Mittwoch, 20. September 2017

Immer mehr Menschen nutzen die klassischen Medien online

79 Prozent der Deutschen ├╝ber 14 Jahre online

Frankfurt am Main/Rhein-Neckar, 10. September 2014. (red/ld) Je mobiler internetf├Ąhige Ger├Ąte werden, desto h├Ąufiger sind die Menschen online. Rund 79 Prozent der B├╝rger/innen ├╝ber 14 Jahre in Deutschland greifen mittlerweile im Internet auf Daten zu oder kommunizieren dar├╝ber miteinander – sei es mit dem fest installierten PCs zuhause oder handlichen Smartphones unterwegs. Dabei wird das Internet vor allem f├╝r Dinge genutzt, die man fr├╝her offline erledigt hat. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: ├ťber Blabla, TV-Duell und andere Blasen

Manche sagen so, manche so

Prothmann2

Das TV-Duell hat Chefredakteur Hardy Prothmann nicht geguckt – trotzdem weil er viel dar├╝ber, denn manche sagen so, manche so.

Rhein-Neckar/Berlin, 2. September 2013. (red) Geh├Âren Sie zu den rund 12 Millionen Fernsehzuschauern, die sich gestern Abend 90 Minuten Blabla reingezogen haben? Oder zum mehrheitlichen Rest? Vollkommen egal. Die Deutsche Presseagentur (dpa), Hauptlieferant f├╝r ├╝berall gleiche Inhalte in deutschen Tageszeitungen stellte die Sensation fest: Das TV-Duell war das meistgetwitterte Thema weltweit. Gesten. Keine Ahnung, was Twitter ist? Dann lesen Sie weiter. [Weiterlesen…]

Hessische Polizei warnt vor falschen Geb├╝hrenbescheiden

Neue Betrugsmasche im Namen der GEZ

Rhein-Neckar/Gie├čen, 28. M├Ąrz 2013. (red/aw) Die hessische Polizei warnt vor gef├Ąlschten Schreiben im Namen der ehemaligen┬áGeb├╝hreneinzugszentrale (GEZ). In der Hauswurfsendung werden die Empf├Ąnger aufgefordert, den quartalsm├Ą├čig f├Ąlligen Beitrag zu ├╝berweisen. Sollten Sie dieser Tage Post vom neuen ARD, ZDF und Deutschlandradio-Beitragsservice erhalten, schauen┬áSie besser genauer hin! Die Polizei bittet die Bev├Âlkerung um Hinweise zu den Verteilern. [Weiterlesen…]

GEZ: Geb├╝hren├Ąnderungen zum 01.01.2013

Haushaltspauschale f├╝r alle

Rhein-Neckar, 05. November 2012. (red/aw) Ab dem 01. Januar 2013 sind alle gleich: Jeder Haushalt muss dann eine Geb├╝hrenpauschale f├╝r den theoretischen oder praktischen Empfang ├Âffentlich-rechtlicher Sendungen zahlen. Egal, ob man will oder nicht. Egal, ob man das Angebot nutzt oder nicht. Was sich die Politik von dieser „Rundfunkgeb├╝hren-Reform“ verspricht und was sich f├╝r uns Geb├╝hrenzahler ├Ąndert, wem sie n├╝tzt? Wir erkl├Ąren es.

Von Alexandra Weichbrodt

Viele Menschen in Deutschland ├Ąrgern sich ├╝ber GEZ-Geb├╝hren:

Ich schaue kein ├Âffentlich-rechtliches Fernsehen und h├Âre nie Radio. Warum soll ich also f├╝r etwas bezahlen, dass ich nicht nutze?

Gute Frage. Aber keine, auf die man eine andere Antwort bekommt als:

Du zahlst trotzdem – ob Du willst oder nicht.

Und ab Januar gilt das f├╝r alle.

Eine Wohnung, ein Beitrag

Mit der Reform des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags (PDF) wird ab dem 01. Januar 2013 eine Haushaltspauschale f├╝r die Nutzung von Empfangsger├Ąten eingef├╝hrt. Diese soll vieles vereinfachen, verspricht weniger b├╝rokratischen Aufwand und schert aber letztlich nur alle B├╝rgerinnen und B├╝rger ├╝ber einen Kamm. Denn ab 2013 wird nicht mehr pro Ger├Ąt mit dessen Besitzer abgerechnet, sondern pauschal pro Wohnung. Unabh├Ąngig davon, ob im jeweiligen Haushalt ein Empfangsger├Ąt vorhanden ist und dieses genutzt wird.

F├╝r Haushalte mit mehreren Mitgliedern verspricht diese neue Regelung auf den ersten Blick Entlastung. Erwachsene Kinder oder Oma und Opa, die mit in der Familie leben, werden nicht mehr zus├Ątzlich zur Kasse gebeten. Pro Haushalt wird dann der Betrag von 17,98 Euro f├Ąllig. Die Anzahl der Ger├Ąte spielt keine Rolle mehr.

Mehr Transparenz, weniger Kontrolle?

Kurt Beck (Quelle: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz)

Als einer der gro├čen Pluspunkte der Reform wurde nach ihrem Beschluss im Jahr 2010 der Fakt genannt, dass mit dem neuen Modell ja nicht mehr kontrolliert werden m├╝sse, wie viele Ger├Ąte und Personen sich tats├Ąchlich in einem Haushalt befinden.

Der Vorsitzende der Rundfunkkommission und rheinland-pf├Ąlzische Ministerpr├Ąsident Kurt Beck formulierte es, nach dem Beschluss der Ministerpr├Ąsidenten 2010, so:

Ziel der L├Ąnder ist es, die Finanzierung f├╝r den Rundfunk auf eine zeitgem├Ą├če Grundlage zu stellen, die Kontrollbed├╝rftigkeit innerhalb des Systems deutlich zu reduzieren und vor allem auch die Privatsph├Ąre der Rundfunkteilnehmer zu schonen.

Auch GEZ-Verwaltungsrat-Vorsitzender Hans F├Ąrber sieht darin eine ÔÇťChance f├╝r das┬á ├Âffentlich-rechtliche Modell – weg von der Kontrolle hin zu mehr Transparenz und Service f├╝r die B├╝rgerinnen und B├╝rgerÔÇŁ.

Die GEZ-Schn├╝ffler w├Ąren also zuk├╝nftig ├╝berfl├╝ssig. Der b├╝rokratische Aufwand w├╝rde sinken, da keine Ger├Ąteauflistungen und ihre An- und Abmeldungen mehr vorgenommen werden m├╝ssten. Auch die ÔÇťKontaktpersonenÔÇŁ zur GEZ, die Beitragszahler werden insgesamt weniger, da nur noch jeder Haushalt und nicht jeder Besitzer erfasst werden muss.

ÔÇťAlter Wein in neuen Schl├ĄuchenÔÇŁ

Doch wer glaubt, dass damit die Besuche der GEZ-Kontrolleure aufh├Âren, k├Ânnte sich t├Ąuschen, denn die Datenschutzbeauftragten von Bund und L├Ąndern sehen das anders. Bereits 2010, nach dem Beschluss der Reform, teilten sie in einer Stellungnahme ihre Bedenken mit:

Die bestehenden Befugnisse bei der Geldeintreibung werden beibehalten und teilweise sogar noch erweitert.

Der baden-w├╝rttembergische Landesdatenschutzbeauftragte J├Ârg Klingbeil h├Ąlt das neue Finanzierungsmodell gar f├╝r ÔÇťalten Wein in neuen Schl├ĄuchenÔÇŁ.

Die Geb├╝hrenreform soll die Finanzierung der ├Âffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland neu regeln. Hinter dem Begriff ÔÇť├Âffentlich-rechtliche SenderÔÇŁ verbergen sich elf Rundfunkanstalten mit mehr als einem Dutzend Haupt- und Spartensendern im Fernsehen und gut 70 Radiowellen.

Besonders in Zeiten des Internets will der Gesetzgeber durch die neue Reform die ├Âffentlich-rechtlichen Sender absichern. Die technische Entwicklung habe dazu gef├╝hrt, dass die Erhebung der Rundfunkgeb├╝hr nicht mehr plausibel sei.

Aus GEZ wird AZDBS

ARD-Vorsitzender Peter Boudgoust (Quelle: SWR/Rafael Kr├Âtz)

Ab 2013 wird aus der GEZ der AZDBS – ARD-ZDF-Deutschlandradio-Beitragsservice. Klingt das charmanter als „Geb├╝hreneinzugszentrale“? H├Ârt sich vielleicht im ersten Moment weniger bedrohlich an, die kontinuierliche „Beitreibung“ wird es weiterhin geben – und das viel einfacher als fr├╝her, denn per Definition geht es nicht mehr darum, ob man ein Empfangsger├Ąt hat. Das wird einfach unterstellt.

Die ├Âffentlich-rechtlichen Sender begr├╝├čen den neuen Rundfunkbeitragsstaatsvertrag. ARD-Intendant Peter Boudgoust findet die neue Geb├╝hrenreform ÔÇťeinfach gerechtÔÇŁ und auch der fr├╝here ZDF-Intendant Markus Sch├Ąchter betonte, dass der neue Rundfunkbeitrag einfacher und effektiver sei und so f├╝r mehr Beitragsgerechtigkeit sorge.

Allerdings verbirgt diese neue Finanzierungsform f├╝r die ├Âffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auch eine nicht zu untersch├Ątzende Mehrverantwortung. Denn sie werden mit Inkrafttreten des neuen Rundfunkbeitragsstaatsvertrag mit Kultur- und Bildungsg├╝tern, wie Schulen, Universit├Ąten und Theatern, gleichgestellt. Und f├╝r die kommt nach gesellschaftlichem Konsens die Allgemeinheit auf.

ARD und ZDF ab 2013 Kultur- und Bildungsgut

Damit h├Ątte Deutschland ab 2013 so etwas wie eine Rundfunksteuer. Kritiker mahnen, dass ├Âffentlich-rechtliche Sender zum Staatsfunk avancieren und trotzdem, weil es ja in der Verfassung vorgeschrieben ist, das Etikett der Staatsferne behalten d├╝rfen.

Kritiker bem├Ąngeln au├čerdem die St├Ąrkung der ├ľffentlich-Rechtlichen und eine weitere Verschiebung zum Nachteil der Verleger und Privatsender. Versch├Ąrft werde das Problem durch das nach wie vor fehlende Werbeverbot bei ARD, ZDF & Co. Durch Werbung treten die ├ľffentlich-Rechtlichen in direkte Konkurrenz zu den Privatsendern. Eine zus├Ątzliche Einnahmequelle, die die Wettbewerbsf├Ąhigkeit langfristig deutlich beeinflussen kann.

Anlass zur Kritik gibt auch die neue Regelung der Geb├╝hrenbefreiung. Der wohl gr├Â├čte Nachteil der GEZ-Reform f├╝r B├╝rgerinnen und B├╝rger: Es wird so gut wie keine GEZ-Befreiungen mehr geben. Wer weder Fernseher noch Radio besitzt muss genauso viel zahlen wie der Nachbar mit Zweit-Fernseher, K├╝chenradio und Laptop.

Zuk├╝nftig werden nur noch die „finanziell Schwachen“ vom Rundfunkbeitrag befreit. Empf├Ąnger von Sozialleistungen sowie Studierende und Auszubildende, k├Ânnen sich mit einem Nachweis wie bisher von der Geb├╝hr befreien lassen.

Was muss ich jetzt tun?

Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der ├Âffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammengeschlossenen Sender, des ZDF und des Deutschlandradio erfolgt die Umstellung f├╝r B├╝rgerinnen und B├╝rger auf den neuen Beitrag gr├Â├čtenteils automatisch. F├╝r ├╝ber 90 Prozent der B├╝rgerinnen und B├╝rger bedeute dies, dass sie ab 2013 genauso viel oder weniger zahlen als zuvor. Von Unternehmen und Institutionen seien zuk├╝nftig einige zus├Ątzlichen Angaben erforderlich, hei├čt es.

Der neue Rundfunkbeitrag mache allerdings auch vieles einfacher f├╝r Unternehmen und Institutionen wie Beh├Ârden oder Verb├Ąnde, so die Arbeitsgemeinschaft der ├Âffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Der neue Geb├╝hrensatz ergibt sich dann aus der Zahl der Betriebsst├Ątten, der Besch├Ąftigten und der Kraftfahrzeuge. Wer welche Rundfunkger├Ąte bereith├Ąlt, spielt zuk├╝nftig keine Rolle mehr.

F├╝r „Einrichtungen des Gemeinwohls“ wie Schulen oder gemeinn├╝tzige Vereine und Stiftungen sowie Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Zivil- und Katastrophenschutz gelten ab 2013 gesonderte Regelungen. Es ist maximal ein Rundfunkbeitrag von monatlich 17,98 Euro pro Betriebsst├Ątte zu zahlen. Es spielt also keine Rolle mehr, ├╝ber wie viele Radios, Fernseher und Computer eine Einrichtung verf├╝gt.

Finanzcheck bei der GEZ

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der ├Âffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (KEF) sch├Ątzt ÔÇô mit Hinweis auf die Chancen und Risiken des neuen Einnahmemodells ÔÇô, dass die Geb├╝hreneinzugszentrale (dann: AZDBS) zwischen 2013 und 2016 rund 29,6 Milliarden Euro einnehmen wird.

GEZ-Geb├Ąude in K├Âln (Quelle: Geb├╝hreneinzugszentrale)

Pro Jahr w├Ąren das etwas 7,4 Milliarden Euro f├╝r die ├Âffentlich-rechtlichen Anstalten, davon bekommt die ARD 5,4 Milliarden f├╝r Radio und Fernsehen, das ZDF 1,8 Milliarden, das Deutschlandradio knapp mehr als 190 Millionen.

Laut dem GEZ Gesch├Ąftsbericht 2011 beliefen sich die Gesamtertr├Ąge im Jahr 2011 von ARD, ZDF und Deutschlandradio ohne Anteile der Landesmedienanstalten auf rund 7,39 Milliarden Euro. Insgesamt summierten sich die Geb├╝hrenerl├Âse der ARD auf 5,373 Milliarden Euro, das ZDF konnte 2011 1,824 Milliarden Euro verbuchen, das Deutschlandradio etwa 193,4 Millionen Euro.

Treffen die Berechnungen der KEF ab 2013 zu, werden sich die Mehreinnahme der AZDBS gegen├╝ber den GEZ-Zahlen von 2011 in Grenzen halten. Wenn es ├╝berhaupt zu welchen kommt. Derzeit f├╝hrt die GEZ knapp 42 Millionen Teilnehmerkonten, die Zahl der Haushalte, die f├╝r 91 Prozent der GEZ-Einnahmen stehen, liegt knapp ├╝ber 40 Millionen. Die KEF erwartet damit trotz der neuen Erhebungsgrundlage kein deutliches Plus bei den Einnahmen.

Das neue Modell scheint also keines zum Geld scheffeln zu sein. Trotzdem wird der ein oder andere Gebührenzahler nicht das Gefühl loswerden über den Tisch gezogen zu werden.

Der Skandal Mappus erreicht auch Heddesheim

Die verlorene Ehre der CDU

Stefan Mappus erkl├Ąrt den EnBw-Deal bei seinem Auftritt in Heddesheim zum "typisch badischen oder schw├Ąbischen Gesch├Ąft" - jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue gegen den fr├╝heren CDU-Ministerpr├Ąsidenten und seinen Bankerfreund Dirk Notheis. Ebenso gegen Ex-Finanzminister St├Ąchele und Ex-Staatssektret├Ąr Rau.

 

Heddesheim, 14. Juli 2012. (red) Der fr├╝here Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus steht im Fadenkreuz von Ermittlungen, ebenso der fr├╝here Landesfinanzminister Willi St├Ąchele und der EX-Staatsminister Helmut Rau. Selbstverst├Ąndlich gilt f├╝r die CDU-Politiker“Unschuldsvermutung“, bis sie durch ein ordentliches Gericht verurteilt werden. Tats├Ąchlich gibt es bedr├╝ckende Informationen, dass Stefan Mappus zum Schaden des Staates und der B├╝rger gehandelt haben k├Ânnte. Vor der Landtagswahl war ein umworbener Gast. Auch der Heddesheimer CDU-Vorsitzenden Rainer Hege platzte fast vor Stolz, den „Landesvater“ begr├╝├čen zu d├╝rfen.

Von Hardy Prothmann

Im Februar 2011 kommt Stefan Mappus nach Heddesheim. Der Ministerpr├Ąsident. Von Baden-W├╝rttemberg. In Heddesheim. Und Rainer Hege, der Chef des CDU-Ortsverbands, begr├╝├čt ihn untert├Ąnigst, wie man nur untert├Ąnigst sein kann.

Rot die Wangen, geb├╝ckt die Haltung, freudig die Ausstrahlung. Der Landwirt Hege ist stolz wie bolle, dass der „Chef“ im Ort ist. Er wei├č noch nicht, dass dieser Stefan Mappus sp├Ąter abgew├Ąhlt werden wird. Und er wei├č auch noch nicht, dass es noch „schlimmer“ kommen wird.

Nat├╝rlich sind auch der Landtagsabgeordnete Georg Wacker vor Ort und sein Wahlkampfteam. Die glauben auch noch an einen „Sieg“. Auch sie sind sehr stolz, den hohen Besuch im Wahlkreis zu haben.

Mappus im Fadenkreuz der Ermittler

Tats├Ąchlich wird die CDU im Sommer 2011 nach fast 60 Jahren an der Macht einfach abgew├Ąhlt. Doch das ist noch nicht alles.

Aktuell wird gegen Stefan Mappus, Willi St├Ąchele und Helmut Rau staatsanwaltlich ermittelt. Ganz klar gilt die „Unschuldsvermutung“ wie bei jedem mutma├člichen Straft├Ąter, bis Fakten recherchiert sind, eine ordentliche Anklage erhoben worden ist und ein Gericht entschieden hat.

Klar ist aber auch, dass die Staatsanwaltschaft wusste, wie hoch die Aufmerksamkeit sein w├╝rde – ohne ausreichenden Grund h├Ątte sie sicher auch nicht zum Mittel der Razzia gegriffen. Dutzende Beamten und mehrere Staatsanw├Ąlte durchsuchten B├╝ros und Wohnungen.

Das Polit-Magazin Monitor zitiert umfangreich aus emails mit ersch├╝tternden Inhalten.

 

Bereits jetzt sind die „Indizien“ niederschmetternd. Das ARD-Magazin Monitor berichtet unter dem Titel „Marionette: Wie die Investmentbank Morgan Stanley einen Ministerpr├Ąsidenten steuerte“ umfangreich ├╝ber emails, SMS und Briefe zwischen Mappus und seinem Freund Dirk Notheis – einem B├Ąnker von Morgan Stanlay, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Dieser Bericht ist ersch├╝tternd.

Gegen├╝ber Frontal21 spricht Professor Hans-Georg Wehling (den wir auch schon mehrfach in Sachen „Pfenning“ und B├╝rgermeister Kessler interviewt haben) von einem „sklavischen“ Verhalten des fr├╝heren Ministerpr├Ąsidenten und sagt:

Das konnte man sich gar nicht vorstellen, dass ein Banker einen Ministerpr├Ąsidenten wie eine Marionette f├╝hrt.

Bittere Erkenntnisse

Der Landtagsabgeordnete und Obmann im Untersuchungsausschuss, Hans-Ulrich Skerl (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen), sagt in dem ARD-Beitrag:

Notheis hat es fertig gebracht, dass der Ministerpr├Ąsident nicht die einfachsten Checks gemacht hat.

Staatsanw├Ąlte filzten in den vergangenen Tagen B├╝ros von Mappus. Gegen den Mann wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Der m├Âglicherweise verursachte Schaden: 840 Millionen Euro. Auch der Banker und Mappus-Freund Dirk Notheis steht im Fadenkreuz der Ermittler.

Marionette

Es besteht der Verdacht, dass sich Mappus zur Marionette von Banker, „Freunden“ und Gesch├Ąftsleuten gemacht hat.

Ein ehemals unterw├╝rfig empfangener Ministerpr├Ąsident hat schon heute seine Ehre verloren – denn klar ist, dass er nicht „sauber“ gehandelt hat. Ob man ihn ├╝berf├╝hren und verurteilen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Die CDU in Heddesheim steht vor einem ├Ąhnlichen Schicksal. „Bis zu 1.000 Arbeitspl├Ątze“ wird „Pfenning“ bringen m├╝ssen. Ebenso „erhebliche Gewerbesteuerzahlungen“. Und einen Gleisanschluss.

Versagerpotential

Diese Bedingungen werden erf├╝llt werden m├╝ssen, wenn sich die Partei, die das lokale „Monster-Projekt“ ma├čgeblich mit Unterst├╝tzung der SPD und FDP vorangetrieben hat, nicht irgendwann als Versagerklientel bekennen muss.

Und wer wei├č – vielleicht tauchen irgendwann Informationen auf, die mindestens so unangenehm oder sogar strafrechtlich relevant sind, wie die zum fr├╝heren Ministerpr├Ąsidenten Mappus?

Es gibt immer betrogene Ehefrauen, frustrierte Freundinnen, unzufriedene Mitarbeiter, entt├Ąuschte Freunde, Konkurrenten – also jede Menge Quellen, die „was ├╝bermitteln“ k├Ânnen.

Die verlorene Ehre der CDU

Zwar versucht sich der neue starke Mann der CDU, Peter Hauk, jetzt von Stefan Mappus zu distanzieren, nachdem er ihm die ersten Tage noch die Stange gehalten hat. Aber der Schaden ist zu gro├č, Mappus verbrannt. Da rettet sich lieber, wer kann.

Vor Ort in Wahlkreis 39 wird man sehen, wie die CDU mit dem Skandal umgeht. Von „Wirtschaftskompetenz“ kann man angesichts leerer Kassen und eines marode ├╝bergebenen Zustand Baden-W├╝rttembergs k├╝nftig nur noch sehr kleinlaut reden. Von Ehre und Glaubw├╝rdigkeit schon gar nicht. Man darf gespannt sein, wie viele Ortsverb├Ąnde sich trauen, diese Schmach ├Âffentlich zu behandeln und sich in aller gebotenen Form zu distanzieren.

Die CDU hat sich einen mutma├člichen Veruntreuer und tats├Ąchlichen Verfassungsbrecher zum Vorbild genommen. Es ist eine Frage der Ehre, wie man damit umgeht.

Ehre ist Ehre. Und Unehre ist Unehre.

Nerv├Âse Stimmung

Nicht auszuschlie├čen ist, dass Informationen ├Âffentlich werden, die nur lokal, wenig prominent, aber durchaus skandal├Âs sind. Lassen wir uns ├╝berraschen. Unserer Redaktion liegen schon viele Hinweise vor – Indizien, durch die wir sicher davon ausgehen k├Ânnen, dass gewisse Personen seit langem unruhig schlafen. Leider noch keine „handfesten Fakten“.

Das kann sich schnell ├Ąndern. Die Nervosit├Ąt ist bei gewissen Personen sicherlich enorm hoch – und das ist gut so. Sie werden Fehler machen und andere werden sie ausnutzen – aus welchen Motiven auch immer.

Stefan Mappus hat die Chance, einen Fehler einzugestehen, l├Ąngst vertan. Gegen ihn wird ermittelt, eventuell wird Anklage erhoben und dann entscheidet ein Gericht.

Abrechnung

H├Ątte er sich korrekt zu verhalten versucht, Zweifel ge├Ąu├čert, w├Ąre ihm das zugute gekommen. Jetzt wird ohne mildernde Umst├Ąnde abgerechnet. Immerhin ist er noch f├╝r eine Satire gut:

Ob die „Pfenning“-Rechnung schon „durch ist“, wird man sehen. Auff├Ąllig ist wie beim Mappus-Deal, dass alle Bef├╝rworter keine einzige kritische Frage hatten. Alles war klar – viele ├äu├čerungen wirkten wie „vorgeschrieben“. Man k├Ânnte fast an „Mappus“ denken.

Das hei├čt nicht, dass „Pfenning“ nicht absolut „anst├Ąndig“ verhandelt worden ist. Aber das Gegenteil ist nicht ausgeschlossen.

Andreas Storch, Obmann der SPD sagt im Monitor-Beitrag:

Dass hier auch Personen gekauft werden k├Ânnen, durch Aufsichtsratsposten und Verg├╝tungen…

Man wird in der nahen Zukunft sehen, ob es auch in Heddesheim „Posten“ f├╝r Personen geben wird.

Hinweis: Hier finden Sie den Auftritt von Mappus in Heddesheim vollst├Ąndig dokumentiert. In Folge 5 spricht er ab 4:30′ ├╝ber den EnBw-Deal.

Dieser Mann ist in diesem Amt nicht mehr tragbar

Die „Wulff-Aff├Ąre“ ist ein Schlag ins Gesicht der Demokratie

Rhein-Neckar/Berlin, 04. Januar 2012. (Aktualisiert, 05. Januar, 16:10 Uhr, 22:10 Uhr) Heute Abend hat Bundespr├Ąsident Christian Wulff (CDU) den ├Âffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF ein Interview unter dem Titel „Bundespr├Ąsident Wulff stellt sich“ gegeben. Das ist der vorerst makaberste H├Âhepunkt in der mittlerweile mehr als unappetitlichen Aff├Ąre Wulff. Denn ein Staatsoberhaupt stellt sich nicht. Ein Bundespr├Ąsident gibt keine Rechtfertigungsinterviews oder macht sonstige Kinkerlitzchen. Der Bundespr├Ąsident repr├Ąsentiert das deutsche Volk und Christian Wulff macht uns sch├Ąmen.

Von Hardy Prothmann

Die Details der Geschmacklosigkeit dieses Auftritts sind so zahlreich, dass man nicht ins Detail gehen muss.

Der noch amtierende Bundespr├Ąsident Christian Wulff (CDU) hat sich um Kopf und Kragen geredet und man muss bef├╝rchten, dass er selbst diese ├Âffentliche Pein als Best├Ątigung seiner selbst sehen wird.

Geld, Freundschaften, Amt

Herr Wulff glaubt tats├Ąchlich, dass ein solcher Satz Verst├Ąndnis erzeugt:

Ich m├Âchte nicht Pr├Ąsident in einem Land sein, in dem man sich nicht von Freunden Geld leihen kann.

Klar, das versteht jeder, der sich mal Geld in der Kneipe leiht oder ein paar hundert Euro f├╝r eine „Investition“ oder sogar ein paar tausend, wobei das nur wirklich gute Freude locker machen (k├Ânnen).

Die Freunde eines Herrn Wulff sind sehr unterschiedlich zur Lebenssituation der allermeisten Deutschen.┬áWor├╝ber Herr Wulff spricht, ├╝ber Freundschaft und Unternehmergeld, sind in seinem Fall 500.000 Euro – die er zu Konditionen erhalten hat, von der andere noch nicht mal tr├Ąumen k├Ânnen.

Und man stelle sich die Angestellten, Arbeiter, Aushilfen vor, die eineinhalb Jahre nach Antritt des Jobs im ├Âffentlich-rechtlichen Fernsehen vor einem Millionenpublikum feststellen, „dass man keine Karenzzeit“ hatte, sondern ins kalte Wasser geworfen worden ist:

Hey, Leute, sorry, wir sind doch alle Menschen – niemand hat mich auf den Flie├čbandjob vorbereitet.

Protokoll und Probezeit

Immerhin hat Herr Wulff seinen „Fehler“, die Pressefreiheit zu bedrohen, eingestanden. Vermutlich denkt er, damit sei das Thema „abgehakt“. Protokollnotiz: „Entschuldigung abgehakt“ – n├Ąchstes Thema.

Ist das so? Beim besten Willen nicht. Der Bundespr├Ąsident ist das Protokoll. Er ist der Repr├Ąsentant unsere Staates, unserer Verfassung. Und ein Bundespr├Ąsident verletzt das nicht und sagt hinterher: „Tschuldigung, ich muss das noch lernen.“

Das ist nicht mehr nur „peinlich“, das ist peinigend.

Der Vorg├Ąnger Horst K├Âhler hat aus seiner Perspektive heraus gedacht, dass Wirtschaftskriege legitim seien. Als er belehrt wurde, dass er mit solchen ├äu├čerungen gegen die Verfassung, also die innere Verfasstheit, die innere Haltung des Staatswesens verst├Â├čt, hat er den „Kindergarten“ sofort und konsequent verlassen. Der Mann war Unternehmer und hat entschieden. Seine ge├Ąu├čerte Haltung war inakzeptabel, sein R├╝cktritt zu respektieren.

Taktieren als Normalzustand

Christian Wulff ist Berufspolitiker und taktiert. Das ist nicht zu respektieren. Aber aus seiner Sicht ist das der Normalzustand und es ist zu bef├╝rchten, dass er die Aufmerksamkeit auch ein wenig genie├čt, denn die vergangenen eineinhalb Jahre registrierte kaum jemand, wo er sich gerade wieder hat fotografieren lassen. Dass er nach seinen Verfehlungen auch noch behauptet, das Amt gest├Ąrkt zu haben, macht einen fassungslos.

Und hier kommt der gro├če Schaden ins Spiel. Nicht f├╝r Wulff – der hat sich selbst den gr├Â├čtm├Âglichen Schaden zugef├╝gt. Sondern f├╝r das Amt, die Verfassung, die Verfassheit der Deutschen. F├╝r die gro├če Frage, ob eigentlich alles geht, wenn man nur dreist genug ist.

Eitles Aussitzen

Der Bundespr├Ąsident Christian Wulff schickt sich an, durch sein „Vorbild“ dem deutschen Volk und seinem Staatswesen den gr├Â├čtm├Âglichen Schaden zuzuf├╝gen – aus purer Eitelkeit -, weil er gerne f├╝nf Jahre im Amt sein m├Âchte. Egal, was ist. Das will er aussitzen.

Angeblich habe sich das Amt des Bundespr├Ąsidenten ver├Ąndert. Dem ist nicht so. Die Amtsinhaber haben sich ver├Ąndert und nach einem Rau und einem K├Âhler folgt nun ein Wulff – und diese Entwicklung nimmt keinen guten Lauf.

Die ZDF-Journalistin Bettina Schausten stellt die Schlussfrage:┬á„ÔÇŽhei├čt, dass Herr Christian Wulff, ein Bundespr├Ąsident auf Bew├Ąhrung vorerst bleibt?“ Die Antwort ist bezeichnend:

Die Begrifflichkeit finde ich v├Âllig daneben, weil wir diesen Begriff kennen, wenn gegen Gesetze versto├čen wurde. Ich habe weder jetzt im Amt als Bundespr├Ąsident gegen irgendein Gesetz versto├čen, noch vorher. Es geht nicht um Rechtsverst├Â├če, sondern es geht um Fragen von Transparenz, von Darlegung, von Erkl├Ąrung und dazu nutze ich auch diese Gelegenheit, um zu erkl├Ąren, was ist und was war, aber ÔÇôwie gesagt – den Begriff der Bew├Ąhrung halte ich f├╝r abwegig, sondern ich bin jetzt schweren Herausforderungen ausgesetzt, aber man muss eben auch wissen, dass man nicht gleich bei der ersten Herausforderung wegl├Ąuft, sondern dass man sich der Aufgabe stellt, und auch wei├č, wem es in der K├╝che zu hei├č ist, der darf nicht Koch werden wollen, wie es Harry S. Truman gesagt hat, und deswegen muss man offenkundig auch durch solche Bew├Ąhrungsproben hindurch.

Wie absurd ist das? Christian Wulff hat als Staatsoberhaupt versucht, Transparenz zu verhindern und stellt sich nun dar, dass er diese verteidigen und retten wolle?

Sollte Christian Wulff (CDU) damit durchkommen, wird er als historisches Beispiel in der Geschichte als der Bundespr├Ąsident „gew├╝rdigt“ werden m├╝ssen, der die Bundesrepublik Deutschland offiziell in eine Bananenrepublik ├╝berf├╝hrt hat.

Grundlegendes Missverst├Ąndnis

Es gibt viele, die glauben, dass Deutschland l├Ąngst nicht mehr weit weg ist von Frankreich oder Italien. Christian Wulff schickt sich an, den Beweis zu f├╝hren, dass er es mit Sarkozy und Berlusconi aufnehmen kann.

Leider fehlt ihm auch daf├╝r jegliches Format.

Am Ende wird er verlangen, dass man ihm auch noch daf├╝r dankbar sein muss.

Das aber ist das grundlegende Missverst├Ąndnis der allermeisten deutschen Politiker in diesem Land: Nicht die Menschen m├╝ssen dankbar sein, einen dieser „Amtsinhaber“ zu haben, sondern die „Amtsinhaber“ m├╝ssten dankbar und willens sein, dass sie die Verantwortung ├╝bernehmen d├╝rfen.

Doch das ist zu theoretisch wie einen vom Schlage Wulff.

Weitere Informationen:

Tagesschau.de

Komplette Abschrift bei netzpolitik.org

Themenseite bei Spiegel.de

Wikipedia-Eintrag zu Christian Wulff

Wikipedia-Eintrag Bundespr├Ąsident

Aktualisierung, 05. Januar, 16:40 Uhr:

Bild-Chefreakteur Kai Diekmann hat Bundespr├Ąsident Wulff gebeten, den Inhalt der Mailbox-Nachricht ├Âffentlich machen zu d├╝rfen, nachdem dieser im Interview eine von der Bild-Darstellung abweichende „Einsch├Ątzung“ ├╝ber den Inhalt gemacht hatte und „Transparenz“ versprochen hat. Wulff hat in einem offenen Brief auf die Anfrage geantwortet:

Sehr geehrter Herr Diekmann,

f├╝r Ihr heutiges Schreiben danke ich Ihnen. Meine Nachricht vom 12. Dezember 2011 auf Ihrer Telefon-Mailbox war ein schwerer Fehler und mit meinem Amtsverst├Ąndnis nicht zu vereinbaren. Das habe ich gestern auch ├Âffentlich klargestellt. Die in einer au├čergew├Âhnlich emotionalen Situation gesprochenen Worte waren ausschlie├člich f├╝r Sie und f├╝r sonst niemanden bestimmt. Ich habe mich Ihnen gegen├╝ber kurz darauf pers├Ânlich entschuldigt. Sie haben diese Entschuldigung dankenswerterweise angenommen. Damit war die Sache zwischen uns erledigt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben. Es erstaunt mich, dass Teile meiner Nachricht auf Ihrer Mailbox nach unserem kl├Ąrenden Telefongespr├Ąch ├╝ber andere Presseorgane den Weg in die ├ľffentlichkeit gefunden haben. Es stellen sich grunds├Ątzliche Fragen zur Vertraulichkeit von Telefonaten und Gespr├Ąchen. Hier haben die Medien ihre eigene Verantwortung wahrzunehmen.

Wie ich gestern auf Nachfrage im Fernsehinterview sagte, ging es mir darum, der Bild-Zeitung meine Sicht darzulegen, bevor sie ├╝ber eine Ver├Âffentlichung entscheidet. Da ich mich auf Auslandsreise in der Golfregion mit engem Programm befand, konnte ich das aber erst nach meiner R├╝ckkehr nach Deutschland am Abend des Dienstag, 13. Dezember, tun. Wie sich aus der Ihrem Schreiben beigef├╝gten Mail ergibt, hatte deshalb mein Sprecher den recherchierenden Redakteur der Bild-Zeitung um Verschiebung der Frist zur Beantwortung des differenzierten Fragenkatalogs zu meinem Eigenheimkredit gebeten. Der Redakteur hatte aber nur Verl├Ąngerung bis zum Nachmittag des Montag, 12. Dezember, zugesagt. Es gab f├╝r mich keinen ersichtlichen Grund, warum die Bild-Zeitung nicht noch einen Tag warten konnte, wo die erfragten Vorg├Ąnge schon Jahre, zum Teil Jahrzehnte zur├╝ckliegen.

Das habe ich nach meiner Erinnerung auf der Mailbox-Nachricht trotz meiner emotionalen Erregung auch zum Ausdruck gebracht.

Angesichts der Ver├Âffentlichung Ihres Schreibens an mich mache ich auch meine Antwort ├Âffentlich.

Mit freundlichem Gru├č

Aktualisierung, 05. Januar, 22:10 Uhr:

Der Bundespr├Ąsident hat wertvolle Begriffe wie Menschenrechte, Freundschaft und Pressefreiheit in seinen Rechtfertigungszusammenhang gebracht, den man nur als tief verst├Ârend empfinden kann.┬áDass das Staatsoberhaupt in Zeiten der ├ľkonomisierung von allem und jedem zwischen Freundschaft und Gesch├Ąftsbeziehung nicht zu unterscheiden vermag, die interesselose Freundschaft betont, wo es ihm nutzt, und sich gleichzeitig als interessantes Anlageobjekt f├╝r ebendiese Freunde empfiehlt, um deutlich zu machen, dass es eben keine freundschaftlichen Gr├╝nde waren, die Frau Geerkens leiteten – das ist widerspr├╝chlich, falsch und missbraucht Begriffe sozialer Identit├Ąt, die sich dem politischen und ├Âkonomischen Zugriff jenseits von sizilianischen Patenbeziehungen bislang entzogen haben.

-Frank Schirrmacher, FAZ

In eigener Sache: Reaktionen auf den Beitrag im ARD-Morgenmagazin


Hardy Prothmann ist seit 20 Jahren Journalist und hat f├╝r viele gro├če Tageszeitungen, Magazine sowie H├Ârfunk und Fernsehen von ARD und ZDF gearbeitet. Seit 2009 berichtet er wieder als Lokaljournalist in Nordbaden. Bildquelle: ARD-Morgenmagazin/SWR

Rhein-Neckar, 02. August 2011. (red) Heute hat das ARD-Morgenmagazin einen Beitrag ausgestrahlt, in dem Hardy Prothmann als verantwortlicher Redakteur f├╝r heddesheimblog.de im Interview zu sehen war. Im Bericht geht es um den Tarifstreit zwischen Gewerkschaften und Verlegern. Gestern wurde in Lampertheim demonstriert. Ein ARD-Team hat uns dazu befragt. Herzlichen Dank f├╝r die (trotz Ferien) bundesweiten Reaktionen per email, Chat oder Telefon. Wir fassen unsere Antworten zusammen.

Beitrag aus dem ARD-Morgenmagazin vom 02. August 2011, nachzuschauen bei tagesschau.de

Warum seid Ihr so kritisch mit der Zeitung?

Weil die Berichterstattung oft ungen├╝gend ist. Die meisten Mitarbeiter haben fr├╝her selbst f├╝r Zeitungen gearbeitet – es tut weh, wenn man sieht, wie das Produkt verkommt. Statt zu lamentieren, haben wir uns entschlossen, selbst eine Redaktion aufzubauen. Und wir stellen uns jeder inhaltlichen Kritik – was man von den Zeitungen leider nicht erwarten kann.

Bedroht das Internet „die Zeitung“?

Nein. Journalistische Angebote im Internet zeigen nur, dass es „Alternativen“ zur Zeitung gibt. „Alternative“ hat dabei nichts mit „gr├╝n“, „links“, „Apo“ oder dergleichen zu tun. Journalistische Internetseiten bewegen sich wie die Zeitungen, das Radio, das Fernsehen auf dem Markt der Aufmerksamkeit ├╝ber angebotene Informationen.

Die Zeitungen m├╝ssen sich wie andere Medien vergleichen lassen. Der Vergleich f├Ąllt leider immer h├Ąufiger nicht gut aus. Teure Abos bei gleichzeitig mangelhaftem Inhalt sind vermutlich kein „Zukunftsmodell“. Deswegen werden alle Lokalzeitungen, die nicht an der Qualit├Ąt arbeiten, mittel- bis langfristig gro├če Probleme bekommen. Zeitungen mit guter Qualit├Ąt haben auch eine Zukunft.

K├Ânnen Blogs eine Zeitung ersetzen?

Warum nicht? Es geht um zutreffende Informationen, kritische Berichterstattung, einordnende Kommentierung, „Enth├╝llungen“, Unterhaltung. All das k├Ânnen Blogs oder „Internet-Zeitungen“ bieten. Aktueller und umfangreicher als eine aufs Medium Papier begrenzte Zeitung.

Wir empfehlen gerne auch sehr gute Angebote, beispielsweise das DeutschlandRadio, Arte oder 3Sat, um elektronische Medien zu nennen. Das sind ganz hervorragende Angebote. Das Problem: Es sind keine „Lokalmedien“. Wenn man wissen will, was um einen herum „los“ ist, dann braucht man sehr gute Lokalmedien. Zeitungen hatten bis vor kurzem hier ein Monopol – das br├Âkelt zunehmend.

Die meisten neuen journalistischen Internetportale sind noch sehr „jung“ – leisten aber wie das heddesheimblog.de enorm viel f├╝r die Leserinnen und Leser und decken teils schon mehr Themen ab, als in der Zeitung stehen. Da es so gut wie keine „Verfilzung“ gibt und keine m├╝den Monopolstrukturen sind die Angebote meist frischer und meinungsfreudiger. Sie bedienen sich zudem einer Technik, die ├╝berall verf├╝gbar und zunehmend „selbstverst├Ąndlicher“ auch f├╝r ├Ąltere Generationen wird. Die junge Generation liest sowieso so gut wie keine Zeitung mehr.

Wie steht es um die objektive Berichterstattung?

Dazu muss man erstmal definieren, was „objektiv“ ist und ob dies erstrebenswert ist. Die Fakten m├╝ssen stimmen. Das allein reicht aber nicht, sie m├╝ssen interpretiert und eingeordnet werden. Viele Dinge kann man so oder so sehen.

Ein klassisches Beispiel: War Che Guevara ein Terrorist oder ein Freiheitsk├Ąmpfer? Ein aktuelles Beispiel: Ist Anders Breivik ein „Amokl├Ąufer“ oder ein rechtsextremer Terrorist?

Und lokal geht es um Fragen wie: „K├Ânnen oder wollen wir uns das Hallenbad noch leisten?“ „Wie viel Betreuung muss, kann, soll, will eine Gemeinde f├╝r Kinder anbieten?“ Dazu lassen sich Fakten zusammentragen, aber auch sehr viele Meinungen.

Unsere Redaktion bietet bewusst einen „subjektiven“ Journalismus an. Unsere Inhalte werden nicht von Maschinen gemacht, sondern von Menschen, die sind nunmal „Subjekte“ und keine Objekte.

Wir arbeiten mit professionellen, journalistisch-handwerklichen Methoden. Wir hinterfragen kritisch und genau und dokumentieren den gr├Â├čten Teil unserer Quellen – bis auf die, die wir wegen vermuteter Nachteile sch├╝tzen. Unsere Leserinnen und Leser k├Ânnen unsere Informationen ├╝berpr├╝fen, wir helfen sogar dabei, weil wir das f├Ârderlich f├╝r die „subjektive“ Meinungsbildung halten.

Objektiv hei├čt f├╝r uns, transparent und ehrlich zu berichten. Die Leserinnen und Leser erweitern das mit Kommentaren und Links. Artikel 5 spricht nicht von einer „objektiven“ Meinungsfreiheit, sondern von der Freiheit, sich auch ├Âffentlich zug├Ąnglichen Quellen eine Meinung bilden und diese ├Ąu├čern zu d├╝rfen. Daran wirken wir mit.

Sehen Sie eine L├Âsung f├╝r die Zeitungen?

F├╝r die allermeisten leider nicht. Das Produkt Zeitung muss mit einem exklusiven Inhalt ├╝berzeugen. Sobald das nicht mehr der Fall ist, wird die Zeitung beliebig und hat keinen Nutzen mehr. Da die Entwicklung seit gut zwei Jahrzehnten negativ ist und das Internet viele neue M├Âglichkeiten bietet, hat die Zeitung nur eine Chance – wenn sie sich auf guten Journalismus, exklusive Inhalte und Respekt vor der Leserschaft besinnt.

Nat├╝rlich m├╝ssen Zeitungen auch die Bed├╝rfnisse ihrer Werbekunden m├Âglichst gut bedienen. Da Zeitungen heute aber wie Konservenfabriken von Betriebswirten ohne journalistischen Ehrgeiz gef├╝hrt werden, ist eine L├Âsung nicht in Sicht. Der Einfluss der Werbewirtschaft auf die redaktionelle Berichterstattung besch├Ądigt zudem die Glaubw├╝rdigkeit der redaktionellen Inhalte und der werbenden Unternehmen. Ein Verst├Ąndnis dieser Wechselwirkungen ist heute leider in Zeitungsh├Ąusern kaum noch anzutreffen.

Warum argumentieren Sie f├╝r die Kollegen bei der Zeitung?

Aus Solidarit├Ąt. Das „Angebot“ der Verleger ist sittenwidrig. Die Verlagsh├Ąuser haben ├╝ber Jahre hinweg Geld gescheffelt. Renditen von ├╝ber 20 Prozent waren keine Seltenheit. Auf das neue Medium Internet wurde arrogant reagiert und deshalb hat man heute gro├če Probleme.

Bei vielen Zeitungen gibt es nach wie vor gute Leute und es gibt junge Menschen mit viel Enthusiusmus, die diesen wunderbaren Beruf ergreifen wollen. Wenn man, um sich Renditen zu erhalten, die eigenen Leute kaputt spart, ist das der falsche Weg. Zudem nehmen immer mehr ├Âkonomische Interessen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung. Am Beispiel der Fehl- oder Nichtleistungen der Stuttgarter Zeitung in Sachen Stuttgart21 kann man gut erkennen, wie wenig von der „vierten Gewalt“ ├╝brig geblieben ist. H├Ąufig sind die Zeitungen nur nur Steigb├╝gelhalter f├╝r Lobbyisten, Interessenverb├Ąnde, Werbekunden oder die jeweils herrschenden Klassen. Mit kritischer Kontrolle hat das wenig zu tun und das ist sch├Ądlich f├╝r die Demokratie.

Nicht jeder Journalist ist ein Revolution├Ąr und packt seine Sachen, wenn er nicht so berichten darf, wie er sollte. „Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing“ gilt auch f├╝r diesen Beruf. In der Verantwortungskette stehen die Verleger, Chefredakteure und Redaktionsleiter ganz vorne.

Eine Demokratie braucht aber eine kritische ├ľffentlichkeit und es ist sicher von Vorteil, wenn viele Leser an die Verlage schreiben und mehr Journalismus fordern. Verleger sind Kaufleute – und wenn die Kunden rebellieren, ├╝berlegen die sich sicher sehr genau, wie sie sich besser nicht verhalten sollten.

Warum sind Radio und Fernsehen nicht so sehr betroffen?

Sind sie. Sowohl Radio als auch Fernsehen sind bereits vom Internet umschlungen worden. In einigen Jahren werden viele Menschen ein Ger├Ąt an der Stelle haben, an der der „Fernseher“ stand. Dar├╝ber kann genauso Radio geh├Ârt werden. Das Radio kann aber ├╝ber sehr einfache Ger├Ąte ├╝berall, vor allem im Auto, als „Nebenbei-Medium“, empfangen werden. Diese Einfachheit wird das Radio als Radio ├╝berleben lassen. Das Fernsehen als Inhaltelieferant f├╝rs Internet(fernsehen) bleibt auch erhalten. Ob man Fernsehen auf einem Fernsehger├Ąt oder einem Computerbild schaut, ist mehr oder weniger dasselbe.

Die Papierzeitung hat aber ein Problem: Es ist teuer, sie herzustellen, man muss sie teuer transportieren und bis sie beim Leser ist, vergeht zu viel Zeit. Zudem ist sie im Umfang begrenzt. Man kann sie schlecht archivieren und schon gar nicht verlinken. Die Zeitung ist ein Einbahnstra├čenmedium. Das sind echte Nachteile, die zu einer deutlichen Reduzierung der Zeitungswelt in der Zukunft f├╝hren werden. Nur wirklich exklusive, sehr gute Inhalte werden das abwenden k├Ânnen.

K├Ânnen Blogs nur von Journalisten gemacht werden?

Gut gemachte Informationsportale sind irgendwann von selbst „journalistisch“. Nat├╝rlich k├Ânnen auch B├╝rger oder Interessengruppen publizistisch t├Ątig werden – es ist aber eine verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit und wenn man eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen m├Âchte, muss man am Ball bleiben. Es sind zudem sehr viele „rechtliche“ Dinge zu beachten.

Insofern sind hauptberufliche Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen, eher in der Lage, ein solches Angebot aufzubauen. Das gilt sowohl f├╝r gro├če Nachrichtenportale wie f├╝r kleine lokale Angebote. Die Qualit├Ąt muss ├╝berzeugen. Ob die von „Journalisten“ oder „Bloggern“ kommt, ist egal. In Amerika hei├čen Redakteure „editors“, in der Schweiz Redaktoren – das sind Begrifflichkeiten. Die Inhalte sind entscheidend.

Unterst├╝tzen Sie uns, wenn wir etwas ├Ąhnliches planen?

Vielen Dank f├╝r das viele Lob, das wir von vielen bekommen haben, nachdem Sie sich auf unseren Seiten umgesehen haben. Wir helfen gerne, wo wir k├Ânnen, haben nat├╝rlich aber unsere eigene Arbeit zu machen. Fragen kostet nichts ­čśë .

Weil wir aber davon ├╝berzeugt sind, dass sich Kooperationen lohnen, haben wir mit Kollegen das Netzwerk http://istlokal.de gegr├╝ndet. Der Verein wird in K├╝rze angemeldet und hat zum Ziel lokal- und regionaljournalistische Internetangebote zu f├Ârdern. Die deutschlandweit rund 50 Mitglieder und Interessenten tauschen sich schon heute zu den Themenfeldern Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht auf der Basis von Solidarit├Ąt aus. Man hilft sich gegenseitig, um das eigene Angebot und das anderer zu verbessern.

Wenn Sie also selbst ein Angebot planen oder als Initiative ein Angebot von jemandem aufbauen lassen wollen, finden Sie hier Ansprechpartner. Wir bieten auch technische, inhaltliche und organisatorische Beratung gegen Honorar an und machen Ihnen gerne ein Angebot.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Die Redaktion von heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de, viernheimblog.de, weinheimblog.de, rheinneckarblog.de

istlokal finden Sie hier:
http://istlokal.de

Berichte ├╝ber unsere Blogs finden Sie hier.

Japanische Atom-Unf├Ąlle strahlen auf Wahlkampf ab – Mappus unter Druck


Guten Tag!

Rhein-Neckar/Stuttgart, 14. M├Ąrz 2011. Die Reaktor-Unf├Ąlle infolge des Erdbebens und des Tsunamis in Japan haben eventuell direkte „Folgen f├╝r Baden-W├╝rttemberg“. Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus und die Regierungskoalition von CDU und FDP kommen unter enormen Rechtfertigungsdruck. In den Umfragen liegen B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen und SPD leicht vorne – dieser Abstand k├Ânnte sich vergr├Â├čern.

Von Hardy Prothmann

Zwei Wochen vor der Landtagswahl passiert der Gau – in Japan. Aber aus Sicht der Landesregierung auch in Baden-W├╝rttemberg.

Ist definitiv "f├╝r" die Atomenergie. Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus, der die Gr├╝nen gerne als "Dagegen"-Partei bezeichnet. Das richtet sich nun gegen ihn selbst.

Nachdem ├╝bers Wochenende immer klarer wurde, dass Japan vor einer nuklearen Katastrophe ungeahnten Ausma├čes steht, wird der Druck auf Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus enorm steigen. Er hat nie einen Zweifel daran gelassen, wie er zur Atompolitik steht: Er ist sozusagen der Vertreter der Atompolitik und keinesfalls des Ausstiegs.

Die gr├Â├čte anzunehmende Unfall geschieht weit weg. Stefan Mappus bietet „jegliche erdenklich Hilfe“ an – vielleicht ohne realisiert zu haben, dass er die zur Zeit selbst auch dringend ben├Âtigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird daf├╝r kaum zur Verf├╝gung stehen – sie hat dasselbe Problem.

Er kann Fl├Âtent├Âne suchen wie er will und in der ARD sagen: „Ich bin gerne bereit den nationalen Dialog zu f├╝hren, wie man das erreichen kann.“ „Das“ ist der Atomausstieg – „man“ ist er selbst.

Mappus – der Atommann vor dem Gau.

Der Bundestag hat am 28. Oktober 2010 mit schwarz-gelber Mehrheit f├╝r eine Laufzeitverl├Ąngerung entschieden. Die Betriebszeiten der vor 1980 in Betrieb gegangenen sieben Anlagen wurden um acht Jahre verl├Ąngert und die der zehn ├╝brigen Atomkraftwerke um vierzehn Jahre. Einer der vehementesten Vertreter: Stefan Mappus.

Nachdem er mit Ach und viel Krach gerade sein F├╝hrungsdesaster in Sachen Stuttgart21 hinter sich gebracht hat, bleibt ihm kaum Zeit die Katastrophe in Japan f├╝r sich selbst in den Griff zu bekommen.

Der Gau ist da, eventuell folgt der Super-Gau in Fukushima. Schon jetzt steht fest, dass gro├če Gebiete um die havarierten Atommeiler in Japan unbewohnbar sein werden.

Die Bilder aus Japan werden den Wahlkampf und Mappus beherrschen.

In den kommenden Tagen werden Bilder ver├Âffentlicht werden: Von vielen, von sehr vielen Opfern. Und es werden Zahlen ├╝ber verstrahlte Menschen ver├Âffentlicht werden. Und es werden Daten ├╝ber die nukleare Wolke folgen.

Bilder und immer detaillierte Informationen werden die Aufmerksamkeit der Menschen beherrschen.

Und die Atomgegner m├╝ssen nicht mehr viel machen. Sie m├╝ssen nicht argumentieren. Sie m├╝ssen nur sagen, wie schrecklich das alles ist. Und dass sie fassungslos sind. Und das wird das sein, was jeder vern├╝nftige Mensch mit Herz auch denkt.

Mappus war immer der „Dagegen“-Vertreter. Gegen den schnellen Atomausstieg.

Und Stefan Mappus verliert seinen deftigsten Wahlspruch – die Gr├╝nen als die „Dagegen-Partei“ zu bezeichnen.

Denn wer nicht gegen das f├╝rchterliche Schicksal ist, das hunderttausende Japaner, vielleicht sogar Millionen erleben m├╝ssen, der ist „daf├╝r“, was sich dort gerade abspielt: Eine der gr├Â├čten Katastrophen der Neuzeit.

Ausgel├Âst durch eine unglaubliche Naturgewalt und fortgef├╝hrt durch eine Technologie, die man nicht mehr unter Kontrolle hat.

Geprothmannt: Mit „klassischen Medien“ werden Sie aus zweiter Hand informiert. Pr├Ądikat: „mangelhaft“.


Guten Tag!

07. Februar 2011. Haben Sie mitbekommen, dass in der arabischen Welt eine Revolution stattfindet? Ja? Wie haben Sie sich dar├╝ber informiert? ├â┼ôber ARD und ZDF? In Ihrer lokalen Tageszeitung? Dann sind Sie leider vermutlich sehr schlecht informiert. Oder haben Sie sich online informiert? Dann k├Ânnten Sie besser informiert sein, wenn Sie die richtigen Quellen kennen.

Von Hardy Prothmann

Wer sich in Deutschland ├╝ber die Revolution in den arabischen Staaten informieren m├Âchte, ist denkbar schlecht beraten, wenn er daf├╝r ARD und ZDF oder „seine Zeitung“ benutzt und darauf vertraut, umfassend, hintergr├╝ndig und aktuell informiert zu werden.

Informationen? Klar – gibts im Ausland.

Tatsache ist: Man ist viel besser informiert, wenn man die Programme von Al Jazeera, CNN oder BBC einschaltet. Oder die Berichterstattung der amerikanischen New York Times, der spanischen El Pais, der franz├Âsischen Le Monde oder des britischen Guardian verfolgt.

Das Problem dabei ist: Man muss schon einigerma├čen gut Englisch k├Ânnen, um die Nachrichten der Sender und Zeitungen zu verfolgen. Oder ausreichend Spanisch oder Franz├Âsisch. Gute arabische Sprachkenntnisse w├Ąren noch mehr von Vorteil – denn dann k├Ânnte man viele Originalmeldungen verstehen.

Begrenzte Globalisierung.

Das gr├Â├čte Problem: Wenn man das nicht kann, ist man auf die Angebote von ARD und ZDF oder der Lokalzeitungen im wahrsten Sinne des Wortes „begrenzt“ – und das in Zeiten der Globalisierung.

Sie k├Ânnen sicher davon ausgehen, dass weder der Mannheimer Morgen, noch die Rhein-Neckar-Zeitung und schon gar nicht die Weinheimer Nachrichten irgendeine eigene redaktionelle Leistung zur Lage anbieten wollen oder k├Ânnen. Was Sie auf den Titelseiten lesen, sind ganz ├╝berwiegend „Agenturmeldungen“.

Die erscheinen auch in Dutzenden anderen Zeitungen. 1:1. Das sind Berichte, die wie industriell gefertigte Tielk├╝hlpizzen vervielf├Ąltigt werden. Ohne „eigenes Rezpt“, ohne eigene „Experten“, ohne eine eigenst├Ąndige Leistung der jeweiligen Redaktion.

Vor Ort ist immer lokal.

Unser Anspruch ist die lokale und regionale Berichterstattung – aber immer, wenn die Nachrichtenlage es erfordert, bringen wir auch die „Weltnachrichten“ zu unseren Leserinnen und Lesern. Denn wir alle leben vor Ort, interessieren uns aber auch daf├╝r, was woanders passiert.

Hardy Prothmann schreibt seine Meinung auf. Die ist "geprothmannt". Bild: sap

Unser Interview mit Christoph Maria Fr├Âhder, einem der erfahrensten und besten deutschen Krisenreporter der vergangenen Jahrzehnte auf dem Rheinneckarblog hat Wellen geschlagen. ARD und ZDF waren „not amused“ ├╝ber die klaren Worte und die eindeutige Kritik. „Intern“ haben wir erfahren, dass das ZDF „stinksauer“ auf uns ist.

„So what“, sagen wir und sind ebenfalls „stinksauer“ – ├╝ber die unzureichende und schlechte Berichterstattung der mit Milliarden an GEZ-Geb├╝hren „gepamperten“ Sender, von denen wir und unsere Leserinnen und Leser zu Recht mehr als diese schwachen Leistungen erwarten.

├â┼ôber das Interview mit Herrn Fr├Âhder hinaus haben wir uns um exklusive Nachrichten bem├╝ht und „berichten“ anders, als das ├Âffentlich-rechtliche Sender und Zeitungen tun. Wir verlinken Quellen und kommentieren diese auf Facebook und Twitter. Zwei Internet-Dienste, die mit daf├╝r verantwortlich gemacht werden, dass die „arabische Revolution“ gegen den Terror und die Diktaturen ├╝berhaupt m├Âglich geworden ist.

Es gibt durchaus eine Verbindung zwischen den arabischen L├Ąndern und Deutschland. Wer sich hier wie dort auf die „klassischen Medien“ verl├Ąsst, erh├Ąlt immer nur gefilterte Nachrichten.

Zweifel an der Qualit├Ąt m├╝ssen immer m├Âglich sein.

ARD und ZDF sind ebenso wie Lokalzeitungen sicherlich nicht mit der Rolle von staatlich gesteuerten Medien in Diktaturen zu vergleichen – aber man darf durchaus Zweifel an der Qualit├Ąt ihrer Produkte haben. Vor allem dann, wenn man vergleicht, was das Produkt, in diesem Fall Journalismus, leistet.

W├╝rde man den Journalismus vieler deutscher Medien mit der Autoindustrie vergleichen, st├Ąnde unumst├Â├člich fest, dass deutsche Medien deutlich weniger Komfort, Leistung, Innovation bieten als „ausl├Ąndische Anbieter“, dass das Preis-Leistungsverh├Ąltnis ebenso wie die „Pannenstatistik“ und auch der „Service“ katastrophal sind und unterm Strich einfach nur ein „mangelhaft“ ├╝brig bleibt.

Das gilt selbst f├╝r den „gelben Faktor“, also die so genannte „Yellow-Press“. Alle interessanten „Nachrichten“ und „Infos“, die man hierzu in Deutschland lesen kann, sind nur ein „Ab-„Klatsch internationaler Meldungen und werden in Deutschland „wiederverwertet“. Ausnahmen liefern ab und an Bild und Bunte, die „Promis“ aus der vorletzten Reihe irgendwie „interessant“ machen.

Die Umbr├╝che in der arabischen Gesellschaft zeigen einen desastr├Âsen Zustand des deutschen Journalismus. Wo lesen, h├Âren, sehen Sie die Berichte von vor Ort ├╝ber das, was Muslime hier erleben, wenn diese die Nachrichten in Tunesien und ├âÔÇ×gypten verfolgen? Wo sind die Berichte, wie Deutschland sich mit seiner weltweit einzigartigen „Erfindung“ des Mauerfalls als Partner f├╝r europ├Ąische Nachbarl├Ąnder (und das sind alle Mittelmeer-Anreiner-Staaten) einsetzen k├Ânnte?

Geduld? hat die Welt nicht mehr.

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel diskreditiert sich v├Âllig, wenn sie zur „Geduld“ mit einem Diktator wie Husni Mubarak aufruft. ├â┼ôbersetzt hei├čt das: „Habt Geduld mit mir, denn ich habe keine Ahnung, wie ich mit der Situation umgehen soll.“

Was haben Tunesien und ├âÔÇ×gypten nun mit unserer lokalen und regionalen Berichterstattung zu tun?

Sehr viel mehr, als heute, hier und jetzt auf den ersten Blick klar sein mag.

Zuk├╝nftig werden Entscheidungen und Entwicklungen, die in Bayern oder Schleswig-Holstein fallen, auch in Nordbaden ein Rolle spielen.

Warum? Weil man hier vor Ort erfahren kann, was dort vor Ort passiert oder passiert ist.

Facebook und Twitter schaffen Demokratie. Absurd? Nein. Real.

Man kann diese Informationen verwenden, um den Schaden, der woanders entstanden ist, abzuwenden. Und noch viel besser: Man kann das, was woanders gut oder sehr gut „gelaufen ist“ einfach ├╝bernehmen. Gut informiert – mit allen „problematischen“ und allen „positiven“ Erfahrungen.

Das ist ein Erfolg der „Facebook“-Generation, der freien Medien oder auch nur der „Handy-Revolution“, wie Beobachter ├âÔÇ×gypten einordnen. Man verbindet sich, man kommuniziert miteinander, man tauscht sich aus, man hat mehr als eine Quelle der Information.

Das ist die Basis f├╝r friedliche „Revolutionen“ – die ├Ągyptischen Regime-Gegner sind nicht als Brandschatzer und Gewaltverbrecher aufgefallen, sondern durch ihren Willen zur Demokratie – sehr zur Verwirrung „gepr├Ągter“ Meinungen, die sich schwer tun, eine Muslim-Bruderschaft als notwendige Organisation anzuerkennen.

Das ist neu, das ist einzigartig, das gibt Hoffnung.

Von den Medien darf man erwarten, dass sie Mubarak einen alten Mann sein lassen. Der 82-j├Ąhrige Diktator soll sich in Heidelberg behandeln lassen d├╝rfen. Egal, was das kostet. G├Ânnen wir ihm den „goldenen Abgang“ – der Mann ist so reich und hat sein Volk so sehr betrogen. Bringt irgendein „Tribunal“ eine Besserung f├╝r seine „Untaten“?

Eher nicht.

Tunesien und ├âÔÇ×gypten sind beliebte Reisel├Ąner der Deutschen – und mal ganz ehrlich? Lohnt es sich nicht, f├╝r einen entspannten Urlaub unter afrikanischer Sonne, ein wenig f├╝r Demokratie, gerechte L├Âhne und stabile Verh├Ąltnisse einzutreten?

Der „Service“ w├╝rde sicher davon profitieren. Oder auch unserer aller Bekenntnis zur Demokratie.

Deswegen: Nutzen Sie die neue Medien. Verfolgen Sie, was passiert.

Schreiben Sie Ihre Meinung auf. Schreiben Sie an die Programmbeir├Ąte von ARD und ZDF. Stellen Sie Forderungen. Schreiben Sie an die Zeitungen und fordern Sie mehr Informationen.

Die Menschen in ├âÔÇ×gypten und Tunesien und anderswo tun das auch. Weil sie gerne in einer freiheitlichen Ordnung leben w├╝rden.

Diese Menschen gehen dabei ein hohes Risiko ein – wir haben die M├Âglichkeit, ohne Risiko f├╝r Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einzutreten.

Tun wir das nicht, w├Ąchst das Risiko, dass wir das irgendwann nicht mehr ohne Risiko k├Ânnen.

Anmerkung der Reaktion:
Unsere „allererste“ Aufgabe, die lokale Berichterstattung mag etwas „gelitten“ haben – wir hoffen, Sie sehen uns das nach, angesichts der Belastung. Wir sind nur ein kleines Team. Sie k├Ânnen sicher sein, dass wir an den Themen vor Ort dranbleiben.

„Geprothmannt“ erscheint im Wechsel mit anderen Kolumnen immer montags.

49 Millionen Deutsche sind online – Print verliert


Guten Tag!

Heddesheim, 11. Dezember 2010. (cm) Immer mehr Deutsche sind online aktiv. Das hat die Onlinestudie 2010 des ARD/ZDF hervorgebracht. F├╝r die Stichprobe wurden insgesamt 2.577 Erwachsene befragt. Besonders beliebt bei Internetnutzern: Multimediale Anwendungen wie Videos oder Podcasts.

Die ARD/ZDF Onlinestudie 2010 zeigt, wohin der Trend geht. Immer mehr Deutsche sind online. In absoluten Zahlen sind es nach der Studie 49 Millionen Menschen in Deutschland. Quer durch alle Altersschichten.

Besonders bemerkenswert: Alle Jugendlichen bis zu einem Alter von 19 Jahren sind mindestens gelegentlich online. Das ist eine Quote von 100 Prozent.

Die Generationenkluft ist daf├╝r nach oben gewandert. Personen unter beziehungsweise ab dem 65 Lebensjahr sind am seltensten im Internet anzutreffen.

Dabei ist gerade dieser Personenkreis eine „gewichtige Gruppe“, da mehr als 20 Millionen Bundesb├╝rger dazugeh├Âren. Sie nehmen (noch) nicht am Internet und den Informationsm├Âglichkeiten teil.

Der Gro├čteil der Nutzer greift ├╝ber das Notebook auf Onlineangebote zu. Die mobile Internetnutzung ist bislang aber kaum anzutreffen. Auch bei der angeblich „vernetzten“ Jugend ist sie nur sp├Ąrlich vorhanden. So halten gerade einmal 10 Prozent der Teenager „mobiles Internet f├╝r unverzichtbar“.

Onlinezeiten steigen – Nachrichten wichtigste Inhalte

Der durchschnittliche Internetnutzer ist t├Ąglich 83 Minuten online. In dieser Zeit werden die verschiedensten Dinge erledigt. Von Sozialen Netzwerken bis hin zu E-Mails. Insbesondere aktuelle Informationen werden dabei h├Ąufig genutzt. So haben im Jahr 2010 rund 90 Prozent der Nutzer das Internet f├╝r aktuelle Nachrichten und Informationen verwendet.

mediennutzung

Mediennutzung 2010: Print verliert, Radio/TV stabil, Internet legt zu - Quelle: ARD/ZDF Langzeitstudie Massenkommunikation

Zeitung und sonstige Printprodukte erreichten im selben Erhebungszeitraum nur ein Zeitfenster von 23 Minuten, also nur und ein Viertel der Zeit, die f├╝rs Internet aufgewendet wird. Printprodukte wie Zeitungen verlieren gleichzeitig immer mehr Nutzer.

Im Hinblick auf die gesamte Mediennutzungszeit liegt das Internet jedoch nicht an der Spitze. Radio und Fernsehen nehmen hier nach wie vor zwei Drittel der gesamten Mediennutzungszeit ein. Vor allem das Radio ist als „Nebenbeimedium“ (Auto, Arbeitsplatz, K├╝che) immer noch etabliert.

Multimedia nimmt zu – Wettbewerbsverh├Ąltnis nicht ersichtlich

Besonders beliebt bei Nutzern aller Altersklassen sind Multimedia-Angebote. Also Video- sowie Audiobeitr├Ąge. Insbesondere die M├Âglichkeit, Beitr├Ąge zeitversetzt zu sehen, begeistert viele Nutzer.

Einen „Verdr├Ąngungswettbewerb“ zwischen den Medien sieht die Studie von ARD und ZDF trotz des enormen Zuwachses in Richtung „online“ nicht. Statt eines „entweder – oder“ gibt es vielmehr ein „sowohl als auch“. Auf Anbieter- sowie auf Nutzerseite. Insgesamt betrachtet steige der Medienkonsum weiter an.

Weitere Informationen zum Thema gibt es bei Media Perspektiven. Die Studie kann hier im Detail (PDF) eingesehen werden.

Lena gewinnt Eurovision Song Contest 2010 als Siegerin der Herzen

Heddesheim/Oslo, 30. Mai 2010. Lena Meyer-Landrut macht die Sensation perfekt: Sie gewinnt mit weitem Abstand den Eurovision Song Contest f├╝r Deutschland mit ihrem Lied „Satellite“. 1982 hatte Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ gewonnen.

Deutlicher kann man kaum gewinnen als die 19-j├Ąhrige Sch├╝lerin Lena heute Nacht in Oslo. Mit weitem Abstand hat sie den Eurovision Song Contest klar f├╝r sich entschieden. Als 22. S├Ąngerin von insgesamt 25 Vortr├Ągen ging sie ins Rennen.

Nach einem verhaltenen Start ging sie nach kurzer Zeit in F├╝hrung und war ab dann nicht mehr gef├Ąhrdet. Vor 18.000 Zuschauern in der Telenor-Arena zeigte sie einen tollen Auftritt – weltweit verfolgten gut 120 Millionen Zuschauer das Finale im Fernsehen oder beim Public Viewing.

Link:
Finale in Oslo
Lena auf youtube

Herzlichen Gl├╝ckwunsch!

Das heddesheimblog

GEZ-Kontrolleur: „Wir werden Sie nicht vergessen. Da geb ich Ihnen Gift drauf.“

Guten Tag!

Heddesheim, 02. Mai 2010. Die Geb├╝hreneinzugszentrale (GEZ) ist in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik geraten: Bei der Kontrolle von Haushalten, ob die auch ordnungsgem├Ą├č ihre Empfangsger├Ąte angemeldet haben, gehen manche „Fahnder“ nicht zimperlich vor. Direkte oder angedeutete Drohungen sollen vermeintliche „Schwarzseher oder -h├Ârer“ einsch├╝chtern. Wir dokumentieren einen authentischen Fall in Heddesheim.

Von Hardy Prothmann

Die GEZ ist seit Jahren in der Kritik: Wegen ihrer Datensammelwut kritisieren die Landesbeauftragten f├╝r Datenschutz seit Jahren die Stelle, die f├╝r die Landesrundfunkanstalten (ARD, ZDF, SWR usw.) die Rundfunkgeb├╝hren einzieht.

Immer wieder stehen die GEZ-Beauftragten wegen „Drohungen“ und „miesen Methoden“ in der Kritik. Andere nennen diese Leute Schn├╝ffler.

gezkontrolleur

GEZ-Kontrolleur bei der "diskreten" Arbeit: "Ich muss mir noch die Autonummern aufschreiben." Bild: hblog

In Heddesheim versucht mindestens ein GEZ-Kontrolleur zur Zeit, an die Daten von B├╝rgerinnen und B├╝rgern zu kommen – und spart nicht mit indirekten und direkten Drohungen.

Der Mann ist nicht bereit, sich korrekt auszuweisen. Nach Aussage des B├╝rgers, der uns das Video zur Verf├╝gung stellte, sagte der Mann zu Beginn des Gespr├Ąchs, er habe gesehen, dass in einem Zimmer ein Monitor l├Ąuft und das fotografiert. Das Problem: Um einen Blick auf das benannte Fenster zu werfen, musste der Mann in der Hofeinffahrt des Nachbargrundst├╝cks gestanden haben. Gefragt, ob er das Grundst├╝ck betreten darf, hat der Mann nicht.

„Sie werden von uns h├Âren. Machen Sie sich keine Sorgen.“

Der Reaktion liegt eine zweite Aussage vor, dass der Mann ungefragt Grundst├╝cke betritt und direkt an der Haust├╝r klingelt. Er kommt sofort zur Sache. Sein Auftreten ist unverhohlen drohend. Den Hof verlies er erst nach mehrfacher Aufforderung. Auch hier verwies er aufs „Gesetz“. Paragrafen nannte er keine. Auf Verlangen zeigte er nur einen allgemeinen Absatz zur Rundfunkgeb├╝hrenpflicht. Auch hier kam die Ansage: Dann notiere ich mir mal noch die Autonummern.

Die betroffenen B├╝rgerInnen beschweren sich nun beim Datenschutzbeauftragten des SWR ├╝ber das ungeb├╝hrliche und ungesetzliche Verhalten des Mannes. Sicherlich sind die GEZ-Beauftragten im Auftrag der ├Âffentlich-rechtlichen Sender unterwegs.

Ganz sicher ist es aber nicht ihre Aufgabe, B├╝rgerInnen einzusch├╝chtern. Und ganz sicher ist es Ihnen nicht erlaubt, in H├Ąuser und Wohnungen hinein zu fotografieren.

Das Video liegt leider nur in schlechter Qualit├Ąt vor, der Ton ist aber weitgehend verst├Ąndlich. Wir haben den Dialog trotzdem aufgeschrieben.

Anmerkung der Redaktion: Nachdem wir ├╝berpr├╝ft haben, ob der Kommentar (siehe unten) von Prof. Herb wirklich von diesem stammte und ein Gespr├Ąch gef├╝hrt haben, in dem uns Herr Prof. Herb unmissverst├Ąndlich erkl├Ąrte, die „Pers├Ânlichkeitsrechte“ des GEZ-Kontrolleurs seien verletzt und dazu auf verschiedene Gerichtsurteile verwies – haben wir den Beitrag zun├Ąchst herausgenommen.
Herr Prof. Herb wollte sich ├╝brigens nicht zitieren lassen (Pers├Ânlichkeitsrecht).

Wir haben die Dokumentation ├╝berarbeitet und Film und Ton verzerrt.

B├╝rger: Ich m├Âchte Ihren Ausweis nochmal sehen.
GEZ-Beauftragter: Ich habe Ihnen den Ausweis gezeigt.
B├╝rger: Sie haben mir den Ausweis nicht gezeigt.
GEZ: Nat├╝rlich
B├╝rger: Sie halten die Nummer zu. Zeigen Sie mir die Nummer. Machen Sie den Daumen weg.
GEZ: Mehr gibts nicht.
B├╝rger: Moment.
GEZ: Sie, ich hab noch tausend Sachen zu machen.
B├╝rger: Nein, Sie k├Ânnen nicht einfach hier vorkommen…
GEZ (unterbricht): Sie werden eh von uns h├Âren. Sie werde eh von uns h├Âren guter Mann. So geht das nicht.
B├╝rger: Doch.
GEZ: Ich muss mir noch die Autonummern aufschreiben.

GEZ notiert Autonummern.

GEZ: Sch├Âner Abend. Haben Sie jetzt noch ein Problem?
B├╝rger: Ich will Ihre Autonummer.
GEZ: Meine Autonummer brauchen Sie nicht. Um Gottes willen, ich glaub, es geht los? Sie werden eh von uns h├Âren. Wollen Sie mir durch den ganzen Ort nachlaufen.

Unverst├Ąndlich.

B├╝rger: Was haben Sie eben gesagt?
GEZ: Ich muss meine Sache diskret machen.
B├╝rger: Was haben Sie eben gesagt?
GEZ: Sie haben meinen Namen, dass muss reichen.
B├╝rger: Sie haben eben eine Beleidigung gesagt und das wissen Sie.

Der GEZ-Beauftragte sorgt sich um seinen „diskreten“ Job.

GEZ: Ich muss die Sache hier diskret machen.
B├╝rger: Was haben Sie eben gesagt hier?
GEZ: Was hab ich gesagt?
B├╝rger: Sie haben gesagt, so ein…Depp?
GEZ: Ich habe nichts gesagt. Ich wei├č nicht, was Sie verstehen.
B├╝rger: Das ist eine Beleidigung.
GEZ: Ich habe Sie nicht beleidigt. Ich bitte Sie.

„Wir werden Sie nicht vergesssen. Da kann ich Ihnen Gift drauf geben.“

B├╝rger: Sie kommen her, stellen sich nicht vor, bedrohen die Leute, fotografieren in die Wohnungen. Wie sind Sie eigentlich drauf.
GEZ: Sie haben uns Auskunft zu geben, Sie sind laut Gesetz dazu verpflichtet mit ganz anst├Ąndig und ehrlich die Meinung zu sagen.
B├╝rger: Moment, Sie standen vor der T├╝r und haben gesagt, sie haben in die Wohnung reingesehen und fotografiert.
B├╝rger: Das haben Sie vorhin gesagt.
GEZ: Ich habe hier noch Sachen diskret abzukl├Ąren. Sie werden von uns eh h├Âren. Machen Sie sich keine Sorgen. Wir werden Sie nicht vergessen. Da kann ich Ihnen Gift drauf geben. Gehen Sie bitte heim, ich habe hier in der Ecke noch Sachen abzukl├Ąren.
B├╝rger: Das ist meine Heimat. Sie k├Ânnen mir doch nicht vorschreiben, wo ich hier langlaufe?

„Dann ziehen wir Sie vor Gericht.“

Die beiden laufen weiter.

GEZ: Also wenn Sie weitermachen, mache ich gegen Sie noch eine pers├Ânliche Anzeige.
B├╝rger: Wegen was?
GEZ: Da wird der SWR dahinterstehen, das garantiere ich Ihnen. Dann ziehen wir Sie vor Gericht. Sie laufen mir hier nicht nach. Ich habe hier Sachen diskret abzukl├Ąren, wo ich keine Zuh├Ârer brauche.
B├╝rger: Sie haben sich nicht korrekt ausgewiesen. Sie haben mir einen Plastikausweis gezeigt, aber keinen Personalausweis.
GEZ: Machen Sie sich keine Sorgen. Sie werden von uns h├Âren. Machen Sie sich bitte keine Sorgen.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Pers├Ânliche Anmerkung:

Ich arbeite seit 1994 immer wieder f├╝r einzelne Landesrundfunkanstalten und habe viele Erfahrungen gemacht. Darunter auch sehr positive.

Aus der GEZ-Geb├╝hr werden nicht nur (immer weniger) festangestellte Journalisten und vor allem viel Verwaltung bezahlt, sondern auch „Freie Mitarbeiter“.

Die Honorare bei ARD & ZDF erlauben (noch) f├╝r tausende von „freien Journalisten“ einen „einigerma├čen“ finanzierbaren Lebensstil f├╝r eine harte, oft ungeliebte, verantwortliche Arbeit.

Ich habe f├╝r ARD & ZDF immer gerne gearbeitet und f├╝hle mich dem ├Âffentlich-rechtlichen System sehr verbunden, weil dort Journalismus m├Âglich ist und immer wieder herausragender Journalismus stattfindet. Gut oder anst├Ąndig bezahlte Journalisten haben mir dort viel beigebracht.

F├╝r die ├╝berwiegende Mehrzahl der Privatsender gilt: Nur soviel Journalismus wie absolut n├Âtig und den so allerbilligst wie m├Âglich. Auch diese Erfahrung habe ich gemacht.

Solange die GEZ-Geb├╝hr auch daf├╝r sorgt, dass wir B├╝rgerinnen und B├╝rger uns nach Artikel 5 Grundgesetz eine fundierte Meinung bilden k├Ânnen, ist das sehr gut investiertes Geld.

Wenn aber irgendwelche Typen im Vorgarten rumschleichen oder durch die Hecke fotografieren, h├Ârt der Spa├č und vor allem das Verst├Ąndnis auf.

Ein ├Âffentlich-rechtliches Rundfunksystem, das Drohungen gegen├╝ber der Meinungsfreiheit nicht sanktioniert, ist am Ende.

Dann w├╝rde ich lieber nur noch Privatfunk sehen und h├Âren, weil ich w├╝sste, dass die irgendwie miteinander im Wettbewerb stehen und nicht nur einfach „kassieren“ wollen.