Mittwoch, 20. September 2017

Gabis Kolumne

√úber weite und kurze Problemchen

LesebrilleRhein-Neckar, 02. Dezember 2013. (red) Unsere Kolumnistin Gabi hat wieder den Weitblick. Neue Kontaktlinsen machen es m√∂glich. Daf√ľr reicht jetzt die Arml√§nge noch nicht mal mehr f√ľr ein Buch aus – Kleingedrucktes auf Verpackungen kann sie schon gar nicht mehr lesen. Aber sie hat eine L√∂sung gefunden. Eine praktische, die aber wie so h√§ufig theoretische √úberlegungen nach sich zieht. √úber das Leben – wor√ľber sonst? [Weiterlesen…]

Der demografische Wandel geht uns alle an

 

Rhein-Neckar, 02. April 2012. (red/pm) Die Bev√∂lkerungszahl in der Metropolregion geht zur√ľck, das durchschnittliche Alter steigt an. Die demgrafische Entschwicklung geht uns alle an – denn sie betrifft uns alle. Es wird Herausforderungen geben, aber auch viele neue Chancen. Kommunen, Unternehmen, soziale Einrichtungen, Parteien, Bildungseinrichtungen, Vereine und Kirchen haben die M√∂glichkeit, die Demografie-Woche aktiv zu gestalten.

Ein F√ľlle von Informationen sind bereits heute auf der Website der Demografiewoche zu funden. Jeweils am ersten Mittwoch im Monat finden Regionalgespr√§che statt, so am kommenden Mittwoch von 15:00-17:00 Uhr in der Handwerkskammer Rhein-Neckar-Odenwald statt. Aktuell zu „Pflegezusatzversicherung und Sicherung der Altersvorsorge, „Das Gesetz zur Freistellung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Pflegefall von Angeh√∂rigen“ und „Betriebliche Netzwerke zur Gestaltung des demografischen Wandels“.

Information des Verbands Region Rhein-Neckar:

„Das Netzwerk Regionalstrategie Demografischer Wandel (RDW) veranstaltet vom 11. – 18. Oktober 2012 in der Metropolregion Rhein-Neckar eine Demografie-Woche. Diese ist gedacht als regionsweite, dezentral organisierte Kampagne, um f√ľr die Chancen und Herausforderungen angesichts des demografischen Wandels in der Metropolregion zu sensibilisieren. In der Aktionswoche sollen m√∂glichst viele Veranstaltungen zu Themen stattfinden, die Wege zur erfolgreichen Gestaltung der Gesellschaft im voranschreitenden demografischen Wandel aufzeigen.

Die Demografie-Woche ist eingebunden in das „Europ√§ische Jahr f√ľr aktives Altern und Solidarit√§t zwischen den Generationen 2012″. Das Aktionsjahr soll die Schaffung einer Kultur des aktiven Alterns in Europa erleichtern, deren Grundlage eine Gesellschaft f√ľr alle Altersgruppen ist. Wohl wissend, dass der Begriff des demografischen Wandels noch weiter gefasst ist, glauben die Verantwortlichen der Regionalstrategie Demografischer Wandel, dass die konkreten Anregungen der Europ√§ischen Union zum aktiven Altern, die Ziele der Demografie-Woche unterst√ľtzen.

Die Verantwortlichen w√ľnschen sich, dass m√∂glichst alle gesellschaftlichen Akteure als Veranstalter an der Demografie-Woche teilnehmen. Eine besonders gute Gelegenheit zur Darstellung haben nach Einsch√§tzung der Organisatoren insbesondere Kommunen, Unternehmen, Die Netzwerke der Region, Freiberufler, soziale Einrichtungen (wie z.B. Seniorenheime, Mehrgenerationenh√§user, Behindertenorganisationen, Integrationsprojekte), Politische Parteien, Schulen, Hochschulen, Vereine und Kirchen.

Organisatorisch √ľbernimmt die Regionalstrategie die Erstellung eines Gesamtprogramms der Veranstaltungen und bewirbt die Demografie-Woche im Allgemeinen. Auf diese Weise sollen alle B√ľrgerinnen und B√ľrger der Region, Kenntnis vom Gesamtangebot erhalten. F√ľr die Veranstalter ergeben sich dadurch ausgesprochen gute Darstellungsm√∂glichkeiten. Potenzielle Teilnehmer sollen aus einem m√∂glichst gro√üen Angebot w√§hlen und bei √ľberschaubaren Reisezeiten an sehenswerten Veranstaltungen teilnehmen k√∂nnen.“

Zahl der „Hochbetagten“ hat sich seit den 1970er Jahren verf√ľnffacht


Rhein-Neckar/Heidelberg, 19. Mai 2011. (red/pm) Die Zahl der „√§lteren Mitb√ľrger“ w√§chst – die Zahl der j√ľngeren geht zur√ľck. Der stetige Anstieg der Bev√∂lkerungszahlen im hohen Alter hat vor allem f√ľr den Bereich der Pflegebed√ľrftigkeit und die Sicherung der Pflegem√∂glichkeiten tiefgreifende Konsequenzen.

Information des Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis:

Im Rhein-Neckar-Kreis leben derzeit 11.248 Menschen, die 85 Jahre oder √§lter sind. Diese Altersgruppe setzt sich zu knapp drei Viertel aus Frauen und lediglich zu gut einem Viertel aus M√§nnern zusammen. Dies entspricht auch dem Trend in ganz Baden-W√ľrttemberg.

Hier gibt es derzeit rund 244.000 Personen, die 85 Jahre oder √§lter sind, davon 177.000 Frauen und 67.000 M√§nner. Die Zahl der Hochbetagten hat sich damit seit Anfang der 1970er Jahre sowohl im Rhein-Neckar-Kreis als auch in Baden-W√ľrttemberg fast verf√ľnffacht; bis zum Jahr 2030 k√∂nnte sich deren Zahl mehr als verdoppeln und nach der Vorausberechnung des Statistischen Landesamtes Baden-W√ľrttemberg im Rhein-Neckar-Kreis rund 23.135 und in Baden-W√ľrttemberg 433.911 betragen.

Die Zahl der Personen unter 20 Jahren wird in den kommenden 20 Jahren abnehmen. Sind derzeit noch 105.854 M√§nner und Frauen unter 20 Jahren im Rhein-Neckar-Kreis wohnhaft, werden es 2030 voraussichtlich nur noch 88.714 sein. Im Vergleich: In Baden-W√ľrttemberg betr√§gt die Anzahl der Personen unter 20 Jahren im Moment noch 2.196.778, 2030 werden es nur noch 1.778.689 junge Menschen sein.

√É‚Äěhnlich stellt sich die Abnahme der Personen bei der Gruppe zwischen 20 und 40 Jahren (derzeit 125.770 Personen – 2030 110.218 Personen) und 40 bis 60 Jahren (derzeit 168.868 Personen – 2030 134.107) im Rhein-Neckar-Kreis dar. Zunehmen wird dagegen die Gruppe der Menschen zwischen 60 und 85 Jahren von aktuell 123.544 auf 161.702 im Jahr 2030.

Baden-W√ľrttemberg weit leben im Moment 2.690.322 Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, 2030 werden es noch 2.358.078 sein. Ebenso wird sich in Baden-W√ľrttemberg die Zahl der Menschen zwischen 40 und 60 Jahren von derzeit 3.261.448 auf 2.7006.281 im Jahr 2030 reduzieren. Zunehmen wird im „L√§ndle“ die Gruppe der Personen zwischen 60 und 85 Jahren von aktuell 2.366.317 auf 3.096.593 Menschen. Diese Angaben gehen aus einer aktuellen Erhebung des Statistischen Landesamtes Baden-W√ľrttemberg hervor.

„Die Gr√ľnde f√ľr die Entwicklung sind auf die Alterstruktur der Bev√∂lkerung, aber auch auf die stetig steigende Lebenserwartung zur√ľckzuf√ľhren“, erl√§utert Heinz B√∂nisch, Sozialdezernent im Rhein-Neckar-Kreis. Ein neugeborener Junge k√∂nne heute in Baden-W√ľrttemberg auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78,8 Jahren hoffen, ein neugeborenes M√§dchen sogar auf 83,4 Jahre. Damit liegt die Lebenserwartung Neugeborener nach Angaben des Statistischen Landesamtes um neun beziehungsweise zehn Jahre h√∂her als Anfang der 1970er Jahre. Seinerzeit betrug die durchschnittliche Lebenserartung bei der Geburt 68,5 Jahre f√ľr Jungen und 74,5 Jahre f√ľr M√§dchen.

Der stetige Anstieg der Bev√∂lkerungszahlen im hohen Alter hat vor allem f√ľr den Bereich der Pflegebed√ľrftigkeit und die Sicherung der Pflegem√∂glichkeiten tiefgreifende Konsequenzen. Wenn, wie zurzeit, auch k√ľnftig √ľber ein Drittel der 85-J√§hrigen und √É‚Äělteren pflegebed√ľrftig sein wird, so zeichnen sich f√ľr die Zukunft erhebliche Anforderungen an die Pflegeleistungen der Familien, an die gesellschaftlichen Netzwerke der Altenhilfe und Altenbetreuung, an die Sicherung des Berufsnachwuchses in den Pflegeberufen, aber auch an die Leistungsf√§higkeit der Volkswirtschaft ab, weil auch die Zahl der Transferleistungsempf√§nger stark zunehmen wird. So das Fazit des Sozialdezernenten.“

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das rheinneckarblog

Gabis Kolumne

Zeit f√ľr Tr√§ume

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Guten Tag!

Heddesheim, 22. M√§rz 2010. Tr√§ume sind Sch√§ume – oder doch nicht? Wir alle werden √§lter, die Welt ist globalisiert. Wohin im Alter? In den eigenen vier W√§nden bleiben, in die Toskana, an den Lago, nach Thailand oder Miami? Wer sich mit Freunden √ľber das Leben im Alter unterh√§lt, wird √ľberrascht – es gibt so viele Tr√§ume. Und je mehr die Zeit l√§uft, umso mehr werden die Tr√§ume, meint Gabi.

„Also ganz klar, wir gehen sp√§ter mal auf die Kanaren“, sagten Freunde k√ľrzlich bei einem Abendessen.

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Der Lago Maggiore - wie schön, seufz. Bild: hblog

„Hm“, denke ich, „nicht schlecht, aber m√∂chte ich wirklich meinen Lebensabend mit anderen √§lteren deutschen Senioren in einer Bungalowsiedlung irgendwo am Meer verbringen?“

„Ich w√ľrde lieber, wenn die Kinder aus dem Haus sind, in eine Stadtwohnung ziehen, vielleicht nach Berlin. Da hat man das Theater, die Gesch√§fte, Ausstellungen und so weiter direkt vor der Haust√ľr“, sagte eine andere Freundin.

Anonym im Alter oder mit der Familie?

„Auch nicht schlecht“, denke ich. Aber m√∂chte ich dann ganz anonym leben, die Freunde und Kinder weit weg?

Sobald die ersten Kinder geboren waren, haben wir alle vom Eigenheim mit großem Garten auf dem Land geträumt.

Nach und nach haben wir uns unsere Träume verwirklicht. Zwar war der Garten nicht so groß oder auch nur ein Balkon. Und es war auch kein Landhaus in einem romantischen Ort in der Pfalz. Aber zumindest konnte man im Sommer den Grill rausstellen und den Kindern konnte man einen Sandkasten und eine Schaukel aufstellen.

Jetzt kommen die Kinder nach und nach in die Pubert√§t und mein Sohn erkl√§rte mir schon vor zwei Jahren, „also in so einem Kaff will ich sp√§ter bestimmt nicht mehr wohnen.“

Mein Mann und ich träumen gerne von einem Haus am Lago Maggiore.

Ah, der Lago.

Nat√ľrlich direkt am See mit Bootssteg. In einem kleinen St√§dtchen, so dass man abends durch enge Gassen bummeln und dann in einer kleinen Trattoria ein Glas Wein trinken kann.

Ja, das wäre nett.

„Aber Mensch, am Lago Maggiore ist es im Winter doch richtig kalt“, wirft eine Bekannte ein, „da kannste auch zu Hause bleiben. Ich geh‚Äô lieber nach Thailand. Da ist es immer warm und du kriegst was f√ľr dein Geld.“

Auch keine schlechte Argumentation, denke ich.

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Eine thailändische Traumanlage - fern der Heimat, aber immer warm. Bild: hblog

„Wichtig f√ľr mich sind doch vor allem die Kinder, die Freunde und die Familie. Ist das nicht ziemlich schwierig mit Mitte Sechzig irgendwo noch mal ganz neu anzufangen?“, sagt ein Freund.

Man sollte zumindest die Sprache sprechen, auf diese Grundvoraussetzung können wir uns alle einigen. Na ja, und die Kultur sollte doch auch ähnlich sein. Damit streichen wir Thailand von der Liste.

„Wie w√§r‚Äôs denn mit Florida?“, f√§llt einer Freundin begeistert ein. „Englisch sprechen wir alle einigerma√üen und die amerikanische Mentalit√§t ist uns doch sehr √§hnlich.“ „Nee“, entgegnet ein Bekannter, „bevor ich nach Florida ziehe, gehe ich gleich ins Altersheim.“

Ganz schön schwierig.

„Alles ganz sch√∂n schwierig“, denke ich. Da ist die Welt schon so gro√ü, die Kinder sind bald erwachsen und arbeiten muss man irgendwann auch nicht mehr und dennoch finden wir an jeder Idee wieder gen√ľgend auszusetzen.

„Ich hab‚Äôs: Also ich h√§tte am liebsten eine kleine Stadtwohnung und zus√§tzlich ein H√§uschen im S√ľden und optimal w√§re nat√ľrlich, man k√∂nnte auch noch sein Haus behalten, so dass die Kinder alle an Weihnachten kommen k√∂nnen und man die Freunde treffen kann. Und im Winter, wenn‚Äôs hier so richtig kalt und trostlos ist, f√§hrt man f√ľr vier Wochen nach Thailand“, erkl√§rt freudestrahlend eine Freundin.

„Super Idee“, denke ich.

„Und wovon willst du das alles bezahlen. Renten kriegen wir kaum noch und im Moment zahlen wir alle noch an unseren H√§usern ab“, wirft der Kanarenfan ein. Und √ľberzeugt mich mit seiner Sachlichkeit sofort.

Klang schön, aber vollkommen unrealistisch.

„Das werden wir heute nicht mehr kl√§ren“, denke ich.

Es bleibt viel Zeit f√ľr Tr√§ume.

Nur gut, dass es noch einige Jahre dauert, bis die Kinder wirklich aus dem Haus sind und wir die n√§chsten 20 Jahre oder mehr eh‚Äô noch arbeiten m√ľssen.

Da bleibt noch viel Zeit f√ľr Tr√§ume.

Und obwohl die Zeit immer mehr drängt Рvielleicht werden sie ja wahr.

gabi

Serie: Sex bei Opa und Oma? Lassen Sie uns dar√ľber reden!

Guten Tag!

Heddesheim, 11. M√§rz 2010. Wir starten heute eine neue Serie – am Donnerstag. Im Fokus steht die Sexualit√§t… im Alter – die hat aber viel mit der Lebens- und Liebeserfahrung davor zu tun, weswegen auch hierzu Texte ver√∂ffentlicht werden. Zum Start der Serie haben wir unsere Autorin, Antonia Scheib-Berten, interviewt. Die Expertin wei√ü: Sexualit√§t im Alter ist ein schwieriges Thema – aber eins, √ľber das man reden kann und sollte. Dann finden sich auch Antworten.

Von Hardy Prothmann

Frau Scheib-Berten, im neuen „Spiegel Wissen“ beschreibt ein Text eine Frau, die Demenzkranken und Behinderten als Sexualassistentin Gespr√§che und Massagen anbietet, die auch zum Orgasmus f√ľhren (sollen). Ihre Kunden sind √§lter, einige besucht die Frau im Altenheim. Ist so eine Arbeit anst√∂√üig, ist das Prostitution?

Antonia Scherb-Berten: „Die T√§tigkeit der Sexualassistentin nichts Neues. In Holland gibt es diese Variante der Assistenz im Rahmen der Arbeit mit j√ľngeren Behinderten schon seit Jahren. Teilweise wurden, zumindest in der Vergangenheit, die Kosten durch offizielle Kostentr√§ger √ľbernommen.

Begr√ľndet wurde es damit, dass auf diesem, sozusagen nat√ľrlichen Wege Spannungen abgebaut werden und somit Medikationen zur Beruhigung oder zur Aggressionshemmung √ľberfl√ľssig w√ľrden.

Dass Frauen wie Nina de Vries mit Dementen reden, sie streicheln und massieren, das lässt sich wohl kaum im Bereich der Anstößigkeit einordnen.

Der Spiegel-Text beschreibt auch eine Frau, deren 80-j√§hriger Ehemann Nacht f√ľr Nacht Sex will. L√§sst sich das mit „Sexualassistenz“ beruhigen?

Scherb-Berten: Im benannten Fall der durch den dr√§ngenden Mann √ľberforderten Ehefrau (80) w√§re gegebenenfalls eher die Gabe eines Medikaments zur Reduktion des Sexualtriebes f√ľr den Patienten √§rztlich zu pr√ľfen. Die pflegenden Angeh√∂rigen m√ľssen manchmal durch die √É‚Äěrztin oder den Arzt vor √ÉŇďbergriffen gesch√ľtzt werden. Au√üerdem ist die √ľberbordende Triebhaftigkeit f√ľr den Patienten sehr belastend und stressend.

Angeh√∂rige trauen sich leider zu wenig √ľber den
gesteigerten Sexualtrieb beim „Opa“ zu reden.

Leider trauen sich zu wenige Angehörige, das Thema in der ärztlichen Beratung zu besprechen.

Es gibt F√§lle, in denen im Rahmen einer Demenz die Sexualit√§t pl√∂tzlich eine neue, dominierende Rolle bekommt. Manchmal zeigt sich dies in Masturbation. Hier hilft meist schon, dem Patienten einen gesch√ľtzten Rahmen zu schaffen und ihn nicht zu bestrafen oder moralisch zu verurteilen.“

Eine Sexualassistenz d√ľrfte aber bei vielen Menschen als unmoralisch gelten?

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Antonia Scheib-Berten berät in Sachen Beziehung, Liebe, Sexualität. Bild: asb

Scheib-Berten: „Was anst√∂√üig ist, das liegt im Auge der Betrachterin und des Betrachters. Es gibt hier keine generelle Antwort. Als Sexualberaterin sage ich, durch Assistenz kann kranken Menschen Entspannung und Gl√ľcksgef√ľhl geboten werden.

Wenn gelebte Sexualit√§t nat√ľrlich im Rahmen der Paarbeziehung m√∂glich ist, so ist dies auf jeden Fall zu bevorzugen. Liebe kaufen kann man sich nat√ľrlich nicht!“

Im Spiegelbericht werden sowohl Angeh√∂rige als auch Seniorenheime und sogar die Prostituiertenorganisation „Hydra“ mit ihren Zweifeln in Sachen „Sexualassistenz“ darstellt. Es steht zwar nicht im Text, aber die Frage ist auch in Vorgespr√§chen zu diesem Interview aufgekommen: Ist das nicht vielleicht irgendwie „pervers“?

Scheib-Berten: „Was hei√üt eigentlich „pervers“? Bei Perversionen geht es um die Abgrenzung von in einer Gesellschaft herrschenden Moralvorstellungen. Vielleicht spielen auch unsere eigenen Phantasien im Zusammenhang mit den Aktivit√§ten von Frauen wie Nina de Vries eine gro√üe Rolle. Was stellt sich die B√ľrgerin, die Altenpflegerin, der Sohn des Patienten oder auch der Pfarrer vor, wenn er den Artikel bei Spiegel-Wissen liest? Vermutlich gehen die eigenen Phantasien weit √ľber das hinaus, was letztendlich geschieht.“

Es gibt auch juristische Fragen.

Rein juristisch geht es nat√ľrlich auch um die Pers√∂nlichkeitsrechte des Patienten. M√ľsste, wenn Frau de Vries ganz offiziell zum Einsatz kommen sollte, sogar der gesetzliche Betreuer seine Zustimmung geben? Eine Frage an die Juristinnen!

Sollte keine gesetzliche Betreuung bestehen, so w√§re die Inanspruchnahme von Diensten einer Assistenz vielleicht nur das Fortf√ľhren einer lebenslangen Gewohnheit des Dementen. Vielleicht ist er w√§hrend seines gesamten erwachsenen Lebens regelm√§√üig zu Prostituierten gegangen? W√§re es dann nicht sogar ein Entzug von √Ę‚ā¨Ň°regelm√§√üig wiederkehrenden Diensten‚Äô, also eine Ungleichbehandlung gegen√ľber Nicht-Dementen?

Auch Frauen bel√§stigen M√§nner durch √ÉŇďbergriffe.

Geht es eigentlich bei der Frage nur um Männer?

Scheib-Berten: „Interessant ist, dass bei diesem Thema nie von weiblichen Dementen die Rede ist. Dass auch Frauen √ľbergrifflich werden, dass m√§nnliche Altenpfleger in der Balintgruppe von Bel√§stigungen durch Heimbewohnerinnen sprechen, scheint nicht im Bereich des M√∂glichen – ist jedoch Realit√§t.“

Sex und Alter ist oft ein noch gr√∂√üeres Tabuthema als Alter und Tod. Immer wieder gibt es Umfragen und Statistiken, welches Volk das sexuell aktivste ist, wer in welchem Alter wie oft… Bei gef√ľhlten 60 oder 65 Jahren gibt es aber keine Informationen mehr. H√∂rt ab diesem Alter das Sexualleben auf?

Scheib-Berten: „Zum einen halte ich absolut nichts von Statistiken, die es vermutlich gibt, die mich pers√∂nlich aber nicht interessieren. Wie hei√üt es so sch√∂n: „Traue nur der Statistik, die du selbst gef√§lscht hast.“ Also: Keine Konkurrenz zwischen feurigen Italienern, stolzen Spaniern und unseren deutschen M√§nnern! Schon gar nicht ausgetragen √ľber Zahlen.

In der Tat wird Sexualit√§t und Liebe, zwei Nomen, die ich gerne auch im Zusammenhang nenne, fast ausschlie√ülich mit Jugend, attraktiven K√∂rpern, Fortpflanzungsf√§higkeit und Vitalit√§t in Verbindung gebracht. Ich erinnere mich, dass ich bereits 1993, als ich bei der pro familia in Mannheim als Gesch√§ftsf√ľhrerin gearbeitet habe, auf die Dringlichkeit hinwies, dass sich Sexualberater der Generation 50 plus zuwenden m√ľssen.

Sexualität spielt in jedem Alter eine wichtige Rolle.

Seinerzeit wurde ich bel√§chelt. Mittlerweile merken auch die professionellen Berater, dass Sexualp√§dagogik ab dem mittleren Lebensalter ein wichtiger Baustein der Arbeit ist. Ich hatte eine Frau in der Beratung, die erst nach Ende der Menopause mit einem neuen Partner orgasmusf√§hig wurde. Welche Befreiung, welches Gl√ľck!

Fakt ist, dass die Liebesf√§higkeit grunds√§tzlich nie aufh√∂rt. Hormone beeinflussen unseren K√∂rper und steuern auch unsere Libido. Doch das ist nur eine Seite der Stimulation. Nur in Verbindung mit g√ľnstigen Rahmenbedingungen wird gesp√ľrte Lust zu gelebter Lust! Ein alleinstehender Mann, der kein Zielobjekt von k√∂rperlicher Lust hat, wird m√∂glicherweise versuchen, seine sexuelle Energie umzuleiten. Eine ungl√ľckliche Paarbeziehung ist nicht gerade der richtige Ort f√ľr k√∂rperliche N√§he und lebenslustige Sexualit√§t – egal in welchem Alter.“

Was w√ľnschen sich √§ltere und alte Menschen in Sachen Sexualit√§t? Sind diese W√ľnsche anders oder entsprechen sie den „durchschnittlichen“ Vorstellungen?

Scheib-Berten: (lacht) „Was sind die durchschnittlichen Vorstellungen? Selbstverst√§ndlich werden im h√∂heren Alter keine anstrengenden Kamasutra-√ÉŇďbungen auf der Tagesordnung stehen, wenn die Arthrose plagt und der R√ľcken schmerzt. Auch m√ľssen wir unseren Fokus hinsichtlich Sexualit√§t erweitern. Das hingebungsvolle Streicheln, das Kuscheln, das innige Sich-nahe-sein – all das subsummiere ich unter dem Begriff Sexualit√§t.

Im Alter wird gekuschelt – aber auch genitale Sexualit√§t gew√ľnscht.

Dass nat√ľrlich auch genitale Sexualit√§t gew√ľnscht wird, das ist die Regel. Schade ist, dass √§ltere und alte Paare h√§ufig nicht √ľber ihre W√ľnsche sprechen. Und tragisch ist, dass Einschr√§nkungen klaglos als Gegebenheiten angenommen werden. Manchmal w√ľrde der Besuch eines kompetenten (!) Urologen √ľber Potenzschwierigkeiten hinweghelfen oder ein Gespr√§ch mit der Gyn√§kologin w√ľrde Erleichterung bringen.“

Haben alle √§lteren Menschen das Bed√ľrfnis nach sexueller Befriedigung?

Scheib-Berten: „Durch die Besch√§ftigung mit dem Thema „Sexualit√§t im Alter“ sollte kein Leistungsdruck aufgebaut werden! Jedes Paar sollte f√ľr sich selbst entscheiden, ob, wie und wie oft sexuelle Aktivit√§ten ihre Beziehung bereichern. Wenn beide beschlie√üen, in ihrem Leben einen anderen Fokus zu setzen, so ist das v√∂llig in Ordnung! Wenn allerdings eine oder einer von beiden ein Defizit versp√ľrt, so sollte man nochmals n√§her hinschauen. Interessanterweise ist es nicht immer der Mann, der sich mehr Aktivit√§ten w√ľnscht!

„Use it or loose it,“(Benutze es oder verliere es!) ist hier auch eine wichtige Maxime. In der Regel werden Menschen, denen Sexualit√§t w√§hrend des gesamten Lebens nicht so wichtig war, auch im Alter kein Defizit versp√ľren – falls sich nicht die Rahmenbedingungen √§ndern!√ā¬†Eine neue Liebe wirkt hier manchmal Wunder!

Warum erf√§hrt man so gut wie nichts zu dem Thema? An den Volkshochschulen gibt es oft sehr viele Kurse – nur das Wort Sex kommt dort meist nicht vor – schon gar nicht in Verbindung mit „Alter“.

Scheib-Berten: Das liegt zum Teil auch daran, dass dieser Begriff in der Ausschreibung m√∂glicherweise Menschen geradezu davon abh√§lt, zur Veranstaltung zu kommen! Die Scheu ist hier sehr gro√ü! Ich habe vor ein paar Jahren an der Volkshochschule einen Gespr√§chskreis „Mut zum Gl√ľck“ angeboten. Wir besch√§ftigten uns auch mit dem Thema Sexualit√§t. Sollte ich wieder angefragt werden, so stehe ich gerne zur Verf√ľgung!“

„Sexualit√§t im Alter“ geh√∂rt in jeden Lehrplan – alles andere ist ein Defizit.

Muss beispielsweise ein Seniorenheim nicht damit rechnen, als unseriös zu gelten, wenn dort das Thema Sex behandelt wird?

Scheib-Berten: „Ganz im Gegenteil. Ich habe bereits bei einigen Tr√§gern Fortbildungen f√ľr Pflegekr√§fte, auch im ambulanten Bereich angeboten. Das Thema ist latent pr√§sent und gerade auch j√ľngere Pflegende sind h√§ufig √ľberfordert. Im √ÉŇďbrigen steht „Sexualit√§t im Alter“ mittlerweile auf dem Lehrplan der Ausbildung zur Altenpflegerin/Altenpfleger. Wenn ein Bildungstr√§ger dies noch nicht anbietet, so best√ľnde hier ein Defizit!“

Schauen Sie mal in die Zukunft. Deutschland im Jahr 2050. Wie werden die heute 20- bis 40-j√§hrigen dann √ľber Sexualit√§t im Alter sprechen oder diese leben? Ist Sex bei Opa und Oma immer noch ein Tabuthema?

Scheib-Berten: „Ich hoffe, dass das Thema Sexualit√§t und Alter keinen Sonderstatus mehr ben√∂tigt, weil es zur Selbstverst√§ndlichkeit geworden ist.“

logo_herzwerkstattZur Person:
„herzwerkstatt“ hat Antonia Scheib-Berten ihre Ehe-, Partner- und√ā¬†Sexualberatung genannt, die sie seit 1995 anbietet. Als erfahrene√ā¬†Fachfrau in Sachen Beziehung und Liebe setzt sie neben√ā¬†Publikationen zum Thema den √ā¬†Schwerpunkt ihrer Arbeit in die√ā¬†Einzel- und Paarberatung von Menschen jeden Lebensalters. Auch√ā¬†Menschen im mittleren Lebensalter, √É‚Äěltere oder Angeh√∂rige finden√ā¬†bei ihr fachliche Unterst√ľtzung. Die Beratung findet im√ā¬†gesch√ľtzten Rahmen der „herzwerkstatt“ in Weinheim statt. Termine nur nach Vereinbarung!

Weitere Informationen unter: www.herzwerkstatt.com

Gabi¬īs Kolumne: √Ąlter werden ist okay, √§lter aussehen ein „no go“

Guten Tag!

Heddesheim, 02 November 2009.

Gabi ist nicht bereit, „alt“ zu werden. Obwohl oder gerade weil sie gerade Geburtstag hatte. Was bedeutet, das wieder ein Jahr verstrichen ist. Und sie hat Cremes und gute W√ľnsche als Geschenke bekommen. Reicht ihr das? „Nein“, sagt Gabi. „Das reicht nicht. Ich muss mich nicht cremen, um jung zu sein, ich creme mich aber, um gut und jung auszusehen“, meint Gabi.

Als ich zu meinem letzten Geburtstag von meinem Mann eine s√ľndhafte teure Creme geschenkt bekommen habe – das erkennt man eindeutig an der Verpackung, gro√üer Tiegel, kleine Menge – wusste ich: Jetzt ist es so weit, als Enddrei√üigerin gehe ich nicht mehr durch.

Gleichzeitig bekam ich von einer Freundin „guten“ Lidschatten mit dem Kommentar √ľberreicht, „in unserem Alter“ k√∂nnten wir uns die Billigprodukte nicht mehr leisten. Auch ein h√ľbscher neuer Kalender sollte mich wohl daran erinnern, dass ich in letzter Zeit des √∂fteren Termine vergessen habe – auf diese Idee kamen sogar zwei Freundinnen gleichzeitig (das war ein wenig peinlich – ging aber gut aus).

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Cream as you can... Pflege ist unabhängig vom Alter wichtig, wird aber mit dem Alter notwendiger(?)... Bild: hblog

Da sa√ü ich nun mit meinen wundersch√∂nen Geschenken – den B√ľchern, den Schals, aber vor allem der Creme und den Kalendern – und machte mir so meine Gedanken.

Wie ist das nun mit dem √É‚Äělter werden:

  • tausende Hilfsmittel werden t√§glich in der Werbung gepriesen, die den Alterungsprozess angeblich aufhalten
  • die Cremes und Tuben sollen unsere Haut l√§nger frisch halten
  • es gibt viele Farben, die die ersten grauen H√§rchen und alle weiteren √ľberdecken
  • st√ľtzende Strumpfhosen√ā¬†kaschieren√ā¬†die Problemzonen (also knackig verpacken, was immer noch weiblich ist)
  • Vitaminpr√§parate sollen unser Gehirn auffrischen
  • nicht zu vergessen die Fitnessstudios mit deren Bezahlung unser K√∂rper jugendlich gestrafft wird – allerdings nur durch eigene Anstrengung
  • … und hilft das alles nichts mehr, geht es ab unter das Messer des Sch√∂nheitschirurgen unseres Vertrauens

√É‚Äělter werden ist okay – √§lter aussehen aber definitiv ein „no go“.

Vorbei sind die Zeiten, als man anhand der Kleidung oder des Musikgeschmacks das Alter erkennen konnte.

Als wir jung waren, kleideten sich M√ľtter noch wie M√ľtter.

Und heute?

Wie sollen sich denn heute unsere Kinder abgrenzen, wenn Minis, Leggins, schrille Outfits von der Elterngeneration besetzt bleiben – inklusive Bauchnabel-Piercings und Tatoos?

Wollen unsere Kids wirklich mit uns aufs Popkonzert oder in die Disco?

Haben wir es irgendwann verpasst inne zu halten? Bedeutet das also gleichzeitig f√ľr uns, sobald wir Kinder im Teenageralter haben, bleibt uns nur die M√∂glichkeit in W√ľrde alt zu werden, grau und faltig?

Nein? Genau das denke ich auch.

Aber trotzdem sind wir älter. Die Eltern.

Was also tun? Gibt es ein Rezept, √§lter zu werden, W√ľrde zu erlangen und trotzdem nicht „alt“ zu sein?

Meine Gro√ümutter, da hatte sie die Achtzig schon weit √ľberschritten, sagte mir mal, „in mir drin f√ľhle ich mich immer noch wie ein junges M√§dchen“.

Denn, sich die Neugierde zu bewahren, aufgeschlossen zu bleiben, neue Dinge kennenlernen zu wollen, offen zu sein f√ľr neue Menschen, L√§nder und Ereignisse – darin liegt wohl eher das Geheimnis der Jugend.

Das Offenbare der Jugend liegt aber nach der Pickelphase in der glatten Haut, den farbvollen Haaren, der „Spannung“ in K√∂rper und Geist.

Naja, und so lange ich mich noch so jung f√ľhle, schadet es bestimmt auch nichts, dem √É‚Äěu√üeren mit ein paar Hilfsmitteln ein wenig auf die Spr√ľnge zu helfen – genauso wie dem Geist, den ich mit Gespr√§chen mit Freundinnen und spannenden B√ľchern und Anteil am Leben „kreme“.

Was denn sonst?

gabi