Mittwoch, 20. Juni 2018

Interview mit Pfenning-Gesch√§ftsf√ľhrer Uwe Nitzinger: Wir kommen sicher nach Heddesheim!

Uwe Nitzinger, Gesch√§ftsf√ľhrer der KMP Holding GmbH, erkl√§rt im Gespr√§ch mit dem Heddesheim-Blog, wann Pfenning nach Heddesheim kommt, was das Unternehmen dort vor hat und welche Folgen die Ansiedlung f√ľr Heddesheim haben wird.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Nitzinger, die Pfenning Gruppe will in Heddesheim 100 Millionen Euro in ein Logistik-Zentrum investieren. K√∂nnen Sie aufschl√ľsseln, aus welchen Posten diese enorme Summe besteht?
Uwe Nitzinger: Zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch zu fr√ľh, um ihre Frage detailliert zu beantworten. Unsere Planer haben nat√ľrlich zusammengerechnet, was sie an Kosten erwarten. Wie teuer oder g√ľnstig was am Ende ist, h√§ngt von der Konjunktur, dem Einkauf der Leistungen und √§hnlichem ab. 100 Millionen ist die angenommene Summe. Wenn es uns weniger kostet, sind wir nat√ľrlich damit zufrieden.

Bis 2013 soll erst die Hälfte gebaut worden sein. Warum?
Ich weiß nicht, woher Sie diese Zahl haben.

2. Bauabschnitt ab 2016

Aus der Zeitung.
Dann ist da etwas missverstanden worden. Bis 2013 wollen wir mit dem 1. Bauabschnitt fertig sein. Ein 2. Bauabschnitt auf dem Erweiterungsgel√§nde kann fr√ľhestens ab 2016 realisiert werden. Dieser Bauabschnitt wird auf jeden Fall nicht so gro√ü ist, wie der erste.

Aber ab 2013 wird der Firmensitz von Viernheim nach Heddesheim verlegt?
Sobald wir dort unser neues Verwaltungsgebäude beziehen können.

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

Sie vergrößern sich auf einen Schlag ganz enorm. Bauen Sie das Geschäft mit bestehenden Kunden aus oder haben Sie neue Kunden, die ihre Kapazitäten benötigen?
Wir haben ein starkes Bestandsgeschäft und sind intensiv dabei, neue Kunden zu gewinnen. Unser Geschäftsmodell ist die Logistik, wir bieten Kunden Lagerfläche mit entsprechender Organisation, die Verpackung und den Transport von Waren an.

Diese Waren m√ľssen ja irgendwie zu Ihnen kommen?
Sicher. Mit dem Lkw und zunehmend mit der Bahn. Nehmen Sie beispielsweise internationale Waschmittelhersteller, die gerade Werbung damit machen, dass sie den Transport ihrer Produkte um bis zu zwei Drittel von der Straße auf die Schiene bringen. Deswegen sind wir auch in Heddesheim, wegen des Gleisanschlusses.

„Wir haben zu wenig Platz“, Uwe Nitzinger

Und wegen der Fläche.
Ganz klar. Wir mussten in der Vergangenheit Auftr√§ge absagen, weil wir zu wenig Platz hatten. Und wie oft habe ich geh√∂rt: „Ich w√ľrde euch den Auftrag geben, ihr seid daf√ľr kompetent, aber ihr habt die Kapazit√§t nicht.“ Kennen Sie einen Kaufmann, der gerne auf Gesch√§fte verzichtet? Wir verbessern in Heddesheim unsere Produktionsstrukturen und unsere Wettbewerbsf√§higkeit.

Beschreiben Sie bitte, wie Sie und ihre Kunden zusammenkommen?
Oft √ľber Ausschreibungen. Ein Produzent, eine Handelskette hat ein Logistik-Problem und gibt die Daten in den Markt. Dann bewirbt man sich darum. Das k√∂nnen kurzfristige Aufgaben sein, wir sind nat√ľrlich an langfristigen Vertr√§gen interessiert. Wie wir das regeln, √ľberl√§sst uns der Kunde, er will sich darauf verlassen, dass seine Waren zuverl√§ssig dahin kommen, wo er sie braucht.

Welchen Vorlauf benötigt ein langfristiges Geschäft?
Oft bis zu einem Jahr. Das f√§ngt mit dem Regalbau an, hier haben Sie einen Vorlauf von bis zu zw√∂lf Wochen, das sind Spezialanfertigungen. Wenn das steht, muss die EDV f√ľr die Warenwirtschaft installiert werden, Sicherheitsanlagen, Bewachung f√ľr hochwertige G√ľter. Je nach Produkt m√ľssen gewisse Auflagen erf√ľllt und Genehmigungen erteilt werden.
Wir stehen beispielsweise gerade in Verhandlungen mit einem Lebensmittelkunden. Der braucht ab 2011 Kapazitäten und ist sehr an uns interessiert.

„Privatinvestoren investieren in das Gel√§nde

Das Gelände, auf dem Sie in Heddesheim bauen wollen, gehört nicht der Firma, sondern wird von der Phoenix 2010 GbR, an der Herr Karl-Martin Pfenning beteiligt ist, gekauft. Warum?
Das ist ein ganz normaler Vorgang. Privatinvestoren investieren in das Gel√§nde und Unternehmen mieten das dann. Das finden Sie √ľberall.

Wird sich die Firmierung der KMP Holding GmbH ändern, beispielsweise in eine Aktiengesellschaft?
Nein. Wir bleiben eine GmbH. Die KMP Holding ist die Mutter f√ľr mehrere Unternehmen die Lagerhaltung, Kommissionierung, Transport und Verpackung von Waren sowie Mehrwertdienstleistungen betreiben.

Was sind Mehrwertdienste?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In Mannheim haben wir ein Kompetenzzentrum Stahl. Hier kaufen wir Stahl und Bleche und bearbeiten diese f√ľr einen Kunden. Wir sind dort Teil der Fertigungskette, wenn Sie so wollen „eine verl√§ngerte Werkbank“.

Werden auf dem Gelände in Heddesheim nur Pfenning tätig sein oder auch andere Unternehmen?
Prinzipiell nur wir. Dass wir die Konkurrenz nicht aufs Gelände lassen, werden Sie verstehen. Vorstellbar ist, dass ein Unternehmen Hallen mietet, aber selbst betreibt, beispielsweise, wenn der Umgang mit den eigenen Produkten nur durch eigene Mitarbeitern erfolgen soll.

Erläutern Sie das bitte.
Es gibt vielf√§ltigste Anforderungen in der Logistik- branche. Wenn beispielsweise ein Pharmahersteller Waren in die USA liefert, ist er automatisch der √§u√üerst strengen Kontrolle der FDA (der Lebensmittelkontrollbeh√∂rde Food and Drug Administration, Red.) unterworfen. Es k√∂nnte sein, dass diese einen l√ľckenlosen Nachweis verlangt, dass nur das produzierende Unternehmen Kontakt zur Ware hat.

Andere Firmen auf dem Pfenning-Gelände

Sie planen also die Vermietung?
Nein, ich habe Ihnen ein Beispiel gegeben, was vorstellbar ist, wenn wir zum Beispiel mit unserem Gesch√§ft die Hallen tempor√§r nicht ausf√ľllen k√∂nnen sollten. Oder sollen wir die dann leer stehen lassen?

Sie arbeiten f√ľr mehrere Kunden. W√§re eine Spezialisierung nicht besser?
Auf keinen Fall. √ÉŇďberlegen Sie mal, wo wir in der momentanen Krisensituation st√ľnden, h√§tten wir uns zum Beispiel nur auf das Automobilgesch√§ft konzentriert? Wir haben ein Multi-User-Konzept. Fr√ľher wurden wir gefragt, was wir mit dem „Bauchladen“ wollen, heute gucken die, denen die Auftr√§ge wegbrechen, mit Neid auf uns.

Gef√§hrliche G√ľter

In ihrem „Bauchladen“ finden sich auch gef√§hrliche G√ľter. Beispielsweise ist Waschpulver an sich harmlos, in einer gro√üen Menge aber nicht.
Genau. Wir haben gro√üe Waschmittelmengen. Dabei unterliegen wir aber auch einer strengen Kontrolle und erf√ľllen alle notwendigen Auflagen – sonst w√ľrden wir ja unsere Existenz aufs Spiel setzen. Was wir definitiv nicht lagern werden, sind radioaktives Material und Sprengstoffe. Zum Verst√§ndnis: Haarspray wird von vielen Menschen benutzt, typischerweise in einer Druckgasverpackung. In gro√üen Mengen ist das ein Gefahrstoff, wir wissen aber, wie wir damit umgehen, sonst bek√§men wir die Auftr√§ge nicht.

Auf welchen Zeitraum ist ihr Engagement in Heddesheim ausgelegt?
Das ist eine Generationsentscheidung. Wir investieren eine Menge Geld und werden dementsprechend lang bleiben. Außerdem sind wir ein Familienbetrieb. Der zieht nicht einfach weiter, wie das mit Standorten von Konzernen passiert.

Bevor Sie Heddesheim gew√§hlt haben, hatten Sie sich f√ľr einen Standort in Viernheim an der A6/61 interessiert. Stimmt es, dass Sie nur deswegen nicht dorthin gegangen sind, weil die Verhandlungen mit den Eigent√ľmern zu lange gedauert h√§tten? Das ist doch mit Geld zu l√∂sen.
Nein. Das war nicht der entscheidende Grund. Sicherlich h√§tte die Gemeinde uns unterst√ľtzen k√∂nnen. Die m√∂gliche Nutzung des Gel√§ndes ist aber nicht so gut wie in Heddesheim, das liegt am Grundst√ľckszuschnitt. Au√üerdem wurde uns vermittelt, dass wir uns von politischer Seite keine gro√üe Hoffnung machen sollten, dass es schnell zu einem Bebauungsplan kommen k√∂nnte. Wir wollen und m√ľssen aber expandieren und sind deshalb nach Heddesheim gegangen.

Schweigende Mehrheit

Sie gehen fest davon aus, dass Sie sich in Heddesheim ansiedeln werden?
Ja.


Uwe Nitzinger Bild:Pfenning-Gruppe

Trotz der Proteste gegen ihre Ansiedlung und der kritischen Stimmung in Heddesheim?
Die Interessengemeinschaft (IG) macht in unseren Augen ordentlich Wind, aber es gibt auch den Begriff der schweigenden Mehrheit. Ich glaube nicht, dass sich die Mehrheit der Heddesheimer von bewusst falsch verbreiteten Informationen irritieren lässt.

Sie bezeichnen die Mitglieder der IG neinzupfenning als Fälscher?
Das habe ich nicht gesagt. Sie haben falsche Zahlen verbreitet und Behauptungen aufgestellt, die nicht zutreffen, wovon sich die Heddesheimer auch durch die Gutachten auf der B√ľrgerinformation √ľberzeugen konnten.

Was steht im städtebaulichen Vertrag?

Die Zahlen stimmen nicht. Woher hätte die IG aber die echten Zahlen nehmen sollen? Es wurde ja alles geheim gehalten.
Das ist so nicht richtig. B√ľrgermeister, Gemeinderat und wir haben vertraulich verhandelt. Das ist unser Recht und absolut √ľblich, damit man im gegenseitigen Vertrauen zu einem Ergebnis kommen kann.

Ein Teil des Ergebnisses ist ein ebenfalls als vertraulich eingestufter „st√§dtebaulicher Vertrag“. Was steht da drin?
Darin ist festgelegt, wie Gemeinde und Unternehmen das Grundst√ľck entwickeln werden, wer welche Aufgaben und Kosten √ľbernimmt.

Sind dort auch Vertragsstrafen definiert, falls es nicht zu einer Bebauung kommt?
Davon ist mir nichts bekannt.

„Chance genutzt“

Im Mannheimer Morgen hieß es, Sie seien auf die Heddesheimer Gemarkung aufmerksam geworden, weil Edeka das geplante Fleischwerk nun doch nicht dort, sondern in Rheinstetten ansiedelt. Soll man das glauben, dass Sie nicht schon länger alle geeigneten Flächen im Blick hatten?
Die korrekte Darstellung ist: Als klar wurde, dass Edeka dieses sehr gute Gel√§nde doch nicht in Anspruch nimmt, hat sich f√ľr uns eine Chance ergeben. Die haben wir genutzt. Und wir schaffen Arbeitspl√§tze.

Ist das so? Soweit ich verstanden habe, wechseln rund 400 Mitarbeiter von Viernheim nach Heddesheim, 250 weitere kommen aus der Region hinzu. Macht 650. Sie sprechen von bis zu 1000 Arbeitsplätzen, davon sind je 250 Subunternehmer und Leiharbeiter, verbleiben 500. Wo sind die fehlenden 150 hin?
Es ziehen √ľber 500 Mitarbeiter um. Vor Ort werden neue Arbeitspl√§tze geschaffen, weil eine Reihe von Mitarbeitern, beispielsweise im Stahl- Kompetenzzentrum nicht nach Heddesheim wechseln. Das w√§re Unsinn, weil die am Ort des Kunden t√§tig sind. Deswegen ist auch die Annahme falsch, wir w√ľrden st√§ndig Lkw von Heddesheim nach Mannheim und zur√ľck schicken. Von Hallen, die wir nur gemietet haben, ziehen wir Mitarbeiter am neuen Standort zusammen. Wie genau die Mitarbeiterzahlen sind, werde ich Ihnen nicht sagen, weil die Konkurrenz sich daf√ľr auch interessiert.

Zum Verkehr kommen wir bitte gleich. In den Jahren 2000-2002 standen ihre Firma und Sie pers√∂nlich stark in der Kritik, wie Sie mit ihren Mitarbeitern umgehen. Auch heute noch werden Sie von der Gewerkschaft verdi √§u√üerst kritisch betrachtet. Der Vorwurf lautet, ihre Leute m√ľssten mehr f√ľr weniger Geld arbeiten und es g√§be keine √ÉŇďberstundenregelungen.
Das ist Unfug und eine unverschämte Behauptung. Es trifft zu, dass wir uns nicht an die Tarifverträge binden. Aber wir haben Boni und Prämien und bezahlen unsere Mitarbeiter nach Leistung. Schauen Sie sich nur mal die Zahlen zu unserer Betriebszugehörigkeit an: Viele sind 10, 20, 30 Jahre im Unternehmen.

Weshalb beschäftigen Sie dann im Verhältnis gesehen eine so große Zahl von Leiharbeitern?
Die brauchen wir je nach Zyklus. Das sind Leiharbeiter, die wir leihen, wenn wir sie benötigen. Mit den Zeitarbeitsfirmen, die uns diese Leute stellen, arbeiten wir langfristig zusammen.

Und ihre Subunternehmer? Sind das Deutsche oder Ausländer?
Haben Sie was gegen Ausländer?

Absolut nicht. Die Frage zielt auf die Vertr√§ge. Ausl√§ndische Subunternehmer sind sicherlich g√ľnstiger als deutsche.
Dazu m√ľssen Sie wissen, dass diese im innereurop√§ischen Verkehr bis jetzt noch nicht fahren d√ľrfen. Viele Fahrer haben tats√§chlich einen Migrationshintergrund, sind aber bei den Subunternehmern angestellt, die mit uns die Vertr√§ge haben.

Das heißt, nicht jeder Laster, der den Schriftzug Pfenning trägt, ist auch ein solcher?
Wir haben viele eigene Fahrzeuge und achten bei unseren Subunternehmern darauf, dass die Zugmaschinen zu uns passen. Die Hänger sind meist von uns.

„Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapitel“, Uwe Nitzinger

Sie werben mit ihren Auszubildenden. Wie viele Stellen bieten Sie f√ľr welche Berufe an?
Weit √ľber 20. Vom Fachlageristen, √ľber Kaufleute f√ľr Speditions- und Logistikdienstleistungen bis hin zum BA-Studium f√ľr Logistik.

Die meisten Ausbildungsplätze sind im Lagerbereich?
Ja. Da brauchen wir auch die meisten Leute.

Die man leicht ersetzen kann?
Daran ist uns √ľberhaupt nicht gelegen. Unser gr√∂√ütes Kapital sind unsere Mitarbeiter, deswegen wollten wir auch in der Region bleiben, die gleichzeitig aber auch ein idealer Standort wegen der EU-Osterweiterung ist. Es dauert, bis ein Mitarbeiter mit den komplexen Abl√§ufen in einem Logistik-Zentrum vertraut ist. Das ist qualifizierte Arbeit, die dort geleistet wird.

Kommen wir zum Verkehr. Sie sagen, der √ľberwiegende Teil der Waren kommt aus und geht in die Ferne. Wie definieren Sie Ferne?
Das ist alles, was weiter als die Region ist. Beispielsweise kommt Waschmittel aus D√ľsseldorf, das dann f√ľr ein Handelslager in Offenburg weiter transportiert wird. Das wird das Hauptgesch√§ft.

Lkw-Verkehr durch Heddesheim

Sind Sie bereit, eine Vereinbarung mit der Gemeinde zu schließen, dass möglichst wenig Verkehr durch Heddesheim läuft?
Dar√ľber sind wir gerade im Gespr√§ch. Seri√∂serweise kann ich nicht ganz ausschlie√üen, dass einige Lkws durch Heddesheim fahren. Nur nicht ann√§hernd in der Gr√∂√üenordnung, wie von der IG behauptet. Die wollen das einfach nicht verstehen.

Im Mannheimer Morgen zu sehen, wurde mitten in der Diskussion ein Pfenning-Laster in der Ortsmitte fotografiert√Ę‚ā¨¬¶
Dann schauen Sie sich den mal an: Das ist ein „City-Sattel“ gewesen. Solche Lkw werden f√ľr die Nahversorgung eingesetzt. Die Leute wollen doch auch im Laden was kaufen k√∂nnen, oder?

K√∂nnen Sie denn die Zahl von 3 Lkw pro Stunde in Spitzenzeiten √ľber die Ringstra√üe halten, wenn die 2. Ausbaustufe fertig ist oder sind es dann doppelt so viele?
Es werden nicht doppelt so viele sein, weil sich die Bebauung und damit die gelagerten Waren nicht verdoppeln. Aber es werden mehr sein, hier auch wieder im Fernverkehr. Seriös kann ich das heute noch nicht sagen, wir reden gerade vom Jahr 2016.

Pfenning-Lkw vor Edeka Tiefk√ľhl-Zentrum Bild:pro

Pfenning-Lkw vor Edeka Tiefk√ľhl-Zentrum Bild:pro

Wie steht es mit den Verhandlungen mit der Bahn? Dauern die an oder stehen Sie vor einem Abschluss?
Die sind in trockenen T√ľchern. Die Bahn hat da ganze Arbeit geleistet. Sie k√∂nnen sich vorstellen, wie kompliziert eine L√∂sung ist, wenn Sie wissen, dass immer nur kurze Zeitfenster bleiben, um die Z√ľge auf die Strecke zu bringen, weil auf der Linie der ICE entlang rauscht. Wir werden drei Gleise haben, eins zu den Hallen, eins f√ľr die leeren Waggons und eins f√ľr die Loks zum Rangieren.

Wer bezahlt das und wie teuer ist der Bau?
Wir. Das kostet uns rund 2,5 Millionen Euro.

„Sch√∂nheit liegt im Auges des Betrachters“, Uwe Nitzinger

Zum Bau: Herr Fleckenstein hat im Mannheimer Morgen die Monstrosität der Hallen kritisiert. Finden Sie Lagerhallen schön?
Das hängt vom Auge des Betrachters ab. Es gibt aber durchaus interessante Architekturen. Abgesehen davon findet hier ein Geschäft statt, das den Leuten Arbeit gibt. Das finde ich schön.

Man k√∂nnte ja auch K√ľnstler dran setzen, die die Hallen versch√∂nern.
Dazu gibt es √ÉŇďberlegungen.

Zur√ľck zum Anfang: Wer ist denn auf wen zugegangen, B√ľrgermeister Kessler auf das Unternehmen oder umgekehrt?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich das nicht mehr wei√ü. Wir haben aber nach Aufnahme der Verhandlungen sp√§ter auch den Gemeinderat bei uns gehabt, dem wir das Projekt vorgestellt und erl√§utert haben, dass gerade der Gleisanschluss f√ľr uns einen enormen Vorteil bietet.

Kritischer Gemeinderat?

Wurden kritische Fragen gestellt?
Selbstverständlich haben die Gemeinderäte uns Fragen gestellt, beispielsweise zur Verkehrsbelastung, das war ein zentraler Punkt.

In Heddesheim wundert man sich, dass die Gr√ľnen geschlossen zugestimmt haben. Mussten Sie bei den Gr√ľnen eine st√§rke √ÉŇďberzeugungsarbeit leisten als bei den anderen?
Wenn Sie mir sagen, wie man einen Gr√ľnen erkennt? Ich habe an den Fragen nicht unterscheiden k√∂nnen, wer zu welcher Partei geh√∂rt.

In Heddesheim wird mittlerweile hitzig √ľber das F√ľr und Wider ihrer Ansiedlung gestritten. Gab es Fehler in der Kommunikation?
Das m√ľssen Sie die fragen, die sich so aufregen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen bei der Kommunikation. Die Stimmung ist nicht von uns aufgeheizt worden. Wir w√ľnschen uns einen konstruktiven Dialog mit den Heddesheimer B√ľrgern. Das heutige Gespr√§ch mit Ihnen ist hierf√ľr ein Beispiel.

Dann hat der B√ľrgermeister Fehler gemacht?
Ich war noch nie B√ľrgermeister und bin in der Kommunalpolitik nicht zuhause. Das kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann aber nicht erkennen, dass der B√ľrgermeister in der Kommunikation Fehler gemacht h√§tte.

Was heißt bedeutend?

Nun, dem Wortsinn nach, dass man etwas oder jemanden deutet.

Der Duden setzt „bedeutend“ mit „au√üergew√∂hnlich“ gleich und definiert:
au|√üer|ge|w√∂hn|lich : a) nicht in, von der gew√∂hnlichen, √ľblichen Art; vom √ÉŇďblichen, Gewohnten abweichend; ungew√∂hnlich:
√ā¬© Duden – Deutsches Universalw√∂rterbuch. 4. Aufl. Mannheim 2001.

Machen Sie sich selbst ein Bild von der Bedeutung des Unternehmens pfenning logistics GmbH, der Vorgängerfirmen und der verbundenen
Unternehmen.

Anmerkung:
Sofern nicht anders gekennzeichnet finden Sie hier Datum, Schlagzeile und Unterschlagzeile sowie eine kurze Zusammenfassung von Texten aus dem Mannheimer Morgen und dessen Regionalausgaben √ľber Unternehmen der Pfenning-Gruppe.
Fett gedruckt sind die originalen Schlagzeilen der Zeitung. In Anf√ľhrungszeichen stehen direkte Zitate aus den Artikeln.

Wer die Originale auf der homepage des Mannheimer Morgen nachlesen will braucht eventuell einen Abonnenten-Zugang oder alternativ den Morgenweb-Schl√ľssel aus der tagesaktuellen Ausgabe.

30. Dezember 2000
„Sylvester-Kracher“ schockt Mitarbeiter
Zum Jahreswechsel verkauft sich die Pfenning Spedition GmbH an die Profi-Log Spedition GmbH, Werftallee 13, 18119 Rostock. „Die Herren Nitzinger und Dollner sind nicht mehr Gesch√§ftsf√ľhrer der Pfenning Spedition√Ę‚ā¨¬¶“ (Herr Nitzinger ist heute Gesch√§ftsf√ľhrer von pfenning logistics, Anm. von H. Prothmann). 130 Besch√§ftige sind betroffen, die Verwirrung ist gro√ü. Nitzinger teilt mit, dass die Pfenning Spedition GmbH keine Betriebsadresse mehr in Viernheim habe, eine Betriebsversammlung sei daher „illegal“. Besch√§ftigten, die ihre Arbeit bei der Mannheimer Niederlassung der Profi-Log antreten w√ľrden, „behalten ihre sozialen Anwartschaften“, droht er unverhohlen allen, die das nicht tun.

30. Dezember 2000
Schock-Nachricht vom Chef
Die Journalistin Ruth Weinkopf versucht verzweifelt den „bisherigen“ Firmenchef Karl-Martin Pfenning, einen seiner Gesch√§ftsf√ľhrer oder die Firma Profi-Log in Rostock oder Mannheim telefonisch zu erreichen. Weder die Auskunft, noch andere Firmen an den neuen Standorten kennen Profi-Log oder die neu gegr√ľndete PF United Logistics in Viernheim.

3. Januar 2001
Profi-Log legt Fehlstart hin
Verwirrspiel um ehemalige Spedition Pfenning geht weiter

Ein privater Sicherheitsdienst hindert rund 30 Besch√§ftigte der ehemaligen Viernheimer Pfenning Spedition GmbH daran sich mit Vertretern der Gewerkschaft √ĖTV in der Kantine zu treffen.
Mitarbeiter, die in Mannheim ihre Arbeit an der neuen Betriebsstelle aufnehmen wollten, wurden wieder nach Hause geschickt. Das Arbeitsgericht Darmstadt erl√§sst eine einstweilige Verf√ľgung und untersagt den ehemaligen Mitarbeitern, ihre Arbeit in Mannheim aufzunehmen, bevor nicht die Verhandlungen √ľber einen Interessenvergleich abgeschlossen sind. Uwe Nitzinger, Gesch√§ftsf√ľhrer der Pfenning Logistik GmbH, nennt als Gr√ľnde f√ľr den Verkauf der Firma „markpolitische Aspekte“.

3. Januar 2001
Sicherheitsdienst verwehrt Beschäftigten Zutritt
Gespannte Atmosphäre bei ehemaliger Pfenning Spedition / Betriebsratsvorsitzender will wegen Tätlichkeiten Anzeige erstatten

Der Betriebsrat ruft zur Betriebsversammlung auf, die ehemalige Gesch√§ftsf√ľhrung bezeichnet dieses Treffen per Aushang als „illegal“. Der Betriebsratsvorsitzende Hans-Dieter Mai gibt an, von Sicherheitsleuten „in den Bauch geboxt“ worden zu sein, „so dass er zu Boden ging“. Er sei ein zweites Mal geschubst worden, zu Boden gegangen und auf den Hinterkopf gefallen. „Ich habe Kopfschmerzen und √ÉŇďbelkeit“, wird Mai zitiert. Mitarbeiter durften nach eineinhalb Stunden dann doch zur Betriebsversammlung, aber nicht an ihre Arbeitspl√§tze. √ĖTV-Sprecherin Monika Hettwer bezeichnet das Vorgehen der Firma als „sensationell“ und „menschenverachtend“.
√Ę‚ā¨¬¶
„Sie spielte damit auf Vorkommnisse vor knapp zehn Jahren an. Damals, im April 1991, war ein Werkstattleiter wegen eines Warnstreiks ausgerastet und hatte mit einem Truck den Tisch der Gewerkschaft niedergewalzt. √Ę‚ā¨¬¶ Entlassen hat die Spedition damals einen Betriebsrat√Ę‚ā¨¬¶ Er musste sp√§ter nach einem Beschluss des Arbeitsgerichts Darmstadt wieder eingestellt werden. Zuvor hatte ihm sein Arbeitgeber schon mehrfach – ebenfalls erfolglos – gek√ľndigt. Der Mann ging schlie√ülich von alleine.“

4. Januar 2001
Angestellten erneut Zutritt verweigert
Auch der Viernheimer B√ľrgermeister Matthias Baa√ü schaltet sich nun in das „Verwirrspiel um die fr√ľhere Spedition Pfenning“ ein. Er stellt den protestierenden Besch√§ftigten einen Raum im „Forum f√ľr Senioren“ f√ľr Betriebsversammlungen zur Verf√ľgung. Der Betriebsratsvorsitzende wird mit Mitteilung von Uwe Nitzinger seiner Funktion enthoben.
B√ľrgermeister Baa√ü kritisiert die Informationspolitik des Unternehmens und verlangt umfassende Aufkl√§rung. „Zur neugegr√ľndeten Firma Profi-Log machte Nitzinger auch dem B√ľrgermeister gegen√ľber keine weiteren Angaben.“ Der Zeitung erkl√§rt Nitzinger, „von einer Zusammenarbeit mit der in Viernheim neugegr√ľndeten Pf united logistics GmbH, mit der der bisherige Eigent√ľmer nichts mehr zu tun habe, verspreche er sich einschneidende Verbesserungen im Dienstleistungs- und Servicebereich, man stehe vor einem „Quantensprung“ im Speditionsgesch√§ft.“

5. Januar 2001
Politik appelliert an Spedition
„Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Meister appellierte gestern an die Unternehmensleitung: „im Sinn der der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Unternehmens der Firma Pfenning, das Verwirrspiel der vergangenen Tage zu beenden.““
„Der Bundestagsabgeordnete respektiert „die Freiheit unternehmerischer Entscheidungen, die im Rahmen der geltenden rechtlichen Bestimmungen erfolgen. Aber das Wohl des Unternehmens und das Wohl der Arbeitnehmer sind keine Gegens√§tze, sie bedingen einander.“
„Der Fraktions- und Parteivorsitzende der Viernheimer CDU, Martin Ringhof, erinnerte daran, dass das deutsche Wirtschaftssystem auf dem der sozialen Marktwirtschaft beruhe. Das Verhalten der Arbeitgeber (Pfenning, Anm. H. Prothmann) vertrage sich weder hiermit noch mit den Grunds√§tzen einer christdemokratischen Wirtschaftspolitik.“
Die Gr√ľnen kritisieren die „Wildwest-Manieren“ der Spedition.

9. Januar 2001
Unternehmerische Willk√ľr
„Mit Sorge beobachten die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) die wachsende Tendenz, wie sich gewisse Kreise versuchen unter strenger Wahrung ihrer Eigeninteressen und der Missachtung der Rechte anderer aus ihren Pflichten zu stehlen. Ein solch gravierendes Beispiel unternehmerischer Willk√ľr liefert derzeit die Gesch√§ftsleitung der Spedition Pfenning in Viernheim.“
Hans Winkler, 1. Vorsitzender KAB

12. Januar 2001
Termin vor Arbeitsgericht geplatzt
Pfenning Gesch√§ftsf√ľhrung ignoriert Vorladung

„Die Vorg√§nge um die Pfenning Spedition GmbH, Viernheim, nehmen immer groteskere Z√ľge an. Zu einer Verhandlung, die f√ľr gestern vor dem Arbeitsgericht Darmstadt anberaumt war, erschien kein Vertreter der Gesch√§ftsf√ľhrung. Begr√ľndung: Man sein nicht zust√§ndig, das Unternehmen verkauft.“
„Weiterhin nebul√∂s bleibt die Firma Profi-Log Spedition GmbH, an die die Pfenning Spedition GmbH nach Angaben der Gesch√§ftsf√ľhrung verkauft worden sein soll.“
„Das Gremium (√ĖTV, Anm. Hardy Prothmann) fordert die Verantwortlichen in einem Schreiben auf, bei einer Betriebsversammlung am kommenden Montag endlich Klarheit √ľber die Eigentumsverh√§ltnisse zu schaffen.“

13. Januar 2001
Pfenning meldet sich zu Wort
Speditionschef macht Gewerkschaft f√ľr Unruhe verantwortlich

„Pfenning gibt nur einen Fehler zu: Der Sicherheitsdienst h√§tte dem Betriebsratsvorsitzenden √Ę‚ā¨¬¶ nicht den Zutritt zum Betrieb verbieten d√ľrfen. Die Bewachung√Ę‚ā¨¬¶begr√ľndet Pfenning mit versicherungsrechtlichen Anforderungen.“
„Scharfe Angriffe richtet der Firmenchef gegen die √ĖTV-Gewerkschaftssekret√§rin Monika Hettwer: „Sie versteht es meisterlich, das Feuer zu sch√ľren“, so Pfenning. √Ę‚ā¨¬¶ Hettwer l√§sst dieser Angriff kalt: „Es ist meine Aufgabe, Missst√§nde zu bek√§mpfen, das tue ich.“

16. Januar 2001
Trauerspiel
Unser Redaktionsmitglied Dirk Pohlmann kommentiert den Fall Pfenning Spedition
„Pfenning Holding, Pfenning, Logistik, Pfenning Spedition, Log-Sped, Profi-Log, Profi-Consult, PF United Logistics: Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollst√§ndigkeit und ist dennoch bereits un√ľbersichtlich.“

16. Januar 2001
Jetzt will der Landrat vermittelnd eingreifen
Streit um en Verkauf der Pfenning Spedition GmbH geht weiter / Wieder Solidaritätsbekundungen in der Lilienstraße

„Mir geht‚Äôs um Transparenz und darum, die Firmenpolitik offen zu legen“, betonten Hofmann (der Landrat, Anm. Hardy Prothmann). „Es muss Klarheit √ľber den k√ľnftigen Status herrschen. Schlie√ülich m√ľssen die betroffenen Arbeitnehmer ihre Familien ern√§hren.“
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„Die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht berichtete von eigenen Recherchen in Rostock. Dort sei die Firma Profi-Log weder im Handelsregister eingetragen noch sei sie dem Speditionsfachverband oder der IHK bekannt.“

16. Januar 2001
Keine Bewegung im Streit um Pfenning
Gesch√§ftsf√ľhrungen und Gewerkschaft bleiben unvers√∂hnlich / Politik gibt Vermittlung auf

„Die Positionen im Streit um die Viernheimer Pfenning-Gruppe bleiben unver√§ndert, einen Einigung scheint weiter entfernt denn je.“

23. Februar 2001
Pfenning-Fahrer gehören zur PF
Arbeitsgericht Darmstadt gibt Gewerkschaft Recht

„Das Darmst√§dter Arbeitsgericht hat ein Machtwort gesprochen: Die Arbeitnehmer der fr√ľheren Pfenning Spedition GmbH haben einen Besch√§ftigungsanspruch gegen die Firma PF United Logistics Spedition GmbH. Es liegt ein Betriebs√ľbergang von der Pfenning Spedition auf die PF United vor.“

23. November 2001
Paukenschlag bei Pfenning
Pf United Logistics stellt Antrag auf Insolvenzverfahren

„Genau ein Jahr nach der Aff√§re um den Verkauf der Pfenning Spedition GmbH gibt es in der Viernheimer Logistik-Gruppe einen neuen Paukenschlag: Die pf United Logistics GmbH hat gestern einen Antrag auf Er√∂ffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Betroffen sind nach Angaben des Unternehmens 53 Arbeitnehmer.“
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„Die pf United begr√ľndete gestern ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit Kundenverlusten auf Grund der „spektakul√§ren Aktionen der √ĖTV und des Betriebsrates“.

23. Juni 2006
Meterhohe Flammen schießen aus der Lagerhalle
Großbrand auf dem Gelände der Spedition Pfenning / Millionenschaden, aber keine Verletzten / Brandursache unklar

„Mit einem Inferno aus Rauch und Flammen k√§mpfte die Feuerwehr in der Nacht zum Freitag: Bis zu 25 Meter hoch schossen die Stichflammen aus einer Lagerhalle in Viernheim. Sie wurden durch den Brand v√∂llig zerst√∂rt.“
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„Zeitweise drohte das Feuer auch auf zwei Tanks mit Fl√ľssiggas und auf ein benachbartes Unternehmen √ľberzugreifen, das Aluminium und Altpapier gelagert hat. Das konnten knapp hundert Einsatzkr√§fte aber verhindern. Als besonders kritisch beschreiben Einsatzkr√§fte den Augenblick, als sich kurz dach ihrem Eintreffen gro√üe Mengen brennbarer Stoffe durch Sauerstoffzufuhr auf einen Schlag entz√ľndeten.“

17. November 2007
Umstieg von Zug auf LKW
„Der Streik der Lokomotivf√ľhrer trifft nicht nur Urlaubsreisende und Berufspendler, der nach und nach eskalierende Ausstand beschert auch den Spediteuren jede Menge Mehrarbeit. Der Frachtverkehr verlagert sich zunehmend von der Schiene auf die Stra√üe√Ę‚ā¨¬¶“
„Betroffen ist auch die Viernheimer Spedition Pfenning Logistics, die Waren eines Hauptkunden (Henkel, Anm. Hardy Prothmann) normalerweise per Zug geliefert bekommt. „Da das derzeit nicht m√∂glich ist, wurde der gesamte Transport auf LKW umgestellt, so Sprecherin P√©lagie Mepin.“

Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim?

Das Unternehmen pfenning logistics GmbH will ab 2010 mit dem Bau von Hallen nördlich der Benzstraße beginnen und dort ein riesiges Logistik-Zentrum errichten. 2013 soll der Firmensitz vom hessischen Viernheim ins badische Heddesheim wechseln.

Geplant ist die Bebauung eines Areals nördlich der Benzstraße in einer Größe von 200.000 Quadratmetern. Ein zweiter Bauabschnitt könnte nochmals so groß werden, also insgesamt gut 400.000 Quadratmeter umfassen.

Der Heddesheimer B√ľrgermeister Michael Kessler freut sich Anfang Februar 2009: „Sie sehen einen insgesamt rundum gl√ľcklichen B√ľrgermeister“, zitiert ihn der Mannheimer Morgen. Und: „Wir sind stolz, so ein gro√ües und bedeutendes mittelst√§ndisches Familienunternehmen f√ľr Heddesheim gewonnen zu haben.“ (Was „bedeutendes“ Unternehmen meint, l√§sst sich eindrucksvoll unter Was hei√üt bedeutend? nachlesen.)

Der Gemeinderat hatte das Projekt zuvor am 22. Januar einstimmig abgesegnet. Der Beschluss allerdings wurde in einer nicht-√∂ffentlichen Sitzung gefasst, die Heddesheimer B√ľrgerinnen und B√ľrger erfahren von dem Projekt aus der Presse.

Frohe Botschaft?

Die Botschaft lautet: Heddesheim bekomme auf einen Schlag bis zu 1000 neue Arbeitsplätze, Heddesheim könne stolz sein auf diese Akquisition, die kleine Gemeinde werde ein bedeutender Standort, die wirtschaftliche Entwicklung der Kommune werde gefördert. Heddesheim komme mitten in der Krise voran.

Kurze Zeit darauf zeigt sich aber, dass B√ľrgermeister und Gemeinderat ihre Rechnung nicht mit den B√ľrgern gemacht haben.

Was bedeutet das f√ľr uns?

Denn die haben Sorgen. „Was bedeutet das f√ľr uns?“, ist die Kernfrage. Die meisten meinen den Verkehr, viele die Gef√§hrdung durch den Verkehr, ebenfalls viele die Umweltbelastung durch Feinstaub, L√§rm und versiegelte Fl√§chen, manche Eigent√ľmer f√ľrchten einen Wertverlust ihrer Wohnungen, H√§user, Grundst√ľcke.

Wer bis dato noch keine Meinung hatte, findet Anfang April ein „Flugblatt“ mit diesen Fragen in seinem Briefkasten.

Und pl√∂tzlich sind sehr viele Heddesheimer nachdenklich geworden, manche sind gar sauer auf ihren B√ľrgermeister und den Gemeinderat.

Denn sie f√ľhlen sich √ľbergangen. (siehe einen Leserbrief aus dem Mannheimer Morgen).

Sie haben das Gef√ľhl, dass das Schicksal Heddesheims und damit ihr eigenes √ľber ihre K√∂pfe hinweg entschieden wird. Mit ungewissem Ausgang.

B√ľrgerbeteiligung als Farce

Sie f√ľhlen sich verraten, weil die „B√ľrgerbeteiligung“, bei der das Projekt vorgestellt wird, zur Farce wird. B√ľrger, die sich beteiligen, also ihre Ansichten √§u√üern und Fragen stellen, bekommen von einem sichtlich mehr und mehr genervten B√ľrgermeister nur die Auskunft, dass kritische Fragen eines Flugblatts unwahre Behauptungen aufstellten und die Fakten nicht kennten und pfenning logistics nach Heddesheim kommen wird.

Manch einer der Fragesteller wird an diesem Abend von einem selbstgef√§lligen SWR-Moderator abgemeiert, der Stimmqualit√§t oder Ausdruck der fragenden B√ľrger bem√§ngelt und dabei selbst wegen fortw√§hrenden Nuschelns oft schlecht zu verstehen ist. Der Moderator l√§√üt gar einem Redner gleich mehrfach das Mikrofon abdrehen. Nur die Buh-Rufe der versammelten B√ľrger bringen ihn zur Einsicht.

Und viele sind fassungslos, als Uwe Nitzinger, Gesch√§ftsf√ľhrer des Unternehmens pfenning logistics, auf die Frage nach Gefahrstoffen wie beispielsweise Trennmitteln die Sachlage so erkl√§rt: Ja, Trennmittel lagere man auch, aber die seinen in der Industrie eben so notwendig wie das Fett, mit der die Hausfrau die Backform einstreicht, damit der Kuchen nicht haften bleibt.

Sind 100 Millionen Euro mehr wert als kritische Fragen?

Und viele der anwesenden B√ľrger f√ľhlen sich verkauft angesichts der Zahlen. 100 Millionen Euro will das Unternehmen pfenning logistics in den neuen Standort investieren.

100 Millionen Euro sind viel mehr als ein paar kritische Stimmen, denken sich viele und kapitulieren schon fast innerlich angesichts eines B√ľrgermeisters und eines Gemeinderats, die klar gemacht haben, was sie wollen.
„Was k√∂nnen wir dagegen schon machen?“, wird nach der Veranstaltung gefragt.

Widerstand leistet eine Interessengemeinschaft „Nein-zu-Pfenning“. Die Motive der Menschen, die sich gegen das Pfenning-Projekt wehren wollen, sind unterschiedlich. Angst vor dem Verkehr, Sorge um den L√§rm und die Umwelt sowie Verlust an Lebensqualit√§t in der Gemeinde waren anfangs die wichtigsten Gr√ľnde.

Die Initiatoren der Interessengemeinschaft haben nachvollziehbare Gr√ľnde f√ľr ihre Ablehnung. Einige sind Gewerbetreibende, die selbst im bereits bestehenden Gewerbegebiet gegen√ľber dem geplanten Logistik-Standort wohnen und ganz egoistisch um ihre Wohn- und Lebensqualit√§t bei bis zu 1000 LKW-Fahrten in Spitzenzeiten pro Tag bangen – und dass nur in der ersten Ausbaustufe.
Andere sind Anwohner der Ringstraße. Ihr Motiv ist im wesentlichen dasselbe wie auch das anderer Heddesheimer, die an den Achsen durch Heddesheim leben, also Viernheimer Straße, Unter- und Oberdorfstraße, Muckensturmer Straße, Werderstraße, Schaafeckstraße und Großsachsener Straße.

Sorgen und Frust

Aber √ľberraschend viele B√ľrger, die dem Pfenning-Projekt skeptisch gegen√ľber stehen, sind nicht direkt betroffen, sondern f√ľhlen mit, machen sich f√ľr andere Sorgen, denken an die Kinder, an die Alten, an die Umwelt und an die Gemeinde an sich.

Und sind erbost √ľber den Auftritt ihres B√ľrgermeisters und entt√§uscht √ľber die unkritischen Gemeinder√§te, die ihre Fragen nicht gestellt und in nicht-√∂ffentlicher Sitzung f√ľr dieses Projekt gestimmt haben.

Bis heute fehlt von Seiten der Fraktionen „CDU“, „SPD“, „FDP“und „B√ľndnis90/Gr√ľne“ jede offizielle Stellungnahme zum Pfenning-Projekt. Ebenso wie auf der homepage der Gemeinde Heddesheim.

„Warum?“, fragen sich viele. Diese Nicht-Informationspolitik sch√ľrt die Bef√ľrchtungen, dass l√§ngst nicht alle „Fakten“, au√üer dass Pfenning kommt, auf dem Tisch liegen. „Was wird uns verheimlicht?“, ist eine g√§ngige Frage.

Als Grund f√ľr die Geheimhaltung nennt B√ľrgermeister Kessler die „selbstverst√§ndlich“ zu sch√ľtzenden „Interessen“ des Investors. Dass auch seine B√ľrger Interessen haben, die es zu sch√ľtzen gilt und dass dies f√ľr einen B√ľrgermeister „selbstverst√§ndlich“ sein sollte, f√§llt ihm nicht ein. Soviel B√ľrgerferne war selten.

„Nach der B√ľrgerbeteiligung“, die nach Ansicht der Mehrheit der anwesenden B√ľrger keine war, ist f√ľr diese nun „vor der B√ľrgerbeteiligung“ geworden. Sie wollen mitreden, zumindest Fragen stellen k√∂nnen und daf√ľr verst√§ndliche Antworten erhalten.

Das versucht auch dieses Blog.

Eine Gemeinde ist so lebendig wie ihre B√ľrger. Sie braucht weder vertrauensselige Ja-Sager, noch notorische Nein-Sager. Sie braucht aktive B√ľrger, die sich f√ľr das eigene Wohl und das ihrer Mitb√ľrger interessieren.

Lesen Sie mit. Schreiben Sie mit. Diskutieren Sie mit. Denken Sie nach. Bringen Sie sich ein.

Sie sind herzlich eingeladen!

Ihr heddesheimblog

P.S.: Am 7. Juni 2009 ist Gemeinderatswahl. Gehen Sie hin oder wählen Sie per Briefwahl.

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