Dienstag, 16. Juli 2019

Eine Woche Pause beim Heddesheimblog und der MM dreht voll auf

Bratwurstjournalismus f√ľr alle

weisswuerste

Top-Journalismus vom Mannheimer Morgen f√ľr Top-informierte B√ľrger/innen. Lesen Sie unbedingt den ganzen Artikel – einfach auf die Grafik klicken.

Wie aus dem Heddesheimblog ein Netzwerk geworden ist

Mit einer Recherche hat alles angefangen…

Das war das "erste" Heddesheimblog - als Unterseite von blogger.de

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 07. Mai 2012. (red) Vor drei Jahren ist das Heddesheimblog.de gestartet. Zun√§chst als privates Blog, auf dem der Journalist Hardy Prothmann als B√ľrger seine Gedanken und Recherchen wegen einer umstrittenen Logistik-Ansiedlung ver√∂ffentlicht hat. Das Heddesheimblog hat sich in der Branche schnell einen Namen gemacht – als Zukunftsmodell f√ľr einen modernen Lokaljournalismus. Mittlerweile ist daraus ein Blog-Netzwerk geworden – nicht nur in Nordbaden.

Von Hardy Prothmann

Im Fr√ľhjahr 2009 war aus Sicht des Mannheimer Morgens die Welt mehr als in Ordnung. Das Viernheimer Logistik-Unternehmen „Pfenning“ plante eine angebliche 100-Millionen-Euro-Investition in dem beschaulichen Dorf. Bis zu 1.000 Arbeitspl√§tze, Gewerbesteuer in H√ľlle und F√ľlle, ein gl√ľcklicher B√ľrgermeister – die (bis dato nicht gef√§hrdete) Zukunft des Dorfes ist gerettet. So die Botschaft der Zeitung.

Schlechter Zeitungsjournalismus als Anlass

Mir ist selten eine so unkritische Hofberichterstattung untergekommen. Kritische Fragen? Recherchen? Nichts davon war bei dieser Jubelberichterstattung zu erkennen, geschweige denn zu erahnen.

Auch die ARD ist bereits auf das Heddesheimblog aufmerksam geworden. (Klick auf das Bild f√ľhrt zum Artikel)

Weil ich als B√ľrger in Heddesheim selbst vom starken Verkehrsaufkommen betroffen war, fing ich an, ein wenig zu recherchieren. Als erstes im Archiv des Mannheimer Morgens – so wie eigentlich ein Redakteur der Zeitung eine Recherche beginnen sollte. Und ich wurde f√ľndig: Rund drei Dutzend Artikel gab das Online-Archiv her. Alle negativ √ľber dieses „Familienunternehmen Pfenning“, das ohne jeden Bezug zu den kritischen Berichten als „Heilsbringer“ f√ľr Heddesheim gefeiert wurde.

Wohin mit meinen Recherchen? Dem Mannheimer Morgen als „Thema“ anbieten? Sicher nicht. Ich habe meine Texte zun√§chst bei blogger.de (siehe Foto oben) eingestellt. Der erste Text erschien am 28. Aprl 2009: „Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim?“ Und ist nach wie vor sehr lesenswert.

Großes Interesse Рwachsende Zugriffszahlen

Die Zugriffszahlen gingen binnen weniger Tagen so schnell nach oben, dass die Seite oft nicht erreichbar war. Ich mietete deswegen eigenen Speicherplatz und veröffentlichte auch andere lokale Nachrichten.

Auch das fand Interesse und Anklag und nach wenigen Wochen reifte die Idee, ob es nicht m√∂glich w√§re, eine eigene Lokalzeitung im Internet zu gr√ľnden. Ich hatte schon von √§hnlichen Projekten geh√∂rt, aber das waren oft nur „Versuche“.

Ich versuchte mit. Die erste Erfahrung war: „Mein“ Journalismus war in der nordbadischen Provinz eine Zumutung. Es enstanden schnell zwei Lager: Die einen jubelten, die anderen kotzten. Auch, weil ich kurz nach dem Start vom Heddesheimblog in den Heddesheimer Gemeinderat gew√§hlt worden war – diese Funktion habe ich nach einem Umzug nach Mannheim aufgeben m√ľssen.

Auch wir sind Gegenstand von Berichterstattung - gut 300 Berichte wurden √ľber das Konzept und die Macher vom Heddesheimblog bereits verfasst.

Kritische Nachfragen? Meinungsstarke Kommentare? Investigative Recherchen? Das war man im Verbreitungsgebiet der Monopolzeitung Mannheimer Morgen nicht gewohnt. Die Zugriffszahlen stiegen rasant und auch bundesweit wurde das Heddesheimblog in der Journalistenbranche ein Begriff. „Was macht der Prothmann da?“, wurde gefragt. Ist das ein Ego-Projekt eines bei√üw√ľtigen Journalisten oder vielleicht ein Zukunftsprojekt f√ľr einen neuen Lokaljournalismus?

Zahlreiche Branchenberichte

Ende 2009 w√§hlte mich eine Jury in der Kategorie „Regionales“ auf Platz 3 unter die 100 Journalisten des Jahres 2009. Seit dem Start des Heddesheimblogs wurde ich als Redner, Seminarleiter oder Podiumsteilnehmer engagiert. Bei der Initiative Tageszeitung, dem Deutschen Journalistenverband, dem Bayerichen Journalistenverband, auf Kongresse, an Hochschulen, zu Unternehmer-Workshops.

Mittlerweile gibt es Dutzende von journalisten Studien- und Masterarbeiten, die das Heddesheimblog und andere lokale Internetmedien zum Thema gemacht haben und rund 300 Presse-Ver√∂ffentlichungen mit Bezug auf diese Form von Lokaljournalismus. Spiegel Online, FAZ, S√ľddeutsche, taz, Welt, ARD, NDR, Tagesspiegel, Berliner Zeitung – die Liste der „bekannten“ Medien, die √ľber den Journalismus in der Provinz geschrieben haben, ist lang. Auch bei den Nachdenkseiten oder fefes Blog ist das Heddesheimblog Thema.

Oder das Prinzip. Das Heddesheimblog ist l√§ngst √ľber den Ort hinausgegangen. Ende 2009 kam das Hirschbergblog.de dazu, Anfang 2010 das Ladenburgblog.de, Ende 2010 das Weinheimblog.de, Anfang 2011 das Rheinneckarblog.de, das Viernheimblog.de und seit Anfang 2012 sechs weitere Gemeinden des Wahlkreises Weinheim.

Netzwerk weitet sich aus: istlokal

Mit dem Unternehmer Peter Posztos habe ich im Herbst 2011 die Firma Istlokal Medienservie UG gegr√ľndet, weil wir unsere Erfahrungen auch anderne zur Verf√ľgung stellen wollen. Peter Posztos macht die Tegernseer Stimme, ebenfalls eine lokale Zeitung im Internet. Seit Anfang 2012 vermarkten wir unser Produkt Istlokal OS und haben schnell neue Partner gefunden – beispielsweise in Bretten, Schweinfurt oder Weiterstadt.

Dar√ľber hinaus gibt es ein Netzwerk von weiteren lokal arbeitenden Journalisten, wie Stefan Aigner in Regensburg oder Hubert Denk in Passau. Auch Philipp Schw√∂rbel in Berlin hat mit seinen Prenzlauer Berg Nachrichten schon viel Aufmerksamkeit erlangt.

Immer mehr Lokaljournalisten gr√ľnden Blogs und nutzen beispielsweise wie wir die Istlokal OS-Software.

 

Uns alle vereint, dass wir guten, seri√∂sen und vor allem kritischen Journalismus anbieten wollen. Einen Journalismus, der sich traut, Fragen zu stellen und nicht nur vorgefertigte Informationen zu erhalten. Keine Wohlf√ľhl-Schwurbelei, sondern eine f√ľr die Demokratie herausragende Aufgabe zu erf√ľllen. Meinungen durch Informationen zu erm√∂glichen. Der Artikel 5 unseres Grundgesetzes ist die Gesch√§ftsgrundlage.

Um diese Arbeit zu finanzieren, setzen wir auf Werbeeinnahmen Рwie eh und je bei den Medien. Wir erzeugen Aufmerksamkeit und verkaufen diese. Das ist ein seriöses Geschäft.

Kleines, engagiertes Team

Zur Zeit arbeitet ein festes Team von sieben Mitarbeitern f√ľr die „Rheinneckarblogs“ – dazu weitere freie Journalisten, Kolumnisten und freundschaftlich verbundene Kollegen. Im Vergleich zur Personalausstattung der anderen Medien im Berichtsgebiet sind wir sehr klein aufgestellt – im Vergleich mit anderen setzen wir aber immer wieder Themen, die Thema sind.

Im Herbst 2011 beispielsweise mit der Fischfutter-Aff√§re. Der gr√ľne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian-Str√∂bele hatte uns f√ľr einen Bericht abgemahnt. S√§mtliche Berliner Zeitungen berichteten √ľber den Skandal, viele weitere Zeitungen und auch der NDR. Insgesamt wurde unser Bericht innerhalb weniger Tage gut 140.000 Mal aufgerufen, anfangs st√ľrzte gar der Server wegen der massiven Zugriffe ab.

Zuletzt mahnte uns der Gr√ľnen-Bundespolitiker Hans-Christian Str√∂bele ab - und zog die juristische Attacke wieder zur√ľck. Quelle: Die Welt

 

Die lokalen Zeitungen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung hielten sich „zur√ľck“, denn aus deren Sicht gibt es uns nicht. Die Fischfutter-Aff√§re mitten im Berichtsgebiet? Kein Thema f√ľr die „unabh√§ngigen“ Printjournalisten.

Aus unserer Sicht gibt es die Zeitungen – und vor allem viel schlechten Journalismus. Was wir immer wieder thematisieren, wenn deren gesch√∂nte und klientelabh√§ngige „Berichterstattung“ skandal√∂s wird. So werden umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Berichte ausgegeben oder noch schlimmer – Themen h√§ufig gar nicht berichtet, wenn sie den Zeitungen nicht „passen“. Und das betrifft beim besten Willen nicht nur uns. Was nicht berichtet wird, ist auch nicht passiert.

Juristische Attacken

F√ľr mich pers√∂nlich hat diese Arbeit auch viele Nachteile gebracht. Seit nunmehr 21 Jahren arbeite ich als Journalist, 18 Jahre ohne jegliche juristische Streitigkeiten. In den vergangenen drei Jahren habe ich 11 Abmahnungen erhalten. Einmal habe ich eine Einstweilige Verf√ľgung wegen widriger Umst√§nde „akzeptiert“, einen Vergleich geschlossen, 9 Mal konnte ich die Abmahnung abwehren. Unterm Strich haben diese Prozesse gut 20.000 Euro gekostet, weil man nicht wollte, das publik wird, was √∂ffentlich sein sollte. Und diese Prozesse kosten auch viele Nerven.

Sehr erfreulich ist der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern. Viele unserer Artikel entstehen, weil wir Hinweise bekommen. Beobachtungen, Gedanken, Erfahrungen von Menschen, die sich Anteil haben und nehmen an unserer Gesellschaft und nicht gleichg√ľltig sind. Diesen m√∂chte ich stellvertretend f√ľr das Team danken.

Ebenfalls erfreulich ist die Zusammenarbeit mit vielen Beh√∂rden, die die Meinungsfreiheit hoch achten. Explizit m√∂chte ich die sehr gute Zusammenarbeit mit der Polizei loben und in weiten Teilen auch mit den Feuerwehren. In unserem Berichtsgebiet sind zwei Namen erw√§hnenswert, B√ľrgermeister Manuel Just in Hirschberg und B√ľrgermeister Rainer Ziegler in Ladenburg, die sich kommunikativ sehr hervortun. Auch B√ľrgermeister Lorenz in Dossenheim m√∂chte ich gerne als neuen Kontakt erw√§hnen, der uns beim Antrittsbesuch sehr freundlich empfangen hat. In den anderen Orten beginnen wir die Arbeit erst und die Kontakte stehen noch bevor.

Den Heddesheimer B√ľrgermeister Micheal Kessler muss ich leider nach wie vor als ausgewiesenen Feind der Pressefreiheit besonders hervorheben. Sein Amtsverst√§ndnis kommt in diesem Bericht sehr eindeutig zur Sprache: „Ich bin die Gemeinde.“

Unabhängige Berichterstattung

Wie unabh√§ngig wir tats√§chlich arbeiten, erkennt jeder, der unsere Berichterstattung verfolgt. Wir kritisieren „Gr√ľne“ ebenso wie „Schwarze“, scheuen uns nicht vor „Rot“ oder „Geld“ oder „Orange“.¬† Aber auch hier bieten wir Meinungen an: Ganz verallgemeinernd stellen wir fest, dass die CDU, die SPD und die FDP in der Region unserer Berichterstattung nicht wohlgesonnen sind.

Explizit die Ladenburger und Weinheimer CDU m√∂chten wir lobend ausnehmen – nicht weil diese mit unser Berichterstattung „zufrieden“ sind, sondern weil sie gespr√§chsbereit sind. In Hirschberg explizit die Freien W√§hler und in Weinheim explizit Herrn Carsten Labudda (Die Linke) und Weinheim Plus. Die genannten Personen und Parteien suchen den Ausstausch und die Kritik – was gut ist. Explizit muss auch der Gr√ľne Landtagsabgeordnete Uli Sckerl erw√§hnt werden – trotz kontr√§rer Meinungen haben er und seine Mannschaft sich immer korrekt auf unsere journalistischen Anfragen hin verhalten.

Mit Recherchen zum Logistik-Zentrum "Pfenning" hat das Heddesheimblog angefangen - unsere Berichte konnten den Bau des Klotzes nicht verhindern, aber zur Aufklärung beitragen. "Das hab ich nicht gewusst", kann keiner mehr sagen.

 

Unentschieden ist noch das Verh√§ltnis zum Landratsamt. Nachdem wir dem stellvertretenden Landrat (Jurist) erst unter Verweis auf ein Bundesverfassungsgerichtsurteil klar machen konnten, dass wir „Presse“ sind, gibt es mittlerweile mit Stefan Dallinger (CDU) einen neuen, sehr kommunikativen (und fraktions√ľbergreifend gelobten) Landrat, der sich aber unser Ansicht nach noch ein wenig scheut, aktiv √ľber unsere Blogs mehr in Kontakt mit der Bev√∂lkerung zu treten. Wir werden herausfinden, wie es wirklich ist.

Der Kontakt zum Mannheimer Oberb√ľrgermeister Dr. Peter Kurz basiert auf einer gemeinsamen Vergangenheit – als freier Mitarbeiter f√ľr den Mannheimer Morgen habe ich den damaligen Stadtrat als sehr engagierte Pers√∂nlichkeit kennengelernt und ihn vor seiner Wahl zum OB portr√§tiert. Zuletzt hat sich dessen Engagement bei der Gegendemo zum NPD-Aufmarsch best√§tigt (Hierzu unsere Reportage auf dem Rheinneckarblog: „Warten auf den rechten P√∂bel„). Zu seinem Kollegen W√ľrzner in Heidelberg besteht noch kein pers√∂nlicher Kontakt, aber das wird sich √§ndern.

Vernetzter Journalismus vor Ort

Die miteinander vernetztenden Ortsblogs haben ein Konzept: Wir ver√∂ffentlichen Nachrichten, die f√ľr die Menschen vor Ort wichtig sind. Und wir zeigen auf, wie die Gemeinden miteinander vernetzt sind – auf vielf√§ltige Weise. Ob zu Verkehrs- oder Umweltschutzthemen, gemeinsamen Verb√§nden und Vertr√§gen – unsere Gemeinden im Berichtsgebiet sind vielf√§ltig verbunden, ebenso die Leserinnen und Leser.

Vielleicht vermisst man die ein oder andere Nachricht – da bitten wir um Nachsicht. Unsere Redaktion arbeitet sehr engagiert und wir m√ľssen manchmal den Mut zur L√ľcke haben, weil wir (noch) nicht jeden Termin besetzen k√∂nnen.

Sicher ist es auch Zeit, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren. √úberbordende Berichte in den Zeitungen √ľber Vereinsfeste haben Bed√ľrfnisse geweckt, die fraglich sind. Was ist die Nachricht? „F√ľrs leibliche Wohl wurde gesorgt?“ Meinetwegen: Der Satz erz√§hlt die gesamte Geschichte. Es gab zu Essen und zu Trinken. Und wenn das nicht reicht, ruft man auch h√∂hrere Instanzen dazu: „Der Wettergott war den G√§sten gn√§dig, der k√ľhle Gerstensaft flo√ü in Str√∂men und die Luft war erf√ľllt vom Duft leckerer Bratw√ľrste“.

Gegen die Bratwurst-Berichterstattung

Das ist fettigster Bratwurst-„Journalismus“ und hat mit Journalismus nichts zu tun. Ganz klar ist es wichtig und richtig √ľber Feste zu berichten. Wir machen das auch – bei Vereinsfesten oft nur mit kurzen Texten (Ein Fest hat stattgefunden), daf√ľr aber mit vielen Fotos. Die erz√§hlen die Geschichte besser als zusammengeschwurbelte Nonsens-„Berichte“.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, k√∂nnen aktiv daran teilhaben, das „Produkt“ Journalismus zu bewerten. Bringen Sie sich ein – schreiben Sie uns und anderen, was gef√§llt und was nicht. Journalismus muss man nicht hinnehmen, man kann seit dem Internet daran teilhaben. Sie k√∂nnen Kommentare schreiben und viel einfacher als fr√ľher die Redaktion direkt erreichen, sich mit Hinweisen, Vorschl√§gen und Kritik einbringen. Jedenfalls bei uns.

Wir freuen uns √ľber die Beliebtheit unserer Montagskolumnen, der ausgew√§hlten Tipps & Termine und der regen Teilnahme √ľber Kommentare auf den Blogs oder bei unseren Facebook-Seiten.

Herzlichen Dank an die Leser und Kunden

Nach drei Jahren Heddesheimblog & Co, m√∂chte ich Ihnen sehr herzlich genau daf√ľr danken. F√ľr Unterst√ľtzung und Kritik – beides gab es zuhauf.

Hardy Prothmann ist seit 21 Jahren als Journalist tätig und seit drei Jahren als "Blogger".

F√ľr die Zukunft w√ľnsche ich mir noch mehr kritische Anteilnahme, weil wir alle gemeinsam mit unserem Interesse f√ľr etwas einstehen, was ein absolutes Privileg ist: Freiheit, vor allem Meinungsfreiheit. Ohne diese ist Demokratie nicht m√∂glich. Da ich viel im Ausland gelebt habe und auch von dort berichtet, wei√ü ich unser freiheitliche Grundordnung uneres Heimatlandes sehr zu sch√§tzen.

Deswegen freue ich mich mit Ihnen und dem Team, wenn Sie uns weiter gewogen bleiben, uns mit Interesse und Informationen unterst√ľtzen. Den anderen „Heddesheimblogs“, egal, ob am Tegernsee, im Prenzlauer Berg, in Regensburg, in Weiterstadt oder Bretten oder Schweinfurt oder in vielen anderen Orten w√ľnschen wir viel Erfolg, immer den richtigen journalistischen Riecher und einen erfolgreichen Aufbau ihrer Angebote.

In diesem Sinne m√∂chte ich mich bei allen Mitwirkenden bedanken, selbstverst√§ndlich sehr besonders bei meiner Frau und der Familie, f√ľr das Engagement, das Verst√§ndnis, das Interesse und die aktive Teilnahme.

Im ersten Interview zum „Heddesheimblog“ hat mich der Kollege Thomas Mrazek gefragt, warum ich das mache, was meine Motivation ist?

Meine Antwort: Ich habe den Spaß meines Lebens.

Das gilt bis heute.

Herzlichst Ihr

Hardy Prothmann

Zeitungskrise: Mehr, mehr, mehr… was eigentlich?

Guten Tag!

Heddesheim, 28. Oktober 2010. Die Tageszeitungen stecken seit gut zehn Jahren in der Krise – j√§hrlich verlieren sie an Auflage, Abonnenten und am schmerzhaftesten, an Werbung. „Treue Leser“ sterben weg, die Jugend darf getrost als „verloren f√ľr die Zeitung“ gelten. Und immer mehr Werbekunden fragen sich, warum sie teure Werbung in einer Zeitung schalten sollen? Die regionale Monopolzeitung Mannheimer Morgen startet jetzt eine Kampagne „Erkennen und gewinnen“. Wer mitmacht, kann „eine Digitalkamera und vier digitale Bilderrahmen“ gewinnen. Die √§rmlichen Preise beschreiben die armselige Position einer ehemals geachteten Zeitung.

Von Hardy Prothmann

Der Mannheimer Morgen versucht ab der kommenden Woche so etwas wie eine „Innovation„. Tats√§chlich handelt es sich um eine Bankrott-Erkl√§rung, die viel mit dem zu tun hat, was ich tue.

Wer √ľber die aktuelle Berichterstattung unserer Blogs hinausblickt, wei√ü, dass ich sehr aktiv die Entwicklung der Medien in Deutschland begleite. Das ist nicht weiter verwunderlich: Von 1994-2006 habe ich als freier Journalist sehr intensiv √ľber Medien berichtet.

Als Redakteur der Fachzeitschrift CUT (1997-2004), einem Blatt f√ľr Radio- und Fernsehmacher und von 1994-2006 f√ľr die gr√∂√üte unabh√§ngige Medienfachzeitschrift in Deutschland, das MediumMagazin. Dar√ľber hinaus habe ich f√ľr verschiedene Medienressorts geschrieben, darunter „BR-Medienmagazin“, „Die Zeit“, „taz“, „Tagesspiegel“, „epd medien“, „Rheinischer Merkur“ und andere.

Medienkompetenz.

Ich habe „unz√§hlige“ Portr√§ts √ľber Chefredakteure, Programmmacher, Intendanten, herausragende Journalisten geschrieben und √ľber den Wandel des Berufs im Zuge der Digitalisierung. √ÉŇďber L√ľgen und Wahrheit, √ľber Produktionsbedingungen, wirtschaftliche Zw√§nge, Einfl√ľsse der Politik, √ľber Pressefreiheit und vieles mehr.

Mit einem Wort: Ich kenne mich mit Medien einigermaßen aus. Mit Zeitungen, mit Magazinen, mit Fachzeitschriften, mit Radio, Fernsehen und dem Internet.

In den 90-er Jahren galten die Medien als attraktives Berufsfeld – gro√ü waren die Karrierechancen, die Ums√§tze, die Hoffnungen. Mit dem Platzen der B√∂rsenblase um die Jahrtausendwende und vor allem mit dem Internet und einer hoffnungslosen Arroganz der „etablierten“ Medien gegen√ľber dieser neuen Technik hat es zun√§chst einen bedeutenden Aufschwung gegeben und dann einen rabiaten Abschwung.

Seit 2001 verlieren vor allem die Tageszeitungen im Trend j√§hrlich gut zwei bis drei Prozent an Lesern und rund vier Prozent an Umsatz – es gibt auch viele Beispiele, wo die Verluste noch dramatischer sind. Die Jugend darf insgesamt f√ľr die Zeitungen als vollst√§ndig verloren gelten.

F√ľr mich als freier Journalist, der gut 70 Prozent seines Umsatzes mit Zeitungen machte, war und ist dies eine bedrohliche Situation. Auch wenn ich mich in der Nische „investigative Recherche“, „Portr√§t“ und „Reportage“ ganz gut behaupten konnte.

Seit Mai 2009 mache ich fast √ľberwiegend nur noch Journalismus f√ľr das Internet – angefangen mit dem heddesheimblog, dann dem hirschbergblog (das gerade bundesweit beachtet wurde) und dem ladenburgblog. Im November kommt das weinheimblog als viertes Angebot eines so genannten „hyperlokalen“ Journalismus hinzu.

Das Konzept, das ich verfolge, ist einfach und kein Geheimnis: Die lokale Nachricht ist die weltweit vor Ort „exklusivste“ Information, die es gibt. Und darauf setze ich.

Lokaler Journalismus hei√üt, nah an den LeserInnen, an den Menschen dran zu sein. Den Menschen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, die man aktuell f√ľr was auch immer kritisiert oder gelobt hat. Und sich nicht von den positiven oder negativen oder keinen Reaktionen beeinflussen zu lassen, sondern ganz klar zu wissen, dass man das Zeitgeschehen verfolgt, recherchiert, einordnet und kommentiert.

Herausforderung.

Journalismus ist f√ľr mich nach wie vor der absolute Traumberuf – es gibt keinen anderen „Job“, der so vielf√§ltig und so herausfordernd ist. Wenn man ihn denn ernst nimmt und sich der Vielfalt und den Herausforderungen stellt.

Leider sinken auch mit den Verlusten der Branche die Anspr√ľche. Die lokaljournalistische Realit√§t ist vielerorten dramatisch. Belanglose, schlecht recherchierte, liebedienerische und im besten Fall belanglose Artikel sind das Ergebnis.

Ich habe daf√ľr den mittlerweile branchenintern bekannten Begriff „Bratwurstjournalismus“ gepr√§gt: „Der Wettergott war den G√§sten gn√§dig, die Luft vom Duft leckerer Bratw√ľrste erf√ľllt, der k√ľhle Gerstensaft floss in Str√∂men“ – diese und andere bl√∂de Formulierungen f√ľllen jeden Tag die Lokalseiten. Sehr beliebt sind auch Floskeln wie „dankbar, lobte, stellte heraus, hob hervor“. Tipp: √ÉŇďberfliegen Sie ausnahmsweise nicht Ihre Tageszeitung, sondern lesen Sie genau – das Grausen wird Sie packen.

Kampagne.

Aktuell startet der Mannheimer Morgen eine Kampagne und verspricht „Mehr Seiten, mehr Bilder, mehr Lokales“.

Dar√ľber freue ich mich – weil ich das als Anerkennung meiner Arbeit verstehe, der ich gegen viele politische, wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Widerst√§nde nachgehe.

Bei dieser Arbeit werde ich von einer (noch) √ľberschaubaren Zahl von freien Mitarbeitern unterst√ľtzt, die mit viel Energie und Herzblut und √ÉŇďberzeugung an der Idee eines unabh√§ngingen Journalismus mitwirken, wof√ľr ich jedem danke (die Mitarbeiter wissen, wer gemeint ist).

Dazu kommen wirklich sehr viele B√ľrgerInnen, die mit „ihrer“ Zeitung nicht mehr zufrieden sind und die die Arbeit unserer Redaktion ganz enorm unterst√ľtzen. Sie wollen keine gesch√∂nten, einseitigen Berichte mehr, sondern eine unabh√§ngige, engagierte Berichterstattung, wie wir sie liefern.

Als gro√üer Verlag f√ľhrt der MM sein Selbstbewu√ütsein ins Feld: „Mehr“. Die Zeitung k√ľndigt „mehr“ an und wir sind gespannt, was das sein soll. Noch mehr Bratwurstjournalismus? Noch mehr nichtssagende, langweilige, inhaltsleere Artikel?

Was ist mehr?

Dem sehen wir getrost entgegen – gleichzeitig erkennen wir an, dass die „gro√üe Tageszeitung“ offensichtlich nerv√∂s reagiert und versucht, ihre schwindende Bedeutung mit dem Lockangebot „einer digitalen Kamera und vier digitalen Bilderrahmen“ zu bewerben.

Da gab es schon bessere Angebote – und wenn das nur ein analoger Toaster oder eine analoge Kaffeemaschine war. Der MM ist derart bl√∂d, dass er gar nicht merkt, wie absurd es ist, mit digitalen Gewinnen f√ľr die analoge Zeitung zu werben.

Ich finde das sehr bedauerlich, weil ich meine erste Zeit als junger Journalist von 1991-1994 genau bei dieser Zeitung verbracht habe. Ich hatte damals das Gef√ľhl, dass Journalismus noch etwas wert war f√ľr diese Zeitung.

Miserable Zustände.

Bis heute sch√§tze ich gewisse Kollegen und halte die Zeitung nicht insgesamt f√ľr schlecht. Eine √ľberwiegend miserable journalistische Arbeit wird aber vor allem in den „Au√üenbezirken“ geleistet, da, wo ich aktiv bin. In Heddesheim, Hirschberg und Ladenburg.

Als redaktionell getarnte umgeschriebene Pressemitteilungen oder vollst√§ndig unkritische Berichte sind hier an der Tagesordnung. LeserInnen, die auf die Integrit√§t „Ihrer“ Tageszeitung bauen, werden vors√§tzlich get√§uscht und betrogen.

Sie halten das f√ľr „harte Vorw√ľrfe“? Das ist die allt√§gliche Realit√§t.

Seit Mai 2009 prangere ich immer wieder diese miserable Qualit√§t an – bislang musste ich nur ein Mal eine „einstweilige Verf√ľgung“ aktzeptieren, durch die mir verboten wurde, Details √ľber das „Drama der journalistischen Prostitution“ zu wiederholen (leider aufgrund von eingenen Vers√§umnissen – nobody is perfect…).

Immer wieder wurde ger√§tselt, warum der MM so gar nicht auf meine journalistische Arbeit reagieren wolle. Er hat reagiert, von Anfang an. Erst in der Schockstarre, dann mit anderen Reaktionen, die sehr, sehr unfein waren und nun mit einer Aktion „Mehr“.

Ich freue mich darauf und bin gespannt, wie die Zeitung „Mehr“ realisieren will. Die freien Mitarbeiter werden miserabel bezahlt, die Fotografen k√§mpfen um ihre Existenz, die Redakteure schreiben Pressemitteilungen als eigene redaktionelle Berichte um und viele „hei√üe“ Nachrichten werden erst gar nicht berichtet.

Ob es von all dem nun „Mehr“ gibt? Noch mehr Bratwurst? Noch mehr Belanglosigkeit? Noch mehr Liebedienerei und Hofberichterstattung? Noch mehr schlechte Bilder in schlechtem Druck?

Ab kommendem Dienstag, den 02. November 2010, soll es soweit sein.

Meine kleine Redaktion und ich lassen uns √ľberraschen und sagen: „Konkurrenz belebt das Gesch√§ft.“ ūüôā

Unabh√§ngig davon machen wir das weiter, was in der Branche als „Zukunft des Lokaljournalismus“ gilt.

Der MM und seine „n√§rrische“ Berichterstattung

Guten Tag!

Heddesheim, 02. Februar 2010. Glauben Sie alles, was in der Zeitung steht? Nein? Das ist auch gut so. Denn der Mannheimer Morgen veröffentlicht nicht nur einen Bratwurstartikel nach dem anderen Рer behauptet auch Dinge, die nicht stattgefunden haben.

Kommentar: Hardy Prothmann

Es soll Menschen geben, die Bratwurstjournalismus lieben, also Texte, in denen „es kein Halten mehr gibt, eingeheizt und gekr√∂nt wird“, alle „stolz“ sind, die handelnden Personen „betonen, berichten, erz√§hlen, gestehen, verraten“, aber niemals etwas einfach nur sagen und alles insgesamt „gelungen ist und unter Beweis gestellt wird“. Vor allem die „Darbietungen“ und die „fraglosen H√∂hepunkte“.

Es gibt aber immer mehr Menschen, die auf dieses sinnentleerte Geschwurbel, dieses verbratwurstete Geschreibsel keine Lust mehr haben. Ihnen ist der Appetit an diesen vergammelten „Formulierungsfantastereien“ dieser „Provinzpoeten“ gr√ľndlich vergangen.

Richtig √ľbel wird es aber, wenn Ereignisse berichtet werden, die gar nicht statt gefunden haben. So schreibt der MM √ľber die Prunktsitzung der Grumbe vom Samstag: „F√ľr gelungene Abwechslung zwischen den B√ľttenreden sorgten auch der Besuch der Mannheimer Stadtprinzessin sowie die Darbietungen der „Kerweborscht“.“

Vielleicht sollte der MM mal zur „gelungenen Abwechslung“ nicht schon gegen 22:00 Uhr eine Veranstaltung verlassen und nicht einfach nur das Programm abschreiben. Dann w√ľrden die Leserinnen und Leser dieser Lokalzeitung auch zutreffend informiert, statt zum Narren gehalten zu werden.

Der Besuch der Stadtprinzessin viel wetterbedingt aus und die „Kerweborscht“ sind auch nicht aufgetreten – au√üer im „blumigen“ Bericht des MM.

Kein Wunder also, dass die Zeitungen seit Jahren an Auflage und Abonnements verlieren, wenn selbst bei Karnevalsveranstaltungen eine „minimalst denkbare Recherche“ eine zu „gro√üe Herausforderung darstellt“.

Wikipedia hat den „Bratwurstjournalismus“ zensiert – ist das gut oder schlecht? Und was hat das mit Heddesheim zu tun?

Guten Tag!

Heddesheim, 16. Januar 2010. Was hat die Debatte √ľber die L√∂schung des „Bratwurstjournalismus“ auf Wikipedia mit dem heddesheimblog zu tun? Sehr viel. Denn auch in Heddesheim gibt es Zensur. Sie ist „politisch“ verordnet und findet statt. Der Zensor hei√üt Michael Kessler und ist B√ľrgermeister. Ob diese Zensur „gut oder schlecht“ ist, m√ľssen Zensor und Zensierte selbst entscheiden.

Kommentar: Hardy Prothmann

„Zensur“ wird von den meisten Menschen eindeutig als etwas „Schlechtes“, „Verwerfliches“ , „Missbr√§uliches“ verstanden. Ist Zensur per se „schlecht“? Welche Zensur ist „schlecht“? √ÉŇďberhaupt, was ist Zensur?

Zensur ist tats√§chlich ein sehr vielf√§ltiges Wort, das mehr als eine „negative“ Bedeutung hat. Wikipedia selbst unterscheidet zwischen verschiedenen Zensur-Formen, beispielsweise politischer Zensur oder der Zensur in der Schule (Benotung).

Die Schulzensur an sich ist aber etwas vollkommen Normales. Sie ist eine Leistungsbeurteilung. Eine schlechte Benotung, eine schlechte Zensur also, wird der betroffene Sch√ľler meist als negativ begreifen und vielleicht als „Aufforderung“, es k√ľnftig besser zu machen. Der „1er“-Sch√ľler wird seine Note aber nicht als Zensur verstehen, sondern als „W√ľrdigung“ der „sehr guten'“ Leistung.

Zensur findet (nicht) statt.

„Politische Zensur“ lehnt instinktiv jeder Demokrat ab. Wie hei√üt es doch so sch√∂n im Artikel 5, Grundgesetz: „Eine Zensur findet nicht statt.“

„(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu √§u√üern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug√§nglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gew√§hrleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Das aber ist falsch. Zensur findet sehr wohl, sogar demokratisch legitimiert statt. Ein Widerspruch? Auch hier kommt wieder der Artikel 5, Grundgesetz, zum Tragen:

„(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der pers√∂nlichen Ehre.“

Wer also bei dem „Meinungsrecht“ gegen allgemeine Gesetze usw. verst√∂√üt, darf oder muss sogar zensiert werden. Beispielsweise politisch-extremistische Vereinigungen. Gesetzes- und Verfassungstreue werden auch f√ľr die √ā¬†„freie Wissenschaft und Kunst“√ā¬†vorausgesetzt:

„(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“

Die freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FsF) der Fernsehsender „indiziert“, sprich „zensiert“ beispielsweise Filme. Danach steht auf der Verpackung: Freigegeben ab Alter X. Pornographie ist generell erst ab 18 Jahren zul√§ssig (FSK 18) – obwohl pubertierende Jugendliche schon in j√ľngeren Jahren unb√§ndig das „Verbotene“ konsumieren wollen.

Halt den Mund!

Zensur findet auch in der kleinsten Einheit unserer Gesellschaft, der Familie statt: „Halt den Mund!“, hat sicherlich fast jeder Elternteil gegen√ľber dem Nachwuchs mindestens ein Mal im Laufe von vielen Erziehungsjahren gesagt. Zu recht?

Die Frage, ob Zensur gut oder schlecht ist, kann man nicht pauschal beantworten. Vermeintlich besser ist die Frage: Ist Zensur gerecht oder ungerecht? Der zensierte Mensch wird meistens zu „ungerecht“ tendieren, der Zensor sein „Recht“ betonen.

Wie komplex der Begriff der Zensur ist, zeigt wiederum Wikipedia selbst. Der Artikel „Zensur (Informationskontrolle)“ ist nicht nur schwach definiert, er ist so irrelevant definiert, dass er sofort gel√∂scht werden sollte. Auch dem „Bratwurstjournalismus“ wurde vorgeworfen, als Begriff irrelevant zu sein.

Ist das so? Sicher nicht. Der Begriff „Zensur“ ist sehr relevant, aber schlechter definiert als die gel√∂schte Fassung √ľber den „Bratwurstjournalismus“.

Vermutlich ist „Zensur“ bei Wikipedia so unzureichend definiert, weil die „Wikipedianer“ selbst damit ein gro√ües Problem haben, wie die L√∂schdebatte nicht nur um den „Bratwurstjournalismus“ zeigte.

Ist Zensur „gut oder schlecht?“

Im November gab es dazu eine Tagung, wie Radio Bremen berichtet: „Der Verein Wikimedia, der das Projekt Wikipedia finanziert, sich aber nicht in inhaltliche Diskussionen einmischt, l√§dt nun Wikipedia-Autoren und -Administratoren, Blogger und andere Interessierte ein, am Donnerstag, 5. November, 18 Uhr, in Berlin √ľber Lehren aus der L√∂schdebatte zu diskutieren.“

Zur√ľck zur Ausgangsfrage: Ist es gut oder schlecht (gerecht oder ungerecht), dass ein Wikipedia-Administrator den „Bratwurstjournalismus“ gel√∂scht hat?

Aus meiner Sicht ist es „schlecht“ – weil ich keinen Willen bei den „L√∂schern“ erkennen konnte, dieses relevante „Ph√§nomen“ nachhaltig beschreiben zu wollen. Ob das nun „Bratwurstjournalismus“ hei√üen muss, stelle ich dahin.

Der Hinweis, der „Bratwurstjournalismus“ sei eine Untermenge von „Gef√§lligkeitsjournalismus“ trifft in meinen Augen nicht zu. Vor allem, wenn er so mangelhaft definiert ist, wie bei Wikipedia. Dort steht unter dem Begriff „Lokaljournalismus“ folgende Erkl√§rung:
„Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass ein Lokaljournalist in erster Linie einen „Gef√§lligkeitsjournalismus“ produziere, indem er etwa √ľber Vereinsfeste, Firmenjubil√§en oder Geburtstagsfeiern lokaler Politiker berichtet. Berichte dieser Art gibt es h√§ufig, vor allem in kleineren Lokalzeitungen und Anzeigenbl√§ttern. Grunds√§tzlich aber nehmen Lokaljournalisten mit der Berichterstattung √ľber die Kommunalpolitik, √ľber soziale, wirtschaftliche und kulturelle Ereignisse und Entwicklungen vor Ort eine gesellschaftliche Aufgabe wahr. Die Vielfalt, Auflagenh√∂he und Reichweite der Lokalzeitungen ist eine Besonderheit der deutschen Medienlandschaft, ihre Reichweite in der Bev√∂lkerung wird von keinem anderen Medium erreicht.“

Wikipedia ist eine „Quelle“. Mehr nicht.

Ein „weit verbreitetes Vorurteil besagt“, dass ein Lokaljournalist in erster Linie einen Gef√§lligkeitsjournalismus produziere.

Ein Vorurteil also.

F√ľr das allerdings im Wikipedia-Artikel jede Quelle fehlt.

Ein Vorurteil wiederum wird auch gemeinhin unter Demokraten als „schlecht“ verstanden, als „unwahr“. Die Wikipedia-Definition negiert die Aussage sogleich, indem sie best√§tigt, dass es „Berichte dieser Art h√§ufig gibt“. Um dann wieder „grunds√§tzlich“ eine „gesellschaftliche Aufgabe“ herauszustellen. Und die Relevanzbegr√ľndung ist: „Ihre Reichweite in der Bev√∂lkerung wird von keinem anderen Medium erreicht.“

Auch hier sollten die Wikipedianer nacharbeiten. Eine hohe Reichweite ist nicht per se „gut“.

Dazu ein „Totschlagargument“: Adolf Hitler hatte nahezu die „totale Reichweite“. War das gut?

Gerade wenn das „Vorurteil“ keines sein sollte, sondern die „Tatsache“, dass √ľberwiegend „Gef√§lligkeitsjournalismus“ produziert wird, w√§re das extrem „schlecht“ – wegen der gro√üen Reichweite. Die haben auch Pandemien wie die Pest.

„Gef√§lligkeitsjournalismus“ ist eine Pest.

In der Konsequenz hie√üe das n√§mlich, dass eine gro√üe Zahl Menschen mit „Informationen“ versorgt wird, die ihnen „zu gefallen“ haben, tats√§chlich aber vor allem ganz wenigen n√ľtzlich sind.

Ein solcher Journalismus ist viel wert f√ľr die Sender der Botschaft („M√§chtigen“) und nichts f√ľr die Empf√§nger („Leser“). Auch Gef√§lligkeitsjournalismus ist also eine Art von Zensur.

„Gut“ an der L√∂schdiskussion um den Bratwurstjournalismus ist die hohe Aufmerksamkeit, die diese nicht nur in Journalistenkreisen gefunden hat.

Denn dadurch werden die Kolleginnen und Kollegen mit der Frage konfrontiert, ob das, was sie tun, „ethisch“ vertretbar ist oder nicht. Ich danke deswegen allen Kollegen, die dar√ľber berichtet haben. Und allen „Konsumenten“, die sich f√ľr diese Frage interessieren.

Tats√§chlich verlinkt das heddesheimblog oft auf Wikipedia. Die Begr√ľndung ist einfach: Wikipedia ist aus Sicht der Redaktion eine „Quelle“. Hier gibt es Informationen – ob die „stimmen“, haben wir damit nicht beantwortet. Jede Verlinkung ist nur ein Hinweis auf eine andere „Quelle“. Ob Meinungs√§u√üerung oder „faktische“ Information.

Wir verlinken auch auf andere Medien, Institutionen usw.. Alle Verlinkungen sind „Informationsquellen“. Mehr nicht.

Dar√ľber informieren wir unsere Leserinnen und Leser immer wieder.

„Gef√§lligkeitsjournalismus“ ist Zensur.

Der Heddesheimer Bratwurstjournalismus Gef√§lligkeitsjournalismus des Mannheimer Morgens ist aus meiner Sicht auch eine Form der Zensur. Und das ist mehr als bedauerlich – weil die Abonnenten des MM vors√§tzlich mit minderwertigen Informationen „versorgt“ werden, f√ľr die diese auch noch bezahlen m√ľssen.

Wie „gef√§llig“ der MM dabei ist, zeigt seine „Nicht-Berichterstattung“ √ľber die „politische Zensur“.

Die freie Journalistin Miriam Bunjes hat beispielsweise f√ľr das Internet-Portal der Evangelischen Kirche, „evangelisch.de“ ein Portr√§t √ľber das heddesheimblog geschrieben. Sie schreibt im September 2009:
„Seine Texte sind unbequem. Die Kritisierten wollen deshalb √∂ffentlich am liebsten gar nichts √ľber Hardy Prothmann und das „heddesheimblog“ sagen. „Wir beobachten das Blog aufmerksam und kritisch“, sagt ein Sprecher der Gemeinde Heddesheim, der namentlich nicht zitiert werden will. Mehr m√∂chte er nicht √ľber das „neue Medium in der Stadt“ sagen.“ (Anm. d. Redaktion: Unterstreichung durch die Redaktion heddesheimblog)

Ein „Sprecher“, der namentlich nicht zitiert werden will? Ist so jemand ein Sprecher?

Die Redaktion des heddesheimblogs wurde sp√§ter dar√ľber unterrichtet, dass „Presseanfragen“ an die Gemeinde nicht mehr an einzelne Mitarbeiter, sondern an „gemeinde@heddesheim.de“ zu richten seien. Wenn geantwortet wird, dann vom B√ľrgermeister Kessler oder seinem Sekretariat.

In Heddesheim wird „politische Zensur“ aktiv angewendet.

Aus „am liebsten gar nichts sagen“ soll eine Dienstanweisung geworden sein: B√ľrgermeister Michael Kessler hat nach unseren Informationen angeordnet, jede Anfrage des heddesheimblogs nicht zu beantworten, sondern an ihn weiterzuleiten. Wir haben dazu die Gemeinde angeschrieben und werden √ľber die Antwort berichten.

Wenn dies zutrifft, w√§re das „politische Zensur“ in Reinkultur. Antidemokratisch. Nicht akzeptabel. Aber „rechtlich“ absolut zul√§ssig.

Mitarbeitern w√§re per Ukas (auch unzureichend definiert bei Wikipedia) der „Mund verboten“. Jede Recherche (=Frage) soll „zentral“ (=B√ľrgermeister) kontrolliert werden.

Das w√§re der Versuch einer zensierten „Informationskontrolle“. Jeder Mitarbeiter, der dagegen verst√∂√üt, muss mit „arbeitsrechtlichen Konsequenzen“ rechnen. Mehr noch: Mit Druck, mit nicht-Bef√∂rderung, also mit Nachteilen.

Das heddesheimblog erf√§hrt trotzdem viel. Weil die Unzufriedenheit der Mitarbeiter der Verwaltung mit ihrer „F√ľhrung“ enorm hoch ist. Sie lassen sich nicht „das Maul verbieten“ und vertrauen darauf, dass die Redaktion des heddesheimblogs diese Informanten sch√ľtzt. Das tun wir.

„Quellen“, also Menschen, die etwas erz√§hlen wollen, werden von uns gesch√ľtzt. Was hei√üt das? Ganz einfach: Eine Quelle erz√§hlt uns etwas und wir sorgen daf√ľr, dass die „Spur“ zwischen Quelle und Bericht nicht zur√ľckverfolgt werden kann. Wenn das nicht m√∂glich ist, verzichten wir auf den Bericht.

Wenn die Redaktion des heddesheimblogs √ľber eine √§hnliche Behinderung der „Redaktion“ des Mannheimer Morgen erfahren w√ľrde – wir w√ľrden sofort solidarisch den Sachverhalt pr√ľfen und uns sofort f√ľr die Informationsfreiheit und die M√∂glichkeit einer freien Recherche einsetzen. Konkurrenzgedanken spielen dabei keine Rolle. Informationsfreiheit ist ein hohes Gut, das das heddesheimblog ungeachtet der Umst√§nde vor alles andere stellt.

Der MM denkt da anders. Er ist ja schon l√§ngst nicht mehr an „freier Berichterstattung“ interessiert, sondern betreibt aktiv „Gef√§lligkeitsjournalismus“.

Der Mannheimer Morgen ist ein Zensurorgan.

Damit stellt sich wieder die Frage: „Gut oder schlecht“? Als Beh√∂rdenleiter darf ein B√ľrgermeister seinen Mitarbeitern einen „Maulkorb“ verordnen. Er hat das Recht dazu. Er ist berechtigt, seinen Besch√§ftigten die freie Meinungs√§u√üerung in Bezug auf ihre Arbeit zu zensieren. Er h√§tte aber auch das „Recht“, dies zuzulassen.

Die Frage war: „Ist das gut oder schlecht?“

Das muss jeder, der davon weiß, selbst beurteilen.

Der Redaktion kann der „B√ľrgermeister“ Kessler nichts anordnen. Er kann versuchen, Recherchen zu behindern und sich damit zu einem Verhinderer von „Informationsfreiheit“ zu definieren.

Unseren Leserinnen und Lesern kann der „B√ľrgermeister“ Michael Kessler nichts „anweisen“. F√ľr die Leserinnen und Leser gilt Artikel 5 des Grundgesetzes: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu √§u√üern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug√§nglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ (Anm. d. Red.: Unterstreichung durch die Redaktion.)

Das heddesheimblog ist eine „allgemein zug√§ngliche Quelle“, aus der sich alle B√ľrger „ungehindert unterrichten k√∂nnen“.

Und das ist ganz eindeutig „gut so“.

Zensur findet √ľbrigens in Heddesheim und auch in anderen Gemeinden √ľber „nicht-√∂ffentliche“ Gemeinderatssitzungen statt.

Dar√ľber wird das heddesheimblog exklusiv in den kommenden Tagen berichten.

Bratwurstjournalismus bei Wikipedia gelöscht РLang lebe der Bratwurstjournalismus

Guten Tag!

Heddesheim, 15. Januar 2010. Nach einer heftigen Debatte auf Wikipedia wurde heute der Begriff „Bratwurstjournalismus“ als eigenst√§ndige Definition gel√∂scht. Im Artikel „Heddesheim“ ist er aber weiterhin vorhanden – fragt sich nur, wie lange noch.

Kommentar: Hardy Prothmann

bratwurst

Angeblich "keine Relevanz" und einem Eintrag bei Wikipedia "nicht w√ľrdig": Bratwurstjournalismus. Autor: Raimund Hocke

Eine Woche lang wurde bei Wikipedia heftig diskutiert, ob der Artikel „Bratwurstjournalismus“ bleiben darf oder gel√∂scht werden soll. Die L√∂schfraktion hat sich durchgesetzt und heute den Artikel aus der Online-Enzyklop√§die entfernt. Grund genug, meinen Senf dazu zu geben.

Autor der ersten Fassung war Markus Schwarze, Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). „Ich gebe zu: Mir sa√ü der Schalk im Nacken, als ich gestern nach einem Wortwechsel mit Daniel Schultz aus Berlin den Begriff des Bratwurstjournalismus bei Wikipedia verfasste. Es geht dabei um eine Aufgabe, die vermutlich jeder Journalist irgendwann in seiner Berufslaufbahn erlebt: ein Ereignis zu beschreiben, das sich als weniger gravierend als gedacht herausstellt; ein Ereignis, das eigentlich ein Nichtereignis war“, schreibt der Journalist Schwarze.

Und: „Hardy Prothmann hat daf√ľr diesen etwas b√∂sen, aber auch augenzwinkernden Begriff des Bratwurstjournalismus gefunden, benutzt und ver√∂ffentlicht. Es gab f√ľr diese Methode zu allen Zeiten geeignete Bezeichnungen und Abwandlungen, etwa den Schnittchenjournalismus, den Gef√§lligkeitsjournalismus, das Runterschreiben, den PK-Abschreiber, den PR-Journalismus. Und es gab zu allen Zeiten auch Interesse f√ľr solche Artikel.“

Nur wenige Minuten nach der Ver√∂ffentlichung gab es einen Eilantrag, den Text wieder zu l√∂schen. Pikant: Einige der L√∂sch-Bef√ľrworter sind selbst (Lokal-)Journalisten, die sich offenbar als „Bratwurstjournalisten“ wiedererkannt haben, dies aber abstreiten und es trotzdem pers√∂nlich nehmen. So auch „Scooter“: „Noch einmal zum Mitschreiben: Dass – vor allem auf lokaler Ebene – solche Stilmittel verwendet werden, ist wei√ügott keine neue Erkenntnis und ist auch nicht durch die Sch√∂pfung des hier zur L√∂schung anstehenden Lemmas erstmals dokumentiert worden. Nur weil jemand seinen Frust √ľber gewisse Tendenzen im Journalismus in Worte kleidet (die auch mir nicht gefallen, das sei einger√§umt), ist das noch lange nicht enzyklop√§dietauglich bzw. -w√ľrdig. Dies √ľbrigens auch im Namen meiner s√§mtlichen Redaktionskollegen, die – von mir ergebnisneutral befragt – allesamt noch nie von dieser Begriffsbildung geh√∂rt haben. Und das sind alles, so viel kann ich versichern, keine Bratw√ľrste.“

Wegen des großen Interesses hatte ich einen Definitionsvorschlag an den Autor gesendet:

Der Begriff „Bratwurstjournalismus“ bezeichnet einen meist durch lokale, journalistische Medien verbreiteten Sachverhalt ohne jeglichen Nachrichtenwert und von untergeordnetem Informationswert.

Kennzeichnend f√ľr „Bratwurstjournalismus“ sind floskelhafte, belanglose oder auch metaphorische Formulierungen, die h√§ufig durch Adjektive erg√§nzt werden.

Dabei werden selbstverst√§ndliche Handlungen und Geschehnisse √ľberstilisiert und als Pseudo-Nachricht dargestellt.

Typische Beispiele f√ľr „Bratwurstjournalismus“ finden sich bei √ľberwiegend nachrichtenarmen Ereignissen, beispielsweise Festen und Veranstaltungen auf lokaler Ebene:

„Die Luft war vom Duft von dampfendem Gl√ľhwein, leckerer Bratwurst und k√∂stlichen Pl√§tzchen geschw√§ngert√Ę‚ā¨¬¶“, „der Wettergott hatte letztlich ein Einsehen und zeigte sich gn√§dig√Ę‚ā¨¬¶“, „das Tanzbein wurde ausgiebig geschwungen√Ę‚ā¨¬¶“, „f√ľr das leibliche Wohl war wie immer bestens gesorgt√Ę‚ā¨¬¶“, „voll des Lobes und des Dankes zeigte sich ein zufriedener B√ľrgermeister√Ę‚ā¨¬¶“, „erfreute die von der herrlichen Musik beseelten G√§ste√Ę‚ā¨¬¶“.

„Bratwurstjournalismus“ ist somit ein systemkritischer Begriff, der alle Formen einer pseudo-informierenden journalistischen Darstellung umfasst.

Gepr√§gt wurde der Begriff 2009 durch den Journalisten Hardy Prothmann, der selbst lokaljournalistische blogs betreibt. Andere Journalisten griffen das Wort „Bratwurstjournalismus“ schnell auf und verbreiteten es √ľber Online-Medien, Nachrichtenagenturen, Fachdienste, „social networks“ sowie blogs.

gluehwein

Dampfender Gl√ľhwein - dankbare Abnehmer. Quelle: MM

wohl

F√ľrs leibliche Wohl ist gesorgt. Quelle: MM

wettergott

Wohlwollender Wettergott - bunte Vielfalt. Quelle: MM

Ins Internet kam der Begriff durch ein Interview des Journalisten Peter Viebig, N√ľrnberger Zeitung, mit mir: „Was ist ein Bratwurstjournalist?“. Als mich der Kollege befragte, wusste ich noch nicht, welche Folgen das eher spa√üige Interview haben w√ľrde. Viebig forderte zur L√∂schdebatte: Rettet den Bratwurstjournalismus. Damit meinte er hoffentlich nat√ľrlich den Begriff und nicht diese Form von „Journalismus“. Die Twitter Aktion „Rettet den Bratwurstjournalismus“ wurde zuvor von Daniel Schultz auf „Presseschauer“ ins Leben gerufen.

Teile davon wurden in den Wikipedia-Artikel eingearbeitet, aber auch in anderen „Wikis“, beispielsweise hier: http://marjorie.wikia.com/wiki/Bratwurstjournalismus und hier http://franken-wiki.de/index.php/Bratwurstjournalist.

Obwohl also der Begriff bei Wikipedia als Definition gel√∂scht wurde, lebt er im Netz weiter. Denn merke: Was hier einmal drin steht, ist fast nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Der Bratwurstjournalismus wird als Begriff also √ľberleben. Als Methode wird er weiterhin t√§glich im Lokaljournalismus angewendet – besonders auf den Rhein-Neckar-Seiten des Mannheimer Morgen durch „Freie Mitarbeiter“ wie Dietmar Thurecht oder Redakteurinnen wie Anja G√∂rlitz.

Ich bin gespannt, wann der Begriff auch im Artikel zu „Heddesheim“ gel√∂scht wird. Doch das w√§re schade. Denn N√ľrnberg ist f√ľr die gleichnamigen Bratw√ľrste bekannt, ebenso leihen Th√ľringen und die Pfalz ihren Bratw√ľrsten ihren Namen. Wie auch immer: Heddesheim ist jetzt auch √ľberregional bekannt, weil hier der Bratwurstjournalismus „erfunden“ wurde.

Als „Erfinder“ des Worts gebe ich es aber frei: Es darf in jedem Ort verwendet werden, um die Lokalpresse damit zu bezeichnen – sofern diese Bratwurstjournalismus betreibt.

Und ob es bei Wikipedia einen Artikel dazu gibt oder nicht, ist mir ehrlich gesagt, ziemlich Wurscht.