz, Ecke IFOK-Straße
Pfenningheim

An
die noch treuen Gemeinderäte 08. September 2009

+++Verschlusssache+++ Nicht für die Öffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15-VIII, +++Verschlusssache+++

Betreff: Demut, Ausdauer und Zielstrebigkeit

Liebe Gleichgesinnte,

intern war der IFOK-Dialog ein Desaster. Vor allem der Schreiberling stört den Dialog. Ständig stellt der Fragen. Hat der die Frageritis?

Und frech ist er auch. Als ich seinen Fragestil kritisierte: „Was ist denn das für ein Stil?“, antwortete er: „Mein Stil.“ Ist das frech? Muss ich mir das bieten lassen?

Die es wissen müssen, sagen Ja.

Also beuge ich mich dem Prozess, ähm, Dialog. Ich beiße mir auf die Zunge, auch wenns weh tut.

Die Idee, damit Einfluss zu nehmen, ist praxiserprobt erfolgreich. In städtischen Umgebungen.

Im ländlichen, wie bei uns, ist es wichtig, davon zu reden, dass man im Dialog ist. Und man ist gut oder schlecht im Gespräch.

Wir müssen jetzt alles tun, um dazu keine Fragen aufkommen zu lassen, was die 35.000 Euro für die Ausputzer gebracht haben. Wir wollen uns entwickeln! Die Chance ist einmalig! Das sind die Botschaften, an die wir glauben.

Sicher gibt es Risiken. Aber können wir uns erlauben, nur auf dem sicheren Weg zu gehen? Man muss auch Risiken eingehen.

Unsere „Strafgeld-Vereinbarung“ stellt sicher, dass wir keinen Verkehr in Heddesheim spüren werden – und wenn klingelt es in der Kasse. Der Heddesheimer versteht das: Kleinvieh macht auch Mist. Das verstehen wir alle. Und der Verkehr kommt sowieso, wenn das für uns 200.000 bringt, ist das gut.

Das sind Erfolge. Reden Sie darüber. Ãœber die Erfolge. Das muss man doch auch mal so sehen. Wir sind immer noch die, die die Entscheidungen treffen. Zeigen Sie Zuversicht. Aber seien Sie zurückhaltend, wie ich.

Es grüßt Sie aus der Ferne

Ihr Bürgermeister K.

Lesen Sie auch: Verschlusssache VII

+++Verschlusssache VII+++


Satire

Bürgermeister K.
Ratlosplatz
Pfenningheim

An
die treuen stellvertretenden Bürgermeisterinnen
und die treuen Gemeinderäte 08. August 2009

+++Verschlusssache+++ Nicht für die Öffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15-VII, +++Verschlusssache+++

Betreff: IG neinzuprothmann

Liebe Mitstreiterinnen,

es gibt positive, aber auch negative Nachrichten. Und grundsätzliche.

Zunächst die positiven: Das Netz zieht sich enger um den Wortverdreher.

Die Geistlichen sind auf Linie gebracht und berufen sich aufs Schweigegelübde – von dieser Seite brauchen wir deshalb keine Probleme zu erwarten – denn schließlich wollen die was von uns. Einem armen Mann kann man zwar nicht in die Tasche greifen, aber ein bisschen was für die Kollekte lenkt den Glauben besser als alles andere. Dank an R.H. und J.D.

Auch dem Rest sollte jetzt klar sein, dass wir keinen vergessen, der mal was mit dem Schmierfink zu tun hatte.

Damit ist das Projekt IG neinzuprothmann erfolgreich angelaufen.

Jetzt die negativen:
Der Systemfehler hat Zahlen veröffentlicht, die uns gar nicht gefallen. Wie macht der das? Hat der einen IM im Rathaus oder sonstwo? Der Verräter muss gefasst und bestraft werden.

Und nachdem wir die IG neinzupfenning gekonnt ins Abseits manövriert haben, zieht dieser charakterlose Schreiberling auch noch mit und kritisiert die auch.

Das macht unseren Vorteil nicht zunichte, aber ich traue der Situation nicht. Was kommt als nächstes? Was hat er vor? Der W.G. und der J.H. haben versucht, das rauszufinden, aber der Kerl redet ständig nur über Transparenz, Öffentlichkeit, Aufklärung, Mitbestimmung und so ein Zeug. Das ist mir äußerst suspekt.

Und dass die Leute jetzt denken, dass die I.K. nur im GR sitzt, weil… ist auch nicht sehr gut gelaufen.

Jetzt zum Grundsätzlichen:

Die Abstimmung zur Bürgerbefragung ist ganz in unserem Sinne verlaufen. Ich bin aus der Schusslinie, weil jetzt alle Bürger wissen, dass ich für sie da bin – und was gut ist für mich, ist gut für uns alle, also die für mich sind – wie ihre alle wisst.

Der M.K. hat die Feigenblatt-Funktion gut erfüllt. Der Grünschnabel hat noch nicht kapiert, dass er sich in unserem Sinne verhalten hat. J.D.: Weiter so. Damit hat jeder kapiert, dass die Christlichen die einzige basisdemokratische Partei sind. Du, mein lieber J.D., bist die Basis und ich die Demokratie und der Rest ist die Partei.

W.G., ich bin zufrieden mit Dir. Mach weiter so, uns Respekt zu verschaffen, ist schließlich die Basis für alles. Herzlichen Dank dafür.

R.L.: Dass Du mir noch was schuldest, spielt keine Rolle. Mach einfach weiter. Steter Tropfen höhlt den Stein. Das weist Du selbst am Besten.

Stolz bin ich auf unsere drei Fraue, die halten schön den Mund und folgen auf mein Wort. Wobei: die Ines sieht in letzter Zeit ein wenig blass aus. F.H. ist da alles in Ordnung? Die wird uns doch nicht nervös werden?

Leider ist uns die A.G. ausgefallen – die isst einfach zu wenig. Kein Wunder, bei dem, was der Schmierfink ihr zumutet, kann einem schon der Appetit vergehen.

Für ein einig Pfenningheim

Ihr Bürgermeister K.

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