Mittwoch, 05. August 2020

„Pfenning“ wirbt mit Online-Prospekt und Rehen auf Kr├Ąuterwiesen

Heddesheim/Viernheim/Rhein-Neckar, 13. April 2011. (red) Die KMP Holding, Muttergesellschaft von „pfenning logistics“, wirbt im Internet mit einer aufw├Ąndigen Pr├Ąsentation des geplanten Logistikzentrums. Die hat sicherlich viel Geld geskostet – und das, obwohl „Pfenning“ heftig sparen muss. Denn der Umsatz 2009 ist abermals eingebrochen – um 7,3 Prozent. Das Unternehmen, das laut B├╝rgermeister Michael Kessler und der Mehrheit im Gemeinderat die Zukunft Heddesheims sichern soll, hat enorm zu k├Ąmpfen. Arbeitspl├Ątze wurden abgebaut, die Umsatzrendite liegt bei 0,9 Prozent. Eine Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht.

Von Hardy Prothmann

Vorweg – Sie sollten mindestens ├╝ber DSL 3000 verf├╝gen, selbst dann wird der Aufruf dieser vollkommen unn├Âtigen Programmierung zum Geduldsspiel. „Pfenning“ pr├Ąsentiert unter http://www.bestplace-morespace.com einen Art „Online-Prospekt“ f├╝r das geplante Logistikzentrum.

Neu ist daran eigentlich nichts. So hat Pfenning seit Jahren exakt 1.850 Mitarbeiter und der Umsatz 2009 liegt nach Prospekt bei 204 Millionen Euro.

Ein kleiner Blick ins Handelsregister verr├Ąt, dass es 2008 insgesamt 1.852 Mitarbeiter waren und 2009 nur noch 1.810.

Nach „offiziellen“ Angaben behauptete „Pfenning“ im Jahr 2008 insgesamt 220 Millionen Euro Umsatz gemacht zu haben, in der Bilanz stehen nur 169,5 Millionen Euro. F├╝r 2009 behauptet „Pfenning“ insgesamt 204 Millionen Euro Umsatz gemacht zu haben, in der Bilanz stehen nur 157,1 Millionen Euro.

Zur Bilanz 2008 hatten wir bereits nachgefragt: Die Auskunft war, man habe noch andere Beteiligungen, die f├╝r die 50 Millionen Differenz beim Umsatz gesorgt h├Ątten. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Deshalb kann man sich nur auf die vorhandenen Zahlen st├╝tzen und die sehen mies aus.

Zwar hat die Unternehmensgruppe 2009 laut Bilanz einen Gewinn von knapp 1,4 Millionen Euro gemacht (2008: 20.000 Euro), wer sich aber die Zahlen etwas genauer anschaut, erkennt, dass rund 1,1 Millionen Euro weniger f├╝rs Personal ausgegeben wurden – und das bei einer Firma, die versprochen hat, neue Arbeitspl├Ątze nach Heddesheim zu bringen. Was noch nicht mal falsch sein muss, vielleicht werden die neuen Arbeitspl├Ątze ja so schlecht bezahlt, dass unterm Strich hier nochmals gespart werden kann. Beispielsweise wurde die Aufwendungen f├╝r die Altersvorsorge um das Doppelte oder eine halbe Million Euro zur├╝ckgefahren.

Bei den Aufwendungen f├╝r Roh, Hilfs- und Betriebsstoffe wurden ganze sieben Millionen Euro eingespart – ein Hinweis, dass hier Ausgaben nicht get├Ątigt wurden und der Sparstrumpf ganz eng gezogen wurde. Lapidar ├╝bersetzt: Man schiebt den ├ľlwechsel halt ein bisschen raus. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass fast alle „Vorr├Ąte“ teils bis um ein Drittel zur├╝ckgefahren wurden.

Auch der Aufwand f├╝r bezogene Leistungen ging um gut zehn Prozent oder drei Millionen Euro zur├╝ck – sprich. Firmen, die „Pfenning“ als Kunden haben, mussten den G├╝rtel auch enger schnallen. Auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen gingen um 2,4 Millionen Euro oder ebenfalls knapp 10 Prozent zur├╝ck. Und es wurden rund eine Million Euro weniger Zinsen gezahlt. Vielleicht, weil weniger Schulden da sind, kann aber auch gut sein, dass man die Bank gebeten hat, die Zinsen sp├Ąter zu zahlen.

Insgesamt darf man die Zahlen durchaus so interpretieren, dass sparen, sparen, sparen angesagt war. „Pfenning“ nennt das „Konsolidierung“.

Ein interessanter Satz steht unter „Preisdumping“:

„Parallel zu unserer eigenen Flotte bedienen wir uns schon immer bei entsprechenden Transportunternehmen, um unsere ben├Âtigten Spitzenkapazit├Ąten abdecken zu k├Ânnen.“

├â┼ôbersetzt hei├čt das, Pfenning f├Ąhrt einen Grundfahrzeugpark und bedient sich anderer Logistiker, um „Spitzen“ zu bedienen. Die Heddesheimer B├╝rgerinnen und B├╝rger erinnern sich, dass es laut Pfenning├é┬á mindestens zwei Spitzen im Jahr gibt: im Fr├╝hjahr und vor Weihnachten. Dann fahren also vermehrt nicht-„Pfenning“-Lkw ├╝ber die Ringstra├če und „vielleicht“ auch durch den Ort. Das ist die Zeit f├╝r die Aufpasser, die sich dann Kennzeichen notieren, um feststellen zu lassen, ob „Pfenning“ den „Verkehrslenkungsvertrag“ bricht. Die Gemeindekasse f├╝r soziale Zwecke wird sich dann ├╝ber 20 Euro je Versto├č freuen, sofern diese „festgestellt“ werden.

Gr├╝ne Wiese als "Ausstiegsperspektive" - sollte "Pfenning" pleite gehen, k├Ânnten Rehe k├╝nftig regengesch├╝tzt in hochmodernen Hallen weiden. Quelle: KMP Holding

Ebenfalls interessant ist auch dieser Satz zum Personal:

„Aufgrund des Konjunktureinbruches ist jedoch eine Entspannung am Arbeitsmarkt beim gewerblichen Fahrpersonal zu verzeichnen.“

Hei├čt, die Leute suchen Arbeit und schaffen sicherlich auch f├╝r wenig Geld.

Als Prognose erwartet der Konzern laut Bilanzbericht f├╝r 2010 eine „Konsolidierung“ auf dem Niveau von 2009 – sprich, der Umsatz wird nicht wachsen. Da „Pfenning“ den Gro├čkunden Henkel verloren hat, darf man gespannt sein, wie die tats├Ąchlichen Zahlen aussehen werden.

Mit einer Umsatzrendite von 0,9 Prozent ist Pfenning, naja, nicht gerade das, was man ein „erfolgreiches Unternehmen“ nennt. Anders ausgedr├╝ckt, von 100 Euro Umsatz bleiben nach Abszug aller Ausgaben 90 Cent „Gewinn“ in der Tasche.

Zur├╝ck zur Pr├Ąsentation: Geht es nach Pfenning, k├Ânnten die Hallen im Notfall auch als „Renaturierungsgebiet“ genutzt werden – aber vielleicht ist das einfach wieder nur eine Fehlinterpretation.

Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) zieht positive Jahresbilanz 2010


Viele Fahrg├Ąste f├╝hrten zu einer positiven Bilanz des VRN f├╝r das Jahr 2010 - Bildrechte: VRN/L├Âckel

Viele Fahrg├Ąste f├╝hrten zu einer positiven Bilanz des VRN f├╝r das Jahr 2010 - Bildrechte: VRN/L├Âckel

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 11. M├Ąrz 2010. (pm) Wie der Verkehrsverbund Rhein-Neckar-Kreis mitteilt, kann sich die Jahresbilanz f├╝r 2010 sehen lassen. Neben stabilen Einnahmen k├Ânne man auch stabile Fahrgastzahlen vorweisen. Ein leichter R├╝cklauf war jedoch bei den Ausbildungs- und Semester-Tickets zu verzeichnen. [Weiterlesen…]

Pfenning macht angeblich „220 Millionen Euro Umsatz“

Guten Tag!

Heddesheim, 17. M├Ąrz 2010. Geht es nach der Eigendarstellung von „Pfenning“ macht das Unternehmen 220 Millionen Euro Umsatz. Geht es nach den Bilanzzahlen, macht Pfenning nur noch 170 Millionen Euro Umsatz. Dazwischen liegen 50 Millionen Euro und viele Fragen.

Von Hardy Prothmann

Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler will das „bedeutende“ Unternehmen Pfenning unbedingt in Heddesheim ansiedeln.

Herr Kessler macht die Ansiedlung mit einem angeblichen Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro zur „Jahrhundertentscheidung“ f├╝r den Ort.

Michael Kessler hebt das „Familienunternehmen“ hervor, die Investition von 100 Millionen Euro, die Gewerbesteuer, die Arbeitspl├Ątze, die Chancen f├╝r das lokale Gewerbe.

Vor einem Jahr lie├č sich B├╝rgermeister Kessler als „gl├╝cklich“ im Mannheimer Morgen darstellen: Immerhin hole er ein „bedeutendes Unternehmen“ nach Heddesheim.

pfenning

Auf der homepage macht "Pfenning" 220 Mio. Euro Umsatz - in der Bilanz aber nur rund 175 Mio. Euro. Klicken Sie f├╝r eine gr├Â├čere Darstellung. Quelle: Pfenning

Es h├Ąngt vom Standpunkt des Betrachters ab, was man unter „bedeutend“ versteht. Sicherlich findet Herr Kessler 220 Millionen Euro Umsatz „bedeutend“.

Die CDU oder Herr Dr. Doll findet den „demographischen Wandel“ bedeutend.

Und die Heddesheimer SPD ist froh ├╝ber jeden Niedriglohnarbeiter, der vielleicht in eine Gewerkschaft und damit in die SPD eintritt – der Gemeinderat J├╝rgen Harbarth stellte „ordentlichen Arbeitern“ sogar seine Redezeit zur Verf├╝gung.

Es geht also um „Bedeutung“ allerorten.

Doch was hat es zu bedeuten, dass sich ein Unternehmen mit 220 Millionen Euro Umsatz br├╝stet? Wenn dieses Unternehmen ausweislich der eigenen Bilanz nur 175 Millionen Euro Umsatz in der Spitze gemacht hat?

Wer l├╝gt? Die Bilanz? Das Unternehmen? Der B├╝rgermeister?

Nach den der Redaktion vorliegenden Daten hat „Pfenning“ noch niemals 220 Millionen Euro Umsatz gemacht, sondern bewegt sich bei Ums├Ątzen um 170 Millionen Euro.

Das ist eine stattliche Zahl. Weniger stattlich sind die „Umsatzrenditen“.

W├Ąhrend „Pfenning“ im Jahr 2007 noch 2,3 Millionen Euro Gewinn machte, sieht es 2008 ganz bitter aus: Der „Gewinn“ betr├Ągt 21.600 Euro.

Die Gewerbesteuer aus der Bilanz abzuleiten, ist kaum m├Âglich. F├╝r das Jahr 2008 hatte der Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger aber „1,8 Millionen Euro, die der Gewerbesteuer unterliegen“ genannt.

W├Ąre „Pfenning“ schon 2008 in Heddesheim gewesen, w├Ąren nur rund 200.000 in der Kasse angekommen.

Von einer “ betr├Ąchtlichen Gewerbesteuereinnahme“ tr├Ąumen angesichts dieser Zahlen nur noch Hardliner wie ein „Theoretiker“ Dr. Doll (CDU) oder ein „Bepflanzungseuphoriker“ Frank Hasselbring (FDP). Ein J├╝rgen Merx glaubt wahrscheinlich, das Hartz IV-W├Ąhler besser sind als keine.

Die Stadt Ladenburg ist ein gutes Beispiel: W├Ąhrend 2008 noch 11,4 Millionen Euro Gewerbesteuer an die Stadt gezahlt wurde, rechnet man f├╝r 2010 nur noch mit rund zwei Millionen Euro. Und Ladenburg hat im Vergleich zu Heddesheim viel mehr „Industrie“, da schwanken die j├Ąhrlichen Betr├Ąge im Vergleich zu mittlerem Gewerbe erheblich.

Fest steht, dass die Unternehmensgruppe „Pfenning“ angeblich 220 Millionen Umsatz macht, aber ausweislich der Gesch├Ąftszahlen seit 2005 nicht mal im Ansatz an diese „Marke“ gekommen ist.

175 Millionen Euro Umsatz bei minimalen „Gewinnen“ ist die konkrete Zahl, die erwirtschaftet wurde.

Ganz konkret muss sich der Heddesheimer Gemeinderat fragen lassen, wie er ein Unternehmen beurteilt, dass mal so eben seinen echten Umsatz um mindestens 25 Prozent „hochjazzt“.

Ganz konkret ist die geplante Unternehmensansiedlung „Pfenning“ in Heddesheim ein „Va banque“-Spiel mit mindestens soviel Risiko wie ein Einsatz beim Roulette in der Spielbank.

Man kann viel gewinnen. Aber auch verlieren.

Irgendwie gewinnt die „Bank“ immer.

Doch wer ist die „Bank“? Heddesheim oder Pfenning oder irgendwelche Investoren?

B├╝rgermeister Michael Kessler muss sich dringend fragen lassen, ob er die Bilanzdaten der Unternehmensgruppe „Pfenning“ kennt.

Er muss ich fragen lassen, was er davon h├Ąlt, dass „Pfenning“ behauptet, 220 Millionen Euro Umsatz zu machen.

Er muss „Pfenning“ fragen, wie diese angeblichen 220 Millionen Euro Umsatz mit den tats├Ąchlichen 175 Millionen Euro Umsatz in der Bilanz in Verbindung stehen.

Herr Kessler muss sich fragen lassen, ob er all diese „Fragen“ immer noch so „gl├╝cklich“ sieht.

Wenn B├╝rgermeister Kessler schon am Fragen ist, kann er sich gerne auch nach Arbeits- und Ausbildungspl├Ątzen erkundigen – und ob die auch mindestens 20 Prozent ├╝ber den „tats├Ąchlichen“ Fakten liegen.

Das Unternehmen „Pfenning“ beweist ein ums andere Mal, dass die eigenen Angaben nicht nur nicht glaubw├╝rdig sind, sondern mehr und mehr den Eindruck machen, dass man es mit einem „unkalkulierbaren“ Investor zu tun hat, wobei unklar bleibt, wer Investoren sein k├Ânnten.

Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler betont ein ums andere Mal die „Integrit├Ąt“ des Unternehmens „Pfenning“.

Sind „Pfenning“ und B├╝rgermeister Kessler in ihrer gegenseitigen „Best├Ątigung“ glaubw├╝rdig?

Dar├╝ber entscheiden die B├╝rgerInnen und deren gesunder Menschenverstand.

Denn Eines ist sicher: Die Transparenz, also eine ordentliche, offene Investitionsentscheidung liegt nicht vor. Es wird „geheimt“, was das Zeug h├Ąlt.

Und noch etwas ist sicher: 220 Millionen Euro Umsatz hat irgendwer gemacht, aber ganz sicher nicht die Unternehmensgruppe Pfenning.