Donnerstag, 21. November 2019

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit – der Fall Kachelmann ist beispielhaft fĂŒr den „Fall“ des Mannheimer Morgens


Journalistisch nur verloren und nichts gewonnen hat vor allem der MM. Quelle: MM

Mannheim/Rhein-Neckar/Deutschland, 31. Mai 2011 (red) ÃƓberall in Deutschland wurde gestern schon ĂŒber den Freispruch von Jörg Kachelmann berichtet. Der Prozess um eine mutmaßliche Vergewaltigung hat seit gut einem Jahr deutschlandweit Schlagzeilen gemacht. Bunte, Focus, Bild und Spiegel haben die Berichterstattung „vorangetrieben“. Ein wenig auch die Agenturen. Mit Sicherheit auch „das Internet“. Keine Rolle hingegen spielte der Mannheimer Morgen.

Von Hardy Prothmann

Um eines klipp und klar festzustellen: Die meisten großen Medien haben im „Fall Kachelmann“ nicht nur versagt, sondern deutlich gemacht, wie erbĂ€rmlich es um den „Journalismus“ in Deutschland bestellt ist. Allen voran Alice Schwarzer, die sich fĂŒr sich fĂŒr Bild ins Zeug gelegt hat und Gisela Friedrichsen fĂŒr den Spiegel.

SchlĂŒpfriger Journalismus

Scheckbuch-Journalismus Ã¥ la Bunte, 50.000 Euro fĂŒr ein Interview mit einer Ex-Geliebten, die schlĂŒpfrige Details erzĂ€hlt, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Prozess an sich zu tun haben, ist nur Blick in den pornografischen Abgrund des „Unterhaltungsjournalismus“ gewesen.

Bis heute fehlt eine Distanzierung durch den „allseits geachteten“ Dr. Hubert Burda ĂŒber die Verfehlungen in und durch seine Medien in diesem „spektakulĂ€ren“ Prozess.

Verlierer-Journalismus

Der Mannheimer Morgen kommentiert heute: „Nur Verlierer.“ Und urteilt wahr und richtig. Der angebliche Vergewaltiger Kachelmann ist ein Verlierer. Das angebliche Vergewaltigungsopfer, eine Radiomoderatorin, ist eine Verliererin. Das Mannheimer Landgericht ist ein Verlierer. Die Staatsanwaltschaft ist eine Verliererin.

Und der Mannheimer Morgen hat auf ganzer Linie versagt und verloren. Der lokale Platzhirsch spielte journalistisch auch nicht den Hauch ein Rolle in diesem Drama. Kennen Sie eine exklusive Meldung der Zeitung in dem Fall? Eine Nachricht von Bedeutung? Die eine Rolle gespielt hÀtte? Die etwas oder jemanden bewegt hÀtte? Nein? Ich auch nicht.

Die PresseerklĂ€rung des Landgerichts beschĂ€ftigt sich fast nur am Rande mit dem Prozess und dem Urteil. Zentraler Inhalt ist ein Frontalangriff auf „die Medien“.

Frontalangriff auf die Medien

Und dieser Angriff aus der Verteidigungsposition heraus ist sogar nachvollziehbar. Die Richter waren in ungekanntem Ausmaß Teil der Berichterstattung. Vor allem negativer. Wie fatal unprofessionell die Richter sich verhalten haben, reflektieren sie dabei nicht. Sonst mĂŒssten sie sich ja nicht in diesem unerwarteten Maß beschweren und rechtfertigen.

Dieser Frontalangriff galt mit Sicherheit nicht dem Mannheimer Morgen. Der hat sich weder durch schlĂŒprige Details noch durch andere Informationen hervorgetan, sondern alle anderen Medien in seinem Vorgarten spielen und eine riesige VerwĂŒstung anrichten lassen.

Journalistischer Ehrgeiz? Kein Funke

Nicht einmal war der Funke eines journalistischen Ehrgeizes erkennbar. Der Wille, mit solider Recherche oder starker Meinung oder Lokalkompetenz so exklusiv und ĂŒberzeugend zu sein, dass andere „genötigt“ werden zu schreiben: „Wie der Mannheimer Morgen berichtet…“

(Falls es doch einmal in einem Jahr gelungen sein sollte, erkenne ich das nach in Kenntnissetzung an und bitte um Hinweis auf Korrektur bevor eine mit Kosten verbundene Abmahnung geschrieben werden sollte.)

Heute morgen werden die Menschen in den Spiegel schauen und sich vielleicht die ein oder andere Frage dabei stellen.

Der Strafverteidiger Johann Schwenn wird vermutlich denken: Guter Job!

Jörg Kachelmann wird denken: Nein, danke.

Alice Schwarzer wird denken: Doch!

Gisela Friedrichsen wird denken: Wie ungerecht!

Die Radiomoderatorin wird denken: (Nicht-öffentlich)

Stefan Eisner (unbekannter MM-Redakteur, der den Kommentar geschrieben hat.) denkt: Nur Verlierer.

Horst Roth, der MM-Chefredakteur wird denken…

Keine Ahnung, was Herr Roth denkt.

Vermutlich denkt er. Irgendwas. Dass er auch nur im Ansatz darĂŒber nachgedacht hat, wie man diesen Prozess journalistisch „top“ begleitet, darf man getrost in Frage stellen. Und wenn das so gewesen sein sollte, war er leider nicht erfolgreich.

Lordsiegelbewahrer der gepflegten Bratwurstberichterstattung

Herr Roth darf sich gerne aber als „Lordsiegelbewahrer“ fĂŒhlen, denn er fĂŒhrt eine lange Tradition fort. Ob „Königsmord der SPD„, Peter Graf-Prozess, Flowtex-Skandal, aktuell Bilfinger & Berger und die Nigeria-Connection – seit nunmehr fast 15 Jahren ist der Mannheimer Morgen kaum mehr in der Lage, eine „Nachrichtenquelle“ fĂŒr andere Medien zu sein.

Terminberichterstattung, Fasnacht, Vereine, Bratwurstjournalismus und „deshĂ€mmerschunimmersogemacht“ bestimmen die journalistische Minderleistung dieser ehemals geachteten Zeitung.

Dabei ist Mannheim ein deutsche Metropole. Eine Top-Stadt, in der „was geht“ – immer wieder. Mit 300.000 Einwohnern ist die Stadt nicht sehr groß, aber sie hat großes Potenzial. Politisch, kulturell, wirtschaftlich und sportlich.

Der Mannheimer Morgen bildet das leider so gut wir gar nicht ab. Er bedient die lokalen Zirkel und vor allem seinen Terminkalender, schaut dabei hilflos der sinkenden Auflage zu und feiert sich selbst dafĂŒr… WofĂŒr? Vermutlich, dass es ihn ĂŒberhaupt noch gibt.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit ist kaum an einer anderen Zeitung so „dokumentierbar“ wie am Mannheimer Morgen.

 

Gabis Kolumne

Auch Klatsch braucht bestimmte Regeln

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Guten Tag!

31. Januar 2011. Warum lieben Frauen Klatsch? Und lieben ihn MĂ€nner nicht auch? Auf alle FĂ€lle muss man bestimmte Regeln beachten, denn sonst macht das alles keinen Spaß.

Wenn ich mit meinen Freundinnen zusammensitze, gibt es nichts Schöneres als sich die neuesten Tratschgeschichten zu erzĂ€hlen: „Hast du schön gehörtñ€©“, wird da bedeutungsschwanger angekĂŒndigt. „Nein, das glaube ich nicht“, lustvoll geantwortet.

Uns blanke Böswilligkeit zu unterstellen, an dieser Stelle, wĂ€re grundlegend falsch. Es ist eher, dass wir mitfĂŒhlen, mitleiden und uns fĂŒr einen kurzen Augenblick von den kleinen und großen Katastrophen unseres eigenen Lebens ablenken wollen.

Klatschgeschichten lesen wir nur im Wartezimmer

Warum lesen Frauen so gerne Bunte und Gala – natĂŒrlich nur im Wartezimmer des Arztes – oder durchblĂ€ttern die Yellow Press klammheimlich am Zeitschriftenstand im Supermarkt.

Interessiert es uns wirklich, ob Angelina Jolie und Brad Pitt ein weiteres Kind zeugen oder der schöne George Clooney jetzt doch seine Elisabetta heiratet?

Klatsch und Tratsch - hier in der Bunten. Quelle: Bunte.de

Oder ist es einfach die Erleichterung, dass auch in der Welt der Schönen und Reichen immer mal wieder, wenn nicht sogar hÀufiger, der Haussegen schief hÀngt?

Das wird sich verliebt, geheiratet, Kinder gekriegt, man lÀsst sich scheiden, sie werden krank und irgendwann stirbt jemand. Also ganz so wie im normalen Leben, aber bitte in Haute Couture.

Ich gestehe freiwillig, dass ich bei der ÃƓbertragung der Trauerfeier nach dem Tod von Lady Diana, als Elton Johns Lied „Like a candle in the wind“ in der Westminster Abbey erklang, heulend vorm Fernsehen saß.

Und ehrlich, ich verpasse ungern Royal Weddings, freue mich ĂŒber die schönen Kleider und liebe die Geschichten, die von den Adelsspezialisten dazu erzĂ€hlt werden.

Aber dabei bin ich wĂ€hlerisch, weder interessiert mich der Kummer von Uschi Glas oder Hansi Hinterseher, noch die Hochzeit von Prinz zu Schaumburg-Lippe. Wenn schon Glamour, dann richtig, also die A-Liga. Die großen Namen in Hollywood und der Hochadel.

Menschen bei denen alles „Bestens lĂ€uft“

Doch kommen wir wieder zurĂŒck zu dem Tratsch des Alltags, also zu den Dramen, die sich in nĂ€chster NĂ€he also im Freundes- und Bekanntenkreis abspielen. Besonders beliebt sind dabei Geschichten von Menschen bei denen eigentlich immer alles „Bestens lĂ€uft“.

In der Ehe gibt es keine Probleme, das Konto ist immer gut gefĂŒllt, das Haus gestylt, die Urlaube aufregend und die Kinder sind 1A. Sie sind super in der Schule, dabei sozial, haben viele Freunde, sind höflich, fleißig, also genau das, was man zum Vorzeigen braucht.

Der Ehemann ist aufmerksam und liebvoll. Bringt Blumen und kleine ÃƓberraschungen, vergisst keinen Hochzeitstag, kĂŒmmert sich um den Haushalt und sein einziges Interesse besteht darin, dass es dem angetrauten Weib und dem Nachwuchs gut geht.

Sie sagen, das alles kann es nicht geben.

Stimmt. Und deswegen freuen wir uns, wenn eine solche Hochglanzfassade Risse bekommt. Vielleicht ein kleiner Seitensprung, ein Kind bleibt sitzen oder fliegt von der Schule, die GeschÀfte laufen mal etwas schlechter.

Das sind dann die Momente, in denen man etwas schadenfroh, zugegebener Maßen, seiner Freundin zuraunt: „Hast du schon gehört, da ist auch nicht alles so perfekt, wie es nach außen ausschaut.“

FĂŒr kurze Zeit vergessen wir, dass wir selbst zum Hochzeitstag keine Blumen bekommen haben. Dass unsere Kinder schon kurz vorm Schulverweis standen und das Konto leider vollkommen ĂŒberzogen ist.

Es ist wichtig, bestimmte Regeln zu beachten!

Damit Tratsch und Klatsch Spaß macht, muss man aber bestimmte Regeln beachten: Erstens tratsche niemals ĂŒber die beste Freundin, nur weil ihr gerade Streit hattet. Das kann ĂŒble Folgen haben. Zweitens Geschichten, die man im Vertrauen erzĂ€hlt bekommen hat und drittens ernsthafte Krankheiten – das alles gehört eindeutig nicht an den Kaffeetisch.

Und wie schaut es bei den Herren aus? Mein Mann wĂŒrde jetzt sicherlich behaupten, er habe Wichtigeres zu tun als mit seinen Freunden zu tratschen. Da informiert man sich eher und wenn es ihn dann doch mal nach diesen Niederungen des menschlichen Seins gelĂŒstet, naja, dafĂŒr hat er ja mich und dann fragt er schon mal, wenn ich von einem Frauenabend nach Hause komme: „Na, erzĂ€hl’ doch, was gibt’s Neues bei deinen MĂ€dels?“

Und ich sehe die EnttĂ€uschung in seinem Gesicht, wenn ich antworte: „Du alles Bestens, es gibt keine Neuigkeiten.“

Und das ist die vierte Regel: ErzÀhle deinem Mann niemals Geschichten, die unter Frauen bleiben sollten. Denn zum einen will er die Probleme dann lösen und zum anderen versteht er die Regeln nicht.

gabi