Donnerstag, 21. September 2017

Interview mit Pfenning-Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger: Wir kommen sicher nach Heddesheim!

Uwe Nitzinger, Gesch├Ąftsf├╝hrer der KMP Holding GmbH, erkl├Ąrt im Gespr├Ąch mit dem Heddesheim-Blog, wann Pfenning nach Heddesheim kommt, was das Unternehmen dort vor hat und welche Folgen die Ansiedlung f├╝r Heddesheim haben wird.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Nitzinger, die Pfenning Gruppe will in Heddesheim 100 Millionen Euro in ein Logistik-Zentrum investieren. K├Ânnen Sie aufschl├╝sseln, aus welchen Posten diese enorme Summe besteht?
Uwe Nitzinger: Zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch zu fr├╝h, um ihre Frage detailliert zu beantworten. Unsere Planer haben nat├╝rlich zusammengerechnet, was sie an Kosten erwarten. Wie teuer oder g├╝nstig was am Ende ist, h├Ąngt von der Konjunktur, dem Einkauf der Leistungen und ├Ąhnlichem ab. 100 Millionen ist die angenommene Summe. Wenn es uns weniger kostet, sind wir nat├╝rlich damit zufrieden.

Bis 2013 soll erst die H├Ąlfte gebaut worden sein. Warum?
Ich wei├č nicht, woher Sie diese Zahl haben.

2. Bauabschnitt ab 2016

Aus der Zeitung.
Dann ist da etwas missverstanden worden. Bis 2013 wollen wir mit dem 1. Bauabschnitt fertig sein. Ein 2. Bauabschnitt auf dem Erweiterungsgel├Ąnde kann fr├╝hestens ab 2016 realisiert werden. Dieser Bauabschnitt wird auf jeden Fall nicht so gro├č ist, wie der erste.

Aber ab 2013 wird der Firmensitz von Viernheim nach Heddesheim verlegt?
Sobald wir dort unser neues Verwaltungsgeb├Ąude beziehen k├Ânnen.

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

Sie vergr├Â├čern sich auf einen Schlag ganz enorm. Bauen Sie das Gesch├Ąft mit bestehenden Kunden aus oder haben Sie neue Kunden, die ihre Kapazit├Ąten ben├Âtigen?
Wir haben ein starkes Bestandsgesch├Ąft und sind intensiv dabei, neue Kunden zu gewinnen. Unser Gesch├Ąftsmodell ist die Logistik, wir bieten Kunden Lagerfl├Ąche mit entsprechender Organisation, die Verpackung und den Transport von Waren an.

Diese Waren m├╝ssen ja irgendwie zu Ihnen kommen?
Sicher. Mit dem Lkw und zunehmend mit der Bahn. Nehmen Sie beispielsweise internationale Waschmittelhersteller, die gerade Werbung damit machen, dass sie den Transport ihrer Produkte um bis zu zwei Drittel von der Stra├če auf die Schiene bringen. Deswegen sind wir auch in Heddesheim, wegen des Gleisanschlusses.

„Wir haben zu wenig Platz“, Uwe Nitzinger

Und wegen der Fl├Ąche.
Ganz klar. Wir mussten in der Vergangenheit Auftr├Ąge absagen, weil wir zu wenig Platz hatten. Und wie oft habe ich geh├Ârt: „Ich w├╝rde euch den Auftrag geben, ihr seid daf├╝r kompetent, aber ihr habt die Kapazit├Ąt nicht.“ Kennen Sie einen Kaufmann, der gerne auf Gesch├Ąfte verzichtet? Wir verbessern in Heddesheim unsere Produktionsstrukturen und unsere Wettbewerbsf├Ąhigkeit.

Beschreiben Sie bitte, wie Sie und ihre Kunden zusammenkommen?
Oft ├╝ber Ausschreibungen. Ein Produzent, eine Handelskette hat ein Logistik-Problem und gibt die Daten in den Markt. Dann bewirbt man sich darum. Das k├Ânnen kurzfristige Aufgaben sein, wir sind nat├╝rlich an langfristigen Vertr├Ągen interessiert. Wie wir das regeln, ├╝berl├Ąsst uns der Kunde, er will sich darauf verlassen, dass seine Waren zuverl├Ąssig dahin kommen, wo er sie braucht.

Welchen Vorlauf ben├Âtigt ein langfristiges Gesch├Ąft?
Oft bis zu einem Jahr. Das f├Ąngt mit dem Regalbau an, hier haben Sie einen Vorlauf von bis zu zw├Âlf Wochen, das sind Spezialanfertigungen. Wenn das steht, muss die EDV f├╝r die Warenwirtschaft installiert werden, Sicherheitsanlagen, Bewachung f├╝r hochwertige G├╝ter. Je nach Produkt m├╝ssen gewisse Auflagen erf├╝llt und Genehmigungen erteilt werden.
Wir stehen beispielsweise gerade in Verhandlungen mit einem Lebensmittelkunden. Der braucht ab 2011 Kapazit├Ąten und ist sehr an uns interessiert.

„Privatinvestoren investieren in das Gel├Ąnde

Das Gel├Ąnde, auf dem Sie in Heddesheim bauen wollen, geh├Ârt nicht der Firma, sondern wird von der Phoenix 2010 GbR, an der Herr Karl-Martin Pfenning beteiligt ist, gekauft. Warum?
Das ist ein ganz normaler Vorgang. Privatinvestoren investieren in das Gel├Ąnde und Unternehmen mieten das dann. Das finden Sie ├╝berall.

Wird sich die Firmierung der KMP Holding GmbH ├Ąndern, beispielsweise in eine Aktiengesellschaft?
Nein. Wir bleiben eine GmbH. Die KMP Holding ist die Mutter f├╝r mehrere Unternehmen die Lagerhaltung, Kommissionierung, Transport und Verpackung von Waren sowie Mehrwertdienstleistungen betreiben.

Was sind Mehrwertdienste?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In Mannheim haben wir ein Kompetenzzentrum Stahl. Hier kaufen wir Stahl und Bleche und bearbeiten diese f├╝r einen Kunden. Wir sind dort Teil der Fertigungskette, wenn Sie so wollen „eine verl├Ąngerte Werkbank“.

Werden auf dem Gel├Ąnde in Heddesheim nur Pfenning t├Ątig sein oder auch andere Unternehmen?
Prinzipiell nur wir. Dass wir die Konkurrenz nicht aufs Gel├Ąnde lassen, werden Sie verstehen. Vorstellbar ist, dass ein Unternehmen Hallen mietet, aber selbst betreibt, beispielsweise, wenn der Umgang mit den eigenen Produkten nur durch eigene Mitarbeitern erfolgen soll.

Erl├Ąutern Sie das bitte.
Es gibt vielf├Ąltigste Anforderungen in der Logistik- branche. Wenn beispielsweise ein Pharmahersteller Waren in die USA liefert, ist er automatisch der ├Ąu├čerst strengen Kontrolle der FDA (der Lebensmittelkontrollbeh├Ârde Food and Drug Administration, Red.) unterworfen. Es k├Ânnte sein, dass diese einen l├╝ckenlosen Nachweis verlangt, dass nur das produzierende Unternehmen Kontakt zur Ware hat.

Andere Firmen auf dem Pfenning-Gel├Ąnde

Sie planen also die Vermietung?
Nein, ich habe Ihnen ein Beispiel gegeben, was vorstellbar ist, wenn wir zum Beispiel mit unserem Gesch├Ąft die Hallen tempor├Ąr nicht ausf├╝llen k├Ânnen sollten. Oder sollen wir die dann leer stehen lassen?

Sie arbeiten f├╝r mehrere Kunden. W├Ąre eine Spezialisierung nicht besser?
Auf keinen Fall. ├â┼ôberlegen Sie mal, wo wir in der momentanen Krisensituation st├╝nden, h├Ątten wir uns zum Beispiel nur auf das Automobilgesch├Ąft konzentriert? Wir haben ein Multi-User-Konzept. Fr├╝her wurden wir gefragt, was wir mit dem „Bauchladen“ wollen, heute gucken die, denen die Auftr├Ąge wegbrechen, mit Neid auf uns.

Gef├Ąhrliche G├╝ter

In ihrem „Bauchladen“ finden sich auch gef├Ąhrliche G├╝ter. Beispielsweise ist Waschpulver an sich harmlos, in einer gro├čen Menge aber nicht.
Genau. Wir haben gro├če Waschmittelmengen. Dabei unterliegen wir aber auch einer strengen Kontrolle und erf├╝llen alle notwendigen Auflagen – sonst w├╝rden wir ja unsere Existenz aufs Spiel setzen. Was wir definitiv nicht lagern werden, sind radioaktives Material und Sprengstoffe. Zum Verst├Ąndnis: Haarspray wird von vielen Menschen benutzt, typischerweise in einer Druckgasverpackung. In gro├čen Mengen ist das ein Gefahrstoff, wir wissen aber, wie wir damit umgehen, sonst bek├Ąmen wir die Auftr├Ąge nicht.

Auf welchen Zeitraum ist ihr Engagement in Heddesheim ausgelegt?
Das ist eine Generationsentscheidung. Wir investieren eine Menge Geld und werden dementsprechend lang bleiben. Au├čerdem sind wir ein Familienbetrieb. Der zieht nicht einfach weiter, wie das mit Standorten von Konzernen passiert.

Bevor Sie Heddesheim gew├Ąhlt haben, hatten Sie sich f├╝r einen Standort in Viernheim an der A6/61 interessiert. Stimmt es, dass Sie nur deswegen nicht dorthin gegangen sind, weil die Verhandlungen mit den Eigent├╝mern zu lange gedauert h├Ątten? Das ist doch mit Geld zu l├Âsen.
Nein. Das war nicht der entscheidende Grund. Sicherlich h├Ątte die Gemeinde uns unterst├╝tzen k├Ânnen. Die m├Âgliche Nutzung des Gel├Ąndes ist aber nicht so gut wie in Heddesheim, das liegt am Grundst├╝ckszuschnitt. Au├čerdem wurde uns vermittelt, dass wir uns von politischer Seite keine gro├če Hoffnung machen sollten, dass es schnell zu einem Bebauungsplan kommen k├Ânnte. Wir wollen und m├╝ssen aber expandieren und sind deshalb nach Heddesheim gegangen.

Schweigende Mehrheit

Sie gehen fest davon aus, dass Sie sich in Heddesheim ansiedeln werden?
Ja.


Uwe Nitzinger Bild:Pfenning-Gruppe

Trotz der Proteste gegen ihre Ansiedlung und der kritischen Stimmung in Heddesheim?
Die Interessengemeinschaft (IG) macht in unseren Augen ordentlich Wind, aber es gibt auch den Begriff der schweigenden Mehrheit. Ich glaube nicht, dass sich die Mehrheit der Heddesheimer von bewusst falsch verbreiteten Informationen irritieren l├Ąsst.

Sie bezeichnen die Mitglieder der IG neinzupfenning als F├Ąlscher?
Das habe ich nicht gesagt. Sie haben falsche Zahlen verbreitet und Behauptungen aufgestellt, die nicht zutreffen, wovon sich die Heddesheimer auch durch die Gutachten auf der B├╝rgerinformation ├╝berzeugen konnten.

Was steht im st├Ądtebaulichen Vertrag?

Die Zahlen stimmen nicht. Woher h├Ątte die IG aber die echten Zahlen nehmen sollen? Es wurde ja alles geheim gehalten.
Das ist so nicht richtig. B├╝rgermeister, Gemeinderat und wir haben vertraulich verhandelt. Das ist unser Recht und absolut ├╝blich, damit man im gegenseitigen Vertrauen zu einem Ergebnis kommen kann.

Ein Teil des Ergebnisses ist ein ebenfalls als vertraulich eingestufter „st├Ądtebaulicher Vertrag“. Was steht da drin?
Darin ist festgelegt, wie Gemeinde und Unternehmen das Grundst├╝ck entwickeln werden, wer welche Aufgaben und Kosten ├╝bernimmt.

Sind dort auch Vertragsstrafen definiert, falls es nicht zu einer Bebauung kommt?
Davon ist mir nichts bekannt.

„Chance genutzt“

Im Mannheimer Morgen hie├č es, Sie seien auf die Heddesheimer Gemarkung aufmerksam geworden, weil Edeka das geplante Fleischwerk nun doch nicht dort, sondern in Rheinstetten ansiedelt. Soll man das glauben, dass Sie nicht schon l├Ąnger alle geeigneten Fl├Ąchen im Blick hatten?
Die korrekte Darstellung ist: Als klar wurde, dass Edeka dieses sehr gute Gel├Ąnde doch nicht in Anspruch nimmt, hat sich f├╝r uns eine Chance ergeben. Die haben wir genutzt. Und wir schaffen Arbeitspl├Ątze.

Ist das so? Soweit ich verstanden habe, wechseln rund 400 Mitarbeiter von Viernheim nach Heddesheim, 250 weitere kommen aus der Region hinzu. Macht 650. Sie sprechen von bis zu 1000 Arbeitspl├Ątzen, davon sind je 250 Subunternehmer und Leiharbeiter, verbleiben 500. Wo sind die fehlenden 150 hin?
Es ziehen ├╝ber 500 Mitarbeiter um. Vor Ort werden neue Arbeitspl├Ątze geschaffen, weil eine Reihe von Mitarbeitern, beispielsweise im Stahl- Kompetenzzentrum nicht nach Heddesheim wechseln. Das w├Ąre Unsinn, weil die am Ort des Kunden t├Ątig sind. Deswegen ist auch die Annahme falsch, wir w├╝rden st├Ąndig Lkw von Heddesheim nach Mannheim und zur├╝ck schicken. Von Hallen, die wir nur gemietet haben, ziehen wir Mitarbeiter am neuen Standort zusammen. Wie genau die Mitarbeiterzahlen sind, werde ich Ihnen nicht sagen, weil die Konkurrenz sich daf├╝r auch interessiert.

Zum Verkehr kommen wir bitte gleich. In den Jahren 2000-2002 standen ihre Firma und Sie pers├Ânlich stark in der Kritik, wie Sie mit ihren Mitarbeitern umgehen. Auch heute noch werden Sie von der Gewerkschaft verdi ├Ąu├čerst kritisch betrachtet. Der Vorwurf lautet, ihre Leute m├╝ssten mehr f├╝r weniger Geld arbeiten und es g├Ąbe keine ├â┼ôberstundenregelungen.
Das ist Unfug und eine unversch├Ąmte Behauptung. Es trifft zu, dass wir uns nicht an die Tarifvertr├Ąge binden. Aber wir haben Boni und Pr├Ąmien und bezahlen unsere Mitarbeiter nach Leistung. Schauen Sie sich nur mal die Zahlen zu unserer Betriebszugeh├Ârigkeit an: Viele sind 10, 20, 30 Jahre im Unternehmen.

Weshalb besch├Ąftigen Sie dann im Verh├Ąltnis gesehen eine so gro├če Zahl von Leiharbeitern?
Die brauchen wir je nach Zyklus. Das sind Leiharbeiter, die wir leihen, wenn wir sie ben├Âtigen. Mit den Zeitarbeitsfirmen, die uns diese Leute stellen, arbeiten wir langfristig zusammen.

Und ihre Subunternehmer? Sind das Deutsche oder Ausl├Ąnder?
Haben Sie was gegen Ausl├Ąnder?

Absolut nicht. Die Frage zielt auf die Vertr├Ąge. Ausl├Ąndische Subunternehmer sind sicherlich g├╝nstiger als deutsche.
Dazu m├╝ssen Sie wissen, dass diese im innereurop├Ąischen Verkehr bis jetzt noch nicht fahren d├╝rfen. Viele Fahrer haben tats├Ąchlich einen Migrationshintergrund, sind aber bei den Subunternehmern angestellt, die mit uns die Vertr├Ąge haben.

Das hei├čt, nicht jeder Laster, der den Schriftzug Pfenning tr├Ągt, ist auch ein solcher?
Wir haben viele eigene Fahrzeuge und achten bei unseren Subunternehmern darauf, dass die Zugmaschinen zu uns passen. Die H├Ąnger sind meist von uns.

„Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapitel“, Uwe Nitzinger

Sie werben mit ihren Auszubildenden. Wie viele Stellen bieten Sie f├╝r welche Berufe an?
Weit ├╝ber 20. Vom Fachlageristen, ├╝ber Kaufleute f├╝r Speditions- und Logistikdienstleistungen bis hin zum BA-Studium f├╝r Logistik.

Die meisten Ausbildungspl├Ątze sind im Lagerbereich?
Ja. Da brauchen wir auch die meisten Leute.

Die man leicht ersetzen kann?
Daran ist uns ├╝berhaupt nicht gelegen. Unser gr├Â├čtes Kapital sind unsere Mitarbeiter, deswegen wollten wir auch in der Region bleiben, die gleichzeitig aber auch ein idealer Standort wegen der EU-Osterweiterung ist. Es dauert, bis ein Mitarbeiter mit den komplexen Abl├Ąufen in einem Logistik-Zentrum vertraut ist. Das ist qualifizierte Arbeit, die dort geleistet wird.

Kommen wir zum Verkehr. Sie sagen, der ├╝berwiegende Teil der Waren kommt aus und geht in die Ferne. Wie definieren Sie Ferne?
Das ist alles, was weiter als die Region ist. Beispielsweise kommt Waschmittel aus D├╝sseldorf, das dann f├╝r ein Handelslager in Offenburg weiter transportiert wird. Das wird das Hauptgesch├Ąft.

Lkw-Verkehr durch Heddesheim

Sind Sie bereit, eine Vereinbarung mit der Gemeinde zu schlie├čen, dass m├Âglichst wenig Verkehr durch Heddesheim l├Ąuft?
Dar├╝ber sind wir gerade im Gespr├Ąch. Seri├Âserweise kann ich nicht ganz ausschlie├čen, dass einige Lkws durch Heddesheim fahren. Nur nicht ann├Ąhernd in der Gr├Â├čenordnung, wie von der IG behauptet. Die wollen das einfach nicht verstehen.

Im Mannheimer Morgen zu sehen, wurde mitten in der Diskussion ein Pfenning-Laster in der Ortsmitte fotografiert├óÔéČ┬Ž
Dann schauen Sie sich den mal an: Das ist ein „City-Sattel“ gewesen. Solche Lkw werden f├╝r die Nahversorgung eingesetzt. Die Leute wollen doch auch im Laden was kaufen k├Ânnen, oder?

K├Ânnen Sie denn die Zahl von 3 Lkw pro Stunde in Spitzenzeiten ├╝ber die Ringstra├če halten, wenn die 2. Ausbaustufe fertig ist oder sind es dann doppelt so viele?
Es werden nicht doppelt so viele sein, weil sich die Bebauung und damit die gelagerten Waren nicht verdoppeln. Aber es werden mehr sein, hier auch wieder im Fernverkehr. Seri├Âs kann ich das heute noch nicht sagen, wir reden gerade vom Jahr 2016.

Pfenning-Lkw vor Edeka Tiefk├╝hl-Zentrum Bild:pro

Pfenning-Lkw vor Edeka Tiefk├╝hl-Zentrum Bild:pro

Wie steht es mit den Verhandlungen mit der Bahn? Dauern die an oder stehen Sie vor einem Abschluss?
Die sind in trockenen T├╝chern. Die Bahn hat da ganze Arbeit geleistet. Sie k├Ânnen sich vorstellen, wie kompliziert eine L├Âsung ist, wenn Sie wissen, dass immer nur kurze Zeitfenster bleiben, um die Z├╝ge auf die Strecke zu bringen, weil auf der Linie der ICE entlang rauscht. Wir werden drei Gleise haben, eins zu den Hallen, eins f├╝r die leeren Waggons und eins f├╝r die Loks zum Rangieren.

Wer bezahlt das und wie teuer ist der Bau?
Wir. Das kostet uns rund 2,5 Millionen Euro.

„Sch├Ânheit liegt im Auges des Betrachters“, Uwe Nitzinger

Zum Bau: Herr Fleckenstein hat im Mannheimer Morgen die Monstrosit├Ąt der Hallen kritisiert. Finden Sie Lagerhallen sch├Ân?
Das h├Ąngt vom Auge des Betrachters ab. Es gibt aber durchaus interessante Architekturen. Abgesehen davon findet hier ein Gesch├Ąft statt, das den Leuten Arbeit gibt. Das finde ich sch├Ân.

Man k├Ânnte ja auch K├╝nstler dran setzen, die die Hallen versch├Ânern.
Dazu gibt es Ãœberlegungen.

Zur├╝ck zum Anfang: Wer ist denn auf wen zugegangen, B├╝rgermeister Kessler auf das Unternehmen oder umgekehrt?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich das nicht mehr wei├č. Wir haben aber nach Aufnahme der Verhandlungen sp├Ąter auch den Gemeinderat bei uns gehabt, dem wir das Projekt vorgestellt und erl├Ąutert haben, dass gerade der Gleisanschluss f├╝r uns einen enormen Vorteil bietet.

Kritischer Gemeinderat?

Wurden kritische Fragen gestellt?
Selbstverst├Ąndlich haben die Gemeinder├Ąte uns Fragen gestellt, beispielsweise zur Verkehrsbelastung, das war ein zentraler Punkt.

In Heddesheim wundert man sich, dass die Gr├╝nen geschlossen zugestimmt haben. Mussten Sie bei den Gr├╝nen eine st├Ąrke ├â┼ôberzeugungsarbeit leisten als bei den anderen?
Wenn Sie mir sagen, wie man einen Gr├╝nen erkennt? Ich habe an den Fragen nicht unterscheiden k├Ânnen, wer zu welcher Partei geh├Ârt.

In Heddesheim wird mittlerweile hitzig ├╝ber das F├╝r und Wider ihrer Ansiedlung gestritten. Gab es Fehler in der Kommunikation?
Das m├╝ssen Sie die fragen, die sich so aufregen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen bei der Kommunikation. Die Stimmung ist nicht von uns aufgeheizt worden. Wir w├╝nschen uns einen konstruktiven Dialog mit den Heddesheimer B├╝rgern. Das heutige Gespr├Ąch mit Ihnen ist hierf├╝r ein Beispiel.

Dann hat der B├╝rgermeister Fehler gemacht?
Ich war noch nie B├╝rgermeister und bin in der Kommunalpolitik nicht zuhause. Das kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann aber nicht erkennen, dass der B├╝rgermeister in der Kommunikation Fehler gemacht h├Ątte.

Was hei├čt bedeutend?

Nun, dem Wortsinn nach, dass man etwas oder jemanden deutet.

Der Duden setzt „bedeutend“ mit „au├čergew├Âhnlich“ gleich und definiert:
au|├čer|ge|w├Âhn|lich : a) nicht in, von der gew├Âhnlichen, ├╝blichen Art; vom ├â┼ôblichen, Gewohnten abweichend; ungew├Âhnlich:
├é┬ę Duden – Deutsches Universalw├Ârterbuch. 4. Aufl. Mannheim 2001.

Machen Sie sich selbst ein Bild von der Bedeutung des Unternehmens pfenning logistics GmbH, der Vorg├Ąngerfirmen und der verbundenen
Unternehmen.

Anmerkung:
Sofern nicht anders gekennzeichnet finden Sie hier Datum, Schlagzeile und Unterschlagzeile sowie eine kurze Zusammenfassung von Texten aus dem Mannheimer Morgen und dessen Regionalausgaben ├╝ber Unternehmen der Pfenning-Gruppe.
Fett gedruckt sind die originalen Schlagzeilen der Zeitung. In Anf├╝hrungszeichen stehen direkte Zitate aus den Artikeln.

Wer die Originale auf der homepage des Mannheimer Morgen nachlesen will braucht eventuell einen Abonnenten-Zugang oder alternativ den Morgenweb-Schl├╝ssel aus der tagesaktuellen Ausgabe.

30. Dezember 2000
„Sylvester-Kracher“ schockt Mitarbeiter
Zum Jahreswechsel verkauft sich die Pfenning Spedition GmbH an die Profi-Log Spedition GmbH, Werftallee 13, 18119 Rostock. „Die Herren Nitzinger und Dollner sind nicht mehr Gesch├Ąftsf├╝hrer der Pfenning Spedition├óÔéČ┬Ž“ (Herr Nitzinger ist heute Gesch├Ąftsf├╝hrer von pfenning logistics, Anm. von H. Prothmann). 130 Besch├Ąftige sind betroffen, die Verwirrung ist gro├č. Nitzinger teilt mit, dass die Pfenning Spedition GmbH keine Betriebsadresse mehr in Viernheim habe, eine Betriebsversammlung sei daher „illegal“. Besch├Ąftigten, die ihre Arbeit bei der Mannheimer Niederlassung der Profi-Log antreten w├╝rden, „behalten ihre sozialen Anwartschaften“, droht er unverhohlen allen, die das nicht tun.

30. Dezember 2000
Schock-Nachricht vom Chef
Die Journalistin Ruth Weinkopf versucht verzweifelt den „bisherigen“ Firmenchef Karl-Martin Pfenning, einen seiner Gesch├Ąftsf├╝hrer oder die Firma Profi-Log in Rostock oder Mannheim telefonisch zu erreichen. Weder die Auskunft, noch andere Firmen an den neuen Standorten kennen Profi-Log oder die neu gegr├╝ndete PF United Logistics in Viernheim.

3. Januar 2001
Profi-Log legt Fehlstart hin
Verwirrspiel um ehemalige Spedition Pfenning geht weiter

Ein privater Sicherheitsdienst hindert rund 30 Besch├Ąftigte der ehemaligen Viernheimer Pfenning Spedition GmbH daran sich mit Vertretern der Gewerkschaft ├ľTV in der Kantine zu treffen.
Mitarbeiter, die in Mannheim ihre Arbeit an der neuen Betriebsstelle aufnehmen wollten, wurden wieder nach Hause geschickt. Das Arbeitsgericht Darmstadt erl├Ąsst eine einstweilige Verf├╝gung und untersagt den ehemaligen Mitarbeitern, ihre Arbeit in Mannheim aufzunehmen, bevor nicht die Verhandlungen ├╝ber einen Interessenvergleich abgeschlossen sind. Uwe Nitzinger, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Pfenning Logistik GmbH, nennt als Gr├╝nde f├╝r den Verkauf der Firma „markpolitische Aspekte“.

3. Januar 2001
Sicherheitsdienst verwehrt Besch├Ąftigten Zutritt
Gespannte Atmosph├Ąre bei ehemaliger Pfenning Spedition / Betriebsratsvorsitzender will wegen T├Ątlichkeiten Anzeige erstatten

Der Betriebsrat ruft zur Betriebsversammlung auf, die ehemalige Gesch├Ąftsf├╝hrung bezeichnet dieses Treffen per Aushang als „illegal“. Der Betriebsratsvorsitzende Hans-Dieter Mai gibt an, von Sicherheitsleuten „in den Bauch geboxt“ worden zu sein, „so dass er zu Boden ging“. Er sei ein zweites Mal geschubst worden, zu Boden gegangen und auf den Hinterkopf gefallen. „Ich habe Kopfschmerzen und ├â┼ôbelkeit“, wird Mai zitiert. Mitarbeiter durften nach eineinhalb Stunden dann doch zur Betriebsversammlung, aber nicht an ihre Arbeitspl├Ątze. ├ľTV-Sprecherin Monika Hettwer bezeichnet das Vorgehen der Firma als „sensationell“ und „menschenverachtend“.
├óÔéČ┬Ž
„Sie spielte damit auf Vorkommnisse vor knapp zehn Jahren an. Damals, im April 1991, war ein Werkstattleiter wegen eines Warnstreiks ausgerastet und hatte mit einem Truck den Tisch der Gewerkschaft niedergewalzt. ├óÔéČ┬Ž Entlassen hat die Spedition damals einen Betriebsrat├óÔéČ┬Ž Er musste sp├Ąter nach einem Beschluss des Arbeitsgerichts Darmstadt wieder eingestellt werden. Zuvor hatte ihm sein Arbeitgeber schon mehrfach – ebenfalls erfolglos – gek├╝ndigt. Der Mann ging schlie├člich von alleine.“

4. Januar 2001
Angestellten erneut Zutritt verweigert
Auch der Viernheimer B├╝rgermeister Matthias Baa├č schaltet sich nun in das „Verwirrspiel um die fr├╝here Spedition Pfenning“ ein. Er stellt den protestierenden Besch├Ąftigten einen Raum im „Forum f├╝r Senioren“ f├╝r Betriebsversammlungen zur Verf├╝gung. Der Betriebsratsvorsitzende wird mit Mitteilung von Uwe Nitzinger seiner Funktion enthoben.
B├╝rgermeister Baa├č kritisiert die Informationspolitik des Unternehmens und verlangt umfassende Aufkl├Ąrung. „Zur neugegr├╝ndeten Firma Profi-Log machte Nitzinger auch dem B├╝rgermeister gegen├╝ber keine weiteren Angaben.“ Der Zeitung erkl├Ąrt Nitzinger, „von einer Zusammenarbeit mit der in Viernheim neugegr├╝ndeten Pf united logistics GmbH, mit der der bisherige Eigent├╝mer nichts mehr zu tun habe, verspreche er sich einschneidende Verbesserungen im Dienstleistungs- und Servicebereich, man stehe vor einem „Quantensprung“ im Speditionsgesch├Ąft.“

5. Januar 2001
Politik appelliert an Spedition
„Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Meister appellierte gestern an die Unternehmensleitung: „im Sinn der der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Unternehmens der Firma Pfenning, das Verwirrspiel der vergangenen Tage zu beenden.““
„Der Bundestagsabgeordnete respektiert „die Freiheit unternehmerischer Entscheidungen, die im Rahmen der geltenden rechtlichen Bestimmungen erfolgen. Aber das Wohl des Unternehmens und das Wohl der Arbeitnehmer sind keine Gegens├Ątze, sie bedingen einander.“
„Der Fraktions- und Parteivorsitzende der Viernheimer CDU, Martin Ringhof, erinnerte daran, dass das deutsche Wirtschaftssystem auf dem der sozialen Marktwirtschaft beruhe. Das Verhalten der Arbeitgeber (Pfenning, Anm. H. Prothmann) vertrage sich weder hiermit noch mit den Grunds├Ątzen einer christdemokratischen Wirtschaftspolitik.“
Die Gr├╝nen kritisieren die „Wildwest-Manieren“ der Spedition.

9. Januar 2001
Unternehmerische Willk├╝r
„Mit Sorge beobachten die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) die wachsende Tendenz, wie sich gewisse Kreise versuchen unter strenger Wahrung ihrer Eigeninteressen und der Missachtung der Rechte anderer aus ihren Pflichten zu stehlen. Ein solch gravierendes Beispiel unternehmerischer Willk├╝r liefert derzeit die Gesch├Ąftsleitung der Spedition Pfenning in Viernheim.“
Hans Winkler, 1. Vorsitzender KAB

12. Januar 2001
Termin vor Arbeitsgericht geplatzt
Pfenning Gesch├Ąftsf├╝hrung ignoriert Vorladung

„Die Vorg├Ąnge um die Pfenning Spedition GmbH, Viernheim, nehmen immer groteskere Z├╝ge an. Zu einer Verhandlung, die f├╝r gestern vor dem Arbeitsgericht Darmstadt anberaumt war, erschien kein Vertreter der Gesch├Ąftsf├╝hrung. Begr├╝ndung: Man sein nicht zust├Ąndig, das Unternehmen verkauft.“
„Weiterhin nebul├Âs bleibt die Firma Profi-Log Spedition GmbH, an die die Pfenning Spedition GmbH nach Angaben der Gesch├Ąftsf├╝hrung verkauft worden sein soll.“
„Das Gremium (├ľTV, Anm. Hardy Prothmann) fordert die Verantwortlichen in einem Schreiben auf, bei einer Betriebsversammlung am kommenden Montag endlich Klarheit ├╝ber die Eigentumsverh├Ąltnisse zu schaffen.“

13. Januar 2001
Pfenning meldet sich zu Wort
Speditionschef macht Gewerkschaft f├╝r Unruhe verantwortlich

„Pfenning gibt nur einen Fehler zu: Der Sicherheitsdienst h├Ątte dem Betriebsratsvorsitzenden ├óÔéČ┬Ž nicht den Zutritt zum Betrieb verbieten d├╝rfen. Die Bewachung├óÔéČ┬Žbegr├╝ndet Pfenning mit versicherungsrechtlichen Anforderungen.“
„Scharfe Angriffe richtet der Firmenchef gegen die ├ľTV-Gewerkschaftssekret├Ąrin Monika Hettwer: „Sie versteht es meisterlich, das Feuer zu sch├╝ren“, so Pfenning. ├óÔéČ┬Ž Hettwer l├Ąsst dieser Angriff kalt: „Es ist meine Aufgabe, Missst├Ąnde zu bek├Ąmpfen, das tue ich.“

16. Januar 2001
Trauerspiel
Unser Redaktionsmitglied Dirk Pohlmann kommentiert den Fall Pfenning Spedition
„Pfenning Holding, Pfenning, Logistik, Pfenning Spedition, Log-Sped, Profi-Log, Profi-Consult, PF United Logistics: Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollst├Ąndigkeit und ist dennoch bereits un├╝bersichtlich.“

16. Januar 2001
Jetzt will der Landrat vermittelnd eingreifen
Streit um en Verkauf der Pfenning Spedition GmbH geht weiter / Wieder Solidarit├Ątsbekundungen in der Lilienstra├če

„Mir gehtÔÇÖs um Transparenz und darum, die Firmenpolitik offen zu legen“, betonten Hofmann (der Landrat, Anm. Hardy Prothmann). „Es muss Klarheit ├╝ber den k├╝nftigen Status herrschen. Schlie├člich m├╝ssen die betroffenen Arbeitnehmer ihre Familien ern├Ąhren.“
├óÔéČ┬Ž
„Die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht berichtete von eigenen Recherchen in Rostock. Dort sei die Firma Profi-Log weder im Handelsregister eingetragen noch sei sie dem Speditionsfachverband oder der IHK bekannt.“

16. Januar 2001
Keine Bewegung im Streit um Pfenning
Gesch├Ąftsf├╝hrungen und Gewerkschaft bleiben unvers├Âhnlich / Politik gibt Vermittlung auf

„Die Positionen im Streit um die Viernheimer Pfenning-Gruppe bleiben unver├Ąndert, einen Einigung scheint weiter entfernt denn je.“

23. Februar 2001
Pfenning-Fahrer geh├Âren zur PF
Arbeitsgericht Darmstadt gibt Gewerkschaft Recht

„Das Darmst├Ądter Arbeitsgericht hat ein Machtwort gesprochen: Die Arbeitnehmer der fr├╝heren Pfenning Spedition GmbH haben einen Besch├Ąftigungsanspruch gegen die Firma PF United Logistics Spedition GmbH. Es liegt ein Betriebs├╝bergang von der Pfenning Spedition auf die PF United vor.“

23. November 2001
Paukenschlag bei Pfenning
Pf United Logistics stellt Antrag auf Insolvenzverfahren

„Genau ein Jahr nach der Aff├Ąre um den Verkauf der Pfenning Spedition GmbH gibt es in der Viernheimer Logistik-Gruppe einen neuen Paukenschlag: Die pf United Logistics GmbH hat gestern einen Antrag auf Er├Âffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Betroffen sind nach Angaben des Unternehmens 53 Arbeitnehmer.“
├óÔéČ┬Ž
„Die pf United begr├╝ndete gestern ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit Kundenverlusten auf Grund der „spektakul├Ąren Aktionen der ├ľTV und des Betriebsrates“.

23. Juni 2006
Meterhohe Flammen schie├čen aus der Lagerhalle
Gro├čbrand auf dem Gel├Ąnde der Spedition Pfenning / Millionenschaden, aber keine Verletzten / Brandursache unklar

„Mit einem Inferno aus Rauch und Flammen k├Ąmpfte die Feuerwehr in der Nacht zum Freitag: Bis zu 25 Meter hoch schossen die Stichflammen aus einer Lagerhalle in Viernheim. Sie wurden durch den Brand v├Âllig zerst├Ârt.“
├óÔéČ┬Ž
„Zeitweise drohte das Feuer auch auf zwei Tanks mit Fl├╝ssiggas und auf ein benachbartes Unternehmen ├╝berzugreifen, das Aluminium und Altpapier gelagert hat. Das konnten knapp hundert Einsatzkr├Ąfte aber verhindern. Als besonders kritisch beschreiben Einsatzkr├Ąfte den Augenblick, als sich kurz dach ihrem Eintreffen gro├če Mengen brennbarer Stoffe durch Sauerstoffzufuhr auf einen Schlag entz├╝ndeten.“

17. November 2007
Umstieg von Zug auf LKW
„Der Streik der Lokomotivf├╝hrer trifft nicht nur Urlaubsreisende und Berufspendler, der nach und nach eskalierende Ausstand beschert auch den Spediteuren jede Menge Mehrarbeit. Der Frachtverkehr verlagert sich zunehmend von der Schiene auf die Stra├če├óÔéČ┬Ž“
„Betroffen ist auch die Viernheimer Spedition Pfenning Logistics, die Waren eines Hauptkunden (Henkel, Anm. Hardy Prothmann) normalerweise per Zug geliefert bekommt. „Da das derzeit nicht m├Âglich ist, wurde der gesamte Transport auf LKW umgestellt, so Sprecherin P├ęlagie Mepin.“

Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim?

Das Unternehmen pfenning logistics GmbH will ab 2010 mit dem Bau von Hallen n├Ârdlich der Benzstra├če beginnen und dort ein riesiges Logistik-Zentrum errichten. 2013 soll der Firmensitz vom hessischen Viernheim ins badische Heddesheim wechseln.

Geplant ist die Bebauung eines Areals n├Ârdlich der Benzstra├če in einer Gr├Â├če von 200.000 Quadratmetern. Ein zweiter Bauabschnitt k├Ânnte nochmals so gro├č werden, also insgesamt gut 400.000 Quadratmeter umfassen.

Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler freut sich Anfang Februar 2009: „Sie sehen einen insgesamt rundum gl├╝cklichen B├╝rgermeister“, zitiert ihn der Mannheimer Morgen. Und: „Wir sind stolz, so ein gro├čes und bedeutendes mittelst├Ąndisches Familienunternehmen f├╝r Heddesheim gewonnen zu haben.“ (Was „bedeutendes“ Unternehmen meint, l├Ąsst sich eindrucksvoll unter Was hei├čt bedeutend? nachlesen.)

Der Gemeinderat hatte das Projekt zuvor am 22. Januar einstimmig abgesegnet. Der Beschluss allerdings wurde in einer nicht-├Âffentlichen Sitzung gefasst, die Heddesheimer B├╝rgerinnen und B├╝rger erfahren von dem Projekt aus der Presse.

Frohe Botschaft?

Die Botschaft lautet: Heddesheim bekomme auf einen Schlag bis zu 1000 neue Arbeitspl├Ątze, Heddesheim k├Ânne stolz sein auf diese Akquisition, die kleine Gemeinde werde ein bedeutender Standort, die wirtschaftliche Entwicklung der Kommune werde gef├Ârdert. Heddesheim komme mitten in der Krise voran.

Kurze Zeit darauf zeigt sich aber, dass B├╝rgermeister und Gemeinderat ihre Rechnung nicht mit den B├╝rgern gemacht haben.

Was bedeutet das f├╝r uns?

Denn die haben Sorgen. „Was bedeutet das f├╝r uns?“, ist die Kernfrage. Die meisten meinen den Verkehr, viele die Gef├Ąhrdung durch den Verkehr, ebenfalls viele die Umweltbelastung durch Feinstaub, L├Ąrm und versiegelte Fl├Ąchen, manche Eigent├╝mer f├╝rchten einen Wertverlust ihrer Wohnungen, H├Ąuser, Grundst├╝cke.

Wer bis dato noch keine Meinung hatte, findet Anfang April ein „Flugblatt“ mit diesen Fragen in seinem Briefkasten.

Und pl├Âtzlich sind sehr viele Heddesheimer nachdenklich geworden, manche sind gar sauer auf ihren B├╝rgermeister und den Gemeinderat.

Denn sie f├╝hlen sich ├╝bergangen. (siehe einen Leserbrief aus dem Mannheimer Morgen).

Sie haben das Gef├╝hl, dass das Schicksal Heddesheims und damit ihr eigenes ├╝ber ihre K├Âpfe hinweg entschieden wird. Mit ungewissem Ausgang.

B├╝rgerbeteiligung als Farce

Sie f├╝hlen sich verraten, weil die „B├╝rgerbeteiligung“, bei der das Projekt vorgestellt wird, zur Farce wird. B├╝rger, die sich beteiligen, also ihre Ansichten ├Ąu├čern und Fragen stellen, bekommen von einem sichtlich mehr und mehr genervten B├╝rgermeister nur die Auskunft, dass kritische Fragen eines Flugblatts unwahre Behauptungen aufstellten und die Fakten nicht kennten und pfenning logistics nach Heddesheim kommen wird.

Manch einer der Fragesteller wird an diesem Abend von einem selbstgef├Ąlligen SWR-Moderator abgemeiert, der Stimmqualit├Ąt oder Ausdruck der fragenden B├╝rger bem├Ąngelt und dabei selbst wegen fortw├Ąhrenden Nuschelns oft schlecht zu verstehen ist. Der Moderator l├Ą├čt gar einem Redner gleich mehrfach das Mikrofon abdrehen. Nur die Buh-Rufe der versammelten B├╝rger bringen ihn zur Einsicht.

Und viele sind fassungslos, als Uwe Nitzinger, Gesch├Ąftsf├╝hrer des Unternehmens pfenning logistics, auf die Frage nach Gefahrstoffen wie beispielsweise Trennmitteln die Sachlage so erkl├Ąrt: Ja, Trennmittel lagere man auch, aber die seinen in der Industrie eben so notwendig wie das Fett, mit der die Hausfrau die Backform einstreicht, damit der Kuchen nicht haften bleibt.

Sind 100 Millionen Euro mehr wert als kritische Fragen?

Und viele der anwesenden B├╝rger f├╝hlen sich verkauft angesichts der Zahlen. 100 Millionen Euro will das Unternehmen pfenning logistics in den neuen Standort investieren.

100 Millionen Euro sind viel mehr als ein paar kritische Stimmen, denken sich viele und kapitulieren schon fast innerlich angesichts eines B├╝rgermeisters und eines Gemeinderats, die klar gemacht haben, was sie wollen.
„Was k├Ânnen wir dagegen schon machen?“, wird nach der Veranstaltung gefragt.

Widerstand leistet eine Interessengemeinschaft „Nein-zu-Pfenning“. Die Motive der Menschen, die sich gegen das Pfenning-Projekt wehren wollen, sind unterschiedlich. Angst vor dem Verkehr, Sorge um den L├Ąrm und die Umwelt sowie Verlust an Lebensqualit├Ąt in der Gemeinde waren anfangs die wichtigsten Gr├╝nde.

Die Initiatoren der Interessengemeinschaft haben nachvollziehbare Gr├╝nde f├╝r ihre Ablehnung. Einige sind Gewerbetreibende, die selbst im bereits bestehenden Gewerbegebiet gegen├╝ber dem geplanten Logistik-Standort wohnen und ganz egoistisch um ihre Wohn- und Lebensqualit├Ąt bei bis zu 1000 LKW-Fahrten in Spitzenzeiten pro Tag bangen – und dass nur in der ersten Ausbaustufe.
Andere sind Anwohner der Ringstra├če. Ihr Motiv ist im wesentlichen dasselbe wie auch das anderer Heddesheimer, die an den Achsen durch Heddesheim leben, also Viernheimer Stra├če, Unter- und Oberdorfstra├če, Muckensturmer Stra├če, Werderstra├če, Schaafeckstra├če und Gro├čsachsener Stra├če.

Sorgen und Frust

Aber ├╝berraschend viele B├╝rger, die dem Pfenning-Projekt skeptisch gegen├╝ber stehen, sind nicht direkt betroffen, sondern f├╝hlen mit, machen sich f├╝r andere Sorgen, denken an die Kinder, an die Alten, an die Umwelt und an die Gemeinde an sich.

Und sind erbost ├╝ber den Auftritt ihres B├╝rgermeisters und entt├Ąuscht ├╝ber die unkritischen Gemeinder├Ąte, die ihre Fragen nicht gestellt und in nicht-├Âffentlicher Sitzung f├╝r dieses Projekt gestimmt haben.

Bis heute fehlt von Seiten der Fraktionen „CDU“, „SPD“, „FDP“und „B├╝ndnis90/Gr├╝ne“ jede offizielle Stellungnahme zum Pfenning-Projekt. Ebenso wie auf der homepage der Gemeinde Heddesheim.

„Warum?“, fragen sich viele. Diese Nicht-Informationspolitik sch├╝rt die Bef├╝rchtungen, dass l├Ąngst nicht alle „Fakten“, au├čer dass Pfenning kommt, auf dem Tisch liegen. „Was wird uns verheimlicht?“, ist eine g├Ąngige Frage.

Als Grund f├╝r die Geheimhaltung nennt B├╝rgermeister Kessler die „selbstverst├Ąndlich“ zu sch├╝tzenden „Interessen“ des Investors. Dass auch seine B├╝rger Interessen haben, die es zu sch├╝tzen gilt und dass dies f├╝r einen B├╝rgermeister „selbstverst├Ąndlich“ sein sollte, f├Ąllt ihm nicht ein. Soviel B├╝rgerferne war selten.

„Nach der B├╝rgerbeteiligung“, die nach Ansicht der Mehrheit der anwesenden B├╝rger keine war, ist f├╝r diese nun „vor der B├╝rgerbeteiligung“ geworden. Sie wollen mitreden, zumindest Fragen stellen k├Ânnen und daf├╝r verst├Ąndliche Antworten erhalten.

Das versucht auch dieses Blog.

Eine Gemeinde ist so lebendig wie ihre B├╝rger. Sie braucht weder vertrauensselige Ja-Sager, noch notorische Nein-Sager. Sie braucht aktive B├╝rger, die sich f├╝r das eigene Wohl und das ihrer Mitb├╝rger interessieren.

Lesen Sie mit. Schreiben Sie mit. Diskutieren Sie mit. Denken Sie nach. Bringen Sie sich ein.

Sie sind herzlich eingeladen!

Ihr heddesheimblog

P.S.: Am 7. Juni 2009 ist Gemeinderatswahl. Gehen Sie hin oder w├Ąhlen Sie per Briefwahl.

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