Samstag, 27. Februar 2021

Blogger decken WahlfĂ€lschung in Bruchsal auf – Anklage erhoben

Guten Tag!

Heddesheim, 10. Dezember 2009. Wer als CDU, FDP oder SPD-Mitglied die „Heddesheimer VerhĂ€ltnisse“ nicht mehr versteht – sollte sich informieren, was in Bruchsal los ist. Dort hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen WahlfĂ€lschung in zwei FĂ€llen gegen ein Mitglied der CDU-Liste erhoben. Aufgedeckt und journalistisch vorangetrieben hatte den Fall ein „blog“: bruchsal.org.

Von Hardy Prothmann

Hinter „bruchsal.org“ stehen BĂŒrger der Gemeinde, die den Verfilzungen in der Stadt nicht lĂ€nger tatenlos zusehen wollten. Aus zwei Blogs machten die Betreiber eines und berichten seit September informativ und hintergrĂŒndig ĂŒber das „Treiben“ in der Kommune.

bruchsalorg

"BĂŒrger-Journalisten" landen einen "Scoop". Quelle: bruchsal.org

Der Redaktion des heddesheimblogs war „bruchsal.org“ durch die besondere Machart im September bereits aufgefallen – seitdem stehen die Redaktionen locker im Kontakt. Weil die Macher von bruchsal.org keine professionellen Journalisten sind, haben Sie sich Rat beim heddesheimblog geholt.

Den hat die Redaktion gerne gegeben, weil sie der ÃƓberzeugung ist, dass nur eine transparente Gesellschaft eine echte Demokratie hervorbringt und festigt. Die „Presse“ wird deshalb oft als „vierte Gewalt“ im Staat bezeichnet. Das ist sie nicht. Das Gewaltmonopol auf rechtsstaatlicher Basis hat der Staat und das soll auch so bleiben.

Journalisten können aber Dinge öffentlich machen, die dem Rechtsstaat vielleicht zunĂ€chst verborgen bleiben. Und sie können mit hartnĂ€ckiger Recherche Fakten sammeln, die sonst niemand so zusammenfĂŒgen wĂŒrde.

Den Bruchsaler „WahlfĂ€lscher-Fall“ wĂŒrde jede „echte“ Redaktion, sprich der alten Medien, als „journalistischen Scoop“ feiern. Ein GlanzstĂŒck also, das zeigt, wie gut die eigene journalistische Leistung ist.

Begonnen hat die „Story“ fĂŒr bruchsal.org mit einem anonymen Brief und dann der beharrlichen Recherchearbeit der „Blogger“, darunter ein Rechtsanwalt. Die wollten wissen, was dran ist an dem Vorwurf, dass ein Gemeinderat der CDU-Liste eventuell WahlfĂ€lschung betrieben hat. Deren Arbeit hat sicherlich auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe befördert, die nun den Fall zur Anklage gebracht hat.

So viel muss auch gesagt sein: Im Zweifel fĂŒr den Angeklagten. Noch ist der Mann nicht schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft ist andererseits von der Schwere und der Bedeutung des Falls so ĂŒberzeugt, dass sie die Klage gleich beim Landgericht eingereicht hat.

So viel ist heute schon sicher: Man wird aus Bruchsal noch mehr zum „WahlfĂ€lscher-Prozess“ hören und „bruchsal.org“ wird ein lokales blog bleiben, aber eines, dass bundesweit Beachtung finden wird.

Und das ist gut so, weil die „traditionellen“ Medien, in diesem Fall die Badischen Neusten Nachrichten, journalistisch enttĂ€uschend berichteten.