Donnerstag, 12. Dezember 2019

Berichterstattung zentral auf dem Rheinneckarblog.de

Frisches Layout & neue Ausrichtung

Rhein-Neckar, 04. Februar┬á2015. (red/pro) Vergangene Woche haben wir das Rheinneckarblog einem „Relaunch“ unterzogen. Das hei├čt: Wir haben ein zeitgem├Ą├čeres Layout. Breiter im Format, gr├Â├čere Schriften und neue Service-Angebote wie „Meistgelesene Artikel“ oder „Meistkommentiert“, die Sie in der Seitenleiste finden. Au├čerdem konzentrieren wir die Berichterstattung auf unserer zentralen Seite Rheinneckarblog.de. [Weiterlesen…]

Gastbeitrag: „Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein.“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/W├╝rzburg, 29. M├Ąrz 2011. (Main-Post/red) Die W├╝rzburger Main-Post leistet sich einen „Leser-Anwalt“. Anton Sahlender, Mitglied der Chefredaktion, nimmt Leserfragen und -beschwerden entgegen, pr├╝ft die Inhalte und ver├Âffentlicht im Anschluss die Ergebnisse. Ein vorbildlicher Service, wie wir meinen.

Vorbemerkung: Aktuell geht es um einen B├╝rgermeister, der seiner gesetzlich festgelegten Auskunftspflicht nicht nachkommt. Die Main-Post hat deshalb sogar eine Klage angestrengt und gewonnen. Die Reaktionen sind „schmerzhaft“ f├╝r die Zeitung – es werden b├Âse Unterstellungen ge├Ąu├čert und Abos abbestellt. Nur, weil die Zeitung die Presse- und damit die Meinungsfreiheit verteidigt, gegen einen B├╝rgermeister, der sich nicht an die Gesetze h├Ąlt und den Artikel 5 Grundgesetz ├╝ber die Meinungsfreiheit und das Presserecht mit F├╝├čen tritt.

"Leseranwalt" Anton Sahlender sorgt f├╝r Transparenz bei der W├╝rzburger Main-Post. Quelle: MP

Von Anton Sahlender, Leseranwalt der Main-Post

Der Leseranwalt: Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein – f├╝r Betroffene und f├╝r Redaktionen

Je nachhaltiger Journalisten ihre Freiheiten nutzen, desto mehr m├╝ssen sie selbst ertragen k├Ânnen. Denn der Presse Freiheit ist auch schmerzhaft. Zuerst f├╝r Betroffene, dann aber oft auch f├╝r Redaktionen.

Hier aktuelle Kostproben: Der B├╝rgermeister einer Kleinstadt wird in der Zeitung h├Ąufig f├╝r seine Amtsf├╝hrung kritisiert. ├â┼ôber einen langen Zeitraum gibt er dazu immer wieder neu Anlass. Er pflegt eine wenig b├╝rgerfreundliche Geheimhaltung von Amtshandlungen und kommt seiner Auskunftspflicht gegen├╝ber Medien nur unzureichend nach. Das sagt nicht nur die Redaktion, sondern auch das Verwaltungsgericht in einer Entscheidung.

Auskunftpflichten gegen├╝ber Journalisten sind B├╝rgermeistern und Amtsleitern per Gesetz vorgeschrieben. Medien m├╝ssen in einer Demokratie ungehindert ├╝ber politisches und amtliches Handeln informieren k├Ânnen. In der Kleinstadt ist die Folge der redaktionellen Nachhaltigkeit f├╝r B├╝rgers Information nicht nur Lob. Proteste und sogar Abbestellungen sind eingetroffen. Darunter Zuschriften, in denen der Redaktion Menschenjagd und allerlei weitere journalistische Tods├╝nden vorgeworfen werden. Au├čerdem schimpft man: Die Zeitung schade der ganzen Stadt.

Ein anderer B├╝rgermeister wollte letzte Woche verbieten, dass Informationen ├╝ber den Haushalt, die er an Journalisten verk├╝ndete, ver├Âffentlicht werden, bevor der Stadtrat sie beschlossen hat. Diese Zeitung mochte Lesern aber nicht nur vollendete Tatsachen bieten. Sie hat gleich berichtet. Des B├╝rgermeisters Androhung presserechtlicher Schritte blieb wirkungslos: Denn Redaktionen haben die (Presse-)Freiheit, selbst ├╝ber die Bedeutung einer Nachricht zu entscheiden und somit dar├╝ber, wann sie erscheint.

Zu meiner Sammlung von Reaktionen auf die Freiheit, auch Meinungen vielf├Ąltig zu vertreten, geh├Ârt neuerdings diese Klage: „Lesen Sie die ├Ątzenden und abf├Ąlligen Kommentare eines Henry Stern gegen Franz Josef Strau├č und alle Nachfolger. Gewollt h├Ąssliche Bilder unserer Kanzlerin Merkel und b├Âsartige Karikaturen eines Dieter Hanitzsch schlagen in die gleiche Kerbe. ├â┼ôberparteilichkeit stelle ich mir anders vor.“ – Ich ahne das Wie dieser Vorstellung. ├â┼ôberdies war Strau├č schon nicht mehr unter uns, als Henry Stern M├╝nchner Korrespondent wurde.

Das waren Momentaufnahmen, keine Klagen. Journalisten muss man nicht m├Âgen. Verst├Ąndnis f├╝r Pressefreiheit in einer Demokratie aber, die muss jeder ertragen k├Ânnen. Mit der Abbestellung einer Zeitung kann man sie jedenfalls nicht abschaffen.“

Anmerkung der Redaktion:
Wir stehen mit Anton Sahlender vor allem ├╝ber Facebook in regelm├Ą├čigem Kontakt und sind in journalistischen Fragen nicht immer einer Meinung ;-).

Aber wir unterst├╝tzen nat├╝rlich gerne als Berufskollegen aus Solidarit├Ąt die Haltung hinter dieser Ver├Âffentlichung und haben darum gebeten, den Text ├╝bernehmen zu d├╝rfen. Herr Sahlender hat dem umgehend zugestimmt.

Wir handeln aber auch nicht ganz uneigenn├╝tzig, sondern im Interesse unserer Leserinnen und Leser, da wir das Ph├Ąnomen von auskunftsunwilligen Beh├Ârden sehr gut kennen. Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler ist so ein „Spezialfall“, der seiner Auskunftspflicht erst nachgekommen ist, nachdem er einen durch uns veranlassten „freundlichen Hinweis“ erhalten hat. Bis heute versucht er weiterhin unsere Arbeit mit allen m├Âglichen Mitten zu behindern.

Unterst├╝tzt wird er dabei vom Mannheimer Morgen – einer Zeitung der Solidarit├Ąt unter Journalisten nichts gilt. Ganz im Gegenteil. Man hat den Eindruck, dass es der Zeitung sehr recht ist, wenn „die Konkurrenz“ Probleme hat und man sich dadurch einen Vorteil verspricht. Das ist bedauerlich, liegt aber allein im Ermessen der Zeitung und geh├Ârt anscheinend zur „Unternehmenskultur“.

Der Mannheimer Morgen ist dabei in guter Gesellschaft – viele deutsche Monopolzeitungen haben sich mit ├Ârtlichen „Interessenvertretern“ aus Politik und Wirtschaft verbandelt. Dementsprechend manipuliert ist die Berichterstattung. Siehe Stuttgart21 beispielsweise. (stern ├╝ber den Filz von Politik, Geld und Medien)

Die Haltung der Main-Post ist aus unserer Sicht vorbildlich und entspricht dem, was man als Leserin oder Leser von Medien erwarten k├Ânnen muss: Eine unabh├Ąngige und kritische Berichterstattung.

Pfenning: Von Baggern und Blindg├Ąngern

Heddesheim, 16. M├Ąrz 2011. (red) Angeblich sollen die Bauarbeiten f├╝r das geplante Logistikzentrum „Pfenning“ begonnen haben – berichtet heute „Extra“, eine Briefkastenstopfzeitung aus dem Haus Diesbach (Weinheimer Nachrichten). Gestern hatte der Mannheimer Morgen im Internet eine kurze Notiz dazu ver├Âffentlicht.

„Pfenning“ macht weiter wie gehabt – sp├Ąrlich flie├čen die Informationen. Heute (16. M├Ąrz 2011) „berichtet“ das Anzeigenblatt „Extra“ (Anm. d. Red.: Unterstreichung durch uns):

„Eine detaillierte arch├Ąologische Untersuchung des Baugel├Ąndes durch Mitarbeiter des Landesdenkmalamts solle in der ersten M├Ąrzh├Ąlte erfolgen.“

Blindg├Ąnger-Berichterstattung - ├â┼ôberschrift suggeriert Suche des Kampfmittelr├Ąumdienstes, im Text geht's um Arch├Ąologen. Quelle: Extra

Der Mannheimer Morgen „berichtet“ unter der ├â┼ôberschrift „Baggerarbeiten f├╝r Pfenning laufen“:

„W├Ąhrend ein Bagger die oberen Erdschichten abtr├Ągt, werfen Arch├Ąologen der Denkmalpflege einen aufmerksamen Blick auf die freiwerdenden Schichten.“

Nach diesen „planm├Ą├čigen“ Arbeiten werde das Areal auf eine „Kampfmittelbelastung“ untersucht, danach k├Ânnten die eigentlichen Bauarbeiten beginnen.

Arbeiten, die nicht beginnen, sondern "laufen", berichtet der MM. Quelle: MM

Die Unternehmensgruppe „Pfenning“ hatte diese Arbeit am 25. Februar 2011 angek├╝ndigt, allerdings ohne einen Termin zu nennen:

Pfenning „informiert“ ├╝ber „planm├Ą├čige Bauvorbereitungen“

Angeblich, nach Aussage von „Extra“ hat „Pfenning“ die Arbeiten „jetzt“ mitgeteilt – das ist m├Âglich, aber weder wurde unserer Redaktion etwas „mitgeteilt“, noch ist auf den Seiten von „Pfenning logistics„, noch auf „pro-heddesheim“ (die seit der „mehrheitlichen“ B├╝rgerbefragung eine Internetleiche ist) dazu eine Information verf├╝gbar.

Auch auf der Seite der Gemeinde Heddesheim fehlt jeglicher Hinweis.

Die Intransparenz des umstrittenden Bauvorhabens, das so wichtig f├╝r die Zukunft der Gemeinde Heddesheim sein soll, wird also konsequent fortgesetzt.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Die parteiische Zeitung steuert die Wahrnehmung und manipuliert die freie Meinungsbildung


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 15. M├Ąrz 2011. (red) Unsere Analyse hat eine absolut CDU-dominierte Berichterstattung durch den Mannheimer Morgen ergeben. Was hei├čt das f├╝r die Landtagswahl?

Von Hardy Prothmann

Die kommende Landtagswahl wird spannend. Quelle: LpB.

Unsere Prognose ist klar: Der CDU-Kandidat Georg Wacker wird den Wahlkreis Weinheim gewinnen.

Einige der Gr├╝nde sind klar: Die regierenden Parteien sind immer im Vorteil gegen├╝ber der Opposition.

Und je d├Ârflich-traditioneller es zugeht, um so sicherer gewinnt die CDU. Orte wie Hirschberg, Ladenburg und Heddesheim passen in das Schema. Sie liegen zwar im Speckg├╝rtel der Gro├čstadt, sind aber bislang h├Ąufig noch d├Ârflich-traditionell bestimmt.

Georg Wacker f├╝hrt "bevorzugt". Bild: CDU

Trotzdem gibt es einen Umbruch – nicht nur wegen Stuttgart21, sondern vor allem wegen der ver├Ąnderten Arbeits- und Lebensbedingungen. Und vor allem wegen der ver├Ąnderten Kommunikation – erst durch die Telekommunikation, dann durch das Internet.

Als „stabiler“ Faktor der Kommunikation wird immer noch die Zeitung begriffen. Die ist im s├╝ddeutschen Raum traditionell eher konservativ und „st├╝tzt“ dementsprechend auch die vermeintlichen W├╝nsche der Leser.

Uli Sckerl (Gr├╝ne) wird am wenigsten berichtet. Foto: hirschbergblog.de



Unsere quantitative Analyse der Berichterstattung ├╝ber die Kandidaten im Mannheimer Morgen hat ein eklatantes Missverh├Ąltnis von Bedeutung und Berichterstattung ├╝ber die Kandidaten ergeben.

Der Kandidat Georg Wacker (CDU) dominiert mit gro├čem Abstand die Berichte – rein quantitativ gesehen. Aber diese mediale Dominanz verschafft ihm nat├╝rlich enorme Vorteile bei der Wahl.

Interessant ist der Kandidat Gerhard Kleinb├Âck (SPD). Er liegt in unserer Betrachtung zwar hinter Georg Wacker auf Platz zwei – aber unsere Betrachtung ist keine diffizile wissenschaftliche Auswertung.

Bei genauer Betrachtung hat Herr Kleinb├Âck im Rhein-Neckar-Teil des Mannheimer Morgens vor allem im Februar jede Menge „Punkte“ durch die Debatte um eine Fu├čg├Ąngerzone in Ladenburg geholt.

Dadurch hat er sich von den anderen zwei Kandidaten abgesetzt – es w├Ąre allerdings ein Trugschluss zu glauben, dass er auch in der „Breite“ eine h├Âhere Wahrnehmung erhalten h├Ątte. Die Wahrnehmung ist auf die Fu├čg├Ąngerzonen-Debatte begrenzt.

Ohne diese Aufmerksamkeit w├Ąre Herr Kleinb├Âck wahrscheinlich mindestens um eine „halbe Note“ abgest├╝rzt – zumindest, was die Berichterstattung im Mannheimer Morgen angeht.

Gerhard Kleinb├Âck - hat in Ladenburg aufgeholt. Bild: SPD

Viel muss nicht gleichzeitig „gut“ hei├čen – Herr Kleinb├Âck hat sich durch einige seiner Auftritte und Forderungen keinen Gefallen getan, was ausgiebig im Mannheimer Morgen berichtet wurde. In der Rhein-Neckar-Zeitung kommt Herr Kleinb├Âck meist sehr gut weg, schlie├člich ist der „Ladenburger Korrespondent“ ein aktives SPD-Mitglied.

Umgekehrt hat der Kandidat Hans-Ulrich Sckerl (Gr├╝ne) bundesweit f├╝r Schlagzeilen gesorgt, weil er Mitglied im Untersuchungsausschuss zur Aufkl├Ąrung des „brutalen“ Polizeieinsatzes Ende September 2010 war. Hunderte von Verletzten aus den Reihen der Stuttgart21-Gegner hatte es gegeben. Und Sckerl war auch bundesweit in der Presse zitiert in Sachen Verdeckter Ermittler in Heidelberg. Ein Polizist hatte Studenten ausgespitzelt.

Doch diese „landespolitischen Themen“ haben in einem Provinzblatt wie dem Mannheimer Morgen kein gro├čes Gewicht – schon gar nicht im Regionalteil.

Stattdessen schiebt sich hier eine im Vergleich vollkommen bedeutungslose Hinterb├Ąnklerin, wie man Frau Dr. Birgit Arnold (FDP) bewertet werden kann, noch vor den vielzitierten und beachteten Gr├╝nen-Politiker Sckerl.

Mit einer objektiven Berichterstattung, die sich an Inhalten und Relevanz der Themen orientiert, hat die Berichterstattung im Mannheimer Morgen meist wenig zu tun. Viel eher mit der der Best├Ątigung der „redaktionellen Linie“, die es aber nicht gibt, weil die Redaktion keine Linie hat.

Beim MM wird von „oben“ durchgereicht, was und wer „ins Blatt“ kommt. Georg Wacker ist der Spitzenkandidat, der „bevorzugt“ berichtet wird.

Die anderen fallen demgegen├╝ber klar ab, auch wenn Herr Kleinb├Âck kurz eine „B├╝hne“ geboten wurde.

Das System der provinziellen Berichterstattung hat lange funktioniert – jedenfalls solange es kein Internet gegeben hat. Langsam aber sicher verschieben sich die Aufmerksamkeiten.

Mit ziemlicher Sicherheit darf man annehmen, dass die apokalyptischen Zust├Ąnde in Japan „vor Ort“ eine kleine Rolle spielen werden – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass gerade die baden-w├╝rttembergische CDU die Atomenergie ohne Zweifel immer unterst├╝tzt hat.

Herr Wacker taugt als „Ausstiegskandidat“ ebensowenig wie Frau Dr. Arnold. Entweder hatten sie keine oder eine linientreue Haltung zur Atomenergie.

Im Mannheimer Morgen ist die Hinterb├Ąnklerin Arnold wichtiger als der Innenexperte Sckerl. Foto: hirschbergblog.de

Falls Sie sich ├Ąu├čern und in der Zeitung mit Aussagen zu einem Ausstieg zitiert werden sollten, darf man das getrost als „dummes Geschw├Ątz“ abtun, weil sie erstens keine Einflusstr├Ąger in der Sache sind und zweitens wenig Ahnung haben.

Gerhard Kleinb├Âck hingegen hat eine klare Linie bezogen – auch in unserer Umfrage unter Landtagskandidaten und seinem Beitrag „Was mir sonst wichtig ist…“. F├╝r ihn war vor Wochen schon der Atomausstieg eine klare Pr├Ąferenz.

Uli Sckerl ist vollkommen unverd├Ąchtig in Sachen Atompolitik einen Schlingerkurs zu fahren. Er fordert den Ausstieg schon lange konsequent und vern├╝nftig.

Das Problem aus seiner Sicht muss dabei sein, dass er im Gegensatz zu Herrn Wacker nur zu einem Drittel in der Zeitung ├╝berhaupt stattfindet.

Interessant ist, dass die Gr├╝nen teils konservativer als die „Konservativen“ sind, was die Medien angeht – deren Engagement in „alternativen“ Medien wie Internetauftritten, Foren und Blogs ist weitaus „├╝berzeugender“ als das der Gr├╝nen.

Noch bestimmen vielerorts die Zeitungen die „Wahrnehmung“ und manipulieren diese als Monopolisten.

Doch das wird sich ├Ąndern. Im Wettbewerb um Wahrnehmung beschreiten alle ein neues Feld mit dem neuen Medium Internet.

Und wer eine Google-Abfrage zu den Kandidaten macht, stellt fest, dass Georg Wacker auch hier mit ├╝ber 40.000 Treffern weit vorne liegt, vor Herrn Kleinb├Âck mit 27.000 Treffern und vor Frau Dr. Arnold mit 24.000 Treffern. Uli Sckerl landet bei gut 7.000 Treffern.

Obwohl der MM hier nicht direkt manipulieren kann, tr├Ągt doch die Dominanz der Berichterstattung, die auch im Internet gez├Ąhlt wird, dazu bei.

Die restliche fehlende Aufmerksamkeit ist selbstverschuldet.

Landtagswahl 2011: Mannheimer Morgen berichtet eindeutig parteiisch – f├╝r die CDU


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 15. M├Ąrz 2011. (red) W├Ąhler werden nicht nur durch Wahlplakate beeinflusst, sondern auch durch die Medien. Eine m├Âglichst ausgewogene Berichterstattung ist deshalb wichtig. Denn wer besonders h├Ąufig in der Berichterstattung erw├Ąhnt wird, ist auch pr├Ąsenter beim W├Ąhler. Mit der „Ausgewogenheit“ hat der Mannheimer Morgen jedoch ein Problem.

Dr. Birgit Arnold (FPD), Gerhard Kleinb├Âck (SPD), Uli Sckerl (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen), Georg Wacker (CDU) – so hei├čen, alphabetisch geordnet, die Spitzenkandidaten der „etablierten Parteien“.

Alle vier treten im Wahlkreis 39 Weinheim zur Landtagswahl 2011 in Baden-W├╝rttemberg an.

Allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen, die nicht nur durch die Parteifarbe oder -kasse bestimmt werden. Sondern auch durch die Berichterstattung.

Gehen Sie mal in sich und denken nach:

  • Welcher Name ist Ihnen ein Begriff? Arnold, Kleinb├Âck, Sckerl, Wacker?
  • Welchen Namen haben sie oft geh├Ârt, gelesen?
  • Welchen Namen eher weniger?
  • Und f├╝r was steht der jeweilige Kandidat?
  • An welches Bild der Kandidaten erinnern Sie sich?

Unausgewogene Berichterstattung

Halten Sie ruhig „Ihre“ Erinnerungen fest und vergleichen Sie diese mit unserer Auswertung. Sie werden ├╝berrascht sein, wie genau das Ergebnis sein wird.

Wir haben uns nicht auf die Erinnerung verlassen, sondern die Berichterstattung des Mannheimer Morgens in den vergangenen Wochen genauer angesehen und ausgez├Ąhlt. Die Ergebnisse sind mehr als interessant – denn sie zeigen, wie unausgewogen berichtet wird und wie die „Erinnerung“ beeinflusst wird.

Zur Methode: Wir haben s├Ąmtliche Ausgaben des Mannheimer Morgens „Rhein-Neckar“ seit Januar 2011 bis einschlie├člich 10. M├Ąrz 2011 nach den oben genannten Spitzenkandidaten durchsucht. Jede Erw├Ąhnung wurde als Treffer gez├Ąhlt.

Dar├╝ber hinaus haben wir Unterscheidungen nach Gr├Â├če des Berichts, Bild Ja/Nein sowie Gr├Â├če des Bildes vorgenommen.

Unsere Ergebnisse nachfolgend im Ãœberblick:

Einteilung nach H├Ąufigkeit der Erw├Ąhnung:

Auf Platz 1 dieses „Rankings“ befindet sich der CDU-Spitzenkandidat Georg Wacker mit 38 Artikeln, in denen sein Name genannt wird.

Mit deutlichem Abstand folgt Gerhard Kleinb├Âck (SPD) mit 27 Erw├Ąhnungen.

Ebenfalls deutlich ist der Abstand auf Dr. Birgit Arnold (FDP) und Uli Sckerl (Gr├╝ne) mit je 21 Erw├Ąhnungen.

Einteilung nach Gr├Â├če des Artikels:

Hier haben wir drei Einstufungsarten vorgenommen. Sehr kurze Artikel haben wir als „Nachricht“ gewertet, gefolgt von einem „Bericht“ bis hin zu einem „Gro├čen Bericht“. Anhand dieser Einteilungen ergibt sich folgende Rangabstufung:

Nachricht: Georg Wacker (CDU) fand insgesamt 19 namentliche Erw├Ąhnungen in einer „Nachricht“, Uli Sckerl (Gr├╝ne) war 15-mal namentlich erw├Ąhnt worden. Dr. Birgit Arnold (FDP) erhielt 9 Erw├Ąhnungen in einer Nachricht. Das Schlusslicht bildet Gerhard Kleinb├Âck (SPD) mit 8 Nennungen in einer Nachricht.

Bericht: Diesen Bereich f├╝hrt Gerhard Kleinb├Âck (SPD) mit insgesamt 12 Erw├Ąhnungen. Dicht gefolgt wird er von Georg Wacker (CDU), der es hier auf 10 Erw├Ąhnungen bringt. Auf Platz 3 findet sich Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 6 Nennungen wieder. Am Ende der Skala befindet sich hier Uli Sckerl mit 3 Erw├Ąhnungen in einem Bericht.

Gro├čer Bericht: Bei den gro├čen Berichten f├╝hrt abermals Georg Wacker (CDU) mit 9 Erw├Ąhnungen. Ihm folgt Gerhard Kleinb├Âck (SPD) mit 7 Nennungen. Am Ende der Skala finden sich erneut Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 5 Erw├Ąhnungen sowie Uli Sckerl (Gr├╝ne) mit gerade mal 3 Erw├Ąhnungen.

Au├čerhalb der Einteilung von Nachricht bis Bericht fand Dr. Birgit Arnold (FDP) im Rahmen eines Interviews Erw├Ąhnung und Uli Sckerl (Gr├╝ne) wurde einmal im „Zitat des Tages“ genannt.

Einteilung nach Bild Ja/Nein:

Bei dieser Abstufung haben wir ausgewertet, ob im Zuge der Namenserw├Ąhnung auch ein Bild vorhanden war. Entscheidend hierf├╝r war jedoch nicht, ob es sich dabei um ein Portr├Ątfoto handelte. Wir haben auch die Setzung eines „Symbolfotos“ gez├Ąhlt, da Bilder in journalistischen Texten einen besonderen Reiz darstellen.

Dieses „Ranking“ wird abermals von Georg Wacker (CDU) gef├╝hrt, der es auf stattliche 22 Bilder brachte, wenn sein Name in einem Artikel fiel.

Direkt dahinter befindet sich abermals Gerhard Kleinb├Âck (SPD) mit 18 Bildern.

Im „zweitstelligen“ Bereich findet sich immerhin noch Dr. Birgit Arnold (FDP) mit 12 Bildern.

Gegen├╝ber Georg Wacker erreicht Uli Sckerl (Gr├╝ne) nur magere 7 Bilder und damit ein Drittel.

Einteilung nach Bildgr├Â├če:

Auch die Gr├Â├če der Bilder ist ein interessantes Kriterium – je gr├Â├čer, desto besser „bemerkbar“. Hier unterschieden wir drei Varianten: Klein – Mittel – Gro├č.

Kleine Bilder erhielten: Georg Wacker (CDU)├é┬á 9 Bilder, Uli Sckerl (Gr├╝ne) 4 Bilder, Gerhard Kleinb├Âck (SPD) 2 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 2 Bilder.

Mittlere Bilder erhielten: Gerhard Kleinb├Âck (SPD) 8 Bilder, Georg Wacker (CDU) 6 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 3 Bilder, Uli Sckerl (Gr├╝ne) 1 Bild.

Gro├če Bilder erhielten: Gerhard Kleinb├Âck (SPD) 8 Bilder, Dr. Birgit Arnold (FDP) 7 Bilder, Georg Wacker (CDU) 7 Bilder, Uli Sckerl (Gr├╝ne) 2 Bilder.

Gesamtergebnis:

Anhand der vier m├Âglichen Rangplatzierungen und der acht Kriterien ergibt sich folgendes Bild:

Georg Wacker belegte: 5x den 1. Platz und 3x den 2. Platz

Gerhard Kleinb├Âck belegte: 3x den 1. Platz, 3x den 2. Platz, 1x den 3. Platz und 1x den 4. Platz

Dr. Birgit Arnold belegte: 1x den 2. Platz, 6x den 3. Platz und 1x den 4. Platz

Uli Sckerl belegte: 2x den 2. Platz, 1x den 3. Platz und 5x den 4. Platz.

Anhand dieser Ergebnisse lassen sich folgende Querschnitte bilden. Je n├Ąher der Wert bei 1 ist, desto pr├Ąsenter war der entsprechende Kandidat in der Berichterstattung des Mannheimer Morgen im Zeitraum Januar 2011 – 10. M├Ąrz 2011.

Geht es nach der quantitativen Auswertung der Berichterstattung im MM hat der Kandidat Georg Wacker (CDU) einen weiten Vorsprung vor den anderen. Quelle: rheinneckarblog

Der „klare“ Sieger in der Berichterstattung ist mit jeweils deutlichem Abstand Georg Wacker (CDU) – der „klarste“ Verlierer Uli Scklerl (Gr├╝ne). Jedenfalls nach den „Pr├Ąferenzen“ des Mannheimer Morgens.

Georg Wacker (CDU): 1,4
Gerhard Kleinb├Âck (SPD): 2
Dr. Birgit Arnold (FDP): 3
Uli Sckerl (Gr├╝ne): 3,1

Erinnern Sie sich noch an die Fragen oben?

Entspricht das Ihrer Wahrnehmung?

Werden Sie dementsprechend w├Ąhlen?

Ganz sicher beeinflusst auch eine solche Analyse die Entscheidung, wer wo sein Kreuz macht.

Wahlentscheidungen basieren auf vielf├Ąltigen Faktoren, fr├╝her vor allem auf dem „sozialen Stand“, der Bildung, des Verm├Âgens. Heute immer mehr auf Informationen.

Ganz sicher ist damals wie heute die Regel: Nur wer „wahr genommen“ wird, hat auch Chancen.

Nicht nur Argumente entscheiden, sondern auch „Gef├╝hle“. Erfahrungen und Erinnerungen.

Wer ist eher etabliert? Wer kann mit wem? Wer „scheint“ der bessere Kandidat zu sein? Wer ist am ehrlichsten?

Der innere „Abstimmungsprozess“ erfolgt vor dem Kreuz auf dem Wahlzettel.

Leserinnen und Leser, die „gr├╝n“ pr├Ąferieren, m├╝ssen massiv entt├Ąuscht sein und sich fragen, was sie von einer so eindeutig „parteiischen“ Berichterstattung halten sollen. Der vierte Platz f├╝r den Kandidaten Hans-Ulrich Sckerl ist eindeutig nicht der Platz, den der „Innenexperte“ und die Gr├╝nen im Land und im Kreis einnehmen – die „Pr├Ąsenz“ in der Berichterstattung t├Ąuscht hier massiv.

Anmerkung der Redaktion:
Die Ergebnisse unserer Auswertung sind nicht repr├Ąsentativ f├╝r „alle Medien“ zu verstehen, da wir nur die Berichterstattung im Mannheimer Morgen untersucht haben.
Es handelt sich um eine quantitative Erhebung, nicht um eine qualit├Ątive. Nicht bewertet wurden „negative“ oder „positive“ inhaltliche Text- oder Bildaussagen.

Recherche: Christian M├╝hlbauer, Paul Maa├č

Chaos-Berichterstattung: Verschmolzene Nachrichten

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Japan/Welt, 13. M├Ąrz 2011. (red) Die Erdbeben-Katastrophe hat zuerst Japan ersch├╝ttert und enorme Zerst├Ârungen angerichtet. Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Weitere, weltweite „Ersch├╝tterungen“ werden folgen. Politische und wirtschaftliche, eventuell auch gesundheitliche. W├Ąhrenddessen ist die Berichterstattung ├╝ber die Katastrophe ein Teil davon.

Von Hardy Prothmann

Die erste Meldung, die ich zur Erdbeben-Katastrophe in Japan wahr genommen habe, sprach von einem starken Beben und mehreren Dutzend Toten.

Ein "Retter" h├Ąlt einen Jungen", tr├Ągt ihn aus der Zone der chaotischen St├Ârung. Der Jung scheint unverletzt, die Kleidung ist sauber, er hat beide Schuhe an, gibt keinen Laut von sich. Ist das glaubhaft, wenn man die Zerst├Ârung im Hintergrund sieht? Oder ist das eine "gestellte" Aufnahme? Die ARD stellt die Frage nicht, sondern zeigt die Bilder und best├Ątigt damit deren "Echtheit". Quelle: ARD

Jede Hoffnung auf einen „glimpflichen Ausgang“ der Tr├Ągodie habe ich mittlerweile aufgegeben.

Denn ein paar Stunden sp├Ąter sind es schon hundert oder zweihundert Tote und ein „enorm schwereres“ Beben.

Einen Tag sp├Ąter ist es das „schwerste, je gemessene“ Beben, dass die japanische Insel seit Beginn der Aufzeichnungen ersch├╝ttert hat und es sind „vermutlich“ ├╝ber 1.000 Tote.

Wiederum Stunden sp├Ąter sind es „m├Âglicherweise“ mehr als 10.000 Tote – die K├╝stenstadt Minamisanriku sei „v├Âllig zerst├Ârt“.

Seit das Beben der St├Ąrke 8,8 auf der Richter-Skala am 11. M├Ąrz 2011 um 06:45 Uhr unserer Zeit das weit entfernte Japan ersch├╝ttert hat, sind noch nicht einmal zwei Tage vergangen.

Die Energie der Katastrophe wird immer unfassbarer.

Und die Nachrichten verdichten sich, schmelzen zusammen. Die Energie der Zerst├Ârung wird immer deutlicher, wenn auch immer noch unfassbar.

Das ausl├Âsende gro├če Beben ist vorbei, Nachbeben ersch├╝ttern das Land.

Und die f├╝rchterlichste Katastrophe l├Ąuft langsam, aber „sicher“ ab. In Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima I droht eine „Kernschmelze“.

Die Kettenreaktion der Nachrichtenschleife wiederholt sich.

Auch andere Reaktoren sollen „Probleme“ haben – die Nachrichtenschleife beginnt von vorne.

Erst hei├čt es, es drohe keine Gefahr. Dann, es g├Ąbe gr├Â├čere Sch├Ąden, aber alles sei aber unter Kontrolle. Dann werden Schwierigkeiten gemeldet – die sind nat├╝rlich „unvermutet“.

Alles, was nach „echten Schwierigkeiten“ klingen k├Ânnte, wir dementiert.

Alle Nachrichten sind unsicher. Dann wird best├Ątigt, dass Fukushima „m├Âglicherweise au├čer Kontrolle“ sei. Dann explodiert was. Was genau, kann niemand ganz genau sagen. Aber die Bev├Âlkerung wird zur „Ruhe“ aufgefordert.

"Kontrolleure" winken Personen durch. Ist das glaubw├╝rdig, wenn einer nach dem anderen "durchgewunken" wird? Quelle: Spiegel online

Dann wird eine Sicherheitszone von zehn Kilometern eingerichtet, sp├Ąter auf 20 Kilometer erweitert.

Dann verdichten sich die Nachrichten, dass eine Kernschmelze bevorstehe oder bereits begonnen habe.

Dann gibt es Meldungen, dass Menschen „in Sicherheit“ gebracht, also vermutlich evakuiert w├╝rden.

200.000 Menschen in Sicherheit?

Dann sind es „vermutlich“ 100.000, dann 110.000 und gegen Mitternacht meldet Spiegel Online: „Japan bringt 200.000 Menschen in Sicherheit.“

Das mag man so gerne glauben: Sicherheit f├╝r die Menschen in den betroffenen Gebieten.

├â┼ôberall laufen Videobilder: Menschen werden auf „radioktive Konterminierung“ gepr├╝ft und d├╝rfen weggehen, Helfer holen Kinder, Alte und Verletzte aus den feuchten M├╝llw├╝sten, die der Tsunami hinterlassen hat.

Auffanglager werden gezeigt und statt „Durchhalteparolen“ d├╝rfen interviewte Personen sagen, dass sie Angst haben, aber hoffen und es keinen Ausweg gibt.

Tatsache ist:

Seit um 06:45 Uhr unserer Zeit ein gigantisches Erdbeben Japan ersch├╝tterte, wird zun├Ąchst Japan von einer unglaublichen Katastrophe heimgesucht.

Das Erbeben hat enorme, noch nicht bezifferbare Sch├Ąden ausgel├Âst.

Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami mit einer unglaublich zerst├Ârerischen Energie. Aus der sichereren Hubschrauberperspektive aufgenommene Bilder belegen eine nat├╝rliche Zerst├Ârungsgewalt, die bar jeder „Ideologie“ ist, sondern nur physikalischen Gesetzen folgt. Es gibt kein „gut“ oder „schlecht“, sondern nur hohe Wellen mit einem gigantischen Druck, die alles mitrei├čen.

Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Die Infrastruktur des Landes ist besch├Ądigt. Die K├╝hlsysteme von einigen Atomkraftwerken sind angegriffen und versagen.

Die Medien transportieren lange vor der m├Âglichweise stattfindenden Kernschmelze Meldungen aus allen Richtungen, die alle nicht „sicher“ sind.

Die Hoffnung ist zu sp├╝ren – die Meldungen entwickeln sich schlecht.

Oft ist den Meldungen die Hoffnung anzumerken, dass die Katastrophe nach der Katastrophe ausbleibt.

Aber die Meldungen entwickeln sich schlecht und es wird immer klarer, dass der Tsunami die schlimmste Naturkatastrophe in der „aufgezeichneten“ Geschichte Japans ist, aber die sich ank├╝ndigende technische Katastrophe noch „schlimmer“ sein k├Ânnte.

Um das Kernkraftwerk Fukushima wird eine „Sicherheitszone“ eingerichtet, erst zehn Kilometer, dann zwanzig Kilometer.

Ob ARD, ZDF, Spiegel oder andere Nachrichten"quellen" - ├╝berall diesselben Bilder derselben Turnhalle, die als Beleg daf├╝r herhalten muss, dass hunderttausende von Menschen evakutiert werden. Quelle: Spiegel online

Angeblich werden 200.000 Menschen „in Sicherheit“ gebracht. Innerhalb von Stunden – wie das „logistisch“ in einem Land m├Âglich ist, dessen Infrastruktur empflindlich gest├Ârt wurde, berichtet kein Medium. Ebensowenig, wie man mal eben innerhalb von Stunden eine Logistik aufbaut, um 200.000 Menschen „aufzufangen“.

Die Medien berichten trotzdem weiter. Meldung um Meldung kommt in die Redaktionen, wird dort „bearbeitet“ und verl├Ąsst sie wieder – dann und dann sind die Nachrichten auf Sendung, dann und dann m├╝ssen Zeitungen gedruckt werden. Immer braucht es die „neueste“ Nachricht, die „letzte Meldung“.

Doch die Zeitverschiebung verst├Ąrkt das Chaos – Europa ist acht Stunden „hinter“ Japan. Wer sich am Nachmittag oder Abend informieren will, gekommt keine neuen Nachrichten, denn es ist dann Nacht in Japan.

Nachrichten ohne Halbwertzeit.

Und niemals sagt jemand: „Stop – nichts, von dem, was wir berichten, kann irgendjemand ├╝berpr├╝fen. Solange das nicht „gecheckt“ ist, gehe ich damit nicht auf Sendung.“ Oder: „Sie sehen hier Bilder, die wir gekauft haben. ├â┼ôber die Zuverl├Ąssigkeit k├Ânnen wir Ihnen keine Auskunft geben, weil wir nicht vor Ort waren.“

Es gibt keine Halbzeitpause und schon gar keine Halbwertzeit f├╝r Nachrichten.

Nach und nach „verdichten“ sich aber die Nachrichten und es wird immer „klarer“, dass alles, was noch Stunden zuvor gemeldet worden ist, keine G├╝ltigkeit mehr hat.

Aus Sicht der Medien, vor allem der H├Ârfunk- und Fernsehsender, ist das egal. Je mehr Dramatik, umso besser – damit kann man den „Flow“, also die Nachrichtenkette wunderbar weiterf├╝hren.

Voranschreitendes Ungl├╝ck f├╝r Tageszeitungen.

F├╝r die Tageszeitungen, vor allem die lokalen, ist ein solch dramatisch voranschreitendes Ungl├╝ck aber eine andauernd zeitversetzte Katastrophe. Was in der Zeitung als Nachricht steht, ist schon l├Ąngst „vergl├╝ht“ und stimmt aktuell nicht mehr.

Gerade die Lokalzeitungen sind „doppelt getroffen“ – einerseits von dem unglaublichen Ereignis und seiner Geschwindigkeit und andererseits, weil sie keine eigenen Leute vor Ort haben. Korrespondenten leistet sich so gut wie keine Monopolzeitung mehr.

Sie k├Ânnen nur abschreiben, was „die Agenturen“ berichten. Und das nur bis zum Druck des Blattes – jede Korrektur in den Stunden danach findet in der Lokalzeitung nicht mehr statt.

Kollektiver Gau aller „Nachrichtenredaktionen“.

Was es bedeutet, mal eben innerhalb von „Stunden“ 200.000 Menschen dauerhaft zu evakuieren, fragt keiner. Die sind „in Sicherheit gebracht“ und „schlucken Jod-Tabletten“, damit sich kein radioaktives Jog in deren Schilddr├╝se einlagert.

Die Bilder, wo diese „200.000 Menschen“ untergebracht sind, fehlen. Die Frage, wie man das mal eben so innerhalb eines Tages organisiert, auch.

├â┼ôber Gro├čveranstaltungen im Heimatland wie Rock-Konzerte wird hingegen ├╝ber Monate im voraus berichtet, ├╝ber die Herausforderungen f├╝r den Verkehr, die Polizei, die Rettungskr├Ąfte, die Veranstalter und die zu erwartende Show – und das bei funktionierender Infrastruktur.

Sehnsucht nach Halt im Chaos, w├Ąhrend die Kerne schmelzen.

Darum geht es aber gerade nicht. Es geht um die Sehnsucht, dass irgendjemand wei├č, was er tut. Es geht um einen „Halt“ im Tsunami der sich ├╝berschlagenden Nachrichten.

Im Internet und dann auch im Fernsehen werden eine „Turnhalle“ und ein „Zeltunterstand“ mit Bildern von „Kontrolleuren“ in vermeintlichen Maler-Papieranz├╝gen gezeigt, mit der Bildaussage, das „alles unter Kontrolle“ ist.

Nachrichten im Sog der Kernschmelze.

Sp├Ątestens dann wird klar, dass eine journalistische Kernschmelze begonnen hat und nichts mehr „unter Kontrolle“ ist. Dass nur noch in Konkurrenz zu anderen um „die besten Bilder“ ein Theater veranstaltet wird, das seinesgleichen sucht.

Ich gehe davon aus, dass die „Nachrichten“ der kommenden Tage eine Katastrophe zeigen, die noch „unglaublicher als unglaublich“ sein wird.

Die Informationen werden ersch├╝tternd sein – f├╝r Weltbilder, f├╝r die Wirtschaft, f├╝r die Politik, f├╝r den Glauben an die „Zukunft“ – zumindest in Japan, aber vermutlich in der ganzen Welt.

├â┼ôber die Folgen hat noch niemand berichtet – sie werden ebenfalls „unglaublich“ sein.

Bis man sie glauben muss.

In eigener Sache: ├ťber Missst├Ąnde und Missverst├Ąndnisse

//

 

Guten Tag!

Heddesheim, 29. April 2010. Die Redaktion des heddesheimblogs nimmt einen Kommentar zum Anlass – zu „Missst├Ąnden“ und „Missverst├Ąndnissen“ Stellung zu nehmen.

Von Hardy Prothmann

Der Kommentator Robin Maier schreibt: „Ich bin Teil der Organisation und versuche mal einen „Mi├čstand“ klarzustellen. Hier geht es nicht um das Public Viewing an sich, sondern heddesheimblog vs. Mannheimer Morgen/Gemeinde/TG.“

Der von Ihnen beklagte Missstand beruht auf einem Missverst├Ąndnis.

Es gibt in der Redaktion keine Haltung: heddesheimblog vs. Mannheimer Morgen (MM)/Gemeinde/TG.

Zutreffend ist: das heddesheimblog konkurriert mit anderen Medien um die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser, darunter dem MM. Das nennt man Wettbewerb.

Diese Form von gesch├Ąftlichem Wettbewerb ist zugleich eine Dienstleistung und eine Produktion. Aber sie ist mehr als das – sie beruht auf Artikel 5 Grundgesetz, also auf der Meinungsfreiheit.

Grunds├Ątzlich gilt: Um sich eine Meinung bilden zu k├Ânnen, braucht man Informationen. Die werden in pers├Ânlichen Gespr├Ąchen, am Stammtisch, im Verein, in anderen Runden oder auch ├╝ber Medien transportiert.

Wie bei allen Waren ist die Qualit├Ąt der Informationen durchaus unterschiedlich. Doch selbst die beste Information kann letztlich Meinungslosigkeit hinterlassen – denn die Empf├Ąnger von Informationen m├╝ssen auch bereit sein, sich eine Meinung bilden zu wollen. Die Art dieser Bereitschaft beeinflusst wiederum die Informationsverarbeitung und damit letztlich das Meinungsbild.

Sprich: Zeige ich mich offen f├╝r Informationen oder filtere ich nur das, was ich wahrnehmen will?

heddesheimblog vs. MM

Der MM ist nicht nur eine lokale Monopolzeitung – durch diesen Status beherrschte die Zeitung in der Zeit vor unserer Berichterstattung auch das Monopol ├╝ber die Meinungen der Menschen im Verbreitungsgebiet.

Durch unser Angebot erweitern wir die M├Âglichkeit, sich eine Meinung zu bilden. Wenn wir erkennen, dass der MM Meinungen manipuliert – dann weisen wir die ├ľffentlichkeit auf diesen Missstand hin. Und hier, lieber Herr Maier, sind viele und gravierende Missst├Ąnde zu erkennen.

Die Medien werden auch als „vierte Gewalt“ im Staat bezeichnet. Medien alleine k├Ânnen das aber nicht leisten – es braucht dazu die B├╝rgerinnen und B├╝rger, die sich ├╝ber m├Âglichst mehr als ein Medium informieren k├Ânnen und sich eine Meinung bilden.

Wollen Medien ihre so genannte „W├Ąchterfunktion“ wahrnehmen, m├╝ssen sie mit kritischem Blick die Geschehnisse verfolgen. Medien, die nur Bratwurstjournalismus anbieten, erzeugen Bratwurstmeinungen.

heddesheimblog vs. Gemeinde

Die Gemeindeverwaltung Heddesheim ist eine Beh├Ârde. Diese ist dazu da, die ├Âffentlichen Angelegenheiten einer Kommune und damit der dort lebenden B├╝rgerinnen und B├╝rger zu regeln. Dabei ist sie verpflichtet, die Medien gleichberechtigt zu informieren und Ausk├╝nfte zu erteilen.

B├╝rgermeister Michael Kessler ist Leiter der Verwaltung. Er behandelt Medien selektiv und bevorzugt und benachteiligt uns und verweigert Ausk├╝nfte.

Damit verst├Â├čt er nicht nur gegen das Landespressegesetz – er zeigt sich auch presse- und damit demokratiefeindlich. Das hat zur Konsequenz, dass er Teilen der ├ľffentlichkeit, die sich bei uns informieren, unter Umst├Ąnden entscheidende Informationen verweigert. Damit ├╝bt er sein Amt aus unserer Sicht unzureichend aus.

Die Person Michael Kessler ist f├╝r die Redaktion nur eine Person wie jede andere auch. Der B├╝rgermeister ist ein Amtstr├Ąger. An der Art, wie Herr Kessler dieses Amt ausf├╝llt, messen wir ihn als Beh├Ârdenleiter.

Wenn Sie unsere Berichterstattung aufmerksam verfolgen – vermuten mir nicht hinter allem „eine Leiche im Keller“ oder gar „b├Âse Absichten“. ├â┼ôber die meisten Angelegenheiten berichten wir ohne „spezielle“ Vermutungen. Ganz im Gegenteil stellen wir auch positive Entwicklungen als solche dar.

Unsere Berichte informieren unsere Leserinnen und Leser zutreffend ├╝ber das, was in der Gemeinde passiert. Vieles davon ist normaler Alltag – den dokumentieren wir und versuchen durch die Art der Berichterstattung die Menschen f├╝r diese Themen zu interessieren.

heddesheimblog vs. TG

Hier, lieber Herr Maier, haben Sie einen sehr selektiven Blick auf unsere Berichterstattung gelegt. Andererseits beschreiben Sie auch hier ein Problem, dass nichts mit der redaktionellen Haltung zu tun hat.

Die Berichterstattung ├╝ber Vereine als wichtige gesellschaftliche Organisationen liegt uns am Herzen. Die meisten Vereine, ├╝ber die wir bislang berichtet haben, sch├Ątzen unsere Berichterstattung, mehr noch aber unser Interesse, das wir f├╝r die Belange der Vereine zeigen.

Unsere „kritische“ Haltung beeinflusst das nicht. Wir berichten „positiv kritisch“, wenn unsere Informationen dies belegen. Wir berichten „negativ kritisch“, wenn wir der Auffassung sind, dass dies angezeigt ist.

Die TG ist als Verein im Gegensatz zur Gemeinde nicht zur Auskunft verpflichtet. Typischerweise ist ein Verein aber an m├Âglichst vielf├Ąltigen Medienberichten interessiert, weil das die Bedeutung der Vereinsarbeit unterstreicht und f├╝r neue Mitglieder sorgt.

Der Vorstand der TG, insbesondere Herr Ewald Doll, hat sich nicht nachvollziehbar dazu entschlossen, allen Leserinnen und Lesern des heddesheimblogs, Informationen ├╝ber die Vereinsarbeit zu verweigern. Herr Doll erweist sich unserer Auffassung nach damit ebenfalls presse- und demokratiefeindlich und ├╝bt sein Amt als Vereinsvorsitzender unzureichend aus. Wir behaupten sogar, dass er vors├Ątzlich und bewusst dem Verein durch dieses Verhalten schadet.

Viele unserer Leserinnen und Leser sind Mitglied der TG Heddesheim – die Vermutung, dass heddesheimblog w├╝rde „gegen die TG“ berichten, ist allein schon deshalb absurd.

Wir m├Âchten Ihnen zum besseren Verst├Ąndnis ein anderes Beispiel nennen: Unser Kommentar „Der Prunk, die Sitzung und was die Grumbe besser machen k├Ânnen“ stellte die Prunksitzung des Karnevalvereins positiv dar. Kritisiert haben wir aber die Vereinsvorsitzenden. Diese haben sich f├╝r die Kritik bedankt und als das verstanden, was sie war: Eine Meinungs├Ąu├čerung und ein Hinweis auf einen „Missstand“, den man verbessern kann.

Heddesheimer Verh├Ąltnisse vs. vorbildliche „Verh├Ąltnisse“

Wir verweisen ebenfalls zum besseren Verst├Ąndnis gerne auf unsere weiteren Angebote hirschbergblog.de und ladenburgblog.de.

Dort berichten wir mit derselben Mannschaft aus der gleichen Haltung heraus: unabh├Ąngig, ├╝berparteilich, kritisch und interessiert.

Die B├╝rgermeister in Hirschberg (Manuel Just) und Ladenburg (Rainer Ziegler) und ihre Verwaltungen verhalten sich vorbildlich gegen├╝ber der Presse insgesamt und auch unserer Redaktion: Das hei├čt, sie informieren die Medien gleichberechtigt.

Bei unseren Recherchen k├Ânnen wir selbstverst├Ąndlich alle Mitarbeiter dieser Kommunen ansprechen und erhalten fachlich fundierte Ausk├╝nfte. Zeitnah und sehr zuvorkommend durch die Mitarbeiter, die unsere redaktionelle Arbeit damit hervorragend unterst├╝tzen.

Dasselbe gilt f├╝r die Vereine und andere Organisationen, die auf die Redaktion zukommen, Informationen ungefragt ├╝bermitteln und uns einladen, an allen Verstaltungen teilzunehmen.

Der Fisch stinkt vom Kopf her

Was ist der Unterschied?

Wie in allen Kommunen, gibt es in Heddesheim und auch in Hirschberg und Ladenburg „interessierte Kreise“. Das reicht vom Seniorennachmittag ├╝ber die Vereine und andere Organisationen bis hin zu den Verwaltungen.

„Interessierte Kreise“ sind auch vollkommen in Ordnung – es sei denn, sie entwickeln sich zu Cliquen, Kl├╝ngeln oder Kartellen und machen sich den Ort zur Beute.

Wir haben den Eindruck, dass dies in Heddesheim der Fall ist. Hier haben sich f├╝hrende Vertreter aus Parteien, Vereinen, Firmen und der Verwaltung zusammengerottet, um ihre „speziellen Interessen“ zu verfolgen und einen „Feind“ zu bek├Ąmpfen – das heddesheimblog.

Nicht die Vereine, Parteien oder die Verwaltung an sich sind daf├╝r verantwortlich und stehen dabei im Fokus unserer Kritik: Hinter diesen „b├Âsen“ Verh├Ąltnissen in Heddesheim stecken einzelne F├╝hrungspersonen: Der Fisch stinkt vom Kopf her.

Transparentes Angebot

Sie schreiben: „Einerseits finde ich es gut, dass ein Medium wie das heddesheimblog Strukturen durchleuchtet und auch mal unangenehme „Fragen“ stellt.├é┬áAndererseits sollte es in Heddesheim noch m├Âglich bleiben Veranstaltungen durchzuf├╝hren, die ehrenamtlich geplant werden und den Vereinskassen zugute kommen sollen, ohne das hinter jedem „Zaun“ eine b├Âse Absicht lauert.“

Die Redaktion folgt keinem „Feindbild“ und wittert auch nicht ├╝berall „b├Âse Absichten“, sondern folgt ausschlie├člich journalistischen Interessen. Unsere Arbeit findet bundesweit Beachtung, wird von Journalisten und Wissenschaftlern gesch├Ątzt und gelobt.

Wir beobachten kritisch das Ortsgeschehen. Die Redaktion erf├Ąhrt dabei ganz ├╝berwiegend Unterst├╝tzung. Aber auch Behinderungen: Wir gehen zu Veranstaltungen – und werden rausgeworfen. Wir fragen nach Informationen – und werden dabei behindert. Es werden b├Âse Ger├╝chte gestreut. Es gibt k├Ârperliche ├â┼ôbergriffe und im September sogar einen „gemeingef├Ąhrlichen“ Anschlag.

Das sind Missst├Ąnde, die wir transparent machen.

Leider fehlt es einigen hier im Ort an der n├Âtigen Souver├Ąnit├Ąt und einer demokratischen Haltung, mit Kritik umzugehen. Einige wenige sind fest entschlossen, jede Kritik als „Angriff“ zu bewerten – dabei bleibt es nicht bei einer Meinungsbildung, sondern es kommt zu inakzeptablen Grenz├╝berschreitungen.

Sie, lieber Herr Maier, w├Ąhlen den guten und richtigen Weg der Kommunikation und freien Meinungs├Ąu├čerung. Ihr Kommentar ist nachvollziehbar, differenziert und vern├╝nftig.

Unterst├╝tzung durch das heddesheimblog

Vielleicht ├Ąndern Sie aber Ihre Meinung, wenn Sie unseren Kommentar nochmals lesen:

Der Einstieg beginnt mit einer „positiven Kritik“. Der Text schildert ein „Public Viewing“ mit mehreren hunderttausend Menschen als positives Beispiel. Dann w├Ągt der Text ab, aus welchen Gr├╝nden das Heddesheimer „Public Viewing“ wie veranstaltet wird.

Diese Abw├Ągung passiert ├Âffentlich, transparent und wird mit Argumenten belegt.

Dann folgt Kritik – nicht aus dem hohlen Bauch heraus, sondern auf Basis von Recherchen. Hinter den Kulissen herrscht nicht eitel Sonnenschein. Die Durchf├╝hrung der Veranstaltung schlie├čt eventuell sozial schw├Ąchere Mitglieder unserer Gemeinschaft aus. Eventuell wird ein „Vorgl├╝hen“ provoziert.

Dar├╝ber hinaus gibt es eine „Man├Âverkritik“ und konstruktive Vorschl├Ąge zur Verbesserung. Keine Befehle, keine Anordnungen – nur Vorschl├Ąge.

Und letztlich beschreibt der Kommentar ein „Ph├Ąnomen“, das in vielen Vereinen, die k├Ąmpfen m├╝ssen, anzutreffen ist: Angst und Misstrauen. In Ladenburg hat das beispielsweise dazu gef├╝hrt, dass die Stadt das beliebte „Ballonfestival“ verloren hat.

Von „b├Âsen Absichten“, lieber Herr Maier, ist mit keinem Wort die Rede.

Die Redaktion begr├╝├čt ausdr├╝cklich das Vorhaben, g├Ânnt den Vereinen ausdr├╝cklich Einnahmen und w├╝nscht den Veranstaltern und allen G├Ąsten (die es sich leisten k├Ânnen) ein erfolgreiches, gemeinsames „Public Viewing“ und unserer Mannschaft den bestm├Âglichen Erfolg bei der WM.

Und wir haben einen Wunsch: Wir w├╝rden gerne umfangreich und ohne Behinderungen berichten k├Ânnen.

Jetzt sind Sie, lieber Herr Maier, als Mitorganisator (Fortuna) gefragt:

  • Vermuten Sie „b├Âse Absichten“ oder setzten Sie sich daf├╝r ein, dass unsere Redaktion wie andere Medien gleich behandelt wird?
  • Und sind Sie und die anderen Veranstalter bereit, sich einer vorurteilsfreien, fairen aber kritischen Berichterstattung zu stellen?

Dar├╝ber w├╝rden wir uns sehr freuen.

Und sicher auch alle unsere Leserinnen und Leser.

In diesem Sinne: Viel Erfolg!

Was ein „Wir-Gef├╝hl“ bedeutet und wie die B├╝rger ├╝ber das Mitteilungsblatt manipuliert werden

Guten Tag!

Heddesheim, 14. Januar 2010. Das Mitteilungsblatt war viele Jahre die wichtigste Informationsquelle ├╝ber das Ortsgeschehen f├╝r die Heddesheimer B├╝rgerinnen und B├╝rger. Daneben gab es noch den Mannheimer Morgen – ein Mitteilungsblatt im Zeitungsformat. Seit Mai 2009 gibt es das heddesheimblog. Das steht f├╝r Unabh├Ąngigkeit, Transparenz und ungefilterte Information.

Kommentar: Hardy Prothmann

Vorab ein Hinweis, warum dieser Text wieder als Kommentar geschrieben wird.

Der Kommentar als Stilform eines journalistischen Textes ist nicht einfach nur ein „Meinungstext“.

Ein guter Kommentar formuliert eine Meinung oder eine These und spitzt diese mitunter auch zu.

Ein guter Kommentar liefert f├╝r seine Argumente auch harte Fakten. Die m├╝ssen recherchiert werden. Das hat nur manchmal mit „investigativer“, also „verdeckter“ Recherche zu tun.

Meist handelt es sich einfach um viel Arbeit mit der Sammlung von Informationen.

ehre

Eine Frage der Ehre oder Ehre, wem Ehre geb├╝hrt. Die ehrenwerte Gesellschaft bestimmt das selbst und hat gut Lachen dabei. Mal ehrlich? Sind das nicht ein echt netter B├╝rgermeister und eine echt nette 1. Stellvertreterin? Das sind "Wir". Quelle: Mitteilungsblatt

Das Mitteilungsblatt (aktueller Text hier als pdf), das der B├╝rgermeister aktuell am Sonntag, den 10. Januar 2010 den Neub├╝rgern „sehr empfohlen“ hat („steht alles drin, was Sie wissen m├╝ssen“), ist ein publizistisches Machtorgan (jede Woche 90.000 Exemplare verschiedener „Mitteilungsbl├Ątter“ des Nussbaum-Anzeigenverlags).

Die Macht hat der B├╝rgermeister, der dem anderen „Hauptorgan“, dem Gemeinderat, vorsitzt.

Er ist zwar kein richtiger „Chefredakteur“ im journalistischen Sinne. Aber er ist verantwortlich f├╝r den Inhalt des amtlichen Teils.

Und er bestimmt, welche Information wie dort drin steht und vor allem welche Informationen dort nicht stehen.

Woche f├╝r Woche kann der B├╝rgermeister also ohne Redaktionskonferenz entscheiden, wie er die B├╝rger ├╝ber was informiert. Gastbeitr├Ąge von anderen oder Leserbriefe oder Anzeigen von anderen sind nicht vorgesehen oder werden auch ohne Begr├╝ndung abgelehnt, wie das vergangene Jahr gezeigt hat.

Vor allem obrigkeitsh├Ârige Menschen folgen der hier gedruckten Information, denn es ist ja „amtlich“.

Wer sich den aktuellen Text ├╝ber den R├╝ck- und Ausblick der Jahre 2009-2010 im Mitteilungsblatt vornimmt, der hat ganz sicher Arbeit vor sich. 21 Seiten Bleiw├╝ste sind alles andere als eine leichte Kost. Ein paar schlechte Schwarzwei├č-Bilder erleichtern nicht wirklich die Lekt├╝re.

Das w├Ąre zu verschmerzen, wenn es sich denn unterhaltsam oder zumindest fl├╝ssig lesen w├╝rde. Tut es aber nicht. Gestelzte S├Ątze, „Verwaltungsdeutsch“, machen die Lekt├╝re unvergn├╝glich. Was solls? Es geht ja auch nicht um die Belustigung der B├╝rger, sondern um Information. Also um Arbeit.

Im ganzen Text geht es um Arbeit: 28 Mal taucht der Begriff im Text auf. Es ist ein „Arbeitsbericht“.

„in Formation“ – mir nach.

Wer informiert, bringt eine Sachlage „in Formation“. Eine Information gestaltet also einzelne Fakten zu einem Gesamtbild. Ein Beispiel: Die planerische Leistung, Busse und Bahnen auf zig Bahnh├Âfen und Haltestellen zu koordinieren, den Fahrkartenverkauf zu regeln und vieles mehr ist ein komplexes Gesch├Ąft und ergibt zum Schluss einen Fahrplan. Ist der gut gelungen, also „informativ“, wei├č jemand, der mit einer solchen Information umgehen kann, recht schnell, wie er von A nach B kommt.

Genau dies scheint der Text im aktuellen Mitteilungsblatt auch zu tun. Er sagt, wo wir herkommen und welchen Anschluss es gibt.

Das allerdings „alternativlos“. Fahrpl├Ąne sind meist „g├╝ltig“. So wie Wahlen. Ist die Richtung festgelegt, gibt es keinen „Zweifel“ mehr.

Dass viele Busse ausgefallen sind, wir auf zugigen Bahnsteigen gefroren haben, uns ge├Ąrgert haben ├╝ber Versp├Ątungen und schlechten Service und unhaltbare Zust├Ąnde und einen zu teuren Preis – das alles steht nicht in einem Fahrplan. Der gilt einfach. So auch der Fahrplan des B├╝rgermeisters Michael Kessler.

Ein Beispiel gef├Ąllig?
„Zur Verantwortung von B├╝rgermeister und Gemeinderat geh├Ârt es, bei Standortanfragen von Unternehmen die Vor- und Nachteile eines Vorhabens zu bewerten und sachgerecht abzuw├Ągen. Wir haben intensiv ├╝ber das Vorhaben und seine Auswirkungen informiert und versucht, auf kritische Stimmen einzugehen und die Diskussion wieder auf eine Sachebene zu bringen. Die Firma Pfenning wird beispielsweise auf die Lagerung von f├╝r den Menschen kritischen Stoffen verzichten. Au├čerdem wird sie eine Vereinbarung zur Verkehrslenkung unterzeichnen.“

Ich hoffe, ich werde jetzt nicht zu „wissenschaftlich“, aber hinter jedem Text gibt es einen „Subtext“, also eine Information hinter der Information.

Die hei├čt: „Zur Verantwortung“.

Wer Verantwortung hat, ist wichtig und wer wichtig ist, muss respektiert werden.
„Vor- und Nachteile abw├Ągen“ – das klingt nach Weisheit.
„Sachgerecht abw├Ągen“ – es geht um die Sache, sonst nichts.
„Intensiv“ – das klingt nach Schwei├č.
„Information“ – das klingt (scheinbar) nach „offener Unterrichtung“.
„Versucht, auf kritische Stimmen einzugehen“ – das klingt nach Diplomatie.
„Wieder auf eine Sachebene zu bringen“ – klingt, als ob jemand anderes diese verlassen h├Ątte.

„Beispielsweise auf die Lagerung von f├╝r den Menschen kritischen Stoffen verzichten“ – Diese Information hat es in sich: Verantwortliche w├Ągen sachgerecht und schwitzend und offen f├╝r Kritik ab, erreichen eine Sachebene und bringen „diplomatisch sachgerecht schwitzend verantwortlich“ den Investor „zum Verzicht“.

Bei diesem Beispiel handelt es sich um eine eindeutige Manipulation. Der „Kunstgriff“ besteht in der Umdeutung der tats├Ąchlichen Abl├Ąufe.

Das heddesheimblog hat ├╝ber das geplante „Chemielager“ der Firmengruppe „Pfenning“ berichtet. Zuvor haben schon viele B├╝rger sich selbst dar├╝ber informiert und kritische Leserbriefe geschrieben, die hier und im Mannheimer Morgen ver├Âffentlicht wurden.

gemeinsam

Mittendrin und ├╝berall dabei: Wenn alle mitmachen, muss es doch gut sein. Oder? Quelle: Mitteilungsblatt

Herr Kessler und andere Bef├╝rworter und auch „Pfenning“ stellten „sachgerecht“ fest, dass dies der Bev├Âlkerung nicht zuzumuten und zu vermitteln war. Es wurden also „Vor- und Nachteile abgewogen“ und danach etwas als „Erfolg“ verkauft, was einer war – wenn auch nicht „auf dem eigenen Mist gewachsen“.

Bei Wikipedia ist nachzulesen: „Von Manipulation eines Menschen spricht man dann, wenn die Annahme eines Identifikationsangebots oder einer Ware und Dienstleistung nicht zu seinem Vorteil, sondern zu seinem Nachteil f├╝hrt. (…) Wer Unterlegenheitsgef├╝hle, mangelndes Selbstvertrauen oder Angst hat, l├Ąsst sich leichter t├Ąuschen, ist leicht manipulierbar.“

„Angst und Sorge“ als manipulatives Mittel der „in Formation-Fraktion“

Angst und Sorge waren das bestimmende Thema des Wahlkampfes zur Kommunal- und auch zur Bundestagswahl. Angst und Sorge treiben auch B├╝rgermeister Michael Kessler, nicht etwa Mut, Vision oder gar Zuversicht.

Deswegen gab es auch drei Fragen f├╝r die B├╝rger. Im Kern ├╝bersetzt: K├Ânnen wir ohne „Pfenning“ unsere kommunalen Einrichtungen halten? Drohen uns Schlie├čungen? M├╝ssen wir bef├╝rchten…?

Nein. M├╝ssen wir nicht. Denn „Pfenning“ ist ├é┬á„Tradition“ und „Familienunternehmen“, das fr├╝her mal „Milch“ transportierte und heute „Lebensmittel“ und „Mehrwertdienste anbietet“. Vertrauen und regionale Verwurzelung also. Das klingt gut. Damit mag man sich „identifizieren“. Da macht man doch mit. Oder?

Die manipulative Kampagne hat bei vielen B├╝rgerinnen und B├╝rgern gewirkt.

„Das Ergebnis der B├╝rgerbefragung wurde in der Gemeinderatsitzung am 08.10.2009 kommunalpolitisch bewertet und ergab eine Mehrheit f├╝r das Weiterbetreiben des Bebauungsplanverfahrens zur Ansiedlung von Pfenning Logistics im Gewerbegebiet“, hei├čt es im Kessler-Text.

Bei der „in-Formation“ fehlt der Zusatz, dass es ├Ąu├čert geringe Mehrheiten waren. 0,7 Prozentpunkte Unterschied bei der B├╝rgerbefragung und 11:9 Stimmen im Gemeinderat. „Sachgerecht“ betrachtet ist eine Mehrheit eine Mehrheit. Reichen 0,7 Prozentpunkte f├╝r das „Wir-Gef├╝hl“ einer Mehrheit?

+0,7 Prozentpunkte als „wir“ gef├╝hlt – der Rest sind die „Anderen“

H├Ątten umgekehrt 0,7 Prozentpunkte „gegen Pfenning“ den B├╝rgermeister und seine Unterst├╝tzer zu einer „kommunalpolitisch“ anderen Bewertung veranlasst? Wohl kaum.

Entscheidend ist die Perspektive und der Wille zu Manipulation. Manipulation ist ein „Kunstgriff„.

Der „Kunstgriff“ dieses Textes besteht darin, alles auszulassen, was auch passiert ist, aber nicht zum eigenen Bild passt. Und niemand hat die Chance durch einen Leserbrief oder eine Gegendarstellung den Leserinnen und Lesern eine „andere Meinung“ anzubieten.

Das ist eine Machtdemonstration – und Beweis daf├╝r, dass es dem B├╝rgermeister Kessler nicht um „Information“ oder gar ein „Wir-Gef├╝hl“ geht, sondern ausschlie├člich um seine Sicht der Dinge. So wird „Pfenning“ zum „Potemkinschen Dorf„.

  • Kein Wort dar├╝ber, dass nicht „pfenning logistics“, sondern die „Phoenix 2010 GbR“ Investor ist
  • Kein Wort ├╝ber den „st├Ądtebaulichen Vertrag“
  • Kein Wort dar├╝ber, dass B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen bei der Kommunalwahl ihre Sitze von 3 auf 6 und damit um 100 Prozent verbesserten, w├Ąhrend CDU, SPD und FDP verloren haben.
  • Kein Wort ├╝ber die acht neuen Gemeinder├Ąte (bis auf eine Gemeinder├Ątin alle Kritiker des geplanten Projekts)
  • Kein Wort dar├╝ber, dass B├╝rgerversammlung, IFOK, B├╝rgerbefragung nur auf Druck aus der Bev├Âlkerung stattfanden.
  • Kein Wort dar├╝ber, dass nicht der B├╝rgermeister von sich aus „informiert“ oder aktiv gestaltet hat, sondern nur reagiert hat.
  • Kein Wort dar├╝ber, dass „jahrzehntelange“ Nachbarn sich nicht mehr gr├╝├čen.
  • Kein Wort ├╝ber teilweise „tumulthafte“ Zust├Ąnde in den ├Âffentlichen Gemeinderatssitzungen.
  • Kein Wort ├╝ber „vielf├Ąltige“ Behinderungen von Recherchen von Journalisten.
  • Kein Wort ├╝ber die Informationsveranstaltungen der IG neinzupfenning, des BUND, der Gr├╝nen, die viele Menschen besucht und verfolgt haben.
  • Kein Wort ├╝ber viele kritische Leserbriefe im Mannheimer Morgen oder das „b├╝rgerschaftliche Engagement“ von vielen im Ort gegen die Ansiedlung.
  • Kein Wort ├╝ber eine andere Sicht.
  • Kein Wort ├╝ber konkrete Kritik.
  • Kein Wort des Zweifels.
  • Kein Wort dar├╝ber, wie man wieder aufeinander zukommen k├Ânnte.

Daf├╝r aber die Botschaft:
„Au├čerdem hat sich die Pfenning-Gruppe nach Verhandlungen mit der Gemeinde vertraglich verpflichtet, dass keinerlei LKW-Schwerlastverkehr ab 18 t zul├Ąssigem Gesamtgewicht ├╝ber die Ringstra├če oder durch die Ortsmitte geleitet wird.“ Die Pressemitteilung zu diesem Vertrag wurde exakt sieben Monate nach der Pressemitteilung, dass „Pfenning“ sich in Heddesheim ansiedeln will, ver├Âffentlicht.

Dieser „R├╝ck- und Ausblick“ stellt „sachgerecht“ aus Sicht des B├╝rgermeisters dar, was er sehen will. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist ein Text ohne Vision, ohne Gestaltungsphantasie. Und vor allem eine Bankrott-Erkl├Ąrung als „politischer Beamter“.

Herr Kessler verwaltet, h├Ąlt sich an die Vorschriften, an Gesetze, an Verfahren.

Das macht er sicher den Vorschriften entsprechend gut.

Die Herzen der B├╝rgerinnen und B├╝rger erreicht er damit nicht.

Hoffnung oder gar einen Ausblick kann er seit langem nicht mehr geben.

Des B├╝rgermeisters Politik verkommt „zur Sache“. Die behandelt Herr Kessler „gerecht“.

Der Mensch, die Menschen, spielen f├╝r den Verwalter Kessler schon lange keine Rolle mehr.

Denn als Zentrum der Macht ist er nur noch „selbstgerecht“.

„Wir“ wurde nicht nur einmal in der Vergangenheit in „Ich“ ├╝bersetzt: „Der Ausblick, das bin ich – „Ich danke allen f├╝r eine sehr gute Arbeit“.

Was Meinungsfreiheit bedeutet oder wie der MM die Meinung manipuliert

ausriss

Propaganda vom Feinsten: Text und Bild passen perfekt zusammen. B├╝rgermeister "appelliert an Wir-Gef├╝hl", B├╝rger klatschen. Die Aussage: B├╝rgermeister und B├╝rger sind sich einig. Im Text wird diese Aussage wiederholt - wider besseres Wissen der Journalistin Anja G├Ârlitz. Wer genau hinschaut, sieht, dass nicht f├╝r den B├╝rgermeister geklatscht wird. Der sitzt im Publikum: 1. Reihe, achte Person von rechts. Quelle: MM

Heddesheim, 11. Januar 2010. Die grundgesetzlich gesch├╝tzte Meinungsfreiheit ist ein wesentlicher Pfeiler unserer Demokratie. Wesentlich f├╝r die Bildung einer freien Meinung sind eine gute Schulbildung und der Zugang zu Informationen. Doch nur die, die mehr als eine Quelle nutzen, k├Ânnen vermeiden, manipuliert zu werden.

Kommentar: Hardy Prothmann

Heute macht der Mannheimer Morgen ├╝ber den Neujahrsempfang der Gemeinde mit einem gro├čen Artikel im Lokalteil „die Seite auf“. Unter Journalisten nennt man das deshalb „Aufmacher„.

Die Redakteurin Anja G├Ârlitz, zust├Ąndig f├╝r Heddesheim, stellt darin zutreffend den Ablauf der Veranstaltung dar. Trotzdem werden die Leserinnen und Leser des Mannheimer Morgens unzutreffend informiert, wenn nicht gar get├Ąuscht.

Unter anderem zitiert Frau G├Ârlitz den B├╝rgermeister Michael Kessler:

„Die geplante Pfenning-Ansiedlung habe dazu gef├╝hrt, „dass wir in Heddesheim nach langen Jahren wieder eine B├╝rgerinitiative haben“. Auch hier habe sich b├╝rgerschaftliches Engagement gezeigt – „zeitlich und inhaltlich auf ein Thema begrenzt“. Kessler erinnerte an die kontroverse Diskussion und die Bef├╝rchtungen vieler vor mehr Lkw-Verkehr. „Durchaus selbstkritisch“ f├╝gte er an: „Die umfassenden Informationen, die im Laufe des Jahres gegeben wurden, h├Ątten zu Beginn des Verfahrens vielleicht dazu beigetragen, manche ├â┼ôberspitzung und Fehleinsch├Ątzung zu vermeiden.“

Das hat der B├╝rgermeister Michael Kessler tats├Ąchlich so gesagt. Der unbedarfte Leser k├Ânnte nun schlussfolgern, dass der B├╝rgermeister ein selbstkritischer Mensch ist, der einen Fehler eingesteht.

Doch das ist falsch. Und damit wird die Berichterstattung unzureichend und wider besseres Wissen der Redakteurin Anja G├Ârlitz propagandistisch.

  • Frau G├Ârlitz ist intensiv mit dem Thema „Pfenning“ befasst. Sie wei├č, dass der B├╝rgermeister sich lange weigerte, die IG neinzupfenning ├╝berhaupt zu einem Gespr├Ąch zu empfangen.
  • Sie wei├č, dass der B├╝rgermeister noch nicht einmal den Namen „IG neinzupfenning“ bei der Neujahrsansprache genannt hat.
  • Sie wei├č, dass der B├╝rgermeister bis heute nur die Informationen herausgibt, die er herausgeben muss.
  • Sie wei├č, dass f├╝r 35.000 Euro eine Spin-doctor-Firma (Anm. d. Red.: „Spin“ hei├čt, der Sache einen Dreh geben und meint die professionelle Beeinflussung der ├Âffentlichen Meinung) namens IFOK engagiert wurde, um die katastrophale Informationspolitik des B├╝rgermeisters zu reparieren.
  • Sie wei├č, dass der B├╝rgermeister den Antrag der Gr├╝nen verneint hat, die IG neinzupfenning als Tr├Ąger ├Âffentlicher Belange anzuerkennen.
  • Sie wei├č, dass sie jederzeit beim B├╝rgermeister anrufen kann, w├Ąhrend sich der B├╝rgermeister bis heute einem Interview mit dem heddesheimblog verweigert.

Die Liste, was Frau G├Ârlitz wei├č, den Leserinnen und Lesern des Mannheimer Morgens aber vorenth├Ąlt, l├Ąsst sich m├╝helos um viele weitere Punkte erweitern.

Vor allem die weggelassene Information manipuliert die Meinung.

Die Manipulation der ├Âffentlichen Meinung geschieht h├Ąufig nicht nur durch Informationen, die verbreitet werden – im Gegenteil vielleicht sogar noch mehr durch Informationen, die nicht verbreitet werden. Denn das, was nicht berichtet wird, findet auch nicht statt.

Da Frau G├Ârlitz ├╝ber umfangreiches Wissen verf├╝gt, dieses aber der ├ľffentlichkeit vorenth├Ąlt, manipuliert sie diese. Durch diese Unterlassung betreibt sie nicht nur Gef├Ąlligkeitsjournalismus oder eine Hofberichterstattung. Nein, sie macht PR – im Sinne des B├╝rgermeisters und gegen das Interesse der ├Âffentlichen Meinung – anst├Ąndig informiert zu werden.

Frau G├Ârlitz schreibt weiter:

„Deutliche Worte
Dass Gegner und Bef├╝rworter zu unterschiedlichen Bewertungen kommen, m├╝sse „auch k├╝nftig m├Âglich sein, ohne dass sich der Ort entzweit“, mahnte er und lie├č deutliche Worte folgen: „Kein Verst├Ąndnis habe ich, wenn den politisch Handelnden unterstellt wird, dass sie bewusst gegen das Wohl der Gemeinde versto├čen.“ Kessler schloss das Thema mit einem Appell: „Ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, eventuell noch vorhandene Kr├Ąnkungen zu ├╝berwinden und uns wieder auf eine unserer St├Ąrken zu besinnen, und zwar das ausgepr├Ągte Wir-Gef├╝hl in unserem Gemeinwesen.“

Auch hier zeigt sich die Berichterstattung von Frau G├Ârlitz verantwortungslos. Sie berichtet zwar zutreffend, was der B├╝rgermeister gesagt hat, ordnet aber auch diese Aussage nicht ein. Leser ohne Hintergrundwissen m├╝ssen annehmen, dass das, was der B├╝rgermeister sagt, wohl zutrifft, denn es sagt ja schlie├člich der B├╝rgermeister und es steht ja in der Zeitung.

Falsche Behauptungen werden durch propagandistische Berichterstattung „zur Wahrheit“.

Tatsache ist, dass niemand behauptet, dass die „politischen Handelnden bewusst gegen das Wohl der Gemeinde versto├čen“. Es wird lediglich in Frage gestellt, ob die geplante „Pfenning“-Ansiedlung dem Wohl der Gemeinde dient, wie die Bef├╝rworter behaupten. Die IG neinzupfenning schreibt in einem Flugblatt:
„Der B├╝rgermeister und verschiedene Gemeinder├Ąte betonen immer wieder, dass die Pfenning-Ansiedlung unseren Wohlstand sichert. Im Umkehrschluss hei├čt das: Ohne Pfenning gehtÔÇÖs bergab, wir verlieren alle diese Vorz├╝ge. Ist das richtig? Gibt es keine Alternativen? Ist Pfenning die Antwort auf unsere Zukunft? Was hier betrieben wird, ist eine Angstkampagne. Wir wollen diese Angst nicht. Sie vergiftet unsere Gemeinschaft.“

Tatsache ist auch, dass die Bef├╝rworter den Gegnern vorwerfen, diese w├╝rden gegen das Wohl der Gemeinde agieren. So schreibt die CDU am 23. April 2009:
„W├╝rden wir, wie von der Initiative „Nein zu Pfenning“ gew├╝nscht verfahren, w├╝rde sich Heddesheim r├╝ckw├Ąrts entwickeln. Das ist f├╝r Heddesheim keine Perspektive und nicht f├Ârderlich f├╝r das Gemeinwohl.“

Was das vom B├╝rgermeister geforderte „Wir-Gef├╝hl“ angeht, so stellt Frau G├Ârlitz nicht die Frage, wen der B├╝rgermeister mit „Wir“ meint: N├Ąmlich sich und alle, die ihn unterst├╝tzen. W├Ąre er tats├Ąchlich auch daran interessiert, die Kritiker des „Pfenning“-Projekts in dieses „Wir“ einzuschlie├čen, so h├Ątte er das jederzeit in den vergangenen Monaten aus eigenem Antrieb tun k├Ânnen und auf die Kritiker zugehen k├Ânnen. Das aber hat er niemals getan und bis heute auch nicht im Sinn. Somit ist sein „Appell“ ein Lippenbekenntnis – nichts weiter.

Im Gegenteil h├Ątte ein Wort von ihm gen├╝gt und die IG neinzupfenning h├Ątte die B├╝rger im Mitteilungsblatt ├╝ber ihre Argumente informieren k├Ânnen. Der B├╝rgermeister schwieg.

Frau G├Ârlitz ist entweder unbedarft oder sie desinformiert vors├Ątzlich.

Eine Aufgabe der Presse wird oft so beschrieben, dass sie die Machthaber kontrollieren und die ├ľffentlichkeit auf Missst├Ąnde hinweisen soll. Dem kommt Frau G├Ârlitz nicht nach. Sie macht das Gegenteil: Ob unbedarft oder vors├Ątzlich.

Frau G├Ârlitz wird diesen Spuk mit Erlaubnis der Redaktionsleitung beim Mannheimer Morgen so lange treiben, bis es den Verlag schmerzt. Das w├╝rde es, wenn genug Leserinnen und Leser ihren Protest an die Redaktion richten und am besten zumindest auf Zeit ihr Abonnement k├╝ndigen.

Damit das nicht falsch verstanden wird: Auch die IG neinzupfenning ist von uns Journalisten kritisch zu betrachten, was das heddesheimblog selbstverst├Ąndlich tut.

Das heddesheimblog h├Ąlt es mit dem fr├╝heren Tagesthemen-Moderator Hajo Friedrichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er ├╝berall dabei ist, aber nirgendwo dazugeh├Ârt.“

Vielleicht sollte Frau G├Ârlitz mal dar├╝ber nachdenken, wenn sie das n├Ąchste Mal in einen Spiegel schaut. Die Frage lautet: Bin ich Journalistin oder ein Spin-doctor?

Siehe auch: „├â┼ôbers Ziel hinaus geschossen oder Volltreffer? Warum das heddesheimblog den MM kritisiert“

Tipp der Redaktion:
Das Thema „Spin-doctor“ wurde wunderbar im Film „Wag the dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“ beschrieben. In den Hauptrollen Robert de Niro und Dustin Hoffmann.

Objekte, subjektive, richtige, falsche, zul├Ąssige, unzul├Ąssige Berichterstattung – es gibt mehr als eine Informationsquelle

Guten Tag!

Heddesheim, 07. Oktober 2009. Unser Meinungsbeitrag „Braucht Heddesheim ein Oktoberfest?“ hat f├╝r ordentlich viel Diskussionstoff gesorgt. Bis zum Verfassen dieses Textes wurden 20 Kommentare dazu geschrieben, einige mehr wurden wegen problematischer Inhalte nicht ver├Âffentlicht.

heddesheimblog

Nach Kenntnis der Redaktion ging das Thema durchs Dorf: „Wie kann der sowas schreiben? F├╝r was h├Ąlt der sich?“, reagierten viele emp├Ârt. „Super-Text, der mir aus der Seele spricht. Absolut meine Meinung. Endlich sagt einer was“, reagierten andere. Und manche schrieben schon fast hasserf├╝llte Schm├Ąh-Kommentare und emails.

Was war passiert? Es wurde eine Meinung ge├Ąu├čert. Eine, die nicht jeder teilt, viele aber doch. Wie es halt so ist, im Leben.

Auch gestern wurde ├╝ber Meinungen entschieden. Allerdings nicht im heddesheimblog, sondern durch Richter am Landgericht Mannheim. Auch hier ging es im Kern um Meinungs├Ąu├čerungen und deren Zul├Ąssigkeit.

Das heddesheimblog steht im Gegensatz zu vielen anderen Medien f├╝r Transparenz. Wir wissen, dass es au├čer unserer Berichterstattung auch noch andere Berichterstattungen gibt. Ebenso gibt es neben unseren Meinungen in hier ver├Âffentlichten Beitr├Ągen auch andere Meinungen.

F├╝r uns ist das ganz normal und ehrlich gesagt sind wir froh, in einem Land leben und arbeiten zu d├╝rfen, in dem diese Meinungsfreiheit grundgesetzlich gesch├╝tzt ist.

F├╝r die Schreiber der Schm├Ąh-emails und Hass-Kommentare gilt das nicht. Die w├╝rden am liebsten jeden, der nicht ihrer Meinung ist, aus dem Dorf jagen. Ganz verarmte Geister basteln sorgf├Ąltig Nagelbretter und legen diese vor Autoreifen.
Vollidioten gibt es halt ├╝berall auf der Welt – ob die Meinungsfreiheit garantiert ist oder nicht.

Die Redaktion w├╝nscht sich einen transparenten Austausch mit ihren Leserinnen und Lesern und bittet deswegen alle, die vielleicht Schwierigkeiten mit dem ungewohnten „Stil“ der Redaktion haben, den Vergleich zu suchen.

Vollst├Ąndig kostenlos – das einzige, was Sie aufbringen m├╝ssen, ist Interesse und die Zeit, die Artikel zu lesen – Wer sich eine Meinung bilden will, muss leider auch ein wenig daf├╝r tun.

Vergleichen Sie bitte selbst, direkt, ohne Einschr├Ąnkung an drei Beispielen aus dieser Woche, wie das heddesheimblog und der Mannheimer Morgen ├╝ber ein und denselben Sachverhalt berichten. Die Themen sind: Veranstaltung, Gerichtstermin, Sport.

Oktoberfest der TG

Mannheimer Morgen:
Nach ein paar Takten springt der Funke ├╝ber

heddesheimblog:
Braucht Heddesheim ein Oktoberfest?

Gerichtstermin „Pfenning“ gegen „Karnasch“

Mannheimer Morgen:
Vergleich im Streit ├╝ber Fotomontage
Vergleich im Rechtsstreit um Pfenning

heddesheimblog:
Die Angst vor der v├Âllig falschen Darstellung f├Ąngt bei der Selbstdarstellung an
Kein Anspruch auf die „richtige“ ├Âffentliche Meinung
Ist da noch Musik drin? Richter bewegt Parteien zum Vergleich
Streit um Fotomontage: IG neinzupfenning und KMP-Holding (Pfenning) vergleichen sich

Tanzsportwochenende

Mannheimer Morgen:
Anmutig und schwungvoll ├╝ber das Parkett

heddesheimblog:
Tanzen – Hingabe und Beherrschung
Elegant und sportlich – das Heddesheimer Tanzsportwochenende

Anmerkung der Redaktion:
Die ├Ąlteren Texte stehen unten, die neueren oben.
Die Berichte zum Tanzsportwochenende und zum Oktoberfest erschienen im heddesheimblog mindestens einen Tag vor dem Bericht im Mannheimer Morgen.
Auch die Berichte zum Gerichtstermin erschienen im heddesheimblog schneller als im MM, allerdings konnte hier die Kollegin „G├Ârlitz“ in diesem Fall nicht „stibitzen“, weil deren Artikel schon in Produktion waren, als unsere ver├Âffentlicht wurden.
Seit Montag hat der Mannheimer Morgen sechs Artikel mit Bezug auf Heddesheim ver├Âffentlicht – beim heddesheimblog waren es dreizehn Artikel, also mehr als das Doppelte. Au├čerdem erschienen beim heddesheimblog bis Dienstag, 06. Oktober 2009, noch 28 ver├Âffentlichte Kommentare zu diesen Artikeln.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Stellungnahme der Redaktion auf den Leserbrief von Frau Mepin


Guten Tag!

Heddesheim, 10. September 2009. Die Marketing-Leiterin P├ęlagie Mepin hat die Berichterstattung des heddesheimblogs kritisiert – zu Recht. Die Korrektur betrifft eine Detailinformation – im Gro├čen und Ganzen geht es um eine hohe Nervosit├Ąt, die bei kleinsten Abweichungen zum Ausdruck kommt.

Die Redaktion dokumentiert Zitate aus der email von Frau Mepin. Dazu stellt die Redaktion Nachrecherchen und Kommentare.

Zitat aus dem Schreiben von Frau Mepin:
——-
In dem Beitrag wird gesagt:

„Die Pfenning-Mitarbeiterin P├ęlagie Mepin hatte Fotos von Personen am Stand der „IG neinzupfenning“ gemacht. Diese forderten daraufhin ihr Pers├Ânlichkeitsrecht ein und dass diese Fotos gel├Âscht werden.

Die Pfenning-Angestellte weigerte sich. Daraufhin wurde die Polizei angefordert. Die Beamten forderten die L├Âschung der Bilder oder die Herausgabe der Kamera. Die Pfenning-Angestellte stimmte dann der L├Âschung der betreffenden Bilder zu.“

Diese Schilderung entspricht nicht den Tatsachen.

Richtig ist: Es gab vor Ankunft der Polizei mir gegen├╝ber keine Aufforderung, Bilder von Personen am IG-Stand zu l├Âschen. Bei einer einfachen Ansprache h├Ątte ich die Bilder selbstverst├Ąndlich gel├Âscht, denn unabh├Ąngig von Rechten und Paragrafen ist so etwas f├╝r mich eine Frage des Respekts vor anderen Menschen (zudem sind mir – bis auf eine Person, die sich stellvertretend ge├Ąu├čert hat – die Betroffenen bis heute unbekannt).

——–

Stellungnahme der Redaktion:

Frau Mepin hat nach dem aktualisierten Stand unserer Recherche Recht mit der Aussage: „Richtig ist: Es gab vor Ankunft der Polizei mir gegen├╝ber keine Aufforderung, Bilder von Personen am IG-Stand zu l├Âschen.“ .

Die Nachrecherche hat ergeben: Zwischen 9:30 Uhr und 10:00 Uhr gab es am Samstag, den 05. September 2009, ein Zusammentreffen zwischen einem unbekannten Mann und einer Passantin.

Der Mann hatte Bilder vom Stand der IG neinzupfenning gemacht und dabei die Passantin aufgenommen. Diese beschwerte sich und forderte die L├Âschung der Fotos. Dar├╝ber diskutierten der Mann und die Passantin. Der Mann zeigte sich letztlich bereit, die Bilder zu l├Âschen.

Hinzu stie├čen Herr Nitzinger und Herr Wollnitz (beide „Pfenning“-Angestellte). Der Mann hielt sich sp├Ąter im Bereich des „Pfenning“-Informationsstands auf. Die Passantin hatte deshalb und durch das Verhalten des Mannes den Eindruck, dass der Mann zu „Pfenning“ geh├Ârt.

Sp├Ąter fotografierte auch Frau Mepin den Stand der IG neinzupfenning. Die Passantin war anwesend.

Daraufhin wurde die Polizei verst├Ąndigt. Die Annahme war, dass Frau Mepin von dem vorhergehenden Ereignis gewusst haben musste und sich trotz dieses Wissens ├╝ber das Begehren der Passantin hinweggesetzt hat.

Die Redaktion des heddesheimblogs weist ausdr├╝cklich darauf hin, dass wir es vers├Ąumt haben, Frau Mepin diese Frage zu stellen: „Waren Sie dar├╝ber informiert, dass es bereits eine Beschwerde ├╝ber das Anfertigen von Fotografien gab?“

Wir sind im Gegenteil davon ausgegangen, dass der erste Vorgang bei den „Pfenning“-Angestellten bekannt war und wir haben daraus geschlossen, dass ein weiterer bewusster Versto├č vorlag.

Frau Mepin schreibt weiter:

————

„Bei einer einfachen Ansprache h├Ątte ich die Bilder selbstverst├Ąndlich gel├Âscht, denn unabh├Ąngig von Rechten und Paragrafen ist so etwas f├╝r mich eine Frage des Respekts vor anderen Menschen (zudem sind mir – bis auf eine Person, die sich stellvertretend ge├Ąu├čert hat – die Betroffenen bis heute unbekannt).“

————

Stellungnahme der Redaktion:

Auch damit hat Frau Mepin Recht. Die Frage des Respekts ist entscheidend. Tats├Ąchlich gibt Frau Mepin aber zu, Bilder gemacht zu haben, die sie dann sp├Ąter bei „einfacher Ansprache selbstverst├Ąndlich gel├Âscht h├Ątte“. Die diesen Umstand respektierende Frage muss lauten: Wieso hat sie die Fotos erst gemacht und nicht respektvoll vorher die aufgenommenen Menschen gefragt?

Tats├Ąchlich war das heddesheimblog vor Ort und hat die Diskussion um die Fotos zwischen den Polizeibeamten und Frau Mepin mitverfolgt. Wir haben auch selbst gesehen, wie Frau Mepin den Stand der IG neinzupfenning fotografiert hat.

Frau Mepin wurde von den Polizeibeamten darauf hingewiesen, dass sie die Bilder l├Âschen sollte. Dann wurde diskutiert und schlie├člich k├╝ndigte die Polizei an, dass die Kamera ansonsten konfisziert werde und die Staatsanwaltschaft die Angelegenheit ├╝bernehme. Frau Mepin stimmte daraufhin dem L├Âschen zu.

Frau Mepin schreibt:

——

„Da es also keine Aufforderung zur L├Âschung gab und ich am Vortag, beim Besuch von Fritz Kuhn im Gewerbegebiet, in Anwesenheit eines ├Ąhnlichen Personenkreises, deutlich erkennbar Bilder gemacht und dabei keine Beschwerde erhalten hatte, musste ich annehmen, dass an einer Aufnahme des Standes und der sich dort befindlichen Personen nichts auszusetzen ist.“

——

Korrekturmeldung:

Korrekt ist, dass es keine Aufforderung „zur L├Âschung gab“. ├é┬áAus einer anderen Situation aber ein universelles Fotografierrecht abzuleiten, ist allerdings unzul├Ąssig.

Offenlegung des „Fehlers“:

Frau Mepin hat zu Recht unseren Artikel in einem Detail kritisiert. In diesem Detail entspricht die Darstellung nicht der exakten Situation. Trotzdem steht die Redaktion zu dem Bericht, weil er bis auf dieses Detail die Situation korrekt beschrieben hat.

Dieses „Detail“ spornt unsere Sorgfaltspflicht an. Obwohl wir diese selbst schon sehr hoch halten. Weil wir der Korrektur Recht geben m├╝ssen, sortieren wir diesen Text auch in unserer Kategorie „Korrektur“ ein (rechte Seitenspalte unten).

Wenn Frau Mepin nichts von der vorhergehenden Situation gewusst hat, muss sie zu Recht annehmen, dass sie den Einsatz der Polizei „schade“ findet.

Das ist absolut nachzuvollziehen.

Der Fehler in unserer Berichterstattung liegt in einer falschen Annahme:

Indem wir ohne gegenrecherchierte Information davon ausgegangen sind, dass auch Frau Mepin zum L├Âschen der Bilder aufgefordert wurde, haben wir nicht zutreffend berichtet. Wir gingen davon aus, dass Frau Mepin Bescheid wei├č.

Diesen Fehler erkennen wir an. Zur journalistischen Berichterstattung geh├Ârt aber auch das Verstehen von Zusammenh├Ąngen und nicht nur, ob „die Bratwurst lecker war“, wie es Lokalzeitungen gerne mit Details halten.

Betreff: Presseeinladungen und Berichterstattung

Guten Tag!

Heddesheim, 08. August 2009. Nachdem einige Leser nachgefragt haben, wie genau das mit der Pflicht zu den Presseeinladungen zu verstehen ist, erl├Ąutert das heddesheimblog gerne die Hintergr├╝nde.


Grunds├Ątzlich muss man erst einmal zwischen privat und ├Âffentlich unterscheiden.

Fast jedes Unternehmen und jede ├Âffentliche Stelle hat heutzutage einen „Pressesprecher“. Eigentlich m├╝ssten die „Medien“-Sprecher hei├čen, da nicht nur mit der Presse, sondern auch mit Radio, Fernsehen, Internetredaktionen „gesprochen“ wird.

Private Personen oder Firmen sind ├╝berwiegend nicht gesetzlich verpflichtet, der Presse Auskunft zu erteilen oder die Presse zu informieren – gleichwohl wird das von der ├ľffentlichkeit erwartet.

Eine Ausnahme gilt beispielsweise f├╝r b├Ârsennotierte Unternehmen, die wichtige Meldungen, die sich auf den Aktienkurs auswirken k├Ânnen, als „Adhoc“-Nachricht den Medien zur Verf├╝gung stellen m├╝ssen. Und zwar nicht jeder Redaktion in Deutschland, aber allen, die diese Informationen verlangen.

Amtliche Stellen sind zur Auskunft gegen├╝ber den Medien verpflichtet

Amtliche Stellen, also Beh├Ârden, ├âÔÇ×mter, ├Âffentlich-rechtliche Einrichtungen sind nach den Inhalten des jeweiligen Landespressegesetzes zur Auskunft gegen├╝ber den Medien verpflichtet.

Dazu gibt es unterschiedliche Organisationsformen. Viele ├Âffentliche Instituten besch├Ąftigen einen Pressesprecher oder ├ľffentlichkeitsarbeiter. Oft wird auch ein Angesteller oder Beamter zus├Ątzlich mit dieser Aufgabe betraut. Er oder sie soll die Arbeit mit der Presse organisieren. Ansonsten ist grunds├Ątzlich der Beh├Ârdenleiter der Ansprechpartner f├╝r die Presse.

Welche Presse regelm├Ą├čig informiert wird, h├Ąngt von der Bedeutung der ├Âffentlichen Einrichtung ab. Der Bundestag beispielsweise informiert werkt├Ąglich hunderte von Redaktionen. Andere ├âÔÇ×mter und Beh├Ârden haben vielleicht nie oder nur sehr selten mit den Medien zu tun.

Landespressegesetze regeln die Gleichbehandlung der Medien

Sobald eine ├Âffentliche Stelle aber von sich aus die Medien informiert, k├Ânnen zum Beispiel in Baden-W├╝rttemberg andere Medien verlangen, dass sie „gleichbehandelt“ werden, also zur selben Zeit diesselbe Information oder Einladung wie andere Medien erhalten. Das regelt ├é┬ž4 Landespressegesetz. Der Sinn des Gesetzes ist einfach zu verstehen: Dadurch soll verhindert werden, dass nur Redaktionen mit Informationen und Terminen beliefert werden, die dem Absender „passen“, die also vermutlich unkritisch ├╝ber ihn berichten.

Eine Redaktion, die diese Gleichbehandlung nicht verlangt hat, kann sich auch nicht ├╝ber eine fehlende Information beschweren. Besteht aber eine Redaktion auf dieser Gleichbehandlung, muss die ├Âffentliche Stelle diese Redaktion informieren. Tut sie es nicht, verst├Â├čt sie gegen dieses Gesetz.

Dieser Auskunftsanspruch ist beispielsweise auf dem Presseausweis dokumentiert, den journalistische Berufsverb├Ąnde ausstellen d├╝rfen und der auf einer Einigung der Landesinnenministerkonferenz beruht.

pa09

Die R├╝ckseite des Presseausweises mit der Erkl├Ąrung der Landesinnenministerkonferenz. Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergr├Â├čern. Um zum Text zur├╝ckzukehren, klicken Sie den Zur├╝ck-Button. Bild: hblog

Da Firmen untereinander konkurrieren, aber ebenso auch ├âÔÇ×mter und Beh├Ârden, sind normalerweise alle darauf bedacht, einen guten Kontakt zu den Medien zu finden und zu halten. Denn ├╝ber die Medien erf├Ąhrt die ├ľffentlichkeit von deren Aufgaben, der Arbeit und den Erfolgen. Nur, wer in den Medien „stattfindet“, den „gibt“ es auch. Eine hohe Medienresonanz hei├čt meistens eine hohe Bedeutung.

Bei kritischen Nachrichten wird oft „gemauert“

Immer dann, wenn allerdings kritische Nachrichten drohen, wird es problematisch: Professionelle „Medienarbeiter“ versuchen durch einen weiterhin guten Kontakt zu den Medien den „Schaden zu begrenzen“. Andere mauern. Wieder andere drohen mit dem Entzug von Anzeigen (der Haupterl├Âsquelle der Medien) oder dem Ausschluss von Pressekonferenzen oder der Verweigerung von Informationen.

Solche Reaktionen r├Ąchen sich meist. Ein Beispiel aus der j├╝ngsten Zeit war die Deutsche Bahn AG, die f├╝r einen Anzeigenboykott „b├Âse Pr├╝gel“ bezog. Die ├ľffentlichkeit reagiert meist sehr ungehalten darauf, wenn sie von Informationen abgeschnitten wird. Und auch die Medien selbst, die sich mit der Konkurrenz solidarisch erkl├Ąren.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog