Dienstag, 12. Dezember 2017

Kritischer Blick auf die Vaterlandsliebe in Zeiten der EM

Sind Sie noch Patriot? Oder schon Nationalist?

Stolz auf die Fahne? Aufs Vaterland? Patriot? Oder schon Nationalist?

 

Rhein-Neckar, 20. Juni 2012. (red/pro) Fiebern Sie mit der deutschen Nationalelf mit? Reden Sie von Deutschland, Spanien, England, Italien und den anderen L├Ąndern als seien dort alle gleich? Verbinden Sie mit „die Italiener“, „die Griechen“, „die…“ irgendwelche „Charaktereigenschaften“? Erh├Âhen Sie Deutschland oder Ihre eigene Nation gegen├╝ber gegen├╝ber anderen L├Ąndern? Dann wird es Zeit, dar├╝ber nachzudenken, ob Sie noch ein Patriot oder schon ein Nationalist sind. Und ob „Demokrat“ nicht eine brauchbare Alternative w├Ąre.

Von Hardy Prothmann

Im Gegensatz zu den Tageszeitungen finden Sie bei uns immer wieder Hinweise auf andere Medien – manchmal, weil diese sehr gut berichten oder sehr schlecht, manchmal, weil sie etwas berichten, was wir f├╝r unsere Leserschaft interessant finden.

Heute empfehlen wir Ihnen ausdr├╝cklich ein sehr interessantes St├╝ck von Nikolas Westerhoff in der S├╝ddeutschen Zeitung: „Weltoffene Demokraten – eine aussterbende Spezies„. Es liest sich, als w├Ąre der Text aktuell zur EM und dem damit verbundenen „Nationalstolz“ geschrieben. Der Artikel erschien aber schon vor f├╝nf Jahren – ist aber vermutlich zeitlos.

Patriot vs. Nationalist?

In einer umfangreichen Darstellung stellt der Kollege wissenschaftliche Untersuchungen vor, die den vermeintlich positiven Begriff des „Patrioten“ in Frage stellen. Vielmehr deuten die Untersuchungen darauf hin, dass eine Unterscheidung in den guten Patrioten versus dem schlechten Nationalisten nicht m├Âglich ist:

Doch eine solche Zweiteilung der Menschen in Patrioten und Nationalisten ist politisch motiviert – sie dient dazu, Patriotismus als w├╝nschenswerte Eigenschaft propagieren zu k├Ânnen. Eine empirische Basis f├╝r den Unterschied zwischen Vorzeige- und Schmuddelb├╝rgern gibt es jedoch nicht, wie neueste Untersuchungen zeigen (Wilhelm Heitmeyer: Deutsche Zust├Ąnde, Folge 5. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2007).

Ab- und Ausgrenzung liegen wohl tief im Menschen verankert und politische Haltungen werden durch Vorbilder, Erziehung un d Wissen vermittelt. Positiv wie negativ.

Stolz ein was auch immer zu sein?

In Zeiten des Nationalstolzes, die besonders deutlich bei Europa- oder Weltmeisterschaften popul├Ąrer Sportarten wie Fu├čball auftreten, sollte man sich selbst mal pr├╝fen. F├╝hlt man sich als Deutscher, Italiener, Spanier, T├╝rke als „mehr wert“ gegen├╝ber anderen Nationen? Ist man besonders stolz aufs eigene Land? Warum? Auf was? Was hat man davon? Was n├╝tzt es, den eigenen Staat zu ├╝berh├Âhen? Gibt es einen Status quo oder ist alles im Flu├č?

Auf dem Weinheimblog hatten wir vor kurzem ├╝ber schlagende Verbindungen berichtet, die Corps, die sich einmal im Jahr in Weinheim treffen und sich als „Patrioten“ bezeichnen und ihre Vaterlandsliebe sehr hoch halten. Sie grenzen sich gleichzeitig vordergr├╝ndig von Nationalisten ab. K├Ânnen Sie das tats├Ąchlich angesichts der vielen wissenschaftlichen Studien oder l├╝gen sie sich was in die Tasche.

Ich zum Beispiel w├╝rde nie sagen, dass ich stolz bin, ein Deutscher zu sein. Ich bin stolz auf meine eigene Leistung und achte die anderer – egal welcher Nation. Und ich dr├╝cke mein Missfallen aus, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin. Egal ob im eigenen Land oder im Ausland. Egal ob gegen├╝ber Deutschen oder Ausl├Ąndern.

Tats├Ąchlich bin ich sehr froh, in diesem Land zu leben. Denn Deutschland ist eine stabile und wehrhafte Demokratie und durch die gelebte Ordnung ein Land, in dem man ├╝berwiegend sicher leben, Chancen verwirklichen kann und in dem vor allem eines m├Âglich ist: Eine eigene Meinung zu haben.

Andere L├Ąnder – andere Vorbilder

Ich habe viele L├Ąnder bereits, deren Vorz├╝ge, aber auch Nachteile kennengelernt. Deswegen bin ich ingesamt sehr zufrieden mit meinem Heimatland – obwohl es immer wieder Dinge gibt, die man ├Ąndern, verbessern oder abschaffen oder neu schaffen muss.

Wenn mich im Ausland jemand fragt, wo ich herkomme, sage ich „Pfalz“. Denn das ist meine unmittelbare Heimt. Dann sage ich Deutschland. Und manchmal erz├Ąhle ich, dass ich ein „Exil-Ossi“ bin. Meine Eltern stammen aus Rostock und Dresden, ich bin in Ludwigshafen geboren und in der Pfalz aufgewachsen. Heute lebe ich in Nordbaden.

Ich f├╝hle mich als Deutscher nicht durch Fu├čballer vertreten. Es kr├Ąnkt nicht mehr Ehre, wenn die deutsche Mannschaft verliert oder schlecht spielt. Es hat keinen Einfluss auf meine Meinung oder meine demokratische ├ťberzeugung gar mein Selbstbewusstsein. Bislang spielt die deutsche Elf gut und ich verfolge gespannt jedes Spiel, weil es mich „unterh├Ąlt“.

Und gro├čen Respekt zolle ich der spanischen Mannschaft, die insgesamt sehr stark spielt und vor allem sehr fair – ich w├Ąre froh, wenn sich andere daran orientieren w├╝rden. Denn das verdient Respekt.

 

Gabis Kolumne

Wer navigiert mich sicher in den S├╝den?

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Guten Tag!

Heddesheim, 27. Juli 2010. Ein Navi an Bord ist heute schon fast Standard. Meist kommt man damit wunderbar ans Ziel. Meist, sagt Gabi, die immer noch ein „Backup“ dabei hat: eine Stra├čenkarte.

… und Mutter navigierte.

Erinnern Sie sich bitte. Wie war das damals als Sie als Kind mit Ihren Eltern in Urlaub gefahren sind, sagen wir mal nach Italien in den 70er Jahren? Sie sa├čen mit Ihren Geschwistern hinten, nat├╝rlich unangeschnallt und ohne Kindersitz, und Ihre Mutter sa├č auf dem Beifahrersitz w├Ąhrend der Vater fuhr. Und was machte die Mutter? Richtig, sie navigierte

Jahrzehntelang w├╝nschte sich mein Vater zu Weihnachten den neuesten Shell-Autoatlas und mit diesem Unget├╝m auf dem Schoss lenkte ihn meine Mutter durch Schweizer Serpentinen und italienische Bergd├Ârfer. Das war romantisch, das war eindeutig mehr reisen als rasen.

„Bei der n├Ąchsten Gelegenheit bitte wenden.“

Aber bevor ich nun in nostalgische Schw├Ąrmerei ausbreche, meist kam es schon kurz nach dem Grenz├╝bertritt in Basel zum ersten Krach. „Kannst du mir mal sagen, wo wir eigentlich sind?“, raunzte mein Vater. Und „diese Ausfahrt gibt es bei mir auf der Karte nicht“, schnauzte meine Mutter zur├╝ck. Man hielt an der n├Ąchsten Parkm├Âglichkeit, zerrte weitere Karten aus dem Seitenfach der Autot├╝r und stritt sich dar├╝ber, wohin man nun fahren sollte, wessen Schuld es sei. Dies endete regelm├Ą├čig damit, dass meine Mutter fuhr und sich mein Vater ├╝ber ihren Fahrstil und das schlechte Kartenmaterial beklagte.

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Digital oder analog? Am besten beides, sagt Gabi.

In den 80er Jahren war ich zum ersten Mal allein mit K├Ąfer und Freunden in S├╝dfrankreich unterwegs. Nat├╝rlich mieden wir die Autobahn, da uns es an Geld f├╝r die Maut mangelte. Ich habe gelernt die Schilder mit „Toutes directions“ zu hassen und zu erkennen, dass es kein Problem ist – auch ohne Stau – zwei Stunde zu brauchen, um eine gr├Â├čere franz├Âsische Stadt zu durchqueren – trotz Michelin-Karte.

Doch das ist jetzt Vergangenheit, vorbei die Zeiten, dass man verzweifelt die Stra├čenkarte, die immer zu gro├č und sperrig war, faltete und drehte, vorbei die Diskussionen, ob man eine Ausfahrt verpasst, eine Abzweigung ├╝bersehen hatte. Heute dr├Âhnt es beharrlich aus einem kleinen Kasten: „Bei der n├Ąchsten Gelegenheit wenden – bitte wenden – jetzt wenden“.

So weit so gut, dieses Problem h├Ątten wir gel├Âst, denken wir Menschen des 21. Jahrhunderts. Stra├čenkarten sind Reliquien einer l├Ąngst vergangenen Epoche, Anfahrtsbeschreibungen k├Ânnen wir getrost zu Hause lassen.

„Diesen Job wollte ich auch nicht haben.“

Meine Gro├čmutter fuhr vor einigen Jahren – da war sie schon ├╝ber 90 – mit meiner Kusine in deren neuen Auto. Stolz pr├Ąsentierte diese ihr GPS. W├Ąhrend „die zweite Ausfahrt bitte rechts abfahren“ und „biegen sie bei der n├Ąchsten M├Âglichkeit links ab“ ert├Ânte, wurde meine Oma immer ruhiger und irgendwann meinte sie: „Diesen Job wollte ich auch nicht haben, das muss ja unheimlich anstrengend sein, wenn die Dame dir immer erkl├Ąren muss, wo du hinfahren sollst.“

Auch wir haben seit ein paar Jahren ein Navigationsger├Ąt, dass immer wei├č, wo wir sind und wohin wir wollen. „Blech-Else“, wie das GPS von unseren Kindern liebevoll genannt wird, leitete uns in den S├╝den Frankreichs, an die italienische Riviera, nach Paris – „Blech-Else“ war eine treue Begleiterin in jedem Urlaub.

Vergangenes Jahr fuhren wir dann nach Holland, erste Station Amsterdam. Tolle Stadt, aber das ist heute nicht mein Thema. Um es kurz zu machen, in Amsterdam wurde unser Auto aufgebrochen. Geklaut wurden das Radio und unser Navigationssystem. Dumm gelaufen, denn wir wollten noch an die K├╝ste. Stra├čenkarte – Fehlanzeige. Zu unserem Ferienh├Ąuschen fanden wir mit Hilfe des Reisef├╝hrers, nicht digital, sondern aus festem Papier, noch relativ problemlos. Bei der R├╝ckreise machten wir einen Schwenker ├╝ber Belgien und schauten uns Br├╝gge und Gent an, das ging noch gut. Von da an wurde es schwieriger. Schlie├člich sind wir ├╝ber Luxemburg zur├╝ck gefahren – ein Blick auf die Karte gen├╝gte, zu Hause nat├╝rlich, um fest zu stellen, dass wir einen Umweg von mindestens 200 Kilometern gemacht hatten.

Es war klar, ein Ersatz f├╝r „Blech-Else“ musste angeschafft werden. In den Pfingstferien fuhren wir nach ├ľsterreich. Unser nagelneues GPS lenkte uns pflichtgetreu an den Urlaubsort, alles war Bestens. Von dort hatten wir einen Abstecher zu Freunden in die Schweiz geplant.

Ich will doch nicht nach Montenegro

„Nee, du brauchst mir keine Anfahrtsbeschreibung geben, wir haben ein Navi“, hatte ich meiner Freundin am Telefon erkl├Ąrt. „Alles kein Problem“, so dachte ich zumindest. Wir starteten in ├ľsterreich und stellten fest, dass unser Navi ├╝ber Karten von Litauen und Montenegro verf├╝gte, aber, Sie k├Ânnen es sich denken, die Schweiz existierte im Kartenmaterial unseres GPS nicht. Und, wie k├Ânnte es anders sein, wir hatten keine Stra├čenkarte im Auto und unsere Freunde waren auch nicht telefonisch zu erreichen. Wir sind dort angekommen und wir haben mehr von der Schweiz gesehen als geplant – und das war auch echt sch├Ân. Nichts desto trotz, in zwei Wochen fahren wir nach Italien und ich habe schon mal vorsorglich eine Stra├čenkarte gekauft, man wei├č ja nie.

gabi

Anmerkung der Redaktion: Gabi macht jetzt Urlaub und kommt wieder am 13. September 2010.

Vorsto├č und R├╝ckzug – Bundespr├Ąsident K├Âhler ist zur├╝ckgetreten

Guten Tag!

Heddesheim/Berlin, 31. Mai 2010. Der heutige Tag geht in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein: Bundespr├Ąsident Horst K├Âhler hat v├Âllig ├╝berraschend heute seinen R├╝cktritt erkl├Ąrt. .

Von Hardy Prothmann

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Bild - Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, B 145 Bild-00170079, Foto: Chaperon

„Meine ├âÔÇ×u├čerungen zu Auslandseins├Ątzen der Bundeswehr am 22. Mai dieses Jahres sind auf heftige Kritik gesto├čen. Ich bedauere, dass meine ├âÔÇ×u├čerungen in einer f├╝r unsere Nation wichtigen und schwierigen Frage zu Missverst├Ąndnissen f├╝hren konnten. Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich bef├╝rwortete Eins├Ątze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt w├Ąren. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie l├Ąsst den notwendigen Respekt f├╝r mein Amt vermissen.“

Mit diesen Worten hat Bundespr├Ąsident Horst K├Âhler seinen R├╝cktritt eingeleitet – nachdem er Tage zuvor im DeutschlandRadio etwas gesagt hatte, dem ein deutlicher „imperialistischer“ Zungenschlag anhaftete:

„Meine Einsch├Ątzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Gr├Â├če mit dieser Au├čenhandelsorientierung und damit auch Au├čenhandelsabh├Ąngigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch milit├Ąrischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilit├Ąten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zur├╝ckschlagen negativ durch Handel, Arbeitspl├Ątze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“

Die Reaktionen auf diesen Vorsto├č sieht Herr K├Âhler als „Unterstellung“ an, als „Kritik, die jeder Rechtfertigung entbehrt“.

Ist das so? Herr K├Âhler hat gesagt, was er gesagt hat und hat keinen Versuch unternommen, ein „Missverst├Ąndnis“ zu kl├Ąren. Heute tritt er zur├╝ck und zeigt, dass er keine Kritik aushalten kann oder will. Deshalb ist sein R├╝cktritt zu begr├╝├čen.

Andere Medien landauf, landab berichten ├╝ber die „gro├čen Verdienste“ des Bundespr├Ąsidenten a.D. Horst K├Âhler. Das geh├Ârt sich so. Ganz sicher hat Herr K├Âhler das h├Âchste Staatsamt ordentlich ausgef├╝llt, auch das geh├Ârt sich so.

Lenkend in Debatten einzugreifen oder Linien vorzugeben, ist ihm nicht gelungen. Es hat den Anschein, als habe er sich deshalb ein wenig beleidigt zur├╝ckgezogen – hatte er zu wenig Aufmerksamkeit?

Wenn ja, hat er diese mit seinem heutigen Schritt auf alle F├Ąlle bekommen. Er geht als der erste Bundespr├Ąsident, der zur├╝ckgetreten ist, in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein.

Interessant ist, dass seine ├âÔÇ×u├čerung im Interview mit DeutschlandRadio einen neuen Blick auf den Afghanistan-Krieg lenken, der nicht nur die „Sicherheit Deutschlands“ verteidigen will, sondern wirtschaftlichen Interessen dienen k├Ânnte.

Ob dies zutreffend ist oder nicht, wird die Debatte dar├╝ber in der kommenden Zeit kl├Ąren. Im Abgang hat Herr K├Âhler damit vielleicht seinen ersten gro├čen, eigenst├Ąndigen Erfolg gesichert: Eine Debatte ├╝ber eine nationale Frage anzusto├čen.

Dokumentation der R├╝cktrittsrede:

„Es war mir eine Ehre, Deutschland als Bundespr├Ąsident zu dienen“
Erkl├Ąrung von Bundespr├Ąsident Horst K├Âhler

Meine ├âÔÇ×u├čerungen zu Auslandseins├Ątzen der Bundeswehr am 22. Mai dieses Jahres sind auf heftige Kritik gesto├čen. Ich bedauere, dass meine ├âÔÇ×u├čerungen in einer f├╝r unsere Nation wichtigen und schwierigen Frage zu Missverst├Ąndnissen f├╝hren konnten. Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich bef├╝rwortete Eins├Ątze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt w├Ąren. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie l├Ąsst den notwendigen Respekt f├╝r mein Amt vermissen.
Ich erkl├Ąre hiermit meinen R├╝cktritt vom Amt des Bundespr├Ąsidenten – mit sofortiger Wirkung. Ich danke den vielen Menschen in Deutschland, die mir Vertrauen entgegengebracht und meine Arbeit unterst├╝tzt haben. Ich bitte sie um Verst├Ąndnis f├╝r meine Entscheidung.
Verfassungsgem├Ą├č werden nun die Befugnisse des Bundespr├Ąsidenten durch den Pr├Ąsidenten des Bundesrates wahrgenommen. Ich habe Herrn B├╝rgermeister B├Âhrnsen ├╝ber meine Entscheidung telefonisch unterrichtet, desgleichen den Herrn Pr├Ąsidenten des Deutschen Bundestages, die Frau Bundeskanzlerin, den Herrn Pr├Ąsidenten des Bundesverfassungsgerichts und den Herrn Vizekanzler.
Es war mir eine Ehre, Deutschland als Bundespr├Ąsident zu dienen.“

Stelllungnahmen im Video finden Sie bei Spiegel online.

Gabis Kolumne

Generation G8 oder die verplante Zukunft unserer Kinder

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Guten Tag!

Heddesheim, 17. Mai 2010. Die Reform der gymnasialen Oberstufe ist ein Missgriff, meint Gabi. Ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen, betrachtet unsere Kolumnistin dabei die psychologischen Auswirkungen. Panik macht sich breit. Wer sichs leisten kann, schickt seine Kinder schon heute zur „Sonderqualifikation“, denn es wird eng – vor allem ums Herz.

Meine Kinder haben beide das Pech oder auch Gl├╝ck, je wie man es sieht, zur Generation G8 zu geh├Âren, also Sch├╝lerinnen, die sich mit dem achtj├Ąhrigen Gymnasium herumschlagen m├╝ssen.

2012 gibt es den ersten G8-er Jahrgang – davor waren es G9-er, also Absolventen eines neunj├Ąhrigen Gymnasiums.

Gl├╝ck haben sie insofern, dass sie ein Jahr fr├╝her fertig werden und damit endlich im europ├Ąischen Zeitplan f├╝r die Oberstufe liegen.

Und Pech ├óÔéČ┬Ž Na ja, das zu erkl├Ąren, dauert l├Ąnger.

2012 wird es eine gro├če Klopperei um Studien- und Ausbildungspl├Ątze geben.

Ein Sonderfall ist dazu noch der Jahrgang meines Sohnes. Der geh├Ârt n├Ąmlich zu den ersten und zu den doppelten. Und das hei├čt wiederum: 2012 haben wir einen doppelten Jahrgang von G8-ern und G9-ern, die sich fr├Âhlich um Studien- und Ausbildungspl├Ątze kloppen d├╝rfen.

├â┼ôber die bekannten Nachteile des G8 wurde schon viel geschrieben: Schwachsinnig verk├╝rzte Lehrpl├Ąne, Nachmittagsunterricht, kaum Freizeit – also eine typisch deutsche Reform, in der reformiert wurde, ohne richtig dar├╝ber nachzudenken, ob das eigentlich Sinn macht. Hauptsache reformiert.

Und jetzt ist es soweit, der doppelte Jahrgang geht in die Kurstufe, sprich 12. und 13. Klasse. Wer jetzt aufmerksam mitgerechnet hat, sagt Stopp!, eine 13. Klasse kann es ja nicht mehr geben.

Weit gefehlt, in diesem Sonderfall, also genau in diesem Jahrgang, ├╝berspringen alle 10-Kl├Ąssler mal kurz die 11. Klasse, um gemeinsam mit den G9-ern nach den Sommerferien in die 12. Klasse zu kommen. Raffiniert, so wird landesweit ein ganzer Jahrgang zu Hochbegabten Sch├╝lerinnen, die mal eben eine Klasse ├╝berspringen.

Gehen wir nun mal positiv davon aus, dass die Schulen es geschafft haben k├Ânnten, beide Jahrg├Ąnge gleich gut auf ihr Abitur vorzubereiten, wird Baden-W├╝rttemberg (auch Bayern) 2012 nun ├╝ber die doppelte Anzahl von Abiturienten verf├╝gen.

Sch├Ân f├╝r die Hochschulen und Betriebe, denn die k├Ânnen sich die Besten aussuchen.

Doppelte Konkurrenz.

Da fragt man sich nat├╝rlich als Eltern, was tun? In Windeseile und mit Druck wurden unsere Kinder durch die Schulzeit gepeitscht, um sich dann sich in unglaublicher, n├Ąmlich doppelter Konkurrenz wieder zu finden.

Ein Rezept f├╝r viele ist sicherlich eine einj├Ąhrige „Auszeit“, sprich ein Soziales Jahr oder ein Auslandaufenthalt mit „Mehrwert“, also mit Sprachschule, Praktikum, Selbsterfahrung oder ├Ąhnlichem. Denn, das haben wir gelernt, einfach nur so darf diese Generation gar nichts mehr tun.

Waren unsere Kinder schon ab dem Kindergartenalter in ihrer Freizeit verplant, so m├╝ssen sie auch direkt vom Abitur in eine sinnvolle gut planbare Besch├Ąftigung gleiten.

Organisationen, die f├╝r teures Geld unsere Kinder im Ausland bei Jobs, Sprachschulen und Praktika betreuen, sprie├čen nur so aus dem Boden und sind ├Ąu├čerst erfolgreich.

Duale Hochschulen als Karrieregaranten?

Auf der ├â┼ôberholspur im Wettbewerb bei den Studienm├Âglichkeiten sind demnach auch die dualen Hochschulen, die nicht nur ein kurzes Studium, sonder auch gleichzeitig Praxis, Firmenkontakt und wenn m├Âglich ├╝ber das Studium hinaus ein Besch├Ąftigungsverh├Ąltnis zu garantieren versprechen.

Bisher gelingt es mir noch ganz entspannt zu bleiben. Doch im Freundes- und Bekanntenkreis, beginnt die Hektik und Panik auszubrechen: Was passiert mit unserem Kinder nach dem Abitur? Und das ist, wohlgemerkt, 2012.

Durch Sprachaufenthalte in der Schulzeit versuchen einige Eltern, die sich das leisten k├Ânnen, ihren Kindern schon im Vorfeld einen Wettbewerbsvorteil zu erm├Âglichen.

Ein Bekannter, dessen Tochter in der 11. Klasse, also sprich noch G9 ist, rennt schon seit Wochen auf Info-Veranstaltungen von Hochschulen in der Region und auf Berufsinformationsmessen. Man muss sich fr├╝hzeitig k├╝mmern, erkl├Ąrt er mir.

„Sonst hast Du keine Chance mehr…“

Auf einer Party unterhielt ich mich k├╝rzlich mit einer Frau, deren Sohn genau wie meiner nach G8 in zwei Jahren Abitur machen wird. „Wenn Du ein Duales Studium anstrebst, musst Du Dich mit dem Zeugnis von 11/1 bei den Betrieben bewerben, sonst hast Du keine Chance“, erkl├Ąrte sie mir. Ich dachte: Stopp, ich strebe ├╝berhaupt kein Studium mehr an, das habe ich alles hinter mir, mein Zeugnis von 11/1 zeige ich keinem mehr und – ich habÔÇÖ doch schon einen Job.

Meine Argumente, mein Sohn wei├č doch noch gar nicht, was er nach dem Abi machen m├Âchte und vielleicht soll er erstmal ein Jahr auf Reisen gehen, wurde mit dem Blick, „Du hast ja keine Ahnung und Du wirst schon sehen, was dabei raus kommt“, abgeschmettert.

Wie schon gesagt, bislang bleibe ich noch ganz entspannt. Aber, wenn ich ehrlich bin, ich wei├č nicht mehr, wie lange.

Denn auch, wenn ich bei dieser Hysterie (noch) nicht mitmache, m├Âchte man ja doch das Beste f├╝r seine Kinder.

Aber ich bezweifle, dass ein so vorgeplanter Weg, wirklich das Beste ist. Oder? Was meinen Sie?
gabi