Dienstag, 19. Januar 2021

Eltern wĂŒnschen sich inklusiven Unterricht, der bisher als Schulversuch lĂ€uft

Nele ist ein Kind wie alle anderen – nur gehörlos

Nele und Linn SchĂŒĂŸler besuchen die selbe Grundschule in Heddesheim. Ohne ihre Implantate wĂ€re Nele taub.

Nele und Linn SchĂŒĂŸler besuchen dieselbe Grundschule in Heddesheim. Ohne ihre Implantate wĂ€re Nele (links) aber taub.

Heddesheim/Weinheim/Rhein-Neckar, 16. Oktober 2013. (red/ld) Ihre Taubheit sieht man Ihr nicht an: Sie mag Musik, egal ob laut oder leise. Sie liebt Hip-Hop und Tanzen, Voltigieren und Karate. Nele ist von Geburt an gehörlos. Trotzdem geht die SiebenjĂ€hrige auf dieselbe Schule wie ihre Schwester. Seit drei Jahren haben Eltern beeintrĂ€chtigter Kinder das Recht, ihre Kinder auf eine Regel- und nicht auf die Sonderschule zu schicken. Und das wird sehr gut angenommen – trotz vieler HĂŒrden. [Weiterlesen…]

„Ich empfehle chronisch Kranken dringend eine Impfung.“

Guten Tag!

Heddesheim, 10. November 2009. Der Heddesheimer Arzt Wolfram Ströck empfiehlt chronisch kranken Personen dringend eine Impfung gegen die „Schweinegrippe“. Er selbst hat zumindest fĂŒr diese Woche noch genug Impfstoff vorrĂ€tig – anders als Kollegen und Apotheken, die auf die Lieferung ihrer Bestellungen noch warten. Im Interview mit dem heddesheimblog erklĂ€rt der Allgemeinmediziner Wolfram Ströck, warum er eine Impfung empfiehlt und wie man sich beim Verdacht auf eine Ansteckung verhalten sollte.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Ströck, es heißt in verschiedenen Meldungen, die Infektionen nĂ€hmen dramatisch zu. Wie beurteilen Sie die Lage?
Wolfram Ströck: „Die Anzahl der Erkrankungen mit Schweinegrippe hat in den vergangenen zwei bis drei Wochen stark zugenommen , aber auch die Schwere der Erkrankung hat sich bis dato verĂ€ndert. Erkrankungen verlaufen deutlich schwerer als bisher , betroffen sind derzeit vor allem jĂŒngere Patienten.
Bis vor etwa drei Wochen waren die VerlĂ€ufe ausgesprochen harmlos, dies ist jetzt nicht mehr unbedingt der Fall. Ansteckungen finden derzeit nach meinen Erfahrungen immer weniger im Ausland statt, sondern vermehrt vor allem bei grĂ¶ĂŸeren Menschenansammlungen im Inland.“

Viele Kollegen warten noch auf die Impfstofflieferung.

Es heißt, es gĂ€be zu wenig Impfstoff. Können Sie das bestĂ€tigen?
Ströck: „Es gibt eindeutig derzeit zu wenig Impfstoff, sowohl die chronisch Kranken als auch die anderen Impfwilligen. Ich bin erfreulicherweise in der Lage, derzeit noch ausreichend Impfstoff fĂŒr diese Woche zu VerfĂŒgung zu haben, aber es gab schon im Vorfeld bei meinem Apotheker vor Auslieferung eines bestellten Impfstoffes zahlreiche Nachfragen von umliegenden Apotheken , die Teile oder alles abnehmen wollten , da diese nicht beliefert worden sind. Auch von zahlreichen Kollegen ist mir mitgeteilt worden, dass diese zu wenig oder keinen Impfstoff bekommen haben.“

stroeck

Der Heddesheimer Arzt Wolfram Ströck empfiehlt chronisch kranken und anderen Risikopatienten dringend eine Impfung. Bild: hblog

Wie wird eine Erkrankung mit dem H1N1-Virus behandelt?
Ströck: „Eine Behandlung der Schweinegrippeerkrankung muss sofort , das heißt innerhalb des 1.-2. Tages mit Tamiflu oder Relenza erfolgen. Diese sollte allerdings erst nach Feststellung der Erkrankung ĂŒber eine Blutentnahme durchgefĂŒhrt werden. Die Crux ist , dass alleine diese Bestimmung 1-2 Tage dauert , sodass ich oft auf das Ergebnis nicht warten kann, sondern sofort behandeln muss.“

Kann man eine Erkrankung nicht einfach zu Hause auskurieren?
Ströck: „Eine Erkrankung sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen – im Zweifel kann das lebensgefĂ€hrlich werden.“

Haben Sie bei ihren Patienten schon Schweinegrippe diagnostiziert?
Ströck: „Ja, ich habe in meiner Praxis auch schon bei einigen Patienten die Schweinegrippe diagnosiziert und behandelt.“

Es nicht gefÀhrlicher in eine Arztpraxis zu gehen, als in einen Supermarkt.
Beim Arzt bekommen Sie aber geholfen.

Ist es gefÀhrlich in eine Arztpraxis zu gehen?
Ströck: „Es ist nicht gefĂ€hrlicher als im nĂ€chsten Supermarkt oder bei einer Familienfeier angesteckt zu werden. Im Gegensatz zu diesen Orten wird Ihnen beim Arzt aber geholfen.“

Patienten mit Verdacht auf Schweinegrippe sollten zuhause bleiben
und telefonisch Kontakt mit einer Arztpraxis aufnehmen.

Was passiert wenn ein Patient mit Verdacht auf eine H1N1-Infektion in Ihre Praxis kommt?
Ströck: „Ein Patient, der glaubt eine Schweinegrippeinfektion zu haben, sollte sich korrekt verhalten und am besten zuhause bleiben. Er sollte aber bei seinem Arzt anrufen und einen Termin oder Hausbesuch vereinbaren. Sollte ein Patient ohne Anmeldung in unsere Praxis kommen, wird er sofort isoliert. Das dient dem Schutz der anderen Patienten und des Personals. Gegebenenfalls erfolgt eine Klinikeinweisung, je nach Erkrankungszustand.“

Wer ist besonders gefÀhrdet und sollte sich dringend mit seinem Hausarzt wegen einer Impfung beraten?
Ströck: „Impfen sollte sich nach meiner Auffassung prinzipiell jeder, aber Hochrisiko- und Risiko-Patienten mit chronischen Erkrankungen auf jeden Fall. Fast alle TodesfĂ€lle in dieser Sache waren chronisch kranke Personen.
Es gibt keine Impfpflicht, jeder darf, keiner muss sich impfen lassen!“

Patienten mit einer HĂŒhnereiweiß-Allergie mĂŒssen mit allergischen Reaktionen rechnen.

Es mehren sich die Meldungen schwerer UnvertrÀglichkeit des Impfstoffs bis hin zu anaphalytischen Schocks (allergische Reaktion mit schwerer Störung des Herz-Kreislaufsystems)? Impfen ist also auch risikobehaftet?
Ströck: „Es gab ganz vereinzelt tatsĂ€chlich starke Nebenwirkungen nach einer Impfung. Wenn bespielsweise eine Allergie gegen HĂŒhnereiweiß bekannt ist, muss man mit Komplikationen rechnen. Dieser Impfstoff basiert nĂ€mlich auf einer HĂŒhnereiweißbasis, sodass starke allergische Reaktionen bis zum Schock prinzipiell auftreten können . Diese Allergie sollte deswegen vor jeder geplanten Impfung abgefragt werden.“

Muss man den Impfstoff selbst bezahlen?
Ströck: „Die Impfleistung wird generell von den Krankenkassen ĂŒbernommen. Den Patienten entstehen keine Kosten außer der PraxisgebĂŒhr, wenn sie diese fĂŒr das betreffende Quartal noch nicht entrichtet haben.“

Wie informieren Sie sich als Arzt ĂŒber den Stand der Dinge?
Ströck: „Ich selbst versuche, so gut als irgendwie möglich, auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben ĂŒber meine Standesorganisationen, das Robert-Koch-Institut, das Gesundheitsamt Heidelberg, das Landesgesundheitsamt Karlsruhe und anderen Quellen.
Die Informationspolitik war in den letzten Monaten sehr dĂŒrftig , wir niedergelassenen Ärzte waren ziemlich auf uns alleine gestellt. Seit zwei bis drei Wochen hat sich die QualitĂ€t der Informationen erfreulicherweise verbessert.“

Es mehren sich Panikanzeichen. Dagegen hilft nur eine gute Informationspolitik.

Wie beurteilen Sie die Meldungen in den Medien und die Stimmung der Menschen?
Ströck: „Derzeit ist die Lage bezĂŒglich der Schweinegrippe noch halbwegs ĂŒberschaubar, jedoch gibt es unterschiedliche Tendenzen zu beobachten.
In der Presse wird viel Negatives bezĂŒglich der Impfung veröffentlicht und damit der Impfwille der Bevölkerung nicht unbedingt unterstĂŒtzt.
Durch die HĂ€ufung von SchweinegrippefĂ€llen auch bei uns in der Region möchten sich vermehrt Patienten mit einer Impfung davor schĂŒtzen.
In der Ärzteschaft gibt es unterschiedliche Auffassungen, deswegen impfen einige Kollegen gar nicht und stellen ihren Patienten diesen Impfstoff auch nicht zur VerfĂŒgung. Andere wĂŒrden gerne impfen, bekommen aber den Impfstoff wegen der KapazitĂ€tsengpĂ€sse nicht geliefert. Es gibt vermehrte Panikanzeichen durch Erkrankungen von SchĂŒlern und die Schließungen von Schulen.“

Ärzte & Co – Rund um die Gesundheit

Ärzte & Co – Rund um die Gesundheit

Das heddesheimblog bietet Ihnen ein Firmenverzeichnis fĂŒr Dienstleistungen und Handwerk an, das wir in den nĂ€chsten Tagen erweitern. Bitte klicken Sie in der ersten Zeile auf die Pfeile, um die Liste zu sortieren. Wenn Sie mehrere Spalten sortieren möchten, drĂŒcken Sie die SHIFT-Taste und dann auf die weiteren Spalten, danach auf die Pfeile.


Sofern Sie als Firma in die Liste aufgenommen werden möchten, schreiben Sie uns unter: redaktion (at) heddesheimblog.de.
Sofern Sie als Leserin oder Leser Angebote vermissen, geben Sie uns bitte unter derselben email-Adresse einen Hinweis.

[table id=15 /]

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Neuer Service: Firmenverzeichnisse

Guten Tag!

Heddesheim, 10. November 2009. Das heddesheimblog bietet einen neuen Service an: Sie können kĂŒnftig Firmen und ihre Angebote aus der kompletten Angebotspalette von Dienstleistungen, Handwerk und Produktion direkt bei uns finden.

Sie suchen einen Maler oder Installateur? Sie wollen werben oder etwas produzieren lassen? Sie suchen einen Schreiner, der Ihre KĂŒche aufbaut? Sie suchen einfach… eine Firma in der Umgebung, die fĂŒr Sie da ist? Bei uns sind Sie richtig.

Wir bauen ein stĂ€ndig aktualisiertes Verzeichnis der Firmen in der unmittelbaren Umgebung auf, die die gewĂŒnschte Dienstleistungen anbieten.

Als Unternehmen haben Sie die Möglichkeit, innerhalb unserer Verzeichnisse auf sich aufmerksam zu machen. Sprechen Sie uns an, welche Möglichkeiten wir Ihnen bieten: anzeigen (at) heddesheimblog.de

By the way – das heddesheimblog ist das Portal fĂŒr Nachrichten & Informationen aus und ĂŒber Heddesheim. Was wir berichten, ist Thema im Ort.

DarĂŒber hinaus informieren wir mit unserem ĂŒbersichtlichen Terminkalender ĂŒber Veranstaltungen in Heddesheim und bieten unter Service Informationen zu Ärzten, Apotheken, Notdiensten und Durchwahlen zur Verwaltung an.

Das heddesheimblog ist 24 Stunden fĂŒr Sie erreichbar – per Computer, PDA oder Handy.

Sie mĂŒssen nicht auf eine bestimmte Tagesausgabe der Zeitung warten oder ĂŒberlegen, wann etwas wo gestanden haben könnte: In unseren Rubriken finden Sie unsere Themen und Artikel – ĂŒber die Suchfunktion oder die Liste der Kategorien können Sie sich leicht einen ÃƓberblick verschaffen, was alles im heddesheimblog zu finden ist.

Und das wird tĂ€glich mehr – im Gegensatz zum Mannheimer Morgen und anderen lokalen Medien ist bei uns fĂŒr Sie alles kostenfrei.

Im heddesheimblog finden Sie professionellen und kritischen Journalismus und keinen billigen „Bratwurstjournalismus„, der sonst die Lokalzeitungen fĂŒllt („Der Wettergott meinte es gut, fĂŒr das leibliche Wohl war gesorgt, das Bier war kĂŒhl und es war wie immer alles toll und-alle-waren-glĂŒcklich-und-dankten-allen-und-ĂŒberhaupt-war-alles-gut“).

Wir schreiben gerne positive „Geschichten“ auf, ĂŒber Menschen, die sich engagieren und fĂŒr andere da sind – weil das wichtig ist.

Im Gegensatz zu anderen Medien sind wir fĂŒr unsere Leser da, mit denen wir stĂ€ndig im Kontakt sind. Ein nicht unerheblicher Teil unserer Berichterstattung folgt auf Hinweise unserer Leserinnen und Leser.

Wir nehmen jedes Thema Ernst, das an uns herangetragen wird – außer, dass „grĂŒne MĂ€nnchen“ gelandet sind – doch selbst das wĂŒrden wir prĂŒfen, wenn wir das GefĂŒhl haben, „an der Story ist was dran…“ 🙂

Sie als Leserin und Leser können zudem mitmachen: ÃƓber die Kommentarfunktion können Sie Ihre Meinung Ă€ußern, Sie können Leserbriefe oder Gastkommentare schreiben.

FrĂŒher haben „die Medien“ bestimmt, was Thema ist und was nicht. Beim heddesheimblog können Sie „mitmischen“. Das heißt nicht, dass bei uns alles erlaubt ist. Wir haben Regeln fĂŒrs Mitmachen – aber wir fordern im Gegensatz zu anderen Medien zum Mitmachen auf und freuen uns, wenn Sie sich inhaltlich einbringen – auch mit Kritik an unserem Angebot. Denn Kritik ist nichts Negatives, sondern bringt, wenn sie wohl gemeint ist, alle weiter.

Das ist ganz einfach: Schreiben Sie Ihre Meinung in den Kommentaren auf oder schreiben Sie uns auf, was dringend recherchiert werden muss oder sollte: redaktion (at) heddesheimblog.de

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Hotline zur Schweinegrippe

Guten Tag!

Heddesheim, 07. November 2009. Die Zahl der Infektionen mit der so genannten Schweinegrippe steigt auch im Rhein-Neckar-Kreis. Das Gesundheitsamt schaltet ab Montag ein Infotelefon frei.

Wegen zahlreicher telefonischer Anfragen besorgter BĂŒrger richtet das Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis eine Hotline zur „Schweinegrippe“ oder neue Influenza A/H1N1, wie sie wissenschaftlich heißt, ein.

BĂŒrger können in der Zeit montags bis freitags von 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr anrufen:

Infotelefon „Schweinegrippe“: 06221/ 522 – 1891

Das Bundesgesundheitsministerium hat eine kostenlose Hotline unter der Telefonnummer 030 – 346 465 100 eingerichtet, die von Montag bis Freitag zwischen 8 bis 18 Uhr besetzt ist.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Schweinegrippe verbreitet sich immer schneller

Guten Tag!

Nachdem vor einem Monat im Rhein-Neckar-Kreis gerade einmal zwölf Infektionen mit dem als „Schweinegrippe“ bezeichnete Influenza-Virus H1N1 registriert waren, sind es aktuell rund 80 FĂ€lle.

Auf Anfrage des heddesheimblogs gibt sich das Sozialministerium Baden-WĂŒrttemberg gelassen: „Alle Experten haben mit einem Anstieg der Zahlen gerechnet. Wir sind aber gut gerĂŒstet“, sagte die Pressesprecherin Susanne Keller.


Das Bundesland ThĂŒringen habe als zur Zeit vorsitzendes Land der Gesundheitsministerkonferenz etwa fĂŒr 30 Prozent der Bevölkerung Impfschutz bestellt: „Wir haben VertrĂ€ge mit den Herstellern, die uns fĂŒr 100 Prozent der Bevölkerung bis Ende September 160 Millionen Dosierungen garantieren“, sagte Frau Keller.

Besonders viele Infizierte kommen zur Zeit aus Spanien aus dem Urlaub zurĂŒck. Auch in Großbritannien sind die Fallzahlen immer noch sehr hoch.

In Deutschland sind mit Stand von heute rund 3800 Personen infiziert worden. Anfang Mai waren es noch keine zehn FĂ€lle.

Im Rhein-Neckar-Kreis sind zuletzt Mannheim und Viernheim mit einer Vielzahl neuer Infektionen aufgefallen. In Mannheim sind sechs SchĂŒler einer Walldorf-Schule und eventuell ein Lehrer erkrankt, die in Spanien eine Freizeit verbracht hatten. In Viernheim gab es gestern fĂŒnf neue FĂ€lle. Auch in BĂŒrstadt, Lampertheim und Bensheim wurden seit dem Wochenende je zwei Erkrankungen gezĂ€hlt.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Lesen Sie auch:
Interview mit Susanne Keller, Pressesprecherin Sozial-Ministerium Baden-WĂŒrttemberg: Wir mĂŒssen uns an das Virus gewöhnen

Service: Reiseapotheke II – Impfungen, Viagra, Zoll
Service: Reiseapotheke I – Magen, Darm, Ärzte, Schmerzmittel

Link:
Robert-Koch-Institut: Wir gegen Viren

Was in jede Reiseapotheke gehört II

Wolfram Ströck ist Allgemeinmediziner. Der Arzt hat seine Praxis in Heddesheim und erklÀrt im Interview mit dem heddesheimblog, was Urlauber auf einer Reise unbedingt an Medikamenten dabei haben sollten.
Welche Vorbereitungen zu treffen sind und wie man sich im Fall der FÀlle richtig verhÀlt.

Teil 2: Impfungen, Viagra, Zoll

Verstanden. An welche Impfungen sollten Urlauber denken?
„Ganz sicher diese drei: Tetanus, Diphterie, KinderlĂ€hmung. Die sind ein Muss. Je nach Reisegebiet, vor allem im asiatischen Raum kommen hinzu: Typhus, Hepatitis A, eventuell auch B. FĂŒr Afrika und SĂŒdamerika sollte gegen Gelbfieber geimpft werden.“

Was ist mit einer Malaria-Prophylaxe?
„Die ist wichtig, hĂ€ngt aber vom jeweiligen Reiseland ab. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt dazu beraten, er weiß, welche Mittel wo wirksam sind. Das hĂ€ngt von der Risikolage vor Ort ab. Viele Menschen denken beispielsweise, dass Malaria ĂŒberall in Asien auftritt oder nur im „Dschungel“. Beides ist falsch. Deshalb, fragen Sie rechtzeitig ihren Arzt. Das gilt auch fĂŒr die Impfungen, die meist eine gewisse Vorlaufzeit brauchen, damit ein Schutz gegeben ist.“

Kann man sich auch gegen die Schweinegrippe impfen?
„Bislang noch nicht. Eventuell gibt es Ende des Jahres bereits einen Impfstoff. Vorsorglich kann man eine Grippeschutzimpfung vornehmen, die ich sowieso empfehle. Ob diese bei der Schweinegrippe hilft, ist aber nicht sicher. Wenn Sie nach einer Amerika-Reise Grippesymptome feststellen, mĂŒssen Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.“


Woher weiß ich im Ausland, zu welchem Arzt ich gehen soll?
„Schauen Sie ins Internet. Hier finden Sie viele AuskĂŒnfte zur medizinischen Versorgung an ihrem Urlaubsziel. In beliebten Urlaubsorten finden Sie heute auch deutsche Ärzte oder zumindest deutsch sprechende. Und erkundigen Sie sich gleich zu Beginn des Urlaubs im Hotel, wo Sie im Fall der FĂ€lle medizinische Hilfe bekommen. Und manchmal ist es besser, sofort einen KrankenrĂŒcktransport einzuleiten, wenn die medizinische Versorgung vor Ort nicht ausreichend ist.“

„Sonnenschutz ist extrem wichtig fĂŒr Kinder.“

Auch das ist also eine Art Vorsorge. Woran muss ich noch denken?
„An einen ausreichenden Sonnenschutz. Gerade fĂŒr Babys und Kleinkinder ist der enorm wichtig. Ich empfehle Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor 20-40, je nach Reiseziel und den dortigen SonnenverhĂ€ltnissen. Ich sehe Jahr fĂŒr Jahr die teils massiven Verbrennungen. Jedem muss klar sein, dass SonnenbrĂ€nde das Risiko an schwarzem Hautkrebs zu erkranken enorm ansteigen lassen.“

Was tue ich, wenn ich mir trotzdem einen Sonnenbrand eingefangen habe? Ich will ja schließlich braun werden und habe nur zehn Tage gebucht?
„Seien Sie vernĂŒnftig und meiden Sie die Sonne je nach Schwere des Sonnenbrands zwei bis drei Tage. Verzichten Sie lieber auf die BrĂ€une und erhalten Sie sich Ihre Gesundheit.“

Viele Urlauber machen Sport im Urlaub, beispielsweise Tauchen. Worauf kommt es hier an?
„Die Deutschen sind die Nation mit den meisten TauchunfĂ€llen – aus Unvernunft. Taucher mĂŒssen sich, egal wie fit sie sich fĂŒhlen, unbedingt jedes Jahr checken lassen. Dazu gehört ein Belastungs-EKG, die ÃƓberprĂŒfung der Herz-Lungen-Funktion sowie eine Ohrenspiegelung. Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen oder ÃƓbergewicht sollten erst gar nicht tauchen. Tauchen mag faszinierend sein, aber es ist auch eine extreme Belastung. Auch das Bergsteigen ist an und fĂŒr sich eine tolle Sache, doch ohne ÃƓbung und ohne Gesundheitscheck rate ich davon ab.“

Welche Infektionen treten sonst noch hÀufiger auf?
„BindehautentzĂŒndungen beispielsweise durch Schwimmbadwasser. Hier sollte man eine antibiotische Salbe verwenden. Die bekommt man bei Bedarf auch vor Ort. Und selbstverstĂ€ndlich sollte man an Allergie-Medikamente denken, vor allem, wenn man weiß, dass man beispielsweise auf Insektenstiche heftig reagiert.“

Also braucht man auch Calzium fĂŒr Sonnenallergien?
„Calzium ist nachweislich wirkungslos bei Sonnenallergien, leider wissen das bis heute immer noch zu wenige Menschen. Hier hilft nur ein Antiallergicum. Bei Insektenstichen ist beispielsweise Fenistil oder Systral gut geeignet. Auch hier gilt: Fragen Sie Ihren Arzt.“

„Medikamente sind im Ausland gĂŒnstiger. Aber Finger weg von Viagra und Co.“

A propos: Viele Medikamente, die hier sehr teuer sind, gibt es im Ausland zu Spottpreisen. Kann man getrost damit seine Hausapotheke auffĂŒllen?
„Ja und nein. Alle Medikamente, die Sie in einer Apotheke kaufen und Standards sind, also vor allem Schmerzmittel wie Aspirin oder Paracetamol kann man getrost kaufen. Ich rate aber dringend davon ab, Mittel wie Viagra oder Cialis im Ausland zu kaufen. Das sind oft FĂ€lschungen und niemand weiß, was wirklich in den Pillen drin ist. Das kann schnell lebensgefĂ€hrlich werden.“

Wenn Sie gerade Viagra erwĂ€hnen… Geschlechtskrankheiten sind wieder auf dem Vormarsch. Wie schĂŒtzt Mann und Frau sich am besten?
„Kondome zu benutzen ist absolute Pflicht. Gerade Geschlechtskrankheiten haben nicht nur körperliche Folgen, sondern ganz besonders auch soziale. Krankheiten wie Tripper oder Syphilis sind heilbar, Aids hingegen nur „behandelbar“. Und wer sich eine solche Infektion zuzieht, riskiert oft den Zerfall der Familie und eine gesellschaftliche Stigmatisierung – auch wenn das falsch ist. Die Menschen sind aber so. Das gebe ich zu bedenken.“

Komme ich mit gekauften Medikamenten durch den Zoll?
„Auf alle FĂ€lle, wenn Sie diese nicht gerade kofferweise einfĂŒhren wollen. Urlauber sollten daran denken, dass FlĂŒssigkeiten, Spritzen und BetĂ€ubungsmittel, also Opiate, nur mit einer Ă€rztlichen Bescheinigung mit an Bord gebracht werden dĂŒrfen. Im Koffer können Sie das aber transportieren.“

Was in jede Reiseapotheke gehört I

Wolfram Ströck ist Allgemeinmediziner. Der Arzt hat seine Praxis in Heddesheim und erklÀrt im Interview mit dem heddesheimblog, was Urlauber auf einer Reise unbedingt an Medikamenten dabei haben sollten.
Welche Vorbereitungen zu treffen sind und wie man sich im Fall der FÀlle richtig verhÀlt.

Teil I: Magen-Darm-Infektionen, Arztbesuch, Schmerzmittel

Interview: Hardy Prothmann

Herr Ströck: Was bringen Urlauber am hÀufigsten an Erkrankungen mit nach Hause?
Wolfram Ströck: „Eindeutig Magen-Darm-Infektionen. Das hĂ€ngt damit zusammen, dass gerade in sĂŒdlichen LĂ€ndern Keime im Essen zu finden sind, die die Körper der Urlauber nicht gewohnt sind und damit nicht abwehren können.“

Was empfehlen Sie gegen „Montezumas Rache“?
„Ich arbeite gerne mit Kohle. Die fĂ€ngt die Gifte ein, die die Bakterien produzieren. Und Kohle hat absolut keine Nebenwirkungen. Auch Menschen, die unter Verstopfung leiden, können Kohle problemlos einnehmen.


Aber Achtung: Kohle sollte nur mit einem ausreichenden zeitlichen Abstand mit anderen Medikamenten eingenommen werden, beispielsweise der Anti-Baby-Pille.

Denn die Kohle bindet nicht nur bakterielle AbfÀlle, sondern eventuell auch die Wirkstoffe von anderen Medikamenten. Ich empfehle mindestens eine Stunde.

stroeck

Allgemeinmediziner Wolfram Ströck: "Urlaub ist eine schöne Sache, eine gute Gesundheit auch." Bild: pro

Gehören Schmerzmittel in die Reiseapotheke?
„Unbedingt. Jeder kennt das: Reisestress, lange FlĂŒge oder Autofahrten, ein ungewohntes Klima am Urlaubsort, eine ErkĂ€ltung durch die Kombination Hitze und Klimaanlagen… da treten schnell mal Kopfschmerzen oder auch fiebrige ZustĂ€nde  auf. Paracetamol ist ein geeignetes Mittel dagegen.

Der Ruf des Medikaments hat zwar ein wenig gelitten und es ist dadurch rezeptpflichtig geworden, aber bei diesem Medikament sind immer noch die wenigsten Probleme bekannt und es ist recht gut vertrĂ€glich. Man sollte aber auf die richtige Dosierung achten.“

„Ich empfehle dringend einen Trombose-Schutz.“
Wolfram Ströck

Sie haben gerade FlĂŒge und Autofahrten angesprochen: Sollte man sich gegen Trombosen schĂŒtzen?
„Meiner Meinung nach eindeutig ja. Wer mit dem Auto fĂ€hrt, macht vernĂŒnftigerweise spĂ€testens alle zwei Stunden einen Halt und ein wenig Gymnastik. Aber alle FlĂŒge, die mehr als zwei bis drei Stunden dauern, sind eine extreme Belastung fĂŒr den Körper, auch wenn man „nichts“ tut.

Hier steigt selbst bei absolut gesunden Menschen die Trombosegefahr. Alle Menschen, die Herz-Lunge-Probleme oder Bluthochdruck haben oder ĂŒbergewichtig sind, sind sogar außerordentlich gefĂ€hrdet.“

Was hilft?
„Hier helfen Heparin-Spritzen ĂŒber einen Zeitraum von sechs bis acht Stunden. Die kann man sich selbst subkutan, also unter die Haut, spritzen. Das pikst ein wenig und gibt eventuell einen blauen Fleck, aber mehr auch nicht.

Das Medikament kostet nicht viel und es sind keinerlei Belastungen fĂŒr den Körper damit verbunden. Was ich immer betone: Durch die Klimaanlagen herrscht in Flugzeugen eine sehr trockene Luft. Ganz wichtig ist: Trinken Sie so viel wie möglich – damit meine ich keine alkoholischen GetrĂ€nke, sondern am Besten Wasser.“

Was halten Sie von KompressionsstrĂŒmpfen?
„Die helfen natĂŒrlich auch, aber viele Menschen empfinden sie als unbequem und schwitzen darin. Und sie sind teuer.“

An welche weiteren Medikamente sollte man denken?
„Ich empfehle eine jodhaltige Salbe fĂŒr kleinere Verletzungen, die beim Sport, beim Wandern oder einen Sturz auftreten können. Bei großer Hitze steigt die Infektionsgefahr auch bei kleinen Wunden, da hilft eine solche Salbe. NatĂŒrlich sollte man auch etwas Verbandszeug und Pflaster dabei haben.“

„Bei Tierbissen mĂŒssen Sie einen Arzt aufsuchen.“

Bei welchen Verletzungen sollte man vor Ort dringend den Arzt aufsuchen?
„Absolut unbedingt bei allen Tierbissen. Gerade Hundebisse sind hĂ€ufig und die Tiere haben einen Erreger-Cocktail im Maul, der hochinfektiös ist. Solche Wunden mĂŒssen von einem Arzt versorgt werden. Am Meer sind Muscheln und Seeigel eine Gefahr und ebenfalls hochinfektiös. Die Menschen sollten Verletzungen, auch wenn sie „klein“ scheinen, unbedingt versorgen lassen, sonst droht beispielsweise eine Blutvergiftung.“

Das kostet aber Geld, weil die meisten Krankenversicherungen außerhalb Europas die Kosten nicht ĂŒbernehmen…
„Das ist richtig. Aber fĂŒr zehn bis fĂŒnfzehn Euro kann man eine Auslandskrankenversicherung abschließen, die ordentliche bis sehr gute Leistungen bietet und meist ein Jahr lang gilt. Ich wĂŒrde niemals ohne eine solche Versicherung mit meiner Familie in Urlaub fahren. Vor Ort mĂŒssen Sie aber zunĂ€chst meist mit Bargeld die Leistungen bezahlen, die sie spĂ€ter erstattet bekommen.“

Verdienen sich die Versicherer nicht eine goldene Nase daran?
„Sicherlich verdienen die Versicherer daran, sonst wĂŒrden Sie es nicht anbieten. Aber rechnen Sie einfach gegen: Zehn Euro fĂŒr eine Versicherung, die im Fall der FĂ€lle Kosten ĂŒbernimmt, die schnell mehrere tausend Euro umfassen können. Urlauber fahren gerne motorisierte ZweirĂ€der im Urlaub, teils ohne FĂŒhrerschein, ganz oft ohne genĂŒgend ÃƓbung. Die Straßen sind schlechter, der Verkehr chaotisch.  Gerade die Deutschen machen das gerne. Wenn es zum Unfall kommt, KnochenbrĂŒche oder innere Verletzungen die Folge sind, brauchen Sie medizinische Hilfe und die zahlen Sie dann ohne Versicherung aus der eigenen Tasche…“

Lesen Sie hier weiter in Teil 2: Impfungen, Viagra, Zoll