Montag, 30. November 2020

Offener Brief an Konstantin Gro├č

Guten Tag!

Heddesheim, 16. September 2010. Der MM-Redakteur Konstantin Gro├č hat einen bemerkenswerten Kommentar geschrieben – was daran bemerkenswert ist, lesen Sie in unserem offenen Brief an den Journalisten.

Sehr geehrter Herr Gro├č,

mit Interesse haben ich Ihren Kommentar gelesen.

Ein Kommentar, dass wissen wir von Kollege zu Kollege, soll einen Standpunkt vertreten, eine Meinung, eine bestimmte, klar subjektive Sicht der Dinge.

gross

Kommentiert aus den Gr├Ąben der (bleibenden?) Unkenntnis: MM-Redakteur Konstantin Gro├č. Quelle: MM

Diese Kriterien erf├╝llt Ihr Kommentar – fast – nicht. Schon der erste Satz macht stutzig: „Nun liegt es endlich hinter uns.“ Was meinen Sie damit? Wer ist „uns“? Als Beobachter der ersten Stunde kann ich mich nicht erinnern, dass Sie und Ihre Berichterstattung eine wesentliche Rolle gespielt h├Ątten. Und wenn? Machen Sie sich etwa gemein mit einer Sache? Also „uns“?

Folgt man dem Duktus Ihres Kommentars und kennt die Hintergr├╝nde, dann ist schnell klar, wer uns ist: Der B├╝rgermeister Kessler, die Mehrheit der 11 Gemeinder├Ąte, das Unternehmen „Pfenning“, die Metropolregion-Rhein-Neckar-Strippenzieher, die IFOK, das RNF und die Pseudo-Wirtschaftspostille „econo“, in der Logistikprofessoren den halben Ort verunglimpfen d├╝rfen und an der der MM beteiligt ist. Und nat├╝rlich der MM, respektive Sie. Meinten Sie das mit „uns“? Habe ich noch etwas vergessen?

Ach ja, Frau G├Ârlitz – die hat durch konsequente Nicht-Recherche eigentlich nichts herausgefunden und immer nur brav berichtet, was sie berichten sollte. Auch sie steht wohl f├╝r uns. (A propos – das muss schlimm f├╝r die „Kollegin“ gewesen sein, dass sie nach all der harten Arbeit an „unserer Sache“ den Vollzug nicht berichten durfte. Warum auch immer.)

Ebenso klar, Herr Gro├č, ist, wer „nicht uns“ ist. Die Gegner des von Ihnen „endlich“ begr├╝├čten Beschlusses. Das sind die Menschen, die Ihnen mehr und mehr immer weniger glauben und die ihre Abos k├╝ndigen.

Doch zur├╝ck zu Ihrem Kommentar: Sie lehnen sich hier weit aus dem Fenster f├╝r jemanden, der keine Ahnung hat. Sie schreiben von „Unterlegenen“, die sich „verletzt“ f├╝hlen. Und behaupten, der „Vorwurf, man habe B├╝rger-Engagement nicht honoriert, gehe ins Leere.“

Sie ziehen falsche Schl├╝sse. Das Grund: Sie reden nicht mit denen, ├╝ber die Sie schreiben. Ich jedenfalls habe noch keine „Unterlegenen“ getroffen, schon gar keinen „verletzten“.

Ganz im Gegenteil habe ich sehr viele B├╝rgerInnen getroffen, die den Mut und den Charakter haben, Ihre Meinung zu ├Ąu├čern, sozialen Druck, Einsch├╝chterungen und Diffamierungen auszuhalten und trotzdem noch aufrecht durch den Ort gehen. Hinterh├Ąltige Gemeinheiten, Herr Gro├č, gab es genug, seit „Pfenning“ sich Heddesheim als neue „Heimat“ ausgesucht hat. Das w├╝ssten Sie, wenn Sie Teil von „uns“ w├Ąren. Sind Sie aber nicht.

Sie haben also etwas ganz und gar falsch verstanden, was nicht schlimm ist, das passiert Ihnen sicher ├Âfter. Zur├╝ck zum Kommentar: „Protest von B├╝rgern ernst zu nehmen, bedeutet nicht, ihm zu folgen.“ Das ist ein merkw├╝rdiger Satz. Meinen Sie wirklich, dass die Bef├╝rworter die Kritik ernst genommen haben? Dann haben Sie ein anderes Geschehen verfolgt als ich. Und auch die analytische Aussage stimmt nicht: Immer dann, wenn es eng wurde, hat der B├╝rgermeister schnell noch so getan, als w├╝rde er etwas ernst nehmen. Ob „Dialogrunde“, Verkehrslenkungsvertrag oder die Zusage von „Arbeitspl├Ątzen“.

Und wo haben Sie jemanden getroffen, der dem Beschluss die „Legitimation abspricht“? Ich kenne keinen, der das sagt. 12:9 ist 12:9. Basta.

Erstaunlich ist Ihre Aussage, dass eine Mehrheit „nicht automatisch recht“ haben muss. Aber Mehrheit ist Mehrheit oder „sollte man eine Minderheit entscheiden lassen?“, fragen Sie. Nat├╝rlich nicht, Herr Gro├č. Wie kommen Sie denn auf eine so bl├Âde Idee? Das hat nie jemand verlangt. Sondern die Minderheit hat versucht, die Mehrheit davon zu ├╝berzeugen, dass sie nicht recht hat. Das wollte die Mehrheit aber nicht einsehen. Basta.

Nebenbei bemerkt, Herr Gro├č. Was halten Sie f├╝r „gr├Â├čer“? Einer Mehrheit zu folgen, die sich durchsetzt oder einer Minderheit, die das nicht kann? Interessanter Gedanke, oder? Aber ich will Sie nicht ├╝berfordern.

Sie schreiben, dass die Ansiedlung die Verkehrsprobleme „versch├Ąrfen wird“. Da haben Sie aber nicht gut aufgepasst. Die Mehrheit aus BM Kessler und 11 R├Ąten sagt nein. Pfenning sagt nein. Ein doppeltes Verkehrsgutachten sagt nein.

Und Sie behaupten einfach so, dass das so sein wird? Und finden, dass Logistikhallen keine „Fachwerkh├Ąuschen“ sind? Respekt.

Sie ├╝berraschen mich wirklich. Anscheinend sind Sie ein eifriger Leser des heddesheimblogs, wenn Sie konstatieren, dass der B├╝rgermeister den „Protest zun├Ąchst abgetan hat“. Denn in Ihrer Zeitung konnte man davon nichts lesen. Allerdings ├╝bersehen Sie dabei schon wieder viele, viele Details – man merkt, dass Sie nicht im Thema sind. Was schlecht ist f├╝r einen Kommentar.

B├╝rgermeister Michael Kessler hat nie an seiner Haltung Zweifel gelassen und tut den Protest bis heute ab. Und wo sehen Sie, dass er „gewachsen“ ist? Etwa an seiner F├╝hrung des Gemeinderats? Dass er Mitglieder seiner „zusammengezimmerten“ Mehrheit nie unterbricht, frei schwafeln l├Ąsst und oft der Eindruck aufkommt, dass hier „Verabredungen“ herrschen?

Oder daran, dass er acht von neun „Nein-Stimmern“ (einer sagt nie was), immer wieder ├╝bers Maul f├Ąhrt, ihnen das Wort entzieht, fast jeden Wortbeitrag dieser Gruppe schon fast neurotisch mit ├Ątzenden Kommentaren versehen muss. Nennen Sie das „gewachsen“? Halten Sie das f├╝r „gro├č“?

Diese Mehrheit stand nach Ihrer Meinung „bis zuletzt, ohne jedes Wackeln.“ Herr Gro├č, woher nehmen Sie diese Kenntnis? Das Rumgeschwurbel des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Joseph Doll bezeichnen Sie als „standhaft“?

Selbst der B├╝rgermeister musste in seiner unendlichen Nachsicht auf seine „gezimmerte Mehrheit“ irgendwann den Mann ermahnen, endlich wieder zur Sache zu kommen. Aber vielleicht haben Sie das nicht geh├Ârt, weil Sie im Kopf schon Ihre Helden „gezimmert“ haben.

Auch als Augure sind Sie, Sie verzeihen das, eher mittelm├Ą├čig. Bis zur n├Ąchsten B├╝rgermeisterwahl sind es noch mehr als dreieinhalb Jahre. Schon heute stellen Sie fest, dass es einen Wahlkampf ohne Gegenkandidaten nicht mehr geben wird. Kennen Sie heute schon einen Gegenkandidaten? Ich nicht. Vermutlich vermuten Sie das.

Und wieso vermuten Sie eigentlich, dass Herr Kessler nochmal antritt? Um zu „k├Ąmpfen“, wie Sie das so sch├Ân gesagt haben? F├╝r was? Der Mann hat nach zwei Amtsperioden Anspruch auf seine vollen Rentenbez├╝ge. Und vielleicht gibt es ja ein besseres Angebot f├╝r ihn, als sich f├╝r gesch├Ątzte knappe 100.000 Euro im Jahr st├Ąndig ├Ąrgern zu m├╝ssen.

Und Sie schreiben: „Der Preis f├╝r ihn ist hoch.“ Auch das zeigt Ihre Perspektive, die leider, leider an der vieler bisheriger LeserInnen des MM vorbeigeht. Denn die f├╝hlen sich zwar nicht verletzt oder unterlegen, aber doch verkauft. W├Ąhrend Herr Kessler tats├Ąchlich seinen „Marktwert“ gesteigert haben d├╝rfte.

Wenn Sie schon vermuten, dann k├Ânnten Sie auch auf die Idee kommen, dass es Herr Kessler dank Amtsbonus mit „Ach und Krach“ nochmal schaffen k├Ânnte – um dann einem Rat mit einer ihm nicht blind folgenden Mehrheit gegen├╝ber zu sitzen. Vielleicht steht es dann 12:9 oder 11:10 – nur nicht im Sinne des B├╝rgermeisters. Und dann?

Meine Meinung ist, dass Sie sicher davon ausgehen k├Ânnen, dass Herr Kessler nicht mehr antritt. Denn so bleibt er der Gr├Âbaz (der gr├Â├čte B├╝rgermeister aller Zeiten, wie ihn einer unserer Leser im Kommentar bezeichnet hat). Ein Gr├Âbaz w├Ąre vollkommen bescheuert, wenn er sich seine Gr├Âbazigkeit durch eine Niederlage versauen w├╝rde.

Eines allerdings haben Sie ganz richtig beobachtet, Herr Gro├č: „Die Gr├Ąben bleiben.“ Aus Ihrer unkenntnisreichen Grabensicht sicherlich so lange, bis die „Gegner“ eben eingesehen haben, dass man noch mehr Verkehr f├╝r die „St├Ąrkung des Wirtschaftsstandortes Heddesheim“ in Kauf nehmen muss.

Bis man eingesehen hat, dass Billigarbeitspl├Ątze die Volkswirtschaft sch├Ądigen, was aber nicht schlimm ist, wenn man vorher durch Tod oder Aussiedlung davon nicht betroffen ist.

Bis man akzeptiert, dass die Landschaft verschandelt ist und die Nerven ob des L├Ąrms blank liegen und die Kinder leider, leider Probleme mit der feinverstaubten Lunge haben.

Bis man erkennt, dass die 12 sich leider geirrt haben, aber eine politische Mehrheitsentscheidung getroffen haben. Denn Sie k├Ânnen mit Sicherheit davon ausgehen, dass einem arbeitnehmerfremden SPD-Fraktionsvorsitzenden J├╝rgen Merx, einem Lobbyisten wie dem FDP-Chef Frank Hasselbring und einem senilen Prediger des „demographischen Wandels“ eines ganz sicher nicht gelingen wird: Die Gr├Â├če, einen gro├čen Irrtum im Rausch des Gr├Â├čenwahns eines Gr├Âbaz einzugestehen.

Mit kollegialen Gr├╝├čen
Hardy Prothmann

hardyprothmann

Der gl├Ąserne Gemeinderat: 1.200 – 2.400 – 2.600… Entscheidend ist 12:9

Guten Tag!

Heddesheim, 22. Juni 2010. Am kommenden Donnerstag, den 24. Juni 2010, wird es wieder einmal eine f├╝r Heddesheimer Verh├Ąltnisse historische Gemeinderatssitzung im Zusammenhang mit „Pfenning“ geben. Dann sollen 910 Einwendungen von rund 240 B├╝rgern im Hauruck-Verfahren entschieden werden.

Von Hardy Prothmann

Heute steht im Mannheimer Morgen ein Artikel mit der ├â┼ôberschrift: „Gr├╝ne: 14 Tage sind zu wenig Zeit„.

Diese ├â┼ôberschrift sagt zun├Ąchst einmal gar nichts aus. Im Text erfahren die LeserInnen dann, dass die Bew├Ąltigung von 1.200 Seiten Einwendungen und Stellungnahmen nicht in vierzehn Tagen zu leisten sei, um zu einer “ sachgerechten Entscheidungsfindung“ zu kommen.

Leider ist das nicht richtig.

Denn diese Seiten sind gr├Â├čtenteils „kleinkopiert“. Man kann also eher von 2.400 „echten“ Seiten sprechen, was die M├╝he nach einer „sachgerechten Entscheidungsfindung“ nochmals verdoppelt.

Pikant: Erst eine Woche sp├Ąter erhielten die Gemeinder├Ąte weitere Gutachten, auf die sich die Verwaltung aber zuvor in den Stellungnahmen zuvor schon bezogen hatte.

Wie soll man hier zu einer f├╝r das „Wohl der Gemeinde“ ordentlichen Entscheidung finden?

Insgesamt sind es gut 2.600 Seiten, die ehrenamtliche Gemeinder├Ąte nach bestem Gewissen innerhalb von vierzehn Tagen durcharbeiten sollen.

Verwaltungsexperten, Architekten, Gutachter, Juristen haben dieses Konvolut ├╝ber Monate und Wochen vorbereitet – solange sie eben brauchten. Die ehrenamtlichen Gemeinder├Ąte haben nach Vorstellung des B├╝rgermeisters Michael Kessler nur vierzehn Tage Zeit, all diese komplexen Entscheidungen nachzulesen und mit oder ohne Pr├╝fung zu einer souver├Ąnen Entscheidung zu kommen.

Halten Sie das f├╝r absurd?

Wenn ja, sind Sie nicht mit der Vorgehensweise des Herrn Kessler vertraut.

Der Heddesheimer B├╝rgermeister definiert 40 Stimmen „mehr“ bei der B├╝rgerbefragung im September 2009 zu einem „mehrheitlichen“ Wunsch zu einer Unternehmensansiedlung „Pfenning“ als Mehrheitsmeinung um.

Umgekehrt reduziert er 910 Einw├Ąnde von rund 240 B├╝rgern auf eine Sitzung, die er durchziehen will.

Wer glaubt, dass dem „B├╝rgermeister“ Kessler l├Ąngst die Ma├čst├Ąbe f├╝r ein ordentliches Verhalten abhanden gekommen sind, irrt.

Herr Kessler, zumindest muss man das vermuten, h├Ąlt sich an Recht und Gesetz.

Zwar ist ihm und seiner h├Ârigen Verwaltung ein sicherlich missliebiger „Formfehler“ unterlaufen, aber das hindert ihn nicht, die Form bis an die Grenzen der Belastbarkeit zu dehnen.

F├╝r die „Jahrhundertentscheidung“, so „Pfenning“, so „Kessler“, bleiben den ehrenamtlich t├Ątigen Gemeinder├Ąten genau vierzehn Tage Zeit, sich eine verantwortliche Haltung zu bilden.

Nicht mehr und nicht weniger.

Was die CDU, die SPD, die FDP dazu denken?

Das scheint schon bekannt zu sein, wenn man sich verwundert den Artikel im MM durchlie├čt, denn hier werden nur die Gr├╝nen, respektive der Vorstand G├╝nther Heinisch zitiert.

Die Sprachlosigkeit der CDU, der SPD und der FDP ist in diesem „Ansiedlungsprozess“ symptomatisch.

Es werden schon lange keine Argumente mehr ge├Ąu├čert.

Arbeitspl├Ątze, Gewerbesteuer, Schiene – das alles spielt keine Rolle mehr. Herr Doll, Herr Merx, Herr Hasselbring sind daf├╝r.

Wof├╝r?

F├╝r 12:9. Ohne wenn und aber.

910 Einwendungen, inhaltliche Argumente? Die erfreuliche inhaltliche Aufmerksamkeit der B├╝rgerInnen?

Deren Sorgen? Deren Gedanken? Deren N├Âte?

All das spielt keine Rolle.

Gegen diese unglaublich vielen Einw├Ąnde wird die Mehrheit der Gemeinder├Ąte der Haltung der Verwaltung folgen und die H├Ąnde zur Ablehnung heben.

Im selben Augenblick werden diese Gemeinder├Ąte aber nicht verstehen, dass sie nur eine Allianz der Ablehnung ihre B├╝rger bilden.

Eine Allianz der Zustimmung gibt es nicht.

Es gibt keine Basis von Zuschriften durch B├╝rger, die mit Argumenten und Fakten erkl├Ąren, dass sie „Pfenning“ wollen.

Dar├╝ber haben CDU, SPD und FDP niemals nachgedacht.

Es gab niemals im Prozess um die geplante „Pfenning“-Ansiedlung eine ├Âffentliche Str├Âmung, die sich hinter das „Projekt“ stellte.

Warum nicht? Weil es keinen der „Pfenning-Bef├╝rworter“ je interessierte. Hier waren die „Machtverh├Ąltnisse“ im Gemeinderat entscheidend, mehr nicht.

Hier sitzen „befangene“ Profiteure in den eigenen Reihen und werden gest├╝tzt. Hier gef├Ąllt man sich in der „Gr├Â├če“ ├╝ber eine angebliche 100-Millionen-Investition mit abstimmen zu d├╝rfen, egal, was man im einzelnen davon versteht.

Die Rechnungen sind gemacht. F├╝r Donnerstag.

Aber nicht f├╝r die Zukunft.

Das wird sich bei der n├Ąchsten Wahl bitter r├Ąchen.

„Pfenning“ wird eine Dauerbelastung f├╝r die Gemeinde werden.

Es wird die versprochenen Arbeitspl├Ątze nicht im Ansatz geben. Die Gewerbesteuerzahlungen werden gering sein oder ganz ausbleiben. Die Schiene wird, wenn ├╝berhaupt, erst in vielen Jahren kommen. Das Verkehrsproblem in Heddesheim wird zunehmen.

„Pfenning“ wird ├╝ber Jahre eine Baustelle sein und bleiben und das andere Gewerbe belasten.

Am Donnerstag darf man erwarten, dass die Mehrheiten von CDU und SPD und der nickende FPD-Vertreter Hasselbring ihre Hand heben und in keinem Punkt ernsthaft um das „Wohl der Gemeinde“ streiten werden.

Es wird eine Demonstration der Sturheit vorgef├╝hrt werden.

Anders wird man nicht bewerten k├Ânnen, dass 910 Einwendungen von 240 B├╝rgern keinen einzigen Nerv treffen, an dem es CDU, SPD oder FDP „schmerzt“.

Wenn doch, k├Ânnte es zu politischen Auseinandersetzung kommen, zur Diskussion, zum Ringen um Argumente, zur Entscheidungsfindung.

Keine Sorge. Dieses Drama bleibt Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit erspart.

12:9 wird es richten.
hardyprothmann

Der gl├Ąserne Gemeinderat: Politik ohne Anschluss = 12:9

Guten Tag!

Heddesheim, 01. M├Ąrz 2010. Die Gemeinderatssitzung am 25. Februar 2010 war keine historische. Aber sie wird im Ged├Ąchtnis bleiben. Als Demonstration der Macht ohne Anschluss an eine Politik der Verantwortung. Denn wer Antworten geben will, muss zuerst fragen.

Von Hardy Prothmann

Zahlen sind Zahlen. Zahlen sind nichts wert, bis sie eingeordnet und/oder interpretiert werden. Manchmal werden Zahlen als Datum zu historischen Begriffen. Ob „Nine-eleven“ oder der 09. November 1989. Beides sind „absolute historische Daten“: Der Angriff auf New York am 11.09.2001 und der Fall der Mauer am 09.11.1989.

Was in Heddesheim geschieht, kommt nicht ann├Ąhernd an diese beiden historischen Momente heran. Zu klein ist Heddesheim, zu unbedeutend die Ereignisse, um „historisch“ zu sein.

Was „historisch“ ist, h├Ąngt allerdings vom Blickwinkel ab. Die Unternehmensgruppe „Pfenning“ bezeichnet die geplante Ansiedlung in Heddesheim als „Jahrhundertentscheidung“. Ebenso der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler.

W├╝rde die Welt also auf Heddesheim schauen, w├╝rde es sich bei dieser Entscheidung um eine wahrhaft „historische Dimension“ handeln.

Da alles ein Frage der Definition ist, hei├čt die definitive Frage: Was ist die Welt? In diesem Fall wie in anderen F├Ąllen ist die Antwort einfach: Die Welt ist die, die die Welt betrifft, die man definieren will. In diesem Fall geht es um die Welt der Heddesheimer B├╝rgerinnen und B├╝rger.

Welches Datum als das „historische“ definiert werden wird, m├╝ssen sp├Ąter Heimathistoriker, Wirtschaftswissenschaftler, Soziologen oder schlicht die ├Âffentliche Meinung definieren. Der 04. Februar 2009, als die „Ansiedlung“ offiziell bekannt wurde. Oder der 27. September 2009, als 40 Stimmen mehr f├╝r die Ansiedlung durch den B├╝rgermeister Kessler und andere als „politischer Auftrag“ f├╝r die Ansiedlung definiert wurden.

Vielleicht wird man sich aber nicht f├╝r ein Datum, sondern f├╝r ein Verh├Ąltnis entscheiden, das die Geschichte Heddesheims pr├Ągen wird.

Das Verh├Ąltnis hei├čt: 12:9.

12:9 hat gute Chancen in Heddesheim als Synonym f├╝r Entscheidungen gebraucht zu werden – immer dann, wenn die Lage scheinbar klar ist.

Finden Sie das verwirrend? Unklar? Keine Sorge. Ich kann Ihnen erkl├Ąren, was 12:9 bedeutet.

12:9 steht f├╝r eine Entscheidung. 12:9 ist die Antwort derjenigen (12), die keine einzige Frage stellen, auf die Fragen der anderen (9).

Immer noch zu kompliziert? Keine Sorge. Zahlen bedeuten nichts. Es kommt auf die Definition an. Und die ist einfach.

Die am meisten umstrittenste Entwicklung, die die Gemeinde Heddesheim jemals in seiner Geschichte erlebt hat, wird durch den Ausdruck 12:9 benannt.

Die geplante Ansiedlung der Unternehmensgruppe Pfenning wird ausschlie├člich durch die sechs Mitglieder der Fraktion der Gr├╝nen und mich als Gemeinder├Ąte hinterfragt. Bei der SPD ├Ąu├čert sich manchmal Michael Bowien kritisch, bei der CDU Martin Kemmet eher selten, beide stimmen aber mit den Gr├╝nen und mir gegen das Projekt. Zusammen sind wir die 9.

Auf der anderen Seite stehen Gemeinder├Ąte der CDU (Dr. Joseph Doll, Dieter Kielmayer, Walter Gerwien, Ursula Brechtel, Hans Siegel, Rainer Hege), SPD (Reiner Lang, J├╝rgen Merx, Karin Hoffmeister-Bugla, J├╝rgen Habarth), FDP (Frank Hasselbring), die zusammen auf elf Stimmen kommen und der B├╝rgermeister Michael Kessler. Zusammen haben sie zw├Âlf Stimmen.

Keine dieser zw├Âlf Stimmen stellt eine Frage. Obwohl es sich um eine „Jahrhundert-Entscheidung“ handelt. Alle zw├Âlf zusammen sind aber fest entschlossen, zu wissen, was das Beste f├╝r uns alle ist.

Fragen, die die anderen stellen, werden als Angriff auf das Wohl der Gemeinde abgetan. „Weggebissen“. Der Gr├╝ne-Gemeinderat Andreas Schuster ist ehrlich erstaunt bis entsetzt, wenn er sagt: „Ich bin sehr erstaunt, dass alles, was wir fragen, dazu taugt, bei Ihnen eine Art automatischen Bei├čreflex zu erzeugen. Das kann doch nicht sein.“

Herr Schuster muss sich der Realit├Ąt beugen und sie anerkennen. Kein Argument, keine Nachfrage, kein Zweifel, keine Skepsis, kein Bem├╝hen um das „Wohl der Gemeinde“ hat einen Chance gegen die fragenlose Mehrheit der 12.

Die Gemeinschaft der „12“ hat am 25. Februar 2010 eindrucksvoll bewiesen, keine einzige Frage zu den Stellungnahmen der „Beh├Ârden und Tr├Ąger ├Âffentlicher Belange“ parat gehabt zu haben.

Die Gemeinschaft der „12“ hatte dar├╝ber hinaus ├╝berhaupt kein Verst├Ąndnis f├╝r naheliegende Fragen der „9“. Stattdessen gab es H├Ąme und Spott.

Obwohl selbst der Rechtsexperte Dr. Thomas Burmeister, engagiert im Auftrag der „12“, Einw├Ąnde der „9“ als berichtigt lobte.

Selbst das reichte nicht zur Einsicht.

Bezeichnend f├╝r die „eine Sicht“ der „12“ ist ihr demokratisches Selbstbewusstsein. Sie begreifen Demokratie als die Macht der Mehrheit, also des „12:9“.

Damit haben sie vordergr├╝ndig recht. 12 sind mehr als 9.

Demokratie ist aber mehr als eine reine Zahl – abh├Ąngig von der Definition.

Demokratie hei├čt auch, sich ├╝ber reine „Machtverh├Ąltnisse“ hinaus nach dem Sinn und Zweck der Gemeinschaft zu fragen.

Eine Demokratie, die sich einzig und allein dar├╝ber definiert, die Mehrheitsmacht zu haben, ist keine.

Eine solche Demokratie ruft zur Debatte dar├╝ber auf, ob die Mehrheit wirklich dar├╝ber bestimmen k├Ânnen sollte, was alle betrifft. Und immer dann wird die Debatte gef├Ąhrlich. Aus Sicht der „12“? Keine Einsicht. Nur eine Rottenreaktion. Genau das ist gef├Ąhrlich. Einsicht? Keine Fragen – nur zw├Âlf H├Ąnde, die hoch gehen. Manche ausdruckslos, manche entschieden, viele „siegessicher“.

Wenn die Mehrheit eine absolute Ãœberzeugung ohne Fragen auch über die eigene Position ausmacht, muss die Frage gestellt werden dürfen, ob es sich noch um eine Demokratie oder um Absolutismus handelt.

12:9 hat gute Aussichten als Absolutismus:Demokratie in die Geschichte Heddesheims einzugehen.

Als Synonym f├╝r zw├Âlf Waggons ohne Anschluss und neun Kontrolleure ohne Kontrolle.

Jede B├╝rgerin, jeder B├╝rger muss sich selbst fragen, ob sie/er lieber von fraglosen Gemeinder├Ąten vertreten wird, die behaupten, damit das Wohl der Gemeinde zu f├Ârdern oder von den anderen, die Fragen stellen.

12:9 steht f├╝r zw├Âlf Waggons auf dem Abstellgleis und neun, die auf Anschluss warten.

hardyprothmann

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist verantwortlich f├╝r das heddesheimblog.